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 Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"

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Mini_2010

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BeitragThema: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Aug 09 2012, 18:51

das Eingangsposting lautete :

Liebe Leser,

Die nachfolgende Geschiche habe ich vor etwa zwei Jahren einmal geschrieben. Bisher verweilte sie geduldig auf meinem Laptop. Nach langen Überlegungen habe ich mich nun doch dazu durchgerungen, sie hier im Forum zu veröffentlichen. Ich weise vorab darauf hin, dass die Geschichte Passagen enthält, die in die Kategorie FSK 16/18 gehören. Ansonsten freue ich mich natürlich, wenn sie euren Zuspruch findet. Sollte das nicht der Fall sein, wäre es schön, das zu wissen, dann würde ich davon absehen, sie fortzuführen.

Danke und viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße
Mini


****************************************

Prolog
Schweden, Juni 2005


Unruhig warf er sich auf seinem Bett hin und her. Es war wieder einer jener grausigen Träume, der ihn seit Monaten verfolgten. Erschöpft und verwirrt von seiner träumenden Pein drehte er sich auf den Rücken und starrte an den weißen Baldachin, der anmutig über seinem Bett schwebte. Warum immer wieder dieser Traum? War es bald wieder soweit? Immer, wenn die Zeit drängte, mehrten sich diese seltsam beunruhigenden Träume. Und er hatte keine Zeit mehr, soviel wusste er. Und noch etwas lag in der Luft. Etwas, was er noch nicht greifen konnte, etwas, was ihn beunruhigte und sein Herz zum Rasen brachte. Keuchend stieß er den Atem aus und legte sich die Hand über seine Augen. Ein schwaches Licht drang von draußen durch die feinen seidenen Vorhänge. Mit schwirrendem Kopf erhob er sich von seinem Bett, durchquerte auf schlaftrunkenen Füßen das Schlafzimmer und trat auf den Balkon des großzügigen Hauses, welches er seit ein paar Jahren sein Eigen nannte. Er war viel herumgekommen, und einst würde der Moment kommen, dass er wieder gehen müsste. Aber noch war es nicht soweit, noch hatte er die Möglichkeit, seine Aufgabe zu erfüllen, um dem Bann zu entgehen, der auf ihm lastete. Als er damals ausgesprochen wurde, hatte er es zunächst für den kompromittierenden Versuch einer zynischen Frau gehalten. Aber er hätte es besser wissen müssen, schließlich hatte er sie bis aufs Blut gereizt. Und wenn er ehrlich war, hatte er sich auch keineswegs dafür geschämt. Seine Arroganz war ein sicherer Schild seiner virilen Selbstsicherheit, und seine Wut stärkte ihn regelmäßig, damit er nicht vergaß, dass eine Offenbarung seiner Seele ihm nur mehr Leid zuführen konnte. Wann er so geworden war, wusste er nicht mehr, und dass sie dieses Wesen an ihm hasste, gab ihm den notwenigen Nährboden, sich sicher zu fühlen – von der Welt gehasst und nur von den Allerengsten wirklich erkannt und geliebt. Im Grunde war er selbst schuld an seinem Leid, und das wusste er. Wie oft hatte er sich gewünscht, so zu sein, wie seine Geschwister, gesegnet mit der Liebe einer Mutter und dem Wissen, dass er ihr etwas bedeutete. Er wusste, dass er ihr mit diesem Wunsch unrecht tat, da sie auch ihm das gegeben hatte, was er den anderen tief in seinem Inneren neidete. Nur leider schien er für ihr Geschenk nicht empfänglich zu sein. Wie eine Krankheit war das Geschenk in seinen Händen verdorben und unbrauchbar geworden und hatte stattdessen seinen Hass und seinen Zorn geboren und stetig genährt. Am Ende war es sein innerer Gram, sein Hass allein auf sich selbst, der ihr die Schuld an seinem Unglück gab.

Sein Vater war stolz auf ihn. Als er ihn nach dem Grund gefragt hatte, hatte er gesagt, dass er besser für den Kampf geeignet wäre als sein Bruder. Er erinnerte sich, wie glücklich er über diese Anerkennung gewesen war. Und als er seinen Vater gefragt hatte, warum er das so sah, hatte dieser nur gemeint, dass er nicht das verschwenderische Herz eines Liebenden besäße. Es sei gerade soviel Gefühl in ihm, dass er seinen Feinden den Gnadenstoß gewähren würde, anstatt wie ein feiger Hund jaulend vom Schlachtfeld zu flüchten. Er besaß nicht das Herz eines Liebenden? Er war betrübt, ja sogar entsetzt darüber gewesen, was sein Vater von ihm hielt. Daraufhin hatte er sich geweigert, an seiner Seite zu kämpfen und begonnen, das Leben eines Eremiten zu führen. Hinter dem Schutzmantel der Gleichgültigkeit hatte er seine verletzte Seele vor der Welt verborgen. Niemand sollte je an sie herankommen. Mit den Jahren wurden Einsamkeit und Selbsthass seine besten Verbündeten, halfen sie ihm doch, den Panzer um seine Seele zu stählen, die das winzige Gefühlsaufkommen beinhaltete, was ihm zueigen war. Und mit der Zeit wurde er gut darin, diese kostbaren Gefühle tief in sich zu verbergen, bis sie fast gar nicht mehr zum Vorschein kamen. Nur sehr selten und meist nur dann, wenn er selbst keinen Einfluss darauf hatte, zeigten sie sich. Der sichere Panzer hatte ihn die Äonen seines Daseins über geschützt. Doch urplötzlich schien die Zeit aus den Fugen geraten zu sein. Eigentlich sollte er es als einen Segen empfinden, aber die Tatsache, dass er nicht selbst über sein Dasein entscheiden konnte, ließ diese Empfindung nicht zu. Er war ein Narr – ein kaltes Herz, was einer Seele nachjagte, die er doch nie erwärmen können würde. „Du siehst aus, als hättest du schlecht geträumt.“, vernahm er eine sanfte weibliche Stimme, gefolgt von leisem Rauschen. Er sah auf und konnte einen schwebenden Schatten am nächtlichen Himmel ausmachen. Die schöne Gestalt schwebte, getragen von anmutigen Schwingen, auf seinen Balkon. Augenblicklich verschwanden ihre schönen Flügel, die er immer bewundert hatte. „Nemesis. Was verschafft mir die Ehre deines nächtlichen Besuchs?“, erwiderte er beinahe gelangweilt. Es tat ihm leid, dass er sie so schroff begrüßte, denn er mochte Nemesis. Sie waren sich auf eine ungewöhnliche Weise sehr ähnlich. „Ich habe dich gesucht. Und du hast dich ziemlich gut versteckt. Doch dein Zorn hat dich verraten. Ich hab ihn gespürt. Du weißt doch, wie sehr ich dafür empfänglich bin.“, erklärte sie und tippte sich lächelnd gegen ihre kleine hübsche Nase. „Zornradar …“ Er lachte leise. „Ich rieche ihn … und dann bin ich da. Wer hat dir Unrecht getan?“, fragte sie mit fester Stimme, in der ein Hauch Missbilligung mitschwang.

Er schnaubte leise und winkte mit einer lässigen Handbewegung ab. „Die Kurzfassung?“, fragte er trocken. Nemesis nickte wortlos. Aus ihrem hübschen Gesicht, welches von einer dichten blonden Lockenpracht umrahmt wurde, blickten ihn zwei silbergraue Augen streng an. Er kannte diesen Blick, der ihm nur zu deutlich sagte, dass sie keine Ruhe geben würde, bevor er nicht ausgesprochen hatte, was sie zu wissen verlangte. Es war schon so lange her, seit dieser Bann gesprochen wurde, und erst jetzt fiel ihm auf, dass er Nemesis lange nicht gesehen hatte. Er seufzte indigniert. „Mein Bruder hatte einen Anfall von Geltungssucht, ich hab mich provozieren lassen und ein paar … wie soll ich sagen … Dinge laut ausgesprochen, die andere nicht mal im Stillen gedacht hätten, und sie – er sprach dieses Wort aus, als wäre es eine Krankheit – hat mich darauf hin verflucht. Nun sitze ich hier, inmitten der Zeit, die mir so unaufhaltsam durch die Finger rinnt, und bin doch nicht schlauer als gestern oder vorgestern. Zumindest habe ich schon mal gelernt, mein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Alternativ droht mir ja ohnehin nur das Getuschel sensationssüchtiger Dummköpfe, und da mir das eh nicht behagt, bleibe ich, wo ich bin. Du weißt ja, Selbstmitleid war noch nie meine Stärke.“ Nemesis hob fragend die Augenbrauen. Kopfschüttelnd sah sie ihn an. „Das übliche also?“ Er nickte betrübt. Nemesis stieß ein leises Seufzen aus. „Du weißt, dass ich sie nicht für etwas zur Rechenschaft ziehen kann, was sie nicht zu beeinflussen in der Lage ist. Sie liebt dich, das weißt du genauso gut wie ich. Dass ihre Gabe in dir keine Wurzeln schlägt und Früchte trägt, ist einem höheren Schicksal zuzuschreiben.“, erklärte sie ruhig und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er seufzte wieder. Sein innerer Schutzpanzer war brüchig geworden, aber Nemesis konnte er vertrauen. Selbst wenn er sein Gesicht verlöre, sie würde ihn nicht verhöhnen oder verurteilen. Sie war ihm treu, wie kaum ein anderer, den er kannte. Dann sah er sie an und lächelte gemein. „Vielleicht könntest du ja meinem Bruder mal einen Denkzettel verpassen. Glaub mir, der Knabe hat es mehr als verdient.“ Nemesis lächelte zaghaft. „Ja, da gebe ich dir recht. Aber sein Hass ist ehrlich. Er empfindet keine Liebe für dich, die man als herzlos oder falsch bezeichnen könnte. Glaub mir, wenn dem so wäre, würdest du meine Rache schon bemerkt haben.“ Jetzt grinste sie breit. Er bedachte sie mit einem gequältem Lächeln, und Nemesis hob ihre Hand, um ihm zärtlich über seine Wange zu streichen. „Du bist mir unter all denen Unsrigen der Liebste, mein schöner dunkler Engel.“, raunte Nemesis.

Er sah auf sie herab und verzog mürrisch das Gesicht. Er hasste es, wenn sie ihn so nannte. Er war kein Engel, doch Nemesis schien die Tatsache allein, dass er Flügel besaß – die er so gut wie nie zeigte, geschweige denn, benutzte – zu genügen, ihn regelmäßig damit aufzuziehen. Er sah sie tadelnd an, doch sie grinste nur verschmitzt zurück. „Du bist, was du bist. Wir zwei sind uns in manchen Punkten so ähnlich.“, erklärte sie feierlich. „Eigentlich ein perfektes Paar.“ Sie machte sich nicht die Mühe, das schelmische Grinsen zu verbergen. „Ja, das ist dein Glück. Andernfalls hätte ich dich schon längst übers Knie gelegt und dir den Hintern versohlt.“, knurrte er leise.“ Nemesis grinste noch breiter, trat näher zu ihm und stellte sich auf die Zehenspitzen. Dann legte sie ihre Arme um seinen Nacken und zog ihn zu sich hinunter. Ihre Lippen an seinem Ohr jagten ihm einen kurzen Schauer über den Rücken. „Mein schöner Engel, komm, lass uns die Nacht ein wenig unsicher machen.“, säuselte sie. Er sah sie argwöhnisch an. „Ich weiß nicht …“ Er wollte sich aus ihrer Umarmung lösen, doch sie hielt ihn fest. „Komm, ich weiß dass du das nicht magst, aber es ist jetzt genau das, was du brauchst. Und morgen stellst du dich wieder deinem Leben. Glaub mir, auch das Schicksal braucht mal eine Pause.“, meinte sie leichthin. Er zögerte einen Moment und sah sie schweigend aus traurigen Augen an. „Also gut, kleine Schwester. Nur für dich.“, flüsterte er mit einem kleinen Lächeln. Dann wuchsen zwei wunderschöne mitternachtsschwarze Flügel aus seinem Rücken, und Nemesis’ Augen leuchteten begeistert auf. Dann stießen sie sich von dem Balkon seines Schlafzimmers ab und entschwanden gemeinsam lautlos in der Nacht. Eine Weile streiften sie durch die Gegend, bis sie sich auf einer kleinen unbewohnten Insel nahe einem Fjord an der Schwedischen Küste niederließen und in die Magie des Midsommar fühlten. Er liebte diesen Moment im Jahr, an dem der Sommer gefeiert wurde. Die Sommersonnenwende und der Beginn der weißen Nächte. Er sah zum Himmel auf. Das Zwielicht des Midsommar ließ die Sterne in einem anderen Glanz funkeln. Sterne. Ein leises Seufzen entwich seinem Inneren. Sie hatten etwas mit ihm gemeinsam. Sie waren genauso weit entfernt wie er von seiner Erlösung.

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„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“


Zuletzt von Mini_2010 am Do Aug 30 2012, 20:39 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Aug 31 2012, 08:04

Meine liebe Katha,

Wow, was für ein wunderschöner langer Kommi. So gefällt mir das doch Smile

Ja, das Dunkel wird sich in den nächsten Teilen langsam ein wenig lichten, hoffe ich zumindest. Na ja, die Sache mit dem Auto. Männer sind halt manchmal von einem ganz besonderen Schlag. Dass Helena natürlich gleich auf zwei dieser Sorte trifft, ist wirklich echtes Pech. Aber ich denke, man kann ihren Frust durchaus verstehen. Deine Gedankengänge, was die Beziehungen der handelnden Personen untereinander betrifft, sind interessant. Und so ganz falsch liegst du da auch gar nicht. Aber gut, ich will nichts verraten, sonst ist ja die ganze schöne Spannung weg, gelle ... Razz

Danke dir für deinen tollen Kommi. Ich bemühe mich, zu dieser Geschichte die Teile jetzt häufiger zu posten. Wink

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 05 2012, 07:53

Weiter gehts. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen Wink


Teil 21


Diese Stimme würde Helena unter hunderten wiedererkennen. Sie wandte sich um und blickte in ein grinsendes Gesicht, in dem zwei faszinierend schöne grüne Augen glühten. Ohne zu fragen ging er um den Tisch herum und ließ sich auf dem Stuhl ihr gegenüber nieder. Wortlos richtete Helena ihren Blick wieder aus dem Fenster. Sie wusste, dass das unhöflich war, aber sie brauchte einen Moment, um ihre Verlegenheit zurückzudrängen. Sie hätte es wissen müssen. Warum nur hatte sie diese Option nicht früher in Betracht gezogen? Nach der gestrigen Sache im Kunstgeschichtekurs und ihrer Begegnung in der Bibliothek lag das doch eigentlich klar auf der Hand. Aber wie immer hatte sie sich von ihrer Neugier treiben lassen, anstatt ihren Verstand zu gebrauchen. „Erstaunlich, dass du dich von deinen Verehrerinnen trennen konntest.“, bemerkte sie gedehnt. „Muss dich eine unglaubliche Mühe gekostet haben.“ Sie sah ihn noch immer nicht an, schaute angestrengt auf den Fluss unter ihr und insgeheim hoffte sie, dass der beißende Sarkasmus in ihrer Stimme ihr die nötige Contenance zurückbringen würde. Darüber hinaus missbilligte sie noch immer sein ungehobeltes Verhalten. Sie hatte ihre Begegnung in der Bibliothek nicht vergessen – und auch noch lange nicht verdaut. Er lachte leise. „Ich habe mir gewünscht, dass ich dich hier treffen würde. Sicher sein konnte ich mir jedoch nicht. Umso glücklicher bin ich, dass mein Wunsch in Erfüllung gegangen ist.“, erklärte er sanft. Erstaunt wandte sie den Blick und starrte in sein lächelndes Gesicht. „Und was willst du?“, fragte sie schroff. Sie hatte keine Lust, ihren Nachmittag mit provozierendem Schlagabtausch zu verbringen – dann lieber doch schönen Autos hinterher sabbern. Verdammt, gleich zwei vermaledeite Verabredungen. Herzlichen Glückwunsch, Helena, das degradiert dich dann wohl zum Loser der Woche. „Weißt du was, ich hab keine Lust auf ein Date – vor allem nicht mit dir. Ich gehe.“, erklärte sie knapp und stand auf. Blitzschnell griff er nach ihrer Hand und hielt sie fest. Verdammt, renn doch nicht immer weg! …, dachte er mit einem Anflug von Frustration. Augenblicklich wandte sie sich um und betrachtete überrascht seine betrübte Miene. Das war seine Stimme gewesen, dessen war sie sich sicher. Aber er hatte nicht mit ihr gesprochen, auch davon war sie überzeugt. Für einen flüchtigen Moment verfiel sie der abstrusen Idee, dass sie wohl nun in der Lage sei, Gedanken zu lesen – speziell seine Gedanken. Sie dachte einen Moment darüber nach, dann schüttelte sie den Kopf und entschied, dass sie wohl nur ein bisschen verrückt wurde. Gedankenlesen, … Tse … Innerlich rollte sie mit den Augen. Obgleich völlig perplex hinsichtlich seiner Reaktion hielt sie inne und starrte ihn verdattert an, was sie unweigerlich in einen Taumel zwischen Flucht und Neugier versetzte.

