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 Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"

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Mini_2010

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BeitragThema: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Aug 09 2012, 18:51

das Eingangsposting lautete :

Liebe Leser,

Die nachfolgende Geschiche habe ich vor etwa zwei Jahren einmal geschrieben. Bisher verweilte sie geduldig auf meinem Laptop. Nach langen Überlegungen habe ich mich nun doch dazu durchgerungen, sie hier im Forum zu veröffentlichen. Ich weise vorab darauf hin, dass die Geschichte Passagen enthält, die in die Kategorie FSK 16/18 gehören. Ansonsten freue ich mich natürlich, wenn sie euren Zuspruch findet. Sollte das nicht der Fall sein, wäre es schön, das zu wissen, dann würde ich davon absehen, sie fortzuführen.

Danke und viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße
Mini


****************************************

Prolog
Schweden, Juni 2005


Unruhig warf er sich auf seinem Bett hin und her. Es war wieder einer jener grausigen Träume, der ihn seit Monaten verfolgten. Erschöpft und verwirrt von seiner träumenden Pein drehte er sich auf den Rücken und starrte an den weißen Baldachin, der anmutig über seinem Bett schwebte. Warum immer wieder dieser Traum? War es bald wieder soweit? Immer, wenn die Zeit drängte, mehrten sich diese seltsam beunruhigenden Träume. Und er hatte keine Zeit mehr, soviel wusste er. Und noch etwas lag in der Luft. Etwas, was er noch nicht greifen konnte, etwas, was ihn beunruhigte und sein Herz zum Rasen brachte. Keuchend stieß er den Atem aus und legte sich die Hand über seine Augen. Ein schwaches Licht drang von draußen durch die feinen seidenen Vorhänge. Mit schwirrendem Kopf erhob er sich von seinem Bett, durchquerte auf schlaftrunkenen Füßen das Schlafzimmer und trat auf den Balkon des großzügigen Hauses, welches er seit ein paar Jahren sein Eigen nannte. Er war viel herumgekommen, und einst würde der Moment kommen, dass er wieder gehen müsste. Aber noch war es nicht soweit, noch hatte er die Möglichkeit, seine Aufgabe zu erfüllen, um dem Bann zu entgehen, der auf ihm lastete. Als er damals ausgesprochen wurde, hatte er es zunächst für den kompromittierenden Versuch einer zynischen Frau gehalten. Aber er hätte es besser wissen müssen, schließlich hatte er sie bis aufs Blut gereizt. Und wenn er ehrlich war, hatte er sich auch keineswegs dafür geschämt. Seine Arroganz war ein sicherer Schild seiner virilen Selbstsicherheit, und seine Wut stärkte ihn regelmäßig, damit er nicht vergaß, dass eine Offenbarung seiner Seele ihm nur mehr Leid zuführen konnte. Wann er so geworden war, wusste er nicht mehr, und dass sie dieses Wesen an ihm hasste, gab ihm den notwenigen Nährboden, sich sicher zu fühlen – von der Welt gehasst und nur von den Allerengsten wirklich erkannt und geliebt. Im Grunde war er selbst schuld an seinem Leid, und das wusste er. Wie oft hatte er sich gewünscht, so zu sein, wie seine Geschwister, gesegnet mit der Liebe einer Mutter und dem Wissen, dass er ihr etwas bedeutete. Er wusste, dass er ihr mit diesem Wunsch unrecht tat, da sie auch ihm das gegeben hatte, was er den anderen tief in seinem Inneren neidete. Nur leider schien er für ihr Geschenk nicht empfänglich zu sein. Wie eine Krankheit war das Geschenk in seinen Händen verdorben und unbrauchbar geworden und hatte stattdessen seinen Hass und seinen Zorn geboren und stetig genährt. Am Ende war es sein innerer Gram, sein Hass allein auf sich selbst, der ihr die Schuld an seinem Unglück gab.

Sein Vater war stolz auf ihn. Als er ihn nach dem Grund gefragt hatte, hatte er gesagt, dass er besser für den Kampf geeignet wäre als sein Bruder. Er erinnerte sich, wie glücklich er über diese Anerkennung gewesen war. Und als er seinen Vater gefragt hatte, warum er das so sah, hatte dieser nur gemeint, dass er nicht das verschwenderische Herz eines Liebenden besäße. Es sei gerade soviel Gefühl in ihm, dass er seinen Feinden den Gnadenstoß gewähren würde, anstatt wie ein feiger Hund jaulend vom Schlachtfeld zu flüchten. Er besaß nicht das Herz eines Liebenden? Er war betrübt, ja sogar entsetzt darüber gewesen, was sein Vater von ihm hielt. Daraufhin hatte er sich geweigert, an seiner Seite zu kämpfen und begonnen, das Leben eines Eremiten zu führen. Hinter dem Schutzmantel der Gleichgültigkeit hatte er seine verletzte Seele vor der Welt verborgen. Niemand sollte je an sie herankommen. Mit den Jahren wurden Einsamkeit und Selbsthass seine besten Verbündeten, halfen sie ihm doch, den Panzer um seine Seele zu stählen, die das winzige Gefühlsaufkommen beinhaltete, was ihm zueigen war. Und mit der Zeit wurde er gut darin, diese kostbaren Gefühle tief in sich zu verbergen, bis sie fast gar nicht mehr zum Vorschein kamen. Nur sehr selten und meist nur dann, wenn er selbst keinen Einfluss darauf hatte, zeigten sie sich. Der sichere Panzer hatte ihn die Äonen seines Daseins über geschützt. Doch urplötzlich schien die Zeit aus den Fugen geraten zu sein. Eigentlich sollte er es als einen Segen empfinden, aber die Tatsache, dass er nicht selbst über sein Dasein entscheiden konnte, ließ diese Empfindung nicht zu. Er war ein Narr – ein kaltes Herz, was einer Seele nachjagte, die er doch nie erwärmen können würde. „Du siehst aus, als hättest du schlecht geträumt.“, vernahm er eine sanfte weibliche Stimme, gefolgt von leisem Rauschen. Er sah auf und konnte einen schwebenden Schatten am nächtlichen Himmel ausmachen. Die schöne Gestalt schwebte, getragen von anmutigen Schwingen, auf seinen Balkon. Augenblicklich verschwanden ihre schönen Flügel, die er immer bewundert hatte. „Nemesis. Was verschafft mir die Ehre deines nächtlichen Besuchs?“, erwiderte er beinahe gelangweilt. Es tat ihm leid, dass er sie so schroff begrüßte, denn er mochte Nemesis. Sie waren sich auf eine ungewöhnliche Weise sehr ähnlich. „Ich habe dich gesucht. Und du hast dich ziemlich gut versteckt. Doch dein Zorn hat dich verraten. Ich hab ihn gespürt. Du weißt doch, wie sehr ich dafür empfänglich bin.“, erklärte sie und tippte sich lächelnd gegen ihre kleine hübsche Nase. „Zornradar …“ Er lachte leise. „Ich rieche ihn … und dann bin ich da. Wer hat dir Unrecht getan?“, fragte sie mit fester Stimme, in der ein Hauch Missbilligung mitschwang.

Er schnaubte leise und winkte mit einer lässigen Handbewegung ab. „Die Kurzfassung?“, fragte er trocken. Nemesis nickte wortlos. Aus ihrem hübschen Gesicht, welches von einer dichten blonden Lockenpracht umrahmt wurde, blickten ihn zwei silbergraue Augen streng an. Er kannte diesen Blick, der ihm nur zu deutlich sagte, dass sie keine Ruhe geben würde, bevor er nicht ausgesprochen hatte, was sie zu wissen verlangte. Es war schon so lange her, seit dieser Bann gesprochen wurde, und erst jetzt fiel ihm auf, dass er Nemesis lange nicht gesehen hatte. Er seufzte indigniert. „Mein Bruder hatte einen Anfall von Geltungssucht, ich hab mich provozieren lassen und ein paar … wie soll ich sagen … Dinge laut ausgesprochen, die andere nicht mal im Stillen gedacht hätten, und sie – er sprach dieses Wort aus, als wäre es eine Krankheit – hat mich darauf hin verflucht. Nun sitze ich hier, inmitten der Zeit, die mir so unaufhaltsam durch die Finger rinnt, und bin doch nicht schlauer als gestern oder vorgestern. Zumindest habe ich schon mal gelernt, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Alternativ droht mir ja ohnehin nur das Getuschel sensationssüchtiger Dummköpfe, und da mir das eh nicht behagt, bleibe ich, wo ich bin. Du weißt ja, Selbstmitleid war noch nie meine Stärke.“ Nemesis hob fragend die Augenbrauen. Kopfschüttelnd sah sie ihn an. „Das übliche also?“ Er nickte betrübt. Nemesis stieß ein leises Seufzen aus. „Du weißt, dass ich sie nicht für etwas zur Rechenschaft ziehen kann, was sie nicht zu beeinflussen in der Lage ist. Sie liebt dich, das weißt du genauso gut wie ich. Dass ihre Gabe in dir keine Wurzeln schlägt und Früchte trägt, ist einem höheren Schicksal zuzuschreiben.“, erklärte sie ruhig und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er seufzte wieder. Sein innerer Schutzpanzer war brüchig geworden, aber Nemesis konnte er vertrauen. Selbst wenn er sein Gesicht verlöre, sie würde ihn nicht verhöhnen oder verurteilen. Sie war ihm treu, wie kaum ein anderer, den er kannte. Dann sah er sie an und lächelte gemein. „Vielleicht könntest du ja meinem Bruder mal einen Denkzettel verpassen. Glaub mir, der Knabe hat es mehr als verdient.“ Nemesis lächelte zaghaft. „Ja, da gebe ich dir recht. Aber sein Hass ist ehrlich. Er empfindet keine Liebe für dich, die man als herzlos oder falsch bezeichnen könnte. Glaub mir, wenn dem so wäre, würdest du meine Rache schon bemerkt haben.“ Jetzt grinste sie breit. Er bedachte sie mit einem gequältem Lächeln, und Nemesis hob ihre Hand, um ihm zärtlich über seine Wange zu streichen. „Du bist mir unter all denen Unsrigen der Liebste, mein schöner dunkler Engel.“, raunte Nemesis.

Er sah auf sie herab und verzog mürrisch das Gesicht. Er hasste es, wenn sie ihn so nannte. Er war kein Engel, doch Nemesis schien die Tatsache allein, dass er Flügel besaß – die er so gut wie nie zeigte, geschweige denn, benutzte – zu genügen, ihn regelmäßig damit aufzuziehen. Er sah sie tadelnd an, doch sie grinste nur verschmitzt zurück. „Du bist, was du bist. Wir zwei sind uns in manchen Punkten so ähnlich.“, erklärte sie feierlich. „Eigentlich ein perfektes Paar.“ Sie machte sich nicht die Mühe, das schelmische Grinsen zu verbergen. „Ja, das ist dein Glück. Andernfalls hätte ich dich schon längst übers Knie gelegt und dir den Hintern versohlt.“, knurrte er leise.“ Nemesis grinste noch breiter, trat näher zu ihm und stellte sich auf die Zehenspitzen. Dann legte sie ihre Arme um seinen Nacken und zog ihn zu sich hinunter. Ihre Lippen an seinem Ohr jagten ihm einen kurzen Schauer über den Rücken. „Mein schöner Engel, komm, lass uns die Nacht ein wenig unsicher machen.“, säuselte sie. Er sah sie argwöhnisch an. „Ich weiß nicht …“ Er wollte sich aus ihrer Umarmung lösen, doch sie hielt ihn fest. „Komm, ich weiß dass du das nicht magst, aber es ist jetzt genau das, was du brauchst. Und morgen stellst du dich wieder deinem Leben. Glaub mir, auch das Schicksal braucht mal eine Pause.“, meinte sie leichthin. Er zögerte einen Moment und sah sie schweigend aus traurigen Augen an. „Also gut, kleine Schwester. Nur für dich.“, flüsterte er mit einem kleinen Lächeln. Dann wuchsen zwei wunderschöne mitternachtsschwarze Flügel aus seinem Rücken, und Nemesis’ Augen leuchteten begeistert auf. Dann stießen sie sich von dem Balkon seines Schlafzimmers ab und entschwanden gemeinsam lautlos in der Nacht. Eine Weile streiften sie durch die Gegend, bis sie sich auf einer kleinen unbewohnten Insel nahe einem Fjord an der Schwedischen Küste niederließen und in die Magie des Midsommar fühlten. Er liebte diesen Moment im Jahr, an dem der Sommer gefeiert wurde. Die Sommersonnenwende und der Beginn der weißen Nächte. Er sah zum Himmel auf. Das Zwielicht des Midsommar ließ die Sterne in einem anderen Glanz funkeln. Sterne. Ein leises Seufzen entwich seinem Inneren. Sie hatten etwas mit ihm gemeinsam. Sie waren genauso weit entfernt wie er von seiner Erlösung.

