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 AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)

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katha

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BeitragThema: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Di Okt 23 2012, 20:18

Ich habe hier mal wieder eine kleine Geschichte für euch, die sich wie sollte es anders sein, im Rahmen, bzw. in Anlehnung an die Telenovela "Anna und die Liebe" bewegt.
Menschen, die die dritte Staffel verfolgt haben (Anna und Tom) werden viele Elemente wieder erkennen, die aber doch irgendwie anders zusammen laufen.

Was ist geschehen?

Anna und Tom haben gerade ein sehr schwieriges Verhältnis zueinander. Anna führt bereits seit einiger Zeit eine Beziehung mit Enrique, und Tom... . Tom hat erst vor einigen Tagen endlich vor seiner Selbstleugnung kapituliert und sich eingestanden, dass er in Anna verliebt ist. Und diese Kapitulation hat ihn sogleich in die Verzweiflung geführt, denn schließlich ist Anna mittlerweile mit seinem besten Freund liiert. Er möchte einerseits um sie kämpfen, hat auch immer wieder das Gefühl, dass es Sinn machen könnte, fühlt sich jedoch gleichsam in der Zwickmühle, weil er seinem Freund Enrique nicht in den Rücken fallen will. Denn Tom weiß, dass Anna diesem sehr viel bedeutet.
Schließlich ringt er sich durch, den Rat seines Vaters zu befolgen, und will ihr seine Liebe gestehen. Aber Anna verhindert, dass er die bedeutenden Worte ausspricht und macht ihm klar, dass seine Erkenntnis zu spät kommt und dass sie mit Enrique zusammen ist und auch bleiben wird. Tom versucht ihre Wore zu respektieren, weiß er doch, dass er selbst die Schuld daran trägt, dass sie sich von ihm abgewand hat. Schließlich war er es, der sie von sich gestoßen hat. Aber wieder ist es sein Vater, der ihn versucht davon zu überzeugen, dass die Offensive das Mittel der Wahl sein muss, da die Sehnsucht, die sich auch nach einem Rückzug nicht abmildern wird, ihn in den Wahnsinn treiben würde.
*************************
Dabei will es als Vorgeschichte mal belassen. Smile

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Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...


Zuletzt von katha am Mo Nov 12 2012, 21:41 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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katha

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BeitragThema: Teil 1   Di Okt 23 2012, 20:34

Anna öffnete langsam die Augen und blinzelte wohlig in das Licht, das freundlich durchs Fenster schien. Sie fühlte sich pudelwohl in den starken Armen, die sie umfingen. Sie hob den Kopf und erblickte das Gesicht ihres Liebsten, der sie liebevoll anlächelte. „Guten Morgen“ sagte er leise und hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen. Ihre Augen verweilten noch einen Augenblick in den seinen, aus denen nichts als die pure Zärtlichkeit erstrahlte, die seine folgenden Worte untermalten. „Ich liebe Dich“ vernahm sie die Worte, die sie aufsog wie ein Schwamm das Wasser. Ein angenehmer Schauer lief ihr über den Rücken und sie legte ihren Kopf wieder ab um mit geschlossenen Augen diesen Moment zu genießen. Sie fühlte sich so sicher, so zufrieden und glücklich, wie man nur sein konnte. Es war der perfekte Moment und sie wollte ihn am liebsten in Dosen konservieren, um immer wieder davon kosten zu können, wenn der Trubel des Alltags sie wieder einmal in ihren Strudel gezogen hatte. Als sie erneut aufblickte, durchzuckte es sie, als habe sie ein Stromschlag bekommen, der ihren kompletten Körper durchzog um an ihren Körpergrenzen nach einer Möglichkeit der Entladung zu suchen.
Was war das denn? Sie legte ihren Kopf schnell wieder ab und versuchte ihre Gedanken zu sortieren. Ihr Kopf lag auf der Brust ihres Freundes Enrique, nur war er es nicht gewesen, der sie gerade so liebevoll begrüßt hatte. Tom war es, der sie scheinbar noch im träumerischen Halbschlaf befindlich, in ihren Bann gezogen hatte. Die Erinnerungen des letzten Abends holten sie wieder ein. Sie hatte mit Tom ein Konzept für eine Fotostrecke entwickeln müssen. Es hatte Spaß gemacht. Auf der Ebene der professionellen Arbeit war endlich die Unsicherheit, die zwischen ihnen waberte, seit Tom versucht hatte Anna seine Liebe zu gestehen, verschwunden. Sie waren ein gutes Team gewesen und hatten entspannt und produktiv zusammen gearbeitet. Und, sie hatten es beide genossen. Erst nachdem sie nach der erfolgreichen Beendigung der Arbeit in einem intensiver Blickwechsel verharrten, hatte sich Anna an seine unausgesprochenen Worte, die er in verschiedensten Facetten von Abwehr bis Schmachten immer wieder durchscheinen ließ, erinnert, und sich schnell verabschiedet. Sie war mit Enrique zusammen, und hatte sich fest vorgenommen, sich nicht mehr von Tom verunsichern zu lassen. Sie hatte lange genug unter ihrem schmerzenden Herz, das er ihr mit seiner Abfuhr damals beschert hatte, gelitten. Aber bevor sie den Aufzug des Ateliers erreicht hatte, war er ihr gefolgt und hatte sie nach einer Entschuldigung für sein Verhalten der letzten Monate einfach geküsst. Und sie? Sie hatte einen Moment gezögert, bis sie nicht anders konnte als sich ihm hinzugeben, sich in diesen Augenblick fallen zu lassen und das kribbelnde Gefühl ihres Körpers zu genießen, was seine Nähe und die Wärme seiner Lippen in ihr heraufbeschworen hatte. Anna spürte auch nun wieder wie ihr die Hitze in den Kopf stieg, bei der bloßen Erinnerung an diesen Moment, den sie viel zu spät abgebrochen hatte.
Schnell löste sie sich vorsichtig aus Enriques Armen und stand auf. Sie fühlte sich so schäbig, so verlogen. Lag in den Armen des einen tollen Mannes und dachte an einen anderen. Nur wenige Minuten später stand sie auf der Straße und lief los, ohne Ziel und ohne konkreten Plan, aber mit dem Wissen einen Entschluss und eine Klärung herbeiführen zu müssen. Sie war mit Enrique zusammen und das war auch gut so.
Als sie schließlich vor dem Hochhaus stand, auf dem sie Tom das erste Mal begegnet war schaute sie verwirrt in die Höhe. Und auch, wenn sie wusste, dass sie Tom und ihren Gefühlen für ihn dort oben viel zu nahe kommen würde, konnte sie der Versuchung nicht wiederstehen hinauf zu fahren. Hier oben kann der Wind mir endlich mal den Kopf frei blasen; versuchte sie ihre unbewußte Ortswahl zu rechtfertigen als sie schließlich das Dach betrat. Sie verließ die von einem Geländer umfasste Terrasse und schritt langsam über den groben Kies, der unter ihren Schuhen knirschte bis sie schlussendlich genau an der Stelle zu Stehen kam, an der sie sich damals hatte in die Tiefe stürzen wollen, und an der Tom ihr mit seinen Worten das Leben gerettet hatte. Und logischerweise waren die Erlebnisse dieser ersten Begegnung mit ihm sofort so präsent in ihrem Kopf als wären sie tags zuvor erst geschehen. Aber Anna zwang sich ihre Gedanken weiterlaufen zu lassen und so ließ sie die letzten Monate Revue passieren. Und schließlich kam sie am heutigen Tag an. Sie schüttelte sich innerlich um die vielen Eindrücke, die sie bei ihren Erinnerungen überfallen hatten, zu vertreiben und wischte sich die vereinzelten Tränen aus dem Gesicht, die sich ihren Weg über ihre Wangen gesucht hatten. Ihre Mimik wurde entschlossen und sie nickte sich mutmachend zu. Es ist die einzig richtige Entscheidung. Enrique ist meine Zukunft. Er ist charmant, klug, gutaussehend, zuverlässig, gibt mir Sicherheit und ist immer für mich da. Ihr fielen viele Adjektive ein um die Vorzüge des Mannes zu loben, den sie seit einiger Zeit an ihrer Seite hatte, dass aber das Einzige was wirklich zählte nicht in ihrer Auflistung vorkam, verdrängte sie gekonnt. Denn keiner ihrer Gedanken erfasste, dass sie Enrique liebte.

Entschlossen verließ sie das Dach und ging forschen Schrittes zu Toms Wohnhaus. Sie würde ein für alle Male für Klarheit sorgen. Er sollte sich gefälligst von ihr fern halten, akzeptieren, dass er zu spät kam und sie sich für Enrique entschieden hatte, der zu allem Überdruss ja auch noch sein bester Freund war. Vor der Wohnungstür wollte sie schon auf den Klingelknopf drücken, als sie nervös ihre Hand noch mal zurückzog. Sie drehte sich im Kreis und blieb dann unruhig auf der Stelle wibbelnd stehen. Sie begann die Worte, die sie ihrem Chef sagen wollte vor sich hin zu murmeln, ehe sie dann doch den Mut aufbrachte zu klingeln. Es dauerte nur einen Moment bis sich die Tür öffnete. Ein überraschtes Gesicht schaute sie an. „Anna?!“ wurde sie mit vorsichtiger Freude begrüßt, und die warme, tiefe Stimme und der kurze Blick in die Augen ihres Gegenübers ließ Anna für einen Moment vergessen warum sie da war. Erst als sie sich von diesem Anblick losgerissen hatte, war sie in der Lage ihre Gedanken wieder auf den Zweck ihres Besuches zu richten. Konzentriert, und bemüht Tom nicht ins Gesicht zu sehen, begann sie ihr Anliegen vorzubringen. „Guten Morgen Tom, ich wollte was klarstellen.“ Sie holte nochmal tief Luft. „Also, ich will …“ da wurde sie von einer Stimme, die aus dem inneren der Wohnung drang, unterbrochen. „Tom? Gibt es schon Kaffee?“ hörte sie die krächzige Stimme ihrer so geliebten Kollegin Carla. Verwirrt schaute sie Tom ins Gesicht, dessen Mimik von zurückhaltender Neugier auf Beschämtheit wechselte, als habe man ein neues Programm gewählt, das eine sofortige Umsetzung bewirkt hatte. Anna blieb jedes weitere Wort in der Kehle stecken. Schlagartig war jede Sicherheit ihre Entscheidung betreffend wieder über den Haufen geworfen. Denn entgegen ihres Entschlusses ohne wenn und aber bei Enrique bleiben zu wollen, überkam sie die Gewissheit, dass sie Tom nach wie vor aus vollem Herzen liebte, wie ein Blitzschlag. Sie sah in seine Augen und suchte nach einer Antwort auf die Frage, die in ihrem Kopf rotierte. Ist er etwa wieder mit Carla zusammen? Warum hat er mich dann gestern noch geküsst? Doch er wendete seinen Kopf nach hinten und ließ bei dieser Bewegung die Tür ein Stück weiter aufgehen, hinter der sich Anna ein Anblick bot, den sie sicherlich niemals vergessen würde. Verschlafen trat Carla in einem schwarzen Negligé auf sie zu und begrüßte Anna überrascht. Annas Blick wechselte zwischen Carla und Tom hin und her, ehe sie es schaffte einen halbwegs geordneten Rückzug anzutreten. „Ich wusste nicht… „ stammelte sie und unterbrach. Nach einem weiteren verletzten Blick in Toms Gesicht sagte sie nur „Ich will nicht stören, Tschüß“ . Damit drehte sie sich um und lief zügig wie die Tränen, die ihr Gesicht überquerten, das Treppenhaus hinab, raus aus der Tür und einfach geradeaus.
Sie war noch nicht weit gekommen, als sie plötzlich Schritte hinter sich vernahm. Erschrocken drehte sie sich um stellte fest, dass es Tom war der ihr folgte. Was will der denn jetzt von mir. Soll er doch mit der ollen Schnepfe glücklich werden. Ich will davon nichts mehr hören. Keine Erklärungen, keine Entschuldigungen… , es geht mich auch gar nichts an. Und zu klären gibt es wohl auch nichts mehr. „Anna, warte… Bitte!“ hörte sie hinter sich, aber diese Worte trieben sie eher voran, als dass sie ihr Ziel erreichten. „ Anna, es ist nicht so, wie es aussah.“ Anna schüttelte bei dem Bild, das sich ihr erneut in ihre Gedanken schieben wollte, angewidert den Kopf und setzte ihre Flucht fort. Plötzlich wurde sie am Arm festgehalten und somit so abrupt gestoppt, dass sie herumwirbelte und gegen den nach wie vor beeindruckenden Oberkörper ihres Chefs prallte, der sie auch sogleich versuchte festzuhalten und ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Anna, hör mir bitte einen Moment zu. “ Er schaute sie eindringlich an, aber Anna war so in Rage, dass sie seine Worte kaum wahrnahm, ihn nur mit einem giftigen Blick bedachte, ehe sie sich mit aller Kraft, der man angesichts ihrer zierlichen Statur durchaus Anerkennung zollen konnte, von ihm losriss. Sie ging zügig Richtung Heimat und ließ sich von den verzweifelten Erklärungsversuchen und Liebesbekundungen, des ihr auf dem Fuße folgenden Mannes, nicht erweichen. Sie schritt gerade durch einen Park, der zu der frühen Stunde nur von einigen wenigen Joggern und Hundebesitzern belebt wurde, als die Schritte hinter ihr plötzlich verstummten. Die Stille, die auf den nächsten Metern, lediglich durch ihre eigenen klappernden Absätze durchbrochen wurden, ließ sie aufmerken und letztlich blieb sie stehen und drehte sich zögerlich um. Sie erblickte Tom, der sich auf eine Bank hatte fallen lassen. Seine Ellbogen stützten auf seinen Oberschenkeln und gaben den fahrigen Händen, mit denen er sich verzweifelt über das Gesicht rieb bevor sie seinen Kopf einen Moment stützten, halt. Schließlich stand er auf und warf ihr einen gebrochenen Blick zu, der Anna bis ins Innerste erschütterte. Es wirkte wie eine kleine Ewigkeit, bis sich die beiden verzweifelten Menschen von einander abwandten und jeder seines Weges ging. Jeder würde für sich versuchen zurück in den Alltag zu finden und die Geschehnisse der letzten Tage zu vergessen.
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Di Okt 23 2012, 21:56

