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 Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"

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Mini_2010

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BeitragThema: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Aug 09 2012, 18:51

das Eingangsposting lautete :

Liebe Leser,

Die nachfolgende Geschiche habe ich vor etwa zwei Jahren einmal geschrieben. Bisher verweilte sie geduldig auf meinem Laptop. Nach langen Überlegungen habe ich mich nun doch dazu durchgerungen, sie hier im Forum zu veröffentlichen. Ich weise vorab darauf hin, dass die Geschichte Passagen enthält, die in die Kategorie FSK 16/18 gehören. Ansonsten freue ich mich natürlich, wenn sie euren Zuspruch findet. Sollte das nicht der Fall sein, wäre es schön, das zu wissen, dann würde ich davon absehen, sie fortzuführen.

Danke und viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße
Mini


****************************************

Prolog
Schweden, Juni 2005


Unruhig warf er sich auf seinem Bett hin und her. Es war wieder einer jener grausigen Träume, der ihn seit Monaten verfolgten. Erschöpft und verwirrt von seiner träumenden Pein drehte er sich auf den Rücken und starrte an den weißen Baldachin, der anmutig über seinem Bett schwebte. Warum immer wieder dieser Traum? War es bald wieder soweit? Immer, wenn die Zeit drängte, mehrten sich diese seltsam beunruhigenden Träume. Und er hatte keine Zeit mehr, soviel wusste er. Und noch etwas lag in der Luft. Etwas, was er noch nicht greifen konnte, etwas, was ihn beunruhigte und sein Herz zum Rasen brachte. Keuchend stieß er den Atem aus und legte sich die Hand über seine Augen. Ein schwaches Licht drang von draußen durch die feinen seidenen Vorhänge. Mit schwirrendem Kopf erhob er sich von seinem Bett, durchquerte auf schlaftrunkenen Füßen das Schlafzimmer und trat auf den Balkon des großzügigen Hauses, welches er seit ein paar Jahren sein Eigen nannte. Er war viel herumgekommen, und einst würde der Moment kommen, dass er wieder gehen müsste. Aber noch war es nicht soweit, noch hatte er die Möglichkeit, seine Aufgabe zu erfüllen, um dem Bann zu entgehen, der auf ihm lastete. Als er damals ausgesprochen wurde, hatte er es zunächst für den kompromittierenden Versuch einer zynischen Frau gehalten. Aber er hätte es besser wissen müssen, schließlich hatte er sie bis aufs Blut gereizt. Und wenn er ehrlich war, hatte er sich auch keineswegs dafür geschämt. Seine Arroganz war ein sicherer Schild seiner virilen Selbstsicherheit, und seine Wut stärkte ihn regelmäßig, damit er nicht vergaß, dass eine Offenbarung seiner Seele ihm nur mehr Leid zuführen konnte. Wann er so geworden war, wusste er nicht mehr, und dass sie dieses Wesen an ihm hasste, gab ihm den notwenigen Nährboden, sich sicher zu fühlen – von der Welt gehasst und nur von den Allerengsten wirklich erkannt und geliebt. Im Grunde war er selbst schuld an seinem Leid, und das wusste er. Wie oft hatte er sich gewünscht, so zu sein, wie seine Geschwister, gesegnet mit der Liebe einer Mutter und dem Wissen, dass er ihr etwas bedeutete. Er wusste, dass er ihr mit diesem Wunsch unrecht tat, da sie auch ihm das gegeben hatte, was er den anderen tief in seinem Inneren neidete. Nur leider schien er für ihr Geschenk nicht empfänglich zu sein. Wie eine Krankheit war das Geschenk in seinen Händen verdorben und unbrauchbar geworden und hatte stattdessen seinen Hass und seinen Zorn geboren und stetig genährt. Am Ende war es sein innerer Gram, sein Hass allein auf sich selbst, der ihr die Schuld an seinem Unglück gab.

Sein Vater war stolz auf ihn. Als er ihn nach dem Grund gefragt hatte, hatte er gesagt, dass er besser für den Kampf geeignet wäre als sein Bruder. Er erinnerte sich, wie glücklich er über diese Anerkennung gewesen war. Und als er seinen Vater gefragt hatte, warum er das so sah, hatte dieser nur gemeint, dass er nicht das verschwenderische Herz eines Liebenden besäße. Es sei gerade soviel Gefühl in ihm, dass er seinen Feinden den Gnadenstoß gewähren würde, anstatt wie ein feiger Hund jaulend vom Schlachtfeld zu flüchten. Er besaß nicht das Herz eines Liebenden? Er war betrübt, ja sogar entsetzt darüber gewesen, was sein Vater von ihm hielt. Daraufhin hatte er sich geweigert, an seiner Seite zu kämpfen und begonnen, das Leben eines Eremiten zu führen. Hinter dem Schutzmantel der Gleichgültigkeit hatte er seine verletzte Seele vor der Welt verborgen. Niemand sollte je an sie herankommen. Mit den Jahren wurden Einsamkeit und Selbsthass seine besten Verbündeten, halfen sie ihm doch, den Panzer um seine Seele zu stählen, die das winzige Gefühlsaufkommen beinhaltete, was ihm zueigen war. Und mit der Zeit wurde er gut darin, diese kostbaren Gefühle tief in sich zu verbergen, bis sie fast gar nicht mehr zum Vorschein kamen. Nur sehr selten und meist nur dann, wenn er selbst keinen Einfluss darauf hatte, zeigten sie sich. Der sichere Panzer hatte ihn die Äonen seines Daseins über geschützt. Doch urplötzlich schien die Zeit aus den Fugen geraten zu sein. Eigentlich sollte er es als einen Segen empfinden, aber die Tatsache, dass er nicht selbst über sein Dasein entscheiden konnte, ließ diese Empfindung nicht zu. Er war ein Narr – ein kaltes Herz, was einer Seele nachjagte, die er doch nie erwärmen können würde. „Du siehst aus, als hättest du schlecht geträumt.“, vernahm er eine sanfte weibliche Stimme, gefolgt von leisem Rauschen. Er sah auf und konnte einen schwebenden Schatten am nächtlichen Himmel ausmachen. Die schöne Gestalt schwebte, getragen von anmutigen Schwingen, auf seinen Balkon. Augenblicklich verschwanden ihre schönen Flügel, die er immer bewundert hatte. „Nemesis. Was verschafft mir die Ehre deines nächtlichen Besuchs?“, erwiderte er beinahe gelangweilt. Es tat ihm leid, dass er sie so schroff begrüßte, denn er mochte Nemesis. Sie waren sich auf eine ungewöhnliche Weise sehr ähnlich. „Ich habe dich gesucht. Und du hast dich ziemlich gut versteckt. Doch dein Zorn hat dich verraten. Ich hab ihn gespürt. Du weißt doch, wie sehr ich dafür empfänglich bin.“, erklärte sie und tippte sich lächelnd gegen ihre kleine hübsche Nase. „Zornradar …“ Er lachte leise. „Ich rieche ihn … und dann bin ich da. Wer hat dir Unrecht getan?“, fragte sie mit fester Stimme, in der ein Hauch Missbilligung mitschwang.

Er schnaubte leise und winkte mit einer lässigen Handbewegung ab. „Die Kurzfassung?“, fragte er trocken. Nemesis nickte wortlos. Aus ihrem hübschen Gesicht, welches von einer dichten blonden Lockenpracht umrahmt wurde, blickten ihn zwei silbergraue Augen streng an. Er kannte diesen Blick, der ihm nur zu deutlich sagte, dass sie keine Ruhe geben würde, bevor er nicht ausgesprochen hatte, was sie zu wissen verlangte. Es war schon so lange her, seit dieser Bann gesprochen wurde, und erst jetzt fiel ihm auf, dass er Nemesis lange nicht gesehen hatte. Er seufzte indigniert. „Mein Bruder hatte einen Anfall von Geltungssucht, ich hab mich provozieren lassen und ein paar … wie soll ich sagen … Dinge laut ausgesprochen, die andere nicht mal im Stillen gedacht hätten, und sie – er sprach dieses Wort aus, als wäre es eine Krankheit – hat mich darauf hin verflucht. Nun sitze ich hier, inmitten der Zeit, die mir so unaufhaltsam durch die Finger rinnt, und bin doch nicht schlauer als gestern oder vorgestern. Zumindest habe ich schon mal gelernt, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Alternativ droht mir ja ohnehin nur das Getuschel sensationssüchtiger Dummköpfe, und da mir das eh nicht behagt, bleibe ich, wo ich bin. Du weißt ja, Selbstmitleid war noch nie meine Stärke.“ Nemesis hob fragend die Augenbrauen. Kopfschüttelnd sah sie ihn an. „Das übliche also?“ Er nickte betrübt. Nemesis stieß ein leises Seufzen aus. „Du weißt, dass ich sie nicht für etwas zur Rechenschaft ziehen kann, was sie nicht zu beeinflussen in der Lage ist. Sie liebt dich, das weißt du genauso gut wie ich. Dass ihre Gabe in dir keine Wurzeln schlägt und Früchte trägt, ist einem höheren Schicksal zuzuschreiben.“, erklärte sie ruhig und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er seufzte wieder. Sein innerer Schutzpanzer war brüchig geworden, aber Nemesis konnte er vertrauen. Selbst wenn er sein Gesicht verlöre, sie würde ihn nicht verhöhnen oder verurteilen. Sie war ihm treu, wie kaum ein anderer, den er kannte. Dann sah er sie an und lächelte gemein. „Vielleicht könntest du ja meinem Bruder mal einen Denkzettel verpassen. Glaub mir, der Knabe hat es mehr als verdient.“ Nemesis lächelte zaghaft. „Ja, da gebe ich dir recht. Aber sein Hass ist ehrlich. Er empfindet keine Liebe für dich, die man als herzlos oder falsch bezeichnen könnte. Glaub mir, wenn dem so wäre, würdest du meine Rache schon bemerkt haben.“ Jetzt grinste sie breit. Er bedachte sie mit einem gequältem Lächeln, und Nemesis hob ihre Hand, um ihm zärtlich über seine Wange zu streichen. „Du bist mir unter all denen Unsrigen der Liebste, mein schöner dunkler Engel.“, raunte Nemesis.

Er sah auf sie herab und verzog mürrisch das Gesicht. Er hasste es, wenn sie ihn so nannte. Er war kein Engel, doch Nemesis schien die Tatsache allein, dass er Flügel besaß – die er so gut wie nie zeigte, geschweige denn, benutzte – zu genügen, ihn regelmäßig damit aufzuziehen. Er sah sie tadelnd an, doch sie grinste nur verschmitzt zurück. „Du bist, was du bist. Wir zwei sind uns in manchen Punkten so ähnlich.“, erklärte sie feierlich. „Eigentlich ein perfektes Paar.“ Sie machte sich nicht die Mühe, das schelmische Grinsen zu verbergen. „Ja, das ist dein Glück. Andernfalls hätte ich dich schon längst übers Knie gelegt und dir den Hintern versohlt.“, knurrte er leise.“ Nemesis grinste noch breiter, trat näher zu ihm und stellte sich auf die Zehenspitzen. Dann legte sie ihre Arme um seinen Nacken und zog ihn zu sich hinunter. Ihre Lippen an seinem Ohr jagten ihm einen kurzen Schauer über den Rücken. „Mein schöner Engel, komm, lass uns die Nacht ein wenig unsicher machen.“, säuselte sie. Er sah sie argwöhnisch an. „Ich weiß nicht …“ Er wollte sich aus ihrer Umarmung lösen, doch sie hielt ihn fest. „Komm, ich weiß dass du das nicht magst, aber es ist jetzt genau das, was du brauchst. Und morgen stellst du dich wieder deinem Leben. Glaub mir, auch das Schicksal braucht mal eine Pause.“, meinte sie leichthin. Er zögerte einen Moment und sah sie schweigend aus traurigen Augen an. „Also gut, kleine Schwester. Nur für dich.“, flüsterte er mit einem kleinen Lächeln. Dann wuchsen zwei wunderschöne mitternachtsschwarze Flügel aus seinem Rücken, und Nemesis’ Augen leuchteten begeistert auf. Dann stießen sie sich von dem Balkon seines Schlafzimmers ab und entschwanden gemeinsam lautlos in der Nacht. Eine Weile streiften sie durch die Gegend, bis sie sich auf einer kleinen unbewohnten Insel nahe einem Fjord an der Schwedischen Küste niederließen und in die Magie des Midsommar fühlten. Er liebte diesen Moment im Jahr, an dem der Sommer gefeiert wurde. Die Sommersonnenwende und der Beginn der weißen Nächte. Er sah zum Himmel auf. Das Zwielicht des Midsommar ließ die Sterne in einem anderen Glanz funkeln. Sterne. Ein leises Seufzen entwich seinem Inneren. Sie hatten etwas mit ihm gemeinsam. Sie waren genauso weit entfernt wie er von seiner Erlösung.

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„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“


Zuletzt von Mini_2010 am Do Aug 30 2012, 20:39 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Apr 03 2013, 21:13

Geduld, meine Süße, ich muss - glaub ich - da erst mal wieder reinfinden. Aber es geht hier bald weiter. Versprochen.

LG, Mini

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Mai 09 2013, 16:35

Oh Mann, das ist jetzt aber verdammt lange her, dass ich hier was gepostet habe. Ich hoffe, ihr findet noch den Anschluss beim Lesen. Wenn nicht, dann einfach die letzten zwei, drei Kapitel nochmal lesen. Viel Spaß ... LG, Mini


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Teil 70


Helenas Finger verharrten in ihrer spontanen Reise. Für einen Moment schien die Welt zum Stillstand zu kommen. Und einen weiteren bedurfte es, bis Helena aus ihrer Trance wieder auftauchte … Und dem folgte die nackte Wirklichkeit – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn als Helena seinen großen männlichen Körper über sich realisierte, erfasste sie unvermittelt ein Anflug von Panik. Instinktiv hob sie beide Hände und presste sie auf seine nackte Brust. Erneut glitt ihr Blick zu seinem Bauch und schließlich zu den Verletzungen in seinem Gesicht. Sie runzelte die Stirn, denn erst jetzt wurde ihr bewusst, dass beide Stellen beinahe unversehrt waren. Lediglich die Blutspuren erinnerten noch an einen Übergriff. Sie verstärkte den Druck ihrer Hände auf seiner Brust und gab ihm zu verstehen, Abstand zu ihr zu halten. Widerstandslos folgte er ihrem Wink und richtete sich eilig auf. Als sie schließlich Anstalten machte, aufzustehen, umfasste er sanft ihre Arme und drängte sie behutsam in die Kissen zurück. Argwöhnisch kniff sie die Augen zusammen. Und als sie die Lippen zu einem Widerspruch öffnete, schüttelte er leicht den Kopf. „Du solltest noch ein wenig liegen bleiben. Deine Verletzung ist nicht ganz ohne.“, bedeutete er ihr und sah sie eindringlich an. Nein! Hastig schüttelte sie den Kopf. Was ein Fehler war, denn sogleich kehrte das unangenehme Schwindelgefühl zurück. Ein leiser Schmerzenslaut entwich ihrer Kehle, woraufhin sie sich schließlich seinem Willen ergab und sich von ihm in die Kissen zurückdrücken ließ. Ihr Herzschlag beschleunigte sich als sie erneut seinem Blick begegnete, und ein warmes Glühen, welches sich einem Schwelbrand gleich langsam in ihrem Körper auszubreiten begann, erfasste sie. Ihr Körper spielte völlig verrückt, drängte beharrlich zu ihm, während ihr Verstand sie brüllend zurückzwang. Nein, das durfte nicht sein. Sie kannte ihn doch kaum. Gott, was war nur mit ihr los? Beiläufig sah sie an sich herab und registrierte mit einiger Verzögerung, dass sie beinahe nackt vor ihm lag. Lediglich ihr dünner Satinmantel und die eilig übergezogene Jogginghose bewahrte sie vor der gänzlichen Blöße. Eine zarte Röte legte sich auf ihre Wangen. Sie räusperte sich verlegen und musterte ihn vorsichtig, während sie beiläufig die Aufschläge ihres Mantels griff und sie über ihrer Brust weiter zusammenzog. „Ähem … ich denke nicht, dass das ein guter Zeitpunkt ist.“, gab sie ihm leise zu verstehen, als ihr die Vermutung über sein überraschendes Auftauchen plötzlich wieder in den Sinn kam. Fragend zog er die Brauen hoch. „Der richtige Zeitpunkt für was?“ Verwirrt von seiner Frage deutete sie mit einer flüchtigen Handbewegung auf seine Erscheinung. „Na ja, ich meine, es ist ziemlich spät … für eine Session.“, erklärte sie. Er blinzelte verwundert, dann verzog sich sein Mund zu einem amüsierten Lächeln. „Offenbar hast du dir den Kopf schlimmer angeschlagen als ich vermutet hatte, so wirr wie du redest.“ Helena erstarrte, dann wurden ihre Augen schmal. Machte er sich etwa lustig über sie? Sein Lächeln wurde breiter, und Helena spürte, wie ihr Gesicht binnen Sekunden zu glühen begann, als es ihr schließlich dämmerte. „Ähem … Oh ...“, stotterte sie und verstummte. Augenscheinlich war sie auf dem Holzweg gewesen. Verfluchte Gedanken … Sie schalt sich ein dummes Schaf und hob zögernd den Blick. Er war noch immer leicht über sie gebeugt, den Mund vor stiller Belustigung verzogen, und irgendwie fühlte sie sich in dieser Position zunehmend unwohl, wenngleich irgendwo im Dickicht ihrer wirren Gedanken der seichte Wunsch aufkeimte, ihre Finger in sein dunkles Haar zu tauchen und seinen Kopf zu sich herunter zu ziehen.

Wie ein Kuss von ihm sich wohl anfühlen mochte? …, ging es ihr durch den Kopf, als ihr Blick abermals über seinen Oberkörper glitt und erneut an seiner Verletzung verweilte. Sie war tatsächlich verheilt. Ein Wunder. Sie hob die Hand, unterband jedoch in letzter Sekunde den Drang, mit ihren Fingern über die hellrote Linie zu streichen – das einzige Anzeichen, dass dort noch vor einer Weile eine offene Wunde gewesen war. Aber wie ist das möglich? War er überhaupt verletzt gewesen? …, schoss es ihr unvermittelt durch den Kopf. Sie runzelte abermals die Stirn, wischte den Gedanken jedoch beiseite. Nein, ich hab das Blut doch gesehen …, erinnerte sie sich und schüttelte leicht den Kopf. Wer weiß, vielleicht hat deine Panik nur mehr gesehen, als tatsächlich da war …, versuchte sie, sich zu beruhigen. Doch der Zweifel blieb. „Was machst du hier?“, fragte sie schließlich, um sich von ihren abstrusen Gedanken abzulenken, und zog einen Augenblick später die Stirn kraus. Was war eigentlich passiert? Lächelnd schüttelte Anteros den Kopf – ihre Verwirrtheit amüsierte ihn – und betrachtete schweigend ihr Gesicht. Was für ein zauberhafter Anblick …, dachte er bei sich, als er in ihre großen fragenden Augen sah. Sein Instinkt riet ihm, sich zurückzuziehen, doch dieses berauschende Gefühl ihrer Nähe war schier übermächtig. Sollte er es einfach wagen? Und riskieren, dass sie dich wieder rausschmeißt … so wie damals …, mahnte ihn die Vernunft. Halt dich zurück … Leicht gesagt, denn der Umstand, dass das warme Glühen in ihm mit jeder Minute, die er in ihrer Nähe weilte, stärker wurde, war alles andere als hilfreich. Er holte tief Luft, ließ ihre Arme los und richtete sich wieder auf. Sie räusperte sich abermals … zögerte, bevor sie weitersprach. „Da deine Wunde anscheinend bereits … gut zu heilen … begonnen hat, kannst du ja jetzt wieder gehen.“, sagte sie leise und wich seinem Blick aus. Ihre Stimme zitterte leicht, und irgendwie hatte sie das Gefühl, dass es nicht ihre Worte waren, die da aus ihrer Kehle drangen.