Er verzog das Gesicht zu einem bittenden Ausdruck, als sie nicht direkt seinem Wunsch entsprach. Unfähig sich gegen diesen Blick zur Wehr zu setzen, ließ sie sich mit einem resignierenden Seufzer auf ihren Stuhl zurücksinken und sah ihn einfach nur an. Einen Augenblick sagte niemand etwas. „Und? Hast du dein Referat fertig bekommen?“, fragte er schließlich mit – wie Helena schien – echtem Interesse. Sie zuckte kurz die Schultern und schwieg. Er legte den Kopf schief und lächelte, während er nach der Kellnerin winkte. Keine drei Sekunden später stand sie neben ihrem Tisch und wartete. „Was möchtest du?“, fragte er höflich, ohne der hübschen Blondine Beachtung zu schenken. Helena warf ihr einen kurzen Blick zu und seufzte auf. Eigentlich wollte sie noch immer gehen. Dann musterte sie ihn mit einem kurzen Blick. Schließlich gab sie sich einen Ruck und entschied sich, es einfach darauf ankommen zu lassen. Sie würde sich schon nicht von ihm unterkriegen lassen. Auf keinen Fall. „Einen Cappuccino.“, erwiderte sie knapp. Er wandte sich der Kellnerin zu, die ihn wie in Mondkalb anglotzte. Fehlte nur noch, dass sie zu sabbern anfing. Das wäre dann heute wohl Kandidat Nummer drei ... Noch drei, vier Leute mehr, und man könnte glatt einen Verein aufmachen ..., ging es Helena ironisch durch den Kopf. „Zwei Cappuccino …, bitte.“, sagte er und riss die Kellnerin aus ihrer entrückten Starre. Als sie gegangen war, seufzte er leise. Helena warf ihm ein bedauerndes Grinsen zu und neigte den Kopf in provokanter Absicht. „Muss schwer sein, ständig von schönen Frauen umringt zu sein.“, spöttelte sie. Er schenkte ihr ein gequältes Lächeln und verkniff sich einen bissigen Konter. „Du hast Recht. Umso besser, dass eine Frau absolut immun gegen mich zu sein scheint.“, erwiderte er mit einem verräterischen Leuchten in den Augen. Helena räusperte sich verlegen und wandte sich ab. „Ich hoffe, die Tatsache, dass ich die Bibliothek vorzeitig verlassen habe, hat dich der Fertigstellung deines Referats näher gebracht.“, merkte er gelassen an. „Denn heute werde ich nicht zugunsten deiner Hausarbeiten das Feld räumen.“ Helena klappte der Mund auf ob seiner frechen Aussage. Sie war so perplex, dass sie nicht wusste, was sie darauf antworten sollte. Schließlich entschloss sie sich zu einem abfälligen Blick, den sie ihm aus böse funkelnden Augen zuwarf, und wandte sich wieder dem Treiben jenseits der Fenster zu. „Na ja, du kannst beruhigt sein, ich bin fertig damit. In den nächsten Tagen werde ich meine Ausarbeitung nur noch in Reinschrift bringen.“, erklärte sie kühl, während sie ihn zu ignorieren versuchte. Sie hatte keine Lust darauf, sich erneut provozieren zu lassen.

Wortlos hob Helena die Tasse an ihre Lippen und nippte bedächtig an ihrem Cappuccino, ohne ihn dabei anzusehen. Sie hoffte, dass er vielleicht genervt sein und innerhalb der nächsten fünf Minuten von selbst gehen würde. Als er jedoch nichts erwiderte und auch anderweitig nicht reagierte, lenkte sie ihren Blick auf ihn. Sie bemerkte das sanfte Funkeln in seinen Augen, welches eine Reaktion versprach, von der sie wusste, dass sie ihr nicht gefallen würde. „Schade, … ich hatte gehofft, dich mit meinem Wissen beeindrucken zu können.“ Helena legte den Kopf schief und bedachte ihn mit einem steifen Lächeln. Aus irgendeinem Grund verspürte sie ein heftiges Bedürfnis, ihn in die Schranken zu weisen. „Dann beeindrucke mich.“, erwiderte sie herausfordernd. Er grinste lässig, zuckte die Schultern und lehnte sich schließlich über den Tisch und belächelte sie provozierend. Dann schien er plötzlich seine Meinung zu ändern, denn er schüttelte seufzend den Kopf. „Nein. Mein Anstand verbietet es, eine Frau bloßzustellen.“, erwiderte er mit übertriebener Rücksicht. Spontan flammte Zorn in ihren Augen auf und er hob erstaunt die Brauen. Verärgert über seinen plötzlichen Rückzieher, der ihr überdeutlich zu verstehen gab, dass er sich ihrer überlegen fühlte, schnaubte sie verächtlich. „Weißt du: Es ist ganz verkehrt, vom „schwachen Geschlecht“ zu reden. Denn diese Worte sind nur ein Beweis der Beschränktheit, Überheblichkeit und Einbildung des Mannes.“ Falls es also deine Absicht ist, mir mit deiner Reaktion deutlich zu machen, dass ich dir nicht gewachsen bin, dann ist unser Gespräch hiermit beendet.“, zischte sie erbost. Ihr Gegenüber lächelte und brachte Helena damit erst recht auf die Palme. „Nichts für ungut … du bist sicher auf diesem Gebiet bewandert, aber ich möchte behaupten, dass an mein Wissen selbst deine Professorin nicht herankommt.“ Helena funkelte ihn wütend an. Das war zuviel. Seine Arroganz stank zum Himmel, und sie hatte kein Bedarf, sich von jemandem als unfähig hinstellen zu lassen, der sie nicht mal kannte. Ohne ein weiteres Wort wandte sie sich um und rief nach der Kellnerin. Er runzelte die Stirn und sah sie fragend an. Die Blondine eilte herbei und warf ihr einen erwartungsvollen Blick zu. „Ich möchte gern zahlen.“, erklärte Helena tonlos.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 05 2012, 08:07

Teil 22


Die Kellnerin nickte und drehte sich um. „Moment.“, unterbrach er, und die Bedienung wandte sich nun ihm zu. „Ja bitte?“ Er bedachte sie mit einem hinreißend charmanten Lächeln, so dass die Blondine hektisch zu blinzeln begann. „Wir hätten gern noch zwei Cappuccino.“, erklärte er freundlich. Die junge Frau nickte eilig und stolperte schließlich ein wenig benommen davon. Helena schüttelte seufzend den Kopf, ehe sie sich auf ihre Wut besann und ihm einen zornigen Blick zuwarf. Sie würde sich von ihm nicht um den Finger wickeln lassen wie dieses arme Mädchen. Hoch erhobenen Hauptes griff sie nach ihrer Tasche und kramte ihre Geldbörse hervor. Sie zählte das Geld für ihre beiden Cappuccino und das Wasser ab und legte es, zusammen mit einem kleinen Trinkgeld, auf den Tisch. Ohne ihn eines Blickes zu würdigen erhob sie sich, griff nach ihrer Tasche und verließ den Tisch. Doch ehe sie auch nur einen Schritt machen konnte, war er aufgesprungen, hatte seinen Arm um ihre Taille gelegt, damit sie nicht weglaufen konnte, und sie an sich gezogen. Helena erstarrte augenblicklich, und sie spürte, wie sich ihr Körper unweigerlich anspannte. Er war ihr so nah, dass sich ihre Körper berührten – seine Hitze durch ihre Poren drang und ein selten maskuliner Duft in ihre Nase stieg. Er roch … köstlich. Und die Wärme, die sein Körper ausstrahlte, zog sie unversehens in seinen Bann. Was ist nur plötzlich los mit mir …, ging es ihr verwirrt durch den Kopf. Ihr Herz begann zu rasen, ihr Atem geriet ins Stocken. Eigentlich hätte sie weglaufen sollen, doch dieser Drang wurde von dem unglaublichen Bedürfnis, ihre Arme um ihn zu legen und sich an ihn zu lehnen, fortgespült. Für einen Moment war sie gewillt nachzugeben. Doch trotz der unwiderstehlichen Versuchung schaffte sie es, dem Dunst ihrer plötzlich aufwallenden Hormone zu entkommen. Spinnst du, Helena …, rief sie sich zur Räson. Schmeißt dich hier dem erst besten Typen an den Hals, nur weil er ein bisschen nett lächelt …, schalt sie sich für ihre schwindende Selbstbeherrschung. Geistesgegenwärtig presste sie ihre Hände auf seine Brust und wollte ihn von sich schieben. Zwecklos. Genauso gut hätte sie auch den Versuch starten können, einen Vierzigtonner zu bewegen. Gegen ihren Willen sah sie in seine Augen – diese wunderschönen Augen. Intensiv bohrten sie sich in ihren Blick, und Helena spürte, wie die Wackelpuddinginvasion ihre Knie attackierte. Instinktiv krallte sie ihre Finger in sein lässiges Jackett, und für einen Sekundenbruchteil schob sich das Bild jenes schönen dunklen Engels in ihren Kopf, von dem sie ein paar Mal geträumt hatte. Sie hörte, wie sein Atem schneller kam … Und als sie in seinen Augen zu versinken begann, stellte sie selbige Fähigkeit unvermittelt ein. Gütiger Himmel …, keuchte ihre bis eben noch im seligen Tiefschlaf ruhende Libido. Atmen, Helena …, schrie ihre schwindende Vernunft und verpasste der fehlgeleiteten Begierde einen saftigen Tritt in den Allerwertesten. Geräuschvoll schnappte Helena nach Luft, als der Befehl endlich durch die Windungen in ihrem Hirn, die sein intensiver Blick erfolgreich verknotet hatte, ihr Bewusstsein erreichte. Amüsiert grinsend, hob er die Brauen, während er seinen Griff um ihre Taille verstärkte und verhinderte, dass die Metamorphose ihrer Knochen in eine unansehnliche puddingartige Masse zur Vollendung kommen und sie in einem jämmerlich sabbernden Haufen Mensch den gefliesten Boden zieren konnte.

Ihre Reaktion war ihm keineswegs entgangen. Und es erfüllte ihn mit jenem männlichen Stolz, den er über die Jahre zu genießen begonnen hatte. Tief sah er in das faszinierende Blau ihrer Augen, während die Welt um sie herum in einer temporären Bedeutungslosigkeit versank und die Zeit aus ihrem Rhythmus geriet. Eine kleine Ewigkeit lang starrten sie einfach nur einander an. Und obgleich sein Verstand ihm suggerierte, dass es besser wäre, auf Abstand zu bleiben, gelang es ihm nicht, sie loszulassen. Die Wärme, die von ihrem Körper ausging, jagte ein sanftes – wie er fand – ziemlich wohliges Kribbeln über seine Haut, das sich in seiner Magengegend sammelte und ein köstlich ziehendes Gefühl hervorrief. Nachdem die Phase des idiotisch einander Anstarrens überwunden war und Helena realisierte, in welcher Situation sie sich befand, verflüchtigte sich der Wackelpudding aus ihren Knien, sodass sie sich ihrer Stabilität wieder sicher sein konnte. Dann räusperte sie sich krächzend und riss sich – wenn auch eher widerwillig – von seinem atemberaubenden Blick los. Ihre Augen erfassten seinen Arm, der noch immer fest und unnachgiebig um ihrer Taille geschlungen war. „Ähem … du kannst mich jetzt wieder loslassen.“, flüsterte sie, in der Hoffnung, ihre Stimme würde entschlossen genug klingen, um ihre Verlegenheit zu überspielen. Er lockerte seinen Griff, ohne jedoch seine Augen von ihr zu wenden, und dirigierte sie auf ihren Platz zurück. Ein wenig benommen ließ sie sich auf ihren Stuhl sinken, während er, von plötzlicher Verlegenheit erfasst, mit seinen Fingern durch seinen dunklen Haarschopf fuhr und sie entschuldigend ansah. „Ähem … tut mir leid. Es war wirklich nicht meine Absicht, dich zu denunzieren.“, erklärte er leise. Helena blickte erstaunt in sein Gesicht. Seine Worte klangen aufrichtig. „Und warum tust du es dann?“ Er senkte die Lider und warf ihr einen vorsichtigen Blick unter seinen langen Wimpern zu. Sein Mund verzog sich zu einem verlegenen Grinsen. „Ich denke, ich wollte dich nur ein wenig … necken.“, erwiderte er beschämt. Helena schüttelte resignierend den Kopf. Gegen ihren Willen beeindruckte sie seine ehrliche Offenbarung, und als der erste Ärger über seine Unverschämtheit verflogen war, betrachtete sie ihn aus ganz neuen Augen. Ein Mann, der offen zu seinen Fehlern stehen konnte, war selten. Und diese Aufrichtigkeit rechnete sie ihm hoch an.

In diesem Moment wagte sich die Kellnerin, die in diskretem Abstand von einem Fuß auf den anderen tretend, die Szene beobachtet hatte, mit zwei Cappuccino und der gewünschten Abrechnung für Helena an den Tisch zurück. Helena bezahlte ihre beiden Cappuccino, trotz seines beharrlichen Protests. Was ihr durchaus schmeichelte. Doch sie liebte ihre Selbständigkeit, und sie würde ihm zeigen, dass sie nicht zu der Sorte Frau gehörte, die sich von einem Mann aushalten ließ. Und nachdem sie die Fronten auf stumme Weise geklärt hatten, war es beinahe, als hätte sich ein Knoten gelöst. Sie lehnten sich entspannt zurück und genossen ihren Cappuccino, bis ein vernehmliches Räuspern erklang. „Okay, … der erste Versuch ging wohl klassisch in die Hose.“, setzte er schließlich erneut zu sprechen an und warf ihr einen vorsichtigen Blick zu. „Bekomme ich eine zweite Chance?“, fragte er mit dem hinreißendsten Lächeln, was Helena jemals gesehen hatte. Mit offenem Mund – ein Anblick, der nur zu deutlich die offensichtliche Fehlfunktion ihrer Synapsen zum Ausdruck brachte – starrte Helena ihn an, während ihre Gehirnfunktionen noch angeregt zwischen Anbetung und Abneigung debattierten. Schließlich siegte das Misstrauen. „Was genau ist der Grund dieser – zugegebenermaßen – einfallsreichen Einladung?“, begann Helena und machte sich nicht die Mühe, ihren Argwohn zu zügeln, den sie trotz der einvernehmlichen Frontenklärung nicht zu verbergen vermochte. Erstaunt über dieses beinahe schon angriffslustige Auftreten lehnte er sich über den Tisch näher zu ihr. „Ich wollte dich kennen lernen. Ist das nicht offensichtlich?“ Irritiert wandte Helena den Blick ab. Seine unverfrorene Direktheit verwirrte sie und raubte ihr auf direktem Weg die Worte von den Lippen. Sie räusperte sich, als sie spürte, dass ihre Wangen heiß wurden. Das heimliche Lächeln, welches sich in sein Gesicht stahl und ihr versicherte, dass ihre Verlegenheit nicht unbemerkt geblieben war, ließ das Zartrosa zugunsten eines hübschen Hellrots weichen. „Hast du deine Aufzeichnungen dabei?“, fragte er unvermittelt. Sie runzelte, irritiert von diesem abrupten Themenwechsel, die Stirn. „Warum?“ Er zuckte die Schultern. „Ich bin eben neugierig.“

Verunsicherung keimte in ihr auf und vertrieb die Verlegenheit. Von spontaner Nervosität erfasst, begann sie, auf ihrer Unterlippe herumzukauen, während ihre Augen unentschlossen durch den Raum huschten und einen Punkt suchten, auf den sie sich fixieren konnten, um sich von ihrer Unruhe abzulenken. Seine Augen machten sie nervös, und seine ungenierte Art verunsicherte sie mit jeder Sekunde mehr. „Ähem …, ja, hab ich.“, antwortete sie schließlich. Er lehnte sich noch näher zu ihr. „Darf ich sie sehen?“, fragte er frei heraus. Helenas Blick huschte kurz zur Tür. Augenblicklich war der Fluchgedanke wieder allgegenwärtig. Mensch, jetzt reiß dich zusammen, Helena … er wird dich schon nicht fressen. Und es ist bestimmt nicht verkehrt, eine zweite Meinung zu dem Referat einzuholen …, ging es ihr durch den Kopf. Sie schloss die Augen und ließ langsam den Atem entweichen, den sie unbewusst angehalten hatte. Schließlich gab sie sich einen Ruck, griff nach ihrer Tasche und kramte ihre handgeschriebenen Aufzeichnungen hervor, die sie erst heute in der Bibliothek fertig gestellt hatte. „Du kannst es bestimmt nicht lesen. Ich hab eine furchtbare Schrift.“, warnte sie mit einem entschuldigenden Lächeln und wagte einen winzigen Blick in seine Augen. Er griff über den Tisch, fasste nach den Papierbögen und berührte dabei wie zufällig ihre Finger, während er seinen Blickkontakt unbeirrt aufrecht erhielt. Als hätte sie in eine Steckdose gegriffen, zog sie abrupt ihre Hand zurück und sah ihn erschrocken an. Er schenkte ihr ein verschmitztes Lächeln und widmete sich mit sichtbarem Interesse ihren Aufzeichnungen. „Du hast eine hübsche Handschrift.“, bemerkte er nebenbei. Helena stieß ein leises Schnauben aus. „Wenn das ein Kompliment sein sollte, dann war das ein ziemlich mieser Versuch.“, konstatierte sie nüchtern und gab ihm zu verstehen, dass sie auf derartige Höflichkeiten gern verzichten konnte. Er lächelte leicht. „Nein, sollte es nicht, zumindest nicht in vordergründiger Absicht. Ich habe lediglich eine Tatsache laut ausgesprochen.“, antwortete er ungerührt und vertiefte sich schließlich in ihre Aufzeichnungen.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 05 2012, 08:22

