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 Entscheidung des Herzens

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Flyingrose

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Anzahl der Beiträge : 195
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BeitragThema: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:32

Kapitel 1

Es war ein sonniger, außergewöhnlich warmer Tag im März. Die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel. Ein junges Pärchen schlenderte mit langsamen Schritten händchenhaltend den hellen Sandstrand entlang. Sie gingen schweigend barfuß nebeneinander her und tauschten immer wieder lächelnd verliebte Blicke aus. Hin und wieder hielten sie an um ihre Blicke über das Meer hinaus gleiten zu lassen. Ihnen bot sich ein wunderschönes Panorama. Auf ihrer rechten Seite lag der weite Ozean. In der Ferne sahen sie ein kleines Schiff vorbei schippern. Etwas weiter drüben sonnten sich ein paar Robben auf einer Sandbank. Über ihnen kreisten vereinzelt einige Möwen auf der Suche nach Nahrung. Rechts hinter ihnen ragten die Klippen über das Meer empor. Etwa einen halben Kilometer vor den Spaziergängern gab es einen schmalen, kleinen Steg der ein ganzes Stück weit ins Wasser führte. Doch momentan herrschte leider Ebbe und das Wasser würde noch eine Weile brauchen bis es wieder zurückkam. Links von ihnen standen ein paar kleine Ferienhäuser mit großem Abstand zueinander. Sie wirkten recht schnuckelig und strahlten einen urgemütlichen Flair und Charme aus. Jedes kleine Holzhäuschen war in einer anderen Farbe gestrichen und hatte eine kleine Terrasse davor die farblich dazu passend abgestimmt war. Dort verbrachten die zwei Verliebten in den letzten Tagen viel Zeit gemeinsam. Sie saßen eng aneinander gekuschelt unter einer wärmenden Decke und genossen ihre Zweisamkeit und den wunderschönen Ausblick. Nun hielten die zwei an, drehten sich zueinander und blickten sich lächelnd in die Augen. Sie waren schon einmal hier gewesen vor mittlerweile fast drei Jahren. Hier gab es damals einen magischen Augenblick bei dem ein ganz besonderer, kleiner, schwarzer Kugelstein eine wichtige Rolle spielte. Diesen Stein kramte der junge Mann aus seiner Jackentasche und streckte seine Hand seiner Frau entgegen. Sie legte liebevoll ihre Hand auf seine und umschloss sie sanft. Heute war ein ganz besonderer Tag für die beiden. Heute vor genau zwei Jahren hatten sie im Kreise ihrer Familie und Freunde geheiratet. Sie wollten ihren Hochzeitstag an einem ganz besonderen Ort verbringen und welcher hätte sich da besser angeboten als die kleine Insel Osteroog.

Währenddessen hatten ihre Freunde im fernen Berlin nicht ganz so viel Glück mit dem Wetter. Es war recht frisch, der Wind pfiff durch die Straßen und es regnete schon den ganzen Tag unaufhörlich. Dazu hatten sie auch noch mächtig Stress in der Firma und jede Menge Arbeit, dass sie kaum Zeit zum Luftholen fanden. In letzter Zeit war das wirklich etwas viel und ihnen verging regelrecht die Lust sich morgens auf den Weg in die Firma zu machen. Aber es nützte ja nichts. Da mussten sie jetzt wohl oder übel durch. Und irgendwann würden sicherlich auch wieder ruhigere Zeiten kommen. Dazu kam heute noch das regnerische, dunkle Wetter, dass einem regelrecht die Laune verderben konnte. Den Mitarbeiten schien das wohl auch gewaltig aufs Gemüt zu schlagen. Aber nun hatten sie endlich Feierabend und der gut aussehende Mann stand an der Theke und trank noch schnell einen Tee bevor er sich auf den Heimweg machen würde. Die meisten Mitarbeiter waren schon nach Hause gegangen. Dann fiel sein Blick auf seine Freundin. Sie saß noch an ihrem Schreibtisch und war vertieft in einen Artikel den sie aufmerksam zu lesen schien. Mit der einen Hand stützte sie ihr Kinn während sie sich mit der anderen eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Ihr dunkles, langes Haar fiel ihr offen über die Schultern und schimmerte glänzend im Licht. Ein liebevolles Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit und er konnte seinen Blick gar nicht mehr von ihr abwenden. Sie war einfach wunderschön und er war sehr glücklich, dass sie nach monatelangen Differenzen endlich zueinander gefunden hatten. Dann hob die junge Frau ihren Kopf und blickte geradewegs in seine wundervollen Augen. Ein zärtliches Lächeln huschte über ihre Lippen. Dann räumte sie rasch ihre Unterlagen zusammen während er seinen Tee austrank. Als sie gemeinsam auf den Fahrstuhl warteten, blickten sie sich tief in die Augen während er sanft ihre Hand mit seiner umschloss.
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Flyingrose

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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:33

Kapitel 2

Erst das Öffnen der Fahrstuhltür holte sie zurück in die Wirklichkeit. Der junge Mann machte eine höfliche Handbewegung und ließ ihr den Vortritt. Nachdem sich die Türen wieder geschlossen hatten drehte er sich zu ihr, umfasste ihre Hände und blickte sie mit einem Grinsen im Gesicht an. In ihrem Blick spiegelte sich eine Mischung aus Verwirrung und Freude. „Was schaust Du mich so komisch an?“ Er grinste weiter und zuckte mit den Schultern. „Nur so. Darf ich Dich nicht mehr anschauen?“ Seine Art verwirrte sie zunehmend und sie schaute leicht nervös in den Spiegel an der Innenwand des Aufzugs. „Was ist denn? Habe ich was im Gesicht?“ Er schüttelte den Kopf und amüsierte sich innerlich liebevoll über die Reaktion seiner Freundin. Er liebte es immer wieder aufs Neue sie ein wenig zu necken und manchmal konnte er sich einen kleinen Scherz einfach nicht verkneifen. So wie eben in Situationen wie dieser. „Nein, mach‘ Dir keine Gedanken, Du siehst toll aus.“ Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. Doch sie traute dem Frieden nicht so ganz. Schließlich kannte sie ihren Freund und wusste nur zu gut, dass er sich hin und wieder einen kleinen Spaß mit ihr erlaubte. Noch bevor sie etwas erwidern konnte, setzte er eine gespielt erschrockene und überraschte Miene auf und zeigte mit dem Finger auf ihr Haar. Sie bewegte ihren Kopf hastig hin und her und drehte sich einmal um die eigene Achse. „Da krabbelt etwas in Deinem Haar. Pass’ auf.“ Dann wuschelte sie aufgeregt mit ihren Händen durchs Haar. „Was ist da? Hol‘ es raus.“ Als er sie so herum zappeln sah, konnte er sich beim besten Willen nicht beherrschen und lachte lauthals los. Sie blickte ihn mit großen Augen an. „Was gibt es da zu lachen? Hilf‘ mir lieber.“ Er ging beschwichtigend auf sie zu und schloss sie lachend in seine Arme. „Ach, mein Liebling, da ist nichts in Deinen Haaren. Beruhig‘ Dich wieder. Es tut mir leid.“ Sie stieß ihn empört ein Stück von sich weg und funkelte ihn aufgebracht an. „Haha, sehr witzig, was haben wir wieder gelacht. Du kannst mir doch nicht so eine Angst einjagen.“ Er zog sie wieder ganz nah an sich und legte ihr beruhigend einen Finger auf ihre vollen Lippen. „Pssst, ist ja alles gut. Bitte entschuldige. Ich wollte Dir keine Angst machen.“ Nun zeigte auch sie sich wieder versöhnlich und streichelte sanft seinen Nacken. „Du bist mir schon so einer. Aber auch dafür liebe ich Dich.“ Dann beugte er seinen Kopf lächelnd ihrem entgegen und küsste sie ganz zärtlich. Nachdem sich ihre Lippen wieder voneinander lösten, blickte er ihr verliebt in die blauen Augen. „Ich liebe Dich auch. Sehr sogar.“

Auf Osteroog schlenderten die zwei Verliebten Hand in Hand weiter. „Weißt Du noch, wie wir damals unsere Namen aufs Meer hinaus geschrien haben?“ Der gutaussehende Mann mit den dunklen Haaren blieb stehen und blickte seine Frau lächelnd an. „Du warst so unglaublich schüchtern früher. Ich wollte Dich einfach ein wenig aus der Reserve locken.“ Sie musste unwillkürlich grinsen. „Oh ja, die kleine graue Maus die nie einen Ton über die Lippen gebracht hat. Aber Du hast mir ja zum Glück geholfen meine Schüchternheit zu überwinden.“ Sie gab ihm einen liebevollen Kuss den er zärtlich erwiderte. Dann schwiegen sie für ein paar Sekunden während sie sich tief in die Augen blickten. Sie wussten oft auch ohne Worte was der andere gerade dachte, weil sie ein ganz besonderes, unsichtbares Band miteinander verband welches so tiefgründig und innig war, dass man meinen könnte, sie wären seelenverwandt. Und so war es auch dieses Mal. Sie drehten sich gleichzeitig in Richtung Meer und bildeten mit den Händen eine Art Trichter. Dann schrien sie abwechselnd ihre Namen so laut sie konnten aufs Meer hinaus. „Annaaaaaaaa!“ „Jonaaaaaaas!“ Das wiederholten sie einige Male bevor sie sich laut lachend in die Arme fielen. „Weißt Du eigentlich, wie unglaublich glücklich ich mit Dir bin? Ich würde Dich gegen nichts und niemanden in der Welt wieder eintauschen wollen.“ Sie strahlte ihn verliebt an. „Mir geht’s da ganz genauso. Du machst mich so unheimlich glücklich, jeden Tag auf’s Neue. Ich kann mir ein Leben ohne Dich gar nicht mehr vorstellen und wüsste nicht wie es dann weitergehen sollte.“ Beschützend zog er sie ganz dicht an sie heran. „Das musst Du ja zum Glück auch gar nicht. Ich werde immer an Deiner Seite sein und Dich vor allen Gefahren beschützen.“ Sie küssten sich voller Zärtlichkeit und hielten sich ganz eng umschlungen fest um den Augenblick für immer festzuhalten. Nach einigen Sekunden löste sie sich aus seiner Umarmung. „Hast Du Lust auf eine kleine Wattwanderung?“ Er musste lachen. Seine Frau war mal wieder voller Tatendrang. Aber er konnte ihr einfach keinen Wunsch abschlagen. „Klar, warum nicht. Lass‘ uns gehen.“ Er umfasste sanft ihre Hand und sie gingen gemeinsam dem Meer entgegen.
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Flyingrose

