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 Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"

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Mini_2010

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BeitragThema: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mo Jan 07 2013, 12:20

das Eingangsposting lautete :

Liebe LeserInnen und AudL-Fans,

die nachfolgende Story habe ich vor ein paar Monaten begonnen zu schreiben. Sie ist noch nicht fertig - worum ich mich aber redlich bemühen werde
- aber ich möchte sie euch nun doch nicht mehr länger vorenthalten. Die Idee kam mir, nachdem ich eine von Staffis One-Shots gelesen hatte ...

Ein paar kleinere Anmerkungen vorab:

Anna und Tom waren nie verheiratet gewesen und haben auch ihre Partner nicht verloren. Tom ist erst vor Kurzem aus Amerika zurückgekommen, während Anna mit Jonas zusammen eine Werbeagentur führt. Alles andere, lest selbst ...

Viele Spaß!


Liebe Grüße,
Mini

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„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Jun 25 2013, 22:06

Hallo, ihr Lieben ... Puh, der nächste Teil hat mir ganz schöne Kopfzerbrechen bereitet. lesemist  Ich bin noch immer nicht so ganz zufrieden, aber lest und entscheidet selbst. Viel Spaß ... LG, Mini 

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Teil 31

Gedankenverloren starrte Tom durch die Glaswand auf das mittlerweile verwaiste Atelier. Noch immer beschäftigten ihn die Ereignisse des Tages, und so sehr er sich auch bemühte, er kam einfach nicht zu Ruhe. „Dir ist es diesmal wirklich ernst.“, klangen erneut die Worte seines Vaters in seinen Ohren. Nein … Ja … ach zum Teufel mit dir, Vater …, grummelte es in ihm. Er hasste es, wenn sein Vater die Dinge so ungeschminkt auf den Punkt brachte. Und ganz sicher hatte er eine Antwort erwartet. Doch was hätte er sagen sollen? Ja, du hast Recht Papi – wie schon hunderte Male zuvor? Aber das hatte Tom dann doch nicht fertiggebracht und stattdessen galant – denn darin war er wirklich perfekt – auf ein anderes Thema gelenkt. Annas Konzept. Dass sein Vater sich allerdings nicht so leicht ablenken lassen würde, hätte er wissen müssen. „Dir liegt etwas an ihr.“ Auch das war eine Feststellung gewesen. Verflucht. Angespannt rieb Tom sich über das Gesicht und griff nach einem Stapel Bestellungen, der seit heute Morgen auf seine Bearbeitung wartete, und ging die Positionen durch, entschlossen, diese drängende Stimme endlich zum Schweigen zu bringen, die mehr und mehr seine Gedanken einnahm. „Du hast Recht, das Konzept ist gut … sehr gut sogar.“, vernahm er die energischen Worte seines Vaters in seinem Kopf. „Das Beste, was ich seit langem gesehen habe.“ Es war zwecklos. Entnervt legte Tom das Blatt beiseite, auf dessen Inhalt er sich verzweifelt zu konzentrieren versuchte. „Versau es nicht wieder.“ Seufzend stieß Tom die Luft aus und fuhr sich sichtlich aufgebracht durch die Haare, vergrub sein Gesicht in seinen Händen. „Sie hat das gewisse Etwas … den Blick für das Besondere.“, hörte er seinen Vater erneut schwärmen. Instinktiv presste Tom sich die Hände auf die Ohren. Eine reichlich überflüssige Geste. Aber er wollte es nicht hören … nicht noch einmal … „Sie geht dir unter die Haut, mein Sohn.“ Mit einem wütenden Schrei wischte Tom mit seinem Arm über den Schreibtisch. Der Stapel Bestellungen, von dem er gehofft hatte, er würde ihm die nötige Ablenkung verschaffen, stob in einem wilden Wirbel durcheinander, und ließ die Blätter in einem leisen Rascheln zu Boden segeln. „Scheiße, verdammt“, brüllte er und warf sich in seinem Stuhl zurück, den Blick an die Decke gerichtet, in der Hoffnung auf eine Eingebung, während Brunos wissendes Lächeln sich vor sein geistiges Auge schob. Sein Herz hämmerte, er schloss die Augen und schüttelte den Kopf in dem verzweifelten Versuch, seine Gedanken zum Schweigen zu bringen, die laut in seinem Hirn durcheinander brüllten, die Bilder zu vertreiben, die ihn mehr und mehr aufwühlten. Was passiert hier? Was ist nur mit mir los? Seine Hände zitterten, als sie erneut über sein Gesicht fuhren. Sekundenlang verharrte er regungslos, versuchte die Stimmen auszublenden, als sein Blick abermals durch die Glaswand glitt. Anna … Selbst nach Stunden konnte er sie noch genau vor sich sehen, wie sie dort saß. Spürte noch immer ihre Nervosität und sah das Lächeln, was ihre Augen zum Strahlen gebracht und die Begeisterung, mit der sie ihre Idee präsentiert hatte. Sein Herz schlug schneller, als er sich an den strafenden Blick erinnerte, den sie ihm zugeworfen hatte, als seine Gedanken für einen Moment abgedriftet waren. Als hätte sie sie instinktiv erraten. Ein kleines Lächeln stahl sich auf seine Lippen, was jedoch sogleich verblasste, als sich erneut Brunos vernichtenden Worte in seine Erinnerungen schoben, das schöne Bild zerstörten und ihr entsetztes Gesicht heraufbeschworen, mit Augen, deren Strahlen abrupt erloschen und tiefer Ernüchterung gewichen war. Ja zum Teufel, sein Vater hatte so was von Recht. Anna ging ihm unter die Haut, und das auf eine Weise, die er nicht zu beschreiben vermochte. Sie hatte etwas in ihm ausgelöst, etwas was ihm bis dato völlig fremd war, … und sich gleichzeitig seltsam gut anfühlte. „Schluss jetzt.“, befahl er sich selbst und lenkte seinen Blick zurück auf das Chaos, was sein kurzer Wutausbruch hinterlassen hatte. Seufzend erhob er sich von seinem Stuhl und sammelte die Blätter zusammen, die den Fußboden in einem dekorativen Durcheinander schmückten. „Was für ein Scheißtag.“, murmelte er leise vor sich hin, legte die Bestellungen zurück auf seinen Tisch und ließ sich erschöpft in seinen Stuhl fallen.

Doch an Entspannung war nicht zu denken. Er sollte nach Hause fahren. Doch er fürchtete sich vor den schweigsamen Wänden seiner Wohnung, die doch nur wieder diese Stimmen und Bilder heraufbeschwören würden, welche er so erbittert zu vertreiben versuchte. Wieder und wieder irrte sein Blick durch die Gegend, in der stillen Hoffnung, irgendeine Art von Ablenkung in den grauen Wänden seines Büros zu finden, als selbiger auf seinem Laptop zu ruhen kam. Eine Sekunde später kehrten seine Gedanken zum vergangenen Abend zurück, und eine andere Form von Rastlosigkeit überkam ihn, verdrängte die Anspannung, die ihn fest im Griff hielt. Eilig loggte er sich ins Internet. Oh Gott, bitte lass sie online sein …, flehte er leise, während Good Old Nick Tom Lanford und sein wirres Gefühlschaos allmählich in den Hintergrund schob …

GOOD OLD NICK: Endlich ist dieser Tag vorbei. Echt zum Vergessen. Ich hoffe, du bist da, ich könnte ein wenig Ablenkung gebrauchen.
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Ungeduldig trommelten seine Finger auf der Tischplatte, nachdem er die Nachricht abgesendet hatte. Den Blick starr auf den Bildschirm gerichtet, so als versuche er, mittels mentaler Fähigkeiten – über die er zweifelsfrei nicht verfügte – seinen Gegenüber zu einer Antwort zu bewegen, wartete er. Und wartete ... Sekunden krochen zäh wie Stunden dahin. Seine Anspannung kehrte mit aller Macht zurück, erklomm eine neue Stufe … und fiel in einem erleichterten Seufzen in sich zusammen als er nur wenige Sekunden später das erlösende Pling vernahm, welches die ersehnte Antwort ankündigte. Gott sei Dank, sie ist da …

LITTLE SWEETHEART: So schlimm?
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Für einen Moment starrte Tom wie versteinert auf den Bildschirm. Was? Wie? Wieder und wieder lasen seine Augen diese unschuldigen beiden Worte, bis er sie schließlich mit seinen zuvor versandten Worten in Einklang gebracht hatte. Verwirrt schüttelte er den Kopf, und ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als ihm aufging, dass er in seiner Aufruhr doch glatt vergessen hatte, was er geschrieben hatte. Und als hätte ihm jemand den verfluchten Vierzigtonner plötzlich von den Schultern genommen, den er den ganzen Tag schon mit sich herumgeschleppt hatte, spürte er, wie seinen Körper augenblicklich eine willkommene Ruhe erfasste. Verflogen war die Anspannung, vergessen die aufwühlenden Geschehnisse des Tages. Ja, ein ungezwungenes Gespräch war jetzt genau das Richtige. Ohne zu zögern ließ er seine Finger über die Tastatur flitzen …

GOOD OLD NICK: Du hast ja keine Ahnung.
LITTLE SWEETHEART: Ärger mit der Arbeit?
GOOD OLD NICK: So ungefähr.
LITTLE SWEETHEART: Verrate es mir! Du hast es versprochen.
GOOD OLD NICK: Was?
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Irritiert runzelte Tom die Stirn. Was hab ich versprochen? …, fragte er und rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht. Hast du das etwa schon wieder vergessen …, tadelte eine leise Stimme in ihm. Doch noch bevor er die Antwort auf seine Frage selbst finden konnte, kam seine Gesprächspartnerin ihm zuvor …

LITTLE SWEETHEART: Was du beruflich machst.
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Ach ja, richtig … Unweigerlich musste er über sich selbst lachen. Kopfschüttelnd dachte er einen Moment darüber nach, was er antworten sollte, dann schrieb er …

GOOD OLD NICK: Ach so. Also, im Moment ärgere ich mich mit meinem Vater rum. Der ist der Inbegriff eines Dickschädels. Wir führen gemeinsam ein kleines Unternehmen.
LITTLE SWEETHEART: Aha ... Welche Branche?
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Abrupt hielt Tom inne, zögerte, während er sich fragte, ob es klug war, derart viel von sich preiszugeben. Hey, du willst die Tussi doch eh kennenlernen, oder etwa nicht? …, meldete sich sein männliches Ego unvermittelt zu Wort. Unschlüssig verharrten Toms Finger über der Tastatur, als ihm plötzlich das Date wieder in den Sinn kam, welchem er noch vor einer Woche leichthin zugestimmt hatte. In Enriques Namen. Mist. Das hatte er fast vergessen. Und was nun, du Casanova? …, lästerte sein männliches Ego. Haste etwa Gewissensbisse wegen der süßen Blondine? Tom schluckte schwer, während ein merkwürdig beklemmendes Gefühl durch seinen Magen zog. Nein, warum sollte ich …, ging es ihm durch den Kopf. Mach dir nichts vor …, säuselte erneut die lästige Stimme in ihm. „Dir liegt etwas an ihr.“, mischten sich Brunos Worte in seine Gedanken. Ja verdammt, und genau deshalb würde er dieses Treffen absagen – in Enriques Namen. Warum? …, maulte sein männliches Ego. Gucken ist doch nicht verboten. Tom schloss die Augen und holte ein paar Mal tief Luft, versuchte, sich zu beruhigen, ehe sein Blick erneut auf den letzten Chateintrag fiel. Dann schüttelte er den Kopf. „Warum? … Weil ich doch gar nichts von Little Sweetheart will.“, murmelte er leise vor sich hin. „Sie ist nett … ja, aber … Anna …“ Na wenn das so ist …, knurrte sein männliches Ego und zog sich schmollend in eine dunkle Ecke zurück. Tom war es nur recht, denn was seine Gesprächspartnerin betraf … Erneut schob sich Annas Lächeln vor sein geistiges Auge und brachte ihn zum Lächeln … Doch dann besann er sich und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Bildschirm. Welche Branche? Mhmm … warum so ein Geheimnis drum machen …, dachte er schulterzuckend und schrieb eine Antwort …

