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 Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"

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Mini_2010

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BeitragThema: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mo Jan 07 2013, 12:20

das Eingangsposting lautete :

Liebe LeserInnen und AudL-Fans,

die nachfolgende Story habe ich vor ein paar Monaten begonnen zu schreiben. Sie ist noch nicht fertig - worum ich mich aber redlich bemühen werde
- aber ich möchte sie euch nun doch nicht mehr länger vorenthalten. Die Idee kam mir, nachdem ich eine von Staffis One-Shots gelesen hatte ...

Ein paar kleinere Anmerkungen vorab:

Anna und Tom waren nie verheiratet gewesen und haben auch ihre Partner nicht verloren. Tom ist erst vor Kurzem aus Amerika zurückgekommen, während Anna mit Jonas zusammen eine Werbeagentur führt. Alles andere, lest selbst ...

Viele Spaß!


Liebe Grüße,
Mini

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Feb 26 2013, 13:56

Du Arme. Na gut, vielleicht haste ja auch ein bisschen Lust, bespaßt zu werden. Ich hoffe, dass mir das mit dem nächsten Teil ein bisschen gelingt, auch wenn er ziemlich kurz ist ...

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Teil 19


Das Atelier glich einem Friedhof, so ruhig war es. Kein Wunder, die Uhr zeigte bereits nach neun. Und für gewöhnlich war selbst an einem Montagabend um diese Zeit niemand mehr im Büro, mit Ausnahme von Tom. Die Betonung lag auf Ausnahme, schließlich gehörte er nicht grundsätzlich zu der Sorte Mensch, der seine heißgeliebte wenige Freizeit im Büro verbrachte. Na gut, das war auch nicht ganz die Wahrheit. Denn wenn er ehrlich war, hatte er sich schon die eine oder andere Nacht mit Bestelllisten, Kalkulationen und Bilanzen versüßt – wenn man das so nennen konnte. Und wenn er das nicht tat, verbrachte er seine Zeit damit, selbiges zu Hause zu tun – wenn ihn die Lust auf ein kleines Abenteuer nicht gerade mal umtrieb. Dass er heute noch hier war, rührte jedoch aus einem anderen Grund. Zum gefühlt tausendsten Mal in den letzten beiden Stunden öffnete er die Internetseite, in der er seit gestern vermehrt unterwegs war und loggte sich in sein neu erstelltes Profil. Ungeduldig trommelte er mit den Fingern auf die Schreibtischplatte, während er darauf wartete, dass sich sein Posteingang öffnete. Überrascht nahm er zur Kenntnis, dass er eine Nachricht erhalten hatte. Vor gut zehn Minuten. Sie ist online …, dachte er mit der Aufregung eines Teenagers, der sehnsüchtig vor der Tür seiner Liebsten von einem Fuß auf den anderen trat und darauf wartete, dass sie die Tür öffnete. Eilig überflog er die Nachricht, woraufhin er ironisch die Augen verdrehte. Diese Art von vorlautem Mundwerk erinnerte ihn an jemand ganz bestimmten. Ein Grinsen zog über sein Gesicht, und das Bild einer süßen kleinen Blondine mit herausforderndem Blick, was daraufhin vor seinem inneren Auge erschien, jagte sogleich ein Kribbeln der besonderen Art durch seinen Körper. Lächelnd schüttelte er den Kopf und formulierte eine Antwort, als er ganz plötzlich innehielt. Mist, sie ist schon wieder offline …, ging es ihm frustriert durch den Kopf, als ihr Status unvermittelt von grün auf rot sprang. Verflucht. Hatte er vielleicht irgendwas Falsches geschrieben? Nein. Er hatte sie doch nur ganz unverfänglich angesprochen. Eilig öffnete er sein Profil und checkte es auf mögliche Schwachstellen. Nichts. Im Gegenteil, er war sogar außerordentlich ehrlich mit seinen Angaben gewesen. Einzig das Profilbild, ein Foto, auf dem er vier Jahre alt war und diesen knuddeligen roten Teufel im Arm hielt, den er damals so abgöttisch geliebt hatte – und der ihn letztlich auf die Idee seines Nicknamens gebracht hatte – war ein Indiz dafür, dass er sich ein Stück seiner Anonymität bewahren wollte. Aber etwas Besseres hatte er so kurzfristig nicht zu Hand gehabt. Davon mal abgesehen blieb das Ganze dann wenigstens ein bisschen spannend. Seufzend lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und überlegte, ob er einen weiteren Kontaktversuch starten sollte. Geduld war wirklich nicht seine Stärke. Scheiße, wie hat Enrique es nur geschafft, sie für sich einzunehmen? …, dachte er entnervt. Vielleicht solltest du es mal mit Charme versuchen …, schlug sein Unterbewusstsein, diese penetrante Nervensäge, vor. Frauen stehen auf nette Männer. Ohne seine Absichten tiefer zu analysieren, öffnete er ein leeres Nachrichtenfeld und begann, eine Antwort zu schreiben.

GOOD OLD NICK: Hallo Little Sweetheart, natürlich bin ich volljährig. Die Angaben in meinem Profil entsprechen der Wahrheit. Kannst du das von deinen auch behaupten? … Bin gespannt auf deine Antwort. Gruß GON
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Eilig drückte er auf Senden, bevor er es sich noch anders überlegen konnte. War das jetzt nett genug? …, hinterfragte er seine Antwort. Na ja, provokativ triffst wohl eher …, meldete sich die kleine Stimme aus dem Hintergrund und zuckte gelassen die Schultern. Aber vielleicht steht sie ja auf provokativ. Unschlüssig lehnte Tom sich in seinem Stuhl zurück und wartete. Und wartete. Und wartete. Nichts passierte. Keine Nachricht. War das wirklich der richtige Weg? Sichtlich angefressen klappte Tom den Laptop zu und wischte mit einem Schlenker seiner linken Hand die beiden Ordner, die mit reichlich Arbeit für den morgigen Tag gefüllt waren, vom Tisch. Seine Hände glitten fahrig durch seinen blonden Schopf. Sein Puls raste. Er war völlig durcheinander, und es dauerte ein paar Minuten, bis er sich wieder soweit im Griff hatte, dass er einen rationalen Gedanken fassen konnte. Vielleicht sollte er die ganze Sache einfach wieder abblasen und das tun, was er am besten konnte. Diese Singlebörse war ohnehin eine Schnapsidee, wie er rückblickend zugeben musste. Nicht sein Stil. Überhaupt nicht sein Stil. Verdrießlich erhob er sich von seinem Stuhl, schnappte seinen Laptop, Jacke und Autoschlüssel und verließ das Büro. Als der Fahrstuhl ihn ein paar Minuten später in die Tiefgarage beförderte, dachte er darüber nach, ob er noch einen Abstecher in die Egobar machen sollte. Doch dann entschied er, dass er nicht in Stimmung war, weder für ein Bier noch für Gesellschaft jeglicher Art.

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katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Feb 26 2013, 16:13

Ja ja, so ist das halt. Aber gerade Luft zum Lesen und zum schnellen kommentieren.
Hast du da eben geschrieben, hoffentlich gelingt dir der Teil????
Er ist super, wie immer. Lieben Dank dafür flowers
Ich könnte mich über den Typen beäumeln rofl Wie der coole und von sich selbst so schrecklich überzeugte Mann Cool vor dem Laptop auf und ab läuft und letztlich die Ordner vom Tisch fegt.
Manchmal kann so neumodischer Kram doch echt witzige Nebenerscheinungen bringen. Smile
Und ob er sich tatsächlich auf so "nett" runterschrauben kann, dass Little Sweetheart ihn auch nett findet? Na ja, irgendwie spannend findet sie´s ja schon, genauso wie sie den realen Tom ja irgendwie spannend findet.

Ich finde es auch spannend. super

Katha

Bis bald meine Liebe, vielleich schaffe ich ja heute Abend noch was für euch schmoll

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Feb 26 2013, 20:11

hehe da schließe ich mich katha mal an Laughing
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Fr März 01 2013, 14:30

Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende ... Habt eine schöne Zeit ...

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Teil 20



Den Blick starr an die Decke gerichtet, lag Anna auf dem Bett und ließ den Tag Revue passieren. Doch so sehr sie sich auch auf die verschiedenen Ereignisse zu konzentrieren versuchte – selbst auf den Umstand, dass Tom Lanford sie offenbar zu provozieren versuchte –, ihre Gedanken drifteten immer wieder zurück zu ihrer neusten merkwürdigen Chatbekanntschaft. Ob sie vielleicht zu ruppig mit ihm umgegangen war? Mhmm … eigentlich nicht … oder? Sie dachte daran, dass Dr. Lover gestern so komisch auf ihren Gesprächsversuch reagiert hatte, eine nüchterne Art, die sie trotz der kurzen Zeit, noch nicht an ihm erlebt hatte, und sie wieder einmal in die große Welt der Selbstzweifel zurückgeschickt hatte. Vielleicht sollte ich mir das mit dem Date doch noch mal überlegen … das ist alles zu … ach ich weiß nicht … einfach nicht mein Ding …, dachte sie. Meine Rede …, stimmte ihr Unterbewusstsein zu. Sieh es doch mal so, … wenn du das Date sausen lässt, musst du dich wenigstens nicht mit irgendwelchen Verehrern herumschlagen, die du ja ohnehin nicht haben willst …, säuselte es mit hämischer Stimme und verzog das Gesicht zu einer gehässigen Grimmasse. Denk an Daniel, diesen Idioten … Sowas willst du doch nicht noch mal durchmachen, oder … Seufzend schloss Anna die Augen. Nein! Das nicht, aber … Einer plötzlichen Eingebung folgend, sprang sie von ihrem Bett auf, huschte zu ihrem Schreibtisch und klappte den Laptop auf, den sie vor knapp zwei Stunden frustriert zugeschlagen hatte. Ungeduldig trommelte sie mit den Fingern auf die Schreibtischplatte, während der Computer hochfuhr. Mit wenigen Klicks wählte sie sich auf die Website der Singlebörse und öffnete ihr Profil. Gott, was tue ich hier eigentlich …, schoss es ihr unvermittelt durch den Kopf und erstarrte für einen Moment mitten in der Bewegung als sie sich ihrer Tat bewusst wurde. Du willst dich erneut ins Unglück stürzen …, knurrte ihr Unterbewusstsein. Sie schüttelte den Kopf und verscheuchte diese zynische Stimme. Die gebrochene Frau in Anna kauerte sich jammernd zusammen, doch die Masochistin in ihr wollte unbedingt wissen, ob ihre neue Chatbekanntschaft geantwortet oder sich nach dieser reichlich frechen Antwort von ihr gleich wieder vom Acker gemacht hatte. Als sie den Chat öffnete und eine Nachricht in ihrem Briefkasten entdeckte, hielt sie unbewusst die Luft an …

GOOD OLD NICK: Hallo Little Sweetheart, natürlich bin ich volljährig. Die Angaben in meinem Profil entsprechen der Wahrheit. Kannst du das von deinen auch behaupten? drunken … Bin gespannt auf deine Antwort. Gruß GON
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Ein flüchtiges Lächeln erschien auf Annas Gesicht, als sie die Provokation in seinen Worten erkannte, und stieß erleichtert die Luft aus, die sie die ganze Zeit angehalten hatte. Den Anflug von Groll, der sich leise in ihr regte, konnte sie dennoch nicht verbergen. Der Mauszeiger schwebte über dem Antworten-Button, während sie überlegte, was sie tun sollte – Antworten oder es doch lieber bleiben lassen. Lass es …, zischte ihr Unterbewusstsein. Ohne Männer sind wir eindeutig glücklicher. Anna stockte. Glücklich? War sie das wirklich? Eine Frage, die sich ihr bislang nicht wirklich gestellt hatte. Nachdem Daniel ihr das Herz gebrochen hatte und sie sich schließlich mit einigen Rückschlägen, noch mehr Tränen und einer Geduld, die sie nicht zuletzt auch ihrer besten Freundin zu verdanken hatte, wieder ins Leben zurückgekämpft hatte, war selbiges durchaus gut geregelt und folgte einem recht überschaubaren Rhythmus aus arbeiten, essen, schlafen, arbeiten … Ihr ging es gut … ja, … mehr aber auch nicht. Ihr Magen krampfte sich zu einem festen Knoten zusammen, als sie unvermittelt die Erkenntnis traf. Ihr Leben zwar war ausgefüllt … aber gleichzeitig völlig leer … Klar, sie hatte Freunde, … die aber gleichzeitig Kollegen waren. Sie wohnte bei ihren Eltern, … aber nur um gleichzeitig der Einsamkeit einer leeren Wohnung zu entgehen. Seit jenem schicksalsträchtigen Tag war ihr Leben, einst gemalt in bunten Farben, zu einem trostlosen Einheitsgrau verkommen. Glücklich? Anna seufzte traurig auf. Wenn sich so Glück anfühlte, dann wollte sie nicht wissen, wie sehr Elend schmerzte. Einem seltsamen Impuls folgend, der in der Leere unvermittelt hell aufflammte, beschloss sie, sich erneut in Good Old Nicks Profil zu loggen. Ein zweites Mal an diesem Abend las sie seine Angaben, diesmal jedoch mit mehr Interesse. Schließlich entschied sie sich für eine Antwort …

LITTLE SWEETHEART: Natürlich entspricht mein Profil der Wahrheit. Interessanter Musikgeschmack. Wer ist Star Salzman?
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Eine bisher nie gekannte Nervosität begann, unter ihrer Haut zu zittern, und ihre Hände wurden feucht, während sie angespannt auf eine Antwort wartete. Und tatsächlich ertönte nur kurze Zeit später ein leises Pling, was sie kurz zusammenzucken ließ. Sie schluckte leicht und atmete einmal tief durch. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, als sie auf seine Antwort klickte – warum nur war sie so aufgeregt – … dann zog wie von selbst ein breites Grinsen über ihr Gesicht …

GOOD OLD NICK: Das beruhigt mich drunken Du fragst nach Star Salzman … Ich hoffe, du bist nicht schockiert. Das hier ist er.
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In der Anlage war ein Link beigefügt. Neugierig klickte Anna darauf, woraufhin sich YouTube öffnete. Eilig griff sie nach den Kopfhörern und stöpselte sie in den Laptop. Sekunden später erklangen tiefe dunkle Töne von einem Klavier. Gebannt lauschte sie der Musik. Ein Hauch von Schwermut erfasste sie. Die Musik, so erfüllt von süßer Wehmut, berührte sie tief in ihrem Inneren. Sie schloss die Augen und lauschte den schweren Tönen, die ganz langsam von helleren und leichteren verdrängt wurden. Wow … wunderschön … wenn auch irgendwie traurig … Als das Stück schließlich verklungen war, öffnete sie die Augen und starrte einen Moment lang blicklos vor sich hin, … Ihre Finger zitterten ein wenig, und ihr Kopf fühlte sich eine unendliche Sekunde lang vollkommen leer an. Langsam tauchte sie in die Realität und atmete tief durch, bevor sie schließlich eine Antwort schrieb …

LITTLE SWEETHEART: Warum sollte ich schockiert sein? Klingt wunderbar. Aber so traurig. Ich weiß gerade nicht, wie ich das in den Rest deines Musikgeschmacks einordnen soll.
GOOD OLD NICK: Ich mag das Stück einfach. Es gibt Momente im Leben, da ist diese Musik genau das Richtige.
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Momente im Leben? Bei diesen Worten musste Anna unweigerlich an Daniel denken und daran, wie er sie damals verlassen hatte. Sie war am Boden zerstört gewesen, ihr Herz in tausend Teile zersprungen … ihre Seele zerrissen … Die Erinnerung an die Musik in Verbindung mit diesem einschneidenden Erlebnis … Sie spürte, wie Tränen in ihr aufstiegen. Mühsam schluckte sie und holte einmal tief Luft. Ja, es stimmte …

LITTLE SWEETHEART: Ja, du hast Recht. In manchen Momenten ist sie genau das Richtige. Danke für die Musik.
GOOD OLD NICK: Gerne. Klingt, als hättest du ebenfalls diese Momente im Leben gehabt.
LITTLE SWEETHEART: Ja.
GOOD OLD NICK: Du willst nicht darüber reden?
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Sie überlegte einen Moment, dann schüttelte sie den Kopf.