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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:33

Kapitel 3

Als sie den Fahrstuhl verließen und Richtung Ausgang gingen, blieb Paloma plötzlich abrupt vor der Tür stehen. Enrique hielt ihr die Tür auf und blickt sich verwundert um. „Hey, wo bleibst Du denn?“ Sie blickte ihn fragend an. „Oh nein, Du glaubst doch nicht etwa, dass ich da jetzt rausgehe.“ Er musste grinsen. War seine Freundin jetzt etwa wasserscheu geworden? „Ach komm‘ schon. Das ist doch nur Regen.“ Paloma ging ein paar Schritte auf ihn zu und streckte vorsichtig den Kopf ein Stück weit aus der Tür und blickte kurz in den dunklen, grauen und wolkenverhangenen Himmel. Dann zog sie ihn rasch wieder zurück und schüttelte mit dem Kopf. „Nein, keine Chance. Guck‘ Dir das doch mal an. Es schüttet wie aus Eimern und der Sturm fegt durch die Straße.“ Enrique musste lachen und legte einen Arm um ihre Schultern. „Fürchtet sich mein Schatz etwa vor dem Regen da draußen?“ Paloma stemmte die Hände in die Hüften. „Ich fürchte mich doch nicht vor dem Regen. Ich habe nur lediglich keine Lust gleich völlig durchnässt im Auto zu sitzen. Wir warten einfach noch einen Moment. Der Regen wird schon gleich wieder aufhören.“ Enrique zog die Augenbrauen hoch. Er hatte eigentlich gar keine Lust mehr hier noch länger rum zu hängen und wollte nur noch schnellstens nach Hause, ein entspannendes Bad nehmen und dann den Abend mit seiner Liebsten genießen. „Du bist ja optimistisch. Also für mich sieht es nicht danach aus, dass das Wetter sich so schnell wieder ändern wird. Komm‘, lass‘ uns endlich gehen. Ich bin echt bedient für heute.“ Paloma seufzte laut und sehnte sich ebenfalls nach einem gemütlichen Abend auf der Couch. Enrique bemerkte ihren Unmut, zog sich die Jacke aus und hielt sie schützend über ihre Köpfe. „Besser so? Meinst Du, wir schaffen es so halbwegs trockenen Fußes zum Wagen?“ Paloma musste unweigerlich lachen. Enrique konnte wirklich ein regelrechter Charmeur und Gentleman sein. „Na gut, Du hast mich überzeugt. Bei drei?“ Enrique lächelte sie zufrieden an und nickte zustimmend. „Okay, eins…, zwei…, drei..“ Sie liefen gleichzeitig schnellen Schrittes los und Paloma juchzte ein paar Mal auf, weil sie in ein paar Pfützen trat und nasse Füße bekam. Dann blieb‘ Enrique plötzlich herzhaft lachend stehen und Paloma stand im Regen. Sie blickte sich irritiert um und blickte geradewegs in sein Gesicht. In Windeseile war ihre Kleidung triefend nass und der kalte Wind peitschte ihr den Regen ins Gesicht. „Weißt du eigentlich, dass Du wahnsinnig süß aussiehst?“ Nun musste auch Paloma lachen. „Du bist ja total verrückt.“ Die beiden gingen aufeinander zu und Enrique breitete seine Arme aus um seine Liebste zärtlich zu umarmen. Dabei fiel seine Jacke zu Boden und landete in einer großen Pfütze. Er umfasste ihr Gesicht zärtlich mit seinen Händen und ihre Lippen fanden sich zu einem innigen, langen Kuss.

Anna und Jonas spürten den kalten Schlamm unten ihren nackten Füßen. Hin und wieder traten sie auf eine Muschel und begegneten kleinen Krebsen und Quallen. Nach einer Weile wurde es doch langsam etwas frisch und Anna fröstelte es ein wenig. Sie blickte in die Ferne und bemerkte, dass die Sonne am Horizont schon deutlich tiefer stand als noch vor einer Stunde. Ein Blick auf die Uhr bestätigte ihr, dass sie wohl bald untergehen und die Dämmerung einsetzen würde. Sie zupfte Jonas sachte am Ärmel seiner Jacke bis er stehenblieb und sich zu ihr umdrehte. „Wir sollten langsam umkehren. Es wird bald dunkeln werden.“ Jonas blickte kurz in den Himmel und dann wieder zu seiner Frau. „Du hast Recht. Es wird Zeit umzukehren.“ Sie nickte ihm zu und sie drehten sich gleichzeitig um und machten sich auf den Rückweg. Als sie Richtung Strand blickten waren sie überrascht wie weit sie sich schon hinaus gelaufen waren. Anna überkam ein ungutes Gefühl. „Wir sind ganz schön weit draußen. Wir sollten uns ein bisschen beeilen.“ Dann leuchtete ein greller Blitz am Himmel auf und kurz darauf gab es auch schon einen lauten Knall. Anna zuckte erschrocken zusammen und richtete ihren Blick nach oben. Binnen weniger Sekunden verdunkelte sich der Himmel und Anna beschlich ein beängstigendes Gefühl. Jonas griff schützend nach ihrer Hand und drückte sie sanft. Dann gingen sie schnellen Schrittes weiter. „Mach‘ Dir keine Sorgen, Anna. Gleich sind wir wieder im Warmen.“ Dann blitzte es erneut, dicht gefolgt von einem lauten Donnerschlag. Anna beschleunigte ihr Tempo. Kurz darauf begann es wie verrückt zu regnen und ein Sturm zog auf. Auch Jonas wurde langsam unruhig und wusste, dass sie schnellstmöglich wieder an Land kommen mussten. Das Wasser könnte jeden Moment wieder zurückkehren und der Gefahr wollte er Anna keinesfalls aussetzen. Anna wurde mit einem Mal extrem nervös und sie zog Jonas eilig hinter sich her. „Bitte lass‘ uns schnell zurück laufen. Ein Unwetter zieht auf.“ Jonas blickte noch einmal sorgenvoll in die dunklen Wolken über ihnen und folgte Anna schnellen Schrittes. „Hab‘ keine Angst, ich bin bei Dir. Wir haben’s gleich geschafft.“ Er drückte ihre Hand abermals sanft. Dann spürten sie plötzlich wie das Wasser wellenartig ihre Füße umspielte. Anna bekam einen Riesenschreck als sie sich kurz umdrehte und das zurück kehrende Wasser auch sie zukamen sah. Mit weit aufgerissenen Augen stand sie regungslos da. Jonas hatte die Gefahr ebenfalls erkannt und riss sie aus ihren Gedanken. „Komm‘ mit. Wir müssen uns beeilen.“ Er zog Anna rennend hinter sich her und sie stolperte beinahe über ihre eigenen Füße. Das Wasser stieg immer höher und die Wellen peitschten gegen ihre Körper. Der Sturm wurde immer stärker. Beide waren ganz außer Atem und es fiel ihnen immer schwerer gegen das Wasser anzulaufen. „Anna, lauf‘ so schnell Du kannst.“ Anna keuchte und war erleichtert, dass das rettende Ufer immer näher kam. Eine erneute Welle klatschte von hinten gegen ihre Beine und Jonas verlor das Gleichgewicht.
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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:33

Kapitel 4

Die Welle traf Jonas völlig überraschend und ehe er überhaupt realisieren konnte was da gerade mit ihm passierte schlugen die Wassermassen über ihm zusammen. Erschrocken schnappte er nach Luft und schluckte Wasser als er mit dem gesamten Körper untertauchte. Anna drehte sich panikartig um und ehe sie sich versah, hatte die Welle auch sie unter sich begraben. Sie schlug panisch wild um sich und hustete um Luft ringend das eingeatmete Wasser wieder aus. Verzweifelt blickte sie sich in alle Richtungen nach Jonas um. Doch sie konnte ihn nicht entdecken. Sie rief seinen Namen, erst leise und dann schrie sie ihn regelrecht in die dunkle Nacht hinaus. „Jonas? Jonaaaas. Jonaaaaaaaaaaas!“ Der Sturm tobte über ihr und es goss in Strömen. Aber immer noch keine Spur von ihrem Mann. Sie paddelte wild völlig ziellos hin und her. Sie hatte panische Angst um ihn und ihr blieb beinahe die Luft weg. Hinter ihr nahm sie in der Ferne die Umrisse der Häuser war. Vor ihr lag der weite Ozean. Und links neben ihr befanden sich die felsigen Klippen. Für den Bruchteil einer Sekunde erschrak sie. Die Klippen? Nur wenige Meter von ihr entfernt? Sie musste ein ganzes Stück abgetrieben sein. Demnach herrschte hier momentan eine gewaltige Strömung. Sie hatte Mühe sich über Wasser zu halten. Erneut rief sie nach Jonas. In ihrer Stimme schwang die pure Angst mit. „Jonaaaas! Wo bist Du?“ Sie holte tief Luft und tauchte kopfüber hinab in die Tiefe. Als sie wieder auftauchte klatschte ihr eine erneute Welle mitten ins Gesicht. Sie rang prustend nach Luft. Dann plötzlich erblickte sie Jonas nahe den Klippen. Ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer, gefolgt von Verzweiflung. Sie ruderte so schnell sie konnte auf ihn zu und versuchte ihren geschwächten Mann über Wasser zu halten. „Jonas, ein Glück, Du lebst. Sag‘ doch was. Bist Du verletzt?“ Überglücklich und gleichzeitig voller Angst umschloss er Anna ganz fest mit seinen Armen. „Ich bin ja so froh, dass Dir nichts passiert ist!“ Für den Bruchteil einer Sekunde huschte ein kleines Lächeln über ihr Gesicht. Dann näherten sich seine Lippen den ihren und er küsste sie so zärtlich und liebevoll wie noch nie zuvor. Annas Körper durchfuhr für einen winzigen Moment lang eine unglaubliche Wärme, obwohl das Wasser extrem kalt war. Als wäre es ein perfekter Abschiedskuss den sie für immer in ihrer Erinnerung behalten sollte. Dann versuchten sie gegen die Strömung mit aller Kraft anzuschwimmen als sie plötzlich eine weitere Welle überraschte.