GOOD OLD NICK: Textilbranche
LITTLE SWEETHEART: Mhmm … klingt interessant. Macht ihr in Mode?
GOOD OLD NICK: Ja, wieso? Willst du beruflich umsatteln? *lach*
LITTLE SWEETHEART: Na wenigstens konnte ich für ein wenig Belustigung sorgen und dich aus deiner trüben Stimmung reißen *lächel* Aber du hast schon irgendwie recht. Mode entwerfen ist eines meiner Leidenschaften.
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Verwundert zog Tom die Brauen hoch als er ihre Zeilen las und für den Bruchteil einer Sekunde erwog er den Gedanken, sein salopp dahingesagtes Angebot, beruflich umzusatteln, ernsthaft in Erwägung zu ziehen. So ein Quatsch … Das hier war nur ein netter unverfänglicher Plausch. Und genau dabei wollte er es belassen, soviel stand für ihn nach dem heutigen Tag fest. Dennoch konnte er nicht leugnen, dass ihre Worte seine Neugier geweckt hatten …

GOOD OLD NICK: Ach, tatsächlich? Jetzt bin ich aber neugierig.
LITTLE SWEETHEART: Ja, ich entwerfe manche meiner Sachen selbst und trage sie auch.
GOOD OLD NICK: Echt? Ich bin beeindruckt. Vielleicht sollten wir uns mal treffen.
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Natürlich rein geschäftlich …, fügte er in Gedanken hinzu. Was völlig absurd war, schließlich hatte er sich noch vor wenigen Sekunden selbst das Versprechen abgenommen, dass er genau das nicht tun würde. Erst denken, dann schreiben …, meldete sich seine innere Stimme auf lehrmeisterhafte Weise zu Wort. Unwillkürlich verdrehte er die Augen … und wartete … und wartete. Verdammt, hatte er sie mit seiner unbedachten Aussage etwa vertrieben? Wieder trommelten seine Fingern auf der Tischplatte, als die Antwort weiterhin auf sich warten ließ. Zwei Minuten vergingen … drei … vier. Dann hielt er es nicht mehr aus …

GOOD OLD NICK: Hey, war nur so eine Idee. Wenn du nicht willst, ist das okay.
LITTLE SWEETHEART: Im Moment eher nicht. Sorry.
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Die zögerliche Antwort entlockte ihm erneut ein Lächeln, was aber weniger an ihrem Inhalt lag als an der Tatsache, dass sie nach seinem unüberlegten Vorstoß nicht direkt die Flucht ergriffen hatte … Und irgendwie war er auch erleichtert darüber, dass sie nicht sofort nach Ort und Zeit für ein Treffen gefragt hatte.

GOOD OLD NICK: Kein Problem. Ist alles in Ordnung? Du wirkst irgendwie nicht so glücklich.
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Die Antwort ließ abermals eine Weile auf sich warten. Und was er dann las, ließ das flüchtige Hochgefühl in ihm schlagartig wieder erkalten …

LITTLE SWEETHEART: Können wir morgen weiterreden? Irgendwie fühl ich mich gerade überhaupt nicht gut.
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Tom spürte, wie sich unvermittelt sein Herz zusammenzog. Ein Gefühl, was ihn verwirrte, war es ihm doch völlig fremd. Seufzend vergrub er sein Gesicht in seinen Händen, während er ihre letzten Worte wieder und wieder las. Er musste es einfach wissen …

GOOD OLD NICK: Ist es meine Schuld? Wenn ich was Falsches gesagt habe, tut es mir leid …
LITTLE SWEETHEART: Nein, du bist nicht schuld … Also morgen?
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Ja, morgen … Morgen? Nein, Morgen geht nicht … da hab ich – oder besser: Dr. Lover – das Date … mit dir …, ging es ihm sarkastisch durch den Kopf. Mist! Und wieder schlich sich der Gedanke in den Vordergrund, das Date einfach abzusagen. Also, wenn du die kleine Werbemaus unbedingt für dich gewinnen willst, solltest du wohl besser aufhören, zweigleisig zu fahren, auch wenn ich deine Sinneswandlung absolut nicht nachvollziehen kann ..., gab ihm sein männliches Ego zu verstehen und verzog unwillig das Gesicht. Oder aber du gehst einfach hin und guckst sie dir an. Sie weiß ja nicht, dass du eigentlich der Typ aus der Textilbranche bist … Stimmt. Nachdenklich tippte Tom sich gegen die Lippen. Auf der anderen Seite war da Anna … und er wollte doch … Ach verflucht. Er war hin und her gerissen, was er tun sollte. Tja, … da hast du dich wohl ein ganz klein bisschen in die Kacke manövriert …, säuselte sein männliches Ego in überaus hämischen Tonfall. „Ach halt doch die Klappe.“, knurrte Tom, woraufhin sein männliches Ego lässig die Schultern zuckte. Wie gesagt, gucken kostet nix … Ja, ja, ja … Tom wusste selbst, dass er dieses ominöse Date lieber absagen sollte, schließlich lag sein Interesse an ihr als Dr. Lover irgendwo zwischen Null und nicht vorhanden. Mhmm … auf der anderen Seite könnte ich auf diese Weise mehr über sie erfahren …, dachte der Teil in ihm, der noch nicht wirklich zugeben wollte, dass dieser Plan alles andere als galant gegenüber Little Sweetheart war. Ja, ja … Neugier ist wirklich eine ganz ganz hinterhältige Krankheit …, lästerte sein männliches Ego und leckte sich in stiller Vorfreude genüsslich über die Lippen. Tom ignorierte es und tippte eilig eine Antwort …

GOOD OLD NICK: Normalerweise gerne, aber ich hab morgen Abend eine Verabredung …
LITTLE SWEETHEART: Mhmm … so ein Zufall. Mir ist gerade eingefallen, dass ich morgen auch eine Verabredung habe.
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Zufall? Schnaubend schüttelte Tom den Kopf. Natürlich hast du auch eine Verabredung … mit einem Trottel namens Dr. Lover. Sein männliches Ego schlug sich brüllend vor Lachen auf die Oberschenkel. Diese ganze Situation troff nur so vor Ironie, sodass Tom sich seine nächste Antwort beim besten Willen nicht verkneifen konnte …

GOOD OLD NICK: Mhmm …, aber nicht zufällig mit mir *lach*
LITTLE SWEETHEART: *lach* Nein, nicht mit dir …
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Oh, wenn du wüsstest …, ging es ihm spöttisch durch den Kopf. Aber immerhin hatte er ihr ein Lächeln entlocken können. Na mal schauen, ob sie nach dem morgigen Date auch noch lachen kann, wenn du ihr erstmal einen deftigen Korb verpasst hast …, meldete sich die scharfzüngige Stimme der Vernunft in ihm. Seufzend schüttelte er den Kopf.

GOOD OLD NICK: So gefällst du mir schon viel besser. Wir können uns ja später lesen und unsere Verabredungen gegenseitig auswerten. Ich wette, deine wird besser als meine.
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Also, dein Sinn für Humor grenzt mittlerweile ans Makabere …, ätzte sein männliches Ego mit beißendem Zynismus. Tom ignorierte es mit einem seichten Augenrollen. Was soll’s, er würde auch diesen Abend überstehen. Irgendwie. Gegen seinen Willen stahl sich abermals Annas strenger Blick in seine Erinnerung, mit dem sie ihn heute bedacht hatte, als seine Gedanken kurzzeitig unangemessen abgedriftet waren …

LITTLE SWEETHEART: Klingt, als hättest du nicht wirklich Lust auf deine Verabredung.
GOOD OLD NICK: Na ja, ich weiß nicht. Ist alles ein bisschen unsicher …
LITTLE SWEETHEART: Verstehe … geht mir nicht anders …
GOOD OLD NICK: Also, bis morgen?
LITTLE SWEETHEART: Ja, morgen.
GOOD OLD NICK: Ich freu mich. Gute Nacht und viel Glück, wird schon klappen.
LITTLE SWEETHEART: Ja, Gute Nacht.
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Wird schon klappen? …, grunzte sein männliches Ego amüsiert. Mit gerunzelter Stirn sah Tom auf den Bildschirm. Little Sweetheart hatte sich bereits ausgeloggt, während er noch immer auf die letzten Worte stierte. Dass ihr genauso wenig der Sinn nach dieser Verabredung stand, ließ ihn irgendwie nicht los. Klar, sie ist ja auch nicht mit dir verabredet, sondern mit einem Typen, der auf den einfallsreichen Namen Dr. Lover hört …, erinnerte ihn sein männliches Ego, was sich lässig auf die Ledercouch gefläzt und die Beine auf den Tisch gelegt hatte. Seufzend lehnte Tom sich in seinem Stuhl zurück und starrte blicklos an die triste Wand seines Büros, während sich die Frage in ihm aufdrängte, ob der Grund für das Desinteresse an ihrer Verabredung wohlmöglich an ihm lag. Natürlich Prince Charming … du und ich, wir sind eben ein unschlagbares Team …, grinste sein männliches Ego selbstzufrieden, woraufhin Tom gequält die Augen verdrehte. Oh Mann, könnte nicht mal jemand die Uhr um zwei Tage vordrehen, dann hätte ich das alles schon hinter mir …, ging es ihm genervt durch den Kopf. „Genau aus diesem Grund hasse ich Singlebörsen.“, knurrte er leise. Ach komm, so schlimm wird’s schon nicht werden …, lenkte sein männliches Ego ein wenig versöhnlicher ein. Vielleicht wird es ja sogar ganz nett … und die Werbemaus läuft dir doch nicht weg … Ein nettes, ungezwungenes Date? Er war versucht zu lachen. Na wenn das Ganze mal nicht nach hinten losgeht …, dachte er im Stillen. Ach was, ... und im Zweifel kannst du die ganze Sache ja immer noch abblasen und dich mit einer galanten Entschuldigung aus der Affäre ziehen …

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katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Jun 25 2013, 22:41

Hey Mini,
schön, dass du es geschafft hast. Smile
Tom ist ja ganz schön durch die Hecke. Und das alles wegen Anna ... Wenn die wüsste Surprised
Aber Bruno ist mal wieder Knaller. Hat die Zeichen der Zeit sofort erkannt und Tom sozusagen auf die Probe gestellt.
Aber diese Date-Geschichte macht mir wirklich Sorgen. Das kann ja nur nach hinten los gehen.:evil:Wenn Tom da als Dr. Lover auftaucht verbaut er sich doch gleichzeitig die Chance sie irgenwann als GON zu treffen. Das sollte ihm doch klar sein. Also sollte ihn seine Neugier eher abhalten und nicht hin treiben. No
Und bei diesen Überlegungen bleibt ja mal völlig unberücksichtigt, dass sie sich tatsächlich kennen. Oh Gott, ist das kompliziert Rolling Eyes
Ich bin hölle gespannt, ob nicht doch noch einer von beiden absagt.
Ich meine, Anna sollte doch eigentlich auch sehr verwundert sein, dass sich Dr. L gar nicht mehr gemeldet hat. War vorher so nett, verabredet sich mit ihr und ist dann plötzlich von der Bildfläche verschwunden ? 