UUUhhh ... tooollllleeeerr Anfang!!! ... MMMEEEEHHHRRR DAVON BIIIIIITTTTTEEEEE!!!! Twisted Evil
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Di Okt 23 2012, 22:48

Wow, eine neue FF. Bin gespannt, obwohl der Anfang ja schon mal recht niederschmetternd ist. Aber so bleibt wenigstens die Spannung. Freu mich auf mehr, meine Liebe.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Mi Okt 24 2012, 12:48

Ein echt toller Beginn Very Happy
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Mi Okt 24 2012, 14:58

*~Butterfly~* schrieb:
UUUhhh ... tooollllleeeerr Anfang!!! ... MMMEEEEHHHRRR DAVON BIIIIIITTTTTEEEEE!!!! Twisted Evil

Mini_2010 schrieb:
Wow, eine neue FF. Bin gespannt, obwohl der Anfang ja schon mal recht niederschmetternd ist. Aber so bleibt wenigstens die Spannung. Freu mich auf mehr, meine Liebe.

LG, Mini

Tastentante schrieb:
Ein echt toller Beginn Very Happy

Hey ihr Drei,
danke für eure begeisterten Antworten Embarassed , aber ich möchte die Euphorie ein wenig dämpfen. Surprised
Es handelt sich hier lediglich um eine Kurz-FF. Geplant war eigentlich ein Oneshot, aber das ist wohl nicht so mein Fall Wink
Ich komme mit meiner Haupt-FF gerade nicht so richtig voran und habe mir dann vor ein paar Tagen noch einmal alte Folgen angeschaut. Da ich dabei aber dann irgendwie völlig genervt von dem Fortgang der Story war, hatte ich die Idee, sie einfach ein wenig umzuschreiben.
Na ja, gut. Ein, zwei oder drei Teile werden wohl noch folgen. Und ich hoffe, dass ihr trotzdem Lust habt sie zu lesen.

Liebe Grüße, Katha
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BeitragThema: Teil 2   Mi Okt 24 2012, 20:56

Ich habe gerade beim nochmaligen lesen festgestellt, dass nicht nur kurze Storys wohl nicht mein Fall sind, sondern auch kurze Sätze eher selten vorkommen, aber sei´s drum. Wink Ich wünsche viel Spaß Smile
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In den nächsten Zeit versuchten Anna und Tom sich möglichst aus dem Weg zu gehen. Sie umkreisten sich mit verstohlenen Blicken, wie zwei Hunde, die sich gegenseitig nicht so genau einschätzen konnten und daher lieber auf Abstand blieben. Anna hatte die Erkenntnis, dass Tom scheinbar doch ihre große Liebe war, in die hinterste Ecke ihres Herzens verbannt und schmiss sich, zum eigenen Schutz vor weiteren Verletzungen, mit aller Energie in die Beziehung mit Enrique. Tom hingegen litt wie ein Hund, da er immer wieder, wenn auch nur aus der Ferne, beobachten konnte, wie glücklich Enrique und Anna offensichtlich mit einander waren. Um damit klar zu kommen versteckte er seinen Schmerz hinter seiner Position des unnahbaren Geschäftsführers, der mit seiner schlechten Laune die gesamte Belegschaft malträtierte. Die Kontakte zwischen Anna und Tom bewegten sich nur noch auf der professionellen Ebene, und bargen auch dann eine unangenehme Spannung, die sie beide schnellstmöglich wieder auseinander trieb. Irgendwann, als Tom wieder einmal mit versteckten Blicken verfolgte, wie Anna und Enrique sich verliebt lächelnd anflirteten, hielt er es nicht mehr aus. Er floh aus seinem Büro, aus der Firma und aus der Stadt.

Enrique war der Einzige dieser Dreierkonstellation, der sich im Glück wähnte und auf Wolke 7 schwebte, denn er war überzeugt, endlich bei dem richtigen Menschen angekommen zu sein. Als er einige Tage nach Toms Verschwinden geschäftlich ins Ausland reisen sollte, kam es jedoch zu einem hässlichen Streit zwischen den glücklich vereinten. Anna lehnte den Vorschlag Enriques doch mitzukommen vehement ab, obwohl sie es seiner Meinung nach locker hätte einrichten können, und dieser Streit führte ihm vor Augen, wie sehr ihm Anna am Herzen lag. Und deshalb bereitete er noch eine Überraschung für sie vor, mit der er sich für den Streit entschuldigen und ihr seine Liebe zeigen wollte.
Auch Anna machte der Streit zu schaffen, aber sie konnte die Stadt jetzt einfach nicht verlassen. Sie wartete auf Tom, der seit Tagen verschollen war. Er war irgendwann plötzlich verschwunden und keiner konnte auf ihre unauffälligen Anfragen, wo er denn sei, antworten. Täglich betrat sie mit klopfendem Herzen das Atelier und schaute voller Hoffnung in sein Büro, und die Leere, die sie ersehen konnte schmerzte sie zunehmend. Er konnte doch nicht einfach weg sein, sich ihren Blicken entziehen und sie hier alleine zurücklassen. Sie war froh, dass Enrique verreisen musste, denn es fiel ihr von Tag zu Tag schwerer sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie das Fehlen ihres Chefs aus der Bahn warf. Und heute war es soweit, Enrique würde wegfliegen.

Annas Gefühle kämpften in ihrem Inneren einen seit Tagen andauernden Kampf, als sie am Morgen an ihren Schreibtisch herantrat und wie so oft in den letzten Tagen als erstes einen hoffnungsvollen Blick in das vor ihr liegende Büro warf. Aber es war, wie bereits befürchtet, auch heute nicht besetzt. Seufzend schmiss sie ihre Tasche unter den Tisch und ging zur Kaffeebar um sich erst einmal einen puschenden Espresso zu genehmigen. Die Uneinigkeit mit Enrique machte ihr schwer zu schaffen, war er doch in den letzten Wochen ihr Anker gewesen, der ihr die Orientierung erhalten und ein Abtriften in den Strudel der Verzweiflung verhindert hatte. Er hat es wirklich nicht verdient, dass ich ihn so hängen lasse. Warum tu ich das nur, warum will ich hier partout nicht weg? Ich liebe ihn doch… hing sie, auf einem der Barhocker sitzend und vor sich hin starrend, ihren Gedanken nach. Liebe ich ihn wirklich? … Natürlich tu ich das. Ich bin ein blödes Schaf, mich mit ihm zu streiten weil er mich in seiner Nähe haben möchte. Wenn ich mich beeile treffe ich ihn vielleicht noch an. Sie sprang auf, kippte dabei ihren Gott sei Dank nicht mehr vollen Kaffee um, so dass sich eine große braune Pfütze auf der Theke bildete, und lief nach einem kurzen zögernden Blick auf die Sauerei, die sie da gerade veranstaltet hatte, los. Sie griff sich ihre Tasche und verließ eilig das Atelier.
Als sie eine viertel Stunde später die Goldelse betrat schaute sie mit vom Laufen hochroten und verschwitztem Gesicht auf ihre überraschte Mutter, lächelte sie jedoch nur kurz an, während sie auch schon die Treppe hinauf hechtete um einen kurzen Moment später in ihr Zimmer zu stürzen. Aber es war leer. „Verdammt, er ist schon weg!“ stieß sie aus und ließ sich heftig schnaufend auf die Stufen fallen, die zu ihrem Erker hinauf führten. Seufzend stand sie, nachdem sich ihre Atmung und ihr Puls wieder normalisiert hatten wieder auf und dabei blieb ihr Blick an ihrem Bett hängen. Was ist denn das? Rosenblätter? Sie trat näher und betrachtete das Arrangement. Rote Rosenblätter malten ein Herz in dessen Mitte eine Schatulle stand. Mit zitternden Händen nahm sie das kleine Kästchen und öffnete es. Ein glitzernder Ring strahlte ihr entgegen, und dabei lag ein kleines Kärtchen. „Es macht mich schon wahnsinnig ein paar Tage auf dich verzichten zu müssen … daher möchte ich dich fragen: Willst du meine Frau werden und dein Leben mit mir teilen?“ Anna schaute wie erstarrt auf die Karte und den Ring in ihren Händen und stieß laut die Luft aus. Irgendwo spürte sie leise Freude in sich aufsteigen, auch wenn diese nicht in der Lage war die Zweifel, die sie immer noch hegte, vollkommen zu verdrängen. Aber diese Aufgabe erledigte ihr Verstand, der ihre Gefühle einfach überrumpelte. Das ist es doch was du willst. Dieser Mann kann dir das bieten, was du dir wünschst. Sicherheit, Vertrauen, Liebe, Respekt, worauf wartest du? Los! Fast ehrfürchtig ließ sie den Ring über ihren Finger gleiten. „Er passt“ flüsterte sie und deutete diese Erkenntnis als gutes Omen, ehe sie ihre Jagd wieder aufnahm. Sie schnappte erneut ihre Tasche und rannte ohne ihrer jetzt noch überraschteren Mutter einen Blick zu gönnen hinaus. An der nächsten Ecke hielt sie ein Taxi an und ließ sich zum Flughafen bringen.
************************************