Unterdessen legte sich der Sturm über Berlin allmählich wieder und der Regen hatte auch endlich ein Erbarmen mit ihnen. Paloma und Enrique waren gut bei ihr daheim angekommen und nach einer heißen Dusche, oder besser gesagt einem entspannenden Schaumbad saßen sie nun in bequemen Jogginghosen, Socken und Sweatshirt nebeneinander auf der Couch und schlürften einen warmen Tee. Paloma ließ ihren Blick aus dem Fenster gleiten und stellte leicht erbost fest, dass das Unwetter sich verzogen hatte. „Na super, jetzt wo wir im Warmen sind hat sich der Regen verzogen.“ Enrique musste schmunzeln und folgte ihrem Blick. „Das wurde aber auch langsam Zeit. Dieses miese Wetter war ja nicht mehr zum Aushalten.“ Paloma grinste ihn von der Seite an. „Eben, da bekommt man ja Depressionen. Und den anderen scheint es genauso zu gehen.“ Enrique nickte zustimmend. „Das kannste aber sagen. Man, in der Firma hatten aber auch manche Kollegen eine Laune.“ Paloma konnte nur zu gut verstehen was er meinte. Dieses graue Wetter schien vielen Leuten gewaltig aufs Gemüt zu schlagen. Alle legten heute irgendwie eine ziemlich gereizte Stimmung an den Tag. Umso stärker sehnten die zwei sich den Feierabend herbei und das Wochenende. „Ich weiß was Du meinst. Heute war es besonders schlimm. Ein Glück ist ja jetzt endlich Wochenende.“ Sie beugte sich zu ihm rüber und küsste ihn liebevoll. Dann lehnte sie ihren Kopf an seine Schulter und er legte sanft einen Arm um sie. „Und das werden wir beide jetzt auch in aller Ruhe genießen. Wir müssen unbedingt mal abschalten bei dem ganzen Stress.“ Paloma nickte zustimmend. Das hatten sie wirklich mal dringend nötig. Einfach mal die Seele baumeln lassen und nur das tun was ihnen gefiel. Paloma hatte es den beiden so richtig gemütlich gemacht. In der Wohnung hatte sie ein paar Kerzen und Teelichter verteilt um eine romantische Stimmung zu zaubern. Und nun saß sie hier in den Armen des Mannes den sie schon seit einiger Zeit liebte, es sich aber zunächst nicht eingestehen wollte. Sie lächelte glücklich und ergriff seine Hand. „Da fällt mir gerade ein. Morgen kommen doch Anna und Jonas von ihrer kleinen Hochzeitsreise zurück. Was würdest Du davon halten wenn wir sie zum Essen einladen?“ Enrique seufzte leicht genervt. Nicht, dass er etwas gegen ihre Freunde hatte, aber momentan stand ihm einfach nicht der Sinn nach so viel Trubel, aber Paloma zuliebe stimmte er schließlich zu. „Na gut, warum nicht. Was die zwei wohl gerade machen? Hoffentlich hatten sie etwas mehr Glück mit dem Wetter.“ Paloma spürte seine warme Hand auf ihrer. „Vermutlich sitzen sie nun auch gemütlich beisammen und genießen ihren letzten Abend auf Osteroog bevor sie morgen wieder abreisen.“ Enrique lächelte sanft. „Vermutlich hast Du Recht. Und genau das werden wir jetzt auch tun.“ Paloma drehte sich zu ihm und zwinkerte verspielt. „Oh ja, das ist eine sehr gute Idee.“ Dann fanden sich ihre weichen Lippen zu einem langen, leidenschaftlichen Kuss.
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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:34

Kapitel 5

Die Welle schlug über die beiden zusammen und begrub sie unter sich. Durch die Wucht und die Strömung wurden sie unter Wasser gezogen. Anna strampelte sich wieder zurück an die Oberfläche und japste laut nach Luft. Panisch drehte sie sich nach allen Seiten um. „Jonas, wo bist Du?“ Doch es kam keine Reaktion. Erneut rief sie nach ihm. In ihrer Stimme schwang die pure Angst mit. „Jonaaaaaaaas!“ Einige Meter von ihr entfernt tauchte Jonas plötzlich wieder auf und schlug wild mit den Armen um sich. „Anna!“ Anna versuchte verzweifelt zu ihm zu schwimmen. Doch die Strömung war enorm. „Jonas, ich komme.“ Jonas raufte alle seine Kräfte zusammen um zu Anna zu kommen. Doch er schien sich kaum vorwärts zu bewegen. Anna schrie ängstlich um Hilfe in der Hoffnung, dass sie irgendjemand hören würde. Was bei dem grollenden Donner und den laut klatschenden Wellen sehr unwahrscheinlich war. „Hilfeeeeee! Hilfeeeeeeeeeee!“ Anna kämpfte unerbittlich um Jonas zu erreichen, dabei verließ sie allmählich die Kraft und sie tauchte immer wieder mit dem Kopf unter Wasser. Jonas spürte, dass Anna es nicht schaffen würde an Land zu kommen wenn sie weiter versuchte gegen die Strömung anzuschwimmen. „Anna, schwimm zurück. Ich schaffe das schon.“ Anna schüttelte verzweifelt den Kopf. Sie konnte ihren Mann doch jetzt nicht alleine da draußen lassen. „Nein, ich werde Dich nicht im Stich lassen.“ Eine weitere Welle kam auf Jonas zu. „Anna, Du schwimmst jetzt sofort zurück. Ich bin gleich wieder bei Dir.“ Anna kamen die Tränen. „Jonas, nein.“ Jonas könnte es sich nie verzeihen wenn seiner Anna etwas zustoßen würde. Seine Stimme zitterte und war voller Verzweiflung. „Bitte, Anna, tu‘ mir den Gefallen und schwimm‘!“ Jonas blickte der herannahenden Gefahr direkt ins Auge und schlug sich instinktiv die Hände über den Kopf auch wenn er wusste, dass er die Wassermassen damit nicht aufhalten konnte. „Jonaaas, pass‘ auf!“ Doch es war zu spät. Die Welle riss Jonas mit und schleuderte seinen Körper gegen die Felsklippen. Jonas stieß vor Schmerzen einen markerschütternden Schrei aus. Anna blieb‘ vor Entsetzen beinahe das Herz stehen und sie bekam keine Luft mehr. Sie war starr vor Schreck und für einige Sekunden unfähig irgendetwas zu tun. Jonas wurde weiter hinaus aufs Meer getrieben und immer wieder unter Wasser gezogen. „Jonaaaaaaaaas! Nein! Hilfeeeee! Warum hilft uns denn niemand! Bitte!“ Anna liefen die Tränen in Strömen übers Gesicht und vermischten sich mit dem unaufhörlichen Regen und dem Wasser des Meeres. Sie strampelte verzweifelt mit den Beinen und ruderte wild mit den Armen hin und her. Sie musste völlig hilflos mit ansehen wie das wilde Meer ihren Mann mit sich hinaus zog. Inzwischen war sie mit ihren Kräften völlig am Ende. Sie schluchzte bitterlich, ihre Beine und Arme fühlten sich schwer wie Blei an und ihr Körper begann wie verrückt zu zittern. Ihre Stimme wurde immer leiser während sie sich mit den letzten körperlichen Reserven an den Strand schleppte und erschöpft zusammen sackte. „Jonas, warum? Du darfst nicht sterben! Ich brauche Dich doch!“ Sie lag zitternd auf dem Bauch im nassen Sand und zog langsam den schwarzen Kugelstein aus ihrer Hosentasche den Jonas ihr vorhin gegeben hatte. Sie umschloss ihn fest mit ihrer Hand und küsste ihn sanft unter Tränen. „Jonas, ich liebe Dich!“ Dann verlor sie vor Erschöpfung das Bewusstsein.