Hmm, wie war der Teil denn jetz? idontknowWas soll ich sagen?
Toms Verwirrung ist mit Händen greifbar geworden und wie schon gesagt, Bruno hast du mal wieder super getroffen. Also, alles gut, würde ich sagen.Smile

Ich freu mich schon jetzt auf die Fortsetzung bounce

Liebe Grüße
Katha

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Carla3939

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi Jun 26 2013, 00:07

Hallo Mini was für ein toller teil:P.Ich freue mich schon auf das Treffen. Tom ist mit seinen Gefühlen ja schon ganz schön durcheinander:roll:.Also :beeildich:Lg. Carla

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Do Jun 27 2013, 00:24

hey mini

toms männliches ego finde ich immer wieder zu geil Very Happy
ich bin auf das treffen der beiden super gepannt Very Happy
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Fr Jun 28 2013, 13:04

Hey Katha, Nicky und Carla,

danke für eure lieben Kommis. Die Fortsetzung ist in Arbeit, könnte aber noch einen Moment dauern, weil ich gerade mal an meiner anderen Story weiterschreibe, die ich schon seit geraumer Zeit sträflichst vernachlässigt habe. Also bitte habt noch etwas Geduld ... manchmal sind zehn Finger eben doch zu wenig  idontknow 

LG, Mini

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Carla3939

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Do Jul 04 2013, 22:47

GutenAbend  Liebe Mini ich will ja kein Streß machen aber Mad Mad  Smile  .Liebe Grüße Carla:P 

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Sa Jul 06 2013, 15:47

O je ... da sind sie, die tippenden Füße. Ich bemühe mich um eine baldige Fortsetzung. Wird aber heute nichts mehr, da ich gleich unterwegs bin. brav 

LG, Mini

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Carla3939

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Sa Jul 06 2013, 18:03

Ich werde ganz geduldig warten, wünsche dir einen schönen Tag. Wink  Lg, Carla

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mo Jul 08 2013, 19:48

Sorry, meine Lieben, dass ich euch mit einer Fortsetzung so lange hab warten lassen. Aber hier ist er nun. Viel Spaß beim Lesen ... LG, Mini write 

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Teil 32

Lange noch lag Anna in dieser Nacht wach und starrte an die Decke, während ihr das Gespräch mit Good Old Nick nicht mehr aus dem Kopf ging. Unweigerlich fragte sie sich, warum sie so geschockt über sein Angebot eines Treffens reagiert hatte. Hatte er das ernst gemeint? Eigentlich ist er ja ganz nett …, dachte sie bei sich und erntete einen verständnislosen Blick von ihrem Unterbewusstsein, was sich eine unpassende Bemerkung jedoch verkniff. Besser so. Und gegen ihren Willen musste sie zugeben, dass sie die Unterhaltungen mit Good Old Nick von Mal zu Mal mehr genoss. Ja, sie freute sich regelrecht darauf. Heute Abend hatte sie sich unter einem recht fadenscheinigen Vorwand ziemlich früh von Jonas, Paloma und Lara verabschiedet, nur um dieses nächtliche Gespräch nicht zu verpassen. Und wie erleichtert – ja geradezu euphorisch – war sie gewesen, als sie direkt eine Nachricht von ihm im Posteingang gefunden hatte. Er hatte angespannt gewirkt … und irgendwie … traurig? Unglücklich? Sie erinnerte sich an das beißende Gefühl in ihrem Magen, als er ihr geschrieben hatte, dass er morgen eine Verabredung hatte. Hatte er etwa eine Freundin? Warum stört dich das auf einmal? …, meldete sich nun doch ihr Unterbewusstsein zu Wort. Ja, warum eigentlich? Sie kannten sich doch nicht einmal. Man könnte meinen, du wärst eifersüchtig …, spottete ihr Unterbewusstsein. Eifersüchtig? Tse … einfach lächerlich. Eifersüchtig konnte man schließlich nur auf etwas oder jemanden sein, das man für sich selbst beanspruchte. Und das tat sie ja nicht. Oder vielleicht doch? Doch mehr noch als das, machte ihr die Tatsache zu schaffen, dass sie morgen selbst ein Date hatte. Ein Blind-Date. Innerlich rollte sie die Augen. Und wieder einmal wünschte sie sich, sie hätte nicht so vorschnell gehandelt und auf dieses Date bestanden. Und das alles nur wegen Paloma und dieser Schnapsidee, einen Mann für mich an Land zu ziehen …, dachte sie, ließ sich tiefer in die Kissen sinken und zog die Decke über sich. Sie war hundemüde nach diesem nervenaufreibenden Tag und wollte nur noch schlafen. Doch die Ereignisse ließen ihr keine Ruhe. Und als diese quälenden Gedanken erneut überhand nehmen wollten, griff sie nach ihrem i-Pod und stöpselte ihn in ihre Ohren. Die sanften Klänge einer beruhigenden Ballade ertönten, und Anna spürte, wie sie allmählich ruhiger wurde. Schon kurze Zeit später fielen ihr die Augen zu, und als sie sanft ins Reich der Träume hinüberglitt, träumte sie von einem weißen Ritter mit graublauen Augen, der sich wagemutig vor sie stellte.

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„Mhmm … für mich?“, fragte Anna mit einem äußerst verführerischen Augenaufschlag. Ihr Lächeln raubte Tom beinahe den Atem. Wortlos nickte er und beobachtete angespannt, wie sie das kleine Päckchen öffnete und dessen Inhalt betrachtete. Sein Herz schlug heftig gegen seine Rippen. „Das ist … wow.“, stieß sie leise hervor ... Ein Scheppern ertönte, die Szenerie zerriss und Tom fuhr erschrocken hoch. Blinzelnd betrachtete er seine Umgebung und erkannte die tristen Wände seines Büros. Nur ein Traum … Ernüchterung machte sich in ihm breit, während er mit einem qualvollen Stöhnen auf die Ledercouch zurücksank, auf der er offenbar eingeschlafen war. Seufzend schloss er die Augen und wünschte sich in die Szenerie in seinem Traum zurück, die soviel angenehmer war als die karge Trostlosigkeit seines Büros. Ein flüchtiges Lächeln zuckte um seine Mundwinkel, als er an seinen Traum zurückdachte. Er war im Paradies … mit Anna. Und er hatte soeben erfolgreich die Schlange vertrieben, die Anna auf recht zwielichtige Weise bezirzt hatte. Lächelnd rieb er sich über das Gesicht und schüttelte den Kopf. Oh Mann, das ist der Anfang vom Ende …, seufzte sein männliches Ego, was gleichsam verwirrt vor sich hinstierte. Wenn du weiter auf abstinent machst, drehe ich noch durch …, beklagte es sich. Doch Tom ignorierte die frotzelnde Stimme und fragte sich stattdessen, was die Bilder seines Traumes, die lebhafter kaum hätten sein können, zu bedeuten hatten. Du träumst von halbnackten Frauen, die du in Reizwäsche sehen willst, was gibt’s denn da noch groß zu analysieren? …, knurrte sein männliches Ego. Du brauchst dringend ’ne Frau … und ich auch. Seufzend erhob Tom sich von seinem nächtlichen Lager und starrte durch die Glaswand, auf dessen anderer Seite gerade die Reinigungsfirma, deren Geräuschkulisse ihn offenbar aus seinem Traum gerissen hatte, zugange war, um die Büros für den Tag auf Vordermann zu bringen. Eine Frau …, wiederholte er in Gedanken, als ihm unvermittelt aufging, dass sein letztes Date mehr als drei Wochen zurücklag. Ziemlich genau zu selben Zeit war er Anna auf Enriques Verlobungsfeier zum ersten Mal begegnet. Kurz dachte er darüber nach, was das über ihn und seine emotionale Verfassung aussagte, schob den Gedanken jedoch sogleich beiseite, als erneut die Bilder seines Traumes seine Gedanken torpedierten. Noch etwas müde schlurfte er zu seinem Schreibtisch und ließ sich schwerfällig auf seinen Stuhl sinken, als sein Blick auf das Konzept zur Dessouskollektion fiel, welches Anna gestern präsentiert hatte. Einer plötzlichen Eingebung folgend, griff er danach, blätterte durch die Seiten und schüttelte gleichsam verwirrt wie erstaunt den Kopf. Ernüchtert legte er die Mappe zurück auf den Tisch und richtete seinen Blick mit einem tiefen Seufzen an die Decke. Na fabelhaft, jetzt bist du echt reif für die Insel …, dachte er mit einem ironischen Augenrollen, als er begriff, dass er diese Paradiesszene aus Annas Konzept äußerst real in seinem nächtlichen Traum durchlebt hatte – mit ihm in der Hauptrolle. Gerade wollte er das Erlebte als ein Ergebnis seiner zweifellos desolaten mentalen Verfassung zuschreiben, als ihm plötzlich bewusst wurde, dass seine geträumte Version des Konzeptes vom eigentlichen Original abwich. Bild für Bild rief er sich seinen Traum in Erinnerung und brachte sie mit Annas Darstellung in Einklang, als ihm schließlich eine geniale Idee kam. Ohne zu zögern griff er nach seinem Telefon und wählte die Nummer von Annas Büro. Beim ersten Klingeln warf er einen flüchtigen Blick auf seine Uhr … und stieß ein frustriertes Knurren aus. Sie zeigte zehn vor sieben. Zu früh, um irgendjemanden aus der Agentur im fünften Stock zu erreichen, geschweige denn Anna. Ernüchtert legte er den Hörer auf, stützte seine Ellbogen auf die Schreibtischplatte und vergrub seinen Kopf in seinen Händen, während er darauf wartete, dass die Zeit verging.

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„Hallo Anna.“, begrüßte Lara die junge Blondine und folgte ihr auf den Fuß, sobald Anna den Fahrstuhl verlassen hatte. „Hi Lara.“, antwortete Anna knapp und ließ sich mit einem erschöpften Seufzen auf ihren Stuhl fallen. Es war kurz vor halb fünf, und Anna hatte noch Arbeit bis mindestens Mitternacht auf ihrem Schreibtisch liegen. Zwei Komponenten, die so gar nicht zusammenpassten, wenn man bedachte, dass Freitag war. So sehr sie diesen Job auch liebte, die Freizeit kam häufig viel zu kurz. Umso ärgerlicher war es, wenn ein langer Freitag das Wochenende nicht nur hinauszögerte sondern sie auch noch weiter in ihrer freien Zeit beschnitt. Was soll’s, Jammern hilft dir auch nicht weiter …, dachte und wandte ihre Aufmerksamkeit ihrer Assistentin zu „Was hab ich verpasst?“, fragte sie, eigentlich eher aus Anstand als aus wirklichem Interesse. Als wäre das ihr Stichwort gewesen, ließ Lara sich vor Annas Schreibtisch auf einen Stuhl sinken und straffte die Schultern. Dann begann sie sämtliche Informationen in einem scheinbar nicht enden wollenden Vortrag hinunterzurasseln. Anna hatte bereits nach der ersten Information abgeschalten, die besagte, dass Frau Brenner, die Marketingchefin der Friseurkette, die chatch phrase mit einer Kampagne beauftragt hatte, um Rückruf bat, um weitere Details zu besprechen, und sich in die gedankliche Planung des Wochenendes begeben, als ihr plötzlich wieder einfiel, dass sie in weniger als vier Stunden eine Verabredung hatte – mit einem Unbekannten. Flüchtige Wortfetzen, die sich um eine Dessouskollektion drehten, drangen an ihr Ohr und holten sie abrupt in die Gegenwart zurück. „Entschuldige bitte, Lara … Was hast du gerade gesagt?“, unterbrach Anna ihre Assistentin, die noch immer geduldig die Neuigkeiten des Tages herunterbetete. Die junge Frau sah verwirrt auf, räusperte sich kurz und holte leise Luft. „Herr Lanford hat wegen des Konzeptes zur Dessouskollektion angerufen.“, wiederholte sie, woraufhin Anna fragend die Brauen hochzog. „Tom Lanford?“, hakte sie nach. Lara nickte und lächelte verlegen. „Er hat es mehrmals versucht.“ „Und was wollte er?“, fragte Anna, ehe Lara fortfahren konnte. Sie zuckte ahnungslos die Schultern. „Das hat er nicht gesagt. Ich sollte dir nur ausrichten, dass du ihn dringend zurückrufen sollst.“ Anna warf einen Blick auf ihre Uhr, schaute kurz zu Lara und entschied schließlich, dass das Ganze auch noch bis Montag warten konnte – oder besser: musste, wenn sie ihr Date nicht doch noch absagen wollte. Wenn. Aber vielleicht war dieses Date auch genau das, was sie heute Abend brauchte. Ein nettes Gespräch mit einem netten Mann. Eigentlich eine willkommene Ablenkung, um nach dieser stressigen Woche auf andere Gedanken zu kommen. Ganz genau. Diesen Gedanken im Kopf, unterbrach sie Lara, die noch immer berichtete – wovon genau, hatte sich Annas Aufmerksamkeit aber gänzlich entzogen –, mit einer kurzen Handbewegung und erhob sich. „Ich rufe ihn am Montag zurück.“, erklärte sie und begann, ihren Schreibtisch aufzuräumen, sehr zu Laras Verwirrung. Als Anna das verdatterte Gesicht ihrer Assistentin bemerkte, hielt sie inne, neigte den Kopf und lächelte. „Feierabend, Lara. Den Rest besprechen wir Montagmorgen.“, fügte sie hinzu, woraufhin Lara sich von ihrem Stuhl erhob. Mit einem Lächeln im Gesicht wünschte sie ein schönes Wochenende und verschwand aus dem Büro, während Anna ihr nachsah. Einen Sekundenbruchteil gestattete sie sich die Frage, was Tom wohl bezüglich der Dessouskollektion von ihr wollen könnte, ehe sie jeglichen Gedanken an Arbeit aus ihrem Gehirn verbannte und auf Wochenend-Modus umschaltete, ihre Tasche schnappte und durch das mittlerweile leere Büro zum Fahrstuhl lief.

