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 Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...

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Flyingrose

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BeitragThema: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:17

das Eingangsposting lautete :

Kapitel 1

Anna saß im Penthouse am Fenster und schaute hinaus. Es war ein kalter Abend im Januar. Draußen tanzten leise ein paar Schneeflocken auf und ab. Auf Annas Gesicht breitete sich ein zufriedenes Lächeln aus. Sie mochte den Winter und vor Allem den Schnee. Sie dachte daran wie glücklich sie doch war. Sie hatte alles was man sich nur wünschen kann. Einen liebevollen Mann an ihrer Seite mit dem sie immer noch sehr glücklich war, einen tollen Job, ein schönes Zuhause und bald würde ihr Glück perfekt sein. Sie strich sich sanft mit der Hand über den Bauch. In dem Moment öffnete sich die Fahrstuhltür und Jonas kam herein. Er sah etwas müde und erschöpft aus. Sein Blick fiel auf Anna und ihm fiel zum wiederholten Male auf wie hübsch sie doch war. Er ging zu ihr, umarmte seine Frau und gab ihr einen zärtlichen Kuss zur Begrüßung.

„Hallo mein Schatz! Wie war Dein Tag heute?“ Anna strahlte ihren Mann an und war froh, dass er endlich wieder daheim war. Sie wollte ihm doch unbedingt die freudige Nachricht überbringen. „Jonas, endlich bist Du da! Ich muss Dir etwas erzählen.“ „Ist irgendwas passiert, Anna? „Nein, nein, es ist alles in Ordnung. Naja, ich war heute bei meiner Frauenärztin.“ Anna war etwas nervös und wusste nicht genau wie Jonas auf die Neuigkeit reagieren würde. Jonas schaute seine Frau etwas besorgt an. „Warum warst Du beim Arzt? Geht’s Dir nicht gut? Ist alles in Ordnung?“ Anna musste lächeln als sie Jonas ansah. „Jonas, ich bin schwanger. Wir bekommen ein Baby.“ Kaum hatte Anna den Satz beendet hob Jonas sie hoch und wirbelte sie freudig durch die Luft. „Anna, ich kann Dir gar nicht sagen wie glücklich mich das macht! Ich freue mich so sehr!“ Anna lachte und ihr war schon ganz schwindelig. „Lass mich bitte wieder runter, mir wird schon schwindelig. Ich freue mich auch, Schatz. Aber…“ Anna brach mitten im Satz ab und schaute Jonas an. „Anna, was ist los? Es ist doch alles in Ordnung mit dem Kind, oder?“ „Jonas, die Ärztin meinte, es wäre eine Risikoschwangerschaft. Das heißt, ich muss mich in den nächsten Wochen auf jeden Fall schonen und Stress vermeiden. Vielleicht sogar die gesamte Schwangerschaft über. Sonst könnte es passieren, dass ich das Kind verliere.“ Anna musste schlucken. Alleine bei dem Gedanken, sie könnten das Baby verlieren, wurde ihr ganz schlecht. Jonas schaute seiner Frau tief in die Augen. „Anna, hör mir bitte gut zu. Es wird alles gut gehen. Ich werde auf Dich aufpassen und Du wirst Dich schonen. Mach Dir bitte keine Sorgen.“ Über Annas Lippen huschte ein Lächeln und sie umarmte Jonas ganz fest. „Danke, mein Schatz, dass Du für mich da bist. Ich liebe Dich!“ „Ich liebe Dich auch, meine Süße!“

Zur gleichen Zeit saßen Mia und Alexander zusammen beim Abendbrot. Die beiden waren nun schon seit ein paar Monaten verheiratet. Bereits kurz nach der Hochzeit fingen die Unstimmigkeiten und Streitereien bei den beiden an. Sie hatten sich immer wieder wegen Kleinigkeiten in den Haaren was vor Allem Mia sehr zu schaffen machte. Sie hatte sich die gemeinsame Zukunft mit ihrem „Traummann“ so schön und harmonisch vorgestellt. Doch irgendwie war das Zusammenleben ganz anders. Alexander war inzwischen recht erfolgreich als Fotograf und hatte sich selbstständig gemacht. Doch leider wirkte er nie richtig zufrieden. Mia betrachtete ihren Mann aus den Augenwinkeln wie er gerade ein Schwarzbrot mit Tomaten aß. Nebenbei war er in eine Zeitschrift vertieft. Mia hasste es wenn er sie überhaupt nicht beachtete und sich nur auf andere Sachen konzentrierte.

„Alex, kannst Du mir mal bitte die Butter reichen?“ Alex blickte von seiner Zeitschrift hoch zu Mia. „Hier, aber da wärst Du doch selbst rangekommen.“ „Danke, sorry, dass ich den viel beschäftigten Herren bei einer wichtigen Sache gestört habe.“ Mia verdrehte die Augen. Alexander wurde wütend und legte die Zeitschrift beiseite. „Ich möchte einfach nur ein bisschen Ruhe haben nach einem anstrengenden Tag. Ist das denn zu viel verlangt?“ Auch in Mia stieg so langsam die Wut auf. Warum konnten sie sich nicht einfach mal normal unterhalten und über den Tag sprechen wie andere Paare auch? „Alex, ich will mich nicht mit Dir streiten. Ich wollte mich einfach nur mit Dir unterhalten.“ Alexander beruhigte sich langsam wieder. Er wollte Mia nicht so anfahren. Auch ihn machte die Situation zu schaffen, auch wenn er sich das nicht so anmerken ließ. Er konnte sich einfach nicht erklären wieso sie so distanziert miteinander umgingen seit sie verheiratet waren. „Tut mir leid, Mia. Ich bin einfach müde und genervt. Die Kunden haben mich verrückt gemacht heute.“ Er stand auf und gab seiner Frau einen Kuss auf die Stirn bevor er ins Bad ging. „Gute Nacht, ich lege mich hin.“ Mia schloss für einen kurzen Moment die Augen und genoss den Kuss. Sie sehnte sich nach seinen Zärtlichkeiten die sie so sehr vermisste. „Schlaf gut, Alex.“
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Flyingrose

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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:43

Kapitel 51

Am nächsten Morgen hatte Jonas immer noch einen Brummschädel und seine Wut ließ nicht nach. Er musste einfach mal raus an die frische Luft. Also machte er einen Spaziergang durch den Park. Er ging zu dem Steg an dem er schon mit Anna saß. Schon von weitem sah er jemanden dort stehen. Als er näher kam erkannte er, dass die Person Enrique war. Der drehte sich gerade um und kam auf ihn zu. Auch Jonas ging auf ihn zu und packte ihn ohne Vorwarnung am Kragen. Enrique war ganz verdutzt und kam überhaupt nicht zu Wort. „Halt Dich von Anna fern und aus unserem Leben raus.“ Jonas‘ Stimme wurde laut. Enrique versuchte sich zu wehren und packte seinen Gegner ebenfalls am Kragen. „Hey, Jonas, nun bleib‘ mal ruhig. Du hast ja was getrunken. Ich will doch gar nichts von Anna.“ Jonas schubste ihn hin und her und war außer sich vor Wut. „Es ist nicht Dein Kind. Das geht Dich überhaupt nichts an. Es ist unser Kind. Hast Du das verstanden?“ Enrique versuchte mit aller Kraft Jonas‘ Angriffe abzuwehren und ihn zu beschwichtigen. „Lass‘ uns in Ruhe darüber reden wenn Du wieder nüchtern bist und einen klaren Gedanken bekommen hast. Du solltest nach Hause gehen.“ Nun stand Jonas wieder direkt vor Enrique und schaute ihn böse an. Er hob eine Faust und drohte ihm. „Mir ist so einiges klar und Du hast mir gar nichts vorzuschreiben. Du ganz bestimmt nicht.“ „Ich will mich jetzt nicht mit Dir streiten und ich werde mich auch nicht mit Dir prügeln.“ Jonas stand die Wut und die pure Verzweiflung in die Augen geschrieben. „Na komm‘ schon. Tragen wir es aus wie Männer. Oder traust Du Dich nicht?“ Jonas tänzelte mit erhobenen Fäusten in Angriffsstellung vor ihm hin und her. Enrique wusste, dass es keinen Sinn hatte jetzt mit ihm zu reden und wollte gehen. Da rempelte ihn Jonas von hinten an. „Ach, da hat wohl doch jemand Angst und will einfach abhauen.“ „Ich werde Dir keine verpassen. Geh einfach nach Hause.“ Jonas konnte es nicht fassen. Enriques Art brachte ihn auf die Palme. Also holte er aus und schlug ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Enrique fiel rückwärts zu Boden und wischte sich über die schmerzende Stelle. An seinen Fingern klebte etwas Blut. Jonas stand wie angewurzelt da und starrte ein paar Sekunden auf den verletzten Enrique der am Boden lag. Enrique rappelte sich langsam wieder auf. Dann rannte Jonas einfach davon. Enrique blickte ihm noch nach bis er nicht mehr zu sehen war.

Jonas rannte noch eine ganze Weile weiter bis ihm irgendwann die Luft ausging und er erschöpft und schwer atmend stehenblieb. Er beugte sich nach vorne und stützte sich mit den Händen auf seinen Oberschenkeln ab um nach Luft zu schnappen. Nach ein paar Minuten richtete er sich wieder auf und sein Blick fiel auf seine blutverschmierten Hände. „Verfluchter Mist. Was habe ich nur getan?“ Jonas‘ war selbst überrascht von seinem Verhalten und er spürte eine seltsame Leere in seinem Kopf. Sein Blick schweifte suchend umher um herauszufinden wo er sich überhaupt befand. Er war einfach ziellos davon gelaufen nachdem er Enrique eine verpasst hatte. Und schon spürte er wieder dieses Gefühl von Wut in sich aufsteigen. Er war wütend auf Enrique und er war wütend auf Anna und gleichzeitig auch ziemlich enttäuscht von ihr. Wieso hatte sie ihm nichts davon gesagt, dass Enrique der Vater sein könnte? Sie hatte es ihm einfach eiskalt verschwiegen. Ihr Glück war doch so perfekt gewesen. Fast schon zu perfekt, schoss es ihm in den Kopf. Da musste ja noch irgendein Haken kommen. Jonas wusste einfach nicht wie er mit der neuen Situation umgehen sollte. Es riss ihm fast den Boden unter den Füßen weg. Das konnte doch einfach nicht wahr sein, dass die Möglichkeit bestand, dass seine Anna von Enrique schwanger war. Doch nicht ausgerechnet von Enrique. Doch was würde das schon ändern wenn es irgendjemand anderes gewesen wäre. Die Situation wäre genauso besch... wie jetzt. Und schon kam ihm Anna wieder in den Sinn. Wie konnte sie ihm das nur antun? Sie konnte doch unmöglich von ihm verlangen, dass er einfach so weitermachen würde wie bisher, als wäre nichts geschehen. Dabei liebte er sie doch mehr als alles andere auf der Welt. Völlig durcheinander ging Jonas schnellen Schrittes weiter. Er wollte nur noch nach Hause und erst mal unter die Dusche. Ihm wollte kein klarer Gedanke mehr gelingen.

Zur gleichen Zeit kam Enrique in den Coffee-Shop. Er sah Anna an der Bar sitzen wie sie sich gerade mit Paloma unterhielt. Wieder einmal bemerkte er wie wunderhübsch sie doch war. Ihr langes blondes Haar fiel offen über ihre Schultern. Eine Hand lag schützend auf ihrem Bauch den sie sanft streichelte. Anna würde eine wundervolle Mutter sein. Irgendwie war Enrique ein wenig wehmütig. Er fand den Gedanken Vater zu werden gar nicht abwegig und irgendwie gefiel ihm diese Vorstellung sogar. Ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht. Ihm bedeutete Anna nach wie vor sehr viel. Er war zwar über ihre Trennung hinweg gekommen doch gewisse Gefühle schlummerten immer noch in ihm die er nur schwer herunter schlucken konnte. Doch die gemeinsame Zeit mit Anna gehörte der Zukunft an. Plötzlich wurde er jäh aus seinen Gedanken gerissen und er hörte Palomas Stimme die ihn freundlich begrüßte. „Guten Morgen, Enrique.“ Enrique zuckte leicht zusammen und sah nun auch Anna in seine Richtung blicken. Es versetzte ihn einen kurzen Stich mitten ins Herz als er Annas traurigen Blick bemerkte. Sie zwang sich ein Lächeln über ihre Lippen zu bringen, das sofort wieder erlosch. „Morgen, Enrique.“ Enrique ging langsam auf die beiden Freundinnen zu und setzte sich neben Anna. „Guten Morgen, Ihr beiden.“ Besorgt blickte er Anna von der Seite an und legte einen Arm um ihre Schulter. Er sprach ganz leise zu Anna. „Hey, wie fühlst Du Dich heute?“ Anna senkte den Blick und streichelte weiter über ihren Bauch. „Jonas ist gestern Abend völlig betrunken nach Hause gekommen und hat Dinge zu mir gesagt, die mir sehr weh getan haben. Ich konnte da einfach nicht bleiben und habe die Nacht bei Paloma verbracht.“ Enrique schaute besorgt zu Paloma rüber die seinen Blick erwiderte. „Das tut mir leid, Anna. Ich fürchte, Jonas nimmt das alles sehr mit. Das war wirklich nicht meine Absicht. Ich habe ihn heute Morgen zufällig getroffen.“ Anna blickte zu Enrique hoch und bemerkte seine verletzte Nase. „Was ist denn mit Dir passiert?“ Nun bemerkte auch Paloma was los war. „Naja, ich war heute Morgen am See und da kam plötzlich Jonas auf mich zu. Er war total aufgebracht und hat mich aufgestachelt mich mit ihm zu prügeln. Ich bin gar nicht drauf eingegangen. Er hat mir gedroht, die Finger von Dir zu lassen. Als ich gehen wollte, hatte ich plötzlich seine Faust in meinem Gesicht.“ Anna und Paloma starrten Enrique erschrocken und fassungslos an. Anna erlang als erstes die Fassung wieder. „Das darf doch wohl nicht wahr sein. So ein Verhalten ist doch gar nicht typisch für ihn. Ich werde gleich mal zu ihm gehen und mit ihm reden.“ Paloma blickte ihre Freundin nachdenklich hinterher als sie auf dem Weg zum Ausgang war. „Anna, soll ich Dich begleiten?“ Auch Enrique war nicht wohl bei der Sache, dass Anna nun zu Jonas wollte in seinem Zustand. „Nein, das muss ich alleine tun. Ich melde mich nachher bei Dir. Tschüss.“ Paloma und Enrique antworteten wie aus einem Mund. „Tschüss, Anna.“
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Flyingrose

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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:43

Kapitel 52

Während Anna sich schnurstracks auf den Weg ins Penthouse machte schossen ihr tausend Gedanken durch den Kopf und sie wusste nicht was sie gleich erwarten würde. Würde sie Jonas überhaupt dort antreffen? Oder ist er vielleicht gar nicht daheim? Wie würde er auf sie reagieren? Was würde er sagen wenn sie ihn auf den Vorfall mit Enrique ansprechen wird? Würde er gleich alles abstreiten? Wird er sie anschreien oder sie vielleicht sogar ignorieren? Anna ermahnte sich selbst, sich nicht zu viele Gedanken im Voraus zu machen und fuhr schließlich mit dem Fahrstuhl nach oben um mit ihrem Mann zu reden. Als sich die Türen des Fahrstuhls öffneten trat sie langsam hinaus. Sie blickte sich suchend um und fand Jonas auf der Couch sitzend vor. Er hatte ganz zerzaustes Haar, war blass und hatte dunkle Augenränder. Anna kam ein paar Schritte auf ihn zu. „Hallo Jonas. Ich muss mit Dir reden.“ Jonas blickte zu Anna rüber. In seinem Blick lag so viel Wut, Traurigkeit, Verzweiflung und Verständnislosigkeit wie es Anna noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte. „Anna!? Na, hat Enrique schön gepetzt und Dich geschickt? Er hat selbst schuld.“ Anna seufzte kaum hörbar und war entsetzt über sein Verhalten. „Nein, Enrique hat nichts damit zu tun, dass ich hier bin. Ich würde gerne mit Dir reden wie es jetzt zwischen uns weiter gehen soll.“ Jonas war schon wieder völlig außer sich und funkelte Anna zornig an. „Ach, und wie soll es jetzt weiter gehen? Willst Du mich wieder verlassen und mit Enrique einen auf heile Familie machen?“ Anna war die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Sie konnte gar keinen Zugang mehr zu ihrem Mann finden. „Nein, ich will Dich doch nicht verlassen. Wie kommst Du denn bloß auf so etwas? Wir zwei sind eine Familie und unser ungeborenes Kind.“ Jonas war unendlich traurig und wütend und seine Stimme wurde immer lauter. Er konnte irgendwie nicht anders. Er wusste nicht wohin mit seinen ganzen Gefühlen. Er stand auf und ging auf Anna zu. „Ach, unser Kind also, ja? Du weißt doch gar nicht von wem es ist. Du scheinst das ja alles ziemlich locker zu sehen. Du willst also weiter machen wie bisher als wäre nichts passiert?“ Anna spürte wie sich ihre Augen mit Tränen füllten. Sie musste schlucken bevor sie weiter sprach. „Jonas, das Kind kann doch nichts dafür. Was soll ich denn Deiner Meinung nach jetzt tun? Ich liebe Dich, Jonas und ich werde unser Kind lieben. Ganz egal was passiert.“ Jonas stand nun direkt vor Anna und blickte ihr in die Augen. Sie konnte diesen Blick nicht zuordnen. Er fühlte sich irgendwie kalt und gefühllos an. Sie fühlte eine Kälte durch ihren Körper fließen und ein leichter Schauer lief ihr den Rücken runter. Sie erkannte ihren Mann überhaupt nicht wieder. „Ich weiß nicht was Du tun sollst. Keine Ahnung. Aber ich kann mit dieser Ungewissheit nicht klar kommen. Wie soll ich ein Kind lieben, das genauso gut von jemand anderem sein könnte!?“ Dieser Satz hatte gesessen und Anna spürte die ersten Tränen über ihre Wangen laufen. Sie fing leise an zu schluchzen und blickte Jonas in die Augen.

„Wieso tust Du das? Wieso behandelst Du mich so nach allem was war? Ich dachte immer, Du würdest mich lieben?“ Jonas verspürte einen Kloß im Hals. Er war für einen kurzen Moment unfähig etwas zu sagen. Er stand einfach nur da und betrachtete seine aufgelöste, verzweifelte Frau. Ein Teil in ihm war völlig fertig und sagte ihm, er solle sie einfach in den Arm nehmen und ganz fest halten. Es zerriss ihm fast das Herz seine geliebte Anna so zu sehen. Aber ein anderer Teil in ihm verspürte das genaue Gegenteil. Er konnte einfach nicht dagegen ankämpfen. Anna weinte und war kaum fähig etwas zu sagen. „Jetzt bin ich Dir nicht einmal mehr eine Antwort wert? Wieso lässt Du mich jetzt wieder links liegen? Deinetwegen bin ich zu Dir zurück gekommen! Deinetwegen habe ich die Beziehung zu Enrique beendet und ihm fast das Herz gebrochen! Jonas, verstehst Du das? Ich habe das alles Dir zu liebe wieder aufgegeben! Wie kannst Du mich jetzt einfach hier stehen lassen?“ Anna war fassungslos und zutiefst verletzt. Jonas schaute seiner Frau in die Augen und auch seine Augen füllten sich langsam mit Tränen. „Und wieso bist Du zu mir zurück gekommen?“ „Weil ich Dich liebe, Jonas. Das habe ich schon immer. Seit unserer ersten Begegnung damals. Und ich weiß, dass ich Dich auch immer lieben werde. Egal was auch kommen mag. Liebe überwindet alle Hürden.“ Jonas‘ spürte wie sich eine Träne ihren Weg über sein Gesicht bahnte. Er liebte Anna doch über alles. Wieso konnte er ihr das nicht sagen? Und warum konnte er ihr nicht einfach verzeihen. Er wollte es wirklich. Aber es gelang ihm einfach nicht. „Ich weiß einfach nicht, ob ich so mit Dir weiterleben kann und ob das überhaupt noch alles einen Sinn macht.“ Anna schaute ihm noch einmal tief in die dunklen Augen die nun auch mit Traurigkeit gefüllt waren und ging dann wortlos ins Schlafzimmer. Jonas blieb wie angewurzelt stehen, unfähig sich zu bewegen. Seine Gedanken ratterten unaufhörlich. Nach einigen paar Minuten kam Anna zurück mit zwei gepackten Koffern. Sie ging auf den Fahrstuhl zu und drückte auf den Knopf. Jonas überkam plötzlich eine unbeschreibliche Angst und er ging auf Anna zu. Er wollte sie an den Händen fassen doch sie zog ihre einfach zurück. Ihre Augen waren gerötet und sie weinte immer noch. „Anna, bitte bleib‘ bei mir.“ Als der Fahrstuhl kam stellte sie die Koffer hinein und drehte sich noch ein letztes Mal um. „Jonas, Du hast Deine Entscheidung getroffen und nun habe ich eine für mich getroffen. Ich muss jetzt auch an das Kind denken. Und deshalb werde ich gehen.“ Jonas‘ Blick strahlte die pure Verzweiflung aus. Er flehte Anna an. „Aber ich liebe Dich doch und ich brauche Dich.“ Anna stieg nun auch in den Lift und drückte den Knopf der sie nach unten befördern sollte. Als sich die Türen schlossen blickte sie geradewegs in die Augen ihres Mannes. „Dafür ist es jetzt zu spät, Jonas. Du hast Dich gegen uns entschieden. Leb‘ wohl.“ Jonas schlug mit geballten Fäusten gegen die geschlossene Tür und ließ seinen Tränen freien Lauf. Er ließ sich auf den Boden sacken und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Er weinte bitterlich. Was hatte er Anna nur angetan? Anna fing ebenfalls hemmungslos an zu weinen und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand. Wie sollte es jetzt nur weiter gehen? Sie hatte zum zweiten Mal ihre große Liebe verloren.
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Flyingrose

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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:44