Auf ihre Worte hin, verschwand das Leuchten in seinen Augen, und der Zug um seine Lippen nahm einen traurigen Ausdruck an. Helena schloss die Augen und stöhnte leise auf, als unvermittelt ein stechender Schmerz durch ihren Kopf zog. Verflucht, tut das weh …, dachte sie gequält. Und als sie die Augen wieder öffnete, war der traurige Ausdruck in seinem Blick einer sorgenvollen Miene gewichen. Er neigte leicht den Kopf und zog die Stirn kraus, als dachte er über etwas Gewichtiges nach. Dann schüttelte er entschlossen den Kopf. „Ich sollte besser hier bleiben und auf dich aufpassen.“, entschied er. „Du wirkst ziemlich durcheinander. Und ich könnte es nicht verantworten, wenn du vielleicht auf dem Weg zur Toilette stürzt und dir den Hals brichst.“, fügte er todernst hinzu. Helena erstarrte. Ihre Augen wurden schmal. Tausend wüste Beschimpfungen wirbelten durch ihren Kopf, doch der durchdringende Blick, mit dem er sie bedachte, machte es ihr unmöglich, auch nur einen Widerspruch über die Lippen zu bringen. „Du könntest eine Gehirnerschütterung haben.“, gab Anteros leise zu bedenken. Dass sie keine hatte, wusste nur er. Aber das würde er ihr selbstverständlich nicht auf die Nase binden. Er würde sich nicht so einfach vertreiben lassen, und dieser tragische – wenn auch durchaus willkommene – Vorfall war der perfekte Vorwand, in ihrer Nähe zu bleiben. Zu seinem Verdruss, schüttelte sie den Kopf – wie sollte es auch anders sein. Dickköpfig, wie immer … Seine Geduld erreichte einen kritischen Punkt, als er den Widerspruch in ihren Augen las. Sie öffnete die Lippen, und im selben Moment als sie zu sprechen ansetzte, verdrehte sie die Augen und presste unter einem schmerzvollen Stöhnen ihre Hände gegen die Schläfen. Ein leiser Schrei wich über ihre Lippen. Nur Sekunden später fühlte sie, wie sich Finger auf ihre Stirn legten – warm und unendlich sanft. Der Schmerz verblasste, und Helena atmete leise aus. Wie hat er das gemacht? Langsam öffnete sie die Augen und begegnete seinem strengen Blick. Er hatte den Kopf schief gelegt und lächelte sie auf eine Art an, die ihr unmissverständlich sagte, dass Widerspruch zwecklos ist.

Ergeben schloss Helena die Augen. Der heftige Schmerz war verschwunden, und ihr Körper entspannte sich. Vielleicht sollte er doch bleiben … nur zur Sicherheit …, dachte sie bei sich und hob langsam die Lider. Eine Weile sahen sie einander schweigend an. Und je länger sie in dieses unglaublich intensive Grün seiner Augen schaute, umso mehr wuchs erneut der Wunsch in ihr, er möge sich näher über sie beugen und ihre Lippen mit seinen berühren. Nur ganz kurz. Ja ja ja …, jubelte ihr Unterbewusstsein, was sich offenbar bereits von dem Schock erholt hatte, begeistert. Nein …, schrie die Stimme der Vernunft in ihr. Helena blendete sie beide aus, wollte nichts davon hören. Sie war müde und doch hellwach. Ihr Körper schmerzte, dennoch fühlte sie sich seltsam behaglich. Und sie wollte es so sehr … ihn … dass er sie küsste, jetzt und hier, um die brennende Neugier darüber zu stillen, wie ein Kuss von ihm sich anfühlen würde. Eine Neugier, die sie umtrieb, seit sie ihn über ihre Schwelle geschleppt hatte … Und gleichzeitig ohrfeigte sie ihre Vernunft für ihre innere Unbeherrschtheit. Was für ein Gefühlschaos. Und als hätte er ihre Gedanken erraten, beugte er sich näher zu ihr. Instinktiv wich Helena zurück. Nein …, schrie die Vernunft panisch auf. Warum nicht?, konterte ihr Unterbewusstsein. Und noch ehe Helena sich für eine der beiden Seiten entscheiden konnte, spürte sie, wie sein warmer Atem über ihr Gesicht stich und jeden weiteren Gedanken in Nebel hüllte. Reines Gefühl durchflutete sie, und ein wohliger Schauer jagte über ihren Rücken, als sie seine Lippen an ihrem Ohr spürte. Ihr Herz begann zu rasen, ihr Atem kam in kurzen Stößen. „Ich passe auf dich auf, damit dir nichts passiert.“, flüsterte er mit einer Stimme, die eindeutig mehr versprach, als die Worte sagten. Was soll das heißen, … Ich passe auf dich auf? …, brüllte die Vernunft lautstark durch ihre vernebelten Sinne. Ganz genau, sie konnte verdammt noch mal sehr gut auf sich selbst aufpassen. Sie brauchte niemanden wie ihn. Die erboste Stimme des Gewissens wirkte wie ein Eimer Eiswasser auf ihr Bewusstsein. Der verführerische Nebel lichtete sich. „Ähem …“, krächzte sie. „… danke, aber ich komme schon klar.“ Er erwiderte nichts, lächelte nur wieder auf diese ganz spezielle Weise, die ihr Herz für einen Moment aus dem Takt brachte. Was für ein schöner Mund …, ging es ihr voller Sehnsucht durch den Kopf. Wie geschaffen für dieses Lächeln und zum … Vernehmlich räuspernd meldete sich die Stimme der Vernunft zu Wort, woraufhin Helena verlegen den Blick abwandte. Doch dieser Mund hatte sich bereits fest in ihr Hirn gebrannt. Sinnlich geschwungene Lippen – fast zu sinnlich für einen Mann. Unglaublich weich hatten sie sich unter ihren Fingern angefühlt … „Selbstverständlich tust du das. Dessen bin ich mir absolut bewusst.“, erwiderte er schließlich und riss Helena aus ihren aufblühenden Fantasien. „Aber du wirst sicher verstehen, dass ich untröstlich wäre, wenn die Nachwirkungen dieses Schlages, den unweigerlich ich verschuldet habe, während meiner Abwesendheit zu Verschlechterung deines Zustandes führen würden.“

Helena riss die Augen auf und klappte wortlos die Kinnlade nach unten. Häh? Du meine Güte, so gewählt … Als wäre er direkt einer Professur für romantische Literatur entsprungen. Na ja, so verwunderlich war das eigentlich nicht. Angesichts des Wissens, über welches er verfügte, war es kaum überraschend, dass er sich so gewählt auszudrücken vermochte. Einen Augenblick lang starrte sie ihn sprachlos an, und es fiel ihr schwerer als noch vor ein paar Minuten, sich von seinem Blick loszureißen. Und von diesem Mund … Wieder räusperte sie sich und holte sich selbst in die Realität zurück, bevor die Vernunft wieder den drohenden Zeigefinger heben konnte. „Keine Sorge, mir geht es best…“ Abrupt unterbrach er ihren erneuten Widerspruch, indem er einen Finger auf ihre Lippen legte und ihr suggerierte, dass sie schweigen solle. Sofort wallte Groll in ihr auf. Sie hasste es, wenn man so mit ihr umging. Sie würde sich weder bevormunden noch das Wort verbieten lassen … von niemandem. Doch noch ehe sie zu einer Reaktion ansetzen konnte, die ihre Empörung ausreichend zum Ausdruck bringen konnte, spürte sie, wie sein Finger, der noch immer auf ihren Lippen lag, langsam – wie zufällig – über selbige glitt, und den geplanten Widerspruch mit dieser simplen Geste von ihrer Zunge fegte … Fasziniert starrte Anteros auf die volle, äußerst verführerische Unterlippe. Sie fühlte sich so zart unter seinem Finger an, und instinktiv fragte er sich, nachdem er all seine edlen Vorsätze über Bord geworfen hatte, ob sie sich auf seinen Lippen wohl genauso weich anfühlen würde. Er spürte, wie Helenas Widerstand von Sekunde zu Sekunde schwand, fühlte, dass er seinem Ziel so nah war, wie seit vier Jahren nicht mehr. Wie noch nie zuvor. Seit dem Tag, an dem sie einfach aus seinem Leben verschwunden war. Nach dem Kuss, den er ihr in einem kurzweiligen Verlust seiner Selbstkontrolle geraubt hatte. Sein Blick hielt ihren fest, während er behutsam über ihre Unterlippe strich, die unter seinem Finger leise zitterte. So verführerisch …, dachte er, vollkommen gefesselt von diesem Anblick. Und wieder flammte dieses warme Brennen in seiner Magengrube auf, schoss binnen Sekunden durch seinen ganzen Körper. Ihre Lippen teilten sich, und er ließ es geschehen. Wie von selbst tauchte sein Finger in ihren Mund, strich über ihre Zähne, ihre Zunge und entlockte ihr ein leises Seufzen. Verlangen schoss in ihm hoch, roh und ungezähmt, ein wilder Hunger, der erbarmungslos an seiner Selbstkontrolle riss.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Mai 09 2013, 17:31

Oh wow, und jetzt ... ? Wie geht es denn weiter ????????Surprised
Mini, dieser Teil ist, auch oder gerade weil ich so sehnsüchtig darauf gewartet habe, der absolute Hammer. Wahnsinn, wie die beiden mit sich ringen, und wie sehr ich mit ihnen fühle, beim Lesen.
Helenas Vernunft möchte ich wohl gerne mal ausnocken kloppe , denn sie ist eindeutig zu laut und durchsetzungsstark. Aber Anteros Möglichkeiten sind ja offenbar nicht ganz ohne, also ... . Dass er sich so sehr am Riemen reißt, obwohl er sich in einem ziemlichen Ausnahmezustand befindet, macht ihn immer sympathischer, auch wenn es wohl, langfristig gesehen, purer Egoismus ist. brav

So, und jetzt muss ich vermutlich wieder einen Monat warten, bis es weiter geht, oh Mann. Evil or Very Mad Wenn ich eine Nagelbettentzündung bekommen, weil ich mir die Nägel komplett weg geknabbert habe, schicke ich dir definitv die Arztrechnung. Nur dass du´s weißt. Mad

danke Mini ich danke dir, für diese tolle Aufmunterung an einem Tag, der, trotzdem ich gerade nur faul auf dem Sofa sitze, extrem anstrengend ist, weil ich total knülle bin. YouRock

Liebe Grüße
Katha

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Jun 06 2013, 21:24

Hallo, ihr Lieben, da die Schreiberlaune heute kaum zu bremsen ist, gibts auch hier einen neuen Teil. Ich hoffe, er gefällt, auch wenn ich mich damit recht schwer getan habe ... Viel Spaß, LG, Mini

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Teil 71

Wie gebannt starrte Anteros auf seinen Finger, der in ihren Mund glitt und von ihren Lippen umschlossen wurde. Helena hatte die Lider auf verführerische Weise niedergeschlagen. Das Kribbeln in seinem Bauch verstärkte sich, das auflodernde Feuer schoss in seine Lenden und stellte seltsame Dinge mit ihm an. Sein Atem stockte, ehe er mit einem leisen Stöhnen über seine Lippen wich. Sein Herz hämmerte in wildem Rhythmus gegen seine Rippen, als ihre feuchte Zunge seine Fingerspitze umspielte ... Tausend Gedanken stoben in einem bunten Chaos durch Helenas Kopf … leidenschaftlich, lüstern und unglaublich sinnlich. Ganz langsam hob sie ihre Lider, begegnete seinem Blick, in dem unverfälschtes flammendes Begehren lag. Sein Finger glitt aus ihrem Mund und streichelte behutsam über ihre Wange. Ein Kuss. Nur ein einziger Kuss …

Helena schaltete ihre Gedanken aus und schickte ihren brüllenden, um Widerstand kämpfenden Verstand in die Ferien. Wie von selbst hob sich ihre Hand und streckte ihre Finger nach seinen Lippen aus, fühlte. Ja, sie waren genauso weich, wie sie es sich vorgestellt hatte. Er öffnete leicht den Mund, während ihr Finger mutiger über seine Unterlippe glitt. Seine Zunge schlüpfte hervor und berührte zärtlich die Spitze ihres Zeigefingers. Ihr Herz raste, und als er sich ob dieser wortlosen sinnlichen Aufforderung näher über sie beugte, hörte sie die Stimme der Vernunft erneut in sich aufkreischen. Großer Gott, was tue ich hier? Sie hatte ein paar Worte mit ihm gewechselt, ihn verflucht und trotzdem heimlich angeschmachtet. Aber was wusste sie schon über ihn? Außer, dass seine Gegenwart etwas Gefährliches und gleichzeitig äußerst Verführerisches ausstrahlte, er weltgewandt war und etwas unglaublich Anziehendes an sich hatte. Und genau aus diesen Gründen sollte sie nicht hier liegen, während er ihr so nah war. Aber das Schlimmste war, dass ihr diese Tatsache in diesem Moment so vollkommen egal war, wie nichts in ihrem Leben zuvor. Sein Wesen zog sie derart magisch an, dass sie nicht in der Lage war zu widerstehen – trotz aller verzweifelter Bemühungen. Er hatte sie durch ein Chaos der Gefühle geschickt – jedes Mal, wenn sie an ihn gedacht oder er unvermittelt ihren Weg gekreuzt hatte. Und nun lag sie hier, gefangen wie die Motte vom Licht und ließ es zu, dass er sich noch näher über sie beugte. So nah. Ob es ihm genauso geht …, waren die letzten Gedanken, die ihr durch den Kopf schossen, bevor seine Lippen sanft über ihre Wange zu ihrem Ohr strichen. Sie schloss die Augen. Nur Fühlen … und spüren … Ihre Haut begann zu glühen, wo seine Lippen sie berührten, und riefen eine Erregung in ihr wach, die sie noch nie empfunden hatte. „Ich möchte dich küssen.“, hauchte er mit heiserer Stimme, die die plötzlich entfesselte Begierde in ihr noch um ein Vielfaches steigerte. Ach zum Teufel mit der Vernunft …, dachte sie und verpasste ihr einen Tritt in den Allerwertesten, neigte den Kopf und küsste zart seine Wange.

Ein wohliges Brummen summte in seiner Kehle, und es brachte ihn beinahe um den Verstand, als sich ihr Duft unvermittelt verstärkte, ihr aufflammendes Begehren verriet. Mit aller Kraft hielt er seine Selbstbeherrschung aufrecht, zwang sich dazu, nicht ungestüm über sie herzufallen und sofort in dieser verführerischen Wärme zu versinken. Er wollte es nicht zerstören, wollte diesen Moment bewahren … Ein köstliches Gefühl begann sich in ihr auszubreiten, erfasste ihren Körper und brachte ihn zum Singen. Die Welt begann sich zu drehen … und Helena ließ los. Ein leises Stöhnen war alles, was sie als Antwort zustande brachte, ehe sie spürte, wie seine Lippen hauchzart über ihre glitten. Ihr Unterbewusstsein jauchzte vor Freude, während die Stimme der Vernunft gänzlich verstummt war – und blieb. Vermutlich hatte sie sich irgendwo zum Schmollen in eine dunkle Ecke verzogen. Egal. Helenas Atem stockte und ging dann hastiger, als seine Zunge sanft über ihre Unterlippe strich. Finger gruben sich in ihr Haar. Ganz sanft. Sie wollte etwas erwidern, doch seine Lippen, die sich plötzlich fester auf ihre legten, schnitten ihr sämtliche Worte ab … fegten auch den letzten Gedanken aus ihrem Kopf … Wie im Rausch spürte sie seine Lippen auf ihren. Ihr ganzer Körper kribbelte. Es war nicht ihr erster Kuss, aber nie hätte sie gedacht, dass ein einziger Kuss eine derartige Wirkung haben könnte. Ein wohliges Seufzen entrang sich ihrer Kehle, als seine Zunge für einen Moment in ihren Mund tauchte. Ganz kurz nur, fast so als bitte er um Erlaubnis, als testete er, wie weit er gehen dürfte. Himmlisch …, seufzte ihr Unterbewusstsein selig. Doch dann löste er sich plötzlich von ihr und ließ Helena im Strudel ihrer aufwallenden Gefühle zurück. Sie öffnete die Augen und sah ihn verwundert an. Warum hatte er aufgehört? Zur Antwort legten sich seine Hände um ihre Taille und zogen sie mit einem sanften Ruck von dem Kissen hoch an seine Brust. Ein Laut der Überraschung entwich ihrer Kehle. Atemlos starrte sie in seinen vor Erregung glühenden Blick, und ihr Herz setzte einen Schlag aus, nur um gleich darauf doppelt so schnell weiterzuschlagen, als er anfing, zärtlich ihre Schläfen zu küssen, ihre Stirn, ihre Nase, bevor ihre Lippen erneut einander fanden und in einem tiefen sinnlichen Kuss verschmolzen. Wie Wachs, was dem Feuer zu nah kam, zerfloss Helena unter diesen Berührungen. Wow, so hatte noch kein Mann sie berührt. Nicht, dass sie über ausreichend Vergleichsmöglichkeiten verfügte, aber die Wenigen waren zweifelsohne nichts im Vergleich zu diesem. Sie schloss die Augen und ließ sich von ihren Gefühlen mitreißen, die er in ihr auslöste. Es war lange her, dass sie einen Mann so nah an sich herangelassen hatte. Viel zu lange …, ergänzte ihr Unterbewusstsein seufzend. Und nun saß dieser gutaussehende, sinnliche Typ hier auf ihrem Sofa, und sie ließ es bereitwillig zu, dass er sie küsste. Was kam als nächstes? Ein Schauder erfasste sie bei diesem Gedanken. Doch sie lechzte nach dieser Wärme, die seine Umarmung aussandte, sehnte sich nach seinen Lippen und seiner Zunge, die sie in köstliche Verzückung versetzte. Ganz tief in ihrem Innern vernahm sie die leise Stimme der Vernunft, die sie beharrlich zu warnen versuchte und an ihre Prinzipien appellierte. Doch die Leidenschaft, die von ihm und seinen Lippen ausging war stärker als die Stimme. Oh Himmel, wie er sich anfühlte.

