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 AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"

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katha

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BeitragThema: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Mi Dez 26 2012, 20:16

Hallo ihr Lieben,
ich wollte euch ja eigentlich die Vorweihnachtszeit mit einer kleinen Geschichte versüßen. Aber das hat leider mal überhaupt nicht funktioniert. crying
Und mein Plan, die Story zu beenden, bevor ich beginne sie zu posten, funktioniert leider auch nicht, denn dann kommt die Weihnachtsgeschichte zu Karneval. Evil or Very Mad
Also fange ich jetzt einfach mal an, und hoffe, dass ich die letzten Teile schnell geschrieben bekomme. Wink

Wie der Titel schon sagt, geht es um Anna und Tom und eine turbulente Zeit. Aber lest einfach selbst...

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Zuletzt von katha am Mi März 20 2013, 15:07 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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katha

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BeitragThema: "1"   Mi Dez 26 2012, 20:44

Und los geht´s!


„Jetzt gehen sie schon. Sie sind dran.“ Die kleine Blondine bekam einen derben Stoß in den Rücken und fiel mehr auf die kleine Bühne, als sie stilvoll zu betreten. Völlig verunsichert schaute sie sich um. Oh mein Gott, was habe ich mir nur dabei gedacht? überlegte sie, als sie auf den Platz schaute, auf dem sich die Menschen gut gelaunt in kleinen Gruppen um diverse Stehtische tummelten. Vor Menschen sprechen kannst du ja so gut, Anna. Sie schloss, genervt von sich selbst, für einen Moment die Augen, und versuchte sich zu sammeln. „Ho ho ho“ ertönte da die Stimme des Mannes, der sie gerade so unfreundlich hier herauf geführt hatte. „Und da ist unser nächster Engel, der jemanden von euch da unten das ultimative und individuelle Weihnachtsgeschenk ermöglichen will. Schenk was, das Motto der Aktion.“ Der Typ hörte sich an wie ein Marktschreier, aber nicht wie ein netter Weihnachtsmann, wie es sein Kostüm vermuten ließ. „Da sagen sie den Menschen dort unten doch mal Guten Tag“, forderte er die Blondine auf, die ziemlich schüchtern und leicht irritiert in das Rauschebartgesicht des Moderators schaute, als er ihr das Mikrofon direkt vor die Nase hielt. „Hallo!“ sagte sie leise ins Mikrofon und hob kurz die Hand und deutete ein verlegenes Winken an. „Na, die junge Dame ist wohl etwas schüchtern,“ spottete der Weihnachtsmann neben ihr, und fügte ironisch hinzu. „Aber sieht sie nicht tatsächlich aus wie ein Engel, mit ihren schönen güldenen Haaren? Wie passend für den heutigen Abend.“ Anna fühlte sich mehr als unwohl auf dieser Bühne, was zum einen an diesem Typen lag, der neben ihr stand und sich offenkundig lustig über sie machte, und zum anderen durch die Menschenmenge bedingt war, die dort zu ihren Füßen stand und ,vom Glühwein schon sichtlich erheitert, diese Kommentare auch noch witzig fanden. „Wie heißen sie denn?“ Anna versuchte sich auf das Ziel dieser Aktion zu konzentrieren. Sie brauchte das Geld, das sie heute bekommen wollte, und dafür würde sie dieses schlechte Spiel hier durchziehen. Vergiss die Menschen dort unten einfach und mach mit. Umso schneller bist du hier wieder runter … und deinem Traum wieder ein kleines Stückchen näher, versuchte sie ihre Nervosität zurückzudrängen. „Anna“ sagte sie mit bemüht fester Stimme, aber die Reaktion des Weihnachtsmannes, ließ sie erneut erschaudern. „Anna! Welch ein schöner Name. Perfekt für einen solch hübschen Engel.“ Sie betrachtete ihn von der Seite und sogleich schoss ihr der Vergleich eines Wolfs im Schafspelz durch den Kopf. Sie spürte, wie sich so langsam Wut in ihr ansammelte. Die hatten hier eine Aktion ausgerufen, bei der man Dinge versteigern lassen konnte, da stand nicht bei, dass man sich dafür zum Affen machen musste. „Was haben sie uns denn Schönes mitgebracht?“ fragte er in säuselndem Ton, der Anna die Galle hinauftrieb. Aber ehe sie antworten konnte, fügte er noch mit einem süßlichen Lächeln ins Publikum hinzu. „Die Menschenmenge wartet sicher schon auf das absolut ultimative und ebenso einzigartige Geschenk, das sie von ihnen erstehen können.“

„Isa, was machen wir hier?“ Das ist ja wohl mehr als peinlich, was die dort oben abziehen.“ Der blonde Mann verdrehte genervt die Augen, als er einen weiteren Blick auf die kitschig weihnachtlich dekorierte Bühne warf. Isabella stand neben ihm und drückte ihm die Tasse mit dem Glühwein in die Hand, die er noch nicht angerührt hatte. „Wir amüsieren uns.“, sagte sie ungerührt und stieß mit ihrem Bruder an. „Tom, wir stehen auf einem Weihnachtsmarkt, wir haben was Leckeres zu trinken in der Hand, und wir sehen andere Menschen. … Was man halt so macht in der Weihnachtszeit.“ Tom sah sich die anderen Menschen skeptisch an und stellte wieder mal fest, dass er sehr gut auf sie verzichten konnte. Er war nur hier, weil seine kleine Schwester ihn genötigt hatte mitzukommen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, säße er jetzt nach einer kleinen Trainingseinheit und einer heißen Dusche in seiner Wohnung, und würde, ganz wie es seine Position als Geschäftsführer eines Modeunternehmens von ihm verlangte, die Kalkulationen für die Frühjahrsmode überprüfen. Na ja gut, das musste vielleicht nicht gerade an einem Sonntag Abend passieren, aber wenn er doch eh keine Lust auf Gesellschaft hatte, war das doch eine gern gesehene Begründung für einen Rückzug in die eigenen vier Wände, und die eigene Ablenkung von der Welt, die ihm alles andere als bunt und einladend vorkam.
Aber er wusste, dass er Isabella nicht entkommen konnte. Ansonsten würde sie ihm, und allen anderen Menschen in seiner Umgebung, die nächsten Wochen vorhalten, dass er mal wieder gekniffen hatte, und darauf hatte er nun wirklich keine Lust. "Du musst dich doch mal amüsieren." "Du kannst doch nicht immer nur in deiner Bude hängen." " Es gibt noch was anders außer Arbeit." Er kannte diese Sprüche in und auswendig, und sie nervten einfach total. Also stand er jetzt hier, und versuchte gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Er nahm einen kleinen Schluck von dem süßen Gesöff und verzog angewidert das Gesicht. „Hast du was von leckerem Getränk und Amüsieren gesagt?“ brummelte er vor sich hin, während er halbherzig dem Geschehen auf der Bühne folgte. „Dieser Typ da oben, erinnert mich eher an einen schlechten Komiker vom Ballermann, als an einen Weihnachtsmann, ... und was soll diese Aktion da eigentlich?“ Er konnte bislang beim besten Willen keinen Sinn in dem ganzen Geschehen erkennen. Isabella nahm noch einen Schluck Glühwein und grinste ihn an. „Warte mal ab, das ist echt lustig. Da können Leute ihre selbstgemachten Dinge versteigern. Manchmal kann man sich echt wegschreien, was die Leute da so zusammen schustern. Letzte Woche gab es einen Weihnachtsbaum aus Bierdosen, sehr witzig sag ich dir. Also wenn du ein wirklich schräges Weihnachtsgeschenk suchst, bist du hier genau richtig.“ Tom verdrehte die Augen. „Weihnachtsbaum aus Bierdosen. Das hat ja mal Stil.“, sagte er sarkastisch. „Du weißt, dass ich keine Lust auf Weihnachten habe. Das macht …“ „Ja, ja,“ unterbrach Isabella sofort, sie hatte keine Lust mehr auf diese Leier. „Das macht alles keinen Sinn. Ohne Fanni ist eben alles trostlos und leer, bla bla bla. Mann Tom, ich kann’s nicht mehr hören. Jetzt schlag dir diese Tuss endlich aus dem Kopf. Sie ist jetzt seit einem Jahr weg …“. Tom unterbrach seine Schwester harsch, er überlegte bereits ob er sie nicht einfach hier stehen lassen sollte. Das war genau das, was er nicht hören wollte. „Aber sie war …“ wollte er protestieren. „Tom raff es endlich. Dass ich nicht lache, sie war deine große Liebe…“ fuhr sie ihn ironisch an. Isabella schlug mit der Hand auf den Tisch, dass es nur so knallte, und leider auch seine Tasse auf den Boden fiel, die klirrend entzwei brach. Tom sprang einen Satz zurück, um die Brühe nicht auf seine Designer-Jeans zu bekommen, aber zu spät. Sein linkes Hosenbein war von heißem Glühwein überzogen. Immerhin hatten sie sich für weißen Glühwein entschieden, so dass es wohl keinen bleibenden Eindruck hinterlassen würde, aber trotzdem erreichte der Genervtheitsgrad des Tom Lanford einen erneuten Höchststand. Isabella stierte einen Moment irritiert auf die Scherben am Boden, bevor sie erschrocken Tom ansah, aber sie war noch nicht fertig, und sie würde sich jetzt auch nicht aufhalten lassen, ihre Standpauke fortzuführen. „Aber offensichtlich warst du nicht ihre. Sonst hätte sie dich wohl kaum wochenlang betrogen, um sich dann mit deinem Freund abzusetzen, ohne dich auch nur davon in Kenntnis zu setzen. Und sorry, wenn ich das so sagen. Aber wenn so deine große Liebe aussieht, hältst du nicht wirklich viel von inneren Werten, denn das was sie mit dir abgezogen hat, war mehr als schäbig.“ Toms Augen funkelten seine Schwester einen Moment wütend an, und am liebsten hätte er ihr eine runter gehauen, aber er wusste, dass sie recht hatte, und für einen Moment spürte er die Tränen der Verzweiflung in sich aufsteigen. Entschlossen drängte er sie zurück, und hielt einfach den Mund. Ein Kraftakt, der ihn alle Energie kostete. „Ich hol mir mal was neues zu trinken.“, sagte er stattdessen in kühlem Ton. „Willst du auch noch was?“ Isabella hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Reaktion und so sah sie ihn an, als wäre er eine Fata Morgana, ehe sie sich in die Realität zurückholte und auf die fragende Geste seinerseits reagierte. „Ja gerne, aber mit Schuss. Den kann ich jetzt gebrauchen.“

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Zuletzt von katha am Do Dez 27 2012, 10:38 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Mi Dez 26 2012, 23:14

interessante Story. bin gespannt, wie das zwischen Tom und Anna weitergeht. sorry, heute alles in Kleinbuchstaben, teste gerade mein neustes Spielzeug. hach, weihnachten kann schon sehr schön sein. super

frei mich auf eine baldige Fortsetzung.

LG, Mini

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katha

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BeitragThema: "2"   Do Dez 27 2012, 09:38