Kapitel 53

Als der Fahrstuhl unten ankam stieg Anna hinaus und schleppte die Koffer auf den Gehweg. Sie holte tief Luft und kramte ein Taschentuch aus ihrer Hosentasche um sich die Nase zu putzen. Sie musste furchtbar aussehen. In dem Moment klingelte ihr Handy. Anna schrak auf und fischte ihr Handy aus der Tasche. Eigentlich wollte sie jetzt mit niemanden sprechen. Doch dann sah sie Palomas Namen auf dem Display aufleuchten. Anna seufzte tief, drückte die grüne Hörertaste und schwieg. „Anna, bist Du da?“ Anna schniefte leise. „Hey, Süße, ist alles in Ordnung?“ Anna räusperte sich bevor sie sprechen konnte. „Paloma... Es ist... Jonas...“ Weiter kam sie nicht, denn ihre Stimme versagte. Paloma war sehr beunruhigt und machte sich Sorgen um ihre beste Freundin. Auch Enrique, der neben Paloma saß, hatte ein ungutes Gefühl. „Wo bist Du gerade? Ich komme zu Dir.“ Anna schluchzte. Die Aufregung tat ihr überhaupt nicht gut. Sie merkte einen leichten, ziehenden Schmerz im Unterbauch. Sie versuchte tief ein und aus zu atmen um sich ein wenig zu beruhigen. „Anna, bitte sag‘ doch was.“ „Ich komme gleich zu Dir und erzähle Dir dann alles.“ „Pass‘ bitte auf Dich auf, Süße. Bis gleich.“ Nachdem sie aufgelegt hatten, rief sich Anna ein Taxi und ließ sich zum Coffee-Shop fahren. Paloma blickte Enrique voller Sorgen an der unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschte. „Nun sag‘ schon, Paloma. Was ist los mit Anna? Wo ist sie?“ „Das weiß ich nicht, aber sie war völlig aufgelöst und am Weinen. Sie will jetzt gleich hier her kommen und dann sehen wir weiter.“ Enriques Stirn legte sich in Falten. „Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache.“ Paloma blickte sorgenvoll Richtung Eingang. „Ich auch nicht, Enrique. Ich auch nicht.“

In dem Moment platzte ein verweinter und verzweifelter Jonas zur Tür herein. Er war ganz außer Atem und blickte sich suchend um. Paloma und Enrique blickten zu ihm rüber. Was war da bloß passiert? Jonas schien voller Sorge zu sein. Als er die beiden sah stürmte er auf Paloma zu während er Enrique ignorierte. „Jonas, was...?“ Weiter kam sie nicht, da sie von ihm unterbrochen wurde. „War Anna hier? Weißt Du wo sie ist? Oh man, ich habe mich so sch... benommen... .“ Jonas fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar und blickte Paloma mit großen Augen an. „Jonas, beruhige Dich bitte wieder. Was ist passiert?“ Jonas lief unruhig hin und her. Er konnte sich sein Verhalten nicht erklären. „Anna war bei mir und wollte noch mal mit mir reden. Und ich Idiot habe ihr nur Vorwürfe gemacht. Sie hat ihre Sachen gepackt und ist gegangen.“ Paloma starrte ihn mit offenem Mund an. Enrique wurde wütend, aber er hielt sich zurück um die Situation nicht eskalieren zu lassen. „Jonas, Anna ist schwanger. Sie darf sich doch nicht so aufregen.“ Jonas fuhr herum und war außer sich vor Sorgen. „Verdammt, das weiß ich doch. Ich weiß nicht wie ich mich so daneben benehmen konnte. Ich habe einfach völlig die Fassung verloren. Und nun will Anna nichts mehr mit mir zu tun haben.“ In dem Moment öffnete sich die Tür und Anna stand mit ihren Koffern in den Händen da und blickte die drei erschrocken an. Ihre roten, geschwollenen Augen ließen darauf schliessen, das sie viel geweint haben musste. Jonas reagierte blitzschnell und ging auf seine Frau zu. „Anna, bitte verzeih‘ mir mein Verhalten. Ich war so dämlich. Ich habe das doch alles nicht so gemeint.“ Anna ging zwei Schritte zurück und wieder stiegen ihr Tränen in die Augen. Paloma und Enrique bemerkte ihre Abwehrhaltung und eilten zu ihr. Enrique nahm Anna die Koffer ab und führte sie die Treppe hinunter zu einem Stuhl. Paloma versuchte währenddessen den aufgewühlten Jonas zurück zu halten. „Anna, bitte, rede doch mit mir. Es tut mir alles so leid.“ Paloma zog Jonas am Arm Richtung Tür. „Jonas, ich glaube, es ist besser wenn Du jetzt erst mal gehst. Anna braucht jetzt Ruhe.“ Jonas blickte zu Anna und Enrique rüber. Es versetzte ihn erneut einen Stich ins Herz. Dann wandte er sich wieder an Paloma. „Bitte rede mit Anna und melde Dich noch mal bei mir.“ „Das mache ich, Jonas. Bis dann.“ Jonas ging widerwillig hinaus um Anna nicht noch mehr zu stressen und Paloma eilte ebenfalls zu Anna. Enrique und sie nahmen die völlig aufgelöste Freundin in den Arm und versuchten sie zu trösten.

Nachdem sich Anna wieder etwas beruhigt hatte, erzählte sie den beiden was geschehen war. Paloma und Enrique verstanden Jonas‘ extremes Verhalten auch nicht und waren zur Zeit nicht so richtig gut auf ihn zu sprechen nachdem sie die ganze Geschichte kannten. Paloma hatte für alle erst mal einen Tee gekocht um die Gemüter ein wenig zu beruhigen. „Süße, wohin willst Du denn jetzt? Zurück in die Goldelse zu Susanne und Ingo?“ Daran hatte Anna in dem ganzen Gefühlschaos noch keinen Gedanken verschwendet und somit traf Palomas Frage sie ziemlich überraschend. Enrique grinste Paloma verschmitzt zu, weil ihn Annas Gesichtsausdruck irgendwie zum Schmunzeln brachte. „Daran hast Du verständlicherweise noch nicht gedacht, stimmt‘s?“ Anna nickte kurz. „Ich weiß es nicht. Aber ich möchte den beiden keine Umstände machen. Sie machen sich so schon genug Sorgen wegen der Schwangerschaft.“ Gerade in dem Moment stieg Anna die Blässe ins Gesicht und ihr Gesicht verkrampfte sich schmerzverzerrt. Sie hielt ihre Hände schützend auf ihren Bauch und krümmte sich ein Stück nach vorne. Paloma legte einen Arm um sie und Enrique sprang auf um das Auto vorzufahren. „Anna, ich fahre Dich jetzt sofort zum Arzt damit er Dich gründlich untersuchen kann.“ Mit diesen Worten war er auch schon zur Tür raus. „Enrique hat recht. Mit den Schmerzen ist nicht zu spaßen. Wir wollen doch nicht, dass Dir oder dem Baby etwas passiert.“ „Okay, ist vielleicht besser.“ Anna versuchte aufzustehen und Paloma stütze sie um langsam mit ihr zur Tür zu gehen. Als Enrique die beiden sah blickte er ziemlich besorgt zu Anna rüber und kam auf sie zu. „Warte, ich werde Dir helfen.“ Mit diesen Worten hob er sie hoch und trug sie auf Händen zum Wagen um mit ihr zum Arzt zu fahren. Er winkte Paloma noch kurz zu. „Ich melde mich sobald wir genaueres wissen.“ „Pass‘ gut auf sie auf.“
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Flyingrose

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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:44

Kapitel 54

Während Anna im Untersuchungszimmer war, wartete Enrique ungeduldig im Wartezimmer auf sie. Er mochte gar nicht daran denken, wenn irgendetwas schief gehen würde und Anna schon wieder ein Kind verlieren würde. Er wusste nicht wie sie das verkraften würde. Und auch er wüsste nicht wie er damit umgehen sollte. Enrique schüttelte sich kurz um die negativen Gedanken zu vertreiben. Es brachte jetzt überhaupt nichts sich verrückt zu machen. Gleich würde er mehr wissen. Anna war schon eine ganze Weile da drin. Und die Zeit kam ihm endlos lange vor. Viel zu lange fand Enrique. Dann öffnete sich die Tür und Anna kam heraus. Gedankenverloren ging sie zum Ausgang. Oh je, das schien kein gutes Zeichen zu sein. Enrique eilte ihr hinterher und geleitete sie zum Auto. Anna sagte kein Wort und Enrique hielt es für besser erst mal auch nichts zu sagen. Er öffnete ihr die Tür und sie stieg ein. Als auch er im Auto saß, blickte er sie fragend an. Anna starrte immer noch geradeaus auf die Straße. „Ich möchte hier einfach nur weg, bitte.“ Enrique nickte und startete den Wagen um los zu fahren. Er fuhr durch die Straßen und irgendwann bat Anna ihn zu stoppen. „Halt hier bitte kurz an. Ich brauche frische Luft.“ Enrique suchte einen Parkplatz und hielt an. Wortlos stiegen beide aus und Anna blickte nach oben. Enriques Blick folgte dem ihren. Er sah ein hohes Gebäude vor sich. Was wollte Anna dort? Sie ging zielsicher in das Gebäude direkt zum Fahrstuhl. Enrique folgte ihr verunsichert. Dann fuhren sie beide nach oben aufs Dach und er folgte Anna. Nicht weit von der Dachkante entfernt blieb Anna stehen und ließ ihren Blick über die Skyline schweifen. Er hörte sie tief ein- und ausatmen. Enrique stand ein paar Schritte hinter ihr und wartete darauf, dass Anna etwas sagte. „Anna?“ Nach ein paar Sekunden brach Anna endlich das Schweigen. „Der ganze Stress hat dem Baby nicht gut getan. Ich darf mich nicht mehr aufregen. Wenn ich nicht aufpasse, könnte es sein, dass ich Frühwehen bekomme, aber das wäre jetzt noch zu früh. Man kann nicht sagen, ob es das Baby jetzt schon überleben würde.“ Dann stockte Anna. Enrique war geschockt und hilflos zugleich. Er ging ein paar Schritte auf sie zu und legte ihr die Hand auf die Schulter. Anna drehte sich um und ging ohne eine weitere Reaktion wieder zum Aufzug. Enrique ging wortlos mit ihr und begleitete sie zurück zum Auto. So hatte er Anna noch nie erlebt. „Fährst Du mich bitte zu Paloma?“ „Ja, natürlich. Anna, ich... .“ Anna unterbrach ihn. Sie wollte jetzt einfach nichts hören. „Ist schon okay. Sag‘ jetzt bitte nichts.“

Als Enrique und Anna bei Paloma zu Hause ankamen und klingelte, öffnete sie ihnen sofort. „Süße, da bist Du ja. Was hat der Arzt gesagt?“ Sie drückte ihre Freundin ganz eng an sich und strich ihr über den Rücken. Anna war total verwirrt und wollte am liebsten einfach nur alleine sein. „Ich würde mich gerne etwas hinlegen. Sei mir bitte nicht böse, Paloma.“ Paloma schaute verdutzt von Anna zu Enrique. Er nickte Paloma kurz zu und sein besorgter Blick ließ nichts Gutes verheissen. „Schon gut, Anna. Schlaf Dich erst mal aus. Und wenn Du irgendwas brauchst, sag‘ einfach Bescheid.“ „Danke.“ Mit diesen Worten schlich Anna in Palomas Schlafzimmer und schloss die Tür hinter sich. Enrique ging auf Paloma zu und blickte ihr eindringlich in die Augen. „Ich mache mir große Sorgen um Anna. Wir sollten sie jetzt nicht alleine lassen.“ Paloma legte eine Hand auf seinen Arm und war neugierig was der Arzt gesagt hatte. „Was ist los mit Anna?“ „Anna hat die ganze Fahrt über kaum ein Wort gesprochen und nur apathisch geradeaus geschaut. Dann wollte sie, dass ich anhalte und sie ist wortlos auf ein hohes Gebäude gefahren und gefährlich nahe an den Dachrand gegangen. Dort stand sie eine ganze Weile und schaute hinunter bevor sie sagte, dass der ganze Stress dem Baby nicht gut getan hat und sie aufpassen solle, dass es nicht zu Frühwehen kommt. Das würde das Kind vielleicht nicht überleben. Ich wollte für sie da sein, doch sie ist einfach wieder gegangen und wollte nicht mit mir reden.“ Paloma stiegen ein paar Tränen in die Augen. Es war eine ernstzunehmende Situation die man keinesfalls unterschätzen sollte. Auch Paloma hatte ihre Freundin noch nie so abweisend erlebt. Enrique nahm Paloma tröstend in den Arm und sie hielten sich eine ganze Weile einfach nur fest um sich gegenseitig Trost zu spenden. Dann lösten sie sich voneinander und schauten sich tief in die Augen. „Danke, dass Du einfach nur da bist. Es ist schön, jemanden wie Dich als Freund zu haben.“ „Mir geht es genauso. Es ist schön, Dich zu kennen.“ Die beiden lächelten sich kurz zu und Paloma gab Enrique einen flüchtigen Kuss auf die Wange als kleines Dankeschön.

Die zwei unterhielten sich noch bis spät in die Nacht hinein und überlegten gemeinsam wie sie Anna helfen konnten. Doch es war wirklich eine verzwickte Situation. Die beiden konnten nichts anderes tun als für ihre Freundin da zu sein wenn sie sie brauchte. Doch es fiel ihnen wirklich schwer einfach nur da zu sitzen und nichts weiter tun zu können. Sie hatten Angst, dass Anna irgendwelche Dummheiten machen könnte, also beschlossen sie die Nacht über auf sie aufzupassen und sich mit dem Schlafen abzuwechseln. Paloma schaute noch einmal leise nach Anna und stellte fest, dass sie tief und fest schlief. Auf Zehenspitzen kam sie wieder zurück und holte aus der Küche noch eine Flasche Rotwein und zwei Gläser. Sie lächelte Enrique zu. „Sie schläft. Magst Du noch etwas trinken?“ „Ja, gerne.“ Die zwei tranken die Nacht über noch zwei Flaschen Rotwein und redeten über alles Mögliche. Sie stellten fest, dass sie sich vorher eigentlich noch nie so intensiv miteinander unterhalten hatten und man super mit dem jeweils anderen reden konnte. Paloma und Enrique waren beide überrascht wie gut sie sich im Grunde verstanden und genossen diese Nacht sichtlich. Sie lernten sich besser kennen und es lenkte sie beide etwas von den Sorgen um Anna ab. Als es immer später wurde beschlossen sie sich noch einen Film anzuschauen. So rückten die beiden auf der Couch zusammen und bereits nach kurzer Zeit fielen ihnen die Augen zu. Früh morgens kam Anna leise aus dem Zimmer und ihr Blick fiel auf ihre schlafenden Freunde. Sie saßen eng zusammen da mit einer Wolldecke über den Beinen. Palomas Kopf war an Enriques Schulter gelehnt und sie sahen irgendwie süß zusammen aus. Der Fernseher lief immer noch. Anna warf noch einen kurzen Blick auf die beiden und schlich sich dann leise aus der Wohnung. Draußen angekommen atmete sie die kühle Luft ein und setzte ihren Weg zielstrebig fort.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:44

Kapitel 55

Annas Weg führte sie dorthin zurück wo sie gestern bereits schon einmal war. Auf das Dach. Sie wusste nicht wieso, aber irgendwie hatte sie dieses Gebäude gestern magisch angezogen. Dort oben fühlte sie sich frei wie der Wind und leicht wie eine Feder. Als sie oben ankam setzte sie einen Schritt vor den anderen. Je näher sie dem Abgrund kam desto mehr überkam sie das Gefühl von Freiheit. Ein paar Schritte davon entfernt blieb sie stehen und hielt inne. Sie ließ ihren Blick über die Weite der Stadt schweifen und sah unter sich die Leute hektisch hin- und herlaufen. Hier oben befand sich Anna in einer ganz anderen Welt. Dann holte sie tief Luft und ließ ihren Gedanken freien Lauf. Sie dachte an Jonas. Er war und ist die Liebe ihres Lebens. Sie dachte an all‘ die schönen Zeiten und Momente die sie zusammen erlebt hatten. Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen. Ja, sie waren so glücklich miteinander. Dann kam dieser schreckliche Unfall der alles veränderte. Sie haben schon so viel miteinander durchgestanden. Ja, es war eine wahnsinnig schwere Zeit ohne Jonas. Doch auch diese Hürde hatten sie letztendlich gemeinsam genommen. Und ihr kam Enrique in den Sinn. Auch mit ihm hatte sie eine wunderschöne, wenn auch kurze Zeit verbracht. Er war immer für sie da, obwohl sie ihn so sehr verletzt hatte. Und dann war da wieder Jonas. Und sie dachte an die letzten Tage wo ihr Streit um das ungeborene Kind entfacht und außer Kontrolle geraten war. Sie spürte einen tiefen Schmerz durch ihren Körper fahren. Es zerbrach ihr fast das Herz wenn sie über Jonas‘ Worte nachdachte. Sie liebte ihn, aber wie sollte sie mit einem Mann zusammen sein, der ihr Kind nicht lieben könnte... Ein kalter Schauer durchfuhr Anna und es lief ihr eiskalt den Rücken runter. Der Wind nahm etwas zu und es war kühl dort oben über Berlin. Plötzlich kam Anna ein schlimmer Gedanke. Was wäre wenn ich unser Kind tatsächlich schon wieder verlieren würde? Annas Augen füllten sich mit Tränen und sie musste schlucken.

Als Paloma erwachte sah sie den schlafenden Enrique neben sich. Sie lächelte kurz und erinnerte sich an die schönen Gespräche der letzten Nacht. Auf einmal sah sie Enrique mit ganz anderen Augen. Er war schon ein toller Typ und sah obendrein auch noch super gut aus. Sie gähnte und reckte sich genüsslich. Dann erschrak sie und ihr wurde bewusst, dass sie beide einfach eingeschlafen waren entgegen ihrer Abmachung. Paloma schüttelte Enrique sanft um ihn zu wecken. „Enrique, hey, wach auf. Wir sind eingeschlafen.“ Enrique brummelte verschlafen vor sich hin. „Hm..., was ist denn?“ Paloma war schon auf dem Weg um nach Anna zu sehen. Leise öffnete sie die Tür einen Spalt breit und linste hinein. Niemand war zu sehen also öffnete sie die Tür ganz und trat vorsichtig hinein. „Anna, bist Du wach?“ Doch es kam keine Antwort. Paloma bekam ein wenig Panik und sie suchte in Windeseile die Wohnung nach ihrer Freundin ab. „Enrique, Anna ist weg.“ Mit einem Mal war Enrique hellwach und zog sich an. „Auweia, wir sind eingeschlafen. Wir müssen sie finden.“ Auch Paloma hatte sich schnell etwas über gezogen und versuchte erfolglos Anna auf dem Handy zu erreichen. In ihrer Angst sprach sie ihr auf die Mailbox und hoffte inständig, dass sie sich melden würde. Enrique lief unruhig in der Wohnung auf und ab und dachte fieberhaft darüber nach wohin Anna gegangen sein könnte. Dann kam ihm plötzlich ein Gedanke, den er nicht wahrhaben wollte. Er blieb abrupt stehen und blickte ernst zu Paloma rüber. „Paloma, ich glaube, ich weiß wo Anna ist.“ Paloma schaute ihn fragend an. „Wie meinst Du das? Wo könnte sie denn sein?“ Enrique musste kurz schlucken und traute sich kaum seinen Gedanken auszusprechen. „Ich glaube, sie ist wieder auf dem Dach.“ Paloma riss die Augen weit auf, schnappte sich ihre Jacke und zog Enrique am Arm mit sich. „Oh nein, Du meinst doch nicht etwa...? Komm‘ mit, wir müssen sofort zu ihr.“ Die zwei rannten die Treppen hinunter, stiegen ins Auto und fuhren so schnell es der Verkehr zuließ ihrem Ziel entgegen. Währenddessen versuchte Paloma immer wieder Anna telefonisch zu erreichen. Leider vergebens.

Enrique fluchte vor sich hin, weil es nur so schleppend voran ging. Warum musste der Verkehr ausgerechnet jetzt so dicht sein? Er war echt zum Verzweifeln. Plötzlich klingelte Palomas Handy. Hastig nahm sie es in die Hand und nahm ab ohne aufs Display zu schauen. „Anna? Mach‘ bitte keine Dummheiten, hörst Du?! Wir sind gleich bei Dir!“ Am anderen Ende blieb es kurz still. Dann erklang eine aufgeregte, verwirrte Stimme. „Wie meinst Du das, Paloma? Was ist mit Anna?“ Paloma blieb vor Schreck der Mund offen stehen und ihr fehlten die Worte. Sie brauchte einen kurzen Moment um zu realisieren, dass nicht Anna am Telefon war. Enrique sah im Augenwinkel Palomas überraschtes Gesicht. „Was ist los?“ Paloma hielt eine Hand vors Handy und flüsterte ganz leise damit sie ihr Gesprächspartner nicht hören konnte. „Schhhh... Es ist Jonas. Was soll ich ihm denn jetzt sagen?“ Auch das noch. In solchen Momentan kam aber auch wirklich alles auf einmal. Na super, einen sich sorgenden Jonas konnten sie jetzt überhaupt nicht gebrauchen. Aber es half ja nichts. Paloma hatte ihm ja schon die Hälfte verraten. Nun machte er sich erst recht Sorgen und Gedanken. „Gute Frage. So ein Mist. Mensch, fahr‘ doch schneller.“ Enrique musste abrupt bremsen und hupte gestresst. „Paloma? Bist Du noch da? Ist Enrique bei Dir? Rede bitte mit mir.“ Paloma seufzte tief und nahm das Telefon wieder ans Ohr. „Ja, ich bin noch dran, Jonas. Du, es ist gerade wirklich schlecht. Ich rufe Dich später wieder an.“ Jonas konnte es nicht glauben. Man konnte ihn doch jetzt nach so einer Aussage nicht einfach so abwimmeln. „Paloma, was für Dummheiten soll Anna nicht machen? Wo ist sie?“ Paloma suchte fieberhaft nach einer Ausrede. Denn sie war der Meinung, dass Jonas momentan nicht gerade hoch bei Anna im Kurs stand und es wohl besser war wenn sie ihm jetzt nicht begegnen würde. „Jonas, ich hör‘ Dich kaum noch. Die Verbindung ist hier ganz schlecht.“ Und schon legte sie auf. Das machte sie zwar überhaupt nicht gerne. Aber sie hatten momentan schon genug Aufregung. Sie würde sich später dafür bei ihm entschuldigen. Endlich hatten sie das besagte Gebäude erreicht. Paloma ließ ihren Blick nach oben gleiten und ihr fiel die Höhe auf. Enrique nahm sie an die Hand und zog sie hinter sich her. So schnell sie ihre Füße tragen konnten liefen sie zum Aufzug und fuhren hinauf aufs Dach.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:45

Kapitel 56

Oben angekommen mussten sie erst einmal tief Luft holen und dann sahen sie auch schon Anna nahe am Rand des Daches stehen. Sie stand mit dem Rücken zu ihnen und hatte ihre Freunde noch nicht bemerkt. Anna liefen die Tränen über ihr gerötetes Gesicht und sie schluchzte kaum hörbar. Paloma und Enrique blickten sich ängstlich an. Als Paloma auf sie zugehen wollte, spürte sie Enriques Hand auf ihrem Arm der sie sanft zurück hielt. Durch seine Blicke gab er ihr zu verstehen, dass sie sich lieber langsam nähern sollten damit sie Anna nicht erschreckten. Sie nickten sich einstimmig zu und setzten ganz langsam einen Schritt vor den anderen ohne Anna dabei aus den Augen zu verlieren. Dann stockte ihnen plötzlich der Atem. Ihre Freundin breitete ihre Arme weit aus, ging zwei Schritte Richtung Abgrund und legte den Kopf zurück in den Nacken. Sie holte ganz tief Luft und atmete mehrmals ein und aus. Dann senkte sie ihren Kopf und blickte langsam nach unten in die Tiefe. Paloma war unfähig sich zu bewegen. Enrique bewegte sich weiter auf Anna zu. Was sollten sie jetzt nur tun? Würden sie Anna jetzt rufen, würde sie sich vermutlich erschrecken und wer weiß was dann passieren würde. Das Gleiche könnte passieren wenn sie sich jetzt zu hastig auf sie zu bewegen würden. Doch was ist wenn Anna springen wollte und sie durch ihre Behutsamkeit nun zu spät kommen würden? Sie befanden sich in einer ziemlichen Zwickmühle. Doch es blieb keine Zeit mehr um lange über das Richtige nachzudenken. Enrique war nur noch ein paar Schritte von Anna entfernt. In genau dem unpassendsten Moment den es überhaupt gab klingelte plötzlich Palomas Handy. Sie zuckte erschrocken zusammen und Enrique fuhr der Schreck und die Angst durch Mark und Bein. Es blieben nur wenige Sekunden um zu reagieren. Anna drehte sich abrupt um und geriet dabei ins Stolpern. Sie hatte sich dermaßen erschrocken, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren hätte. Sie blickte geradewegs in die Gesichter ihrer Freunde die sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrten.