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„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“


Zuletzt von Mini_2010 am Do Aug 30 2012, 20:39 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Sa Jan 05 2013, 13:49

katha schrieb:
Na endlich, diese Selbstkasteiung war ja auch kaum noch auszuhalten. Ich bin sehr gespannt, wie Beth mit dem neuen Wissen umgeht, vor allem, wenn Helena auch noch von dem Vorfall in der Bibliothek erzählt. So wie ich sie einschätze, ist der Gedanke mit der Kastration gar nicht so verkehrt. Wenn auch hoffentlich nur verbal. Aber definitv, wird sie die überzeugenderen Argumente finden Mike zu überzeugen.

Mach schnell weiter! bounce
LG, Katha

autsch, das tut aber weh. mal schauen, wie es weitergeht. ich hoffe mal bald. danke Dir für deinen lieben kommi.

LG, Mini Wink

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Jan 10 2013, 12:07

Und auch hier habe ich eine kleine Fortsetzung für euch ... LG, Mini

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Teil 63


Helena sah ihre Freundin mit flehendem Blick an. „Beth, er hat mich vorletzten Freitag in der Bibliothek überfallen und erst vor ein paar Tagen stand er wieder bei mir vor der Tür und wollte mit mir reden. Ich hab zwei Stunden gebraucht, ihn wieder loszuwerden und letztlich hat auch nur geholfen, dass ich mit der Polizei gedroht habe.“ Helena versuchte sich zu beruhigen, bevor sie weitersprach. Sie war kurz davor, hysterisch zu werden. Sehr ungünstig für ihre ohnehin schon angeschlagene Gesundheit. „Der Typ akzeptiert einfach kein Nein. Seit Tagen wage ich mich kaum mehr vor die Tür, hab immer Angst, dass er mir irgendwo auflauert und mich abfängt.“ Mit offenem Mund starrte Beth ihre Freundin an. In ihrem Blick lag pures Entsetzen „Das glaube ich einfach nicht.“, erwiderte sie fassungslos. Doch Helenas gehetzter Blick war für sie Beweis genug. „Soll ich bei dir bleiben, Süße? Du kannst auch zu mir kommen. Ist zwar nicht viel Platz bei mir, aber das kriegen wir schon hin.“, fragte sie fürsorglich. Helena schüttelte den Kopf und winkte ab. „Ich werde mich nicht von ihm vertreiben lassen, indem ich meine vier Wände aufgebe.“ Und plötzlich kam ihr eine perfekte Idee. „Moment mal. Mike und Thomas sind doch so was von dicke miteinander.“ Beth legte den Kopf schief und sah die abwartend an. „Vielleicht könntest du Thomas Bescheid geben, dass er mit seinem ach so perfekten Kumpel mal ein ernstes Wort spricht.“, schlug Helena vor. Ihre Stimme hatte zu einer ungewohnten Ironie gefunden, die beinahe in Sarkasmus überschlug. Beth nickte mechanisch. „Mach ich.“ Ihr ernster Blick sagte Helena unmissverständlich, dass sie sich Mike vornehmen würde, sollte er ihr zufällig über den Weg laufen. Dann verengten sich nachdenklich ihre Augen. „Darf ich Thomas deine Nummer geben?“ Helena dachte kurz über diese Frage nach und nickte schließlich. „Aber sag ihm, dass er mir seine Nummer schicken soll, sonst gehe ich nicht ans Telefon, wenn ich sie nicht erkenne.“ Beth nickte verstehend, dann trat sie an ihre Freundin heran und legte ihr tröstend die Hände auf die Schultern. „Keine Sorge, Süße, das kriegen wir schon wieder hin. Versprochen!“ Helena lächelte zaghaft, mit einem Ausdruck von tiefer Dankbarkeit in den Augen. Ich möchte das so gerne glauben, Beth …, dachte sie, als Beth sie kurz in ihre Arme zog und an sich drückte.

Helena schloss die Augen und fühlte in diesem Moment nichts als Dankbarkeit. Sie war so froh, dass sie sich Beth anvertraut hatte – wenn auch nicht mit all ihren Sorgen. Aber die zweite Sorge war bei weitem nicht so beängstigend. Eher delikat, und das musste Beth nicht unbedingt wissen – zumindest noch nicht. „Und noch etwas, Beth …“ Fragend sah ihre Freundin sie an, nachdem sie sich von ihr gelöst hatte. „… ich bin Single und das wird auch so bleiben, ob es dir gefällt oder nicht.“ Helena lächelte, und Beth nickte verstehend. „Im Moment bin ich ganz zufrieden ohne Beziehung.“ Helena war sich nicht sicher, ob sie Beth oder eher sich selbst zu überzeugen versuchte. Denn was Antamo betraf, war sie sich nicht so sicher, ob sich ihr hehres Vorhaben aufrecht erhalten würde können. „Ich habe das mit Stephen noch nicht wirklich verdaut. Also, sei bitte nachsichtig mit mir.“, behauptete sie schnell und hoffte, dass Beth ihr das abkaufte. Im Grunde war sie längst über Stephen hinweg – na ja, zumindest fast. Beth lächelte und nickte wieder. „Mach dir keine Sorgen. Ich bin okay. Mir geht’s gut und ich bin gerne allein.“, versuchte Helena, Beth zu überzeugen. So ganz gelang es ihr wohl nicht, denn einen Moment später seufzte die Brünette ergeben auf und sah ihre Freundin aufmunternd an. „Hey, Süße, das wird schon wieder. Ruf mich an, wenn du mich brauchst – egal wann.“ Helena zwang sich zu einem echten Lächeln, räusperte sich schließlich und begab sich in die Küche. „Magst du einen Kaffee? Oder vielleicht einen Tee?“, fragte sie, vorrangig um ihre Freundin auf andere Gedanken zu bringen. Diese schüttelte den Kopf. „Nein, Danke, ich bin noch verabredet – mit Adrienne.“, erklärte sie knapp. Natürlich, Adrienne und Beth gingen dreimal die Woche gemeinsam zum Aerobic. Vielleicht sollte Helena das auch mal versuchen. Aerobic ist zumindest eine Leidenschaft, der meistens nur Frauen nachrannten. Also, keine Gefahr, dass dort ein gewisser Mike auftauchen könnte, oder Antamo – obwohl sie bei ihm sicher nichts dagegen hätte. Ganz abgesehen davon, dass weder er noch Mike derartige sportliche Betätigungen nötig hätten. Aber egal, um in Helenas Schema zu passen, bedurfte es ohnehin etwas mehr als nur ein paar ausgeprägte Muskeln an den richtigen Stellen. Sie hatte Stephen in einem Fitnessstudio kennen gelernt. Wohin das geführt hatte, na ja … von daher bevorzugte sie nunmehr Verstand statt Muskeln. Obwohl Muskeln sehr anziehend waren. Also dann doch eher Muskeln mit Grips …, dachte sie und grinste in sich hinein. Und was das betraf, wäre Antamo wohl der ideale Kandidat.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Jan 10 2013, 13:36

Ich wusste doch, dass es Helena gut tun würde, all ihre
Erlebnisse mit Mike bei jemanden loszuwerden, der ihn auch kennt. Das
hat doch noch einmal eine andere Qualität als ein Gespräch mit einer
völlig Außenstehenden.
Vor allem weil Beth, ja durchaus durchsetzungfähig wirkt

Aber Mini, selbst Helena wartet sehnsüchtig auf Anteros. You know, what I mean?

LG, Katha

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Sa Jan 12 2013, 13:06

katha schrieb:
Ich wusste doch, dass es Helena gut tun würde, all ihre
Erlebnisse mit Mike bei jemanden loszuwerden, der ihn auch kennt. Das
hat doch noch einmal eine andere Qualität als ein Gespräch mit einer
völlig Außenstehenden.
Vor allem weil Beth, ja durchaus durchsetzungfähig wirkt

Aber Mini, selbst Helena wartet sehnsüchtig auf Anteros. You know, what I mean?

LG, Katha

*hahaha* Danke dir. Ja, ich weiß, du wartest und wartest und wartest ... und er kommt auch balde ... versprochen

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Jan 23 2013, 14:25

Auch hier mal wieder eine Fortsetzung nach langer Zeit. Habt Spaß beim Lesen ...
@Katha: Der Held ist nah ...

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Teil 64



Ach was war Helena nicht schrecklich verliebt gewesen in diesen Schönling. Stephen hatte ihr die Welt zu Füßen gelegt, und sie war blind genug gewesen, sie anzunehmen. Dass diese Geste offensichtlich nur über seine anderen Schwächen hinwegtäuschen sollte, hatte sie erst mitbekommen als es schon zu spät war. Schwächen, die deutlich mehr Arsch und Brüste hatten als Helena. Sie hätte es besser wissen müssen. Ein paar Tage, nachdem Stephen bei ihr ausgezogen war, hatte sie ihn auf der Straße gesehen. Er hatte eine Hand um die Taille einer Rothaarigen – mit deutlich mehr Volumen an den richtigen Stellen – gelegt und sie an sich gezogen. Als er sie dann noch ziemlich ungeniert mitten auf der Straße abgeknutscht und ihr dabei an ihren Hintern gegrabscht hatte, war ihr beinahe schlecht geworden. Danach hatte Helena ihn spontan zu seiner Entscheidung, sie zu verlassen, beglückwünscht. Mit solchen Männern konnte sie nichts anfangen. Trotzdem hatte es verdammt wehgetan. So sehr, dass sie sich in ihrem Frust ein ganzes Wochenende lang das übelste Repertoire an Horrorfilmen reingezogen und ihre Vorräte an Eiscreme, Chips und Schokolade aufgebraucht hatte. Hinterher hatte sie sich die Seele aus dem Leib gekotzt und sich geschworen, dass sie sich niemals wieder von einem Mann einlullen lassen würde, egal wie gut er aussah. Stephens Affäre hatte sie ziemlich gekränkt. Und es hatte eine Weile gedauert, bis sie sich wieder im Spiegel betrachten konnte, ohne sich für ihre fehlenden Reize zu hassen. Und nun stand der nächste Kerl auf ihrer Matte. Antamo. Doch er schien ganz anders zu sein als Stephen. Zumindest glaubte sie das, wenn sie an seine Bemühungen zurückdachte. Unweigerlich fragte sie sich, wie eine Beziehung mit Antamo aussehen würde – sofern sie darauf erpicht wäre, jemals eine zu haben. Mit Beziehungen hatte sie einfach kein Glück.