Weiter gehts! Smile


„Also, was haben sie für uns dabei?“ fragte der Weihnachtsmann auf der Bühne erneut, nachdem er sich suchend über die Bühne bewegt hatte. Annas Aufmerksamkeit war für einen Augenblick, von dem klirrenden Geräusch der zerbrechenden Tasse, in das Publikum zu ihren Füßen geleitet worden. Das erste Mal schaute sie genauer auf die Menschen, die dort vor ihr standen. Na der Typ sieht ja mal aus, als ob er sich wirklich amüsiert, dachte sie, aber warum soll es ihm besser gehen als mir? Es wird ja keiner gezwungen hier zu sein. Aber ehe sie ihre Betrachtung fortführen konnte, schwebte plötzlich das Mikrofon des Weihnachtsmannes wieder vor Annas Nase, so dass sie ein Stück zurückwich, um nicht mit dem Ding in Berührung zu kommen. Man konnte ja nie wissen, wer da schon so alles seine Körperflüssigkeiten rein gespuckt hatte. „Zwei Kleider,“ sagte sie, sich wieder an die Frage erinnernd, mit immer noch vor Nervosität zitternder Stimme. Der Weihnachtsmann musterte sie von oben bis unten, schaute überzogen deutlich auf ihre leeren Hände und legte fragend den Kopf schief. „Uuuunnnd, die sind wo?“ Er machte einen Satz zur Bühnenkante, und fragte das Publikum, „Habt ihr sie schon gesehen? … Vielleicht bin ich was Geschenke angeht schon ein wenig betriebsblind.“ Anna ging verunsichert zurück zum Bühnenaufgang, um zu schauen, wie weit ihre Freundin mit den Vorbereitungen war. „Halt, halt! Sie wollen uns doch nicht schon wieder verlassen?“, sprang der Weihnachtsmann herbei. „Meine Freundin … gleich...“ Anna zeigte die Treppe hinunter und presste diese Worte heraus. Sie tat sich einfach unendlich schwer damit, vor Menschen zu sprechen, und dann noch in dieser Situation. Sie fluchte innerlich, sich auf dieses ganze Vorhaben eingelassen zu haben.
Die weißen, buschigen Augenbrauen des Weihnachtsmanns zuckten skeptisch in die Höhe. „Es dauert also noch? Wenn ich ihre aussagekräftigen Worte zusammenfassen darf?“ Anna nickte verlegen. „Was machen sie denn mit dem Geld, das sie bekommen? Was ist ihr Anfangsgebot?“ Anna holte tief Luft, sie war sich nicht ganz sicher, was sie sagen sollte. Aber schließlich entschloss sie sich hoch zu pokern. Alles oder Nichts, dachte sie entschlossen, denn zu verschenken hatte sie wahrlich nichts. „100“, sagte sie zögerlich. Der Weihnachtsmann sprang einen Satz zurück „Wow, dass ist mal ein ordentlicher Betrag. 100 € für zwei Kleider. Das ist hier auf dieser Bühne schon außergewöhnlich.“ Anna schüttelte den Kopf und sagte bestimmt. „Für ein Kleid.“ Jetzt hatte Anna tatsächlich das Publikum auf ihrer Seite, wenn auch nicht so, wie sie sich das gewünscht hätte, denn ein lautes Johlen drang zu ihr herauf. Dort unten standen scheinbar nur Idioten, die keine Idee davon hatten, was für eine Arbeit in einem Kleidungsstück stecken konnte, und wie ernst es ihr war. Schließlich hatte sie von der Idee bis zum letzten Nadelstich alles selbst gemacht. Ein gedehntes „Ooookkkaayyy“ drang an ihr Ohr. „Sie sind offensichtlich mutiger als sie aussehen.“ Anna hatte die Schnauze so langsam gestrichen voll von dieser Schmierenkomödie. Sie machte sich doch hier nicht zum Deppen der Nation. Energisch trat sie erneut an den Bühnenaufgang, aber Paloma signalisierte ihr, dass sie noch ein paar Minuten überbrücken müsse. „Ich sehe unser Engel, mit seinen vermutlich aus purem Gold gefertigten Kleidern, ist immer noch nicht bereit." machte sich der Möchtergern-Weihnachtsmann schon wieder über sie lustig. "Was haltet ihr davon, wenn wir den Engel fragen, ob er uns ein kleines Ständchen bringt, bis die bestimmt zauberhaften Kleider die Bühne erreichen?“ Die Menge, auf dem mittlerweile völlig überfüllten Platz, jaulte erneut auf, und Anna spürte, wie ihr Herz noch schneller schlug, und sich ihr Mund wie mit Löschpapier auslegte. „Singen?“ fragte sie ungläubig. „Können sie etwa nicht singen?“ Anna schüttelte verwirrt den Kopf. „D.. doch, aber … warum sollte ich?“ Der Weihnachtsmann zuckte kühl die Schultern „Vielleicht, um ihre künftige Kundschaft bei Laune zu halten?“ Anna schüttelte abwehrend den Kopf. „Na ja, wenn sie 100 € für ein Kleid haben wollen, scheinen sie Geld zu brauchen… . Da waren wir überhaupt stehen geblieben. Was haben sie mit dem Geld vor? Sich selbst beschenken?“ „Ne, erst mal sparen.“, sagte sie verlegen. „Oh, ja, das ist ja mal spannend. Na gut, wissen sie was, ich bin ja kein Unmensch, und sie unterhalten uns ja auch ganz prima. Wenn sie jetzt für uns singen, bekommen sie von mir noch Geld für ihre Gesangseinlage obendrauf, vielleicht tut ja der ein oder andere von euch noch etwas dazu…“, sprach er das Publikum an, und Pfiffe und erheitertes Lachen erfüllte den Platz. Anna überlegte einen Moment, … wenn es ihrem Ziel dienlich wäre. Zudem würde dieser Typ in der Zwischenzeit wenigstens die Klappe halten. Also nickte sie schließlich kapitulierend. „Okay, gibt’s Begleitmusik?“
Erneut jubelte die Menge. Scheinbar freuten sie sich auf einen peinlichen Auftritt der kleinen zurückhaltenden Blondine. Der Weihnachtsmann strahlte, „Im Anschluss an die Aktion Schenk was! findet eine Karaoke-Kennenlern-Party statt, zu der ich euch schon mal alle einladen möchte. Anna wird euch jetzt einen Vorgeschmack darauf geben. Wir haben, natürlich passend zum Thema, eine Menge Love-Songs im Petto. Anna, such dir was aus.“ Anna verdrehte angenervt die Augen. Love-Songs, auch das noch. Ganz ihr Thema. Ja, sie glaubte an die Liebe, wünschte sich den Ritter in der schimmernden Rüstung, der sie aus ihrem traurigen Leben riss, und sie endlich aufblühen lassen würde, aber ihre bisherigen Erlebnisse mit der männlichen Gattung waren mehr als deprimierend. Anna quälte sich durch die Liste der Schmachtlieder, in denen sich Frauen und Männer nach einander verzehrten. Sie selbst hatte nicht mal jemanden, an den sie denken könnte, wenn sie so etwas singen würde, das machte es ja vermutlich sehr überzeugend, aber gut, wenn sie es so wollten. Sie suchte nach irgendetwas, was ihr gefiel, und Gott sei Dank, da gab es doch was, mit dem sie leben konnte.

Tom hatte sich währenddessen durch das Gewühl der Menschenmenge geschoben und kam endlich wieder bei Isabella an, die der Situation auf der Bühne interessiert folgte. Der Weihnachtsmann-Typ war schon echt grenzwertig, obwohl man ihm einen gewissen Unterhaltungsfaktor nicht absprechen konnte. Und diese Frau …? Isabella wusste nicht recht, was sie von ihr halten sollte. Sie sah eigentlich hübsch aus, und irgendwie hatte sie die Vermutung, dass hinter dieser schüchternen Fassade mehr steckte, als man auf den ersten Blick vermutete. Ansonsten hätte sie wohl nicht solche Beträge als Anfangsgebot ihrer Mitbringsel genannt. Entweder hatte sie echt was auf dem Kasten und wusste das auch, oder sie war noch blonder, als sie aussah.
„Oh, was zu Trinken, super. Mir wird langsam kalt.“, begrüßte Isabella ihren Bruder, der froh war, endlich angekommen zu sein. „Dann schlage ich vor, dass du dich das nächste Mal durch die Massen drängelst, dabei wird dir bestimmt warm.“, antwortete er sarkastisch. „Und, hat es sich wenigstens gelohnt? Jemand Interessantes gesehen?“ frage Isabella mit amüsiertem Gesichtsausdruck. Und prompt kam die erwartete Reaktion. „Boh Isa, nun lass es gut sein.“ Isabella legte ihre Hand auf Toms Arm. „Tom, ich meine es ernst. Du hast was anderes verdient als Fanni. Und … „ sie ließ ihren Blick über die Menschen gleiten und blieb an Anna hängen, die gerade tatsächlich eingewilligt hatte, zu singen. „Es gibt noch andere schöne Frauen. Sieh mal die Blonde auf der Bühne, die ist doch ganz süß.“ Tom trank einen Schluck, und betrachtete währenddessen die junge Frau auf der Bühne mit abschätzigem Blick. „Na ja, ein bisschen langweilig, oder?… Und, reden können, wäre auch nicht zu verachten. Bisher waren das ja kaum mehr als Drei-Wort-Sätze, die sie von sich gegeben hat, wenn überhaupt. ... Sag mal hat der Typ eben von einer Kennenlern-Party gesprochen? Du hast mich aber nicht deshalb hier her geschleppt, oder?“ Er musterte seine Schwestern mit verkniffenen Lippen. So langsam waren seine Nerven wirklich ausreichend strapaziert, aber Isabella war im Gegensatz zu ihm scheinbar tiefenentspannt und ließ sich gar nicht beeindrucken. „Hast du Angst, dass dein miesepetriges Gesicht einer Frau gefallen könnte?“ foppte sie ihn. „Also, ich bin spätestens, wenn das los geht, weg. Das sag ich dir.“ Er wand sich wieder der Bühne zu und vernahm das Wort Lovesongs. Entgeistert klappte ihm der Mund auf. Gerade setzte Musik ein und die junge Frau, stand mit dem Mikrofon in der Hand, abwartend da. „Die will doch jetzt nicht auch noch singen." Er schaute entsetzt zu seiner Schwester "Isa, wo sind wir hier? Ist das hier die Veranstaltung fürs Fremdschämen?“ Er drehte der Bühne entschlossen den Rücken zu, das konnte er sich beim besten Willen nicht auch noch ansehen. Es reichte völlig aus, dass er seine Ohren wohl nicht verschließen konnte.

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BeitragThema: "3"   Fr Dez 28 2012, 21:09


Anna begann zu singen, und es dauerte nicht lange bis sich Tom den Tönen, die da durch die Lautsprecher zu ihm drangen, nicht entziehen konnte, und sich verwundert wieder umdrehte. Diese unscheinbare Person stand plötzlich mit völliger Präsenz auf der Bühne und sang beschwingt davon, wie es war frisch verliebt zu sein, und auf den alles bedeutenden Anruf zu warten. "Seven little Numbers!" Gott sei Dank keine Schnulze, ging es ihm als erstes durch den Kopf, während er ihrer Darbietung folgte. Sie traf die Töne, hatte eine schöne Stimme und alles in allem sah es aus, als wäre das Lied für sie geschrieben. Er stand da und sah sie verzückt an. Sie vermittelte ihm tatsächlich das Gefühl der süßen Qual einer neuen Liebe: Der aufkeimenden Hoffnung, der Frage ob es dieses mal die oder der Richtige ist, der Ungeduld, weil man die Nähe des anderen so herbeisehnt und endlich Antworten auf all die Fragen finden will. Als sie erneut den Refrain sang, hatte er das Gefühl, dass sie genau ihm für einen Moment tief in die Augen schaute, und er konnte es sich selbst nicht erklären was gerade passierte, denn ihr Blick berührte ihn so, dass er sich für einen Moment fragte, ob das Leben wohl auch für ihn irgendwann wieder solche Gefühle bereit hielt. Völlig irritiert wand er sich ab, und beschäftigte sich bewusst mit der Betrachtung seiner Leidensgenossen, um sich von seinen eigenen ungewohnten Gedanken abzulenken. Und erstaunt stellte er fest, dass auch die anderen Menschen, die den Platz bevölkerten, ihr alkoholgeschwängertes Gehabe für einen Moment eingestellt hatten und von der Darbietung angetan, im Takt des Liedes mitwippten. Als sein Blick, auf seiner Reise über die Menge hinweg, auf seine Schwester fiel, fühlte er sich irgendwie ertappt, was seiner verwirrten Laune einen weiteren Hieb verpasste, denn sie grinste ihn mit einem Blick an, der Bände sprach. Na, ist die Kleine vielleicht doch nicht so langweilig?, schien er ihm spöttisch entgegen zu rufen, und bevor Isabella auf die Idee kommen konnte, diese oder ähnliche Worte auch noch auszusprechen, zog er sein Handy aus der Tasche und entschuldigte sich damit, dass er noch ein dringendes Telefonat erledigen musste. Er drängelte sich durch die Menschenmassen und blies erleichtert die Luft aus, als er sich am Rande des Platzes, hinter den Buden in einen Hauseingang zurückzog, um tatsächlich ein Geschäftsgespräch mit einem seiner Angestellten aus dem Ausland zu führen. Als er sich das Telefon ans Ohr hielt und auf den Rufaufbau wartete, dachte er, um mit dem Thema abzuschließen, Isa soll mich endlich in Ruhe lassen mit diesem Quatsch. Neue Liebe, dass ich nicht lache. Das bedeutet doch nur weiteren Verdruss, da kann ich gerne drauf verzichten. Da bleibe ich doch lieber alleine und gehe meiner Arbeit nach. Das ist wenigstens eine sinnvolle Beschäftigung.

Als Annas Gesang endete, gab es begeisterten Applaus und der Weihnachtsmann, der plötzlich sprachlos schien, trat mit bewunderndem Gesichtsausdruck an Anna heran, die sich mit hochrotem Gesicht verlegen bedankte. Erleichtert stellte sie fest, dass die Präsentation ihrer Kleider endlich starten konnte, so dass sie sich bald von dieser Bühne verabschieden konnte. Denn auch wenn ihr das Singen Spaß machte, zuhause unter der Dusche oder beim Putzen fühlte sie sich viel wohler dabei. Dieses Publikum hier war ihr eindeutig zu viel. Aber zumindest schien sich ihr Einsatz gelohnt zu haben, denn der Weihnachtsmann zückte wie versprochen sein Portemonnaie und zog einen Schein heraus, ehe er die Zuschauer ansprach. „Wer hätte das gedacht. Da hat doch tatsächlich ein Engel für uns gesungen.“ Er nahm seine Mütze vom Kopf und steckte den Schein hinein. „Gleich werden wir in diesem Hut ihre Gebote einsammeln, und wenn sie mögen, stecken sie doch noch ein kleines Dankeschön für diese wunderbare Gesangseinlage dazu.“
Er wand sich den zwei Schneider-Puppen zu, die mittlerweile von Anna und ihrer Freundin auf die Bühne gestellt worden waren. Daran hingen zwei durchaus beeindruckende Kleider. Eines in crashigem aber trotzdem chicken Look, und ein echt edel anmutendes Abendkleid, das aber mit einigen Accessoires deutlich machte, dass es kein 0 8 15 Kleid sein wollte. Auch dieser Anblick beeindruckte den Moderator im Weihnachtsmann-Kostüm, was seiner ironischen Ader, sehr zum Leidwesen der Zuschauer, jedoch ein wenig die Luft aus den Segeln nahm. „Anna, erzählen sie uns was zu den Kleidern!“ forderte er die junge Frau auf, und Anna zuckte die Schultern. „Ich denke die Kleider sprechen für sich. Was soll ich sagen? Sie sind aus hochwertigen Stoffen gefertigt, und äh … . Ach so ja, es ist Kleidergröße 38.“ Der Weihnachtsmann nahm die Schneiderpuppen und stellte sie an den Rand der Bühne. Er schwieg einen Moment, überlegte scheinbar welchen witzigen Kommentar er loslassen könnte… aber so recht schien ihm nichts einzufallen. „Also, was sagen sie zu den Kleidern? Geben sie ihre Gebote ab. Sie haben gehört, das Anfangsgebot liegt bei 100 €. Eine Stange Geld, ... aber, liebe Damen, ich denke sie werden in den Kleidern fantastisch aussehen. Und sie, liebe Männer, sie sehen ihre Partnerinnen doch gerne in schönen Kleidern, also machen sie ihren Herzdamen ein einmaliges Geschenk. Es sind Unikate. Das hoffe ich zumindest, denn darum geht es hier auf dieser Bühne. Anna?“, fragte er sie quasi nach einer Bestätigung. Anna war erleichtert. Bislang kein dummer Spruch mehr, kein Gröhlen, keine Pfiffe. Da hörte sie seine letzte Bemerkung und ging schnell zu dem Moderator hin. „Natürlich sind es Unikate, von mir entworfen und angefertigt.“ Die buschigen Augenbrauen zuckten anerkennend in die Höhe. „Also, sie haben es gehört. Wir spielen jetzt einen Weihnachtssong, während wir ihre Gebote einsammeln und anschließend kommen wir zum spannensten Moment. Was ist das Höchstgebot und wer bekommt den Zuschlag?“