Und für meine Katha-Maus noch einen Teil hinterher Wink Wink Wink


Teil 23



Verblüfft nahm Helena zur Kenntnis, dass er ihre Notizen augenscheinlich mit echtem Interesse studierte. Das hatte sie nicht erwartet. Sie war der festen Überzeugung gewesen, dass das Ganze nur ein Vorwand darstellen sollte, einen Flirtversuch zu starten. Oder um sich wichtig zu machen. Versteh einer die Männer. Auf sein Gesicht stahl sich ein leises Grinsen, fast so als hätte er ihre Gedanken vernommen. Und wieder keimte in ihr die Vermutung auf, dass er tatsächlich in der Lage war, sie mental zu hören. So ein Quatsch, Helena …, schalt sie sich. Sie spürte, wir ihr Herz zu flattern begann, während sie ihn, einem ungeduldigen Schüler gleich, der nervös auf das Urteil seines Lehrers erwartete, aufmerksam ansah. Sie musterte ihn schweigend, folgte seinen Augen, die vertieft über ihre Notizen flogen, und die sanfte Bewegung seiner Lippen, die ihre geschriebenen Worte zu kosten schienen. Versuchte die Mimik in seinem Gesicht zu ergründen, die alles und gleichzeitig nichts zu verraten schien. Und da sie ihn in ihrer Ungeduld nicht unterbrechen wollte, nutzte sie die erzwungene Pause – und seine tiefe Versunkenheit – und gönnte sich einen intensiveren Blick, um sein Gesicht zu studieren. Waren ihr bisher nur seine Augen wirklich aufgefallen, so musste sie erkennen, dass alles an seinem Gesicht von einer beinahe unwirklichen Schönheit war. Die dunklen langen Wimpern, die seine Augen umrahmten, verliehen ihnen noch mehr Tiefe, während seine dichten dunklen Augenbrauen seinen Zügen etwas Düsteres und Gefährliches gaben. Ihre Augen wanderten über die hohen ausgeprägten Wangenknochen und die schmale gerade Nase, die sich perfekt in sein Gesicht fügte. Schließlich blieb sie an seinen schmalen Lippen hängen, die fast einen Tick zu sinnlich für einen Mann wirkten. Seine Unterlippe bewegte sich im Takt ihrer geschriebenen Worte. Und unweigerlich fragte sie sich, wie sie sich wohl anfühlen würden. Hart, wie seine markanten Züge, die ihm gern diese arrogante Wirkung verliehen oder weich, wie die Sanftheit, die er in diesem Moment der Entspannung ausstrahlte. Wie es wohl sein würde, diese sinnlichen Lippen mit ihren zu berühren? Dieser Gedanke ließ augenblicklich eine ungeahnte Hitze durch ihre Adern schießen, gefolgt von einem warmes Brennen, während verborgene Gefühle leise in ihrem Bauch zu brodeln begannen. Ob er sich seiner Wirkung bewusst war? Bisher hatte sie nur seine arrogante Seite kennengelernt, während sich ihr in diesem Augenblick eine ganz andere Seite von ihm zu offenbaren schien. Als hätte er ihre intensive Musterung bemerkt, sah er kurz von dem Blatt Papier auf und lächelte, was Helena augenblicklich die Röte ins Gesicht trieb. Kaum eine Sekunde später war seine Aufmerksamkeit wieder auf das Geschriebene gerichtet und Helena wieder in das Studium seiner Gesichtszüge versunken. Diese außergewöhnliche Komposition aus männlicher Schönheit, Intellekt und ehrlichem Interesse faszinierte sie, während die Tatsache, was diese Kombination in ihrem Körper auslöste, sie gleichsam verwirrte. Ihr beschleunigter Herzschlag, die erhöhte Atemfrequenz und die Trockenheit in ihrer Kehle waren nicht nur Indizien dafür, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte. Überdeutlich und zweifellos warnte ihr ausgeprägter Menschenverstand durch das Chaos ihrer Hormone hindurch, dass sich hinter dieser unbestreitbaren Attraktivität etwas Gefährliches verbarg.

Zu allem Überfluss meldete sich ihre primitive Weiblichkeit zurück. Denn diese war ohne Zweifel beeindruckt. Und das entsprang nicht vorrangig dem Umstand, dass er attraktiv – eigentlich wirkte dieses Wort noch viel zu banal für einen Augenschmaus wie ihn – war. Noch nie in ihrem Leben hatte sie einen Mann erlebt, der sich derart brennend für Kunstgeschichte interessierte, dass er sogar freiwillig ein schnödes Referat las. Stephen hatte noch nicht einmal einen Blick für ihre Kunst übrig gehabt, geschweige denn, Interesse an ihrem Studium gezeigt. Ihr Blick glitt über seinen Hals zu seinen breiten Schultern, die in einen muskulösen Oberkörper übergingen, welcher in einem dunklen Shirt steckte. Und wieder einmal gewannen die Östrogene die Oberhand, als sie sich vorstellte, wie sie mit ihren Fingern seine Brustmuskeln nachzog, die sich deutlich unter seinem Shirt abzeichneten. Sie seufzte leise. Schade, dass er sitzt … Wenn der Rest seines Körpers genauso faszinierend ist, könnte ich ihn tatsächlich bedauern, dass er ein permanentes Opfer weiblicher Augen ist. In diesem Moment sah er auf und blickte ihr direkt in die Augen. Helena vergaß wegzusehen und wurde augenblicklich von dem strahlenden Grün seiner Augen gefesselt. Das müssen Kontaktlinsen sein. Solche grünen Augen hat kein normaler Mensch. Sie bemerkte, wie die Muskeln in seinen Wangen zuckten, und sie fragte sich, ob er über ihre Aufzeichnung schmunzelte oder es tatsächlich ihre Gedanken waren, ihn amüsierten. Wie auch immer, beides würde ihr nicht gefallen. Als er auf der letzten Seite angekommen war, sah er auf und schenkte ihr einen Blick, in dem sie Anerkennung zu lesen glaubte, sicher war sie sich aber nicht. „Nicht übel …“, erklärte er ungerührt. „Aber?“, warf Helena ein, da seine Bemerkung zweifellos eine Einschränkung verlangte. Er sortierte mit geschickten Handgriffen ihre Notizen und legte sie vor sich auf den Tisch, während sie auf das vernichtende Aber wartete. Er sah sie einen Moment nachdenklich an, fast so als versuche er, in ihrem Gesicht eine Erklärung für ihre Gedanken zu erkennen. „Nun, du erklärst in deinen Ausführungen, dass die Renaissance sich besonders deswegen manifestierte, weil zahlreiche Elemente des Gedankenguts der Antike neu entdeckt und belebt wurden.“, begann er. Helena nickte zustimmend. „Und was stimmt daran nicht?“, fragte sie mit leichtem Argwohn. Er lächelte. „Nichts. Das ist so durchaus korrekt.“, erklärte er. „Aber dennoch erklärt es nicht, warum die Renaissance ihren Ursprung in Italien hatte.“ Helena lehnte sich vor. „Ja, aber es ist doch hinlänglich bekannt, dass die Künste und Wissenschaften zu dieser Zeit vor allem in den italienischen Stadtstaaten wieder ein ähnlich hohes Ansehen wie im antiken Griechenland genossen. Die Künstler waren keine anonymen Handwerker mehr, sondern traten mit dem Selbstbewusstsein von vielseitig Gelehrten auf, so dass ihre Werke als individuelle Schöpfungen von hohem Rang angesehen wurden.“, widersprach sie entschieden. Er nickte zustimmend. „Ja, aber warum ausgerechnet Italien?“, hinterfragte er und sah sie erwartungsvoll an.

Helena überlegte einen Moment und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Sie musste zugeben, dass sie keine genaue Ahnung hatte. „Und was sagt der Experte?“, fragte sie schließlich mit einem leichten Anflug von Sarkasmus. Es gefiel ihr nicht, dass er so schnell einen Schwachpunkt in ihren Überlegungen entdeckt hatte. Genau genommen hatte sie selbst schon darüber nachgedacht, aber keine plausible Erklärung finden können. Er lächelte wissend und verschränkte elegant seine langen Finger ineinander. Eine Geste, die Helena für einen Moment aus dem Konzept brachte. Er hat wirklich schöne Hände … sehr gepflegt für einen Mann …, ging ihr unvermittelt auf, ehe sie nach einem kurzen prüfenden Blick auf ihre eigenen Finger diese beiläufig unter dem Tisch verschwinden ließ. „Es gibt verschiedene Theorien darüber. Aber die wohl einleuchtendste ist die, dass in Italien die Erinnerung an die Antike noch am lebendigsten war.“, fuhr er auf ihre Frage hin fort. „Und wie kommst du darauf?“, hakte Helena direkt nach. Die leise Herausforderung in ihrem Tonfall, mit der sie sich offenbar erhoffte, auch in seiner Annahme eine Schwäche zu entdecken, schien ihm nicht entgangen zu sein. Er lächelte auf seine gewohnt wissende Weise. „Italien war strategisch günstig gelegen, denn durch die Verbindungswege des Mittelmeerraums war es nach allen Seiten erschlossen. Die Handelszentren der Städte brachten es in Kontakt mit den entfernteren Gegenden, vor allem mit den Ländern des östlichen Mittelmeers.“ Er unterbrach sich kurz, ehe er hinzufügte: „Der Wohlstand, der durch den Handel entstand, ermöglichte es darüber hinaus, große öffentliche und private Kunstprojekte in Auftrag zu geben.“ „Also war der Wohlstand der Auslöser für die Stunde der Renaissance?“, resümierte Helena beinahe enttäuscht. „Ja, auch, aber nicht ausschließlich. Der Wohlstand hatte letztlich nur die Möglichkeit geschaffen, dieser Epoche einen maßgeblichen Schub zu verpassen.“ Mit einer eleganten Bewegung strich er sich durch sein verstrubbeltes schwarzes Haar, ein Anblick, der Helena für einen Moment das Atmen vergessen ließ. „Der eigentliche Auslöser war der Niedergang des Byzantinischen Reichs nach dem Vierten Kreuzzug bis hin zur Eroberung Konstantinopels durch die Türken. Das bewirkte, dass griechische Gelehrte nach Italien kamen, die wiederum das Wissen über die Kultur der griechischen Antike mitbrachten, welches im Byzantinischen Reich nach dem Untergang Westroms nahezu ein Jahrtausend lang eingefroren worden war.“, erklärte er. Helena hob beinahe ehrfürchtig die Brauen. Sie war tatsächlich ein wenig beeindruckt. „Das leuchtet ein. Und die anderen Theorien?“, hakte sie, angetan von seinem Wissen, nach und nahm einen großen Schluck von ihrem Cappuccino, der mittlerweile kalt geworden war. Sie verzog leicht angewidert das Gesicht ob des überraschend unangenehmen Geschmacks. Er grinste amüsiert, hob die Hand, nickte der Kellnerin hinter ihr zu und deutete ihr an, noch zwei weitere Cappuccino zu bringen. Helenas Blick richtete sich erneut aus dem Fenster. Ein paar Wolken hatten sich gebildet und störten ein wenig das sanfte Blau des strahlenden Nachmittaghimmels, was jedoch der Schönheit der Natur im Licht des jungen Frühlings keinen Abbruch tat.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 05 2012, 13:42

Mini, ich bin grad sprachlos und platt zu gleich. Diese Geschichte hat mir jetzt erst richtig in ihren Bann gezogen. Very Happy
Alleine die Unterhaltung in der Vorlesung über die Renessaince, der Zettel mit der Einladung...ich könnte noch hundert Dinge aufzählen, abe rich denke ich kann dir auch so sagen,wie toll und wunderschön geschrieben ich diese Geschichte finde.
Alleine wie du die beiden über Kunstgeschichte fachsimpeln lässt und Thomas und Mike das geheimnisvolle Auto anglotzen lässt. Einfach herrlich, jede einzlene Zeile ist ein Genuss.
Nicht zu vergessen natürlich die Verabredung mit dem Fremden.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 05 2012, 15:58

Und auch hier so wunderbare neue Teile.
Ich lag mit meiner ersten Vermutung also richtig. Der geheimnisvolle Gasthörer...
Faszininierend, wie er Helena mit scheinbarer Freude provoziert, vermutlich weil er selten Parolie geboten bekommt und es ihn daher irgendwie fasziniert sie zu reizen.
Gott sei Dank merkt er, dass er zu weit geht, obwohl sein Vorstoß sie einfach fest zu halten, ja irgendwie auch schon wieder von einer gewissen Arroganz begleitet ist, denn er geht ja offenbar davon aus, dass er sie damit zum Bleiben bewegen kann.

Und diese Anziehung zwischen Beiden einfach toll, ... und er wird tatsächlich offener und "netter". Aber es bleibt geheimnisvoll. Kann er ihre Gedanken lesen, ihr Gedanken schicken? Es bleibt die Frage, wer ist er überhaupt? Wie heißt er denn jetzt eigentlich? Sollte Helena vielleicht mal nach fragen...

Mini, ich fasel hier wieder wild drauf los. Weil sich so viele Eindrücke, Ideen und Fragen in mir tummeln.
Also, es hilft nichts. Es muss mehr her Rolling Eyes

Liebe Grüße und vielen Dank für den schönen Lese-Nachmittag, bevor mein Tagesprogramm jetzt weiter läuft.
Liebe Grüße
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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 05 2012, 18:22

Tastentante schrieb:
Mini, ich bin grad sprachlos und platt zu gleich. Diese Geschichte hat mir jetzt erst richtig in ihren Bann gezogen.
Alleine die Unterhaltung in der Vorlesung über die Renessaince, der Zettel mit der Einladung...ich könnte noch hundert Dinge aufzählen, abe rich denke ich kann dir auch so sagen,wie toll und wunderschön geschrieben ich diese Geschichte finde.
Alleine wie du die beiden über Kunstgeschichte fachsimpeln lässt und Thomas und Mike das geheimnisvolle Auto anglotzen lässt. Einfach herrlich, jede einzlene Zeile ist ein Genuss.
Nicht zu vergessen natürlich die Verabredung mit dem Fremden.

Liebe Grüße von Tastentante, die gerade in fremden Spheren schwebt Wink

Das freut mich wirklich zu lesen, meine Liebe. Da macht es wirklich Spaß, direkt weiterzuschreiben. Danke dir für deinen wunderbaren Kommi Smile

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 05 2012, 18:25

katha schrieb:
Und auch hier so wunderbare neue Teile.
Ich lag mit meiner ersten Vermutung also richtig. Der geheimnisvolle Gasthörer...
Faszininierend, wie er Helena mit scheinbarer Freude provoziert, vermutlich weil er selten Parolie geboten bekommt und es ihn daher irgendwie fasziniert sie zu reizen.
Gott sei Dank merkt er, dass er zu weit geht, obwohl sein Vorstoß sie einfach fest zu halten, ja irgendwie auch schon wieder von einer gewissen Arroganz begleitet ist, denn er geht ja offenbar davon aus, dass er sie damit zum Bleiben bewegen kann.

Und diese Anziehung zwischen Beiden einfach toll, ... und er wird tatsächlich offener und "netter". Aber es bleibt geheimnisvoll. Kann er ihre Gedanken lesen, ihr Gedanken schicken? Es bleibt die Frage, wer ist er überhaupt? Wie heißt er denn jetzt eigentlich? Sollte Helena vielleicht mal nach fragen...

Mini, ich fasel hier wieder wild drauf los. Weil sich so viele Eindrücke, Ideen und Fragen in mir tummeln.
Also, es hilft nichts. Es muss mehr her Rolling Eyes

Liebe Grüße und vielen Dank für den schönen Lese-Nachmittag, bevor mein Tagesprogramm jetzt weiter läuft.
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Das freut mich, dass ich dir einen angenehmen Lesenachmittag bescheren konnte. Und ja, wir nähern uns langsam dem großen Geheimnis an. Danke dir für deinen lieben Kommi. Und: Meinetwegen kannst du gerne faseln, ich lese sowas gerne Wink

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Sa Sep 08 2012, 11:15

Etwas Neues von mir. Viel Spaß beim Lesen Smile


Teil 24


Die Kellnerin trat heran und riss Helena aus ihren Gedanken. Wortlos stellte sie die beiden Cappuccino ab und verschwand wieder. Helenas Blick traf unvermittelt auf seinen, und erneut packte sie eine Welle der Verlegenheit, als sie bemerkte, dass er sie intensiv musterte. Hastig griff sie nach ihrer Tasse und trank einen Schluck, was sie sofort bereute. „Autsch …“, murmelte sie und stellte die Tasse ab. Sie hätte wissen müssen, dass der Cappuccino heiß war, und sie sich, in diesem Fall die Oberlippe, die sie nun geistesgegenwärtig in den Mund sog, verbrennen würde. Mit ihrer Zunge versuchte sie, den Schmerz zu lindern. Zum Glück hatte sie sich diese nicht auch noch verbrannt. Als wäre nichts geschehen, sah sie auf und begegnete seinem leicht amüsierten Grinsen. Er verbiss sich eine freche Bemerkung, starrte sie einfach nur an und beobachtete hingerissen ihre Reaktionen auf den heißen Cappuccino. „Also …, was war noch der Grund für den Beginn der Renaissance?“, unterbrach Helena das unangenehme Schweigen und versuchte, ihn von sich abzulenken. Er räusperte sich und fand nach einem kurzen Ausflug in eine alternative Welt in die Realität zurück. „Eine weitere Theorie macht den Schwarzen Tod und die daraus resultierende Änderung der Weltanschauung im vierzehnten Jahrhundert für die Renaissance verantwortlich.“, fuhr er einen kurzen Moment später fort. „Die Pest?“, warf Helena erstaunt ein. Er nickte und sah ihr dabei fest in die Augen. „Der schwarze Tod und seine mit ihm einhergehenden Qualen für die Menschen stärkte die Konzentration auf das Irdische statt auf Spiritualität und Jenseits.“, erwiderte er wie selbstverständlich. „Es erklärt jedoch nicht, warum die Renaissance in Italien begann.“, konterte sie und warf ihm einen herausfordernden Blick zu. Er lachte und nickte. „Ja, da hast du Recht. Bei der Pest handelte es sich um eine Pandemie, die überall in Europa wütete, nicht nur in Italien. Daher muss die Renaissance wohl auch eher als komplexes Zusammenspiel aller Einzel-Faktoren gesehen werden – wo wir dann wieder in Italien wären.“ Helena nickte bedächtig. Diese Informationen waren ihr nicht neu, aber aus dieser Sicht hatte sie sie noch nicht betrachtet. Und das alles zusammen machte vieles verständlicher. Sie seufzte ergeben, und er warf ihr einen bedauernden Blick zu. „Das heißt dann wohl, ich muss meine Aufzeichnungen noch mal überdenken.“, fasste die resigniert zusammen. Ihr Gegenüber lächelte milde und schüttelte aufmunternd den Kopf. „Nein, musst du nicht. Du solltest vielleicht deinen Einstieg noch ein bisschen vertiefen.“ Helena nickte stumm, nicht sicher, ob er einfach nur nett sein und sie sich direkt als unwissend abstempeln wollte oder ob er es tatsächlich so meinte. „Dein Referat ist gut und ich denke, Madame Petite wird mit deiner Leistung zufrieden sein.“, munterte er sie auf und traf damit unbeabsichtigt einen sensiblen Nerv.