Wenigstens konnte sie von sich sagen, dass sie immer treu gewesen war – keine Liebelei oder Affäre, nicht mal eine kurze Schwärmerei hatte sie zugelassen. Nachdem erst Nathan und dann Stephen sie verlassen hatte, hatte sie entschieden, dass Beziehungen zwischen Männern und Frauen einfach nicht funktionierten und begonnen, die Vorteile eines Singledaseins für sich auszuloten. Und hey, was sollte sie sagen, es war gar nicht mal so schlecht, ein Single zu sein. Keine vergammelten Socken, die im Wohnzimmer rumlagen. Man musste nicht für zwei kochen, abspülen, waschen und saubermachen. Und, was das Beste war, keiner beschwerte sich über Terpentingeruch und farbbeschmierte Hände. Ganz zu schweigen vom täglichen Kampf um die Fernbedienung, um das allabendliche Fernsehprogramm festzulegen. Somit hatte das Singledasein ganz eindeutig gewonnen. Sie brauchte keinen Mann, sie kam sehr gut allein zurecht. Und obwohl sie sich das beharrlich einredete, ließ sie die Wut nicht los, die sie noch immer für Stephen hegte. Wie gerne hätte sie die Gelegenheit bekommen, ihm einmal gehörig die Meinung zu geigen oder auf ihn einzuprügeln, aber diese Chance hatte sich leider nie ergeben. Immer hatten ihre Gedanken und Gefühle nur ihm gehört. Nie hatte sie einen anderen Mann auch nur länger als nötig angesehen. Bis auf einen …, aber der zählte nicht, schließlich war sie Single. Sehnsüchtig taxierte sie ihr Telefon, welches schweigend auf ihrem Tisch ruhte. Er hatte doch gesagt, dass er noch mal für sie Modell stehen wollte. Warum nur meldete er sich dann nicht bei ihr? Oder hatte er es getan, während sie das Telefon ausgeschalten hatte? Unweigerlich erinnerte sie sich an die Flut von verpassten Anrufen. Hatte er es schlussendlich aufgegeben, weil er sie nicht erreichen konnte? Oder hatte er einfach nur kalte Füße bekommen? Oh Gott, was dachte sie bloß? Eigentlich sollte sie doch froh sein, dass er sich noch nicht gemeldet hatte, auch wenn sie es sich insgeheim wünschte. Auf der anderen Seite, was würde sie tun, wenn es tatsächlich zu diesem Treffen käme und er sich hier in ihrer Wohnung entblätterte? Allein der Gedanke jagte ihr einen wohligen Schauer über den Rücken. Nein, nein, nein … nicht schwach werden …, suggerierte sie sich. So was wie mit Stephen und Nathan würde ihr nicht noch einmal passieren. Und am besten schützte man sich davor, indem man dem männlichen Geschlecht einfach aus dem Weg ging. Ja, wenn es bei manchen Exemplaren nur nicht so verdammt schwer wäre …, seufzte ihr Unterbewusstsein.

„Ist wirklich alles in Ordnung, Süße?“, unterbrach Beth Helenas stille Gedankenreise. „Kann ich dich wirklich allein lassen?“ Helena sah überrascht auf. Sie hatte Beth in ihrem Gedankendschungel völlig verloren. Ihre Freundin sah sie fragend an und musterte sie auf eine Weise, als hätte sie einen gefährlichen Ausschlag im Gesicht, der im Zeitraffer wuchs. Helena schenkte Beth ein halbherziges Lächeln und nickte. „Danke Beth, ich komm schon klar … wirklich.“, fügte sie hinzu, als ihre Freundin schon zu einer erneuten Nachfrage ansetzen wollte. Beth hob seufzend die Schultern und wandte sich zur Tür. Helena folgte ihr, primär um sicher zu gehen, dass sie wirklich gehen würde, und um ihr im Zweifel den Rückweg ins Wohnzimmer abschneiden zu können. Auf der Schwelle drehte Beth sich um und sah sie noch einmal fragend an. Helena schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln und schob ihre Freundin zielstrebig zur Tür hinaus. Beth lachte leise. „Du kommst zu spät zum Aerobic.“, erinnerte Helena und grinste schelmisch. „Das wäre nicht nett gegenüber Adrienne.“ Beth sah sie eine Sekunde lang mit stummer Besorgnis an, dann zog sie Helena blitzschnell in ihre Arme und drückte sie an sich. Sekunden später ließ sie sie wieder los, wandte sich mit einem kleinen Lächeln um und sprang ohne ein weiteres Wort leichtfüßig die Treppe hinunter, als wäre nichts geschehen. Helena schüttelte seufzend den Kopf. Einem inneren Impuls folgend ging sie zum Fenster, welches auf die Straße führte und blickte ihrer Freundin nach, bis sie in der Dunkelheit verschwunden war. Erst dann atmete sie erleichtert auf. Bei Beth konnte man nie sicher sein, ob sie es sich in letzter Sekunde nicht doch noch anders überlegte und umkehrte. Überrascht sah Helena auf die Uhr. Ihre Freundin war tatsächlich ganze zweieinhalb Stunden bei ihr gewesen, und das nur, um herauszubekommen, welcher Mann hinter ihrer Veränderung steckte. Die Realität hatte Beth schlussendlich ziemlich geschockt, auch wenn es nur ein Teil der ganzen Wahrheit war. Nichtsdestotrotz war sie froh, dass diese Begegnung dazu geführt hatte, dass sie ihren Sorgen ein wenig Luft machen konnte.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Jan 23 2013, 15:02

Na, da habe ich doch gestern noch gedacht, ich hätte dich mal wieder an Anteros erinnern könne, bevor ich wieder von vorne anfangen muss zu lesen, bis ich endlich neuen Lesestoff bekomme. Und siehe da, meine Gedanken haben dich ereilt, um mir einen neuen Teil, dieser ebenso wundervollen Story wie deiner neuen FF, zu schenken. Smile
Allerdings hast du meine Gedanken wohl nicht so ganz lesen können. Anteros haben sie gerufen. Anteros Cool
Na gut, aber irgendwann muss er ja wieder auftauchen, und bis dahin begnüge ich mich halt mit den Gedankenkreisen von Helena, die hoffentlich bald vor Sehnsucht vergeht, und Anteros insgeheim zu sich ruft, wie ich die heutige Fortsetzung. Wink

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Jan 24 2013, 08:13

Gelle, so bin ich, meine Gute ... Und ja, ich muss mich selbst ein wenig schelten, dass ich das so hab schleifen lassen ...

Du willst Anteros? Der ist doch schon unterwegs ... guckst du oben, dann du sehen ...

Danke für deinen zauberhaften Kommi ...

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Jan 24 2013, 16:30

Mini_2010 schrieb:

Du willst Anteros? Der ist doch schon unterwegs ... guckst du oben, dann du sehen ...

Mein Gott, welchen Umweg wählt er? Nimmt er den Weg einmal rund um die Erdkugel? No
Mann Mini, ich habe nachgesehen, das war in Teil 60 als er sich aufgemacht hat ... jetzt ist 64 rum Twisted Evil
Dabei kann er doch ... hm, was kann er denn eigentlich? idontknow Er kann fliegen, und plötzlich irgendwo auftauchen, wo er Helena wittert, erahnt, erfühlt, was auch immer. Er kann plötzlich verschwinden, und ich bin sicher, dass er noch mehr kann, was ich nur noch nicht ganz verstanden habe.
Und wenn das alles nichts nützt, dann setz dich doch einfach in deine Prollkarre und stell dich in den Feierabendverkehr von Paris. Auch so wirst du irgendwann ankommen. Rolling Eyes

Also los Anteros, komm endlich in die Hufe!!!!!!

So, jetzt aber... ich warte Mad cyclops

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Jan 25 2013, 11:28

Mini_2010 schrieb:
Auch hier mal wieder eine Fortsetzung nach langer Zeit. Habt Spaß beim Lesen ...
@Katha: Der Held ist nah ...

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Meine liebe Katha,

mit "oben" hatte ich diesen Part gemeint, nicht den Teil 60.
Der Hinweis war sogar mit persönlicher Widmung ...

Aber ich eile, ich eile ... und vielleicht gibts balde etwas Neues ...

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Di Jan 29 2013, 14:31

Klein, aber hoffentlich fein. Ist schon wieder eine ganze Weile her, dass ich euch was zum Lesen dagelassen habe ... Viel Spaß ...

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Teil 65

In atemberaubender Geschwindigkeit war Anteros durch die Stadt gerast. Kein leichtes Unterfangen mitten im dicksten Pariser Feierabendverkehr. Doch diese innere Unruhe hatte ihn einfach nicht mehr losgelassen. War es richtig, was er zu tun gedachte, hatte er sich immer wieder gefragt. Eine geschlagene halbe Stunde saß er nun schon in seinem Auto, was er unweit ihres Hauses geparkt hatte, und beobachtete die beleuchteten Fenster ihrer Wohnung, in der Hoffnung, einen Blick auf sie erhaschen zu können. Gott, wie jämmerlich. Kurz vor neun trat eine junge Frau mit dunklen Haaren aus dem Hauseingang, und nur wenige Sekunden später erschien Helenas Gestalt an einem der Fenster im oberen Stockwerk. Vermutlich hatte sie Besuch gehabt. Erleichterung durchflutete ihn. Zum Glück war es kein männlicher Besuch gewesen. Seufzend beobachtete er ihre dunkle Silhouette am Fenster und wünschte sich, sie in seinen Armen halten zu können, als ihn unvermittelt ein Gefühl ungewohnter Beklommenheit packte. Mit wachsamem Blick sah Anteros sich um. Irgendwas stimmte hier nicht. Plötzlich nahm er eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahr. Alarmiert folgte er der Bewegung und entdeckte eine Gestalt, die sich hinter einem Gebüsch verbarg und augenscheinlich dasselbe Ziel zu beobachten schien wie er. Misstrauisch runzelte er die Stirn. Wenn seine Vermutung ihn nicht trog und diese Person tatsächlich Helena beobachtete, dann verfolgte sie gewiss nicht die besten Absichten. Ohne weiter darüber nachzudenken, stieg er aus seinem Wagen. Lautlos schritt er auf die unbekannte Gestalt hinter dem Gebüsch zu und musterte sie aus sicherer Entfernung. Sie war eindeutlich männlich, etwa so groß wie er selbst und ähnlich gebaut. Er trug eine dunkle Hose und ein ebenso dunkles Sweatshirt mit Kapuze, die er über den Kopf ins Gesicht gezogen hatte. Argwöhnisch folgte Anteros dem Blick des Fremden und stellte zu seinem Entsetzten fest, dass er tatsächlich Helena beobachtet. Das wiederum ließ die Wut, die, genährt durch die Ungewissheit, welche ihn seit Tagen begleitete, stetig in im schwoll, unvermittelt aufflammen. Ein leises Knurren grollte tief in seiner Kehle, woraufhin der Fremde erschrocken herumwirbelte. Verblüfft registrierte Anteros, dass der Unbekannte offensichtlich über ein ausgeprägtes Hörvermögen verfügte. Als dieser den Kopf hob, um den Störenfried zu betrachten, rutschte die Kapuze aus seinem Gesicht … und Anteros zuckte erschrocken zusammen. Instinktiv wich er einen Schritt zurück. Die Augen seines Gegenübers hatten sich bedrohlich verengt und blitzten schwarz. Eine Weile musterten sie sich stumm. Dann hob Anteros eine Augenbraue und verzog hämisch das Gesicht. „Was willst du hier, Amor?“, fragte er, bemüht, seine Stimme gleichgültig klingen zu lassen, unter der die Wut wie ein zorniges Tier aufbegehrte.