Als spüre er ihr Verlangen, zog er sie enger in seine Arme, während sich sein Mund nun ungestümer auf den ihren presste. Die Sanftheit war verflogen und allmählich einer hungrigen Leidenschaft gewichen. Doch Helena war das egal. Nichts zählte mehr, nur dieser Moment. Sein Kuss war intensiv und fordernd, hungrig glitt seine Zunge in ihren Mund und erforschte ihn mit einer beängstigenden Intensität. Und Helena erwiderte seinen Kuss, als wäre es der Letzte ihres Lebens. Ein tiefes Stöhnen entwich seiner Kehle, als sie es ihm gleichtat und seine Zunge mit ihrer umschmeichelte. Sie fragte sich nicht nach dem Warum, sie tat es einfach, ließ sich von der Leidenschaft mitreißen, die er entfesselt hatte. Ihr Keuchen wurde eins, und als sein Mund sich von ihrem löste, stieß sie ein tiefes Stöhnen aus. Seufzend warf sie den Kopf in den Nacken und genoss das Prickeln, das seine Lippen, die sich langsam einen Weg über ihre Wange, ihren Hals hinabbahnten, auf ihrer Haut hinterließ. So lange hatte sie keine derartigen Zärtlichkeiten mehr genossen. Hatte fast vergessen, wie es sich anfühlte, weil sie die Enttäuschungen, die sie erfahren hatte, wie einen Schutzschild um sich geschlossen hatte. Und er hatte ihn einfach durchbrochen, hielt sie gefangen in diesem Strudel aus Lust und Leidenschaft. Nur am Rande registrierte sie, wie sich seine Hand unter den Kragen ihres Seidenmantels schob und behutsam ihre Schulter entblößte. Seine Lippen glitten über ihr Schlüsselbein und küssten zärtlich die warme zarte Haut. Anteros stöhnte vor Verlangen. Die Erregung, die in ihm kochte, war kaum noch zu ertragen. Und die Sehnsucht, sie zu berühren, ihre zarte Haut zu streicheln, wurde schier unerträglich. „Ich möchte dich berühren.“, hauchte er an ihrer Schulter. Seine Stimme klang leise und rau, atemlos. „Berühr auch du mich, Helena!“, bat er. Sie biss sich auf die Lippe, schloss die Augen und seufzte bei seinen Worten sehnsüchtig auf. Ohne zu zögern kam sie seiner Bitte nach, schob ihre Hände in seinen Nacken und wühlte ihre Finger in sein Haar. Mhmm … wie weich es sich anfühlt … Zärtlich strich sie über seinen Hals, seine Schultern, spürte das Spiel seiner Muskeln unter der leicht gebräunten Haut, als ihre Finger über seinen Rücken glitten. Er zog sie näher an sich, fühlte ihre Wärme durch den dünnen Stoff des Mantels. Ein wohliges Brummen ertönte tief in seiner Kehle, als seine Lippen ihren Hals küssten. Der Morgenmantel rutschte von ihren Schultern und entblößte die zarte Haut, die darunter verborgen war.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Jun 06 2013, 22:13

Hallo Du,
da habe ich am 09.05. geschrieben, dass ich vermutlich einen Monat warten muss, bis es weiter geht, aber du hast es tatsächlich geschafft, die Zeit zu unterbieten. Smile

Aber das Warten hat sich natürlich mal wieder gelohnt. Wow, was ein gefühlvoller und spannungsgeladener Teil. Wirklich super toll geschrieben. flowers
Ich bin nach wie vor sehr entzückt davon, wie sich Anteros am Riemen reißt, Embarassed hatte ich in so manchen Momenten, also in vorherigen Teilen, immer mal die Befürchtung, dass er vielleicht doch schneller die Kontrolle verlieren würde, als es gut wäre.
Und Helenas Verstand hat sich endlich mal verkrümmelt. Sehr gut! Very Happy
Obwohl der mir ja nach wie vor Sorgen macht. Auch wenn Helena jetzt gerade von ihren Gefühlen übermannt wird, es wird bestimmt der Moment kommen, in dem sie sich dafür hasst, weil sie ja gegen ihre Prinzipien verstoßen hat und so. Rolling Eyes
Bleibt jetzt also abzuwarten, ob das noch passiert während sich die Beiden ihrer Leidenschaft hingeben, oder erst später.

Ich freue mich sehr, sehr, sehr auf den nächsten Teil!
Ich habe keine Ahnung, warum dir das hier so selten andere Leute sagen. Ich finde diese Story Knaller Cool (Ich hatte es wohl schonmal erwähnt Embarassed )

Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Jun 28 2013, 12:22

Ein Hallo an die Anteros-und-Helena-Riege ... Ich hoffe, ihr habt noch nicht die Hoffnung auf eine Fortsetzung verloren. Denn hier ist sie ... Viel Spaß beim Lesen ... LG, Mini  Wink 

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Teil 72

Behutsam strich er über ihren Rücken, ihre Taille, den Bogen ihrer Rippen. Fast zufällig streifte seine Hand dabei über die Seite ihrer Brust, verharrte dort. Und während er seinen Kuss abermals vertiefte und Helena damit erneut in einen unwiderstehlichen Rausch der Sinne zog, strich er verführerisch mit seinen Daumen über die Brustspitze, die sich unter dieser Berührung sofort verhärtete. Ein angenehmes Kribbeln zog durch ihren Körper und sie seufzte vor Wonne auf. Hinreißend …, dachte er bei sich. Das zerzauste Haar gab ihr etwas Verwegenes und ihre faszinierend blauen Augen tauchten ihr Wesen in eine Unschuld, die er seit einer Ewigkeit vergötterte. Und ihr Mund … Himmel, dieser Mund schmeckte so süß und sinnlich, lockte ihn, weiter zu gehen und sich gänzlich in ihren Reizen zu verlieren. Doch war das richtig? Er spürte ihr Begehren, sah das Verlangen in ihren Augen glühen. Sie würde sicherlich nicht nein sagen. Nicht jetzt, wo sie quasi Wachs in seinen Händen war. Und er wollte sie. Doch warum zögerte er dann? Warum hatte er plötzlich solche Gewissensbisse? Sie war der Schlüssel zur Erlösung, dessen war er sich sicher. Er war seinem Ziel so nah. Aber konnte er sie einfach dafür benutzen? Würde sie es gutheißen, wenn sie seine wahren Gründe kannte? Du weißt, was auf dem Spiel steht …, erinnerte ihn sein Unterbewusstsein. Ja, das wusste er nur zu gut. Trotzdem … Unbewusst zog er sie näher an sich, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren. Diese Wärme, ihr Duft … Es fühlte sich so gut an – geborgen. Ihre Finger krallten sich in seine Haare, zerrten sanft an den dunklen Strähnen, während sie ihren Oberkörper sehnsuchtsvoll gegen seinen presste. Ein leises Knurren vibrierte in seiner Kehle. Oh, wie gern würde er jetzt den überflüssigen Stoff herunterreißen und ihre Haut auf seiner spüren. Versau es nicht wieder …, rief die Stimme der Vernunft und erinnerte ihn einmal mehr daran, was nach seinem letzten überstürzten Versuch, sich ihr zu nähern, passiert war. Verdammt … Schwer atmend schloss er die Augen und löste sich dann – wenn auch widerstrebend – aus ihrer Umarmung. Nein, noch nicht … Der scheue Blick, den sie ihm zuwarf und ihre Verlegenheit untrüglich zur Schau stellte, riss erneut an seiner Selbstbeherrschung und stellte selbige abermals auf eine harte Probe. Er räusperte sich vernehmlich. „Ich denke, es ist besser, wenn ich jetzt gehe.“, sagte er leise, bemüht um ein Lächeln. Überrascht sah Helena ihn an. „Warum?“, wollte sie wissen und fragte sich gleichzeitig, weshalb sie seine Aussage hinterfragte. Er verzog die Lippen zu einem gequälten Lächeln. „Wenn ich jetzt nicht aufhöre, kann ich für nichts garantieren.“, flüsterte er. Das war die Wahrheit. Er musste dringend aus dieser Wohnung raus, bevor er sich selbst vergaß und sich doch noch das nahm, wonach ihm so dringend verlangte.

„Ist meine Wunde denn schon verheilt?“, fragte Helena mit einem schüchternen Lächeln. Sie wusste nicht warum, aber aus irgendeinem Grund wollte sie nicht, dass er ging. Seine Mundwinkel zuckten zu einem kurzen Lächeln, was aber seine Augen nicht erreichte. Er wirkte traurig, und Helena konnte nicht umhin, diese Betrübtheit in seinem Gesicht vertreiben zu wollen, legte ihre Hände an seine Wangen und schob mit den Daumen seine Mundwinkel zu einem Lächeln nach oben, was ihn Sekunden später tatsächlich zum Lächeln brachte. „Schon besser.“, meinte sie und neigte mit einem verschmitzten Blick den Kopf. Eindringlich sah er sie aus seinen grünen Augen an. „Ich sollte jetzt wirklich gehen. Es ist schon spät, und du solltest schlafen.“, erklärte er leise. Bitte sag, dass ich bleiben soll …, flehte er innerlich, obgleich er wusste, dass er trotzdem gehen würde. Es war das einzig richtige. Dennoch würde er in ihrer Nähe zu bleiben. Er würde auf sie aufpassen, würde sie beschützen, so gut es ihm möglich war. Ihr Herz zog sich zusammen, ein Gefühl, das Helena schon lange fremd geworden war. Schlafen? Innerlich seufzte sie auf. Sie wusste, dass er Recht hatte, doch wie sollte sie nach allem, was in den letzten beiden Stunden passiert war, Schlaf finden? Bitte bleib …, beschwor sie ihn in Gedanken, obwohl sie wusste, dass es besser war, wenn er ging. Seufzend ließ sie die Hände sinken und lehnte sich auf dem Sofa zurück. Mit einem wissenden Lächeln schüttelte er den Kopf, und wieder überkam Helena das untrügliche Gefühl, dass er ihre Gedanken erahnte. Schließlich erhob er sich, griff nach dem Hemd, welches am Boden lag, und wollte es überstreifen. „Warte“, hielt sie ihn abrupt zurück und stand auf. Auf wackeligen Beinen tappte sie zum Esstisch, auf dem noch immer die Schüssel mit dem Wasser und dem Waschlappen stand. Behutsam tauchte sie den Lappen ins Wasser und wrang ihn aus. Dann deutete sie ihm, zu ihr zu kommen. Verwirrt runzelte er die Stirn, folgte aber ihrer Anweisung. Als er vor ihr stand, hob sie die Hand und wischte mit dem Lappen vorsichtig das getrocknete Blut von seiner Brust. Er schloss die Augen und seufzte leise ob dieser zärtlichen Berührung. Erneut flammte diese drängende Begierde in ihm auf. Mühsam unterdrückte er jedoch den Wunsch, sie an sich zu ziehen. Verblüfft neigte Helena den Kopf und starrte auf die Wunde, die unter dem getrockneten Blut zum Vorschein kam, und an die lediglich noch ein Netz aus dünnen roten Linien erinnerte. Wie war das möglich? Erwartungsvoll sah sie ihn an, die stumme Frage in ihren Augen war nicht zu übersehen. Behutsam strichen ihre Finger über die blassroten Linien – der einzige Beweis seiner Verletzung. „Wie hast du das gemacht?“, flüsterte sie atemlos, ehe sie geistesgegenwärtig ihre Stirn betastete. Helena erinnerte sich, dass sie Blut gefühlt hatte, warm und feucht war es über ihre Stirn gelaufen. Doch als sie nun über die Stelle strich, fühlte sie nichts als glatte unverletzte Haut. Sie ließ die Hände sinken, während die unterschiedlichsten Gefühle in ihren Augen blitzten – Verwunderung, Ehrfurcht … Angst. „Wer bist du?“, hauchte sie mit leiser Stimme und betrachtete ihn mit gerunzelter Stirn. Wer ich bin? Er schluckte leicht und schüttelte schließlich den Kopf. Das willst du nicht wirklich wissen ..., dachte er bei sich. Aber du musst es ihr sagen ... Denk an den Fluch ..., mahnte ihn sein Unterbewusstsein. Ja, irgendwann ... Mit einem leichten Schulterzucken überging er ihre Frage und griff stattdessen eilig nach seinem Hemd, um es sich überzuziehen.

Vergessen war ihre Frage, als Helena in schweigender Versunkenheit das Spiel seiner Muskeln unter dieser wunderschönen gebräunten Haut beobachtet. Ein wehmütiges Seufzen wich über ihre Lippen als er seinen Oberkörper schließlich verhüllte. Er lächelte leicht, war ihm ihr enttäuschter Blick doch nicht entgangen. Und irgendwie gefiel es ihm, wie sie ihn angesehen hatte. Der erste Schritt war getan, und er war froh, dass er sein Verlangen im Zaum gehalten hatte. Denn die Prophezeiung besagte, dass nur tiefe Liebe Rettung für ihn bedeuten würde. Er musste sie für sich gewinnen, ihre Gefühle, ihr Herz und ihre Seele. Selbst wenn dieses körperliche Verlangen ihn im Moment enorm quälte, so wusste er doch, dass das allein nicht genügen würde. Geduld, Anteros … Geduld … Eine Forderung an sich selbst, von der er wusste, dass sie ihn sämtliche Kraft kosten würde. Die Zeit wird kommen ... Welch Ironie, denn genau diese Zeit lief ihm in riesigen Schritten davon. Dennoch musste er gehen, bevor der seidene Faden, an dem seine Selbstbeherrschung baumelte, gänzlich riss und am Ende noch alles zerstörte. Eilig griff er nach seiner Jacke. Doch bevor er sie überstreifen konnte, hielt sie ihn erneut zurück. Was? Irritiert hielt er inne. Gebannt starrte er auf ihre Hände, die erneut den Lappen in das Wasser tauchten. Als sie selbigen schließlich vor sein Gesicht hielt, zuckte er zurück. „Still“, flüsterte sie. „Ich will es nur wegwischen.“ Er entspannte sich und ließ es zu, dass sie mit dem Lappen vorsichtig die Blutreste von seinem Gesicht wischte. Auch hier waren die Verletzungen bereits geheilt. Ungläubig schüttelte Helena den Kopf, fuhr vorsichtig mit den Fingern über seine Wange, die Nase und seine rechte Braue. Ein Wunder. Er fing ihre Hand ein, bevor sie ihre Wanderung fortsetzen konnte, und presste seine Lippen auf ihre Fingerknöchel. Dann griff er erneut seine Jacke und streifte sie über. Anschließend schlüpfte er in seine Stiefel, während sie abermals in stiller Bewunderung seinen Körper betrachtete. Als er vollständig bekleidet war, stieß sie ein Seufzen aus, was gleichsam Bedauern wie Sehnsucht ausdrückte. Schweigend begleitete sie ihn zur Tür und ließ ihn hinaus. Auf der Schwelle wandte er sich um und lächelte. Sie erwiderte es halbherzig, und sein Herz zog sich zusammen, als er in ihre traurigen Augen sah. Ein Gefühl von Scham erfasste ihn, wusste er doch, dass sie seinetwegen so niedergeschlagen war. Und Gott, er ertrug es nicht, sie so traurig zu sehen. Bevor sie reagieren konnte, hatte er sie in seine Arme gezogen. Tief sah er ihr in die Augen, spürte die Sehnsucht und den innigen Wunsch, der ihm lautstark entgegenschrie … Küss mich! Küss mich noch einmal … Er setzte sein schiefes Grinsen auf, und ohne seinen Blick abzuwenden, beugte er sich über sie und küsste sie ein weiteres Mal. Helenas Knie wurden weich, als seine Lippen flüsterzart die Ihren berührten – einfach himmlisch –, und er zog sie fester an sich. Langsam und neckend bahnten sich seine Lippen einen Weg über ihre Wange zu ihrem Ohr. „Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.“, flüsterte er leise, ein Versprechen, was ihr eine Gänsehaut über den Rücken jagte, und schob sie ein Stück von sich. Als er sicher war, dass ihre Beine nicht unter ihr nachgeben würden, ließ er sie los und wandte sich ab, um zu gehen. „Ja, das hoffe ich auch.“, murmelte sie seufzend und starrte ihm wie hypnotisiert nach, unfähig, ihrem Körper eine Bewegung zu entlocken.

Geschlagene drei Minuten stand Helena auf der Schwelle ihrer Tür, bis sie registrierte, dass er gegangen war. Wie aus einer Trance erwachend, erinnerte sie sich plötzlich daran, dass er ihr vor ein paar Tagen angeboten hatte, für sie Modell zu stehen. Ohne darüber nachzudenken stürzte sie die Treppe hinunter, riss die Haustür auf und wollte auf die Straße laufen, als sie unvermittelt in einen großen Körper hineinrannte. Sie taumelte zurück, doch zwei kräftige Arme verhinderten, dass sie rückwärts fiel. Ein leises Lachen ließ sie aufschauen. Mit offenem Mund starrte sie ihn an. „Ähem … wolltest du nicht gehen?“, fragte sie schließlich mit leiser Ironie, als sie ihre Stimme wiedergefunden hatte. Er musterte sie von oben bis unten, und schüttelte den Kopf. Sie trug noch immer ihren seidenen Bademantel, unter der diese rosafarbene Jogginghose hervorlugte. Ihre nackten Füße warfen einen scharfen Kontrast zu dem kalten dunklen Boden, und er sah sie mit tadelndem Blick an. „Du wirst dir den Tod holen, wenn du in der Kälte stehen bleibst.“ Sie folgte seinem Blick und räusperte sich verlegen. „Zu spät.“, erwiderte sie, zuckte die Schultern und grinste verstohlen zu ihm auf. Sein Blick ruhte auf ihrem, erwartungsvoll, fragend. Hallooo, Erde an Helena … hör auf, ihn wie ein Mondkalb anzustarren und sag was …, plärrte die Stimme ihres Unterbewusstseins. Wieder räusperte sie sich und neigte mit einem schüchternen Lächeln den Kopf. „Na ja, ich dachte … ich wollte fragen, ob … ob …“ Hey, warum auf einmal so verlegen? Vor nicht mal einer Stunde hast du ihm ziemlich ungeniert deine Zunge in den Hals geschoben …, ätzte die Stimme in ihr. Sie holte tief Luft und sah ihm fest in die Augen. „Ob dein Angebot noch steht.“, brachte sie schließlich leise hervor. Anteros hob fragend die Brauen. Angebot? Doch dann verzog sich sein Gesicht zu einem breiten Grinsen, als er verstand, worauf sie hinauswollte. Er legte den Kopf schief und lächelte in stummer Herausforderung. „Ich dachte schon, du würdest nie fragen.“, antwortete er knapp und stieß ein – wie Helena überrascht feststellte – erleichtertes Seufzen aus. Irritiert sah sie ihn an, während er sich mit einer Hand durch sein dunkles Haar fuhr und anschließend über sein Gesicht rieb. Er wirkte irgendwie erschöpft, als er weitersprach. „Ich hab unzählige Male versucht, dich zu erreichen, aber es ist nie jemand ans Telefon gegangen. Und heute war ich sogar in der Uni, aber ich konnte dich nicht finden.“, erklärte er und sah sie mit eindringlichem Blick an. Helena klappte die Kinnlade nach unten. Dann war er das also mit den über zwanzig abgebrochenen Anrufen? Er hatte tatsächlich versucht, sie zu erreichen? Er, sie? Betreten senkte sie den Blick. „Das … das tut mir leid. Und das hatte auch gar nichts mit dir zu tun.“, stammelte sie entschuldigend. „Es war nur so … ich … ich hatte Probleme … und konnte nicht. Und dann war ich über eine Woche lang krank …“ Helena stutzte für einen Moment. Was versuchte sie ihm hier eigentlich zu erklären? Sie war ihm doch keine Rechenschaft schuldig. Dennoch fühlte sie sich verantwortlich, dass er versehentlich Opfer von Mikes Telefonterror geworden war. Weil sie das Telefon einfach ausgeschalten hatte. Wenn Antamo also heute nicht zufällig verletzt vor meiner Tür gestanden hätte, hätte ich ihn vermutlich nie wieder gesehen? …, resümierte sie. Der Gedanke daran ließ erneut die Wut auf Mike in ihr aufkochen. Ich schwöre, ich dreh ihm den Hals um ... nachdem ich ihn gesteinigt und gevierteilt habe ... „Also, mein Angebot steht natürlich noch. Wenn du willst.“, riss er sie mit einem leisen Lachen aus ihren mordlüsternden Gedanken. Sie nickte und lächelte. „Also, ich würde es wirklich sehr gern annehmen … Und, äh … ich würde es gern wieder gut machen … wegen … na ja, weil du mich nicht erreichen konntest.“, murmelte sie, noch immer beschämt über die ganzen Umstände.