Dort angekommen, sprang Anna aus dem Auto und rannte in das Gebäude. Hoffentlich ist Enrique noch da. Ich muss es ihm doch sagen. Warum habe ich nur gezögert? Warum war ich nur so doof und bin nicht einfach mit geflogen. Was hält mich denn hier in Berlin? Diese Fragen stellte sie sich nun seitdem sie ihr Zimmer verlassen hatte, aber die Antworten, die sich in den Tiefen ihres Herzens verbargen und auch immer wieder auf sich aufmerksam machen wollten, gefielen ihr so wenig, dass sie sie einfach ignorierte. Sie sah sich nach dem nächsten Aufzug um und steuerte nach erfolgreicher Suche darauf zu, wusste sie doch, dass sie eine Etage höher musste, um zum Abflugbereich zu kommen. Auf dem Weg dorthin blieb sie einen Moment vor der Anzeige der abfliegenden- und ankommenden Flüge stehen um nach dem richtigen Gate Ausschau zu halten, als sie ihre Suche spontan einstellte. Spinne ich jetzt oder wurde gerade „Tom Lanford“ ausgerufen? überlegte sie und legte verwirrt ihre Stirn in Falten, aber schnell verwarf sie den Gedanken wieder. Ach quatsch, diese Ansagen kann doch sowieso keiner verstehen… Aber da wiederholten sich die Worte und sie wurde davon überzeugt, dass sie noch keine Wunschphantasien hegte. „Fluggast Tom Lanford wird zum Info-Point im Ankunftsbereich A gebeten.“ Annas Herz machte einen riesigen Hüpfer und sie konnte nicht verhindern, dass ihre Augen sich selbständig machten und sofort begannen die Halle, in der sie stand, und in der die ankommenden Gäste begrüßt wurden, nach dem Anblick abscannten, den sie so schmerzlich vermisst hatte. Aber da traten Annas rationalen Gedanken wieder auf den Plan. Wie blöd bin ich eigentlich hier meine Zeit zu vergeuden. Ich will zu Enrique und seinen Antrag annehmen und nicht nach Tom Ausschau halten. Sie vergewisserte sich noch einmal, an welchen Gate sie musste, ehe sie zügig dem Aufzug entgegen strebte. Aber nach den ersten Schritten spürte sie, wie der Widerstand den nächsten Schritt zu tun immer größer wurde. Es war als würde sie von einem Gummi-Seil festgehalten, das sich immer fester spannte, als sich ein großes A in ihr Blickfeld schob und sie erneut in ihrem Vorhaben stoppte. Wieder machten sich ihre Augen selbständig, agierten scheinbar ohne Sinn und Verstand, und Anna musste alle Energie aufbringen sich wieder in Bewegung zu setzen um ihr Ziel zu verfolgen. Aber die die investierte Kraft reichte nicht aus. Letztlich drehte sie sich völlig unentschlossen im Kreis. Sie trat vor, blieb stehen, drehte sich um… drehte und wendete sich zwischen den Anweisungen, die ihr einerseits ihr Kopf und andererseits ihr Herz dirigierten. Als sie sich, innerlich mit sich selbst schimpfend, ein letztes Mal umdrehte um den Aufzug zu nehmen, rannte sie quasi in eine Person hinein, die ihren Weg kreuzte, und blieb nach einem Aufprall gegen einen Körper, der auch ins Schwanken geriet, an dessen Arm hängen. Es war der einzige Halt, der sie davon abhielt mit voller Wucht auf den Boden zu knallen, wie es der Koffer des Fluggastes tat, der nach einem dumpfen Aufschlag neben ihrer Tasche, die ebenfalls ihre Flugfähigkeiten erprobt hatte, liegen blieb. Anna streifte sich verlegen ihre Tasche über die Schulter und hob den Koffer auf um ihn seinem Besitzer zurück zu geben, als sie in den verwirrten Augen ihres Gegenübers hängen blieb. „Tom“ stieß sie hervor, und hielt ihm in der Bewegung erstarrt den Koffer hin. Er griff danach, ohne seinen Blick abzuwenden und antwortet mit einem überraschten „Anna!“. Annas Herz begann zu rasen und die Hitze in ihrem Gesicht, die schon durch die Verlegenheit wegen ihres Zusammenstoßes geschürt war, schien ihren Kopf nun kurz vor den Siedepunkt zu führen. „Was machst du hier?“ fragte Tom überrascht. Anna versuchte sich seiner fesselnden Augen zu entziehen und ihren Körper, der eine eigene Vorstellung davon hatte, wie man auf diesen Mann reagieren musste, wieder in den Griff zu bekommen, aber sie konnte ihren Blick einfach nicht abwenden. Sie freute sich unglaublich ihn zu sehen, auch wenn ihre Gedanken ihr gleichzeitig suggerieren wollten, dass das nicht richtig sei, und ehe ihr Kopf ihren Vorstoß realisieren und ihre vernunftbezogenen Gedanken sie davon abhalten konnten, stellte sie sich auf die Zehenspitzen und gab Tom einen Kuss. Nicht auf die Wange, wie es zur Begrüßung eines Freundes vielleicht noch normal gewesen wäre, sondern mitten auf den Mund. Und dazu einen Ticken zu lang, als dass es irgendwie als Versehen hätte abgetan werden können. Aber einen Ticken zu kurz, als dass Tom, der völlig perplex war, ihn beantwortet hätte. Was tu ich denn da? schrie es plötzlich in Annas Kopf und ehe auch nur ein weiteres Wort hätte fallen können, drehte sie sich auf dem Absatz um und rannte aus dem Gebäude. Tom stand mit weichen Knien und rasendem Herzen da, schaute verduzt hinter ihr her und versuchte zu verstehen, was gerade passiert war, aber schließlich schüttelte er nur verwirrt den Kopf. „Versteh einer die Frauen…“ entwischte es aus seinem Mund ehe er versuchte sich darauf zu besinnen, welche Entscheidung er für sich getroffen hatte, auch wenn er sogleich nach seiner Ankunft in Berlin vor Augen geführt bekommen hatte, wie schwer es ihm fallen würde seinen Plan in die Tat umzusetzen.
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Sonnenschein
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Mi Okt 24 2012, 22:48

Gott, der Teil hats ja in sich, aber ich kann Tom echt nur recht geben "Da versteht einer die Frauen...", Wink denn Tom wäre nicht Tom seine Entscheidungen meistens nicht lebensfähig sind, aber Anna...also wirklich...super Teil Very Happy
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Do Okt 25 2012, 22:12

Haha tooooollleeerrr Teil Katilein! Very Happy ... man, man, man da bin ich echt gespannt was du uns da zusammen bastelst! So sehr ich auch darüber nachdenke ... ich weiß es einfach ned! :|
Biiiittteeeee schneeeelll weiter!!! What a Face
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Do Okt 25 2012, 23:15

Hey ihr Lieben,
danke, danke, ich freu mich riesig, dass ihr meinen neuen Versuch begleitet. Very Happy Very Happy
Ich brauchte echt mal wieder was zum schnellen Schreiben, und ich muss sagen, es funktioniert ganz gut. Wink
Wie du schon gesagt hast Butterfly, ich bastel da mal was zusammen...

LG, Katha
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Fr Okt 26 2012, 11:52

Wunderbar. Und was für eine genialer Zufall. Anna knutscht Tom, der offenbar eine Entscheidung - wohl nicht zugunsten Annas - getroffen hatte, und bringt ihn völlig aus dem Konzept. Und jetzt rennt sie zu Enrique und will seinen Heiratsantrag annehmen. Das versteh wirklich einer die Frauen ...

Bin gespannt, wie die Story weitergeht. Eine wirklich Ahnung hab ich auch nicht, nur ein paar kleine Szenarien, die in meinem Kopf herumgeistern.

Bitte mehr, meine Liebe. Wink

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katha

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BeitragThema: Teil 3   Fr Okt 26 2012, 21:54

So, dieser Teil war eigentlich gestern schon fertig. In der Zwischenzeit habe ich ihn aber gewiss noch zehn mal gelesen und immer wieder Kleinigkeiten verändert. Aber ich will eure Geduld nicht länger strapazieren, also los geht´s. Viel Spaß dabei!
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Als Anna die Goldelse erneut betrat, schoss Susanne sorgenvoll auf sie zu. „Anna ist alles in Ordnung bei dir?“ Anna erwiderte den bekümmerten Blick ihrer Mutter mit einem unverständigen Kopfschütteln. „Warum fragst du?“ Susanne, die sie eingehend musterte strich ihr liebevoll über den Arm. „Na ja, du bist hier eben rein- und wieder rausgeschossen, als ob der Teufel persönlich hinter dir her wäre, … und jetzt…?“ Sie zog skeptisch die Augenbrauen in die Höhe und schüttelte jetzt völlig irritiert den Kopf. „Du grinst wie ein Honigkuchenpferd...?“ „Alles gut Mama, ich hatte nur was vergessen und jetzt will ich mich ein wenig frisch machen, bevor ich wieder arbeiten gehe.“ Sie verabschiedete sich mit einem herzlichen Lächeln nach oben. Nach der Rennerei fühlte sie sich irgendwie unwohl und auch die Erinnerung an den Kuss, den sie so unüberlegt verteilt hatte, klebte an ihr, so dass sie beschloss, sich kurz unter die Dusche zu stellen und alles störende von sich abzuwaschen. Frisch gesäubert und frohgelaunt trat sie einige Zeit später vor ihren Kleiderschrank. Was soll ich denn nur anziehen?, fragte sie sich und zog das eine und das andere Kleidungsstück aus dem Schrank, hielt es sich vor und betrachtete sich prüfend vor dem Spiegel, bis sie sich für eine enge Leggins und ihre etwas weiter ausgeschnittene Bluse entschied. Ich muss ja schließlich nicht immer in gammeligen Jeans und T-Shirt rumlaufen, versuchte sie ihre Bemühungen zu rechtfertigen. Als sie ein dezentes Make-up aufgetragen und ihre High-Heels angezogen hatte warf sie einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und nickte sich zufrieden zu. „Ja, so kannst du gehen.“