Ein grimmiges Lachen ertönte. „Guten Abend, Bruder. Nett, dich zu sehen … Und hör auf mich mit diesem bescheuerten Namen anzusprechen.“, zischte er leise. Anteros grinste. Er wusste, dass er diesen Namen hasste. Umso mehr genoss er es, ihn auf diese Weise auf die Palme zu bringen. „Oh, Sorry, ich vergaß, … Eros.“, säuselte Anteros ironisch. „Aber Amor passt irgendwie viel besser zu dir.“, meinte er mit einem fiesen Grinsen im Gesicht. Eros’ Blick wurde eisig. Abschätzend musterte er Anteros, bevor er sich wieder dem Haus zuwandte, in dem Helena wohnte. Irgendwie verwunderte es Anteros nicht, dass Eros überhaupt nicht überrascht war, ihm hier zu begegnen. Warum das so war, konnte er sich jedoch nicht erklären. Eros wandte sich wieder zu Anteros um, legte den Kopf schief und grinste hämisch. „Was machst du überhaupt hier?“, säuselte er mit gespielter Verwunderung. Ironisch zog Anteros eine Augenbraue hoch und bedachte seinen Bruder mit einem abfälligen Blick. „Erstens: Geht dich das einen Scheißdreck an. Und zweitens: Die Frage ist wohl eher, was du hier machst.“ Eros ließ ein albernes Kichern hören. „Ich genieße die Aussicht.“, erwiderte er gelassen und grinste dämonisch. „Tu das woanders.“, fauchte Anteros harsch zurück. „Nein …“, erwiderte Eros gleichsam schroff. Seine Augen blitzten angriffslustig. „… denn dann könnte ich ja nicht dafür sorgen, dass die Kleine, auf die du es offensichtlich abgesehen hast, vor dir in Sicherheit ist.“ Anteros riss verdattert die Augen auf. „Wie bitte? In Sicherheit? Vor mir?“ Eros seufzte theatralisch, als schließlich ein kleines diabolisches Lächeln auf seinen harten Zügen erschien. „Ich würde lieber sterben, als dir Zugang zu ihr zu gewähren.“, erklärte er mit ernster Stimme. Anteros lachte spontan auf. „Das kannst du gern haben, Bruderherz.“

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Di Jan 29 2013, 20:54

Oh Gott Mini,
da komme ich gerade von den flotten und erheiternden AnTom-Storys hierher, und jetzt sowas...
Mir wird ganz anders. Sad
Das einzig Gute an der Begegnung von Eros und Anteros ist, dass Anteros jetzt weiß, dass Eros was vor hat, und ihn nicht aus den Augen lassen wird.
Aber diese Unterhaltung macht mir irgendwie Sorge...
Bitte lass mich nicht so lange auf die Fortsetzung warten. Du hast geschrieben, der Retter naht, was hat das in dem Kontext zu bedeuten? Oh Gottogottogott ... silent

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Jan 30 2013, 09:14

Meine liebe Katha,

bleib ganz ruhig. Es ist alles gut. Ich denke, Anteros ist gerade nochmal zur rechten Zeit gekommen, bevor Eros wirklich etwas tun konnte. Und nun ja, schauen wir mal, was passiert, wenn die beiden Kontrahenten aufeinandertreffen. Lustig wirds bestimmt nicht ...

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Jan 31 2013, 15:03

Ich bin gerade nicht sicher, ob mich dein Kommi beruhigt. Was hatte Eros denn vor zu tun? Und was passiert jetzt... Oh, oh, hoffentlich passiert Anteros nichts Schlimmes.
Na ja, er kann er sich dann ja von Helena aufpäppeln lassen.Dann hatte er halt einen Verkehrsunfall, oder ist überfallen worden, oder so...

Bin gespannt

LG

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Di Feb 05 2013, 13:11

Anbei eine kleine Fortsetzung. Mhmm ... Katha, deine Vorhersagen beunruhigen mich ...

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Teil 66



Ohne weitere Vorankündigung hob Anteros die Hand, ballte sie zur Faust und ließ sie auf Eros’ Gesicht niedersausen. Der sprang in letzter Sekunde zur Seite, so dass Anteros’ Faust ins Leere schleuderte. Eilig setzte Eros zu einem Konter an und trat Anteros mit voller Wucht in den Bauch. Dieser krümmte sich zusammen und griff gleichzeitig nach Eros’ Beinen. Mit einer fließenden Bewegung riss er ihn zu Boden. Eros keuchte erschrocken auf, setzte aber augenblicklich mit einem gezielten Tritt nach, der Anteros’ rechte Wange traf, und kam wieder auf die Beine. Stöhnend vor Schmerz taumelte Anteros kurz zurück, schüttelte sich einmal und ließ nun in entfesselter Wut seine Fäuste auf Eros einfliegen. Eros versuchte, die Wucht der Schläge abzuwehren, was ihm jedoch nur mäßig gelang. Anteros landete ein paar gute Treffer und erreichte, dass sein Bruder angeschlagen zurücktaumelte. In der Hoffnung, dass dieser nun genug und augenblicklich verschwinden würde, ließ er die Arme sinken. Doch er hätte es besser wissen müssen. Sobald Eros seine Möglichkeit witterte, hob er erneut die Fäuste und verpasste ihm einen deftigen Kinnhaken, so dass es in seinem Nacken gefährlich knackte. Dann hieb er ihm abermals in den Magen, bevor er seine Schläge mit einem weiteren Tritt unterstrich und Anteros zu Boden schickte. Die Wut pulste an die Oberfläche und brachte seine Haut zum Glühen. In ungezähmter Raserei packte Eros Anteros bei den Haaren und wollte gerade erneut auf dessen Gesicht einprügeln, als ein Geräusch die beiden Kontrahenten abrupt innehalten und aufsehen ließ. Die Haustür hatte sich geöffnet, und eine Gestalt trat ins Freie. Sofort erkannte Anteros Helena. Genau wie Eros. Anteros wollte schreien, ihr zurufen, dass sie ins Haus zurücklaufen sollte, doch Eros hielt ihm den Mund zu. Die Aufmerksamkeit des Blonden war unterdessen vollkommen auf Helena gerichtet, die soeben ihren Müll in die Tonne warf und die Schlägerei, die nur etwa zwanzig Meter von ihr entfernt im Schatten einiger Bäume eine kurze Unterbrechung gefunden hatte, überhaupt nicht mitbekam. Diesen kurzen Moment der Ablenkung nutzte Anteros, schickte ein stilles Gebet gen Himmel, riss sein Knie hoch und traf Eros, der noch immer über ihm kauerte, schmerzhaft zwischen die Beine. Der stieß einen gequälten Schmerzenslaut aus, ließ abrupt von seinem Bruder ab und sank wimmernd in sich zusammen. Von diesem Geräusch abgelenkt, hielt Helena inne, hob den Kopf und wandte sich in ihre Richtung. Einen Moment lang hielt die Welt den Atem an, während Anteros innerlich betete, sie möge doch einfach wieder ins Haus gehen. Doch offenbar hatte Helena genug vernommen, um sich seiner stummen Bitte zu widersetzen. Sie trat einen Schritt vor und lauschte. Eros, der wimmernd sein Gemächt umklammert hielt, warf seinem Bruder einen abgrundtief hasserfüllten Blick zu. Anteros ignorierte ihn. Viel zu sehr war seine Aufmerksamkeit auf die zierliche Brünette gerichtet, die langsam und zögerlich näher kam. Hau ab … verschwinde …, brüllte es in ihm erneut. Und am liebsten hätte Anteros ihr diese Worte laut entgegen geschrien. Aber er wagte es nicht. Eros, der, seiner Miene nach zu urteilen, noch immer gegen die Schmerzen kämpfte, warf seinem Bruder und Gegner einen mörderischen Blick zu, bevor seine Augen sich kurz auf Helena richteten. Ein warnendes Knurren, was eindeutig Anteros galt, vibrierte tief in seiner Kehle. Dann verschwand er. Anteros, der Helena für den Moment außer Gefahr sah, sackte mit einem erleichterten Stöhnen in sich zusammen.

Helena war näher gekommen, als sie ein Geräusch vernommen hatte, dass sie an das verzerrte Jaulen eines Hundes, dem man auf den Schwanz getreten war, erinnerte. Tief im Gebüsch vernahm sie nun ein leises Stöhnen … so als litte jemand fürchterliche Schmerzen. Vorsichtig tastete sie sich in dem Zwielicht voran. „Hallo?“, frage sie mit unsicherer Stimme in das dunkle Gestrüpp hinein. Sie kniff die Augen zusammen und holte tief Luft. Dann ballte sie die Hände zu Fäusten und trat noch näher. Sie hatte Angst. Angst, dass in den nächsten drei Sekunden ein Monster aus dem Gestrüpp springen würde. Was sie gleich darauf als ausgemachten Unsinn deklariert. Monster gab es nur im Märchen und in ihrer überschäumenden Fantasie, die allein den Umständen, die sie hierhergelockt hatten, entsprangen. Fast schon war sie versucht, einfach umzukehren und ins Haus zurückzurennen, hielt aber dann doch inne … Was, wenn es ein verletzter Hund ist? …, versuchte sie ihre Reaktion zu rechtfertigen. Möglich …, säuselte ihr Unterbewusstsein. Aber was, wenn das nur ein neuer perfider Plan von Mike ist, dich in seine Gewalt zu bringen? Blödsinn. Mike war zwar ein Schwachmat, aber selbst für ihn wäre ein deratiger Auftritt unter seinem Niveau. Also dann doch ein Monster? Ein Schauder rann ihr über den Rücken. Vielleicht sollte sie einfach wieder in ihre Wohnung gehen. Ein leises Knacken ließ sie zusammenzucken. Eilig schlug sie sich die Hand vor den Mund und unterdrückte einen mädchenhaften Schrei, während sie wie angewurzelt an Ort und Stelle verharrte. Wieder lauschte sie, spähte in die Dunkelheit … aber sie blieb undurchdringlich. Verdammt, warum waren ständig diese blöden Straßenlampen kaputt, wenn man sie mal braucht? …, fluchte sie leise in sich hinein, während sie versuchte, ihren rasenden Puls zu beruhigen. Sie erstarrte mitten in der Bewegung, als sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung ausmachen konnte. Da … Ihr Herz sackte in ihre Magengrube. Mit geschlossenen Augen atmete sie tief durch und trat mutig einen weiteren Schritt vor. Die Dunkelheit nahm ihr die Sicht, während ein eisiger Schauer über ihren Rücken strich, als sie kurz darauf ein erneutes Stöhnen vernahm … Nur wenige Meter direkt zu ihren Füßen. Ihr Herz überschlug sich, und ihr Atem setzte für einige Sekunde aus. Instinktiv duckte sie sich und schlug die Hände über den Kopf zusammen. Dann war es ruhig. Drei Sekunden … fünf Sekunden … zehn Sekunden … Langsam ließ sie den Atem entweichen … Gott, Helena … diese Alienfilme sind eindeutig Gift für deine seichte Psyche …, ging es ihr mahnend durch den Kopf, als ihr nichts als Stille antwortete. Sie schloss die Augen und holte leise Luft. Dann trat sie einen weiteren Schritt vor. Als sie mit ihrem Fuß gegen etwas trat, stieß sie einen erschreckten Schrei aus und wich instinktiv zurück. Flucht …, hallte es durch ihre Synapsen. Eine Sekunde später hatte sie sich umgewandt … „Helena?“, frage jemand leise. Erschrocken fuhr die junge Frau zusammen. Diese Stimme kannte sie.