„Gut? … Zufrieden?“, gab Helena unwillig zurück. Zufrieden war ein Ausdruck, mit dem sie sich grundsätzlich nicht begnügte. Und gut? Gut, bedeutete, dass jemand noch besser war. „Was ist mit dem Rest? Gibt es noch mehr, was ich verbessern muss?“, fragte sie nun sichtlich begierig darauf, sein Wissen für sich zunutze zu machen. Er überlegte einen Moment. „Du musst nichts verbessern, ehrlich. Ich gebe dir nur ein paar Tipps, was ich vielleicht anders gemacht hätte. Deine Ausführungen sind gut, und das meine ich auch so.“, erklärte er. Ihm war nicht entgangen, dass seine Reaktion sie verunsichert hatte. Helena stieß geräuschvoll die Luft aus und sah ihn fragend an. Sie zwang sich zu einem scheuen Lächeln, was keineswegs ihre Befriedigung ausdrückte und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. „Und? Was ist nun mit dem Rest?“, fragte sie beharrlich. Er lachte belustigt auf und sah sie – hatte sie das richtig interpretiert? – verlegen an. „Na ja, vielleicht solltest du die Unterschiede zwischen der Renaissance und dem nachfolgenden Barock noch etwas mehr detaillieren und die Überleitung ein wenig ausbauen.“, schlug er vor. „Zum Beispiel?“, fragte sie, jetzt ohne eine Spur von Sarkasmus, sondern mit echter Neugier. „Die Übergangsform wird als Manierismus bezeichnet …“, erklärte er. „Die Spätrenaissance.“, bestätigte Helena. Er nickte zustimmend. „Genau, und die innovativen Stilelemente des Manierismus wurden letztlich vom Barock aufgegriffen, weshalb Frühbarock und Manierismus häufig verwechselt werden. Dennoch gibt es einen großen eindeutigen Unterschied.“ „Ja, der Manierismus wendet sich an den Intellekt und liebt geistige Spielereien …“ Er nickte bestätigend. „… während der Barock als Kunstform der Gegenreformation sich an das religiöse Gefühl wendet und versucht zu belehren, statt zu überzeugen.“, ergänzte er ihre Ausführungen. „Spätgotik und Renaissance stehen einander eher zwiespältig gegenüber, während die typischen Merkmale des Barocks allmählich und unmittelbar aus der Renaissance herauswachen. Die beiden Epochen sind mehr verwandt, als fremd. Der Barockstil löst die auf Einheit und Ruhe hinzielende, klar gliedernde Kunst der Renaissance ab. Er übernimmt zwar deren Formelemente, versucht sie aber durch Häufigkeit und Übersteigerung selbiger und einem Streben nach Reichtum und Bewegtheit im Ausdruck zu übertreffen.“, erläutert er.

„Stimmt, die regierenden Fürsten benutzten die Kunst des Barocks vorrangig, um ihren Reichtum und ihre Macht zu zeigen und sich gegenseitig an Prachtentfaltung zu übertreffen … Im Prinzip eine Protz-Epoche.“, meinte Helena mit einem knappen Schulterzucken. „Versailles und Ludwig XIV sind das beste Beispiel dafür.“, konstatierte Helena ein wenig abfällig. Er blickte amüsiert auf. „Ja, und ganz besonders die Kirche machte sich das zunutze, um letztlich die Gläubigen wieder in ihre heiligen Hallen zu locken.“ Helena seufzte. „Tja, der Mensch war schon immer ein wankelmütiges Wesen.“ „Vor allem, wenn es um Macht und Geld geht.“, bestätigte er seufzend. „Das hat sich bis heute nicht geändert. Im Gegenteil, es ist von Jahrhundert zu Jahrhundert schlimmer geworden. Nur früher waren es Prachtbauten und Prunkgemälde, mit denen man versuchte, die Konkurrenz abzuhängen, heute sind es schnelle Autos und gut gefüllte Bankkonten.“, bemerkte er mit treffender Polemik. Eine Weile sahen sie sich schweigend an. Dann brachen beide in zaghaftes Gekicher aus. „Woher weißt du soviel über die Kunstgeschichte?“, fragte sie beiläufig. Er zuckte gelassen die Schultern. „Ich bin eben viel rumgekommen.“, entgegnete er lakonisch. Helena sah ihn mit vorsichtiger Bewunderung an und schüttelte gelassen den Kopf. Da steckt doch mehr dahinter …, mutmaßte sie. Von ein bisschen in der Welt herumkommen gewinnt man kein derart tiefgründiges Wissen. Sie neigte den Kopf, musterte ihn mit offenem Interesse und schüttelte schließlich lächelnd den Kopf. „Was ist?“, wollte er wissen. „Du kommst mir nicht vor wie ein normaler Student mit einer schlichten Affinität für die Kunst.“, bemerkte sie und ihr Blick verlor sich an einem Punkt über seiner Schulter. „Wenn ich dich reden höre, habe ich irgendwie das Bild eines Gelehrten vor mir, der sein Wissen eigens durch die Erfahrungen der Jahrhunderte erlangt hat, die er selbst durchschritten hat.“ Überrascht blinzelte er sie an, ehe er auf eine Weise, die man wohl als verlegen bezeichnen würde, den Kopf senkte. Eine Reaktion, die Helena ein spontanes Lächeln entlockte. Dieser Mann war ein Rätsel, … aber Rätsel waren dazu da, gelöst zu werden.

Als sich die Sonne dem westlichen Horizont näherte und sich das Licht orange färbte, sah Helena auf ihre Uhr und zuckte erschrocken zusammen. Viertel nach fünf. „Meine Güte, … schon so spät.“, flüsterte sie und sah ihren Gegenüber erstaunt an. Bildete sie sich das nur ein oder trübten sich seine Augen ein wenig? Die Zeit war so unglaublich schnell vergangen. Sie erwiderte seinen Blick mit einem zaghaften Lächeln. „Ich muss gehen. Es ist schon spät.“ Er nickte stumm, und sein Blick wirkte nun tatsächlich traurig. Sie bezahlten und verließen schließlich das Café. Schweigend blieben sie vor dem Eingang stehen. „Kann ich dich nach Hause bringen?“, fragte er vorsichtig. Irgendwie war er sich sicher, dass sie ablehnen würde. Nachdem das Treffen einen so holprigen Start genommen hatte, hatte es sich zwar schnell in eine ganz andere Richtung entwickelt, aber er war dennoch davon überzeugt, dass es nicht ausreichen würde, um sie noch ein wenig länger in seiner Nähe wissen zu dürfen. Er hatte gemerkt, wie sie ihn gemustert hatte. Er hatte sie nicht davon abgehalten, hatte er ihre Blicke auf sich doch genossen. Und auch seine Augen hatten mit Freude betrachtet, was sie ihnen geboten hatte. Unauffällig, genau wie ihre Gedanken, die ihm einen inneren Triumph beschert hatten. Sie begehrte ihn auf eine zaghafte unsichere Weise, dessen war er sich sicher. Und auch er sehnte sich immer mehr nach ihrer Nähe. Als er sie vorhin an sich gedrückt hatte, hatte sie sich so gut an ihm angefühlt. Es hatte ihn betrübt, als sie ihn aufgefordert hatte, sie los zu lassen. Und jetzt standen sie hier draußen in der Dämmerung, und er hoffte, diesen Moment noch eine kleine Ewigkeit ausdehnen zu können. Doch seine Hoffnung verschwand, als er ihr Kopfschütteln wahrnahm. „Danke, aber das ist nicht nötig. Ich nehme die nächste Bahn und bin dann auch gleich zu Hause. Dass dem nicht so war, wusste er genauso gut wie sie. Aber er würde sich hüten, sie über dieses Wissen in Kenntnis zu setzen. „Mein Auto steht gleich um die Ecke.“, versuchte er es ein zweites Mal. Helena erinnerte sich an Beths Worte, die sie davor warnten, mit einen Fremden aus dem Schutz der Öffentlichkeit zu treten. Sie lächelte leicht und schüttelte abermals den Kopf. Er war zwar nicht wirklich ein Fremder für sie – nicht mehr – aber er war ihr fremd genug, um ihre Privatsphäre vor ihm verschlossen zu halten. Und eine Fahrt quer durch die Stadt in nächster Nähe neben ihm in seinem Auto ein zu deutlicher Vorstoß in ihre Privatsphäre. Die tägliche Presse war voll von Fällen, in denen gutgläubige Menschen anderen – nicht unbedingt Fremden – einfach blindes Vertrauen geschenkt hatten. Und am Ende wurden sie schlimm zugerichtet in irgendwelchen Hinterhöfen zwischen Mülltonnen, gebettet auf Katzenkot und Essensresten gefunden.

Nein Danke. Helena gehörte keineswegs zu dieser leichtgläubigen Sorte. Von einem charmanten Lächeln und einem attraktiven Äußeren hatte sie sich noch nie blind verleiten lassen – na gut, bis auf ein, zwei Mal. Aber sie würde kein drittes Mal auf diese Masche reinfallen, auch wenn es ihr bei diesem Exemplar ziemlich schwerfiel. Davon mal abgesehen wusste sie nichts über ihn, und sie war nicht bereit, irgendein Risiko einzugehen, indem sie einer hübschen Fassade leichtfertig Vertrauen schenkte. Die Gutaussehendsten sind immer die Schlimmsten …, ging es ihr betrübt durch den Kopf. Und ehe du es dich versiehst, hat er dich unter einem fadenscheinigen Vorwand in die ewigen Jagdgründe geschickt. Sie seufzte leise. Ach Helena, warum guckst du dir immer die Sorte attraktiver, gebildeter Mann mit nettem Charme aus? Nathan war auch so … genauso wie Stephen, und beide waren Blindfliegen … Und mit ihm wird es auch so sein … Wie wäre es zur Abwechslung mal mit klein, untersetzt und pickelig? Sie zuckte unmerklich die Schultern. Zumindest müsste ich mir im Falle des Scheiterns nicht vorwerfen lassen, dass ich einer schlichten Oberflächlichkeit aufgesessen bin. Es zählten schließlich immer noch die inneren Werte. Dennoch musste sie zugeben, dass seine Einladung sie durchaus reizte und ein kleiner egoistischer Teil in ihr hoffte insgeheim, dass sie sich wiedersehen würden. Sie reichte ihm die Hand, um sich zu verabschieden. Er ergriff sie, und eine Sekunde später fand sie sich in seinen Armen wieder. Erschrocken keuchte sie auf, als sie ihn abermals so dicht an sich fühlte. Ihre Gesichter waren so nah, dass sie der Wärme seines Atems gewahr wurde. Sie schloss die Augen und ließ sich von seinem unwiderstehlichen Duft benebeln. Ob er mich küssen würde? Sie riss die Augen auf, verängstigt von ihren eigenen frivolen Gedanken. Doch dann räusperte sie sich vernehmlich, reckte sich vor und gab ihm einen scheuen Kuss auf die Wange. „Danke für den schönen Nachmittag.“, flüsterte sie und löste sich alsbald aus seinen Armen. „Sehen wir uns wieder?“, fragte er unvermittelt und fing erneut ihren Blick ein. Sie hob die Schultern und lächelte schüchtern. „Wer weiß.“ Dann wandte sie sich ab und lief den Weg zurück, den sie vor knapp drei Stunden gekommen war. Sie zwang sich, sich nicht nach ihm umzusehen. Doch der Drang, einen Blick zurück zu werfen, war größer. Sie sah über ihre Schulter. Er stand noch immer an derselben Stelle und sah ihr mit starrem Blick nach. Er fühlte noch immer die Wärme ihrer Umarmung. Und die heiße Spur ihrer Lippen auf seiner Wange flammte auf seiner Haut wie ein Brandzeichen. Es fühlte sich gut an – sogar sehr gut. Und nicht nur das. Ab heute würde alles leichter werden. Diese kurze Offenbarung ihrer Seele hatte es bewirkt. Er lächelte, während er ihr nachsah, bis sie verschwunden war. Erst dann wurden Atem und Herzschlag merklich ruhiger. Mit einem Seufzer tiefer Sehnsucht, die ihn Stunde um Stunde mehr zu quälen begann, wandte er sich um und steuerte auf sein Auto zu, welches er eine Straße weiter geparkt hatte.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Sa Sep 08 2012, 20:31

Teil 25


Die ganze Bahnfahrt über musste Helena an ihn denken. So sehr sie sich auch bemühte, er ging ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf. Er hatte sie wahrlich in seinen Bann gezogen. Seine Augen brachten ihr Blut zum Kochen und ihre Wangen wurden heiß, wenn sie an das verführerische Grün dachte. Wie er sie angesehen hatte. Und wie sich sein Körper an ihrem angefühlt hatte. Dass sie ihn auf die Wange geküsst hatte, war aus einer inneren Spontaneität heraus passiert, die sie nicht rechtzeitig hatte aufhalten können. Sie hätte ihn so gern auf diese weichen sinnlichen Lippen geküsst, aber sie hatte sich nicht getraut. Davon mal abgesehen, wäre das auch ziemlich unpassend gewesen, schließlich waren sie sich vollkommen fremd. Sie hatte ihn noch nicht mal nach seinem Namen gefragt. Sie lachte leise. Gott, Helena, du bist so ein dummes Schaf … du schmachtest einen wildfremden Kerl an wie ein hormonsüchtiger Teenager und weißt noch nicht mal, wie der Typ heißt …, schalt sie sich unvermittelt, als ihr dieser Tatbestand bewusst wurde. Sie hatte sich so sehr von diesen wunderschönen grünen Augen ablenken lassen, dass sie selbst die einfachsten Grundregeln der Konversation nicht mehr auf dem Plan hatte. Nun ja, wenn sie ehrlich war, hatte er sie schon ziemlich verwirrt. Obwohl, wenn man es recht bedachte, hatte er sie auch nicht nach ihrem Namen gefragt. Augenblicklich sank ihre Stimmung auf den Nullpunkt. Was hatte das zu bedeuten? Wollte er sie am Ende gar nicht näher kennenlernen? Aber warum hätte er dann fragen sollen, ob wir uns wiedersehen? …, ging es ihr durch den Kopf. Betrübt schüttelte sie den Kopf und starrte aus dem Fenster. Nur eine Floskel … eine unbedeutende Floskel unter vielen unbedeutenden Floskeln … Sie seufzte leise und schloss die Augen, versuchte, dieses verführerisch schöne Lächeln mitsamt dieser unwirklich grünen Augen zu verbannen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, Helena …, sagte sie zu sich. Das jetzt hat keine Basis …

Und während die Bahn mit monotonem Gerumpel über die Gleise holperte, versuchte Helena diesen Anflug von Traurigkeit zu verbannen, der sie augenblicklich übermannt hatte. Jetzt würde sie vermutlich nie herausfinden, wie sich ein Kuss von ihm angefühlt hätte. Was soll’s … vergiss ihn einfach … je schneller, desto besser ... Ihr Blick glitt zur Anzeigetafel. Noch zwei Stationen, dann musste sie aussteigen. Trotz des frühen Abends war die Bahn erstaunlich leer. Sie hatte mit dem Andrang der arbeitenden Bevölkerung gerechnet, die ihren verdienten Feierabend antrat. Umso erleichterter war sie, dass sie einen freien Platz hatte ergattern können. So konnte sie in Ruhe ihren Gedanken nachhängen, wie sie es so gerne tat, wenn sie allein war. Was sie häufig war, seit Stephen sie sitzen gelassen hatte. Sie gab sich die größte Mühe, ihre trüben Gedanken von etwas Positiven abzulenken, aber entweder sie drifteten zu dem schönen Unbekannten in dem Café, der es offenbar nicht für nötig hielt, sie nach ihrem Namen zu fragen, oder zu dem attraktiven Typen, der ihr so einfühlsam bei ihrem Referat geholfen hatte. Gott, hör auf, über ihn nachzudenken … das bringt doch nichts. Du siehst ihn ohnehin nie wieder. Wie auch, du hast keinen Namen und erst recht keine Telefonnummer …, schimpfte sie innerlich, woraufhin sie sich keineswegs besser fühlte. Die Bahn hielt, und Helena stieß erleichtert die Luft aus. Als sie den Bahnsteig betrat, empfing sie die angenehm kühle Abendluft. Sie schloss die Augen und sog die frische Luft ein. Dann wandte sie sich um und machte sich auf den Weg, in der Hoffnung, ihren Kopf wieder frei zu bekommen. Sie war auf dem besten Weg, sich in einen Kerl zu vergucken, den sie gar nicht kannte. Und das war einfach nur unvernünftig. Sie durfte nicht denselben Fehler noch einmal machen. Noch eine Rundfahrt durchs Verderben würde sie nicht verkraften. Sie holte tief Luft und nahm sich vor, diesen Nachmittag einfach abzuhaken und sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren – ihr Studium und ihre Kunst. Eine flüchtige Schwärmerei brachte sie nicht weiter. Im Gegenteil, sie sorgte dafür, dass sie ihr Ziel aus den Augen verlor.