Paloma war unfähig sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Sie hatte eine wahnsinnige Angst und war völlig geschockt von dem Anblick. Aus Annas Augen blitzte die pure Panik. Sie sah zwar die Angst in den Augen ihrer Freunde, aber sie nahm sie nur noch wie durch einen weißen Schleier wahr. Vor ihrem inneren Auge zog in einer rasanten Geschwindigkeit ihr ganzes bisheriges Leben vorbei. Es tauchten Bilder von den Menschen auf, die sie liebte; ihre Familie, ihre Freunde und Jonas. Diese Bilder wurden immer schneller und überschlugen sich regelrecht bis Anna schließlich nichts mehr erkennen konnte. Für den Bruchteil einer Sekunde stand Enrique wie angewurzelt da. Anna fing an mit beiden Armen wild zu rudern, da sie das Gleichgewicht zu verlieren schien. Alles ging so wahnsinnig schnell. Enrique sprang geistesabwesend einen großen Schritt auf sie zu, packte sie gerade noch rechtzeitig am Arm und zog sie zu sich ran. Paloma stand immer noch geschockt da und ihr liefen Tränen übers Gesicht. Anna und Enrique klammerten sich ganz fest aneinander und er merkte wie Anna am ganzen Körper zitterte und wie eiskalt sie sich anfühlte. Wie lange mochte sie schon da oben gestanden haben? Anna schluchzte laut und wurde von einem heftigen Weinkrampf geschüttelt. Auch Enrique flossen dicke Tränen der Erleichterung und des tief sitzenden Schocks übers Gesicht. Anna klammerte sich mit aller Kraft an ihn und drückte ihren Körper ganz fest an seinen. Enrique musste mehrmals tief durchatmen denn auch er bekam weiche Knie und merkte wie seine Hände anfingen zu zittern. Behutsam streichelte er Anna über den Rücken und durch ihr zerzaustes Haar. Er musste sich zwingen sich langsam wieder zu beruhigen um nicht auch noch die Fassung zu verlieren. Aus den Augenwinkeln blickte er zu Paloma rüber. Sie sah gar nicht gut aus. Verzweifelt suchte er ihren Blick und gab ihr mit den Augen zu verstehen, dass sie zu ihnen rüberkommen sollte. Ganz langsam und dankbar ging sie auf die beiden zu. Enrique breitete einen Arm aus und umarmte Paloma ganz fest. Nun fing auch Paloma an zu schluchzen und die drei Freunde standen noch eine ganze Zeit lang fest umklammert da und konnten nicht so recht begreifen was da gerade passiert war.

Nach gefühlten endlosen Minuten verstummte das Schluchzen langsam wieder. Die drei lösten sich aus ihrer Umarmung und blickten sich lange in die Augen. Paloma wirkte verzweifelt. „Süße, ich bin so unendlich froh, dass Du nicht gesprungen bist. Wie kommst Du denn nur auf solche blöden Ideen? Du hast uns einen riesigen Schrecken eingejagt.“ Dann kullerten auch schon wieder die Tränen. Anna war ganz verdutzt. Und plötzlich wurde ihr bewusst wie es für ihre Freunde ausgesehen haben musste sie hier oben auf dem Dach vorzufinden. Anna schüttelte sich. Ihr wurde ganz schlecht bei dem Gedanken. Dabei wollte sie sich doch gar nichts antun. Sie fasste sich mich einer Hand an die Stirn und strich sich dann die Haarsträhnen aus dem Gesicht. Anna spürte plötzlich wie ihr schwindelig wurde und ihre Beine nachgaben. Enrique konnte sie noch rechtzeitig stützen und führte sie zur Treppe damit sie sich setzten konnte. Paloma setzte sich neben sie und legte einen Arm um ihre Freundin. Enrique kniete sich vor die beiden hin und nahm Annas Hände in seine. Dabei blickte er ihr tief in die Augen. Anna liefen immer noch ein paar vereinzelte Tränen übers Gesicht. Sie rückte ganz dicht an Palomas Seite und legte den Kopf an ihren. Dabei schaute sie Enrique traurig an. Es fiel ihr schwer die richtigen Worte zu finden. Sie fühlte sich unendlich mies ihren Freunden so einen Schrecken eingejagt zu haben. „Es... Es tut mir so wahnsinnig leid was ich Euch angetan habe! Ich... Ich wollte doch gar nicht springen.“ Enrique und Paloma schauten sich mit großen Augen an. „Du wolltest Dir nichts antun? Als wir Dich hier oben stehen sehen haben, haben wir mit dem Schlimmsten gerechnet.“ Anna schüttelte heftig den Kopf. „Nein, ich wollte einfach allein sein und hier oben hatte ich das Gefühl von Freiheit. Und naja, ich war so vertieft und bin erst vom Klingeln des Handys hochgeschreckt.“ Paloma drückte ihre Freundin erleichtert an sich. „Das tut mir leid. Ich hätte es ausschalten sollen. Ich darf gar nicht daran denken was passiert wäre wenn Enrique nicht da gewesen wäre.“ Paloma schauderte es bei dem Gedanken. „Hey, mach‘ Dir bitte keine Vorwürfe. Es ist ja alles gut gegangen. Außerdem kannst Du doch nichts dafür. Mir tut es leid, dass ich Euch solche Angst eingejagt habe.“ Dann wandte sie sich an Enrique und blickte ihn dankend an. „Ich danke Dir von ganzem Herzen, dass Du mich gehalten hast, Enrique! Das werde ich Dir niemals vergessen!“ Anna schlang erleichtert ihre Arme um seinen Hals und Enrique nahm sie glücklich in seine Arme. „Das war das mindeste was ich tun konnte. Ich bin so froh, dass Dir und dem Kind nichts passiert ist. Das hätte ich mir nie verzeihen können.“ Dann löste sich Anna aus der Umarmung und schaute ihre Freunde fragend an. Irgendwie machte sich ihr Magen bemerkbar und grummelte laut. „Ich weiß ja nicht, wie es mit Euch ist. Aber wir zwei haben Hunger.“ Alle drei mussten schmunzeln und sie machten sich gemeinsam auf den Weg zum Auto.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:45

Kapitel 57

Ein paar Stunden später stand Paloma im Aufzug um nach oben ins Penthouse zu fahren. Ihr Herz klopfte und sie war ein wenig nervös. Sie musste jetzt erst einmal mit Jonas sprechen. Denn sie wusste, dass auch er sich große Sorgen um Anna machte. Paloma könnte sich ohrfeigen für ihre Reaktion am Telefon vorhin. Als sich die Tür öffnete trat sie ein und Jonas kam schon auf sie zu. Sie musterte ihn von oben bis unten. Er sah völlig fertig aus. Obwohl sie eigentlich sauer auf ihn war überkam sie ein kurzer Anflug von Mitleid. Es tat ihr weh ihre Freunde so unglücklich zu sehen. „Paloma!“ „Hallo Jonas. Tut mir leid, dass ich Dich vorhin so abgewimmelt habe.“ Sie drückte ihn kurz zur Begrüßung. „Ja, ja, schon gut. Wie geht es Anna? Wie hast Du das vorhin gemeint, dass sie keine Dummheiten machen soll?“ „Wollen wir uns setzen? Dann können wir uns unterhalten.“ Jonas bat sie zur Couch und sie setzten sich schräg gegenüber. Jonas blickte ihr in die Augen und bemerkte, dass irgendetwas vorgefallen sein musste. Ihre Augen waren noch leicht gerötet und sie hatte dunkle Augenränder. Sofort kam ihm Anna wieder in den Sinn. Was war mit ihr passiert? „Jonas, ich weiß gar nicht wie ich Dir das jetzt sagen soll.“ Jonas sah sie flehend an und wippte unruhig mit den Beinen auf und ab. „Ist ihr etwas zugestoßen?“ „Nein, zum Glück nicht. Aber wer weiß was passiert wäre wenn Enrique nicht da gewesen wäre.“ Paloma verspürte einen Kloß im Hals und musste kräftig schlucken um ihn wieder los zu werden. Jonas‘ Augen weiteten sich. Was hatte Enrique schon wieder mit der ganzen Sache zu tun? „Wie meinst Du das, Paloma? Was hat Enrique gemacht?“ Paloma schaute ihm tief in die Augen und sah so viel Traurigkeit und eine beängstigende Leere. „Enrique hat Anna davor bewahrt vom Dach eines Hauses zu stürzen. Hätte er sie nicht noch gerade im letzten Moment am Arm gepackt wäre sie vermutlich in die Tiefe gefallen.“ Palomas Augen füllten sich erneut mit Tränen. Jonas war geschockt und er machte sich große Vorwürfe, dass er nicht für sie da gewesen ist.

„Was hat Anna auf dem Dach gemacht?“ „Sie brauchte Abstand von allem, weil ihr einfach alles zuviel wurde und sie alleine sein wollte. Sie konnte einfach nicht mehr, Jonas. Euer Streit und Dein Verhalten hat sie ziemlich mitgenommen. Enrique und ich hatten uns Sorgen gemacht als sie heute Morgen nicht in ihrem Bett lag und haben sie auf dem Dach vorgefunden. Sie stand nahe am Abgrund und hat geweint. Als sie uns bemerkt hatte, wäre sie beinahe hinunter gestürzt. Wir hatten Angst, dass sie sich etwas antun könnte. Dabei braucht sie jetzt Ruhe und darf sich nicht aufregen, hat der Arzt gesagt.“ Paloma machte eine Pause und beobachtete Jonas‘ Gesichtsausdruck der plötzlich wie versteinert wirkte. Wollte sich seine Anna etwas antun? Er durfte gar nicht daran denken, was geschehen wäre wenn sie alleine da oben gewesen wäre. Eine Träne lief über seine Wange. „Wieso Arzt? Was ist los?“ Paloma legte ihre Hand auf seine und sprach beruhigend auf Jonas ein. „Anna hatte gestern plötzlich Schmerzen und wir haben sie sofort zum Arzt gefahren. Wenn Sie sich jetzt weiter stresst und aufregt, könnten Frühwehen einsetzen und das könnte fürs Kind gar nicht gut sein. Sie hat wahnsinnige Angst, es zu verlieren. Und ich weiß nicht, wie sie das verkraften würde, Jonas. Und ich möchte nicht noch einmal so einen Schrecken bekommen wie vorhin als ich sie auf dem Dach stehen sehen habe.“ Auch Paloma kullerte eine einsame Träne übers Gesicht. Jonas begriff erst so nach und nach was da eigentlich passiert war. Auch wenn es ihm schwer fiel, aber es war eine Entschuldigung angebracht. Ohne Enrique wäre Anna jetzt vielleicht gar nicht mehr hier. „Ich hätte Anna das nie antun dürfen. Ich habe mich so unreif und völlig daneben benommen. Dabei sollte ich jetzt der Mensch an ihrer Seite sein und mit ihr gemeinsam diese Zeit durchstehen.“ Jonas stand auf und Paloma tat es ihm gleich. Die zwei standen sich gegenüber und Jonas umarmte sie ganz fest. „Ich weiß nicht, ob Anna Dich jetzt sehen möchte und ob es sie nicht zu sehr aufwühlen würde. Sie kann momentan absolut keine Vorwürfe gebrauchen. Verstehst Du, Jonas?“ Jonas nickte, aber er wollte es einfach nicht wahrhaben. „Meinst Du, Anna wird mir mein Verhalten jemals verzeihen können? Ich muss sie damit zutiefst verletzt haben. Und das tut mir unendlich leid. Ich liebe sie von ganzem Herzen und ich möchte für das Kind da sein. Könntest Du ihr das bitte ausrichten?“ Paloma spürte wie schwer es ihm fiel jetzt nicht einfach zu ihr gehen zu können und sie in den Arm zu nehmen. „Ich werde es Anna ausrichten und mit ihr reden. Das verspreche ich Dir. Und lass‘ denn Kopf nicht hängen. Ihr zwei gehört doch einfach zusammen. Ich bin mir sicher, dass sie Dir verzeihen wird. Gib‘ ihr einfach die Zeit die sie braucht. Mach‘s gut.“ Sie drückte ihn noch einmal kurz an sich und ging dann wieder. „Danke, Paloma, pass‘ bitte gut auf Anna auf.“ Traurig blickte er ihr nach bis sie im Aufzug verschwand.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:46

Kapitel 58

In den nächsten zwei Wochen kümmerten sich Paloma und Enrique aufopferungsvoll um Anna und halfen ihr wo sie nur konnten damit sie sich auch wirklich schonte. Denn sie kannten ja den Sturkopf ihrer Freundin. Anna hatte viel Zeit zum Nachdenken gehabt und ihr sind tausend Dinge durch den Kopf gegangen. Egal wie verworren und undurchsichtig ihre Gedanken auch waren. Am Ende lief immer alles auf eine Person hinaus. Egal wie auch immer man es drehte und wendete. Jonas. Sie hatte die ganze Zeit über keinen Kontakt mehr zu ihrem Mann gehabt, weil sie einfach Abstand brauchte. Sie war sehr verletzt und es schmerzte wenn sie an ihre letzten Zusammentreffen dachte die allesamt im Streit endeten. Sie wusste von Paloma, dass es Jonas auch nicht gut ging und er völlig durch den Wind war. Er wusste, dass er einen großen Fehler gemacht hatte. Und er meinte, es wäre falsch so über das ungeborene Kind zu reden und er möchte wieder mit ihr zusammen sein. Anna seufzte. Sie wurde fast wahnsinnig vor Sehnsucht nach ihm. Sie vermisste seine Nähe ganz fürchterlich, seine zärtlichen Berührungen, seine leidenschaftlichen Küsse und seine warmherzigen, dunklen Augen mit denen er sie immer anblickte. Aber was ist wenn Jonas einfach nicht mit der Situation zu Recht kommt? Wenn diese Ungewissheit ihn innerlich zerfressen würde und er den Gedanken an Enrique als möglichen Vater nicht mehr aus dem Kopf kriegen wird? Was ist wenn Jonas sie dann erneut zutiefst verletzen würde? Natürlich wusste sie, dass Jonas diese Tatsache ziemlich vor den Kopf gestoßen und ihn sehr mitgenommen hatte. Und es war auch falsch von ihr, ihm nicht davon zu erzählen. Aber konnte sie sich in ihrer jetzigen Situation wirklich wieder auf Jonas einlassen? Sie wüsste nicht wie sie es verkraften sollte wenn sie ihn noch ein weiteres Mal verlieren würde. Das würde ihr den Boden unter den Füßen entreißen. Vielleicht sollte sie einfach mit Jonas sprechen. Mit gemischten Gefühlen und zittrigen Hände beschloss sie ihn anzurufen.

Währenddessen saß Enrique mal wieder bei Paloma im Coffee-Shop und trank seinen geliebten Assam-Tee im Glas mit einem Spritzer Zitrone. Die zwei sahen sich fast jeden Tag und unternahmen etwas zusammen. Sie verstanden sich einfach prächtig. Diese Nacht hatte etwas zwischen ihnen verändert. Seitdem sahen sie sich mit anderen Augen. Sie hatten so viel von dem jeweils anderen erfahren und das verband sie nun noch mehr. Es war sehr harmonisch und die beiden konnten über alles reden und gemeinsam lachen. Sie fühlten sich einfach wohl in der Nähe des anderen und genossen ihr Zusammensein. Man konnte sagen, ihre Freundschaft war nun noch fester und inniger geworden. Gerade jetzt alberten sie auch wieder miteinander und amüsierten sich über irgendetwas. „Paloma, ich finde es echt klasse, dass wir uns so prima verstehen. Wieso haben wir das nicht schon viel früher gemerkt?“ Paloma grinste schelmisch. „Keine Ahnung. Aber ich bin auch froh, dass es so super läuft.“ Und schon fingen beide wieder an zu lachen. Eigentlich wusste keiner von ihnen so richtig wieso sie eigentlich so eine gute Laune hatten, aber irgendwie steckte das Lachen an. „Magst Du noch einen Tee?“ „Klar, gerne. Bei Dir werde ich noch zu einem richtigen Teejunkie.“ „Na, wenn es weiter nichts ist. Damit kann ich leben.“ Enrique grinste neckisch zu Paloma rüber. Als er ihr das Glas abnahm berührten sich ihre Finger ganz zufällig sanft. Beide hielten inne, schauten erst auf ihre Hände und sich dann gegenseitig tief in die Augen. Enrique konnte seinen Blick nicht von Palomas strahlenden Augen abwenden. Warum waren ihm nie diese schönen Augen aufgefallen? Auch Paloma drohte in Enriques warmen und intensiven Augen zu versinken. Was hatte das zu bedeuten? Das ginge doch nicht. Sie waren Freunde. Nicht mehr und nicht weniger. Aber sie konnten sich doch jetzt nicht so intensiv anschauen. Nach ein paar Sekunden wandte Paloma ihren Blick ab und zog ihre Hand zurück. Sie wollte nicht darüber reden und wechselte schnell das Thema. „Ähm..., ich hatte Dir doch erzählt, dass ich neben dem Coffe-Shop gerne noch irgendwas anderes machen möchte. Hast Du da schon Deine Kontakte spielen lassen?“ Enrique wunderte sich etwas über Palomas Verhalten, aber er war ganz dankbar für die Ablenkung. Er konnte sich die Situation eben nicht erklären. „Äh..., ach so..., ja.“ Paloma blickte ihn irritiert an und lächelte. „Ja was? Hast Du oder hast Du nicht?“ Nun grinste auch Enrique zurück. „Ich habe gestern Abend mit meinem alten Freund Tom Lanford telefoniert. Er hat mir erzählt, dass sie mit ihrem Modelabel nach Berlin expandiert haben und nun hier eine große Firma eröffnet haben vor kurzem. Tom sucht noch eine Assistentin. Vielleicht wäre der Job ja etwas für Dich. Wenn Du magst, vereinbare ich mal einen Termin für Dich.“ Paloma lächelte dankbar. Von Mode hatte sie zwar keine Ahnung, aber warum sollte man nicht auch mal etwas Neues ausprobieren? „Klar, gerne. Ich würde mich freuen.“

Anna wählte Jonas‘ Nummer und wartete mit klopfenden Herzen darauf, dass er abnahm. „Anna?! Schön, dass Du anrufst.“ „Hallo Jonas. Wie geht es Dir?“ „Es geht so. Hier in der Agentur geht alles drunter und drüber. Aber das ist nicht der Grund, warum ich nicht mehr ich selbst sein kann.“ Es herrschte für ein paar Sekunden absolute Stille. Jonas Herz klopfte ihm bis zum Hals. Er hatte Angst irgendetwas Falsches zu sagen um Anna nicht wieder zu verschrecken. Jetzt, wo sie sich endlich bei ihm gemeldet hatte. Er konnte gar nicht in Worte fassen wie sehr er sie vermisste. „Und was ist der Grund?“ „Du fehlst mir, Anna. Seitdem Du nicht mehr da bist, fehlt ein Stück von mir.“ Annas Herz schien regelrecht Purzelbäume zu schlagen. Sie hatte Schmetterlinge im Bauch die aufgeregt hin und her flatterten. „Ich vermisse Dich auch, Jonas. Magst Du bei Paloma vorbei kommen damit wir uns mal in aller Ruhe über uns unterhalten können?“ Jonas durchfuhr ein warmes Gefühl. „Gerne, ich bin in einer halben Stunde bei Dir. Ich freue mich darauf Dich wieder zu sehen.“ „Danke, ich freue mich auch auf Dich. Bis gleich.“ Mit diesen Worten wurde das Telefonat beendet und Anna kramte im Kleiderschrank nach etwas passenden zum Anziehen. Die halbe Stunde verging in Windeseile und schon klingelte es an der Tür. Aufgeregt öffnete Anna sie und blickte in Jonas‘ tiefe Augen. Eine wohlige Wärme durchströmte ihren ganzen Körper. Ein kleines Lächeln glitt über ihre Lippen. Jonas war überglücklich sie wieder zu sehen und blickte sie mit strahlenden Augen an. „Hallo, schön, dass Du so schnell kommen konntest. Komm‘ doch rein.“ Jonas folgte ihr ins Wohnzimmer wo sie beide Platz nahmen. „Anna, bitte entschuldige mein egoistisches Verhalten. Es war ein Fehler Dir all‘ diese Dinge an den Kopf zu werfen die sehr verletzend waren. Ich war so blind vor Enttäuschung und Wut, dass ich nur an mich gedacht habe und mit fiesen Beleidigungen um mich geschmissen habe. Ohne dabei an die Gefühle anderer zu denken. Bitte glaub‘ mir, wenn ich könnte würde ich es ungeschehen machen.“ Anna blickte ihn mit großen Augen an. „Jonas, auch ich hätte Dir von dieser Möglichkeit erzählen müssen. Es war falsch, dass Du es von jemand anderen erfahren hast. Das war nicht in Ordnung von mir. Und es tut mir leid. Aber ich habe Angst. Angst davor, dass Du mit der Situation nicht klar kommen wirst und mich wieder verletzen könntest.“ Anna machte eine Pause. Jonas musste schlucken. Er konnte Anna nur zu gut verstehen. „Du musst Dir keine Sorgen mehr machen. Ich werde zu Dir halten, egal was auch kommen mag. Ich liebe Dich und ich werde nicht mehr von Deiner Seite weichen.“ Anna lächelte ihn dankbar und verliebt an. „Ich liebe Dich auch. Du hast mir sehr gefehlt.“ Jonas rückte ganz nah zu Anna rüber, nahm ihr Gesicht in seine Hände und blickte ihr ganz tief in die Augen. Die beiden hatten nur noch Augen für sich und vergaßen alles um sich herum. Ihre Gesichter kamen sich langsam immer näher bis schließlich ihre Lippen zu einem endlosen Kuss miteinander verschmolzen der gar nicht mehr enden wollte.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:47

