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 AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"

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katha

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BeitragThema: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Feb 09 2013, 21:29

das Eingangsposting lautete :


(Da muss ich doch gleich mal die neuen Icons probieren. )

So, jetzt ernsthaft.

Viele von euch wissen schon, was hier jetzt passiert, da ich diese Story bereits im AudL-Forum gepostet habe (bzw. noch fertig stellen werde), aber für alle anderen sei es kurz erläutert.

AnTom II Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück? ist eine weitere Fan-Fiction von mir, die sich von der Telenovela "Anna und die Liebe" ableitet. Und wäre das nicht schon Vorgabe genug, ist sie noch ein zweiter Teil, der unmittelbar an meine erste FF AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn" anschließt, so dass es förderlich ist, diese gelesen zu haben.

Wenn ihre diese begünstigende Bedingungen erfüllt habt, gibt es eigentlich nichts mehr zu sagen, außer vielleicht ..., dass ich hoffe, auch bei dieser zweiten FF, euren Zuspruch zu finden.

Liebe Grüße von mir, und ganz viel Spaß!

Katha

Ach so, da fällt mir noch was ein.
Es sei noch gesagt, dass ich die Teile, die ich hier poste zuvor nochmal überarbeite, so dass sich leichte sprachliche Veränderungen ergeben können, oder auch mal ein Satz hinzugefügt oder weggelassen wird. Die Handlung bleibt aber die gleiche. Wink

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Zuletzt von katha am Sa Feb 09 2013, 22:44 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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AutorNachricht
katha

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Okt 27 2013, 15:48

Hey ihr Beiden,
lieben Dank, dass ihr euch gemeldet habt.
Ich werde heute vermutlich den nächsten Teil noch rein stellen. Wie gesagt, es geht jetzt auf jeden Fall zügig voran und auch die Anschlussteile nehmen Gestalt an write , so dass es, wenn wir am Ende der alten Teile angekommen sind, auch relativ zügig weitergehen wird. 

LG, Katha

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katha

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BeitragThema: "45"   So Okt 27 2013, 16:12

Es bleibt spannend Sad
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Paloma stand noch ein kurz da und überdachte die Situation.  Wie soll ich Anna nur von der Kollektion fern halten?, fragte sie sich, aber ihr kam keine wirkliche Idee in den Sinn, denn eigentlich war es höchste Zeit die Models fertig auszustatten. Sie trat von einem Bein aufs andere, während sie Anna beobachtete, wie sie von einem Tisch zum nächsten ging, die Frisuren und die Make-ups prüfte und den Laien-Models scheinbar ein paar aufmunternde und beruhigende Wort zusprach. Als sie sah, dass Anna einen Blick auf die Kartons warf und sich auf machte, die Kleider zu holen, schritt sie schnell auf ihre Freundin zu. Sie musste sie irgendwie aufhalten.
Sie hatte Anna also gerade den Weg abgeschnitten, immer noch völlig ratlos, womit sie Anna von ihrem Vorhaben ablenken sollte, als ihr Handy klingelte. Verwirrt schaute sie von Anna, die sie fragend anschaute, weil die Brünette wohl den Anschein erweckt hatte, ein wichtiges Anliegen hervor bringen zu wollen, auf ihr Handy. „Oh, Steffi!“ sagte sie, und deutete Anna, dass sie warten solle. „Ja, Steffi?... Oh nein, dass tut mir leid … Ja, ok … Ja Steffi, danke und danke für die Information.“ Anna stand der Marketingassistentin gegenüber und beäugte diese skeptisch, während sie gebannt versuchte eine Botschaft aus den wenigen Worten zu erkennen. Als Paloma aufgelegt hatte fragte sie ungeduldig „Und? Gibt es etwas Neues von Lena? Kommt sie? Wann ist sie hier?“ Aber der Blick ihres Gegenübers verhieß nichts Gutes. Bitte, lass mich das falsch deuten, was ich da sehe, ging es ihr durch den Kopf. „Mann, jetzt sag schon. Was ist los?“ fragte sie erneut nach, denn außer dass sich die Mimik der Brünetten zu einem mitleidigen Ausdruck verzogen hatte, machte sie immer noch keine Anstalten zu sprechen. Das ist nicht gut. Das ist nicht gut, ging es Anna durch den Kopf, denn im Normalfall hatte Paloma keine Probleme Worte zu Sätzen zu fassen und sie ihr entgegen zu feuern, egal ob sie Klatsch und Tratsch, wichtige Informationen oder unbequeme Wahrheiten darlegen wollte. „Anna, das war Steffi …“ Anna nickte angespannt, das war ja unschwer zu überhören gewesen. „Lena… , sie wird nicht kommen.“ Anna verdrehte die Augen und stöhnte laut auf. „Das kann doch nicht wahr sein. Sie kann mich doch nicht in letzter Sekunde hängen lassen. Hätte ihr das nicht ein kleines bisschen früher einfallen können ..." Ihrer Stimme war Empörung und Unverständnis zu entnehmen aber Paloma winkte ab um sie in ihrer Tirade zu unterbrechen. „Anna, Stop! Lena liegt im Krankenhaus. Sie ist gestern Abend, nachdem sie vom Foto-Call nach Hause gekommen ist, mit Erbrechen und Kopfschmerzen dorthin gebracht worden. Sie hat sich bei unserem Unfall wohl eine Gehirnerschütterung zugezogen.“ Anna verstummte und schämte sich ein wenig. „Oh Mist, da war ja was“, murmelte sie leise. „Aber trotzdem. Sie hätte ja wenigstens Bescheid geben können …" Paloma strich ihr über den Arm, fast als wolle sie sich stellvertretend für ihre Kollegin entschuldigen, dabei verspürte sie seit dem Unfall ebenfalls Nacken- und Kopfschmerzen und hatte schon mehrfach überlegt, ob sie nicht ein Schleudertrauma davon getragen hatte. Annas Augen nahmen, jetzt wo die Empörung wieder verflogen war und sich das Ausmaß, des gerade erfahrenen Tatbestands wieder in den Vordergrund ihrer Gedanken gedrängt hatte, einen verzweifelten Ausdruck an. „Paloma, was machen wir denn jetzt?“ Paloma war sogleich besorgt, Anna erneut in der Defensive verschwinden zu sehen und so wollte sie eine solche Entwicklung gleich im Keim ersticken, auch wenn sie innerlich dachte, wenn du wüsstest, welches Damoklesschwert noch über dir schwebt, dann würdest du vermutlich sofort aufgeben. Sie holte also noch einmal tief Luft, startete einen innerlichen Motivationsversuch, aber noch ist nichts verloren … so hoffe ich zumindest ..., und forderte Anna bestimmt auf, aktiv zu werden. „Hol du die Choreographie-Aufzeichnungen, ich rufe die Mädels beisammen, und dann überlegen wir, wie wir ohne Lena klar kommen. Los, wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Anna sah immer noch skeptisch aus, aber sie wusste, dass sie gar keine andere Wahl hatte, und zu handeln war definitiv besser als abzuwarten. Worauf auch, der Himmel würde sich wohl kaum auftun, um ihr ein neues Model zur Erde zu senden.
Kurze Zeit später standen sie also alle beisammen und überlegten. Nach einer kurzen Studie ihrer Aufzeichnungen, die sich Anna eigentlich auch hätte sparen können, denn schließlich hatte sie genauestens im Kopf welche Kleider Lena tragen sollte, murmelte sie schließlich „Sie sollte bei der Anfangseinstellung, ihrem Weg zu Lanford ein Sommerkleid tragen und dann … „ sie stieß angespannt die Luft aus und schloss kurz die Augen. „und dann als Abschluss das Brautkleid.“ Anna sah von einem Model zum anderen, aber wie sollte das jemand anderes leisten, schließlich hatten sie ja schon alle Kleider zum Vorführen zugeteilt, und sich noch öfter umzuziehen war in der Kürze der Zeit wohl kaum machbar. Annas Blick blieb an Paloma hängen. Sie zögerte kurz, Paloma ist schön, und sie hat Feuer … warum nicht? Paloma sah Anna abwartend an, denn sie erkannte, dass sie irgendeinen Geistesblitz hatte. „Paloma, kannst du nicht …?“ Die nicht ganz ausgesprochene Frage schwebte im Raum und erreichte die Brünette scheinbar mit etwas Verzögerung. Anna wusste, dass Paloma nicht auf den Laufsteg wollte, das hatte sie von Beginn ihrer gemeinsam entwickelten Idee klar gestellt. Mit einigen Sekunden Verspätung öffnete sich Palomas Mund ein Stück weit und sie sah Anna einfach nur erstarrt an. Man konnte hinter ihren Augen die Gedanken rattern sehen, zumindest machte sie den Eindruck, als liefe in ihrem Kopf alles auf Hochtouren. Dann schloss sich ihr Mund langsam wieder und sie schüttelte entschlossen den Kopf, während sie argumentierte. „Anna, das geht nicht. Lena ist doch viel kleiner als ich. Die Kleider sind auf sie angepasst und größer machen, funktioniert wohl nicht mehr, oder?“ Sie fand diese Begründung sehr plausibel und war unendlich froh, dass sie ihr so schnell eingefallen war, obwohl das eigentlich Anna hätte erkennen müssen. Annas Blick gab ihr recht. Er verfinsterte sich. „Ja, du hast recht. Da habe ich gerade gar nicht drüber nach gedacht.“ Sie drehte sich wieder zu den anderen Frauen um, die der Situation gebannt folgten. „Gut, dann nochmal von vorne.“ Sie betrachtete ein Model nach dem anderen, während sie sich innerlich beschimpfte, dass sie ein Model ausgewählt hatte, das so gar nicht in die üblichen Modelmaße passte, denn ansonsten hätte man sich einfach ein Model von einem anderen Label ausleihen können.

In diesem Moment trat Bruno in den Raum und alle Köpfe drehten sich in seine Richtung. „Hallo Anna, schön dich zu sehen!“ rief er euphorisch aus und trat auf sie zu, um sie ohne Umschweife in seine Arme zu ziehen. Anna blinzelte einige Male irritiert, angesichts der heftigen und doch eher ungewöhnlichen Zuneigungsbekundung, ehe sich langsam die Erkenntnis in ihr breit machte, dass sich das Mode-Genie wohl nach ihrer gestrigen Flucht, von der er vermutlich in Kenntnis gesetzt war, große Sorge um den guten Ruf seines Imperiums gemacht hatte. Denn dass das große Mode-Unternehmen Lanford eine Modenschau im letzten Moment absagen müsste, wäre nach seinem Ermessen vermutlich ein halber Weltuntergang. Dass er sie aber dann ein Stück von sich wegschob, ihr links und rechts ein Küsschen auf die Wange drückte, bevor er sie eingehend betrachtete, ließ sie außerdem erahnen, dass er sich nach Toms Unfall und ihrer eigenen Kapriolen vermutlich in einem emotionalen Ausnahmezustand befand. In einem emotionalen Ausnahmezustand, der damit einher ging, dass er sie tatsächlich mochte, mal davon abgesehen, dass sie die Freundin seines Sohnes war, der dank ihr endlich wieder ins Leben zurück gekehrt war. „Und?“, fragte er Anna, die er immer noch an den Schultern gepackt hielt. „Wie sieht es bei euch aus? Da draußen ist die Hölle los. Jede Menge wichtige Menschen warten gespannt auf deine Kollektion.“ Er warf einen Blick in die Runde, und seine erleichterte Stimmung verfiel in eine skeptische Betrachtung der Situation. „Was ist hier los? Warum steht ihr alle hier rum, und warum ist noch keines der Models angezogen?“ fragte er mit bedrohlichem Unterton in der Stimme, und Anna befürchtete dass sein positiver Gemütszustand binnen der nächsten Sekunden arg ins Schwanken geraten könnte, und dessen Folgen wollte sie sich gar nicht ausmalen.
„Wir haben ein Problem, das wir gerade zu lösen versuchen“, antwortete Anna zögerlich. „Lena, das Model für das Brautkleid fehlt … Sie ist im Krankenhaus.“ fügte Anna noch schnell hinzu, in der Hoffnung, dass dieser Tatbestand Brunos eventuell aufkeimendes Temperament ein wenig dämpfen würde. „Lena? Das ist die kleine Rothaarige …?“, fragte er nach, nur um sich seines Wissens zu versichern. „Genau, wie sie sagen, sie ist klein und deshalb kommt auch keines der anderen Models in Frage“, sagte Anna kleinlaut, denn sie wusste, warum Models in der Regel gewisse Voraussetzungen mitbringen sollten, und dazu gehörte als eines der wichtigsten Kennzeichen die Größe von mindestens 1,75 m. Erstaunlicherweise blieb das Donnerwetter aus, das Anna, und der im Raum vorherschenden Stille nach zu urteilen, scheinbar auch alle anderen Anwesenden befürchtet hatten. Im Gegenteil, er überflog die jungen Damen, die immer noch im Halbkreis um die Hauptfiguren dieses ganzen Theaters aufgestellt waren, bevor sein Blick wieder auf Anna fiel. Seine Augen zogen sich nachdenklich zusammen, während er sie fixierte und Anna das Gefühl hatte, unter seinen musternden Augen dahin zu schrumpfen, wie ein Eis in der Sonne. „Anna, warum tragen sie nicht das Brautkleid?“ Anna riss die Augen auf. „Ich?“ Ihr flogen die Bilder von ihrem Auftritt in Stockholm zu. Das hatte sie ja ganz gut hinbekommen. Aber das hier war ihre eigene Präsentation, ihre eigene Kollektion, da konnte sie doch nicht als Model fungieren. „Ich kann doch nicht …" Sie brach ab, als sie in die strafenden Augen ihres Gegenübers sah. Bruno zog nun die Augenbrauen in die Höhe und neigte wissend seinen Kopf zu ihr herab, „Worum geht es in ihrer Kollektion? Um Authentizität. War das nicht so?“ Er wartete auf die Zustimmung, die er durch ein zaghaftes Nicken auch erhielt. „Und, nun sagen sie mir, was war ihre Inspiration für das entworfene Brautkleid?“ Anna erstarrte einen Moment, erinnerte sich an den Moment, in dem sie sich der Frage gestellt hatte, ob sie sich eine zweite Hochzeit, eine Hochzeit mit Tom vorstellen könne, und sie sich diese Frage tatsächlich mit „ja“ beantwortet hatte. Sie schaute verlegen beiseite, ehe sie auf Palomas strahlendes Gesicht stieß, die ihr zuzwinkerte. Anna spürte die Hitze in sich aufsteigen und hoffte, dass sie bei dem ganzen Chaos bereits eine gesunde Gesichtsfarbe erreicht hatte, die ihre Errötung nicht so offenkundig werden ließ. Sie wendete sich wieder Bruno zu, der sie angrinste, als hätte er die Eine-Millionen-Euro-Frage für sich bereits beantwortet. „Anna, wer könnte dieses Kleid besser tragen, als sie selbst. Und dass sie in der Lage sind auf einem Catwalk zu bestehen, haben sie doch erst vor kurzem in Stockholm bravourös bewiesen.“ Anna war immer noch völlig verunsichert, als sie erneut eine Bestätigung erhielt. „Das finde ich allerdings auch“, hörte sie eine ihr wohlbekannte Stimme und drehte sich hektisch im Kreis, um den Absender dieser Worte ausfindig zu machen.
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Tom, der keuchend mitten auf dem Parkplatz der Messehallen stand, versuchte trotz der scheinbaren Aussichtslosigkeit irgendwo in den tiefen seines Kopfes eine Lösung aufzutun. Der Transporter verließ gerade den Parkplatz, und wohin er fahren würde, war ihm völlig unbekannt, denn er hatte keine Ahnung wer die Frechheit besaß ihre Kollektion einfach einzuladen und wegzubringen, wohin auch immer. Tom sah sich um. Der Fahrer musste erst einmal den kompletten Parkplatz umrunden, ehe er das Messegelände verlassen konnte. Er schaute zurück, weit hinter ihm stand Carsten ziemlich planlos rum und zuckte bei seinem Blick hilflos die Schultern. Tom maß Carstens Standpunkt und den Weg zur Umgehung des Parkplatzes. Das könnte gehen, schoss es ihm durch den Kopf. Er richtete sich spontan auf, legte seine Hände an den Mund und schrie in die Richtung des Praktikanten. „Carsten, lauf! Halte ihn auf!“ Er zeigte immer wieder in die Richtung, der den Parkplatz umfassenden Straße, die am nächsten an Carstens Standpunkt lag. Carsten schien ihn aber nicht wirklich zu verstehen, bis Tom wild gestikulierend zu dem Transporter zeigte, der gerade die Stirnseite des Parkplatzes verließ, um nun der Länge nach wieder in Richtung der Hallen zurück zu fahren. Und da endlich setzte sich Carsten in Bewegung. Er rannte so schnell er konnte, winkte jetzt seinerseits, um auf sich aufmerksam zu machen und näherte sich langsam, hoffentlich nicht zu langsam, seinem Zielpunkt. Während auch Tom sich auf den Weg gemacht hatte, ließ er seine Augen immer wieder zwischen dem Transporter und dem Praktikanten hin und her wandern. Schneller, mach schneller betete er in einem fort, und als er schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, dass die beiden beobachteten Elemente auf einander treffen würden, wurde das Fahrzeug tatsächlich langsamer.

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Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Okt 27 2013, 21:51

Finde es süß das Anna bei dem Hochzeitskleid entwerfen an sich und Tom gedacht hat.Und unser Bruno wußte es natürlich wieder Smile freue mich wenn es schnell weiter geht.Lg. Carla

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"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
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katha

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BeitragThema: "46"   Mo Okt 28 2013, 20:59