LITTLE SWEETHEART: Nein.
GOOD OLD NICK: Schade, aber es ist okay.
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Seine Antwort kam prompt, und irgendwie fühlte sie sich erleichtert, dass er sie nicht drängte. Immerhin kannten sie sich seit gefühlten zehn Sekunden. Eine für ihren Geschmack viel zu kurze Zeitspanne, um gleich ihr ganzes Seelenleben vor ihm auszubreiten ... Dennoch erfasst sie ein seltsam unbehagliches Gefühl, ...

LITTLE SWEETHEART: Sei nicht böse, aber das ist privat … sehr privat
GOOD OLD NICK: Verstehe. Und nein, ich bin nicht böse. Vielleicht erzählst du es mir später mal, … irgendwann, wenn wir uns besser kennen.
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Besser kennen? Verblüfft starrte Anna auf seine Antwort. Heißt das? Klar heißt es das, du Traumtänzerin …, ätzte ihr Unterbewusstsein, was sich beleidigt in eine dunkle Ecke verzogen hatte, aufs Neue. Wieder und wieder las sie diesen einen Satz, in dem viel mehr steckte, als sie zuzulassen bereit war. „Kennenlernen“. Sie schmeckte das Wort auf ihrer Zunge, spürte den faden Beigeschmack, der unter dem Wohlklang doch klar und deutlich hervorstach. Wollte sie das wirklich? Sie hatte keine Ahnung, … das kam alles so plötzlich … so unerwartet …

LITTLE SWEETHEART: Ja, vielleicht später.
GOOD OLD NICK: Gut. Ich muss jetzt Schluss machen. Lesen wir uns morgen? Ich würde gerne mehr über deinen Musikgeschmack erfahren … drunken
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Meinen Musikgeschmack? Oje … Ihre Mundwinkel verzogen sich leicht. Augenblicklich waren die flüchtig trüben Gedanken vergessen, und irgendwie war sie ihm dankbar dafür. Schnell tippte sie eine kurze Antwort …

LITTLE SWEETHEART: Klar, gerne. Gute Nacht!
GOOD OLD NICK: Ich freu mich. Dir auch eine gute Nacht.
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Nur wenige Sekunden später hatte er sich ausgeloggt, während Anna wieder und wieder ihre kurze Unterhaltung las. Ihr Herz schlug hart gegen ihre Rippen, als wäre sie einen Marathon gelaufen. Ein Anflug von etwas, was sie als eine kindliche Form der Vorfreude bezeichnen würde, keimte in ihr auf und mischte sich in die langsam abklingende Aufregung. „Bis morgen.“, flüsterte sie. Hör auf, so dümmlich zu grinsen. Er ist immer noch ein Kerl …, erinnerte sie ihr Unterbewusstsein, was sie mit einem finsteren Blick bedachte, auf recht schroffe Weise. Anna verdrehte die Augen und ignorierte die innere Fassungslosigkeit, während sie in einer Geste absoluter Gleichgültigkeit die Schultern zuckte und schließlich den Laptop ausschaltete. Mit einem seltsamen Gefühl von innerer Zufriedenheit kroch sie in ihr Bett, rollte sich unter ihrer Decke zusammen und war augenblicklich eingeschlafen.


Star Salzman - "Long Night"
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=EsnyjiUM0Mc


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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Fr März 01 2013, 21:50

Oh, Mini,
ich bin auch schon ganz aufgeregt. Du beschreibst das mal wieder so, dass man sich gleich mittendrin fühlt. bounce
Ich fühle auf jedenfall mit Anna, wahrscheinlich rennt sie bereits am frühen Morgen wieder zum Lappi um zu schauen, ob nicht doch schon eine neue Nachricht da ist. Rolling Eyes Und Tom geht es vermutlich nicht anders, sonst wäre er ja nicht schon wieder on gewesen. Wink

In dem kurzen Dialog finde ich ihn übrigens sehr sensibel. brav Hätte man ihm ja jetzt fast nicht zugetraut, nach den Bemerkungen und Gedanken, die er bisher so von sich gegeben hat. Sollte hinter dem Macho also doch ein Sensibelchen stecken, der nur auf die Richtige wartet? schmoll

Ich freu mich auf mehr.
Bitte, bitte, bitte, bitte und so weiter, und so weiter gib5

Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mo März 04 2013, 10:04

Danke dir für deinen wunderbaren Kommi. Tja, Tom kann wohl auch nett ... oder ist dieses Machogehabe nur eine Fassade???

Wir werden sehen ... oder besser lesen

Fortsetzung folgt ... spätestens am Mittwoch ...

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi März 06 2013, 07:58

So, meine liebe Katha, ich habs dir ja versprochen. Heute ist Mittwoch, und hier ist der neue Teil. Nicht besonders lang, aber ich hoffe, er gefällt trotzdem.

Viel Spaß euch Lesern ... LG, Mini


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Teil 21


Etwas nervös stieg Anna am nächsten Morgen, nachdem sie selbigen damit verbracht hatte, sich intensiv über das Modelabel Lanford zu informieren, in den Fahrstuhl des modernen glasumsäumten Gebäudes. Es war fünf Minuten vor Elf. Sie war pünktlich. Was an sich schon fast ein Phänomen war, wenn man bedachte, wie oft sie auf dem Weg zur Arbeit diesen Termin bereits abgesagt hatte – natürlich nur im Geiste, Jonas hätte sie gevierteilt, wenn sie es tatsächlich getan hätte. Einen Augenblick lang schwebte ihr Finger unschlüssig über dem Knopf für die dritte Etage des riesigen Bürogebäudes. Sollte sie sich das wirklich antun? Sie hatte den halben Morgen darüber nachgedacht, wie sie sich Tom gegenüber verhalten sollte, wenn er vor ihr stand. Seine selbstherrliche Art gefiel ihr nicht, auch wenn sie ihn durchaus sympathisch fand – natürlich nur aus der Ferne betrachtet. Aber sobald sie mit ihm ein Wort wechselte, wollte sie einfach nur noch davon laufen. Schweren Herzens entschied sie sich schließlich für die dritte Etage. Wird schon schief gehen …, dachte sie angespannt und lehnte sich mit einem tiefen Seufzen gegen die Fahrstuhlwand. Die Fahrt schien eine halbe Ewigkeit zu dauern, und mehr als einmal in diesen bestenfalls fünfzehn Sekunden, die die Fahrt währte, dachte sie wieder mal darüber nach, diese ganze Sache doch noch abzublasen. Aber was würde Jonas dazu sagen? …, ging es ihr wehmütig durch den Kopf. Verfluchter Mist, warum muss ich immer die Kartoffeln aus dem Feuer holen … Als die Fahrstuhlglocke schließlich das Ziel der Fahrt mit einem sanften Pling ankündigte, schlug ihr das Herz bis zum Hals. Sie schluckte geräuschvoll und bemühte sich, den dicken Kloß, der in den letzten Sekunden zur Größe eines Tennisballs angeschwollen war, herunterzuwürgen. Zwecklos. Vermutlich würde sie kein Wort herausbekommen. Scheiße. Augenblicklich fühlte sie sich in die Anfänge bei Broda & Broda zurückversetzt. Damals hatte sie auch nie ein Wort herausbekommen. Sie schloss die Augen und atmete tief durch. Mensch Anna, diese krankhafte Schüchternheit hast du doch lange abgelegt … Sei einfach professionell, das würde Jonas zumindest von dir erwarten …, ermahnte sie sich. Denk an das Wohl der Agentur …, beschwor sie sich, während sich die Fahrstuhltüren öffneten. Sie holte leise Luft und stieß sie langsam wieder aus, dann straffte sie die Schultern und stieg, erfüllt mit einem Selbstbewusstsein, was sie ihrem Gefühl nach in der warmen Gemütlichkeit ihres Bettes zurückgelassen hatte, aus der Kabine.

Von Leben erfülltes Chaos flutete ihr augenblicklich entgegen und umströmte sie als sie zögerlich in den riesigen Raum trat. Das also ist Lanford …, schoss es ihr mit einem Anflug von Anerkennung durch den Kopf, als sie einen Blick durch das riesige, modern eingerichtete Atelier schweifen ließ. Sie erinnerte sich, wie sie noch vor zwei Wochen hier den Dreh für den Schmuck-Spot absolviert hatten. Puh, dagegen sind unsere Büroräume in der fünften Etage ja die reinste Abstellkammer …, dachte sie, während ihr Blick erneut die von regem Treiben erfüllten Weiten erfasste. Hey, nicht träumen …, riss ihr Unterbewusstsein sie aus ihren Gedanken und schnitt eine dümmliche Grimasse. Dass sie diesen Besuch allein absolvieren sollte, behagte ihr noch immer nicht. Aber sie würde das durchziehen, für sich, für Jonas und die Agentur. Und Mr. Unwiderstehlich kann so unwiderstehlich sein, wie er will …, dachte sie grimmig. Wie im Zeitraffer spulten sich im selben Moment die Szenen auf Palomas Verlobungsparty und die im Fahrstuhl vor über einer Woche ab. Nicht daran denken … immer das Ziel vor Augen haben …, ermahnte sie sich und steuerte den Empfang an, hinter dem eine hübsche Brünette – Anna schätzte sie auf Mitte, höchstens Ende zwanzig – stand und offensichtlich von dem Notstand befallen war, dass der liebe Herrgott sie mit nur zwei Händen ausgestattet hatte. Das Telefon zwischen Ohr und Schulter geklemmt faselte sie in liebenswürdigem Singsang ein paar englische Brocken in den Hörer, während sie mit der linken Hand den Terminkalender durchblätterte und mit der rechten eilig ein paar Notizen aufkritzelte. Sich Annas Gegenwart plötzlich bewusst, hob sie den Kopf und bedachte sie mit einem kurzen Lächeln. Aha, sie wurde also erwartet. Na klar wirst du erwartet, dumme Nuss …, zischte ihr Unterbewusstsein. Nur einen Sekundenbruchteil später hatte die junge Frau hinter dem Tresen erneut ein paar schnelle englische Worte in den Hörer gesprudelt, während ihre linke Hand eilig über den Terminkalender flitzte. Sie nickte Anna zu, formte mit den Lippen die Worte „Herr Lanford erwartet Sie bereits“ und deutete mit dem Kopf nach rechts.

Gleichsam fasziniert wie schockiert von diesem Allroundtalent einer Empfangsdame nickte Anna und fragte sich, wie robust das Nervenkostüm dieser Frau wohl sein musste, dass sie Arbeit leisten konnte, die augenscheinlich für zwei gedacht war. Kopfschüttelnd wandte sie sich in die Richtung, die die junge Frau ihr gewiesen hatte, und näherte sich der grauen Tür – zweifellos das Büro des Geschäftsführers. Sie räusperte sich, hob die Hand, um anzuklopfen, und hielt einen Moment inne. Gott, was mache ich hier eigentlich? Wieder einmal überkam sie das Gefühl, dass dieser Auftrag nur ein geschickter Vorwand zu einer Annäherung war. Klar ist er das …, säuselte ihr Unterbewusstsein spöttisch. Aber das hier war Geschäft. Und Geschäft war nicht immer nur angenehm …, erinnerte sie sich. Davon mal abgesehen wäre Jonas sicher nicht begeistert, wenn sie diese Sache hier aufgrund einer flüchtigen Begegnung, die sie am liebsten vergessen wollte, vermasseln würde, schließlich waren sie eine recht kleine Agentur, und ein Kunde wie Lanford würde sich wunderbar auf ihrer Referenzliste machen. Scheiße …, fluchte sie leise vor sich hin und holte erneut tief Luft. Einen Moment noch rang sie zwischen Gehen und Bleiben, dann klopfte sie an. Im selben Moment begann ihr Herz wie wild zu hämmern, während ihr der Schweiß aus allen Poren zu schießen schien. Warum, wusste sie selbst nicht so genau. Professionalität, Anna …, ermahnte sie sich. Ein, wie Anna fand, recht genervtes „Herein“ drang von der anderen Seite der Tür zu ihr. Ein widerwilliges Stöhnen entwich ihren Lippen, begleitete von einem ironischen Augenrollen. Jetzt gibt’s kein Zurück mehr. Dafür bist du mir was schuldig, Jonas …, ging es ihr mürrisch durch den Kopf, dann drückte sie die Klinke.