Als Tom sein Telefonat beendet hatte, überlegte er ob er einfach verschwinden sollte, jetzt wo er sowieso schon am Rande dieser ganzen Gesellschaft stand. Aber das konnte er nicht tun. Isabella würde ihm das nie verzeihen, also drängelte er sich, mit dem festen Vorsatz sich alsbald auf den Heimweg zu begeben, zurück in die Mitte des Weihnachtsmarktes. Als er seine Schwester in der Menge ausgemacht hatte, sah er, dass sie nicht alleine am Tisch stand. Sie war in ein Gespräch mit einer jungen Frau vertieft. Tom verzog skeptisch das Gesicht. Das ist doch die Blondine von der Bühne... Warum stand sie jetzt bei seiner Schwester? Ihre Bewegungen verrieten, dass sie scheinbar ziemlich aufgeregt war, und dabei strahlte sie über das ganze Gesicht. Ein tolles Lächeln, ging es ihm spontan durch den Kopf, als er sie beobachtete, wie sie seiner Schwester eine Tüte in die Hand drückte, und sich dann zum Gehen abwand. Sie nahm die Schneiderpuppe in die Hand, die neben ihr stand, und kam auf ihn zu. Keine leichte Aufgabe, denn der Platz war voll, und die Leute bildeten kleine Festungen rund um ihre Stehtische, um ja ihren Standpunkt nicht zu verlieren. Immer wieder bat sie vorbei gelassen zu werden, und als ihr Strahlen so langsam einer ziemlichen Genervtheit wich, rutschte ihr die Schneiderpuppe aus der Hand und landete mit dem Gestell unsanft auf dem Boden, bevor Anna, die versuchte zu retten was zu retten war, gemeinsam mit ihr ins Wanken geriet. So richtig hinfallen konnte sie zwischen den vielen Menschen zwar nicht , aber trotzdem kippte sie ein Stück vorn über und prallte mit voller Wucht gegen Tom, der ihren Weg in die entgegengesetzte Richtung folgte. „Passen sie doch auf!“, fuhr Tom sie an, und schob sie mit festem Griff von sich. Aber trotzdem hielt er sie fest, bis er sicher war, dass sie nicht erneut ins Wanken geraten würde. Als Anna mit hochrotem Gesicht den Kopf hob, sah sie in die grimmige Mimik ihres Gegenübers. Der stand doch eben bei der Frau, die meine Kleider ersteigert hat, dachte Anna. Da hat sie sich aber einen unsympathischen Kerl ausgesucht, dabei war sie selbst so nett. Sie entschuldigte sich mehrfach, und als sie ihn dabei näher betrachtete, kam sie nicht umhin festzustellen, dass er immerhin ziemlich gut aussah. Aber Tom war nicht gewillt, sich irgendwie versöhnlich zu zeigen. Obwohl sich sein Blick in Annas faszinierenden grünen Augen verloren, wischte er diese Begegnung mit einem, „Ja, ja, ist ja schon gut.“ beiseite, und folgte ohne ein weiteres Wort seinem eigentlichen Ziel. Anna schaute ihm hinterher und murmelte ein „Blöder Idiot“ hinter ihm her, ehe sie ihren Weg wieder aufnahm.

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Sa Dez 29 2012, 12:40

Hahaha Smile ... "Blöder Idiot" Smile ... Schätzchen, bald wirst du ohne diesen "blöden Idioten" nicht mehr leben können! Wink Razz Embarassed

Kaaaaaaaaaattiiiiii, meine Süße ... eine wunderbare Idee hattest du da ... ich bin soooooo gespannt wie es weiter geht! Wink Embarassed

Bitte mach schnell weiter!!! Wink

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    So Dez 30 2012, 08:18

*~Butterfly~* schrieb:
Hahaha Smile ... "Blöder Idiot" Smile ... Schätzchen, bald wirst du ohne diesen "blöden Idioten" nicht mehr leben können! Wink Razz Embarassed

Kaaaaaaaaaattiiiiii, meine Süße ... eine wunderbare Idee hattest du da ... ich bin soooooo gespannt wie es weiter geht! Wink Embarassed

Bitte mach schnell weiter!!! Wink

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So so, das denkst du also:). Wir werden sehen...
Schön, dass du dich meldest Butterfly.
Ich hoffe, dass es dir gut geht, und du ein schönes Weihnachtsfest hattest. Wink
Ich poste dann mal den nächsten Teil, damit deine Neugier ein wenig Nahrung bekommt. super

LG,
Katha

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BeitragThema: "4"   So Dez 30 2012, 08:37

Guten Morgen! Mal sehen, ob der morgen bei Anna auch gut ist. Wink
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Am nächsten Tag stand Anna wieder hinter der Theke der Goldelse, dem Restaurant ihrer Eltern. Aber irgendwie war sie mit ihren Gedanken nicht ganz bei der Sache. Sie schwelgte aufgeregt in Zukunftsfantasien, denn das Geld, das sie durch den Verkauf der Kleider und ihre Gesangseinlage bekommen hatte, war ihr Startkapital in eine neue Zukunft. Das hoffte sie zumindest. „Anna, hier steht Essen für Tisch fünf, jetzt mach endlich, bevor es kalt ist.“, wurde sie aus der Durchreiche der Küche angefahren, und Anna verzog genervt das Gesicht.
Armin, ihr so wahnsinnig netter Stiefvater. Wie sie ihn hasste. Niemals hatte er ein gutes Wort für sie übrig, und niemals vermittelte er ihr das Gefühl, dass sie es zu was bringen könnte. Aber warum sollte er auch, er war ja glücklich, dass er sie hatte. Also, zum Putzen, Bedienen und für die Buchhaltung. Und das alles für einen Hungerlohn, denn seiner Meinung nach stand ihr nicht mehr zu, da sie ja in der gemeinsamen Wohnung ihrer Eltern lebte. Für ihn war also alles perfekt, und daher würde er auch sicherlich nicht den Fehler begehen, und ihr auch nur ansatzweise sagen oder zeigen, dass sie in den Dingen, die sie tat, ziemlich gut war. Die Buchhaltung beispielsweise war nie akkurater gewesen, als jetzt. Na ja, zumindest die Offizielle, was Armin so an der Buchhaltung vorbei schleuste, wollte sie gar nicht wissen. Anna wusste sich selbst auf jeden Fall gut genug einzuschätzen, um zu wissen, dass sie nicht doof war und durchaus was auf dem Kasten hatte: Nur hatte ihr bislang das Selbstvertrauen gefehlt, das der Welt da draußen zu zeigen. Aber damit war jetzt endgültig Schluss. Sie hatte die Schnauze gestrichen voll von ihrem trostlosen Leben.

Anna brachte das Essen zu den wartenden Gästen, und verzog sich nach einem prüfenden Blick über die besetzten Tische wieder hinter die Theke. Um nicht untätig herum zu stehen, und gleich den nächsten Anschiss zu kassieren, nahm sie sich ein Trockentuch und polierte die Gläser, während sie in Gedanken begann ihre Bewerbungsmappe zusammen zu stellen. Ihr großer Traum war es nämlich nicht, in diesem Laden zu versauern, sondern Designerin zu werden. Aber um überhaupt eine Chance zu haben, einen Schritt in diese Richtung zu gehen, hatte sie eben erst das Geld auftreiben müssen, das man braucht um überhaupt am Aufnahmeverfahren der Modeschule teilnehmen zu dürfen. Eigentlich war es eine Frechheit, wie sie fand, aber sie sah keine andere Möglichkeit ihrem Ziel näher zu kommen. Also musste sie in den sauren Apfel beißen.
Sie war ja schon froh, dass eine neu konzipierte Ausbildung angeboten wurde, bei der erfolgreiche Modeunternehmen mit ins Boot genommen wurden, und man von Beginn an arbeiten gehen konnte. Denn zwei Jahre Schulgeld zu zahlen, wäre ihr definitiv nicht möglich gewesen. 500 € für die Bewerbung aufzutreiben war schon eine echte Herausforderung gewesen. Für Anna war das ein kleines Vermögen, und auf die Unterstützung ihrer Eltern hatte sie nicht bauen wollen. Ihre Mutter hätte ihr zwar bestimmt gerne geholfen, aber Armin war es, der die Fäden in der Hand hielt, und den wollte sie auf keinen Fall davon in Kenntnis setzen, dass sie andere Pläne für die Zukunft hatte, als auf Ewig seine billige Hilfskraft zu sein. Sie konnte sich lebhaft vorstellen, wie seine Reaktion ausgefallen wäre, wenn sie von ihren Plänen berichtet hätte. Er hätte sie ausgelacht und nieder gemacht, und die Genugtuung mit seinen Bemerkungen eventuell recht zu behalten, hätte sie auf keinen Fall riskieren wollen.
Erst wenn sie den Beleg in der Hand hielt, dass sie tatsächlich auf der Modeschule aufgenommen war und einen Arbeitgeber gefunden hatte, würde sie ihn davon in Kenntnis setzen, und dann würde sie noch ausreichend mit ihm aneinander geraten, das war klar. Aber darüber wollte sie sich erst Gedanken machen, wenn es soweit war. Jetzt hieß es erst einmal noch rechtzeitig die Bewerbung abzugeben, und hoffentlich eine Zusage zu bekommen. Dank den 40 € für ihre Gesangseinlage, und der jungen Frau, die ihr auf dem Weihnachtsmarkt 220 € für die beiden Kleider in die Hand gedrückt hatte, war sie nun doch viel schneller in der Lage den nächsten Schritt zu tun, denn mit ihrem Ersparten reichte es nun wirklich, die Bewerbung loszuschicken. Und es war keinen Tag zu früh, denn heute lief die Frist für die das diesjährige Bewerbungsverfahren ab.
Anna lächelte zufrieden und überdachte den Abend auf der Bühne noch mal. Irgendwie war sie im Nachhinein wirklich stolz auf sich. Eigentlich war sie nämlich eher schüchtern, und bekam den Mund nicht auf, sobald sie vor anderen Menschen sprechen sollte, aber so langsam tat sich scheinbar was. Der Applaus, den sie für ihren Gesang erhalten hatte, und der Erfolg, ihre Kleider tatsächlich an den Mann, bzw. die Frau gebracht zu haben, waren eine gute Entschädigung für die dummen Sprüche des Moderators gewesen, und diese Erfahrung hatte ihr Selbstbewusstsein wieder ein kleines Stück wachsen lassen. Und das war gut so, denn wenn sie sich wirklich an der Modeschule bzw. einem potentiellen Arbeitgeber vorstellen dürfte, müsste sie schließlich auch sich selbst präsentieren, obwohl sie eigentlich der Meinung war, dass ihre entworfenen Kleidungsstücke für sich selbst sprechen sollten, schließlich wollte sie nicht Model werden, sondern Designerin.

Hoffentlich gefallen dieser Isabella meine Kleider, wenn sie sie anprobiert… . Anna war die Frau auf Anhieb sympathisch gewesen, und sie hatte das gute Gefühl, dass ihre Kleider eine gebührende Besitzerin gefunden hatten. Deshalb hatte sie ihr auch angeboten, noch Änderungen vorzunehmen, wenn sie nötig waren. Vielleicht meldet sie sich ja mal bei mir. Ich wüsste zu gerne, wie die Kleider ankommen. Da schob sich das grantige Gesicht ihres Freundes in ihre Gedanken, warum wusste sie auch nicht so genau. Ob ihr griesgrämiger Freund seine Freude daran haben wird? Komisch eigentlich, der passt so gar nicht zu ihr. Sie war so offen und herzlich, und er? Na ja, vielleicht hatte er ja auch nur einen schlechten Tag, … ansonsten war er ja schon ganz schnuckelig. Anna schüttelte den Kopf. Was machst du dir denn hier für Gedanken?, fragte sie sich selbst, und holte sich in die Realität zurück, denn gerade hatte sich ein Gast an die Theke gesetzt und wollte eine Bestellung aufgeben.