Anteros' Miene erhellte sich, seine Augen begannen zu leuchten. Die Aussicht auf ein baldiges Treffen mit ihr versetzte ihn in Hochstimmung, und die leise Vorfreude darauf malte in seinen Fantasien sogleich die wildesten Bilder. „Okay, gern …“, grinste er, und Helena konnte nicht umhin, sich diesem überaus anziehenden Lächeln zu ergeben und zurückzugrinsen. „Was hältst du von Freitagabend? Und am Samstag stehst du mir dann für eine Stunde als Modell zur Verfügung, in Ordnung?“, schlug sie vor. Er hätte jedes Angebot von ihr angenommen und aus dieser Stunde ohne mit der Wimper zu zucken auch drei, vier oder fünf gemacht. Ach was, einen ganzen Tag sogar. Oder zwei? Er nickte, während er sich instinktiv ausmalte, wofür er ihr noch alles zur Verfügung stehen könnte. „Und bis dahin solltest du dir Gedanken machen, was du für deine Unterstützung als Gegenleistung haben möchtest.“, erklärte sie. Er stockte. Sie will mich dafür bezahlen? Gerade wollte er zu einem Widerspruch ansetzen, als sie ihn mit einem Blick bedachte, der ihm unmissverständlich klarmachte, dass er es nicht wagen sollte, ihren Wunsch abzulehnen. Nein, das ist nicht richtig …, dachte er widerstrebend. Hey, jetzt denk doch mal an all die Möglichkeiten …, säuselte eine leise Stimme in ihm. Sekundenlang musterte er sie eindringlich, dann schlich sich jenes atemberaubende Lächeln auf sein Gesicht, was Helena für einen Augenblick vergessen ließ zu atmen. Schon wieder wurden ihre Knie weich, während sie sich sagte, dass es so etwas Perfektes wie ihn eigentlich gar nicht geben dürfte. Anteros, nun gleichsam glücklich über den Umstand, dass sie sein Angebot angenommen hatte, wie auch auf die Aussicht, einen gemeinsamen Abend mit ihr zu verbringen, unterdrückte mit Mühe den Drang, sich in einer überaus animalischen Geste auf die Brust zu trommeln, während er langsam das zu realisieren begann, was er sich zu Beginn des Abends noch nicht zu träumen gewagt hatte. Ja, und was den von ihr angesprochenen Preis betraf, da hatte er auch schon eine großartige Idee. Sie war ihm in genau dem Moment erschienen, als sie ihn mit ihren strahlenden blauen Augen auf diese herausfordernde Art angesehen hatte. Die Frage war nur, was sie zu seiner Vorstellung von besagtem Preis sagen würde. Er war jetzt schon neugierig auf ihre Reaktion und konnte es kaum mehr erwarten, die nächsten Tage hinter sich zu bringen.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Jun 28 2013, 13:29

Hallo meine liebe Mini,
da wollte ich doch nur mal ganz kurz vorbei schauen, und werde mit so was Tollem belohnt. Very Happy 
Also, ich finde die letzten Teile waren allesamt der Wahnsinn.

Da zieht Anteros tatsächlich früh genug die Notbremse, um Helena nicht zu vergraulen. Wow, hätte ich ja kaum mehr geglaubt. Alle Achtung an den Herrn. Aber er hat recht, das ist wahrscheinlich das einzig richtige gewesen, weil ansonsten bestimmt Helenas Vernunft wieder alles zerstört hätte. Wie ich ja schon geschrieben habe. "Der wollte ja nur Sex. Ich kenn ihn doch gar nicht. Das geht alles viel zu schnell, bla bla bla ..." Aber so? Bleibt natürlich die ungewöhnliche Geschichte mit der Wundheilung,d ie sie vermutlich ziemlich verunsichert. Aber trotzdem glaube ich, dass sie nun doch hoffentlich eine Chance haben, sich wirklich näher zu kommen. Also nicht nur körperlich. Embarassed 
Obwohl ich natürlich skeptisch bleibe, welche sonstigen Probleme sich den Beiden in den Weg stellen. Ich nenne da mal die Namen Himeros und Mike. Ach ne, Himeros war der dritte im Bunde. Eros ist wohl der gefährliche, wenn ich mich nicht irre.
Schön, dass du im Schreibfluss bist, vielleicht dauerts ja gar nicht so lang, bis ich mehr erfahre Cool 
Ach, und wenn es tatsächlich und wirklich zu ihrem Treffen kommen sollte, bin ich natürlich sehr gespannt, was Anteros sich als "Preis" ausgedacht hat.

Und mal weiter gesponnen. Eigentlich ist es doch gar nicht schlimme, dass er sich mit ihrer Hilfe erretten kann, schließlich scheint er wirklich hin und weg zu sein ... Aber ob sie das auch glaubt, wenn sie erst einmal die Wahrheit kennt? Da ist wohl noch ein gehöriges Konfliktpotential vorhanden. Rolling Eyes 

Knutscha und danke 

LG, Katha

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Zuletzt von katha am Sa Jun 29 2013, 00:21 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Jun 28 2013, 17:38

Uih, so ein langer Kommi, meine liebe Katha. Da muss ich mich mit dem nächsten Teil aber ordentlich ranhalten write 

Danke dir!

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Jun 28 2013, 23:22

Und heute gleich noch ein Teil hinterher ... viel Spaß beim Lesen, ihr Lieben ... LG, Mini  Wink 

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Teil 73

Mike kam gerade aus der Dusche als John in seiner Wohnung auftauchte und ihn erschrocken zusammen zucken ließ. Verdammt, würde er sich jemals daran gewöhnen, dass dieser merkwürdige Kerl jederzeit einfach so aus dem Nichts auftauchte. Die bissige Bemerkung, die ihm zwangsläufig auf die Zunge rollte, blieb ihm jedoch im Halse stecken, als er Johns schmerzverzerrtes Gesicht bemerkte. „Alles in Ordnung, Großer?“, fragte er mit besorgter Stimme, in der unüberhörbar ein Hauch Ironie mitschwang. John, der nicht die geringste Lust auf jegliche Art von dümmlicher Konversation verspürte, wandte den Kopf zu seinem Komplizen und warf ihm einen finsteren Blick zu, während er sich zur Couch schleppte und sich vorsichtig darauf sinken ließ, darauf bedacht, den Schmerz auf ein erträgliches Maß zu halten. Es dauerte einen Moment, bis er eine geeignete Sitzposition gefunden hatte, die den Schmerz ein wenig abmilderte, während er innerlich vor Zorn kochte. Nie im Leben hätte er gedacht, dass ein Mann in der Lage wäre, einem anderen eine solche Abscheulichkeit antun zu können. Und das es noch dazu sein eigener Bruder gewesen war, brachte seinen Wutpegel gefährlich nah an die Grenze zur Explosion. Na ja, zumindest wusste er jetzt, wie Mike sich vor einer Weile gefühlt hatte. Ein schwacher Trost … und eine Erfahrung, die wirklich nicht zu empfehlen war. Mike, der noch immer an Ort und Stelle verweilte, sah John mit gerunzelter Stirn an. Irgendetwas stimmte nicht mit dem Typen. „Alles in Ordnung, mein Freund?“, fragte er erneut, vorrangig  jedoch um auszuloten, in welcher Stimmung sich der merkwürdige Kerl befand. John bemühte sich um eine unbeteiligte Miene, was ihm jedoch gründlich misslang. Mike hob die Brauen, als John sich mit einem qualvollen Stöhnen in die Kissen lehnte. „Ich nehme an, deine Mission war nicht von dem gewünschten Erfolg gekrönt?“, fragte er, schwer bemüht, den seichten Spott aus seiner Stimme zu verbannen. Er versagt kläglich. Nun ja, eigentlich neigte er ja nicht zur Schadenfreude, aber dass John zur Abwechslung mal die Abreibung erhalten hatte, befriedigte ihn doch zutiefst. Jetzt bekam er zumindest mal eine Ahnung davon, wie es war, wenn ständig jemand auf einem herumtrampelte. John hob den Kopf, den er auf die Rückenlehne hatte sinken lassen, und sah ihn mit gequältem Blick an. „Hast du zufällig … Eis im Haus?“, fragte er sichtlich zerknirscht. Eis? Sofort erinnerte Mike sich an seine letzte Begegnung mit Helena, die ebenfalls mit dem Wunsch nach einem Beutel Eis geendet hatte. Mit einem Anflug von Besorgnis wanderte sein Blick über John, der in einer seltsam gekrümmten Haltung auf dem Sofa saß, die ihm merkwürdig bekannt vorkam. Mikes Brauen kletterten langsam seine Stirn hinauf, als er begriff. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem selbstgefälligen Grinsen. „Selbstverständlich. Schoko oder Vanille?“, fügte er hämisch hinzu. „Verschon mich mit deinem flachen Humor.“, knurrte der Gepeinigte, woraufhin Mike sich, ein Lachen unterdrückend auf die Lippe biss und in Richtung Küche davonschlenderte.

Mit einer in ein Küchentuch gewickelten Kühlkompresse kehrte Mike wenig später aus in den Wohnbereich zurück und hielt John das Eispack entgegen. „Bitteschön.“ Der verzog das Gesicht zu einer mürrischen Grimasse, als er den Kühlbeutel schließlich auf seinen Schritt legte. Mike hatte große Mühe, seine Schadenfreude zu verbergen, hatte John sich doch erst vor ein paar Tagen auf die gleiche Weise über ihn amüsiert. Tja, wie du mir, so ich dir … Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, woraufhin John ihm einen zerknirschten Blick zuwarf. „Bitte, spar dir jeglichen Kommentar.“, knurrte er widerwillig. Mike hob ergeben die Hände, schüttelte den Kopf und ließ sich mit einem vergnügten Grunzen im Sessel ihm gegenüber nieder. „Du wirst es überleben.“, erwiderte er nonchalant und bedachte John mit einem süffisanten Lächeln. John warf ihm einen tödlichen Blick zu, der Mike für gewöhnlich verstummen ließ. Aber nicht heute. Scheiß drauf, jetzt oder nie, das ist die Gelegenheit, sich für all diese fiesen Aktionen zu revanchieren …, schoss es Mike durch den Kopf. „Ich sollte der Frau wohl gratulieren, dass sie dich um diese wertvolle Erfahrung bereichert hat.“ Sein hämisches Lächeln wandte sich in ein breites Grinsen. John presste den Eisbeutel stärker auf seine malträtierte Männlichkeit und knurrte widerwillig. Mike hatte Glück, dass er im Moment nicht in der Lage war, aufzuspringen und ihm an die Gurgel zu gehen. „Zu blöd nur, dass es keine Frau war.“, murmelte er leise, … aber leider nicht leise genug. Mikes Augen weiteten sich, dann brach er in schallendes Gelächter aus und schlug sich mit der Hand aufs Knie. Woraufhin John ihn ansah als wolle er ihn mit einem stumpfen Messer in kleine Scheibchen schneiden. „Du hast dir von einem Kerl in die Eier treten lassen?“, brachte Mike unter Gelächter hervor. „Mal ehrlich Kumpel, wie blöd muss man eigentlich sein?“ John stieß ein bedrohliches Fauchen aus und lehnte sich in einer übermenschlich schnellen Bewegung näher zu Mike, was diesen abrupt verstummen ließ. „Es war derselbe Kerl, von dem ich dir gesagt habe, dass er unbedingt von Helena fernbleiben muss.“, stieß er unter zusammengebissenen Zähnen hervor. Seine Augen funkelten vor ungebändigter Wut. Mikes Lachen erstarb. Er schluckte geräuschvoll, als er sich ausmalte, was der Kerl wohl mit ihm machen würde, sofern er sich Helena näherte. „Vielleicht sind die beiden ja schon ein Paar.“, bemerkte er beiläufig. John warf ihm einen finsteren Blick zu. „Und du wirst das herausfinden. Wenn sie doch wider aller Erwartungen ein Paar sein sollten, sagst du mir unverzüglich Bescheid.“, befahl er mit einer Stimme, die keine Widerrede duldete. Unwillkürlich verdrehte Mike die Augen. Mike, tu dies … Mike, lass das … bla bla bla … Gott, wie er dieses herrische Gehabe hasste. Unweigerlich kroch ihm eine Frage auf die Zunge, die er aber angesichts Johns wirklich mieser Stimmung in letzter Sekunde hinunterschluckte. Auch wenn er es wirklich genoss, ihn auf die gleiche Weise zu piesacken, wie er es mit ihm getan hatte, Johns Gesichtsausdruck verriet nur zu deutlich, dass der Schmerz zwischen dessen Beinen dabei war abzuklingen und er allmählich wieder zu seiner alten Form zurückfand. John, der gerade überlegte, ob er Mike schnell töten oder besser langsam foltern sollte, musste sich – gegen seinen Willen – eingestehen, dass er sich diese Erniedrigung wohl redlich verdient hatte. Dennoch gingen ihm Mikes Frotzeleien so langsam gehörig auf den Keks. Seine Faust zuckte, genauso wie sein Fuß, den er ihm jetzt am liebsten in den Arsch rammen würde. Bedauerlicherweise brauchte er diesen Volltrottel noch. Denn wenn sich herausstellte, dass Helena tatsächlich mit seinem Bruder zusammen war, würde das seine Mission enorm erschweren. Aber er wäre nicht der, der er war, wenn er vor einem solchen Problem kapitulieren würde. Am Ende würde er als Sieger hervorgehen, so wie er immer als Sieger hervorging. Und es wurde Zeit, seinem Bruder genau das klar zu machen. Sein Blick fiel auf Mike, der ihn mit zusammengezogenen Brauen musterte. Zeit, diesem Kerl ein bisschen Charme beizubringen …, ging es ihm seufzend durch den Kopf. Schade nur, dass man Charme nicht einfach intravenös spritzen oder in Form von Tabletten zu sich nehmen konnte.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   So Jun 30 2013, 08:54

Oh, oh, und da sind sie schon wieder, die bösen Dämonen. Ob ich sie mit meinem Unken herbei gerufen habe? Embarassed 
Also ehrlich gesagt war dieser Teil jetzt wie eine kalte Dusche, nachdem ich doch gerade noch so mit Helena und Anteros und ihrer innerlichen Sehnsucht gekämpft habe. schmoll Endlich sieht alles mal gut aus, und Wusch, da klopft die Bedrohung schon wieder an die Tür und ich möchte Anna und Anteros in ein Auto packen und ganz weit weg bringen aus dem gefährdeten Gebiet, oder sie zumindest warnen oder ... ach ich weiß auch nicht. Mad 
Natürlich war auch dieser Teil wieder toll geschrieben. Mike konnte ja echt mal einen Moment aufatmen. Und John, irgendwie gönnt man ihm seinen Schmerz, obwohl natürlich immer die Frage ist, ob er die Rachegelüste nicht noch mehr schürt und John noch gefährlicher macht. Rolling Eyes 

Ach man, da könnte ich jetzt wieder mal ins Spekulieren verfallen, aber ich versuche einfach geduldig auf die Fortsetzung zu warten.Wink 
Liebe Grüße
und sunny einen schönen, sonnigen Sonntag!
Katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   So Jun 30 2013, 11:52

Danke, liebe Katha, und dir auch einen sonnigen Sonntag. Cool 

Und da ist auch schon der nächste Teil für euch. Hoffe, er gefällt ... Wink 

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Teil 74

Unruhig wanderte Anteros in dem riesigen Wohnzimmer auf und ab. Zwei Tage waren vergangen, seit er sie zum letzten Mal gesehen hatte, und eigentlich hätte er nur noch diesen Abend und die darauffolgende Nacht durchhalten müssen, um sie endlich wiederzusehen. Seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt, seine Geduld kaum mehr vorhanden. Da weilte er nur schon so lange unter den Menschen, hatte alles gesehen, ihr Wesen zu begreifen versucht und dennoch hat niemand ihn je gelehrt, Geduld zu üben. Aber vermutlich lag das zum einen an seinem eigenen ungestümen Wesen, wie auch an der Tatsache, dass die Menschen selbst wenig Geduld zeigten und diese Verhaltensweisen, die er selbst so gut verstand, sich automatisch normal für sie anfühlten. Aber vielleicht war er auch einfach nur an die Falschen geraten? Und wenn er so darüber nachdachte, war seine Reaktion doch eigentlich auch völlig nachvollziehbar. Schließlich lief die Frist bald ab. Einen Monat hatte er noch – einen Monat, sein Leben in neue Bahnen zu lenken und sich selbst vor der Verdammnis zu bewahren. Verdammt! Er fluchte leise und hielt dann kurz inne, überlegte, … nur um schließlich noch energischer durch den antiken Perser zu pflügen, der für menschliches Ermessen ein geradezu obszönes Vermögen gekostet hatte. Ermattet von seinen wirren Gedanke und seinem unaufhörlichen Herumgetigere sank er schließlich auf das gemütliche Sofa – eine Errungenschaft aus einem fast vergessenen Jahrhundert – und streckte seine langen Beine vor sich aus. Er spürte den leisen quälenden Schmerz, den die Entfernung zu ihr in ihm auslöste. Zwei Tage und zwei Nächte lang war er stark gewesen. Er war erstaunt darüber, wie stark. Dennoch hatte ihn diese erzwungene Selbstbeherrschung sehr viel Kraft gekostet, und er wusste, dass er sich beim nächsten Mal nicht so zügeln würde können. Geistesabwesend griff er nach dem seidenen Sofakissen und begann, es mit seinen Händen auf äußerst unsensible Weise zu malträtieren. Nein, nie wieder würde er sich so lange von ihr fernhalten. Das musste ein Ende haben. Es würde ja schon genügen, wenn er nur in ihrer Nähe sein könnte, ohne dass sie Kenntnis davon erlangte. So wie er es früher schon so oft getan hatte. So konnte er auch problemlos noch einen Tag länger durchhalten. Und morgen würde er dann endlich tun, wonach er sich seit so langer Zeit sehnte. Entschlossen, dieser Qual zumindest ein wenig Linderung zu verschaffen, fuhr er hoch, knautschte das gefolterte Kissen in die Polster und stürmte aus dem Haus. Sekunden später lenkte Anteros seinen Wagen mit quietschenden Reifen rückwärts aus der riesigen Einfahrt. Eine Katze sprang mit panischem Fauchen auf die Mauer des angrenzenden Grundstücks und funkelte ihn böse an. Er tat es mit einem Schulterzucken ab und fädelte sich zielsicher in den Pariser Abendverkehr.