Im Atelier angekommen begrüßte Anna Steffi strahlend, und diese schaute ihr verwundert hinterher. „Na die hat aber mal gute Laune.“ brabbelte sie vor sich hin, was Paloma die gerade vorbei kam aufmerken ließ. „Wer hat gute Laune?“ fragte sie neugierig, denn die Gefühlsschwankungen der Kollegen und Kolleginnen waren immer eine prima Ausgangslage für spannende Geschichten, denn wenn eines bei Lanford gut funktionierte, dann war es der Flurfunk. Steffi wurde rot, war sie ansich doch die Loyalität und Verschwiegenheit in Person und beteiligte sich nur selten an solchen Spekulationen, aber Paloma und Anna gehörten zu ihren engsten Vertrauten und waren zudem ja auch noch sehr gut befreundet, daher machte es wohl nichts aus, wenn sie Palomas Frage beantwortete. Also nickte sie kurz in Richtung von Annas Schreibtisch und zog ahnungslos die Schultern in die Höhe. Paloma betrachtete Anna einen Moment aus der Ferne, und machte sich sogleich auf den Weg zu ihr. „Hola“ begrüßte sie die Blondine, die sich gerade an ihrem Schreibtisch einrichtete und einen Moment zu lange in das Büro des Junior-Chefs schaute. Paloma folgte ihrem Blick und realisierte wer sich da mal wieder die Ehre gab. "Ach, der Chef persönlich mal wieder im Hause?" bsiemerkte er mit kühler Mimik. Ihre Meinung von ihm hielt sich sehr in Grenzen, nach den ganzen Verfehlungen, die er sich im Hinblick auf Anna geleistet hatte. Hatte sie anfangs ja noch geglaubt, dass sich hinter Toms Verhalten einfach Angst vor seinen Gefühlen verbarg, hatte sie schnell beschlossen, dass er Anna mit seinem willkürlichem Wankelmut nicht gut tat und sich stattdessen für Enrique stark gemacht, der immer treu und ergeben zur Stelle war, wenn es galt für Anna in die Presche zu springen. Das Wohlergehen ihrer besten Freundin lag ihr mehr am Herzen als die meisten anderen Dinge im Leben, eingeschlossen ihres eigenen Jobs, den sie schon mehrfach fast aufs Spiel gesetzt hätte um dem Junior-Chef mal ordentlich die Meinung zu geigen.
„Hola“ erwiderte Anna den Gruß. Sie öffnete den Skizzenblock und ordnete ihre Stifte, während sie Paloma erwartungsvoll ansah. „Was ist los?“ fragte sie, denn Palomas skeptischem Blick nach zu urteilen, war ihr Besuch wohl mit einem bestimmten Ziel verknüpft. Und meist ging es darum, dass Paloma auf anhieb erkannt hatte, das irgendetwas in ihrer Freundin vorging. „Nichts, ich wundere mich nur. Du siehst … super aus, … und du strahlst so, gibt es da etwas was ich wissen sollte?“ Sie zog erwartungsvoll eine Augenbraue in die Höhe und Anna begann spontan zu nicken, besann sich aber sogleich wieder und schwenkte auf ein irritiertes Schulterzucken und Kopfschütteln über. Anna zog innerlich den Kopf ein und suchte in Gedanken nach einer Möglichkeit, sich heraus zu reden. Eigentlich gibt es ja auch gar nichts zu erzählen, was war denn schon? Ich habe meinen Chef begrüßt, ... na ja, mit einem Kuss, aber schließlich verbindet uns ja auch einiges, versuchte sie ihre Geheimhaltung zu begründen. Insgeheim war sie doch selbst völlig verwirrt darüber, dass die bloße Anwesenheit Toms ausreichte, um ihren Stimmungspegel erheblich in die Höhe schnellen zu lassen. Aber das wollte sie Paloma auf keinen Fall auf die Nase binden. Zumindest jetzt nicht. Außerdem wollte sie ihre Freundin schnell wieder loswerden, brannte sie doch darauf die Geschehnisse, die sich direkt vor ihren Augen abspielten zu verfolgen. „Ne, warum? Ich habe einfach gute Laune“ antwortete sie deshalb ausweichend. Jetzt grinste Paloma über das ganze Gesicht, denn es war ihr nicht entgangen, dass Anna etwas auf der Zunge lag, das sie mit aller Macht versuchte für sich zu behalten, und Anna fühlte sich sogleich ertappt. „Hat es vielleicht etwas mit Enrique zu tun? Wo warst du eigentlich den ganzen Morgen?“ Enrique schoss es Anna da durch den Kopf und sie schüttelte über sich selbst verwundert den Kopf, denn an ihn hatte sie in der Zeit, seit sie den Flughafen verlassen hatte, eigentliche keinen Gedanken mehr verschwendet. Ok, da gäbe es also doch eine gute Nachricht, schließlich habe ich heute einen Heiratsantrag bekommen, dachte sie, den ich aber aus unerfindlichen Gründen noch nicht angenommen habe... Aber das mache ich einfach wenn er wieder da ist. versuchte sie sich selbst zu überzeugen. „Nein, ich war im Park. Der Tag ist so schön, und ich brauchte mal wieder ein bisschen frische Luft.“ Anna hoffte, dass diese Erklärung reichte um Paloma zufrieden zu stellen, auch wenn sie sich bei dieser Notlüge ein wenig schäbig vorkam. „Na dann“ antwortete die Spanierin, fast enttäuscht und ließ es vorerst darauf bewenden, obwohl sie noch nicht wirklich überzeugt war. „Und da hast du gedacht, du schmeißt dich gleich mal in Schale.“ Anna nickte „Warum nicht?“ Paloma musterte Anna erneut, und verabschiedete sich letztlich mit dem festen Vorsatz sie zu einem späteren Zeitpunkt zum Reden zu bringen. Anna sah Paloma einen Moment hinterher und stieß erleichtert die Luft aus. Scheinbar hatte sie ihr ihre Version für die gute Laune abgekauft. Aber dann wanderte ihr Blick neugierig in Richtung vor ihr liegender Glaswand.
Als sie an ihren Arbeitsplatz gekommen war, hatte sie natürlich als erstes überprüft ob das Büro wieder vor Leere gähnte, aber dieses Mal wurde sie, wie nach ihrer morgendlichen Begegnung zu erwarten, nicht enttäuscht, sondern gleich durch die Anwesenheit von drei Personen belohnt. Eigentlich hätte ihr der Schreibtischinhaber alleine gereicht, aber gut. Tom besetzte endlich wieder seinen Stuhl, und das zählte, auch wenn außer ihm noch Paule und Bruno darum saßen. Die Drei unterhielten sich jetzt bereits eine ganze Weile, wobei offensichtlich war, dass sich die Gemüter mittlerweile sehr erhitzt hatten. Sie beobachtete wie Tom genervt die Augen verdrehte und einen Moment seinen Blick durch die Scheiben zu ihr schickte, ehe er sich wieder seiner Familie zuwandt. Der kurze Augenblick, den sich ihre Augen getroffen hatten, reichte aus um Annas Herzschlag um einige Takte zu erhöhen und ihr eine sanfte Röte ins Gesicht zu schicken, daher lenkte sie ihre Aufmerksamkeit schnell auf die Zeichnung, die vor ihr lag. Sie nahm geschäftig einen Stift zur Hand und begann den Entwurf zu überarbeiten, aber nicht ohne zwischendurch immer wieder verstohlene Blicke auf die Lanford-Familie zu werfen, die mittlerweile heftig gestikulierend und mit lauten Stimmen die als unverständliches Gemurmel ins Atelier drangen, miteinander diskutierten. Worüber reden sie wohl, dass sie sich so angiften? fragte sich Anna spontan, obwohl es ja nicht wirklich neu war, dass die Lanford-Familie miteinander im Klinsch lag. Was sich liebt das neckt sich, kam ihr in den Sinn und ließ sie schmunzeln. Sie konnte ihre Neugier nicht länger unterdrücken und beobachtete nun gebannt wie Bruno angespannt durchs Büro tigerte und seinen Sohn erzürnt anging. Auch Paule saß kerzengerade auf ihrem Stuhl und warf Tom irgendwas an den Kopf. Und dann hielt dieser es scheinbar nicht mehr aus. Er sprang auf und pfefferte in einer Lautstärke, die die Worte auch außerhalb der vier Wände in denen sie gesprochen wurden, hörbar werden ließen, „Ich habe mich entschieden und dabei bleibts!“ durch den Raum. Um seine Aussage zu unterstützen knallte er seine flachen Hände auf den Schreibtisch und funktelte seine Gesprächspartner zornig an. Es dauerte nur einige Sekunden bis Paule aus dem Büro gestürmt kam und die Tür hinter sich zuschlug, dass es nur so schepperte. Anna beobachtete wie sie durch die Tür zum Treppenhaus verschwand, ehe sie erneut zu Tom schaute, der seine Aufmerksamkeit auch gerade auf sie gerichtet hatte. Sein Gesichtsausdruck ließ ein hartes Ringen um seine innere Verfassung erkennen, die sich vermutlich um die Entscheidung drehte, die er gerade erwähnt hatte. Also war sein Entschluss vermutlich keiner, der ihm leicht gefallen war. Was ist da nur los? Anna erfasste ein ungutes Gefühl, denn wenn Bruno und Paule beide so erzürnt waren, hieß das vermutlich nichts Gutes. Sie musste dringend wissen worum es hier ging.
Sie wägte ihre Möglichkeiten ab. Tom zu fragen kam nicht in Frage und um unauffällig zu Lauschen war das Atelier viel zu voll, davon mal abgesehen, dass das Gespräch auch beendet schien. Paule! Kam es ihr da in den Sinn. Sie kann mir sicherlich mehr erzählen!! Sie sah ein letztes Mal auf Tom, der mittlerweile auch von seinem Vater alleingelassen an seinem Schreibtisch saß und sich erschöpft über seine Augen rieb, ehe sie sich mit pochendem Herzen aufmachte um Paule zu suchen. Anna lief ins Treppenhaus und folgte ihrer Intuition, die sie vermuten ließ, dass ihre Freundin dringend an die Luft wollte, und daher wohl aufs Dach geflüchtet war. Und tatsächlich traf sie den jüngsten Lanford-Spross auf dem Dach des Gebäudes an.
„Hey, was ist denn los?“ fragte sie, und legte tröstend eine Hand auf die Schulter der jungen Frau, die offensichtlich geweint hatte; was ansich schon ein Tatbestand war, der Anna unabhängig von ihrem lautstarken Abgang hätte aufmerken lassen, war das doch so gar nicht Paules Art. Sie stand am Terrassengeländer und fixierte die Stadt, oder wohl doch eher die unfassbare Weite, die noch hinter dem Bereich lag, die das Auge zu erblicken bereit war. Nach einigen Sekunden streifte Paule Anna mit einem kurzen Seitenblick und seufzte. „Tom“ begann sie mit kläglicher Stimme, „Endlich sind wir wieder eine Familie und jetzt macht er sich aus dem Staub.“ Anna zog die Brauen zusammen und wartete ungeduldig, dass Paule ihre Worte weiter ausführte. „Aber ich kann ihm ja gar keinen Vorwurf machen… .“ tat diese ihr auch gleich den Gefallen, und lachte hart auf bevor sie mit ironischem Unterton fortfuhr. „Scheinbar liegt das in den Lanford-Genen. Abhauen, Wegrennen, die Menschen denen man etwas bedeutet verlassen… Ich habe es ja genauso gemacht.“ Anna spürte einen leisen Schmerz in sich heraufziehen, als sie versuchte den Worten einen Sinn zu verleihen. Sie hatte einen Verdacht welche Entscheidung Tom getroffen hatte, aber ihr Innerstes sträubte sich hartnäckig es zu glauben, ehe sie nicht die Bestätigung aus Paules Mund bekommen hatte. „Was heißt das? Was hat er denn vor?“ fragte sie deshalb nach und zwang sich in regelmäßigem Rhythmus weiter zu atmen und Paule die Zeit zu lassen, die sie benötigte. Paule ignorierte ihre Worte, zu sehr war sie in ihrem eigenen inneren Disput gefangen. „Warum tut er das? Bedeuten Papa und ich ihm denn gar nichts?“ Sie schluchzte auf und wischte sich wütend die Tränen aus dem Gesicht. Anna konnte die Anspannung kaum ertragen. „Paule, was tut er? Was hat er vor?“ Paule wendete sich Anna nun endlich zu und schaute sie bekümmert an. „Er wird Berlin verlassen, morgen schon. Er geht einfach weg… ans andere Ende der Welt.“ Erneut lief eine Träne aus ihren Augen und nun ließ sie sich in Annas Arme fallen, die erst jetzt begriff, wieviel Paule ihr großer Bruder wirklich bedeutete. Aber auch ihr eigenes Herz war getroffen. Er geht weg? Entzieht sich mir komplett? Wie soll ich das aushalten, wenn mich schon die letzten Tage verrückt gemacht haben? ging es ihr durch den Kopf, bevor sie sich eines Besseren besann. Obwohl, eigentlich ist es besser so, er ist weg und ich werde Enrique heiraten und mit ihm ein wunderbares Leben führen, versuchte ihre innere Stimme ihr trauriges Gefühl niederzuringen. „Vielleicht hält er es hier nicht mehr aus … nach der Trennung von Carla…“ versuchte Anna Toms Verhalten zu erklären und Paule damit zu trösten. Aber Paule löste sich aus Annas Armen, wischte sich erneut über ihr Gesicht und warf Anna einen abschätzigen Blick zu. „Wegen der Trennung von Carla? Pfff… Weiß du was ich glaube? … Carla ist ihm völlig Schnuppe. Du bist es, die ihn vertreibt. …“ Anna erschrak und versuchte den Ausdruck in den Augen ihrer Freundin zu deuten. War es Trauer oder Zorn, der sich darin spiegelte? Sie war sich nicht sicher. „Ich weiß wie es ist, wenn man zurück gewiesen wird. Ich habe es damals als Tom mich nicht an sich heran gelassen hat auch nicht ausgehalten und bin einfach weg gelaufen.“ Sie wendete resigniert den Blick ab. „Statt dessen hätte ich um ihn kämpfen sollen. ... Aber wie gesagt, scheinbar liegt uns Lanfords die Feigheit in den Genen.“ Mit diesen Worten schüttelte sie deprimiert den Kopf und ließ Anna, die wie zu einer Salzsäule erstarrt in Paules Richtung schaute, stehen.
Langsam ließ Anna ihren Arm sinken, der immer noch mitten in der Luft verharrte, wo er zuvor eine tröstende Geste ausführen wollte. Er geht wegen mir? Weil ich ihn zurückweise? Dieser direkte oder zumindest indirekte Vorwurf an sie, traf Anna heftig, würde das doch bedeuten, dass sie der Auslöser dafür war, dass Paule und Bruno unter seinem Entschluss zu leiden hatten; und schließlich sie selbst, denn sie wusste tief in ihrem Inneren, dass es auch für sie ein großer Verlust sein würde. Aber nur weil Tom die Situation nicht akzeptieren kann bin ich doch nicht Schuld… . Ich kann doch nichts dafür, dass er so lange gebraucht hat um zu kapieren was Sache ist. Sie versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, was ihr aber in keinster Weise gelingen wollte. Schnell rannte sie die Treppe hinunter zu ihrem Schreibtisch und packte ihre Sachen zusammen. Sie konnte nicht da bleiben, musste weg, weg von den Lanfords und besonders weg von Tom. Als sie alles beisammen hatte, und sie zum gehen bereit, ihre Hände in die auf dem Tisch abgestellte Tasche krallte, hob sie ihren Blick und beobachtete Tom einen Moment traurig. Ist das tatsächlich das Ende? Er saß an seinem wie leer gefegten Schreibtisch und starrte vor sich hin, ehe er ihr, wie von ihren Blicken angezogen, den Kopf zuwand. Sein Blick blieb einen Moment in Schreibtischhöhe hänge und sah mit Schrecken in den Augen wie durch sie hindurch, ehe er ihr in die Augen schaute. Es war ein quälender Schmerz, den sie darin entdeckte, und sie hatte das Gefühl als drücke er aus, dass für Tom gerade in diesem Moment eine Welt zerbräche, und gleichsam spiegelten sich darin ihre eigenen Empfindungen. Es schien, als stände die Zeit für einen Moment still um den katastrophalen Zustand ihrer besonderen Beziehung zueinander in aller Deutlichkeit wirken zu lassen. Und erst als Anna die Feuchtigkeit einer Träne auf ihrer Wange spürte, fand sie zurück in die Realität. Sie senkte den Blick und begab sich ohne nach rechts oder links zu schauen zum Fahrstuhl, um nicht in aller Öffentlichkeit der Trauer zu erliegen, die ihr auf der Brust lag und ihr zunehmend die Luft zum atmen nahm.
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Fr Okt 26 2012, 22:35