Nachdem der erste Schreck überwunden war und sie sich genügend Mut zugesprochen hatte, wandte sie sich wieder um. Suchend tastete sie ein weiteres Mal das scheinbar undurchdringliche Gestrüpp in dieser Dunkelheit ab, trat weiter vor. Sie kniff die Augen zusammen und da … kaum einen Meter vor ihn konnte sie undeutlich ein paar Umrisse ausmachen. Kein Zweifel, da lag eindeutig jemand. Helena stockte und schluckte den dicken Angstkloß, der sich in den letzten Minuten in ihrer Kehle gebildet hatte, hinunter. „Antamo?“ Ihre Stimme zitterte. Bist du das? Ein leises Stöhnen antwortete ihr. Angespannt ließ Helena den Atem entweichen. Ganz langsam und vorsichtig kniete sie sich zu der vor ihr in der Dunkelheit liegenden Gestalt, die soeben Anstalten machte, sich aufzurichten. Ihr Herz setzte für zwei Schläge aus … und schlug dann doppelt so schnell weiter, als sie schließlich ein Gesicht erkennen konnte. „Du bist es wirklich.“, flüsterte sie kaum hörbar, die Augen weit aufgerissen. Einen Wimpernschlag später durchflutete sie eine unglaubliche Erleichterung und spülte die Panik, die sie fest in ihren Klauen gehalten hatte, von ihr. „Oh Gott, was ist denn passiert?“, fragte sie, als sie ihn schließlich genauer besah. Ein wenig unschlüssig, was sie tun sollte, streckte sie die Hände nach ihm aus und machte Anstalten, ihm beim Aufstehen zu helfen. Etwas umständlich kam er schließlich auf die Beine. Helena umfasste ihn und führte ihn ein paar Schritte in Richtung Gehweg, weg aus diesem dunklen Gestrüpp. Was zum Geier machte er hier? …, dachte sie bei sich, als sie in sein Gesicht sah. Erschrocken weiteten sich ihre Augen, als sie auf die Verletzungen blickte. „Ach du lieber Himmel …, du sahst aber auch schon mal besser aus.“, bemerkte sie mit einem Anflug von Ironie, ehe sie sich zurückhalten konnte. Anteros, der sich dankbar gegen sie lehnte, versuchte es mit einem ironischen Schnauben, was ihm aber nicht so ganz gelingen wollte. „Ich lache später, wenn es für dich okay ist.“, erwiderte er gequält. Helena lächelte. Den ganzen Tag schon hatte sie sich darüber den Kopf zerbrochen, warum Antamo nicht zurückgerufen hatte und nun fand sie ihn hier direkt vor ihrer Haustür. Wollte er zu ihr oder war er zufällig in dieser Gegend? Zufällig? Nein, in diese Gegend verirrte man sich nicht zufällig. „Was ist passiert?“, fragte sie erneut, den Blick besorgt auf seine Verletzungen gerichtet. „Nur eine kleine Schlägerei. Ein Typ hat mich überfallen. Wollte wohl meine Brieftasche.“, erklärte er schnell. Das war geradezu lächerlich, aber etwas Besseres war ihm auf die Schnelle nun mal nicht eingefallen. Helenas Brauen zuckten nach oben. Antamo überfallen? Ein eins fünfundneunzig großer Kerl mit hundertzwanzig Kilogramm Muskelmasse wurde überfallen? Einfach so? …, ging es ihr ungläubig durch den Kopf. Wo war sie hier – bei der versteckten Kamera? Helena verkniff sich eine sarkastische Bemerkung, denn im Gegensatz zu seiner für sie eher fadenscheinigen Begründung, waren seine Verletzungen sehr real. „Wir bringen dich erst mal zu mir rauf. Dann schau ich, was ich tun kann. Und im Zweifel kann ich ja immer noch meine Nachbarin fragen, ob sie helfen kann. Sie arbeitet in einem Krankenhaus.“ Bei dem Wort Krankenhaus schrillten in Anteros sämtliche Alarmglocken. „Nein … bitte kein Krankenhaus.“, erklärte er mit leiser Stimme, die so ernst war, dass Helena ein unangenehmer Schauer über den Rücken kroch. Irritiert blinzelte sie, musterte ihn von der Seite. Dann zuckte ein amüsiertes Grinsen um ihre Mundwinkel. „Jetzt sag mir nicht, dass ein so großer und kräftiger Kerl wie du Angst vor einer Spritze hat.“, neckte sie ihn. Spritzen? Sein forschender Blick bescherte Helena erneut eine Gänsehaut. Die waren wohl das geringste Problem. Nein, auf keinen Fall ... Er würde alles zulassen, aber ein Krankenhaus kam definitiv nicht in Frage. „Ich bin gleich wieder okay. Muss mich nur mal kurz ausruhen.“, erklärte er beinahe gleichgültig. Helena nickte stumm und dachte sich ihren Teil, während sie sich alle Mühe gab, ihn in ihre Wohnung zu bugsieren.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Feb 06 2013, 15:06

Haaaaa, endlich ist Anteros wieder da. Na ja gut, die Schlägerei war jetzt nicht gerade entspannend, und ich habe immer noch die Fragezeichen im Kopf, was Eros denn jetzt gedenkt mit Helena anzustellen. Surprised
Aber dass Helena und Anteros jetzt beisammen sind, und Helena sich wohl um seine Wunden kümmern wird, ist doch schon mal was. Wink

Ob sie sich mal ein bisschen näher kommen? idontknow Na, so richtig kann ich das noch nicht glauben.

Aber auch das wirst du mir hoffentlich bald verraten. Wie so vieles anders auch ... Embarassed Wink

LG, Katha

P.S. vielen, vielen Dank für diese drei wunderbaren Teile. Es ist so schön, dass es dich gibt super


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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Feb 15 2013, 15:00

Puh, geschafft ... ich hab endlich den nächsten Teil fertig überarbeitet ... Ich hoffe, er gefällt ...

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Teil 67



Minuten später ließ Anteros sich seufzend auf einen Stuhl sinken. Erschöpft rieb er sich übers Gesicht und warf Helena einen kurzen Blick zu. Helena musterte ihn flüchtig im Schein des Wohnzimmerlichtes. Seine Verletzungen sahen wirklich übel aus. Aber vermutlich sollte sie ihm das nicht unbedingt auf die Nase binden. Seine Kleidung war durchfeuchtet und schmutzig, und sein Haar klebte wirr in seinem Gesicht. Den ganzen Nachmittag schon hatte es geregnet. Unschlüssig sah sie sich um, fragte sich, was sie tun sollte. In diesem Zustand konnte sie ihn unmöglich wieder gehen lassen. Beruhige dich, Helena …, suggerierte sie sich, schloss die Augen und atmete tief und langsam. Zunächst einmal sollte sie seine Wunden versorgen. Gute Idee … Eine Sekunde später verschwand sie im Bad und begann gleich darauf, hastig in ihrem Badschrank zu wühlen. Verdammt, wo war nur dieser verflixte Erste-Hilfe-Koffer? Sie hielt inne, sah sich um. Ihr Herz raste wie wild und ihr ganzer Körper war angespannt wie die Saite eines Klaviers. Ihr unruhiger Blick begegnete ihrem Spiegelbild. Einen Moment lang betrachtete sie sich und schüttelte schließlich den Kopf. Was zum Teufel tat sie hier? Sie hatte einen fast wildfremden Mann in ihre Wohnung gelassen. Das war noch schlimmer als die Situation mit Mike. Quatsch, Helena … Das hier ist Antamo. Und er ist verletzt, … das ist was ganz anderes … was ganz ganz anderes …, versuchte sie, sich zu beruhigen. Wehmütig seufzend glitt ihr Blick zur Tür, hinter der Antamo auf sie wartete. Aber trotzdem ist er hier … ganz nah bei dir …, säuselte eine kleine hämische Stimme. Was für eine Gelegenheit, … mhmm … Eilig schüttelte sie den Kopf, um diesen wirren Gedanken zu verscheuchen. Schick ihn wieder nach Hause ..., sagte sie sich. Aber er ist verletzt …, protestierte die eben noch hämische Stimme. Helena schloss die Augen und versuchte, sich zu beruhigen. Schick ihn weg ..., befahl sie sich. Nein! ..., mischte sich ihr Unterbewusstsein ein. Nein ... Nein, so konnte sie ihn nicht wieder raus in die kalte Nacht schicken. Das wäre doch herzlos. Helenas Gedanken überschlugen sich, als das Für und Wider in ihr um die Oberhand zu ringen begann. Haltsuchend umklammerte sie das Waschbecken. Ruhig, Helena … du versorgst jetzt einfach seine Wunden und dann lässt du ihn wieder gehen …, beschloss sie schließlich in einem kurzen Moment gedanklicher Klarheit. Bist du sicher …, spöttelte die kleine gemeine Stimme. Eine ganze Woche lang hast du dich nach ihm verzehrt, darauf gewartet, dass er endlich anruft, damit … Richtig, da war ja noch ihr unfertiger Akt, unterbrach dieser Gedanke die fiese kleine Stimme in ihr. Mhmm, … was für eine Gelegenheit …, lockte diese mit einem breiten Grinsen.

Ja, die Tatsache, dass er plötzlich hier in ihrer Wohnung saß, war zweifelsfrei eine gute Gelegenheit. Unwillkürlich sah sie an sich herab und registrierte, das sie lediglich ihren dünnen Morgenmantel über einer rosa Jogginghose trug, die sie schnell übergezogen hatte, als sie den Müll wegbringen wollte. Oh Gott ... Sie wurde blass, als sie sich unvermittelt ihres Aufzugs bewusst wurde und dies mit der Tatsache, dass ein fast fremder Kerl auf der anderen Seite dieser Tür saß, in Zusammenhang brachte. Ohne Zweifel war sie nicht auf Besuch eingestellt, schon gar nicht auf diese Art von Besuch. Fehlen nur noch die Lockenwickler ..., kommentierte die kleine fiese Stimme in ihr und brach in schallendes Gelächter aus. Die spontane Blässe wich einer tiefen Schamesröte, als ihr aufging, dass er sie in dieser Aufmachung gesehen hatte. Ihr Blick glitt zur Badezimmertür. Und wenn sie ihn doch einfach wegschickte, und bat, ein andermal wiederzukommen. Hallooooo ... der Kerl ist verletzt ... und wenn du nicht bald mal in die Puschen kommst, verblutet der dir noch auf deinem Teppich ..., schrie die Stimme in ihr, womit sie ausnahmsweise mal Recht hatte. Helena schluckte schwer. Ja, und davon mal ganz abgesehen, wäre er sicher auch ziemlich gekränkt, wenn sie ihn einfach rausschmiss. Und vermutlich wird er auch gleich sein Angebot zurückziehen, sich für dich nochmal auszuziehen ..., erklang es irgendwo belustigt in ihrem Bewusstsein. Das wiederum konnte sie nicht zulassen. Also, dass er sein Angebot zurückzog, versteht sich ... das Ausziehen war ja eine fast schon notwendige Begleiterscheinung, wenn man im Begriff war, einen Akt zu zeichnen. Die Stimme in ihrem Bewusstsein prustete erneut los. Wem willst du eigentlich was vormachen, Helena ... Seufzend rieb sie sich über das Gesicht. Ihre Hände zitterten noch immer. Und als sie ihrem Spiegelbild tief in die Augen sah, schüttelte sie nur müde den Kopf. Wieder glitt ihr Blick über ihre Erscheinung. Glaubst du wirklich, dass es ihn kümmert, dass du eine Jogginghose trägst? ..., meinte die Stimme nun etwas sanfter. Helena schnaubte leise. Vermutlich nicht ... Auf der anderen Seite, was wäre … Oh, verdammt, jetzt halt doch Mal die Luft an ... Bevor du anfängst, deine Hormone zu sortieren, solltest du langsam mal wieder da raus gehen, ehe der Kerl noch vor die Hunde geht …, keifte ihr Unterbewusstsein nun ziemlich ungehalten und versetzte ihr einen mentalen Tritt in den Hintern. Helena spürte, wie ihre Wangen heiß wurden und warf ihrem erröteten Spiegelbild einen grimmigen Blick zu. "Also gut, du gehst jetzt da raus, klebst ihm ein Pflaster auf und dann schickst du ihn wieder nach Hause …", befahl sie sich. Ja, genauso würde sie es tun. Er sollte hier wirklich nicht länger bleiben als nötig. Schließlich kannte sie ihn kaum. Und außerdem, ... vielleicht war er ja gefährlich. Dass er sich offensichtlich geprügelt hatte, sprach ja nicht unbedingt dagegen. Und wenn man ihn wirklich überfallen hat? …, ging es ihr plötzlich durch den Kopf. Na klar … und ich bin der Kaiser von China … Sie schnaubte ironisch. Dass man ihn überfallen hatte, glaubte sie keine Sekunde lang. Ein Typ wie er vermochte sich durchaus zu wehren, dessen war sie sich sicher. Und wenn es mehr als einer war, der ihn angegriffen hatte? Zwei oder drei Typen von ähnlicher Statur konnten ihm sicherlich genügend entgegensetzen. Und nach den Verletzungen zu urteilen, hatte jemand ziemlich viel Zorn im Bauch gehabt und seine Fäuste gnadenlos sprechen lassen. Augenblicklich erfasste Helena eine unangenehme Welle von Panik. Oh Mann, Hel, wenn du weiter hier drin herumgrübelst, kommst du auch nicht weiter …, mahnte sie ihr Unterbewusstsein. Mit einem dumpfen Gefühl im Magen sah sie erneut an sich herab. Na wenn du meinst …, ging es ihr durch den Kopf. Dann schloss sie die Augen und atmete ein paar Mal tief durch … Entschlossen straffte sie schließlich die Schultern, dann holte sie eine Schüssel aus dem Badschrank, füllte sie mit warmem Wasser und suchte nach einem Waschlappen.