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Zuletzt von Mini_2010 am Do März 07 2013, 08:38 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi März 06 2013, 18:55

Hallo meine Liebe,
anstrengende Schulung hinter mich gebracht, leckeren Geburtstagskuchen verputzt, und jetzt ist Zeit, dir mal ein paar Zeilen hier zu lassen Wink
ich danke dir für deine lieben Wünsche und die neuen Teile. danke
Ich würde jetzt sagen, ich habe mich sehr gefreut, aber ich muss gestehen, das ist nur die halbe Wahrheit. Rolling Eyes Ich bin nämlich so unglaublich gespannt wie es weiter geht, dass ich ein bisschen frustriert bin. idontknow Das war jetzt nicht, was du hören wolltest, oder? Ist auch nicht so richtig nett, aber ... ichdrehgleichdurch

Süße, liebe Grüße von mir,
Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi März 06 2013, 22:01

klasse teile Smile
wenn anna wüsste mit wem sie da chattet Laughing
und dann noch ein hoffen wir keinen mürischen tom in seinem büro sein "herein" war ja nicht gerade einladent ..... bin geapnnt auf mehr beeildich
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Do März 07 2013, 08:43

Ich denke euch beiden

@Katha: Ja, tut mir leid. Im Moment geht alles drunter und drüber. Die Zeit ist verdammt knapp, und ich bin noch nicht sicher, wie sich das in den nächsten Wochen verhalten wird. Aber ich gebe mein Bestes.

@Nicky: Ja, Tom in seiner Rolle als Geschäftsführer ist dann wohl eine Facette, die Anna noch nicht an ihm kennt.

Wir werden sehen, wie das Treffen läuft, immerhin hatte ja Tom darum gebeten.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi März 13 2013, 12:06

So, weiter gehts. Der Teil ist dieses Mal etwas länger, hoffe, euch stört das nicht ... LG, Mini

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Teil 22



Tom hatte gerade das Telefonat mit einem Großkunden aus Südfrankreich beendet, als es an der Tür klopfte. Was denn nun noch …, stöhnte er sichtlich genervt und warf einen flüchtigen Blick auf seine Uhr. Es war elf Uhr. Als sich die Tür auf sein zerknirschtes „Herein“ hin öffnete und er Anna im Türrahmen erblickte, erhellte sich augenblicklich seine Stimmung. Na endlich …, ging es ihm durch den Kopf und unterdrückte ein erleichtertes Seufzen. Trotz aller Überzeugung hatte er die Befürchtung, dass sie einen Weg finden würde, sich vor diesem Treffen zu drücken, nicht ganz abschütteln können. Und das nicht zuletzt, weil ihr Kennenlernen – konnte man das so nennen? – alles andere als glatt verlaufen war, wie er sich im Nachgang eingestand. Nun gut, nicht zuletzt musste er diese Tatsache wohl zum Teil seinem ungestümen Verhalten zuschreiben. Hört, hört … welch bahnbrechende Selbsterkenntnis …, kommentierte sein Unterbewusstsein sarkastisch, doch Tom ignorierte es. Wie hätte er denn auch wissen können, dass ihm dieses einmal zum Verhängnis werden könnte. In der Regel waren die Frauen, mit denen er sich umgab, recht aufgeschlossen gegenüber seinen Avancen. Aber gut, offenbar gibt es für jede Lebenssituation Ausnahmen …, dachte er und schob diese im Augenblick fehlplatzierten Gedanken beiseite. Jetzt ging es in erster Linie ums Geschäft. Nun wieder ganz der versierte Geschäftsmann trat er hinter seinem Schreibtisch vor auf Anna zu und reichte ihr die Hand. „Hallo …“ Er überlegte einen Moment, wie er sie ansprechen sollte. In Anbetracht der Tatsache, dass sie sich ja bereits kannten – mehr oder weniger – wäre eine förmliche Ansprache wohl gleichsam fehl am Platz wie unglaubwürdig. „… Anna“, vollendete er kurzentschlossen seine Begrüßung, bevor die Pause zwischen den Worten zu lang werden und sie die falschen Schlüsse ziehen konnte. Die junge Blondine, die ihn die ganze Zeit mit offenem Blick angesehen hatte, blinzelte kurz und presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen. Eine Geste, die ihm sagte, dass sie seine recht persönliche Begrüßung wohl eher als unangenehm empfand. Gut, ihm war’s egal. Er hatte auch nicht wirklich das Bedürfnis, sich lange an Begrüßungsfloskeln aufzuhalten. Sie erwiderte seinen Gruß mit einem tonlosen und fast schon herausfordernden „Herr Lanford“, was von einem ironischen Blitzen in ihren Augen unterstrichen wurde, und ergriff seine Hand, die er ihr entgegenhielt. Soso … wir sind also wieder beim Sie … Tom verkniff sich ein amüsiertes Schmunzeln und drückte leicht ihre Finger. Dass sie die Förmlichkeit nutzte, hatte nur eines zu bedeuten. Sie wollte den Abstand wahren und gleichzeitig Privates von Beruflichem trennen. Ein Verhalten, dem er durchaus Anerkennung zollte, zeugte es doch von einer gewissen Professionalität. Pah, Professionalität …, die will dich nur provozieren …, widersprach sein männliches Ego. Tom ignorierte es. Keine Frage, er liebte Herausforderungen, und die junge Frau mit den wunderschönen blauen Augen und dem angriffslustigen Zug um den Mund stellte zweifellos eine dar. Dennoch hätte er es begrüßt, wenn sie sich beziehungsmäßig mit ihm auf einer Ebene bewegen würde. „Tom“, korrigierte er daher mit einem gewinnenden Lächeln und hoffte, somit das Ungleichgewicht in der Förmlichkeit ausgeglichen zu haben. Sie nickte und lächelte knapp, woraufhin er ihr deutete, sich zu setzen.

„Ich gehe davon aus, dass Herr Broda dich bereits über den Auftrag informiert hat.“, begann Tom nachdem er wieder hinter seinem Schreibtisch Platz genommen hatte und überging geflissentlich das missbilligende Funkeln, was auf das unförmliche Du hin in ihren Augen zu glimmen begann. „Ja.“, antwortete sie knapp. „Es handelt sich um eine neue Kollektion, die beworben werden soll.“, ratterte Anna wie einstudiert herunter. Tom nickte langsam und bedachte sie mit einem Blick, den Anna nicht zu deuten wusste. „Um genau zu sein, handelt es sich um eine Dessouskollektion, für die wir dringend ein geeignetes Werbekonzept benötigen.“, erklärte er ohne Umschweife. Anna klappte die Kinnlade herunter, während ihre Augen gleichzeitig die Größe von Untertassen annahmen. „Dessous?“, fragte sie auf eine Weise, als wolle sie sich überzeugen, sich nicht verhört zu haben - was sie nicht hatte, wenn sie Toms ruhiges Nicken richtig deutete. Ihr Unterbewusstsein verdrehte spontan die Augen und kippte mit einem ohnmächtigen Stöhnen aus den Latschen, während ein anderer, rationaler Teil in Anna verzweifelt die Flut wirrer Gedanken unter Kontrolle zu bringen versuchte – allem voran, den Wunsch, Jonas auf der Stelle den Hals umzudrehen. Sie wusste nicht warum, aber sie war sich ziemlich sicher, dass er ihr dieses klitzekleine Detail wissentlich verschwiegen hatte. Tom, der ihre Reaktion interessiert beobachtet hatte, verkniff sich ein schiefes Grinsen, gleichsam wie eine ironische Bemerkung. Professionalität war angesagt. Das hier war immer noch etwas Geschäftliches, auch wenn sein männliches Ego das im Moment völlig anders sah. Noch immer amüsiert von Annas Verwirrung – es war ziemlich offensichtlich, dass ihr Geschäftspartner es versäumt … oder bewusst verschwiegen … hatte, ihr dieses durchaus wesentliche Detail dieses Auftrages mitzuteilen – zückte er die Mappe, die Enrique ihm heute Morgen ins Büro gebracht hatte und breitete die Entwürfe samt der ersten Ideenansätze, die noch in einem recht frühen Stadium der Konzeptentwicklung standen, auf dem Tisch aus. Mit erwartungsvollem Blick sah er die junge Blondine an, die mit gerunzelter Stirn die Zeichnungen betrachtete. Schweigen breitete sich in dem Büro aus … dehnte sich aus und füllte eine gefühlte Ewigkeit …, bis Tom schließlich erneut das Wort ergriff. „Diese Dessouskollektion soll der Auftakt einer neuen Lanford-Linie bilden. Wir planen, sie auf den Pariser Fashion Weeks zum ersten Mal zu präsentieren. Zum selben Zeitpunkt soll die Kampagne an den Start gehen.“, erklärte er. Anna sah auf und ihm direkt in die Augen. „Also Anfang Februar?“, resümierte sie. Tom hob die Brauen, überrascht, dass sie darüber Bescheid wusste, wann dieses Ereignis Einzug hielt. Mit Anerkennung im Blick nickte er. Er mochte Frauen ihres Wesens wegen und der Sinnlichkeit, die sie ausstrahlten, aber noch anziehender fand er jene Art, die gleichzeitig Professionalität zeigten. Was nicht sehr häufig vorkam. Und was das betraf, konnte er wahrlich aus Erfahrung sprechen. Er musterte Anna, die mit gefurchter Stirn die Konzeptansätze und Entwürfe der Kollektion studierte. Und während er sich fragte, was ihr wohl durch den Kopf ging, kam er zu dem Schluss, dass er sie auf eine Weise anziehend fand, wie er es noch nie zuvor bei einer Frau empfunden hatte. Eine ganz neue Erfahrung, diese Kombination aus Attraktivität, Intelligenz und Professionalität.

„An welches Thema hatten Sie bei dem Konzept gedacht?“, fragte Anna schließlich und riss Tom aus seinen abdriftenden Gedanken. Thema? Oh verdammt … Er neigte den Kopf und gab vor, angestrengt über diese Frage nachzudenken. Dass er gar keine Ahnung von dieser Materie hatte, wollte er ihr schließlich nicht unbedingt auf die Nase binden. Davon mal abgesehen war sie doch die Werbeexpertin. Immerhin hatte er sie doch genau dafür hergerufen – zumindest vorrangig. Einen Moment lang sah er sie unschlüssig an, dann schüttelte er den Kopf und hob in einer Geste vollkommener Ahnungslosigkeit die Schultern. Ihr Mund verhärtete sich erneut. Ganz eindeutig Missbilligung, auch wenn sie schwer darum bemüht war, die professionelle Fassade zu wahren, wie er in ihrem Blick erkennen konnte. Nicht gut …, dachte Tom, dem es nicht gefiel, ins Hintertreffen zu geraten. Schließlich war er bekannt für seine Konsequenz und seinen Ehrgeiz, … nur leider fielen beiden Tugenden nicht unbedingt in den kreativen Bereich. Verflucht, vielleicht hätte ich doch lieber Enriques Angebot, diesen Termin zu übernehmen, annehmen sollen …, ging es ihm durch den Kopf, während er fieberhaft darüber nachdachte, wie er das Ruder noch herumreißen konnte. Aber er hatte diesen Termin unbedingt selbst machen wollen. Tja, und nun hatte er den Salat ... Bei der ersten Frage verkackt … durchgefallen, mein Lieber …, dachte er zerknirscht, als ihm plötzlich eine rettende Idee kam. „Vielleicht sollte ich dir die Kollektion einfach mal zeigen …“, schlug er eilig vor. „Vielleicht spricht sie ja auch für sich.“ Annas Augen weiteten sich. Tausend Gedanken schwirrten durch ihren Kopf, überschlugen sich und mischten sich erneut mit den Entwürfen, die noch immer lose auf dem Tisch lagen. Kopfschüttelnd sah sie auf die Bruchstücke, die verstreuten Puzzleteile, die irgendein Bild ergeben sollten, … versuchte eine Linie zu finden … einen Ansatz, irgendwas … aber nichts … Seufzend stieß sie die Luft aus, als ihr die Erkenntnis ziemlich hart ins Gesicht schlug. Dieser Kunde hatte noch weniger als eine Grundidee vorzuweisen, und das war wirklich übel. Ohne eine Grundidee, gab es keinen Anhaltspunkt, an dem man ansetzen konnte. Im Grunde stand ihr so Tür und Tor offen, abgesehen von der Tatsache, dass es um Dessous ging. Toll …, sollte man eigentlich meinen. Sie könnte in alle Richtungen experimentieren. Aber ihre Begeisterung hielt sich in Grenzen. Denn – und soviel wusste sie jetzt schon – am Ende würde ein überquellender Papierkorb, gefüllt mit unbrauchbaren Ideen, das Ergebnis sein. Rätselraten ..., schoss es ihr durch den Kopf. Die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen ... Sie stöhnte innerlich auf. Was das für ihre Zusammenarbeit mit Tom bedeutete, darüber wollte sie noch gar nicht nachdenken. Ganz zu schweigen von dem Zeitplan. War ihr dieser zu Beginn des Gespräches noch durchaus großzügig vorgekommen, war er spätestens nach dieser Offenbarung zur Größe eines schlechten Witzes geschrumpft. Aber so war das nun mal in diesem Business. Viel Arbeit - wenig Zeit. Eine denkbar schlechte Konstellation. War das der erste Schritt in Richtung Kapitulation? „Das Budget, was dahinter steckt, können wir uns unmöglich entgehen lassen, Anna. Das ist der Volltreffer, auf den wir immer gewartet haben. Der Sechser im Lotto …“, hallten Jonas Worte unheilvoll in ihrem Kopf. Nein! Nein, verflucht, aber es muss doch irgendwas geben, wo ich ansetzen kann …, trat nun die Werbetexterin, die es sich zum Ziel gemacht hatte, jede Herausforderung meistern zu wollen, ganz egal welche sich ihr bot, in den Vordergrund. Anna räusperte sich und holte tief Luft. Dann straffte sie die Schultern und sah Tom erwartungsvoll an. „Das ist sicher eine gute Idee. Aber ich brauche einen Ansatz …“, beharrte sie mit dem Wesen einer Werbetexterin, die wusste was sie wollte.