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BeitragThema: "5"   Mo Dez 31 2012, 08:20

Hallo ihr Lieben,
und hier eine nächste Fortsetzung. Smile
Aber was heute ja viel wichtiger ist. Idea
Ich wünsche euch allen einen super coolen Jahreswechsel.
Feiert schön, lasst es ordentlich krachen und passt auf euch auf! super
***********************************

Derweil saß der Geschäftsführer Lanfords tief vergraben in die Kalkulationen für die nächste Kollektion, in seinem Büro. Das war genau der Platz an dem er sich wohl fühlte. Hier wusste er was er zu tun hatte, war abgelenkt von den Gefühlsdusseleien, die ihn seit einer Ewigkeit im Griff hielten, und bekam die Bestätigung, dass er irgendeine sinnvolle Aufgabe auf dieser trostlosen Welt zu verfolgen hatte.
Als es an seine Tür klopfte, verdrehte er genervt die Augen. Hat man hier denn nie seine Ruhe, dachte er genervt, ehe er ein kurzes „Ja“ an die Tür schmetterte. Aber das hätte er sich auch schenken könne, denn seine kleine Schwester hatte nur proforma geklopft, bevor sie sein Büro stürmte und sich in den Sessel fläzte, der vor Toms Schreibtisch stand. Eine Gemeinsamkeit, die sie mit ihrem Vater teilte, nur dass der nicht mal proforma klopfte. Vermutlich hatte er Angst um seine zarten Hände, die dabei zu Schaden kommen könnten, und dann nicht mehr in der Lage wären seine hohe Kunst der Mode zu kreieren. „Hallo, was gibt’s?“ brummte Tom, ohne zu verschleiern, dass er sich in seinem Tun gestört fühlte. „Nichts, ich wollte nur mal Hallo sagen.“ Sie grinste ihn an, als er skeptisch den Blick hob, und schmetterte nach einer kurzen Pause ein „Hallo!“ hinterher. Tom schüttelte unverständig den Kopf und brummte ebenfalls ein „Hallo“, ehe er sich wieder seinen Unterlagen widmete. Eigentlich war es für ihn kaum zu glauben, dass das da vor ihm wirklich seine Schwester war. Sie war so völlig anders als er, … obwohl, wenn er es recht überlegte, war eigentlich er das schwarze Schaf der Familie, denn Bruno, also sein Vater, und Isabella waren sich schon sehr ähnlich. Sie waren kreativ bis chaotisch, sprunghaft, begeisterungsfähig, offen für andere Menschen und unglaublich cholerisch und stur. Und er? Ja, wie war er? Er wusste es selbst nicht so genau. Er liebte Strukturen, Zahlen, Sicherheit, war häufig genervt und schlecht gelaunt und er brauchte eigentlich keine Menschen. Na ja, das war vielleicht ein bisschen geflunkert, denn es hatte Zeiten gegeben, da hatte auch er das Leben genossen und war sehr gerne mit Freunden unterwegs gewesen. Aber da hatte er auch eine Frau an seiner Seite gehabt, die scheinbar nur seine besten Seiten hatte erglänzen lassen. Aber diese Zeit war nunmal vorbei.
„Isa, was ist?“ fragte er genervt, denn diese saß wippend vor ihm, und machte keine Anstalten sich wieder zu erheben, oder wenigstens mit ihm zu reden. „Ich überlege … .“ Muss sie das in meinem Büro tun? fragte sich Tom, ehe er resigniert seinen Stift beiseite legte und sich zurück lehnte. „Und was, wenn ich fragen darf?“ Isabella hielt in ihrem Wippen inne, und verzog ratlos das Gesicht. „Unser Vater möchte die übliche Weihnachtsfeier für die Belegschaft veranstalten. Und dieses Mal soll es ganz klassisch und romantisch werden.“ Sie klimperte ihren Bruder an, denn sie wusste genau, wie er über die Extravaganzen seines Vaters dachte, und da es sich beim Thema auch noch um Weihnachten drehte, auf das er ja sowieso keine Lust hatte, machte es auch nicht besser. Und sogleich erfolgte die erwartete Reaktion. Er rieb sich angestrengt über die Augen und schüttelte, mit zur Decke erhobenem Blick den Kopf. „Oh Mann, gibt es nichts Wichtigeres als Brunos Vorstellungen zur weihnachtlichen Betriebsfeier?“ Isabella hob die Augenbrauen und sagte belustigt, „Das fragst du jetzt nicht im ernst, oder? Du weißt doch wie wichtig Papa sein Fest ist.“ Tom und Isa sahen sich, in diesem Moment mal völlig einvernehmlich, in die Augen, denn beide wussten, dass es kein Entkommen gab. „Hast du vielleicht irgendeine Idee? Für bodenständig und klassisch kann ich Virgins Tips nicht gebrauchen, und da ich die Glückliche bin, die das ganze organisieren soll…“ Jetzt musste Tom mal grinsen. „Viel Spaß und ein glückliches Händchen Schwesterherz. Vielleicht hättest du gestern Bruno mit auf den Weihnachtsmarkt nehmen sollen, dann wüsstest du jetzt zumindest worüber er sich aufregt.“ sagte er mit wissendem Blick. Isabella verzog mürrisch das Gesicht. „Ha ha, sehr witzig“, antwortete sie pikiert, und fragte mit gespieltem Verständnis „War es wirklich so schlimm einen Abend mit deiner Schwester zu verbringen?“ Tom lächelte versöhnlich. „Na ja, sagen wir mal, ich hab’s überlebt.“ Da sprang Isabella genauso plötzlich wie sie gekommen war, wieder auf um zu gehen. An der Tür drehte sie sich nochmal kurz um. „Und das nächste Mal wirst du auch überleben. Du wirst nämlich heute Abend mit mir raus gehen, und zieh dich warm an! Verstanden?“ Sie sah ihrem Bruder noch mal tief in die Augen, bevor sie sich schnell aus dem Staub machte, um jeglichen Widerworten aus dem Weg zu gehen. Tom sah ihr mit einem liebevollen Kopfschütteln hinterher. Er liebte diese kleine Rotzgöre, und das war wahrscheinlich seine größte Schwäche. Aber er war über viele Jahre mehr Vaterersatz als Bruder für sie gewesen, und das hatte sie beide eng zusammengeschweißt. Und nun war auch sie irgendwie groß geworden, und wusste sich bestens zu behaupten. So gut, dass Tom sich manchmal fragte, ob sie, ohne es zu merken, einem Rollentausch erlegen waren, denn nun sagte meist Isabella wo es lang ging.

Isabella verfolgte ihre Weihnachtsfeier-Planung. Sie wälzte die Lanford-Kartei der üblichen Cateringunternehmen und Restaurants, und führte ein Telefonat nach dem anderen, aber die passende Lösung war immer noch nicht in Sichtweite. Sie seufzte frustriert auf. Das passte einfach alles nicht. Schicki Mickie, keine freien Termine oder schon oft gesehen und somit totlangweilig. Sie rieb sich hilflos über die Schläfen. Klassisch, bodenständig aber gut. Gemütliche Atmosphäre …. Das muss doch zu finden sein, dachte sie angenervt, das sind doch ausnahmsweise mal völlig realistische Vorstellungen von Paps. Ihr Problem war, dass sie sich nicht gerne in Lokalitäten aufhielt, in denen man sich gesittet an einen Tisch setzte, und somit auf keinen umfangreichen Erfahrungsschatz zurückgreifen konnte. Hätte man sie nach alternativen Berliner Clubs oder ungewöhnlichen Kneipen in U-Bahn-Schächten oder Abrisshäusern gefragt, hätte sie auf Anhieb Adressen parat gehabt, aber das war eben nicht ganz Brunos Kragenweite. Ratlos setzte sie sich ans Internet und durchforstete die Gastro-Tips Berlins, als sie auf einen Namen stieß, der ihr irgendwie bekannt vorkam. Goldelse? Woher kenn ich den Namen?, überlegte sie, und dann hatte sie eine Vermutung. Sie nahm ihre Tasche unterm Tisch hervor und kramte darin rum, was gar nicht so einfach war, denn da waren zwar weniger des üblichen Damen-Handtascheninventars, sprich Schminkutensilien, Parfüm und co. zu finden, dafür aber jede Menge anderer Kram wie Dosenöffner, Feuerzeuge und ähnlichen Dinge. Sie fand einfach nicht, was sie suchte, also schüttete sie letztendlich die ganze Tasche aus, und siehe da, da flatterte eine einzelne Visitenkarte dem Boden entgegen. Schnell, stopfte sie den Inhalt, der sich auf ihrem ganzen Tisch ausgebreitet hatte, wieder in die Tasche und hob das Kärtchen auf. Goldelse – Gutes Essen in gemütlicher Atmosphäre „Ha, das passt doch.“ Sie nahm sogleich ihre Jacke und Tasche in die Hand und lief los.

Als sie in den Fahrstuhl trat, traf sie erneut auf ihren Bruder, dessen Laune scheinbar immer noch nicht besser war, als am Morgen. Aber das war ja auch nicht zu erwarten gewesen. Die Belegschaft hatte ihn aus gutem Grund schon vor mehreren Monaten heimlich zum Grießgram der Firma ernannt, und damit sich an der Berechtigung dieses Titels etwas änderte, musste wohl ein kleines Wunder geschehen, welches zur Zeit leider nicht absehbar war. Aber Isabella sah gar nicht ein, sich von ihm abschrecken zu lassen. Sie hatte ein dickes Fell, und daher ignorierte sie auch jetzt seinen Missmut und strahlte ihn freudig an. „Na, alles klar bei Dir? Wo geht’s denn hin?“ Tom verzog das Gesicht. „Bruno hat sich auf eine Kooperation mit der Modeschule eingelassen und ich soll mitkommen um die Mappen der Bewerber zu sichten. Quasi als Gegenpart zur reinen Kunst die wirtschaftliche Verwertbarkeit der gezeigten Entwürfe einschätzen. Eine Aufgabe ganz nach meinem Geschmack, wie du dir denken kannst.“ „Sollen wir tauschen? Ich geh mit Paps zur Modeschule, und du organisierst die Weihnachtsfeier?“ Tom zog die Augenbrauen in die Höhe. „Ne, lass mal, dafür bin ich wohl noch weniger geeignet, und du für die Modeschule auch. Schließlich soll die Mode tragbar sein, die wir verkaufen.“ Isabella zuckte gelassen die Schultern. „Na gut, dann viel Spaß in der Modeschule!“ Die Tür öffnete sich, und sie traten gemeinsam heraus. Tom wand sich nach einem kurzen Gruß zum Parkplatz, während Paul zu Fuß losging. „Ach Tom, falls wir uns nicht mehr sehen. Heute Abend um acht an der Glühweinbude am Alex, und zieh dich warm an.“ Tom verdrehte mal wieder die Augen, aber er wusste, dass er hingehen würde. Isa war die einzige, die er seit seiner Trennung von Fanni wirklich an sich heran ließ, und er konnte ihr einfach keinen Wunsch abschlagen. Und insgeheim genoss er ihre Gesellschaft, da sie ihn auf andere Gedanken brachte.
Aber jetzt musste er sich beeilen. Sein Vater war schon vorgefahren, da Tom noch ein wichtiges Telefonat hatte führen müssen, und jetzt würde er vermutlich als letztes in die erlauchte Runde schneien, was ja so gar nicht nach seinem Geschmack war. Na ja, vielleicht konnte er sich heimlich hinein schleichen und sich im Hintergrund halten, ... obwohl, nee … schließlich wäre er mit Bruno dort, und mit ihm konnte man nur im Mittelpunkt stehen. Wieder mal eine Eigenschaft seines Vaters, die er so gar nicht teilte.

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Mo Dez 31 2012, 14:14

Puh, gleich drei Teile auf einmal. Das ist ja wie Weihnachten ...
Die Geschichte fesselt ungemeint. Bin wahnsinnig gespannt, wie es weitergeht. Ob es Anna schafft, ihren Traum zu erfüllen? Und ob Tom aus seinem Schneckenhaus rauskommt und den Griesgram in die Wüste schickt? Wie auch immer, ich schätze, Isabella wird das Kind schon schaukeln und ein bisschen Schicksal spielen.

Immer wieder gut, etwas aus deiner Feder zu lesen. Und ich bin wirklich neugierig auf mehr.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Di Jan 01 2013, 16:06

Mini_2010 schrieb:
Puh, gleich drei Teile auf einmal. Das ist ja wie Weihnachten ...
Die Geschichte fesselt ungemeint. Bin wahnsinnig gespannt, wie es weitergeht. Ob es Anna schafft, ihren Traum zu erfüllen? Und ob Tom aus seinem Schneckenhaus rauskommt und den Griesgram in die Wüste schickt? Wie auch immer, ich schätze, Isabella wird das Kind schon schaukeln und ein bisschen Schicksal spielen.

Immer wieder gut, etwas aus deiner Feder zu lesen. Und ich bin wirklich neugierig auf mehr.

LG, Mini

Puh, ich bin erleichtert. Du redest doch noch mit mir Razz Wink . Das ist schon sehr ungewohnt, wenn du dich so lange nicht meldest. Surprised
Schön, dass es dir gefällt, ich werde auch noch was nachliefern, damit es nicht langweilig wird.