Helena hatte gerade das zum Abendessen genutzte Geschirr gespült und ihre Hände abgetrocknet, als sie innerlich aufseufzte. Sie war froh, dass heute schon Donnerstag war. Und morgen würde sie ihn endlich wiedersehen. Sie atmete tief ein und stieß die Luft geräuschvoll wieder aus. Warum sich ihre Gedanken seit zwei Tagen fast pausenlos um ihn drehten, verstand sie selbst nicht so genau. Seit Antamo sich zunächst im Kunstunterricht entblättert und Tage später sie auf ihrem Sofa beinahe um den Verstand geküsst hatte, wurde ihr allein bei der Erinnerung, die sie sich gelegentlich heimlich erlaubte, ganz heiß. Doch selbst, wenn das Schicksal sie scheinbar immer wieder zusammenführte, er war im Grunde ein Fremder für sie. Und die Tatsache, dass sie ihn so einfach in ihre Wohnung gelassen hatte, beschäftigte sie mehr als ihr lieb war. Seit wann war sie so leichtsinnig geworden? Vor allem weil Mike ihr von Tag zu Tag mehr auf die Pelle rückte und sie sich absolut sicher war, dass er jede freie Minute dazu nutzte, um vor ihrem Haus herumzustreunen. Ganz besonders seit sie ihn das letzte Mal ziemlich resolut hinauskomplimentiert hatte. Sie war immer davon überzeugt gewesen, dass „das Klammern“ am anderen Geschlecht eine Eigenheit war, der allein dem weiblichen Teil der Weltbevölkerung zugedacht wurde, aber Mike schien da eine klassische Ausnahme zu sein. Und warum zum Teufel musste ausgerechnet sie von dieser Ausnahme Bekanntschaft machen? Was war nur schief gelaufen? Diese Frage stellte sie sich seit nunmehr drei Wochen. Seit diesem unseligen Freitagabend im Pirat’s. Sie steuerte das Sofa an und ließ sich mit einem tiefen Seufzer darauf fallen. Dann griff sie nach der Fernbedienung und zappte durch die Programme, ehe sie das Gerät ernüchtert wieder abschaltete, weil sie auch hier nichts fand, was für genügend Ablenkung sorgte. Sie schaltete die Musik an und ließ sich von den klassischen Klängen durchströmen, die augenblicklich den Raum erfüllten. Entspannt lehnte sie sich zurück und versuchte, ihren Kopf frei zu bekommen. Was ihr nicht wirklich gelang. Antamo geisterte schon wieder durch ihre Hirnwindungen. Gott, wenn sie daran dachte, wie leicht sie sich hatte von ihm verführen lassen, wurde ihr ganz mulmig zumute. Bei Stephen hatte es ganze zwei Wochen gedauert, bis sie sich das erste Mal geküsst hatten. Und mit Nathan war sie über ein Jahr zusammen gewesen, und sie hatten noch nicht einmal miteinander geschlafen. Lag es an ihrer Schüchternheit, dass sie damals nicht früher zu Potte gekommen war? Nein. Vermutlich lag es ganz einfach an dieser seltsamen Anziehungskraft, die Antamo auf sie ausübte. Er brauchte nur in ihrer Nähe auftauchen und ihr Körper spielte vollkommen verrückt, so als würde er sie auf eine unbekannte Weise fremdsteuern. Er hatte sie verhext. Sie schmunzelte unwillkürlich in sich hinein ob dieser recht grotesken Vorstellung. Mann, mann, mann, er hat dir ganz schön den Kopf verdreht …, seufzte ihr Unterbewusstsein. Die Untertreibung des Jahrhunderts. Und trotzdem hast du ihm immer wieder erfolgreich widerstehen können … sehr gut …, gab es ihr voller Bewunderung zu verstehen. Fraglich, wie lange du das noch durchhältst, bevor du sabbernd vor Wolllust zu seinen Füßen liegst und ihn anflehst, seine Zunge auch an anderen Körperstellen zum Einsatz zu bringen …, meldete sich eine kleine fiese Stimme in ihr zu Wort. Helena spürte, wie ihr bei diesem Gedanken unvermittelt die Röte ins Gesicht schoss. Entschieden schüttelte sie den Kopf. Das würde nicht passieren. Sicher? Ja, verdammt. Zuerst wollte sie ein paar Antworten haben. Denn auch wenn sie in einem dieser selten schwachen Momente hemmungslos mit ihm rumgeknutscht hatte, für mehr wollte sie ihn schlichtweg besser kennen. Ich bin gespannt, wie du das anstellen wirst …, lästerte die fiese Stimme erneut in ihr, spitzte die Lippen zu einem Kuss, um sich anschließend mit einem übertriebenen lüsternen Stöhnen darüber zu lecken. Schluss jetzt …, befahl sie ihren Gedanken. Antamos und ihr Abkommen war schließlich rein geschäftlicher Natur. Natürlich … Ja, sie würde ihn zeichnen und dann wieder gehen lassen. Das war der Plan. Selbstverständlich, und warum hast du ihm dann dieses Date vorgeschlagen? …, ertönte es erneut in ihrem Kopf. Das Date ist doch nur eine Entschuldigung … wegen Mike und seiner penentranten Stalkeraktivitäten …, rechtfertigte sie sich. Womit sie wieder am Anfang ihrer Gedankenkette angelangt war und dem Grund dieser ganzen Misere – Mike.

Seit Helena diesen Typen kennen gelernt hatte, war ihr einst so geordnetes Leben ein einziges Durcheinander. Aber wer wusste schon, wofür die Entwicklung dieser seltsamen Ereignisse gut war. Vielleicht war es ein Wink des Schicksals – eine Aufforderung, endlich in die Puschen zu kommen und ihr Leben in Angriff zu nehmen, bevor sie alt und grau war. Ihr Privatleben wohlgemerkt. Das Studium an der Uni lief hervorragend, und wenn sie die letzten Prüfungen in diesem Sommer hinter sich gebracht hatte, würden ihr die Tore zur Welt offen stehen. Sie hatte sich von Anfang an ins Zeug gelegt und sie gehörte zu den Besten ihres Jahrganges. Einer ihrer Professoren hatte sie vor ein paar Wochen beiseite genommen und gefragt, was sie denn nach dem Studium machen wollte. Sie hatte ihn erstaunt angesehen und spontan mit den Schultern gezuckt. Und das Schlimme daran war, dass sie genau so empfand. Sie hatte keine Ahnung. Seit Monaten schon überlegte sie, was sie mit ihrem Leben nach dem Studium anfangen würde. Sollte sie aus Paris weggehen? Eine andere Stadt, vielleicht ein anderes Land? Ein anderes Leben, was nur der Kunst gewidmet war? Aber dafür wäre ein Gönner notwendig, wenn sie nicht an dem besagten Umstand knabbern wollte, dass Künstler in der Regel arme Opfer ihrer eigenen schleppenden Verwirklichung waren. Vielleicht sollte sie auch ins Lehramt gehen und anderen die Welt der Kunst offenbaren. Augenblicklich schwirrte ihr die Vision einer ihr ziemlich ähnlich sehenden Madame Petite, die verzweifelt versuchte, trockene Geschichte zum Leben zu erwecken und in die Köpfe der Studenten zu pflanzen, durch den Kopf. Aber wer wusste schon, wohin einen das Leben leiten würde? Gab es überhaupt so etwas wie Vorbestimmung? Wenn ja, dann würde sie zu gerne wissen, was das Leben für sie bereithielt. Und je länger sie darüber nachdachte, umso mehr drängte sich eine ganz andere Frage in ihr auf. Würde sie irgendwann nicht mehr einsam sein? Klar, sie hatte ihre Liebe zur Kunst und ihre Freunde und … das Leben an sich selbst. Und Antamo? Sollte sie nicht einfach für diesen Umstand dankbar sein? Sie seufzte traurig, griff nach dem weichen schokoladenbraunen Kissen, legte ihre Arme darum und presste es an ihre Brust. Gedankenverloren starrte sie auf ihre Hände, die in der Lage waren, so viele wunderbare Dinge zu schaffen. Ein Segen, mochte man meinen. Doch was nützte einem all das, wenn es niemanden gab, mit dem man es teilen konnte? Was brachten einem die Erfolge, wenn keiner sich mit einem freute, oder die Niederlagen, wenn keiner mit einem litt? Wozu die ganzen Tränen, wenn niemand sie tröstend fortwischte? Und Helena begriff, dass wahre Erfüllung mehr war, als ein gelungenes Kunstwerk oder eine hervorragende Note in einer Klausur. Die Kunst, eine höhere Befriedigung in dem zu empfinden, was das Leben bereithielt, wenn jemand da war, der es zu teilen vermochte. War das nicht der eigentliche Sinn des Lebens? Das Schellen der Türglocke riss sie abrupt aus ihren Gedanken. Sie stand auf, stellte die Musik leiser und ging zur Tür. Da um diese Zeit die Haustür für gewöhnlich abgesperrt war, griff sie nach dem Wohnungsschlüssel und lief die Treppen hinunter, während sie sich fragte, wer wohl um diese Zeit etwas von ihr wollen könnte. Ihre Frage fand eine schnelle Antwort, als sie die Tür öffnete und ihr Blick auf eine ihr bekannte Gestalt traf.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Di Jul 02 2013, 14:53

Hallo Mini,
natürlich habe ich diesen Teil lange verschlungen, und dass ich noch nicht geschrieben habe, ist wohl eher dem Tatbestand geschuldet, dass ich nicht ganz sicher bin, wie es mir damit geht. Ich habe das Gefühl, da braut sich schon wieder ganz schön was zusammen. Anteros, der sich nicht mehr zusammenreißen will und so langsam Panik bekommt, weil ihm die Zeit davon läuft, Helena, die natürlich doch wieder mal ihren Verstand sprechen lässt und ihren Wünschen und Sehnsüchten keinen Lauf lassen will. Und vor allem John, der ja irgendwie ziemlich bedrohlich ist.

Ich hoffe zwar, dass es Anteros ist, der vor Helenas Tür ist, obwohl ich nciht sicher bin, ob sie selbst das so richtig fände (auch wenn sie sich heimlich freuen würde - zumindest einen kleinen Moment), aber ich befürchte ja, dass Mike mal wieder auf der Matte steht. Und wer weiß, was der vor hat. Oder ist es vielleicht jemand ganz anderes? Thomas oder ihre Freundin?
Ne, ich denke es ist Mike und Anteros bekommt entweder irgendwas in den falschen Hals, oder rettet sie, vor was auch immer. Oder er will sie retten, und sie muss gar nicht gerettet werden ...

Hach, es gibt tausend Möglichkeiten. Und keine davon finde ich so richtig gut. Oh Mann, ich werd noch völlig kirre ...Surprised 

Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Sa Jul 06 2013, 15:44

Sorry für die Verzögerung, da kam dann doch noch einiges dazwischen. Ich hoffe, die Fortsetzung gefällt. Viel Spaß beim Lesen ...

@Katha: Schauen wir mal, welche deiner vielen Prophezeiungen nun eintrifft. Wink 

LG, Mini


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Teil 75

Kaum eine halbe Stunde nachdem Anteros Hals über Kopf die Stadtvilla verlassen hatte, parkte er den Wagen unweit von Helenas Haus unter einem Baum, lehnte sich zurück und ließ seinen Blick durch die Umgebung schweifen, bevor selbiger sich auf die Fenster im oberen Geschoss des zweistöckigen Hauses richtete, aus denen Licht drang. Sie war zu Hause. Ein Anflug von Erleichterung durchfuhr ihn. Die Farben am westlichen Himmel kündigten bereits das Ende des Tages an, gefolgt von dem samtenen Dunkel der Nacht, welches sich undurchdringlich über ihm erstreckte und die ersten Sterne die seit Jahrtausenden bekannten Bilder an das blauschwarze Firmament malten. Tief atmete er die Luft der Natur durch das heruntergelassene Seitenfenster ein, als eine sanfte Note von Freesien und Lavendel an seinen Sinnen kitzelte. Ihr Duft. Er konnte ihn bis hierher wahrnehmen, durch die dicken Wände des Hauses und über die Entfernung bis zu dem Wagen, in dem er saß. Nur noch wenige Stunden und er würde sie wieder in seine Arme schließen können. Nur noch wenige Stunden, und sie würde ihm gehören – endlich.

Eine Bewegung im Schatten der am Haus stehenden Bäume, die vom blassen Licht einer Straßenlaterne erhellt wurden, weckte Anteros’ Neugier. Irgendjemand schlich dort in der Dunkelheit herum. Doch Anteros konnte nicht viel erkennen, außer einer großen schlanken Silhouette, die sich genau in diesem Moment zielstrebig dem Haus näherte. Der Schein der Straßenlampe fiel kurz auf die Gestalt, als sie in ihren Lichtkegel trat, und Anteros konnte einen jungen Mann erkennen, der mit einem Blumenstrauß zielstrebig auf die Haustür zuging und schließlich die Klingel betätigte. Ein Schmunzeln bewegte seine Züge, als ihm der flüchtige Gedanke kam, Helena auf dieselbe Weise zu überraschen, wie dieser Mann es offensichtlich mit seiner Angebeteten soeben tat. Doch das Schmunzeln währte nur einen kurzen Augenblick und machte plötzlichem Argwohn Platz, als sich eine flüchtige Erinnerung in seine Gedanken schob. Mit zusammengezogenen Brauen beobachtete er den Mann. Irgendwie kam er ihm bekannt vor, doch so sehr er sich auch zu erinnern versuchte, es gelang ihm nicht, den Typen zuzuordnen. Du siehst Gespenster, Anteros …, versuchte er sich zu beruhigen, schüttelte mit einem leisen Seufzen den Kopf und lehnte sich wieder in den Autositz zurück, den Blick jedoch weiterhin auf das Geschehen gerichtet. Als Sekunden später die Haustür aufging und eine kleine zarte Gestalt auftauchte, riss er überrascht die Augen auf. Das ist Helena. Argwöhnisch zogen sich seine Brauen zusammen, gefolgt von einem zornigen Zähneknirschen, als seine Kiefer aufeinander schlugen. Wer ist dieser Typ und was will er von meiner Helena? …, dachte er grimmig und hielt im selben Moment inne, als er seine Gedanken analysierte. Seine Helena? Sein? Er fühlte das Wort auf seiner Zunge, schmeckte sein Aroma und stellte fest, dass ihm gefiel, was er dabei empfand. Doch wenn sie Sein war, konnte sie nicht dem Anderen gehören. Also, wer war er? Ihr Bruder? Nein, Helena hatte keine Geschwister, soviel wusste er. Ein Freund? Ein Kommilitone? Egal. Ein Gefühl, was ihm schmerzhaft das Herz zusammen zog, keimte unerwartet in ihm auf und ließ in ihm den seltsam drängenden Wunsch aufkommen, irgendetwas zu zerstören. Neidisch? …, säuselte eine hämische Stimme in ihm. Oh nein, das hier war schlimmer. Heiß und wild, erbarmungslos, als hätte man ihm ein glühendes Eisen in den Bauch gerammt, flammte es ihm auf. Eifersucht. Tausendfach hatte er ihr hässliches Gesicht gesehen, und sich immer und immer wieder gefragt, wie es sich anfühlte. Missgunst. Misstrauen, … das Gefühl, was die Menschen umtrieb, einander zu hassen und zu zerstören. Jetzt spürte er es selbst. Ausgeliefert gegenüber seinen niedersten Instinkten, die sich unerbittlich in den Vordergrund schoben, Wut und Zorn in ihm heraufbeschworen, schlossen sich seine Finger fester um das Lenkrad, sodass das Leder knirschte. Beherrsch dich …, mahnte ihn die Stimme der Vernunft durch den wabernden Nebel der Eifersucht, der ihm gleichsam Blick und Sinne trübte. Was soll sie von dir denken, wenn du wie ein Berserker auf den Typen losgehst … Bleib ruhig. Er schloss die Augen und stieß langsam die Luft aus, während er sich mit aller Macht ein Stück seiner Selbstbeherrschung zurückerkämpfte, sich dazu zwang, den Griff um das Lenkrad zu lockern und sich in Erinnerung zu rufen, weshalb er hierher gekommen war. Als stiller Beobachter, einzig aus dem Grund, um ihr nahe sein zu können. Toller Plan, Anteros …, knurrte er innerlich und nagelte sich beharrlich auf den Sitz fest, starrte mit geballten Fäusten und zusammengepressten Zähnen durch die Windschutzscheibe, während der Wunsch, dem komischen Typen an Helenas Haustür den Hals umzudrehen, unaufhaltsam in ihm wuchs. Geschlagene drei Minuten saß er wie versteinert und beobachtete das Geschehen, verfolgte jede Bewegung, jede noch so kleine Gestik. Als der fremde Kerl nun wild mit den Blumen in seiner Hand herumzugestikulieren begann, stieg bittere Galle in ihm auf. Bleib ruhig …, suggerierte er sich erneut. Eine wahre Herausforderung unter den gegebenen Umständen. Sein Blick fiel auf Helena, und stiller Argwohn vertrieb für einen Moment die in ihm brüllende Eifersucht. Der Haltung der zierlichen Brünetten nach zu urteilen, schien sie alles andere als erfreut über ihren späten Besuch. Ganz meine Meinung …, dachte Anteros mit einem neuerlichen Anflug von Frustration. Vielleicht sollte ich … Ein unflätig ausgestoßener Fluch riss ihn aus seinen Überlegungen und lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf den Unbekannten, der näher an Helena herangetreten war. Sie war einen Schritt zurückgewichen und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Angriffslustig streckte sie das Kinn vor, woraufhin Anteros ein Anflug von Stolz durchfuhr. Eine starke und selbstbewusste Frau, die sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen lässt …, dachte er anerkennend. Das positive Gefühl währte jedoch nur einen Sekundenbruchteil und fiel abrupt in sich zusammen, als er beobachtete, wie der Kerl nur seine Hand ausstreckte und Helena beim Oberarm packte, sie zu schütteln begann. „Lass mich los.“, hörte er Helena plötzlich schreien, sah, wie sie sich aus dem Griff des Kerls zu befreien versuchte … und in dem Moment brannten bei Anteros sämtliche Sicherungen durch.