@ Carla
Bruno ist halt der Beste Wink . Allerdings könnte er jetzt auch mal ein wenig aktiver werden ... Mad
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Oh ja, bitte, halt an. Halt an!
Tom spürte eine riesige Last von sich fallen, als der Transporte immer langsamer wurde. Auch er verlangsamte sein Tempo ein wenig, da er jetzt plötzlich spürte, wie seine Lunge pumpte, sein Herz kurz vor der Explosion stand und er sich in seinem Anzug so langsam reichlich unwohl und deplatziert fühlte, führte er sich doch eher auf, als ob er zum Lauftraining auf dem Sportplatz wäre. Aber was war denn jetzt los? Tom blieb erschüttert stehen. Der Transporter erhöhte langsam wieder das Tempo, wurde wieder zunehmend schneller und Tom konnte nicht mal mehr schreien, so geschockt war er von dem was er da sah. NEEEEEIIIIIINNN! brüllte es dafür um so lauter in seinem Kopf, denn damit war wirklich jede Hoffnung dahin.
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Bei ihrer zweiten Umdrehung um sich selbst, sah Anna endlich den gutaussehenden dunkelhaarigen Mann hinter Bruno hervortreten, den sie innerhalb kürzester Zeit ins Herz geschlossen hatte. Anna schoss auf ihn zu und umarmte ihn stürmisch. „Peer! Was machst du denn hier?“ Er nahm sie ebenfalls in den Arm und drückte sie an sich, ehe er sie amüsiert betrachtete und antwortete „Sehen, wie sich meine Lieblings-Nachwuchs-Designerin so schlägt.“ Er grinste wissend, „… und ich muss sagen, die eben aufgestellte Behauptung kann ich absolut unterstreichen. Du hast in Stockholm wirklich allen anderen Mädels die Schau gestohlen. … Eigentlich müsste ich beleidigt sein, schließlich hattest du das einzige Kleid an, dass nicht ich entworfen habe.“ Seine Brauen zuckten bei seiner Aussage amüsiert in die Höhe. Anna lächelte ihn herzlich und auch ein wenig verlegen an, während sie das Getuschel der umstehenden Damen realisierte. Offensichtlich war sie die einzige gewesen, die Peer nicht als den berühmten Peter Berg erkannt hatte, als sie ihm das erste Mal begegnet war. Aus den ungenierten Blicken ihrer Kolleginnen sprach verhaltene Bewunderung, was wohl der herzlichen Begrüßung und den anerkennenden Worten für Anna geschuldet war, die davon zeugten, dass sich Anna und Peer sehr vertraut waren. Na ja, die durchaus gelungenen Verpackung des Star-Designers, die vermutlich jede Frau in ihren Bann zog, trug bestimmt zusätzlich dazu bei. „Ein Brautkleid also?“, schmunzelte Peer. Anna nickte immer noch etwas verlegen und spürte erneut die Hitze im Gesicht, aber dann kamen ihre klaren Gedanken endlich wieder zurück. Sie drehte sich wieder Bruno zu. „Wenn ich das Brautkleid präsentiere … übernehmen sie dann die Moderation?“ fragte sie den Kreativchef provozierend, da sie trotz des motivierenden Zuspruchs der beiden überaus kompetenten Männer nicht glücklich damit war schon wieder den Catwalk entlang stolzieren zu müssen. Bruno grinste sie breit an und legte mit dem Blick des Wissenden den Arm um ihre Schulter. „Dafür meine Liebe haben wir auch schon eine Lösung.“ Er zeigte mit bedeutsamen Blick auf Peer, der wie bei einer Schandtat ertappt, die Schultern zuckte. „Du? Du willst meine Kollektion anmoderieren?“ Anna starrte fassungslos auf den Designer und konnte gar nicht glauben, was sie da gerade gehört hatte. Sie hatte doch mitbekommen, wie ungern Peer in die Öffentlichkeit trat, und jetzt wollte er das freiwillig tun, für sie, für ihre Kollektion? „Kennst du meine Kollektion überhaupt?“ Peer lächelte sie beruhigend an. „Bruno hat mir deine Entwürfe gezeigt, … heute morgen.“ Er ging auf sie zu, nahm ihre Hand und entführte sie aus dem Arm seines ehemaligen Lehrmeisters. Er führte sie ein paar Schritte auf Seite um dem umstehenden Publikum zu entfliehen. „Ich finde sie wunderbar, sonst hätte ich mich auch nicht breitschlagen lassen.“ Anna blieb stehen und schaute ihm in die Augen. „Peer, ich weiß das wirklich zu schätzen, aber du …? Meine Show …? Du willst doch eigentlich gar nicht auf die Bühne, und dann für mich?“ Sie zweifelte immer noch am gesunden Menschenverstand des Mannes, der sie aus seinen wunderschönen blauen Augen ansah. „Anna, so kann ich mich für deine Hilfe in Stockholm revanchieren, und auch ich muss einsehen, dass es nicht Schaden kann, sich hin und wieder mal sehen zu lassen, … außerdem arbeiten wir doch sowieso bald zusammen. Da ist das hier doch prima Publicitiy, würde ich sagen.“ Ehe Anna noch etwas erwidern konnte, klatschte Bruno auffordernd in die Hände. „Haben wir jetzt endlich alles geklärt? Dann würde ich vorschlagen, dass die Models langsam mal in die Kleider steigen. In knapp 30 Minuten steht Lanford auf der Bühne, also macht voran!“ Anna schaute völlig bestürzt zur Uhr und erkannte, während ihr beim Anblick der grünen Digitaluhr ein kalter Schauer über den Rücken lief, dass sie die Zeit völlig aus den Augen verloren hatte.
„Bruno hat recht, auf geht’s.“ forderte sie alle Beteiligten auf. Sie startete in Richtung der Pakete, die ihre Kollektion enthalten sollten, als sich die Tür erneut öffnete und mit ihrer Bewegung die Aufmerksamkeit auf sich zog. Anna, in Gedanken schon bei der Verteilung der Kleider, gönnte der Szene nur einen kurzen Seitenblick, bis sie die Person erkannte, die den Raum betrat. Für einen Moment erstarrte sie in ihrer Pose und bevor sie es kontrollieren konnte durchschnitt ein ärgerliches „Was wollen sie denn hier?“ den Raum.
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Der Fahrer des Transporters war scheinbar aus einem anderen Grund langsamer geworden, aber nicht ,weil er erkannt hatte, dass ihn jemand zum Anhalten bewegen wollte. Auf jedenfall schien sein Fuß das Gaspedal wieder gefunden zu haben und drückte nun unerlässlich darauf. Tom löste sich aus seiner Schockstarre und schaute völlig hilflos auf dem Parkplatz umher, aber er konnte Carsten, den er dort zu erblicken gedachte, nirgends sehen. Verdammt, wenn der sich jetzt verpisst hat, dann dreh ich ihm den Hals um, wütete er, obwohl er eigentlich auch nicht wusste, was der Praktikant in dieser Situation noch hätte ausrichten können. Aber schließlich war dieser Depp Schuld an dieser ganzen Misere. Tom wendete sich noch einmal der davon fahrenden Kollektion zu, vielleicht um sich die Unausweichlichkeit der in Kürze eintretenden Katastrophe zu bestätigen, als er erkannte, dass sich Carsten keinesfalls aus dem Staub gemacht hatte. Offenbar hatte er bessere Laufqualitäten, als Tom vermutet hatte, allerdings tat er nun etwas, was Tom erneut an seine eigene Grenzen brachte. Ok, die Entfernung bis an diese, war auch gerade nicht wirklich weit. Mit schreckgeweiteten Augen beobachtete er wie sich Carsten fast todesmutig vor den heranfahrenden Transporter stellte, um ihn zum Anhalten zu bewegen. Tom hatte plötzlich wieder seinen eigenen Unfall vor Augen, die roten Bremslichter, die er hypnotisiert hatte als er auf den LKW zugefahren war und gebetet hatte, dass sein Auto zum Stehen kommen würde und er war sich nicht ganz sicher ob das laute Quietschen, das er im Ohr hatte, reine Einbildung war oder der aktuellen Situation entsprang. Er schüttelte kurz den Kopf, um seine Erinnerungen zu vertreiben, und wurde gerade noch Zeuge wie der Transporter zum Stehen kam. Carsten war noch ein paar Schritte zurück gegangen, damit er keine körperliche Bekanntschaft mit dem Auto schließen musste, aber der Bremsweg hatte gerade so gereicht. Nachdem sich die Reifen nicht mehr drehten, dauerte es keine zwei Sekunden, ehe sich die Tür öffnete und ein völlig erboster Mann aus der Fahrertür sprang, selbige umrundete und Carsten am Kragen packte. „Was fällt ihnen eigentlich ein, sind sie lebensmüde?“ brüllte er den jungen Mann an, der immer noch vor dem Transporter stand und Tom jetzt einen Hilfe suchenden Blick zu warf. Der Fahrer schüttelte Carsten kräftig, während er versuchte sein Gegenüber zu beschwichtigen. Der Typ, der aussah als sei er gerade einer Motorrad-Gang entlaufen, wollte sich aber offensichtlich nicht beruhigen lassen. Ganz im Gegenteil hatte Tom, der endlich seinen Vorwärtsgang wieder gefunden hatte, das Gefühl, dass er Carsten gleich ordentlich eine verpassen würde. Tom war endlich angekommen und konnte gerade noch den Arm des Mannes festhalten, ehe dessen Faust sein Ziel erreichen konnte. „Stop, aufhören! Lassen sie ihn in Ruhe!“, herrschte er den Mann an. Der Fahrer wendete seinen Blick langsam seinem Arm zu, der sich sehr zu seinem Missfallen plötzlich nicht mehr in seiner alleinigen Kontrolle befand. „Und, was wollen sie noch? Wollen sie sich auch noch vor mein Auto werfen?“, wurde nun auch Tom angefaucht, der aber wesentlich souveräner mit der Situation umgehen konnte, als sein Praktikant. „Jetzt beruhigen sie sich mal. Wir brauchen die Pakete, die sie gerade geladen haben, und zwar jetzt.“ Diese direkte Ansage, erreichte zumindest eine Gemütsänderung bei Toms Gegenüber, denn sein Blick wechselte von Zorn zu Fassungslosigkeit. Nachdem er sich der kontrollierenden Hand des Fremden entzogen hatte, fragte er zynisch. „Warum sollte ich ihnen meine Ladung übergeben. Wer denken sie denn, das sie sind?“ Tom wurde es auch langsam zu bunt, schließlich war er kein dahergelaufener Penner und hatte zudem überhaupt keine Zeit. Allerdings hieß es vor allem aus genau diesem Grund diplomatisch zu bleiben. „Wer ich bin? Das kann ich ihnen sagen. Mein Name ist Tom Lanford und ich bin Geschäftsführer der Firma, dessen Pakete sie da gerade durch die Gegend kutschieren. Und jetzt, werden sie genau diese wieder zurück bringen.“ Der Fahrer machte mit seiner ganzen Haltung deutlich, dass er dem blonden Anzugträger kein Wort glaubte. Er betrachtete Tom spöttisch „Da könnte ja jeder kommen und mir so eine Geschichte erzählen.“ Tom trat ganz nah an den Fahrer heran, und schaute ihn durchdringend in die Augen. „Wenn sie nicht wollen, dass sie, oder vermutlich eher ihr Chef, unsere Anwälte kennen lernt, dann würde ich mich jetzt ganz schnell hinter dieses Steuer setzen.“ Toms Stimme hatte einen ziemlich bedrohlichen Unterton angenommen, aber auch das beeindruckte sein Gegenüber in keinster Weise. Immer noch grinsend stand er dort und bewegte sich keinen Zentimeter. Toms Zorn hatte sich erneut in übelerregende Höhen aufgeschwungen, aber sich diesem hinzugeben war keine Zeit. Schnell sprang er in den Transporter, rief Carsten noch ein kurzes. „Steig ein“ zu, und knallte die Tür hinter sich zu. Ehe der Fahrer wirklich realisiert hatte, was dieser Schlipsträger da gerade im Begriff war zu tun, hatte Tom den Motor gestartet und war losgefahren, und dieses Mal lief jemand anderes brüllend und winkend hinter dem Transporter her.
Tom war es egal. Er versuchte sich zu orientieren und heraus zu finden, wie er wieder zurück zu der Messehalle kam, aber die Straße verlief immer geradeaus und war zu beiden Seiten abgegrenzt, so dass es auch keine Alternativlösung gab. Er fuhr und fuhr, und sein Fluchen wurde immer lauter, während der Praktikant auf dem Beifahrersitz immer kleiner wurde. „Wer hat diesem Idioten eigentlich den Auftrag erteilt, und wo wollte er die Klamotten hinbringen?“, wütete Tom vor sich hin, während er weiter hektisch von links nach rechts schaute. Die Straße wollte einfach nicht enden und Tom war sich mittlerweile sicher, dass er schon drei Messehallen weiter war. Er trommelte nervös auf dem Lenkrad rum und realisierte nur am Rande, das Carsten einen Zettel von der Ablage nahm und ihn studierte. „Carla Rhonstedt“, hörte er da von seinem Nebenmann. Er bedachte Carsten und den Zettel, auf dem das Lanford-Logo erkennbar war, mit einem kurzen Seitenblick. „Was ist mit Carla?“, fragte er unwirsch. „Sie hat den Auftrag erteilt, die Kollektion abholen zu lassen. Zielort: Lanford.“ antwortete Carsten leise und dacht im Stillen Natürlich du Idiot, das war doch klar. Eigentlich hätte er sich das auch denken können, aber sein Kopf war von den aktuellen Geschehnissen gerade viel zu voll gestopft, als dass ihm diese Antwort auf Toms dahingeworfene Frage in den Sinn gekommen wäre. Auch Tom ließ diese Erkenntnis an seinem eigenen Denkvermögen zweifeln. „Klar. Wer sollte Anna auch sonst sabotieren?“, sprudelte es da auch schon aus ihm heraus, als er eins und eins zusammenzählte. „Jetzt sag bloß nicht, dass dich das wundert!“, schoss er gleich noch hinterher. Aber ehe er seine zornigen Gedanken weiter ausführen konnte erblickte er plötzlich das Hinweisschild „Fashion Days - Aussteller und Akkreditierte“. Das war der Parkplatz, auf dem Anna und er geparkt hatten. Von dort waren es nur ein paar Meter bis zum Garderobenraum. Er wusste, dass er dort mit einem Transporter eigentlich nicht hingehörte, aber es gab Wichtigeres als solche bescheuerten Regeln. Während er also mit quietschenden Reifen bremste und ein Stück zurück fuhr, um die Abbiegung zu nehmen, hörte er von seinem Nebenmann „Es tut mir alles so leid.“ Tom warf erneut einen kurzen Blick hinüber und wusste nicht, ob er den jungen Mann einfach aus dem Auto schmeißen oder ihm seine Reue abkaufen sollte, aber für solche Überlegungen war später noch genug Zeit. Der Wagen kam neben einem Parkplatz-Wärter zum Stehen, der sie mit klaren Anweisungen gebremst hatte. „Sie können mit dem Transporter hier nicht rein. Die Lieferanten müssen hinten an den Eingang C. Drehen sie bitte um und fahren sie dort hin.“ Tom verdrehte genervt die Augen. „Mein Name ist Lanford. Wir haben in“, er schaute auf die Uhr und ein riesiger Schreck durchfuhr ihn, „in genau einer halben Stunde die Eröffnungsshow zu stellen und ich muss da jetzt hin. Sonst haben unsere Models keine Kleider zum Anziehen.“ Seine Stimme war schneidend, und eigentlich hätte der der Wachmann an Toms mehr als angespanntem Gesicht erkennen müssen, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Aber er selbst hatte schließlich seinen Job zu erledigen und musste vermutlich des öfteren mit irren Typen diskutieren, so dass ihn Toms Auftreten ziemlich kalt ließ. Da hatte das Deeskalationstraining, welches Wachmänner durchlaufen müssen, wohl seinen Zweck erfüllt. „Das tut mir leid für sie, aber hier kann ich sie nicht durchlassen. Ich habe klare Anweisungen.“ Tom schloss für einen Moment die Augen und versuchte seine Kontrolle nicht zu verlieren, denn am liebsten wäre er aus dem Wagen gesprungen und hätte dem Kerl eine geknallt. „Wenn ihre Leute nicht zu doof gewesen wären, unsere Kollektion an den dafür vorgesehenen Ort zu bringen, dann hätten wir dieses Problem jetzt nicht, und deshalb werden sie mich jetzt fahren lassen!“ Seine Stimme wurde immer lauter, aber der Wachmann schüttelte gelassen den Kopf. „Ich kann da keine Ausnahme machen, tut mir leid.“ Tom sprang innerlich so langsam im Viereck, während er die Straße vor sich hypnotisierte. Ich werde wahnsinnig! Was mache ich denn jetzt? Wir haben keine Zeit mehr! Und dann trat er, einer inneren Eingebung folgend, einfach aufs Gaspedal. Sollte der Kerl doch die Security, den Messeveranstalter oder sonst wen hinter ihm her schicken. Hauptsache Anna bekam ihre Kollektion in den nächsten Minuten, ansonsten wäre sowieso alles zu spät.
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Carla betrat mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht, das wieder einmal ihre unglaubliche Überheblichkeit zur Schau stellte, den Garderoben-Raum von Zauberhaft. Sie schloss die Tür hinter sich und blieb völlig gelassen stehen. Sie musterte die Menschenansammlung, die ein Stück weiter auf Annas Anweisungen wartete, sah sich weiter im Raum um bis ihre Augen einen Moment auf den noch verschlossenen Kartons hängen blieben, ehe sie sich mit einem siegessicheren Grinsen im Gesicht Anna zuwand, die sie ja gerade so nett begrüßt hatte. „Hallo Anna, ich wollte nur mal sehen wie es hier so läuft, aber …", ihr Blick erhob sich zu einer geringschätzigen Miene „Ich sehe schon, sie haben alles perfekt im Griff. Laien-Models, die Kleider noch verpackt …“ Sie drehte sich um und schaute interessiert auf die Uhr über der Tür. „Und das 25 Minuten vor der Show, das nenn ich mal mutig.“ Anna stand kurz vor der Explosion. War sie sowieso schon völlig angespannt gewesen, spürte sie jetzt ,wie ihre Hände begannen zu zittern und dieses Mal die Wut in ihr dafür sorgte, dass ihre Gesichtsfarbe wieder einmal zu einem tiefen rot wechselte. Sie versuchte mit aller Macht, sich nicht auf diese Provokationen einzulassen, aber ihrem Gemütszustand nach zu urteilen war es dafür schon viel zu spät. Der pure Anblick dieser Person reichte, um Annas Gemüt anzustacheln. „Gehen sie einfach“, presste sie zwischen zusammen gepressten Zähnen hervor und bedachte diese UnPerson mit einem Blick, deren Kraft alleine hätte reichen müssen um sie aus dem Raum zu befördern.
Bruno hatte die Situation interessiert beobachtet und erkannte schnell, dass hier ein Sprengsatz entschärft werden musste, bevor es zu einer riesigen Explosion kommen würde. Also wendete er sich Carla zu und versuchte sie zu einem Glas Champagner zu überreden. Aber Carla warf auch ihm nur einen ehe abschätzigen Blick zu, denn sie hatte natürlich gar kein Interesse daran den Raum schnell zu verlassen. „Dann kann ich ihnen also nicht helfen? Ich dachte so ein bisschen professionelle Unterstützung könnte vielleicht gut tun.“ sagte sie mit einem aufgesetzten Lächeln, dass sogar ein Menschenaffe als reine Fälschung hätte erkennen können. Jetzt konnte Anna sich nicht mehr zurück halten. „Sie reden von professioneller Hilfe? Sie haben doch nicht mal einen ordentlichen Entwurf auf´s Papier gebracht, und sie wollen mir sagen, dass ich nicht professionell arbeite?“ Peer trat an Anna heran und legte seine Hand auf ihre Schulter, um sie ein wenig zu beruhigen. „Ah, und da naht auch schon der Retter, aber? … Wo ist denn eigentlich dein Angebeteter? Sollte er dir nicht eigentlich zur Hilfe eilen? Oder hat er dich etwa schon wieder im Stich gelassen?“, fragte Carla sarkastisch, nachdem sie verwundert Peers Anwesenheit realisiert hatte. Anna, die Peer einen dankbaren Blick zugeworfen hatte, verharrte gedanklich in den gehörten Worten. Es war ihr bislang gar nicht bewusst geworden, aber Tom hatte sich tatsächlich schon lange nicht mehr blicken lassen und er hatte ihr auch nicht gesagt, wo er hinwollte. Zusätzlich zu ihrem Zorn braute sich nun auch noch ein sorgenvolles Grummeln in ihrem Bauch zusammen und sie fühlte, wie ihre Sinne wieder einmal um die Kontrolle zu kämpfen begannen. Nein! rief sie sich innerlich zu. Nein verdammt. Du wirst dich von dieser Person nicht abschießen lassen. Schmeiß sie endlich raus und mach dich an die Arbeit. Anna krampfte die Hände zusammen, bis sich ihre Fingernägel schmerzhaft in ihre Handballen drückten, aber das wirkte. Der Schmerz holte sie zurück und ließ sie wieder klar Denken. „Ich denke, sie gehen jetzt besser“, sprach sie kontrolliert in Richtung Tür, ohne überhaupt realisiert zu haben, dass ihre Kontrahentin dort gar nicht mehr stand. Irritiert wanderte ihr Blick durch den Raum, in dem alle Anwesenden wie festgenagelt der Szene folgten, die ihnen geboten wurde. Das artet hier langsam zum schlechten Theaterstück aus. Vielleicht sollte ich Eintritt nehmen, dachte Anna noch, ehe sie wieder Carlas Stimme vernahm. Aus einer ganz anderen Richtung, als erwartet. „Warum soll ich denn schon gehen? Es ist doch gerade so schön hier …“ Als Anna sah, das Carla gerade im Begriff war eines der Pakete zu öffnen, die ihre Kollektion beinhalteten, verlor sie dann doch die Kontrolle. „RAUS!!!!“ schrie sie nun quer durch den Raum und wollte ihrer verbalen Aufforderung auch sogleich Taten folgen lassen.

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BeitragThema: "47"   Mi Okt 30 2013, 20:37

hallo  Liebe Grüße
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Anna wusste gar nicht, warum sie so aus der Haut fuhr, denn eigentlich hatte sie doch die besten Bedingungen sich Carla überlegen zu fühlen, aber sie konnte deren Anblick und ihr unverschämtes Auftreten, das ihr spontan Übelkeit bereitete, einfach nicht ertragen. Zu sehr war sie durch die Erlebnisse der letzten Tage entkräftet, als dass sie dem roten Tuch, das in Gestalt von Frau Rhonstedt vor ihr wehte, mit professioneller Distanz hätte begegnen können. Anna wollte sich ihrer Wut hingebend, die ihr wie glühende Lava durch ihren Körper zog, gerade auf den Weg machen um eigenhändig dafür zu sorgen, dass die verhasste Kollegin aus ihrem Umfeld verschwand, als sie von Peers Hand, die immer noch auf ihrer Schulter lag, zurück gehalten wurde. Auch Paloma stellte sich ihrer Freundin in den Weg, was diese fast an den Rande des Wahnsinns brachte. Aber hier war Palomas Eingreifen eindeutig erforderlich. Sie legte ihre Hände auf Annas Arme und ließ sich auch nicht von ihr abschütteln. „Anna, lass gut sein. Sie ist ne dumme Schnepfe, das wissen wir alle, aber dafür ist jetzt wirklich keine Zeit“, sprach sie eindringlich auf die Blondine ein. Na ja, eigentlich ist gerade für alles Zeit, denn ihre Kollektion ist immer noch nicht hier, aber das kann ich ihr wohl schlecht sagen, dachte sie angespannt und überlegte, wie sie Anna beschäftigen konnte ohne sie an die Kollektion zu lassen.
Die letzten 20 Minuten hatte sich Paloma bewusst im Hintergrund gehalten und die Geschehnisse mit tiefer Besorgnis verfolgt, während sie völlig nervös im Minutentakt das Fortschreiten der Zeit kontrolliert, und innerlich tausend Worte an Tom, Gott oder wen auch immer gerichtet hatte. Und nun stand sie vor einer weiteren Herausforderung.
Eine kleine Pause zum Luft holen ...? überlegte sie. Super Plan Paloma, wir müssen die Models in 20 Minuten auf der Bühne haben … Paloma sah sich suchend um und warf der Tür einen flehenden Blick zu, damit sie sich endlich öffnete und Tom mit Annas Kollektion ausspuckte, aber ihr Wunsch verpuffte in der Luft. Immerhin konnte sie etwas anders Positives entdecken. Erleichtert beobachtete sie wie Bruno Carla aus dem Raum komplementierte. Na immerhin etwas, ging es ihr durch den Kopf.

Bruno hatte Carla verwundert und mit Argwohn beobachtet und als er realisierte, dass Anna kurz von einem Ausraster stand, hatte er beschlossen, dass er einen erneuten Versuch starten musste, die beiden verfeindeten Parteien auseinander zu halten. Dieses Mal forderte er Carla nicht freundlich auf, mit ihm einen Champagner trinken zu gehen, sondern war sehr entschlossen, für Entspannung in den heiligen Hallen der Lanford-Kunst zu sorgen. Er konnte ja viel verzeihen, aber das die anstehende Modenschau durch ihren Auftritt gefährdet wurde, war absolut inakzeptabel. „Carla, du hast Anna gehört. Raus hier!“, trat er bestimmt auf sie zu. „Du hast doch Urlaub eingereicht wenn ich mich nicht irre. Ergo, du hast hier nichts zu suchen und außerdem ist es Annas Kollektion.“ Seine Augenbrauen hatten sich gefährlich zusammen gezogen und machten unmißverständlich klar, dass er keine Widerrede dulden würde. Aber Carla beeindruckte das wenig. Sie ließ von dem Paket ab, drehte sich lächelnd zu ihrem Chef und antwortete ihm mit säuselnder Stimme. „Bruno, ich wollte doch nur helfen. Ich habe mir fast gedacht, dass Anna etwas überfordert sein wird.“ Sie warf der blonden Designerin, die immer noch gegen die Beruhigungsversuche ihrer Vertrauten aufbegehrte, als wolle man ihr ihren letzten Stolz nehmen, einen amüsierten Blick zu, ehe sie mit sarkastischem Unterton weitersprach. „Das kommt davon, wenn man Laien einstellt und ihnen solch wichtigen Aufgaben überträgt.“ Es wurde nicht ganz klar, ob sie immer noch mit Bruno redete, oder eher ihren Gedanken freien Lauf ließ, aber ihre Absicht war auch egal, denn das Ergebnis war das Gleiche. Die Worte drangen in Brunos Gehörgang. Was fällt der denn ein?, schoss es Bruno voller Missbilligung durch den Kopf. Steht sie unter Drogen, oder warum fällt sie so aus der Rolle? Und wie kommt sie dazu so mit mir zu reden? Brunos Kopf wurde innerhalb kürzester Zeit dunkelrot und seinem Körper war anzusehen, dass jeder einzelne Muskel darin angespannt war. Mit einem besorgten Seitenblick auf Anna nahm er Carla am Arm und führte sie zur Tür. „Genug jetzt. Raus hier …“, und nachdem Carla ihn wieder mit diesem belustigten Blick betrachtete, der offensichtlichen Spott zur Schau trug, platze ihm der Kragen und er brüllte sie vor versammelter Mannschaft an. „Wenn du irgendein Interesse daran hast, weiterhin für Lanford zu arbeiten dann verlässt du jetzt sofort diesen Raum. Ansonsten kannst du dir deine Papiere abholen.“ Das hatte dann doch gesessen. Carlas Grinsen viel zusammen wie ein Kartenhaus und es war offensichtlich, dass sie sich immer noch als die völlig unabkömmliche und natürlich beste Designerin Lanfords betrachtete, und sie daher auch niemals mit solchen Konsequenzen auf ihr Handeln gerechnet hatte. Ihren tödlichen Blick fest auf Anna gerichtet, folgte sie Bruno aus dem Raum. Als sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte, wurde der Raum von einer Stille erfüllt, in der man eine Stecknadel hätte fallen hören können, ehe ein kollektives Aufatmen spürbar wurde. Es dauerte nur ein paar Sekunden bevor plötzlich alle noch Anwesenden aus ihrer Starre des gebannten Zuschauens erwachten und wieder in die Realität zurückkehrten. Sogleich stellte sich eine trubelige Betriebsamkeit ein. Alle, und vor allem Anna, waren froh, dass sie auch diesen dramatischen Akt hinter sich gebracht hatten und sich nun dem nächsten Kapitel, sozusagen dem Hauptthema des Tages, wieder zuwenden konnten. Alle, außer Paloma, die erschrocken registrierte, dass die Models auf die Pakete zustürmten um sich endlich in die Kleider zu werfen. Sie wendete sich wieder Anna zu, die sich nach dem Abgang ihrer Kontrahentin ein wenig beruhigt hatte, und auch im Begriff war sich an die Arbeit zu begeben und hielt sie entschieden zurück. „Stopp, meine Liebe. Du gehst jetzt erst mal zu Deborah …“ Sie sah sich suchend um und winkte eine der Visagistinnen zu sich „Du lässt dich für deinen Auftritt stylen, um den Rest kümmere ich mich.“ Ihre Stimme wirkte erstaunlicherweise sehr bestimmt, obwohl sie sich gleichzeitig verzweifelt fragte, woher sie immer noch den Optimismus nahm an dem ursprünglichen Plan festzuhalten, denn die Zeit lief eindeutig gegen sie. Vielleicht sollte ich endlich was sagen … Anna reißt mir den Kopf ab, wenn das hier schief geht, und Bruno schmeißt mich bestimmt hochkantig raus. Jetzt komm endlich herbei, ging es ihr durch den Kopf, während sie Anna an einen der Schminktische begleitete und ihr zu verstehen gab, dass sie nicht mit sich diskutieren lassen würde. Aber innerlich wurde sie immer unruhiger, zweifelte immer mehr, ob sie noch länger warten konnte und ob sie die Show nicht einfach absagen sollten.
Anna ließ sich widerwillig auf den Stuhl fallen und warf Paloma einen immer noch wütenden Blick zu. Sie hatte Carlas Abgang und die Worte Brunos zwar mit Wohlwollen verfolgt, aber selbst diese Genugtuung hatte ihren Zorn nur ansatzweise beruhigen können. Und jetzt konnte sie noch nicht einmal ihrer Arbeit nachgehen, die sie wenigstens ein wenig abgelenkt hätte. Sie murmelte unentwegt Flüche und Verwünschungen vor sich hin und hätte sie eine Voodoo-Puppe zur Hand gehabt, hätte sie sicherlich nicht gezögert die Nadeln an den schmerzhaftesten Stellen zu stecken.
Obwohl sie, bis auf diesen ärgerlichen Auftritt gerade, gar keinen akuten Grund hatte sich von Carla so angegriffen zu fühlen, war deren Erscheinen wohl der allseits bekannte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht und dafür gesorgt hatte, dass ihre Erschöpfung, ihre Verzweiflung und Ängste der letzten Tage in Wut umgeschlagen war. Anna musste sich arg zusammenreißen auf diesem Stuhl sitzen zu bleiben und nicht wie ein Springteufel sofort wieder in die Höhe zu schießen und nun sollte sie auch noch entspannt die Augen schließen um sich schminken zu lassen. Juchuh. Gerade als sie sich eingestanden hatte, dass sie Palomas Auftrag folgen sollte, wenn sie sich wirklich der Öffentlichkeit präsentieren wollte, sah sie durch den Spiegel erneut die Tür aufgehen. Wenn diese Schlange zurück kommt, dann bring ich sie um, ging ihr durch den Kopf während selbiger in einem Sekundenbruchteil herum schoss.

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BeitragThema: "48"   Mi Okt 30 2013, 21:10

Und noch einer. readcoffee  Viel Spaß!
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Aber es war nicht Carla, die zurück kam. Es war ein Paket, das wie von Geisterhand herein geschoben wurde. Was ist denn jetzt los? In Anna machte sich riesige Verwirrung breit, und sie warf Paloma einen fragenden Blick zu. „Na endlich!“, rief diese gerade freudestrahlend aus und die Erleichterung, die von ihr Besitz ergriff, verdeutlichte Anna, wie angespannt ihre Freundin wohl gewesen sein musste, was sie aber in ihrer eigenen Wut gar nicht registriert hatte. „Paloma?“, fragte sie skeptisch, „was ist hier los?“ Aber Paloma, die sich sogleich wieder im Griff hatte, strich ihr nur beruhigend über den Arm. „Anna es ist alles in Ordnung. Lass dich jetzt endlich schminken, sonst wird das nichts mehr mit deinem Auftritt.“ Sie warf der Visagistin einen auffordernden Blick zu. „Deborah, sie wissen ja was wir für ein Styling für das Brautkleid besprochen haben?“ Diese nickte nur genervt. Offensichtlich hatte sie langsam genug von diesem ganzen Schmierentheater. „Ja, wenn ich dann mal anfangen darf. Anna, können wir?“ Anna schaute immer noch völlig irritiert von einem zum anderen und drehte sich schließlich um, obwohl sie eigentlich am liebsten sofort wieder aufgesprungen wäre, um herauszufinden was hier vor sich ging. Paloma beugte sich noch kurz zu ihr herab und flüsterte Anna ins Ohr. „Wenn du dich jetzt nicht fügst, dann binde ich dich am Stuhl fest. Gönn dir einen Moment und denke an das Brautkleid …“ Anna konnte Palomas Grinsen fast hören, so offensichtlich waren ihre Gedanken und Anna fügte sich mit einem flauen Gefühl im Magen ihrem Schicksal.