LG, Katha

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BeitragThema: "6"   Di Jan 01 2013, 16:38

Ich wünsch allen Lesern ein wunderschönes Neues Jahr 2013!
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Anna schaute jetzt schon einer Stunde im Minutentakt auf die Uhr. Man ich muss los, wo bleiben Mama und Armin denn. Wenn sie nicht bald hier sind, dann hab ich meine Chance vertan und muss ein Jahr warten. Super. Aber Armin hat ja bestimmt die Ruhe weg, ist ja so schön, wenn ich hier sitze und die Stellung halte. Zum gefühlten hundertsten Mal nahm sie ihre Mappe zur Hand, die sie mit viel Sorgfalt zusammen gestellt hatte, und kontrollierte ob die Entwürfe auch alle ordentlich eingeheftet und ihre Bewerbung vollständig war. Das Einzige, was sie so schnell nicht mehr hinbekommen hatte, war, ein ordentliches Bild von sich zu organisieren. Aber sie hoffte, dass ihre Bewerbung auch ohne Bild durchging. Sie sah erneut auf die Uhr. Noch eine Stunde, dann wäre die Frist abgelaufen, und sie wäre für ein weiteres Jahr an dieses armselige Leben gefesselt. Mann, es wird echt Zeit, dass ich hier raus komme, und zwar in doppelter Hinsicht. Entschlossen sprang sie von ihrem Hocker herunter und zog sich an. Diese Chance konnte sie einfach nicht verbaseln, nur weil sie die Goldelse hüten sollte. Gäste waren nachmittags sowieso kaum zu sehen, die kamen erst abends wieder, also war es völliger Humbug, hier die Zeit ab zu sitzen. Eilig griff sie ihre Tasche, nahm ihre Mappe von der Theke, und lief los. Als sie gerade die Tür abschließen wollte, wurde sie von Armin angemotzt. „Was machst du denn hier? Du solltest doch die Else offen halten, bis wir wiederkommen.“ Anna verdrehte die Augen. Jetzt hätten sie auch fünf Minuten später kommen können, dann müsste ich mir das jetzt wenigstens nicht anhören. Sie schloss die Tür wieder auf, stieß sie auf, und machte eine einladende Handbewegung. „Jetzt seid ihr ja da und Gäste waren sowieso keine da, also ist doch alles gut.“ Sie sah ihren grimmig dreinschauenden Stiefvater direkt ins Gesicht, und konnte den Spott in ihren Augen nicht ganz zurückdrängen, so dass er sich sogleich provoziert fühlte und zu einer neuen Tirade an Flüchen und Beschimpfungen ansetzen wollte, aber Anna kam ihm zuvor. „Ich bin dann mal weg, und denk dran, ich habe heute Abend frei.“ Es konnte nicht schaden ihn daran zu erinnern, dass es Absprachen zwischen ihnen gab, auch wenn Armin meinte in ihr eine Leibeigene gefunden zu haben.
Während Armin, aufgebläht wie eine Bulldogge in der geöffneten Ladentür weilte, stand ihre Mutter noch auf dem Bürgersteig und schaute sie entschuldigend an. Anna wusste, dass sie es gar nicht gut ertragen konnte, wenn ihre Tochter und ihr Mann ihre Fehden austrugen, aber das konnte ihr Anna nicht mehr ersparen. Viel zu lange schon hatte sie ihr Leben von diesem Tyrannen bestimmen lassen. An dem Leben ihrer Mutter konnte sie nichts ändern, aber ihr eigenes Leben würde sie jetzt in die Hand nehmen. Eilig drückte sie ihrer Mutter einen versöhnlichen Kuss auf die Wange, und rannte zur U-Bahn. Sie hoffte inständig, dass die Belegschaft der Verkehrsbetriebe nicht ausgerechnet heute in Streik getreten waren, oder irgendein Idiot eine Bombe in der U-Bahn-Station abgelegt hatte, um eine Zwangsräumung herbeizurufen. Das waren zwar recht unwahrscheinliche Szenarien, aber sie hätten nur all zu gut in ihr Leben gepasst. Manchmal hatte sie nämlich wirklich das Gefühl, dass sich die ganze Welt gegen sie verschworen hatte.

Als Anna zurück kam und auf die Eingangstür der Goldelse zusteuerte war sie völlig aufgedreht. Sie hatte es getan, sie hatte tatsächlich ihre Bewerbung abgegeben. Sie war ohne größere Zwischenfälle in der Modeschule angekommen, und hatte ihre Mappe mitsamt des nicht erheblichen Kostenbeitrags, zehn Minuten vor Fristende eingereicht. Und jetzt hieß es abwarten. Sie hoffte nur, dass sie nicht so lang auf eine Reaktion warten musste, sonst würde sie vermutlich wahnsinnig werden.
„Gehen wir gleich noch raus? Das muss doch gefeiert werden.“ sprach sie gerade aufgekratzt in ihr Handy. Dann ließ sie sich mit zerknirschtem Gesicht gegen die Hauswand fallen, als sich gerade die Tür öffnete. „Und du kannst heute wirklich nicht?“ Anna sah zwar kurz auf, realisierte aber gar nciht, dass sie die Person kannte, die gerade heraustrat. „Ja, kann man nichts machen. Schade. … Ja, dann verkriech ich mich wohl doch in meinem Zimmer. So´n Mist, wo ich doch heute Abend frei habe…". Irritiert schaute Anna erneut auf, denn die Frau, die gerade aus der Else getreten war, druckste in ihrer Näher herum, als warte sie darauf, dass Anna auflegte. Da erst erkannte sie die Frau, und ein Lächeln spielte um ihre Lippen. „Ne, ist schon gut. Dann noch einen erfolgreichen Abend. Tschau Palomi!“ Sie beendete das Telefonat mit leichter Ernüchterung und sah in das strahlende Gesicht der Frau, die ihr am Tag zuvor ihre Kleider abgekauft hatte. Anna war ihr so dankbar, denn ohne sie hätte sie die Bewerbung nicht gerade abgeben können, und so sprang Anna sie jetzt fast an, um sie zu umarmen. „Du weißt gar nicht, welchen Traum du mir gestern ermöglicht hast!“ rief sie freudig aus. Isabella war ja selbst ein sehr impulsiver Mensch, aber jetzt schaute sie doch erst einmal irritiert. „Das freut mich …“ sagte sie verblüfft. Anna hatte sich wieder von der jungen Frau gelöst und schaute für einen Moment verlegen beiseite. „Entschuldigung, ich fall dir hier einfach in den Arm ... Wolltest du zu mir?“ Isabella nickte, „Ja, unter anderem.“ Anna errötete vor Aufregung. „Hast du die Kleider anprobiert? Passen sie?“ Gespannt schaute sie in das Gesicht ihres Gegenübers. „Ja, sie sind toll, aber vielleicht könntest du sie mir ein kleines bisschen kürzen? Du hattest es ja angeboten … „ Anna strahlte, „Ja klar, hast du sie dabei, dann kann ich sie sofort abstecken.“ Isabella lachte, „Mein Gott, du bist ja gar nicht zu bremsen. Nein, ich habe sie nicht dabei, aber ich könnte morgen vorbei kommen.“ Sie zögerte einen Moment bevor sie weiter sprach. „Sag mal ich wollte nicht indiskret sein, aber habe ich das eben richtig gehört, du würdest heute Abend gerne raus gehen?“ Anna nickte mit zerknautschtem Gesicht. „Ja, aber meine Freundin, mit der ich los wollte, kann nicht.“ Isabella zog die Brauen in die Höhe und lächelte, „Dann treff´ dich doch mit mir. Ich wollte heute Abend auf den Weihnachtsmarkt gehen. Ich freu mich, wenn du dazu kommst. Um acht auf dem Markt am Alex?“ Annas Gesicht leuchtete auf. Sie hatte wirklich keine Lust den Abend Zuhause zu verbringen, und irgendwie schienen Isabella und sie auf einer Wellenlänge zu liegen, also warum nicht. „Okay, dann bis heute Abend. Ich freu mich.“
Anna sah der jungen Frau noch einen Moment hinterher. Irgendwie fühlte es sich an, als ob ihr Leben endlich neue Fahrt aufnahm, und Isabella passte in diese Aufbruchstimmung. Und es fühlte sich so verdammt gut an. Beschwingt betrat sie die Else mit dem Wissen, dass es nie mehr so sein würde, wie vorher.
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Tom sah sich genervt um, aber es tat sich einfach keine Lücke auf, scheinbar waren alle Menschen nach ihrem Arbeitstag zuhause angekommen, und dachten gar nicht daran, ihr Auto noch mal zu besteigen. Außer ihm natürlich, denn er saß im Auto und suchte genervt nach einem Parkplatz. Er hasste es, zu spät zu kommen, und er fluchte wütend vor sich hin. Warum war er auch mit dem Auto unterwegs? Er hätte es seiner Schwester nachmachen sollen und einfach mal Bahn fahren sollen. Aber das war nicht wirklich sein Ding, und als Ausrede, warum er sich doch ins Auto gesetzt hatte, musste die Begründung herhalten, dass er mal wieder zu spät dran war. Welch ein Witz, denn alleine die Zeit, die er schon hier herumgurkte, um seinen kleinen Sportflitzer irgendwo abstellen zu können, hätte ausgereicht um ohne Auto hier anzukommen. Spontan fiel ihm das Grönemeyerlied ein, Ich dreh jetzt schon seit Stunden, hier so meine Runden. Es trommeln die Motoren. Es dröhnt in meinen Ohren. Ich finde keinen Parkplatz. Ich komm zu spät zu dir mein Schatz! - Genau so fühlte er sich. Völlig aufgedreht und genervt. Er schüttelte den Kopf. Jetzt mach dich mal nicht kirre, du triffst dich nur mit deiner Schwester, versuchte er sich zu beruhigen, aber trotzdem blieb die Unzufriedenheit, seinen Prinzipien untreu zu werden. Und Pünktlichkeit gehörte definitiv zu diesen dazu. Da, endlich, da blinkte doch tatsächlich ein Auto auf dem Seitenstreifen und wollte ausparken. Er setzte selbst den Blinker und stoppte, dann warf er die Hände in die Höhe „Gott sei gelobt. Mann kann sich ja doch noch auf dich verlassen“, grummelte er erleichtert. Zwei Minuten später war er aus dem Auto gesprungen, und lief eilig in Richtung Alexanderplatz davon, was gar nicht so einfach war, weil aus völlig unerfindlichen Gründen, auch jede Menge andere Menschen die Idee hatten, sich auf den Weihnachtsmarkt zu begeben. Er fragte sich, in Erinnerung an Herrn Grönemeyers Song, unweigerlich, ob er irgendwann auch mal wieder nervös sein würde, weil er dringend zu einem Date wollte. Aber irgendwie fühlte sich dieser Gedanke völlig fremd an. In den letzten Monaten hatte er nun wirklich alles abgeblockt, was mit Frauen zu tun hatte. Zu verletzt und enttäuscht war er von seiner letzten Beziehung, als dass er auch nur ansatzweise in Betracht zog, dass ihm so was noch mal passieren würde. Die große Liebe, die trifft man doch nur einmal im Leben. Wer sollte da also kommen? Aber seltsamerweise tauchten bei diesem Gedanken für einen kurzen Moment das Gesicht der kleinen Blondine vom Vorabend in seinen Gedanken auf, und er überlegte mit einem kleinen Schmunzeln, dass sie ja schon ganz süß gewesen war. Er hatte zwar direkt abgewiegelt, als Isabella ihn auf sie hingewiesen hatte, aber wie sie gesungen hatte … und ihre Augen, in denen er sich für einen Moment verhakt hatte, als er im Menschengewühl mit ihr zusammen gestoßen war, hatten ihn schon irgendwie beeindruckt. „Oh, … Entschuldigung,“ entwich es ihm da, denn er konnte nur im letzten Moment eine heftige Kollision mit einem Pärchen verhindern, das mitten auf dem Gehweg stehen geblieben war um sich verliebt in die Augen zu schauen. Aber die Beiden waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie ihm irgendwie hätten böse sein können. Tom lief schnell weiter, drehte sich aber noch einmal um, und beobachtete wie sich die Beiden in einem zärtlichen Kuss verloren, und als er das so sah, spürte er plötzlich Neid in sich aufkommen. Er schüttelte den Kopf, was war nur los mit ihm? Sollte es tatsächlich möglich sein, dass er endlich bereit war für ein neues Abenteuer der Liebe? So ein Quatsch, machte er seine kurze Gefühlsanwandlung direkt zunichte. Fanny war meine große Liebe, eine andere wird es für mich sowieso nicht geben.

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Mi Jan 02 2013, 12:44

Oh, schön, schön, schön ... ein neuer Teil. *aufgeregtaufundabhüpf* Gefällt mir irre gut. Und wie ich ja schon vermutet habe, scheint Paule doch sowas wie den Schicksalsengel zu spielen. Und Tom? Na ja, der taut auch schon noch auf. Er bewegt sich ja zumindest in die richtige Richtung.

Mehr, mehr, mehr ... aber flott ...

LG, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Mi Jan 02 2013, 21:17

Och Mensch ... du liebst es wirklich uns bis auf die Folter zu spannen, gelle!? Surprised

Die beiden sollen jetzt wirklich mal langsam in die Puschen kommen, sonst werden sie das Fest der Liebe doch noch als griesgrämige Singles verbringen ... obwohl ... naja auf Anna trifft es ja eigentlich nicht zu ... wobei ... auf dem Weihnachtsmarkt war sie auf das Thema "Weihnachtslieder und Liebe" auch nicht gut zu sprechen! Wink

Biiiiiiiiittttteeee liebe Katha macht das die beiden sich endlich etwas näher kommen und wie Mini schon gesagt hat ... ein neuer Teil wäre nicht schlecht ... aber flott!!! Smile

LG
Anastasia

Ach ja und P.S. ... was ist den jetzt eigentlich mit deiner 2. FF im AudL-Forum??? Geht's da eigentlich noch weiter!? Warte schon seeeehhnsüchtig auf weitere Teile! crying
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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Mi Jan 02 2013, 22:24

Mini_2010 schrieb:
Oh, schön, schön, schön ... ein neuer Teil. *aufgeregtaufundabhüpf* Gefällt mir irre gut. Und wie ich ja schon vermutet habe, scheint Paule doch sowas wie den Schicksalsengel zu spielen. Und Tom? Na ja, der taut auch schon noch auf. Er bewegt sich ja zumindest in die richtige Richtung.

Mehr, mehr, mehr ... aber flott ...