Wutentbrannt und entgegen all seinen streng auferlegten Vorsätzen stieg Anteros aus dem Wagen und steuerte mit schnellen Schritten das Geschehen an. Zorn brodelte in ihm, wandte sich in Wut, als er mit brutaler Entschlossenheit hinter den Kerl trat, der Helena noch immer fest in seinem Griff hielt, ihn am Kragen packte und mit einer groben Bewegung zurückriss. Er musste sich zusammenreißen, um ihn nicht direkt gegen den nächsten Baum zu schleudern. Der Typ, der sich nunmehr wie ein hilfloses Opfer zwischen Hauswand und seinem Körper eingeklemmt wiederfand, atmete heftig. Genauso wie Anteros selbst. Die Blumen, die er vor Schreck hatte fallengelassen, fanden ein trauriges Ende auf dem schmutzigen Gehweg. Die Augen des Kerls waren weit aufgerissen, Schweiß stand auf seiner Stirn, und Anteros stieg der bittere Geruch von Angst in die Nase, vermischt mit etwas … anderem. Langsam glitt sein Blick an dem fremden Typen hinab und blieb an der feuchten Stelle in seinem Schritt hängen. Armseliges Würstchen …, dachte er bei sich, rümpfte die Nase und verzog abfällig die Lippen, bevor sein Blick sich wieder in seine Augen bohrte. „Hat man dir nicht beigebracht, wie man sich gegenüber einer Frau verhält?“, zischte er mit mörderisch leiser Stimme, den Hohn darin kaum verbergend. Der Typ starrte ihn mit offenem Mund an, offenbar versucht, etwas zu seiner Verteidigung hervorzubringen, was jedoch in einem leisen Wimmern endete. „Nein, offenbar nicht.“, murmelte Helena, die mit starrem Blick in der Tür stand und sich am Rahmen festgeklammerte hatte. Ihr Atem ging hektisch, und als ein sanfter Wind ihr das wirre Haar aus dem Gesicht wehte, erkannte Anteros die Panik, die ihr offen ins Gesicht geschrieben stand. Sein Magen krampfte sich zusammen, als er die Situation rekapitulierte und schließlich begriff. Scheiße … Wieder wandte er sich dem Typen zu, den er noch immer fest im Griff hatte. „Am besten, du hältst dich zukünftig fern von ihr.“, stieß er unter zusammengebissenen Zähnen hervor. Das nächste Mal bin ich nicht so freundlich …, fügte er in Gedanken hinzu, tödliche Wut im Blick.

Mike stieß zittrig die Luft aus, als der riesige Kerl seinen Griff endlich lockerte. Er räusperte sich vernehmlich und sah seinem Gegenüber in die Augen. Woher er den Mut nahm, wusste er selbst nicht so genau. „Du kannst mich jetzt loslassen.“, erklärte er, in der Hoffnung, ein Stück seiner Würde, die ihm vor wenigen Sekunden die Hose durchnässt hatte, wieder zurückzugewinnen. Soviel zu deinem tollen Plan, John …, knurrte er innerlich. Lass Blumen sprechen … Pah, dass ich nicht lache … Das nächste Mal machst du die Drecksarbeit, du Scheißkerl …, fluchte er, während er seinen Angreifer nun genauer betrachtete … und geräuschvoll schluckte. Moment mal, was hatte John noch gleich gesagt? Groß, gutaussehend und dunkelhaarig? Scheiße. Das muss der Typ sein, der John in seine Kronjuwelen getreten hatte …, dachte Mike und ein neuerlicher Anflug von Panik flammte durch seine Eingeweide. Verdammt, er hatte gleich gewusst, dass dieser Plan keine gute Idee war. Hilfesuchend glitt sein Blick erneut zu Helena, deren Augen funkelnd auf seinen Angreifer gerichtet waren. „Wer ist der Kerl, Helena?“, brachte Mike, dem mit einiger Verspätung aufging, dass die beiden sich offenbar kannten, mühsam hervor, während sein Blick abwechselnd zwischen den beiden hin und her huschte und kurz, auf eine Antwort wartend, auf Helena zu ruhen kam. Doch sie reagierte nicht, starrte den anderen nur wortlos an. Mikes Blick glitt zurück zu dem Hünen vor sich, der seine Worte nur mit einem Lächeln quittierte, das irgendwie bedrohlich wirkte. Sind die beiden ein Paar? …, fragte er sich. Er hatte keine Ahnung. Und wenn er ehrlich war, verspürte er im Moment auch nicht das geringste Bedürfnis, der Antwort auf den Grund zu gehen. Innerlich um die Unversehrtheit seiner Kronjuwelen betend, sah er den Typen an, der locker Arnold Schwarzenegger als Terminator ersetzen könnte – sollte der irgendwann in Rente gehen – und ihn auf eine Weise anstarrte als hätte er Lust, ihn als kleinen Mitternachtssnack zu verspeisen. „Bitte“, stieß Mike leise aus, als der Typ den Griff um sein Revers erneut verstärkte und ihm damit zunehmend das Atmen erschwerte.

Es dauerte eine Weile, bis Helena die Situation, die sich soeben vor ihr abspielte, begriff und ihre Synapsen ihre Arbeit wieder aufnahmen. Scheiße …, fluchte sie innerlich, als sie sich der Brisanz der Lage, in der sich Mike befand, gewahr wurde. Entschlossen, die Eskalation zu verhindern, trat sie auf die beiden Männer zu. „Ich denke, das reicht jetzt.“, erklärte sie, bemüht, ihre Stimme nicht zu schrill klingen zu lassen, angesichts der Panik, die noch immer in ihr schwelte. „Mike hat verstanden, dass er sich nicht mehr bei mir blicken lassen soll.“, fügte sie hinzu, den Blick eindringlich auf Mikes Peiniger gerichtet. Antamo, lass ihn los …, flehte sie innerlich. Der starrte sie verblüfft an. „Bist du dir sicher?“ Völliger Unglauben schwang in seiner tiefen Stimme. Helena nickte und warf Mike einen eindringlichen Blick zu, der nur zu deutlich klar machte, dass er besser klein beigeben sollte. Verlier jetzt bloß nicht die Nerven, Helena … Mike muss hier weg, bevor Antamo Hackfleisch aus ihm macht …, mahnte sie sich. Denn das, soviel war klar, würde passieren, wenn sie die beiden nicht schleunigst trennte. Geh in die Offensive, Helena. Versuchs mit weiblichem Charme, dagegen ist Antamo machtlos …, krächzte ihr Unterbewusstsein, was sich zitternd vor Angst unter dem Sofa verkrochen hatte. Mhmm …, das könnte funktionieren …, dachte sie und trat näher. Behutsam legte sie ihre Hand auf seinen Arm, neigte den Kopf und schenkte ihm ein Lächeln, was ihre Augen aber nicht gänzlich erreichte, viel zu sehr fürchtete sie den Zorn, der aus jeder seiner Poren sprühte „Schön, dass du da bist. Hast mich ziemlich lange warten lassen.“ Betont sanfter Tadel in einer Stimme, die unmerklich zitterte. Zwei Augenpaare guckten sie verwirrt an – eines überrascht, das andere voller Argwohn –, während Helena den Druck ihrer Hand auf Antamos Arm verstärkte. Als er begriff, lockerte er schließlich seinen Griff und ließ Mike mit einem unwilligen Grummeln los. Der richtete seinen Blick auf Helena und knurrte mit zerknirschter Miene: „Verdammt, Helena, was kennst du nur für Typen?“ Die Brünette, die sich unmerklich zwischen die beiden geschoben hatte, lächelte unsicher von einem zum anderen und betete gleichzeitig, dass der eine sich zusammenreißen und der andere klug genug war, die Chance zu nutzen, um die Beine in die Hand zu nehmen und das Weite zu suchen. „Das ist ein alter Freund. Wir sind für heute Abend verabredet.“, erklärte sie knapp an Mike gewandt, ehe sie den Blick auf den anderen Mann richtete, eine Augenbraue hob und leicht den Kopf wog, in dem Versuch, ihm verständlich zu machen, dass er mitspielen soll. Sein ungläubiges Gesicht machte allerdings deutlich, dass er Helenas Wink nicht verstand. Glücklicherweise war Mike zu durcheinander, um Helenas fehlgeschlagenen Versuch eines Täuschungsmanövers zu bemerken. Mit einem leisen Seufzen zuckte sie die Schultern und wandte sich wieder Mike zu, der noch immer an Ort und Stelle stand und die beiden mit undeutbarem Blick musterte.

Anteros brauchte einen Moment, um wieder klar denken zu können, hatten ihre Worte ihn doch völlig aus dem Konzept. Wir waren für heute verabredet? …, ging es ihm wieder und wieder durch den Kopf. Hab ich da irgendwas falsch verstanden? Doch damit würde er sich später befassen. Zunächst galt es, diesen Eindringling zu entfernen, der noch immer wie festgenagelt dastand. Mit gestrafften Schultern trat er näher, schob Helena ein Stück beiseite und baute sich bedrohlich vor dem Typen namens Mike auf. „Hast du nicht gehört, was sie gesagt hat? Wir sind verabredet … also, … mach, dass du Land gewinnst, bevor ich es mir anders überlege und dich … entferne.“, erklärte er mit vor Stolz geschwellter Brust und einem Lächeln, was Mike mehr als deutlich machen sollte, dass er eine mörderische Freude darüber empfinden würde, seine Drohung wahr zu machen. Hier und Jetzt. Zu seinem Bedauern fand der Kerl genau in dem Moment seinen Selbstherhaltungstrieb wieder und trat mit einem vernehmlichen Räuspern einen Schritt zurück, musterte ihn einmal von oben bis unten, ehe er sich an Helena wandte. Ein gequältes Lächeln zuckte in seinen Mundwickeln. „Wir sehen uns, Helena.“, sagte er leichthin. Augenblicklich spannte Anteros sich an, als er diese für seinen Geschmack zu vertrauten Worte vernahm. „Ich denke nicht, dass sie das tun wird.“, knurrte er und schickte ein neuerliches böses Funkeln in Mikes Richtung, woraufhin dieser zusammenzuckte und sich ohne ein weiteres Wort umwandte. „Moment mal.“, rief Anteros ihm hinterher, als sein Blick vor sich auf den Boden fiel. „Du hast da was vergessen.“ Der Blonde hielt inne und blickte über die Schulter zurück. Mit einer geschmeidigen Bewegung beugte Anteros sich nach unten und griff nach dem Blumenstrauß, den er einen Moment lang misstrauisch beäugte. „Dreizehn gelbe Nelken? Mhmm … ich hoffe, die waren nicht für Helena bestimmt.“, bemerkte er und durchbohrte seinen Gegenüber mit einem finsteren Blick. „Wenn ja, dann bist du ja noch erbärmlicher als ich dachte.“ Mike klappte wortlos die Kinnlade nach unten und sah ihn entgeistert an. Dann fiel sein Blick auf die Blumen, die reichlich mitgenommen aussahen, und schüttelte verwirrt den Kopf. Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und lief die Straße hinunter, bis die Schatten ihn verschluckten.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mo Jul 08 2013, 20:42

Hallo Mini,
endlich habe ich die Ruhe und Muße dir deinen verdienten Kommentar da zu lassen.
Tja, so schlecht war ich ja nicht, mit meiner Prophezeiung, lässt man mal außen vor, dass es da noch ein halbes Duzend andere Möglichkeiten gab. Laughing 
Mike wollte also mal wieder einen auf romantisch machen. Natürlich auf Johns Wunsch hin. Ich frag mich ja, warum er dieses ganze Theater noch mit macht. Ernsthaftes Interesse kann es doch eigentlich nicht mehr sein, oder ist es schon Besessenheit? Vielleicht auch Angst vor John, wenn er nicht mitspielt? Hm, auf jeden Fall stellt er sich mal echt dämlich an, was mich immer wieder ein Stück weit beruhigt.
Ja, und dann ist da Anteros. Er war also doch der Ritter in der silbernen Rüstung, obwohl ich mir bei Helena relativ sicher bin, dass sie, wenn sich ihre Panik erst mal gelegt hat, sehr skeptisch rekapitulieren wird, warum Anteros denn eigentlich vor ihrer Tür zugegen war. Und dann wird sich ihr nervendes Unterbewusstsein wieder einschalten und ihr ihn erneut madig machen zu wollen, weil sie doch eigentlich gar nichts von ihm weiß. Evil or Very Mad 
Na gut, mal sehen, ob meine orakeln zutrifft, oder ob ich total daneben liege, und sie sich einfach freuen beisammen zu sein.  ... Aber nein, in diesem Wort kam das Wort "einfach" vor, und einfach ist es bestimmt nicht. Das kann ich mir wirklich kaum vorstellen.Razz 

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mo Jul 08 2013, 23:06

Orakel Katha ist mal wieder am Weissagen. Wirklich schön zu lesen. Mal schauen, wie gut deine Vorhersagen sind. Bin am nächsten Teil dran. Mal schauen, wann er kommt ... Smile 

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Di Aug 06 2013, 13:56

Hey Mini!

Da war ja ganz schön was los seit ich das letzte Mal hier gelesen habe.
Mal eine ganz andere Frage, woher nimmst du die Idee für so eine tolle Geschichte? idontknow 
Ich versinke mit jeder Zeile tiefer in der Handlung und den Figuren.

Mike ist aber echt nicht mehr gesund Shocked , ok er hat John an der Backe aber trotzdem der Typ holt sich eine Watsche nach der anderen ab und kapiert es immer noch nicht. Das mit den Nelken am Gehweg, war aber echt der Burner Laughing, wie Antamos ihn auffordert die mitzunehmen.

Ich stimme Katha in ihren Gedanken zu, vermutlich wird Helena wirklich darüber nachdenken wieso Antamos vor ihrem Haus war, ganz ehrlich das würde ich auch und mir würde auch ziemlich unwohl werden, wenn ich mir das vorstelle. Irgendwie ist er ja ein Mysterium, das ihr manchmal viel zu nah und manchmal viel zu fern ist.

In der Freude auf einen neuen Teil
Liebe Grüße
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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Sa Aug 10 2013, 13:13

Danke für deinen Kommi. Hab mich riesig gefreut. Vor allem darüber, dass noch jemand anderes außer Katha hier eine Meinung hinterlässt.

Ich bin bemüht, hier bald Nachschub zu liefern. Bitte um Geduld.

Und woher ich die Ideen nehme? Keine Ahnung idontknow  Die kommen einfach - wenn auch manchmal zu den ungelegensten Zeitpunkten ... Rolling Eyes 

Liebe Grüße
Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Sa Aug 10 2013, 19:40

Juhuu ... was so ein bisschen Motivation doch alles bewirken kann. Very Happy Hab neuen Lesestoff für euch. Viel Spaß ... LG, Mini

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Teil 76

Helena starrte kopfschüttelnd in die Richtung, in die Mike geflüchtet war. Als sie kurze Zeit später das Starten eines Motors hörte, atmete sie leise durch und richtete schließlich ihren Blick wieder auf den Mann, der ihr zu Hilfe geeilt war. Mit gerunzelter Stirn musterte sie ihn, während sie noch immer die eben stattgefundene Szene zu begreifen versuchte. Auch wenn sie nach wie vor nicht wusste, was Antamo hier wollte, war sie doch dankbar dafür, dass er offenbar zur rechten Zeit am rechten Ort war. Schaudernd dachte sie daran, was hätte passieren können, wenn Antamo nicht eingegriffen hätte. Die Leute in dieser Umgebung neigten nicht unbedingt dazu, einer schreienden Frau zu Hilfe zu eilen, was bedeutete, dass man im schlimmsten Fall auf sich allein gestellt war. Eine Ausnahme bildeten allerdings die Mitbewohner in diesem Haus, allesamt freundlich und zuvorkommend ... und bedauerlicherweise nicht zu Hause. Helena allein zu Hause … wie passend …, dachte sie bei sich und unterdrückte ein Grinsen, als sie sich dabei ertappte, wie sie - ihrem fiktiven Pendant Kevin gleich -, ihrem Widersacher sein halbherzig durchdachtes Vorhaben mit subtilen Mitteln erfolgreich versaute. Nachdenklich neigte sie den Kopf und ließ ihren Blick über die imposante Erscheinung ihres Retters in der Not gleiten. Dieser Mann war eine wahre Naturgewalt. Ehrfurcht einflößend ..., dachte sie, als sie sich daran erinnerte, wie er sich vor Mike aufgebaut hatte. Mhmm ... hat nur noch gefehlt, dass er sich triumphierend mit den Fäusten auf die Brust trommelt und laut Meine brüllt …, spottete ihr Unterbewusstsein, was - nun da die Gefahr gebannt war - wieder unter dem Sofa hervorgekrochen war. Dieses Platzhirschgehabe - eine durchaus treffende Bezeichnung für das, was die beiden da soeben abgezogen hatten -, war ihr fast schon peinlich gewesen. Ein leises Lachen ließ sie aufsehen, und sein Grinsen weckte, wie schon unzählige Male zuvor, den Verdacht in ihr, er könne ihre Gedanken lesen. Mit einer Gelassenheit, die sie gleichsam überraschte wie schockierte, trat er auf sie zu, woraufhin sie unweigerlich zurückwich. Er hielt inne, spontane Verwirrung sprach aus seiner Miene, was Helena nur noch mehr verwirrte. Was erwartete er denn von ihr nach allem was passiert war? Dass sie ihm direkt um den Hals fiel? Oh, es war nicht so, dass sie nicht dankbar für den Umstand war, dass er sie aus dieser Situation gerettet hatte. Aber da war noch immer die wesentliche Frage, auf die sie keine Antwort hatte: Wieso war er hier, wenn sie doch eigentlich erst für morgen verabredet waren? Ein leises Keuchen entwich ihr, als sich ein unangenehmer Gedanke in ihr manifestierte. Gehörte er etwa auch zu dieser Sorte Mann, die tagein tagaus um ihr Haus herumschlichen? Gott bewahre, denn einer dieser verrückten Stalker reichte ihr bei weitem - für den Rest ihres Lebens. Misstrauen regte sich in ihr. Und wenn er einfach nur zu dir wollte? Einfach so? …, ging es ihr flüchtig durch den Kopf. Für einen winzigen Moment erlaubte sie sich, diese Möglichkeit ernsthaft in Erwägung zu ziehen, verdrängte sie aber wieder, als sich daraufhin Bilder ganz anderer Art in ihre Erinnerung schoben. Pff ... Warum sollte er? ..., murmelte sie leise in sich hinein. Na ja, immerhin hat er dir erst vor zwei Tagen seine Zunge in den Hals geschoben …, erinnerte sie ihr Unterbewusstsein. Vielleicht hofft er ja auf eine Fortsetzung. Sie biss sich auf die Lippe, unterdrückte ein leises Seufzen, als bei diesem Gedanken ein wohliger Schauer über ihre Haut strich und sich die Muskeln in ihrem Unterleib erwartungsvoll zusammenzogen. Nein, denk nicht mal dran. Du kennst ihn doch gar nicht. Er ist ein Fremder ...,versuchte sie sich einzureden. Leider erfolglos. „Was willst du hier?“, fragte sie schließlich, als das Schweigen sich zwischen ihnen auszudehnen begann, und hoffte inständig, diese frivolen Bilder, die ihren Kopf bestürmten, wieder verdrängen zu können.