Paloma und Enrique küssten sich immer noch leidenschaftlich und streichelten sich gegenseitig zärtlich. Plötzlich überkam Paloma ein ganz merkwürdiges Gefühl, dass sie nicht genau definieren konnte. Sie drückte Enrique sanft ein Stück von sich weg. Er blickte sie verwirrt an. „Was ist denn los?“ Paloma schüttelte sich kurz und ein kalter Schauer lief ihr den Rücken runter. „Ich habe keine Ahnung. Irgendwie habe ich ein ganz ungutes Gefühl.“ Enrique konnte ihre Reaktion nicht verstehen. „Was denn für ein Gefühl?“ Sie zuckte überfragt mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Es kam ganz plötzlich. Als wenn irgendetwas passiert ist.“ Enrique streichelte ihr zärtlich über die Wange. „Was soll denn passiert sein?“ „Keine Ahnung. Irgendetwas stimmt nicht.“ Eine innere Unruhe kroch in ihr hoch die sie sich nicht erklären konnte. „Mach‘ Dir keine Sorgen. Ich wüsste da schon eine Ablenkung.“ Er umgriff sanft ihr Gesicht und zog sie wieder zu sich ran. Dann berührten seine warmen Lippen auch schon die ihren und er küsste sie liebevoll. Paloma versuchte das beängstigende Gefühl abzuschütteln und erwiderte seine immer leidenschaftlicher werdenden Küsse. Seine Hände glitten sanft unter ihr Sweatshirt und streichelten über ihren Rücken. Dann zuckte Paloma erschrocken zusammen. Irgendein innerer Instinkt schlug in ihr Alarm. Sie löste sich von Enrique und fuhr sich nervös mit den Händen durchs lange Haar. „Tut mir leid, Enrique. Ich kann mich jetzt nicht darauf konzentrieren.“ Enrique holte tief Luft und stieß einen lauten Seufzer aus. „Was ist denn bloß los? Ich verstehe Dich nicht. Es ist doch alles in Ordnung.“ Paloma griff zum Wasserglas um einen Schluck zu trinken. Sie hatte plötzlich einen trockenen Hals. „Nein, es ist eben nicht alles in Ordnung.“ Dann kam ihr ein beunruhigender Gedanke und sie starrte Enrique mit großen Augen an. „Vielleicht ist etwas mit Anna.“ Enrique war leicht genervt und verabschiedete sich innerlich von dem Gedanken heute noch einen gemütlichen Abend zu verbringen. Er räusperte sich und schaute Paloma verständnislos an. „Dann hätte Anna sich doch bestimmt bei Dir gemeldet.“ Paloma wurde immer nervöser, stand auf und lief unruhig durchs Zimmer. Enrique fuhr sich durchs Haar und beobachtete seine Freundin mit gemischten Gefühlen. „Wenn es Dich so beunruhigt, dann ruf‘ Anna doch einfach an.“ Paloma fasste sich an den Kopf und ging dann schnellen Schrittes zu ihrer Handtasche um ihr Handy heraus zu kramen. Warum war sie da nicht gleich drauf gekommen? Mit zitternden Händen wählte sie ihre Nummer und tigerte ruhelos auf und ab. Ein Freizeichen war zu hören, also war ihr Handy auf jeden Fall schon mal an. Sie stieß einen erleichterten Seufzer aus. „Mensch, nun geh‘ doch ran, Anna.“ Paloma blieb‘ am Fenster stehen und blickte hinaus in den Himmel. Dann schien endlich jemand ran zu gehen. Als Paloma gerade etwas sagen wollte, erkannte sie, dass es nur die Mailbox war. Das gibt’s doch gar nicht. Also hinterließ sie mit besorgter Stimme eine Nachricht und hoffte, dass Anna sich schnell bei ihr melden würde. „Anna, ich bin’s Paloma. Ist alles in Ordnung bei Euch? Ich mache mir Sorgen um Dich. Bitte melde Dich mal kurz wenn Du das hier hörst. Fühl‘ Dich gedrückt, Süße!“ Sie blickte sorgenvoll auf ihr Handy und wählte dann Jonas‘ Nummer. Doch es war aus. „Mist!“ Enrique spürte, dass sich Paloma große Sorgen machte und trat hinter sie um sie liebevoll zu umarmen. „Es wird alles wieder gut. Mach‘ Dir keine Sorgen.“
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Flyingrose

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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:34

Kapitel 6

Als Anna am nächsten Morgen wieder erwachte, öffnete sie ganz langsam die Augen und blinzelte verschlafen in das Gesicht eines fremden Mannes. Erschrocken schlug sie nun die Augen auf, setzte sich im Bett auf und blickte den Fremden irritiert an. Sie rieb sich müde die Augen und realisierte dann, dass es in ihrem Kopf wie verrückt pochte. Sie fasste sich mit der Hand an die Stirn und schaute den Fremden weiter fragend an. Wer war der Mann mittleren Alters der sie freundlich anschaute? Und überhaupt, wo war sie hier überhaupt? Der Mann räusperte sich kurz und setzte sich dann auf einen alten Holzstuhl der neben ihrem Bett stand. „Wo bin ich hier und was mache ich hier überhaupt?“ Mit ruhiger Stimme versuchte der Mann heraus zu finden was letzte Nacht passiert war. „Können Sie mir sagen wie Sie heißen?“ Anna war etwas durcheinander. Na klar wusste sie wie sie heißt. „Anna Broda.“ „Schön, Frau Broda. Können Sie mir sagen, was passiert ist?“ In Annas Kopf rasten die Gedanken hin und her und ihr Kopf drohte beinahe zu zerplatzen. Was sollte diese ganze Fragerei überhaupt? Sie fasste sich erneut an den Kopf und verzog ihr Gesicht. Diese elenden Kopfschmerzen brachten sie beinahe um den Verstand. „Hätten Sie vielleicht eine Kopfschmerztablette für mich?“ Der Mann nickte, stand auf und brachte ihr sekundenspäter ein Glas Wasser und zwei Schmerztabletten. „Hier, bitte. Nehmen Sie die, dann wird es Ihnen bald wieder besser gehen.“ Anna nahm sie dankend an und spülte die Pillen mit einem halben Glas Wasser herunter. „Danke, das ist nett. Darf ich fragen wer Sie sind und wo ich hier überhaupt bin?“ Der Fremde setzte sich wieder neben das Bett und betrachtete Anna aufmerksam. Dann reichte er ihr die Hand und stellte sich vor. „Entschuldigen Sie bitte. Wie unhöflich von mir. Mein Name ist Dr. Jacobs. Sie sind hier in der Krankenstation auf Osteroog.“ Anna schüttelte gedankenverloren seine Hand. „Wieso bin ich? Was ist passiert?“ Dr. Jacobs versuchte Anna möglichst schonend bei zu bringen wie sich das Unglück in Etwa zugetragen haben musste. „Frau Broda, man hat Sie gestern Abend bewusstlos am Strand gefunden. Ein Anwohner hatte beobachtet, wie Sie an Land geschwommen und am Ufer zusammen gebrochen sind. Er hat sofort Hilfe geholt und sie wurden dann hierher gebracht wo wir uns um Sie gekümmert haben.“ Anna musste schlucken und Ihre Gedanken überschlugen sich regelrecht. Sie erinnerte sich an die Wanderung im Watt, das plötzlich aufziehende Unwetter, ihren verzweifelten Versuch Jonas zu retten und an das schreckliche Unglück. Anna stiegen die Tränen in die Augen. „Wo ist mein Mann?“ Dem Arzt fiel es unheimlich schwer Anna die traurige Mitteilung zu überbringen. „Da Ihr Retter gesehen hatte, dass Ihr Mann aufs Meer hinaus getrieben wurde, hat die Küstenwache sofort Rettungstrupps losgeschickt um nach Ihrem Mann zu suchen.“

In Anna kroch die pure Panik hoch, ihr lief es eiskalt den Rücken herunter, ihre Hände begannen zu zittern, ihr Puls beschleunigte sich, jegliche Farbe wich aus ihrem Gesicht und die Tränen liefen über ihre blassen Wangen. Nein, das konnte einfach nicht sein. „Was ist mit Jonas?“ Ihre Stimme bebte. Sie verspürte einen dicken Kloß im Hals. „Es tut mir wirklich sehr leid, aber bisher wurde Ihr Mann noch nicht gefunden.“ Anna schluckte schwer und war völlig mit den Nerven am Ende. „Was heißt das, Sie konnten ihn nicht finden?!“ Die Tränen liefen unaufhörlich über ihr Gesicht. „Aufgrund der starken Strömung wegen des Unwetters in der letzten Nacht müssen wir leider davon ausgehen, dass Ihr Mann tot ist.“ Anna blieb der Mund offen stehen und sie starrte Dr. Jacobsen mit weit aufgerissenen Augen und einem starren Blick an. Was hatte der Arzt da eben zu ihr gesagt? Jonas soll tot sein? Wie konnte das denn angehen? Jonas und sie konnte man doch nicht einfach trennen. Das ginge doch überhaupt gar nicht. Wenn er wirklich tot sein sollte, müsste sie das doch tief im Inneren spüren. Oder etwa nicht? Sie verband doch eine unheimlich tiefe und einzigartige Verbindung. Sie spürten immer sofort wenn irgendetwas mit dem anderen nicht stimmte. Und Anna fühlte nicht, dass er nie wieder zu ihr zurückkommen würde. Die beiden waren doch seelenverwandt. Da konnte einem doch nicht einfach so das Liebste genommen werden was man hatte. Diese Tatsache war doch schier unmöglich. Anna stand der Schock regelrecht ins Gesicht geschrieben. „Nein, Jonas ist nicht tot. Das spüre ich einfach. Wie kommen Sie überhaupt dazu so etwas zu behaupten? Er würde mich nie im Leben im Stich lassen!“ Anna wurde wütend über die Behauptung des Arztes. Dr. Jacobs legte beruhigend seine Hand auf Annas Arm und konnte ihre Reaktion verstehen. „Frau Broda, bitte beruhigen Sie sich doch wieder. Sie dürfen sich jetzt nicht so aufregen. Die Küstenwache wird weiter nach ihm suchen. Aber leider kann ich Ihnen nicht viel Hoffnung machen, dass Ihr Mann noch am Leben ist.“ Anna schlug wütend seine Hand von ihrem Arm und krabbelte aus dem Bett. Der Arzt blickte sie überrascht an. Sie stand auf und zog sich ihre Sachen zitternd an. „Jonas lebt noch! Das spüre ich ganz genau! Und sie werden ihn finden!“ Dr. Jacobs versuchte Anna aufzuhalten. Sie sollte in dem Zustand auf keinen Fall gehen. „Wo wollen Sie denn hin? Sie sollten noch ein wenig hierbleiben bis Sie sich ein wenig erholt haben.“ Anna lachte spöttisch. Sie wollte unter keinen Umständen auch nur noch eine Minute länger hier bleiben. „Lassen Sie mich in Ruhe. Ich werde jetzt gehen.“ Dr. Jacobs stand auf um sie zurück zu halten. „Frau Broda, ich weiß, das ist ein ziemlicher Schock für Sie. Aber ich kann Sie so nicht gehen lassen.“ Anna zischte ihn außer sich vor Wut mit böse funkelndem Blick an. „Sie haben mir gar nichts zu sagen. Ich werde jetzt nach Hause fahren und dort auf Jonas warten. Und Sie werden sehen, er wird sich ganz bald bei mir melden und mir sagen, dass es ihm gut geht und alles in Ordnung ist.“ Mit diesen Worten ließ sie den Arzt einfach stehen und schlug mit einem lauten Knall die Tür hinter sich zu.
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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:34