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Tom hatte keine Ahnung, wie er den Tag überstanden hatte, als er schließlich den Wagen in einer Seitenstraße parkte. Gefühlte hundert Mal hatte er versucht, Anna zu erreichen, um ihr seine Idee bezüglich der Dessouskollektion mitzuteilen. Doch die Blondine war laut ihrer Assistentin den ganzen Tag außer Haus. Bis halb sechs hatte er in seinem Büro gesessen und auf ihren Rückruf gewartet, darauf gehofft, dass sie die Nachricht über seinen Anruf doch noch vor dem Wochenende erhalten würde. Am Ende hatte er jedoch die Tatsache akzeptiert, dass er wohl oder übel bis Montag würde warten müssen. Mit diesem Gedanken verbannte er die Arbeit und alles was damit zu tun hatte in den hintersten Winkel seines Hirns und stieg aus dem Wagen. Es war kurz vor Acht. Der Abend war kühl, die Luft roch frisch von nahendem Schnee und die Straßenlampen warfen ihr künstliches Licht auf die ruhige Straße, die sich an eine Reihe von kleinen und größeren Geschäften mit ihren darüberliegenden Wohnungen schmiegte, aus denen vereinzelt Licht drang. Suchend sah er sich nach dem Ort des Treffpunktes um, als sein Blick schließlich auf ein eher unscheinbar wirkendes Restaurant fiel, über dessen Eingang der Name Goldelse prangte. Das muss es sein …, dachte er und beschleunigte seine Schritte. Leise Musik und das Gemurmel von Stimmen drang durch die erleuchteten Fenster an sein Ohr, während er vor der Tür innehielt und sich erneut fragte, ob er nicht doch besser den Rückzug antreten solle. Wie schon unzählige Male zuvor. „Nein“, murmelte er leise, wie um sich selbst erneut sein Vorhaben ins Gedächtnis zu rufen. Er würde dieses Date hinter sich bringen, einen netten Abend mit einem hoffentlich netten Gespräch haben und sich dann höflich verabschieden, um schließlich in seine Wohnung zurückzukehren – und zwar allein. Eine absolute Premiere, wie er feststellen musste, denn für gewöhnlich ging er nach einem Date mit einer Frau nie allein nach Haue. Ja, und normalerweise bist du auch nicht der Inbegriff eines nervösen Teenagers, der sich zum ersten Mal mit einer Frau trifft …, fügte sein männliches Ego sarkastisch hinzu, während sein Puls wie auf Kommando in die Höhe schoss.

Mit pochendem Herzen trat Tom näher und betätigte die Klinke. Noch einmal atmete er tief durch. Nun mach schon, sie wird schon nicht wie ein Zombie aussehen …, redete er sich gut zu und öffnete die Tür zu dem Lokal. Es war das erste Mal, dass er hierher kam, gehörte diese  Art von Lokalität für gewöhnlich nicht zu seinen bevorzugten Anlaufpunkten, wenn es darum ging, sich mit einer Frau zu treffen. Was das über sein Date aussagte, wusste er allerdings nicht wirklich zu sagen. Sobald er den Raum betrat, verstärkte sich das Gemurmel von gut zwei Dutzend Gästen. Neugierig sah er sich um. Das Restaurant war kleiner als er erwartet hatte und verströmte eine willkommen heimelige Atmosphäre, in der er sich seltsamerweise sofort behaglich fühlte. Etwas was nicht wirklich häufig vorkam. Geistesgegenwärtig ließ er den Blick schweifen, sämtliche Sinne auf besagten blauen Schal fokussiert, das Kennzeichen, was sein unbekanntes Date identifizierte. Es dauerte einen Moment, bis er in einer ruhigen Ecke eine Blondine ausmachen konnte, deren Hals ebenjener farbige Schal zierte. Sie hatte ihm den Rücken zugewandt. Nicht vordringlich aus Unhöflichkeit, wie er annahm, oder weil sie sich vor ihm zu verstecken versuchte. Nein, vielmehr lag diese Haltung der Tatsache zugrunde, dass sie in ein Gespräch mit einer älteren Blondine vertieft war und sich zu ihr vorgelehnt hatte. Der Kleidung der älteren Frau nach zu urteilen, arbeitete diese offensichtlich in diesem Restaurant. Die Köchin, nahm Tom an. Einen Moment lang beobachtete er die beiden Frauen interessiert. Es war nicht zu übersehen, dass sie einander kannten. Schützenhilfe? …, schoss es ihm spontan durch den Kopf. Hatte sein Date aus diesem Grund, diesen Treffpunkt gewählt? Sein Blick glitt über die Blondine, die ihm noch immer den Rücken zugewandt hatte. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Warum nur war er so aufgeregt? Das hier war schließlich ein Date wie jedes andere. Mit dem feinen Unterschied, dass er die Frau bisher noch nicht gesehen hatte ... und sie wohl auch nicht wieder sehen würde. Das war ihm spätestens gestern nach dieser ganzen Farce mit Anna, seinem Vater und diesem Konzept für die Dessouskollektion klar geworden. Er konnte es selbst noch nicht so recht begreifen, dass er diese Entscheidung getroffen hatte. Aber irgendwie fühlte sie sich richtig an. Und warum sind wir dann hier? …, maulte sein männliches Ego überaus missgestimmt. Willst du mich quälen? Nein, das war ganz sicher nicht der Grund. Klar hätte er dieses Date auch einfach unter einem unverfänglichen Vorwand abblasen können. Aber nach langem Hin und Her war er schließlich zu dem Schluss gekommen, dass diese Unbekannte, die nicht zuletzt auch ein Grund für seinen mysteriösen Sinneswandel war, es nicht verdient hatte, einfach forsch abgewiesen zu werden. Also hatte er sich dazu entschlossen, sie zu treffen und einfach einen netten Abend mit ihr zu verbringen. Fast beiläufig tastete seine Hand über sein Jacket, unter dem er die Rose fühlte, die er auf dem Weg hierher in einem kleinen Blumenladen erstanden hatte – sein Erkennungsmerkmal – und machte einen Schritt in Richtung des Tisches, an dem die Blondine saß, als die ältere Frau selbigen im nächsten Moment verließ. Sein Herz setzte für einen Moment aus, nur um dann doppelt so schnell weiter zu schlagen. Was sollte er tun? Einfach hingehen? Und während er noch nach einem geeigneten Anfang suchte, schien die nachfolgende Szene sich wie in Zeitlupe abzuspielen. Auf halbem Weg hielt die ältere Frau, von der Tom annahm, dass sie die Köchin dieses Restaurants war, inne und wandte sich um. Was sie der Blondine am Tisch, die sich auf den Ruf der Älteren hin abrupt umwandte, zurief, registrierte Tom nicht mehr. Denn er erstarrte mitten im nächsten Schritt, während ihm im selben Moment das Blut aus dem Gesicht wich. Seine Gedanken kamen unvermittelt zum Stillstand als seine Augen ein Gesicht erfassten, das ihm nur zu vertraut war. Oft genug hatte es ihn in seinen Träumen verfolgt. Und die Welt schien zum Stillstand zu kommen, während sein Blick unverwandt auf der Frau mit dem blauen Schal ruhte. Anna.

Erst mit deutlicher Verzögerung ging Tom auf, dass er mitten im Raum stehen geblieben war. Er brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, dass er in seiner Erstarrung wie jemand wirken musste, der von spontaner Geistesgestörtheit erfasst worden war. Und einen weiteren Moment lang bedurfte es, bis er sich aus dieser unvermittelten Faszination gerissen hatte und wieder in der Realität angekommen war. Hin und her gerissen zwischen Gehen und Fliehen trat er schließlich zum Tresen und rettete sich aus dieser fragwürdigen Situation. Seine Gedanken kreisten wild durcheinander. Er brauchte dringend etwas zu Trinken … und einen klaren Kopf. Dass beides nicht wirklich miteinander vereinbar war, interessierte ihn im Moment nicht im Geringsten. Etwas unbeholfen ließ er sich auf den Barhocker sinken und dankte dem Umstand, dass selbiger seinen weichen Knien die nötige Entspannung brachte, während sein Hirn auf Hochtouren zu arbeiten begann. Verdammt, verdammt, verdammt …, fluchte er leise in sich hinein. Anna ist Little Sweetheart.  Anna ist Little Sweetheart … Oh Gott … Er hatte ja vieles erwartet, als er vor wenigen Minuten dieses Lokal betreten hatte. Aber das hätte er nicht für möglich gehalten. In einer Million Jahren nicht. Sekundenlang starrte er blicklos auf die sorgsam geputzte Vitrine vor sich, in der sich ein Glas an das andere reihte. Er atmete leise ein und wieder aus, schloss kurz die Augen, bevor er einen verstohlenen Blick zu seiner Linken wagte. Hatte sie ihn bemerkt? Offenbar nicht, denn Anna saß noch immer an ihrem Tisch, ein Glas Cola mit beiden Händen umfangen. Sie wirkte angespannt. Ein flüchtiger Blick auf ihre Uhr, ein nervöses Trommeln mit den Fingern. Sie wartete. Auf ihn. Tom schloss die Augen und seufzte schwer. Na wunderbar, da hast du dich ja wirklich in eine schöne Scheiße hineinmanövriert …, ging es ihm frustriert durch den Kopf. So ein Quatsch … Jetzt mach aber mal halblang, Alter …, meldete sich sein männliches Ego zu Wort. Das ist doch die Gelegenheit … Jetzt, wo ihr Date sie versetzt hat …, bemerkte es ironisch … braucht sie bestimmt jemanden, der sie tröstet. Also mach schon … Tom verdrehte leicht die Augen und unterdrückte ein leises Knurren. Konnte dieser nervtötende Besserwisser nicht einfach mal die Fresse halten? Klar konnte er direkt zu Anna rübergehen, den Überraschten mimen und sich als Tröster aufspielen. Aber wäre das richtig? Davon mal abgesehen war er sich ziemlich sicher, dass sie ihn direkt in die Wüste schicken würde, anstatt sich ausgerechnet von ihm trösten zu lassen, weil sie offensichtlich versetzt worden war. Okay, … und wie wäre es dann mit Good Old Nick …, säuselte sein männliches Ego. Immerhin seid ihr für heute verabredet. Nachdenklich strich Tom sich über das Kinn. Das könnte in der Tat funktionieren. „Kann ich Ihnen etwas zu Trinken bringen?“, fragte eine Stimme in seine quälenden Gedanken hinein. Mit einiger Verzögerung hob er den Blick und erkannte die ältere Blondine, die sich vorhin mit Anna unterhalten hatte. „Und?“, hakte sie mit einem freundlichen Lächeln nach, als er nicht reagierte. „Ja. Ähem … Kaffee …“, stotterte er und schalt sich einen Volltrottel, weil er in seiner Verwirrung nicht mal eine Bestellung freundlich und sachlich auf die Reihe bekam. Er war völlig durch den Wind. Und du bist daran schuld …, dachte er im Stillen, wobei sein Blick erneut wie zufällig zu Anna glitt und dort für einen Moment verweilte. Ihrem Gesicht war die Enttäuschung deutlich anzusehen, und Tom spürte den Stich in seinem Herzen als ihm erneut klar wurde, dass er der Grund für ihre Niedergeschlagenheit war. Aber wie hätte er auch ahnen können, das Anna Little Sweetheart war? Ich sollte es zumindest wieder gut machen …, ging es ihm durch den Kopf. Aber wie? Du weißt, wie … Seufzend senkte er den Blick. Auch wenn ihm nicht recht wohl dabei war, aber eine bessere Gelegenheit würde er wohl nicht bekommen, Anna endlich näher zu kommen. Und wenn du es geschickt anstellst, kannst du ihr sogar ein paar Geheimnisse entlocken und mehr über sie erfahren …, säuselte sein männliches Ego und setzte ein lässiges Grinsen auf. Ein überaus verlockender Gedanke. Wieder entfuhr Tom ein Seufzen. Dann griff er nach der Tasse mit der dampfenden braunen Brühe und trank sie aus. Mit einem letzten flüchtigen Blick auf Anna und einem wirklich schlechten Gefühl im Magen verließ er das Lokal und machte sich auf den Weg nach Hause.

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Zuletzt von Mini_2010 am Mo Jul 08 2013, 22:43 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mo Jul 08 2013, 20:49

Hmpf!
Was tut er da? Muss man diesen Mann verstehen? aufdiemütze 
Also ich war ja schon einigermaßen überrascht über Annas und Toms Gedanken und ich hatte, als Tom Anna nicht erkannt hatte, ein wirklich schlechtes Gefühl was nun passieren würde. Ich war froh, dass er sie dann doch noch erkannt hat und frühzeitig abdrehen konnte. Aber, warum zum Teufel spielt er jetzt das Spielchen mit GON weiter. Wäre es nicht sinniger gewesen, ihr real, als Tom zu begegnen. Wie kommt er denn aus der Nummer mit  GON wieder heraus? Rolling Eyes 
Oh Mann, der Teil hinterlässt irgendwie einen schwermütiges Gefühl in mir.
Aber so wie ich dich kenne, meine liebe Mini, wirst du mich noch so einige Male überraschen und es kommt doch alles anders als man denkt, na ja, als ich denke.
Also bleibe ich gespannt, was als nächstes passiert.