Anteros neigte den Kopf und sah sie eindringlich an. Dich …, ging es ihm durch den Kopf. Ist das nicht offensichtlich? Lässig zuckte er die Schultern und trat auf sie zu, woraufhin sie hastig den Kopf schüttelte und die Hände in einer abwehrenden Geste hob. Irritiert hielt er inne und wollte sie gerade fragen, was los war, als sie sich ohne Vorwarnung umwandte, die Tür aufstieß und ins Haus schlüpfte. Ihre Absicht erahnend, sprang er hinter ihr her. Helena war kaum durch die Tür, da hatte er sie schon gepackt und schwungvoll zu sich umgedreht. Das alles geschah so schnell, dass sie erst mit einiger Verzögerung die unnachgiebige Härte der Wand, die sich in ihren Rücken drängte, realisierte. Sie saß in der Falle. Mit schreckgeweiteten Augen und rasendem Puls sah sie ihm ins Gesicht. Stille. Dann ein dumpfes Scheppern, als die schwere, in Holz gefasste Glastür, die sie ihm in ihrem spontanen Fluchtversuch hatte vor der Nase zuknallen wollen, ins Schloss fiel. Drei Sekunden später wurde es wieder still um sie. Sein Blick aus grünen Augen bohrte sich in ihren, und Helena verfluchte erneut die Tatsache, dass die Mitbewohner aus dem Erdgeschoss unterwegs waren, ebenso wie Kate, die die Spätschicht im Krankenhaus hatte. Zähe Sekunden vergingen, in denen sie einander anstarrten. Ein Anflug von Belustigung schlich sich schließlich in seine Mundwinkel, und der Schreck, der Helena ereilt und den kurzen Drang zu schreien außer Kraft gesetzt hatte, verflog im selben Moment. Ihre Augen wurden schmal, Zorn brodelte in ihr auf. „So so, wir sind also heute Abend verabredet.“, sagte er und schenkte er ihr jenes Lächeln, welches nicht nur ihre Knie in Wackelpudding verwandelte, sondern ebenso sämtlichen Wind aus den Segeln nahm. Helenas Wut verpuffte, ehe sie die Stufe zur Explosion erreichen konnte, genauso wie die Worte, sie sie ihm hatte entgegenschleudern wollen. „Warum hast du mir nichts davon gesagt? Hätte ich gewusst, dass du mich heute schon sehen willst, wäre ich angemessener erschienen.“, erklärte er mit schuldbewusster Miene, die so echt wirkte, dass sie Mühe hatte, sie erfolgreich als Lüge zu deklarieren. Stöhnend rollte sie die Augen. Meine Güte, das hab ich doch nur so gesagt, damit Mike endlich abhaut …, ging es ihr genervt durch den Kopf.

Ein kleines Lächeln zuckte um seine Mundwinkel, ehe sein Blick wieder ernst wurde. Mit grimmiger Miene glitten seine Hände von ihren Schultern und strichen behutsam über die gequetschten Stellen an ihren Oberarmen. Diese sanfte Berührung schickte sofort eine Gänsehaut über ihren Körper. Helena räusperte sich und sah ihm entschuldigend in die Augen, in denen leise Wut brodelte. „Tut es weh?“, fragte er, die Stimme heiser vor Zorn. Verwirrt sah Helena auf seine Finger, und plötzlich wurde ihr klar, was seinen Stimmungswandel ausgelöst hatte. „Nein“, beeilte sie sich zu sagen und strich geistesgegenwärtig über die Stellen, an denen Mike sie so derb gepackt hatte. Schon jetzt war zu erkennen, dass dieser Übergriff unschöne Spuren hinterlassen würde. Schweigend ruhte sein Blick auf ihren Armen, die Lippen zu einer dünnen Linie zusammengepresst. Helena räusperte sich voller Unbehagen. „Ähem ... um auf deine Frage zurückzukommen ... Also, ähem ... mir … mir ist nichts besseres eingefallen. Mike stellt mir schon eine ganze Weile nach. Und da hab ich halt gesagt …, na ja, du weißt schon …“, sprudelte es aus heraus, in der Hoffnung, ihn endlich von ihren Armen abzulenken. Überrascht hob er die Brauen, nur um sie gleich darauf verärgert zusammenzuziehen und einen finsteren Blick in das Dunkel jenseits des Fensters, in das Mike verschwunden war, zu werfen. „Wie lange schon?“, fragte er, ohne sie anzusehen. Helena hob die Schultern. „Seit drei Wochen.“, war die leise Antwort. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und ein Laut, in dem unüberhörbar Missbilligung mitschwang, entwich seiner Kehle. „Da sind dreizehn gelbe Nelken aber die falsche Geste, um sich zu entschuldigen.“, knurrte er missgestimmt. Helena riss die Augen auf. „Was meinst du damit?“, fragte sie, sichtlich irritiert. Er schnaubte abfällig und schüttelte leicht den Kopf. „Das bedeutet, dass er sich selbst als Idiot abgestempelt hat.“, erklärte er und stieß ein ungeduldiges Seufzen aus. „Und was heißt das genau?“, bohrte Helena weiter. Er runzelte die Stirn und legte den Kopf schief, bedachte sie mit einem langen prüfenden Blick, bevor er antwortete. „Gelbe Nelken bedeuten Verachtung.“ Verblüfft schnappte Helena nach Luft. „Oh … ähem, ja … da hat er wohl ein bisschen danebengegriffen.“, stotterte sie und strich sich, überrascht von dieser verstörenden Tatsache, verlegen durch ihr leicht zerzaustes Haar, ehe sich eine ganz andere Frage in ihr aufdrängte. Aus zusammengekniffenen Augen musterte sie sein Gesicht, als pure Neugier sie drängte, die nächste Frage auszusprechen. „Und welche Blumen würdest du sprechen lassen?“, fragte sie, ehe sie sich zurückhalten konnte. Seine rechte Augenbraue zuckte nach oben und seine Lippen verzogen sich wieder zu diesem schiefen Grinsen, was ihren Herzschlag gehörig durcheinander brachte. „Wenn ich mich für diese Art der Bekundung meiner Gefühle für dich entscheiden würde ...“ Sein Blick wurde weicher, nahm einen verklärten Ausdruck an, der Helenas Atem zum Stocken brachte. „... dann wären es wohl dunkelrote Nelken … oder Tulpen – vielleicht auch beides.“, antwortete er mit einem Blick, der für einen Moment in weite Ferne glitt. Mhmm, Tulpen also ... Und warum? ..., fragte sie sich. Ohoooo ... du hast doch nicht etwa Rosen erwartet ..., stichelte ihr Unterbewusstsein. „Und es wären bestimmt nicht nur dreizehn an der Zahl.“, fügte er augenzwinkernd hinzu. Helena blinzelte, nicht sicher, was sie von dieser Aussage halten sollte. Doch die Neugier war ein tückischer Zeitgenosse. „Aha … Und, was bedeuten sie?“, fragte sie ... und schalt sich gleich darauf ein blödes Schaf. Wollte sie das wirklich wissen? Ja ... ja ... ja ..., schrie ihr Unterbewusstsein, was mit Pompons bewaffnet auf dem Sofa auf und ab sprang wie ein kleines Mädchen.

Anteros’ Mundwinkel zuckte leicht und in seinen Augen blitzte es belustigt. Das würde er ihr mit Sicherheit nicht verraten, drückten sie doch eine tiefgehende Sehnsucht in ihm aus. Eine Sehnsucht, die mit jedem Tag stärker in ihm brannte. Eine Sehnsucht, die für ihn nur schwer zu begreifen war, und die ihn mehr und mehr verwirrte, je länger sie andauerte. Helena schluckte leicht, während sie sich hektisch nach einem Fluchtweg umsah, der nicht vorhanden war, solange er ihr so nah war. „Verrate ich nicht.“, erklärte er mit diesem Lächeln, was Helena Gedanken für einen weiteren Moment kopfstehen ließ. Doch schon eine Sekunde später nahm sein Gesicht wieder einen beängstigend ernsten Ausdruck an. „Vielleicht sollte ich bei dir bleiben und auf dich aufpassen. Sicherlich wird er wiederkommen.“, meinte er und sein Blick huschte flüchtig durch das Fenster. Bei diesen Worten klappte Helena wortlos die Kinnlade nach unten. Wiederkommen? ..., keuchte ihr Unterbewusstsein, feuerte die Pompons in die Ecke und flüchtete wieder unter das Sofa. Helena schluckte heftig, als sie in das funkelnde Grün seiner Augen sah. Pure Besitzgier lag in ihnen. Nicht gut ... gar nicht gut ..., dachte sie und schüttelte heftig den Kopf. „Nein, nein, ist nicht nötig, danke!“, wiegelte sie eilig ab und bemühte sich um ein lässiges Lächeln. Was ihr offensichtlich gehörig misslungen war, wenn sie das selbstsichere Grinsen in seinem Gesicht richtig deutete. „Ich könnte ihn aber auch … beseitigen, … wenn dir das lieber ist.“ Oh Gott ... oh Gott ... Helena schluckte schwer. „Keine gute Idee.“, flüsterte sie knapp. Das Streicheln seiner Hände über ihre Arme begann sie langsam nervös zu machen. „Warum bist du hier? Ich meine, wir sind doch erst für morgen verabredet, wenn ich mich recht erinnere.“, lenkte sie hastig auf ein anderes Thema. Er legte den Kopf schief und zauberte wieder jenes geheimnisvolle Lächeln auf seine Lippen. Oh Gott, hör auf, mich so anzusehen ... „Spielt das eine Rolle? Ich meine, scheinbar hast du mich ja erwartet.“, flüsterte er und strich mit seinem Finger zärtlich über ihre Wange. Helena riss sich von seinem Blick los. „Das war eine Notlüge.“, stieß sie entrüstet aus. Von dieser Aussage überrascht, ließ er seine Hände sinken und gab Helena frei. Den Moment nutzend, wich die junge Frau zu Seite und betrat die Treppe, die in den ersten Stock führte. „Wie schade.“, seufzte er in gespielter Niedergeschlagenheit. Sie wandte sich um und starrte ihn voller Bestürzung an. Sich lässig gegen die Wand lehnend grinste er ihr verschmitzt zu. „In diesem Fall solltest du dich jetzt wohl zu Wiedergutmachung verpflichtet fühlen, weil ich dich gerettet habe.“ Er neigte den Kopf, seine grünen Augen blitzten amüsiert. „Wie wäre es also mit einem Kaffee auf den Triumph über deinen hartnäckigen Verehrer und die Ungerechtigkeit des Lebens, dass mein Beschützerinstinkt dich nicht zu stürmischer Dankbarkeit hinreißt?“ Fassungslos klappte Helena die Kinnlade nach unten, während sie ihn aus schmalen Augen musterte. Sein verführerisches Lächeln und die Art, wie er sich ausdrückte, versprach eindeutig mehr als nur eine unschuldige Tasse Kaffee. Und Helena war sich nicht sicher, ob sie den Löwen in diesen Käfig lassen sollte, in dem sie sich zufälligerweise selbst befand. Gefangen in dieser merkwürdigen Situation rieb sie sich nervös die Hände, während sie ihre Möglichkeiten auszuloten begann. „Ich hab nicht aufgeräumt. Vielleicht sollten wir woanders hingehen.“, schlug sie schließlich vor. Was für eine schlechte Ausrede ... ich schmeiß mich weg ..., rief ihr Unterbewusstsein und schlug sich lauthals lachend auf die Oberschenkel. Lässig zuckte er die Achseln. „Macht mir nix aus, ich räum auch selten auf.“, tat er ihren Versuch gelassen ab. Dass er das nie tat, behielt er für sich. Dass er für solchen unwichtigen Kram eine äußerst zuverlässige Haushälterin hatte, ebenso. Fieberhaft suchte Helena nach einer weiteren Ausrede, ihn von ihrer Wohnung fernzuhalten. „Mein Kaffee schmeckt scheußlich.“, versuchte sie es erneut und verzog zur Bekräftigung angewidert den Mund. Ihr Unterbewusstsein fiel prustend vom Sofa und krümmte sich vor Lachen. Und Helena, die an seinem wissenden Lächeln instinktiv erkannte, dass er sich nicht würde abwimmeln lassen, hob schließlich die Hände und seufzte ergeben. „Okay, … eine Tasse Kaffee … aber dann gehst du wieder.“, betonte sie ernst und streckte zur Untermalung ihrer Ansage drohend den Zeigefinger vor. „Schließlich sind wir morgen und übermorgen verabredet, und ich hab … ich hab noch ein paar Sachen zu erledigen.“, erklärte sie entschieden und stemmte die Hände in die Hüften. Interessiert hob er eine Augenbraue und ließ seinen Blick über ihren Körper schweifen, bis er an dem schmalen Streifen Haut zwischen ihrem Shirt und der Jogginghose hängen blieb. Und während er sich fragte, was sie denn noch vorhatte, wofür sie lieber allein sein wollte, wandte sie sich um und stieg die Treppe ins obere Stockwerk hinauf, in das er ihr schweigend folgte.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mo Aug 12 2013, 14:27

Hallo Mini!

Ja, dass einem die besten Dinge oft in den ungelegensten Momenten einfallen, kenne ich und ist einer der Gründe wieso ich so selten etwas neues reinstelle...aber nun zu deinem Teil.

Ich wusste das Helena sich fragen würde, wieso Antamo ihr überhaupt zu Hilfe eilen konnte, aber ich muss sagen er ist eigentlich ziemlich gut davon gekommen. Immerhin lädt sie ihn auf einen Kaffee ein, wenn auch nicht ganz freiwillig.
Gelbe Nelken bedeuten Verachtung, das klingt ja mal gar nicht gut, da kommt sicherlich noch etwas nach...

Auf bald
Liebe Grüße
Tastentante
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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Di Aug 20 2013, 03:30

Hallo Mini,
und wieder ein spannender Teil von Helena und Antamo lesemist  Und ganz schnell war er mit einem gewissen Frust verschlungen - natürlich nur, weil er schon wieder zuende war Evil or Very Mad Evil or Very Mad und man sich wieder einmal fragt. UND JETZT??????????

Also Tastentante, du schreibst Anna hat ihn zum Kaffee eingeladen ... Hmm, ich finde ja, sie hat sich nötigen lassen - na ja, und dann ihren heimlichen Wünschen nachgegeben - und das alles gegen ihre Vernunft, wie wir schon richtig vermutet hatten Smile 

Na, welche Blumen würde Anteros wohl sprechen lassen? Bin ja schon neurierig ... Die roten Rosen, die wir alles kennen? Oder doch etwas geheimnisvolleres?
Vielleicht werden wir ja auch das noch erfahren - freu mich auf mehr, meine Süße gib5 

Liebe Grüße!!!!!
Katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Aug 22 2013, 20:10

Huhu, ihr Lieben,

danke für eure Kommis. Wollte euch auch nur schnell einen Gruß dalassen und euch ein schönes Wochenende wünschen. huhu 

Der nächste Teil ist in Arbeit, kann aber leider nicht sagen, wann er kommen wird.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Di Sep 03 2013, 21:07

Ja, ja, in Arbeit ...







Razz

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Sep 19 2013, 20:34

Huiiii ... ich hoffe mal, dass es für die Story noch den einen oder anderen Leser gibt. Ist ja schon eine Weile her, dass der letzte Teil online ging ... aber ich gebe zu, dass mir das Schreiben solcher Szenen nicht unbedingt leicht fällt ... Von daher hoffe ich, dass es nicht gänzlich in die Hose gegangen ist ... Viel Spaß und liebe Grüße, Mini Embarassed 

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Teil 77

Helena marschierte direkt in die Küche, während Anteros es sich auf ihre Aufforderung hin auf dem Sofa bequem machte. Kopfschüttelnd beobachtete er sie, während seine Gedanken zu dem Moment im Treppenhaus zurückschweiften. Ihm war klar gewesen, dass sie ihn von sich fernhalten wollte, er wusste nur nicht genau warum. Doch da hatte etwas in ihrem Blick gestanden, in diesem wunderschönen Blau ihrer Augen. Etwas, von dem er wusste, dass sie es mit ihrer aufgesetzten Abgeklärtheit zu überspielen versucht hatte. Doch er hatte es gesehen. Und es war, als würden ihre Augen zu ihm sprechen, ihn auffordern, ihre Nähe zu suchen und genau das zu tun, wonach er sich sehnte - weil sie genau dasselbe fühlte. Es war dieser stumme innere Drang, der ihn – entgegen ihrer Verabredung – dazu getrieben hatte, sie zu suchen, bei ihr sein zu wollen. Zwei Tage lang hatte er es ausgehalten, den Abstand zu wahren. Zwei schier unendlich lange Tage. Eine wahre Meisterleistung, wie er fand. Doch als er heute Morgen aufgewacht war, war seine Selbstbeherrschung nicht mehr länger vorhanden gewesen. Und jetzt saß er hier, beobachtete, wie sie geschäftig in ihrer Küche herumwuselte und Kaffee kochte, so wie sie es vorgehabt hatte. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt, und er nutzte diesen intimen ungeschützten Moment, einen ausgiebigen Blick auf sie zu werfen. Sie trug ein kurzes enganliegendes weißes T-Shirt und eine tief auf den Hüften sitzende dunkle Jogginghose. Eigentlich nichts, was ihn hätte in Verzücken versetzen können. Doch es war der dazwischen aufblitzende schmale Streifen bloße Haut, der seit einer Weile seine Aufmerksamkeit fesselte. Ihr Haar fiel in dunklen Wellen voll über ihren Rücken und ihre zarte Gestalt barg eine Zerbrechlichkeit, die ihn gleichsam verunsicherte wie sie ihn anzog. Er schob diesen wirren Gedanken beiseite, während seine Augen ungeniert von ihren zarten Schultern über ihren schlanken Rücken zu ihrer schmalen Taille bis hin zu den wohlgeformten Hüften wanderten. Ein Bild schob sich in seine Gedanken. Ein Bild, wie er sich erhob und zu ihr trat, sie bei den Schultern fasste und zu sich drehte. Wie seine Hände sich um ihre Taille legten und den Linien ihres hübschen Pos folgten, ihn mit festem Griff umfassten, während er ihr tief in die Augen sah. Sekundenlang verweilte sein Blick auf ihren Hüften, während das Bild, das er sich malte, in den schillerndsten Farben zu leuchten begann. Einfach hinreißend ... Seine Hände begannen zu kribbeln, und in seinem Inneren brandete ein Sturm auf, der ein warmes Prickeln durch seine Adern jagte und bis in die letzte Zelle drang ...