Kapitel 7

Draußen angekommen holte Anna tief Luft und blickte in den Himmel. Er war wolkenverhangen und eine leichte Brise wehte durch ihr langes, blondes Haar welches offen über ihre Schultern fiel. Dann stieß sie die eingeatmete Luft mit einem lauten Seufzer wieder aus. Langsamen Schrittes stapfte sie Richtung Ferienhäuschen um mit dem Auto wieder zurück nach Berlin zu fahren. Sie war immer noch völlig außer sich vor Wut über die ungeheuerlichen Behauptungen des Arztes die zudem völlig aus der Luft gegriffen waren. Wie konnte dieser Schnösel ihr einfach so ins Gesicht sagen, dass Jonas vermutlich tot war? Der hatte sie doch nicht mehr alle. Wie kam er überhaupt auf so einen Blödsinn? Anna war der festen Überzeugung, dass Jonas noch am Leben war. Vielleicht würde er ja sogar schon daheim sehnsüchtig auf sie warten und dann wäre alles wieder in Ordnung. Sie nickte kaum merkbar zuversichtlich mit dem Kopf. Ja, ganz bestimmt würde sie ihren Mann nachher wieder sehen und ihn in die Arme schließen können. Und dann würden sie über die Aussagen des Arztes gemeinsam lachen können. Anna verschwendete keinen einzigen Gedanken daran, dass Jonas nicht mehr am Leben sein könnte und sie ihn vielleicht nie wieder sehen würde. Das war doch völlig absurd. Ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken und sie zog den Reißverschluss ihrer Jacke bis zum Hals hoch. Nach etwa einer viertel Stunde erreichte sie das von ihr angestrebte Ziel und betrat mit zitternden Händen das kleine, schnuckelige Holzhaus. Sie warf einen Blick in jedes Zimmer, packte eilig ihre Sachen zusammen und lud sie ins Auto. Dann ließ sie ihren Blick noch einmal über das Meer hinaus gleiten und vor ihrem inneren Auge tauchten die Erinnerungen vom gestrigen Tag wieder auf. Sie sah Jonas und sich Hand in Hand am Sandstrand entlang laufen wie sie sich verliebt anlächelten und zärtliche Küsse miteinander austauschten. Dann tauchten ruckartig Erinnerungen an das Unwetter auf von dem sie so plötzlich überrascht wurden. Sie sah Jonas wie er gegen den Felsen knallte und der Gedanke an seinen schmerzverzerrten Schrei ließ ihren Körper zusammen zucken. Dann trieb er aufs offene Meer hinaus und war verschwunden. Anna schüttelte sich und die Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie drehte sich um, stieg ins Auto und ließ den Motor an. Mit quietschenden Reifen verließ sie den Ort um alles hinter sich zu lassen ohne noch einmal einen Blick in den Rückspiegel zu werfen.

Zur etwa gleichen Zeit in Berlin lagen Paloma und Enrique aneinander gekuschelt im Bett. Enrique lag auf dem Rücken und Paloma auf der Seite mit dem Kopf auf seiner Brust. Er hatte einen Arm um sie gelegt und hielt sie behütet fest. Als er langsam seine Augen öffnete blinzelten ein paar Sonnenstrahlen durchs Fenster und sein Blick fiel auf die noch schlafende Paloma. Ein kleines Lächeln huschte über seine Lippen. Sie sah so friedlich aus wenn sie schlief. Sanft strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und gab ihr einen sanften Kuss auf die Nasenspitze. Paloma murmelte irgendetwas verschlafen vor sich hin und blickte ihn dann mit müden Augen an. „Guten Morgen, meine Schönheit.“ Paloma räkelte sich kurz und blickte in das lächelnde Gesicht ihres Freundes. „Mhm, guten Morgen. Du bist ja schon wach.“ Enrique streichelte ihr liebevoll über die Wange. „Hast Du gut geschlafen?“ Paloma lächelte und streichelte ihm sanft über den nackten Oberkörper. „Oh ja, ich habe geschlafen wie ein Stein.“ Enrique musste kurz lachen. Dann näherten sich seine Lippen langsam den ihren. Die beiden schlossen ihre Augen und bereits im nächsten Moment trafen sich ihre warmen Lippen zu einem langen Kuss voller Liebe und Zärtlichkeit. Palomas Hände glitten langsam weiter runter über seinen Bauch bis sie schließlich in seiner Shorts verschwanden und sie seine Erregung zwischen ihren Händen spürte. Enrique stöhnte leise auf. „Hm, da ist ja auch schon jemand wach der mir guten Morgen sagen möchte.“ Enriques Hände wanderten eilig unter ihr Shirt bis hin zu ihren Brüsten die er sogleich sanft streichelte. „Ich glaube, er möchte mehr als Dir nur einen guten Morgen zu wünschen.“ Die beiden lachten kurz auf bevor ihre warmen Lippen erneut miteinander verschmolzen. Enrique zog ihr mit flinken Händen das Shirt über den Kopf und warf es zu Boden. Dann entkleidete er sich auch seiner Shorts und beugte sich lächelnd über Paloma. Er spürte ihre warme Haut ganz nah an seiner und er spürte wie sich die Erregung in seinem ganzen Körper ausbreitete. Paloma zog ihn ganz nah zu sich runter und küsste ihn leidenschaftlich. Dann ließ sie ihre Zungenspitze ganz sanft über seine leicht geöffneten Lippen gleiten. Enrique tat es ihr gleich und schließlich berührten sich ihre Zungen zärtlich. Paloma flüsterte voller sehnsüchtiger Erwartung leise in sein Ohr. „Bitte lass‘ mich nicht länger warten, mein Schatz.“ Das ließ Enrique sich nicht zweimal sagen und drang vorsichtig in sie ein. Unter leisem Stöhnen gaben sich beide vollkommen ihren Gefühlen hin und kamen schließlich gleichzeitig nach kurzer Zeit zum gemeinsamen Höhepunkt.
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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:35

Kapitel 8

Am Nachmittag spazierten Enrique und Paloma Hand in Hand durch den Park und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen auf ihren Gesichtern. Das tat ihnen richtig gut und gab einen kleinen Vorgeschmack auf den nahenden Frühling. Die gebürtige Spanierin konnte es kaum erwarten bis der Sommer endlich wieder vor der Tür stand. Diese trübe, regnerische Wetter schlug ihr so manches Mal regelrecht aufs Gemüt und hin und wieder sehnte sie sich in diesen Momenten nach ihrer warmen Heimat. So langsam wurde alles wieder grün und die Natur erwachte zu neuem Leben. Sie liebte diese naturbelassenen Ecken im Herzen von Berlin und nutzte die freien Minuten um hier einfach mal ihre Seele baumeln zu lassen und die Gedanken auf Reisen zu schicken. Ja, es war wirklich schön hier. Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen. Sie spürte Enriques warme Hand wie sie die ihre sanft umfasste. Es war ein schönes Gefühl und sie möchte mit nichts und niemanden tauschen und jeden einzelnen Moment mit ihm ganz tief in sich aufsaugen. Ihr wurde schon oft bewusst was für ein Glück sie doch hatte und sie war unendlich froh, dass sie nach dem ganzen Hin und Her letztendlich doch zueinander gefunden hatten. Sie ließ ihren Blick nach oben schweifen und sah ein paar Vögel wie sie von Ast zu Ast hüpften und fröhlich zwitscherten. Neben ihnen blühten schon vereinzelt ein paar Frühlingsblumen auf dem saftig grünen Rasen. Ein paar Meter von ihnen entfernt gab es einen großen Teich der wunderschön angelegt war. Sie steuerten die Bank an und nahmen nebeneinander Platz. Paloma hatte etwas Brot mitgenommen, dass sie lächelnd den Enten hinwarf die in freudiger Erwartung vor ihren Füßen herum liefen. Enrique beobachtete seine Freundin von der Seite mit einem Lächeln im Gesicht. Wieder einmal fiel ihm auf, wie hübsch sie doch war mit ihren langen, braunen Haaren die ihr offen über die Schultern fielen und im Sonnenlicht glänzten. Er legte einen Arm um sie und rückte ganz nah an sie ran. Dann lehnte er sich zurück, streckte die Beine weit aus und legte den Kopf in den Nacken. Er schloss die Augen und war einfach rundum glücklich und zufrieden. Nachdem Paloma das restliche Brot an die Enten verfüttert hatte wühlte sie in der Handtasche nach ihrem Handy. Sie fischte es heraus und blickte erwartungsvoll auf das Display. Enttäuscht und gleichzeitig besorgt stieß sie einen leisen Seufzer aus. Enrique blinzelte kurz zu ihr rüber."Immer noch keine Nachricht von Anna?" Paloma schüttelte nervös mit dem Kopf. "Sie wird sich schon melden. Vielleicht wollen die zwei einfach noch ein bisschen Zeit für sich haben bevor am Montag der ganze Stress wieder losgeht." Paloma ließ ihr Handy zurück in die Tasche gleiten und lehnte sich bei Enrique an. "Vermutlich hast Du Recht." "Ganz bestimmt sogar."