LG, Katha gib5

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Carla3939

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mo Jul 08 2013, 23:13

Nein bitte nicht Shocked .Tom soll zurück gehen, und sich stellen.Komm Tom sei ein mann zeig ihr wie toll du sein kannst. Toms Ego find ich echt lustig ich mußte echt lachen. Ich hoffe das er doch noch zu Anna geht und ehrlich ist. Anna steht doch auf ehrliche Menschen.Das war ein toller teil, ich freue mich schon wenn es weiter geht. Lg.Carla Wink 

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Sonnenschein
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   So Jul 14 2013, 19:21

Oh, Gott das hat er nicht gemacht. Das ist ein echter Hornochse, hoffe auf eine Fortsetzung und neuner Hoffnung Smile
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Do Jul 18 2013, 12:16

Hallo Mini,
ich wollte ja eigentlich nicht drängeln, vor allem weil ich grad selber nicht so flott bin, mit neuen Teilen.

Aber, ich habe mich hier gerade so rumgeärgert ...
Deshalb, ich brauche dringend mal wieder Stoff für mein Seelchen
Bitte, Bitte, Bitte brav

Drück gib5 Dich!
Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Do Jul 18 2013, 21:16

Danke für eure lieben Kommis ... hab mich sehr gefreut ...

Leider muss ich euch mit der Fortsetzung noch ein wenig vertrösten. Hab einen neuen Rechner und darauf noch kein MS Office, so dass ich parallel an zwei Rechnern arbeiten muss, was ein wenig umständlich ist.

Der neue Teil ist in Arbeit, wenn auch ich mich damit im Moment verdammt schwer tue ... lesemist 

Danke für eure Geduld.

Liebe Grüße
Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Jul 23 2013, 00:02

Juhu ... endlich funktioniert die Technik wieder ... Hat ja lange genug gedauert. Auch wenn der neue Teil mich nicht so hundertprozentig überzeugt, hoffe ich, dass er Gefallen findet ... LG, Mini  lesemist 

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Teil 33

Tom hatte keine Ahnung, wie es ihm gelungen war, unversehrt nach Hause zu kommen. Vollkommen von seinen Gedanken beherrscht hatte er nach seinem hastigen Aufbruch in der Goldelse den Wagen durch die Stadt zu seiner Wohnung gelenkt, dabei mindestens eine rote Ampel überfahren und zwei anderen Verkehrsteilnehmern die Vorfahrt genommen – wildes Hupkonzert und ausgestreckte Mittelfinger inklusive. Und nun stand er hier auf dem Parkplatz vor seiner Wohnung, mit rasendem Herzen und wirren Gedanken, vollkommen ratlos, was er jetzt tun sollte. Dass Anna sein Date gewesen war, beanspruchte sein Hirn mehr als es gesund für ihn war. Doch noch viel mehr als das machte ihm die Tatsache zu schaffen, dass er sich wie ein feiger Hund davongeschlichen und die Aussicht auf einen schönen Abend zugunsten des Feiglings in ihm zerstört hatte. Noch immer könnte er sich dafür in den Hintern treten. Aber wer wusste schon, ob sich seine Entscheidung nicht am Ende doch noch als richtig erweisen würde. Als sich erneut Annas enttäuschtes Gesicht vor sein inneres Auge schob, stöhnte er gequält auf. Gott, manchmal konnte er wirklich ein echter Arsch sein, so sehr ein Arsch, dass er manchmal gar nicht mehr wusste, wie man ein wahrer Gentleman war. Ja, vielleicht solltest du es mal mit einen Auffrischungskurs an der Abendschule versuchen … „Gentleman leicht gemacht – für echte Arschlöcher“ und dann hängst du gleich noch den Kurs für Fortgeschrittene hinten an …, ätzte sein Unterbewusstsein derart sarkastisch, dass sogar seinem männlichen Ego für einen Sekundenbruchteil die Spucke wegblieb.

Wie auch immer, was passiert war, war nun mal passiert. Er könnte es auf die Ungerechtigkeit des Lebens oder das Schicksal schieben, aber das wäre wohl zu einfach. Dann beweg endlich deinen Arsch und lerne daraus …, mahnte ihn sein Unterbewusstsein streng. „Und wie?“, murmelte er zerknirscht vor sich hin. Indem du deinen Informationsvorteil zu deinen Gunsten nutzt …, schmeichelte dein männliches Ego, woraufhin sein Unterbewusstsein ihm einen zornigen Blick zuwarf. Erschöpft ließ Tom den Kopf gegen die Kopfstütze fallen und seufzte tief, bevor er sich aufraffte und den Wagen verließ, um in seine Wohnung zu gehen. Dort angekommen, umfingen ihn sogleich die tristen Wände, die er nur zu gern zu meiden versuchte. Sein Blick fiel auf den Laptop, und abermals bestürmten ihn die Erinnerungen des Abends. Ein Gefühl von Schuld grub sich in seine Eingeweide, als er an Anna und ihren enttäuschten Gesichtsausdruck dachte, und sein Fluchtinstinkt regte sich erneut. Doch statt diesem nachzugeben, ließ er sich schwerfällig auf das Sofa fallen, griff nach seinem Laptop und schaltete es ein. Was tue ich hier eigentlich? ..., fragte er sich, während sein Gewissen lautstark in seinen Ohren brüllte und seine Finger wie von selbst über die Tastatur glitten.

GOOD OLD NICK: Hey, bist du da?
LITTLE SWEETHEART: Ja.
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Er zuckte leicht zusammen, als die Antwort so prompt auf seinem Bildschirm aufflammte. Nach allem was passiert war, hätte er ehrlich nicht damit gerechnet, dass sie tatsächlich online sein würde. Nun mach schon ..., drängelte sein männliches Ego. Hältst du das für eine gute Idee? ..., mischte sich sein Unterbewusstsein ein. Eine gute Idee? Mit Sicherheit nicht. Aber was soll ich denn sonst tun? Wenn ich als Dr. Lover schon versage, dann wenigstens nicht als Good Old Nick ... Die beiden Streithähne ignorierend, tippte er eine Antwort.

GOOD OLD NICK: Und, wie war’s?
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Schuldbewusst biss Tom sich auf die Lippe und starrte angespannt auf seinen Bildschirm. Sekunden vergingen, in denen nichts geschah. Antworte! Antworte … Warum nur antwortete sie nicht? Gerade wollte er nachfragen, ob sie noch da war, als jenes vertraute leise Pling ertönte und sein Puls schlagartig in die Höhe schoss.

LITTLE SWEETHEART: Ich hab gleich gewusst, dass das eine Scheißidee war. Ich hätte direkt auf mein Gefühl hören und es abblasen sollen.
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Mit hämmerndem Herzen las Tom Annas Antwort und erstarrte. Scheißidee? Oh Mann, du hast es wirklich voll verkackt …, fluchte er innerlich und schalt sich ein Riesenrindvieh. Ich hätte doch zu ihr hingehen sollen …, dachte er. Klar, und sie hätte dich mit Sicherheit eiskalt stehen gelassen, so wie damals auf der Verlobungsparty. Glaub mir Alter, das wäre uns noch schlechter bekommen …, mischte sich sein männliches Ego ein und reckte pikiert das Kinn vor. Davon mal abgesehen hättest du dir vermutlich jegliche Möglichkeit auf eine spätere Chance grundlegend versaut. Na gut, diese Tatsache konnte Tom nicht gänzlich von der Hand weisen, dafür kannte er Anna und ihr ungestümes Temperament bereits zu gut. Allerdings brachte ihn diese Einsicht im Augenblick keinen Millimeter weiter. Immer und immer wieder las er die letzten Worte und seufzte tief. Aber warum? … Nachdenklich zog er die Stirn kraus, während ihn ein seltsames Gefühl überkam. Verdammt, er musste es wissen …

GOOD OLD NICK: Was meinst du mit Scheißidee? Das Treffen?
LITTLE SWEETHEART: Nein, dieser ganze Quatsch mit der Singlebörse …
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Hab ich doch gleich gewusst, dass da was faul ist …, dachte Tom, sobald er ihre Antwort verinnerlicht hatte. Aber warum wählt sie eine Singlebörse, um jemanden kennen zu lernen, wenn ihr das nicht wirklich behagt? Neugierig geworden, setzte er zu einer Antwort an …

GOOD OLD NICK: Hast du was gegen Singlebörsen?
LITTLE SWEETHEART: Ja.
GOOD OLD NICK: Warum bist du dann auf einer unterwegs, wenn du das eigentlich nicht magst?
LITTLE SWEETHEART: Das kann ich dir sagen. Weil ich es mir hab aufquatschen lassen.
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Überrascht zog Tom die Brauen hoch. Ach, wie interessant …, ging es ihm ironisch durch den Kopf. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Wurde er nicht auch mehr oder weniger zu dieser Geschichte hier überredet? Seufzend rollte er die Augen …

GOOD OLD NICK: Geht mir ähnlich. Ich glaub, wir haben mehr gemeinsam, als ich zunächst dachte … Warum hast du nicht einfach Nein gesagt?
LITTLE SWEETHEART: *Augenverdreh* Weil meine beste Freundin damit gedroht hat, mich mit dem besten Freund ihres Verlobten zu verkuppeln, wenn ich nicht mitmache …
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Wie bitte? Schockiert über diese Offenbarung starrte Tom auf den Bildschirm. Moment mal, … Anna …, der Verlobte ihrer … Paloma … Fassungslos hielt er inne, als ihn die plötzliche Erkenntnis traf. Oh Gott, die meint mich … Nicht sicher, ob er erfreut sein sollte über diese Erkenntnis, oder doch eher sauer, weil man ihn augenscheinlich als Buhmann missbrauchte, ballte er die Hände zu Fäusten. Wieso ich? Und verdammt, … was zum Teufel hat sie gegen mich? …, fragte er sich, den Groll entschieden zurückdrängend, der ihn augenblicklich zu überwältigen drohte. Finde es doch heraus …, säuselte sein männliches Ego mit einem ironischen Unterton in der Stimme. Offenbar schien ihm diese Wendung der Geschehnisse genauso wenig zu begeistern. Warum auch? Aber in einem Punkt hatte sein männliches Ego Recht, er sollte die Gelegenheit nutzen und einfach noch ein bisschen nachbohren. Das nagende Schuldgefühl verdrängend bog er die Finger durch, sodass die Knöchel knackten und begann erneut zu tippen …

GOOD OLD NICK: Was ist denn so schlimm an dem Freund des Verlobten deiner Freundin?
LITTLE SWEETHEART: Ich weiß nicht, er ist einfach … er geht mir auf die Nerven.
GOOD OLD NICK: Und warum?
LITTLE SWEETHEART: Seine ganze Art. So machohaft. Der will doch nur das Eine.
GOOD OLD NICK: Ist das nicht ein bisschen voreingenommen?
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Die letzten Worte hatte Tom unter Aufbietung all seiner Selbstbeherrschung verfasst. In letzter Sekunde noch hatte er verhindern können, dass die Antwort derart harsch ausfiel, dass Anna direkt Verdacht geschöpft hätte. Bleib ruhig …, ermahnte er sich wieder einmal und holte tief Luft, bevor er ihre Worte rekapitulierte. Ein Macho, der nur das Eine will? Gut, er war sicherlich kein Waisenknabe, aber das? Das ist doch pure Behauptung. Eine bodenlose Frechheit. Und das würde er so auch nicht auf sich sitzen lassen. Der will doch nur das Eine …, pah …, dachte er bei sich, während sich die Szene in Enriques Wohnzimmer am Tag seiner Verlobungsparty glasklar vor seinem inneren Auge abspielte. Er war doch nur nett gewesen. Einfach nur nett … Klar, aber deine Absichten waren alles andere als nett und so was von eindeutig …, flötete sein männliches Ego mit zuckersüßer Stimme. „Halt die Klappe.“, knurrte Tom leise, woraufhin es voller Entrüstung die Arme vor der Brust verschränkte, sich hoch erhobenen Hauptes umwandte und beleidigt davonstiefelte, als eine neue Nachricht eintraf …