Den Verbandskasten in der einen Hand wie einen Schutzschild vor ihre Brust gepresst, die Schüssel mit dem Wasser in der anderen kehrte Helena eine gefühlte Stunde später ins Wohnzimmer zurück. Er saß noch genau da, wo sie ihn abgesetzt hatte. Er sah auf, als sie näher trat und musterte sie eindringlich. Sie konnte nicht anders und tat es ihm gleich. Seine Haare lagen noch immer wirr – wenn auch nicht mehr ganz so nass – um seinen Kopf. Als wäre soeben ein Sturm durch sie durchgefegt. Und aus seinen Augen strahlte dieses wunderschöne Grün, dass sie so magisch anzog. Er hatte seine Stiefel abgestreift und vor sich liegen gelassen. Seine langen Beine ragten in den Raum, sein Körper wirkte riesig auf dem Stuhl. Unschlüssig blieb sie einen Meter vor ihm stehen, während sie beinahe ratlos zwischen dem Verbandskoffer und der Schüssel mit dem warmen Wasser hin und her sah. Die grünen Augen musterten sie erwartungsvoll. Worauf wartest du, schienen sie zu fragen. Schließlich räusperte sie sich und beendete diesen beklemmenden Moment, indem sie ihre Mitbringsel aus dem Bad auf dem Tisch abstellte. „Du bist verletzt.“, flüsterte sie, sich bewusst, dass diese Feststellung mehr als überflüssig war, und deutete auf sein Hemd, welches zerrissen war und eine blutende Stelle etwas unterhalb seiner Brust offenbarte, die ziemlich übel aussah. Ohne seinen Blick von ihr zu wenden, nickte er. Unsicher biss sie sich auf die Unterlippe und deutete auf seine Jacke. „Du … du musst deine Jacke ausziehen, da-damit ich mir das ansehen kann.“, sagte sie leise und schluckte das plötzlich trockene Gefühl in ihrem Hals hinunter. Wortlos folgte er ihrer Aufforderung und zog seine schwarze Lederjacke aus. An der Art wie er das Gesicht verzog konnte sie erkennen, dass ihm diese Bewegung Schmerzen bereitete. Helena fragte sich noch, warum er zu dieser Jahreszeit keinen Mantel trug, als sie den Rest seiner Kleidung musterte. Erst jetzt fiel ihr auf, dass er komplett in Leder gekleidet war. Ob er neben seinem Sportschlitten auch ein Motorrad besitzt? …, dachte sie bei sich. Eine Sekunde später schüttelte sie den Kopf. Und wenn schon …, drängte sie ihre Gedanken zurück. Mit vorsichtiger Neugier betrachtete sie ihn. Gegen ihren Willen hoben sich anerkennend ihre Augenbrauen. Diese Lederkluft stand ihm außerordentlich gut. Mhmm …, als du ihn das letzte Mal gesehen hast, hatte er gar nichts an …, meldete sich die zynische kleine Stimme in ihr. Augenblicklich schoss Helena das Blut in den Kopf und brachte ihre Wangen zum Glühen. Denk nicht mal daran …, mahnte ihr Unterbewusstsein sie streng. Er braucht deine Hilfe und du sabberst rum, wie ein Hund, der einen leckeren Knochen vor die Nase gehalten bekommt … das ist jämmerlich …

Helena holte leise Luft und nickte, während sie vage auf sein Hemd deutete. Ohne eine weitere Aufforderung, öffnete er die Knöpfe, zog sich den Stoff von den Schultern und warf es neben sich auf den Boden. Ihr Blick huschte kurz zu der verwundeten Stelle. Ihre Augen weiteten sich. Gott, so was hatte sie noch nie gesehen – außer im Fernsehen. Die Stelle unter seiner Brust schien aufgeplatzt, als hätte ihm jemand förmlich die Haut aufgeprügelt. Meine Güte, in was für eine Situation ist er da nur geraten? …, ging es ihr schockiert durch den Kopf. Einen Moment lang konnte sie ihn einfach nur anstarren, bevor sie sich besann und die weibliche Neugier in ihr einen intensiven Blick über den Rest seines entblößten Oberkörpers schweifen ließ. Sie sah ihn nicht zum ersten Mal so, aber in diesem Moment war er allein für ihre Augen bestimmt. Für eine unendliche Sekunde lang verweilten ihr Blick auf seinem muskulösen Bauch. Kein Gramm Fett schien sich unter dieser leicht gebräunten Haut zu verbergen. Ein leises Seufzen entwich ihrem Inneren, als ihre Augen ihre stumme Reise fortsetzten und noch tiefer wanderten, der dünnen Haarlinie unter seinem Bauchnabel folgten bis zu der Stelle, wo der Bund seiner Lederhose den Rest verdeckte. Fast im selben Augenblick fragte sie sich, warum sie ihn so ansah, als säße eines der sieben Weltwunder vor ihr. Er war schließlich ein normaler Mann, gebaut wie jeder andere auch. Nein, …, widersprach die zynische Stimme und leckte sich lüstern über die Lippen. Der hier fällt ganz eindeutig aus der klassischen Kategorie heraus. Das hier ist, … ist … „Soll ich die Hose auch ausziehen?“, fragte er unvermittelt und unterbrach Helenas Gedanken. Seine tiefe Stimme vibrierte in ihr und brachte ihre Nervenenden zum Schwingen. Nur einen Sekundenbruchteil später rissen sich ihre Augen von seinem Hosenbund los und schnellten hinauf zu seinem Gesicht. Ein leichtes Zucken in seinem unverletzten Mundwinkel deutete ein Lächeln an. Augenblicklich lief Helena wieder rot an, als ihr klar wurde, dass er sie beim Gaffen ertappt hatte und senkte beschämt den Kopf. „Nein.“, murmelte sie undeutlich. „Ist nicht nötig.“ Hastig wandte sie den Blick ab und wischte sich verstohlen über den Mund. Oh Gott, hatte sie etwa gesabbert? Mit zittrigen Fingern griff sie nach dem Erste-Hilfe-Koffer, den sie auf dem Tisch abgelegt hatte, und wollte ihn auf den Boden stellen, als selbiger ihr in der Aufregung aus den Händen rutschte. Mit einem lauten Knall landete er auf dem Boden. Hastig beugte sie sich vor, um den Koffer aufzuheben – genau in dem Moment, in dem er dasselbe zu tun gedachte. Ein unsanfter Zusammenstoß ihrer Köpfe brachte Helena aus dem Gleichgewicht. Sie taumelte rückwärts. Doch bevor sie rücklings auf den Boden plumpsen konnte, ergriff er blitzschnell ihre Hände und fing sie auf. Eine Sekunde später fand sie sich in seinen Armen wieder, fest an seine Brust gepresst.

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Zuletzt von Mini_2010 am Sa Feb 16 2013, 15:19 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Feb 15 2013, 21:26

Shit, nicht nachgedacht, falschen Klick und schon ist mein schöner Kommentar dahin. Evil or Very Mad Wie ich das hasse. Der zweite Versuch ist immer schlechter als der erste!

Also, was wollte ich noch gleich sagen.
Erst habe ich mich mal darüber ausgelassen, wie unmöglich es doch ist, dass sich Helena eine gefühlte Ewigkeit fragt, was sie denn nun tun soll, während da draußen ein Mann sitzt, der ganz offensichtlich Hilfe benötigt.
Da sagt man immer Männer wären hormongesteuert, aber sowas, das geht jawohl mal gar nicht. Mad Und vor allem, einerseits will sie, dass er für sie Modell steht, und andererseits macht sie sich, verletzt wie er ist ins Hemd? Na, wie geht das denn wohl zusammen.

So, was wollte ich noch sagen? Idea
Ach ja, und dann geht es in ihrem Wohnzimmer gleich weiter. Da erschrickt sie, weil er so eine heftige Wunde hat, und im nächsten Moment beschäftigt sie sich schon wieder nur mit dem Anblick seines faszinierenden Körpers.
Selber Schuld, sage ich da nur, dass sie vor lauter Verunsicherung letztlich in seinen Armen gelandet ist.
Aber dummerweise bin ich jetzt ganz aufgeregt, und will wissen was jetzt passiert. Rolling Eyes Wenn ich auch glaube, dass seine Blessuren einen kleinen leidenschaftlichen Ausrutscher verhindern werden.
Aber ich will es nicht glauben, sonder wissen. Also Habenwollen

Mini, ich danke dir für diesen wunderbaren Lesegenuss, und übe mich wie immer in Geduld. ( Basketball )

LG, Katha


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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Feb 21 2013, 07:55

Danke meine Süße, für diesen wunderbaren Kommi. Ja, ich glaube, Helena ist mit der Gesamtsituation ein wenig überfordert. Auf der einen Seite will sie helfen, auf der anderen Seite ist da aber auch diese Vorsicht. Tja, beides zusammen verträgt sich allerdings nicht ganz so gut.

Wir werden sehen, wie es weitergeht.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Feb 22 2013, 15:02

Auch hier eine kleine Fortsetzung. Ich hoffe es gefällt ... Euch allen ein wunderschönes Wochenende ... LG, Mini

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Teil 68


„Autsch.“, entwich es Helena knurrend. Anteros lachte leise und strich ihr sanft über den Kopf. Sein Duft – eine Mischung aus Leder und verführerisch herber dunkler Männlichkeit – drang in ihre Nase und ließ ihren Puls wie ein Katapult in die Höhe schnellen. Augenblicklich erstarrte sie und hielt die Luft an. Ein warmes Kribbeln brach aus ihrem Inneren hervor und begann, ihr Blut zu erhitzen. Für einen Sekundenbruchteil aus der Realität getragen, besann sie sich schließlich und erkannte augenblicklich die Lage, in der sie sich befand. Hastig wand sie sich aus seinen Armen, räusperte sich verlegen und wich einen Schritt zurück, um sich auf einen Stuhl zu setzen. Fragend blickte er sie an und lächelte ein Lächeln, was Helena direkt dunkelrot anlaufen ließ. Anteros unterdrückte den Drang, die kurze Distanz, die sie geschaffen hatte, zu überwinden und sie erneut in seine Arme zu ziehen. Die Wärme ihres Körpers haftete an ihm und brachte seine Sinne zum Rotieren. Sein Herzschlag beschleunigte sich und sein Blut erhitzte sich auf eine Weise, wie er es schon seit langem nicht mehr empfunden hatte. Ein Hauch von Freesien und Lavendel lag in der Luft, umwölkte seine Sinne und versetzte ihn in einen leichten Rausch. Er schloss die Augen und holte leise Luft, während er versuchte, das aufkommende Kribbeln in seinem Körper zurück zu drängen, der Gefühle Herr zu werden, die ungebremst auf ihn einströmten. Es kostete ihn enorme Kraft, der Versuchung zu widerstehen. Ihr weicher Körper hatte sich so wunderbar an seinem angefühlt. Schade, dass sie sich so schnell wieder von ihm abgewandt hatte, was ihn aber nur noch mehr antrieb, … die Anziehungskraft verstärkte. Vom ersten Augenblick an hatte sie ihn in ihren Bann gezogen. Alles an ihr – und er wusste nicht warum – übte etwas Magisches auf ihn aus. Sie war wie geschaffen für ihn. Sollte man zumindest meinen. Blieb nur zu hoffen, dass sie das genauso sah. Na ja, immerhin war er schon mal einen gewaltigen Schritt weiter. Vor einer Woche noch war sie ja noch nicht mal an ihr Telefon gegangen. Sollte sich seine Beharrlichkeit nun doch endlich auszahlen? War das die langersehnte Wende? Er hoffte es, wünschte es sich. Doch die Tatsache, dass Eros hier unvermittelt aufgetaucht war, verpasste seiner guten Stimmung im nächsten Moment einen herben Dämpfer. Sein Beschützerinstinkt regte sich. Wenn sein verhasster Zwillingsbruder in der Nähe war, bedeutete das in der Regel nichts Gutes. Ein diebisches Grinsen stahl sich auf seine Züge, als er sich an die Auseinandersetzung unten vorm Haus erinnerte. Hoffentlich war der Tritt in seine Weichteile für ihn Warnung genug …, ging es ihm zufrieden durch den Kopf. Er suchte schon viel zu lange nach Helena, um sich kurz vorm Ziel von seinem Bruder noch in die Parade fahren zu lassen. Und wenn man sich eines sicher sein konnte, dann, dass dort wo Eros auftauchte, in der Regel kein Kraut mehr wuchs.