Kapitel 59

Drei Tage später hatte Paloma ein Vorstellungsgespräch bei Lanfords. Sie war total aufgeregt und klopfte nervös an die Bürotür. „Herein.“ Paloma öffnete die Tür und trat langsam ein. „Guten Tag, ich bin hier zu einem Vorstellungsgespräch.“ Der junge Mann mit den dunkelblonden Haaren und den blauen Augen musterte sie kritisch von oben bis unten. Dann reichte er ihr die Hand und stellte sich vor. „Guten Tag, mein Name ist Tom Lanford. Ich bin hier für die Personalfragen zuständig. Wie auch eigentlich für fast alles andere. Mein Vater hat für so was keine Zeit. Aber setzen Sie sich doch.“ Paloma beäugte Tom kritisch und mit einer gewissen Antisympathie. Irgendwie hatte dieser Typ einen komischen Charakter der ihr nicht so wirklich passte ehrlich gesagt. Dafür sah er verdammt gut aus wie ihr auffiel. Sie reichte ihm die Hand zur Begrüßung und nahm dann Platz. Tom räusperte sich und nahm Paloma nun genauer unter die Lupe. „Herr Vegaz meinte, Sie würden einen Job suchen.“ „Ja, Enrique sagte, Sie wären alte Freunde und hat angeboten mir bei der Suche behilflich zu sein.“ „Sie arbeiten momentan in einem Coffee-Shop? Warum wollen Sie dann noch etwas anderes nebenbei machen?“ Die ganzen Fragen waren Paloma unangenehm, aber sie stand folgsam Rede und Antwort. Während Tom sie die ganze Zeit über nicht aus den Augen ließ um ihre Reaktion zu beobachten. „Ja, der Coffee-Shop gehört mir. Eine Freundin teilt sich die Arbeit mit mir. Und ich würde nebenbei gerne noch etwas völlig anderes machen um neue Erfahrungen zu sammeln.“ „So, so, haben Sie denn schon einmal in der Modebranche gearbeitet?“ Paloma räusperte sich. „Nein, das habe ich nicht. Was wäre denn überhaupt mein Aufgabenbereich hier?“ Tom imponierte Palomas Art und Weise. Sie schien eine starke Persönlichkeit zu sein die sich nicht so schnell unterkriegen lassen würde. Das gefiel ihm. „Sie würden als meine persönliche Assistentin arbeiten und alle Aufgaben erledigen die ich Ihnen auftrage. Sei es das Kaffee kochen, das Sortieren von Akten oder die Begleitung zu einem Geschäftstermin. Hätten Sie Interesse an dem Job oder nicht?“ Puh, Paloma mochte seine Art ganz und gar nicht, aber irgendwas an ihm schien ihr ungewollt zu gefallen. „Ja, ich nehme die Herausforderung an.“ Tom reichte ihr die Hand zum Abschied. „Gut, dann seien Sie nächsten Montag um 8.00 Uhr hier. Pünktliches Erscheinen setze ich voraus. Hinterlassen Sie vorne am Empfang bitte Ihre Kontaktdaten und Sie bekommen den Arbeitsvertrag dann zugeschickt. Auf Wiedersehen.“ Paloma blickte verdutzt in Toms Gesicht und verließ aufgewühlt sein Büro. „Auf Wiedersehen, Herr Lanford.“

In den nächsten drei Wochen verlief alles sehr harmonisch zwischen Anna und Jonas. Er kümmerte sich liebevoll und aufopferungsvoll um seine Frau und las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Anna schwebte wie auf Wolken und genoss jede Sekunde die sie mit Jonas zusammen war. Nachdem sie sich mit Jonas wieder versöhnt hatte, gab es keine weiteren Komplikationen mehr mit der Schwangerschaft und es ging ihr sogar richtig gut. Mit dem Baby war alles in Ordnung und die zwei freuten sich schon riesig darauf in nicht allzu ferner Zukunft ihre kleine Tochter in den Armen halten zu können. Sie konnten es kaum noch abwarten bis es endlich soweit sein würde. Der Gedanke daran, dass die Kleine vielleicht nicht von Jonas sein könnte, hatten sie ganz weit weg geschoben. Sie hatten beschlossen, nicht weiter darüber nachzudenken und einfach abzuwarten. Eine andere Möglichkeit blieb ihnen so oder so nicht. Und warum sollten sie sich jetzt damit verrückt machen? Jonas hatte beschlossen, die Vaterschaft anzuerkennen, selbst wenn es nicht von ihm sein sollte. Doch tief im Inneren hatte er das Gefühl, dass die kleine Maus von ihm sein wird. Er spürte es einfach. Er würde dem kleinen Würmchen seine ganze Liebe schenken und mit Sicherheit ein ganz toller und stolzer Papa sein. Jonas liebte es, seinen Kopf auf Annas Bauch zu legen und die kleinen Tritte zu spüren. Manchmal trat sie ganz schön kräftig zu und man könnte meinen, sie wollte später mal Fussballerin werden. Anna und Jonas lachten jedes Mal wenn sie wieder hin und her strampelte. Anna kam es so vor als ob sie nun auch endlich nach draußen wollte. Obwohl es noch ein paar Wochen dauern sollte bis zum errechneten Geburtstermin hatten die beiden schon alles für den Familienzuwachs vorbereitet und ein liebevolles Kinderzimmer in schönen Orange- und Grüntönen eingerichtet. Sie wollten sich nicht an dem typischen „Rosa“ und „Blau“ orientieren. Bei der Einrichtung hatten sie tatkräftige Unterstützung von Paloma und Enrique. Auch ihre Freunde fieberten der Geburt schon entgegen und konnten es kaum erwarten die Süße zu Gesicht zu bekommen.

Paloma hatte sich inzwischen schon recht gut bei Lanford eingearbeitet und erledigte die ihr aufgetragenen Tätigkeiten mit viel Engagement. Ganz zur Zufriedenheit von Tom. Tja, Tom... Paloma erwischte sich immer häufiger dabei wie sie an ihren Chef dachte. Tom war wirklich verdammt gutaussehend. Aber irgendwie war er ein richtiger Eisklotz. In der kurzen Zeit in der Paloma jetzt dort arbeitete musste sie schon oft mit ansehen wie schroff er manchmal mit seinen Mitarbeitern umging. Auch sie musste schon mal dran glauben und wurde in einem barschen, lauten Tonfall von ihm zurecht gewiesen. Ihr passte diese Art überhaupt nicht. Doch irgendetwas musste Tom an sich haben. Warum ging er ihr sonst nicht mehr aus dem Kopf? Sie verstand einfach nicht, wie jemand so kaltherzig und gefühllos sein konnte. Tief im inneren spürte Paloma, dass sich hinter Toms harter Fassade irgendwo auch ein weicher Kern verstecken musste. Die Frage war bloß, wie sie zu diesem Kern vordringen sollte. Bisher hatte sie erst ein paar kurze Augenblicke miterlebt in denen Tom auch mal freundlich und zuvorkommend mit seinen Mitarbeiten umging und sie für ihre gute Arbeit lobte. Und kurze Zeit später schlug seine Laune auch schon wieder in das genaue Gegenteil um. Es war wirklich zum Verrücktwerden. Paloma war oft wütend nach solchen Vorfällen und ließ ihren Frust bei Enrique ab. Enrique war Toms bester Freund und kannte ihn sehr gut. Er wusste wie man mit seinem Verhalten umgehen musste. Er konnte seine Freundin verstehen. Schließlich wusste sie nicht welches Erlebnis Tom zu diesem Menschen gemacht hatte und warum er oft so unnahbar war und sich anderen gegenüber verschloss. Aber darüber schwieg Enrique. Vielleicht würde es ja irgendwann wieder eine Frau schaffen, einen Zugang zu Toms Herzen zu finden.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:47

Kapitel 60

Am Freitag darauf saßen die vier Freunde abends gemütlich zusammen im Coffee-Shop und unterhielten sich lachend über die Erlebnisse des Tages. Dann kam Tom Lanford zur Tür herein und ging geradewegs zur Bar um sich einen Whiskey mit Eis zu bestellen. Paloma bemerkte ihn sofort und musterte ihn aufmerksam. Er sah ziemlich geschafft und müde aus. Das waren sicherlich die Auswirkungen von dem wichtigen Termin heute mit den Iren. Paloma konnte nur erahnen wie viel in Etwa von diesem Treffen heute abhing. Sie wusste nur, dass es um einen ziemlich wichtigen Auftrag ging für eine große, renommierte irische Firma. Genauere Details wollte Tom erst zur gegebenen Zeit erwähnen. Seinem Auftreten nach zu urteilen, war es entweder ein langer, anstrengender Tag für ihn oder aber es hatte nicht geklappt mit dem Auftrag. Paloma runzelte die Stirn und zog die Augenbrauen hoch. Tom ließ sich auf einen Barhocker fallen und nippte an seinem Glas. Irgendetwas schien ihn sehr zu beschäftigen. „Paloma? Hey, träumst Du etwa?“ Erschrocken zuckte Paloma zusammen und starrte ihre Freunde verdutzt an. Anna, Jonas und Enrique prusteten lauthals los über den Anblick ihrer Freundin. „Sag‘ mal, wo bist Du denn mit Deinen Gedanken?“ Sie konnten sich kaum wieder einkriegen. Paloma warf noch einen kurzen Blick zu Tom rüber bevor sie sich wieder ihren Freunden widmete. „Sorry, ich war gerade ganz woanders. Was ist los?“ Enrique grinste Paloma verschmitzt an und ließ seinen Blick dann durch den Raum schweifen bis er an der Theke innehielt. „So so, nun weiß ich auch, wen Du da so fasziniert fixiert hast.“ Palomas Wangen röteten sich leicht und ihr war die Situation ein bisschen peinlich. „Ich habe niemanden fixiert.“ Anna und Jonas schauten sich fragend an und wollten nun auch wissen was es mit Enriques Andeutung auf sich hatte. „Enrique, wen meinst Du denn?“ „Dort drüben an der Bar steht Tom. Und er scheint Palomas Aufmerksamkeit geweckt zu haben.“ Enrique grinste immer noch neckisch. Anna und Jonas drehten gleichzeitig ihre Köpfe in Richtung Bar und zwinkerten sich dann zu. „Das ist Tom Lanford? Ich wusste ja gar nicht, dass Du so einen gut aussehenden Chef hast.“ Paloma schüttelte irritiert den Kopf. „Das ist doch Quatsch. Er ist mein Chef. Ich habe ihn nicht angestarrt.“ Und wieder mussten die drei herzhaft lachen. „Schon okay, Süße. Das muss Dir nicht peinlich sein. Er scheint doch wirklich ein netter Kerl zu sein.“ „Schön wär‘s. Das zeigt er leider nicht oft.“ In dem Moment blickte Tom in ihre Richtung und schaute geradewegs in Palomas blaue Augen.

Nach einigen Sekunden löste er seinen Blick wieder von ihr und lächelte ihr kurz zu. „Hey, Tom, komm‘ doch rüber und setz‘ Dich zu uns.“ Paloma hätte im Erdboden versinken können. Wieso konnte Enrique nicht einfach die Klappe halten? Es war Freitagabend und sie hatte Feierabend und es war eigentlich nicht vorgesehen diesen Abend mit ihrem Chef zu verbringen. Also warf sie Enrique intuitiv einen kurzen, funkelnden Blick zu. Doch der winkte Tom schon zu ihnen rüber. Tom hatte seinen alten Freund erst gar nicht bemerkt. Er schien ziemlich in Gedanken zu sein. Freundlicherweise erhob er sich von seinem Hocker und schlenderte zu den Vieren hinüber. „Hallo Enrique, schön Dich zu sehen.“ Die beiden begrüßten sich mit einem Händeschlag und einer flüchtigen Umarmung. „Hallo Tom. Du siehst müde aus. War wohl ein anstrengender Tag, hm?“ Tom nickte und setzte sich auf den freien Platz gegenüber von Paloma. Er beäugte sie faszinierend und ihm fiel auf wie hübsch sie heute Abend aussah. Sie hatte ein knielanges, dunkelblaues Kleid an und ihre langen Haare waren hochgesteckt. Nur ein paar einzelne Strähnen lugten hervor und fielen ihr ins Gesicht. „Hi Paloma, genießen Sie Ihren Feierabend?“ Über ihre Lippen huschte ein kleines Lächeln. „Ja, wir wollen den Abend gemütlich ausklingen lassen.“ Sie machte einen Moment lang Pause und war sich nicht ganz sicher, ob sie ihn einfach nach dem Termin fragen sollte. „Wie ist eigentlich der Termin heute gelaufen mit dieser irischen Fima?“ Tom wandte seinen Blick von Paloma ab und blickte auf sein Glas in der Hand. „Ist alles gut gelaufen. Lanford hat den Auftrag in der Tasche. Ab Montag wartet viel Arbeit auf Sie.“ Na, das war doch super. Wieso sah Tom dann so mitgenommen aus? „Das ist doch toll. Freut mich, dass es geklappt hat. Und wieso sind Sie dann so schlecht drauf?“ Mist, Paloma hätte sich ohrfeigen können für diese direkte Frage. Tom schaute sie überrascht und gleichzeitig mit traurigen Augen an. „Das ist meine Sache und geht Sie überhaupt nichts an. Ich muss jetzt auch los. Schönen Abend noch zusammen.“ Und da war er wieder. Tom, der Eisklotz ohne jegliches Gefühl. Tom stand auf während die anderen ihm irritiert nachblickten. Nur Enrique konnte erahnen was gerade in Tom vorging. Paloma machte sein Verhalten abermals wütend und sie wollte es nicht so einfach auf sich sitzen lassen. „Das kann doch nicht wahr sein. Was bildet der sich eigentlich ein?“ Mit diesen Worten erhob sie sich ebenfalls, zog sich ihre Jacke über und schnappte sich die Tasche. Nachdem sie sich noch kurz von ihren Freunden verabschiedet hatte, verließ sie den Coffee-Shop um Tom zu folgen.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:47

Kapitel 61

Paloma trat hinaus in die Dunkelheit und die kühle Luft durchströmte ihre Lungen. Ihr Blick schweifte suchend umher bis sie Tom schließlich einige Meter weiter entdeckte. Er hatte die Hände in den Jackentaschen vergraben und ging zügig in die entgegengesetzte Richtung. Paloma folgte ihm schnellen Schrittes um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Sie holte kurz Luft um ihm hinter her zu rufen. Doch dann entschloss sie sich dazu ihm mit einem geringen Abstand zu folgen. Tom schien zielstrebig seinen Weg zu verfolgen. Wohin wollte er denn nur? Paloma hatte Mühe ihm zu folgen und dann merkte sie wo sie sich befand. Tom steuerte schnurstracks auf das Gebäude zu auf dem sie sich selbst erst vor nicht allzu langer Zeit befand. Ihr Herz klopfte immer schneller als sie sah wie Tom das Gebäude betrat. Was wollte er bloß hier? Er wollte doch nicht etwa auch auf das Dach? Doch als sie sah wie er auf den Fahrstuhl zuging bewahrheiteten sich ihre Befürchtungen. Paloma betrat den nächsten Aufzug mit gemischten Gefühlen. Ihre Beine fühlten sich an wie Pudding. Während sie nach oben fuhr schaute sie an die Decke und seufzte tief. Das durfte doch alles nicht wahr sein. Das konnte doch jetzt nicht wirklich passieren. Paloma kniff sich einmal in den Arm um sicher zu gehen, dass sie nicht träumte. Oh nein, sie träumte keinesfalls. Das hier passierte wirklich gerade. Als sich die Tür öffnete, trat sie mit langsamen, schweren Schritten hinaus und spürte die kalte Luft auf ihrem Gesicht. Es war sehr windig an diesem späten Abend. Was würde sie jetzt hier oben erwarten? Ihr war mulmig zumute und sie zog sich ihre Jacke bis zum Hals hoch um die Kälte abzuwehren. Dann blickte sie sich suchend nach Tom um. Ihre Beine zitterten und ihr blieb fast die Luft weg als sie Tom sah. Genau wie Anna stand er ziemlich nahe am Abgrund und blickte geradeaus über die Stadt. Paloma ging ganz langsam ein paar Schritte auf ihn zu. Tom stand mit dem Rücken zu ihr und er bemerkte sie gar nicht. Plötzlich blieb Paloma erschrocken stehen und traute ihren Augen kaum. Tom breitete seine Arme aus und schrie mehrmals so laut er konnte einen Namen hinaus in die dunkle, stille Nacht. „Faaannyyyy, Faaannyyy!“ Was hatte das alles zu bedeuten? Seine Stimme klang verzweifelt und gleichzeitig war sie voller Trauer. Paloma musste mehrmals schlucken. Dieser Mann der dort auf dem Dach stand war ganz anders als der Mann den sie bisher kennengelernt hatte. Er konnte ja doch Gefühle zeigen. Er tat ihr wahnsinnig leid. Am liebsten hätte sie ihn jetzt in ihre Arme genommen und ihn ganz fest gehalten. Was hatte es nur mit dieser Frau namens Fanny auf sich? Paloma ging ein paar Schritte weiter und sie durchfuhr ein seltsames Gefühl, dass sie nicht näher definieren konnte.

Währenddessen saßen Anna, Jonas und Enrique noch zusammen in der Ego-Bar und unterhielten sich über Paloma und Tom. Anna machte Toms Verhalten stutzig und sie versuchte näheres aus Enrique heraus zu bekommen. „Mensch, was war das denn eben? Was ist denn mit dem los?“ Enrique nahm einen großen Schluck von seinem alkoholfreien Cocktail und räusperte sich kurz. „Tom ist nicht immer so. Nach außen hin wirkt er oft kühl und schroff. Aber wer ihn besser kennt weiß, dass es nur seine raue Schale ist.“ „Aber warum ist er so anderen gegenüber?“ Enrique blickte die beiden an. Er wusste warum sein Freund so war. Doch er schwieg darüber. Es war so etwas wie eine stille Vereinbarung zwischen den beiden nicht darüber zu sprechen. „Es gab da mal ein Erlebnis vor einigen Jahren das ihm den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Seitdem lässt er niemanden mehr an sich heran. Aber ich glaube, Paloma beeindruckt ihn auf irgendeine Art und Weise.“ Anna blickte ihn mitfühlend an. „Tut mir leid. Das muss etwas sehr schlimmes gewesen sein wenn es einen Menschen so gefühlskalt macht.“ Enrique nickte. „Kommt, lasst uns über etwas anderes reden. Ich habe Tom versprochen mit niemandem darüber zu sprechen.“ Anna gähnte und ihr Blick fiel auf die Uhr. „Enrique, sei mir bitte nicht böse, aber mir fallen gleich die Augen zu. Ich würde mich jetzt gerne hinlegen.“ Jonas streichelte seiner Frau behutsam über den Rücken und half ihr in die Jacke. Dann gab er ihr einen sanften Kuss und verabschiedete sich von Enrique. „Kein Problem. Kommt gut nach Hause und schlaft schön Ihr zwei. Oh, sorry, Ihr drei natürlich.“ Er grinste zu ihnen rüber und drückte Anna noch mal kurz und klopfte Jonas freundschaftlich auf die Schulter. Sie lächelten ihm zu und machten sich dann auf den Heimweg. „Danke, schlaf Du auch gut, Enrique.“ Auch er wollte nur noch eben seinen Cocktail austrinken und sich dann auf den Weg nach Hause machen. Als er gerade seine Jacke angezogen hatte und sich in Richtung Ausgang umdrehte, blieb er plötzlich wie angewurzelt stehen. Sein Blick fiel auf eine Person die dort in der Tür stand und ihn mit großen Augen und einem kleinen Lächeln im Gesicht anschaute. Enrique blieb fast die Luft weg und er konnte nicht glauben wen er da stehen sah.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:47

Kapitel 62

Als Paloma näher kam vernahm sie ein leises Schluchzen von Tom und meinte zu erkennen wie eine einzelne Träne über seine Wange lief. Nun stand sie ganz nah hinter ihm und konnte seinen aufgeregten Atem hören und seinen Duft wahrnehmen. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie eigentlich gar nicht so genau wusste was sie hier oben wollte. Was sollte sie ihm denn jetzt überhaupt sagen? Und wie würde er auf sie reagieren? Irgendwie hielt sie es für eine blöde Idee hier überhaupt rauf gekommen zu sein. Sie drehte sich langsam wieder um und entfernte sich leisen Schrittes wieder von Tom. Ihr saß der Schreck noch immer in den Knochen und ihr kamen ungewollt die Bilder wieder in den Kopf wie ihre beste Freundin hier oben stand und ihr fast das Herz stehen geblieben war. Paloma verspürte einen dicken Kloß im Hals und sie wollte einfach nur noch wieder nach unten. Als sie sich schon sicher war, dass Tom sie nicht bemerkt hatte, wurde sie plötzlich von seiner Stimme aus ihren Gedanken gerissen. „Paloma? Was machen Sie denn hier oben?“ Seine Stimme klang äußerst überrascht, aber nicht so gleichgültig wie sonst. Erschrocken drehte sie sich um und blickte geradewegs in seine blauen Augen die momentan sehr traurig und verletzlich wirkten. Tom bemerkte die Tränen in Palomas Augen und er spürte Mitgefühl und sein Beschützerinstinkt kam hervor. Er ging ein paar Schritte auf sie zu und blieb kurz vor ihr stehen. Seinen Blick wandte er nicht von ihr ab. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ Paloma nickte nur zaghaft und es dauerte einen Moment lang bis sie ihre Sprache wieder fand während sie versuchte ihre Tränen zu unterdrücken. Verflucht, was machte denn das für einen Eindruck wenn sie jetzt vor ihm weinen würde?