LG, Mini

Na, ob das die richtige Richtung ist? Das werden wir noch sehen. Und ja, meine Liebe, es geht ja schon weiter. Razz
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*~Butterfly~* schrieb:
Och Mensch ... du liebst es wirklich uns bis auf die Folter zu spannen, gelle!? Surprised

Die beiden sollen jetzt wirklich mal langsam in die Puschen kommen, sonst werden sie das Fest der Liebe doch noch als griesgrämige Singles verbringen ... obwohl ... naja auf Anna trifft es ja eigentlich nicht zu ... wobei ... auf dem Weihnachtsmarkt war sie auf das Thema "Weihnachtslieder und Liebe" auch nicht gut zu sprechen! Wink

Biiiiiiiiittttteeee liebe Katha macht das die beiden sich endlich etwas näher kommen und wie Mini schon gesagt hat ... ein neuer Teil wäre nicht schlecht ... aber flott!!! Smile

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Ach ja und P.S. ... was ist den jetzt eigentlich mit deiner 2. FF im AudL-Forum??? Geht's da eigentlich noch weiter!? Warte schon seeeehhnsüchtig auf weitere Teile! crying

Hey, hey, immer langsam... . Alte Frau ist doch kein D-Zug. No
Es geht ja weiter, aber ich muss zwischendurch ja auch immer mal weiter schreiben, damit ich irgendwann zum Ende komme.
Das "Kurz-FF" im Titel kann ich wohl so langsam streichen. So kurz ist es dann doch nicht mehr, und es muss noch ein bisschen was passieren, was aber bislang noch in meinem Kopf und noch nicht im Rechner steht... Surprised
Und damit bin ich auch gleich bei deinem P.S. angekommen. Ich schaffe es gerade definitiv nicht, auch in der anderen FF weiter zu schreiben, was aber nicht heißen soll, dass es dort nicht noch eine Fortsetzung gibt. Es geht weiter - aber vermutlich erst, wenn ich hier das ENDE drunter gesetzt habe. Wink

Aber wo du hier so drängelst, ... Jetzt sag nicht deine Fortsetzung ist an der Beschreibung eines Kleidungsstückes hängen geblieben? Du weißt ja, Lesen inspiriert die Schreibenden, und ich würde sehr, sehr gerne wieder was von dir lesen. Razz

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BeitragThema: "7"   Mi Jan 02 2013, 23:12

So, meine Lieben Quängler. Da kommt auch schon der nächste Teil. Seid froh, dass ich noch Urlaub habe.
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Endlich kam er am verabredeten Ort an, und da stand seine Schwester auch schon und wartete auf ihn. Sie hatte eine große Tasche über der Schulter hängen, und in der Hand hielt sie zwei Tassen Glühwein. „Endlich, ich dachte schon du kommst gar nicht mehr“, tadelte sie ihn mit einem spöttischem Grinsen auf dem Gesicht, und hielt ihm sogleich eine Tasse vor die Nase. „Hier zum Aufwärmen, bevor wir loslegen.“ Tom nahm die Tasse in die Hand und verzog genervt das Gesicht. „Hallo erst mal. Ich freu mich auch dich zu sehen,“ sagte er sarkastisch, und fragte sogleich skeptisch nach. „Was hast du eigentlich vor? Für diesen usseligen Glühwein sind wir doch nicht hier, oder?“ Paule lächelte ihm verschwörerisch zu und ließ ihre Brauen in die Höhe zucken. „Ne, ... wir machen gleich was, was wir schon ewig nicht mehr gemacht haben.“ „Und jetzt sind wir beim heiteren Raten mit Rosenthal, oder was?“ konterte Tom sofort. Isa ging ihm schon wieder auf den Nerv, obwohl … irgendwie war er ja doch ein bisschen neugierig. Aber das würde er sich natürlich nicht anmerken lassen. Isabella hob ihre Tasse in die Höhe um ihm zuzuprosten. Da trat gerade Anna an sie heran. Sie hatte Isabella nun endlich entdeckt, nachdem sie schon seit einer viertel Stunde von einer Glühweinbude zur Nächsten getingelt war, um sie zu finden. Sie stieß erleichtert die Luft aus. „Hier bist du! Ich dachte schon, ich finde dich gar nicht mehr.“ Isa drehte sich erfreut um, und strahlte die kleine Blondine an. „Hey!“. Tom, der verwirrt von einer zur anderen schaute, realisierte überrascht, dass dort die Frau stand, an die er vor nicht einmal fünf Minuten gedacht hatte, und skeptisch musterte er seine Schwester. Hat sie das mit Absicht eingefädelt? Zuzutrauen wäre es ihr ja. Er betrachtete Anna einen Moment, die ihn für einen kurzen Moment irritiert angesehen hatte. Aber zumindest scheint sie ebenso erstaunt zu sein, wie ich. Isabella wies auf ihren Bruder, um die Beiden miteinander bekannt zu machen. „Anna, das ist…“, da wurde sie von dem Klingeln ihres Handys unterbrochen. „Och nö!“ rief sie aus, und drückte Anna ihren Glühwein in die Hand, um ihr Handy hervor zu kramen. Sie verzog das Gesicht, als sie darauf schaute. „Virgin, was gibt es denn, ich habe Feierabend.“, grüßte sie genervt. Aber dann riss sie Augen auf. „Oh nein, das habe ich ja völlig vergessen. Ich mach das sofort morgen fr… . Ja … , jaaaa, ist ja gut!“ Sie verdrehte theatralisch die Augen. „Bevor du deinen hübschen Kopf dafür lassen musst. Ja, ich komme. Ja, ich beeil mich auch. Tschö“ Isabella schaute entschuldigend von Anna zu Tom und sagte in seine Richtung. „Gott tobt, und die Untertanen verlassen das sinkende Schiff. Ich muss mich wohl heldenhaft an Bord schwingen und retten was zu retten ist. Sorry.“, dann drehte sie sich zu Anna und drückte sie kurz. „Ich muss dringend weg. Ich melde mich morgen bei dir, ja?“ Anna sah sie verwirrt an, was ist denn nun los? Sie kann doch jetzt nicht einfach abhauen. Aber da war Isabella schon auf und davon. Aber nur fast, denn sie kam noch einmal zurück um ihrem Bruder ihre Tasche über die Schulter zu hängen. „Was hast du für eine Schuhgröße?“ fragte sie in Annas Richtung, und rief damit einen skeptischen Blick bei dieser hervor. „38?“ sagte sie mehr fragend als antwortend, denn sie verstand den Zusammenhang gerade überhaupt nicht. „Passt.“, grinste Isabella erfreut, und rief noch über die Schulter „Tom du kennst dich ja aus. Viel Spaß!“, und damit war sie zwischen den vielen anderen Leuten, die sich auf dem Platz tummelten, verschwunden. Anna sah ihr noch einen Moment hinterher, ehe sie es wagte, ihren Blick auf Tom zu richten. Was mach ich denn jetzt? Alleine mit ihrem griesgrämigen Freund kann man sich bestimmt nicht vergnügen. „Na Super, das hab ich nun davon,“ hörte sie ihn da auch schon vor sich hin schimpfen, und seine angefressene Mimik sprach Bände.
Eigentlich wäre es eher Annas Art gewesen, sich davon eingeschüchtert zurück zu ziehen, aber irgendwie nahm sie es persönlich und fühlte sich von seiner Meckerei aufgestachelt. So schlimm war es ja nun nicht, mit ihr dort zu stehen, also fragte sie provozierend nach. „Was meinst du? Super, dass sie dich hier stehen lässt, oder super, dass sie dich mit mir hier stehen lässt?“ Sie sah ihn herausfordernd an und wartete auf eine Reaktion, und eigentlich rechnete sie mit dem Schlimmsten und schimpfte innerlich schon wieder mit sich. Vermutlich würde er sie, wie schon bei ihrer letzten Begegnung, anranzen und dann stehen lassen. Tom löste seinen Blick aus der Menschenmenge, in die Isa verschwunden war und betrachtete Anna irritiert. Was will sie denn jetzt von mir, um sie ging es doch gar nicht? Er betrachtete sie einen Moment. Sie sieht aus wie eine kleine Hexe, wie sie mich da wütend anfunkelt… und sie kann ja doch in ganzen Sätzen sprechen, durchfuhr es ihn und diese Erkenntnis ließ ihn schmunzeln. Anna sah ihn immer noch abwartend an, und sein Grinsen machte ihren Unmut nur noch größer. Umso erstaunter war sie über die Worte, die da an ihr Ohr drangen. „Entschuldige, das war vielleicht etwas unhöflich, aber …“ Er hielt inne, was redete er denn da? Er wusste ja nicht mal wer sie überhaupt war. Und er war auch nicht mit ihr verabredet gewesen. Also war er ihr auch keine Rechenschaft schuldig. „Wir kennen uns ja gar nicht.“ fügte er in etwas harschem Ton hinzu, obwohl er ursprünglich hatte erklären wollen, dass er sich einfach über Isa geärgert hatte.
War das jetzt eine Entschuldigung, oder was?, fragte sich Anna, und sah überlegend in seine unglaublich blauen Augen, die sie eher uninteressiert fixierten. Sie spürte wie ihr die Farbe in den Kopf stieg, denn sie fühlte sich mal wieder nicht in der Lage einfach zu reagieren, vor allem weil sie seine Intention der Bemerkung nicht recht verstand. „Äh … nein, da hast du recht.“, stammelte sie schließlich. „Ich bin …“ „Anna, das weiß ich ja schon von gestern.“, schnitt er ihr das Wort ab. Sie nickte verlegen und streckte ihm ungelenk ihre Hand entgegen. „Tom“, sagte Tom, und reichte ihr ebenfalls die Hand. „Das ist typisch für meine kleine Schwester. Lässt mich quer durch die Stadt hier antanzen, weil sie unbedingt was mit mir unternehmen will, und schwups, weg ist sie und ich stehe hier. Na ja, in diesem Fall stehen wir hier.“ Annas Hand war immer noch in seinem warmen Händedruck gefangen und Anna spürte wie ihr Herz einen kleinen, kaum merklichen Hopser machte. Sie sind Geschwister, das ist gar nicht ihr Freund. Sie sah in das gerade fast freundlich lächelnde Gesicht ihres Gegenübers, und jetzt, wo klar gestellt war, dass dieser, wie sie ja schon bei der letzten Begegnung festgestellt hatte, schnuckelige Typ nicht mit Isabella liiert war, fühlte sie, wie sich die Spucke aus ihrem Mund spontan verflüchtigte, wie Wasser im Sand. Sag was, raunte sie sich innerlich zu, als sie hektisch ihre Hand zurück zog. Sonst hält er dich noch für eine völlige Nullnummer.
Anna trank erst einmal einen Schluck um sich abzulenken und ein Alibi für ihren vermutlich mittlerweile dunkelrot leuchtenden Kopf zu haben. Verlegen schaute sie sich um, und zermaterte sich den Kopf nach einer sinnvollen Aussage. Aber ihr wollte einfach nichts einfallen. Daher schossen dann eher unüberlegte Worte aus ihr heraus. „Na ja, wenn du nicht hier sein willst, dann kannst du ja wieder gehen. Ich für meinen Teil werde jetzt auf jeden Fall noch in Ruhe meine Glühwein trinken.“ Sie hielt die Tasse in die Höhe und ergänzte ironisch. „Den hat sie ja immerhin hier gelassen.“ Toms Lächeln erlosch. Was hatte er denn jetzt falsch gemacht, dass sie so reagierte? Er wusste es nicht, und es wurmte ihn, denn auch er war in der Zwischenzeit irgenwie neugierig auf die hübsche Blondine mit diesen schönen grünen Augen geworden. Anna wand sich innerlich, als sie seine Reaktion wahrnahm und dachte genervt. Na, das hast du ja super hinbekommen. Wie war das? Wenn man nichts zu sagen hat, einfach mal die Klappe halten, Anna. Da sah sie, dass direkt neben ihnen ein Stehtisch frei wurde. Anna stürmte, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, darauf zu und stellte ihre Tasse ab. Sie rieb ihre mittlerweile kurz vor der Blaufärbung stehenden Hände, während sie Tom aus den Augenwinkeln beobachtete. Der hatte ihr irritiert hinterher geschaut, und überlegte scheinbar, was er tun sollte. Kein Wunder nach ihrer dummen Bemerkung. Nur zögerlich setzte er sich in Bewegung und kam zu ihr. Auch er stellte seine Tasse ab und betrachtete sie einen Moment. „Ist dir kalt?“ fragte er ebenso einfallslos wie sie, denn auch er wusste gerade nicht wirklich mit der Situation umzugehen. Anna schüttelte den Kopf und wiegelte schnell ab. „Nur kalte Hände, alles gut.“
Sie umklammerte die warme Tasse und sah sich das erste Mal, seit sie angekommen war, bewusst um. Eigentlich wollte sie sich nur seinem musternden Blick entziehen, aber schnell wurde sie von der heimeligen Atmosphäre des Weihnachtsmarktes eingenommen. Es war wirklich schön. Überall standen schön geschmückte Tannenbäume, und in den kahlen Laubbäumen erstrahlten weiße Lampions, die gemeinsam mit dem gemütlichen Licht der kleinen Verkaufsbuden und der aus der Ferne leise erklingenden Weihnachtsmusik, die richtige Stimmung schufen. „Ist das schön“ schlüpfte es ihr über die Lippen, als sie jetzt auch noch eine Schneeflocke verfolgte, die in ihren Glühwein fiel und dort sogleich von der roten Flüssigkeit aufgesogen wurde. Sie hob den Blick und betrachtete die vereinzelten dicken Flocken, die wie kleine Sterne in dem warmen Licht tanzten und zu denen sich immer mehr hinzu gesellten. „Es schneit.“ murmelte sie lächelnd, denn sie spürte wie ein kleines Glücksgefühl in ihr aufstieg. Sie war völlig versunken in diesem Anblick, und ihre Worte der Verzückung waren eher an sich selbst gerichtet, als an ihren Tischnachbar, den sie für einen Moment total vergessen hatte. Der hingegen, beobachtete sie fasziniert. Kann man sich wirklich so an der Welt erfreuen? Er selbst war von solchen Gefühlen weit entfernt, war er doch immer noch in seiner Uneinigkeit gefangen, was er von dem Verlauf des Abends halten sollte, ... Und von Weihnachten und Allem was dazu gehörte ebenfalls. Denn diese Romantikgeschichte machte schließlich nur Spaß, wenn man es gemeinsam erleben konnte.
Aber die Neugier auf diese junge Frau schwelte in seinem Unterbewusstsein, und fesselte ihn. „Du magst Weihnachten wohl sehr?“ fragte er nach einiger Zeit, und seine Stimme schwankte zwischen Bewunderung und Belustigung. Annas Kopf schoss herum. Seine Worte hatten sie zurück in die Realität geholt, und erneut machte sich ein Stoß Farbe auf, um ihr Gesicht in Besitz zu nehmen. Fragt er das im ernst, oder macht er sich gerade über mich lustig? überlegte sie, aber eigentlich ist es auch total egal, denn ich finde es toll hier, dachte sie trotzig. „Ja, es ist doch eine total schöne Atmosphäre, so gemütlich und friedlich … .“ Hatte sie noch mit bissigem Ton begonnen zu sprechen, wirkte sein freimütiges Interesse mildernd auf sie und sie fügte erklärend hinzu. „Ich finde Weihnachtsmärkte toll. Na ja, zumindest wenn ich nicht gerade in der Menge erdrückt werde, oder auf einer Bühne stehe.“ Sie schenkte ihm ein schräges Lächeln, und als sie einen kurzen Blick in seine blauen Augen wagte, steigerte ihr Herz unaufgefordert seinen Rhythmus. Er lächelte sie tatsächlich an, und dieses Lächeln wirkte so offen und herzlich, wie sie es überhaupt nicht für möglich gehalten hätte. Wow, diese Augen und dieses Lächeln, ging es ihr beeindruckt durch den Kopf und sie musste feststellen, dass diese Mimik seine Attraktivität noch um ein Vielfaches steigerte. ... Und wieder stand sie stumm, wie ein Fisch da, weil ihr einfach keine passenden Worte einfallen wollten.