Anna schloss die Augen, als Toms sie nur ausdruckslos ansah. „Als die Kollektion entworfen wurde, muss doch eine Idee dagewesen sein?“, bekräftigte sie ihren Standpunkt noch einmal. Vollkommen konsterniert starrte Tom sie an und stieß langsam die Luft aus. Er spürte, wie er an seine Grenzen geriet, das Gebilde seiner Professionalität zu wanken begann. „Ich kann den Termin auch für dich übernehmen. Vielleicht finden Anna und ich gemeinsam einen Ansatz.“, hörte er Enriques Worte in seinem Kopf. Fast hätte er geknurrt, nicht weil Enrique es gewagt hatte, ihm zu widersprechen. Vielmehr behagte ihm der Gedanke nicht, dass sein bester Freund zu eng mit Anna zusammenarbeiten würde, wenn Tom ihm das Ruder überließ. Was völlig irrational war, da Enrique bereits verlobt war und mit Paloma eine Frau an seiner Seite hatte, die ihm vermutlich diverse Körperteile ganz besonders langsam ausreißen würde, sollte er es wagen, einer anderen Frau auch nur zu nahe zu kommen. Ein Gedanke, der Tom auf eine gewisse Weise amüsierte, ... ihn der Lösung seines Problems jedoch keinen Schritt näher brachte. Auch wenn er es niemals laut ausgesprochen hätte, ... ja, er wusste, dass Anna Recht hatte, dass Enrique Recht hatte, aber was sollte er tun? Giselle hatte vor nicht ganz vier Wochen das Label verlassen. Seine Schuld. Und klar stand eine Idee hinter der Kollektion; irgendwas mit Freiheit und das Gefühl man selbst zu sein … oder so. Sie hatte ihm davon erzählt, als er sie vor ein paar Wochen in dieses schicke Restaurant geführt hatte. Aber so ganz verstanden hatte Tom Giselles Gedanken nicht – vermutlich weil er auch nicht wirklich zugehört hatte. Noch ein Fehler. Und wenn er einfach Bruno fragte? Nein, auf keinen Fall. Er würde nicht vor seinen Vater treten und sich diese Unzulänglichkeit eingestehen, dass er nicht wirklich Ahnung von dieser Materie hatte. Und schon gar nicht, dass er dafür gesorgt hatte, dass Giselle das Weite suchte, denn das war es doch, was ihn von L.A. hierher getrieben hatte. Zumindest war Tom felsenfest davon überzeugt. Verflucht. „Und die Designerin?“, hakte Anna, völlig unbeteiligt von dem Gedankenchaos, welches Tom in diesem Moment heimsuchte, nach. Auf diese Frage hin sah Tom sie ausdruckslos an. Ein fast schon gequältes Seufzen entrang sich seiner Kehle, bevor er es verhindern konnte. „Ich meine, sie muss doch irgendeine Inspiration gehabt haben … irgendetwas, was sie dazu bewogen hat, diese Kollektion zu kreieren.“, bohrte Anna weiter und bedachte Tom mit einem Blick, der ihn so verdammt an seinen Vater erinnerte und ihn direkt auf die Stufe eines dummen Schuljungens stellte, der von der Welt keine Ahnung hatte. Entschieden unterdrückte er ein frustriertes Knurren und zuckte stattdessen gespielt lässig die Schultern. Giselle arbeitet leider nicht mehr bei uns …, ging es ihm unwillig durch den Kopf. Ja, die hübsche Brünette hatte vor vier Wochen ihren Vertrag einfach fristlos gekündigt und war gegangen. Dass sie das getan hatte, nachdem Tom ihr nach einem romantischen Abend und einer heißen Nacht klargemacht hat, dass er keine Lust auf eine feste Beziehung hatte, verdrängte er jedoch sogleich aus seinem Gedächtnis. Es musste eben auch ohne Giselle gehen. Gut, die Designerin war zweifellos ein Talent gewesen. Tragischerweise hatte sie nach diesem Desaster direkt bei der Konkurrenz angeheuert. Was natürlich doppelt so schwer wog und einem Schlag unter die Gürtellinie gleich kam. Auch das war Toms Schuld. Und seitdem saßen sie auf dieser Kollektion, bei der jeder sofort erkannte, dass sie ein wahrer Erfolg werden würde, und hatten keine wirkliche Ahnung, wie sie sie am besten vermarkten sollten. Sah so etwa das Aushängeschild für eine neue Linie aus? Eine ziemlich vertrackte Situation. Tom schüttelte den Kopf und musterte Anna mit beinahe hilfloser Intensität. Und auch wenn er es nicht laut aussprach, ihr war sofort klar, dass er alle seine Hoffnungen, was den Erfolg dieser Kollektion betraf, allein in sie und ihre Fähigkeiten legte. Sie sollte das Schiff vorm Sinken bewahren, das Ruder herumreißen, bevor sie auf Grund liefen. Na prima … „Also gut, dann zeigen Sie mir die Kollektion.“, lenkte Anna schließlich ein, als ihr endlich klar wurde, dass sie an dieser Stelle nicht weiterkamen. Mit einem erleichterten Lächeln nickte Tom und erhob sich. Anna tat es ihm gleich. Mit einer galanten Bewegung öffnete er die Tür und ließ sie voran aus seinem Büro gehen.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi März 13 2013, 20:42

Huihuiui, ob sich Tom das so vorgestellt hat? confused
Er merkt ja selbst, dass er irgendwie nicht ganz so professionell rüber kommt, wie er gerne möchte. Da steht dem Geschäftsmann wohl sein männliches Ego im Weg, aufdiemütze wie er ja sogar selbst erkennt ... Immerhin Rolling Eyes
Und Anna hat sich ziemlich gut im Griff will ich meinen, zumindest nachdem sie den Schock verkraftet hat, das es sich auch noch um eine Dessous-Kollektion handelt. Die Professionalität in Person? Eine schöne und auch noch beeindruckende Maske hinter der sie sich da versteckt um ja keinen Gedanken an seine Person zu veschwenden.

Ich bin sehr gespannt, wie das weiter geht bounce

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mo März 18 2013, 08:18

Ja ja, alles nicht so einfach für die beiden. Wir werden sehen, wie sich das weiterentwickelt. Und ob Tom doch noch irgendwie die Kurve kriegt. Gar nicht so einfach, wenn man sich mit etwas auseinander zu setzen versucht, von dem man nicht wirklich viel versteht. Hat wohl seinen Grund, warum Tom lieber mit Zahlen jongliert.

Ich bemühe mich um eine baldige Fortsetzung.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di März 19 2013, 00:07

Hey Süße,

woooooow was für wunderschöne Teile du da gepostet hast! Ilikeit

Besonders süß fand ich ja die Chat-Gespräche mit Tom. Das Anna dabei so nervös wird, wenn sie eine neue Nachricht erblick, echt niedlich! Wink
Wobei ich echt sagen muss, das Anna sich langsam aber sicher echt gut mit Männern macht. Also zumindest geht sie wenn auch unsicher, langsam auf die andere Spezies zu ... ob das wohl an Paloma und ihren gemeinsamen Plan mit Enrique liegt!? Wink
Ach ja ... sag mal bilde ich es mir nur ein oder versucht Tom wirklich, ohne sich zu verraten, Anna von seinem alten Account auf den neue zu lenken? confused

Ach jaaa ... und dann wieder meine Lieblingsstellen mit Annas und Toms Unterbewusstsein - einfach Göttlich! Smile
Ich muss mir diese Szenen immer bildlich vorstellen, die sind einfach zum wegschießen! Smile

Diese Frau am Empfang von Lanford ... das war jetzt aber nicht Minni oder!? Suspect
Zum einen würde ich sie gar nicht auf Ende zwanzig einschätzen ... eher so Mitte zwanzig und zum anderen könnte ich sie mir gar nicht als Multitask vorstellen. Rolling Eyes Razz

Ich bin echt gespannt wie es mit den beiden weitergeht, wann die ersten Gefühle auftauchen (wobei ... bei Tom sind die ja schon da ... nur bei Anna schlafen die noch ... aufdiemütze ), wann der erste Kuss entsteht und die erste gemeinsame Nacht. Aber vor allem bin ich ja mal gespannt ob Anna als Texterin bleibt oder doch einen Sprung in die Modewelt wagt!

Biitteee liebe Mini mach gaaaanz schnell weiter ... ich freue mich schon auf die nächsten Teile! Very Happy

Ilikeit

Knutsch
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Fr März 22 2013, 13:23

Hallo, meine Lieben, weiter gehts mit dem nächsten Teil. Ich bin nicht so ganz zufrieden mit diesem Abschnitt, aber gut, ich hoffe, es gefällt euch trotzdem ... LG, Mini flower

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Teil 23

„Virgin.“, rief Tom, als sie am Empfang vorbeiliefen, an dem noch immer die junge Brünette wuselte, als hinge ihr Leben davon ab. Auf Toms Ruf hin kam ein junger blonder Mann mit federnden Schritten und einem herzlichen Lächeln im Gesicht auf sie zugelaufen. Nein, geschwebt trifft es wohl eher. Neugierig beäugte Anna den schlanken hochgewachsenen Mann mit dem seltsamen Namen. Er war durchaus attraktiv, mit Ausnahme seines wirklich gewagten Kleidungsstils. „Tom, ich wollte gerade zu dir ...“, säuselte er in liebenswürdigem Singsang. Anna starrte ihn mit offenem Mund an, während sich unweigerlich die Frage in ihr Hirn schlich, wo sie diesen komischen Paradiesvogel wohl rausgelassen hatten. Virgin währenddessen betrachtete sie mit prüfendem Blick. Sie wusste sofort, was er sah. Kleine graue Maus in Jeans und Bluse. Nun gut, vielleicht sollte sie nicht zuviel darauf geben, dass sie im Gegensatz zu seinem schillernden Auftreten völlig underdressed wirkte. Jeder andere normal gekleidete Mensch wäre wohl gleichsam durchgefallen. Flüchtig sah sie sich um und registrierte erleichtert, dass dieser Virgin ganz offenbar der einzige mit einem derart gewagten Modegeschmack war. Tom räusperte sich vernehmlich und lenkte ihre Aufmerksamkeit von dem Gelb seines Jacketts ab, bevor die grelle Farbe in ihren Augen zu schmerzen beginnen konnte. „Das ist Anna Polauke. Sie ist hier, um uns bei dem Werbekonzept für die Dessouskollektion zu unterstützen.“, erklärte Tom knapp. Virgins Augen weiteten sich. „Sollte das nicht Vegaz machen?“, fragte er irritiert. Tom zuckte die Schultern und überging eine Antwort mit einer Gegenfrage. „Die Kollektion ist immer noch im Lager?“ Virgins Augenmerk richtete sich erneut auf Anna, unterzog sie abermals jenem prüfenden Blick, der ihr das Gefühl gab, unzulänglich zu sein, und nickte langsam. „Aha … schön …“, bemerkte er leicht abwesend, und Anna, die sich plötzlich unglaublich nackt fühlte, wurde schlagartig knallrot. Nur wenige Sekunden später wandte Virgin sich wieder an Tom. Zum Glück. Erleichtert blies Anna die Luft aus. Irgendwie hatte sie das Gefühl, soeben eine Prüfung bestanden zu haben. „Genau. Rechts neben der Tür, gleich neben der Sommerkollektion aus diesem Jahr.“, beantwortete Virgin Toms Frage und lächelte. Sein sonniges Gemüt war geradezu ansteckend. Gerade wollte er sich abwenden, als er in der Bewegung innehielt. „Ach, bevor ich es vergesse … Brüno will dich sprechen … wegen genau dieser Kollektion.“, erklärte er Tom und schenkte Anna, die kurz davor stand, eine sarkastische Bemerkung in seine Richtung zu schießen, weil er sie schon wieder auf diese Weise ansah, ein kurzes Lächeln. Ich hab’s geahnt …, dachte Tom angesäuert und verdrehte unwillkürlich die Augen. „Sag ihm, … in einer Stunde. Ich habe gerade einen Termin.“, erwiderte er in schroffem Tonfall. Virgins Lächeln erstarrte. „Aber …“ „Nichts aber …“, unterbrach Tom ihn unwirsch. Unverhohlener Ärger funkelte in seinen Augen. Virgin schluckte und nickte schließlich widerwillig. Offenbar war er klug genug, zu wissen, wann es besser war, den Mund zu halten. Schlaues Kerlchen …, dachte Anna und beobachtete, wie der Blonde stolz das Kinn vorreckte. „Gut, Brüno erwartet dich dann in einer Stunde in deinem Büro …“, erklärte er mit einem Blick als wolle er ihm sagen ... und Gnade dir Gott, du bist dann nicht da ... Dann wandte er sich mit einer anmutigen Bewegung, die Anna bei einem Mann noch nie gesehen hatte, um und stolzierte davon. Gegen ihren Willen musste sie schmunzeln. Virgin hatte etwas geradezu Divenhaftes an sich, was sie gleichsam faszinierte wie amüsierte. Aber den Sympathiepunkt hatte er von ihr in dem Moment erhalten, als er sich gegen Tom behauptet hatte. Keine Frage, sie schätzte Mitarbeiter, die loyal waren, sehr. Aber jemand, der keine eigene Meinung vertrat und vor einem kroch, um sich vermeintliche Sympathie zu ergattern, war weder jemand, mit dem sie zusammenarbeiten wollte, noch dem sie je ihr Vertrauen schenken würde. Sie musste lächeln, als sie Tom einen kurzen Seitenblick zuwarf und ihn dabei beobachtete, wie er dem blonden Unikat kopfschüttelnd und mit einem leichten amüsierten Zug um die Lippen nachsah. Auch wenn es Anna auf der Zunge brannte, die Frage, ob diese seltene Ausgabe eines Mannes schwul war, gehörte sich nicht. Und schon gar nicht, würde Anna ihrer gelegentlich ziemlich ausgeprägten Neugier nachgeben, und Tom danach fragen. Davon mal abgesehen erübrigte sie sich wohl ohnehin, wenn man Augen und Ohren benutzte und auch noch die Fähigkeit besaß, eins und eins zusammen zu zählen. Also verbiss sie sich jeglichen Kommentar und sah den Mann zu ihrer Rechten erwartungsvoll an. Der brummelte etwas Unverständliches vor sich hin, schenkte ihr ein entschuldigendes Lächeln und deutete mit einem kurzen Kopfnicken in den hinteren Bereich des riesigen Ateliers, der dort in eine unscheinbare graue Tür mündete.