Inzwischen war Anna wieder daheim angekommen. Als sich der Fahrstuhl zum Penthouse öffnete, ließ sie ihre Sachen auf die Couch fallen und schaute aufgeregt in jedes Zimmer. "Jonas, bist Du hier?" Mit jedem leeren Raum wurde ihre Enttäuschung größer. "Jonas?" So sehr sie auch nach ihm rief und ihn suchte, sie bekam keine Antwort. Traurig musste sie einsehen, dass er nicht hier war. Sie ließ sich auf die Couch sinken und blickte gedankenverloren an die Decke. Da sie den Gedanken völlig aus ihrem Kopf gestrichen hatte, dass Jonas vielleicht nie wieder zurückkommen würde, redete sie sich auch weiterhin ein, dass er schon bald wieder kommen würde. Sie kramte ihr Handy aus der Tasche in der Hoffnung, dass er sich inzwischen bei ihr gemeldet hat. Erst jetzt bemerkte sie, dass es aus gegangen war. Schon fast panikartig und mit zitternden Fingern schaltete sie es wieder ein und wartete ungeduldig darauf, dass es wieder einsatzbereit war. "Nun mach' schon." Nach ein paar Sekunden, die Anna endlos vorkamen, konnte sie endlich wieder auf das Menü zugreifen. Als es plötzlich piepste, ließ Anna es vor Schreck beinahe aus der Hand fallen. Mit klopfendem Herzen öffnete sie langsam die ankommende Kurznachricht. Sie stieß einen lauten Seufzer aus. Sie war von Paloma. "Süße, ist alles in Ordnung bei Euch? Melde Dich doch mal bitte wenn Ihr wieder zurück seid. Paloma." Kurz darauf piepste es erneut. Sie hatte eine Mailbox-Nachricht erhalten. Annas Herz klopfte nun wie verrückt und ihre Finger zitterten so sehr, dass sie es kaum fertig bekam die Nachricht abzuhören. Sie hielt den Atem an und lauschte der hinterlassenen Nachricht. Dann atmete sie laut hörbar wieder aus. Es war Paloma die sich große Sorgen zu machen schien. Anna wartete noch einen Moment lang und starrte mit großen Augen auf ihr Handy in der Hoffnung, dass es gleich erneut einen Laut von sich geben würde. Doch es passierte nichts. Es blieb still. In Anna breitete sich erneut die Unruhe aus die sich aber geschickt wieder ganz schnell beiseite schob. Sie öffnete die erneut Palomas Nachricht und schrieb ihr zurück damit sie sich keine Sorgen mehr machen musste. "Hi Palomi. Sorry, habe Deine SMS gerade erst gelesen. Bin jetzt wieder daheim und total groggy. Wir sehen uns am Montag bei der Arbeit. Mir geht's gut, mach' Dir keine Sorgen. Macht Euch noch ein schönes Wochenende und liebe Grüße an Enrique. Anna." Nachdem sie auf Senden gedrückt hatte, legte sie das Handy wieder beiseite und ging ins Badezimmer um ein heisses Bad zu nehmen. Anschließend schlüpfte sie in bequeme Kleidung, machte sich eine Kleinigkeit zu Essen und schaute noch einen Film bevor sie erschöpft einschlief.
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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:35

Kapitel 9

Am Montag morgen war Anna spät dran. Sie hatte eine unruhige Nacht hinter sich geplagt von fiesen Träumen die sie immer wieder schweißgebadet aufschrecken ließen. Irgendwie stand sie völlig neben sich und blockte alle Gedanken die mit Jonas in Verbindung standen völlig von sich ab. Sie war ganz froh, dass die Arbeit nun wieder los ging und sie etwas Ablenkung fand in die sie sich mit Feuereifer stürzen konnte. Auf dem Weg in die Firma holte sie sich schnell einen Kaffee und trank ihn während sie schnellen Schrittes durch die Fußgängerzone eilte. Außer Atem stolperte sie zum Fahrstuhl damit sie nicht zu spät kam. Gerade noch rechtzeitig erreichte sie ihn bevor sich die Tür hinter ihr schloss. Sie atmete mehrmals tief ein und aus und blickte dann erschrocken in die Gesichter ihrer Freunde. Enrique zog die Augenbrauen hoch und konnte sie eine kleine Neckerei nicht verkneifen während er sie aufmerksam musterte. "Guten Morgen, liebe Kollegin. Da sind wir aber spät dran heute Morgen. Das war wohl eine lange Nacht." Paloma musste grinsen und kniff Enrique zärtlich in den Oberarm. "Nun lass' sie doch erst mal zu Luft kommen." Dann wandte sie sich an ihre Freundin und umarmte sie stürmisch. "Guten Morgen, meine Süße. Komm' her und lass' Dich mal drücken." Anna fühlte sich überrumpelt von den beiden und hatte eigentlich gar keine Lust auf ein Gespräch. Aber vor allen Dingen fürchtete sie sich vor den Fragen nach Jonas die sicherlich jeden Moment kommen würde. Sie wollte ihnen unbedingt aus dem Weg gehen. Sie erwiderte Palomas Umarmung kurz, bevor sie sich wieder von ihr löste. "Morgen, Ihr zwei." Paloma musterte Anna aufmerksam. Sie sah blass aus und hatte dunkle Augenränder. Ihre blonden Haare hatte sie locker zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden. "Wie geht's Dir? Ist alles in Ordnung, Anna?" Anna blickte nervös auf die Fahrstuhlanzeige in der Hoffnung, dass sie endlich in der angestrebten Etage ankommen würden und sie den Fragen aus dem Weg gehen konnte. Dann warf sie einen flüchtigen Blick in die Richtung ihrer Freunde bevor sie eilig mit dem Kopf nickte und ein überhebliches Lächeln aufsetzte. "Ja, klar, alles bestens." Paloma betrachtete Anna nachdenklich und hatte ein ganz merkwürdiges Gefühl. "Du gefällst mir ehrlich gesagt gar nicht. Da muss ich wohl mal ein ernstes Wörtchen mit Jonas sprechen damit er besser auf Dich aufpasst." Anna starrte sie mit großen Augen an und musste schlucken. Da waren sie schon. Die unausweichlichen Fragen nach Jonas. "Wo ist denn Jonas eigentlich?" Anna wusste nicht was sie sagen sollte. Sie stand regelrecht unter Schock. Dann ertönte endlich das lang ersehnte Geräusch der sich öffnenden Tür und Anna stürmte regelrecht hinaus und holte tief Luft. "Sorry, ich hab' viel zu tun. Bis dann." Dann eilte sie auch schon davon. Paloma und Enrique blickten sich verwirrt und gleichzeitig sorgenvoll in die Augen. So völlig durch den Wind kannten sie Anna gar nicht. Irgendetwas stimmt hier nicht. Was war passiert auf Osteroog? Und wo war Jonas überhaupt?

Paloma beschloss, spätestens in der Mittagspause mit Anna ein Gespräch unter vier Augen zu führen. Irgendetwas bedrückte ihre Freundin. Das spürte sie einfach. Doch weiter kam sie mit ihren Gedanken nicht. Sie wurde jäh von Tom Lanford aus den Gedanken gerissen. Er war hier der Chef des großen Modeimperiums und er duldete keine Fehler von seinen Mitarbeitern. Paloma und Enrique waren zwar mit ihm befreundet, dennoch waren sie hier nur seine Angestellten und so wurden sie auch behandelt. Er konnte manchmal wirklich sehr streng sein, aber dennoch war er stets gerecht und loyal. Schließlich trug er eine große Verantwortung auf seinen Schultern und er verlangte, dass die Aufgaben von jedem Mitarbeiter stets gewissenhaft, zügig und professionell ausgeführt wurden. "Guten Morgen, Paloma. Enrique." Er begrüßte sie mit einem kurzen Nicken. Die zwei antworteten wie aus einem Mund. "Guten Morgen, Tom." Mit einer Handbewegung deutete Tom auf ihre Schreibtische. Er wirkte angespannt und nervös. "Hopp Hopp, an die Arbeit jetzt. Wir haben viel zu tun und einen extrem knappen Zeitplan. Tratschen könnt Ihr später." Enrique seufzte kaum hörbar. Er kannte seinen Freund lange genug um zu wissen, dass er in dieser Situation keine Widerrede duldete. Trotzdem nutzte Enrique die Gelegenheit für einen kleinen Spaß und salutierte vor Tom wie ein Soldat. "Zu Befehl, Boss." Paloma funkelte ihn böse von der Seite an. Sie wusste, dass Tom gerade nicht zu Späßen aufgelegt war. "Ha ha, wie witzig. Herr Vegaz scheint heute wieder sehr zu Späßen aufgelegt zu sein. Aber das Lachen wird Dir schon noch vergehen wenn Du die Arbeit auf Deinem Schreibtisch siehst." Tom warf seinem Freund einen ermahnenden Blick zu und fügte noch etwas mit einem scharfen Tonfall hinzu. "Und die erledigt sich nicht von selbst!" Paloma war die Situation unangenehm und manchmal könnte sie Enrique echt ohrfeigen für seinen spitzen Bemerkungen."'T‘schuldigung, Tom. Wir werden uns gleich an die Arbeit machen. Wir hatten uns kurz mit Anna unterhalten und machen uns Sorgen um sie." Nun wurde es Tom aber langsam zu bunt. "Euer Gespräch könnt Ihr in der Pause oder nach Dienstschluss fortsetzen. Jetzt wird gearbeitet. Der Kunde wartet nicht." Paloma nickte kurz und sie und Enrique trotteten widerwillig zu ihren Schreibtischen um Tom nicht noch mehr zu verärgern. Dann rief Tom ihnen noch etwas hinterher. "Apropos Frau Broda. Wo steckt sie überhaupt? Ich brauche sie dringend für die neue Kollektion." Paloma drehte sich noch einmal zu ihm um. "Sie ist, glaube ich, direkt zu ihrem Schreibtisch gegangen." Tom bedankte sich mit einem Kopfnicken und machte sich auf den Weg zu Anna.
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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:35