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Do Jan 03 2013, 12:00

Und da hörst du jetzt einfach auf? Wie gemein. Ich will mehr lesen. Büdde, büdde, büdde ... jetzt, wo es gerade so schön spannend ist.

Diesen Satz fand ich übrigens Hammergeil (musste mir schwer ein Lachen verkneifen)
... Isabella schaute entschuldigend von Anna zu Tom und sagte in seine Richtung. „Gott tobt, und die Untertanen verlassen das sinkende Schiff. Ich muss mich wohl heldenhaft an Bord schwingen und retten was zu retten ist. Sorry.“, dann drehte sie sich zu Anna und drückte sie kurz ...


Ja ja, der Bruno mal wieder ... Einfach nur genial, meine Liebe.

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Do Jan 03 2013, 20:58

Mini_2010 schrieb:
Und da hörst du jetzt einfach auf? Wie gemein. Ich will mehr lesen. Büdde, büdde, büdde ... jetzt, wo es gerade so schön spannend ist.

Diesen Satz fand ich übrigens Hammergeil (musste mir schwer ein Lachen verkneifen)
... Isabella schaute entschuldigend von Anna zu Tom und sagte in seine Richtung. „Gott tobt, und die Untertanen verlassen das sinkende Schiff. Ich muss mich wohl heldenhaft an Bord schwingen und retten was zu retten ist. Sorry.“, dann drehte sie sich zu Anna und drückte sie kurz ...


Ja ja, der Bruno mal wieder ... Einfach nur genial, meine Liebe.

LG, Mini

Na ja, was wäre eine AnTom-FF ohne Bruno?
Und was die Fortsetzung angeht, ... . Keine Sorge, geht gleich weiter

Also schon mal viel Spaß!

LG, Katha

P.S. Ähm , du meintest neulich, du wärst immer auf der Suche nach Lesestoff. Du hast schon gesehen, dass ich in meiner Irrgarten-FF auch neue Teile eingestellt habe ???

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Zuletzt von katha am Do Jan 03 2013, 21:40 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: "8"   Do Jan 03 2013, 21:35

Oh Mann, sprachlich ist das hier wohl nicht meine Glanzleistung, aber ich hoffe, ihr freut euch trotzdem.
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Man, jetzt rede mit ihm, sonst geht er gleich doch noch nach Hause, ermahnte sich Anna, und suchte fieberhaft nach einem passenden Thema. Da fiel ihr Blick auf den Schultergurt seiner Tasche und endlich fiel ihr was ein. „Warum hat deine Schwester eigentlich nach meiner Schuhgröße gefragt? Muss ich das verstehen?“ Das ist doch mal eine sinnvolle Frage, dachte sie erleichtert. Tom sah an sich herab und nahm die Tasche in die Hand, die ihm schwer auf der Schulter hing. Er hatte ja eine Ahnung, was darin war, aber hatte er die eigentliche Frage für sich geklärt? Wollte er schnellstmöglich hier weg, oder sich doch noch einige Zeit in der Nähe dieser, wie sich heraus stellte, überhaupt nicht so langweiligen Person aufhalten? Er öffnete schließlich den Mund, und gedachte eigentlich sich diplomatisch zurück zu ziehen, denn er war immer noch davon überzeugt, dass es keine gute Idee sei, sich einer Frau anzunähern, aber ehe er die richtigen Worte gefunden hatte, war sein Unterbewusstsein schon wieder aktiv geworden und hatte Befehl zum Sprechen gegeben. „Schlittschuhe“, drängte es aus seinem Mund. „Ich nehme an, Isa wollte Eislaufen gehen“, fügte er ergänzend hinzu. Er machte den Reißverschluss der Tasche auf und überprüfte deren Inhalt, ehe er auch Anna hineinschauen ließ. Er hatte recht. Anna blickte auf und sah ihn abwartend an. „Und was hast du jetzt vor?“ fragte sie schließlich, nachdem er sich nicht muckte. Aber Tom war viel zu sehr damit beschäftigt, sich über sich selbst zu wundern, als dass er eine logische Schlussfolgerung für sich hätte ziehen können. Er blieb einen Moment in Annas Augen hängen, die ihm erschreckend nah waren, da sie zuvor beide in die Tasche geschaut hatten, und er spürte, wie es in seinem Bauch begann zu kribbeln. Oh Gott, ich muss hier weg! schrie er sich gedanklich zu, aber scheinbar saß da in seinem Kopf ein kleiner Mann, der einfach schneller in der Lage war zu reagieren, denn wieder siegte die Neugier über seine Zweifel. Oder das Herz über den Verstand? „Hast du Lust?“, fragte er schließlich nach einer kleinen Ewigkeit.
Zumindest kam es Anna so vor, als wenn die Kommunikationspause, in der er seinen inneren Disput geführt hatte, so lange gedauert hätte. Daher hatte sie sich in der Zwischenzeit wieder hinter ihrer Tasse verkrochen. Das lange Zögern ihres Gegenübers, war ihr nämlich eigentlich Antwort genug gewesen. Sie schimpfte gerade mit sich, dass sie ihm die perfekte Vorlage für eine Abfuhr gegeben hatte, und überlegte frustriert, wie sie dem zuvor kommen konnte. Sie trank den letzten Schluck Glühwein und verzog angewidert das Gesicht. Kalt war das Zeug echt nicht zu genießen. Sie wollte sich gerade verabschieden, als sie seine Frage wahrnahm und ihr Gesicht erstrahlte. „Ja gerne!“ antwortete sie schnell, dieses mal ohne lange zu überlegen, und ihr Herz begann erneut deutlich auf sich aufmerksam zu machen. Sie würde noch mehr Zeit mit ihm verbringen können.

Kurze Zeit später saßen sie auf einer Bank am Rande der kleinen Eisbahn, die den Mittelpunkt des Weihnachtsmarktes darstellte. Tom hatte seine Schlittschuhe schon an den Füßen. Coole Eishockey-Schlittschuhe natürlich, obwohl sie wohl auch schon so einige Jahre auf dem Buckel hatten. Er stand auf und trat ein paar Mal von einem Bein aufs andere, um sich an das fremde Gefühl zu gewöhnen. „Mann, ist das lange her!“, sagte er fast ungläubig. Anna sah einen Moment auf und betrachtete ihn schmunzelnd. Er sah aus, als ob er sich auf einen Wettkampf vorbereitete, während sie selbst noch immer mit den Schnallen ihrer eigenen Eishockeyschlittschuhe kämpfte. Außerdem war sie ein wenig in Sorge, dass sie sich gleich als erstes auf die Nase legen würde. Sie kannte nämlich nur die altertümlichen weißen Schlittschuhe mit den Spitzen vorne dran, und davon mal abgesehen, war es auch bei ihr eine Ewigkeit her, dass sie das letzte Mal auf dem Eis gestanden hatte.
Und dann war es soweit. Tom betrat als erstes das Eis, das Gott sei Dank nicht allzu erfüllt von Menschen war. Es dauerte nur zwei drei Schritte, und dann klappte es fast wie früher. In einer kleinen gekonnten Runde kam er zurück zum Eingang, und Anna? Auch sie wagte ihre ersten Schritte, und verlor fast sofort das Gleichgewicht, als sie sich abstoßen wollte und die Spitzen, die sie wohl früher dafür genutzt hatte, nicht zu finden waren. "Wuuuaaah!“ rief sie aus, und klammerte sich an Tom fest, der zwar kurz schwankte, dessen Standfestigkeit aber so gut war, dass er sie auffangen konnte. „Wow, langsam. Fall nicht," sagte er lächelnd. Anna stellte sich wieder richtig auf die Füße und lächelte verlegen. „Sorry.“ Oh Mann, ist das peinlich, schoss es ihr durch den Kopf. Am liebsten wäre sie in einem Mauseloch verschwunden, aber das war gerade schwer aufzutun. Sie schaute sich hilfesuchend um, aber außer der von Tom angebotenen Hand, war keine Rettung zu finden. Die Bande entlang zu laufen wäre eine Alternative gewesen, aber da standen natürlich überall kleine Gruppen von Menschen, die sich lustig unterhielten und ihre kalten Hände an Tassen mit heißem Glühwein wärmten. Innerlich fluchend warf sie Tom einen kurzen Seitenblick zu. Sein Angebot stand. Aber sie konnte doch hier nicht Händchenhaltend mit Tom durch die Gegend laufen, und ihn wohlmöglich noch von den Schlittschuhen reißen. Nein, das wollte sie beim besten Willen nicht. Also holte sie tief Luft und versuchte, nachdem sie Toms Hilfe mit einem „Danke, geht schon“ abgelehnt hatte, erneut ihr Glück. Das musste doch auch alleine gehen., spornte sie sich an. Hoch konzentriert setzte sie einen Fuß vor den anderen und nahm langsam Fahrt auf. Na, wenn man weiß wie´s geht, klappt es doch, dachte sie, und war zum Glück so auf ihre Fahrkünste fixiert, dass sie die amüsierten Blicke ihres Begleiters nicht bemerkte, die sie mit Sicherheit auf die Palme gebracht hätten.
Tom beobachtete sie intensiv, immer bereit einzuspringen, wenn sie ins Stolpern geraten würde. Er hätte ihr wirklich gerne geholfen, aber dass sie sich nicht darauf einließ, sondern lieber alleine dahin schlitterte, fand er einerseits Schade, aber auch ein wenig lustig. Sie wollte sich vor ihm keine Blöße geben, und das zeigte ihm, dass offensichtlich auch sie ihre Begegnung irgendwie beschäftigte. Voller Ehrgeiz setzte Anna einen Schritt nach dem nächsten, und bis auf ein paar unsichere Wackler war ihr Lauf zwar sicherlich etwas verkrampft, aber nicht fallgefährdet. Langsam entspannte sich Tom, denn offensichtlich war seine Hilfe nicht nötig, und schließlich wurde es ihm auch zu doof, wie ein nicht einmal beauftragter Wachhund neben ihr her zu laufen, denn an eine Unterhaltung war gerade nicht zu denken. „Ich fahr mal ein paar Runden. Bin gleich wieder da,“ gab er kurz Bescheid, bevor er sich von der kleinen Blondine entfernte. Er lief einige Male im Kreis und freute sich, dass es immer noch so gut klappte wie früher. Er schwelgte einen Moment in den Erinnerungen an die Eislaufnachmittage mit Isabella. Sie war damals vielleicht acht gewesen, als er ihr das Eislaufen beigebracht hatte, und auch sie hatte sich nicht helfen lassen wollen. „Manno, lass mich! Ich kann das schon alleine!“ hatte sie ihn angemotzt, wie so oft, wenn er auf sie aufpassen wollte. Sie war schon immer störrisch wie ein Esel gewesen. Er grinste hämisch bei dem Gedanken, dass sie sich jetzt gerade mit ihrem Vater rumschlagen musste, während sie ihm tatsächlich einen, bislang zumindest, interessanten Abend beschert hatte.
Damals hatte sie einfach nicht genug bekommen können vom Eislaufen, und er hatte es super gefunden, denn er war ja bereits im Teeniealter gewesen, und konnte so seine Aufpassertätigkeit super mit seinen eigenen Interessen verknüpfen. Er war damals nämlich das erste Mal heimlich verliebt gewesen, und auf der Eisbahn hatte er er seiner Angebeteten nahe sein können, ohne Gefahr zu laufen, sich lächerlich zu machen. Er musste grinsen. Das Mädchen damals hieß auch Anna, aber der war er nie so nah gekommen, wie der Anna heute. Aber wie nah war er ihr eigentlich, und was wollte er eigentlich von ihr? Oder sie von ihm? Er suchte sie auf der Eisfläche um sie aus der Ferne unauffällig zu betrachten. Aber erst nach längerem Suchen erspähte er sie. Sie schlitterte gerade auf die Bande zu und bremste ziemlich ungalant, indem sie einfach dagegen fuhr und sich mit den Händen festklammerte. Sie drehte sich um, und sah aus, als ob sie froh sei, zum Stehen gekommen zu sein. Tom grinste schon wieder, und beschloss, ihr und sich selbst eine kleine Pause zu gönnen. Daher lief er zum nächsten Ausgang, besorgte zwei Glühwein und fuhr vorsichtig, um das kostbare Gut nicht zu verschütten, das kurze Stück über das Eis zu Anna, die sich Gott sei Dank nicht vom Fleck bewegt hatte.