Als Deborah zehn Minuten später ihre Arbeit beendet hatte, sprang Anna auf, als hätte sie auf einer Feder gesessen, die sie unmittelbar in die Höhe katapultierte. Die Schminksession, die sie eigentlich hätte nutzen sollen, um sich endlich auf ihre Show zu konzentrieren, hatte für Anna den Charakter eines nicht enden wollenden Geduldsspiels gehabt. Annas Antennen waren allesamt nach hinten in den Raum gerichtet, so dass Deborah ihre Anweisungen immer energischer verfassen musste, damit sie überhaupt an ihr Ohr drangen. Aber Anna fand es viel wichtiger mit zu verfolgen, was ansonsten passierte. Sie konnte immer wieder vereinzelte Blicke durch den Spiegel werfen und hörte auf die Stimmen, aber außer einem wirren Gemurmel und vereinzelten Worten der sich eilig umziehenden Frauen konnte sie nicht Ungewöhnliches erkennen. Ein Tatbestand, der ihre Unruhe trotzdem nicht zu vertreiben vermochte.
Jetzt stand sie da und sah hektisch durch den Raum, um sich zu orientieren. Es sah gut aus. Lediglich an einem Kleid wurden noch ein paar Nadeln gesteckt und als sie erkannte worum es sich da drehte atmete sie erleichtert auf. Jasmin passte das Sommerkleid an, das für Lena gedacht war und jetzt ein anderes Model vorstellen würde.
Ein lauter Gong, der den Gästen ankündigte, dass die Schau gleich los ging, ertönte und ließ Annas Herzschlag noch einige Takte schneller Schlagen als bisher schon. Annas Magen begann vor Nervosität zu rebellieren und Anna atmete einige Male tief durch. Oh Gott, lass die nächste halbe Stunde gut über die Bühne gehen, schickte sie ein kurzes Stoßgebet gen Himmel.
Bevor sie auch nur einen Schritt in den Raum tun konnte, tauchte Paloma in Annas Blickfeld auf und versperrte ihr die Sicht. „Denk nicht mal dran.“ drang die freundliche, aber zugleich drohende Stimme ihrer Freundin an ihr Ohr. „Wir haben alles im Griff, und du ziehst dich jetzt um.“ Die Brünette hielt das Brautkleid in die Höhe und zwinkerte Anna verschwörerisch zu. „Ok, ok," gab sich Anna geschlagen und fragte trotzdem noch mal nach "Und es ist wirklich alles in Ordnung?“ Paloma nickte beruhigend. „Alle Mädels sind gestylt, angezogen und mit Accessoires ausgestattet, und ich werde jetzt die Aufstellung machen. Peer ist schon auf dem Weg zur Bühne. Er wollte sehen, dass er einen kurzen Aufschub für uns raus holt. … Wir bekommen das hin. Zieh du dich in Ruhe an, du hast ja noch zehn Minuten länger bis zu deinem Auftritt. Du weißt, wann du raus musst?“ Anna nickte, nahm Paloma das Kleid ab, um es über die Stuhllehne zu hängen und nahm die Brünette in den Arm. „Danke, du bist wirklich die Beste!“ sagte sie leise. Paloma lächelte Anna herzlich an. „Süße, für dich immer gerne. Das wird grandios, bestimmt!“
Anna wäre nicht Anna, wenn sie nicht trotzdem ein unbehagliches Gefühl in sich verspürt hätte, da sie die Models nicht persönlich begutachtet hatte, aber sie wollte Paloma nicht kränken und beließ es daher dabei. Aber da gab es noch etwas anderes, was ihr auf der Seele lag. Ihre Augen zogen sich besorgt zusammen, als sie in Palomas Augen forschte und leise fragte, „Sag mal, kannst du mir sagen wo Tom ist? Er wollte doch bei mir bleiben und jetzt ist er schon wieder verschollen …“ Paloma zog amüsiert die Augen in die Höhe und schüttelte tadelnd den Kopf. „Du zweifelst doch nicht schon wieder, oder? Süße, er war die ganze Zeit für dich da, auch wenn du ihn nicht gesehen hast, glaub mir …“ Wenn du wüsstest, wie sehr er für dich gekämpft hat … Wenn Paloma Tom vorher schon gemocht hatte, war er heute durch seinen selbstlosen Einsatz für Anna, auf ihrer Beliebtheitsskala auf jeden Fall noch mal einige Stufen in die Höhe gestiegen. „Er wird sofort wieder hier sein, er wollte mit Peer zum Veranstalter", beruhigte sie Anna und fügte entschlossen hinzu. "Und jetzt zieh dich an … und vertrau mir und den anderen. Toi, toi, toi!“ Anna nickte ergeben „Toi, toi, toi“, gab sie zurück und nahm das Kleid zur Hand, um sich umzuziehen.

Es ertönte eine unbekannte Stimme, die das Publikum zur Eröffnung der diesjährigen Fashion-Days begrüßte und nach einigen Informationen zu den Veranstaltungen in den nächsten Tagen, auf das Label Zauberhaft by Lanford verwies, das nun die Tage der Mode in Berlin eröffnen würde. Anna sah nervös in den Spiegel. Sie sah wirklich toll aus in diesem Kleid. Lächelnd überlegte sie kurz, ob sie es insgeheim tatsächlich für sich selbst entworfen hatte, aber ehe sie eine Antwort gefunden hatte, nahm die Nervosität sie wieder in Besitz und sie lenkte ihre ganze Energie auf die Regulierung ihrer Vitalfunktionen. Da legten sich plötzlich zwei Hände um ihre Hüften und zogen sie an sich. Sie zuckte zusammen und schaute in den Spiegel, um zu sehen wer sich da an sie heran geschlichen hatte. „Tom! Da bist du ja endlich“, sagte sie erleichtert und drehte sich um. Ihre Augen, die vor Nervosität flackerten, bohrten sich in die liebevollen Augen ihres Liebsten, der ihr lächelnd einen sanften Kuss auf die Lippen drückte. Dann trat er zwei Schritte zurück und betrachtete sie bewundernd. „Du siehst unglaublich aus!", sagte er völlig fasziniert. "Du wirst das Publikum begeistern, da bin ich ganz sicher.“ Er war so froh, dass sich endlich alle Probleme gelöst hatten und einer erfolgreichen Modenshow nichts mehr im Wege stand. Und jetzt stand er vor dieser wunderbaren Frau, die er so sehr liebte. Ich würde dich vom Fleck weg heiraten!, dachte er völlig überzeugt, während sich wieder diese Ungewissheit in sein Herz schlich, dass er immer noch nicht wusste, ob sie das genauso sah. Wenn ich nur endlich eine Antwort von ihr erhalten würde … Aber Anna hatte gerade ganz andere Sorgen. Anna lächelte Tom dankbar an, während sie Peers letzte Worte hörte, die von der beginnenden Musik abgelöst wurde. „Es geht los“, sagte Tom mit wissendem Blick und zog sie ein paar Meter in den Raum, der plötzlich von völliger Stille eingenommen wurde, da sich alle anderen an den Bühneneingang verzogen hatten. Anna war froh, dass Tom bei ihr war und seine bloße Anwesenheit sorgte dafür, dass es ihr besser ging.

Schnell warf Anna einen kurzen Blick zur Uhr, um abschätzen zu können, wieviel Zeit sie noch bis zu ihrem Auftritt hatte, aber statt der gewünschten Erkenntnis traf sie eine ganz andere Gewissheit mit voller Wucht. Sie konnte ihren Blick nicht mehr von den Ziffern abwenden, die im Sekundentakt den Fortlauf der Zeit dokumentierten und ihre Hände und Knie begannen unkontrolliert zu zittern. Toms Zuversicht wechselte binnen einiger Sekunden in unglaubliche Sorge. Was ist denn jetzt wieder los?, fragte er sich und folgte Annas Blick. Er schaute verwirrte auf die Wanduhr und konnte sich ihre heftige Reaktion auf diesen Anblick überhaupt nicht erklären. „Anna, was ist los?“ Anna reagierte nicht, starrte weiterhin auf die Wand und war wie hypnotisiert von den grünen Zahlen. „Hey!“ Tom packte Anna an den Schultern, und auch wenn sie es nicht schaffte ihn anzusehen, stammelte sie, „Genau in einer Minute … Dann wird diese Uhr stehen bleiben … Wie vor einem Jahr, genau als Jonas …“ Tom verdrehte die Augen bei der Ahnung, die ihn ereilte. Hört das denn nie auf? ging es ihm verzweifelt durch den Kopf. Er drehte Anna mit sanfter Gewalt zu sich und nahm letztlich ihr Gesicht in seine Hand, um auch dieses von der Uhr wegzulotsen. Er beugte sich zu ihr und nachdem sie immer noch nicht bereit war, ihm ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, legte er seine Lippen auf ihre und gab ihr einen innigen Kuss. Aber ihr Widerstand blieb und so löste er sich von ihr, aber nicht ohne sie sogleich in eine feste Umarmung zu ziehen. Er drückte ihren Kopf an seine Brust und flüsterte, „denk an Jonas, schenk ihm deine Gedanken, deine Wünsche und dann komm wieder zu mir zurück.“ Anschließend hielt er sie einfach nur fest. Er wollte sie nicht mehr leiden sehen, wollte ihr alle Liebe zukommen lassen, die er zu geben hatte. Es dauerte einige Sekunden bis er erleichtert spürte, wie sich Anna darauf einließ, ihren Widerstand fallen ließ und sich in seine haltenden Arme schmiegte. Aber nur für einen Moment, dann schob sie ihn von sich. Nach einem kurzen verwirrten Blick in Toms Augen, schoss ihr Kopf wieder zur den Ziffern der Digitaluhr an der Wand. Auch Tom folgte ihrem Blick. „Und? Ist es vorbei?“, fragte er vorsichtig, und er spürte wie Annas Zittern, das für einen Augenblick ausgesetzt hatte, verstärkt zurück kehrte. „Ja, es ist vorbei.“ Sie schaute mit tränenverschleiertem Blick in seine Augen, und lächelte gequält von ihrem erneuten Aussetzer. Tom nahm sie erneut in den Arm und drückte sie fest an sich. „Ich bin noch da, und daran wird sich auch nichts ändern, hörst du ... Alles ist gut.“
Annas Blick fiel auf den Bühnenaufgang und sie sagte erschöpft, „Ich kann da jetzt nicht raus.“ Sie lehnte sich gegen Toms Brust und krallte ihre Hände haltsuchend in seine Schultern. Sie fühlte sich plötzlich wieder so unendlich schwach, als würde ihr Körper ihr nicht mehr gehorchen und am liebsten einfach zusammenbrechen. Nur Tom verhinderte das, indem er sie fest hielt, ihr den Halt gab, dass sie nicht umfallen konnte. Er drückte ihr einen Kuss nach dem anderen auf ihren Scheitel. „Alles ist gut. Du schaffst das.“ versuchte er sie zu motivieren. Aber er vernahm nur ein schwaches Kopfschütteln. Er wartete noch einen Moment, aber dann sah er, dass Paloma hektisch winkte. Annas Auftritt! Tom schob sie ein Stück von sich und schaute sie aufmunternd an. „Komm, du bist dran.“ Er ignorierte ihre Abwehr einfach, nahm sie an die Hand und zog sie mit sich. Anna sah ihn verwirrt an, aber mit ihm an ihrer Seite fühlte sie langsam ihre Sicherheit zurückkehren. „Was machst du?“ fragte sie mit einem weiteren Seitenblick. „Dich auf die Bühne bringen“, lächelte er sie amüsiert an. Er hatte ihr versprochen an ihrer Seite zu bleiben und er hatte nicht vor sein Versprechen zu brechen. Und wenn es nötig war mit ihr gemeinsam auf die Bühne zu treten, dann würde er auch dies tun. Paloma zog die Brauen in die Höhe und verfolgte irritiert wie die beiden an ihr vorbei die Stufen herauf schritten und sich hinter die Tür der aus Stoff errichteten Lanford-Fassade stellten, aus der Anna gleich heraustreten sollte. Die Musik war laut und somit waren Worte fast unmöglich zu verstehen, und so formte Anna ein überdeutliches „Danke!“ mit ihren Lippen und lächelte ihren Liebsten an, während sich in seinem Gesicht leichte Verunsicherung breit machte. Anna zuckte mit fragendem Blick die Schultern, denn sie hatte seine Stimmungsschwankung registriert und ließ sich sofort davon anstecken. Tom beugte sich zu ihr und schrie ihr ins Ohr „Wenn mich die Presse hier mit dir sieht, dann steht morgen in jeder Zeitung, dass wir heiraten werden ... Ich lass dich besser alleine.“ Er wollte seine Hand aus ihrer lösen, aber Anna entließ sie nicht aus ihrer Umklammerung. Sie sah ihm in die Augen und ein Lächeln schlich sich in ihr bis gerade noch angespanntes Gesicht. Sie wurde von der Erkenntnis erfasst, dass dieser Mann an ihrer Seite tatsächlich seine Gedanken nur auf ihr Wohl gerichtet hatte und vermutlich alles für sie tun würde, und ihre Unsicherheit wurde von dem Gefühl verdrängt, dass ihr Herz vor Liebe zu ihm fast zu bersten drohte. Und dann war das kurze Zeitfenster, indem Tom noch hätte verschwinden können auch schon vorbei, denn da ertönte die Musik, die den Übergang zum Hochzeitsmarsch darstellte. Die Tür vor ihnen öffnete sich und schon standen sie gemeinsam inmitten des Scheinwerferlichtes. Es gab kein zurück mehr. Anna zog kurz an Toms Hand und signalisierte ihm, dass er mitkommen sollte. Gemeinsam schritten sie also durch die Tür und verharrten einen Moment neben einander, während ihre liebevolle Blicke ineinander verhakt waren. Anna beugte sich zu Tom und schrie ihm ins Ohr, „dann schreibt die Presse doch endlich Mal die Wahrheit.“ Sie zwinkerte ihm noch einmal zu, ehe sie sich von ihm löste und zu der Musik, die wohl in jedem sofort die Bilder eines ehrfürchtigen Brauteinzugs hervorrief, den Catwalk entlang schritt.

Tom hatte sich eigentlich, mit dem Aufmerksamkeitsentzug der Scheinwerfer von der Bühne verabschieden wollen, aber die Worte, die er da gerade gehört hatte, ließen einen völlig verwirrten Mann zurück, der aus Mangel an Handlungsplänen in seinem überforderten Kopf, einfach an Ort und Stelle stehen blieb. Hat sie das wirklich gerade gesagt? Wie soll ich das denn jetzt verstehen? War das die Antwort, auf die ich so ungeduldig warte? Er war völlig gefangen in seinen Gedanken und sein Körper schien ob der Uneindeutigkeit der Situation ebenfalls zu rebellieren. Ihm war kalt und warm zugleich und sein Herz wusste nicht, ob es stehen bleiben oder im rasenden Tempo voranschreiten sollte, was auch seine regelmäßige Atmung in Frage stellte. Ehe er sich wieder im Griff hatte, drehte sich Anna auch schon wieder um und schritt in seine Richtung zurück. Ihr Anblick fesselte ihn völlig und ließ ein strahlendes Lächeln auf seinem Gesicht erscheinen. Genau so hoffte er bald vor dem Standesbeamten zu stehen, und sie auf sich zukommen zu sehen. Es waren die Bilder seines innigsten Wunsches, der ihn seit dem Moment auf dem Friedhof, als er sie voller Überzeugung gefragt hatte ob sie seine Frau werden wolle, nicht mehr los ließen.
Als Anna wieder vor ihm stand und ihm lächelnd tief in die Augen schaute war er sich zwar fast sicher, was soeben passiert war, aber er brauchte dringend Gewissheit. Er griff nach ihren Händen und zog sie ein Stück zu sich. „Hast du mir gerade gesagt, dass du mich heiraten willst?“, schrie er ihr entgegen und schaute gebannt in ihre Augen. Anna lächelte ihn liebevoll an und nickte zur Bestätigung. Tom wurde von einem Glücksgefühl erfasst, das ihn völlig vergessen ließ wo er sich eigentlich befand und auch Annas Aufmerksamkeit war alleine auf ihren zukünftigen Ehemann gerichtet. Sie traten einen weiteren Schritt aufeinander zu und gaben sich einen sanften Kuss, ehe Tom Anna umfasste, sie in die Luft hob und sich glücklich mit ihr um die eigene Achse drehte.
Die Musik hatte in der Zwischenzeit ihr Ende gefunden und wurde für einen Moment von völliger Stille abgelöst. Aber waren die Zuschauer schon von der Modenschau und vor allem Annas Auftritt begeistert gewesen, waren sie jetzt nicht mehr zu halten. Es brandete wahrer Jubel auf. Wann bekam man bei einer Modenschau schon mal so etwas geboten. Tom stellte Anna wieder ab und verwirrt schauten sie sich um. Sie sahen sich an und zuckten verlegen mit den Schultern, ehe sie sich schließlich Arm in Arm dem Publikum zuwendeten. Einen kurzen Moment blieben sie stehen, ehe Tom sich von Anna löste und einige Schritte bei Seite trat, um Anna den Applaus zu teil werden zu lassen, der ihr gebührte. Anna verbeugte sich und lächelte Tom erneut liebevoll an. Und plötzlich standen zwei ihrer Kolleginnen vor ihr, nahmen sie an die Hand und zogen sie mit sich zum anderen Ende der Bühne, damit sie sich dort den Lohn ihrer Arbeit abholte.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Fr Nov 01 2013, 17:20

Hallo Katha huhu  ,diesen Teil finde ich sooo schön jetzt hat Anna endlich ja gesagt.Wurde aber auch echt mal Zeit.Und Tom soooooo glücklich das ist einfach toll.Lg. Carla

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Fr Nov 01 2013, 17:45

hey katha sorry das ich nicht hinter jedenneuen post von dir ein komentar gesetzt habe ist leider so wie du es schon geschrieben hast kenn die story die du bisher postest ja schon und warte gespannt darauf wie es weiter geht ;-)

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BeitragThema: "49"   Fr Nov 01 2013, 23:02

Hey, ihr Beiden,
ja, ich weiß ihr wartet auf die Fortsetzung Wink  und wie ihr seht, bemühe ich mich redlich, schnell dort hin zu kommen.
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Das Publikum hatte Annas Auftritt fasziniert verfolgt, und als Anna letztlich mit dem Lanford-Junior verschmolzen war und dieser sie voller Glück durch die Luft gewirbelt hatte, waren sie von ihren Sitzen aufgesprungen und hatten begeistert zu applaudieren begonnen. Das laute „Neeeiiiiinnn!“, das durch die Halle flog, wurde von vereinzelten irritierten Blicken aus der näheren Umgebung zurück verfolgt, verhallte aber ansonsten unbemerkt in der Menge.
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Carla hatte nach Brunos Rausschmiss aus der Lanford-Garderobe versucht mit ihm zu reden und ihn davon zu überzeugen, dass sie doch nur das Beste für Lanford wolle, aber Bruno hatte die Nase gestrichen voll von ihrer Selbstüberschätzung, und hatte sich auf kein Gespräch eingelassen. Mit versteinerter Miene war er neben ihr hergegangen und hatte sie erst aus seiner Obhut entlassen, als sie den Background-Bereich der Fashion-Days verlassen hatten. In der Publikums-Area angekommen, hatte er ihr noch ein paar drohende Worte mit auf den Weg gegeben, bevor er sie stehen ließ und sich in die Menge begab. Carla war völlig fassungslos gewesen.
Was hat er gesagt? Ich soll mich in meinem Urlaub nicht mehr blicken lassen, und die Fehde mit Anna einstellen?
Ansonsten müsste er ernsthaft darüber nachdenken, ob Lanford mich noch gebrauchen könne? Sie stieß herablassend die Luft aus. Das werden wir ja noch sehen, ob Lanford auf mich verzichten kann. Wenn Bruno gleich davon Kenntnis erlangt, dass die Show von Zauberhaft leider ausfallen muss, wird er sich noch wünschen, dass er Lanford-Life präsentiert, und sich nicht auf die profane Laien-Arbeiten einer Anna Broda eingelassen hätte.
Eigentlich hatte sich Carla ja bereits in der Lanford-Garderobe von dem Untergang ihrer verhassten Konkurrentin überzeugen wollen, aber da man sie an ihrem Vorhaben gehindert hatte, würde sie wohl hier abwarten müssen bis sie ihre Genugtuung erhalten würde. Sie bezog eine strategisch günstige Position im Hintergrund, hatte sie doch beschlossen in Brunos Nähe zu bleiben um seiner Demütigung hautnah beiwohnen zu können. Denn hatte sie mal großen Respekt vor ihm gehabt, war dieser spätestens seit dem unsanften Rausschmiss eben, in ein überhebliches Mitleid umgeschlagen. Der wird auch noch feststellen, dass seine besten Zeiten bereits hinter ihm liegen. Mit seinen Fehlentscheidungen wird er Lanford in die Tiefe ziehen. Und dann wird er mich anflehen, wieder für ihn zu arbeiten.
Hasserfüllt hatte sie beobachtet, wie Bruno mit den verschiedensten Menschen plauderte und sich in seiner extravaganten Art präsentierte, als sei er der Modezar schlechthin. Und dann ertönte der Gong. So, dann wollen wir doch mal sehen was passiert, dachte sie boshaft und wartete ungeduldig auf den Auftritt des Moderators, der mit Sicherheit die traurige Nachricht überbringen würde, dass Zauberhaft by Lanford aus organisatorischen Gründen leider nicht auftreten könne. Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf ihr Gesicht, während sie Bruno weiter im Blick behielt, der gut gelaunt auf eine neue Erfolgsgeschichte seines Unternehmens wartete. Da betrat der Organisator der Fashion Days auch schon die Bühne. Als Carla jedoch dessen Begleitung erkannte, runzelte sie skeptisch die Stirn. Was macht denn Peer da oben? Diese Entwicklung gefiel ihr nun gar nicht. Aufmerksam lauschte sie den Worten, und als die Eröffnungsshow schließlich angekündigt wurde, ereilte sie eine böse Vorahnung, dass sich ihr boshafter Wunsch des Misserfolges von Zauberhaft nicht einstellen würde. Nein, das darf nicht sein, ging es ihr durch den Kopf als Peer das Mikrophon übernahm und das Publikum herzlich begrüßte. Sie ließ sich fassungslos gegen die Wand fallen, vor der sie stand. Wie kann das sein? Anna hat doch ihre Kleider gar nicht … Verbittert verfolgte sie den Beginn der Show und was sie da sah, ließ sie vor Zorn fast in die Luft steigen. Das geht nicht. Wo haben sie denn die Kleider her? Der Fahrer hat doch geschrieben, dass er die Pakete geladen hat und gerade losfährt ... Sie konnte sich keinen Reim auf die Geschehnisse machen, und fühlte, wie die Demütigung, die sie sich für Anna und Bruno gewünscht hatte, nun zerstörend über sie selbst hinwegrollte. Ihr Plan war nicht aufgegangen. Voller Hass verfolgte sie die Läufe der Models ehe sie eine Entdeckung machte, die ihr Weltbild gefährlich ins Wanken brachte. Anna trat in einem Hochzeitskleid auf die Bühne. Das alleine hätte ihr gehässiges Grinsen vermutlich nur genährt, aber sie hatte einen jungen Mann an ihrer Seite und das war nicht irgendeiner, Das ist Tom!, schrie es in ihr. Was macht Tom mit dieser Schnepfe auf der Bühne? Sie schoss zwei Schritte nach vorne und rempelte dabei die vor ihr stehenden Leute an, was sie aber nicht weiter berührte. Der Boden unter ihren Füßen begann zu wanken und sie fühlte sich als würde sie seekrank. Sie konzentrierte sich alleine auf ihren Ausblick, und die Bühnenshow hatte spätestens jetzt ihre volle Aufmerksamkeit. Sie sah Anna zu, wie sie über den Laufsteg lief und ihr Blick wanderte wie beim Tennis ständig zwischen ihrer Erzfeindin und Tom, der verwunderlicherweise wie verwurzelt mitten auf der Bühne stehen blieb, hin und her. Tom würde doch nie freiwillig Model spielen, dachte sie panisch, denn irgendwas lief hier verdammt schief. Nur ein / zwei Minuten später war die räumliche Distanz des Paares wieder aufgehoben und nach einem intensiven Blickwechsel lagen sie sich, in einem innigen Kuss verbunden, in den Armen. Das war der Zeitpunkt in dem Carla´s Welt tatsächlich in tausend Scherben zerfiel. Hatte sie sich bislang in ihre Welt des Zorns und der Intrigen zurück gezogen und damit einhergehend den Glauben aufrecht erhalten, dass sie Anna lediglich diffamieren musste, damit sie aus der Firma verschwand und ihr den Weg zu Lanford und zu ihrem geliebten Tom wieder freigeben würde, zersprang diese Konstrukt gerade, als wenn eine Glaskugel zu Boden fiel. Sie hatte ja bereits Kenntnis davon, dass Tom und Anna ein Paar waren, aber zu sehen, wie sie sich öffentlich, und auch noch in diesem Kontext der Brautkleid-Präsentation, mehr als deutlich zu einander bekannten, nahm ihr plötzlich jede Illusion. Sie hatte Tom tatsächlich verloren. Ein lauter Aufschrei entfuhr ihr, bevor sich die Schotten schlossen und Carla in sich einsperrten, um sie vor der Grausamkeit der Welt zu schützen. Sie brach zusammen und blieb reglos liegen.
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Tom stand auf der Bühne und schaute seiner Traumfrau hinterher, die gerade seinen innigsten Wunsch erfüllt hatte. Sie wollte tatsächlich seine Frau werden. Das Strahlen, das er auf dem Gesicht hatte hätte ausgereicht, um die komplette Halle zu erleuchten und mit einem ungläubigen Kopfschütteln wandte er sich endlich ab und schritt auf Peer zu, der am Seitenaufgang der Bühne stehen geblieben war, um die Show zu beobachten. Sie grinsten sich breit an und schauten noch einen Moment zu, wie Zauberhaft gefeiert wurde, ehe sie sich gemeinsam in die Garderobe begaben. „Na das war doch mal ein Erfolg auf ganzer Linie“, sagte Peer mit einem wissenden Lächeln in Toms Richtung. Tom warf einen leicht skeptischen Blick zurück, um die eigentliche Botschaft dieser Aussage zu ergründen, ehe Peer sie mit einem Schulterklopfer klar zu erkennen gab. „Habt ihr es also geschafft … . Schön, dich wieder glücklich zu sehen.“ Tom lächelte leicht verkniffen zurück. „Hm, aber du hast erst mal noch für ganz schönen Trubel gesorgt mein Freund.“ Peer riss erschrocken die Augen auf. „Ich?“, rief er erstaunt aus. „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich mich zwischen euch gestellt hätte. Das euch mehr als ein rein berufliches Verhältnis verbindet, war ja wohl nicht zu übersehen. Ich bin ja nicht blind und doof zugleich.“ Tom knurrte vor sich hin. „Und trotzdem waren da Bilder, die was ganz anderes erzählen wollten.“ Sie waren in der Zwischenzeit in der Garderobe angekommen und Peer nahm zwei Gläser Champagner von einem Tablett, das eine Angestellte vorbereitet hatte. Er gab Tom eins davon und erwiderte genervt. „Weißt du eigentlich wie viele lästige Fragen ich nach diesem Vorfall beantworten musste? „Sind sie und Frau Broda ein Paar? Werden sie in Zukunft zusammen arbeiten? Wie sieht ihre Zukunftsplanung aus. Werden sie Frau Broda weiterhin protegieren?“ Er verdrehte genervt die Augen. "Glaub mir, die ganze Aufregung hätte ich mir und ihr gerne erspart.“ Er betrachtete seinen immer noch knurrigen Freund von der Seite und konnte sich nicht verkneifen ihn ein wenig zu ärgern. „Und dabei hat es sich nicht mal gelohnt. Schade eigentlich, Anna ist eine wirklich tolle Frau.“ Toms Blick schoss in sekundenschnelle herum und stieß auf das amüsierte Grinsen Peers. Er gab ihm einen Hieb in die Seite und lachend stießen die beiden Männer an. „Auf euch!“, sagte der Star-Designer, „Ich freu mich wirklich für euch.“ „Danke“ antwortete Tom, bevor er einen Schluck trank und dabei verfolgte, wie die Models aufgeregt schnatternd wie eine Hühnerschar die Treppe zur Bühne herabkamen. In etwas Abstand erschien auch Anna und blieb gedankenverloren auf der Treppe stehen. „Ja, sie ist wirklich eine tolle Frau“, murmelte Tom voller Inbrunst und dem männlichen Stolz diese Frau für sich gewonnen zu haben. Von der Seite ereilte ihn ein weiterer amüsierter Blick seines Freundes.
Anna blickte hinab in den Raum, in dem ihre jungen Kolleginnen mittlerweile alle ein Glas in der Hand hielten und sich aufgeregt über die Erfahrungen ihres ersten Bühnenauftritts unterhielten. Erst jetzt wurde ihr richtig bewusst, dass es tatsächlich vollbracht war. Die Modenschau war gelaufen und scheinbar sehr gut angekommen. Trotz des Jubels, der sie soeben umfangen hatte, hatten die Endorphine dieses Mal keine wirkliche Chance bekommen, ihre Wirkung zu entfalten. Ihre Erschöpfung war einfach zu groß und griff unnachgiebig nach ihr. Müde ließ sie sich auf die Stufen sinken, froh sich ein wenig ausruhen zu könn, aber schon kam Paloma freudestrahlend auf sie zugeschossen und zog sie sogleich wieder in die Höhe, um sie euphorisch an ihre Brust zu drücken. „Anna, das war der Knaller. Die Leute waren ja gar nicht mehr zu beruhigen.“ Und mit einem verschwörerischen Lächeln flüsterte sie noch, „und was das mit Tom war, das will ich in allen Einzelheiten erfahren, verstanden?“ Anna nickte lächelnd und nahm ihrer besten Freundin das Glas aus der Hand, was sie ihr nun auffordernd vor die Nase hielt.
Anna sah in erneut in die Runde der Menschen, die sie erwartungsvoll anblickten. Sie räusperte sich und war viel zu müde zum Nachdenken, also plapperte sie einfach drauf los.
„Ihr Lieben…, ich will gar nicht lange reden. Ihr seid die Besten. Ich danke euch von ganzem Herzen, dass ihr trotz des ganzen Chaos in den letzten Stunden alles so super vorbereitet, und so einen tollen Auftritt hingelegt habt. Ihr ward großartig!“ Sie hob das Glas. „Nochmal, Vielen Dank! Auf euch!“ Die Schar vor ihr brach in Jubel aus und stieß in bester Laune miteinander an. Anna ging mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Menge und gesellte sich zu den beiden Männern, die sich dezent im Hintergrund gehalten hatten. „Hey“, begrüßte sie die Beiden. „Hey“, sagte Tom leise, legte seinen Arm um sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Peer strahlte Anna an und hob auffordernd das Glas. „Anna, du hast erneut meine Hochachtung. Das war eine grandiose Show, und ...“ er zwinkerte ihr vielsagend zu, „wir haben uns erlaubt schon mal auf euer Glück anzustoßen.“ Anna ließ ihr Glas mit seinem erklingen und lächelte Toms liebevoll an, ehe sie an Peer gewand erwiderte. „Ich danke dir für deine Unterstützung. Ich weiß gar nicht was ich heute ohne euch alle gemacht hätte. Vermutlich wäre ich völlig zusammen gebrochen." Sie betrachtete das Chaos, das im Raum vorherrschte und dann fiel ihr Blick auf die Kartons, die unauffällig an der Seite standen und immer noch verschlossen waren, während sich die Geöffneten mitten im Raum befanden. Was hat es denn jetzt eigentlich mit diesen Paketen auf sich? fragte sie sich und ehe sie sich ein eigenes Bild davon machen konnte, was sie zweifelsohne tun würde, schoss wieder einmal die Tür auf und spuckte dieses Mal einen Kerl aus, der so gar nicht in die Modewelt passte. Anna starrte diesen Menschen mit unverholener Skepsis an. Der hat sich wohl mal in der Adresse vertan. Oder wollen die Health Angels jetzt auch in die Modebranche einsteigen? ging es ihr durch den Kopf und die Reaktion Toms, ließ ihre Skepsis eine weitere Stufe in die Höhe steigen. Er löste sich nämlich in Windeseile von ihr und warf Peer einen flehenden Blick zu, ehe er sich dem bulligen Typen, der sich noch suchend umsah, in den Weg stellte. „Hier bist du also, du billiger Schnösel. Was fällt dir eigentlich ein?“ brüllte er Tom an, und die aufgeregte Menge, die immer noch gut gelaunt bei einander stand, verstummte spontan um an einem weiteren Schauspiel, an diesem so spannenden Tag, teilzuhaben. „Jetzt machen sie mal halblang.“ Versuchte Tom den Mann zu beruhigen, während er ihn mit Peers Hilfe versuchte aus der Tür zu schieben. Als sie endlich draußen waren und die verwunderten Zuschauer, die sich die spannendsten Interpretationen der eben gesehenen Situation zutuschelten, verlassen hatten, ließen Peer und Tom den bulligen Typen los. Tom zuckte nicht mal mit der Wimper, als er sich vor dem ziemlich aufgebrachen Typen aufbaute. Er hob dessen Hand hoch, drückte ihm den Autoschlüssel des Transporters in die Hand, und fuhr den Typen, ehe der wieder in seine Tirade an Beschimpfungen verfallen konnte, mit fester Stimme und einem Fingerzeit nach draußen an „Dort auf dem Parkplatz steht ihr Auto, und wenn sie ihrem Chef nicht erklären wollen, warum Lanford in Zukunft keinerlei lukrativen Aufträge mehr an sie vergibt, dann rate ich ihnen, sich das Auto zu schnappen und ganz schnell nach Hause zu fahren.“ Der Typ schaute verwirrt auf seine Hand und rang offensichtlich mit einer Entscheidung, da er seinem Gegenüber als Dank für sein stundenlanges Rumirren auf dem Messegeländer liebend gerne eine verpasst hätte. Aber gleichzeitig wurde ihm bewusst, dass er in Tom tatsächlich ein hohes Tier von Lanford vor sich hatte, mit dem er es sich wohl nicht verscherzen sollte, wenn ihm was an seinem Job läge. „Scheiße, verdammte!“ fluchte er schließlich, ehe er sich mit einem lletzten tödlichen Blick auf Tom umdrehte und das Gebäude verließ. Tom stieß erleichtert die Luft aus, die er unbemerkt angehalten hatte. „Hui,“ sagte Peer, „du hast aber nette Bekannte.“
Als sie den Garderobenraum wieder betraten erblickten sie Anna, die vor den geöffneten Kartons ihrer ersten Zauberhaft-Kollektion stand und völlig ungläubig hinein starrte. Paloma trat gerade an sie heran und schien ihr die Situation zu erklären. Anna starrte ihre Freundin fassungslos an und wand sich, trotz des Versuchs von Paloma sie in den Arm zu nehmen, nur Sekunden später mit versteinertem Blick ab um sich auf den nächst besten Stuhl fallen zu lassen. Offensichtlich versuchte sie die Nachricht zu verdauen, dass sie nur haarscharf an einer weiteren Katastrophe vorbei geschrammt war.
Paloma warf Tom einen bedrückten Blick zu und dieser eilte zu Anna und legte von hinten die Arme um sie. „Anna, es ist ja alles gut gegangen“ flüsterte er ihr beruhigend ins Ohr. Anna drehte sich zu ihm um und sein Herz zog sich krampfhaft zusammen als er wieder einmal auf diesen unglaublich gequälten Blick stieß, der ihn mittlerweile schon fast im Traum verfolgte. „Bringst du mich bitte nach Hause. Ich brauche dringend eine Auszeit von dem ganzen hier.“ Das waren die einzigen Worte, die ihr in diesem Moment zitternd über die Lippen kamen.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Nov 02 2013, 18:41