Kapitel 10

Anna war gerade dabei sich einen groben Überblick zu verschaffen von den sich bereits stapelnden Unterlagen auf ihrem Schreibtisch. Unglaublich wie viel sich hier aufgestaut hat, nur weil sie mal eine Woche nicht da war. Sie überflog die Unterlagen schnell und sortierte sie sich nach Wichtigkeit in verschiedene Stapel. Sie wusste nicht so recht womit sie jetzt anfangen sollte denn anscheinend schien hier fast alles ziemlich wichtig und dringend zu sein. Sie seufzte tief und ließ ihren Blick durch den großen Raum schweifen. Alle Mitarbeiter schienen schwer beschäftigt zu sein. Sie arbeiteten konzentriert an Kostümentwürfen, studierten aufmerksam ihre Unterlagen auf den Schreibtischen oder liefen schnellen Schrittes mit Stoffmustern durchs Atelier. Anna wurde mit einem Mal bewusst, dass sie hier letzte Woche normalerweise dringend gebraucht wurde und bekam ein schlechtes Gewissen, dass sie in Urlaub gefahren war. Dann fiel ihr Blick auf Paloma und Enrique. Sie schienen sehr im Stress zu sein, denn sie diskutierten wild miteinander während sie aufgeregt mit den Händen gestikulierten. Anna schüttelte kaum merkbar mit dem Kopf und wollte sich gerade wieder ihren Aufgaben widmen als ihr Blick an Jonas' Schreibtisch hängen blieb. Wo er nur blieb? Es war überhaupt nicht seine Art unentschuldigt zu spät zu kommen. Anna hatte die Gedanken an das schreckliche Unglück völlig aus ihrem Kopf verdrängt und stand regelrecht unter Schock. Für sie war absolut klar, dass Jonas bald wieder auftauchen würde und er durch eine wichtige Sache verhindert war. Sie zog ihr Handy aus der Hosentasche und musste enttäuscht feststellen, dass er sich immer noch nicht bei ihr gemeldet hat. Anna ließ das Handy auf den Schreibtisch sinken und setzte sich auf den Drehstuhl um endlich mit ihrer Arbeit zu beginnen. Schließlich wurde sie hier nicht dafür bezahlt ihre Zeit mit Warten zu verbringen. Tom erwartete hier vollen Einsatz von ihr. Ganz egal, ob sie mal nicht so gut drauf oder irgendwelche Sorgen hatte. Da tat hier einfach nichts zur Sache. Sie räusperte sich kurz und begann damit ihre sortierten Stapel abzuarbeiten. Als sie gerade vertieft war in einen Entwurf, spürte sie plötzlich wie jemand von hinten auf sie zuging. Sie hielt einen Moment lang inne und ein Lächeln huschte über ihre Lippen. Aufgeregt drehte sie sich um während sie freudig seinen Namen rief. "Jonas!"

Doch es war nicht Jonas der ihr verdutzt in die Augen blickte und dann verständnislos mit dem Kopf schüttelte. Anna blieb' für ein paar Sekunden der Mund offen stehen. Dann war es ihr sichtlich peinlich und sie blickte verlegen nach unten. "Frau Broda, Sie hatten letzte Woche doch wohl genug Gelegenheiten Zeit mit Ihrem Mann zu verbringen. Ich erwarte, dass Sie sich hier voll und ganz auf Ihre Aufgaben konzentrieren. Und zwar ausschließlich. Haben wir uns da verstanden?" Anna nickte kaum merklich. "Natürlich, Herr Lanford. Ich dachte nur, Sie wären Jonas." Dann drehte sie sich wieder um und widmete sich wieder ihrem Entwurf. Tom trat vor ihren Schreibtisch und betrachtete sie eindringlich. "Nun ja, ganz offensichtlich bin ich nicht besagte Person." Anna murmelte leise vor sich hin. "Leider. Naja, egal. Schon gut." Tom verlor allmählich die Geduld. Was war denn hier heute Morgen nur los? Waren denn alle verrückt geworden? Erst Paloma und Enrique und jetzt auch noch Anna. Seine besten Mitarbeiter schienen allesamt nicht so ganz bei der Sache zu sein. Und diese Tatsache machte Tom wütend. Er musste sich auf seine Leute verlassen können, sonst funktioniert so ein großes Unternehmen wie Lanford einfach nicht. "Frau Broda, das will ich mal überhört haben. Was machen Sie da eigentlich gerade?" Anna hob ihren Kopf und für einen winzigen Moment lang trafen sich ihre Blicke. Tom sah eine unglaubliche Leere in Annas Augen. Er musste kurz schlucken bevor er die Gedanken sofort wieder abschüttelte. Das war nicht sein Problem. "Ich habe mir gerade einen Überblick verschafft und beginne nun alles nacheinander zu bearbeiten." Tom betrachtete Annas Zeichnung. "Soll das für die neue Kollektion sein?" Anna schüttelte den Kopf. "Nein." Sofort unterbrach Tom sie wieder mit barscher Stimme. "Dann legen Sie das jetzt bitte zur Seite und kümmern sich endlich um die neuen Entwürfe." Anna verdrehte genervt die Augen. Nun wurde Toms Stimme allmählich laut. "Das habe ich genau gesehen. So etwas möchte ich nicht noch einmal sehen. Sonst können Sie gleich Ihre Sachen zusammen packen und gehen. Ist das klar?" Das konnte doch alles nicht wahr sein. Was hatte Tom nur wieder für eine Laune. Anna musste schlucken und räusperte sich dann. "Tut mir leid. Ich werde mich sofort um die neuen Entwürfe kümmern." "Sobald Sie damit fertig sind, legen Sie mir die ersten Skizzen bitte unverzüglich vor. Ich bin in meinem Büro." Mit den Worten drehte er sich und setzte zum Gehen an. "Ist gut, ich komme später zu Ihnen." Dann machte er auf dem Absatz kehrt und blickte Anna geradewegs in die Augen. Anna lief ein kalter Schauer den Rücken runter. "Wo ist eigentlich Ihr Mann? Ich müsste ihn dringend mal sprechen."
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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:36

Kapitel 11

Anna blickte ihn mit großen Augen an und ihr verschlug es für einen Moment lang komplett die Sprache. In ihrem Kopf ratterten die Gedanken wie wild und sie suchte verlegen nach den passenden Worten. Sie spürte wie ihr die Hitze in den Kopf stieg und ihr Gesicht rot anlief. Irgendwie fühlte sie sich ertappt und Angst kroch in ihr hoch. Was sollte sie Tom sagen? Dass sie nicht genau wusste wo Jonas gerade war? Dass er sich noch nicht bei ihr gemeldet hatte und sie selbst auf eine Nachricht von ihm wartete? Sie hatte keine Ahnung. Ihr Kopf war gerade völlig leer. Tom stemmte die Hände in die Hüften und schien ungeduldig auf eine Antwort zu warten. Anna war völlig in Gedanken und hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Beschämt wandte sie den Blick von ihm ab und schaute zu Boden. Immer noch fieberhaft nach einer zufrieden stellenden Antwort suchend. "Frau Broda, haben Sie verstanden was ich gesagt habe?" Anna reagierte nicht. Sie nahm ihn gar nicht richtig war. Toms Stirn legte sich in Falten und seine Gesichtszüge verkrampften sich während seine Mundwinkel nach unten fielen. Er räusperte sich laut und erhob seine Stimme. "Hören Sie mir überhaupt zu? Ich habe Sie gefragt, wo Ihr Mann ist!" Anna zuckte erschrocken zusammen und wurde wieder zurück in die Realität geholt. Sie musste mehrmals schlucken und wagte es nicht auf zu sehen. Inzwischen hatte Toms laute Stimme auch die Aufmerksamkeit von Paloma und Enrique geweckt. Sie warfen sich irritierte Blicke zu und bemerkten Annas verwirrten Zustand. Paloma machte sich große Sorgen um ihre Freundin und hätte sie jetzt einfach gerne in den Arm genommen und mit ihr in Ruhe geredet. Anna wusste, dass Tom auf eine Antwort wartete und sie stammelte kaum hörbar ein paar Worte vor sich hin. "Ich... ich weiß nicht... Jonas... Er ist... ." Dann spürte sie einen dicken Kloß in ihrem Hals der ihr beinahe die Luft zum Atmen nahm. Tom lief rot an vor Wut und schrie sie ungehalten an während er sich mit den Händen auf ihrem Schreibtisch abstützte. "Was ist hier eigentlich los? Sind hier alle verrückt geworden übers Wochenende? Ist es zu viel verlangt auf meine Frage eine Antwort zu erwarten? Was soll ich denn mit diesem Gestammel anfangen? Ich erwarte von allen hier professionelle Arbeit. Und das was sie hier von sich geben hat mit Professionalität herzlich wenig zu tun. Wenn hier irgendetwas nicht läuft oder die Aufträge nicht rechtzeitig fertig werden halte ich meinen Kopf dafür hin. Also reißen Sie sich jetzt endlich mal zusammen und geben mir eine vernünftige Antwort auf meine Frage. Wo ist Ihr Mann, verdammt nochmal?"