Als Helena vor ihrer Haustür ankam, fuhr sie erschrocken zusammen, als sie im Halbdunkel plötzlich eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahrnahm. Hastig wandte sie sich um und blickte in ein ihr vertrautes Gesicht. Augenblicklich sank ihre Laune, die sie nur mühsam auf den letzten paar Metern hatte anheben können, bis weit unter den Gefrierpunkt. Eine Sekunde später bereute sie es, dass sie sich gegen das Angebot des Fremden entschieden hatte, sie nach Hause zu bringen. „Hi Helena.“, begrüßte er sie auf eine fröhlich lässige Weise, als hätten sie eine Verabredung, die sie versehentlich in die hinterste Ablage verschoben hatte. Angestrengt nestelte Helena an dem Türschloss und versuchte, den Schlüssel in das Schloss zu bekommen, während sie sich innerlich immer wieder ermahnte, ihn einfach zu ignorieren. Es fiel ihr schwer, weil eine innere Unruhe sie augenblicklich in Alarmbereitschaft versetzt hatte. Und seltsamerweise hatte sie das Gefühl, dass nicht Mike, der sie im Moment wie ein selten treudoofer Retriever anguckte, der wirkliche Auslöser war. Irgendein irrationales Empfinden sagte ihr, dass sie hier schleunigst verschwinden sollte. Und was das betraf, hatte sie gelernt, auf ihre körpereigenen Signale zu vertrauen. „Hallo Mike.“, erwiderte sie so gelassen wie möglich und fand endlich das Schlüsselloch. Eine Sekunde später riss sie die Tür auf, schlüpfte in Windeseile ins Haus und versuchte die Tür zu schließen. Doch Mike war schneller, stellte den Fuß in die Tür und verhinderte, dass sie selbige schließen konnte. „Helena … bitte, lass uns reden.“, bettelte er und setzte wieder diesen traurigen Retriever-Blick auf, der Helena augenscheinlich besänftigen sollte – und es auch fast tat. Jedoch besann sie sich noch rechtzeitig, warf Mike einen erbosten Blick zu und stieß ein leises Zischen aus. Mike hob ergeben die Hände und seufzte leise. „Bitte … ich weiß, dass ich mich wie ein Vollidiot benommen habe.“ „Wow, was für ein elementarer Schnellmerker du doch bist.“, giftete sie zynisch und funkelte ihn angrifflustig an. „Aber offenbar kann dein Hirn Informationen nicht allzu lange speichern. Mit Verlaub, du benimmst dich soeben wieder wie ein Vollidiot.“ Mike verzog sichtlich angepisst das Gesicht und senkte reumütig den Kopf. „Bitte …“ „Nimm’s mir nicht übel, aber ich habe kein Interesse.“, gab sie ihm kühl zu verstehen, während sie innerlich betete, er möge sich auf ihre erneute Abfuhr nicht zu irgendeiner hirnrissigen Tat verleiten lassen. Allein bei dem Gedanken lief ihr ein eisiger Schauer über den Rücken. Mann, warum muss immer ich an die Schwachmaten-Riege geraten …, ging es ihr frustriert durch den Kopf. Als Mike keine Anstalten machte, ihrer recht forsch ausgesprochenen Bitte nachzukommen, gab sie der Tür unvermittelt einen heftigen Stoß und knallte sie grob gegen seinen Fuß. Genau in dem Moment, in dem Mike aufbrüllte und seinen Fuß schmerzhaft aus der Tür zog und sie selbige daraufhin schloss, trat eine weitere Person aus der Dunkelheit ins Licht der Außenbeleuchtung. Ihr Blick streifte ihn flüchtig und das was sie sah, ließ sie erschrocken zusammenzucken. Er?

Instinktiv kniff sie die Augen zusammen und fixierte ihn genauer. Nein, das ist er nicht …, widersprach sie sich selbst. Irgendetwas war anders an diesem Typen, doch sie kam nicht drauf. Tse … ganz klar, … sein Klamottengeschmack … so etwas Geschmackloses trägt doch kein normaler Mensch … Innerlich schüttelte sie sich vor Abscheu, als ihr Blick auf eine helle weite Hose fiel und eine Art Jacke oder Poncho, deren Stil sie nicht wirklich einordnen konnte. Vielleicht ist er ja aus einem Karnevalsverein abgehauen …, ging es ihr flüchtig durch den Kopf, ehe sie ihre Begutachtung fortfuhr. Er war recht hochgewachsen und mit genau den feingemeißelten Gesichtszügen ausgestattet, die ihr Unbehagen heraufbeschworen hatte. Trotzdem, … irgendwas war anders. Und dann dämmerte es ihr? Gott, warum hatte sie das nicht gleich gesehen. Er war blond. Wie konnte er auf einmal blond sein? Oder wurde sie jetzt schon völlig irre? Er trat einen Schritt näher. Mit zitternden Händen drehte sie den Schlüssel im Schloss und flüchtete, als wäre der Teufel persönlich hinter ihr her, in ihre Wohnung. Mit einem lauten Knall fiel die Tür hinter ihr ins Schloss, ehe sie erschöpft und mit rasendem Puls an selbiger zu Boden. Verdammt, was war das? Warum war sie so panisch gewesen? Und was machte er hier? Nein, das war er nicht …, beharrte ihre innere Stimme. Eilig schüttelte sie den Kopf und vertrieb das Schreckgespenst. Dann atmete sie ein paar Mal tief durch und rappelte sich wieder auf. Schwerfällig trat sie sich ihre Schuhe von den Füßen und streifte ihre Jacke ab. Ohne Umwege trottete sie in ihr Badezimmer, drehte den Hahn auf und ließ Wasser in die Wanne ein. Ein entspannendes Bad war im Moment genau das Richtige für ihre strapazierte Seele. Nach diesem mehr als aufreibenden Moment an der Haustür gehörte der heutige Tag eindeutig in die Kategorie „Ablegen und schleunigst vergessen“. Während das Wasser in die Wanne lief, ging sie sämtliche Fenster ab und prüfte, dass sie auch wirklich alle geschlossen waren. Warum sie das tat, wusste sie nicht genau. Doch das unruhige Gefühl in ihrem Inneren befahl ihr geradezu, dass sie sich absichern musste. War das der Auftakt zu einer ernstzunehmenden Paranoia? Verstört schüttelte sie den Kopf und zog die Vorhänge vor ihrem Balkonfenster zu. Nachdem sie die Fenster vorsorglich ein zweites Mal geprüft und alle übrigen Vorhänge ebenfalls geschlossen hatte, kehrte sie ins Badezimmer zurück und schaltete den kleinen CD-Player an, der auf einem Schränkchen stand.

Sekunden später füllte sich der Raum mit den entspannenden Klängen romantischer Klaviermusik. Sie zündete ein paar Kerzen an, die um die Wanne gruppiert waren, stellte den Wasserhahn ab und entkleidete sich. Zwei Minuten später glitt sie in das warme Wasser und lehnte sich entspannt zurück. Der zarte Duft von Freesien und Lavendel – ihr Lieblingsduft – umhüllte sie und schenkte ihr ein Gefühl von Ruhe. Nach und nach fiel die Anspannung von ihr und sie ergab sich der wohltuenden Wärme, die ihren Körper umspielte. Ihre Gedanken kreisten um die Erlebnisse des Tages, drifteten die Stunden zurück, die sie gesammelt hatten, bis sie schließlich wieder in dem kleinen gemütlichen Café mit der atemberaubenden Aussicht saß, ihr gegenüber der Fremde mit den grünen Augen, der sie auf eine geheimnisvolle wissende Weise anlächelte. Etwas an ihm zog sie magisch an, und je mehr sie über ihn nachdachte, umso mehr beschlich sie das Gefühl, dass ihn etwas umgab, was sie nicht greifen würde können. Unweigerlich drängte sich ihr die Frage auf, was sich hinter diesem attraktiven Gesicht und dem atemberaubenden Körper verbarg. Und was hatte es mit diesem Blonden auf sich, der ihm so ähnlich schien? Verwirrt von diesen Gedanken schüttelte Helena den Kopf. Schließlich schloss sie die Augen, sank tiefer in die Wanne, bis ihr Kopf so weit unter Wasser schwebte, dass sie nur noch das Rauschen ihres eigenen Körpers hören konnte. Erfüllt von diesem angenehmen Rauschen, fühlte sie in sich und sank in eine tiefe befriedigende Ruhe ein, die sie bedingungslos annahm. So trieb sie eine Weile dahin, weit entfernt vom Ballast des Alltages und jener erdrückenden Welt mit ihren Fragen und Rätseln, die sie nicht zu ergründen vermochte. Eine gefühlte Ewigkeit später, als ihre Haut schon ganz schrumpelig und das Wasser den Großteil seiner Wärme verloren hatte, erhob sie sich und stieg aus der Wanne. Sie fühlte sich entspannt, befreit und unglaublich müde. Mit wenigen Handgriffen trocknete sie sich ab, wickelte sich in ihren Bademantel ein und trottete ins Wohnzimmer. Die Uhr zeigte halb Neun. Einen Moment lang schwirrte ihr Blick zwischen Fernbedienung und dem Sofa hin und her. Schließlich zuckte sie träge die Schultern, ließ die Fernbedienung auf dem Tisch liegen und steuerte direkt ihr Schlafzimmer an. Sie überließ sich ihrer Müdigkeit und folgte ihren Gedanken in die Träume.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Sa Sep 08 2012, 21:42

So, jetzt habe ich mir die Zeit genommen und habe das ein oder andere nochmal nachgelesen, um die neuen Erkenntnisse irgendwei einordnen zu können. Aber du bist in deiner Verwirrungstaktik einfach zu gut.
Ok, die Vermutung, dass es sich bei dem Fremden und Goldlöckchen um Brüder handelt, liegt irgendwie nahe, aber ansonsten ... confused
Sind das die Beiden aus der Kneipe? Was sind sie? Was wollen sie? Und ist der "Fremde" der Kerl aus dem Prolog?

Fragen, Fragen, Fragen, und es hört nicht auf... Rolling Eyes

Ich bin ja so gespannt... bounce

Liebe Grüße, Katha
(und du weißt schon, dass meine Suche nach Zusammenhängen auf Kosten meiner Schreibzeit geht... .
Ach ja, den Kommi kopier ich mir jetzt einfach mal. Ich befürchte, den kann ich jetzt noch gefühlte 100 mal benutzen, bevor ich schlauer bin :| )

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   So Sep 09 2012, 14:14

katha schrieb:
So, jetzt habe ich mir die Zeit genommen und habe das ein oder andere nochmal nachgelesen, um die neuen Erkenntnisse irgendwei einordnen zu können. Aber du bist in deiner Verwirrungstaktik einfach zu gut.
Ok, die Vermutung, dass es sich bei dem Fremden und Goldlöckchen um Brüder handelt, liegt irgendwie nahe, aber ansonsten ... confused
Sind das die Beiden aus der Kneipe? Was sind sie? Was wollen sie? Und ist der "Fremde" der Kerl aus dem Prolog?

Fragen, Fragen, Fragen, und es hört nicht auf... Rolling Eyes

Ich bin ja so gespannt... bounce

Liebe Grüße, Katha
(und du weißt schon, dass meine Suche nach Zusammenhängen auf Kosten meiner Schreibzeit geht... .
Ach ja, den Kommi kopier ich mir jetzt einfach mal. Ich befürchte, den kann ich jetzt noch gefühlte 100 mal benutzen, bevor ich schlauer bin :| )

Ja ja, Fragen über Fragen ... und die Antworten kommen nur spärlich und langsam. Ich bin ja so ein böses Mädchen. Aber so bleibt die Spannung wenigstens noch ein wenig erhalten. Mhmm, der Typ aus dem Prolog ... Das klärt sich noch. Dann wirst du es wissen, ob du Recht hast mit deiner Vermutung. Razz Razz Razz

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mo Sep 10 2012, 20:53

Teil 26


Wütend trat Mike gegen das Sofa. Der aufflammende Schmerz in seinem Fuß erinnerte ihn sofort wieder daran, dass Helena ihm selbigen mit ordentlich Schmackes in der Tür eingeklemmt hatte. Verdammte Scheiße …, fluchte er innerlich. Goldlöckchen ließ sich auf das Sofa sinken und sah ihn mit einem selbstgefälligen Blick an. Mikes Augen verengten sich. Es wurmte ihn gewaltig, dass er sich vor diesem Schönling zum Volldeppen der Nation gemacht hat. Gut, es war nicht das erste Mal, dass Helena ihn abblitzen lassen hatte, aber dass Goldlöckchen einen Logenplatz hatte, um das Spektakel aus nächster Nähe verfolgen zu können, ließ ihn fast seine gute Erziehung vergessen. Knirschend mahlten seine Zähne, während er von Goldlöckchens gehässigem Selber–Schuld–wenn–du–so–blöd–bist–Blick nicht verschont blieb. Halt bloß die Fresse, mein Freund … „Du bist echt der primitivste Blödmann, der mir je begegnet ist. Und glaub mir, mir sind schon viele über den Weg gelaufen.“ Mike ballte die Hände zu Fäusten. Es fehlte tatsächlich nicht viel, und er hätte die attraktive Visage dieses Schönlings zu Mus verarbeitet. Aber das würde am Ende nur die hübschen Sofakissen versauen, also riss er sich zusammen. Selbst wenn er im Moment nichts lieber täte, als seine Fäuste sprechen zu lassen, er gehörte nicht zu der Sorte Mann, der auf diese Weise kommunizierte. Um seinem Frust dennoch ausreichend Luft zu machen, setzte er seinen finstersten Blick auf, in der Hoffnung, Goldlöckchen würde über ausreichend Intelligenz verfügen, um seine Miene richtig zu deuten. „Dass so was wie du überhaupt einen Schwanz tragen darf …“, murmelte der Schönling. „Halt doch einfach die Klappe, du Jesus für Arme.“, fauchte Mike den Blonden unvermittelt an. Er stand kurz vorm Explodieren. Goldlöckchen zog seine rechte Augenbraue hoch und neigte fragend den Kopf. „Wer ist Jesus?“ Stöhnend rollte Mike die Augen und stieß eine Litanei an Flüchen aus, ehe er sich umwandte und seinen Blick auf das dunkle Schweigen jenseits der Terrassentür richtete. Vollpfosten … „Und was machen wir jetzt?“, fragte Mike nach einer Weile ziemlich ratlos. „Wir?“, echauffierte sich der Blonde, der inzwischen recht gemütlich die Füße auf dem Sofa hochgelegt hatte, mit einem Anflug von Amüsement in der Stimme. „Du, mein Freund. Du wirst dafür sorgen, dass sie dich in diese gottverdammte Wohnung lässt.“, erklärte er wie selbstverständlich, bevor sich seine akkurat gezupften Augenbrauen zusammenzogen. „Und es ist mir völlig egal, wie du das anstellst, aber tu es!“, schnauzte er nun unvermittelt los.

Mikes Wut erklomm die nächste Stufe. Hat der eigentlich noch alle Latten am Zaun? …, brüllte es in ihm. Schwer atmend sah er ihn an. Die Geduld, die in den vergangenen Tagen bereits massiv gelitten hatte, baumelte nun an einem hauchdünnen Faden. „Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass du die größte Nervensäge auf Erden bist?“, zischte Mike mit glühendem Blick. Er würde sich doch von so einem dahergelaufenen Kasper nicht vorschreiben lassen, was er zu tun hatte. Der Blonde lächelte affektiert. „Kann sein.“ Frustriert rollte Mike die Augen. So langsam ging ihm der Typ gewaltig auf die Eier. Man sollte ihn verflüssigen, auf Flaschen ziehen und als Insektenvernichtungsmittel verkaufen. Das würde ein wahrer Verkaufsschlager werden. Er hatte ihm versprochen, dass er ihm helfen würde, Helena für sich zu gewinnen. Stattdessen nörgelte er in einer Tour herum und beleidigte ihn aufs Schäbigste. Und wenn er das mal nicht tat, dann nervte er einfach nur. Musste er sich das wirklich bieten lassen? Einen Augenblick lang maß er den Mann, der lässig in den Kissen fläzte. „Weißt du, so langsam frage ich mich, welche Rolle du eigentlich in dem Ganzen spielst. Wenn du nur hier bist, um mir die Stimmung zu versauen und die Luft zu verpesten, dann kann ich gerne auf deine Gesellschaft verzichten.“, erklärte er gleichgültig. „Da hinten hat der Zimmermann das Loch in der Wand gelassen.“, fügte Mike mit einem Hinweis auf die Tür hinzu. Als hätte diese Ansage die entscheidenden Synapsen angeregt, setzte Goldlöckchen plötzlich eine versöhnliche Miene auf. „Du hast Recht … und es tut mir leid.“, erklärte er mit plötzlich reuiger Stimme. Mike stutzte, nur um ihn gleich darauf völlig perplex anzustarren. „Ja, ich weiß, ich hatte dir versprochen, dir zu helfen und bisher war ich dir nicht wirklich eine Hilfe … Tut mir Leid.“ Dem tiefen Seufzen folgte ein schiefes Grinsen, was wohl versöhnlich wirken sollte, jedoch zu aufgesetzt schien, als das es Mike tatsächlich überzeugte. Er war zwar manchmal leicht zu beeinflussen, aber nicht völlig verblödet. Mit einem missbilligenden Schnauben schüttelte er schließlich den Kopf. „Mach was du willst. Und jetzt verschwinde aus meiner Bude.“, fuhr Mike Goldlöckchen unwirsch an. Ich hab genug von deinen Querelen … Einen Moment lang musterte ihn der Blonde, ehe er sich zähneknirschend vom Sofa erhob. Erfüllt von schleichendem Groll wandte er sich schließlich der Tür zu und trat ohne ein weiteres Wort in die kühle Nacht hinaus.