Oh mann, was für ein Auf und Ab zwischen den beiden. Erst schafft Tom es, sie wieder zu beruhigen, dann dieser grandiose Auftritt - ich hatte echt Pippi inne Augen - und dann folgt die nächste Katastrophe, auch wenn sie eigentlich nur knapp eine geworden wäre. Arme Anna. Hoffentlich kann Tom ihr helfen, das alles zu überstehen.

Ein toller Teil, meine Liebe ... Bitte mehr davon super 

LG, Mini

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BeitragThema: "50"   Mo Nov 04 2013, 20:37

@ Mini
Ich freu mich, dass ich dich auch mit dem Altbekannten noch ein bisschen erfreuen kann. Smile  Bitte mehr davon, schreibst du ...
Damit kann ich dienen!

Ich mag den folgenden Teil sehr, auch wenn er kein Stimmungsaufheller ist ...
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Während der Heimfahrt saß Anna gedankenverloren auf dem Beifahrersitz des Minis und schaute hinaus in die Welt, die ihr gerade völlig fern und unbegreiflich erschien. Was passierte da nur in ihrem Leben? Warum hatte man es so darauf abgesehen, sie in die Verzweiflung zu treiben? Und vor allem, wer spielte dieses jämmerliche Spiel mit ihr? Sie hatte ja so eine Ahnung, dass ihre ärgste Widersacherin Carla darin verwickelt war, aber sie war noch nicht mutig genug gewesen sich die Bestätigung dafür zu holen, obwohl sie mittlerweile relativ sicher war, dass Tom mehr wusste, als er ihr bislang erzählt hatte. Dafür sprach, dass er die „Your way – Kollektion“, die offenbar mit Absicht vertauscht worden war, aufgetrieben hatte. Und einen weiteren Hinweis gab ihrer Meinung nach noch das Erscheinen dieses Motorrad-Rockers für Arme, der ausgesehen hatte, als ob er Tom am liebsten in die tiefen Abgründe der Bewusstlosigkeit geschickt hätte.
Anna hätte sich ewig durch die Straßen der Stadt fahren lassen können und schweigend das Gewirr des spätsommerlichen Feierabendtreibens an sich vorbei rauschen lassen, dass ihr zwar einerseits den Lauf der Zeit signalisierte, ihr aber andererseits das Gefühl gab, nicht teil dessen zu sein. Und irgendwie tat es gut außerhalb zu stehen, nichts an sich heranzulassen und sich völlig raus zu halten. Plötzlich schrak sie auf. Verwirrt schaute sie zu Tom, der sie mit seiner sanften Berührung aus ihrer Welt geholt hatte. Ihr Blick fiel für einen Moment in seine liebevollen Augen, die sie bedrückt musterten und ihr wurde schlagartig bewusst, dass sie gerade seinen Heiratsantrag angenommen hatte, dass sie frisch verlobt war. Aber warum fühlte sich das dann alles so weit weg an? Warum strahlte sie nicht vor Freude? War es wirklich die richtige Entscheidung gewesen? Sie fühlte sich als wäre sie der Welt enthoben und spürte unendliche Angst die Menschen, die sie liebte, mit sich ins Unglück zu stürzen. Die Hand, die sich sanft auf ihr Bein gelegt hatte, löste sich wieder von ihrem Körper und die plötzlich weggenommene Wärme ließ ihr einen kühlen Schauer über den Rücken jagen. Erneut schaute sie zu Tom, der mit äußerlich stoischer Ruhe den Gang einlegte und den Wagen in Bewegung setzte. Sie betrachtete ihn, seine markanten Gesichtszüge, sein leicht wirres Haar, das ihm in die Stirn fiel, seine Hände, die ruhig das Auto durch den Verkehr manövrierten und dachte, dass sie doch eigentlich so glücklich sein müsste, dass er sich für sie entschieden hatte. Dass er sie, so wie am heutigen Tag, mit vollem Einsatz beschützten und für sie da sein wollte, und trotz ihrer gedanklichen Anerkennung dieses Tatbestandes waren ihre Gefühle wie abgestorben. Erneut wendete sie ihren Blick auf die Straße, die gerade weil sie ihr kein festes Bild lieferte, perfekt zu ihrem Gefühlszustand passte. Es schien ihr, als säße sie von Zeit und Raum abgeschnitten, in einer Glaskapsel die von ihr unkontrolliert durch die Welt flog und selbst ihren eigenen Gefühlen keinen Zugang gewährte. Es war ein seltsames Gefühl. Nicht gut, nicht schlecht. Es war einfach wie es war.
„Komm“ wurde sie irgendwann aus ihrer Trance gerissen. Sie hätte nicht sagen können wie lange sie gefahren waren, wo sie sich befanden oder wie sie dort hin gekommen war, als sie irritiert auf die Hand schaute, die vor ihrem Gesicht auf sie wartete. Mit automatisierten Handgriffen löste sie ihren Sicherheitsgurt und griff zu. Kaum war sie dem Auto entstiegen fühlte sie den schützenden Arm, der sie umschlang und folgte einfach dem Weg, der ihr gewiesen wurde. Langsam begann sie sich umzuschauen, realisierte Einzelheiten in ihrer Umgebung, die nichts mit der lauten, vor Menschen und Fahrzeugen gefüllten Stadt zu tun hatte, und fragte sich plötzlich wo sie eigentlich waren. Fragend schaute Anna in Toms Gesicht, der ihr Schweigen schweren Herzens respektierte und sie einfach nur sanft mitnahm. „Wir sind gleich da“, sagte er leise und drückte Anna noch ein bisschen fester an sich. Anna fühlte sich in seinen Armen aufgehoben, und folgte voller Vertrauen, seinen unausgesprochenen Anweisungen bis er stehen blieb und sie von hinten umschlang. Anna spürte seinen schützenden Körper an ihrem Rücken während sie die Helligkeit und Wärme realisierte, die auf ihr Antlitz schien und ihre innere Kälte zu zerstören suchte. Sie legte den Kopf gegen Toms Brust und schloss die Augen. Langsam drangen die Lebenszeichen der Welt wieder zu ihr durch. Plötzlich spürte sie neben der Wärme, den leichten Wind, der ihr Haar zerzauste, hörte das leise Plätschern des Wassers, das vor ihr ans Ufer schlug und hörte wie der Wind die Blätter in den Bäumen tanzen ließ. Irgendwo vor sich hörte sie ein Flattern, das mit einem heißeren Schnattern von aufgeregten Gänsen verknüpft war, während aus weiter Ferne das schnelle Tock, Tock, Tock eines Spechtes zu ihr durchdrang. Anna öffnete die Augen und sah auf die Idylle, die sich vor ihr eröffnete. Tom hatte sie an den See geführt, der völlig verwunschen und einsam vor ihr lag. Wieder fragte sie sich, warum diese Welt einfach weiter lief, weiter lebte …  Obwohl eigentlich war wohl eher die Frage, warum sie das Gefühl hatte, dass sie selbst nicht mehr Teil dessen war, sondern lediglich als unbedeutende Statistin in diesem großen Spiel fungierte.
„Warum ist mein Leben so?“ fragte sie in die Stille hinein. „Warum habe ich das Gefühl mein Leben nicht mehr kontrollieren zu können, sondern nur noch ein Spielball der anderen zu sein?“ Sie schaute auf einen Schwarm Mücken, die in der untergehenden Sonne über dem sich leicht kräuselnden Wasser surrten und da passierte es. Ein Fisch, ein Schnappen und schon waren die Mücken dahin. Mit einem Haps sind sie im Mund ging es ihr sarkastisch durch den Kopf. Wenigstens müssen sie nicht leiden. Im einen Moment noch glücklich und zufrieden, und im nächsten Moment weg, ... so müsste es sein. Ohne langes Quälen und Kämpfen. Sie spürte wie Tom sie zu sich drehte und schon sah sie in seine Augen. Diese wundervollen Augen, in die sie sich schon bei ihrer ersten Begegnung verliebt hatte. „Anna, du bist kein Spielball der anderen, sonst wäre ich jetzt nicht bei dir.“ Er lächelte sie verschmitzt an. „Wenn du nicht gekämpft hättest, wenn du mich nicht hättest beeinflussen können, wäre ich weggelaufen, wie die Jahre zuvor. Vor dir, vor der Welt und vor allem vor mir selbst.“ Er schaute ihr tief in die Augen. „Du kannst dich entscheiden, deine Richtung und dein Leben bestimmen. … So wie du es damals auf dem Dach getan hast. Vielleicht habe ich dir ein Stück weit geholfen, aber du hast die Entscheidung getroffen.“ Sie wandte ihr Gesicht ab, drehte sich in seinen Armen zurück zum See und dachte immer noch schweigend über seine Worte nach. Ja er hatte recht, sie hatte Entscheidungen getroffen, sie hatte gekämpft, immer und immer wieder, sie konnte das … Vielleicht war das auch gar nicht das eigentliche Problem. Sie wollte einfach nicht mehr. Nicht mehr leiden und nicht mehr kämpfen. Sie fühlte sich so wahnsinnig geschwächt, und dass alle Anderen mit ihr kämpfen mussten, um sie zu beschützen und zu retten, führte ihr ihre eigene Ohnmacht vor Augen. Denn was wäre am heutigen Tag mit ihr passiert, wenn sie es nicht getan hätten? Wenn Tom sie nicht aus ihrer Panik geholt und sie an ihre eigenen Ziele erinnert hätte. Wenn Paloma sie nicht von der falschen Kollektion fern gehalten und Tom die richtigen Kleider herbei geschafft hätte. Wenn Bruno, Peer und Paloma sie nicht davon abgehalten hätten, sich auf Carla zu stürzen. Carla. Sie hielt inne in ihren Überlegungen. Ist sie diejenige, die mich wie eine Marionette an ihren Händen tanzen lässt? Sie gab es gewiss nicht gerne zu, aber wenn die ganzen Zufälligkeiten, die vermutlich gar keine waren, und verletzenden Aktionen der letzten Tage, die sie so aus der Fassung gebracht hatten, auf deren Mist gewachsen waren, hatte sie Anna vom feinsten manipuliert. Und auch wenn sie es nicht geschafft hatte sie beruflich auflaufen zu lassen oder von Tom fern zu halten, hatte sie einen viel größeren Erfolg erzielt, als es ihr in ihrem beschränkten Denken vermutlich bewusst geworden war. Sie hatte Anna tatsächlich über ihre eigenen Grenzen hinaus getrieben und ihrem Selbstbewusstsein eine derbe Verletzung beigebracht. Anna holte tief Luft. Will ich wirklich wissen ob sie für meinen Zustand verantwortlich ist?, fragte sie sich zögerlich, aber dann nickte sie sich ermutigend zu. Ja, sie wollte es wissen. „War es Carla?“, schickte Anna ihre Frage in die unendliche Weite des roten Lichtes der untergehenden Sonne. Der Körper, der sie umfing, schien zu erstarren und es dauerte einen Moment, ehe ein sanftes nickendes Gefühl auf ihrem Kopf ihr still eine Antwort gab. Und hatte Anna sich auch vor der Bestätigung ihres Verdachtes gefürchtet, führte sie genau diese Gewissheit zu einer Entscheidung. „Ich kann das nicht mehr. Und ich will das nicht mehr.“, sagte sie bestimmt, auch wenn sie keine Ahnung hatte, welche Konsequenzen dieser Schiedsspruch für sie haben würde.
Tom zuckte bei diesen Worten spürbar zusammen, ihn trafen diese Worte bis ins Mark. Was will sie nicht mehr? Was kann sie nicht mehr? Panik flutete innerhalb weniger Sekunden seinen Körper und er entließ Anna aus seiner Umarmung um sie zu umrunden und vor sie zu treten. Anna geriet fast ins Straucheln als sie seinen Schutz so plötzlich verlor und schaute nun ebenfalls erschrocken in seine Augen, in denen sich die schwankenden Gefühle seiner Seele spiegelten. Aber sie war viel zu sehr in ihren eigenen Gedanken vertieft, als dass sie seine Pein hätte wahrnehmen können.

Tom hatte Anna, nachdem sie ihn darum gebeten hatte, ohne viele Worte ins Auto gesetzt und war losgefahren. Er hatte ihr besorgte Blicke zugeworfen und erfolglos nach den richtigen Worten gesucht, letztlich aber alle für sich behalten. Er hatte sich so sehr gewünscht, dass sie mit ihm reden würde, aber sie hatte seine Anwesenheit scheinbar gar nicht wahrgenommen, hatte beharrlich geschwiegen und letztlich hatte er ihre Entscheidung zu schweigen respektiert. Statt auf die Erklärung ihrer Gemütsverfassung zu warten, hatte er selbst begonnen zu überlegen welches Ausmaß der Zerstörung, die bösartigen Handlungen seiner Ex-Verlobten in Anna wohl angerichtet hatten. Er wusste, dass Carla Anna bewusst an ihrem schwächsten Punkt getroffen hatte. Ihrer Trauer, ihren Schmerzen des Verlustes und ihrer Angst, und er wusste aus eigener Erfahrung, dass Anna diese Verletzungen nicht so einfach verschmerzen konnte. Und mittlerweile war sein eigenes Herz völlig verkrampft vor Sorge, um Anna und sich selbst, denn sein Leben war, seit er sich seine Gefühle für diese blonde kleine Frau eingestanden hatte, unauflöslich mit ihr verknüpft. Vermutlich hätte der Anblick der erschreckenden Verfassung Annas seine Wut auf Carla schüren sollen, aber das war gerade nicht wichtig und nicht sein Thema. Es ging nicht um Carla, es ging einzig um die Frau die neben ihm saß und die er aus tiefstem Herzen liebte.
Er selbst hatte Anna in einem Moment, in dem sie bereit war sich selbst aufzugeben kennen gelernt, aber selbst damals, in ihrem Vorhaben Jonas in den Tod zu folgen war ihre Persönlichkeit und ihre Kraft deutlich geworden. Damals hatte sie eine Entscheidung getroffen, die ihrer inneren Überzeugung entsprang, auch wenn sie ihre Verzweiflung und ihren Schmerz verdeutlichte. Aber jetzt saß sie neben ihm und es schien als habe sie sich selbst in dieser Welt verloren, ihre Position und ihren Glauben an sich selbst aufgegeben und es schmerzte ihn unendlich, sie so zu sehen.
Kurz bevor er an seiner Wohnung ankam änderte Tom die Fahrtrichtung, da er Angst hatte in seiner eigenen Wohnung zu ersticken, wenn Anna ihn weiterhin nicht einbeziehen und für ihn unerreichbar bleiben würde. Mit der Wahl seines neuen Ziels, verknüpfte er die Hoffnung Anna die Schönheit der Welt vor Augen führen zu können, ihr eine Ahnung davon vermitteln zu können, wie schön ihre gemeinsame Zukunft aussehen könnte, wenn sie sich nur wieder auf sich selbst, ihr eigenes Herz und auf ihn einlassen würde. Und nun stand er hier und wusste nicht, ob sie genau das noch wollte, oder ob sie genau das in Frage stellte. Sie dieses mal diejenige sein würde, die keine Kraft mehr hatte, sich mit allem was sie ausmachte der Welt zuzuwenden, so wie er selbst es für lange Zeit nicht vermocht hatte.