Unweigerlich erinnerte Anteros sich an den Moment, als Himeros ihm mitgeteilt hatte, dass Eros aus Walhalla verschwunden war. Ha, na so ein Zufall – er hatte ihn gefunden. Der Funken Ironie erlosch augenblicklich. Denn dass Eros hier war, war kein Zufall, das war für Anteros so sicher wie das Amen in der Kirche. Und das, gepaart mit der großen Frage, was sein Bruder hier wollte und dass diese Tatsache, worin auch immer sie begründet lag, nichts Gutes bedeutete, ließ ihn kurzerhand zu dem Schluss kommen, dass er Helena von nun an stärker würde schützen müssen, damit ihr – und auch ihm – nicht in letzter Sekunde noch etwas zustieß. Schweigend betrachtete er ihr Gesicht, versuchte in ihren nachdenklichen Augen zu lesen, die starr auf seinen Körper gerichtet waren - die Verletzung unterhalb seiner Brust, vermutete er. Und irgendwo tief in seinem Inneren flammte die Ahnung auf, dass sie ihn wieder wegschicken würde, sobald sie seine Wunde versorgt hatte – die sich bereits von selbst zu schließen begann. Und zum ersten Mal in seinem Leben verfluchte er diese erstaunliche Gabe der Selbstheilung. So praktisch sie auch war und so nützlich sie sich schon so manches Mal erwiesen hatten, in diesem Moment stand sie ihm eindeutig im Weg. Gott, wie sie ihn angesehen hatte, als sie seine Verletzungen gesehen hatte. Diese Augen, so groß vor Panik … Aber am Ende war das alles halb so wild. In weniger als einer halben Stunde wäre nichts mehr davon übrig. Leider. Anteros seufzte innerlich. Dann zuckte ein kleines schelmisches Grinsen um seine Mundwinkel, als er sich an den Moment entsann, in dem sie ihn aufgefordert hatte, seine Jacke und das Hemd auszuziehen. Am liebsten hätte er den Rest seiner Kleidung auch noch ausgezogen. Scheiße noch mal, hätte Eros mir nicht das Bein brechen können? …, grollte es plötzlich in ihm. Manchmal war der Kerl wirklich zu nichts zu gebrauchen. Seine Augen verengten sich, nachdenklich neigte er den Kopf, musterte Helena, die sich auf einen Stuhl hatte sinken lassen.Sie war blass ... Ob sie mich auch aufgefordert hätte, meine Hose auszuziehen, wenn mein Bein verletzt gewesen wäre? ..., ging es ihm durch den Kopf. Na ja, der Art, wie sie auf seine Hose gestarrt hatte, nach zu urteilen, ließ zumindest den Schluss zu, dass sie wenigstens darüber nachgedacht hatte. Schade, dass sie meinen Vorschlag abgelehnt hat …, seufzte er innerlich. Wie gerne hätte er diesen Gedanken weitergespronnen, aber im Grunde hatte das noch Zeit. Die Nacht war schließlich noch jung, und er war sich sicher, dass sie damit enden würde, dass er nichts mehr am Leib trug – und sie auch nicht. Und dann … Er wand sich innerlich und schluckte leise, als er sich seiner Gedanken gewahr wurde. Sich selbst nicht wiedererkennend schüttelte er den Kopf, während er sein Augenmerk wieder auf sie richtete. Was machst du nur mit mir, Helena …, dachte er bei sich und ließ einen verstohlenen Blick über ihre Gestalt gleiten. Ihre Hände zitterten und sie sah aus, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen. "Helena ...", er stockte, als sein Blick schließlich an einer Wunde an ihrem Kopf hängen blieb. Verdammte Scheiße, Helena ..., fluchte er innerlich. Von einer Sekunde zur anderen waren seine abdriftenden Gedanken verschwunden und sein kurzfristig benebeltes Hirn so klar, als hätte man ihm einen Kübel Eiswasser über den Kopf gekippt. Offenbar war ihr kleiner Zusammenstoß nicht ohne Folgen geblieben. Die Stelle, an der sein Kopf sie getroffen hatte, war aufgeplatzt und blutete leicht. Er wollte auf sie zutreten, erstarrte aber augenblicklich, als eine konzentrierte Woge ihres Duftes mit seinen Sinnen kollidierte. Anteros taumelte leicht und schluckte hart. Er zwang sich, zu widerstehen, doch seine Augen schlossen sich wie von selbst, als er diesen einmaligen Geruch einsog. Irgendetwas in ihm explodierte, brachte seinen Körper zum Brennen und jagte ein Verlangen durch seine Adern, wie er es noch nie erlebt hatte. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, während er in kurzen schnellen Stößen atmete und den Wunsch zu ignorieren versuchte, den ihm jede Faser seines Körpers zuschrie.

Leicht benommen hockte Helena auf dem Stuhl und rieb sich ihren schmerzenden Kopf. Ihr war ein wenig schwindelig und in ihren Ohren rauschte es. Verdammt, warum hatte sie nicht besser aufgepasst? Plötzlich spürte sie eine warme Hand und weichen Stoff an ihrer Stirn. Erschrocken zuckte sie zusammen. „Scht …“, flüsterte er mit beruhigender Stimme. „Beweg dich nicht. Vermutlich hast du eine Gehirnerschütterung.“ Wie eine Stimmgabel begann ihr Körper beim Klang seiner Stimme zu summen. Oh Gott, reicht es nicht schon, dass der Kerl so verflucht anziehend aussieht, muss er auch noch seine verführerische Stimme einsetzen? Sie versuchte aufzustehen und vor ihm zurück zu weichen. Doch sobald sie ihren Kopf bewegte, durchfuhr sie ein scharfer Schmerz, der sie wieder auf den Stuhl zwang. Stöhnend presste sie ihre Hand gegen die Stirn. Sie fühlte warme Feuchtigkeit. Oh Gott, sie blutete. Überstürzt sprang sie auf und wollte ins Badezimmer flüchten, als ein spontanes Schwindelgefühl ihren Körper heimsuchte und sie bedrohlich zu schwanken begann. Eine Sekunde später verschwand der Boden unter ihren Füßen und die Zimmerdecke kippte. Er hatte sie auf seine Arme gehoben – mit einer Leichtigkeit, als würde sie nichts wiegen. Hilflosigkeit. Wie auf Knopfdruck begann sie mit Armen und Beinen um sich zu schlagen und zu treten. Er lachte leise, und wieder summte ihr Körper, erfüllt von diesem tiefen Klang. „Wenn du nicht stillhältst, dann musst du eben liegen. Du hast dir den Kopf angeschlagen, und ich würde gern die Wunde stillen, aber du musst ja immer rumzappeln.“, neckte er sie mit sanftem Tadel. Helena erstarrte als hätte man einen Schalter betätigt. Kurze Zeit später fühlte sie weiche Kissen unter ihrem Kopf. Er hatte sie auf das Sofa gelegt. Mühsam versuchte sie, die Augen zu öffnen, blinzelte kurz und kniff sie wieder zusammen. In ihrem Kopf drehte sich alles und ein wild pochender Schmerz verhinderte, dass sie einen klaren Gedanken fassen konnte. Als sie schließlich wieder etwas erkennen konnte, zuckte sie abermals zusammen. Er hatte sich über sie gebeugt, ganz nah. Zu nah. Sein warmer Atem strich über ihr Gesicht, als er die Wunde an ihrem Kopf betrachtete. Der vage Fluchtinstinkt verpuffte, als nur Sekunden später sanfte Finger ihre Stirn betasteten. Helenas Atem geriet ins Stocken, während gleichzeitig ihr Puls in die Höhe schoss und ihr Herz zum Rasen brachte. Was zum Teufel machte er mit ihr? Und warum geriet ihr Körper so völlig außer Kontrolle? Ich kenne ihn doch kaum … Stöhnend verdrehte sie die Augen, als ein weiterer stechender Schmerz durch ihre Stirn fuhr. Sie presste die Lippen zusammen und stieß in kurzen flachen Zügen die Luft aus. Der Schmerz verblasste auf ein erträgliches Maß, und Helena öffnete die Augen. Wie hypnotisiert ruhte ihr Blick auf ihm, während er ihre Wunde versorgte. Ob er sich ausziehen würde, damit ich ihn zeichnen kann …, ging es ihr plötzlich durch den Kopf. Oh Gott, was denke ich nur? Der Schlag auf ihren Kopf hatte eindeutig ihren Verstand durcheinandergewirbelt. Ein leises heiseres Lachen hallte in ihrem Kopf ... nicht zum ersten Mal, aber mittlerweile war sie sich ziemlich sicher, dass es sein Lachen war. Aber wie? Ihre Gedanken wirbelten wild, und als er die verletzte Stelle berührte, zuckte sie erneut vor Schmerz zusammen und stöhnte leise auf. „Ganz ruhig. Das ist alles halb so schlimm. Gleich geht’s dir besser.“, flüsterte er sanft. Wieder spürte sie seine Finger, die über ihre Stirn strichen, und dann ließ der Schmerz ganz plötzlich nach, als hätte er einen Schalter gefunden, um ihn abzustellen. Eine Sekunde später wurde ihr schwarz vor Augen, und sie sank in eine wunderbar warme angenehme Dunkelheit.

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Zuletzt von Mini_2010 am Sa Feb 23 2013, 11:22 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Feb 22 2013, 20:44

Oh Mann, das muss aber ein ziemlicher Rumms gewesen sein, dass Helena gleich eine Platzwunde und eine Gehirnerschütterung davon trägt ... Die Arme Surprised

Wow, was für ein Teil, meine liebe Mini, da bekomm ich ja mal wieder ein bisschen Information was der gute Anteros noch kann - und noch mehr Zweifel, was er noch alles kann und tut, wovon ich noch nichts weiß Rolling Eyes

Er hat also Selbstheilungskräfte, hmmmm, drängt sich mir die Frage auf, wie er Helena klar machen will, dass seine Wunden so schnell wieder weg sind. Embarassed
Er scheint ziemliche Probleme zu haben, sich Helenas Anziehung entgegen zu stellen, drängt sich mir ebenfalls eine Frage auf. Geht es da tatsächlich um die Art Anziehung, die ich mir denke, oder gibt es da andere Bedürfnisse, von denen ich bislang keine Ahnung habe? idontknow
Er kann offensichtlich Gedanken lesen, und auch Gedanken oder ähnliche Inhalte senden. - Aber das wusste ich ja schon
Er kann Helenas Verletzung wohl "behandeln", was auch immer das heißt.

Aber was hat er vor? Wird sich Helena an all das später noch erinnern?

Diese fantastischen Inhalte machen es noch spannender, als es sonst schon wäre, da ich gar keine Ahung habe, was Anteros noch so im Petto hat ...

Also, bitte, bitte, lass mich nicht so lange warten.
Katha

Katrin

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Sa März 02 2013, 16:44

Ähhäm, ich hätte da mal eine Frage ...
Geht es Helena gut? Rolling Eyes Ein Lebenszeichen von ihr wäre total toll hallo

Sonst muss ich mir wirklich Sorgen machen, und das willst du doch bestimmt nicht, oder? No

LG katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mo März 04 2013, 10:06

Mhmm ... weiß gar nicht, wie es Helena geht ... Mal gucken ... Na ups, ist der letzte Teil schon wieder so lange her ...

Ich eile, ich eile ...