Das Lager erwies sich als ein recht kleiner Raum, der mit Materialien, alten Kollektionen und unzähligen Stoffballen vollgestopft war und förmlich aus den Nähten zu platzen schien. Behutsam sammelte Tom Materialien und diverse Schneideruntensilien ein, die wild auf dem Tisch verstreut lagen, um ein wenig Platz zu schaffen. Dann wandte er sich um und trat an die Stelle, die Virgin ihm gewiesen hatte. Vorsichtig entfernte er die Plastikhülle, unter der eine Kleiderstange zum Vorschein kam, auf der eine große Auswahl an Dessous aufgereiht war. Es war das erste Mal, dass Anna eine Kollektion sah, die noch niemand vorher gesehen hatte. Fast schon ein Privileg. Ihr Herz klopfte wild und in ihren Fingern begann es augenblicklich zu kribbeln. Es war nicht so, dass sie auf diesem Gebiet völlig ahnungslos war. Aber zwischen ihren privaten Kreationen, die sie in ihrer wenigen Freizeit in ihren heimeligen vier Wänden zauberte – oder des nachts, wenn die Ideen in ihrem Kopf tanzten und sie am Schlafen hinderten – und diesen hochprofessionell entworfenen und gefertigten Stücken, lagen wirklich Welten. Umso neugieriger betrachtete sie nun die Werke. Tom, dem Annas offensichtliches Interesse an den Stücken nicht entgangen war, lächelte, während er sie schweigend beobachtete, wie sie Stück für Stück einer Prüfung unterzog. „Was fällt Ihnen denn ein, wenn Sie die Entwürfe betrachten?“, fragte Anna schließlich und wandte sich zu Tom, woraufhin dieser erschrocken zusammenzuckte, als sie ihn so brutal aus seinen abschweifenden Gedanken riss. Mir? Ein wenig unschlüssig, was er darauf antworten sollte, zog er die Brauen hoch. Seine Mundwinkel zuckten amüsiert, als er Annas Frage schließlich verinnerlichte. Da wüsste ich schon was …, dachte er im Stillen, während sein Blick über die hauchzarte Spitze eines dunkelblauen Negligees glitt, welches Anna von der Kleiderstange genommen hatte und nun eingehend betrachtete. Ein kleines durchtriebenes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. „Nun ja, meine Vorstellungskraft ist etwas …“, er neigte den Kopf und lächelte verschmitzt. „… na ja, wie soll ich sagen …“, druckste er, während sein Blick instinktiv über ihre Gestalt glitt. „Es inspiriert mich wohl mehr, wenn man es … im Einsatz sieht.“, entwischte es ihm, ehe er die Worte hatte zurückhalten können. Anna hob den Kopf und sah ihn mit einem Blick an, der ihm einen Schauer über den Rücken jagte. Mist, … warum kann ich nur nie meine Klappe halten …, schoss es Tom durch den Kopf, als ihm aufging, dass er mit seiner Aussage wohl ein wenig übers Ziel hinausgeschossen war. „Freiheit.“, platzte es unvermittelt aus ihm heraus, in der Hoffnung, mit diesem Vorschlag noch die Kurve zu kriegen. „Man ist nicht eingeengt … oder so …“, sprudelte es aus ihm hervor, verstummte jedoch wenige Sekunden später, als er spürte, dass er schon wieder kurz davor stand, einen … unpassenden Kommentar abzugeben – oder zumindest einen, der seinem Empfinden nach, Anna nicht gefallen würde. Die Blondine schnaubte abfällig, woraufhin Tom überrascht blinzelte. „Nicht gut?“, fragte er völlig arglos.

Anna seufzte tief und schüttelte bedenklich den Kopf. Als sie in seinem Büro über das Konzept – oder dessen Ansätze – gesprochen hatten, hatte sie es nicht wirklich wahrhaben wollen. Aber allmählich ging ihr auf, dass ihr Gegenüber tatsächlich keine Idee auf Lager hatte. „Das Thema Freiheit ist so ausgekaut wie ein alter Kaugummi.“, resümierte sie kühl. Aha … Tom nickte, auch wenn er diesen Einwand nicht wirklich verstand. Aber er war ja auch nicht der Experte. Neugierig beobachtete er Anna, wie sie mit nachdenklicher Miene nun ein dunkelrotes Bustier mit verspieltem schwarzem Spitzenbesatz, in dem zarte silberne Fäden glänzten, von der Kleiderstange nahm. Behutsam strich sie über den weichen glatten Seidenstoff und betastete die Spitze. „Steht dir bestimmt ausgezeichnet.“, meinte Tom mit einem verträumten Blick auf das Dessous. Die Augen weit aufgerissen, starrte Anna ihn völlig perplex an. Sie spürte, wie ihr in Sekundenschnelle die Röte ins Gesicht schoss. Eilig, als hätte sie sich an dem feinen Stoff verbrannt, hängte sie das Stück zurück an seinen Platz. Verunsichert von dieser Reaktion, hob Tom beschwichtigend die Hände und deutete auf die Kleiderstange. „Tu dir keinen Zwang an.“ Anna ließ die Hände sinken und seufzte schwer. „Ich würde gerne mit der Designerin sprechen. Vielleicht bin ich danach schlauer.“, meinte sie, bemüht, ausreichend Entschlossenheit in ihre Stimme zu legen. Er hatte es tatsächlich geschafft, sie mit seiner unverblümten Aussage aus der Fassung zu bringen. Und mal abgesehen davon, dass sie mit Tom – dem Ich-bin-unwiderstehlich-Tom – ganz allein in einem Raum stand und Dessous begutachtete – eine Situation, die derart viel Intimität ausstrahlte, dass ihre Körperfunktionen bereits verrückt zu spielen begannen – war sie, was die Aufgabe betraf, noch nicht wirklich einen Schritt weiter. Tom versteifte sich unmerklich, während sein Gesicht einen verschlossenen Ausdruck annahm. Das wird schwierig …, dachte er bei sich und rieb sich angespannt über das Gesicht. Scheiße …, fluchte er leise in sich hinein, während er unruhig von einem Fuß auf den anderen trat. Und wenn Carla ihr hilft? …, ging es ihm spontan durch den Kopf. Gute Idee … Der Casanova in ihm trollte sich und schickte den Geschäftsführer, der für seine Professionalität bekannt war, zurück an die Front. „Nun ja, die Designerin ist … im Moment nicht im Hause. Aber vielleicht kann dir unsere zweite Designerin helfen.“, schlug er vor. Dass Giselle nicht mehr zurückkommen würde, musste er ihr ja nicht direkt auf die Nase binden. Der Umstand allein war ihm schon unangenehm genug. Und Carla war ja auch nicht nur Designerin, sondern auch eine Frau, die sich mit Dessous auskennen sollte. Dass sie diese Dinger trug, wusste er schließlich aus erster Hand. Innerlich aufstöhnend schloss er die Augen und hoffte inständig, dass sie in diesem Punkt mindestens genauso viel Designerin war wie Frau.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Fr März 22 2013, 18:34

hihihi Very Happy Virgin, die erste. Wunderbar, wie immer Smile
Und Tom ist ja fast handzahm. Na gut, die Bemerkung, dass das Dessous Anna gut stehen würde, hätte er sich vielleicht besser verkneifen soll. Aber dass er gegen seinen inneren Casanova nicht so recht ankommt, haben wir ja mittlerweile begriffen.
Und Anna wird mit Sicherheit früher oder später erfahren, warum Giselle nicht greifbar ist, und vielleicht auch was Carla von ihm hält. Vermutlich ist die ja auch nicht all zu erfreut, nur ein kleines Betthäschen zu sein.
Ich bin sehr gespannt, wie die beiden Frauen mit einander umgehen, wenn sie aufeinander treffen. Rolling Eyes

Mini, wie immer wunderbar geschrieben, danke und was soll ich anderes sagen. Ich freu mich auf mehr!!! Ilikeit

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mo März 25 2013, 09:03

Danke dir, meine Süße,

ja, wir werden sehen, in welche Richtung sich das ganze bewegt. Fakt ist aber wohl, dass Tom seine Strategie wohl ein wenig überdenken muss. Armer Kerl, er tut mir fast leid.

Ich bemühe mich um eine baldige Fortsetzung.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi März 27 2013, 23:00

Puh, ist ja auch schon ein paar Tage her, dass ich hier eine Fortsetzung gepostet habe. Aber gut, dafür ist diese hier mal etwas länger. Ich hoffe, sie gefällt euch. Ich persönlich bin nicht so ganz zufrieden, aber lest selbst. Ich wünsche euch schöne Feiertage ... LG, Mini

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Teil 24

Schweigend und in ihren eigenen Gedanken versunken folgte Anna Tom durch das Atelier. „Carla“ Von dieser Anrede aus ihren Grübeleien gerissen, sah Anna auf und konnte in letzter Sekunde verhindern, dass sie in Tom hineinrannte, weil er so abrupt stehen geblieben war. Ihr Blick folgte seinem und blieb an einer attraktiven Brünetten hängen, die an einem Tisch saß und augenscheinlich gerade an einigen Entwürfen zeichnete. Die junge Frau hob den Kopf und augenblicklich erstrahlte ein Lächeln auf ihrem Gesicht. „Tom.“, erwiderte sie knapp, und ein schwärmerischer Glanz schlich sich in ihre Augen. Anna runzelte die Stirn, während ihr Blick einige Male zwischen Tom und der brünetten Designerin hin und her huschte. Sie spürte, wie der Mann neben ihr sich augenblicklich anspannte, seine Miene verriet jedoch nichts. Musste sie auch nicht, Anna war durchaus in der Lage, diesen Moment stummer Konversation für sich zu interpretieren. Tom räusperte sich und deutete auf Anna. „Das hier ist Anna Polauke.“, begann er in geschäftsmäßigem Tonfall und überging damit den Versuch höflicher Konversation seitens der Designerin. An dem Blitzen in ihren dunkeln Augen erkannte Anna, dass ihr Toms kühles Verhalten ganz und gar nicht behagte. Was wohl zwischen den beiden vorgefallen ist …, fragte sie sich zwangsläufig, während sie nun den Blick auf die junge Brünette mit dem Namen Carla richtete, die sie im selben Moment ziemlich arrogant von oben bis unten musterte, so als prüfe sie ihre Chancen. Blöde Frage, das kannst du dir doch an fünf Fingern abzählen …, bemerkte ihr Unterbewusstsein mit einem ironischen Unterton. Anna seufzte innerlich auf. Die Arme … Die gehässige kleine Stimme lachte laut und freudlos. Selber Schuld, wenn sie so doof ist, sich auf so einen Typen einzulassen … „Hallo, ich bin Carla Rhonstedt.“, begrüßte die Designerin Anna mit kühler Miene und streckte ihr die Hand entgegen. Der frostige Unterton in ihrer Stimme jagte Anna einen kurzen Schauer über den Rücken. Verblüfft registrierte sie die Missbilligung, die offen in den dunklen Augen der jungen Designerin glimmte. Mit Mühe verkniff sie sich ein Grinsen, denn es lag klar auf der Hand, dass die kühle Brünette in Anna eine Konkurrenz sah. Keine Sorge, an dem bin ich wirklich nicht interessiert …, dachte Anna bei sich und ergriff ihre Hand. Sicher? …, säuselte die kleine fiese Stimme in ihr.

„An-…“ Ein Räuspern. „Ähem ... Frau Polauke ...“, korrigierte sich Tom und holte Anna direkt aus den Tiefen ihres Gedankendschungels zurück. „... ist hier, um sich um das Konzept zur Dessouskollektion zu kümmern.“, erklärte Tom, woraufhin Carla verwundert die Brauen hob. „Ich dachte, Vegaz arbeitet daran.“, meinte sie lapidar und warf Anna einen kurzen Seitenblick zu, in den sie sämtliche Ablehnung legte, die sie aufzubringen vermochte. Es war offensichtlich, dass sie Anna hier nicht haben wollte, aus welchem Grund auch immer. Anna zuckte nicht mal mit der Wimper, es war ihr gleich. Wenn es nach ihr ginge, würde sie jetzt auch lieber in ihrem Büro sitzen und ihre kreativen Ergüsse zu Papier bringen, anstatt sich hier mit einem Casanova und dessen Mätresse auseinander zu setzen. Trotzdem gefiel es ihr ganz und gar nicht, wie diese Tussi sie von oben herab betrachtete. Um ihre Missbilligung bezüglich des Verhaltens dieser Brünetten deutlich zu machen, bedachte sie diese mit einem frostigen Blick und verschränkte zur Untermalung die Arme vor der Brust. „Na wenn das so ist, dann kann ich ja wieder gehen.“, meinte Anna bemüht freundlich und malte sich ein Lächeln ins Gesicht, was nur so vor Sarkasmus sprühte. Toms Blick schoss zu ihr, starrte sie auf eine Weise an, als wolle er ihr auf der Stelle den Hals umdrehen. Seine Augen verengten sich bedrohlich. Aha … der Herr Geschäftsführer kann es wohl gar nicht leiden, wenn man ihm widerspricht …, ging es Anna ironisch durch den Kopf. „Wenn man den Gerüchten Glauben schenken kann, gilt Tom Lanford als harter Verhandlungspartner …“, ertönten Jonas’ Worte in ihrem Kopf. Annas Augen verengten sich nun ebenfalls. Soso … wir sind also doch nicht nur ein Casanova …, dachte sie. Ein Gedanke, den sie durchaus als angenehm empfand. Denn nichts hasste Anna mehr als Unprofessionalität. Einen Moment lang duellierten sich die beiden mit Blicken, bis Carla ein übertrieben genervtes Stöhnen ausstieß – anscheinend mochte sie es nicht, wenn man sie ignorierte – und Tom schließlich den Blickkontakt unterbrach. „Enrique ist leider anderweitig stark eingebunden und verfügt über keinerlei Ressourcen, um sich dieser Thematik anzunehmen.“ Das war glatt gelogen, aber weder Anna musste die wahren Gründe kennen, noch Carla, die unübersehbar gerade vor Eifersucht verging. „Frau Polauke wird daher zusammen mit ihrer Agentur catch phrase die Konzeptionierung und Umsetzung der Kampagne übernehmen.“, erklärte er in derart schneidendem Ton, dass es Anna spontan eiskalt den Rücken runterlief. Hoppla … wer zum Geier ist denn dieser Kerl? Ohne eine Miene zu verziehen hielt sie Toms neuerlich frostigen Blick stand und dankte dem Umstand, dass er nicht ihr Chef war. „Und was willst du dann von mir?“, fragte die Brünette ungerührt, ein liebreizendes Lächeln im Gesicht, was ihren Worten die Schärfe nehmen sollte, aber nicht im Ansatz gelang. Toms Lippen pressten sich zu einer dünnen Linie zusammen, ehe er seinen Blick von Anna abwandte und selbigen in Carlas bohrte. Eine stumme aber deutliche Warnung an sie, denn Anna entging nicht, wie der hübschen jungen Frau nur einen Sekundenbruchteil später sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich. O-oh … Anna schluckte schwer.