„Trinkst du deinen Kaffee mit Zucker?“, ertönte Helenas Stimme, die Anteros zusammenzucken ließ. Kein Wunder, er war derart in Gedanken versunken gewesen, dass er das Geschehen um sich herum völlig vergessen hatte. Und noch immer war sein Blick fasziniert auf ihre hinreißende Kehrseite gerichtet, bevor selbiger seine Aufmerksamkeit schließlich auf die qietschbunte Zuckerdose lenkte. Sie stand ganz oben im Regal, das hatte er schon bei der ersten intensiven Musterung der Küche wahrgenommen. Und während sich ihre Frage einen Weg durch seine Gehirnwindungen bahnte, entlockten ihm seine nächsten Gedanken ein lüsternes Lächeln. „Ja, gerne.“, antwortete er mit belegter Stimme. Er trank seinen Kaffee generell ungesüßt und schwarz, aber heute wollte er eine Ausnahme machen – aus einem ganz bestimmten Grund. Voller Faszination beobachtete er, wie sich Helena auf die Zehenspitzen stellte, den Arm nach oben streckte und sich nach der Zuckerdose reckte. Dabei rutschte ihr knappes T-Shirt nach oben und entblößte die zarte Haut ihrer Taille. Gleichzeitig rutschte der Bund ihrer ohnehin schon tief sitzenden Jogginghose zwei Zentimeter weiter nach unten und ließ die weiße Spitze ihrer Unterwäsche hervorblitzen. Er schloss die Augen und hielt die Luft an, unterdrückte ein leises Stöhnen. Und ein neues Bild flammte in seinem vernebeltem Hirn auf. Ein Bild, wie er in ebenjenem Moment aufstand und hinter sie trat, seine Arme um ihre Taille legte und mit den Händen nach vorn glitt, über ihren nackten Bauch streichelte und seine Hände langsam nach oben über ihre Brüste schob ... ihre weichen Rundungen erkundete, während er sich erregt gegen ihre Hüfte presste. Er malte sich aus, wie Helena seufzend den Kopf gegen seine Schulter legte und es ihm gestattete, mit seinen Händen unter das enge T-Shirt zu gleiten und ihre nackte Haut zu streicheln. Wie sie unter seinen Händen stöhnte und seufzte. Reine unverfälschte Begierde zuckte durch seinen Körper, etwas was er lange nicht - und vor allem nicht so intensiv - empfunden hatte, und direkt in seine Lenden schoss. Sein Puls schnellte in die Höhe und sorgte dafür, dass der Platz in seiner Hose eng wurde - verdammt eng. Etwas unbehaglich rutschte er auf dem Sofa herum, um eine angenehmere Sitzposition zu erlangen. Zwecklos. Genauso wie den Drang zu ignorieren, sich von dem weichen gemütlichen Sofa zu erheben und diesem primitiven Wunsch, der ihn einnahm, zu folgen. Wie ferngesteuert erhob er sich und ergab sich diesem uralten Instinkt ...

„Möchtest du auch Milch in deinen Kaffee?“, fragte Helena arglos weiter. Anteros dachte nicht lange darüber nach, denn da die Milch im Kühlschrank stand und das Erreichen derselben für ihn keinerlei großartigen Reiz bot, würde er darauf verzichten. „Nein, Danke.“, erwiderte er nun nah hinter ihr stehend, woraufhin sie sich erschrocken umdrehte und sich ihm direkt gegenüberstehend wiederfand. Die quietschbunte Zuckerdose entglitt ihrer Hand. Reflexartig fing Anteros sie auf, noch ehe sie auf den Boden treffen konnte. Helenas Augen weiteten sich erstaunt. „Wow … was für ein Reaktionsvermögen.“, brachte sie stotternd hervor, schwer bemüht, ihren rasenden Herzschlag unter Kontrolle zu bekommen. Er war so nah. So verdammt nah. Und dieser Blick. Wie ein Raubtier, dass seine Beute betrachtete - einen Wimpernschlag lang, bevor es sich auf sie stürzte. Ohne seinen Blick aus ihren Augen zu wenden, trat er näher, woraufhin Helena instinktiv zurückwich, bis sich schließlich der Tresen in ihren Rücken drängte. Ohne seinen Blick von ihr abzuwenden, stellte er die Zuckerdose neben sie auf die Arbeitsfläche, wobei sein Arm den ihren streifte und mit dieser eher zufälligen Berührung einen Schauer durch ihren Körper jagte. Ihre Knie wurden weich, und für einen Moment hörte Helena auf zu atmen, während ihre Gedanken sich zunächst in wilden Loopings verloren und schließlich gänzlich in Nebel auflösten. Ihr Mund wurde trocken. Sie wollte etwas sagen, doch ihre Kehle verweigerte jeglichen Dienst. Flüsterleicht glitten seine Hände ihre Arme hinauf und streichelten sanft über ihre Schultern, bevor sie den Weg zu ihrem Gesicht fanden. Helenas Atem stockte, und ihr Herz stand kurz davor, sich zu überschlagen, während sein Daumen über ihre Lippen strich. Küss mich! Küss mich noch einmal so … wie beim letzten Mal ..., schrie ihr Unterbewusstsein und spitzte erwartungsvoll die Lippen. Und ohne dass es ihr bewusst war, fuhr ihre Zunge über ihre Lippen, die sich nun leicht öffneten, während ihre Gedanken fordernder schrien.

Wie gebannt starrte Anteros auf ihren Mund, folgte mit den Augen dieser mehr als sinnlichen Geste und sog diese unbewusste Aufforderung in sich auf. Wie von selbst fanden seine Finger in ihren Nacken, gruben sich in ihre Haare und zogen ihr Gesicht näher an seines heran. Das schmerzhafte Verlangen wurde beinahe unerträglich. Und als er schließlich seinen Mund auf ihren senkte, stieß sie ein sehnsüchtiges Stöhnen aus. Eine Reaktion, die sein Verlangen nur noch mehr befeuerte, gleichsam wie der Duft, der eine tiefe dunkle Note angenommen hatte, ihn umwehte und sein Bewusstsein in den wunderbarsten Rausch versetzte, der selbst die wirksamste Droge in den Schatten stellte. Ja, sie wollte ihn auch, das spürte er. Sein Kuss, zunächst zart und tastend, wurde schnell fordernder, intensiver. Seine Hände glitten an ihr hinab, legten sich auf ihre Taille, während sich ihr Leib fast auffordernd gegen seinen schmiegte. In einer fließenden Bewegung hob er sie hoch und setzte sie vor sich auf den Tresen. Eine Sekunde lang verweilten seine Hände an ihrer Taille, bevor sie zu ihren Hüften hinabwanderten und er seinen Körper zwischen ihre Beine drängte, sie mit einem schnellen Ruck zu sich heranzog. Helena stöhnte in seinen Mund, als ihrer im nächsten Moment in ungestümem Hunger von seiner Zunge erobert wurde. Die Hitze seiner Erregung drängte sich gegen ihren Körper. Mehr ..., seufzte ihr Unterbewusstsein und räkelte sich nun wollüstig auf dem Sofa. In diesem plötzlichen Rausch gefangen, hob Helena ihre Hände und berührte sein Gesicht. Ihre Finger fanden seinen Nacken und gruben sich fest in sein Haar. Hungrig zog sie ihn näher, presste ihren Mund fester auf seinen und begann, ihn mit Lippen und Zunge zu verschlingen. Pure Lust strömte durch ihren Körper, entfesselt von dieser plötzlichen Leidenschaft. Das Kribbeln, was in ihrem Magen seinen Anfang genommen hatte, breitete sich wie ein Feuersturm in ihr aus, drängte sie, sich fester an ihn zu schmiegen. Seine Hände umfassten ihre Schenkel, schlangen ihre Beine um seine Taille. Himmel, fühlt sich das gut an ... Sämtliche Vorbehalte über Bord werfend, schickte Helena ihre Hände auf Wanderschaft. Keuchend drängte sie sich gegen ihn und begann, sich in den sinnlichen Bewegungen seiner Hüften zu verlieren, die diese heißen lustvollen Wellen stromschlagartig durch ihren Körper schickten. Ihre Hände glitten über seinen Rücken, und als er mit einem sinnlich tiefen Stöhnen von ihrem Mund abließ, um mit seinen Lippen über ihren Hals zu streichen, legte Helena den Kopf zurück, um ihn gewähren zu lassen. Ein raues Stöhnen entfuhr ihr, ihre Haut prickelte, wo er sie mit seinen Lippen berührt hatte. „Der Kuss vor zwei Tagen hat mich süchtig nach mehr gemacht…“, raunte er an ihrer Haut. Oh ja, sie erinnerte sich an den Kuss, der so abrupt geendet hatte. „Warum hast du dann aufgehört.“, keuchte sie atemlos. „Weiß ich nicht.“ Seine Worte waren kaum mehr als ein heiseres Flüstern. Unaufhörlich strichen seine Hände über ihren Rücken, hielten sie, während sie – beinahe wie zufällig – über die seitliche Wölbung ihre Brust streichelten. Sein Mund bahnte sich einen Weg zu ihrem Ohr, sein Atem kitzelte ihren Nacken und die feinen Härchen stellten sich auf. „Ich will dich spüren.“, hauchte er mit heiserer dunkler Stimme, die Verführung in einer Weise versprach, die weit über das hinausging, was Helena als erotisch kannte. Seine Hände verstärkten nun den Druck auf ihre Brüste, massierten sie mit einer Sinnlichkeit, die ihr den Atem raubte. Der dünne Stoff ihres T-Shirts rieb über ihre Brustwarzen, die sich erwartungsvoll aufrichteten. „Bist du deshalb heute hier?“ Ihr Atem kam keuchend, die Worte gepresst und abgehakt. Fordernd drängte er seine Hüfte gegen ihre, ließ sie von seiner Erregnung kosten, die er in sanften kreisenden Bewegungen durch ihren Körper jagte. Ihr Körper antwortete prompt, als er sich ihm entgegenbäumte. Ja ... „Nein …, ich wollte nur in deiner Nähe sein … aber …“ Er unterbrach sich selbst mit einem wollüstigen Seufzen, als Helena ihm im nächsten Moment ihre Fingernägel in den Rücken grub. „… aber ich kann dir einfach nicht widerstehen.“ Seine Gefühle überschlugen sich und schickten jeglichen rationalen Gedanken ins Nirwana. Nie hatte sich etwas besser angefühlt als das, was er soeben spürte und er wollte mehr – viel mehr ...

Helena wollte etwas erwidern, aber der Versuch wurde von seinen hungrigen Lippen unterbrochen, die sich nun gieriger als zuvor auf ihre pressten. Seine Zunge drängte sich in ihren Mund, rieb sich sinnlich an ihrer. Helena entfloh ein Laut, mehr Stöhnen als Seufzen, während ihre Finger sich zielstrebig in den Bund seiner Hose schoben und sich in sein Hinterteil krallten. Eines animalisches Knurren drang aus seiner Kehle, und der letzte Funken Vernunft löste sich in Luft auf. Mit einer einzigen Bewegung zog er ihr das weit ausgeschnittene Shirt über ihre Schultern, fesselte so ihre Arme, während er gleichzeitig ihre zarten Rundungen entblößte. Einen Sekundenbruchteil ruhte sein glühender Blick auf ihrer Blöße, ein Hauch von Ehrfurcht flackerte in dem dunkler gewordenen Grün. Im nächsten Moment trafen heiße Lippen auf heiße Haut. Die Lust übermannte ihn. Er wollte sie ... nackt. Wollte jeden Zentimeter ihres Körpers berühren, riechen, fühlen … schmecken. Wollte spüren, wie sie sich unter ihm wand, weich und sinnlich. Ohne seinen nächsten Schritt zu überdenken, umfasste er ihre Hüften, hob sie von der Anrichte und flog mit ihr durch die Wohnung auf direktem Weg in ihr Schlafzimmer. Helena, die das Gefühl hatte, aus der Welt gerissen und in eine andere gezogen zu werden, registrierte nur am Rande das Gefühl von weichen Kissen und glatten Laken unter ihrem Körper. So einen Sinnesrausch hatte sie noch nie erlebt, und ihr ganzes Bewusstsein lechzte danach, mehr davon zu fühlen. Das Reißen von Stoff drang in ihren vernebelten Verstand. Dann spürte sie erneut seinen Mund an ihrem Hals. Sein warmer Atem strich über ihre Schultern zu ihren Brüsten. Sie erschauerte, während sie sich seinen heißen Küssen entgegenbäumte. Einen Moment lang war Anteros versucht, seine Kleider ebenfalls vom Leib zu reißen und den Rest ihrer gleich mit, um die Hitze ihrer Haut auf seiner zu fühlen. Darin zu versinken. So lange hatte er sich nach ihrem Körper gesehnt, und er brannte darauf, ganz mit ihm zu verschmelzen. „Ich will dich, ... jetzt gleich.“, keuchte er mit erregter Stimme. Helena stieß einen heiseren Seufzer aus und genau ihn dem Moment, in dem sie seine Worte aufnahm und das letzte bisschen Verstand, das sich nicht hatte zurückdrängen lassen, deren Bedeutung zu entschlüsseln begann, erstarrte sie. Was hat er gesagt? Nein ... Ich kenne ihn doch kaum ..., schoss es ihr plötzlich durch den Kopf. Waaaaas? Warum nicht? Du willst es doch auch ..., protestierte ihr Unterbewusstsein, was atemlos und mit glänzenden Augen aus den zerwühlten Laken schaute. Helenas Gedanken überschlugen sich. Nein, nein, nein ..., brüllte ihr Verstand. Ja, ja, ja ..., widersprach ihr Unterbewusstsein. OhGottOhGottOhGott ... NEIN ... Als hätte ihr jemand einen Kübel Eiswasser über den Kopf geschüttet, tauchte Helena mit einem Mal aus dem Wirrwarr ihrer Gedanken zurück in die Realität. Mit einer hastigen Bewegung, die so schnell erfolgte, dass es sie selbst überraschte, hatte sie ihn von sich gedrückt. Das eben noch so berauschend sinnliche Gefühl zwischen ihnen kam abrupt zum Erkalten. Mit glühenden Augen schaute er sie an, leise keuchend und mit rasendem Herzen. Verwirrt und ein wenig orientierungslos sah Helena sich um, bevor sie erneut seinem glühenden Blick begegnete. Wie war sie in ihr Schlafzimmer gekommen, wo sie doch eben noch in der Küche waren? Hastig blickte sie an sich herab. Das war mein Lieblings-T-Shirt ..., durchfuhr es sie entsetzt. Boah, ist doch völlig wurscht ..., brummte ihr Unterbewusstsein leicht angesäuert. Und ich bin nackt ... In einem Anflug plötzlicher Scham, zog sie die Arme vor ihre Brust, ehe ihr Blick über seinen Körper wanderte, hinunter zu der Stelle, wo er sich zwischen ihren Beinen gegen sie drängte. Ihre Augen weiteten sich in einer Mischung aus Schock und Faszination. Er war erregt - ziemlich erregt. Wie auf Kommando lief Helena feuerrot an. Meine Fresse, jetzt spiel nicht die schockierte Jungfrau. Das ist nicht der erste Mann, den du mit einer Beule in der Hose siehst ..., ätzte ihr Unterbewusstsein, was mittlerweile reichlich genervt war. Ja, natürlich ist er nicht der erste ..., aber das hier ... DuliebeGüte ... Helena zwang sich, ihren Blick abzuwenden und in sein Gesicht zu sehen, während ihr noch immer leicht vernebeltes Hirn krampfhaft die Situation zu analysieren versuchte, die nicht eindeutiger ihre unbedachte Entgleisung drängender Begierde hätte erklären können.

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katha

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Sep 19 2013, 21:59

Nicht gänzlich in die Hose gegangen? Huiuiui, kann ich da nur sagen. Ich würde dir mal eine glatte
 1 +  geben.
Jetzt ist es also soweit. Anteros kann sich nicht mehr bremsen ... War ja zu vermuten, dass das irgendwann so kommt. Und Helena? Einerseits völlig angetan, funktioniert ihr Verstand immer noch. Unglaublich. Rolling Eyes  Jetzt, nachdem sie sich ihm ja erst einmal für einen Moment hingegeben hat, hat sie bestimmt noch mehr Angst vor ihm. Na super Surprised 
Und dann ist er so unglaublich schnell, ist auch noch geflogen, auch wenn sie es wohl nicht mitbekommen hat. Und seine Statur ist mehr als beeindruckend - gut, dass er sich noch nicht ausgezogen hatte ...
Lauter Dinge, die Helena nachdenken lassen, das sie Angst hat die Kontrolle (oder auch den Verstand) zu verlieren. Rolling Eyes 

Und ein enganliegendes, weißes T-Shirt ist also ihr Lieblings-T-Shirt. Da soll sie sich mal nicht nicht so anstellen. Da bekommt man bestimmt noch eines von. Wink 

Bin ja mal gespannt, wie Anteros jetzt reagiert. Ob er sich unter Kontrolle kriegt, ohne einen folgenschweren Fehler zu machen?

Ich habe dir ja schon geschrieben, dass du in deinem Urlaub mal die griechischen Götter nach Inspiration anhauen sollst. Auch wenn ich damit wohl etwas übereilt war, da der nächste Teil ja bereits eingestellt war Embarassed , Sorry, ... such doch trotzdem noch ein bisschen. Ich lese nämlich auf jeden Fall jedes Wort, das du schreibst und ich warte sehnsüchtig auf den nächsten Teil.

Liebste Grüße und vielen Dank. Es war ein echter Leseschmaus flowers 
Katha

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Di Okt 01 2013, 17:45

Oh Katha, dein Kommi geht mir gerade sowas von runter wie Öl ... Hach, schmelz Embarassed  ...
Danke, das versüßt mir den Urlaub gleich noch mehr ... Smile Smile Smile 

Bin ja auch balde wieder da, so dass es sicher bald neuen Lesestoff geben wird.

Bis dahin, liebe Grüße an alle Daheim-im-kalten-Deutschland-Gebliebenen.

Mini.

P.S. Ich ahle mich noch ein wenig in der Sonne Razz

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