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mo März 11 2013, 11:22

Hallo, meine lieben Leser ... lange hat es mal wieder gedauert, aber nun ist die Fortsetzung fertig. Hoffe, es gefällt euch ... LG, Mini

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Teil 69

Wunderschön …, dachte Anteros mit einem sehnsüchtigen Seufzen. Fast vier Jahre war es jetzt her, seit sie von einem Tag auf den anderen einfach verschwunden war – ohne ein Wort. Damals war er fast durchgedreht vor Wut, hatte sie verflucht und sich geschworen, sie an dem nächsten Baum festzubinden, wenn er sie je wiederfinden würde. Unermüdlich hatte er sie gesucht, jeden Gedanken nur ihr geschenkt, während die Zeit dahin rann wie Sand in einem Stundenglas. Und als er die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, war sie ihm förmlich über die Füße gestolpert. Ein unglaublicher Zufall, und er hatte sämtliche Götter angerufen und sich für dieses Geschenk des Schicksals bedankt. Seitdem hatte er sie kaum mehr aus den Augen gelassen. Diskret hatte er sich verhalten, auch wenn es ihn unglaubliche Kraft gekostet hatte, den Zwang zu unterdrücken, sie auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Immerhin war sie die einzig Wahre, und sie zu verschrecken war in Anbetracht dieser Überzeugung wohl die falsche Taktik. Es gab da nur ein kleines Problem … na gut, vielleicht war es auch ein wenig größer als er zuzugeben bereit war. Er musste sie noch davon überzeugen, dass sie die eine Frau für ihn war. Sein Blick glitt über ihr entspanntes Gesicht und der Anflug eines Lächelns streifte seine Züge, als er sich an ihre Begegnungen erinnerte. Keine leichte Sache …, dachte er bei sich. Zumal man sie ja kaum mal allein antrifft. Das flüchtige Lächeln auf seinen Zügen verschwand als er an diesen komischen Typen dachte, der beinahe ständig in ihrer Nähe auftauchte. Und nicht nur der. Da war noch mindestens ein weiterer dieser Sorte. Er hatte sie beobachtete, hatte gesehen, wie vertraut sie mit ihnen umging. Auf ihre Avancen reagierte. Etwas begann leise in ihm zu brodeln. Dass sie so offen dem Werben anderer Männer nachzugeben schien, gefiel ihm ganz und gar nicht. Besonders dieser komische Blonde … Diese Vertrautheit, in der sie agierten … Aber etwas daran war Anteros seltsam vorgekommen. Denn trotz dass dieser Typ dauernd vor ihrer Haustür herumlungerte, schien sie das nicht derart zu beeindrucken, wie sich der Kerl das vermutlich wünschte. Mhmm … kommt mir irgendwie bekannt vor …, dachte er im Stillen, während er mit seinem Zeigefinger sanft ihre Wange streichelte. Er selbst hatte auch so seine liebe Mühe damit, seinem Ziel näher zu kommen. Erneut betrachtete er sie, lauschte ihrem gleichmäßigen Atem. Eros hatte gesagt, er wolle ihn von ihr fernhalten. So ein Schwachsinn …, dachte er und schüttelte lächelnd den Kopf. Es behagte ihm nicht, dass Eros so plötzlich auf der Bildfläche erschienen war, aber dass ausgerechnet sein verhasster Bruder ihm den Weg zu Helena ebnen würde, hätte er sich niemals auch nur träumen lassen. Beinahe zufrieden grinste er in sich hinein. Er würde sich bei Gelegenheit bei ihm bedanken, wenn er Helena erst ganz für sich gewonnen hatte. Was schon bald der Fall sein würde, wenn es nach ihm ginge.

Anteros’ Lippen zuckten amüsiert, als er an die Szene vor dem Haus zurückdachte. Ob seine Eier immer noch wehtun? Gelassen zuckte er die Schultern. Und wenn schon … Wenn das der Preis für seinen Erfolg war, würde er ihn ohne zu Zögern noch einmal bezahlen. Ein leises Seufzen lenkte seine Aufmerksamkeit erneut auf die junge Frau, die so zart und zerbrechlich auf dem Sofa lag. Sie atmete leise, und ihre geschlossenen Lider zuckten leicht. Zum Glück wirkten diese Selbstheilungskräfte nicht nur bei ihm. Was gut war. So hatte er ihr die Schmerzen nehmen können, auch wenn er sie dafür in eine Art Schlaf hatte versetzen müssen. Eine Tatsache, die zweifellos auch einen gewissen Eigennutz in sich trug. Immerhin hatte er sie auf diese Weise einen Moment lang einfach nur betrachten können, sich an ihrem Anblick weiden können. Gestohlene Momente, für die er nicht mal im Ansatz so etwas wie Reue empfand. Und die die Sehnsucht nach ihrer Nähe keineswegs linderten. Er schloss die Augen und atmete leise, versuchte das Brennen tief in seinem Inneren zu ignorieren. Allein der Anstand, diesen Moment ungeschützter Verletzlichkeit nicht einfach für sich auszunutzen, hielt die Begierde, die unaufhörlich in ihm brannte, im Zaum, drängte die schwelende Sehnsucht nach ihrer Nähe zurück, wenn auch die nachlässige Bekleidung, die sie verhüllte, nicht unbedingt dazu beitrug, seine allmählich schwindende Selbstbeherrschung aufrecht zu erhalten. Ganz im Gegenteil. Ihr Anblick war geradezu einladend. Und es wäre wahrlich ein leichtes, den seidenen Stoff ihres Bademantels beiseite zu schieben, der ihm einen uneingeschränkten Blick auf ihre Ursprünglichkeit verwehrte. Aber wäre das richtig? Nein! Mit aller Macht hielt er sich davon zurück, seine Hände auszustrecken und dem nachzugeben, wonach sein Körper verlangte. Zweifellos würde er damit all das zunichte machen, worum er die letzten vier Jahre gekämpft hatte. Nein … Sie sollte nicht aufwachen und einen Widerling in ihm sehen. Dafür war er zu weit gegangen, hatte zu viel gekämpft … Der Moment war nahe, das spürte er instinktiv … der entscheidende Augenblick nur noch eine Frage der Zeit. Und dann würde er sie nicht mehr gehen lassen. Nie wieder. Geduld …, suggerierte er sich immer wieder. Eine wahre Schwäche, wenngleich auch eine starke Tugend, von der soviel mehr abhing als je zuvor.

Krampfhaft kämpfte Helena sich aus dem Dunkel heraus, in welches sie so abrupt gestoßen wurde und sie nun wie eine wärmende Decke verführerisch umhüllte. Für eine Weile fühlte, sah und hörte sie nichts. Da war nur dieser wunderbar angenehme Geruch, der ihre Sinne lockte, verführerisch wie eine leidenschaftliche Umarmung und süß wie ein tiefer sinnlicher Kuss. Als sie sich schließlich aus dieser undurchdringlichen Dunkelheit an die Oberfläche gekämpft hatte, öffnete sie die Augen, langsam und träge, und blickte noch etwas benommen in zwei andere – wunderschön, grün und von einer Intensität, dass sie sich darin zu verlieren begann. Von dunklen Wimpern umrahmt starrten die zwei Leuchtfeuer sie eindringlich an, fast so als würden sie zu ihr sprechen, sie auffordern, in ihren Tiefen zu versinken. Antamo. Lächelnd streckte Helena die Hand nach ihm aus und berührte sanft seine Wange. Sie hinterfragte ihr Tun nicht, gab einfach diesem Gefühl nach, was sie antrieb, und ließ federleicht ihre Finger über das leicht stoppelige Kinn gleiten, zog die verführerische Linie seiner sinnlichen Lippen nach, bevor sie über seine Wange und seinen Hals hinabstrich und schließlich seine Brust berührte, die noch immer entblößt war. Ihre Finger verharrten an seiner Wunde, die gar nicht mehr so schlimm aussah, fast als wäre sie schon mehrere Tage alt. Sie zog die Stirn kraus. Wie lange war sie weggetreten gewesen? Während sie noch eine Antwort auf diese Frage zu finden versuchte, zeichneten ihre Finger wie von selbst die Linien seiner Brustmuskulatur nach. Ihre Augen folgten mit kindlicher Faszination dem Spiel der Muskeln unter dieser leicht gebräunten Haut.

Schweratmend und vollkommen reglos starrte Anteros sie an, schloss die Augen und versank in dem Gefühl ihrer sanften unerwarteten Berührung. Genau danach hatte er sich so lange verzehrt. Ein warmes Feuer glomm in ihm auf und wärmte sein Innerstes auf eine Weise, wie er es noch nie erlebt hatte. Mehr …, schrie es in ihm, und nur mit Mühe konnte er ein genussvolles Stöhnen unterdrücken. Seine Gedanken rotierten, während die Begierde in ihm eine neue Stufe erklomm, die Anteros mit aller Macht niederzuringen versuchte. Nein, das durfte nicht sein – auch wenn die irrationale Seite in ihm sich am liebsten sofort zu ihren Füßen auf dem weichen Teppich ausgestreckt hätte – nackt und ursprünglich – um ihren Fingern mehr Zugang zu gewähren. „Du bist wunderschön.“, flüsterte sie und sah ihn mit verklärtem Blick an. Irritiert tauchte er aus seinen sinnlichen Gedanken auf und hob überrascht von ihren Worten die Brauen, musterte sie mit einem prüfenden Blick. Sekunden später zuckte ein verschmitztes Lächeln um seine Mundwinkel. Ganz langsam beugte er sich über sie, ohne seinen Blick aus ihren Augen zu wenden. Seine Wange berührte ihre, ganz zart. Ein wildes Kribbeln zog durch ihren Magen und ließ sie leise aufseufzen. „Es scheint, als hättest du dir den Kopf ziemlich derb angeschlagen.“, neckte er mit einem Lächeln in der Stimme und zupfte spielerisch an ihrem Ohrläppchen, ehe er sich davor zurückhalten konnte. Nur eine Sekunde später zwang er sich zur Räson und zog sich ein Stück von ihr zurück, rief sich in Erinnerung, was er sich noch vor wenigen Minuten geschworen hatte. Ein Drahtseilakt ohne doppelten Boden. Die pure Hölle … Sein Blick bohrte sich in ihren, grüne Augen trafen auf leuchtend blaue. Helena lächelte, und Anteros’ Herzschlag legte einen Zahn zu. Himmel noch mal, was war nur plötzlich mit ihm los? „Kann schon sein. Aber zum Glück hast du mich ja vor Schlimmerem bewahrt.“, flüsterte sie. Ihr süßer Atem strich über sein Gesicht und brachte seine Synapsen zu Glühen. Eine Einladung … Das warme Feuer, was unaufhörlich in ihm schwelte, wandte sich in eine lodernde Flamme. Er brannte … lichterloh. Kein Mann dieser Welt würde dieser Verführung widerstehen können, und auch er musste zugeben, dass er seine liebe Not damit hatte, nicht sofort wie ein hungriges Raubtier über sie herzufallen. Mühsam zwang er das Verlangen zurück, verdrängte die Schmerzen, die seinen Körper mehr und mehr malträtierten. Ballte die Fäuste … Selbstbeherrschung war sein zweiter Vorname, … und er begann ihn mehr und mehr zu hassen. Ihr gesamtes Wesen fesselte ihn, angefangen von ihren zauberhaften Augen bis hin zu ihren zierlichen Füßen. Normalerweise würde er so etwas niemals zugeben, aber er war dieser Frau vollkommen verfallen. Und das Schlimmste war, sie bemerkte es noch nicht einmal. Aber er würde alles dafür tun, dass sie es bemerkte. „Du kannst dich ja bei Gelegenheit revanchieren.“, raunte er mit einer Stimme, die das sündige Verlangen in ihm kaum mehr zu verbergen vermochte ...

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mo März 11 2013, 17:08

Das Warten hat sich mal wieder mehr als gelohnt. flowers
Ein wirklich schöner Teil, und toll geschrieben. Die Spannung bei Anteros war wirklich greifbar, nur .... wie geht es jetzt weiter???????? Evil or Very Mad
Überrascht war ich ja von Helena Suspect Ich bin sehr gespannt, wie lange sie so entspannt bleibt. Oder ob sie doch plötzlich wieder von ihrer Angst vor der männlichen Spezies eingeholt wird und die Krallen ausfährt, um Antamo möglichst schnell der Wohnung zu verweisen.

Also, bitte ... Embarassed Wie geht´s weiter? beeildich bitte bitte!

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Apr 03 2013, 21:03

Mini, du macht es mir gerade nicht leicht. Jetzt ist es schon wieder Wochen her, dass Helena und Anteros sich begegnet sind, ... und ichdrehgleichdurch weil ich nicht weiß, wie es weitergeht.

Katha

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Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"
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