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Zuletzt von katha am Fr Jan 04 2013, 09:33 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Fr Jan 04 2013, 00:14

Hey Kathi ... jaaa ist ja schon guut ... aber du weißt doch, dass es bei mir ohne gedrängel und genörgel einfach nicht geht!!! Smile Wink Razz Embarassed

Der neue Teil hat mir super gut gefallen ... vorallem weil es endlich mal bisschen voran geht mit den beiden! Smile Razz
Ich hoffe nur nicht das Tom danach wie immer den Schwanz einzieht und seinen Freund "die Mauer" zum "Schutz der Gefühle" hervor ruft! Mad No

Wegen den FF's ... ich weiß auch nicht was los ist ... aber irgendwie ist bei mir total die Luft raus ... ich habe selber gemerkt dass mein Schreibstil sich verändert hat und bin zum Teil auch überhaupt nicht zufrieden mit dem was ich schreibe! idontknow

Zwar schreibe ich ab und zu wenn ich Zeit habe und wenigstens etwas Motivation habe ein paar Zeilen oder Absätze ... bin dabei oft aber so unzufrieden das ich mir selber dann so sage " Jaa komm ... lass es stehen ... schaust die nächsten Tage noch mal drüber und änderst dann nochmal das ein oder andere! ... "

Jaa und so zieht es sich in die länge ... aber ich werde auf gar keinen Fall aufgeben! Wink
Beim OS bin ich ja kurz vorm Ende ... und dann werde ich die restlichen Teile alle auf einmal posten!!! Wink

Sooooo ... jetzt aber genug über mich ... ich freue mich immer mehr auf weiter Teile dieser "Kurz-FF"! Smile Biiiiiiiitteee poste gaaaanz schnell einen weiteren Teil ja!? Embarassed

Glg
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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Fr Jan 04 2013, 13:09

Hach, meine Katha, wie schön, diesen neuen Teil zu lesen. Kann mir die beiden auf dem Eis richtig gut vorstellen. Und ich bin wahnsinnig neugierig, wie es weitergeht. Und ich will auch gar nicht drängeln, aber kannste den nächsten Teil bald reinstellen? Büdde, büdde, büdde ...

LG, Mini

P.S. Ja, hab gesehen, dass da was neues eingestellt ist, aber irgendwie hat mich dann deine neue FF abgelenkt. Werde das aber balde noch nachholen.

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Sa Jan 05 2013, 08:39

*~Butterfly~* schrieb:
Hey Kathi ... jaaa ist ja schon guut ... aber du weißt doch, dass es bei mir ohne gedrängel und genörgel einfach nicht geht!!! Smile Wink Razz Embarassed

Der neue Teil hat mir super gut gefallen ... vorallem weil es endlich mal bisschen voran geht mit den beiden! Smile Razz
Ich hoffe nur nicht das Tom danach wie immer den Schwanz einzieht und seinen Freund "die Mauer" zum "Schutz der Gefühle" hervor ruft! Mad No

...

Sooooo ... jetzt aber genug über mich ... ich freue mich immer mehr auf weiter Teile dieser "Kurz-FF"! Smile Biiiiiiiitteee poste gaaaanz schnell einen weiteren Teil ja!? Embarassed

Glg
Ani Wink

Hey Süße,
ja ja, der innere Schweinehund. Da steht er mal wieder und grinst dich hämisch an. Mad Ich weiß, dass ich deinen Schreibstil super fand, von daher kann ich gar nicht glauben, dass das nichts werden soll. Also, ich drängel einfach ein bischen weiter, denn ich bin überzeugt, dass ich sonst was tolles verpasse. Cool

Und zu meiner Story:
Ja, Anna und Tom sind sich was näher gekommen. Und gerade läuft es verhältnismäßig gut, will ich meinen. Aber eins kann ich schon mal sagen... Es wären nicht Anna und Tom, wenn es so einfach wäre. Aber das hast du dir ja vermutlich schon gedacht. Wink

LG, Katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Sa Jan 05 2013, 08:46

Mini_2010 schrieb:
Hach, meine Katha, wie schön, diesen neuen Teil zu lesen. Kann mir die beiden auf dem Eis richtig gut vorstellen. Und ich bin wahnsinnig neugierig, wie es weitergeht. Und ich will auch gar nicht drängeln, aber kannste den nächsten Teil bald reinstellen? Büdde, büdde, büdde ...

LG, Mini

P.S. Ja, hab gesehen, dass da was neues eingestellt ist, aber irgendwie hat mich dann deine neue FF abgelenkt. Werde das aber balde noch nachholen.

Ich kann es mir auch prima vorstellen. Der coole Tom, der ohne Probleme dahingleitet und dabei noch versonnen vor sich hin sinniert. Und Anna, die hochkonzentriert den Blick auf das Eis richtet und mit den Armen rudert, damit nichts schief geht. Hihihi. Wenn ich irgendwann mal mit meinen beiden Männern aufs Eis gehen sollte, sieht das wohl andersrum aus.

Und was dein P.S. angeht. Ich dachte immer, du bist multitastkingfähig Smile . Ich wollte es ja nur mal erwähnen. Immerhin stehen da schon drei unkommentierte Teile. Und damit wären wir wieder beim Thema. Ist irgendwie doof .... .
Na ja, ich bin ja fast am Ende angekommen, dann werde ich mal überlegen ...

LG, und ein schönes Wochenende!
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BeitragThema: "9"   Sa Jan 05 2013, 09:38

Juhuuu ihr Beiden. Schön, dass ihr gespannt seid. Da macht das Schreiben doch gleich viel mehr Spaß!!!! Ein schönes Wochenende!
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„Glühwein?“ fragte er, als er neben ihr stoppte, und Anna lächelte ihn dankbar an. „Oh ja, das ist eine gute Idee.“ So standen sie einige Zeit beisammen, beobachteten die anderen Menschen auf dem Eis, und hatten damit ein unverfängliches Gesprächsthema gefunden, mit dem sie sich scheinbar Beide wohl fühlten, denn endlich stellte sich eine gewisse Lockerheit zwischen ihnen ein. Als Anna gerade fragen wollte, woher Tom denn so gut eislaufen konnte, klingelte sein Handy. Er holte es aus der Hosentasche und ging ran. „Isa! Und, hat sich Paps wieder beruhigt? … Wo ich bin? Auf der Eisbahn… Ja. … Ja, warum? Ja mach ich. … Ne, wann sollte ich die denn geschrieben haben? … Morgen um acht kommt der Kurier? Ging’s nicht noch ein bisschen früher? Ja, ne. Ja, dann muss ich wohl gleich nochmal ins Büro, oder ich komme morgen früher. Ja .. Ja, sag ihm, dass ich mich drum kümmere. Ja. Tschö.“
Anna hatte die ganze Zeit völlig unbeteiligt getan, aber natürlich hatte sie doch auf jedes Wort gehört, während sie ihn verstohlen von der Seite beobachtet hatte. Er wirkte so selbstsicher, als ob er genau wüsste, was er will, was er kann, was er macht. Er strahlte diese Sicherheit aus, der sie sich immer so weit entfernt fühlte, wie dem Nordpol, und das faszinierte sie total, ... und wenn er dann noch lächelte ... . Sie schaute auf die Uhr. Es war gleich neun, und er musste noch mal ins Büro? Schien was Wichtiges zu sein. Sie konnte nicht umhin, dass sie enttäuscht war.
Tom hatte in der Zwischenzeit aufgelegt. „Entschuldige, meine Schwester. Viele Grüße.“ Er beobachtete sie einen Moment. Sie sah plötzlich so ernst aus. "Ist alles gut? Sollen wir noch ein paar Runden laufen?“ fragte er, und bot Anna erneut seine Hand an. Anna spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss, als sie zu ihm aufblickte. Sie wusste nicht, das wievielte Mal in der letzten Stunde, aber mit pochendem Herzen griff sie schließlich zu, und lief los. Die ersten Schritte waren erneut sehr wackelig, aber schnell fühlte sie sich an seiner Hand viel sicherer als zuvor. „Danke, so geht es tatsächlich besser.“, sagte sie und lächelte dankbar. „Wann bist du eigentlich das letzte mal gelaufen, du meintest das wäre so ewig her… , davon merkt man aber nichts.“ Sie wagte tatsächlich ihren Blick vom Eis zu nehmen, und ihn erwartungsvoll an zu sehen. Und so konnte sie gerade noch erkennen, wie sich seine Augen, die sie gerade noch herzlich angestrahlt hatten, quasi zuzogen, als ob eine Jalousie heruntergelassen worden wäre. Ihre Frage hatte Tom an seine letzte Eislauf-Erfahrung erinnert, und die war alles andere als gut, und er hatte sie bis gerade aus gutem Grund verdrängt.
So lange war es noch gar nicht her, dass er das letzte Mal auf dem Eis gestanden hatte. Das war im letzten Winter gewesen. Er war damals mit Fanni durch New York gelaufen, und als sie die kleine Bahn mitten im Central Park entdeckt hatten, hatten sie keinen Moment gezögert. Inmitten dieser riesigen Stadt, bei Schneefall und super schöner Weihnachts-Beleuchtung. Für ihn war es Romantik pur gewesen, und er hatte genau bei dieser Begebenheit beschlossen, ihr in naher Zukunft einen Antrag zu machen. Gott sei Dank war er nicht der spontane Mensch, der Dinge überstürzte, denn bereits zu dieser Zeit, hatte seine große Liebe ihre Fühler in eine andere Richtung ausgestreckt. Und nur zwei Wochen nach der Rückkehr aus den USA hatte sich Fanni dann auch schon aus dem Staub gemacht, und ihn in tiefe Verzweiflung gestürzt.
Toms Laune war im Bruchteil einer Sekunde in den Keller gesunken, und als er erneut auf Anna hinab schaute, war plötzlich alles anders. Was mache ich hier eigentlich? Ich laufe Hand in Hand mit einer wildfremden Frau auf dem Eis rum. Nix da. Ich habe überhaupt keine Lust auf Frauen. Er streifte Annas fröhlichen Blick. Offenbar fühlt sie sich wohl, ansonsten würde sie nicht so strahlen, und fand er das vorher noch sehr entzückend, schreckte es ihn jetzt ab und machte ihm geradezu Angst. Er beschloss den gemeinsamen Abend mit Anna ganz schnell zu beenden. „Ich bin als Teenie viel Eis gelaufen. Meist weil Isa unbedingt wollte, und ich den Aufpasser mimen musste.“ Seine Stimme wirkte mit einmal ziemlich unterkühlt und Anna musterte ihn verwirrt. „Ich muss aber auch mal los. Ich muss noch was arbeiten.“ sagte er knapp, froh diesen überzeugenden Grund vorweisen zu können. Schließlich hatte sie vermutlich mitbekommen, dass er noch was zu tun hatte. Er steuerte mit Anna an der Hand auf den Ausgang zu, aber diese löste löste sich von ihm, was ihn aber auch nicht zu berühren schien. Und, als sie die letzte halbe Runde alleine zurück gelegt hatte, und endlich völlig verwirrt an der Bank ankam, um ihre Schlittschuhe auszuziehen, machte Tom sich schon seine Straßenschuhe zu. Seine ganze Art drückte pure Ungeduld aus, und Anna fingerte nervös und mit kalten Fingern an den Schuhen rum, um sich schnell davon zu befreien, denn sie fühlte sich gerade ziemlich vor den Kopf gestoßen. Sie fluchte leise vor sich hin, und als sie ihm die Schuhe endlcih reichte, sah sie ihm nur für einen kurzen Moment direkt in die Augen. sie fröstelte bei deren Anblick, sie waren irgendwie wie ausgewechselt. Kalt, unnahbar, aber auch verwirrt.
„Soll ich dich noch nach Hause bringen?“ fragte Tom der Höflichkeit halber, obwohl er eigentlich nur ganz schnell weg wollte, denn diese Person stellte die falschen Fragen und berührte ihn einfach viel zu sehr. Auch ihre Verletztheit, die deutlich zu erkennen war, und wohl von seinem Stimmungswechsel herrührte, ließ ihn nicht kalt. Aber er war sicher, er wollte sich nicht noch einmal so verletzbar machen, also musste er die Notbremse ziehen, bevor es da Gefühle gab, die nicht aufzuhalten waren.
Anna überlegte einen Moment, eigentlich wollte sie sich so schnell wie möglich von diesem Typen entfernen, der seine Stimmungen wechselte, wie ein Chamäleon die Farben, aber die Eindrücke, die sie nur kurz zuvor gesammelt hatte, waren nicht so einfach beiseite zu wischen. Er gefiel ihr, auch wenn er ziemlich undurchsichtig war. Aber sie glaubte ja immer an das Gute im Menschen, und so überlegte sie, dass sie wohl einen wunden Punkt bei ihm getroffen hatte, der ihn so reagieren ließ. Sie beschloss ohne Kopf und Verstand, dass sie ihn jetzt nicht einfach ziehen lassen würde. „Gerne“ sagte sie deshalb nur kurz, und ignorierte seinen alles andere als begeisterten Blick. Eilig lief sie hinter ihm her, und war in diesem Moment unendlich froh die warmen und bequemen Winterstiefel angezogen zu haben, und nicht mit Absatzschuhen hier angekommen zu sein. Tom machte keinen Hehl daraus, dass er sie eigentlich hatte loswerden wollen, und er schimpfte mit sich, dass er diese Höflichkeitsfloskel hinaus gehauen hatte. Ja, ja, die Etikette.
Er hatte nach seiner indirekten Abfuhr damit gerechnet, dass sie sowieso ablehnen würde, aber wieder hatte sie ihn überrascht, und irgendwo tief in ihm drin wusste er, dass sie ihn gerade deshalb beeindruckte. Sie gehörte definitiv nich zu den langweiligen Frauen, die ihm so gerne an den Lippen hingen, und deren Verhalten so langweilig und vohersehbar war, wie das Amen in der Kirche.

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BeitragThema: Re: AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"    Sa Jan 05 2013, 13:33

oh Anna, halt ihn fest! ich hab's ja irgendwie geahnt, dass Tom wieder dicht machen würde. aber gut. Anna scheint sich davon jedoch nicht so leicht beeindrucken zu lassen. Gut so. bin gespannt, wie es weitergeht. ich hoffe, du lässt uns nicht gar zu lange warten.

LG, Mini Wink

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AnTom "Eine ereignisreiche Zeit"
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