Anna spürte die Tränen in sich aufsteigen und versuchte sie mit allen Mitteln herunter zu schlucken. Das würde ihr jetzt auch noch fehlen ausgerechnet vor Tom und der versammelten Belegschaft in Tränen auszubrechen. Nein, diese Blöße dufte sie sich auf keinen Fall geben. Inzwischen waren Paloma und Enrique zu ihnen herüber geeilt. Ihnen passte Toms Tonfall ganz und gar nicht und ihrer Meinung nach ging er damit etwas zu weit. Enrique trat neben Tom und legte eine Hand auf seine Schulter. "Hey, Tom, beruhig' Dich mal wieder. Das lässt sich doch auch alles im ruhigen Ton klären. Vielleicht in Deinem Büro? Es muss ja nicht die ganze Firma mitbekommen." Tom funkelte seinen Freund böse von der Seite an und wischte Enriques Hand von seiner Schulter. "Was mischt Du Dich hier jetzt eigentlich ein? Bist Du der persönliche Bodyguard von Frau Broda oder wie?" Nun wurde auch Enrique etwas energischer. "Tom, nun komm' mal wieder runter und atme mal tief durch. Dann sieht die Welt gleich schon wieder anders aus." Paloma trat inzwischen neben Anna und legte schützend einen Arm um sie. "Alles okay bei Dir? Nimm' Dir das nicht so zu Herzen. Du kennst Tom. Er beruhigt sich auch wieder." Tom fuhr Enrique mit lauter Stimme an. "Enrique, ich kann es einfach nicht dulden wie schlampig hier heute gearbeitet wird. Jeder weiß, wie wichtig dieser neue Auftrag für Lanford ist und wie knapp der Zeitplan bemessen ist. Da ist kein Platz für so etwas. Jeder einzelne muss alles geben und sein Herzblut in die Arbeit stecken. Wenn jemand dazu nicht bereit ist, hat er hier nun mal nichts verloren." Nun mischte sich auch Paloma ein die es einfach unmöglich fand wie Tom hier mit ihnen sprach. "Tom, siehst Du nicht, dass es Anna nicht gut geht?" Tom wurde wieder aufbrausend. "Paloma, auch für Dich noch mal zum Mitschreiben. Ich kann auf so etwas im Moment keine Rücksicht nehmen. Wenn sie krank ist, soll sie zum Arzt gehen und mir ein Attest vorlegen und sich schnellstens wieder auskurieren. Aber eigentlich kann ich nicht schon wieder auf eine Arbeitskraft verzichten. Und deshalb würde es mir sehr entgegen kommen wenn sich Frau Broda endlich mal zusammen reißen würde und das tut wofür ich sie schließlich bezahle. Verdammt nochmal, das kann doch nicht zu viel verlangt sein." Paloma und Anna zuckten zusammen bei dieser Anfuhr. Anna hatte ein schlechtes Gewissen, dass ihre Freundin nun auch noch Toms Zorn zu spüren bekam. Das hatte sie nicht gewollt. Sie stand auf und blickte Tom in die Augen. "Bitte lassen Sie Paloma und Enrique da raus. Sie können nichts dafür." Dann warf sie den beiden dankbar einen kurzen Blick zu. "Danke, es ist lieb von Euch, dass Ihr Euch so für mich einsetzt." Tom hakte erneut bei Anna nach. "Können Sie mir jetzt bitte sagen wo Ihr Mann ist? Ich muss ganz dringend mit ihm sprechen wegen unserem neuen Auftrag. Es ist wirklich wichtig." Anna Stimme bebte und ihre Hände zitterten leicht. "Jonas ist... ." Weiter kam sie nicht. Denn sie wurde von Tom unterbrochen der gerade zum Aufzug blickte. "Was wollen die denn hier?"
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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Fr Sep 28 2012, 00:36

Kapitel 12

Wie auf Kommando drehten sich auch Anna, Paloma und Enrique in Richtung Aufzug und sahen die zwei uniformierten Polizeibeamten wie sie sich suchend nach allen Seiten umschauten. Anna fuhr der Schreck durch alle Glieder und sie blieb bewegungslos stehen. In ihr drin spielte alles förmlich verrückt und ihre Gedanken fuhren Achterbahn. Alles schien sich regelrecht zu überschlagen. Sie hatte das Gefühl, ihr wäre heiß und kalt zugleich. Es kribbelte in ihrem ganzen Körper und sie wurde noch blasser als sie ohnehin schon war. Irgendwie spürte sie insgeheim, dass die Polizisten zu ihr wollten und ihr Auftauchen etwas mit Jonas zu tun haben musste. Geplagt von einer ganz schlimmen Vorahnung wollte sie überhaupt nicht hören was sie ihr zu sagen hatten. Und sie wollte auch keinesfalls, dass Paloma, Enrique und Tom etwas von Jonas' Verschwinden mitbekamen. Sie würden sich nur unnötig Sorgen um sie machen. Und außerdem würde er ganz bald wieder auftauchen und der ganze Trubel war umsonst. Sie müsste nur noch ein wenig Geduld haben und auf ihn warten. Dann holte Toms genervte Stimme sie in die Wirklichkeit zurück. "Wer hat hier jetzt schon wieder etwas angestellt? Die Polizei können wir hier gar nicht gebrauchen. Ich werde mal zu ihnen rüber gehen und die Sache regeln. Und Sie gehen bitte endlich alle wieder zurück an die Arbeit." Mit diesen Worten ging Tom schnellen Schrittes auf die uniformierten Männer zu und reichte ihnen zur Begrüßung freundlich die Hand. "Guten Morgen, die Herren. Tom Lanford mein Name. Wie kann ich Ihnen helfen?" Die Polizeibeamten schüttelten Tom die Hand. "Guten Morgen, Herr Lanford. Wir sind auf der Suche nach Anna Broda. Man sagte uns, sie würde hier arbeiten. Ist sie da?" Tom überkam ein ungutes Gefühl. Was hatte das alles zu bedeuten? Was warteten denn heute noch alles für unangenehme Überraschungen auf ihn wenn der Tag schon so anfing? Und was hatte Frau Broda angestellt, wenn die Polizei nach ihr suchte. Ihm schwante nichts Gutes. "Ja, das ist richtig. Anna Broda arbeitet bei mir. Sie ist gleich dort drüben. Ist irgendetwas passiert?" Er zeigte mit dem Finger in Annas Richtung. Anna wusste sofort, dass die Beamten zu ihr wollten und sie atmete tief ein und aus. Paloma und Enrique waren sichtlich verwirrt und hatten keine Ahnung was das alles zu bedeuten hatte. "Anna, was ist hier eigentlich los?" Anna zuckte gedankenverloren mit den Schultern. "Vermutlich ein Irrtum." Doch Paloma glaubte ihr kein Wort. Sie spürte, dass der Besuch der Polizisten eine schlimme Nachricht mit sich brachte. Und irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass es etwas mit Jonas zu tun hatte. Anna war schon den ganzen Morgen so seltsam und stand völlig neben sich. Das war absolut nicht normal. "Können wir uns hier irgendwo ungestört mit Frau Broda unterhalten? Es ist wirklich sehr wichtig." Tom führte die beiden in sein Büro und winkte Anna zu sich. "Frau Broda, kommen Sie bitte mal eben in mein Büro. Danke."

Anna setzte sich langsamen Schrittes in Bewegung. Ihr fiel es sichtlich schwer einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ihre Beine fühlten sich schwer wie Blei an. Ihre Füße schmerzten. Ihr Herz klopfte wie verrückt als würde es beinahe in ihrer Brust zerspringen. Paloma zog Enrique an der Hand hinter sich her und folgte Anna. "Süße, was will die Polizei von Dir?" Sie antwortete ihr nicht. Ihr Blick war zu Boden gerichtet und sie bewegte sich wie in Trance. Als sie nach endlosen Sekunden endlich Toms Büro erreichte, blieb' sie kurz vor ihm stehen und blickte ihm tief in die Augen. Tom spürte einen kurzen Stich mitten ins Herz. Annas Blick strahlte die pure Hilflosigkeit, Panik und Verzweiflung aus. Als würde sie bereits eine Vorahnung haben was die Polizisten ihr zu sagen hatten. Und das war mit Sicherheit nichts Positives. Dann wandte Anna ihren Blick wieder von ihm ab und trat ein. Die zwei Männer hatten ihre Mützen abgenommen und kamen mit ernster Miene auf Anna zu. "Sind Sie Frau Broda?" Anna nickte zustimmend. Dann bemerkten sie Paloma und Enrique. "Tut mir leid, aber bitte warten Sie draußen." Anna warf hastig einen Blick zu Paloma. "Nein, schon okay. Sie können hier bleiben." Nachdem die Männer einen kurzen Blick ausgetauscht haben, nickten sie ihr zu. "In Ordnung, wie Sie möchten." Tom schloss die Tür hinter ihnen und blieb neben Paloma und Enrique stehen. Sie beobachteten mit gemischten Gefühlen die angespannte Situation. "Bitte setzen Sie sich doch, Frau Broda." Anna stand mit verschränkten Armen vor den beiden. "Nein, danke, ich stehe lieber." Einer der Polizisten erklärte Anna mit ruhiger Stimme den Grund ihres Besuches. "Leider müssen wir Ihnen eine traurige Mitteilung überbringen." In Anna zog sich alles zusammen und verkrampfte sich regelrecht. "Ich habe nicht viel Zeit. Was möchten Sie mir sagen?" Paloma blickte besorgt zu ihrer Freundin rüber. "Es geht um ihren Mann, Jonas Broda. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass die Suche nach ihm eingestellt wurde. Taucher haben lediglich sein Handy auf dem Grund des Meeres gefunden." Der Polizist machte eine kurze Pause. Annas Freunden stand der Schreck ins Gesicht geschrieben. Was hatte das alles zu bedeuten? Wieso Suche eingestellt? Handy gefunden? Selbst jetzt verdrängte Anna eiskalt sämtliche Gefühle in sich und blockte ab. "Danke für die Mitteilung. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte. Ich habe viel zu tun." "Frau Broda, haben Sie verstanden was wir Ihnen gesagt haben? Wir konnten ihren Mann nicht finden. Die Suche war auf Grund der starken Strömung leider erfolglos. Wir müssen leider davon ausgehen, dass Ihr Mann es nicht überlebt hat. Es tut uns wirklich sehr leid." Annas Freunde standen sekundenlang wie gelähmt da und starrten die Beamten mit großen Augen an.
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katha

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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Sa Sep 29 2012, 21:43

Hey Flyingrose,
so, die zweite FF habe ich mal ausgelassen, aber hier hake ich wieder ein. Wink Ich fand den Anfang schon damals im AudL-Forum sehr gelungen, und da es hier Anlass zu Hoffen gibt, dass es sich hier irgendwie um Anna und Tom dreht bin ich natürlich Feuer und Flamme.
Also, ich würde mich sehr freuen, wenn du hier weiter schreibst. Smile
LG, Katha

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Entscheidung des Herzens   Mo Okt 01 2012, 22:46

Hallo, liebe Flyingrose,

willkommen hier im Forum. Ich kenne diese Story ja bereits, und wie Katha schon gesagt hat, hege ich auch die Hoffnung, dass das hier eine Geschichte zwischen Anna und Tom wird. Auf jeden Fall ist der Einstieg spannend und ziemlich emotional geschrieben. Ich brenne darauf, bald eine Fortsetzung lesen zu können. Wink

LG, Mini

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