„Was meinst du?“ fragte er erschrocken. Anna ging an ihm vorbei und trat an das Ufer heran. Sie beobachtete das orangrote Glitzern auf den kleinen Wellen und musste selbst überlegen, welche Möglichkeiten sie sah, um etwas in ihrem Leben zu verändern, um sich selbst zu schützen, aber dafür musste sie erst einmal klar kriegen, was sie bereit war aufzugeben und woran sie auf jeden Fall festhalten wollte. Nach einiger Zeit in der Toms Panik eine Stufe erklomm, die ihn an den Rande seiner Selbstbeherrschung führte, drehte sie sich endlich zu ihm und schüttelte mit leerem Blick den Kopf. „Ich weiß es selbst nicht genau. Ich muss mir selbst erst klar darüber werden. Aber irgendwas muss passieren.“ Ihre Augen streiften kurz die seinen ehe sie sich wieder dem See zuwendete. „Lass mir bitte ein bisschen Zeit.“ Toms Atmung war völlig flach geworden und er rang mit sich, ob es klug war, die für ihn alles entscheidende Frage jetzt, in diesem Moment zu stellen, aber er konnte nicht anders. Er ergriff ihre Schulter, drehte sie erneut zu sich und fragte mit zitternder Stimme, „Was bedeutet das für mich, … für uns?“ Annas Blick füllte sich langsam mit Inhalt, als sie in seine Augen schaute, in denen das Flackern der Angst deutlich zu erkennen war. Und endlich wurde sie sich ernsthaft bewusst worum es hier in diesem Augenblick eigentlich ging. Dass diesen Mann nichts anderes interessierte als zu erfahren ob er im Begriff war die Frau, der er sein Herz zu Füßen gelegt hatte, zu verlieren.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mo Nov 04 2013, 22:07

Mein Gott ist das traurig crying ich kann Anna ja verstehen aber muß sie unseren Tomi den so eine Angst machen Twisted Evil Lg. Carla

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BeitragThema: "51"   Di Nov 05 2013, 20:30

Ja, meine liebe Carla, es ist wirklich verdammt traurig, deshalb auch sogleich der nächste Teil. Vielleicht ist es dann wieder besser Razz 
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Anna zögerte, sie fühlte sich gerade einfach nicht in der Lage irgend etwas zu sagen, geschweige denn ihre in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen zu bestätigen oder zu negieren. Tom beobachtete sie einige Sekunden und dann fiel bei ihm die Klappe. Seine Augen verfinsterten sich und seine Mimik erstarrte in kühler Unnahbarkeit. Unendlich enttäuscht ließ er seine Hand, die immer noch auf Annas Schulter lag, fallen und wandte sich ohne einen weiteren Blick zum Gehen. „Lass uns fahren … Mir ist kalt.“ Ob seine letzten Worte den Tatbestand aufgriffen, dass es, nachdem die letzten Sonnenstrahlen die Welt für den heutigen Tag verlassen hatten, tatsächlich kühl über den See hinauf zog, oder ob er seine innere Kälte meinte, die ihn wie ein Eiswind erfasst hatte, blieb offen. Forschen Schrittes machte er sich auf den Weg zum Parkplatz und schmiss sich auf den Fahrersitz. Als Anna, die ihm auf ihren Stöckelschuhen nur langsam folgen konnte, ebenfalls den Parkplatz erreichte, hatte Tom das Auto bereits gewendet und wartete ungeduldig darauf, dass Anna einstieg. Sie hatte die Tür kaum hinter sich geschlossen, da trat er auch schon aufs Gaspedal.
Wie auf der Hinfahrt erfüllte Stille das Auto, da die beiden Personen, die sich gleichzeitig so nah und doch so fern waren, ihren eigenen Gedanken nach hingen. Toms Enttäuschung war riesig und er hatte wirklich Angst Anna zu verlieren, aber nach und nach schwoll auch eine unglaubliche Wut in ihm heran, die sich auch in seinem Fahrstil bemerkbar machte. Er fluchte leise vor sich hin, wenn er sich durch andere Autos gebremst fühlte, bremse spät hinter scheinbar zu langsamen Verkehrsteilnehmern nur um ruppig die Gänge zu wechseln und wieder Gas zu geben. Alles in allem machte er eher den Eindruck als wolle er eine Ralley gewinnen, als sich und Anna heil durch die Stadt bringen. Anna blieben seine Aggressionen trotz ihrer inneren Verwirrung nicht verborgen. Unauffällig warf sie einen Blick auf Tom und spürte, wie sich das schlechte Gewissen, das sie bereits seit seines Abganges am See leise begleitete, ins unermessliche steigerte. Sie wusste, dass es nicht fair von ihr war ihn so in der Luft hängen zu lassen. Sie rang mit sich, wie sie ihm ihre Verfassung erklären konnte ohne ihn erneut zu verletzen, suchte verzweifelt nach den richtigen Worten, aber die Spannung, die den Innenraum des kleinen Autos erfüllte, ließ sie immer weiter zögern. Letztlich zog sie sich völlig hilflos in sich zurück und sagte leise. „Kannst du mich bitte zur Goldelse bringen.“

Toms Gesicht, das bislang starr auf den Verkehr gerichtet war, schoss zu ihr als er ihre Worte vernahm, und sein Groll stieg eine weitere Stufe hinauf. Warum tust du das? Warum schließt du mich schon wieder aus?, drängten sich seine Gedanken, die ihn schon die ganze Zeit beschäftigten, laut in seinen Kopf, und völlig desillusioniert versuchte er sie von sich zu stoßen und sich selbst weis zu machen, dass es ihm egal war. Na dann zieh dich doch zurück, quäl dich doch alleine. Wenn du das so willst. Mir soll es recht sein. Er betrachtete sie noch kurz und spürte, während er wieder auf die rote Ampel vor sich starrte, wie die Stille, die nach ihren wenigen Worten, wieder eingekehrt war, in seinen Ohren zu einem Orkan heran schwoll und das nagende Gefühl der Enttäuschung ihn innerlich aufzufressen drohte.
Er drückte den Knopf der Musikanlage und innerhalb von Sekunden wurde die unerträgliche Ruhe durch laute Musik durchbrochen. Tiefe Bässe und wilde Trommelschläge lösten das Dröhnen in Toms Ohren ab. Er schloss einen Moment die Augen und konzentrierte sich auf die Klänge, die selbst seine Gedanken ein Stück weit übertönten. Er fuhr weiter und versuchte etwas Abstand von seinen überwältigenden Gefühlen zu finden. Aber leider hatte er kein Glück in der Musikauswahl des Radiosenders. Nachdem der Song in dem gerade gehörten Trommelsolo ein dramatisches Ende gefunden hatte, wurde es von einem Lied abgelöst, das ihm nur all zu vertraut war. Starlight – sein Lied, in dem er sich seit Wochen immer wieder gefunden hatte, das sein eigenes Verhalten der Vergangenheit wie aus seinem eigenen Herzen heraus beschrieb. Erst wollte er es genervt ausschalten, denn schließlich hatte er seine Zweifel überwunden, was Anna aber scheinbar überhaupt nicht interessierte. Aber als seine Hand gerade zum Radio griff, hielt er inne und ließ es laufen. Vielleicht geht es Anna, nachdem sie so vehement an ihren Verlust erinnert wurde, genau so, wie es mir ergangen ist? überlegte er plötzlich. Er verstand sie für einen Moment so gut, hatte er sich doch selbst so lange in sich selbst zurück gezogen und keinen an sich heran gelassen. Seine Gefühle schwangen wie eine Schaukel zwischen Verständnis und Wut hin und her. Er war einfach selbst völlig überfordert und es kostete ihn wahnsinnige Energie ihre Handlungen, die sicherlich nicht darauf abzielten ihn zu verletzen, auch so zu verstehen.

Er warf ihr einen kurzen Blick zu, und an der nächsten Kreuzung traf er kurzerhand eine Entscheidung. Er bog nicht ab, um sie in die Else zu bringen, sondern fuhr einfach gerade aus. Er wusste, dass das Anna nicht passen würde, aber es war ihm egal. Er zählte langsam die Sekunden und er war gerade mal bei drei angelangt, als auch schon der erwartete Protest ertönte. „Was soll das?“, fragte Anna perplex. Sie war ebenfalls erleichtert gewesen, als Tom die Initiative ergriffen hatte, um die unendlich schmerzende Stille zwischen ihnen zu beenden. Und mit der sich ständig verringernden Distanz zu ihren eigenen vier Wänden und der Aussicht alleine zu sein, hatte sich ihre Beklemmung ein wenig verringert. Und jetzt fuhr er einfach gerade aus. War das Absicht, oder hat er vergessen das ich nach Hause will? Sie musterte ihn von der Seite, konnte in seiner nach wie vor angespannten Mimik aber keine Antwort finden. „Ich fahre nach Hause“, antwortete er schließlich gelassen. „Das ist schön, aber könntest du vorher bitte mich nach Hause bringen?“ Er streifte sie mit einem kurzen Seitenblick. „Nein“, sagte er kurz und bündig und seine Betonung ließ keinen Zweifel zu, dass er es genau so meinte. Anna richtete sich auf und starrte ihn völlig konsterniert an. Hat der sie noch alle?, fragte sie sich. „Hallo? Erde an Tom. Ich möchte zu mir nach Hause.“ Tom wusste, dass er sich auf verdammt dünnes Eis begeben hatte, und Annas Tonfall zeugte davon, aber er hatte beschlossen sich nicht wieder abschieben zu lassen. Sie hatten doch gerade beschlossen heiraten zu wollen, da konnte es doch nicht sein, dass sie sich sofort wieder in ihr Zimmerchen zurück zog und davon ausging, dass er seelenruhig darauf wartete, dass sie sich irgendwann genug gequält hatte um dann hoffentlich wieder zu ihm zu finden. „Und ich fahre zu mir nach Hause.“ Er sah sie mit einer hochgezogenen Braue an und ergänzte, „was übrigens auch dein Zuhause sein könnte.“ Mit diesen Worten hatte er wohl noch eins drauf gepackt, aber immerhin veranlassten die Worte Anna dazu, sich mit seiner Entscheidung abzufinden. O.k., nach einem weiteren Seitenblick musste er zugeben, dass es nicht gerade nach einem Einverständnis aussah. Denn ihre Haltung signalisierte pure Abwehr, aber trotzdem musste er schmunzeln. Denn endlich zeigte sie wieder die Züge, die er so an ihr liebte, auch wenn sie manchmal höllisch anstrengend waren. Allen voran Sturheit und Kampfgeist. Als er den Wagen geparkt hatte, stieg er aus und umrundete das Auto. Anna saß immer noch mit vor der Brust verschränkten Armen und nach vorne gerichtetem Blick angeschnallt im Auto und auch als er ihr die Tür öffnete, rührte sie sich keinen Millimeter. „Nun komm schon, ich lass dich auch in Ruhe, wenn du das möchtest.“, forderte Tom sie versöhnlich auf, aber Anna dachte gar nicht daran. Sie schenkte ihm einen abschätzigen Blick, ehe sie wieder gerade aus sah.
"Das ist ja wohl das Letzte. Ich kann ja wohl noch selbst entscheiden, wo ich sein möchte. Pfff", grummelte sie empört vor sich hin. Wenn er mich nicht nach Hause bringen will, gut. Aber deshalb muss ich ja nicht mit ihm gehen. Ich kann auch mit der Bahn fahren, oder laufen, oder mir ein Taxi rufen… . Sie dachte angestrengt nach, was sie jetzt tun wollte, und obwohl es ihrem Stolz gar nicht in den Kram passte, musste sie sich eingestehen, dass sie überhaupt keine Lust auf Laufen, Bahn fahren oder Taxi fahren hatte. Im Gegenteil, eigentlich fand sie die Idee mittlerweile sehr verlockend einfach die Treppen hinauf zu gehen und sich in seinem gemütlichen Bett niederzulassen. Aber das würde sie Tom bestimmt nicht sagen. Aber, ich könnte doch selbst zu mir fahren … kam ihr plötzlich die rettende Idee. Sie löste sich also aus ihrer trotzigen Erstarrung und stieg aus. Die angebotene helfende Hand ignorierte sie dabei beflissentlich. Sie sah Tom mit funkelnden Augen an und hielt die Hand auf. „Autoschlüssel“, forderte sie zornig. Tom war froh, dass sie endlich ausgestiegen war, aber damit hatte er dann doch nicht gerechnet. Er lächelte amüsiert, denn sie machte den Eindruck eines trotzigen Kleinkindes. „Nö", antwortete er entschieden. "Das ist mein Auto und das bleibt vor meiner Tür stehen.“ Er wandte sich ein Stück und zeigte auf seine Haustür. „Ich gehe jetzt dort hinein und du bist herzlich eingeladen mit zu kommen. Wenn du nicht willst …" Er zuckte mit den Schultern, "Deine Entscheidung.“ Er hatte den Schlüssel schon im Schloss, als er sich noch einmal umdrehte. „Als du das letzte Mal für dich alleine sein wolltest, war es nach deinen eigenen Erzählungen eine ziemlich beschissene Nacht für dich … und für mich ebenfalls, wenn ich das so sagen darf.“, fügte er leise hinzu. Er sah ihr tief in ihre vor Zorn funkelnden Augen. „Wenn du dich erneut alleine quälen willst, dann tu das, aber ich werde dir dabei bestimmt nicht behilflich sein.“ Damit öffnete er die Tür und ging hinein. Aber kaum war er über die Schwelle getreten, stockte er. So abgebrüht, wie er vorgab zu sein, war er dann doch nicht. Er schaute noch einmal hinaus und grinste, als er Anna dabei beobachtete wie sie sich unentschlossen im Kreis drehte. Spontan ging er zu ihr und hob sie auf seine Arme. „Schluss jetzt mit dem Theater. Du kommst mit.“ Anna starrte ihn einige Sekunden an, ehe sie sich mit lautem Protest versuchte aus seinen Armen zu winden. „Du spinnst ja, das ist Entführung, was du hier machst.“ Tom lachte leise auf und sagte verschwörerisch, „Oder aber, ich trage einfach meine Verlobte über die Schwelle. Das kann ich bestimmt nicht oft genug üben, damit ich dich im Ernstfall nicht gegen den Türrahmen donnere.“ Sie ließ langsam von ihrem Protest ab und begann hämisch zu grinsen, als er leise begann zu keuchen. Die erste Treppe hatte er hinter sich gebracht, aber er wohnte im dritten Stock, ob er sich das vorher überlegt hatte? Wenn sie die Möglichkeit gehabt hätte, hätte sie ihr Gewicht gerne verdoppelt, um diesen Macho, der ihre Wünsche scheinbar völlig ignorierte, eins auszuwischen. Aber insgeheim zollte sie seiner Beharrlichkeit Respekt und sie musste langsam anerkennen, dass es sich gut anfühlte, dass er sie nicht einfach ziehen ließ und trotz ihrer Zurückweisung offenbar auch ihre Beziehung und ihre Verlobung nicht in Frage stellte. Anna du bist so bescheuert, du weißt genau, dass du diesen Mann niemals wieder aufgeben wirst. Du hast seinen Antrag doch nicht aus einer spontanen Laune heraus angenommen. Warum hast du es ihm nicht einfach gesagt? Tom stieg angestrengt die letzten Stufen hinauf und setzte seine kostbare Fracht mit einem heftigen Seufzer vor seiner Tür ab. Ihm war der Schweiß ausgebrochen und er holte einige Mal tief Luft um sich ein wenig von den Strapazen zu erholen. Während er die Tür aufschloss beobachtete er Anna argwöhnisch, da er immer noch damit rechnete, dass sie sich einfach aus dem Staub machen könnte. Aber diese hatte sich gelassen an die Wand gelehnt und spielte weiterhin ihr Spiel des trotzigen Kleinkinds. Sie ignorierte ihn einfach und starrte die gegenüberliegende Wand an. Als Tom sie schließlich mit einer einladenden Geste hereinbat, streifte ihre beleidigte Mine, in der nur noch die vorgeschobene Unterlippe fehlte, kurz seine immer noch heftig atmende Statur, ehe sie hinein ging, sich ihrer Tasche entledigte und mit einem kurzen „Ich geh ins Bett“, in den hinteren Bereich der Wohnung verschwand. Geschafft ging es Tom durch den Kopf. Er kickte die Tür mit dem Fuß zu, während er Anna kopfschüttelnd hinter her sah. Er ließ sich erleichtert gegen die Tür fallen. „Was für ein Tag“, seufzte er auf und fügte gedanklich hinzu und was für eine Frau.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Di Nov 05 2013, 21:54

huhu Katha,ich finde diesen Teil echt lustig Smile .Anna sowas von stur,und Tom der sich nicht beirren läst und sein ding durchzieht.Immer wenn ich diesen wunderschönen Teil lese muß ich lachen danke dafür flowers Lg.Carla

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BeitragThema: "52"   Do Nov 07 2013, 20:16

Carla,
lieben Dank für deinen Kommentar. Smile  Es ist schön, wenn man seine Leser auch mal wieder zum Schmunzeln oder sogar Lachen bringen kann. Verzweiflung gibt es ja schließlich zu genüge in der Story von Anna und Tom ...
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Nur wenige Augenblicke nachdem Anna und Tom verschwunden waren, betrat Bruno die Lanford-Garderobe. Er hatte äußerst gute Laune, war er doch gerade mit jeder Menge Glückwünsche und Lob für die gelungene Eröffnungs-Show überhäuft worden und wollte er seine und die Begeisterung der Anderen doch gerne den Menschen zuteil werden lassen, die so hart dafür gearbeitet hatten. Er schaute sich mit erhobenen Händen suchend um, und nahm ein ihm dargebotenes Glas Champagner in die Hand. Als er nicht fündig wurde, sah er Peer der gerade auf ihn zukam einen Moment fragend an, bevor er ihm auf die Schulter klopfte und sich herzlich für seine Hilfe bedankte. „Was eine Show!“, grinste er ihn schließlich breit an und Peer konnte nur mit amüsiertem Lächeln zustimmen. „Was hast du mit deinem Sohn angestellt? Der Mann, der eben da draußen stand kann doch unmöglich der Gleiche sein, den ich noch vor ein paar Monaten gesehen habe“, fragte er Bruno, der dem ironischen Einwand mit einem strahlenden Lächeln begegnete. Theatralisch fasste er sich ans Herz und antwortete, „Ich sag nur, die Liebe … Peer, die Liebe macht alles möglich.“ Dann wurde er plötzlich still und ergänzte nachdenklich. „Obwohl, ich muss gestehen, ich hatte die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben, dass Tom jemals wieder der Alte würde.“ Er schüttelte ungläubig den Kopf, entriss sich aber sogleich wieder der Vergangenheit. „Aber was soll das trübe sinnieren? Er ist wieder da, und zu verdanken haben wir das unserer lieben Anna.“ Er schaute sich erneut um. „Apropos, wo ist sie denn eigentlich. Sie hat uns eine tolle Show geliefert.“ Peer schüttelte bedauernde den Kopf. „Bruno, Tom und Anna sind eben gegangen und ich habe zwar keine Ahnung was hier so alles passiert ist, aber Anna sah alles andere als gut aus.“ Bruno sah ihn fragend an. „Wie, die sind schon weg? So ein Erfolg muss doch gefeiert werden …“ Bruno war so in seinem Element, dass er sein Wissen um seltsame Begegnungen a´la Carla und andere unschöne Geschehnisse der vergangenen Tage, völlig beiseite gedrängt hatte. Er schüttelte geringschätzig den Kopf. Peer lächelte fast verständnisvoll über die rosarote Brille, die sich vor Brunos Augen legte, sobald er sich in den Hemisphären seiner Kunst wähnte, aber vielleicht sollte er ihn doch auf den Ernst der Lage aufmerksam machen.
Peer hatte sich, nach dem raschen Abgang des jungen Paares, Paloma vorgestellt, die hier zum einen alles wunderbar managte und zum anderen offenbar eine enge Vertraute Annas war. Paloma hatte ihm fast beiläufig die Hand geschüttelt während sie ihren Freunden noch für einige Zeit wie paralysiert hinterher gestarrt hatte. Dann war sie aus ihrer Pose erwacht und wollte deprimiert die Pakete mit der vertauschten Kollektion schließen, aber Peer hatte sie aufgehalten und seinen professionellen Blick auf die Kleider geworfen, die immer noch an den Stangen hingen. „Was ist das für eine Kollektion? Und warum ist Anna so fertig?“ fragte er die Brünette, nachdem er einige anerkennende Worte vor sich hingemurmelt hatte. Paloma schloss nun doch genervt die Deckel und erklärte ihm nach kurzem Zögern, die Umstände. Da sie wusste, dass Anna Peer großes Vertrauen entgegen brachte, war sie froh ihre Sorgen mit jemandem teilen zu können, denn ihr Freund schien mit der Presse und der Kundenbetreuung ziemlich ausgelastet zu sein. Peers Augen waren im Lauf ihrer Erzählungen immer größer geworden und seine Freude, dass Anna und Tom zueinander gefunden hatten, erlitt einen ordentlichen Dämpfer. Er konnte wohl nur annähernd nachvollziehen, was sich da gerade abspielte, aber dass es sowohl für Anna als auch für Tom eine große Herausforderung darstellte mit der Situation umzugehen, wurde ihm durchaus bewusst.
„Bruno, ich glaube den Beiden war überhaupt nicht nach feiern zumute, schließlich war es Rettung in letzter Minute und die Umstände scheinen ja alles andere als schön zu sein.“ Bruno sah seinen Designer-Kollegen irritiert an. „Wovon sprichst du?“ fragte er, der seinen Blick schon wieder strahlend in die Runde der herumstehenden Angestellten warf. Jetzt schaute Peer irritiert, oder schon fast ärgerlich. Wie kann man nur so ignorant sein, oder weiß er am Ende gar nichts von diesen Geschehnissen? „Ich spreche davon, dass man Annas Kollektion vertauscht hat und die Show um ein Haar hätte abgesagt werden müssen … “ Er sah eindringlich ins Gesicht seines einstigen Lehrmeisters, als dieser ihm endlich seine volle Aufmerksamkeit widmete. „Was sagst du da? Fast abgesagt werden müssen?“ Bruno straffte seine Haltung und überdachte wohl gerade welche Konsequenzen das gehabt hätte. Er weiß tatsächlich nicht wovon ich spreche, realisierte der Niederländer und zog Bruno mit sich um ihm den Inhalt der Kartons zu zeigen und die Geschehnisse, die er selbst erst seit ein paar Minuten verstand, erneut weiter zu geben. „Wenn Tom nicht in letzter Minute, die richtigen Kleider her geschafft hätte, dann …“ „Tom hat die Kleider beschafft?“ Dieses Mal war es an Bruno, erstaunt die Augen aufzureißen. Er setzte sich auf einen Stuhl und sah fassungslos in Peers Gesicht. „Das wäre eine Katastrophe für Lanford gewesen.“ Peer verdrehte jetzt echt erzürnt die Augen. „Weißt du was, du bist wirklich unverbesserlich, im Gegensatz zu dir mache ich mir Sorgen um Anna und deinen Sohn“, dann ließ er den Lanford-Chef stehen und half Paloma, die sich gerade darum kümmerte, die gezeigte Kollektion wieder zu verpacken und den Abtransport der Lanford-Utensilien zu organisieren. Bruno war schon fast aufgesprungen, um sich lautstark über die Unverfrorenheit Luft zu machen, die Peer an den Tag legte. Denn selbst wenn er heute eine größeren Namen in der Modewelt hatte als Bruno selbst, empfand er es als Affront, dass sein einstiger Angestellter ihn so anging. Aber … aber dann drangen die Worte und Informationen so langsam in seinen endorphingeschwängerten Kopf und er sackte betroffen ein Stück zusammen. Er erinnerte sich an das Gespräch, das er erst morgens mit Tom geführt hatte, und in dem Tom von einigen unschönen Dingen gesprochen hatte, die Anna offenbar sehr zielgerichtet treffen sollten. Bei genauerer Überlegung hörte sich auch die Aktion der vertauschte Kollektion und die damit herauf beschworene, drohende Absage der Eröffnungs-Show nach einem solchen unschönen Ding an.
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Im Hintergrund war das genervte Räumen von Anna zu hören, die offenbar immer noch angefressen, ihre Schuhe auf den Boden fallen ließ und ihre Klamotten auf seinen Sessel pfefferte. Einen Moment später klapperte die Tür zum Badezimmer und Tom schüttelte leicht amüsiert den Kopf. Er selbst hatte sich ebenfalls die Schuhe von den Füßen gestreift und sich in seinen Sessel im Wohnzimmer fallen lassen. Erschöpft legte er seine Füße auf das Sofa und lehnte mit geschlossenen Augen den Kopf an die Lehne. Doch ehe ihn ein Hauch von Entspannung erreichen konnte, machte sein Magen lautstark auf sich aufmerksam und bei näherer Berücksichtigung seines flauen Gefühls im Bauch musste er einsehen, dass ein Frühstück, wohl keine ausreichende Verpflegung für einen solch langen und anstrengenden Tag war. Also quälte er sich wieder aus seinem Sessel heraus und schritt in seine Küche. Ein Blick in seinen Kühlschrank ließ ihn unzufrieden aufgrunzen. Da war mal wieder Ebbe. Ich sollte meine Haushaltsführung mal überdenken, dachte er genervt, als er sich suchend auf der Arbeitsplatte umsah. Vom Frühstück war noch ein vereinzeltes Croissant über geblieben. Aber das würde seinen Appetit wohl eher schüren als befriedigen. Die letzte Hoffnung: sein Tiefkühlfach. Er öffnete es pessimistisch und war überrascht. Da lagen doch immerhin noch zwei Pizzen. Er konnte sich nicht wirklich daran erinnern, sie eingekauft zu haben, aber nach vorsichtiger Prüfung des Verfallsdatums konnte er aufatmen. Sie hatten noch einen Monat bis sie abliefen, und gammelten dementsprechend noch nicht so lange im Eisfach rum, wie er befürchtet hatte. Also stellte er seinen Backofen an, goss sich ein Glas Wein ein und stellte sich ans Fenster um seinen Gedanken nachzuhängen, während er darauf wartete, dass der Ofen vorheizte.
Er war wirklich froh, dass er noch die Kurve gekriegt hatte und nicht ebenso wie Anna in die Tiefen seiner verzweifelten Seele versunken war. Es war das einzig richtige, sich ihr entgegen zu stellen und nicht gleich wieder den Schwanz einzuziehen, versuchte er sein, vielleicht etwas ignorantes Handeln, zu rechtfertigen. Auch wenn sie mich im Moment vermutlich dafür hasst, ist für Anna bestimmt alles besser, als alleine in ihrem Zimmer vor sich hin zu leiden. Da soll sie sich doch lieber über mich aufregen. Das sind wenigstens Emotionen, mit denen sie sich auskennt und die sie auf andere Gedanken bringen. Und ich selbst kann auch viel besser damit umgehen, wenn sie mich genervt anfährt, als gar nicht zu wissen was Sache ist. Als ein lautes Rumsen und eine anschließend lautes Fluchen aus dem hinteren Bereich seiner Wohnung herüber drang wanderten seine Augenbrauen bedenklich in die Höhe. Ob ich heute wohl noch ein normales Wort aus ihrem Mund hören werde? fragte er sich skeptisch, aber er konnte es auch nicht lassen, sie ein wenig zu provozieren. Außerdem wollte er sich dann doch vergewissern, dass sie sich nichts getan hatte. Er trat in den Durchgang zum Schlafzimmer und rief „Alles gut bei Dir?“ Als Antwort wurde die Tür aufgerissen und Anna trat wütend heraus. Sie sah lustig aus in ihrem Handtuch, das sie sich um den Körper gewickelt hatte und dem Handtuch-Turban auf dem Kopf. In der Hand hielt sie ihre Unterwäsche sowie ihr Nachthemd. Klitschnass. „Hast du mal was zum Anziehen für mich?“ zischte sie reichlich angesäuert in sein grinsendes Gesicht. Dass er, nachdem sie ausgerutscht war und dabei den Hocker umgerissen und ihre sämtlichen Klamotten in die Pfütze auf dem Boden geschmissen hatte, da stand, und sie süffisant angrinste, ließ ihren Groll den nächsten Pegelstand erreichen. Tom bedachte ihren nur knapp bedeckten Körper mit einem sehnsüchtigen Blick, wünschte sich insgeheim, ihr Anliegen einfach zu ignorieren und ihr im Gegenteil auch noch den Rest ihrer Bekleidung vom Leib zu reißen, aber das wäre dann wohl doch zuviel des Guten gewesen. Also trat er gelassen an seinen Schrank und nahm ein T-Shirt heraus. „Willst du auch eine Unterhose von mir?“, fragte er, während er sich gleichzeitig auf die Zunge beißen musste um nicht laut los zu lassen. Ihr Anblick, gepaart mit ihren leisen Flüchen, die den Raum durchquerten, war wirklich zum Schießen. Er gab ihr das Shirt und wartete auf eine Antwort. „Besser als nichts“, grummelte Anna schließlich und griff kurze Zeit später missmutig nach der Shorts, die er vor ihr Gesicht hielt, als hätte er eine Jagdtrophäe für sie geschossen. Sie wollte sein Gesicht eigentlich nur mit ihrem strafenden Blick streifen, aber seine liebevollen Augen und sein wunderbares Lächeln ließen sie doch einen Moment in diesem Anblick verweilen. Tom, dem dies nicht entging, drehte sich zufrieden um und machte sich wieder auf den Weg in die Küche, um die Pizza in den Ofen zu schieben. „Hast du auch hunger?“ fragte er, aber auch für diese, nun wirklich in keiner Weise anzügliche oder unverschämte Frage, wurde er mit einem unverständlichen Knurren belohnt. Er zog abermals gewarnt die Augenbrauen in die Höhe. Ich glaube ich sollte sie noch ein wenig in Ruhe lassen … Bevor sie mich noch aus meiner eigenen Wohnung schmeißt.
Als die Pizza fertig war überlegte er ob er den Tisch decken und Anna zum Essen rufen sollte, aber schnell schüttelte er den Kopf. Sie würde sowieso nicht kommen und sich mit ihm an einen Tisch setzen und in Anbetracht der Tatsache, dass es für ihn wichtiger war, zu wissen, dass sie überhaupt etwas aß, wählte er eine erfolgsversprechendere Variante. Er bereitete ihr ein Tablett mit Pizza, etwas Obst, einem Glas Wasser, sowie einem Glas Wein und stellte es mit einem kurzen Hinweis hinter sie auf das Bett, in dem sie lag und ihm ignorierend den Rücken zudrehte.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Do Nov 07 2013, 21:13

Liebe Katha,ich glaube das macht so gute Schreiber wie dich und Mini aus.Man kann lachen weinen und mitfühlen wie sich die Personen fühlen über die ihr schreibt.Ich liebe eure Geschichten.Ach ja du bist sehr fleißig brav Lg.Carla

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Nov 09 2013, 10:06

Lieben Dank, Carla. hallo 
Ich hoffe, dass ich das auch in meinen Fortsetzungen hinbekomme, die ich gerade schreibe . Irgendwie fällt es mir gerade schwerer als in den schon bestehenden Teilen.
So ist zumindest mein Gefühl. Rolling Eyes 
Ja, bald haben wir tatsächlich den spannenden Moment erreicht, und dann ... Cool 

Liebe Grüße

Katha

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BeitragThema: "53"   Sa Nov 09 2013, 10:55

Ich wünsche ein schönes Wochenende!
Hier scheint tatsächlich die Sonne, nachdem es tagelang geregnet hat.
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Anna war mit den viel zu großen Klamotten von Tom am Leib, direkt ins Bett gestiegen. Sie war immer noch beleidigt, dass Tom ihren Wunsch in die Goldelse gebracht zu werden einfach ignoriert hatte und sie hatte bestimmt nicht vor ihm so schnell die Absolution für diese Aktion zu erteilen. Außerdem wühlte der aufregende Tag auch noch in ihrem Kopf und versuchte die vielen verschiedenen Eindrücke in die richtigen Schubladen zu stecken um einen Haken daran machen zu können. Aber davon war Anna noch weit entfernt.