„Verdammter Mist …“, fluchte er unbeherrscht. Sein Plan drohte wahrlich zu scheitern, und das nur wegen dieser überwältigenden Intelligenzbestie. Er musste sich schleunigst etwas einfallen lassen, um die Aktion nicht völlig vor den Baum fahren zu lassen. Nun ja, vielleicht war er auch nicht unbedingt sonderlich sensibel vorgegangen. Er seufzte gequält. Wie er solches Getue hasste. Aber gut, wenn es seinem Plan dienlich war, würde er diesem Idioten eben ein wenig Honig ums Maul schmieren müssen, um an sein Ziel zu gelangen. Augenscheinlich schien das unter Seinesgleichen ja eine durchaus gängige Methode zu sein, um sich gewisse Vorteile zu schaffen. Wie primitiv die Menschen doch sind …, ging es ihm frustriert durch den Kopf. Oh, es war nicht so, dass er sich im Umgarnen von Leuten schwertat, ganz im Gegenteil, er war geradezu ein Meister in dieser Fähigkeit, … es gefiel ihm nur nicht. Speichellecker … igitt … Aber gut, so wie es aussah, würde er wohl nicht darum herum kommen. Denn er brauchte diesen Typen, … um an dieses Mädchen heranzukommen. Und das möglichst bevor sein Bruder sie in die Fänge bekam. Zugegeben, der Gedanke, den Erfolg seines Planes von einem angehenden Idioten abhängig zu machen, gefiel ihm nicht, aber ihm blieb wohl im Moment kaum eine andere Wahl. Gut, dieser Mike war vielleicht ein miserabler Komplize, wenn es darum ging, eine Frau zu bezirzen, aber er eignete sich dafür umso besser als Beobachter. Zumindest war er durch ihn immer auf dem aktuellsten Stand. Er würde es wissen, wenn sie einem anderen in die Hände fiel. Was unbedingt verhindert werden musste. Scheiße … scheiße … scheiße …, fluchte er innerlich. Wenn er seinen eigenen Plan vor ein paar Tagen nicht so vollumfänglich verkackt hätte, müsste er jetzt nicht Süßholz raspeln und beschränkten Idioten erklären, wie die Liebe funktionierte. Unvermittelt hielt er in seiner stummen Tirade inne, als ihm plötzlich eine ganz andere Idee kam. Nachdenklich richtete er seinen Blick aus dem Fenster, ehe ein gemeines Lächeln sich auf seine Züge stahl. Das könnte funktionieren … Sein Lächeln wurde breiter. Du hast keine Chance, Brüderchen … Wenn das Mädchen erst mal weg ist … Ja, dann bin ich dich auch endlich los …

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mo Sep 10 2012, 22:07

Oh oh, das hört sich nicht gut an, und ich habe die leise Ahnung, dass ich mit den zwei Brüdern, von denen im Prolog die Rede war, doch nicht ganz falsch liege. Arme Helena, da wird sie ja blöd zwischen die Stühle gesetzt. Aber was ich nicht ganz verstehe..., warum braucht Goldlöckchen diesen Deppen Mike als Helfer. Hätte er sich nicht nen anderen suchen können? Hmm, aber dann hätte man als Leser nicht die Sympathien auf seiten des "Fremden", und das obwohl man noch gar nicht weiß, was der für ein Spiel spielt.
Mini, schreib schnell weiter, sonst wird Kahta kirre, und das willst du doch nicht verantworte oder?

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mo Sep 10 2012, 22:25

katha schrieb:
Oh oh, das hört sich nicht gut an, und ich habe die leise Ahnung, dass ich mit den zwei Brüdern, von denen im Prolog die Rede war, doch nicht ganz falsch liege. Arme Helena, da wird sie ja blöd zwischen die Stühle gesetzt. Aber was ich nicht ganz verstehe..., warum braucht Goldlöckchen diesen Deppen Mike als Helfer. Hätte er sich nicht nen anderen suchen können? Hmm, aber dann hätte man als Leser nicht die Sympathien auf seiten des "Fremden", und das obwohl man noch gar nicht weiß, was der für ein Spiel spielt.
Mini, schreib schnell weiter, sonst wird Kahta kirre, und das willst du doch nicht verantworte oder?

LG, Katha

Danke, meine Süße. Und wenn du neugierig bist, ist das doch genau der richtige Motor für dich, weiterzulesen. Dass Goldlöckchen Mike braucht, hat einen Grund, der sich im Laufe der Geschichte herausstellen wird. Spätestens dann, wenn Goldlöckchens Identität aufgedeckt wird, wird vielleicht einiges klarer Wink . Und was die Differenzen zwischen den beiden Brüdern betrifft, auch die entstammen einem tieferen Ursprung. Aber auch dazu wird es im Laufe der Story Aufklärung geben.

LG, Mini Wink

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 12 2012, 08:40

Teil 27


Die Gefühle hatten sie übermannt und schließlich auf den weichen Boden vor dem gepflegten Grab ihrer Eltern sinken lassen. Sie hatte aufgehört, ihre Tränen zurückzuhalten, die unaufhörlich ihre Wangen hinunter rannen, seit sie das Krankenhaus verlassen hatte, in dem Nathan lag und sich in reglosem Koma von seinen schweren Verletzungen erholte. Das Leben war so ungerecht. Warum nur konnte das Schicksal ihr nicht einmal etwas Positives bescheren? Ihr Schluchzen schüttelte ihren Körper und ihre Tränen tropften lautlos auf das regenfeuchte Gras. Als sie eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahrnahm, sah sie erstaunt auf. Hastig wandte sie sich wieder ab. Sie schämte sich plötzlich für den desolaten Zustand, den sie abgab. Und sie wünschte sich, sie wäre allein. Als sie einen erneuten Blick riskierte, begegneten ihre Augen für den Bruchteil einer Sekunde den seinen. Ihr tränennasses Gesicht starrte in das des Fremden, der nun ausdruckslos auf das Grab ihrer Eltern sah. Misstrauisch musterte sie den Mann, der plötzlich wie aus dem Nichts neben ihr aufgetaucht war und die Tatsache, dass sie sich wünschte, allein zu sein, störte. Sein Blick war unergründlich und doch hatte sie das Gefühl, ein leichtes Flackern von Mitgefühl in ihm zu erkennen. Sie hob erstaunt die Augenbrauen. Warum? Er kannte die beiden Verstorbenen doch gar nicht, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Sein Blick begegnete erneut dem ihren. „Es ist immer traurig, wenn uns die verlassen, die wir am meisten geliebt haben.“ Helena runzelte die Stirn. Warum sagte er das? Und die Art, wie er das sagte, ließ eine Zweideutigkeit seiner Worte vermuten, und das leise Flackern eines Gefühls, welches an diesem Ort eher unangebracht war, bestätigte ihre Vermutung. Der Typ stand nicht wegen ihrer Eltern hier neben ihrem Grab. Vermutlich hatte er sie noch nicht einmal gekannt. Helena lächelte aufgesetzt und schüttelte müde den Kopf. Keine Chance, ich bin schon vergeben. „Ja, das ist wohl so.“, erwiderte sie schließlich tonlos und erhob sich aus ihrer allessagenden und wie sie fand, äußerst peinlichen Haltung, in die sie ihre momentane Gefühlslage vor dem Grab ihrer Eltern zwang. Er nickte verstehend und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln. Ohne, dass sie sich bewusst dazu entschlossen hatte, erwiderte sie sein Lächeln, fing sich jedoch sogleich wieder, als sie sich dessen bewusst wurde, und setzte ihre trauernde Miene auf, während sie angestrengt auf die Stiefmütterchen starrte, die sie vor ein paar Tagen auf das Grab ihrer Eltern gepflanzt hatte. Auf diese Weise verharrten sie in Schweigen, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.

Sie stieß einen tiefen Seufzer aus und schloss die Augen, während sie ihre Arme um ihre Brust schlang. Eine tiefe Traurigkeit suchte sie erneut heim. Viel zu früh hatten ihre Eltern sie verlassen und die Tatsache, dass sie, nachdem auch ihre Granny von ihr gegangen war, keine weitere Verwandtschaft mehr hatte und ihr einziger Trost in schlafender Bewusstlosigkeit dahinsiechte, stieß sie in eine Einsamkeit zurück, die sich in diesem Moment wie dicker schwerer Nebel auf ihre Gedanken und Gefühle legte. Plötzlich riss sie die Augen auf, als etwas ihre Hand berührte. Erschrocken sah sie, dass der Typ näher an sie herangerückt war und nun der Stoff seines Mantels ihre Haut zufällig streifte. Automatisch wich sie einen Schritt zur Seite. Was will der Kerl? Sie kniff die Augen zusammen und sah ihn finster an. Er erwiderte ihren Blick mit einem freundlichen und verständnisvollen Ausdruck im Gesicht, der Helena für ein paar Sekunden aus dem Konzept riss. Sie zog die Augenbrauen zusammen und starrte ihn mürrisch an. Sie ärgerte sich, dass er so unverschämt die Distanz ignorierte, die sie dabei war zu schaffen, und scheinbar keine Rücksicht auf ihre Situation zu nehmen schien, in der sie sich befand. Was für ein unerhörtes Gebaren, sich auf einem Friedhof an eine Frau ranzumachen …, schoss es ihr angewidert durch den Kopf. Darüber hinaus war sie mit Nathan zusammen – Nathan, der gerade in komatösem Schlaf lag, von dem sie nicht wusste, wann er vorüber sein würde. Plötzlich überwältigt von einer Vielzahl diffuser Gefühle, drehte sie sich, ohne ein weiteres Wort zu sagen oder einen stillen Gruß an ihre Eltern zu übermitteln, um und ging schnellen Schrittes den Weg zurück. Als sie das hohe eiserne Friedhofstor passiert hatte, rannte sie nach Hause. Keuchend und mit einem wild wirbelnden Chaos im Kopf kam sie vor ihrer Haustür zum Stehen. Das Stechen in ihrer Seite zeigte ihr, dass sie zu schnell gerannt war und zu hastig geatmet hatte. Ihre Knie und Hände zitterten. Sie würde vor der Haustür zusammenbrechen, wenn sie ihre Hände nicht bald unter Kontrolle bekam, um das Schlüsselloch zu treffen. Sie musste sich zusammenreißen. Gleich war sie in der Sicherheit ihrer schützenden vier Wände. Dann konnte sie ungestört zusammenbrechen und sich ihren Tränen ergeben, die der Fremde gegen ihren Willen verdrängt hatte. Endlich hatte sie die Tür hinter sich geschlossen und war drei Schritte in das große helle Wohnzimmer getreten, um zielstrebig die Couch anzusteuern, als tatsächlich ihre Beine unter ihr nachgaben und sie auf dem hellen Teppichboden zusammensackte. Eine Welle von Schluchzern schüttelte ihren Körper. Unfähig, sich wieder aufzurappeln, blieb sie liegen und ließ ihren Tränen freien Lauf. Sie waren wie eine Erlösung, ein Ausdruck ihres Kummers und des Schmerzes, der seit heute Morgen drängte, auszubrechen. Augenblicklich fühlte sie eine Erleichterung. Der enorme Druck, der wie ein Felsblock auf ihrer Brust lag, wurde kleiner. Das Atmen fiel ihr leichter. Nach einer Weile rannen nur noch Tränen über ihre Wangen, die gelegentlich von einem schüttelnden Schluchzen begleitet wurden …

Schweißgebadet fuhr Helena aus dem Schlaf hoch. Ihr Atem ging keuchend und ihr Herz trommelte so heftig gegen ihre Rippen, als wolle es ihren Brustkorb sprengen. Atemlos presste sie ihre Hand auf ihre Brust und versuchte sich zu beruhigen. Schon wieder so ein Traum aus ihrer Vergangenheit. Verstört blickte sie sich um und versuchte, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Die Uhr zeigte viertel nach Vier, und sie stieß einen deftigen Fluch aus, weil dies nun schon die dritte Nacht in Folge war, in der ein makaberer Traum sie viel zu früh aus ihrem erholsamen Schlaf gerissen hatte. Warum nur immer diese Träume? …, dachte sie verstört. Und warum ausgerechnet jetzt? Eine merkwürdige Ahnung beschlich sie, die sie aber alsgleich wieder verscheuchte. Es war sicher nur ein Zufall, dass diese Träume begonnen hatten, seit sie diesem mysteriösen Fremden begegnet war. Oder vielleicht doch nicht? Doch das war nicht das eigentlich beunruhigende. Viel verstörender war, dass er in jedem dieser Träume aus ihrer Vergangenheit auftauchte, fast so als wäre er ein fester Bestandteil ihres Lebens. Warum? Sie kannte ihn doch gar nicht … Mühsam wand sie sich aus ihren Laken und stolperte durch die Dunkelheit ihrer Wohnung. In der Küche angekommen, goss sie sich ein Glas Wasser ein und versuchte, sich zu beruhigen. Sie zitterte am ganzen Körper, und ihre Gedanken fuhren Achterbahn. Dass er so allgegenwärtig war, … dass er sie selbst nachts nicht losließ, versetzte sie in eine morbide Panik, die ihr langsam die Kraft zu rauben begann. Vielleicht sollte sie sich von ihm fernhalten? Vielleicht? Nein, sie musste sich definitiv von ihm fernhalten. Schon allein um ihres lieben Seelenfriedens willen. Sonst würden wohl demnächst die freundlichen Männer mit den weißen Jacken bei ihr klingeln. Jetzt reiß dich mal zusammen, Hel … und hör auf, hinter jeder schwarzen Katze gleich das personifizierte Böse zu sehen …, schalt sie sich. Tja, leichter gesagt, als getan. Denn so sehr sie sich auch bemühte, es gelang ihr nicht, diese vielen kleinen Merkwürdigkeiten zu ignorieren, die sie seit ein paar Tagen begleiteten. Vielleicht ist es Zufall. Vielleicht entstammte dies aber auch einem höheren Geschick. Und dann war da noch dieses unheimliche Gefühl, dass es ihr nicht zum ersten Mal in ihrem Leben so ging. Wie ein makaberes Déjà-vu. Und dann dieser Typ, der gestern vor ihrer Tür aufgetaucht war. Mit Mike … Verwirrt schüttelte sie den Kopf. Hätte sie es nicht besser gewusst, hätte sie gedacht, ihr Blind Date wäre ihr heimlich gefolgt. Aber der Kerl, der mit Mike aufgetaucht war, war blond gewesen …

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 12 2012, 09:00

Teil 28


Seufzend ließ sie sich auf das Sofa sinken und knipste die kleine Stehlame an, während ihre Gedanken unaufhaltsam um diesen Fremden kreisten wie ein Satellit im Orbit. Irgendetwas Mysteriöses ging von ihm aus, so viel war klar. Und trotz der übermäßigen Neugier, die leise hinter ihrem Brustbein kitzelte, hatte sie irgendwie das Gefühl, dass sie das Mysterium nicht wirklich ergründen sollte. Diese verwirrende Selbstsicherheit, die er ausstrahlte, schien aus einer Erfahrung zu rühren, die jemanden seines Alters zweifellos überstieg. Was sie unweigerlich zu der einen Frage führte. Wer war er? Diese Ungewissheit … dazu diese sich häufenden merkwürdigen Träume … die zufälligen Begegnungen … all das verunsicherte sie. Es kam doch nicht von ungefähr, dass sie ihm immer wieder über den Weg lief. Auf der anderen Seite – er hatte gesagt, dass er Gasthörer an ihrer Uni sei. Also war es vermutlich doch kein Zufall. Und dieser Brief, den er heimlich in ihren Spind gesteckt hatte? War es Interesse oder verfolgte er ganz andere Absichten? Sie dachte an den gestrigen Nachmittag im Café und daran wie offen er ihr gegenüber getreten war. Er hatte versucht, mit ihr zu flirten und das auf eine ziemlich raffinierte Weise, wie sie zugeben musste. Und dann erinnerte sie sich, wie er sie davon abgehalten hatte zu gehen. Himmel, es hatte sich so … unglaublich angefühlt, ihm nahe zu sein. Und für eine winzige Sekunde hatte sie geglaubt, er wolle sie küssen. Oh, hätte er es doch getan. Blödes Schaf. Warum denke ich überhaupt an ihn. Er ist ein Fremder – ohne Namen … basta …, wischte sie ihre Gedanken eilig beiseite. Zu einem Flirt gehörten schließlich immer noch zwei, ebenso wie zu allem was danach kam. Und sie? Irgendwie beschlich sie plötzlich das Gefühl, dass sie allein das Zünglein an der Wage mimte, denn seine Richtung schien ihr irgendwie deutlich zu sein. Und entweder ging sie in die gleiche Richtung oder in die Entgegengesetzte. Im Grunde war es doch eine ganz logische Sache. Doch wenn alles so logisch war, warum dachte sie dann immer noch darüber nach? Du magst ihn …, meldete sich ihr Unterbewusstsein zu Wort. Quatsch, sie kannte ihn doch gar nicht … Und dass er sich mit Mike abgab und offenbar ein falsches Spiel spielte, stärkte den Verdacht, dass er nicht ganz so unschuldig war, wie er tat … Aussehen hin oder her. Und der Typ vor ihrer Haustür sah ihm wirklich verdammt ähnlich. Seine Haare waren blond …, säuselte ihre innere Stimme. Na und, eine Perücke oder ein bisschen Wasserstoffperoxyd … und das Problem mit den schwarzen Haaren ist auch gelöst, tat sie die Randnotiz ihres hartnäckigen Unterbewusstseins ab. Quatsch, das ist doch lächerlich …, protestierte die zynische Stimme in ihr. Nein, diese Züge in seinem Gesicht sprachen einfach für sich – genau wie seine Augen, von denen sie sich ganz sicher war, dass sie echt gewesen waren und nicht ein Gespinst ihrer Fantasie. Und wie hoch war schon die Wahrscheinlichkeit, dass es dieses paar Augen ein zweites Mal gab? Zwillinge …, sang die Stimme hämisch.