Schön wieder so ein wunderschöner Teil...auf Paule ist halt verlass, die sagt auf jeden Fall wie es ist, denn das ist bei manchen Lanfords auch in den Genen;)
Toll wie du Toms Augenausdruck beschreibst, die Stimmung, einfach alles Very Happy Very Happy Very Happy
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BeitragThema: Teil 4   So Okt 28 2012, 09:56

So, und nochmal zwei Stunden dran gesessen. Manchmal denke ich, ich sollte mal auf "einfache Sprache" zurückgreifen, wenn ich mich mal wieder in ellenlangen Sätzen und verqueren Logiken der Abläufe verirre. Na ja, ich hoffe, ihr könnt mir irgendwie folgen. Wink

Einen schönen Sonntag! Smile
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Anna sah hinab auf die kleinen Miniaturen die sich in unter ihr tummelten, während der Wind ihr vereinzelte Strähnen, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatten, um den Kopf wirbeln ließ. Sie sah ziemlich mitgenommen aus, nachdem sie in Folge ihrer Flucht aus dem Atelier bittere Tränen geweint hatte, und diese Außenansicht spiegelte in passender Weise ihre desolate innere Verfassung. Aber langsam übernahm ihr Verstand wieder die Vorherrschaft über ihren Körper und überzeugte sie davon, dass ihr Leben ohne Tom, so wie es gerade lief gut sei.
Sie beobachte die kleinen Autos, die aufgereiht, wie die Perlen einer kostbaren Kette, ihrem Weg folgten. Wo sie wohl alle hinfuhren? Um diese Uhrzeit waren die meisten vermutlich auf dem Weg nach Hause. Zu ihren Liebsten, wie es so schön heißt. Ihren Familien, ihren Ehepartnern, ihren Kindern... . An diesem Gedanken blieb sie hängen und überlegte, Wie die Zukunft wohl aussehen wird, wenn ich verheiratet bin? Seltsamer Weise waren da keine Bilder und konkreten Vorstellungen in ihrem Kopf, was sie irgendwie irritierte. Aber wenn sie ehrlich war, drängte es sie auch gar nicht nach Zukunftsplanung, denn so wie es zur Zeit war, war doch eigentlich alles gut. Aber warum sollte sie dann heiraten? Anna verdrängte diese miesepetrigen Gedanken und dachte an ihren zukünftigen Verlobten. Enrique… er ist wirklich toll, rief sie sich entschlossen in Erinnerung und ein zaghaftes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie jetzt doch versuchte sich konkretere Vorstellungen von einer Ehe mit ihm zu machen.
Da wurde sie plötzlich aus ihren Gedanken gerissen. Sie vernahm das näherkommende Knirschen, das wohl einen Besucher ankündigte und hielt gespannt die Luft an. Die Geräusche verstummten einen Moment, ehe eine Stimme erklang, die Annas Vermutung, wer da an sie herangetreten war, bestätigte. „Hallo Anna“ . Sie schloss die Augen und ein wohliger Schauer lief ihr über den Rücken und prompt begann ihr Herz zu rasen. Sie versuchte einen Ankerpunkt für ihre Augen zu finden, die sich hektisch hin und her bewegten und blieb unruhig abwartend am Dachrand sitzen. Tom! Was will er hier? fragte sie sich, und bekam auch sogleich ihre in Gedanken geforderte Antwort. „Ich wollte mich noch von dir verabschieden.“
Anna drehte sich immer noch nicht um, wusste sie doch, dass sie sein Anblick, gleich wieder aus der Bahn werfen würde. Wenn sie ihm nicht in die Augen sah, waren seine Nähe und die gleichzeitige Distanz zwischen ihnen besser zu ertragen. Denn genau das war es was sie so leiden ließ.
„Und da kommst du hier hoch um mich zu suchen?“ Es knirschte erneut hinter ihr. Scheinbar trat Tom auf der Stelle, wie ein nervöses Pony, das durch einen Strick unerbittlich angebunden, vor Angst nach einem Ausweg suchte. Und das traf seine Verfassung ziemlich genau. Er stand an der Stelle, an der er auch Monate zuvor gestanden und voller Unsicherheit versucht hatte, sie vom Springen in die Tiefe abzuhalten. Und auch jetzt war er alles andere als selbstsicher. Er hatte nach seiner bitteren Erkenntnis, die sich ihm kurz zuvor in der Sonne blitzend offenbart hatte, ihren Abgang aus dem Atelier verfolgt und sich danach unendlich leer und verlassen gefühlt. Obwohl ihre Anwesenheit und dieses kleine, aber wichtige Detail an ihrer Hand, ihn daran erinnert hatte, dass er das was er am sehnlichsten wünschte wohl nie erreichen würde, war Annas Abwesenheit für ihn noch weniger zu ertragen. Er war wieder hin und her gerissen was die Umsetzung seines Planes anbelangte, aber er zwang sich an der Umsetzung festzuhalten.
Ja, er hatte beschlossen ihr und der Stadt den Rücken zu kehren, einerseits um Annas Glück nicht im Wege zu stehen, wie er sich einredete, aber vor allem um sich selbst nicht länger der Selbstgeißelung hinzugeben, die das Beobachten des glücklichen Paares, deren weiblichen Part Anna übernommen hatte, für ihn bedeutete. Aber er konnte einfach nicht gehen ohne Anna noch ein letztes Mal gesprochen zu haben, vielleicht um die Minimalausgabe der Hoffnung, die ihn nach wie vor quälte, entweder weiter zu schüren oder aber endgültig zu zerstören.