„Tut mir leid, ich wollte Sie nicht stören.“ Tom musterte sie aufmerksam. „Warum sind Sie hier oben? Sind Sie mir etwa nachgelaufen?“ Paloma besann sich darauf was sie eigentlich hier wollte. „Na gut, ich will ehrlich zu Ihnen sein. Ihre Reaktion vorhin hatte mich so wütend gemacht und da bin ich Ihnen nachgegangen und Ihnen aufs Dach gefolgt.“ Tom sagte nichts und wartete darauf, dass Paloma weitersprach. „Na ja, ich dachte irgendwie, dass... Sie sich etwas antun könnten, weil Sie hier rauf gekommen sind. Und ich hätte es mir nicht verzeihen können wenn ich Sie nicht wenigstens versucht hätte davon abzuhalten.“ Palomas Stimme stockte und sie rechnete schon mit einer Anfuhr. Doch Tom blieb ruhig. Ihm imponierte ihr Verhalten, ihre Aufrichtigkeit. „Sie dachten, ich wollte mich vom Dach stürzen?“ Paloma schaute verlegen zu Boden. „Ich hatte halt Angst, dass ich noch einmal so eine Situation durchmachen müsste.“ Wieder stiegen ihr die Tränen in die Augen. Tom stand nun direkt vor ihr und legte eine Hand auf ihre Schulter. Er spürte, dass sie irgendetwas bedrückte. „Möchten Sie mir nicht davon erzählen? Danach geht es Ihnen sicherlich besser.“ Paloma berührte Toms freundliche und hilfsbereite Art. Er war total anders als sonst immer. Und das gefiel Paloma sehr. „Vor ein paar Wochen stand Anna hier oben. Wäre Enrique nicht gewesen... Ich darf gar nicht daran denken was dann geschehen wäre.“ Tom musste schlucken und er sah ein paar Tränen auf Palomas Gesicht. „Es tut mir leid, dass Sie so etwas miterleben mussten.“ Paloma schaute ihm nun direkt in die Augen und lächelte kurz. „Schon okay, es ist ja zum Glück nichts passiert. Aber warum sind Sie eigentlich hier oben?“ Tom spürte einen kalten Schauer den Rücken herunter laufen. Er wollte und konnte einfach nicht über dieses Thema sprechen. Es tat ihm immer noch weh nach all‘ den Jahren. „Bitte seien Sie mir nicht böse, Paloma, aber ich möchte nicht darüber sprechen. Lassen Sie uns wieder nach unten gehen.“ Paloma nickte verständnisvoll und sie stiegen Seite an Seite wieder in den Fahrstuhl der sie nach unten befördern würde.

Enrique stand immer noch regungslos da und konnte einfach nicht glauben wen er da sah. Aber wie konnte das denn sein? Sie dürfte doch gar nicht hier sein. Er war sehr verwundert und überrascht. Und sie blickte ihn immer noch an. Dann kam sie auf ihn zu und umarmte ihn stürmisch. „Enrique! Es ist so schön Dich wieder zu sehen.“ Er drückte sie überschwenglich ganz fest an sich und freute sich riesig über diese Überraschung mit der er wahrlich nicht gerechnet hatte. „Mia?! Aber was machst Du denn hier? Ich dachte, Du und Alex seid noch in den USA?“ Mia löste sich aus der Umarmung und betrachte Enrique von oben bis unten. „Gut siehst Du aus. Wie geht‘s Dir denn?“ „Vielen Dank, mittlerweile wieder richtig gut. Momentan läuft alles ganz gut hier.“ Mia war froh, einen ihrer Freunde hier getroffen zu haben. „Hey, magst Du noch ein Stück mit mir zusammen laufen?“ „Klar, gerne doch, ich wollte sowieso gerade gehen.“ Die beiden liefen ein paar Minuten schweigend nebeneinander her. „Wie geht‘s Dir denn überhaupt, Mia? Warum bist Du schon wieder zurück?“ Mia seufzte kaum hörbar, blieb stehen und wandte sich an Enrique. „Mir geht es schon wieder etwas besser. Na ja, ich bin zurückgekommen, weil ich meine Freunde hier in Berlin vermisst habe.“ Enrique schaute sie eindringlich an. Irgendetwas stimmte mit Mia nicht. „Und was ist mit Alexander?“ Mias Blick wurde ernst und sie ging weiter während Enrique ihr folgte. „Weißt Du, es hat einfach nicht mehr funktioniert mit uns beiden. Bei der ganzen Arbeit ist unsere Liebe irgendwie auf der Strecke geblieben. Irgendwann hatten wir uns dann ausgesprochen und festgestellt, dass es besser wäre, getrennte Wege zu gehen. Alex ist in New York geblieben und fühlt sich dort auch wirklich sehr wohl.“ Enrique blieb abrupt stehen und schaute sie völlig perplex von der Seite an. Mia und Alexander waren kein Paar mehr. „Mia..., es tut mir wirklich leid für Euch beiden. Das muss eine schwere Zeit für Dich sein. Wenn ich irgendetwas für Dich tun kann, lass‘ es mich bitte wissen. Du kannst immer auf mich zählen.“ Mia lächelte dankbar und umfasste seine Hände. Ein warmes Gefühl durchfuhr ihren Körper. „Danke, das ist lieb von Dir. Ich werde gerne auf Dein Angebot zurückkommen.“ Enrique erwiderte ihr Lächeln und nahm sie dann ganz fest in seine Arme. Leise flüsterte er ihr ins Ohr. „Schön, dass Du wieder hier bist. Du hast mir gefehlt.“ „Du hast mir auch gefehlt, Enrique.“
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:48

Kapitel 63

Mias Freunde waren sehr überrascht, dass sie wieder hier war. Als sie am nächsten Tag alle zusammen im Coffee-Shop saßen, wurde sie mit Fragen überhäuft und sie beantwortete alle mit einer Engelsgeduld. Als es um Alexander ging wurde sie ein bisschen ruhiger und sie merkten, dass es ihr nicht leicht fiel detailliert über ihre Beziehung und die Trennung zu sprechen. Mia erzählte, dass sie schon seit zwei Monaten getrennt waren. Aber sie hatten sich nicht im Streit getrennt und aus dem Grund wollte Mia ihren Pflichten in der Firma weiter nach gehen bis der laufende Auftrag abgeschlossen war. Für sie war klar, dass sie wieder zurück nach Berlin gehen würde wo ihre Freunde waren und sie sich heimisch fühlte. Also hatte sie sich zwischenzeitlich von New York aus um eine Wohnung gekümmert und alles weitere geregelt. Tja, und nun war sie hier und saß mit ihren Freunden zusammen die sie sehr vermisst hatte. Es war schön, sie wieder um sich zu haben und sie war ganz entzückt von Annas Babybäuchlein und legte immer wieder eine Hand auf ihren Bauch um die Bewegungen der Kleinen zu spüren. Anna musste schmunzeln und war sich sicher, dass Mia auch einmal eine wundervolle Mutter sein würde. Sie hatten sich so viel zu erzählen, dass die Stunden nur so ins Land zogen und es, ehe sie sich versahen, auch schon wieder dunkel wurde. Als Enrique dann abends im Bett lag, fixierte er einen Punkt an der Decke und seine Gedanken kreisten um Mia. Er hatte in ihrer Abwesenheit nur selten an sie gedacht, doch jetzt war irgendwie alles anders. Jetzt wo er sie wieder gesehen hatte und sie nicht mehr mit Alexander zusammen war. Komischerweise bekam er sie gar nicht mehr aus seinem Kopf. Was war da bloß mit ihm geschehen? Wieso musste er seit gestern Abend ständig an sie denken? Das war doch nicht normal. Er war ein bisschen verwundert, dass sie die Trennung nicht sonderlich mit zu nehmen schien. Aber andererseits war es schon eine Weile her und sie hatten sich gemeinsam zu diesem Schritt entschlossen. Und natürlich wusste er, dass sie nicht ganz spurlos an ihr vorüber ging. Doch Mia schien augenscheinlich recht gut damit zurecht zu kommen. Und sie war sichtlich froh wieder in Berlin zu sein. Enrique verwarf die Gedanken und drehte sich zur Seite um zu schlafen. Zur gleichen Zeit saß Mia in ihrer Wohnung am Fenster und beobachtete das Treiben auf der Straße. Sie war ein wenig verwirrt denn ihre Gedanken schweiften immer wieder ab. Sie ließ den Tag noch einmal Revue passieren und musste schmunzeln bei dem Gedanken an ihre Freunde. Wie sehr hatte sie sie doch vermisst. Und eine Person ganz besonders. Und wieder waren ihre Gedanken bei ihm. Enrique. Sie dachte an die Umarmung gestern Abend. Wie sich ihre Hände berührt hatten. Sie ihren Kopf an seine Schulter lehnte und seinen Duft ganz tief einsog und seine Wärme spürte. Mia versuchte die Gedanken zu verdrängen und kroch unter die Bettdecke um etwas Schlaf zu finden.

Am nächsten Morgen sprintete Paloma hektisch zu Lanfords. Sie schaute panisch auf ihre Armbanduhr und legte noch einen Schritt zu. Sie fluchte leise vor sich hin und ärgerte sich über sich selbst, weil sie heute Morgen nicht aus dem Bett gekommen war. Nun musste sie sich mächtig spurten wenn sie nicht zu spät kommen wollte. Sie mochte gar nicht daran denken, was Tom für einen Aufstand machen würde wo sie doch wusste wie sehr er Unpünktlichkeit verabscheute. Als Paloma schließlich aus dem Fahrstuhl hechtete und ganz außer Atem war hatte Tom bereits auf seine Assistentin gewartet. Er blickte sie streng an und orderte sie in sein Büro noch bevor Paloma sich richtig entschuldigen konnte. „Herr Lanford, es tut mir wirklich leid, dass ich ein paar Minuten zu spät bin.“ „Kommen Sie bitte gleich mit in mein Büro.“ Mit einer Handbewegung deutete er ihr an ihm zu folgen. Paloma seufzte und trottete ihm mit rollenden Augen hinterher. Na super, der Tag fing ja toll an. Erst hörte sie ihren Wecker nicht, dann kam sie auch noch knapp zu spät und nun würde sie sich gleich eine deftige Standpauke von Tom anhören müssen. Tom ließ sie eintreten und forderte sie auf sich zu setzen. „Bitte, nehmen Sie Platz.“ Dann schloss er die Tür hinter sich und setzte sich ihr gegenüber. Er wühlte in seinen Unterlagen und schien sich auf irgend etwas zu konzentrieren. Paloma wippte unruhig mit einem Fuß auf und ab. Dann wandte sich Tom an sie und blickte ihr in die Augen. „Guten Morgen erst mal. Haben Sie gut geschlafen?“ Paloma machte einen überraschten Gesichtsausdruck. Mit so einer freundlichen Begrüßung hatte sie nun beim besten Willen nicht gerechnet. Sie räusperte sich bevor sie ihm antwortete. „Morgen. Ja, danke, zwar nicht sehr lange, aber gut. Und Sie?“ Toms Gesichtsausdruck war ungewohnt freundlich und seine Augen strahlten eine beruhigende Wärme aus. „Ich habe tief und fest geschlafen.“ Dann schwiegen sich beide einen Moment lang an bevor Tom weiter sprach. „Ähm, Paloma, ich möchte Sie bitten, die Sache von gestern Abend für sich zu behalten. Ich möchte nicht, dass darüber getratscht wird. Kann ich mich auf Sie verlassen?“ Er blickte sie eindringlich und bittend mit seinen blauen Augen an. Paloma nickte und hatte auch nicht vor, es in der Firma rum zu erzählen. „Ja, natürlich. Das bleibt unter uns. Sie brauchen sich keine Gedanken zu machen.“ Über Toms Lippen huschte ein Lächeln welches Paloma strahlend erwiderte. „Gut, dann gehen Sie jetzt bitte an die Arbeit. Es gibt eine Menge zu tun.“ Paloma stand auf und ging zur Tür um sich an die Arbeit zu machen. „Ach, Paloma?“ Sie drehte sich um während ihr Blick wieder an seinem hängenblieb. „Ja?“ „Danke. Hätten Sie Lust mich heute Abend zum Essen zu begleiten?“ Was war denn nur mit Tom los? So zuvorkommend und sympathisch kannte sie ihn ja gar nicht. Mit Ausnahme von gestern Abend. „Kein Problem. Und gerne werde ich sie zum Essen begleiten.“ Tom zwinkerte ihr lächelnd zu. „Okay, wir treffen uns um sieben Uhr vor der Firma.“ „Alles klar.“ Mit den Worten drehte sich Paloma wieder um und verließ sein Büro.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:49

Kapitel 64

Bereits fünf Minuten vor dem verabredeten Termin wartete Paloma perfekt gestylt und nervös auf Tom. Sie hatte mindestens eine halbe Stunde gebraucht bis sie sich für ein passendes Outfit entschieden hatte. Ganze drei Mal hatte sie ihren Kleiderschrank von vorne bis hinten durchwühlt und die Kleider auf dem Bett verteilt. Nach mehreren Anproben entschied sie sich letztendlich für ein knielanges, eng anliegendes, ärmelloses Kleid aus Samt in einem wunderschönen dunkelrot, welches ihre weiblichen Rundungen hervorhob. Sie wählte ihre schwarzen, hochhackigen Lieblingspumps und eine schwarze, samtene Jacke dazu. Um ihren Hals schmiegte sich eine lange, schwarze Perlenkette die perfekt zu ihrem bisherigen Outfit passte. Eine weitere geschlagene halbe Stunde verbrachte Paloma damit ein dezentes Make-Up aufzutragen. Anschließend betrachtete sie sich gespannt im Spiegel, drehte sich um die eigene Achse und lächelte zufrieden. Nervös lief sie ein paar Schritte auf und ab während sie auf Tom wartete. Dann sah sie seinen Wagen um die Ecke biegen und schon hielt er direkt neben ihr. Er stieg aus und blieb einen Moment lang mit dem Blick auf Paloma gerichtet stehen. Wow, Paloma war wirklich eine wunderschöne Frau. Er lächelte ihr zu während er auf sie zuging und ihr ein Küsschen auf die Wange drückte. „Hi Paloma. Sie sehen wunderbar aus heute Abend.“ Palomas Lippen bildeten sich zu einem breiten Lächeln und sie musterte interessiert Toms Aussehen. Er trug einen dunklen Anzug und schwarze Schuhe. Seine Haare waren perfekt gestylt und er sah einfach toll aus. So herausgeputzt kannte sie Tom gar nicht. Wohin wollte er wohl mit ihr gehen? „Hallo Tom, vielen Dank. Sie sehen aber auch fabelhaft aus.“ Beide mussten kurz lachen. Dann öffnete Tom ihr galant die Beifahrertür und schloss sie sanft wieder nachdem Paloma eingestiegen war. Als er auch wieder angeschnallt im Auto saß blickte er noch einmal zu ihr rüber und lächelte ihr zu. „Wohin fahren wir denn eigentlich?“ „Ich habe mir etwas ganz besonderes für den heutigen Abend überlegt. Lassen Sie sich überraschen.“ Dann startete er den Wagen und reihte sich in den fliessenden Verkehr ein. „Da bin ich ja mal gespannt wohin Sie mich entführen.“

Nach 20 Minuten Fahrtzeit erlangten sie ihr angestrebtes Ziel. Paloma ließ ihren Blick zu dem Gebäude schweifen. „Wir sind da. Kommen Sie, Paloma.“ Tom geleitete sie charmant zum Gebäude und sie stiegen wieder einmal in einen Aufzug der sie nach ganz oben beförderte. Als sich die Tür öffnete staunte Paloma nicht schlecht. Was hatte das hier alles zu bedeuten? Sie kamen in einen großen Raum der wunderschön dekoriert war mit verschiedenen Blumen, Bildern, Pflanzen und Kerzen. Vor ihr lag eine riesige Fensterfront die vom Boden bis zur Decke des Raumes reichte. Davor stand ein liebevoll gedeckter Tisch mit zwei Stühlen. Der ganze Raum wurde vom warmen Kerzenschein erleuchtet. Paloma stand mit offenem Mund da und brachte einen Moment lang kein Wort heraus. Sie war sehr gerührt und dieses Ambiente faszinierte sie noch mehr an Tom. Tom beobachtete ihre Reaktion und lächelte erfreut. „Darf ich Sie zu Ihrem Platz geleiten, Madame?“ Paloma musste kurz lachen. Dann streifte sie Ihre Jacke ab und ließ sich von Tom zum Platz führen. „Aber sehr gerne doch, Sir.“ Ganz Gentleman-Like zog er ihren Stuhl zurück damit sie sich setzen konnte und schob ihn dann wieder zurück an den Tisch. Erst dann nahm auch er ihr gegenüber Platz und blickte ihr in die Augen während er sie immer noch anlächelte.

Zur gleichen Zeit saßen Mia und Enrique gemütlich bei ihr auf der Couch, knabberten Chips und schauten sich einen lustigen Film an. Die zwei amüsierten sich einfach köstlich und kamen aus dem Lachen kaum noch wieder raus. Und jedes Mal wenn sie sich dann anschauten prusteten sie wieder lauthals los. Das war einer dieser Abende an denen einfach alles passte. Man hatte Gesellschaft von einem lieben Freund mit dem man über alles reden konnte und einfach nur unbeschwert Spaß hatte. Alle Sorgen und Probleme waren weit zur Seite geschoben und es gab nur sie beide. Sie waren bereits bei der zweiten Flasche Rotwein angekommen und saßen eng nebeneinander. Als der Abspann über den Bildschirm lief neckte Mia Enrique forsch. „Und was machen wir zwei jetzt schönes?“ „Worauf hättest Du denn Lust?“ Mia überlegte kurz und grinste ihn schelmisch an. „Hm, wenn Du mich so fragst... Ich hätte da schon eine Idee.“ Enrique blickte sie auffordernd an. „Und die wäre? Sag‘s mir wenn ich mich täusche, aber Dein Blick lässt irgendwie etwas Gemeines verraten.“ Empört stemmte Mia beide Hände in die Hüften und blickte Enrique gespielt zornig an. „Das ist ja ,ne Frechheit. Wie kannst Du nur so etwas von mir denken?“ Enrique zog einen Schmollmund und rollte ironisch mit den Augen. „Ich kenne Dich eben, Mia.“ Enriques Blick blieb für einige Sekunden an Mias strahlenden Augen hängen. Plötzlich sprang Mia auf, setzte sich bei ihm auf den Schoß und startete eine hinterhältige Kitzelattacke. Enrique versuchte sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren und bekam kaum noch Luft vor lauter Lachen. „Hilfe, bitte aufhören. Ich ergebe mich.“ „Na, das hättest Du wohl gerne. Dann musst Du mich schon daran hindern.“

Sie zwinkerte ihm lachend zu. Enrique begann ebenfalls die auf ihm sitzende Mia an den Seiten zu kitzeln. Er wusste, dass sie jedes Mal aufquietschte wenn er das gemacht hatte. „Heeeyyy, das ist aber gemein. Hör bitte auf. Ich habe schon Bauschmerzen vom ganzen Lachen.“ Enrique blickte sie provozierend an. „Hörst Du dann auch auf?“ Mia nickte und versuchte sich langsam wieder zu beruhigen. Erschöpft, aber glücklich verharrten die beiden eine Weile so bis sie wieder vernünftig Luft bekamen. Enriques Hände lagen noch auf Mias Hüften während Mia ihre auf seine Schultern gelegt hatte. Enrique vergaß alles um sich herum und mit einem Mal gab es für ihn nur noch Mia. Er war unfähig seinen Blick von ihren schönen Augen abzuwenden. Mia ließ sich ebenfalls von seinem intensiven Blick in ihren Bann ziehen und es wurde ganz ruhig im Raum. Man hörte nur noch den Atem der beiden. Eine knisternde Spannung lag in der Luft und es war nur noch eine Frage der Zeit bis die aufgestauten Gefühle explodieren würden. Mia überlegte nicht lange und übernahm die Initiative. Kurzerhand nahm sie sein Gesicht in ihre Hände, zog ihn zu sich heran und küsste ihn spontan. Enrique saß ein paar paar Sekunden mit offenen Augen da und war sehr überrascht von Mias „Überfall“. Dann schloss er seine Augen und erwiderte ihren Kuss. Als sich ihre Lippen voneinander lösten schauten sie sich kurz in die Augen und fielen dann wieder regelrecht übereinander her. Ihre Küsse waren voller Leidenschaft, Verlangen und Begierde nach dem anderen.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:49

Kapitel 65

Paloma und Tom verbrachten einen wunderschönen Abend zusammen. Sie befanden sich hoch über Berlin und ließen ihren Blick weit über die atemberaubende mit Lichtern verzierte Skyline hinweg schweifen. Paloma amüsierte sich hervorragend. Was konnte denn schöner sein? Sie saß hier zusammen mit Tom, der auf einmal so zuvorkommend und freundlich war, in einer wundervollen Atmosphäre bei Kerzenschein und vorzüglichem Essen, mit leiser Musik untermalt. Paloma war hin und weg von Toms „neuer“ Art die sie völlig in seinen Bann zog. Sie genoss jede einzelne Minute und wünschte sich, dieser Abend würde nie enden. Die beiden unterhielten sich über Gott und die Welt um sich besser kennen zu lernen. Nur ein Thema war absolutes Tabu: Arbeit. „Ich hoffe, es hat Ihnen geschmeckt, Paloma!?“ Paloma nickte zustimmend mit einem zauberhaften Lächeln auf den Lippen. „Ja, es war ein absoluter Gaumenschmaus. Ich bekomme keinen Bissen mehr runter.“ Tom musste lachen und fühlte sich sichtlich wohl in der Nähe dieser tollen Frau. „Paloma, ich denke, es wäre an der Zeit, diese Förmlichkeiten beiseite zu schieben. Was meinen Sie?“ Er reichte ihr seine Hand entgegen und wartete darauf, dass sie sein Angebot annehmen würde. „Nennen Sie mich Tom.“ Paloma drückte seine Hand und war froh, dass er ihr das „Du“ angeboten hatte. Irgendwie passte das einfach besser. „Gerne, Tom. Es ist einfach wundervoll hier. Sind Sie zum ersten Mal hier? Entschuldigung, Du.“ Tom grinste sie verschmitzt an. „Freut mich, dass es Dir hier gefällt. Ich war schon lange nicht mehr hier oben.“

Dann ertönte ein langsamer Song den Tom sehr mochte. Er stand kurzerhand auf, trat vor Paloma und reichte ihr galant seine Hand. „Würdest Du mir bitte diesen Tanz schenken?“ Paloma blickte hinauf in seine blauen Augen und legte ihre Hand in seine während sie aufstand und ihm in die Mitte des Raumes folgte. „Sehr gerne sogar.“ Tom zog Paloma ganz dicht zu sich ran, umfasste mit einer Hand die ihre und legte seine andere auf ihre Hüfte. Sie bewegten sich ganz langsam zum Takt der Musik und schauten sich dabei tief in die Augen. Paloma hatte das Gefühl regelrecht über die „Tanzfläche“ zu schweben. Tom gab ihr ein beruhigendes, sicheres Gefühl. Auch Tom vergaß alles um sich herum. Für ihn gab es in diesem Moment nur noch Paloma und das „Jetzt und Hier“. Er fühlte sich seit langer Zeit mal wieder geborgen und beschützt bei einer Frau. Und diese Nähe fühlte sich verdammt gut an. Wie sehr hatte er das vermisst in den letzten Jahren. Als die Musik endete blieben sie noch einen Moment lang eng beieinander stehen und konnten ihre Blicke nicht voneinander abwenden. Ganz langsam kam Toms Gesicht Palomas immer näher. Sein Herz klopfte immer schneller. Er spürte ein lange nicht mehr gefühltes Kribbeln im ganzen Körper. Er fühlte sich in genau diesem Augenblick so unbeschreiblich wohl und wollte, dass dieses Gefühl nie wieder wegging. Dann schlossen sie ihre Augen und Paloma spürte Toms weiche, warme und sanfte Lippen auf ihren.