LITTLE SWEETHEART: Ich kenne diese Sorte Mann. Erst umgarnen sie einen, versprechen den Himmel auf Erden und dann lassen sie einen fallen …
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Mhmm … klingt nach einer ordentlichen Portion schlechter Erfahrung …, dachte Tom instinktiv und fragte sich unweigerlich, was vorgefallen war, dass Anna so abweisend reagierte. Und er würde es herausfinden. Irgendwie. Und wenn er ihr persönlich gegenübertreten müsste. Das will ich sehen …, bemerkte sein männliches Ego und schickte ein hämisches Grinsen um die Ecke. Tom ignorierte den Seitenhieb, beschäftigte ihn doch vielmehr die Tatsache, dass ausgerechnet die Frau, die ihm vom ersten Moment ihrer Begegnung an derart den Kopf verdreht hatte, dass er kaum noch geradeaus denken konnte, einen ihr völlig Fremden einfach in die Macho-Schublade steckte, nur weil er für ihren Geschmack ein wenig zu … freundlich gewesen war …

GOOD OLD NICK: Und du meinst, er ist genauso? Denkst du nicht, dass deine Erfahrung dich vielleicht vorschnell urteilen lässt …
LITTLE SWEETHEART: Nein, das tue ich nicht! Er hat mich ziemlich plump angegraben … Und das geht ja mal gar nicht. Davon mal abgesehen eilt sein Ruf ihm voraus …
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Plump angegraben? Toms Augen weiteten sich verblüfft, während sein Blick starr auf die alles sagenden Worte gerichtet war, die einer schallenden Ohrfeige gleichkamen. Ich war doch nur nett gewesen … Na gut, vielleicht ein bisschen zu nett …, resümierte er knapp. Und was bitte heißt, … „mein Ruf eilt mir voraus“? Gut, es war ihm durchaus nicht neu, als Weiberheld oder Herzensbrecher betitelt zu werden, der jeden dritten Tag eine Andere im Bett hatte. Und unter anderen Umständen hätte er diese Aussage auch mit einer lässigen Handbewegung abgetan und sie in jene Schublade gesteckt, in der schon haufenweise anderer derartiger Aussagen lagen. Denn es war ihm schlichtweg egal, was andere über ihn dachten. Mit Ausnahme von Anna. Sie sollte nicht so über ihn denken. Warum nicht? Bei den anderen Weibern, war es dir doch auch völlig wurscht …, schnaubte sein männliches Ego herablassend. „Weil es hier um Anna geht.“, knurrte Tom leise vor sich hin. Ach soooo … na wenn das so ist … „Wie kann sie einfach alles glauben was man ihr sagt?“ Weil es die Wahrheit ist … „Verdammt noch mal, kannst du nicht jemand anderen mit deinen Weisheiten auf die Nerven gehen.“, murmelte Tom leise vor sich hin, woraufhin die lästige Stimme in seinem Kopf vergnügt vor sich hingrunzte. Wenn du ehrlich bist, hat sie doch völlig Recht mit dem was sie sagt …, meldete sich abermals sein Unterbewusstsein. Ja, vielleicht. Nein, ich bin nicht so. Wenn es darauf ankam, konnte er den Herzensbrecher durchaus auch zu Hause lassen. Ach ja, …, gluckste sein männliches Ego vergnügt. Du gehst ohne den Macho doch nicht mal aufs Klo. Wütend presste Tom die Lippen aufeinander und verdrängte die Stimme, während er überlegte, was er antworten sollte. Dann holte er zum Gegenschlag aus …

GOOD OLD NICK: Für mich klingt das eher nach Beziehungsphobie.
LITTLE SWEETHEART: Beziehungsphobie? So ein Quatsch. Ich verfüge über ausreichend Erfahrungen in solchen Dingen. Ich bin eben … vorsichtig …
GOOD OLD NICK: Ausreichend schlechte Erfahrungen? Was ist passiert?
LITTLE SWEETHEART: Ist kompliziert.
GOOD OLD NICK: Los, raus mit der Sprache!
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Gebannt starrte Tom auf den Bildschirm, während unablässig diese eine Frage durch seine Hirnwindungen schlich. Was war Anna passiert, dass sie eine derartige Aversion gegen seinesgleichen hegte? Denn soviel war ihm mittlerweile klar, er schien offenbar nicht der Einzige zu sein, dem sie mit Ablehnung begegnete. Fünf Sekunden später sprang Annas Status lautlos auf offline um, und Tom stieß frustriert die Luft aus. Vergiss sie …, hörte er sein männliches Ego trällern. Doch das wollte Tom nicht ... das konnte er nicht. Seit ihrer ersten Begegnung ging sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Und er wollte mehr erfahren über die Frau, die ihm seit Tagen den Schlaf raubte, seine Gedanken völlig für sich einnahm. Oh bitte, jetzt sag nicht, dass du dich in die Tussi verknallt hast …, stöhnte sein männliches Ego, was Tom mittlerweile ziemlich auf den Wecker ging. Konnte es nicht einfach mal verschwinden? Gedankenverloren starrte er auf seine letzte Nachricht, während sich dieser flüchtige Gedanke mehr und mehr in seinem Kopf manifestierte und sich dort langsam festzusetzen begann. Hatte er sich verliebt? Er schnaubte abfällig. Ich und verliebt? Tse, das müsste ich doch wohl merken …, dachte er zerknirscht. Gott, du bist wirklich erbärmlich. Merkst du überhaupt was? …, spottete sein Unterbewusstsein. Mit einem lauten Knall klappte Tom den Laptop zu und stellte ihn auf den Tisch. Wütend stemmte er sich von seinem Sofa hoch und begann, ziellos durch seine Wohnung zu laufen, während er versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Zwecklos. Denn so sehr er sich auch bemühte, es gelang ihm nicht, die Geschehnisse einfach als das abzutun, was sie für ihn sein sollten – eine ungünstige Aneinanderreihung bedauerlicher Ereignisse. Oh, sag bloß, du hast dein Gewissen entdeckt …, ätzte sein Unterbewusstsein, und Tom wünschte sich, es würde wie sein männliches Ego auch mal die Fresse halten. Die beiden konnten einem wirklich auf die Nerven gehen.

Sichtlich frustriert blieb er vor dem Küchenfenster stehen und rieb sich mit fahrigen Händen über das Gesicht. Kopfschüttelnd starrte er in die Nacht hinaus, während er die Fakten zusammentrug. Da war diese unsägliche Verlobungsfeier, auf der er Anna begegnet war. Seit dem ging ihm diese Frau nicht mehr aus dem Kopf, ja er verzehrte sich regelrecht nach ihr. Dann hatte er sich auf dieser bescheuerten Singlebörse angemeldet und Little Sweetheart kennen gelernt. Und genau in dem Moment als ihm klar geworden war, dass diese Chatbekanntschaft nicht mehr als eine nette Begegnung sein würde, entpuppte sich diese als Anna Polauke. Daraufhin hatte er das Weite gesucht. Und nun stempelte ihn genau diese Frau als Angehörigen der Gattung „Männliches Arschloch“ ab - ohne ihn wirklich zu kennen. Prima. Das war zusammengefasst so ziemlich der beschissenste Wochenendstart seines Lebens. Aber du musst schon zugeben, dass sie Recht hat. Du bist ein Arschloch …, teilt ihm sein Unterbewusstsein ungerührt mit. Ja, … Nein, das bin ich doch gar nicht. Nicht wirklich ... Jedenfalls nicht so, wie sie es schreibt …, knurrte er innerlich, wandte sich vom Fenster ab, nur um eine Sekunde später reglos an Ort und Stelle zu verharren. Ergibt das irgendeinen Sinn? Aufgebracht und völlig verwirrt fuhr er sich mit den Händen durchs Haar und begann erneut, ratlos wie ein Tier in seinem Wohnzimmer auf und ab zu laufen. Nein, zumindest keiner der sich meiner Logik erschließt …, meldete sich sein männliches Ego zu Wort, was sich lässig gegen den Türrahmen gelehnt hatte und ihn mit eindringlichem Blick ansah. Es ist Freitag. Geh aus, amüsier dich mal wieder. Du hast lange genug auf Spaß verzichtet … Vielleicht vergisst du dann die Tussi … Ausgehen? Und wohin? Er warf einen kurzen Blick auf seine Uhr. Kurz vor zehn. Es war noch nicht wirklich spät, um den Abend doch noch zu retten. Eilig durchforstete er seine Möglichkeiten. Dann griff er zu seinem Telefon und wählte eine Nummer. Es läutet zweimal, dann wurde abgenommen. „Tom?“, meldete sich eine weiche Stimme am anderen Ende. Gelächter und laute Musik drang durch das Handy an sein Ohr. Tom holte tief Luft und kratzte das letzte bisschen Charme zusammen, von dem er hoffte, dass er nicht gänzlich durch seine wachsende Frustration vertrieben worden war. „Carla. Hast du Lust, auf einen Drink mit mir zu gehen?“, fragte er auf jene Weise, mit der er schon unzählige Frauenherzen erobert und in sein Bett gelockt hatte. Für einen Moment dominierte Schweigen am anderen Ende, was lediglich durch die bereits vernommene Geräuschkulisse aus Musik und lachenden Stimmen erfüllt wurde. „Ähem … ja, gerne. Ich bin nur gerade mit Virgin im Cheers.“, vernahm er schließlich ihre Stimme. Das ist gut …, durchfuhr es Tom mit einem Anflug von Erleichterung. Das Cheers war ein kleine noble Bar nur drei Straßen von seiner Wohnung entfernt. Genau das Richtige, um auf andere Gedanken zu kommen. „Kein Problem, ich bin in fünfzehn Minuten da. Nicht weglaufen.“, erwiderte er knapp und legte auf, noch bevor Carla etwas erwidern konnte.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Jul 23 2013, 16:04

Liebe Mini,das war wieder mal ein super Teil super . Ich finde Toms Gedanken so lustig Laughing .Bitte schreibe schnell weiter, ich möchte schnell wissen wie es weiter geht.Ich wünsche dir einen sonnigen Tag. Lg. Carla

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi Jul 24 2013, 23:38

Ja, ja, der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand - so, oder so ähnlich hieß das doch, oder?  Braucht sich gar nicht so aufzuregen, der junge Mann. Wenn ich da so an seine Gedankengänge auf der Verlobungsfeier zurück denke ... Aber, nach Sage und Schreibe 3 Wochen Abstinenz - unglaublich, wie "Mann" das wohl ausgehalten hat ?-  darf man schon mal davon ausgehen, dass man ja eigentlich ein ganz Guter ist.
Aber jetzt mal ernsthaft, Toms gekränkter Stolz ist schon sehr passend für Männer eben jener Macho-Schublade, in die er ja angeblich nicht gehört. Völlig überzeugt von sich. Schön, dass Anna ihm mal gesagt hat, dass er sie ganz schön plump angegraben hat.
Und was macht er jetzt, unser Gutmensch? Ruft Carla an, die ja scheinbar ziemlich auf ihn steht. Da bin ich ja mal gespannt, ob er sein angeknackstes Ego mit ihrer Hilfe aufpoliert, oder ob er doch allein nach Hause geht ...
Wir werden es hoffentlich erfahren ... Das 'bald' lass ich in dem Satz mal weg. Komm ja selbst gerade gar nicht zum Schreiben.
Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Do Jul 25 2013, 21:08

Danke, Carla und Katha ... hab mich über eure Kommis gefreut. Der nächste Teil ist in Mache. Hoffe, dass ich ihn euch bald posten kann - sofern die Hitze mein Hirn nicht völlig auflöst ... write 

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi Jul 31 2013, 22:31

Juhuuu ... da bin ich wieder. Mit einem neuen Teil. Ich hoffe, er gefällt. Viel Spaß ... LG, Mini