„Ich hatte so ein Gefühl, dass ich dich hier finden würde.“ Anna schüttelte niedergeschlagen den Kopf. „Und wie passend dieser Ort doch ist. ... Hier hat alles angefangen und hier hört es wieder auf.“ führte sie ihre Gedanken mit ironischem Unterton aus. Tom trat näher an sie heran und blieb schräg hinter ihr stehen. Er beobachtete Anna wehmütig, holte tief Luft, und zögerte... . In seinem Inneren wütete ein wilder Sturm der Gefühle, der versuchte ihm die Flucht als einzige Lösung nahe zu legen, aber da das hier seine letzte Chance war, zwang er sich zu bleiben. Ich habe doch nichts mehr zu verlieren, sprach er sich Mut zu und zwang sich den Mund zu öffnen,
„Es müsste nicht aufhören. Du hast es so bestimmt.“ sagte er zaghaft, und entlockte Anna damit ein höhnisches Lachen. „Ja genau. Gebt nur alle mir die Schuld.“ Sie spürte wie sich der Zorn entfachte, der seit langer Zeit als kleiner Funke ihr ständiger Begleiter war, sobald Tom sich ihre näherte. Paules Vorwurf war sie noch mit hilfloser Betroffenheit begegnet, aber jetzt ein zweites Mal, und dazu noch seinem Munde zu hören, dass sie für sein Handeln verantwortlich sei, war wirklich zu viel.
„Weißt du eigentlich, wie sehr du mich in den letzten Monaten verletzt hast?“ stieß sie atemlos hervor, denn ihr Puls und ihre Atemfrequenz hatten sich erheblich erhöht. Und mit der Kontrolle ihres Körpers beschäftigt, vernahm sie seine prompte Antwort nur am Rande, mit der sie auch überhaupt nicht gerechnet hatte. „Ja Anna, das weiß ich, und es tut mir unendlich leid.“ gab er zu und senkte beschämt den Blick. Was hat er da gerade gesagt? Jetzt drehte sie sich dann doch um und Tom zuckte zusammen, als er ihr verweintes und zugleich wutverzerrtes Gesicht erblickte. „Das weißt du, und es tut dir leid?“ fuhr sie ihn an und sprang auf wie ein Springteufel. „Und damit ist alles wieder gut? Alles wieder vergessen?“ Ihre Augen blitzten vor Zorn, als sie fortfuhr. „Und jetzt bist du der arme Kerl, den die schrecklich gemeine Anna einfach nicht erhören will, und dich aus seiner Familie und der Stadt vertreibt?“ Sie rieb sich mit vor Zorn zitternden Händen über das Gesicht, um sich zu beruhigen, aber es ging nicht. Sie konnte ihre Gefühle nicht mehr unterdrücken. „Und weißt du was? Du hast recht, ich werde dich nicht erhören. Ich bin mit Enrique zusammen und wir sind glücklich. Er ist nämlich ein wirklich toller Mann, der mir gut tut. Er ist charmant, liebevoll, zuverlässig und vieles mehr. Alles Eigenschaften, von denen du dir eine dicke Scheibe abschneiden könntest.“ Sturr wie ein Esel und wütend fauchend wie ein tasmanischer Teufel ging es Tom durch den Kopf und ließ ihn leise in sich hinein schmunzeln, obwohl er ihrer Wuttirade bislang mit Beschämung im Gesicht verfolgt hatte. Er wusste ja, dass sein Verhalten und sein Timing einfach verdammt beschissen gewesen war. Aber trotz der treffenden und auch verletzenden Worte, gefiel ihm, dass sie endlich mit ihm sprach, ok, ihn anschrie traf es wohl eher. Aber er liebte sie ja unter anderem genau deswegen. Wegen ihres unglaublichen Temperamentes. Aber was viel wichtiger war. Warum regte sie sich eigentlich so auf, wenn sie wirklich so glücklich war, wie sie ihm weismachen wollte? Und außerdem war ihm etwas aufgefallen, was ihn unbewusst hoffen ließ.
„Weißt du was in deiner Aufzählung fehlt?“ fragte er deshalb provozierend nach. Anna funkelte ihn weiter an, während ihre Gedanken einen Moment zu rotieren begannen. „Na?“ fragte sie, ihre Ahnungslosigkeit versteckend, nach und reckte ihr Kinn erwartungsvoll in die Höhe. Als Tom nicht sogleich antwortete, schoss sie hinterher. „Wenn du genügend Zeit mitbringst, kann ich auch gerne ausführlicher berichten, was Enrique und unsere Beziehung zueinander auszeichnet.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust, was gleichsam ein Versuch der Abwehr und der Selbstkontrolle war, denn die Wut fuhr Achterbahn in ihrem Körper. Tom beobachtete Anna aufmerksam, ehe er an die Dachkante herantrat um einen Blick hinunter zu werfen. Er suchte verzweifelt nach den richtigen Worten, was ihm unglaublich schwer fiel, weil auch in ihm die verwirrenden Gefühle zu unbedachten Bemerkungen aufforderte, ... für die er sich aber anschließend selbst ohrfeigen würde.
„Kannst du dich noch an deine Worte damals erinnern?“ sagte er schließlich betont ruhig. „Du hast gesagt: ‘Ich habe mich entschieden… Für die Liebe’“ Er betonte den letzten Teil ihrer Aussage, hoffte er doch, dass er Anna mit ihren eigenen Worten am besten erreichen konnte. „Und, du hast mich gefragt, ob ich wohl je wieder lieben werde.“ Er drehte sich um und sah ihr direkt in die Augen. Anna erwiderte seinen Blick mit verbissener Sturheit und fiel ihm entschlossen ins Wort ehe er etwas sagen konnte, was sie nicht hören wollte.
„Was willst du von mir? Soll ich dir nochmal erzählen wie es mir nach dieser Begegnung ergangen ist?“ fragte sie aufgelöst. „Bereits am nächsten Tag stand ich mit pochendem Herzen hier oben, … weil ich total nervös war dich wiederzusehen. Es war völlig verrückt, schließlich war Jonas erst kurze Zeit zuvor gestorben, …“ Sie stockte einen Moment, „aber mein rettender Engel kam nicht.“ fuhr sie höhnisch fort. „Der war wohl schon weiter geflogen," Ihre Hände fuhren theatralisch in die Höhe. "… aber nicht, wie anzunehmen um einem anderen Menschen zu helfen, sondern um in seine Eiszeit zurück zu kehren und seine Herrschaft wieder zu übernehmen. ... Und dann traf ich dich wieder. Tom Lanford, unser Kontrahent, der uns zuvor das Leben so schwer gemacht hatte. Aber ich freute mich, dachte ich doch dass du der einzige wärst, der meine Beweggründe für den Verkauf von Zauberhaft und meine persönliche Notlage verstehen würdest.“ Ihre Mimik wechselte unentschlossen zwischen Fassungslosigkeit und Wut hin und her bis nach langem Zerren die Wut den Sieg davon trug. „Aber wie gesagt. Tom Lanford war in seine Eiszeit zurück gekehrt. Unnahbar, kalt, abweisend und ich war schockiert und unendlich verletzt. Aber das war ja nur der Anfang. Was folgte waren Demütigungen am laufenden Band. Von dir und vor allem von deiner lieben Freundin, die mir bereits am ersten Arbeitstag die Hölle versprach. Ich habe sie ausgelacht, habe ihr erklärt, dass es für mich nicht schlimmer kommen könne, aber weißt du was? Sie hat es geschafft, dass ich mich der Hölle verdammt nah gefühlt habe. Wie oft wurde ich öffentlich vorgeführt? Wie oft fälschlicherweise für irgendwas beschuldigt? Wie oft hast du mir dein Vertrauen entzogen? Denn Herr Tom Lanford steht ja über den Dingen, sieht einfach mal weg, wenn sein Liebchen ihre üblen Spielchen spielt." Sie schüttelte den Kopf und sah nach Ruhe suchend in den blauen Himmel, der mit seinen blauen Wolken, die vereinzelt dort herum flogen viel zu harmonisch für diese Situation aussahen. Anna suchte erneut Toms Augen.
"Aber das Schlimmste war, all diese Erfahrungen zu machen, während du mir zwischendurch immer wieder kurze Einblicke in dein Seelenleben gewährtest und ich Volldiot mich in diesen wahren Tom verliebt habe.“ Annas Sturheit begann so langsam zu bröckeln und die Verzweiflung über die unendlichen Verletzungen, die sie hatte ertragen müssen kam zum Vorschein, aber sie drängte ihre heraufdringende Schwäche entschlossen zurück. Sie war einfach viel zu wütend um sich diese Blöße vor ihm zu geben.
„Und dann kam diese eine Nacht, und Annalein war naiv genug zu glauben, dass sie etwas bedeutete. … . Aber ich wurde ja schnell eines Besseren belehrt. Eine Verlobung mit Carla, … meinen herzlichen Glückwunsch, deutlicher hätte deine Abfuhr nicht aussehen können, deutlicher hättest du mir nicht vor Augen führen können was für ein armes Licht ich doch bin, an sowas wie die große Liebe zu glauben. Benutzt und weggeschmissen, so war das.“
Sie drehte sich um, denn die Tränen der Wut und des Schmerzes drängten nun doch unaufhaltbar aus ihren Augen. Aber eigentlich war es jetzt auch egal, also wand sie sich ihm wieder zu und beendete ihre deftige Ansage. „Und jetzt stehst du hier und gibst mir die Schuld? Spinnst du eigentlich?“ Sie schrie mittlerweile in einer Lautstärke, die ihre Worte über halb Berlin hallen ließ.
Tom fühlte mittlerweile einen dicken Kloß im Hals, hatte Anna ihn doch gerade in sehr direkter Weise auf seine riesigen Fehler hingewiesen, die zum einen für Annas aber eben auch für seinen eigenen Schmerz verantwortlich waren. Während er hektisch überlegte wie er reagieren sollte beobachtete er voller Sorge wie sie dort, bebend vor Zorn, an der Dachkante stand.
„Ja verdammt, du hast ja recht mit dem was du sagst, aber ich kann es nicht mehr rückgängig machen,“ stieß er heftig aus. Er fühlte sich so hilflos, wollte er Anna und sich selbst doch so gerne von diesem Schmerz befreien. Er warf einen kurzen Blick in die Tiefe und schauderte, als er sich an den Moment erinnerte, in dem er Anna gerade noch festhalten konnte, als sie damals genau an dieser Stelle das Gleichgewicht verloren hatte. Entschlossen trat er an sie heran, packte sie an den Schultern und schob sie ein Stück zurück, während Anna sich sogleich von seiner Berührung zu befreien suchte. Sie trat weiter zurück, entzog sich ihm, aber nur um gleich wieder nach vorne zu schießen um wie eine Wilde auf seine Brust zu trommeln. „Was willst du? Hast du nicht genug angerichtet? Hau doch ab, wie du es entschieden hast.“ schrie sie während sie endlich ein Ventil für ihre Wut gefunden hatte. Toms Zorn wuchs auch langsam ins Unermessliche. Was sollte er denn tun um sie von der Ernsthaftigkeit seiner Liebe zu überzeugen? Sie hörte ihm ja nicht einmal zu. Er versuchte einige Male vergeblich ihre Hände zu fassen zu bekommen, bevor er sie endlich gepackt hatte. Sein Herz raste, als er ihr jetzt so nah gegenüberstand stand und er nichts lieber getan hätte, als sie in den Arm zu nehmen und zu küssen, aber nachdem sie sich einige Sekunden mit Blicken duelliert hatten, ließ er sie los und stieß wütend aus „Was ich will? Spielt das irgendeine Rolle? Du bist es doch die sich entschieden hat und mit ihrem Verlobten glücklich werden will. Warum regst du dich eigentlich so auf?“ Anna starrte ihn fassungslos an. „Woher? … wieso Verlobten?“ Woher weiß er davon? Tom verzog sarkastisch das Gesicht und deutete auf ihre Hand. „Was ist das denn sonst, was da an deinem Finger glitzert? … Und du regst dich auf, dass ich das Feld räume, und fragst mich danach was ich will?“ Er drehte sich um und stieß seinen Fuß in den Kies, dass die Steine nur so durch die Luft flogen, bevor er sich ihr wieder zuwand und ihr direkt in die Augen blickte. „Ich will dir sagen was ich will. Ich will dir deine Frage beantworten, auf die ich damals keine Antwort parat hatte." Anna wollte ihm ins Wort fallen, denn sie ahnte was jetzt kam, aber Tom ließ sich nicht aufhalten. "Jetzt hörst du mal zu!" ranzte er sie an, ehe er fortfuhr. " … Ja, verdammt, ich kann wieder lieben, und vermutlich tu ich das, seit dem ich dich hier oben getroffen habe. Und was ich will? Ich will, dass du mir eine Chance gibst es dir zu beweisen.“ Er holte tief Luft und ballte die Hände zu Fäusten um sich irgendwie im Griff zu behalten. Denn diese ehrlichen Worte kosteten ihn viel Kraft, auch wenn der Zorn ein guter Motor war sie auszusprechen. „Und ich kann dir auch sagen was ich nicht will. Ich will nicht morgen in diesen dämlichen Flieger steigen und die Stadt verlassen. ... Aber ich schaffe es nicht in deiner Nähe zu sein und mir dein glückliches Geturtel anzugucken.“ Anna stand da und starrte Tom an, wie ein Mondkalb, bevor sie wieder zur alten Form zurückfand und fassungslos den Kopf schüttelte. „Du forderst eine Chance? Wie soll ich dir denn noch vertrauen, nach allem was passiert ist?“ Sie schüttelte sich angewidert, als ihr das Bild von Carla in ihrem Negligé wieder in den Sinn kam. „Als ich das letzte Mal überlegt habe, ob ich uns nicht doch eine Chance geben sollte, hattest du gerade eine Nacht mit Carla verbracht. Erinnerst du dich? An deinem Geburtstag?“ Tom riss die Augen auf. „Ich hatte nichts mit Carla!“ schoss er erbost hervor, „Ich wollte es dir auch erklären, aber du hast mir ja nicht zugehört.“ Anna schüttelte resigniert den Kopf, sie konnte ihm einfach nicht mehr glauben. „Ich kann das nicht mehr. Ich halte das nicht noch einmal aus. Wenn das die Liebe ist, für die ich mich großmütig entschieden habe, dann war das wohl ein großer Trugschluss.“ Sie schaute noch ein letztes Mal in sein verzweifeltes Gesicht. „Mach´s gut.“ Damit ließ sie Tom Tom sein und verschwand.

Tom schaute ihr wieder einmal deprimiert hinterher. Irgendwie war das wie ein schlechter Traum, in dem ihn immer wieder die gleiche Szene überfiel. Er stand da, und wurde von dem einen Menschen verlassen, den er über alles liebte. Erneut war die Einsamkeit und die Trauer, die ihn erfassten kaum zu ertragen. Er drehte sich um und besah sich die Tiefe, die sich nur wenige Meter vor ihm auftat, und für einen kurzen Moment überlegte er, ob das alles noch Sinn machte, ob der Freitod nicht doch eine verlockende Alternative wäre, aber irgendwie spürte er trotz seiner Verzweiflung, die ihm nun die Tränen unaufhaltsam über das Gesicht jagte, dass er leben wollte. Reg dich doch nicht auf, du wusstest doch, dass es nur eine kleine Chance gab sie zu erreichen. versuchte er der gerade erlebten Situation rational zu begegnen, aber während Anna es nicht geschafft hatte ihren Verstand auszuschalten, war es für Tom unmöglich sein schmerzendes Herz zum Schweigen zu bringen. Verdrehte Welt. Mit schüttelndem Kopf und einem hilfloses Schulterzucken, begab er sich zum Treppenhaus. Er hatte es einfach vermasselt.

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   So Okt 28 2012, 11:43

Tastentante schrieb:
Schön wieder so ein wunderschöner Teil...auf Paule ist halt verlass, die sagt auf jeden Fall wie es ist, denn das ist bei manchen Lanfords auch in den Genen;)
Toll wie du Toms Augenausdruck beschreibst, die Stimmung, einfach alles Very Happy Very Happy Very Happy
Hey meine liebe Tastentante,
da hab ich doch glatt verasselt, dir zu antworten. Schande auf mein Haupt Embarassed
Ich danke dir natürlich ganz riesig für deinen tollen Kommi!!
Das gibt einem doch immer Motivation schnell weiter zu machen. Und tataaa, da war ja auch schon der nächste Teil.