Es hatte Tom sämtliche Mühe gekostet, nicht direkt aus der Haut zu schnippen. Darauf, dass Carla vor den Augen eines Geschäftspartners eine derartige Show abziehen würde, hätte er eigentlich gefasst oder zumindest diese Möglichkeit in Erwägung ziehen müssen, dass sie es aber tatsächlich tat, ließ den sonst doch eher umgänglichen Chef in ihm vor Wut kochen. Zweifellos hatte er Carla falsch eingeschätzt, als er sie für Annas Unterstützung erkoren hatte. Dennoch war ihm bewusst, dass ihm kaum eine andere Wahl blieb, wenn die Kampagne pünktlich und vor allem erfolgreich an den Start gehen sollte. Also besann er sich, schluckte den Anflug von Groll hinunter und betrachtete sie mit eiserner Entschlossenheit. „Da Giselle nicht zur Verfügung steht, und Anna … bzw. catch phrase für die Konzeption ein paar Hintergründe zur Kollektion benötigt, wirst du sie hierbei unterstützen.“, entschied er. Dann wandte er sich wieder Anna zu. „Ich würde mich freuen, wenn wir uns in …“ Er zog nachdenklich die Stirn kraus … „… sagen wir, zwei Tagen zusammensetzen und die ersten Ergebnisse besprechen könnten. Ist das zeitlich machbar?“, fragte er und sah sie eindringlich an. Anna, noch immer völlig perplex über die erstaunliche Wandlung vom Charismaten zum professionellen Kotzbrocken, starrte ihn unverwandt an. Nur langsam sickerte seine Frage durch ihre Synapsen und veranlasste sie schließlich zu einem wortlosen Nicken. „Gut, dann erwarten wir die Ergebnisse am Freitag.“ Wieder nickte sie nur und sah ihm nach, wie er ohne ein weiteres Wort auf dem Absatz kehrt machte und auf direktem Wege in sein Büro marschierte. „Welche Laus ist dem denn über die Leber gelaufen?“, murmelte es hinter ihr. Als hätten diese Worte die entscheidenden Hirnaktivitäten in Gang gesetzt, riss Anna sich von Toms Bürotür, die dieser mit einem lauten Knall ins Schloss fallen lassen hatte, los und wandte sich um. Einen kurzen Moment taxierte sie die Brünette, die sich mittlerweile von ihrem Platz erhoben und ihren durchaus ansehnlichen Körper auf der Schreibtischkante drapiert hatte. Anna verkniff sich einen ironischen Kommentar, als sie den sündhaft kurzen Rock bemerkte, den die Dame trug. Zusammen mit der weißen, leicht gerüschten Bluse und den Highheels … Innerlich verdrehte Anna die Augen, als sie Carlas Blicke, mit denen sie Tom förmlich ausgezogen hatte, mit ihrem Outfit zusammenbrachte. Offenbar passte sie perfekt in sein Beuteschema. Gut für ihn … tut aber nichts zur Sache, denn du bist zum Arbeiten hier, und nicht um die Betthäschen dieses Casanovas zu katalogisieren …, meldete sich ihr Unterbewusstsein mit strenger Stimme zu Wort. Anna straffte sich und sah die Designerin mit geschäftiger Miene an. „Also, was können Sie mir zu den Hintergründen dieser Kollektion erzählen.“, fragte sie und sah Carla erwartungsvoll in die Augen. Deren Gesichtszüge wendeten sich in eine fragende Miene, und Anna verließ allmählich die Geduld. Hatte sie es denn hier nur mit … ach zum Geier … „Ich habe keine Ahnung, was Giselle sich bei dieser Kollektion gedacht hat.“, meinte die Brünette lapidar. Anna runzelte die Stirn. War das etwa Missgunst, die sie da aus der Stimme der Designerin hörte, deren Blick nachdenklich auf eine Wand aus Glas gerichtet war. Erst jetzt bemerkte Anna, dass sich dahinter Toms Büro befand – aus welchem er sie gerade intensiv beobachtete. Bewundern wir also die Aussicht …, dachte sie bei sich und unterdrückte ein neuerliches Augenrollen. „Aber sie muss doch irgendeine Intension gehabt haben, als sie diese Stücke entworfen hatte?“, bohrte Anna weiter und zwang Carla, ihr Augenmerk wieder auf sie zu richten. Ihre dunklen Augen blitzen argwöhnisch. Schließlich stieß sie sich mit einem genervten Seufzen von der Schreibtischkante ab und griff die Mappe, die Tom ihr auf den Schreibtisch gelegt hatte. Dann warf sie Anna einen Blick zu als wolle sie sie auf der Stelle erdolchen, schlug sie die Mappe auf und blätterte durch die Entwürfe. Nachdenklich strich sie sich mit dem Zeigefinger über die Lippen, während sie vorgab, die Zeichnungen zu studieren. Doch Anna entging nicht, wie sie im Zehn-Sekunden-Takt verstohlene Blick in Richtung Glaswand schickte. Anna zwang sich, ihrem Blick nicht zu folgen, auch wenn sie spürte, wie ein paar graublauer Augen heiß in ihrem Rücken brannten.

„Also, ich denke … es ging um … Freiheit …“, vernahm sie Carla Stimme. Überrascht blinzelte Anna. Dass sie noch etwas zum eigentlichen Thema von dieser Frau erfahren würde, hatte sie kaum zu hoffen gewagt. Sie räusperte sich, verbiss sich einen ironischen Kommentar und neigte nachdenklich den Kopf. „Nun ja, das Thema Freiheit ist ziemlich …“ Sie unterbrach sich und suchte nach dem passenden Wort, ohne dabei schnippisch zu klingen. „… dehnbar … und vor allem inhaltlich … ziemlich verbraucht, … wenn Sie verstehen, was ich meine.“ Sie hatte Mühe, ihre Professionalität zu wahren, aber ganz gleich, wie sehr es auch in ihr grollte, sie würde sich keinesfalls auf das Niveau dieser brünetten Schnepfe herunter begeben. Carla zog die Stirn kraus, aber Anna war direkt klar, dass diese Geste nicht ihr galt. Vielmehr hatten sich die dunklen Augen der Designerin, von der sie spontan entschieden hatte, dass sie sie nicht leiden konnte, wiedermal zu der Glaswand in ihrem Rücken verirrt. „Hallo!“, rief Anna, der diese geradezu kindische Anbetung langsam gehörig auf den Zeiger ging, nun etwas ruppig und bewirkte, dass Carla sich erneut von Tom losriss. Die Augen der Brünetten funkelten verärgert. „Können Sie Ihre Ausführungen noch ein klein wenig … konkretisieren?“, fuhr Anna fort und unterdrückte den Ärger, der langsam in ihr zu brodeln begann gleichsam wie den Unmut, der in den Mundwinkeln der Designerin zuckte. Wieder starrte Carla auf die Skizzen vor ihr. Das darauffolgende Schweigen dehnte sich aus und nahm beinahe den gesamten Raum ein. Anna stand kurz davor zu explodieren, als Carla ihren Blick wieder auf sie richtete. „Der Wunsch nach Freiheit … den Drang, sich frei zu fühlen und das zu tun, was man möchte, ohne Ketten und Grenzen …“, erklärte sie schließlich mit einem Unterton, der Anna leise schlucken ließ. Was hat die nur? …, dachte sie bei sich, ehe sie die Worte ihres Gegenübers resümiert. Der Drang, sich frei zu fühlen … frei von Zwängen und Ketten … Mhmm … damit ließe sich doch etwas anfangen …

„Habt ihr schon was?“, riss Anna kurze Zeit später eine mittlerweile vertraute Stimme aus der Konzentration. Abrupt sah sie auf und begegnete erneut jenem intensiven graublauen Blick, bei dem sie jedes Mal das Gefühl hatte, er könnte bis in ihre Seele schauen. „Anna, …“ Tom deutete zu seiner Rechten. „Enrique kennst du ja bereits.“ Ihr Blick folgte seinem, während sie das Bedürfnis zu unterdrücken versuchte, ihn darauf hinzuweisen, dass er diese persönliche Ansprache gefälligst unterlassen sollte. Ein kleines Lächeln zuckte um ihre Lippen. „Hi Enrique.“, begrüßte sie ihn knapp. Der hob nur kurz die Hand zum Gruß und lächelte. „Hi“ „Enrique hatte bereits an dieser Kampagne gearbeitet …“, fuhr Tom fort. Nach allem, was sie in der letzten Stunde gleichsam freiwillig wie unfreiwillig mitbekommen hatte, war diese Information für sie keine Neuigkeit mehr. Sie nickte knapp und sah die beiden Männer erwartungsvoll an. „Ich dachte mir, vielleicht könnte es helfen, wenn ihr beide euch dazu austauscht.“ Anna nickte wieder und griff nach der schmalen Mappe, die Tom ihr entgegenhielt. „Wenn du Fragen hast …“, erklärte Enrique und deutete in einer kurzen Geste an, dass sie ihn anrufen sollte. Die Blondine lächelte knapp und richtete ihr Augenmerk schließlich wieder auf Carla, die Tom angespannt ansah. Anna, der diese mehr als merkwürdige Stimmung zwischen den beiden allmählich zu blöd wurde, schnappte sich ihre Tasche und streckte Tom die Hand entgegen. „Danke für die Informationen, Herr Lanford.“

Ihre kühle Professionalität riss Tom aus seinem schwelenden Groll, der, seitdem er abrupt in sein Büro gerauscht war, keineswegs abgekühlt war. Schwer bemüht, ihr ein freundliches Lächeln zu schenken, ergriff er ihre Hand. „Wir freuen uns schon auf die Ergebnisse.“, erklärte er und hielt ihre Hand länger als notwendig fest, genoss das Gefühl ihrer Haut, die sich unter seinen Fingern warm und weich anfühlte. Wie von selbst liebkoste sein Daumen ihren Handrücken, und für einen Moment wirbelte die Frage durch seinen Kopf, ob ihre Haut wohl überall so warm und weich war. „Ich bringe Frau Polauke noch zum Fahrstuhl.“, riss Carlas schmeichelnde Stimme ihn aus seiner Versunkenheit. Tom ließ Annas Hand los, nickte ihr kurz zu und lief dann erneut – schneller als vorher, wie Anna fand – in sein Büro. Kopfschüttelnd sah sie ihm nach. Komischer Kerl …, ging es Anna durch den Kopf. „Ja, nett, attraktiv und unglaublich sexy … nicht wahr …“, erklang es mit einem tiefen Seufzen zu ihrer Linken. Anna löste ihren Blick von Toms Bürotür und wandte sich mit einem überraschten Blinzeln der Brünetten zu. Trotz des sehnsüchtigen Blicks war er ironische Zug um Carlas Mund nicht zu übersehen. Innerlich die Augen verdrehend zuckte Anna bemüht gleichgültig die Schultern und wandte sich zum Gehen. „Er steht auf Sie“, hörte sie die Brünette hinter sich sagen. Ihre Stimme klang vorwurfsvoll, beinahe anklagend … Anna schnaubte leise. Und wenn schon … mir doch egal …, dachte sie grimmig und hätte es eigentlich bei diesem Gedanken bewenden lassen sollen. Doch das Biest in ihr konnte sich einen kleinen bissigen Kommentar dann doch nicht verkneifen. „Genauso, wie er auf Sie gestanden hatte?“ Ihre rechte Braue zuckte nach oben, Angriffslust schimmerte in dem Blau ihrer Augen. Carla schluckte leicht, ehe sich ihre Augen zu schmalen Schlitzen verformen. Die aufgesetzte Liebenswürdigkeit war im selben Augenblick offenem Groll gewichen. „Fragen Sie ihn doch mal, warum Sie mit mir Vorlieb nehmen mussten, wo doch Giselle diese Kollektion erstellt hat.“, zischte sie leise. Ihre Augen blitzten vor unverhohlenem Zorn. „Fragen Sie ihn mal, warum Giselle von einem auf den anderen Tag gekündigt hat.“ Annas Augen weiteten sich. Ihr Hals fühlte sich trocken an, als sie schluckte. Was soll das hier werden? Unbewusst wich Anna einen Schritt zurück. Normalerweise scheute sie sich nicht vor Konfrontation, aber diese Frau hier verunsicherte sie zutiefst. „Ich sag Ihnen was, Schätzchen …“, fuhr sie unbeirrt fort, als sie am Fahrstuhl angekommen waren. „Halten Sie die Beine zusammen, wenn Sie ihm im Dunkeln begegnen.“ Anna wollte sich gerne einreden, dass aus Carla nur der Groll einer frustrierten Frau sprach, aber sie wusste es besser. Schließlich war sie bereits in den Genuss von Toms Avancen gekommen. Aber das würde sie der Brünetten natürlich nicht auf die Nase binden. Am Ende kratzte sie ihr womöglich noch die Augen aus. Carlas Worte und der verletzte Ausdruck in ihren Augen, den sie mit Zorn geschickt zu überspielen versuchte, waren nur eine weitere Bestätigung für das, was Anna schon im Moment ihrer ersten Begegnung mit Tom vermutet hatte. Und sie wusste, dass Carla ihr leid tun sollte, aber das tat sie nicht – kein bisschen. Die Frau war schließlich alt genug, zu erkennen, dass nur mit ihr gespielt wurde … und leider gleichsam dumm genug, die Augen davor zu verschließen und auf etwas zu hoffen, was sich nie bewahrheiten würde.