Derweil verbrachten Anna und Jonas einen ruhigen Abend daheim. Jonas hatte den beiden ein leckeres 3-Gänge-Menü gezaubert und die ganze Wohnung mit Kerzen dekoriert und Annas Lieblingsmusik aufgelegt. Er wollte seine Frau mal wieder so richtig verwöhnen und ihr die Schwangerschaft so angenehm wie möglich gestalten. So langsam wurde der riesige Bauch ein bisschen unangenehm und Anna brauchte in vielen Dingen Hilfe, weil sie nicht mehr alles so konnte wie sie es gerne wollte. Nach dem Essen saßen die zwei zusammen auf der Couch und Jonas hielt ihre Hand während sie sich über einen Namen für ihren kleinen Sonnenschein unterhielten. So langsam drängte die Zeit und Anna war schon ganz traurig, dass ihnen immer noch nicht die zündende Idee gekommen war. Sie suchte nach einem ganz besonderen Namen. Sie hatten sich zwar schon viele schön klingende Namen überlegt, doch er sollte auf Anhieb sofort gefallen. Schließlich trug man diesen Namen ein Leben lang. Jonas streichelte ihr behutsam über den Bauch als Anna kurz innehielt. Er wusste, dass die Kleine ganz schön zutreten konnte und es Anna ein wenig schmerzte. Gerade jetzt war es wieder soweit. Er beugte sich etwas runter und sprach ganz leise zu dem kleinen Wesen in Annas Bauch. „Süße, Du schläfst ja immer noch nicht. Du kannst die Mama doch nicht immer so auf Trab halten.“

Anna musste lächeln. Sie fand es so süß wenn Jonas mit der Kleinen sprach. Es war wirklich ein Bild für die Götter. Sie konnte sich gar keinen besseren und liebevolleren Vater für die Kleine vorstellen. Sanft streichelte sie Jonas durchs Haar. „Du bist so lieb, Schatz. Unsere kleine Maus ist eben sehr aufgeweckt und kann es kaum erwarten, die Freiheit zu genießen.“ Jonas drückte einen sanften Kuss auf Annas Bauch. „Schlaf gut, Du kleiner Wurm und träum was Schönes.“ Dann blickte er zu Anna hoch und stellte wieder einmal fest wie wunderschön sie war. „Ich kann es auch kaum erwarten, das kleine Wunder endlich in meinen Armen zu halten.“ Anna zog ihren Mann zu sich hoch und streichelte ihm zärtlich übers Gesicht. „Weißt Du eigentlich, wie sehr ich Dich liebe, Jonas?“ Jonas blickte ihr ganz tief in die Augen und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich liebe Dich auch, meine Süße.“ Die beiden Verliebten ließen ihre Lippen zu einem endlosen, zärtlichen Kuss miteinander verschmelzen. Dann kuschelte sich Anna ganz dicht an Jonas und legte ihren Kopf an seine Schulter. „Was würdest du eigentlich von Josephine Patricia Broda?“ Jonas küsste seine Frau sanft auf die Stirn. „Das wäre doch ein außergewöhnlicher Name. Unsere kleine Josi.“ Anna musste schmunzeln. Und schon bald waren die beiden Arm in Arm sitzend eingeschlafen und im Land der Träume.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:50

Kapitel 66

Währenddessen lagen sich Mia und Enrique eng umschlungen in den Armen und küssten sich leidenschaftlich und voller Verlangen. Wie lange war es nun schon her seit die beiden ein Paar waren? Sie vergaßen alles um sich herum und schalteten sämtliche Gedanken aus. Sie atmeten schwer ein und aus, weil sich ihre Lippen nur kurz voneinander lösten um Luft zu holen. Mias ließ ihre Hände unter Enriques Shirt gleiten und zog es ihm über den Kopf. Sie streichelte sanft seinen nackten Oberkörper und bedeckte ihn dann mit vielen zärtlichen Küssen. Enrique lag auf dem Rücken und Mia saß auf ihm. Er legte seinen Kopf in den Nacken und fuhr mit seinen Händen durch Mias weiches Haar. Mias Hände wanderten über seinen Bauch bis hin zum Hosenbund. Langsam öffnete sie seine Jeans und streifte sie runter. Dann rutschte sie wieder zu ihm hoch und Enrique entkleidete Mia ebenfalls langsam, verbunden mit vielen, zärtlichen Küssen. Sie lag nun auf ihm und spürte seine nackte, warme Haut auf ihrem Körper. Wie lange schon hatte sie sich nach diesem Moment gesehnt? Sie hatte ganz vergessen wie wunderschön es mit Enrique war. Dieser Mann war einfach toll, super sexy und äußerst begehrenswert. Ihre Lippen verschmolzen abermals zu leidenschaftlichen, kaum endenden Küssen. Enrique umfasste sanft Mias weiche Brüste und streichelte sie voller Zärtlichkeit. Mia war wirklich wunderschön. Ihm war gar nicht mehr bewusst wie sehr er ihre Nähe vermisst hatte. Er hatte es anfangs verdrängt und später auch nie wieder daran gedacht. Aber jetzt wo er wieder in den Genuss kam, ihr so nahe sein zu können, durchströmte seinen Körper ein sagenhaftes, warmes Kribbeln. Er wünschte sich im Moment nichts sehnlicher als mit ihr regelrecht zu verschmelzen und sie ganz nah und intensiv zu spüren. Dann spürte er Mias warme Hände zwischen seinen Schenkeln und er stöhnte erregt auf. Mia zog ihm die Shorts aus und wollte ihn einfach nur noch ganz tief spüren. Also setzte sie sich langsam auf ihn, schaute ihm lächelnd ganz tief in die Augen während ihre offenen Haare über ihre Schultern fielen, und küsste ihn dann voller Zärtlichkeit und Leidenschaft. Enrique streichelte liebevoll Mias vor Erregung erhitzten Körper während er sanft in sie eindrang und sie lustvoll aufstöhnte. Die zwei Liebenden gaben sich ganz und gar ihren Gefühlen hin und vollzogen einen wunderschönen, lang anhaltenden Liebesakt voller Begierde, Leidenschaft, Lust und Verlangen. Sie tauschten immer wieder heiße Küsse aus und schliefen schließlich überglücklich und erschöpft Arm in Arm ein.

Zur gleichen Zeit standen Paloma und Tom eng voreinander auf der Tanzfläche und spürten die warmen, zärtlichen Lippen des jeweils anderen auf den ihren. Beide verspürten ein aufregendes Kribbeln im ganzen Körper und bekamen ganz weiche Knie. Nach endlosen Sekunden lösten sich ihre Lippen langsam wieder voneinander und sie schauten sich tief in die Augen. Über Palomas Gesicht huschte ein strahlendes Lächeln welches Tom allerdings nicht erwiderte. Einen Moment lang war Paloma voller Glückseligkeit bis sie langsam Toms versteinerten Gesichtsausdruck bemerkte. Tom starrte sie mit großen, verwirrten Augen an. In seinem Blick mischte sich Leere, Traurigkeit, Verzweiflung und eine gewisse Verwirrtheit. Was war das gerade und wie konnte es bloß soweit kommen? Tom musste für einen Moment lang die Kontrolle über sich und seine Gefühle verloren haben. Er hatte sich immer geschworen, dass er einer Frau nie wieder so nahe kommen wollte, dass er verletzlich wurde. Diesen Schritt hatte er soeben selbst überschritten. Er wollte es einfach nicht zulassen, dass eine Frau in sein Inneres blicken konnte und er Gefühle vor ihr zuließ. Doch was war daran eigentlich so schlimm? Er konnte doch nicht ewig alleine bleiben und seine Gefühle vor allen verbergen, nur damit er nicht wieder so einen tiefen, schlimmen Schmerz erleiden musste. Paloma schaute ihn mit großen Augen an und versuchte mit Tom zu sprechen. Sie spürte, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmte. „Tom? Ist alles in Ordnung mit Dir?“ Tom war noch völlig in seine Gedanken vertieft und versuchte verzweifelt zu realisieren warum er Paloma geküsst hatte. Sein Blick war starr geradeaus gerichtet und verlor sich in der Dunkelheit der Nacht. Als Tom nicht reagierte legte Paloma vorsichtig eine Hand auf seinen Arm. „Tom, alles okay?“

Tom zuckte erschrocken zusammen und drehte sich um. „Tut mir leid, das hätte nie passieren dürfen. Der Kuss war ein Fehler. Lass‘ uns den Abend einfach vergessen.“ Paloma musste schlucken und war völlig verwirrt. Den Abend vergessen? Dieses wunderbare Ambiente vergessen? Das leckere Essen vergessen? Die tollen Gespräche mit Tom vergessen? Diesen romantischen Tanz vergessen? Den atemberaubenden Kuss einfach vergessen? Tom hatte gut reden. Das konnte doch nicht wirklich sein Ernst sein. Ihre Stimme klang zittrig und verletzt. „Wie kannst Du den Abend... den Kuss… einen Fehler nennen?“ Toms Hände zitterten und ihm fiel es sichtlich schwer Paloma so zu enttäuschen. Aber es war besser so für ihn und für sie. „Bitte, es war ein Fehler der nie hätte passieren dürfen.“ Paloma standen die Tränen in den Augen. Was bildete sich dieser Tom Lanford eigentlich ein so mit ihren Gefühlen zu spielen? Was glaubte er eigentlich, wer er war? Sie hatte diesen Abend so genossen. Tom war so liebevoll, zuvorkommend und charmant. Und da war er wieder. Tom, der Eisklotz der völlig abblockte. Ohne jegliches Gefühl. Kaltherzig. Ihr fiel es schwer ihre Tränen zu unterdrücken. Sie zwang sich, jetzt nicht auch noch vor ihm in Tränen auszubrechen. Wortlos nahm sie ihre Jacke und ihre Handtasche und trat selbstsicher vor ihn. Während sie ihm ihre Sichtweise mitteilte, blickte sie ihm geradewegs in die blauen Augen. „Für mich war es kein Fehler. Für mich war es ein Anfang. Dieser Abend war wunderschön. Mit Dir zu tanzen war einfach wunderbar. Und der Kuss... Dieser Kuss war so gefühlvoll und unbeschreiblich schön. Ich werde diesen Abend niemals vergessen.“ Für den Bruchteil einer Sekunde erwiderte er ihren Blick und bemerkte die Tränen in ihren Augen. Er sah die Traurigkeit und das Unverständnis in ihrem Blick. Dann drehte sich Paloma ohne ein weiteres Wort um und drückte den Knopf um den Fahrstuhl zu rufen.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:50

Kapitel 67

Tom stand einen Moment lang bewegungsunfähig da und blickte Paloma traurig hinterher. Was hatte er da nur angerichtet? Es war doch nie seine Absicht gewesen ihr weh zu tun. Warum konnte er nicht einfach zu seinen Gefühlen stehen und sie zulassen? Es war doch das Normalste von der Welt. Wieso konnte er die Vergangenheit nicht endlich mal ruhen lassen und sich auf eine neue Frau einlassen? Er spürte, dass er Paloma zutiefst verletzt hatte. Er wollte sie nicht verlieren. Er fand den Abend mit ihr doch auch wunderschön. Wieso, verdammt noch mal, konnte er ihr das nicht einfach sagen? Er hätte sich selbst ohrfeigen können und hätte ihr am liebsten alles erzählt. Was mochte sie jetzt bloß von ihm denken? Sie konnte ja nicht ahnen, dass sein ganzes Verhalten etwas mit „Fanny“ zu tun hatte. Ihn überkam ein schlechtes Gewissen und er fühlte sich miserabel. Paloma konnte doch nichts dafür. Er räusperte sich und seine Stimme war kaum hörbar. „Paloma, warte bitte.“ Doch Paloma stand bereits im Fahrstuhl mit dem Rücken zu ihm gedreht und hörte ihn nicht. Sie wollte nicht, dass Tom ihre Tränen sah die ihr übers Gesicht liefen. Tom zögerte nicht lange und als sich die Türen bereits zu schließen begannen, sprang er zu ihr in den Fahrstuhl. Paloma drehte sich erschrocken um und blickte ihn irritiert an. „Paloma... bitte warte.“ „Was willst Du denn noch? Du hast mir doch deutlich klar gemacht, dass Du nichts von mir willst.“ Tom verspürte einen dicken Kloß im Hals. Das war doch Quatsch. Er seufzte laut und drückte kurz entschlossen den Knopf der den Aufzug zum Stehen brachte. Mit einem heftigen Ruck stoppte er und Tom trat einen Schritt auf Paloma zu. „Ich bin Dir eine Erklärung schuldig.“ Paloma lehnte sich trotzig an die Wand. „Ich bin ganz Ohr. Warum bist Du so, Tom? Macht es Dir Spaß mit den Gefühlen anderer zu spielen und sie zu schikanieren?“ Tom lehnte sich an die Wand die ihr gegenüber lag und spielte nervös mit seinen Fingern. Er hatte noch nie so offen über seine Gefühle gesprochen was Fanny anging. Doch er spürte, dass es jetzt an der Zeit war, dies zu tun. Sein Blick fiel zu Boden.

„Ich war nicht immer so... gefühlskalt. Ich weiß, ich wirke auf andere oft ernst und emotionslos. Aber so bin ich im Grunde gar nicht. Nur habe ich seit damals meine Gefühle tief im Inneren verborgen und zeige nach außen hin meine harte Schale.“ Paloma blickte erstaunt zu ihm rüber. War Tom etwa gerade dabei ihr seine Gefühle zu offenbaren? „Damals?“ Tom musste schlucken. Nun stand er also kurz bevor. Der Moment vor dem er sich schon so lange gefürchtet hatte. „Ja, damals als dieses schreckliche Ereignis mein ganzes Leben von Grund auf verändert hat. Es hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen.“ Seine Stimme stockte und Tränen sammelten sich in seinen Augen. Paloma beobachtete ihn immer noch aufmerksam und sie spürte, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste wenn es ihn so sehr verändert hatte. Sie trat zögerlich ein paar Schritte auf ihn zu. Dann erinnerte sie sich an ihre Begegnung auf dem Dach. Es musste etwas mit dieser Frau namens Fanny zu tun haben. „Ist es wegen… Fanny?“ Paloma traute sich kaum den Namen auszusprechen und ihre Stimme zitterte. Tom starrte immer noch auf den Boden während er mit tränenerstickter Stimme fortfuhr. „Fanny war meine Frau. Sie ist bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen. Und ich konnte sie nicht mehr retten. Sie war eine perfekte Schwimmerin, aber sie hat es nicht bis ans Land geschafft.“

Tom konnte nun nicht mehr an sich halten und ließ den Tränen freien Lauf. Er schluchzte bitterlich und kramte nach einem Taschentuch. Paloma war geschockt und zutiefst erschüttert von seiner Geschichte. Er musste hilflos mit ansehen wie seine Frau starb. Deshalb war er also so und konnte keine Gefühle zulassen. Paloma ging auf ihn zu, umfasste seine Hände und blickte ihm tief in die Augen. „Tom, ist schon okay. Lass‘ Deinen Gefühlen freien Lauf. Du musst Dich Deiner Tränen nicht schämen.“ Für Tom war es ein ungewohntes, seltsames Gefühl, seine Empfindungen und Gedanken offen auszusprechen. Aber er musste zugeben, dass es sich sehr erleichternd und gut anfühlte. Es fühlte sich an, als würde eine zentnerschwere Last von ihm abfallen. Paloma war hier bei ihm und tröstete ihn. „Komm‘ mal her, Tom.“ Sie ging auf ihn zu und umschloss ihn ganz fest mit ihren Armen. Tom umarmte sie dankbar und legte seinen Kopf auf ihre Schulter. Er ließ seinen Tränen einfach freien Lauf und schämte sich nicht mehr deswegen. Paloma streichelte ihm immer wieder beruhigend über den Rücken und sprach ganz leise zu ihm. Als Tom sich nach einigen Minuten wieder etwas beruhigt hatte, schaute er ihr tief in die Augen und flüsterte ihr leise etwas zu. „Danke, Paloma. Du bist die erste Frau mit der ich über Fanny reden kann.“ Paloma lächelte zaghaft. „Du kannst mir alles erzählen. Ich verspreche Dir, ich werde für Dich da sein, Tom.“
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:51

Kapitel 68

Mitten in der Nacht erwachte Anna plötzlich schweißgebadet und völlig verschwitzt. Sie atmete schwer und hielt sich eine Hand auf den Bauch. Sie blickte an sich hinunter und bemerkte, dass sie von oben bis unten völlig durchnässt und durchgeschwitzt war. Ihr Atem ging schnell, ihr Herz klopfte wie wild und sie spürte eine wahnsinnige, kaum erträgliche Hitze in ihrem Körper aufsteigen. Was war das bloß für ein komisches Gefühl und warum schwitzte sie so dermaßen bei den Temperaturen da draußen? Es war immerhin schon wieder Herbst und nachts sehr kühl. Aber sie brauchte jetzt unbedingt frische Luft und etwas Frisches zum Anziehen. Sie setzte sich langsam gerade auf und tastete nach der Wasserflasche auf dem Couchtisch. Als sie sie schließlich gefunden hatte, trank sie ein paar große Schlucke und versuchte dann langsam aufzustehen um das Fenster zu öffnen. Doch als sie aufstand merkte sie ein Schwindelgefühl in ihr aufsteigen. Aber diese Hitze war fast unerträglich und die paar Schritte zum Fenster dürften ja kein Problem sein. Jonas bewegte seinen Kopf unruhig hin und her und schlug langsam seine Augen auf. Er fasste mit einer Hand neben sich und fühlte die durchnässte Couch. Sofort durchfuhr ihn ein beängstigendes Gefühl. Er suchte den Schalter der Tischlampe neben der Couch und knipste das Licht an. Dann fiel sein Blick auf Anna die ein paar Schritte von ihm entfernt stand und völlig durchgeschwitzt war.

„Schatz, was ist los? Geht‘s Dir nicht gut?“ Anna drehte sich abrupt um und ihr wurde schwarz vor Augen. „Jonas, mein Kreislauf spinnt.“ Jonas war mit einem Satz bei seiner Frau und fing sie stützend auf bevor sie geschwächt in seine Arme sank. Aufgeregt brachte er sie zur Couch, legte ihre Füße hoch und reichte ihr ein Glas Wasser. „Anna, bleib‘ bei mir, hörst Du? Du musst wach bleiben.“ Er streichelte ihr besorgt übers Gesicht. Es fühlte sich heiß an und sie glühte förmlich. Sofort griff er nach seinem Handy und wählte die Nummer vom Notdienst. Anna nahm alles nur noch wie durch einen grauen Schleier war. Sie sah Jonas, wie er sich besorgt um sie kümmerte und einen Arzt rief. „Jonas, mir ist warm... und schwindelig... und ich hab‘ Durst.“ Jonas gab seiner Frau einen Kuss auf die Stirn und hielt ihre Hand um sie etwas zu beruhigen. Er machte sich wahnsinnige Sorgen um sie und ihre kleine Tochter. „Es wird alles wieder gut, Anna. Ich bin bei Dir.“ Dann endlich erreichte er den Notarzt. „Hallo, Jonas Broda hier. Meine Frau ist hochschwanger. Sie hat Kreislaufprobleme und sie fühlt sich total heiss an. Sie scheint hohes Fieber zu haben. Sie ist heftig am Schwitzen.“ In dem Moment stieß Anna einen grellen Schrei aus und sie zog ihre Beine an. Ein unbeschreiblicher, starker Schmerz durchfuhr ihren ganzen Körper und ließ sie regelrecht zusammenzucken. Jonas war ein paar Sekunden starr vor Schreck. „Bitte kommen Sie schnell. Meine Frau hat starke Schmerzen. Bitte beeilen Sie sich.“ Dann wandte er sich wieder an Anna. „Mein Schatz, bitte halt‘ durch. Der Arzt ist gleich hier.“ Sie umklammerte seine Hand ganz fest und sie blickte ihn mit angsterfüllten Augen an. „Die Kleine darf nicht sterben, hörst Du.“ Jonas streichelte ihr ganz sanft übers Gesicht und versuchte sie zu trösten. „Ganz ruhig, Anna. Ihr wird nichts passieren. Ich passe auf Euch auf. Es wird alles wieder gut.“ Anna fing an zu weinen. Sie spürte, dass etwas nicht stimmte. Diese Schmerzen waren nicht normal. Sie hatte panische Angst, dass ihr kleiner Sonnenschein es nicht schaffen würde. Sie streichelte immer wieder sanft über ihren Bauch. Dann kam der Notarzt und er untersuchte Anna kurz und übernahm die Erstversorgung. Dann wurde sie ins Krankenhaus gebracht um genaueres abzuklären. Jonas wich die ganze Zeit über nicht von ihrer Seite und hielt ihre Hand.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:51

Kapitel 69

Während Anna im Untersuchungsraum war, musste Jonas draußen warten. Er tigerte nervös und besorgt immer wieder den tristen Gang auf und ab. Zwischendurch nahm er kurz Platz nur um sofort wieder aufzuspringen. Er fand einfach keine Ruhe solange er nicht wusste, wie es Anna und ihrer Kleinen ging. Seine Haare waren zerzaust und ungekämmt. Er trug nur ein weißes T-Shirt, eine dunkelblaue Jogginghose und schwarze Latschen. Aber das war ihm gerade völlig egal und er verschwendete keinen Gedanken an sein Äußeres. Es gab weitaus wichtigeres momentan. Jonas lehnte sich mit dem Rücken gegen eine Wand, strich sich aufgelöst durchs Haar, legte seinen Kopf in den Nacken und starrte an die Decke. Verdammt, wieso dauerte das denn bloß so lange? Gab es etwa Komplikationen? Was war mit seinen beiden Lieblingen? Es war zum Verzweifeln. Jonas hielt diese Ungewissheit kaum noch aus. Nach einer geschlagenen Stunde, die ihm wie eine Ewigkeit vorkam, öffnete sich die Tür zum Behandlungsraum und der Arzt trat hinaus. „Herr Broda, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Komplikationen aufgetreten sind.“ Jonas‘ Augen weiteten sich und er musste sich kurz setzen. Was hatte das alles zu bedeuten? „Wie geht es meiner Frau und dem Baby?“ Der Arzt kam zu ihm und klärte ihn auf. „Wir können noch nichts Genaues sagen. Ihre Frau hat bedrohlich hohes Fieber was nicht ganz ungefährlich ist. Woher das kommt, können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Hinzu kommt, dass das Kind nicht regelmäßig atmet. Wir müssen es per Kaiserschnitt auf die Welt holen.“ Jonas war total geschockt und wusste gar nicht wie er reagieren sollte.