LG, Katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   So Okt 28 2012, 14:32

Hach, schon wieder so ein herrlicher Teil...zum dahinschmelzen die beiden, wie sie im Herzen wollen, aber mit dem Kopf nicht können...wunderschön Very Happy
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   So Okt 28 2012, 19:54

Huhu, meine liebe Katha,

nach gefühlten Lichtjahren bin ich auch mal wieder on. Habe sogar zwei deiner Teile verschlungen, und ich bin immer noch irgendwie völlig zwischen meinen Emotionen gefangen, in denen du mich mit deinen Worten zurückgelassen hast. Einerseits war es gut, dass die beiden sich mal - mehr oder weniger - ausgesprochen haben. Auf der anderen Seite wüsste ich jetzt ganz gerne, ob sich das ganze auch gelohnt hat. Tom tut mir irgendwie leid, aber andererseits ist er an diesem Dilema ja nicht ganz unschuldig. Ich hoffe nur, dass die beiden dennoch einen Weg finden werden, Herz ein- und den Verstand mal auszuschalten. Bei Tom hat es ja schon funktioniert, fehlt nur noch Anna.

Ein wundervoller Teil und ich bin neugierig auf meeeeeehr ... Smile

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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Mo Okt 29 2012, 21:57

Tastentante schrieb:
Hach, schon wieder so ein herrlicher Teil...zum dahinschmelzen die beiden, wie sie im Herzen wollen, aber mit dem Kopf nicht können...wunderschön

Ja ja, Herz und Verstand, ob sie irgendwann ein Team werden?
Danke für dein Lob

Mini_2010 schrieb:
Huhu, meine liebe Katha,

nach gefühlten Lichtjahren bin ich auch mal wieder on. Habe sogar zwei deiner Teile verschlungen, und ich bin immer noch irgendwie völlig zwischen meinen Emotionen gefangen, in denen du mich mit deinen Worten zurückgelassen hast. Einerseits war es gut, dass die beiden sich mal - mehr oder weniger - ausgesprochen haben. Auf der anderen Seite wüsste ich jetzt ganz gerne, ob sich das ganze auch gelohnt hat. Tom tut mir irgendwie leid, aber andererseits ist er an diesem Dilema ja nicht ganz unschuldig. Ich hoffe nur, dass die beiden dennoch einen Weg finden werden, Herz ein- und den Verstand mal auszuschalten. Bei Tom hat es ja schon funktioniert, fehlt nur noch Anna.

Ein wundervoller Teil und ich bin neugierig auf meeeeeehr ...

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Ja komisch nicht, irgendwie völlig verdrehte Welt. Tom der fühlt und Anna die denkt. Obwohl hat man ja auch zu genüge gesehen und darunter gelitten.
Wir werden sehen, was die Beiden daraus machen, oder auch nicht Wink
Lieben Dank, auch dir!!!
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Mo Okt 29 2012, 22:25

Ja ja, Herz und Verstand, ob sie irgendwann ein Team werden?
Danke für dein Lob Lieben Dank, auch dir!!! [/quote]

Na ja, man kann ja nie wissen, aber ich will es mal stark hoffen Wink Smile
Hab übrigens erst jetzt begriffen das Herz und Verstand der Titel deiner FF ist, ich habe es schon gewusst und auch wahrgenommen, im Kommi habe ich ihn allerdings einfach unbewusst verwendet, weil ich es passend fand...was Freud wohl dazu sagen würde Smile Egal.
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BeitragThema: Teil 5   Di Okt 30 2012, 08:36

Heute mal zu ganz ungewöhnlicher Stunde ein neuer Teil von mir. clown
Ich wünsche, trotz des miesen Wetters, einen schönen Tag. Wink
******************************

Anna lief durch die Straßen der Stadt, ohne ein Ziel zu verfolgen. Sie war völlig aufgewühlt, denn auch wenn sie sich vor den Augen Toms für einen Weg entschieden hatte, war sie selbst gar nicht überzeugt, sondern fühlte sich wie im Taumel zwischen den zwei Polen ihres Körpers, die einfach nicht zusammen arbeiten wollten. Es gab einfach nur die Lösung, sich für eine Seite zu entscheiden und die andere völlig zu ignorieren, aber das ist ja naturgemäß unmöglich, und entsprechend hilflos fühlte sie sich…
Als die Sonne ihre Strahlen bereits auf die andere Seite der Erde scheinen lies, und die Sterne den Himmel mit ihrem Glanz überzogen, kehrte Anna nach Hause zurück. Sie musste sich einfach zwingen weiter zu machen, und wenn Tom erst einmal weg wäre und Enrique sie wieder mit seiner liebevollen Arte umwarb, würde das auch funktionieren, zu diesem Entschluss war sie gekommen… . Aber während sich ihr Verstand triumphierend lächelnd zurück lehnte, rebellierte ihr Herz mit wütendem Gebrüll, was sie aber für den Augenblick erfolgreich ignorierte.

Schnell hatte sie den Gastraum der Else gestreift und war die Stufen zur Wohnung hinaufgestiegen. Sie wollte nicht noch einmal in die Fänge ihrer Mutter geraten, die ihr mit Sicherheit gleich ansehen würde, dass nicht alles in Ordnung war, wie sie es mittags noch mit Nachdruck versichert hatte. Als sie die Küchentür öffnete stieß sie erleichtert die Luft aus. Geschafft, ich will nur noch in mein Bett, dachte sie erschöpft und war gedanklich schon fast in ihren Kissen angelangt, als sie erkannte, dass ihre Mutter am Küchentisch saß. Anna blieb einen Moment an der Tür stehen und war versucht wieder den Rückzug anzutreten, aber sie war nach diesem aufreibenden Tag und ihrem Spaziergang, der die Ausmaße einer Tageswanderung angenommen hatte, einfach zu müde. Außerdem realisierte sie irritiert, dass Susanne, die ja eigentlich auch im Hinterkopf einen Scanner hatte, wenn es um ihre Familie ging, sie noch nicht einmal bemerkt hatte. Ganz im Gegenteil, sie saß selig lächelnd und mit Tränen in den Augen am Küchentisch und drückte sich völlig verzückt irgend etwas an ihre Brust. Vor ihr auf dem Tisch stand ein großer Strauß roter Rosen, den Anna anerkennend bewunderte. Neugierg trat sie näher. „Was ist denn hier los?" fragte sie ihre Mutter verwundert. Sie schüttete sich ein Glas Wasser ein und setzte sich. Susanne schüttelte verlegen den Kopf. Eine sanfte Röte stieg ihr ins Gesicht und sie legte die Karte die sie an ihr Herz gepresst hatte auf den Tisch. Nach einem verlegenen Blick auf Anna, schüttelte sie den Kopf und versuchte die Situation mit einem Wink abzutun, aber das Lächeln, das offensichtlich aus den tiefen ihres Herzes aufgestiegen war, war nicht zu löschen. „Wir haben heute Hochzeitstag.“ erklärte sie, als wäre das das normalste von der Welt. Ist es ja auch, schließlich kann man den Lauf der Zeit nicht aufhalten und somit auch nichts daran ändern, dass sich der Termin der eigenen Hochzeit regelmäßig jährte. „Und Ingo hat dir die Rosen geschenkt," stellte Anna fest, und stutzte dann einen Moment. Jetzt wusste sie warum ausgerechnet dieser Hochzeitstag so eine Bedeutung zu haben schien. „Es ist der erste, den ihr wieder zusammen erlebt…“ mutmaßte sie, und ihre Mama nickte zustimmend. Susanne sah Anna liebevoll an. „Weißt du, Ingo ist einfach meine große Liebe.“ Sie wand den Blick in die Ferne der Unendlichkeit und überdachte einen Moment ihr Leben. „Damals als er uns verließ ist eine Welt für mich zusammen gebrochen...“ Anna legte ihre Hand mitfühlend auf die ihre. „Ich freue mich so, dass ihr wieder zusammen seid. … Aber sag mal, wie war das denn dann mit Armin, wenn Ingo …?“ Anna sprach den Satz nicht zuende, fühlte sich plötzlich als dringe sie viel zu tief in die Privatspähre ihrer Mutter ein; aber diese sah sie nur nachdenklich an. „Du meinst, warum ich dann mit ihm zusammen war?“ fragte sie und Anna nickte zögerlich. Sie wollte ihrer Mutter in keinster Weise das Gefühl vermitteln, dass sie ihr einen Vorwurf machte. Susanne hatte es schwer genug gehabt, und sie war ihr immer eine gute Mutter gewesen, auch wenn sie sich bei der Wahl ihres zweiten Mannes ihrer Meinung nach etwas vergriffen hatte. „Armin war für mich da. Er hat mir geholfen, sich für mich eingesetzt, mir seine tröstende Schulter geboten und mich einfach von meinem Schmerz abgelenkt … und irgendwann habe ich mich dann auf ihn eingelassen.“ Sie warf Anna einen Blick zu, der wohl so was wie eine Entschuldigung enthalten sollte, die Anna gar nicht haben wollte. „Es war einfacher als allein zu sein, und letztlich dachte ich, dass es auch für dich gut sei, wenn wir wieder eine Familie wären.“ Anna nickte verstehend und lächelte ihrer Mutter dankbar zu, auch wenn sie gleichzeitig dachte, dass für sie wohl alles besser gewesen wäre, als dieser Idiot. Aber er hatte zu ihrem Leben gehört, genau wie ihre Schwester, die sie zwar phasenweise abgrundtief gehasst hatte, die aber eben ihre Schwester war und auch zur Familie gehörte. „Aber warst du mit ihm glücklich?“ Anna fragte das aus zweierlei Gründen. Zum einen hatte sie sich diese Frage oft gestellt, als sie selbst immer wieder unter Armin gelitten hatte, und zum anderen realisierte sie gerade, dass es da gewisse Parallelen zu ihrer möglichen Zukunft gab. Daher wartete sie gebannt auf die Antwort. Susanne entzog Anna ihre Hand und verknotete sie mit ihrer zweiten. „War ich glücklich? Das ist eine gute Frage…," Sie schaute erneut in die Weiten, die sich erst hinter der nächsten Zimmerwand eröffneten. "Es war schön mit ihm, er tat mir gut," begann sie schließlich zögerlich, "… aber wenn ich ehrlich bin… Mir hat immer was gefehlt. Ich habe insgeheim immer gehofft, dass Ingo zurück kommt. Ich habe ja nie einen Beweis dafür bekommen, dass er… .“ Sie schaute Anna jetzt direkt in die Augen. „Es gab tatsächlich Phasen in denen ich fast verrückt geworden bin, weil ich gespürt habe, dass er noch irgendwo auf dieser Welt wandelt und ich nicht bei ihm sein konnte. Wenn ihr Mädchen nicht gewesen wärt…“ Sie schüttelte verlegen den Kopf. „Jetzt ist er ja wieder da.“ sagte Anna mit liebevollem Blick, da sie gerade von dem schlechten Gewissen erfasst wurde ihre Mutter auf so trübe Gedanken gelenkt zu haben. „Ja genau!“ nahm Susanne den angebotenen Ausstieg aus der Vergangenheitskrämerei gerne an. Ihr Blick streifte die schönen Rosen und strahlte spontan wieder auf. „Ich muss auch nochmal runter, und mich bedanken.“ Ihre Wangen hüllten sich erneut in ein sanftes rosa, ehe sie aufstand und Anna die Hand auf die Schulter legte. Sie beugte sich noch einmal zu ihrer Erstgeborenen hinab und sah sie eindringlich an. „Dir wünsche ich auf jedenfall, dass du auch nochmal den Richtigen findest. Und dann halt ihn ganz fest.“ Sie zwinkerte ihrer Tochter vielsagend zu. „Vielleicht hast du ihn ja schon gefunden.“
Anna blieb alleine zurück, den Blick auf die Blumen der Liebe gerichtet. Hab ich den richtigen gefunden? Sie wusste, dass ihre Mutter sich keinen besseren Schwiegersohn als Enrique vorstellen konnte, aber konnte sie sich auch keinen besseren Ehemann vorstellen? Das war doch die alles entscheidende Frage. Ohne es zu wissen hatte Enrique sie vor die Wahl gestellt. Es ging nicht nur darum, ob sie ihn heiraten wollte oder nicht, es ging darum ob sie ihn überhaupt wollte. Denn wenn sie sich jetzt nicht dazu durchringen konnte „Ja“ zu sagen, war es für sie nicht mehr möglich zu leugnen, dass diese Beziehung keinen Sinn machte. Aber machte es überhaupt Sinn, wenn sie sich dazu durchringen musste? Sie schüttelte die Gedanken aus ihrem Kopf und griff zur Ablenkung nach der Karte, die ihre Mutter noch vor wenigen Minuten wie einen Schatz an ihr Herz gedrückt hatte, und die nun zum Lesen einladend auf dem Tisch lag. Es war eine dieser romantischen Karten, die Buchhandlungen gerne als Kundenfänger an ihren Eingang stellten.
Im Hintergrund war in verschwommener Optik grüne Natur erkennbar und im Vordergrund sah man zwei Hände, die sich nach einander reckten, als würden sie, gegen alle Widerstände kämpfend, auf einander zu wandern.
Was es ist
Es ist Unsinn - sagt die Vernunft.
Es ist was es ist - sagt die Liebe.
Es ist Unglück - sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz - sagt die Angst.
Es ist aussichtslos - sagt die Einsicht.
Es ist was es ist - sagt die Liebe.
Es ist lächerlich - sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig - sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich - sagt die Erfahrung.
Es ist was es ist - sagt die Liebe.
(Erich Fried)