Verfluchte Zweifel. Nein! Schluss! Aus! Sie würde sich von ihm nicht verwirren lassen. Er konnte gerne seine Spielchen mit Mike treiben, aber ohne sie. Scheißegal, er solle hingehen, wo er will, sie würde die andere Richtung nehmen … und damit basta … Flucht war zwar ein Eingeständnis an die eigene Unsicherheit, aber lieber blieb sie sicher in einem Rudel als ein einzelnes Beutetier für den großen Unbekannten. Feigling … Feigling …, spottete ihr Unterbewusstsein. Nein, mit der Masse schwimmen und nicht aus der Reihe tanzen, das war der richtige Weg. Unliebsame Zeitgenossen ausblenden. Und er spielte da keine Ausnahme … Ein paar wunderschöne grüne Augen stahlen sich in ihre Erinnerung. Er ist wirklich eine Augenweide …, lockte ihre innere Stimme. Helena stieß einen leisen deftigen Fluch aus und erhob sich von ihrem Sofa. Eilig trat sie in die Küche, griff nach der Flasche und goss sich noch ein Glas Wasser ein. Ablenkung ist immer noch die beste Methode. Er hat gefragt, ob ihr euch wiederseht …, stichelte die Stimme aus dem Hintergrund, während der Rest ihres Selbst mit aller Macht versuchte, das Bild von ihm zu vertreiben. Guck dir seine Augen an … Mhmm … und der Rest von ihm ist sicher auch nicht zu verachten …, säuselte es in ihr. Verdammt. Kraftlos lehnte sie sich gegen den Kühlschrank und sank schließlich auf den Boden. Die leise schlummernde Sehnsucht, die die kleine fiese Stimme in ihr unaufhaltsam geschürt hatte, wuchs und entriss ihr die Kontrolle über ihre Gefühle. Und plötzlich war sie sich nicht mehr sicher, ob sie die Kraft haben würde, ihm aus dem Weg zu gehen – vor allem, wenn er sie mit diesen Augen und diesem … Lächeln ansah. Nein, sie durfte nicht nachgeben, aber wie sollte sie das schaffen? Sicher, er strahlte etwas aus, was sie faszinierte. Und wenn sie an seine Augen dachte, wurde ihr wieder warm ums Herz, als ginge eine wundersame wärmende Energie von ihnen aus. Sie konnte nicht leugnen, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte. Wie die Motte zum Licht …, frohlockte die kleine diebische Stimme. Du hast dich verliebt, Helena … verliiieebt …, jubelte sie unaufhörlich. Helena seufzte tief, versuchte erneut, die lästige Stimme auszublenden. Es hatte keinen Zweck, sich selbst etwas vorzumachen. Okay, vielleicht hatte sie sich ein bisschen in ihn verliebt. Trotzdem, sie kannte noch nicht mal seinen Namen.

Und während sie sich fragte, was dieser Umstand zu bedeuten hatte, drifteten ihre Gedanken erneut zu den seltsam schönen Augen. Sie hatten sie vom ersten Blick an in ihren Bann gezogen. Warum, konnte sie sich nur schwer erklären. War es die Form? Nein! Die Farbe? Nein! Nein, es war etwas ganz anderes. Es war die Art, wie sie sie ansahen … wie sie die Dinge sahen. Eine verhaltene Neugier, nein eher … Wissen … als hätten sie schon viel mehr gesehen als ihr Träger ihr Glauben machen wollte. Obwohl er noch recht jung war, wirkte er in seinem Auftreten unglaublich reif und erwachsen, als wohne die Kenntnis eines ganzen Menschenlebens in ihm. Und wenn sie in seine Augen sah, hatte sie das Gefühl, in ihnen eine größere Weisheit zu erkennen. Als hätten sie Dinge gesehen, die sich ihr niemals erschließen würden. Das wiederum passte zu seinem Intellekt. Wie ein Gelehrter, der durch die Geschichte der Menschheit gereist war … Oh, sie war sich ziemlich sicher, dass er nicht nur über die Renaissance so gut Bescheid wusste … Als hätte er mit Leonardo da Vinci und Co an einem sonnigen Nachmittag im 15. Jahrhundert Kaffee getrunken. Sie musste über ihre eigenen Gedanken grinsen. Das war natürlich ausgemachter Quatsch. Aber wenn man für die Dinge keine Erklärung hatte, dann konnte die Fantasie schon mal ein bisschen verrückt spielen. Aber vielleicht war es auch bloß pures Interesse. Je tiefer sie die Fakten zu analysieren versuchte, umso mehr manifestierte sich der Gedanke, dass er nicht das war, was er vorgab zu sein. Eine Fassade? Mhmm … sie war zweifellos perfekt, und sie musste zugeben, dass seine Attraktivität sie außerordentlich gut täuschte. Wenn sie in seiner Nähe war, war sie ja kaum mehr zu einem rationalen Gedanken fähig. War das Zufall oder Absicht? Wahrheit oder Blendung? Sie zuckte die Schultern und schüttelte den Kopf. Die Frage war wohl eher, wollte sie es herausfinden. Ihn umgab ganz klar ein Geheimnis, soviel stand für Helena fest. Und sie spürte, dass es größer war, als ihr vermutlich lieb sein würde. Und die Tatsache, dass er ihr gestern augenscheinlich gefolgt war, obwohl er nicht in derselben Bahn gesessen hatte wie sie – zumindest glaubte sie das –, ließ eine weitere Frage aufkommen. Woher wusste er, wo sie wohnte?

Und war es Zufall, dass er mit Mike aufgetaucht war? Und wenn nicht, was spielte Mike für eine Rolle? So viele Ungereimtheiten …, und sie verunsicherten sie mehr und mehr, je länger sie darüber nachdachte. Wenn sie das Rätsel lösen wollte, gab es nur einen Weg. Sie musste sich auf ihn einlassen. Und sie wusste, sie sollte es nicht tun. Um ihrer Selbst Willen. Trau dich … trau dich …, meldete sich die kleine Stimme aus dem hintersten Winkel. War sie dazu bereit? Die Wunde, die Stephen hinterlassen hatte, war noch recht frisch, und den Schmerz darüber hatte sie noch nicht gänzlich verwunden, auch wenn sie sich selbst immer wieder einredete, dass sie längst über ihn hinweg war. Sie war es nicht, denn nicht umsonst zierten noch immer Fotos von ihm ihre Wohnung. Sie war nicht wirklich bereit für eine Herausforderung dieser Art, denn die Angst vor einer weiteren Enttäuschung war stärker, als die Möglichkeit zuzulassen, ihr Herz neu zu verschenken, indem sie jemanden Zugang gewährte. Stattdessen versteckte sie die Stücke ihrer zerbrochenen Welt hinter einer bröckeligen Mauer, in die sie unermüdlich Energie schob, um die porösen Stellen zu kitten, anstatt sich hoch erhobenen Hauptes dem zu stellen, was das Leben ihr bescherte. Hör auf, dich hinter diesem unsicheren Wall aus Erinnerungen zu verstecken … Lebe! …, verlangte die Stimme ihres Unterbewusstseins. „Sehen wir uns wieder?“ …, mischte sich seine Stimme in ihre Gedanken. Seufzend glitt ihr Blick zu dem Foto, was sie und Stephen in einem glücklichen Moment zeigte. Ja, vermutlich wurde es Zeit, die Scherben zusammenzufegen und Platz für etwas Neues zu machen. Für ihn? Neue Zweifel keimten auf, die ihr erneut suggerierten, ihm besser aus dem Weg zu gehen. Warum? …, fragte ihr Unterbewusstsein. Besser als Stephen ist er allemal … und schlimmer als Mike kann er kaum sein … Unweigerlich musste Helena lachen. Dennoch war da nach wie vor die Frage, wer er wirklich war. Seit sie ihn zum ersten Mal in dem Hörsaal gesehen hatte, war ihre Neugier stetig gestiegen. Ob das gut war, wusste sie nicht. Sie hatte sich geschmeichelt gefühlt, als er ihr Komplimente gemacht hatte. Aber vielleicht war das auch nur eine Masche. Verflucht, ich hab keinen Bock mehr auf dieses Theater, Helena …, schimpfte die innere Stimme, die nun allmählich die Schnauze von diesem Hin und Her voll zu haben schien. Die Küchenuhr zeigte halb sechs, und Helena überlegte, ob es lohnenswert wäre, noch einmal in die Wärme ihres Bettes zu kriechen und noch eine Stunde zu schlafen. Ein herzhaftes Gähnen plädierte für Schlafen. Müde tappte sie zurück in ihr Bett und zog die Decke über ihren Kopf.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 12 2012, 14:50

Tja Helena, das ist ja mal eine schwierige Entscheidung, die du da zu treffen hast. Obwohl sie doch eigentlich schon lange entschieden ist. Wink
Gegen die Anziehung des Fremden und die eigene Neugier kommt Helena doch sowieso nicht an. Ich glaube ihr Unterbewußtsein, das sich in dem wunderbar geschriebenen Disput ihrer Gedanken zur Wort gemeldet hat, weiß Helena ausreichend zu beeinflussen.
Mini sehr schön!!! Und ich frage mich immer wieder ob es wohl richtig ist, dass ich gefühlsmäßig irgendwie auf der Seite des geheimnisvollen Fremden stehe. Surprised
Bin gespannt!!!

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Mi Sep 12 2012, 17:49

katha schrieb:
Tja Helena, das ist ja mal eine schwierige Entscheidung, die du da zu treffen hast. Obwohl sie doch eigentlich schon lange entschieden ist. Wink
Gegen die Anziehung des Fremden und die eigene Neugier kommt Helena doch sowieso nicht an. Ich glaube ihr Unterbewußtsein, das sich in dem wunderbar geschriebenen Disput ihrer Gedanken zur Wort gemeldet hat, weiß Helena ausreichend zu beeinflussen.
Mini sehr schön!!! Und ich frage mich immer wieder ob es wohl richtig ist, dass ich gefühlsmäßig irgendwie auf der Seite des geheimnisvollen Fremden stehe. Surprised
Bin gespannt!!!

LG von Katha

Ich denke, da trügt dich dein Gefühl nicht, meine Liebe Wink Wink Wink
Danke dir für diesen wunderbaren Kommi ... Da kribbelt es mir doch gleich in den Fingern Razz

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Sep 13 2012, 08:29

Teil 29


„Die Geschichte der Welt ist die Geschichte weniger Menschen, die den Glauben an sich selbst besessen haben.“ Wieder und wieder rief sie sich diese Worte ins Bewusstsein, die sie heute Morgen auf einem fein säuberlich gefalteten Zettel in ihrem Spind gefunden hatte. Helena hatte sofort gewusst, von wem der Zettel mit dieser schön geschwungenen Schrift stammte, und er hatte mit dieser Aussage bei ihr genau den richtigen Nerv getroffen. Bis vor einer Woche hatte sie Kunstgeschichte noch für das langweiligste Thema ihres Studiums gehalten, doch seit er in diesem Kurs aufgetaucht war, hatte sich ihr Interesse hinsichtlich dieses Themas gewandelt. Sie fand die Thematik zwar noch immer recht dröge, dennoch hatte seine Art, diese Thematik zu betrachten, ihre Grundeinstellung zur Geschichte ein wenig gelockert. Ihr Referat hatte sie am nächsten Tag in ihren Computer getippt, und sie war stolz auf ihre Arbeit gewesen. Sie war sich sicher, dass diese Hausarbeit ihre Gesamtnote ein wenig aufbessern würde. Und letztlich hatte sie diesen Erfolg ihm zu verdanken. Er hatte sie inspiriert und sie veranlasst, sich dem Thema mehr zu öffnen. Der Spruch, den er ihr übermittelt hatte, gefiel ihr, und er brachte sie zum Nachdenken. Und eigentlich wollte sie ihm für das, was er für sie getan hatte, dankbar sein. Doch der Rest der Nachricht hatte sie erneut ins Wanken gebracht. Heute 20 Uhr im Louvre, stand auf demselben Zettel. Zugegeben, sie war neugierig. Aber gleichzeitig hatte sie Bedenken. Sie wusste, dass sie dabei war, sich an ihn zu verlieren, und sie war sich sicher, dass er das wohlwollend in Kauf nahm, wenn nicht sogar bewusst beabsichtigte. Mit ziemlicher Sicherheit waren seine eigentlichen Interessen ganz anderer Natur. Seine Gesten zeigten eindeutig, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte, und diese Einladung war – soviel war sicher – nur ein geschickt verpackter weiterer Versuch, sich ihr zu nähern. Dass er dabei geradezu vorsätzlich ihre Neugierde ausnutzte, grenzte schon an eine Form der Gerissenheit, der Helena unweigerlich Anerkennung zollen musste. Niemand hatte bisher versucht, ihr Interesse zu wecken, indem er ihren Intellekt forderte und sich dabei gleichzeitig ihrer Neugierde bemächtigte. Kein Wunder. Niemand hatte bisher auch je ihre Interessen wahrlich erkannt, geschweige denn, dass jemand damit umzugehen wusste. Zugegeben, eine ziemlich ungewohnte, wenn auch clevere Methode, jemanden für sich zu gewinnen.

Also, sagte sie sich, entweder war das einfach seine Art, eine Frau für sich zu begeistern oder er kannte sie besser, als ihr lieb war. Ersteres hielt sie – ihrem Gefühl nach – für immer wahrscheinlicher, zweiteres für besorgniserregend. Doch ganz gleich, was nun die Umstände betraf, mit denen er augenscheinlich versuchte, sie für sich zu gewinnen, die Tatsache blieb, dass er bei ihr scheinbar erfolgreich war. Und genau das durfte sie nicht zulassen. Oder vielleicht doch? Hin und her gerissen zwischen dem, was sie tun wollte und dem, was sie lieber lassen sollte – und dankbar über das angenehme Schweigen ihrer inneren Stimme, die offenbar noch immer sauer war –, stolperte sie durch den Tag, in sich gekehrt, freiwillig ausgeschlossen vom Rest der Welt ... Etwas derb trat Beth ihr unter dem Tisch auf den Fuß und erzwang damit auf schmerzhafte Weise Helenas Aufmerksamkeit. „Sag mal, was zum Teufel ist heute nur mit dir los?“, zischte sie leise, ehe Helena sie vollkommen ungläubig ansah. Ihr Blick huschte von Beths erzürntem Gesicht zu ihrer Umgebung. Dem Geräuschpegel nach zu urteilen und dem penetranten Geruch von verbranntem Fett, mussten sie in der Mensa sein. So langsam tauchte sie aus ihrer selbst gewählten Versunkenheit wieder auf, während sie Beths Gesichtsausdruck zu definieren versuchte. Sie war … stocksauer. Helena hatte längst den Faden in ihrer Unterhaltung verloren, und es tat ihr ein bisschen leid, dass sie Beth aus ihren Gedanken vollkommen ausgeschlossen hatte. Davon mal abgesehen hatte sie noch immer keine Lösung für ihr Problem. Beths mürrisches Gesicht jedoch warf eine völlig neue Situation auf und ließ das Problem augenblicklich auf ein unbedeutendes Niveau schrumpfen. Ergeben seufzte Helena auf und warf ihrer besten Freundin ein entschuldigendes Lächeln zu. „Ich habe dich in der letzten halben Stunde dreimal gefragt, ob du mit mir heute ins Kino gehst. Hab ich dir irgendwas getan, weil du mich ignorierst?“, zischte sie unüberhörbar angefressen. „Tut mir leid, Bethie. Das war echt nicht meine Absicht.“ „Hör auf mit Bethie. Das zieht nicht.“, fauchte die Dunkelhaarige sichtlich wütend.