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Teil 34

Seit nunmehr drei Stunden saß Anna, noch immer aufgewühlt von den Ereignissen des Abends, vor dem Fenster in ihrem Zimmer und starrte in die Nacht hinaus. Es hatte zu schneien begonnen, und für einen Moment nahm Anna die willkommene Ablenkung, die dieser Anblick mit sich brachte, dankbar an. Doch viel zu schnell fanden ihre Gedanken zu den Geschehnissen des Abends zurück. Und obwohl sie irgendwo tief in ihrem Inneren froh darüber war, dass es schlussendlich nicht zu diesem Date gekommen war, brodelte dennoch ein seichter Zorn in ihr. Warum das so war, konnte sie sich allerdings nicht so recht erklären. Nun, vielleicht lag es daran, dass sie eine geschlagene Stunde allein an einem Tisch gesessen und immer wieder die mitleidigen Blicke der anderen Gäste auf sich gespürt hatte. Irgendwie war es ihr schrecklich unangenehm vorgekommen, hatte sie doch unmissverständlich den Eindruck einer Frau, die zweifellos … sitzengelassen worden war, vermittelt. Wieder einmal. Doch das war nicht der einzige Grund, weshalb sie so aufgewühlt war. Denn mehr noch als dieses vermaledeite Date beschäftigte sie der Umstand, dass sie Good Old Nick dafür benutzt hatte, ihren Frust abzureagieren. Dabei hatte er doch am allerwenigsten Schuld daran. Und anstatt auf seine vagen Versuche, sie auf andere Gedanken zu bringen, einzugehen, hatte sie ihn zur Zielscheibe gemacht. Genau …, stimmte die Stimme der Vernunft voller Inbrunst zu. Einfach abhauen und ihn stehen lassen ... tse … wirklich nicht nett. Nein, das war es ganz und gar nicht, wie Anna sich im Nachhinein eingestehen musste. Und daran ist nur dieser Dr. Lover schuld. „Vollidiot …“, murmelte sie leise vor sich hin, und ihre Wut kehrte zurück. Stärker als zuvor. „Und wenn du glaubst, dass es damit gegessen ist, hast du dich gewaltig getäuscht.“ Entschlossen, ihrem Groll das Ventil zu geben, nachdem er verlangte, erhob sie sich aus den gemütlichen Kissen, setzte sich an ihren Tisch und öffnete erneut den Laptop …

Nur fünf Minuten später klappte sie das Gerät wieder zu und stieß einen Seufzer aus, der von einem zufriedenen Lächeln begleitet wurde. Das musste einfach mal gesagt werden ..., dachte sie bei sich und nickte mit grimmiger Entschlossenheit, so als wolle sie ihre Tat zusätzlich bekräftigten. Die Zeiten, dass sie sich von einem Mann hatte verarschen lassen, waren lange vorbei. Ebenso jene, in denen sie ihren Unmut darüber in sich hineingefressen hatte. Sie gähnte herzhaft und rieb sich müde über die Augen. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es kurz vor zwölf war. Zeit fürs Bett …, dachte sie bei sich und schlüpfte aus ihren Klamotten. Mit einem seligen Lächeln schloss Anna die Augen. Für einen Sekundenbruchteil blitzte Tom Lanfords Gesicht vor ihrem geistigen Auge auf. Sie stutzte, versuchte, das Bild zu schärfen, fand aber keine Kraft, es festzuhalten. Und während der willkommene Sog sie erfasste und langsam ins Land der Träume führte, fragte sie sich noch, was Tom heute Abend in der Goldelse gewollt hatte. Ja, sie hatte ihn ganz klar erkannt. Und es hatte sie wahrlich verwirrt, nicht zuletzt, weil er in seiner Erscheinung irgendwie fehl am Platz gewirkt hatte. Aber damit würde sie sich morgen beschäftigen, wenn sie wieder klar war. Dann ergab sie sich der willkommenen Schwere und alle Gedanken wirbelten davon …

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Kaum fünfzehn Minuten nachdem Tom das Gespräch mit Carla beendet hatte - na ja, Gespräch war wohl der falsche Begriff - betrat er das Cheers und stieg die wenigen Stufen, die in den Keller führten, hinab. Laute Musik und zuckendes Licht begrüßte ihn als der bullige Türsteher ihm wortlos die Tür öffnete und vertrieb für einen Moment die Gedanken, die ihn schon den ganzen Abend beschäftigten. Seit er fluchtartig die Goldelse verlassen hatte. Gewohnheitsgemäß glitt sein Blick über die tanzende Menge, die abwechselnd in blaues, rotes und weißes Licht getaucht wurde. Es war voll. Für einen Freitagabend keineswegs ungewöhnlich und schon gar nicht für einen noblen Schuppen wie das Cheers, in dem sich vorwiegend die besser betuchte Gesellschaft vergnügte. Es dauerte einen Moment, bis er Carla auf der anderen Seite der Tanzfläche entdeckt hatte. Sie saß in einer der mit komfortablen Ledersofas ausgestatteten Nischen, die - abseits der Tanzfläche - für ein gewisses Maß an Intimität sorgten und für gewöhnlich mit knutschenden Pärchen bevölkert waren. Sie war mit Virgin, der neben ihr saß, in ein Gespräch vertieft. Für einen Moment erwog Tom den Gedanken, sich einen Weg durch die tanzende Menge zu bahnen und den beiden Gesellschaft zu leisten, entschied sich in letzter Sekunde jedoch dagegen und steuerte stattdessen den nächstliegenden Tresen an und ließ sich auf einen der Barhocker, der gerade frei geworden war, nieder. Gegen seinen Willen schob sich ein Lächeln auf sein Gesicht, als ihn unvermittelt das Gefühl eines Déjà-vu ereilte, verblasste jedoch sogleich wieder, als mit dem Déjà-vu auch die unangenehmen Details zurückkehrten. „Hey Tom“, riss eine vertraute Stimme ihn aus seinen trüben Gedanken. Tom sah auf und sein Blick erhellte sich. „Dee“, antwortete er und seine Lippen verzogen sich zu einem breiten Lächeln, als er seine Hand über den Tresen streckte. Der dunkelhäutige Barkeeper schüttelte sie, und sein Grinsen ließ weiße Zähne aufblitzen. „Lange her, dass du hier warst. Wie geht´s?“, erkundigte sich Dee. Tom stöhnte theatralisch und verdrehte leicht die Augen, woraufhin der Barmann auflachte. Ja, es war lange her, dass er hier gewesen war. Einen guten Monat, um genau zu sein. An jenem Abend hatte er Giselle hierher ausgeführt. Und sie hatten wirklich Spaß gehabt ... Ein frustrierter Seufzer entwich seiner Kehle. Hör auf, darüber nachzudenken. Du kannst es nicht mehr ändern ..., dachte Tom bei sich und schüttelte den Kopf, um den Gedanken an das was danach gekommen war, keine Chance zu geben, konnte das Gefühl von Reue, was unvermittelt in ihm aufstieg, jedoch nicht zurückhalten. Bis zu jenem unsäglichen Abend verkehrte er beinahe jeden dritten Tag in diesem Laden. Das Cheers war eine gute Adresse, um Bekanntschaften weiblicher Art zu machen. Ein oder zwei Drinks, ein nettes Gespräch und ... „Jack, wie immer?“, unterbrach Dees Stimme Toms Gedanken und holte ihn in die Gegenwart zurück. Er zögerte einen Moment, bevor er nickte, dankbar für diese Ablenkung. „Einen Doppelten.“, fügte er hinzu. Dees Brauen hoben sich, seine Mundwinkel zuckten amüsiert. „Verstehe, doppelter Stress ... hm ...?“, erwiderte er mit einem verschmitzten Augenzwinkern und langte mit sicherem Griff in das Regal über dem Tresen. Dee war eine angenehme Erscheinung. Ein guter Zuhörer mit der nötigen Portion Witz und einem wirklich anziehendem Charisma. Tom mochte es, ihm dabei zuzusehen, wie er mit Flaschen jonglierte und in beeindruckender Perfektion die wildesten Cocktailkreationen zauberte. Der geborene Barkeeper, mochte man meinen. Doch Tom wusste es besser, denn hinter dieser augenscheinlichen Sorglosigkeit verbarg sich eine eher traurige Geschichte. „Hey, alles okay, Kumpel?“, riss Dee Tom erneut aus seinen Gedanken. Der zuckte die Schultern. „Verabredet?“, fragte er weiter. Wieder ein Schulterzucken. Was sollte er schon sagen? Dass er sich aufgedrängt hatte, obwohl er gerade jetzt lieber alleine wäre? Tom war selten allein unterwegs. Und wenn er es doch einmal war, dann dauerte es in der Regel nicht lange, bis ein weiblicher Gast auf ihn aufmerksam wurde. Dees Blick glitt über Toms Schulter, während er sich unmerklich näher zu ihm beugte. „Dunkelhaarig ... auf ein Uhr.“, raunte er ihm zu und setzte wieder dieses ansteckende Grinsen auf. Dee wusste nur zu gut um Toms Bekanntschaften, was Tom allerdings wenig störte. Der Barkeeper war die Diskretion in Person - und schlussendlich kümmerte es ihn auch nicht wirklich. Auf Dees Wink hin warf Tom einen Blick über seine Schulter und stöhnte innerlich auf, als er Carla erblickte, die sich soeben mit Virgin im Schlepptau einen Weg durch die Menge auf ihn zu bahnte. Tja, offenbar hatte sie ihn entdeckt. Ein gequältes Seufzen entwich Toms Lippen, ehe er sich wieder Dee zuwandte. Hey, jetzt mach bloß nicht einen auf genervt, du hast sie angerufen ..., erinnerte ihn sein männliches Ego. Ja, das hatte er. Doch jetzt war er sich nicht mehr sicher, ob das eine so gute Idee gewesen war. Keine gute Idee? Spinnst du? ..., echauffierte sich der Macho in ihm. Besser die als gar keine ... Tom unterdrückte nur mühsam ein Augenrollen, als ihm auch schon Carlas teures Parfum in die Nase stieg.

„Hi Tom, da bist du ja.“, begrüßte Carla ihn und ließ sich auf den Barhocker neben ihm sinken. „Warum bist du nicht rübergekommen?“ „Carla“ Tom bemühte sich um ein echtes Lächeln, was ihm sogar irgendwie gelang. „Ich hatte euch nicht gesehen.“, log er lässig, bevor sein Blick auf Virgin fiel, der mal wieder der Inbegriff eines modischen Experiments war. Und dazu noch selbstbewusst genug, diese durchaus gewagte Kreation der Öffentlichkeit zur Schau zu stellen. Tom verkniff sich einen ironischen Kommentar. Auch wenn sie privat hier waren, die beiden waren immer noch seine Angestellten. Und ganz besonders Virgin neigte geradezu krankhaft dazu, jede Kleinigkeit als Grundlage für einen ausgiebigen Bürotratsch zu nutzen. Ganz zu schweigen von dem fast schon zwanghaften Hang, seinen Vater anzubeten. Tom spürte, wie seine ohnehin schon angekratzte Laune direkt in den Keller zu flüchten begann, als er an das letzte Gespräch mit Bruno zurückdachte. Was seine Gedanken erneut auf Anna lenkte. Schnell schüttelte er sie beiseite und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Carla und Virgin. „Was wollt ihr trinken?“, fragte er und bemühte sich, den letzten Rest seiner schwindenden Lässigkeit festzuhalten. Was gar nicht so einfach war. Carlas Blick fiel auf den doppelten Whiskey, den Dee Tom in diesem Moment über den Tresen schob und rümpfte leicht die Nase. Ob wegen seiner Wahl oder des Getränks an sich, wusste Tom nicht. Und es war ihm ehrlich gesagt, auch egal. Er war hier, um auf andere Gedanken zu kommen, und dass Carla hier war, nun ja ... es war eben so ... „Einen Gin Tonic, bitte.“, sagte sie mit einem süßlichen Lächeln an Dee gewandt, bevor sie ihren Blick wieder auf Tom richtete, der wiederum Virgin erwartungsvoll ansah. Der setzte ein liebliches Lächeln auf, wedelte kurz mit seinem Fächer und räusperte sich leise. „Eine kalte Muschi, bitte“, erwiderte er auf eine derart nüchterne Weise, als würde er eine einfache Coke bestellen. Tom und Carlas Blicke flogen gleichzeitig zu Virgin und starrten ihn fassungslos an. Das hätte ich jetzt auch gerne ... nur nicht unbedingt kalt ..., seufzte sein männliches Ego mit vor Sehnsucht erfüllten Augen. Wie bitte ..., schoss es Tom durch den Kopf, den unverblümten Wunsch seiner frivolen Seite ignorierend. „Rot?“, fragte Dee ohne mit der Wimper zu zucken und zwinkerte Virgin vergnügt zu. Der neigte den Kopf und wedelte erneut mit seinem Fächer, ehe er sich - nicht ohne einen missbilligenden Blick auf Carla und Tom zu werfen - über den Tresen neigte. „Rosé bitte“ Dee nickte und verschwand gleich darauf ans andere Ende der Bar. „Bitte was?“, sprudelte es erstaunt aus Tom heraus, ehe er sich zurückhalten konnte und wechselte einen ahnungslosen Blick mit Carla. Zwei Sekunden später prusteten die beiden unvermittelt los. „Virgin, was will du denn mit ...“ Ein leichter Schlag mit dem Fächer auf Toms Schulter beendete dessen eindeutig zweideutige Frage. Virgin bedachte die beiden mit einem strafender Blick, gefolgt von einem übertrieben dramatischen Seufzen. Eines jener Art, auf das für gewöhnlich eine umfassende Predigt über das traurige Los der Ahnungslosen erfolgte. „Weinbrause mit Ingwer, ihr Unwissenden.“, klärte der Blondschopf und hob pikiert das Kinn. Tom presste die Lippen aufeinander und unterdrückte ein erneutes Lachen. „Na dann ist ja gut, Virgin.“, meinte Carla, die ebenfalls sichtlich Mühe hatte, nicht erneut in schallendes Gelächter auszubrechen. „Ich dachte schon ...“ „Was?“, fuhr Virgin sie unwirsch an. „Dass ich über Nacht zur Hete mutiert bin?“ Als hätte er ein hässliches Schimpfwort ausgesprochen, rümpfte er angewidert die Nase, ehe er die beiden mit einem finsteren Blick niederrang. „Tse ... ihr und eure zweideutigen Gedanken.“, murmelte er säuerlich. In dem Moment brachte Dee die Getränke und unterbrach damit den frostigen Moment. Mit einem amüsierten Kopfschütteln stellte er die Getränke auf den Tresen und widmete sich schließlich der Kellnerin, die gerade mit einer Bestellung an die Bar trat.