Aber trotz der vielen Gedanken, die sie beschäftigten, fühlte sie sich eigentlich relativ wohl. Sie kuschelte sich in Toms T-Shirt und genoss es heimlich ihn in ihrer Nähe zu wissen. Und jetzt zog auch noch der Duft der Pizza zu ihr herüber, der ihr sogleich das Wasser im Munde zusammen laufen ließ, denn auch sie hatte seit morgens nichts mehr zu sich genommen. Erneut musste sie anerkennen, dass er sich sowohl fürsorglich um sie kümmerte, aber sich eben auch taktvoll zurück hielt, um sie nicht zu bedrängen. Tom ist schon ein toller Mann, seufzte sie leise in sich hinein, während sie sich umdrehte und das Arrangement bewunderte, das er ihr hingestellt hatte. Hungrig biss sie in ein Stück Pizza und überlegte ob sie sich nicht doch mal auf ihn zu bewegen sollte, aber trotz aller positiven Gedanken, die ihre Laune auf jeden Fall schon ein ganzes Stück angehoben hatten, fühlte sie sich noch viel zu sehr in sich selbst gefangen, um sich jemand anderem zu stellen. Auch wenn es Tom war, ihr Verlobter, wie ihr da gerade mal wieder einfiel. Eigentlich sollten wir den heutigen Abend in gemeinsamen Glück verbringen, nachdem ich seinen Antrag angenommen habe, und stattdessen grübele ich über den Sinn meines Lebens nach, dachte sie deprimiert und wurde erneut daran erinnert, dass sich ihr die Frage aufdrängte, wie sie ihr weiteres Leben gestalten wollte. Diese Gewissheit hatte sich nämlich nicht abgeschwächt. Sie wollte definitiv etwas ändern, um sich aus diesem Sumpf, der immer wieder herauf beschworenen Verzweiflung, deren Ursprung in der Vergangenheit lag, zu befreien. Und wenn das bedeutete, dass sie sich dafür von Teilen ihres Umfeldes bzw. der darin vorkommenden Personen befreien musste, die ihr nicht wohlgesonnen waren und ihre Schwäche mit Freude ausnutzten, dann würde sie das tun. Im Klartext hieß es eigentlich. Sie musste aus Carlas Bannkreis verschwinden oder umgekehrt, so weit war sie schon. Aber wie sollte sie das anstellen? Tom wollte sie auf keinen Fall aufgeben und Tom war Lanford, und bei Lanford gab es Carla. Sie konnte doch nicht fordern, dass ihre verhasste Kollegin Lanford verlassen musste ... oder doch? Sie fragte sich außerdem, wie die Lanford-Männer mit dem neu gewonnen Wissen, was sich für sie selbst ja noch gar nicht konkretisiert hatte, umgehen würden. Und prompt hingen ihren Gedanken wieder fest. Vielleicht sollte sie sich erst einmal ein genaues Bild davon machen, was Carla getan hatte bzw. wie sie es angestellt hatte, war sie doch selbst gar nicht vor Ort gewesen. Klar war, dass sie Anna nach bestem Vorsatz an ihre Grenzen getrieben hatte.
Aber war Carla das Thema? Oder doch eher ihre eigene labile Psyche, die sie trotz der eigentlich gerade perfekten Situation, immer wieder einbrechen ließ? Was will ich denn noch? Ich bin frisch mit dem Mann verlobt, den ich liebe, beruflich läuft es mehr als gut und ansonsten bin ich umringt von meiner Familie und meinen Freunden, die mich unterstützen und für mich da sind … Aber warum hauen mich die Erinnerungen so von den Socken, warum bin ich trotzdem so angreifbar? Hatte sie etwa doch noch nicht abgeschlossen mit ihrer Vergangenheit? Sie wusste es einfach nicht und genau diese Unsicherheit machte es ihr unmöglich den eigentlich logischen Schritt auf Tom zuzugehen.

Einige Stunden später erwachte Anna durch leichte Bewegungen auf der Matratze und öffnete verwirrt die Augen. Die Bilder ihres Traums, der sie gerade beschäftigt hatte, verschwanden nur langsam. Sie hatte von Jonas geträumt, von ihrer letzten Begegnung. Er war stolz darauf gewesen, dass Anna es geschafft hatte ihn loszulassen. Und nach den Worten „Auf ewig mein Engel“, war er ins gleisende Licht entschwunden. Damals war sie überzeugt gewesen, dass sie ihn trotz der Trauer loslassen und wieder in die Zukunft schauen könnte und sie hatte Schritte getan. Sie hatte sich für einen Weg entschieden, der sie letztlich zu Tom geführt hatte. Tom ging es ihr durch den Kopf und sie musste unweigerlich lächeln. „Hör auf dein Herz“ hatte Jonas sie ermahnt … Muss ich wirklich all diese Kämpfe auf mich nehmen um letztlich glücklich zu werden? Ist es das, was er mir sagen will? Oder meint er, dass ich aus der Liebe die Kraft schöpfe um das Unausweichliche zu überstehen? Sie wusste es nicht wirklich zu deuten und suchte weiter nach der Verknüpfung zwischen ihrem Traum und der Realität, als sie plötzlich in ihren Gedanken gestört wurde. „Ach Süße, wenn du wüsstest, wie gut ich dich verstehen kann … Ich habe doch selbst so lange niemanden an mich heran gelassen und gedacht, dass alle Erinnerungen und Gefühle die mit Fanni zu tun haben, nur für mich alleine bestimmt sind …“ hörte sie leise hinter sich. „Aber trotzdem tut es so weh, dass du mich immer wieder außen vor lässt, mich nicht mit einbeziehst … Ich liebe dich doch und ich will so gerne für dich da sein … Aber vielleicht habe ich es ja auch nicht besser verdient, schließlich konnte ich mein Versprechen nicht halten. Ich wollte auf dich aufpassen und was war? Ich habe die Zeichen wohl nicht erkannt, es nicht vermocht dich von diesen Qualen fern zu halten. Es tut mir leid …“ Seine Stimme war nachdenklich, fast traurig und Anna spürte wie Tränen der Rührung in ihr aufstiegen. Sie hörte ein gequältes Seufzen, das Rascheln der Bettdecke und spürte, wie Tom sich in die richtige Position rückte, um zu schlafen. Sie hatte das Gefühl die Wärme seines Körpers ganz nah hinter sich zu spüren. Gebannt und mit klopfendem Herzen wartete sie darauf, dass er sie berühren würde, aber er tat es nicht und in ihr stellte sich so etwas wie Ernüchterung ein, die ihr verdeutlichte, wie sehr sie sich doch eigentlich nach ihm sehnte.

Erneut hörte sie Jonas letzte leise Ermahnung, bevor er sich von ihr verabschiedet hatte. Und da, als wenn jemand den Schalter umgelegt hätte … endlich war sie wieder klar im Kopf.
Sie musste gar nicht mehr kämpfen. Jonas und sie hatten sich verabschiedet. „Ich bin stolz auf dich“, hatte er Anna zu verstehen gegeben, als sie ihm mit ihrem Abschiedslied selbst das Zeichen gesendet hatte, dass sie loslassen würde. Ich muss mein Leben nur annehmen, so wie ich es vor hatte. Es war schrecklich vor einem Jahr, aber selbst die Erinnerungen gehören der Vergangenheit an. Das heißt, nein, sie gehören nicht in die Vergangenheit. Sie gehören zu mir und wenn ich Jonas stolz machen will, ihn glücklich machen will, dann sollte ich mich jetzt umdrehen und meiner Zukunft in die Augen blicken. Denn die liegt in Form eines wunderbaren Mannes hinter mir und wartet nur darauf, dass ich ihr ein Zeichen gebe. Und wenn ich das schaffe, mich ohne wenn und aber darauf einzulassen, dann kann keine Erinnerung, keine böse Nachricht und keine Carla der Welt, mir mehr was anhaben. Anna spürte, immer noch in Bewegungslosigkeit verharrend, ihren Puls in die Höhe schnellen. Anna jetzt tu doch endlich was Jonas von dir verlangt hat. Hör auf dein Herz. Wie oft hast du es denn die letzten Tage schreien hören. Immer wieder hat es dir gesagt, dass du Tom aus vollem Herzen liebst, und trotzdem lässt du zu, dass dich die Machenschaften irgendwelcher böswilliger Menschen wieder verunsichern … trat sie sich selbst in den Hintern. Leise stieß sie noch einmal den Atem aus, bevor sie sich völlig nervös umdrehte, um sogleich in die liebevollen Augen Toms zu schauen, die sie trotz des dämmrigen Lichts im Schlafzimmer, wie zwei leuchtende Sterne anstrahlten. Er hatte sich hinter sie gelegt und einen inneren Kampf ausgefochten, ob er es wagen könne seine Verlobte in den Arm zu nehmen, als er bemerkte, dass sich ihr Atmung veränderte, ihr Körper sich zunehmend anspannte. Und hatte er den Arm auch eigentlich gedanklich schon um sie gelegt, hatte er ihn schnell zurück gezogen und mit angehaltenem Atem abgewartet was sie wohl tun würde. Und jetzt lag sie ihm gegenüber und sie sah ihn endlich wieder an. Tom spürte sogleich, wie ihn eine unendliche Ruhe ergriff. Sie ist wieder bei mir! dachte er glücklich, denn die Qual und die Starre waren aus Annas Augen verschwunden und statt dessen konnte er Leben erkennen. Etwas wie Freude und Liebe. Zaghaft legte sich ein Lächeln auf seine Lippen. „Ist das schön, dass du wieder da bist“, sagte er leise und Anna lächelte selig bei seinen vor Liebe strotzenden Worten. Sie war völlig wibbelig und hatte plötzlich das Gefühl ihm alles erklären zu müssen. Sie öffnete den Mund – und schloss ihn wieder, da ihr die richtigen Worte nicht einfallen wollten. Dann begann sie „Tom, es tut mir …“, aber bevor sie auch nur den ersten Satz ausgesprochen hatte, legte Tom ihr seine Finger auf den Mund. „Du musst mir jetzt nichts erklären“ wisperte er leise. Anna lächelte ihn dankbar an, und weiter versanken sie einfach in ihrem gegenseitigen Anblick. Tom hob seinen Kopf und gab ihr einen zärtlichen Kuss. „Lass uns erst einmal schlafen“ sagte er schließlich und Anna nickte lächelnd. Dann drehte sie ihm den Rücken zu, kuschelte sich mit geschlossenen Augen an seine Brust und genoss es, von seinem Körper und seinen starken Armen umfangen zu werden. Beide spürten sie, wie die Verzweiflung, die Ängste, die Zweifel, wie einfach alles von ihnen abfiel. Anna hauchte noch ein leises „Danke“ in den Raum, bevor die Müdigkeit das Paar in einen ruhigen, entspannten Schlaf fallen lies.

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BeitragThema: "54"   So Nov 10 2013, 21:36

Am nächsten Morgen öffnete Anna langsam die Augen und reckte sich genüsslich. Sie hatte wunderbar geschlafen, nachdem sie sich endlich dem Leben und der Liebe wieder zugewandt hatte. Sie ließ ihre Hand neben sich gleiten und schrak auf. Wo ist Tom? Verwirrt sah sie sich um, warf einen Blick auf die Uhr, die auf dem kleinen Tischchen neben dem Bett stand und touchierte dabei mit ihren Augen ein Tablett, das offensichtlich für sie dort positioniert wurde. Sie erinnerte sich an den letzten Abend, an dem sie auch schon so liebevoll umsorgt worden war und dachte lächelnd, der Zimmerservice hier ist wirklich vorzüglich. Da es bereits nach acht war, vermutete sie, dass Tom seine Wohnung bereits verlassen hatte. Aber eben nicht, ohne ihr dieses feudale Frühstück vorzubereiten. Es war alles da, was ihr Herz begehrte. Brötchen, Croissants, Wurst, Käse, Marmelade, verziert mit einer roten Rose und einem beiliegenden Zettel. Sie griff neugierig danach und las
Guten Morgen mein Schatz,
ich hoffe, du hast gut geschlafen. Du warst noch so tief im Land der Träume, dass ich dich nicht wecken wollte. Ich musste leider schon los. Aber melde dich doch mal bei mir. Ich kann es kaum erwarten, dich zu hören. Ich bin so froh, dass du wieder bei mir bist … Ich liebe Dich!
Tom


Sie lächelte glücklich in sich hinein und ließ sich mit einem Seufzer wieder in die Kissen sinken, als sie plötzlich ein Scheppern aus dem Wohnbereich vernahm. Sie zuckte zusammen und überlegte ängstlich was das wohl war. Zögerlich stand sie auf und sah vorsichtig um die Ecke der Zwischenwand. Aber Gott sei Dank war es Tom, den sie erblickte. Er zog sich gerade seine Lederjacke über und griff nach seinem Schlüssel. Sie gönnte sich einen Moment um den gut gebauten Kerl in seinen lässigen Klamotten zu betrachten. Er machte zwar auch in einem Anzug eine verdammt gute Figur, aber in einer Jeans, die ihm cool auf den Hüften lag und einem engen T-Shirt kam seine atemberaubende Figur doch erst richtig zur Geltung. Da habe ich mir wirklich einen verdammt gut aussehenden Mann geangelt, dachte sie bewundernd. „Hey, Guten Morgen!“ stieß sie freudig aus und trat an ihren Verlobten heran, der sich überrascht umdrehte und sie in zerknirschtem Ton begrüßte. „Oh, Guten Morgen. Jetzt habe ich dich doch geweckt, sorry.“ Er sah sie entschuldigend an und nahm sie mit einem zärtlichen Kuss in den Arm. „Wie lange bist du denn schon auf?“ fragte Anna, und fügte nachdem sie seiner überraschten Reaktion erkannte, hinzu. „Na ja, frisch geduscht und schon den Frühstücks-Service erledigt …“ Tom lächelte sie breit an „Nach einer so erholsamen Nacht mit meiner Liebsten im Arm, war ich heute Morgen halt gleich voller Tatendrang.“ Seine eine Augenbraue zog sich vielsagend in die Höhe und sollte der ernstgemeinten Aussage, wohl die gewisse Leichtigkeit verleihen. Aber sogleich verfiel sein Blick wieder in eine sorgenvolle Facette „Hast du denn auch gut geschlafen?“ Anna nickte. „Tief und fest, … nachdem du bei mir warst.“ Tom küsste sie erneut und grinste „Das hättest du viel früher haben können.“ Ihr Blick wich dem seinen aus und sie antwortete verlegen. „Ich weiß. Tut mir leid, ich war mal wieder völlig von der Rolle.“ Tom hob ihr Kinn an und sah ihr liebevoll in die Augen. „Du musst dich nicht entschuldigen. Hauptsache du bist hier.“ Er schaute kurz zur Uhr. „Aber ich muss leider los. Mach dir einen schönen Tag, du musst heute nicht ins Atelier kommen. Erhol dich einfach ein bisschen, ja?“ Anna sah ihm dankbar in die Augen und umschlang ihn erneut. „Du bist wirklich das Beste, was mir passieren konnte." Tom drückte sie einen Moment feste an sich und sog nochmal ihre Wärme und ihren wunderbaren Duft in sich auf, ehe er sich von ihr löste und ihr zuzwinkerte. „Es bekommt halt jeder das was er verdient … Ich muss los … Leider.“ Ein letzter Kuss und schon war er fast aus der Tür, als er noch mal inne hielt und sich umdrehte. „Ich musste Bruno gestern versprechen, mich heute Abend auf den Empfang der Fashion Days sehen zu lassen. Also falls du Lust verspüren solltest mitzukommen … Ich würde mich über eine solch wunderbare Begleitung sehr freuen.“ Er zwinkerte ihr erneut zu, bevor er mit einem kurzen Winken die Tür hinter sich zuzog.