Von einer Minute auf die andere erfasste Helena ein ganz elendes Gefühl. So wütend hatte sie Beth noch nie gesehen. Und daran war nur dieser unverschämt … gutaussehende Typ schuld, an den sie seit Tagen die Leistungen ihrer unschuldigen Gehirnwindungen verschwendete. Wenn das so weiter ging, würde sie ihm bald wie ein geistig unterworfenes sabberndes Etwas hinterher hecheln. Nein! Soweit kommt’s noch, dass ich mich zur Sklavin meiner eigenen wirren Hormone machen lasse. Und da kann er noch so umwerfend aussehen. Beth ist jetzt wichtiger … Und es gab nur eine Möglichkeit, sie wieder milde zu stimmen. „Klar doch, ich gehe gerne mit dir ins Kino.“, erwiderte sie schnell. Beths wütende Miene erstarrte. Für einen Moment taxierte sie sie argwöhnisch. Zweifellos versuchte sie, die Ernsthaftigkeit hinter Helenas Zusage auszumachen. „Beth, es tut mir ehrlich leid. Und ich würde wirklich sehr gerne mit dir ins Kino gehen.“, beteuerte sie, und das meinte sie auch so. Beth war ihr wichtig. Sie wollte nicht, dass ihre Freundschaft wegen einer verkorksten Fantasie litt. Beth musterte sie noch immer finster, doch dann stahl sich ganz langsam ein Lächeln auf ihr Gesicht – erst vorsichtig, dann immer selbstbewusster, bis schließlich ihr gesamtes Gesicht von einem breiten Grinsen beherrscht wurde. „Super, …“, jubelte sie. „Heute Abend gibts nämlich ein Brad Pitt Special. Drei Filme am Stück und ich wollte doch so gerne nochmal Troja sehen.“, sagte sie, faltete die Hände vor ihrer Brust und verdrehte schwärmerisch die Augen. Ach du Sch...., dachte Helena und verkniff es sich in letzter Sekunde, ebenfalls die Augen zu verdrehen, was natürlich entgegen jeglicher Schwärmerei erfolgen würde. Ebenso wie sie sich ein ergebenes Seufzen, einen tadelnden Blick oder gar eine abwertende Grimmasse verbiss. Sie wollte diesen Tag überleben, und Beth konnte ziemlich unausstehlich werden, wenn man etwas gegen diese Hollywood-Schmalzlocke sagte. Beth liebte Brad Pitt, weswegen Helena es sich gern zum Spaß machte, sie damit aufzuziehen. Aber heute war ganz sicher nicht der beste Tag, um ihre beste Freundin mit Frotzeleien zu überschütten. Also setzte sie ihr bestes ergebenes Lächeln auf und gab vor, sich tierisch auf den Ausflug ins Kino zu freuen, während ihr sich bereits der Magen umdrehte. Nichtsdestotrotz würde sie den Abend über sich ergehen lassen, um ihre Freundin wieder milde zu stimmen. Und auch, wenn sie Brad Pitt nicht ausstehen konnte, so war sie dem Mann doch gerade heute unheimlich dankbar, denn er hatte ihr soeben eine Entscheidung abgenommen, mit der sie sich schon den ganzen Tag beschäftigte. Der Louvre kann warten – Beth und Brad Pitt nicht ... Und zu ihrer Überraschung, war sie nicht mal enttäuscht darüber. Sie bedauerte nur eines – das sie nicht wusste, wie sie den attraktiven Mann ohne Namen über ihr alternatives Abendprogramm in Kenntnis setzen sollte.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Sep 13 2012, 17:40

Hm, ich dachte eigentlich ich hätte vorhin schon was geschrieben. Habe ich wohl vergessen weg zu schicken, oder so confused
Egal, dann hier nochmal.

Helena ist ganz schön feige. Mokiert sich darüber, dass der "Fremde" (dessen Namen ich lästigerweise immer noch nicht weiß) sich über ihr scheinbar gemeinsames Interesse nur an sie heran machen will (auch wenn es sie irgendwie beeindruckt), anstatt sich darüber zu freuen. Schließlich verspricht ein Treffen mit ihm doch interessantere Gespräche als das Sabbern manch anderer Männer beim boßen Anblick eines Autos. Wink
Und wenn dann noch eine Anziehung hinzu kommt, ist doch gerade zu perfekt. Aber dann soll sie doch ins Kino gehen und sich Brad anschauen. Zugegeben auch kein schlechter Anblick, aber allem Anschein nach doch eher eine schlechte Alternative. Obwohl ich mir auch noch nicht sicher bin, ob es so kommt wie sie es beschlossen hat. Rolling Eyes

Wann gibt es mehr? (nicht dass ich neugierig wäre) Wink

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Sep 13 2012, 20:00

katha schrieb:
Hm, ich dachte eigentlich ich hätte vorhin schon was geschrieben. Habe ich wohl vergessen weg zu schicken, oder so confused
Egal, dann hier nochmal.

Helena ist ganz schön feige. Mokiert sich darüber, dass der "Fremde" (dessen Namen ich lästigerweise immer noch nicht weiß) sich über ihr scheinbar gemeinsames Interesse nur an sie heran machen will (auch wenn es sie irgendwie beeindruckt), anstatt sich darüber zu freuen. Schließlich verspricht ein Treffen mit ihm doch interessantere Gespräche als das Sabbern manch anderer Männer beim boßen Anblick eines Autos. Wink
Und wenn dann noch eine Anziehung hinzu kommt, ist doch gerade zu perfekt. Aber dann soll sie doch ins Kino gehen und sich Brad anschauen. Zugegeben auch kein schlechter Anblick, aber allem Anschein nach doch eher eine schlechte Alternative. Obwohl ich mir auch noch nicht sicher bin, ob es so kommt wie sie es beschlossen hat. Rolling Eyes

Wann gibt es mehr? (nicht dass ich neugierig wäre) Wink

LG, Katha

Ja, feige triffts wohl ganz gut. Na gut, nach den Enttäuschungen, die sie hinter sich hat, ist sie wohl vorsichtiger geworden. Und wie konnte es denn auch angehen, dass ein Typ wie er sich ausgerechnet für sie interessiert. Rolling Eyes

Na gut, ob der Kinobesuch wirklich die bessere Wahl war, wird sich noch zeigen. Und ob sich der Unbekannte das so einfach gefallen lassen wird, auch. Smile

Fortsetzung kommt balde Wink

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Sep 13 2012, 20:33

Danke für deinen lieben Kommi, meine Katha ... anbei noch ein kleiner Teil für heute. Wink


Teil 30



Zu Helenas Überraschung war der Kinosaal fast ausverkauft. Verdammt, so viele verrückte Brad Pitt Fans. Wie viele es wohl wie mich unter ihnen gibt, die sich nur aus reiner Nächstenliebe diesen Typen antun? Beth hatte sich mit einer riesigen Portion Nachos mit Käsedip neben Helena niedergelassen. Helena, die sich an einer kleinen Tüte gesalzenem Popkorn gütlich tat, rümpfte angewidert die Nase und sah Beth mit einem Ausdruck unübersehbaren Ekels an. „Was?“, brachte die mit vollem Mund hervor und leckte sich genüsslich den warmen flüssigen Käse von den Fingern. Helena hatte das Gefühl, sich übergeben zu müssen. „Wenn du nicht meine beste Freundin wärst und ich nicht darüber hinaus Buße zu tun hätte, würde ich dich bitten, zwei Plätze weiterzurücken.“, konstatierte Helena mit angewidertem Gesichtsausdruck. Beth sah sie breit grinsend an. „Hey, die schmecken lecker – vor allem die Peperoni. Es geht doch nichts über richtig scharfe Sachen.“, erklärte sie gelassen. „Es sind auch nicht die Nachos oder die Peperoni … Aber dieser Käsegeruch – Boah … Bääh.“ Helena hielt sich demonstrativ die Nase zu. Beth warf ihr einen finsteren Blick zu und knuffte ihre Freundin missbilligend in die Seite. „Du weißt ja nicht, was gut schmeckt …“, erklärte sie ungerührt, woraufhin Helena sie verblüfft anstarrte. „… und jetzt halt die Klappe, der Film geht los.“ Helena klappte entsetzt den Mund auf, um etwas zu sagen, doch die Erwiderung, die ihr auf der Zunge lag, blieb ihr schmerzhaft in der Kehle hängen. Was besser war, wenn sie nicht doch noch Beths Zorn auf sich ziehen wollte. Wenige Sekunden später verdunkelte sich der Kinosaal, und die Leinwand erwachte zum Leben. Helena klappte ihren Mund wieder zu und lenkte ihren Blick auf den beginnenden Film. Zum Glück konnten sie zwei Plätze ziemlich weit hinten ergattern, so hatten sie einen guten Blick auf die Leinwand. Eine Weile gab Helena sich dem Film unter Genuss ihres Popkorns hin. Gegen ihren Willen musste sie zugeben, dass der Film durchaus eine interessante Handlung hatte – auch wenn das nichts an ihrer eher verhaltenen Begeisterung für Brad Pitt änderte. Im Kinosaal herrscht Schweigen, welches lediglich durch die Darsteller auf der Leinwand und durch das gelegentliche Knistern von Popkorntüten unterbrochen wurde.

Helena warf Beth einen stillen Seitenblick zu. Ihre Freundin starrte mit weit aufgerissenen Augen auf die Leinwand. Man hatte fast den Eindruck, sie wolle ihren Helden mit den Augen von der Leinwand saugen. Wenn Helena es nicht besser wüsste, wäre sie davon überzeugt, dass Beth nicht mehr atmete. Sie unterdrückte ein Grinsen. Was die nur alle an Brad Pitt finden … Gegen den Typen mit den traumhaften grünen Augen und dem unwiderstehlichen Lächeln kommt eh keiner an … Und dieser Körper erst … Mhmm … Da kann Brad hundert Mal seinen nackten Hintern in die Kamera halten … Ein leises Lachen schwebte durch ihren Kopf und ließ sie augenblicklich innehalten. Sie kannte dieses Lachen. Aber das war unmöglich. Unauffällig wandte sie den Kopf nach rechts und links, spähte vorsichtig über ihre Schulter nach hinten, konnte in dem Zwielicht des Kinos jedoch nichts erkennen. Meine Güte, Helena, wie hirnrissig bist du eigentlich … Sie schüttelte schweigend den Kopf und versuchte, sich wieder auf den Film zu konzentrieren. Was ihr merklich schwerfiel, und das hatte nichts mit der durchaus interessanten Handlung zu tun. Eigentlich war sie hundemüde, weil sie die letzten Nächte kaum geschlafen hatte, aber ihrer Freundin zuliebe tat sie sich auch so etwas an. Sie ertappte sich bei dem inständigen Wunsch, dass Beth sich für ihre übergroße Selbstlosigkeit eines Tages revanchieren würde, als ihre magere Aufmerksamkeit jäh von einem unangenehmen Ziehen – begleitet von einem Anflug von Übelkeit – in ihrem Magen gestört wurde. Eindeutig eine Nebenwirkung des Käsegeruchs. Eine Weile versuchte sie, das unangenehme Gefühl zu ignorieren. Doch schließlich hielt sie es nicht mehr aus. Langsam beugte sie sich zu Beth herüber. „Beth, Süße … ich muss mal kurz auf die Toilette.“, flüsterte Helena ihrer Freundin zu. Die nickte nur, während sie weiter – in vollkommen erstarrter Faszination – auf die Leinwand blickte. Helena grinste amüsiert in sich hinein, erhob sich und steuerte durch die Reihe – unter murrenden Protesten fanatischer Brad Pitt Fans – den Ausgang des Kinosaals an. Die angenehme frische Luft, die ihr augenblicklich entgegenwehte, ließ Helena kurz und tief durchatmen. Sie hasste überfüllte Räume. Und die Komposition von Gerüchen aus Nachos, Käsedip, gesüßtem Popkorn und menschlicher Ausdünstungen, hatte ihr obendrein zugesetzt. Mit entschlossenen Schritten steuerte sie die Toilette an.

Nachdem Helena die Übelkeit überwunden und ihr Gesicht wieder eine annehmbare Farbe angenommen hatte, verließ sie die Toilette und ließ sich in der Kinolobby auf einem der weichen Sessel fallen. Der Film war ohnehin gleich zu Ende, kein Grund also, die fanatisch Besessenen hinter den schweren Türen unnötig gegen sich aufzubringen, indem man sich störender Weise durch die Reihen zu seinem Sitzplatz zurückkämpfte und damit temporär die Sicht versperrte. Nein, Helena würde einfach hier sitzen bleiben und auf Beth warten. Neugierig ließ sie den Blick durch das Foyer schweifen und betrachtete schweigend die Kinoplakate, die die nächsten Filmneuheiten ankündigten. Der eine oder andere Film klang tatsächlich vielversprechend. Ein wahrhaftiges Eingeständnis für jemanden, der nicht viel für Kinos übrig hatte. Aber diese Einstellung hatte sie schon immer besessen. Helena vergnügte sich viel lieber mit einem guten Buch oder versank in ihren Bildern, als sich freiwillig mit hunderten von anderen Menschen in einen Hühnerstall pferchen zu lassen. Ein weiterer Grund für ihre überschaubaren sozialen Kontakte. Na ja, vielleicht sollte ich tatsächlich öfter mal mit Beth ins Kino gehen. In diesen Gedanken versunken, griff sie nach ihrer Tasche, als plötzlich ein merkwürdiger Schauer ihre Nackenhaare zum Sträuben brachte, fast so als hätte jemand eine Tür hinter ihr geöffnet … „Es betrübt mich, dass du einen Kinobesuch unserer Verabredung vorgezogen hast.“, ertönte eine sanfte dunkle Stimme an ihrem Ohr, dessen warmes melodisches Timbre ihr sofort eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Mit einem spitzen Schrei fuhr sie herum und starrte in ein ihr bekanntes Gesicht. „Verdammt, macht es dir eigentlich Spaß, dich so an mich heran zu schleichen und zu erschrecken?“, fuhr sie ihn sichtlich aufgebracht an. Panisch keuchend presste sie ihre Hand auf ihre Brust und versuchte, ihr rasendes Herz zu beruhigen. Oh Gott, ihn hatte sie doch tatsächlich vollkommen vergessen. Kino war vielleicht doch keine so schlechte Therapie …, dachte sie belustigt. Ein winziges Lächeln zuckte um ihre Lippen. Doch als sie das schiefe Grinsen in seinem Gesicht bemerkte, setzte sie sogleich eine indolente Miene auf. „Was machst du hier?“, fragte sie und versuchte, so gleichgültig wie möglich zu klingen. Dass er hier so unvermittelt auftauchte, brachte sie beinahe erneut aus dem Konzept.

Ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel, eines jener Art, was Helenas Herzschlag auf wundersame Weise beschleunigte. Gegen ihren Willen natürlich. „Ich bin dir nachgegangen.“, erwiderte er unverblümt. Und das war noch nicht mal gelogen. Als sie an der verabredeten Stelle zur vorgeschlagenen Zeit nicht aufgetaucht war, war er zunächst ziemlich sauer gewesen. Hatte er doch gehofft, dass der Nachmittag im Café nicht nur eine Eintagsfliege bleiben würde. Er hatte sie unbedingt wieder treffen wollen, war er doch ziemlich erpicht darauf, genau dort weiterzumachen, wo sie vor vier Tagen aufgehört hatten. Sie faszinierte ihn auf eine besondere Weise. Und das nicht wegen ihrer reizenden Erscheinung … na gut, vielleicht ein bisschen … ein klitzekleines Bisschen … Na gut, vielleicht doch ein bisschen mehr. Aber das war es nicht … Vielmehr reizte ihn ihr unbekümmerter und ziemlich scharfsinniger Intellekt. Er hatte im Laufe der Zeit viele Menschen getroffen, doch selten kreuzten ihresgleichen seinen Weg. „Wow, da wäre ich jetzt aber wirklich nicht drauf gekommen.“, erwiderte sie sarkastisch. Er überhörte ihre bissige Bemerkung und sah sie einfach nur an. Vier Tage lang hatte er sich nach diesem Augenblick verzehrt und die Zeit in steter Ruhelosigkeit verbracht, bis er die Idee ersonnen hatte, sie in die neuste Ausstellung des Louvre einzuladen. „Die Kunst der Antike“ Er war sich so sicher gewesen, dass sie sich diese Möglichkeit niemals entgehen lassen würde. Wie man sich doch täuschen konnte. Dass sie nicht gekommen war, hatte ihn verärgert – ja fast wütend gemacht. Sein erster Gedanke war, dass sie mit jemand anderem unterwegs war, was ihn direkt die Galle schäumen lassen hatte. Er würde es nicht zulassen, dass sie einem anderen Mann den Vorzug gab. Aus genau diesem Grund hatte er sie sofort gesucht. Und wie leicht das doch gewesen war. Kein Wunder, denn das hatte sie doch ganz allein bewirkt – wenn auch völlig unbewusst. Bei dem Gedanken an ihren scheuen Kuss und die zarte Wärme, die ihr Körper an seinem ausgestrahlt hatte, zog ein angenehmes Kribbeln durch seine Adern. Er brauchte nur noch die Augen schließen und sich auf dieses zarte Band konzentrieren, was sie mit ihrem Vorstoß zwischen ihnen geknüpft hatte … und er katapultierte sich direkt in ihre Arme. Von nun an würde vieles leichter werden, jetzt nachdem sie sich so nahe gekommen waren. Und wer weiß, vielleicht würden sie dieses zarte unsichtbare Band, von dem sie bisher noch nichts wusste, schon bald festigen können.

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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Do Sep 13 2012, 22:29

Hm, wieder ein Genuss, und dann ist es schon wieder vorbei, dabei könnte ich doch noch stundenlang weiter lesen crying
Aber gut, dann komm ich wenigstens ins Bett. Wink

Ach ja, bevor ichs vergesse. Ich will mehr!!! (Was mach ich nur wenn du im Urlaub bist? pale )

Liebe Grüße
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BeitragThema: Re: Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"   Fr Sep 14 2012, 07:40

katha schrieb:
Hm, wieder ein Genuss, und dann ist es schon wieder vorbei, dabei könnte ich doch noch stundenlang weiter lesen crying
Aber gut, dann komm ich wenigstens ins Bett. Wink

Ach ja, bevor ichs vergesse. Ich will mehr!!! (Was mach ich nur wenn du im Urlaub bist? pale )

Liebe Grüße
Katha

Jaaaaah, ich will auch mehr ...
Ich kann kaum so schnell schreiben, wie du liest. Wink Hatte schon gedacht, der neue Teil bleibt noch unentdeckt und ist dann für heute ein kleines Lesehäppchen. Aber wie ich sehe, hast du ihn gefunden ... Katha-Radar eben Rolling Eyes

Na gut, ich schau mal, ob ich dich noch mit ein paar Teilchen versorgen kann, bevor ich abhebe.

LG, Mini

P.S. Willst du mich nicht auch noch mit dem einen oder anderen Teil versorgen? Ich meine, ich bin dann auch zwei Wochen auf Entzug ... confused

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Fluch der Unsterblichkeit (Part I) "Racheengel"
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