„Oh nein..., wie geht es Anna denn jetzt? Darf ich zu ihr?“ Der Arzt nickte verständnisvoll. „Ja, Sie können kurz zu ihr. Ihrer Frau geht es nicht gut. Das Fieber und die Schmerzen haben sie sehr geschwächt. Die Operation ist zum jetzigen Zeitpunkt leider auch nicht ganz risikofrei. Aber leider können wir nicht länger warten. Die Gefahr wäre zu groß, dass dem Kind oder ihrer Frau etwas zustoßen könnte. Tut mir leid, Herr Broda.“ Mit einer Handbewegung bat er Jonas hinein damit er noch kurz mit Anna reden konnte bevor sie in den Operationssaal gefahren wurde. Mit wackeligen Schritten trat er hinein und sah Anna im Bett liegen. Sie war bereits an Geräten angeschlossen die zur Sicherheit ihre Vitalfunktionen überwachen sollten. Sie sah wirklich nicht gut aus. Er setzte sich zu ihr aufs Bett und nahm ihre Hand in seine. „Süße, ich bin bei Dir. Mach‘ Dir keine Sorgen. Es wird alles wieder gut werden.“ Anna blickte ihn völlig erschöpft an und nickte schwach. „Ich liebe Dich, Jonas.“ Jonas streichelte ihr sanft über die Wange und gab ihr einen zärtlichen Kuss. „Ich liebe Dich auch, mein Schatz. Ich werde hier warten bis Du wieder aufwachst und dann werden wir unsere Kleine in den Armen halten.“ Anna lächelte zaghaft. Dann hörte er das Piepen ihres Herzschlags wie es immer schneller wurde. Er schaute besorgt auf die Anzeige und rief die Schwester zu ihnen rüber. Annas Augen begannen zu flackern und sie zitterte am ganzen Körper. „Anna, bitte, Du musst durchhalten! Du darfst jetzt nicht aufgeben!“ Anna murmelte etwas im Fieberwahn vor sich hin. Jonas verstand nur einen Namen den sie immer wieder nannte. „Amy.“ Dann ging alles ganz schnell. Anna wurde in den Operationssaal geschoben und Jonas wurde gebeten, draußen zu warten. Jonas stiegen Tränen in die Augen. Er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Alles schien sich regelrecht in seinem Kopf zu überschlagen. Er ließ sich völlig fertig auf einen Stuhl fallen und vergrub sein Gesicht in den Händen.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:51

Kapitel 70

Am darauffolgenden Morgen war alles anders... für alle. Mia und Enrique hatten eine wunderschöne Liebesnacht miteinander verbracht und beschlossen nun gemeinsam zu Frühstücken. Ihr Weg führte sie Hand in Hand in den Coffee-Shop zu ihrer Freundin. Vor Glück strahlend kamen sie zur Tür rein und ihr Blick fiel geradewegs auf Paloma und Tom die an einem freien Tisch saßen, einen Kaffee tranken und sich verliebt anlächelten. Ihre Hände berührten sich zaghaft. Mia grinste Enrique schelmisch von der Seite an während sie auf die beiden zugingen. „Na, da haben sich wohl noch zwei gesucht und gefunden.“ Enrique drückte Mia einen Kuss auf die Wange. „Guten Morgen Ihr beiden.“ Tom und Paloma sahen ihre Freunde überrascht an und begrüßten sie dann einstimmig. „Guten Morgen. Setzt Euch doch zu uns.“ Das ließen die zwei sich nicht noch mal sagen und nahmen bereitwillig Platz. Die vier strahlten sich überglücklich an. Ja, diese Nacht war schon etwas Besonderes gewesen. Mia und Enrique hatten wieder zueinander gefunden. Paloma und Tom waren noch lange spazieren gewesen und hatten sich dann für heute Morgen hier zum Frühstück verabredet. Nach dem klärenden Gespräch gestern im Fahrstuhl war Toms Angst wie weggeblasen. Er hatte in Paloma eine bezaubernde, liebevolle, humorvolle Frau gefunden mit der er sich vorstellen konnte, alt zu werden. Paloma grinste Mia verschmitzt an. „Ihr seht müde aus. Das war wohl noch ein langer Abend, was?“ Mia lachte. „Wohl eher eine lange Nacht.“ Nun mischte sich auch Enrique ein. „Na, Süße, was erzählst Du da von unserer heißen Nacht?“ Alle prusteten los. „Jedes noch so kleine Detail, mein Lieber.“ Enrique sah sie mit gespielt ernster Miene an und küsste sie dann voller Zärtlichkeit. Tom blickte Paloma verliebt in die Augen und legte seine Hand auf ihre. „Und ihr beiden? Was ist gestern Abend passiert?“ Enrique war neugierig und wollte von seinem Freund alles erfahren. Tom grinste ihn nun auch glücklich an. „Paloma hat mich aus meiner Starre erweckt. Sie ist das Beste was mir passieren konnte. Mein absolute Traumfrau.“ Paloma lächelte ihn liebevoll an und ihre Lippen trafen sich zu einem zärtlichen Kuss.

Und auch für Anna und Jonas änderte diese Nacht alles. Nichts war mehr so wie vorher. Jonas saß immer noch im Krankenhaus und wurde fast wahnsinnig vor lauter Angst um Anna und das Kind. Die Operation dauerte mehrere Stunden, da es zu weiteren Komplikationen kam und die Ärzte immer wieder um Annas Überleben kämpfen mussten. Inzwischen lag sie auf der Intensivstation. Und Jonas durfte nicht zu ihr. Sie schwebte nach wie vor in Lebensgefahr und niemand konnte sagen, ob sie es überstehen würde. Jonas wurde der Boden unter den Füßen weggerissen als er die Nachricht übermittelt bekam. Auch ihre kleine Tochter hatte die kritische Phase noch nicht überstanden. Die Ärzte kämpften immer noch darum, sie stabil zu bekommen was bei so einem kleinen Wesen nicht ganz einfach war. Jonas konnte jetzt nicht alleine sein, aber er konnte hier auch nicht weg. Also wählte er mit zittrigen Händen die Nummer von ihrer besten Freundin. Paloma die immer noch mit ihren Freunden im Coffee-Shop saß, wühlte in ihrer Tasche nach dem Handy. Sie blickte aufs Display und sah Jonas‘ Namen aufleuchten. „Jonas.“ Sie flüsterte den Namen regelrecht und sie überkam sofort ein ungutes Gefühl. Besorgt blickte sie in die Gesichter der drei bevor sie ran ging. „Hallo Jonas. Wie geht‘s Euch?“ Am anderen Ende der Leitung schluchzte Jonas aufgelöst und konnte kaum einen vernünftigen Satz zusammen bekommen. „Paloma... Anna ist im Krankenhaus... .“ Palomas Gesicht erstarrte. „Anna ist im Krankenhaus? Was ist denn passiert?“ „Könntest Du bitte vorbei kommen, Paloma? Sie mussten Anna operieren... Sie mussten das Kind per Kaiserschnitt holen... Und nun schweben beide in Lebensgefahr... .“ Weiter kam er nicht denn seine Stimme versagte und sein Schluchzen wurde lauter. Paloma hielt sich die Hand vor den Mund und saß mit weit aufgerissenen Augen da. Ihre Freunde waren besorgt. „Was ist mit Anna passiert? Wie geht es ihr und dem Kind?“ Paloma stockte kurz, dann sprach sie weiter. „Ach Du meine Güte. Ich komme sofort vorbei, Jonas.“ „Danke.“ Mit diesen Worten wurde das Gespräch beendet und Paloma schnappte sich ihre Sachen. „Ich muss sofort ins Krankenhaus. Anna musste operiert werden. Sie haben das Kind geholt. Aber beide schweben in Lebensgefahr.“ Mit diesen Worten war sie schon fast an der Tür. Ihre Freunde sprangen auf und rannten hinterher. Sie waren völlig geschockt und wollten unbedingt mit ins Krankenhaus und nach ihrer Freundin sehen. Vor allem Enrique saß der Schock tief in den Knochen. Er war kreidebleich und in seinem Kopf ratterten die Gedanken unaufhörlich durcheinander.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:52

Kapitel 71

Als die Freunde nach etwa zwanzig Minuten endlich im Krankenhaus ankamen waren sie völlig ausser Atem und suchten aufgeregt die Intensivstation. Eine Schwester hatte ihnen bereitwillig Auskunft erteilt und als sie um die Ecke bogen erfasste ihr Blick einen völlig verzweifelten Jonas. Er saß dort auf einem der Stühle in seinen Trainingsklamotten und wirr durcheinander gewuselten Haaren. Sein Oberkörper war nach vorne gebeugt, seine Ellenbogen auf den Oberschenkeln abgestützt. Sein Gesicht hatte er in seinen Händen vergraben. Die Freunde gingen langsam auf ihn zu und Paloma setzte sich neben ihn. Vorsichtig legte sie ihm eine Hand aufs Bein und versuchte ihn ein wenig zu beruhigen. Sie selbst war voller Angst und Sorge um ihre Freundin und das Baby. „Hey, Jonas, gibt es schon etwas Neues?“ Jonas blickte zu Paloma auf und war dankbar, sie zu sehen. Paloma blickte für einen kurzen Moment in seine mit Tränen gefüllten Augen die so viel Besorgnis, Verzweiflung und Angst ausstrahlten. Dann fiel Jonas ihr völlig erschöpft und fertig in die Arme, legte sein Kinn auf ihre Schulter und weinte ganz bitterlich. Paloma fühlte sich hilflos und drückte Jonas ganz fest an sich um ihm ein wenig Trost zu spenden. Behutsam streichelte sie ihm immer wieder über den Rücken und sprach ganz leise mit ihm. Mia, Enrique und Tom waren geschockt von seinem Anblick und wussten nicht was sie davon halten sollten. Sie schauten sich besorgt an und setzten sich dann leise auf die anderen Stühle um zu warten. Enrique konnte immer noch keinen klaren Gedanken fassen und war fix und fertig mit den Nerven. Was war mit Anna und der Kleinen passiert? Wie ging es ihnen überhaupt? Sie waren doch nicht etwa... ? Nein, diesen Gedanken schob er ganz schnell wieder beiseite und er wollte nicht weiter daran denken. Das durfte einfach nicht sein. Nein. Sämtliche Farbe war aus seinem Gesicht gewichen und sein ganzer Körper zitterte vor Anspannung. Diese Ungewissheit zerriss ihn förmlich innerlich. Er stand wieder auf, lehnte sich gegen eine Wand und starrte apathisch geradeaus auf ein Bild an der Wand welches er aber gar nicht richtig wahrnahm. Nach einigen Minuten hatte sich Jonas wieder ein wenig beruhigt und löste sich aus der Umarmung. Er schaute seine Freunde dankbar an. Seine Stimme zitterte noch immer während er zu ihnen sprach.

„Danke, dass Ihr alle gekommen seid.“ Sie nickten Jonas zu und brannten darauf zu erfahren, wie es Anna und dem Kind ging. Paloma nahm Jonas‘ Hand um ihm das Gefühl zu geben nicht alleine zu sein. „Wie geht es den beiden?“ Jonas fiel es sichtlich schwer darüber zu sprechen. Er durfte gar nicht daran denken, wie das Leben weiter gehen sollte falls er die liebsten Personen die er hatte verlieren sollte. Seine Augen waren gerötet und angeschwollen. „Anna musste heute Nacht plötzlich ins Krankenhaus. Sie hat hohes Fieber und ist sehr geschwächt. Es war sehr riskant in dem Zustand zu operieren.“ Er machte eine kurze Pause um tief Luft zu holen. „Unsere Kleine hatte Atemprobleme und sie musste per Kaiserschnitt geholt werden. Annas Zustand ist sehr kritisch. Die Ärzte mussten während der mehrstündigen Operation immer wieder um ihr Leben kämpfen.“ Jonas liefen wieder die Tränen übers Gesicht. Paloma drückte seine Hand ganz fest und legte einen Arm um ihn. Jonas legte dankbar seinen Kopf an ihre Schulter. Ihre Augen füllten sich ebenfalls mit Tränen. „Sie hatten letztendlich die Kleine geholt, aber auch ihr Zustand ist aktuell noch sehr kritisch. Anna und unser Baby schweben beide in Lebensgefahr und niemand kann mir sagen, ob sie es schaffen werden.“ Die Freunde schauten sich erschrocken und erschüttert an. Sie wussten nicht was sie sagen sollten. Ihre Freundin kämpfte mit dem Tod und sie konnten allesamt nichts für sie tun. Nur hier sitzen und abwarten. Paloma nahm Jonas ganz fest in ihre Arme und man hörte nur noch das Schluchzen welches die beunruhigende Stille unterbrach.

Nach knapp zwei Stunden kam ein Arzt zu ihnen und erteilte ihnen weitere Informationen. Jonas sprang auf als er auf ihn zukam. „Wie geht es den beiden? Werden sie wieder gesund?“ Der Arzt blickte erstaunt in die Gesichter der fünf jungen Menschen die allesamt äußerst besorgt und traurig aussahen. „Herr Broda, Ihre Frau hat nach wie vor hohes Fieber. Wir versuchen mit allen uns nur möglichen Mitteln ihre Temperatur zu senken. Sie halluziniert im Fieberwahn und ihr Körper ist sehr geschwächt durch den Flüssigkeitsverlust in den letzten Stunden. Ihr Zustand ist immer noch sehr kritisch. Wenn wir das Fieber in den Griff bekommen, sollte sie über den Berg sein.“ Jonas raufte sich die Haare und lief unruhig auf und ab. „Man muss doch irgendwas für sie tun können?! Wir können hier doch nicht nur tatenlos rumsitzen und zusehen wie sie vielleicht stirbt!“ Paloma trat neben ihn und legte ihre Hand beschützend auf seinen Arm. Enrique schaute entsetzt auf. Nein, Anna durfte nicht sterben! Und was war mit der Kleinen? Dann hörte er wieder die Stimme des Arztes wie durch eine dicke Nebelwand die kaum zu ihm durchdrang. „Wir tun wirklich alles was in unserer Macht steht um Ihre Frau zu retten.“ „Und was ist mit meiner Tochter?“ Über die Lippen des Arztes huschte ein kleines Lächeln. „Ihrer Tochter geht es soweit gut. Es konnten keine medizinischen Beeinträchtigungen festgestellt werden. Ihre Atmung hat sich normalisiert und ihr Herzschlag ist regelmäßig. Wir würden sie nur gerne noch einige Tage zur Beobachtung hier behalten. Wenn Sie möchten, können Sie die Kleine sehen.“

Alle stießen mit einem lauten Seufzer die angehaltene Luft wieder aus und ihnen fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Nein, schon eher ein ganz großer Felsbrocken. In Jonas‘ Gesichtsausdruck spiegelten sich abwechselnd Freude und Traurigkeit wieder. Er umarmte Paloma stürmisch und wollte zu seiner Tochter. „Danke, ich bin so erleichtert, dass es meiner Tochter gut geht. Können Sie mich bitte zu ihr bringen?“ Der Arzt nickte und winkte eine Schwester herbei die Jonas zu ihr führen sollte. Tom kam auf Paloma zu und nahm sie tröstend in seine Arme. Enrique nahm neben Mia Platz und nahm zitternd ihre Hand und drückte sie ganz fest. „Ich bin so unendlich froh, dass der Kleinen nichts passiert ist. Hoffentlich geht Annas Fieber bald zurück.“ Mia gab dem aufgelösten Enrique einen sanften Kuss auf die Wange und versuchte ihm Kraft zu spenden. Er hatte ihr erzählt, dass es nicht ausgeschlossen war, dass auch er der Vater sein könnte. Und sie wusste auch, dass ihn und Anna eine innige Beziehung verband. Es musste wahnsinnig schlimm für ihn sein, nicht zu wissen wie es weiter gehen sollte. „Ich bin sicher, es wird alles wieder gut werden. Ganz bestimmt sogar.“ Enrique nahm die ganze Situation sichtlich mit. Paloma löste sich aus Toms Umarmung und wandte sich an den behandelnden Arzt. „Können wir nicht auch irgendetwas für unsere Freundin tun?“ Der Arzt schüttelte den Kopf. „Leider können Sie nichts weiter tun als für Ihre Freundin zu beten.“ Mit den Worten ging er wieder zurück auf die Intensivstation. Jonas hatte sich bereits umgezogen und durfte dann zu seiner kleinen Tochter die ebenfalls zur Beobachtung noch auf der Station lag.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:53

Kapitel 72

Jonas atmete mehrmals tief durch bevor er den Raum betrat. Dann ging er mit langsamen Schritten und weichen Knien auf das kleine Bettchen zu. Davor blieb er stehen und blickte auf das kleine Wesen welches dort in einem winzigen Strampler auf dem Rücken lag und friedlich schlief. Jonas musste vor lauter Rührung und Freude kurz lachen bevor ihm Tränen der Freude über die Wangen kullerten. Er konnte es kaum fassen, dass dieses kleine Wesen dort seine Tochter war. Es war wie ein einziges Wunder. Die Kleine hatte dunkles Haar und ihre kleinen Händchen waren zu Fäusten geballt. Jonas konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden und lächelte sie glücklich an. Das war sie also. Sein kleines Mädchen. Anna hatte einen wundervollen, bezaubernden, kleinen Engel auf die Welt gebracht. Für ihn war sie schon jetzt das wunderschönste Kind auf der ganzen Welt. Seinen Körper durchfloss eine beruhigende und wohlige Wärme. Er würde ihr seine ganze Liebe und Aufmerksamkeit schenken und ihr ein wundervoller, liebevoller Vater sein. Dieses kleine Wunder berührte ihn zutiefst. Der Himmel hatte ihm einen kleinen Engel geschenkt. Er zog einen Stuhl heran und setzte sich neben das Bett um seiner Tochter ganz nahe zu sein. Dann streichelte er ganz vorsichtig und zärtlich mit seinen Fingern die kleinen Hände. Was für ein wunderschönes, glückliches Gefühl das doch war. Die kleine Maus umfasste im Schlaf mit ihrer kleinen Hand Jonas‘ Zeigefinger und hielt ihn ganz fest. Jonas musste unwillkürlich lächeln und er genoss diesen einzigartigen Moment in vollen Zügen. Nach einer viertel Stunde trat die Schwester neben das Bett und schaute nach der Kleinen. Dann sah sie Jonas fragend an. „Welchen Namen soll Ihre Tochter eigentlich bekommen?“ Jonas schaute sie lächelnd und überrascht an. „Josephine Patricia.“ Plötzlich kam ihm der Name wieder in den Sinn den Anna immer wieder flüsterte bevor sie das Bewusstsein verlor. Amy. Und mit einem Mal fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Anna möchte die Kleine Amy nennen. Er räusperte sich und teilte der Schwester den Namen mit. „Nein, warten Sie. Amy Josephine Broda.“ Die Schwester lächelte ihn zufrieden an. „Was für ein schöner Name. Er passt perfekt zu der kleinen Schönheit.“ Nach einer Weile musste Jonas wieder gehen. Er konnte sich nur schwer von seiner Tochter trennen. Also ging er schweren Herzens zurück auf den Korridor auf dem seine Freunde schon ungeduldig und gespannt auf ihn warteten.