Anna sah ihm liebevoll lächelnd hinterher, aber schnell wich ihr Glücksgefühl einem seltsamen Gefühl von Einsamkeit. Hatte sie doch gestern noch darum gekämpft von ihm alleine gelassen zu werden, wäre sie heute gerne an seiner Seite kleben geblieben. Aber die täglichen Aufgaben wollten wohl erfüllt werden, immerhin hatte sie sich den Geschäftsführer einer großen Firma geangelt. Trotzdem hatte sie keine Lust auf ein einsames Frühstück und so eilte sie zu ihrer Tasche und kramte ihr Handy hervor. Einige Minuten später hatte sie Paloma davon überzeugt, dass sie bestimmt ein wenig Zeit hatte, mit ihr zu frühstücken und bereitete alles für ihren Besuch vor.
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Tom dachte sehnsüchtig an Anna, während er eilig das Treppenhaus hinunter lief und dabei nach seinem Handy kramte. Er wäre viel lieber bei ihr geblieben, aber er hatte sich vorgenommen am heutigen Tag endlich für Klarheit rund um Annas Drama-Woche zu sorgen, damit sie endlich einen Schlussstrich darunter ziehen und wieder in die Zukunft sehen konnten. Schließlich waren sie gerade frisch verlobt und hatten diesem Tatbestand bislang noch keinerlei Aufmerksamkeit zukommen lassen können, obwohl es doch nichts Schöneres geben konnte. Und auch darum würde er sich heute noch kümmern. Er wählte eine Nummer und wartete auf eine Antwort, aber als er bereits im Auto saß, schmiss er sein Handy, mit einem genervt gemurmelten „Shit, Mailbox“, auf den Beifahrersitz. Einen Moment grübelte er vor sich hin, ehe er zügig losfuhr.
Als er einige Zeit später unverrichteter Dinge das Atelier betrat war seine morgens noch so gute Laune schon wieder bedenklich abgestürzt, denn er war immer noch keinen Schritt weiter gekommen. „Fr. Hauschke …“, rief er seine Empfangsdame bereits an, bevor er den Empfangstresen erreicht oder seinen Atem auch nur für einen Morgengruß vergeudet hatte. „Schicken sie sofort den Praktikanten aus dem Marketing zu mir.“ Er wollte ohne zu stoppen an ihr vorbei in sein Büro rauschen, als Steffi hinter ihm her rief. „Hr. Lanford …“ Er drehte sich in seinem Lauf um, was durch den Schwung, den er mitbrachte schon fast zu einer Pirouette führte, die die gerade nicht vorhandenen Kampfrichter bestimmt hoch bewertet hätten. „Ja bitte?“, fragte er angespannt. „Carsten ist heute noch nicht aufgetaucht und bislang konnte ihn keiner erreichen. Paloma und Enrique bräuchten ihn eigentlich dringend.“ Sie sah ihn entschuldigend an und hoffte, dass sie als Überbringerin der schlechten Nachricht, nicht gleich in Grund und Boden gestampft würde, bei dem Tempo, das der Junior-Chef gerade vorlegte. Aber Tom wendete sich, von dieser Nachricht in seinem Lauf gebremst, mit einem Nicken langsam ab und ging in sein Büro, während er seine Stirn in Falten legte und überlegte, wann er Carsten das letzte Mal gesehen hatte. Nachdem sie gemeinsam die Pakete aus dem Transporter in die Lanford-Garderobe gebracht hatten, war er selbst so beschäftigt gewesen, dass er den Praktikanten völlig aus den Augen verloren hatte. „Mist. Wenn der sich aus dem Staub gemacht hat, dann gnade ihm Gott“, murmelte er angefressen, während sein Erregungspegel bedrohlich in die Höhe stieg. Als er sich fast auf den Schoß seines Vaters setzte, der von Tom noch völlig unbemerkt, hinter seinem Schreibtisch saß, wurde er durch ein gebrülltes „Stopp!“ aus seiner inneren Diskussion gerissen, was er als nächstes tun sollte. Er machte erschrocken einen Satz nach vorne, ehe er sich umdrehte und völlig entgeistert in das grinsende Gesicht Brunos schaute und ihn ärgerlich begrüßte. „Was machst du denn schon wieder hier? Vielleicht sollte ich mir mal ein anderes Büro suchen. Dieses hier ist ja doch immer besetzt wenn ich komme.“ Er umrundete den Tisch und lehnte sich gegen die Streben der Glaswand, die seine vier Wände vom Atelier abtrennten, um sich zu sammeln. Als sein Blick dabei auf Annas Schreibtisch fiel, revidierte er seinen gerade gemachten Einwand innerlich. Nichts da, ich werde meine Platz mit dieser perfekten Aussicht nicht räumen. Bruno könnte sich ja auch mal wo anders niederlassen. Er atmete noch einmal durch „Also Bruno, was gibt es denn?“ Tom drehte sich um und stieß auf die Figur seines völlig unberührt blickenden Vaters. „Was war das gestern für eine Geschichte mit der vertauschten Kollektion?“ fragte er ohne lange drumrum zu reden. Woher weiß er das denn jetzt schon wieder? Das hätte er doch gar nicht erfahren müssen, dachte Tom angespannt. „Es gab da halt eine Verwechslung. Aber woher weißt du eigentlich davon?“ Bruno zog skeptisch die Augen zusammen und lehnte sich ein Stück über den Schreibtisch. „Peer hat es mir erzählt, aber das spielt ja auch gar keine Rolle. Wer war denn für die Kollektion verantwortlich? So geht das doch nicht. Das können wir doch nicht einfach durchgehen lassen. Fast wäre unsere Show geplatzt, und du weißt, was das für eine Katastrophe geworden wäre“ Brunos Stimme war von anfänglicher Unberührtheit zu einem Orkan herangeschwollen und rief ein genervtes Augenverdrehen bei seinem Sohn hervor. Wenn du wüsstest, was für eine Katastrophe das auch so schon war, und wie egal mir gerade alles andere ist. „Paloma war dafür verantwortlich, dass die Kollektion zum Veranstaltungsort geliefert wird, aber sie trifft keine Schuld.“ Bruno hob ironisch die Augenbrauen in die Höhe. „Und wen dann, wenn nicht sie?“ Tom ließ sich in seinen Stuhl vor dem Schreibtisch fallen und rieb sich angestrengt über die Augen. „Ich weiß es noch nicht genau …“ Er überlegte, ob er seinem Vater schon reinen Wein einschenken sollte, aber bevor er einen Entschluss gefasst hatte, wurde er von der nächsten überreizten Frage überrollt. „Und wie konntest du die richtige Kollektion so schnell beschaffen?“ Tom sah seinen Erzeuger, der mittlerweile aufgestanden war und sich fast drohend über den Tisch beugte, einen Moment regungslos an, dann sprang er auf und begab sich unter den gefährlich funkelnden Augen seines Vaters zur Tür und ließ ihn mit einem vagen, „Ich erzähl dir alles, wenn ich Genaueres weiß. Und genau darum werde ich mich jetzt kümmern,“ stehen. Dass dieser noch hinter ihm herrief, dass er endlich mal wieder seine Aufgaben als Geschäftsführer wahrnehmen sollte, interessierte ihn im Moment wenig. Der wird schon sehen, dass ich hier durchaus meinen Aufgaben nachgehe, auch wenn mein persönliches Interesse noch viel größer ist…
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„Paloma! Schön, dass du kommen konntest.“ Anna zog ihre Freundin freudestrahlend in die Wohnung und umarmte sie herzlich. Sie hatte den Tisch gedeckt und das von Tom so liebevoll für sie vorbereitete Frühstück darauf verteilt. Der Menge nach reichte es locker für zwei Personen. Sie forderte Paloma auf sich zu setzen und sprang in die Küche um den Kaffee zu holen. Als sie sich schließlich dazu setzte, schaute Paloma sie erwartungsvoll an, was Anna ein wenig verunsicherte. „Was ist?“ fragte sie. Ihre Freundin grinste vielsagend. „Du hast doch bestimmt einen Grund warum du mit mir frühstücken wolltest, oder?“ Anna wurde erst jetzt bewusst, dass diese Vermutung nahe lag, dabei wollte sie mit der netten Gesellschaft eigentlich nur ihr Gefühl der Einsamkeit vertreiben. Aber Paloma war ja immerhin ihre längste und beste Freundin, warum also sollte sie ihr nicht erzählen was der Stand der Dinge war. Sie lächelte also zurück und fragte „Was denkst du denn, was ich zu erzählen habe? Du siehst so aus, als hättest du eine Vermutung?“ Paloma legte den Kopf schief und musterte sie einen Moment. „Dir scheint es ziemlich gut zu gehen. Hast du den Schock von gestern gut überstanden?“ Anna hielt einen Moment inne und starrte auf ihre Hände, die gerade Brötchen und Messer fest im Griff hatten. Dann hob sie ihren Kopf wieder an und sah Paloma gerade heraus an. „Ja, es ist alles wieder gut.“ Sie überdachte noch einen Moment den gestrigen Abend und musste erneut anerkennen, dass Tom sie durch seine beharrliche und gleichzeitig rücksichtsvolle Art davon abgehalten hatte, in ihrem eigenen Gefühlschaos unterzugehen. „Was ist geschehen nachdem ihr gefahren seid?“ Anna grinste verlegen vor sich hin und begann zu erzählen. „Paloma zog anerkennend die Brauen in die Höhe „Mut hat er ja, dein Tom. Sich deinem Dickschädel so entgegen zu stellen …“ Anna nickte erneut beschämt, ehe sich ihre Gesicht in das Strahlen eines Honigkuchenpferdes verwandelte und sie aufgeregt ausrief. „Und weißt du was ich dir noch gar nicht erzählt habe?“ Paloma stellte ihren Kaffee ab und beugte sich neugierig zu ihrer Freundin. „Jetzt sag schon …“ Geduld war nun wirklich nicht ihre ausgeprägteste Eigenschaft. Anna grinste immer noch von einem Ohr zum anderen. „Vor dir sitzt die zukünftige … Frau Lanford.“ Paloma juchzte laut auf und sprang sogleich auf um ihre Freundin in den Arm zu nehmen. „Oh, Anna, ich freu mich so … Ich hab´s ja gewusst.“ Anna löste sich lachend von ihr und sah sie fragend an. „Wie, du hast es ja gewusst?“ Paloma setzte sich wieder. „Na ja, eure Show gestern auf dem Laufsteg … Hat er dir da den Antrag gemacht?“ Anna schüttelte den Kopf und trank in aller Ruhe noch einen Schluck Kaffee. Es machte ihr Spaß die Spanierin, die vor Neugier fast zu platzen schien, noch ein wenig auf die Folter zu spannen. „Ne, den Antrag hat er mir vorgestern auf dem Friedhof gemacht, aber ich habe ihn auf der Bühne angenommen.“ Jetzt strahlte sie erneut über das ganze Gesicht. „Auf dem Friedhof? … Und auf der Bühne … Das hört sich ja spannend an.“ sagte Paloma ungläubig. „Und jetzt erzähl mal der Reihe nach. Ich will alles wissen.
Eine halbe Stunde später verabschiedete sich Paloma von Anna und beide hatten ein breites Grinsen im Gesicht. „Ich wünsch dir, dass du ganz, ganz glücklich wirst mit deinem Tom.“ Sie stockte einen Moment, aber sie nahm ja selten ein Blatt vor den Mund. „Ehrlich gesagt, habe ich lange nicht geglaubt, dass er tatsächlich der tolle Kerl ist, von dem Enrique und du immer erzählt habt. Aber mittlerweile hat er sich meine Hochachtung ehrlich verdient.“ Anna lächelte mit ein wenig Stolz im Blick. „Er ist einfach toll und ich bin so glücklich, dass wir uns wirklich gefunden haben.“ Die Freundinnen umarmten sich ein letztes Mal und als die Tür geschlossen war, ließ sich Anna auf Toms Sofa fallen. Sie schnappte sich ein Kissen und umarmte es als sei es ihr Liebster, während sie selig vor sich hin lächelte. Ja, wir haben uns endlich gefunden. Nach all diesen Missverständnissen, seinen Ängsten, meinen Zweifeln und dieser letzten Woche, die mich fast in den Wahnsinn und von ihm weg getrieben hätte. … Aber diese Woche hatte ein gutes, wir sind verlobt und ich kann es kaum erwarten ihn zu heiraten. Allerdings währte Annas glückselige Ruhe nur einen kurzen Moment, ehe Anna von ihrem Handy gestört wurde. Sie sprang auf und nahm es voller Erwartung eines netten Anrufs vom Tisch, aber sie realisierte enttäuscht, dass es sich bei dem Piepen lediglich um eine Erinnerung handelte, die sie darauf aufmerksam machen wollte, dass sie in einer Stunde einen Arzttermin hatte. Genervt schmiss sie das Ding zurück auf den Tisch und überlegte, ob sie den Termin überhaupt wahrnehmen sollte, denn eigentlich ging es ihr doch gerade recht gut, und ihre Schwindel- und Übelkeitsattacken waren vermutlich nur auf den emotionalen Stress der letzten Tage zurück zu führen.
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Tom stieg die Stufen eines schmuddeligen Treppenhauses hinauf. Hier will man aber auch nicht tot überm Zaun hängen, dachte er, als er die in den Ecken herumliegenden Bierdosen und leeren Verpackungen verschiedenster Fast-Food-Anbieter betrachtete. Auf dem nächsten Treppenabsatz stieg er über versprenkelte, nach Blut ausschauende Flecken, die sich mit dem Dreck der Straße verwoben, um nach den nächsten Stufen endlich die richtige Wohnung zu erreichen. Hier wohnt er also, dachte er angewidert, als er das Klingelschild kontrollierte und darauf drücken wollte. Aber ehe sein Finger die Taste berührt hatte, hielt er inne, denn er hörte streitende Stimmen und dumpfe Geräusche. Als er erneut auf die Tür schaute, fiel ihm auf, dass sie nicht ganz zugezogen war, also drückte er sie vorsichtig auf und schaute skeptisch hindurch. Durch den kleinen Spalt konnte er noch nichts erkennen, aber dafür konnte er die Geräusche jetzt gut sondieren. Was ist denn da los?, fragte er sich. Er konnte nun jedes Wort verstehen. „Was war denn mit deinem Deal mit dieser Mode-Tussi? Du wolltest das Geld bis heute aufgetrieben haben …“ Toms Gedanken versuchten das Gehörte sogleich in sein bisheriges Wissen einzubinden. Also doch, er hat also tatsächlich einen Deal mit Carla geschlossen. Welche „Mode-Tussi“ sollte sonst gemeint sein. Seine scheußlichen Aktionen gegen Anna für Geld um seine Schulden zu tilgen, und Carla ist die Drahtzieherin für all diesen Scheiß. Sofort begann in Tom die Zorneswelle zu rollen. Er war schon fast gewillt, es auf diesem Wissen beruhen zu lassen und sich der Suche nach der eigentlichen Übeltäterin zuzuwenden, als das dröhnende Organ, des offensichtlich nicht sehr erfreuten Gastes von Carsten, seine Aufmerksamkeit auf sich zog. „Wir lassen uns doch nicht verarschen!“, hörte Tom ihn brüllen, und er war überzeugt, dass man es im ganzen Haus gehört hatte. Dann einige dumpfe Schläge und daraufhin ein leises Wimmern und Flehen „Bitte, ich besorg das Geld …“ Ein hässliches Lachen ertönte, gefolgt von einer lieblichen Stimme, aus der die Ironie nur so triefte. „Natürlich wirst du das Geld besorgen … Ansonsten kannst du deine Schulden bald bei uns abarbeiten. Du verstehst?“ Einer bedrohlichen, wenn auch kaum ausgesprochenen Anweisung „Kalle…“ folgten weitere dumpfe Geräusche und Tom, der das alles mit vor Schreck geweiteten Augen verfolgt hatte, nahm allen Mut zusammen. Er konnte doch nicht einfach weglaufen und diesen jungen Mann seinem Schicksal überlassen. Mit einem kräftigen Stoß ließ er die Tür aufschwingen, die auch sogleich mit einem lauten Knall gegen die Wand schlug. Damit hatte er zumindest den Überraschungsmoment auf seiner Seite. „Was ist hier los?“, frage er in festem Ton, nachdem er zwei Schritte in die Wohnung gegangen war. Weiter musste er nicht gehen um sich mitten im Geschehen wiederzufinden, da es sich lediglich um ein Ein-Zimmer-Appartement handelte. Er erblickte zwei Schlägertypen der Sorte „Nicht denken – einfach Zuschlagen“, ehe er Carsten auf dem Boden liegen sah. Er hatte sich wimmernd zusammengekrümmt und hielt sich schützend die Arme über den Kopf, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten oder vielleicht auch, um seine Schmerzen, die er ganz offensichtlich hatte, aushalten zu können. Die Typen hatten, durch Toms Auftauchen gestört, von ihrem Opfer abgelassen und drehten sich nun gelassen um. Toms Herz raste in wahnsinniger Geschwindigkeit. Er spürte Panik in sich aufsteigen und schallte sich selbst, dass er sich freiwillig in eine solche Situation gebracht hatte. Was lernt man immer? Sich selbst nicht in Gefahr begeben und Hilfe holen. Das hat ja gut geklappt ... Er hatte ja durchaus Kampferfahrung, aber nur im Boxring, und dort musste man nur gegen einen Gegner kämpfen und das mit gleich verteilten Voraussetzungen. Bei diesen Typen war er sich nicht sicher, ob die Schlägerringe nicht schon an den Händen verwachsen waren, aber er versuchte überzeugend zu wirken und seine Angst nicht nach außen dringen zu lassen. „Ach schau mal einer an. Der Casi hat ja doch Freunde,“ sagte der Sprecher der beiden Gestalten süßlich lächelnd, und nach einem musternden Blick über Toms Gestalt fügte er noch hämisch hinzu „und offensichtlich sogar welche, mit Geld in der Hose … “

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BeitragThema: "55"   Mo Nov 11 2013, 21:15

Weiter geht´s ...
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Nach langem hin und her hatte sich Anna trotz deutlich fehlender Motivation doch dazu durchgerungen den Arzttermin, an den ihr Handy sie so unnachsichtig erinnert hatte, wahrzunehmen. Immerhin hatte man ihr ja zwei Tage zuvor Blut abgenommen, um ihre Werte zu checken und es konnte ja nicht schaden, wenn man bescheinigt bekam, dass körperlich alles in Ordnung war, und davon war sie mittlerweile mehr als überzeugt.

Nun stand sie also erneut vor der Praxistür von Dr. Mertens.
Mich würde ja immer noch interessieren, wer mich aus dieser Praxis angerufen hat? überlegte sie, als sie an ihren letzten Besuch und vor allem den Grund für diesen zurückdachte. Ich werde schon noch heraus bekommen, wer mich so fertig machen wollte. Sie betrat also die Praxis und wurde von der älteren Sprechstundenhilfe sogleich freundlich begrüßt, während sich die andere wieder einmal verflüchtigte. Anna sah ihr verwundert hinterher. Ob sie generell Angst vor Patienten hat, oder ob es an mir liegt, dass sie das Weite sucht sobald ich hier stehe? fragte sich Anna skeptisch, als sie der der jungen Blondine hinterher schaute. „Fr. Broda, schön, dass sie schon da sind. Kommen sie mit. Dr. Mertens wird sofort bei ihnen sein,“ wurde sie von der Angestellten, die sich bereits das letzte mal so nett um sie gekümmert hatte, aus ihren Gedanken gerissen. Anna richtete ihre Aufmerksamkeit ihrem Gegenüber zu und folgte in den Behandlungsraum, in dem sie erneut das freundliche Skelett erblickte, dessen Anwesenheit für Anna immernoch etwas Makaberes barg. Tach auch! begrüßte sie gedanklich ihren neuen Freund, mit dem sie sich nun alleine im Zimmer befand, ehe sie sich die vielen Knochen anschaute und überlegte das es schon seltsam war, dass alle Menschen ob groß oder klein, dick oder dünn, dumm oder schlau, liebevoll oder gehässig … auf dem gleichen Gerüst basierten; Man also eigentlich die gleichen Voraussetzungen mitbrachte, die doch in so unterschiedlicher Weise vervollständigt wurden. Ehe sie sich in ihren philosophischen Gedankengängen verlieren konnte, trat Dr. Mertens zu ihr und bot ihr, nach einem kurzen Händedruck, den Stuhl neben dem Schreibtisch an.
„Wie geht es ihnen? Sie sehen heute etwas besser aus“, fragte er seine Patientin. Er betrachtete sie aufmerksam, wirkte jedoch noch nicht so richtig zufrieden, mit dem Anblick, der sich ihm bot. Anna lächelte ihn dankbar an. „Mir geht es ganz gut. Danke.“ Aber Dr. Mertens schien nicht ganz überzeugt zu sein. „Keine Übelkeit mehr, keine Kreislaufprobleme? Was macht der Stresspegel?“ Anna sah etwas irritiert in die skeptischen Augen ihres Gegenübers. „Also heute geht es mir wirklich blendend,“ versuchte sie zu überzeugen, räumte aber sogleich ein „Ok, ein bisschen müde bin ich noch, aber ich hatte auch echt viel Stress in den letzten Tagen ... Der ist aber jetzt vorbei, wirklich.“ Das sie erst am Tag zuvor das letzte Mal mit Übelkeit, Schwindel und einem drohenden Kollaps gekämpft hatte, musste sie ja nicht gleich erzählen. Schließlich war so eine Modenschau unter den gegebenen Bedingungen ja auch ein Adrenalin-Garant, der einen schon mal von den Socken hauen konnte.
„Na gut, dann will ich ihnen das mal so glauben, denn das sie ihren Stress reduzieren wäre wirklich ratsam.“ Der Doktor warf seiner Patientin einen strengen Blick zu, den diese auch sogleich mit einem kleinlauten Kopfnicken quittierte. Jetzt schlug er ihre Akte auf und überflog einen Zettel, der vermutlich ihre Blutwerte die er im Labor angefordert hatte auflistete. Aber er war schnell fertig und machte den Eindruck, als ob er sein bereits bestehendes Wissen nur noch mal kurz bestätigt sehen wollte, bevor er mit Anna sprach. Er schlug die Akte wieder zu, verschränkte seine Hände, die vor ihm auf dem Tisch lagen und schaute sie aufmerksam an. „In ihrem Blutbild gibt es einen Wert, der erhöht ist.“ Annas Blick ruhte in seinen Augen und suchte nach Anzeichen von Besorgnis bei seinen Worten, aber sie konnte, der fast väterlichen Fürsorge, nichts genaueres Entnehmen. Ungeduldig wartete sie, dass er endlich weitersprach, während ihr Herz begann zu pochen. Von was für einem Wert spricht er? Nun sprech schon weiter! dachte sie unruhig und hielt angespannt die Luft an. „Der Wert ist jedoch nicht ganz eindeutig, daher habe ich direkt einen Termin …“ In diesem Moment klopfte es an der Tür, die auch unmittelbar geöffnet wurde. Die Sprechstundenhilfe platzte aufgeregt ins Zimmer. „Fr. Schmitt aus dem Nachbarhaus ist zusammen gebrochen, schnell!“ Dr. Mertens, der bei der unerwarteten Unterbrechung überrascht zur Tür geschaut hatte, wendete sich noch mal für einen Moment Anna zu, während er bereits aufstand. „Entschuldigen sie, sie werden alles weitere von meiner Helferin erfahren“, und damit war er auch schon aus der Tür und hinterließ eine völlig verdutzt schauende Patientin im Behandlungszimmer. Langsam zog Anna ihre Jacke über und ging in den Empfangsbereich. Sie wartete, bis die Angestellte ein Telefonat beendet hatte und schaute sie fragend an. „Und jetzt?“ Die Dame lächelte ihr zu. „Keine Sorge, sie können sofort hoch gehen, Frau Dr. Albers wird sie dazwischen schieben. Sie weiß Bescheid.“ Sie drückte Anna eine Überweisung in die Hand und verabschiedete sich mit einem Fingerzeig Richtung Decke und den Worten. „Ein Stockwerk über uns. Und alles Gute!“ Damit griff sie zum schon wieder klingelnden Telefon und flötete ihre Praxis-Begrüßungsformel in den Hörer.

Anna war völlig irritiert und wusste überhaupt nicht, was sie von dem Ganzen halten sollte. Sie hatte keine Ahnung, um welchen Wert es sich handelte, der Dr. Mertens hatte aufmerken lassen und sie wusste auch nicht zu was für einem Arzt sie gerade geschickt wurde. So hatte sie sich das mit ihrem Besuch hier nun wirklich nicht vorgestellt. Sie verließ verwirrt die Praxis und warf einen fragenden Blick auf die Überweisung. „Gynäkologie“ stand dort geschrieben und sofort wurde ihr Angst und Bange. Es war noch nicht allzu lange her, dass ihre gleichaltrige Cousine sich auch ständig erschöpft gefühlt hatte und schließlich mit Kreislaufproblemen und einer daraus folgenden Ohnmacht ins Krankenhaus gekommen war. So hatte man es Anna zumindest erzählt, denn diese Cousine wohnte nicht in Berlin und sie hatte sie selbst schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesehen. Auf jedenfall wurde ein Gebärmutterkrebs diagnostiziert und ihr, um auf Nummer sicher zu gehen ihre Gebärmutter komplett entfernt.
Anna war total verunsichert und stieg, tief in ihren Gedanken gefangen, auf wackeligen Beinen die Stufen ins nächste Stockwerk hinauf. Krebs ist häufig erblich, ging es ihr spontan durch den Kopf. Und auch wenn man ihn mittlerweile gut behandeln kann, zumindest wenn man es früh genug erkennt, was würde das bedeuten? Wenn es mir genauso ergehen würde wie Franzi könnte ich keine Kinder mehr bekommen … Annas Gedanken kreisten unaufhörlich um diese Möglichkeit, die zwar nicht unbedingt die naheliegenste war, ihr aber aufgrund der Erfahrungen als erstes in den Sinn kam. Sie wollte doch Kinder, Tom und sie hatten sich gerade erst gefunden. Spontan fiel ihr die Situation auf Sardinien wieder ein, als sie auf die Frage des kleinen Kindes, ob sie keine Kinder haben wollten, im Gleichklang mit „doch, aber später,“ geantwortet hatten. Tom wollte also offensichtlich auch Kinder. Sie verzog das Gesicht. Wir haben noch nie wirklich darüber gesprochen, wie wir uns unsere Zukunft vorstellen, was unsere Wünsche sind ... Gleich stellte sich das bange Gefühl ein, ob die Wünsche von ihr und ihrem Verlobten überhaupt überein stimmten, und was wäre, wenn diese nicht realisierbar wären. Aber gut, dass wir heiraten wollen dachte sie ironisch. Hoffentlich war unsere Entscheidung nicht doch ein bisschen voreilig. Nach diesen deprimierenden Gedanken holte sie sich mit aller Macht wieder zurück in die Realität, denn sie war am Ziel angelangt.
Zögernd betrat Anna die Praxis. „Hallo, mein Name ist Anna Broda…“ stammelte sie und schob gleichzeitig die Überweisung über den Tresen, hinter der eine junge brünette Dame freundlich in die die Welt blickte. Franzi konnte Anna auf einem Namensschild lesen und zuckte zusammen, da der Name erneut ihre Erinnerungen an ihre Cousine schürte. Ist das jetzt ein schlechtes Omen? fragte sie sich unmittelbar. „Frau Broda! Sie haben Glück, wir haben gerade eine Absage für den nächsten Termin bekommen. Frau Doktor kann sie also sofort untersuchen. Gehen sie doch schon einmal in Behandlungszimmer eins und machen sich frei.“
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Tom dröhnte sein eigener Herzschlag in den Ohren, während er sich zwang seinen Fluchtinstinkt zu ignorieren, der ihm unnachgiebig einflüsterte, dass er sich ganz schnell vom Acker machen sollte. Ich bin gar nicht Casi´s Freund und ich habe auch gar kein Geld …, versuchten er derweil seine Gedanken in die Köpfe der beiden Männer zu transferieren. Er hatte echt Schiss, was er aber natürlich niemals zugegeben hätte. Pokerface, dachte er, sich selbst Mut machend. „Sie sollten jetzt besser gehen. Die Polizei ist informiert und wird gleich hier sein.“ sagte er mit möglichst fester Stimme und hielt dem ironischen Grinsen des Wortführers stand, welches sich nach dieser Information noch vertiefte. „Jetzt bekomm ich aber Angst“, gluckste der vor sich hin. Er drehte sich seinem Kompagnon zu und fragte ihn mit völlig unschuldigem Blick. „Kannst du die Typen beschreiben, die wir hier gerade vertrieben haben? Casi hatte echt Glück, dass wir aufgetaucht sind, wer weiß was die sonst noch mit ihm gemacht hätten. Oder Casi?“ Dabei wendete er sich dem leidenden Bündel auf dem Fußboden zu, der sich bei der Aufmerksamkeit, die ihm erneut zuteil wurde, wieder ängstlich hinter seinen Armen versteckte. „Man sollte sich seine Gesellschaft wirklich besser aussuchen“, fügte der Kerl noch tadelnd hinzu, ehe er seinem Kumpel einen kurzen Wink gab und mit einem intensiven Blick in Toms Richtung, der zu gleichen Teilen Belustigung und Drohung vereinte, Richtung Ausgang schritt. „Denk dran Casi, morgen ist Zahltag. Und, wir finden dich, … egal wo du bist.“ Damit zogen sie die Tür hinter sich zu und man hörte nur noch die boshafte Stimmen und die dazugehörige hässliche Lache, die sich leise durch das Treppenhaus verabschiedeten. Dann ergriff eine seltsame Stille den Raum.
Es dauerte einen Moment bis die beiden jungen Männer, die ihren Blick immer noch auf die Ausgangstür gerichtet hatten, realisierten, dass die Gefahr für den Augenblick tatsächlich gebannt war. Toms Lungen, die bereits unter argem Sauerstoffmangel litten, erinnerte ihn daran, dass Atmen eine wichtige Funktion des Körpers war, die er dringend wieder aufnehmen sollte und er stieß laut die Luft aus, die er unbemerkt angehalten hatte. Er ließ die Anspannung aus seinem Körper weichen, während vom Boden plötzlich ein leises Schluchzen zu vernehmen war. Carsten, der in den letzten Minuten durch seine Panik wie fixiert war, wurde nachdem sich seine Lähmung so langsam verflüchtigte von einem Weinkrampf geschüttelt . Dass er sich nicht vor Angst in die Hosen gemacht hatte war alles. Aber für ihn wurde seine ausweglose Situation jetzt erst richtig deutlich und die Hoffnungslosigkeit griff unnachgiebig nach seiner Psyche, während auch sein Körper auf die erlangten Verletzungen aufmerksam machte. Tom hockte sich zu ihm und legte seine Hand tröstend auf die Schulter des Praktikanten, während er versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Was sollte er tun? „Hey, ist ja gut. Sie sind ja weg“, startete er einen vorsichtigen Beruhigungsversuch und kramte gleichzeitig sein Handy aus der Tasche. „Ich werde jetzt erst mal einen Krankenwagen rufen, sie müssen untersucht werden.“ Das Schluchzen brach abrupt ab und Carsten hob den Kopf. „Oh mein Gott!“ entfuhr es Tom und hielt inne, als er das zerschundene Gesicht des jungen Mannes sah. Es war leichenblass und über dem Auge prangte eine Platzwunde aus der das Blut triefte und sich bereits über das ganze Gesicht verteilt hatte, aber fast noch schlimmer war der vor Schmerz und Panik verdunkelte Ausdruck in seinen Augen. „Keinen Krankenwagen …“ ächzte Carsten schwach. Er versuchte zum Sitzen zu kommen, was ihm aber scheinbar schwer fiel. Seine Hand lag auf seinem Oberschenkel und er stöhnte laut auf, bevor er sich an den Kopf fasste. Tom sah ihn verwirrt an. „Warum nicht?“ Carsten schüttelte kaum merklich den Kopf. „Keine Krankenversicherung … gerade gekündigt“, drückte er zwischen leisem Stöhnen hervor. Er lehnte sich gegen die Wand, schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. Tom schüttelte verständnislos den Kopf. Wie verzweifelt musste man wohl sein, wenn man bewusst die grundlegensten absichernden Regeln des gesellschaftlichen Lebens außer Kraft setzte. Der Lanford-Junior sah sich suchend in dem Appartement um und wunderte sich über die spärliche Einrichtung, die ihm aufgrund der Geschehnisse bislang gar nicht aufgefallen war. Na ja, Einrichtung konnte man es auch kaum nennen, es sah eher aus wie bei einem Penner unter der Brücke. Bis auf eine Matratze und ein kleines Regal gab es lediglich Pappkartons, aus denen ein paar Habseligkeiten hervorlugten. Der einzige Unterschied zum Schlafplatz unter der Brücke war wohl die äußerst minimalistisch eingerichtete Küchenzeile und die Tür, die vermutlich zu einem Badezimmer führte und somit zumindest fließendes Wasser versprach. Er hatte seinen Rundumblick gestartet um etwas auszumachen, wo man vielleicht Verbandszeug oder irgendetwas anderes finden konnte, um wenigstens eine provisorische Versorgung der Platzwunde vorzunehmen, aber seine Hoffnung hatte sich sogleich in Luft aufgelöst. Wie kann man so leben? fragte er sich spontan. Und was mache ich jetzt mit ihm? Ohne Krankenversicherung häufe ich nur zusätzliche Schulden auf sein Konto? Einen Augenblick musterte er erneut den jungen Praktikanten, der so langsam wieder eine normale Gesichtsfarbe erlangte und auch sonst ein kleines bisschen entspannter wirkte. Die Wunde erinnerte Tom bei näherer Betrachtung an Verletzungen, die er vom Boxen nur zu gut kannte. „Können sie aufstehen?“ fragte er und bot Carsten helfend die Hand.