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Zuletzt von Mini_2010 am Mo Apr 15 2013, 21:03 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Do März 28 2013, 07:51

Hey Mini, danke
ein klasse Teil. So in etwa hatte ich ihn mir das vorgestellt. super
Anna erfährt von weiteren Frauen, mit denen Tom schon was hatte, was ihre Abwehr natürlich stärken wird. Rolling Eyes Ich finde, sie hätte ein bisschen eifersüchtiger sein könne. Embarassed Aber gut, Tom macht es ihr ja gerade sehr einfach ihn einfach als Gigollo abzustempeln und möglichst weit von sich zu schieben. Wer hätte schon Lust eine bloße Nummer auf einer langen Liste zu sein. Mad

Ich habe den Teil mal wieder mit großem Genuss gelesen, und einige Male breit Grinsen müssen. Laughing
Hier mal zwei Kostproben Wink
Code:
Wenn es nach ihr ginge, würde sie jetzt auch lieber in ihrem Büro sitzen und ihre kreativen Ergüsse zu Papier bringen, anstatt sich hier mit einem Casanova und dessen Mätresse auseinander zu setzen.
Code:
Offenbar passte sie perfekt in sein Beuteschema. Gut für ihn … tut aber nichts zur Sache, denn du bist zum Arbeiten hier, und nicht um die Betthäschen dieses Casanovas zu katalogisieren …

Mini,
auch wenn ich weiß, dass ich vermutlich lange auf deine nächsten Beiträge warten muss, wünsche ich dir natürlich schöne Ostertage! flowers Hoffentlich behalten wir das schöne Wetter sunny

Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mo Apr 01 2013, 22:33

GutenAbend
die teile sind echt klasse Wink oh man wie eifersüchtig Carla schon auf Anna ist.
bin gespannt wie es weiter geht Smile
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi Apr 03 2013, 21:10

Danke für eure lieben Worte, meine Süßen ... Und weil ihr mir soviel Lesegenuss bereitet habt, dachte ich mir, ich verwöhne euch auch mit einer kleinen Fortsetzung ... Viel Spaß ...

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Teil 25


Gedankenverloren starrte Anna aus dem Fenster. Vor einigen Stunden hatte es zu schneien begonnen und die triste Stadt innerhalb kürzester Zeit in eine wunderschöne Schneelandschaft verwandelt. Die Sonne schien nun von einem klaren blauen Himmel, und der leichte Wind, der über das strahlende Weiß wehte, brachte die Abermillionen kleiner Schneekristalle in einem übermütigen Tanz zum Glitzern. Der erste Schnee …, seufzte Anna. Und wenn die Temperaturen weiterhin das Thermometer auf deutlich unter Null Grad trieb, würde es in diesem Jahr auch weiße Weihnachten geben. Weihnachten …, ging es ihr durch den Kopf, und ein wehmütiger Kummer flammte in ihrem Innersten auf. Sie hatte Daniel auf einem Weihnachtsmarkt kennengelernt. Damals war sie so unglaublich glücklich gewesen. Das darauffolgende Weihnachtsfest war das schönste ihres bisherigen Lebens. Und in gut zwei Wochen war es wieder soweit. Unwillkürlich fragte sie sich, wie sie das Fest der Liebe in diesem Jahr verbringen würde. Sie zuckte die Schultern. Wie denn schon? Vermutlich wieder zu Hause mit Mama und Papa, einem glänzenden Weihnachtsbaum und leckerem Essen bis zum Umfallen. Eigentlich ein schöner Gedanke, mochte man meinen. Aber etwas in ihr wünschte sich insgeheim etwas anderes. Hör auf, Trübsal zu blasen …, mahnte sie ihr Unterbewusstsein. Weihnachten ist schließlich auch das Fest der Familie …, erinnerte es sie. Genau …, dachte Anna und wandte den Blick von der verschneiten Landschaft jenseits der großzügigen Fenster ab und starrte wieder auf den Block Papier vor ihr, der noch immer leer war … keine Ideen zeigte, die sie in der Entwicklung eines Konzeptes für die Dessouskollektion vorangebracht hätte. Seufzend schüttelte sie den Kopf, verbannte die trostlosen Gedanken und versuchte, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, die vor ihr lag, während sie das Gespräch mit Tom Lanford immer wieder Revue passieren ließ. Und je länger sie darüber nachdachte, umso rätselhafter wurde ihr dieser Mann, der mehr als nur diese eine Facette zu haben schien, die sie vom ersten Moment an abgeschreckt hatte. Diese Entschlossenheit, die sie in dem Geschäftsführer gesehen hatte, hatte sie auf eine Weise fasziniert, die sie selbst nicht begriff. Eigentlich hätte sie seine frostige Art ebenso abschrecken sollen wie den Macho-Charmeur in ihm, seltsamerweise tat es das aber nicht. Im Gegenteil – und das erschreckte sie noch viel mehr – fand sie diese Seite an ihm irgendwie … anziehend. Und genau da lag das Problem – sie hatte keine Ahnung, wie sie die beiden Seiten miteinander vereinen sollte. Nun, es war nicht so, dass der Geschäftsmann, der ihr heute begegnet war, nicht über ein gewisses Maß an Charme verfügte, aber irgendwie war er doch anders. Und was für schöne Augen er hat …, seufzte sie innerlich. Halloohooo … Erde an Anna, der Typ ist dein Kunde … und auch wenn er sich mal professionell gegeben hat, er ist und bleibt ein Chauvi …, schnauzte ihr Unterbewusstsein ungehalten.

Mit einem resignierten Seufzen schob Anna den Einwand samt dem charmanten Geschäftsführer beiseite. Er war ihr Kunde, und damit basta. Ein Gedanke, der sogleich einen Anflug von Ärger in ihr aufkeimen ließ. Sie hatte in ihrer Zeit als Werbetexterin zweifellos keinen so schwierigeren Kunden erlebt. Für gewöhnlich warteten ihre Kunden zumindest mit einem groben Konzept oder einer gewissen Richtung, in die die Reise gehen sollte, auf. Aber das hier? Meine Güte, das war als müsste man ein Kaninchen aus dem Hut zaubern, ohne dass man sicher sein konnte, dass es am Ende nicht eine Ratte wurde. Normalerweise fiel es ihr nicht schwer, anhand einer Grundidee ein Konzept und einen geeigneten Slogan zu entwickeln. Aber so ganz ohne einen Ansatz … Puh. Aber auch hier zeigte sich, dass sie ein wahrlich kreativer Mensch war. Die Dessous, die sie gesehen hatte, waren durchaus von erlesener Qualität und wirklich sexy. Der Traum eines jeden Mannes, wenn er diese an seiner Frau oder Freundin bewundern durfte. Gegen ihren Willen schlich sich Tom Lanfords durchaus charmantes Lächeln in ihre Erinnerung, während ihr Hirn sich an die Frage klammerte, ob dieses Mitglied der Spezies Mann einen Sinn für verführerische Seide und Spitze auf weiblicher Haut hegte. Das charmante Lächeln in ihrem Kopf wandte sich in ein lüsternes Grinsen, woraufhin Anna erschrocken nach Luft schnappte und abrupt in die Realität zurückflüchtete. Verrückt … Sich selbst für ihren gedanklichen Ausflug tadelnd, schüttelte sie den Kopf und starrte wieder auf das Blatt Papier, welches noch immer leer vor ihr lag. Na ja, fast leer, denn während sie ihren Gedanken nachgehangen hatte, hatte sich der Stift in ihrer Hand selbständig gemacht und – sie stockte und blinzelte irritiert – einen … Apfel? … gezeichnet. „Oh Mann, jetzt drehst du aber langsam völlig am Rad.“, murmelte sie leise, ließ mit einem ergebenen Seufzer ihren Kopf gegen die Stuhllehne fallen und schloss die Augen. Eine Flut von Bildern flammte augenblicklich durch ihren Geist, wild und leidenschaftlich … voller Sinnlichkeit. Gefangen von diesem überschäumenden Chaos schnappte sie nach Luft und krallte die Finger in den Stoff ihrer Jeans … „Anna“, riss eine Stimme sie aus dem Strudel, der sie für eine gefühlte Unendlichkeit in seinen Bann gezogen hatte. Erschrocken riss die Blondine die Augen auf und traf auf einen Blick aus grünen Augen, der ihr sofort das Gefühl gab, bei etwas Unanständigem ertappt worden zu sein. Jonas … Atemlos starrte Anna in das Gesicht ihres Geschäftspartners, was ihr breit grinsend entgegenblickte. „Ein Ausflug ins Paradies?“, neckte er sie, dann seufzte er übertrieben dramatisch. „Beneidenswert.“ Hitze flammte durch ihren Körper und erreichte binnen Sekunden ihr Gesicht. Jonas lachte leise auf, während er einen verstohlenen Blick auf ihren Zeichenblock warf. „Ein Apfel?“, fragte er und hob verblüfft die Brauen. „Denkst du an Obst oder an verbotene Früchte?“ Sein Grinsen wurde noch breiter. „Hmm, deiner Gesichtsfarbe nach zu urteilen, wohl an Zweiteres.“ Als hätte ihr jemand einen Eimer Eiswasser über den Kopf gekippt, verlosch die Hitze. Ärger flammte in Anna auf, gleichsam heiß und ungestüm, wie der Anflug von Begierde, der sie noch vor wenigen Sekunden unvermittelt heimgesucht hatte. Ohne darüber nachzudenken, hob Anna die Hand und warf den Stift, an dem sie sich verzweifelt festgehalten hatte, nach Jonas, als ihr sogleich der peinliche Moment wieder in den Sinn kam, in dem Tom Lanford sie darüber aufgeklärt hatte, dass es sich bei besagter Kollektion um Dessous handelte. „Jonas Broda, du …“ Sie biss sich auf die Zunge und starrte ihn finster an. „Wann genau wolltest du mir sagen, dass es sich bei der Lanford-Kampagne um eine Dessouskollektion handelt?“ Jonas stockte. Binnen Sekunden schwand das übermütige Lächeln aus seinem Gesicht. Etwas, was sie nur als Reue interpretieren konnte, schlich sich auf seine Züge, begleitet von einem Blick, der an einen Hund erinnerte, der verbotenerweise die Sofakissen angekaut hatte und nun die Schelte erwartete. Ein tiefer gequälter Seufzer entwich seinen Lippen und der reumütige Blick nahm Anna sämtlichen Wind aus den Segeln. Wenn er sie so ansah, konnte sie ihm einfach nicht böse sein, dennoch würde sie ihm die Tatsache nicht durchgehen lassen, dass er sie ausgetrickst hatte. „Du hättest doch glatt Nein gesagt, wenn ich dieses kleine Detail erwähnt hätte.“, brachte er zu seiner Verteidigung vor. Nun ja, damit hatte er wohl nicht ganz Unrecht. „Und Lanford hatte ausdrücklich dich für die Kampagne angefordert.“, erinnerte er sie. Auch wieder wahr …, dachte sie bei sich. Unbekümmert zuckte Jonas die Schultern und setzte wieder dieses freche Grinsen auf, als er die stumme Zustimmung in ihrem Gesicht las. Annas Augen verengten sich, blind griff sie nach dem Tacker und holte aus. Jonas gluckste auf und sprang zur Tür. Dort wandte er sich zu ihr und schenkte ihr sein charmantestes Lächeln. „Du schaffst das, ich zähl auf dich.“ Mit diesen Worten verschwand er aus dem Büro, bevor Anna das Utensil in seine Richtung werfen konnte. Seufzend legte sie den Tacker zurück auf den Schreibtisch und schüttelte lächelnd den Kopf, während ihr Blick sich auf den gezeichneten Apfel richtete. Verbotene Früchte …, hallten Jonas Worte durch ihren Kopf und ein unerwartetes Kribbeln zog augenblicklich durch ihren Körper. Das ist es …

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi Apr 03 2013, 21:38

Danke, Danke, Danke,
ist das schön, wieder was von dir zu lesen.
Und ich bin ein kleines bisschen überrascht. Na, das Anna schon irgendwie interessiert, fasziniert, oder was auch immer, von Tom ist, wusste ich ja schon. Auch wenn sie bislang versucht hat, das zu verbergen.
Aber dass sie jetzt doch relativ offensichtlich an ihn denkt, und sein kühles Geschäftsmann-Image anziehend findet. Wow -

Das Thema für die Kampagne ist ja scheinbar gefunden. Die verbotenen Früchte - das Paradies. Ich bin gespannt, was da genau raus wird.

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Do Apr 04 2013, 08:54

katha schrieb:


Das Thema für die Kampagne ist ja scheinbar gefunden. Die verbotenen Früchte - das Paradies. Ich bin gespannt, was da genau raus wird.



Das bin ich auch ...

Na ja, ich glaube, im Moment ist Anna zu verwirrt, um wirklich zu wissen, was sie von Tom halten sollte. Aber du hast Recht, ein bisschen was ist da wohl schon, und vielleicht taut sie da ja auch langsam auf. Mhmm ... wir werden sehen.

Danke für deinen lieben Kommi.

LG, Mini

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Sonnenschein
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Fr Apr 05 2013, 18:25

Hallo Mini!

Ich habs mal wieder geschafft mich durchzulesen Wink
Langsam scheints interessant zu werden mit den Beiden und Carla gießt sicherlich auch ordentlich Öl ins Feuer.