Angestrengt starrte jeder in sein Getränk, während sich das plötzliche Schweigen drohend ausdehnte. Zum Glück füllte das Wummern der Bässe und das laute Gemurmel Dutzender Menschen das Schweigen, andernfalls hätte man es wohl als unangenehm bezeichnen können. Tom nahm einen Schluck von seinem Whiskey und genoss den Geschmack, der sich langsam seine Kehle hinunterbrannte. Eine willkommene Ablenkung. „Wie kommt’s?“, durchbrach Carla schließlich das Schweigen. „Was?“, murmelte Tom und warf ihr einen kurzen Seitenblick zu. Die Brünette neigte leicht den Kopf und lächelte auf eine Weise, die Tom sofort als Einladung interpretierte. „Dass du mich angerufen hast.“, erinnerte sie ihn. Tom entging nicht die besondere Betonung. Innerlich aufseufzend schüttelte er den Kopf. Er hätte wissen müssen, dass Carla seine Einladung nicht so interpretieren würde wie sie gemeint gewesen war, schließlich war er nicht der Typ, der einfach so mit Kollegen rumhing. Zu spät. Hey, jetzt komm schon, mach dich mal locker ..., drängte sein männliches Ego, dem Carlas Versuch, Tom zu umschmeicheln nicht ganz unangenehm war. Und unter anderen Umständen wäre er sicher auch darauf eingestiegen. Aber nicht heute. Nicht nach allem, was an diesem Abend schon vorgefallen war. Gegen seinen Willen drängten sich erneut die Details in seine Gehirnwindungen. Das Date, vor dem er in letzter Sekunde geflüchtet war, Annas enttäuschtes Gesicht, das Gespräch im Chat, ihre unverblümte Meinung über ihn ... und nicht zuletzt die große Frage, was der wahre Grund dafür war. Tom trank das Glas aus und schob es wortlos über den Tresen, woraufhin Dee ihm genauso schweigsam ein neues hinstellte. Er nahm einen Schluck und konzentrierte sich auf das scharfe Brennen in seiner Kehle, was ihn im Jetzt und Hier hielt. Es beruhigte ihn, genauso wie das unermüdliche Geplapper zwischen Virgin und Carla, was sich irgendwie um Bruno und die Kollektion drehte. Arbeit ..., stöhnte er innerlich. Gibt es für die denn nichts anderes? Halbherzig folgte er eine Weile dem inhaltlosen Plausch der beiden, nickte und murmelte hin und wieder eine Zustimmung, wenn die Worte an ihn gerichtet waren, bis das Gespräch neben ihm gänzlich zu einem bedeutungslosen Gemurmel verblasst war und nur noch eine einzige Frage seine Gedanken dominierte. Was war Anna zugestoßen? Was hatte sie so tief verletzt, dass sie ihn und seinesgleichen derart beharrlich mied? Was hatte sie dazu veranlasst, diese dicke Mauer um sich zu bauen? Wurde sie sitzengelassen? Betrogen? Oder noch schlimmeres? Hastig nahm er einen weiteren Schluck und schüttelte sich, nicht des Brennens wegen, sondern um die Fülle an Gedanken, die sein zweifellos überfordertes Hirn zu überfluten drohten, zu verscheuchen. Ein reichlich aussichtsloses Unterfangen. Er holte tief Luft und stieß sie wieder aus, während sein Blick starr auf die bernsteinfarbene Flüssigkeit gerichtet war, in der Hoffnung, in dem Gesöff die Antwort auf all seine Fragen zu finden. Doch die scharfe Brühe schwieg und beschwor auch keinen weissagenden Nebel herauf. Tom stieß einen tiefen Seufzer aus und fuhr sich mit der Hand über seinen Schopf, als ihm klar wurde, dass er der Antwort auf diese Fragen genauso fern war wie Anna selbst. Anna ... Nur am Rande bemerkte er, dass Dee ihm bereits einen neuen Whiskey hingestellt hatte. Der wievielte? Er hatte keine Ahnung, aber der angenehmen Schwere, die sich allmählich in ihm ausbreitete und dieses Gefühl von Watte in seinem Kopf erzeugte, nach zu urteilen, mussten es mehr als die drei sein, die er bewusst mitgezählt hatte. „Tom?“, vernahm er eine vertraute Stimme neben sich, die irgendwie weit weg klang. Er hob den Kopf und blinzelte ein paar Mal. Es dauerte einen Moment, bis das verschwommene Bild vor ihm klar genug war, dass er die Frau erkannte, die ihn offenbar angesprochen hatte. „Carla?“, nuschelte er und kniff die Augen zusammen, um das Bild festzuhalten, was merklich vor ihm schwankte. „Du solltest nach Hause gehen.“, hörte er sie sagen. Zumindest glaubte er das. Nach Hause ... „Was?“ Erst jetzt ging ihm auf, dass sie allein neben ihm saß. „Wo is Virschin?“ Suchend wandte er den Kopf um. Was ein Fehler war. Denn augenblicklich verstärkte sich das unheilvolle Schwanken und hätte ihn um ein Haar von seinem Hocker gerissen. Doch ein überraschend fester Griff verhinderte Schlimmeres. „Tom, Bill bringt dich nach Hause.“ Er wandte sich der Stimme zu, die nicht Carlas war, und erkannte den dunkelhäutigen Barkeeper. „Dee?“ „Ich glaube, du hast genug, mein Freund.“, sagte er sanft aber bestimmt. Tom blinzelte, checkte kurz seine körperlich Verfassung - ziemlich desolat, würde er meinen - und nickte zustimmend. „Ist schon gut, Dee. Ich kümmere mich um ihn.“, wandte Carla ein. Tom drehte sich zu ihr und musterte sie als sähe er sie heute zum ersten Mal. Dann schenkte er ihr ein betrunkenes Lächeln, während sie ihm dabei half, einigermaßen würdevoll von seinem Hocker zu rutschen. Der Boden kippte leicht, und instinktiv klammerte er sich an dem Tresen fest, als seine Beine unter ihm nachzugeben drohten. Himmel, was hast du uns da angetan ..., beschwerte sich sein männliches Ego, was mit finsterem Blick auf dem Sofa saß. Du hast uns den ganzen Abend versaut ... Tom nuschelte etwas Unverständliches vor sich hin, woraufhin ihm Carla, die ihn stützte, einen besorgten Blick zuwarf. „Geht´s?“ Er holte ein paar Mal tief Luft, prüfte seine Standfestigkeit und nickte. Dann hakte er sich bei ihr unter, und gemeinsam wankten sie aus der Bar.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Do Aug 01 2013, 22:59

Oh Oh,Tom ist betrunken nicht das er noch mit Carla ins Bett geht Shocked sonst bekommt er die nicht mehr von der Pelle. Was ich süß finde ist das Tom selbst Besoffen noch an Anna denkt.Liebe Mini ich freue mich wenn es weiter geht.Lg. Carla Razz 

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Aug 06 2013, 14:29

Hallo Mini!

Die Stimmen die Toms Gehirn förmlich entzweien sind echt spitze und sie sind zu großen Teilen auch schauerhaft ehrlich mit ihm, während er versucht die Wahrheit ein bisschen weniger wahr zu reden und die Arme Anna glaubt, dass der Frustverursacher und der nette Chatpartner zwei verschiedene Personen sind.
"Eine kalte Muschi", Virgin ist der Burner! Very Happy
Schön zu hören, dass Tom auch nach ein paar Drinks zu viel bei Anna ist oder vielleicht sogar gerade wegen der paar Drinks zu viel. Das Sprichwort heißt ja nicht umsonst "Von Besoffenen,Kindern und Narren kann man die Wahrheit erfahren" Leider ist die Gegenwart trotz dieses Umstandes nicht ganz sorosig wie sie vielleicht sein könnte, im Rahmen der Umstände versteht sich, denn besoffen und Carla ist keine gute Kombination, da gibt es mit Sicherheit ein böses Erwachen crying

Liebe Grüße
Tastentante Smile
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Aug 06 2013, 16:28

Ja, meine Liebe, was soll ich da noch sagen, nach meinen Vorrednerinnen.Rolling Eyes 

Ich sag mal was zu Anna.
Ich finde es ja schön, dass sie realisiert hat, dass sie Dampf abgelassen hat, und dass es eigentlich durchaus den Richtigen getroffen hat, kann sie ja nicht wissen. Aber, dass es ihr leid tut, spricht wohl dafür, dass sie mit GON weiter in Kontakt bleiben wird. Ich bin übrigens sehr gespannt, was sie Dr. Lover geschrieben hat. Smile 
Ach ja, und dann hat sie Tom doch tatsächlich in der Else gesehen. Auch das ist ja durchaus spannend ...

Und Tom?
Tja, ich sagte es ja bereits, "Der Lauscher an der Wand ..." Jetzt muss er wohl damit leben und sich vielleicht auch damit auseinandersetzen, schließlich liegt ihm was an Anna, auch wenn er das selbst noch nicht zu 100 % glauben will ...
Ich stimme Carla und Tastentante absolut zu, dass Alkohol und Carla keine gute Kombination ist. Wir wissen ja nur zu genau, dass es selbst wenn alles harmlos ist, ganz anders aussehen könnte ...
Ist nur die Frage, ob und wie Anna da ins Spiel kommt?

Ich hoffe, du wirst es uns bald erzählen!Cool 

LG, Katha

Zusatz vom 07.08.
So, nachdem ich selbst endlich mal wieder eine Fortsetzung hinterlassen habe, darf ich auch mal wieder quengelig werden.
Manno, wann geht´s denn endlich weiter. Mad  So tolle Stories die dringend weiter erzählt werden wollen. Hörst du sie im Hintergrund murren.Twisted Evil  Tom, will bestimmt von seinem Kater erzählen, und auch wenn das hier nicht so richtig hingehört, Helena will sich bestimmt Gedanken über Antamo und Mike machen.
Also Lernpause einlegen und los ...Razz

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Sa Aug 10 2013, 13:04

Danke ihr Lieben,

und ja, ich schäme mich wirklich, dass ich euch so lange warten lasse. Aber das Studium nimmt schon jetzt zu Beginn ziemlich viel Zeit in Anspruch. Hätte ich nicht gedacht. Aber in Gedanken hänge ich immer wieder bei meinen Storys - soll heiße: Ich habe sie nicht vergessen. Aber es ist ja Wochenende, vielleicht finde ich da mal ein oder zwei Stündchen.

Bis dahin, bleibt geduldig ... brav 

LG, Mini

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„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
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katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Di Aug 20 2013, 03:20

Mann, da habe ich gedacht, ich muss hier bestimmt dringend mal noch einen Kommentar dalassen, nachdem ich dich so schrecklich vernachlässigt habe, ... aber muss ich gar nicht. Razz
Na, wenn das so ist, mache ich noch einmal höflichst darauf aufmerksam, dass ich sooooooooo gerne wüsste, wie es weiter geht, und ich soooooooo gerne wieder was aus deiner Feder lesen würde readcoffee 
Mach´s gut und bis bald Wink meine Liebe Razz 
Katha  

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Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
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Carla3939

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   Mi Aug 21 2013, 22:35

Und Carla wartet auch ganz doll Mad idontknow 

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"   

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Anna und die Liebe - AnTom-FF "Und plötzlich ist alles anders"
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