Als die vier Jonas erblickten, kam Enrique nervös auf ihn zu. „Wie geht es der Kleinen, Jonas?“ Auf Jonas‘ Gesicht bildete sich ein Lächeln und für einen Moment lang strahlten seine Augen. Die Begegnung mit seiner Tochter hatte ihn wahnsinnig berührt. Ihre kleinen Hände zu streicheln, sie zu berühren, ihr ganz nahe zu sein. Es war wie ein kleines Wunder für ihn. Er konnte es noch gar nicht begreifen, dass sie nun endlich da war. Jonas trat vor Enrique und konnte nachvollziehen wie er sich jetzt fühlen musste. Es war ein beklemmendes Gefühl voller Ungewissheit und Sorge. „Unserer Tochter geht es gut. Es ist wie ein Wunder. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben, dass sie jetzt endlich hier ist.“ Enriques Gesicht hellte sich ein wenig auf und ihm fiel ein Stein vom Herzen. Der Kleinen schien es gut zu gehen und das war schon mal beruhigend. „Da bin ich aber wirklich froh.“ Er ließ sich erschöpft wieder auf einen der freien Stühle fallen und folgte aufmerksam Jonas‘ Erzählungen. „Die Kleine ist einfach wundervoll. Sie ist eine richtige kleine, wunderschöne Prinzessin.“ Paloma und Mia mussten lächeln. Sie fanden es richtig süß wie Jonas von der kleinen Maus schwärmte. Auch sie konnten es natürlich kaum erwarten die Tochter ihrer Freunde endlich zu Gesicht zu bekommen. Aber nun war es erst mal das Wichtigste, das Anna wieder gesund werden würde. „Es war so atemberaubend und faszinierend wie ihre kleinen Hände meinen Finger umklammert haben.“ Vor lauter Freude bahnte sich eine Träne ihren Weg über sein Gesicht. Mia und Paloma fielen sich erfreut in die Arme. Auch Tom gesellte sich zu ihnen und reichte Jonas die Hand um ihm zur Geburt zu gratulieren. „Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Eurem wundervollen, kleinen Mädchen. Ich wünsche Euch alles Gute und hoffe, dass es Anna bald wieder besser geht.“ „Danke für Deine Anteilnahme, Tom.“ Und da waren die Ängste um Anna plötzlich wieder da. Die Freunde hofften so sehr, dass sie bald wieder gesund werden würde und beteten hoffnungsvoll für Annas Genesung. Nur Enrique war nicht ganz bei der Sache. In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Es schmerzte ihn ein wenig zu hören wie Jonas von dem Baby schwärmte und seine Begeisterung und Bewunderung mit ihnen teilte. Ein Anflug von Traurigkeit überkam ihn ungewollt. Mia spürte, dass es Enrique sehr mitnahm und drückte ihn tröstend und verständnisvoll an sich. Dann wandte sich Paloma neugierig an Jonas. „Hat Eure Süße denn eigentlich schon einen Namen?“ Alle Blicken richteten sich gespannt auf Jonas. Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen antwortete er ihnen. „Unser kleiner Sonnenschein heisst Amy Josephine Broda.“ „Wow, was für ein schöner Name.“
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:53

Kapitel 73

In den nächsten Stunden wichen die Freunde nicht von Jonas‘ Seite. Tom hatte gegen Mittag eine wichtige Telefonkonferenz mit den Iren wegen des neuen Auftrags die sich leider nicht verschieben ließ. Also richtete er sein provisorisches, kleines Büro was allerdings nur aus seinem Laptop und seinem Smartphone bestand kurzerhand vorübergehend auf der Bank im ruhig gelegenen Park des Krankenhauses ein. Dort war er weitgehend ungestört und konnte alles Notwendige in die Wege leiten. Mia und Enrique machten zwischendurch einen kleinen Spaziergang um den Kopf frei zu bekommen und nicht verrückt zu werden vor Sorge um Anna. Enrique sah ziemlich mitgenommen und fertig aus. Mia konnte nur erahnen wie sehr ihn die ganze Situation an den Nerven zerren mochte. Als nahm sie seine Hand und versuchte ihn zu beruhigen. „Magst Du darüber reden?“ Enrique blieb stehen und seufzte leise. „Ach, weißt Du, mir fällt es nicht leicht mit der ganzen Sache umzugehen. In den letzten Wochen klappte das ganz gut. Aber jetzt wo die kleine Amy auf der Welt ist, ist irgendwie alles anders.“ „Ich kann mir vorstellen, dass die Ungewissheit sehr nervenraubend und schmerzvoll sein muss.“ Enrique unterbrach sie aufgewühlt. „Nein..., ja, auch..., aber ich habe Jonas vorhin beobachtet und seinen strahlenden Blick bemerkt als er von Amy erzählt hat. Er war so glücklich, dass man ihm dieses kleine Wunder geschenkt hat. Die zwei wünschen sich schon so lange eine eigene kleine Familie und haben schon einmal ein Kind verloren.“ Mia drückte sanft seine Hand und streichelte ihm über den Rücken. „Und was möchtest Du jetzt damit sagen?“ Enrique blickte ihr traurig in die Augen.

„Mia, ich kann und möchte das Glück der beiden nicht zerstören. Dafür ist Anna mir viel zu wichtig. Ich weiß, dass sie zu Jonas gehört. Sie mussten so hart für ihre Liebe und ihr Glück kämpfen. Und Amy macht ihr Glück perfekt.“ Enrique machte eine kurze Pause und richtete seinen Blick gedankenverloren geradeaus. „Vielleicht wäre es besser, wenn wir gar keinen Vaterschaftstest machen lassen. Ich habe Angst, dass das Ergebnis alles kaputt machen könnte.“ Seine Augen füllten sich mit Tränen. Diese Worte versetzten ihn einen Stich ins Herz. Mia streichelte ihm tröstend übers Gesicht. „Du möchtest nicht wissen, ob Du der Vater bist oder nicht?“ Mia war erstaunt und gleichzeitig ein wenig fassungslos. Enrique schüttelte den Kopf. „Angenommen, der Test würde ergeben, dass ich der Vater bin und Anna würde... sie würde... sterben... dann wäre Jonas völlig am Boden zerstört und hätte sogar seine Tochter verloren. Damit könnte ich nicht leben.“ Enrique schluchzte leise und kuschelte sich ganz eng an Mia die beschützend ihre Arme um ihn legte. „Bitte sag‘ so etwas nicht. Anna wird nicht sterben. Sie wird wieder gesund werden. Wir müssen nur ganz fest daran glauben.“ Sie küsste ihn sanft auf die Stirn. Enrique nickte kaum merkbar und fühlte sich schon ein wenig besser. „Ich kann Deine Ängste aber verstehen. Ich werde Dich jedenfalls nie wieder verlassen und immer für Dich da sein.“ Mia lächelte ihren Freund liebevoll und aufmunternd an. „Danke, Mia, für alles.“

Paloma jedenfalls war die ganze Zeit über bei Jonas geblieben. Sie war einfach nur für ihn da und gab ihm das Gefühl, nicht alleine zu sein. Sie ging mit ihm den Korridor rauf und runter wenn er die Unruhe verspürte, sich einfach bewegen zu müssen. Sie blieb neben ihm sitzen und hielt tröstend seine Hand wenn die Verzweiflung siegte. Sie nahm ihn ganz fest in ihre Arme wenn er die Tränen nicht mehr unterdrücken konnte und streichelte ihm behutsam über den Rücken. Wenn er reden wollte, hörte sie ihm zu und sprach tröstende, beruhigende Worte. Und wenn er einfach nur da saß und seinen Gedanken nachhing schwieg sie gemeinsam mit ihm. Dann endlich kam der Arzt zu ihnen und übermittelte lächelnd die freudige Botschaft. Anna war außer Lebensgefahr und ihre Temperatur lag fast wieder im Normalbereich. Die Medikamente hatten also Wirkung gezeigt. Und seine Anna hatte nicht aufgehört zu kämpfen. Bei den erlösenden Worten sprang Jonas freudig in Palomas Arme und den beiden liefen Freudentränen übers Gesicht. Er konnte sein Glück kaum fassen. Einige Minuten später durfte er dann auch endlich zu Anna. Mit einem Lächeln im Gesicht trat er langsam ein und setzte sich zu seiner Frau auf die Bettkante. Behutsam drückte er ihre Hand und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Oh Anna, mein Schatz, ich bin so unendlich froh, dass es Dir wieder besser geht! Ich hatte wahnsinnige Angst, dass ich Dein bezauberndes Lächeln und Deine wunderschönen Augen nie wieder sehen würde!“ Voller Erleichterung gab er ihr einen zärtlichen Kuss und legte seinen Kopf an ihre Schulter. Anna lächelte geschwächt. „Jonas, ich habe Dich die ganze Zeit ganz nah bei mir gespürt und das hat mir die Kraft gegeben nicht aufzugeben.“ Sie machte eine kurze Pause. Ihr Mund fühlte sich trocken an und sie verspürte großen Durst. Jonas reichte ihr ein Glas Wasser bevor sie weitersprach. „Wie geht es unserer Kleinen? Ist alles in Ordnung?“ Jonas strahlte sie förmlich an. „Mach‘ Dir keine Sorgen, ihr geht es gut. Ich durfte sie vorhin kurz sehen und war hin und weg von der kleinen Maus.“ In dem Moment öffnete sich die Tür und die Schwester kam mit Amy auf dem Arm herein und legte sie Anna in den Arm. Anna konnte ihr Glück kaum fassen. Dieses winzige Wesen, ihre Tochter, endlich in den Armen halten zu dürfen. Tränen der Freude liefen über ihre Wangen. Jonas rückte ganz nah zu Anna und legte einen Arm um sie. „Darf ich vorstellen? Unsere kleine Amy Josephine Broda.“ Anna musste lachen. Sie war so unendlich glücklich. „Du hast sie wirklich Amy genannt?“ „Ja, Du hattest den Namen immer wieder gesagt bevor Du das Bewusstsein verloren hattest. Da dachte ich, es wäre so was wie ein Zeichen.“ Anna küsste ihren Mann liebevoll. „Du bist einfach wundervoll, Schatz.“ Dann wiegte sie Amy zufrieden im Arm und konnte ihren Blick gar nicht mehr von ihr abwenden. Wie sie da lag mit ihren dunklen Haaren und sie mit den dunkelblauen Augen anschaute berührte sie zutiefst. Sie war einfach wunderhübsch und würde irgendwann sicherlich die Herzen der Männer im Sturm erobern. Doch bis dahin würden noch viele Jahre vergehen.
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:53

Kapitel 74

Zeitgleich kamen Tom, Enrique und Mia wieder zurück von ihrem Spaziergang beziehungsweise von der Telefonkonferenz. Tom hatte alles zur vollsten Zufriedenheit der Kunden erledigt und konnte sich nun wieder voll und ganz auf seine Freunde konzentrieren. Paloma war ganz aus dem Häuschen als sie die drei auf sich zukommen sah. Sie strahlte über das ganze Gesicht und sprang dem überraschten Tom freudig in die Arme. „Hey, Süße, Du siehst ja so glücklich aus. Gibt es gute Neuigkeiten? Wo ist Jonas?“ Paloma quietschte vergnügt. „Oh ja, das kann man wohl sagen. Der Arzt war vor einer halben Stunde hier und hat Entwarnung gegeben. Anna ist außer Lebensgefahr und das Fieber ist auch so gut wie weg. Jonas ist gerade bei ihr.“ Tom wirbelte sie erleichtert durch die Luft und schloss sie dann ganz fest in seine starken Arme. Auch Enrique und Mia umarmten sich glücklich. „Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen.“ Die vier strahlten sich an. „Ich bin so froh, dass es Anna besser geht. Ich hatte schon das Schlimmste befürchtet.“ „Nun ist ja zum Glück alles gut ausgegangen und die drei können ihr Glück als Familie genießen.“ Dann öffnete sich die Tür und Jonas lugte aufgeregt hervor. „Hey, Leute, die Schwester hat uns erlaubt, Euch mal ganz kurz herein zu lassen. Möchtet Ihr Amy mal sehen?“ Das ließen sie sich natürlich nicht zweimal sagen. Paloma knuffte Jonas in den Arm. „Na was denkst Du denn? Natürlich wollen wir sie sehen. Was für eine Frage.“ Und auch die anderen stimmten begeistert mit ein.

Als Paloma und Tom eintraten blieb Enrique kurz vor der Tür stehen. Mia legte ihm besorgt eine Hand auf den Arm. „Alles in Ordnung bei Dir?“ Enrique nickte. Er holte einmal tief Luft und ging den anderen dann hinterher. Als sie Anna mit der Kleinen im Arm sahen, juchzten Mia und Paloma vor Freude auf. „Oh nein, wie süss ist die denn?“ „Man möchte sie am liebsten sofort an sich drücken und ganz fest knuddeln.“ Die beiden gingen auf ihre Freundin zu und redeten beruhigend mit Amy nachdem sie Anna einmal fest umarmt hatten. „Wir sind alle so froh, dass es Dir wieder besser geht. Jag‘ uns bitte nie mehr so einen Schrecken ein.“ „Versprochen.“ Anna lachte. Nachdem sie die Glückwünsche von Paloma, Mia und Tom entgegen genommen hatte verließen sie schweren Herzens die drei wieder. „Wir kommen die Tage noch mal wieder wenn Du wieder richtig gesund bist.“ „Danke, dass Ihr hier wart und Euch um Jonas gekümmert habt.“ „Na, nun hör‘ aber auf, Anna. Das ist doch selbstverständlich.“ Paloma zwinkerte ihr noch mal zu und dann waren sie auch schon zur Tür raus. Jonas gab Anna einen sanften Kuss, verließ dann ebenfalls den Raum und schloss die Tür hinter sich. „Bis gleich, Süße. Ich warte solange draußen.“ Mit einem Lächeln auf den Lippen blickte sie Jonas dankbar hinterher. „Danke, Schatz.“ Jonas spürte wie es Enrique ging und er wollte den beiden die Möglichkeit geben sich in Ruhe unterhalten zu können.

Anna blickte Enrique lächelnd an, der ein paar Schritte von ihrem Bett entfernt stand. Sein Gesichtsausdruck ließ daraus schließen, dass er der ganzen Situation mit gemischten Gefühlen entgegen sah. Sie klopfte mit der Hand sachte auf die Bettdecke. „Komm‘ mal her zu uns, Enrique. Amy möchte Dich gerne begrüßen.“ Enrique ging langsam zum Bett und setzte sich mit klopfenden Herzen neben Anna. Er blickte sie freundlich an, gratulierte ihr zur Geburt und nahm sie ganz fest in seine Arme. „Anna, schön, dass alles gut gegangen ist und Ihr zwei wohl auf seid. Herzlichen Glückwunsch zu Eurer wunderhübschen Tochter. Ich freue mich wirklich für Euch.“ Anna genoss seine Umarmung und drückte ihn fest an sich. „Vielen Dank, Enrique. Ich weiß, dass es für Dich nicht leicht ist, jetzt hier zu sein. Aber ich rechne es Dir wirklich hoch an, dass auch Du die ganze Zeit über hier warst und jetzt bei uns bist. Und dafür möchte ich Dir danken.“ Sie drückte ihm einen sanften Kuss auf die Wange nachdem sie sich aus der Umarmung gelöst hatten. „Anna, ich werde Euch nie im Stich lassen. Du weißt, dass Du immer auf mich zählen kannst. Dafür bist Du mir viel zu wichtig. Und daran wird sich auch nie etwas ändern.“ Anna nickte erleichtert. „Das weiß ich sehr zu schätzen. Und auch ich werde immer für Dich da sein. Denn Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben.“ Die zwei lächelten sich glücklich an. Dann fiel sein Blick auf Amy. Ihm stockte für einen kurzen Moment lang der Atem. Die kleine Amy lag in Annas Armen und blickte ihn mit großen, blauen Augen an. Enrique stiegen Freudentränen in die Augen.

„Hallo süße Amy. Du bist ja ein bildhübsches kleines Mädchen. Das hat die Mama aber gut hinbekommen. Nun hast Du es endlich geschafft und kannst die große, weite Welt erkunden.“ Er lächelte sie strahlend an und streichelte ihr sanft über die kleinen Finger. Amy umschloss mit ihrer Hand seinen Finger und hielt ihn ganz fest. Anna und Enrique mussten lachen. „Anna, sie ist einfach wundervoll.“ „Oh ja, das ist sie wirklich. Sie ist etwas ganz besonderes. Möchtest Du sie mal halten?“ Enrique nickte sprachlos und Anna legte sie ihm vorsichtig in die Arme. Wow, was für ein wundervolles, warmes Gefühl es doch war ein kleines Wesen in seinen Armen zu halten. Als Enrique die kleine Maus so betrachtete wurde ihm schlagartig bewusst was er eigentlich schon die ganze Zeit über gespürt hatte. Amy war nicht seine Tochter. Es war eindeutig, dass Jonas der Vater war. Und mit einem Mal schmerzte dieser Gedanke ihn plötzlich nicht mehr. Er blickte Anna in die Augen. „Ich weiß jetzt, dass ich nicht der Vater von Amy bin. Und das ist völlig in Ordnung. Jonas und Du, Ihr werdet wundervolle Eltern sein und der Kleinen all‘ Eure Liebe schenken.“ Anna lief eine Träne über die Wange. Einerseits vor Freude, andererseits auch vor Erleichterung. Sie war unheimlich froh, dass Enrique so reagierte. „Du möchtest keine Gewissheit mehr durch einen Vaterschaftstest?“ Enrique schüttelte den Kopf. „Nein, Anna. Wir wissen beide, dass Jonas der Vater ist. Aber ich wäre sehr glücklich wenn ich Amy trotzdem hin und wieder mal sehen kann und miterleben dürfte wie sie aufwächst.“ Anna lachte. „Das ist lieb von Dir Enrique. Und ja, natürlich darfst Du sie sehen.“ Er drückte Anna kurz an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Danke.“ Dann kam Anna eine Idee. „Enrique?“ Er schaute sie überrascht an. „Ja?“ „Was würdest Du davon halten wenn Du Amys Patenonkel werden würdest?“ Enrique konnte kaum glauben was er da hörte und stieß einen kleinen Freudenschrei aus. „Ja, ja, sehr gerne sogar.“ Dann übergab er Amy wieder an ihre Mama und verabschiedete sich glücklich von den beiden. „Super, und Paloma wird Patentante. Sie wird bestimmt ganz aus dem Häuschen sein.“ Beide mussten lachten als sie sich Palomas überraschten Gesichtsausdruck bildlich vorstellten. „Tschüss, bis bald.“ Enrique winkte noch einmal bevor er ging. „Tschüss Ihr beiden.“
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BeitragThema: Re: Verzweiflung... Hoffnung... Liebe...   Do Sep 27 2012, 23:54

Kapitel 75

Als Anna und Amy nach einer knappen Woche aus dem Krankenhaus kamen wurden sie von ihren Freunden und ihren Familien erwartungsvoll und freudig begrüßt. Jonas hatte die zwei abgeholt und als sie nun aus dem Fahrstuhl trat fand sie eine kleine Überraschungsparty vor. Anna war total überrascht und freute sich riesig über diese liebe Geste ihrer Liebsten. Mittelpunkt der Party war natürlich der kleine Sonnenschein Amy. Sie wurde von allen neugierig beäugt und gedrückt. Natascha, Susanne und Ingo waren nun also stolze Großeltern und mussten sich erst mal an den Gedanken gewöhnen. Er machte sie irgendwie so alt. Aber alle waren heilfroh und überglücklich, dass es Mutter und Tochter gut ging und das war doch schließlich das Wichtigste. Als Anna Paloma die Patenschaft für Amy anbot, war sie total aus dem Häuschen und konnte sich vor Freude kaum noch halten. Sie ist Anna so stürmisch um den Hals gefallen, dass sie beinahe beide zu Boden gestürzt wären. Nach ein paar Stunden war die Willkommensparty auch schon wieder vorbei und Anna und Jonas bereiteten sich auf einen entspannten Abend vor. Es sollte der erste Abend mit Amy werden. Die zwei atmeten einmal tief ein und aus als sie wieder allein waren und gingen ins Kinderzimmer um nach Amy zu schauen. Die Kleine war gerade wieder wach geworden und Anna nahm sie behutsam auf den Arm. „Hey, Mäuschen, hast Du Hunger?“ Amy fing an zu Quengeln und als Jonas mit seiner Nase näher kam, wusste er auch warum. Er hielt sich die Nase zu und verzog gespielt ernst seine Miene. „Uiiii, ich glaube eher, Amy braucht eine neue Windel.“ Anna musste lachen und legte sie auf den Wickeltisch. Als sie ihr die Windel abnahm zog ihr ein miefender Geruch in die Nase. „Na, Du kleiner Stinker. Da hast Du aber ordentlich einen rein gesemmelt.“ Sorgfältig machte Anna sie sauber und legte ihr eine neue Windel an. Dann nahm sie die Kleine wieder hoch und drückte ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Anna schwenkte sie noch eine Weile im Arm hin und her bis Amy schließlich die kleinen Augen zufielen und sie zufrieden an ihrem Finger nuckelte. Jonas gab seiner Tochter einen zärtlichen Gute-Nacht-Kuss bevor Anna sie ins Bettchen legte und vorsichtig zudeckte. „Gute Nacht, Süße. Schlaf gut und träum was Schönes.“ Arm in Arm standen die beiden noch ein paar Minuten vor dem Bett und beobachteten ihre kleine Tochter wie sie friedlich schlief. „Sie ist einfach wundervoll. Wie ein kleines Wunder.“ Anna lächelte Jonas liebevoll an und ihre Augen strahlten vor Glück. „Ja, sie ist wirklich ein kleiner Engel.“ Zärtlich küssten sich die zwei voller Liebe bevor sie auf Zehenspitzen leise aus dem Zimmer schlichen.

Die nächsten drei Monate liefen sehr harmonisch ab. Amy entwickelte sich großartig und hielt ihre Eltern mächtig auf Trab. In den ersten Wochen mussten Anna und Jonas nachts häufig raus, weil die Kleine entweder Hunger hatte, eine neue Windel brauchte oder einfach nicht schlafen konnte. Sie waren dadurch oft sehr müde, weil es natürlich erst mal eine große Umstellung war. Aber sie waren rundum glücklich und nahmen die schlaflosen Nächte gerne in Kauf. Doch nach ein paar Wochen schlief Amy zunehmend länger durch. Ihre Freunde waren ganz entzückt und sie freuten sich jedes Mal wenn Anna mit der Kleinen vorbei kam. Und auch Anna tat es gut, zwischendurch mal ein bisschen abschalten zu können. Sie war ihren Freunden sehr dankbar für die Hilfe und nahm sie gerne an. Während Anna zu Hause blieb kümmerte sich Jonas aufopferungsvoll um die Geschäfte in der Firma. Anna versuchte so gut es eben ging ihn von zu Hause aus zu unterstützen was auch prima funktionierte. Paloma und Tom waren inzwischen zusammen gezogen und hatten eine gemütliche Wohnung mit einer sonnigen Dachterrasse gefunden. Die zwei waren überglücklich zusammen und genossen jede freie Minute die sie gemeinsam verbringen konnten. Auch die Zusammenarbeit bei Lanford war sehr entspannt und sie ergänzten sich fabelhaft. Tom hatte in Paloma eine verständnisvolle, charmante Frau gefunden die sein Leben bereicherte und ihn immer wieder mit liebevollen Gesten überraschte. Er war glücklich und verarbeitete den Tod von Fanny jeden Tag ein Stückchen mehr. Und so kam es immer seltener vor, dass er an sie denken musste. Paloma hatte vollstes Verständnis für ihn und hatte stets ein offenes Ohr und eine Schulter zum Anlehnen wenn er sich traurig fühlte. Und auch bei Mia und Enrique lief es super. Die zwei turtelten verliebt miteinander und genossen ihr neugewonnenes Glück in vollen Zügen. Und auch die zwei hatten eine schnuckelige Wohnung mit Balkon gefunden in der sie sich pudelwohl fühlten. Enrique und Tom trafen sich häufig abends noch auf einen kurzen Drink und taten immer sehr geheimnisvoll wenn ihre Angebeteten sich näherten. Paloma und Mia wussten zwar nicht was, aber irgendwas führten die zwei definitiv im Schilde. Es war nur eine Frage der Zeit bis sie es erfahren würden. Nur was hatten sie so geheimnisvolles geplant?
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