Liebe Grüße
Tastentante
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   So Apr 07 2013, 20:26

Hallo Leudings, ich hoffe, ihr habt das Wochenende gut überstanden. Zum Ausklang hab ich eine Fortsetzung für euch. Viel Spaß beim Lesen ... LG, Mini

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Teil 26


Tom hatte keine Ahnung, wie lange er vor dem Fenster gestanden und auf das blendende Weiß des Schnees gestarrte hatte, der in den letzten Stunden gefallen war. Es war seltsam, denn noch nie hatte er irgendetwas Angenehmes in dieser, für gewöhnlich Chaos verursachenden Laune der Natur erkennen können. Doch erstaunlicherweise wirkte diese Friedlichkeit, die das winterliche Treiben jenseits der Fenster hervorrief, wie ein lindernder Balsam für seine angespannten Nerven. Carlas Unprofessionalität in Annas Gegenwart hatte ihn schon gefährlich nah an den Rand der Explosion gebracht, doch den Tropfen, der das berühmte Fass schlussendlich zum Überlaufen gebracht hatte, hatte Bruno gegeben. Wie eine Furie war er, nachdem Anna das Atelier verlassen hatte, in sein Büro gestürmt. Und was dann gekommen war … „Du willst Giselles Kollektion von einer unbedeutenden kleinen Hinterhofagentur vermarkten lassen? Das ist ein Witz. Sag mir, dass das ein Witz ist!“, hatte er ohne Begrüßung losgebrüllt. Seufzend schüttelte Tom den Kopf und rieb sich über das Gesicht. Dass sein Vater das Gebaren einer Diva an den Tag legen konnte, hatte er in seiner Zeit in L.A. schon zur Genüge erfahren dürfen. Aber das heute? Der Choleriker, den Tom in seinem Vater schon immer gespürt, aber so noch nie zu Gesicht bekommen hatte, hatte zum ersten Mal sein wahres Ich gezeigt. Und auch wenn Tom äußerlich keinerlei Regung gezeigt hatte, so hatten die Worte, die Bruno ihm in einer bis dato nie gekannten Heftigkeit entgegengeschleudert hatte, ihn doch tief in seinem Herzen getroffen. „Sag mir, warum ist Giselle gegangen? Sag’s mir!“ Brunos höhnisches Lachen dröhnte in Toms Ohren. „Ach nein, lass mich raten. Du konntest wieder mal deine Finger nicht bei dir behalten, so wie damals bei Samantha …“ Der Vorwurf schmerzte noch immer, und Tom presste instinktiv die Hände an seine Schläfen, als die Stimme seines Vaters erneut in seinem Kopf donnerte, ihn zu bersten drohte. Er schloss die Augen und lehnte seine Stirn gegen das Glas, dankbar für die willkommene Kühle, die das Pochen in seinem Kopf ein wenig linderte. „Du bist Schuld, dass Lanford seine begnadetste Designerin verloren hat. Du bist schuld, Tom. Verdammt noch mal, wann lernst du endlich, Verantwortung zu übernehmen?“, hallten die zornig dahin gespuckten Worte seines Vaters durch seinen Kopf. Doch noch mehr als der Zorn in der Stimme seines Vaters schmerzte die Verachtung, die Tom in dessen Blick gesehen hatte. Na ja wenigstens kennst du jetzt den Grund, warum er nach Berlin gekommen ist …, dachte er bei sich. Ein schwacher Trost, aber nun hatte er zumindest Klarheit darüber was sein Vater von ihm hielt. Der trotzige kleine Junge in ihm, der er in gewisser Weise immer geblieben war, wollte widersprechen, sich gegen seinen Vater auflehnen, der ihm Fehler vorwarf, die er ihm doch selbst eingepflanzt hatte. Aber Tom war nicht mehr der kleine Junge von damals. Er war erwachsen geworden, und in einem Punkt hatte sein Vater völlig Recht. Er trug Verantwortung, Verantwortung für knapp siebzig Mitarbeiter von Lanford-Berlin. Etwas Feuchtes rann über seine Wange, tropfe auf sein Hemd. Überrascht tastete er über sein Gesicht. Tränen? Tom schluckte schwer. Er war nicht der Typ für Tränen, und er weinte auch nicht – nicht mehr, seit dem kleinen Jungen in ihm das Herz gebrochen wurde.

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Kaum zwei Stunden nachdem Anna Jonas aus ihrem Büro gejagt hatte, legte sie zufrieden den Stift beiseite und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Die Idee war so plötzlich in ihrem Kopf aufgetaucht, dass ihre Finger kaum zu bremsen gewesen waren. Den Blick auf die Zeichnungen gerichtet, griff sie nach der Wasserflasche und trank einen Schluck. Das ist genial …, dachte sie begeistert. Doch nur einen Wimpernschlag später kehrte sie unsanft aus ihrem Höhenflug zurück, als eine Frage sich unangenehm in ihre Zufriedenheit drängte. War es auch das Richtige? Würde sie den Kunden damit überzeugen können? Einen Tom Lanford? Zweifel flammten augenblicklich in ihr auf, als sie sich an den wütenden Blick des Lanford-Chefs erinnerte, mit dem er seine Angestellte bedacht hatte. Das Konzept ist gut …, ermahnte sie sich. Warum jetzt diese Zweifel? Sie schüttelte den Kopf. „Und wenn es ihm nicht passt, dann muss er eben genau sagen, was er will.“, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Genau …, stimmte ihr Unterbewusstsein zu. Dennoch, ein letztes Quäntchen Unbehagen blieb. „Tom Lanford gilt als harter Verhandlungspartner.“, erinnerten sie Jonas’ Worte und brachten das sich zurückkämpfende Selbstbewusstsein in ihr erneut ins Wanken. Ihr Mut sank. Scheiße … Entschlossen griff sie nach den Zeichnungen und wollte sie gerade in den Papierkorb zu ihrer Rechten verbannen, als sie abrupt innehielt. „Lass dich verführen! Lanford – Dein Stück vom Paradies.“, klang der Slogan in ihrem Kopf, begleitet von einer Reihe verführerischer Bilder. Oh Mann … Mit zitternden Händen fuhr sie sich durch ihre langen blonden Haare, während sie nervös auf ihrer Unterlippe herumzukauen begann. Zum ersten Mal in ihrer Karriere als Werbetexterin wusste sie nicht, was sie tun sollte. Und das schlimmste – bereits übermorgen wollte Tom Lanford einen ersten Konzeptentwurf sehen. Himmel Herrgott noch mal …, du benimmst dich wie ein unsicherer Teenager, der Bammel vor seinem erste Date hat …, kommentierte ihr Unterbewusstsein voller Häme. Sie ballte die Faust und schlug auf die Tischplatte. Der Schmerz, der daraufhin durch ihre Hand zuckte, ließ sie für einen Moment völlig klar werden. „Das Konzept ist perfekt, der Slogan genial … und wenn es ihm nicht passt, dann hat er eben Pech gehabt.“, knurrte sie leise vor sich hin. Dann schloss sie die Augen und holte tief Luft. Augenblicklich wich die Anspannung und sie spürte wie sie ruhiger wurde. Die entschieden heraufbeschworene Entschlossenheit verdrängte die Zweifel und schickte das Selbstbewusstsein zurück an die Oberfläche. Alle überflüssigen Gedanken vertreibend strich sie über die Zeichnungen und betrachtete sie aus den Augen der Werbetexterin, die schon mehr als einmal bewiesen hat, dass sie den Job perfekt beherrschte. Und daran wird auch ein Charmeur wie Tom Lanford nichts ändern, genauso wenig wie der mürrische Geschäftsführer …, schwor sie sich, packte kurz entschlossen ihre Sachen zusammen und verließ ihr Büro.

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In seinen eigenen Gedanken versunken schlenderte Tom durch das mittlerweile verwaiste Atelier. Die Sonne war längst untergegangen, doch die Ereignisse des Tages schwirrten noch immer durch seinen Kopf und hinderten ihn daran, zur Ruhe zu kommen. Für gewöhnlich bereitete es ihm keine Schwierigkeiten, die Launen seines Vaters an sich abprallen zu lassen, doch die einst so unerschütterliche Mauer, die ihn stets umgeben hatte, hatte derbe Risse bekommen. Eine Flut von Gefühlen, die längst begraben schienen, strömte auf ihn ein und rüttelte an dem eisernen Selbstbewusstsein. Wut flammte auf. Das Gefühl, welches ihn begleitete, seit er an seinem zehnten Geburtstag seine vier Jahre jüngere Schwester in bitteren Tränen aufgelöst hinter dem Sofa versteckt gefunden hatte. Er hatte den Streit seiner Eltern nicht mitbekommen, hatte nicht gehört, was Isabella gehört hatte. „Ich hasse dich, Bruno.“, waren die letzten Worte seiner Mutter gewesen, die sie seinem Vater mit vor Wut und Tränen erstickter Stimme entgegen geschrieen hatte. Und noch immer hallte der Knall einer zuschlagenden Haustür in seinem Kopf, fühlte noch immer tief in seinem Herzen die Endgültigkeit, die die darauf folgende Stille mitgebracht hatte. Es hatte eine Weile gedauert, bis er begriffen hatte, dass seine Mutter gegangen war – für immer. Was er jedoch nicht verstanden hatte, war das Warum. Isabella war zu klein gewesen, um ihm eine Antwort auf diese Frage zu geben, und das Trauma hatte sie in den darauf folgenden Monaten zu einer stillen, introvertierten kleinen Person werden lassen, die kaum jemanden an sich heranließ. Tom, der Angst gehabt hatte, nach seiner Mutter nun auch noch seine kleine Schwester zu verlieren, hatte alles versucht, um sie wieder in dieses aufgeweckte fröhliche Mädchen zu verwandeln, was sie einst gewesen war. Doch kaum etwas hatte geholfen. Und je stiller Isabella wurde, umso lauter wurde seine Rebellion gegen seinen Vater, den er instinktiv für Isabellas Schweigen verantwortlich machte. Niemals hatte er ein Wort über diesen unglückseligen Tag verloren, den Grund erklärt für den Streit, den seine Schwester so zerrissen und seine Mutter hatte davon laufen lassen. Seiner Beharrlichkeit und immensen Geduld war es letztlich zu verdanken, dass er nach und nach wieder Zugang zu Isabella gefunden hatte, doch das quirlige lachende Mädchen von einst war unwiderruflich verschwunden. Lange hatte Tom nicht verstanden, was an diesem unsäglichen Tag passiert war. Und irgendwann hatte er es aufgegeben, von seinem Vater eine Erklärung zu fordern.

Der Schmerz über den Verlust und der Frust über das Ungesagte ließen ihn in der Folge zunehmend ungestümer werden, sich permanent gegen seinen Vater auflehnen. Jahre später – Tom erinnerte sich noch genau an den Tag, als er nach einer fürchterlichen Schlägerei um ein Haar der Schule verwiesen worden wäre – war Isabella eines Nachts zu ihm ins Zimmer gekommen. Sie hatte nicht schlafen können und war zu ihm unter die Bettdecke gekrochen. Wortlos hatte sie ihn in die Arme genommen und mit ihren großen Augen bittend angesehen. Tom wurde erneut das Herz schwer bei dieser Erinnerung und schluckte den dicken Kloß, der sich seine Kehle hinauf zwang, hinunter. In manchen Nächten hörte er immer noch wie sie ihn flüsternd bat aufzuhören. Dann war sie in Tränen ausgebrochen. Tom hatte gewusst, dass sie seinetwegen weinte, dass er es diesmal gewesen war, der sie zum Weinen gebracht hatte. Der Schock darüber hatte ihn letztlich aufgerüttelt, hatte ihn begreifen lassen, dass er nicht besser als sein Vater war, und dass er sich am Ende selbst in den Abgrund stürzten würde, wenn er nicht aufhörte, gegen das Leben zu arbeiten. Lange hatten sie in jener Nacht geredet, Ungesagtes laut ausgesprochen und den Schmerz zugelassen, der sie beide zerbrochen hat. Und als Isabella ihm schließlich unter Tränen anvertraut hatte, was an seinem zehnten Geburtstag passiert war, hatte er neben dem Entschluss, sein Leben um seinetwillen auf die Reihe zu bekommen, sich gleichzeitig das Versprechen abgenommen, seinem Vater den Verrat an seiner Mutter niemals zu verzeihen.

Seitdem waren fünfzehn Jahre vergangen, und was hatte er mit seinem Widerstand, den er seinem Vater nach wie vor entgegenbrachte, erreicht? Er war kaputt, emotional abgestumpft und … unendlich einsam. Mit einem gequälten Seufzer ließ er sich in seinen Stuhl fallen, als er sich nach seiner gedankenverlorenen Wanderung durch das Atelier in seinem Büro wiederfand. Sein Blick fiel auf den Stuhl auf der anderen Seite seines Schreibtisches und Annas Gesicht erschien vor seinem geistigen Auge, ihre Verwunderung und der Anflug von Ablehnung, der in ihrem Blick gestanden hatte. War es seine Schuld, dass dieser Ausdruck in ihren Augen stand? Er schüttelte den Kopf und rieb sich über sein müdes Gesicht. Was zum Teufel tue ich hier eigentlich? …, dachte er bei sich. Was wohl? Du rebellierst immer noch gegen deinen Vater, um ihm seine Fehler vor Augen zu führen …, erklang die sanfte Stimme seines Gewissens in ihm. All die Eskapaden der letzten Jahre … das bist du doch gar nicht … Seufzend stützte Tom seine Ellbogen auf den Tisch und vergrub den Kopf seinen Händen. Er spürte, wie erneut Tränen in ihm aufsteigen wollten, doch schluckte er sie entschieden hinunter. Auch wenn er allein war, unbeobachtet in seinen Gefühlen, er würde sich diese Schwäche nicht gestatten. Deinen Vater wirst du nicht ändern … vielleicht wird er nie den kleinen Jungen in dir erkennen, den er verletzt hat …, tönte es erneut in seinen Gedanken. Tom schüttelte den Kopf. Aber warum? Zornig blinzelte er die Tränen weg, die erneut einen Weg aus seinen Augen suchten. Hör auf, dir selbst wehzutun, großer Bruder …, vernahm er die leise Stimme seiner vierzehnjährigen Schwester in seiner Erinnerung … Es waren dieselben Worte, die sie in jener Nacht zu ihm gesagt hatte, als er beschlossen hatte, eine Mauer um seine Gefühle zu bauen, damit er das Leben irgendwie ertragen konnte.

Hey, jetzt komm mal wieder runter …, meldete sich sein männliches Ego mit einem fast schon beleidigten Unterton zu Wort. Lass dir doch von denen nicht die Laune vermiesen. Schmollend schob es die Unterlippe vor und entlockte Tom ein kleines Lächeln. „Sei anständig.“, ermahnte er sich leise. Ja ja …, wiegelte sein männliches Ego ab. Später … Toms Augenmerk fiel auf den Laptop vor ihm, gefolgt von einem schnellen Blick auf die Uhr. Ja genau, Little Sweetheart wartet bestimmt schon sehnsüchtig auf dich …, säuselte die freche Stimme, als Tom plötzlich seine Verabredung wieder in den Sinn kam. Seine trübe Stimmung schwand und machte einer ungewohnt kindlichen Aufregung Platz. Sein männliches Ego schmiss sich breit grinsend in die Sofakissen und streckte lässig die Beine auf dem Tisch aus. Ein bisschen belanglose Konversation ist genau das was ich jetzt brauche …, dachte Tom bei sich als er sich ins Internet wählte.

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„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
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Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"
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