Anna las die Worte und ließ ihre Augen darauf liegen. ‘Es ist wie es ist – sagt die Liebe’ ... Und was heißt das jetzt? Das alle Gedanken sinnlos sind und man den Verstand ausschalten sollte? Das alle anderen Gefühle daran nichts ändern werden, auch wenn sie logische Gründe vorweisen und vielleicht auch für einige Zeit die Führung übernehmen können? Dass auch die Zeit die Liebe nicht abmildert, wie es bei ihren Eltern war? ‘Es ist wie es ist – sagt die Liebe…’ Aber die anderen Gefühle sind doch auch nicht von der Hand zu weisen... Anna spielte gedankenverloren mit der Karte herum während sich das strahlende Lächeln ihrer Mutter wieder in den Vordergrund schob. Eigentlich hat sie Armin die ganze Zeit betrogen, zumindest in Gedanken, wurde ihr in diesem Moment bewusst und irgendwie tat er ihr fast leid, obwohl sie ihn nie wie einen Vater geliebt hatte. Ob er es gemerkt hat? Ob er wirklich glücklich war? … Und Ingo? Er hat sich wohl auch nach Mama gesehnt, all die Jahre. Sonst wäre er ja nicht zurück gekommen. Vermutlich waren also alle drei nicht wirklich glücklich, sondern haben sich lediglich in ihrem Leben eingerichtet. Sich mit dem zufrieden gegeben, was das Leben ihnen bot. Die Karte fiel ihr aus den Fingern und als sie mit ihren Augen dem fallengelassenen Stück folgte, sprang ihr die Schrift ihres Vaters in selbige. Eigentlich ging es sie ja nichts an, aber trotzdem las sie seine Worte. Ich danke dir für dein Vertrauen. Ohne das, könnten wir auch heute unsere Liebe nicht leben. hatte er auf die Karte geschrieben, und mit folgenden Worten vervollständigt. Welch eine himmlische Empfindung ist es seinem Herz zu folgen. (Diese Worte stammen nicht von mir. Die hat Goethe schon gesagt.) Ein zwinkernder Smilie rundete das Bild ab. Mein Gott wie kitschig, griemelte Anna in sich hinein, aber irgendwie war sie auch stolz auf ihre Eltern, die es geschafft hatten sich trotz aller Widrigkeiten über Jahrzehnte hinweg ihre Liebe zueinander zu bewahren.

Seinem Herzen folgen… dachte sie ironisch, Vertrauen…, wenn das alles so einfach wäre. Anna schüttelte deprimiert den Kopf. War es Zufall, dass sie gerade an diesem Tag mit all diesen Gedankengängen konfrontiert wurde? Sie stand seufzend auf und begab sich, wie schon lange zuvor geplant, in ihr Bett.
Als sie endlich die weichen Kissen unter sich spürte schloss sie erschöpft die Augen und freute sich darauf vom Schlaf aus ihrem Gedanken- und Gefühlschaos befreit zu werden. Tatsächlich döste sie innerhalb von Minuten ein, ... aber sie hatte nicht mit ihrem Unterbewusstsein gerechnet, das mit aller Macht nach ihrem Körper griff. Es dauerte nicht lange, bis sie wieder aufschreckte und von ihrem inneren Disput um die heutigen Erlebnisse gequält wurde. Sie wälzte sich von einer Seite auf die andere, vom Rücken auf den Bauch und nichts half um ihr eine ruhige Minute zu verschaffen. Immer wieder schossen ihr verschiedenste Szenen des Tages durch den Kopf. Alles drehte sich um Tom und seinen Abschied, obwohl eigentlich auch Enriques Antrag einen Gedanken wert gewesen wäre, aber beides war ja sowieso nicht zu trennen.
Ihre Begegnung mit Tom am Flughafen. Sein zu Tode betrübter Blick, als sie sich im Atelier angestarrt hatten. Seine Verzweiflung, als sie ihn auf dem Dach zurück gelassen hatte… . Und zwischendurch hallten verschiedenste Satzfetzen in ihrem inneren Ohr. Immer und immer wieder meldeten sie sich unaufhaltsam zu Wort. ‘Ich hab mich entschieden… für die Liebe’. ‘Ja verdammt, ich kann wieder lieben...’. ‘Ich danke dir für dein Vertrauen’. ‘Ich kann das nicht mehr…’. ‘Es ist wie es ist - sagt die Liebe’. ‘Aber wie soll ich dir denn noch Vertrauen?’. ‘Ich will, dass du mir eine Chance gibst…’. ‘Du bist es, die ihn vertreibt…’, ‘Es ist leichtsinnig - sagt die Vorsicht’, ‘Welch eine himmlische Empfindung ist es seinem Herz zu folgen’, ‘Es ist nichts als Schmerz - sagt die Angst’, um nur einige zu nennen. Es schien als wäre eine ganze Sammlung an Gesprächsfetzen und Kalendersprüchen in ihrem Unterbewusstsein gespeichert, die in Dauerschleife ihre Nerven malträtierten, bis sie es nicht mehr aushielt. Mit einem lauten „Scheiße“ sprang sie auf, zog sich schnell etwas über und strebte an die Luft, wie ein vom Erstickungstod bedrohter Mensch, der sich aus dem Feuer rettete.
************************************

Ein Geräusch ließ Tom aufschrecken. Angespannt schoss er in die Höhe und suchte nach der Ursache seines plötzlichen Erwachens. Muss ich schon aufstehen? Habe ich etwa verschlafen? Schoss es ihm durch den Kopf, der noch nicht wirklich gewillt war sich mit der Realität anzufreunden. Viel zu wenig Erholung hatte er erhalten, als dass er schon wieder effektiv arbeiten wollte. Bei einem hektischen Blick durch den Raum erkannte Tom, dass sein Schlafzimmer durch künstliches Licht erhellt wurde und sein Fenster noch von der Dunkelheit der Nacht erfüllt war. Er hatte also nicht verschlafen. Aber was hat mich dann geweckt? fragte er sich irritiert und schaute sich suchend im Zimmer um. Sein Wecker hatte er bestimmt nicht so falsch eingestellt und sein Handy? Mit pochendem Herzen nahm er es vom Nachttisch und sah darauf, denn es könnte ja sein, dass… , aber sogleich ernüchtert, stellte er fest, dass auch dieses hatte ihn nicht aus dem Schlaf gerissen. Erstaunt sah er auf die Uhrzeit die es anzeigte. Wir haben erst halb 12? Da kann ich mich ja guten Gewissens wieder hinlegen. Damit ließ er sich nach hinten fallen und knallte mit dem Kopf voll gegen die Wand. „Aua, Shit!“ brüllte er durch den Raum. „Super Tag, wird Zeit, dass der endlich zu ende ist.“ brabbelte er vor sich hin, als er weiter unter die Bettdecke rutschte und ermattet seinen schmerzenden Kopf ablegte. Aber ehe sein Wunsch in Erfüllung gehen konnte, ertönte erneut ein lautes Geräusch. Das ist die Klingel? wunderte er sich und verdrehte genervt die Augen. Um diese Uhrzeit kann das eigentlich nur Papa sein. Was will der denn noch? Wir haben doch alles geklärt. Ich bin ein feiger Hund ohne Rückgrat und er ist der kreative Kopf, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, dachte er angefressen, als er sich vage an die Diskussion erinnerte, die er nachmittags mit seinem Vater geführt hatte. Aber wenn ich nicht aufmache, ruft er vermutlich den GSG 9, um meine Wohnung stürmen zu lassen und mir anschließend als lebensbedrohliche Nachricht mitzuteilen, dass er in einer kreativen Krise steckt, weil sein Tee zu kalt oder sein Sushi zu warm war. Also hop, bevor Kommisar Schimanski vor mir steht… Er rutschte unmotiviert zum Rand seines Bettes und schwang die Füße darüber, die ihn zur Tür tragen mussten, auch wenn sie lieber untätig geblieben wären. Als er die Tür öffnete rieb er sich gerade müde über das Gesicht und wollte, Bruno schon begrüßend, wieder in seine Wohnung gehen, als er merkte, dass kein Bruno durch die Tür gestürmt kam, wie er es eigentlich erwartet hatte. Er schlurfte also zurück zur Tür und erblickte ... niemanden. Was soll das? dachte er genervt, Ist es nicht ein wenig spät um Klingelmännchen zu spielen? Erst als er die Tür genervt wieder ins Schloss knallen wollte, sprang ihm doch noch was ins Auge, was nicht dort in den Hausflur gehörte.

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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Di Okt 30 2012, 11:50

Du bsit böse, wie kannst du nur an so einer Stelle aufhören? Sad Twisted Evil

Der Teil war einfach wieder mal der HAMMER, Very Happy auch auf die Gefahr hin das ich mich wiederhole, obwohl ich finde, dass man Komplimente nicht oft genug ausprechen kann Smile
Der Spruch von Erich Fried, wie war er doch ist und wie gern wir die Wahrheit aus Torheit doch übersehen. Wir sind schon komische Gestalten.

Toms Gedanken zu Bruno einfach köstlich, das passt echt. Er lässt die Tür um Mitternacht aufbrechen um seinem Sohn mitzuteilen, dass er in einer kreativen Krise steckt. Köstlich lol!
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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Di Okt 30 2012, 15:34

Lieben Dank für deinen tollen Kommi. Aber ich bin gar nicht böse Mad
Nur wer aufhört kann auch wieder anfangen. Also mach ich doch mal weiter, damit es wieder anfangen kann. Razz

Liebe Grüße

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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Di Okt 30 2012, 18:53

Oh, was für eine wunderbare Fortsetzung. Annas Gedanken gefallen mir. Vor allem die zusammenhanglosen Wortfetzen, die ihre Gedanken quälen und doch irgendwie gar nicht so zusammenhanglos sind. Das passt irgendwie richtig gut. Und dann Tom, der genervt ist von der nächtlichen Störung. Konnte ihn mir leibhaftig vorstellen. Tja, wollen mal hoffen, dass Tom nicht an einen Traum glaubt, wenn er Anna vor seiner Tür stehen sieht. Bin gespannt, wie es weitergeht und ob die beiden nun einen Weg zueinander finden.

Danke für diesen tollen Teil.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Mi Okt 31 2012, 11:12

Danke liebe Mini, für deine Antwort I love you
Ja, sie quälen sich ja schon beide ein wenig. Hoffentlich lohnt sich der ganze Quatsch, den sie da veranstalten. Und ob es Anna ist, die er da vor der Tür stehen sieht Rolling Eyes

LG, Katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)   Do Nov 01 2012, 00:38

Hey meine Lieben,
nur kurz zur Info.
Ich sitze am Ende meiner Story und muss die jetzt erst einmal fertig schreiben, damit ich weiß wie ich es dann aufteile. Ich denke, es werden noch zwei Teile Wink
Es wird nicht allzu lang dauern, bis es weiter geht, versprochen. Rolling Eyes

LG, Katha

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AnTom "Herz und Verstand" (Kurz-FF)
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