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BeitragThema: "56"   Mi Nov 13 2013, 21:59

Anna sah sich im Behandlungszimmer um, das mit der freundlichen Farbgestaltung von warmen gelb-rot Tönen offenbar dazu beitragen sollte, dass man sich trotz des im Mittelpunkt stehenden Behandlungsstuhls, der wohl keiner Frau einen Freudenschrei entlockt, relativ wohl fühlte. Sie schritt hinter einen Paravent und setzte sich seufzend auf einen Hocker um sich ihre Schuhe auszuziehen. Ihr Elan, mit dem sie den Tag begonnen hatte, war verflogen und stattdessen hatte sie das Gefühl der Erschöpfung und der drohenden Verzweiflung wieder eingeholt, welches sie in den letzten Tagen so häufig verspürt hatte. Es war gut, dass es tatsächlich nur einige Minuten dauerte bis die Ärztin den Raum betrat, denn so konnte Anna sich nicht völlig in ihren negativen Gedanken verlieren. Anna hatte sich in der Zwischenzeit ihrer Hose und der Unterhose entledigt und schaute nun fast scheu um die Trennwand herum. „Guten Morgen“, sagte sie unsicher, blieb aber noch in dem schützenden Bereich des Umkleide-Bereiches stehen. Die Ärztin, die sich an den Schreibtisch gesetzt und etwas im Computer nachgeschaut hatte, drehte sich Anna zu und lächelte sie freundlich an. „Guten Morgen Frau Broda. Ich sehe, sie sind bereit? Dann setzen sie sich doch bitte, dann können wir gleich sehen was wir finden.“ Sie drehte Anna den Rücken zu, zog sich ein paar Einmalhandschuhe über und bereitete das Gerät für die Ultraschalluntersuchung vor. Anna fand es angenehm, dass die Ärztin die Aufmerksamkeit von ihr abgewandt hatte, während sie durch ihre wirren Gedanken verängstigt und mit dem unangenehmen Gefühl halbnackt herum zu laufen und ihr Intimstes Preis geben zu müssen, den Raum durchquerte um sich auf dem Behandlungsstuhl zu plazieren. Ihr brannte die Frage auf der Zunge, was die Ärztin denn finden wollte … oder auch nicht. Einen Tumor? Aber die Frage wollte ihr einfach nicht über die Lippen kommen. „Es ist gut, dass der Kollege sie gleich her geschickt hat. So haben sie schnell Gewissheit und müssen nicht auf ein zweites Blutergebnis warten“, erklärte sie ihrer neuen Patientin und zwinkerte ihr vertraulich zu. Na die hat ja einen putzigen Humor, dachte Anna ironisch und lächelte der Ärztin, die gerade mit ihrem Hocker an sie heran gerollt kam, gequält zu, ehe sie sich in ihr Schicksal fügte. Dr. Albers führte den Untersuchungsstab ein und schaute einen Moment auf den Monitor, der direkt neben dem Stuhl stand. Anna zwang sich gleichmäßig zu atmen und verbrachte die Wartezeit, bis die Bilder der Ärztin eine Einschätzung ermöglichten, damit, ebenfalls angestrengt auf den Monitor neben sich zu schauen. Eigentlich suchte sie nur eine Beschäftigung, die das unangenehme Gefühl verdrängte, dass sich ein Fremdkörper in ihrem Körper befand. „Da ist es ja. Das sieht doch gut aus.“ Anna stockte der Atem „Was ist zu sehen?“, presste sie schließlich tonlos heraus, während sie spürte, wie sich das Ding in ihrem Unterleib bewegte, und sie gleichzeitig den grauen Einheitsbrei auf dem Monitor betrachtete, der lediglich durch einen kleinen Schwarzen Punkt durchbrochen wurde. Frau Albers schaute überrascht auf. Sei es, dass sie die Worte an sich irritierten oder die Art der Nachfrage, auf jedenfall wurde ihr bewusst, dass ihre Patientin sich in ihrer Lage sehr unwohl fühlte und offensichtlich auch nicht wusste, worum es eigentlich ging. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit erneut auf den Bildschirm, drückte einige Tasten auf einer davor befindlichen Tastatur, um anschließend den Untersuchungsstab aus Annas Körper zu entfernen und sie aus ihrer Position zu erlösen. Anna nahm erleichtert die Beine herunter und sah ängstlich aber erwartungsvoll in die Augen der adretten Ärztin. „Was haben sie also gesehen? … Für mich gab es da gar nichts zu sehen.“, fragte Anna zum wiederholten mal und hielt die Luft an. Dr. Albers musterte ihr Gegenüber und stellte, anstatt eine Antwort zu geben, erst einmal eine Gegenfrage. „Frau Broda, hat Dr. Mertens sie nicht darüber in Kenntnis gesetzt, warum sie hier sind?“ Anna stieß angestrengt die Luft aus. Kann sie mir nicht einfach sagen was Sache ist? dachte sie genervt, ließ sich aber widerwillig auf das Gespräch ein, da sie sich ja offenbar der Aufklärung des Rätsels näherten. „Nein, ich habe keine Ahnung,“ antwortete sie kopfschüttelnd. Die Ärztin zog verwundert die Brauen in die Höhe als sie Anna die geforderte Antwort gab. „Ich konnte sehen, dass sich die Schleimhaut in ihrer Gebärmutter verdickt hat, und dass sich dort ein Ei eingenistet hat. Die Schwangerschaft ist noch sehr früh, ich vermute dem Blutergebnis und den Bildern nach so in der fünften Woche, aber sie sind definitiv schwanger.“ Anna, deren Gedanken und Gefühle sich immer noch auf Tumor, Gebärmutterkrebs, drohende Kinderlosigkeit und ähnliche Dinge konzentrierten, brauchte einige Sekunden, bis die Worte nicht nur Eingang in ihren Gehörgang nahmen, sondern auch in ihrem Hirn die entsprechende Umsetzung fanden, um sie verstehen zu können. „Schwanger?“ fragte sie völlig verblüfft und sah die Dame vor ihr an, als gehöre sie einer außerirdischen Gattung an, oder habe zumindest gerade von solcher berichtet. „Aber? … wie kann das sein?“, stotterte sie weiter. Auf Dr. Albers Gesicht tauchte ein kleines Schmunzeln auf, das vermutlich einen Gedanken wie: Na ja, wie das funktioniert, muss ich ihnen wohl nicht erklären, in sich barg, bevor sie sich wieder auf ihre professionelle Rolle besann. „Frau Broda, gibt es irgendwelche Irritationen im Zusammenhang mit dem Zustandekommen dieser Schwangerschaft?“ Ihre sehr ernsthaften Worte waren mit einem musternden Blick gekoppelt, denn die Überraschung ihrer Patientin verwunderte sie ein wenig. Anna, deren Augen wirr durch den Raum gestreift waren, während sie versuchte die Bedeutung der eben gehörten Neuigkeit irgendwie zu fassen, richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Gesprächspartnerin. „Nein nein, es ist nur … es kann doch höchstens … nein, es kann nur genau … . Was sagten sie? Sie vermuten fünfte Schwangerschaftswoche? … na ja, das käme tatsächlich hin. Ich habe gar nicht gemerkt das meine Periode ausgeblieben ist ...“ Anna stammelte ihre Gedanken vor sich hin und wirkte eher mit sich als mit der Ärztin im Gespräch, als diese sie schließlich unterbrach „Frau Broda, ich sehe sie sind ziemlich überrascht und durcheinander. Ziehen sie sich doch erst einmal an, und dann reden wir gleich in Ruhe weiter.“

Eine halbe Stunde später trat Anna auf die Straße und sog die frische Luft in ihre Lungen. Sie hob den Kopf und vernahm den nieselnden Regen, der ihr erhitztes Gesicht kühlte und ging gemächlichen Schrittes los. Ohne darüber nachzudenken, wählte sie den Weg durch den Park um zu Fuß zu Toms Wohnung zurück zu wandern, während sich ihre Gedanken geradezu überschlugen.
Sie hatte Frau Dr. Albers Erklärungen hinsichtlich der Blutuntersuchung, eines ermittelten HCG-Wertes, zusätzlich notwendiger Untersuchungen zur definitiven Feststellung der Schwangerschaft und den Entscheid für die gynäkologische Variante des Nachweises, über sich ergehen lassen, ohne den Inhalt wirklich zu erfassen. Einzig der Hinweis, dass dies ein sofortiges Ergebnis erlaubt hatte, während sie bei der alternativen Blutuntersuchung mit dieser Vermutung hätte abwarten müssen, bis das Labor die Ergebnisse geschickt hätte, ließ sie einen dankbaren Gedanken an Dr. Mertens senden. Denn auch wenn sie es noch nicht wirklich fassen konnte, was man ihr da gerade gesagt hatte, wusste sie, dass zwei Tage mit dem bloßen Verdacht einer Schwangerschaft eine emotionale Katastrophe für sie bedeutet hätte.
Dr. Albers hatte sie ein zweites Mal gefragt, ob es Gründe gäbe, die gegen diese Schwangerschaft sprechen würden und sie in diesem Zuge darauf hingewiesen, dass sie bis zur 12. Schwangerschaftswoche einen straffreien Abbruch durchführen lassen könne. Und da endlich hatte es bei Anna Klick gemacht.
Eine Schwangerschaft abbrechen? Ihre eigene Schwangerschaft abbrechen? Sie hatte noch nie verstanden, wie Frauen ein ungeborenes Wesen einfach ablehnen konnten, ihm die Chance nehmen konnten ein Mensch zu werden und ein eigenes Leben zu führen. Es mochte ja sein, dass es wirklich dramatische Gründe gab ein ungeborenes Leben zu töten, aber diese Leichtlebigkeit, die viele Frauen an den Tag legten, hasste sie wie die Pest. Na ups, da hab ich wohl nicht aufgepasst, aber macht ja nichts, ich muss die Konsequenzen ja nicht unbedingt tragen. Neee, sowas kam für sie nicht in Frage. Ab diesem Moment war ihr plötzlich klar, dass sie ein Kind bekommen würde, egal ob alleine oder mit Tom zusammen. Welche Ironie... ging es ihr durch den Kopf. War die Falsch-Nachricht einer Schwangerschaft nicht der Auslöser meines Arztbesuches bei Dr. Mertens? Vor einem Jahr wollte ich ein Kind ... Mit Jonas. Nun bekomme ich eines von Tom ... Die Gedanken rasten nur so durch ihren Kopf, so dass sie froh war, dass Frau Dr. Albers sie, nach einer kurzen Aufklärung über das hohe Risiko des Abgangs in den ersten zwei bis drei Monaten, erst einmal entließ. In einer Woche sollte sie zur Kontrolle kommen und sich den Mutterpass ausstellen zu lassen.

Anna lief mittlerweile durch den bei diesem trüben und vor allem nassen Wetter menschenleeren Park und sie war froh, dass sie ihre Ruhe hatte.
Ich habe wohl auch nicht aufgepasst, dachte sie gerade. Aber sie hätte vor dieser Nacht im Hotel auch niemals damit gerechnet, dass sich Tom je auf sie einlassen würde und da sie ansonsten seit Jonas Tod keinerlei Interesse an Männern gehegt hatte, war das Thema Verhütung eben kein Thema gewesen. Und an dem Abend … Oh Mann, war ich aufgeregt, als er plötzlich vor meiner Tür stand. Sie fühlte spontan wie es in ihrem Bauch begann zu kribbeln als sie daran zurück dachte, und dann ist es passiert, er hat mich geküsst und wir haben diese wunderbare Nacht miteinander verbracht … Das werde ich wohl niemals vergessen ... Es gab ja mittlerweile einige wirklich schöne Nächte, aber die erste war eben die erste und schon allein daher etwas ganz besonderes. Anna schmunzelte in sich hinein, während sie an einem kleinen See stehen blieb der inmitten des Parks lag. Die glatte Oberfläche des Wassers wurde durch die vielen kleinen Regentropfen aufgewühlt, die auch Anna mehr und mehr durchnässten, und eigentlich sah gerade alles grau in grau aus. Aber Anna merkte, dass sich ihr Gemüt nicht davon beirren ließ. Im Gegenteil, in ihrem Inneren war eine kleine Flamme des Glücks entfacht, und auch wenn alles noch neu war und sie Sorge hatte, wie es weiterging, sie fühlte, dass sie sich schon bald wirklich freuen können würde. Sie legte ihre Hand auf ihren Bauch und sprach leise. „Und du bist also in dieser wunderbaren Nacht entstanden …“ Den Schmerz, den sie danach erst einmal hatte ertragen müssen, weil Tom noch keinen Mut hatte sich zu ihr zu bekennen, hatte sie mittlerweile ad acta gelegt. Die Nacht war für sie beide der endgültige Startschuss gewesen, um für sich, für die Liebe und die Zukunft zu kämpfen, auch wenn der Anfang schon bei ihrer ersten Begegnung gemacht war. Anna sah gedanklich Tom vor sich stehen, wie er ihr auf dem Dach gegenüber stand und die Szene spulte sich, wie schon so oft, in ihrem Kopf ab. Wie er sagte, dass sie vielleicht alles, was sie bisher erlebt hatten, nur erlebt hatten um sich in diesem Moment gegenüber zu stehen. Was hatte er gesagt? „Vielleicht ist es so was wie eine zweite Chance“? Ja, er hat wohl recht gehabt. Wir wollten beide eine Familie gründen und glücklich sein mit unseren Partnern und es ist uns verwehrt geblieben … Und jetzt gibt es eine neue Chance. Für uns und für diesen neuen Menschen. Vielleicht hat es Tom damals wirklich schon gespürt, dass wir zusammen gehören, … Aber ob er da schon eine Idee hatte, wie sich alles entwickeln würde? Ein knappes Jahr später, wir sind verlobt und er wird Vater. Ist er wirklich schon so weit? Sind wir wirklich schon so weit? Sie schüttelte nachdenklich den Kopf und versuchte das unbehagliche Gefühl zu verdrängen, das in ihr herauf zog.
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Als Anna von dem doch ganz schön langen Weg ermattet vor Toms Wohnungstür ankam, steckte sie den Schlüssel ins Schlüsselloch, bevor sie sich ihrer Jacke entledigte, aus der es nur so herab tropfte. Sie war völlig durchnässt und freute sich darauf eine heiße Dusche zu nehmen und anschließend ein wenig auszuruhen. Obwohl sie morgens den Gedanken alleine zu sein total doof fand, war sie jetzt glücklich, sich erst einmal mit ihrem eigenen inneren Chaos beschäftigen zu können.
Als sie den Schlüssel im Schloss drehen wollte, realisierte sie irritiert, dass es nicht nötig war. Hab ich denn vergessen abzuschließen? erschrak sie, und betrat die Wohnung. Sie hängte ihre Jacke über eine Stuhllehne, legte ihre Tasche ab und ließ sich müde auf den nächstbesten Stuhl plumsen, als sie plötzlich bestürzt die Situation in der Wohnung wahrnahm.

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BeitragThema: "57"   So Nov 17 2013, 20:50

Nach einem ganzen Wochenende ohne mich, hier doch noch ein Lebenszeichen! Smile 
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Unweit von Annas Füßen lagen einige blutgetränkte Tücher und als sie den Blick hob sah sie, dass jemand auf Toms schwarzen Lieblingssessel saß. Nach genauerer Betrachtung vermutete sie, dass es sich wohl um Carsten, den Marketing-Praktikanten handelte, der mit geschlossenen Augen den Kopf auf der Rückenlehne abgelegt hatte, und gerade verarztet wurde. Irritiert verzog sie das Gesicht. Was ist denn hier los? ging es ihr durch den Kopf, während sie genauer hin sah. Sein Gesicht zeigte noch die letzten Spuren des Blutes, welches sich nachweislich über sein ganzes Gesicht gezogen hatte und Tom klebte gerade Pflasterstreifen auf die klaffende Wunde über der Augenbraue, die offensichtlich der Ursprung, dieser ganzen Sauerei war. Die beiden Männer waren so konzentriert, dass sie die Ankunft Annas gar nicht bemerkt hatten.
„So, ich hoffe das hilft ein bisschen, aber es bleibt bestimmt eine Narbe zurück, die Wunde müsste eigentlich genäht oder geklammert werden. Karsten öffnete vorsichtig die Augen und sah sein Gegenüber kurz an, bevor er verlegen den Kopf senkte. Tom blieb genau vor ihm sitzen und musterte den jungen Mann eingehend. Er tat ihm leid. Mit diesen Gangstern zu tun zu haben, war mit hundertprozentiger Sicherheit kein Spaß, aber zum einen hatte er sich ja selbst dort hinein geritten und außerdem war er derjenige, der viel Schmerz und Kummer über Anna und nicht zuletzt ihn selbst gebracht hatte.
„So, und jetzt will ich die ganze Geschichte hören“ sagte er und unterbrach mit seinen Worten Annas Vorhaben, sich zu den Beiden zu gesellen. Eigentlich war sie auch viel zu müde, um schon wieder aufzustehen. Also blieb sie sitzen und hörte einfach zu. Offensichtlich würde sie ja sowieso gleich darüber aufgeklärt was passiert war. Tom sah den Praktikanten herausfordernd an, und Carsten, der seinem Gegenüber nur kurz ins Gesicht gesehen hatte, erkannte, dass es hier wohl kein entrinnen mehr gab. Er schloss einen Moment die Augen und holte tief Luft, bevor er leise zu sprechen begann. „Die beiden Typen sind …“ „Wer die beiden Kerle waren interessiert mich im Moment nicht im Geringsten“ unterbrach Tom die Antwort Carstens energisch. „Was haben sie Anna noch alles angetan, außer die Kollektionen zu vertauschen. Das war doch nur die letzte Aktion in einer langen Reihe, oder sehe ich das falsch?" Mittlerweile schossen aus seinen Augen wütende Blitze in Richtung des jungen Mannes, der geschockt den Kopf gehoben hatte. "Ich will sie alle hören, … aus ihrem Mund,“ fügte er grimmig hinzu.
Anna beobachtete das ungleiche Gespann vor sich, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Sie hatte Mühe sich von ihrem eigenen inneren Chaos, das sich ja gerade noch um Übelkeit, Stimmungsschwankungen und das bald kommende Babygebrüll gedreht hatte, zu verabschieden, um sich gleich auf das Nächste zu richten. Irritiert fragte sie sich was das wohl alles zu bedeuten hatte. Carsten hat die Kollektionen vertauscht? Warum? Sie verstand überhaupt nichts mehr. Wenn Tom davon wusste ... Hat er ihn etwa so zugerichtet? Aber dann hätte er ihn wohl nicht anschließend verarztet, ... oder gerade? Aber Carsten hat eben was von zwei Typen gesagt ... Sie schüttelte kaum merklich den Kopf und hielt den Atem an, während sie das Geschehen weiterhin gebannt verfolgte.
„Das erste was Anna aufgefallen ist, war das Bild ihres verstorbenen Mannes, das plötzlich wieder auf ihrem Schreibtisch stand. Waren sie das?“ fragte Tom nun mit auffordernder Stimme, da der Praktikant seine Stimme verloren zu haben schien. Carsten schaute erneut kurz in das Gesicht seines Chefs, ehe er kaum merklich nickte. „Und dann, was war dann? Nun erzählen sie schon.“ drängte Tom energisch weiter. „Dann hab ich den Entwurf von dem Hochzeitskleid … unter ihre Skizzen …“ Toms Mimik war wütend und zugleich wie in Stein gemeißelt. „Weiter, was dann?“ fragte er nach. „Dann habe ich die Idee mit dem Street-Casting ins Spiel gebracht, … am nächsten Tag habe ich eine der Praxisangestellten aus der Praxis, in der Anna letztes Jahr behandelt wurde, dazu gebracht, Anna anzurufen und ihr die Geschichte mit der Schwangerschaft zu erzählen, und dann waren da noch die Blumen …“ Karsten war mittlerweile zu einem kleinen Häufchen Elend zusammengesunken, als hätten die zornigen Blicke, die ihn unaufhörlich trafen ihn immer weiter schrumpfen lassen. Tom rieb sich übers Gesicht. Bei der Erwähnung dieser Geschichten, die wenn sie ausführlich erzählt worden wären, vermutlich ein halbes Buch gefüllt hätten, kamen die schmerzhaften Gefühle der Hilflosigkeit, der Sorge um Anna und der Angst um ihre Beziehung wieder zum Vorschein. „Hatten sie auch etwas damit zutun, dass ich nicht gemeinsam mit Anna zum Pressetermin fahren konnte?“ Jetzt schaute Karsten erstaunt auf und schüttelte irritiert den Kopf. „Nein. Ich sollte eigentlich dafür sorgen, dass die Models nicht rechtzeitig eintreffen, aber mir viel nichts dazu ein … na ja, und dann hatten wir den Unfall, und dann sie …“ Jetzt hatte seine Scham das Höchstmaß erreicht. Carsten bekam ein hochrotes Gesicht. „Aber damit hatte ich nichts zu tun“, sagte er mit Nachdruck und dachte gleichzeitig Ich weiß aber wer fast ihr Menschenleben auf dem Gewissen gehabt hätte. Er stand auf um dem Junior-Chef Lanfords den Rücken zu kehren. Er kam sich so schäbig vor. „Es tut mir alles so leid. Ich wollte das doch eigentlich gar nicht, aber … „ flüsterte er fast, aber diese Aussage konnte Tom nur einen abfälligen Blick entlocken.
Auch Anna sah den jungen Mann, den sie eigentlich als angenehmen Gesellen kennengelernt hatte, an, als habe er ihr gerade einen Mordversuch an ihr gestanden. Aber so ähnlich fühlte sie sich auch. Irgendwie als wäre ein Anschlag auf ihr Leben ausgeübt worden und dabei ein Stück von ihr abgestorben. Spätestens jetzt. Es gab also tatsächlich Jemanden, der ihr diese Dinge alle mit Absicht angetan hatte. Keine Zufälle, keine Missverständnisse, pure Absicht. Diese Erkenntnis traf Anna hart. Sie fühlte, wie ihr Magen spontan einen riesigen Schub Magensäure auswarf und sie sich jetzt nicht mehr nur erschöpft sondern zugleich völlig zittrig und elend fühlte. Warum???? schrie es in ihren Gedanken; Sie kannte diesen Menschen doch erst seit ein paar Tagen. Aber sie war unfähig etwas zu sagen und dankbar, dass Tom diesen Part des Gesprächs übernahm.
„Aber was? Sie haben es in Kauf genommen einen Menschen fast in den Wahnsinn zu treiben. Und jetzt will ich wissen warum? Was haben sie gegen Anna?“ Tom war aufgestanden und seine Stimme überschlug sich vor Wut und Fassungslosigkeit. Carsten drehte sich um und blieb mit gesenktem Kopf stehen. Seine Hände suchten verzweifelt nach einer Position, in der sie zu Ruhe kommen konnten, aber da sie den Kampf gegen die innere Unruhe scheinbar nur verlieren konnten, rang die Linke die Rechte und umgekehrt. „Nichts, ganz im Gegenteil, ich mag sie“, wisperte er mehr, als das er sprach. Tom konnte sich ein höhnisches Lachen nicht verkneifen. „Da haben sie aber eine komische Art das zu zeigen. Geht es um ihre Schulden … ?" fragte er nun ganz direkt. "Wollten sie sich mit dieser Drecksarbeit frei kaufen? Wer hat sie beauftragt?“ Carsten sah überrascht auf. Woher wusste Tom davon? Was wusste er noch? Neben seiner Scham überkam ihn jetzt auch noch eine ordentliche Portion Angst. Sollte er seine Auftraggeberin auffliegen lassen, oder würde er damit die letzte Chance zunichte machen doch noch heil aus seinem eigenen Dilemma heraus zu kommen? Dieses hier konnte er sowieso nicht mehr rückgängig machen. Und Carla hatte ihm schließlich versprochen zu zahlen, wenn er sich an die Absprachen halten würde, und das hatte er getan. Aber sie war nicht erreichbar, wie vom Erdboden verschluckt. Vermutlich war sie mit dem Ausgang der Geschichte auch nicht sonderlich zufrieden, schließlich war die Modenschau ein Erfolg gewesen und ihr Liebster hatte in aller Öffentlichkeit die Frau geküsst, die sie so sehr hasste. „Ich höre!“ drängte sich ihm Toms erneute Aufforderung auf, und lenkte ihn für einen kurzen Moment von seiner inneren Diskussion ab. Aber würde Tom nicht sowieso dahinter kommen, wenn er schon von den Schulden wusste. Schließlich hatte er ihn ja auch schon zweimal sehr direkt nach Carla gefragt, was dann ja vermutlich auch kein Zufall war. Carstens Gefühle fuhren Achterbahn, doch letztlich entschied er sich endlich ehrlich zu sein. Es machte doch eh alles keinen Sinn mehr. Am nächsten Tag würde er sowieso fertig gemacht, oder mitgenommen oder … was auch immer. Und so konnte er sich zumindest entschuldigen und somit dem Drang seines schlechten Gewissens nachkommen. „Fr. Rhonstedt“, sagte er also leise. Er zog den Kopf ein, da er mit einem riesigen Donnerwetter rechnete, aber das blieb aus ... Statt dessen hörte er einen leisen erstickten Aufschrei.
Erschrocken sahen er und genauso sein Chef in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Sie erblickten gleichzeitig, die blonde Frau, die leichenblass und völlig zusammengesunken auf einem der Stühle am Esstisch saß und vor sich hin stierte, aber ehe auch nur einer von Beiden in der Lage war, auf diese Entdeckung zu reagieren, schlug sie sich die Hand vor den Mund und rannte mit panischem Gesichtsausdruck zwischen den Männern hindurch und verschwand in den hinteren Teil der Wohnung. „Anna!“ rief Tom geschockt aus und folgte ihr sofort, aber Anna hatte die Badezimmertür hinter sich abgesperrt und hing bereits über der Toilette um sämtlichen Mageninhalt von sich zu geben. Tom hörte wie sie sich erbrach und fühlte sich wieder einmal völlig hilflos. Als es still wurde im Bad klopfte er erneut sachte an die Tür. „Anna, bitte mach auf. Geht es dir gut?“ Er bekam keinerlei Reaktion, auf die ansich ja auch völlig bescheurte Frage, denn natürlich ging es ihr nicht gut, aber eigentlich wollte er überhaupt irgendeine Reaktion.
Aber Anna saß gegen die Duschwand gelehnt auf dem Boden und versuchte wieder zur Besinnung zu kommen und das Zittern ihres maroden Körpers zu verscheuchen. Sie hatte ihrem Brechreiz einfach nichts entgegen setzen können, als sie tatsächlich die Bestätigung erhalten hatte, dass Carla ihr all diese Dinge angetan hatte. Sie an ihre eigenen Grenzen herangeführt und sie weit darüber hinaus getrieben hatte. Sie saß da und fühlte sich wie im freien Fall. Nichts schien ihr einen Halt bieten zu können und selbst die Stimme Toms konnte daran nichts ändern. Erneut wurde die Klinke der Tür gedrückt und seine Stimme erklang. „Anna bitte!“ bat er eindringlich, aber es berührte sie überhaupt nicht. Verzweifelt haute er gegen die Wand neben der Badezimmertür und beschloss sie erst einmal in Ruhe zu lassen, vermutlich brauchte sie erst mal einen Moment für sich. „Anna, ich gehe ins Wohnzimmer, aber ich bin da, ok?“ Er rieb sich angestrengt über das Gesicht als er langsam wieder den Wohnbereich betrat. „Shit, verdammter! Sehen sie was sie angerichtet haben?“, fluchte er den Praktikanten an, der sich erschöpft auf die Stufen zur Küche hatte sinken lassen. „Dieses Miststück.“, drang es erneut aus Toms Mund, während er begann im Raum auf und ab zu laufen, wie ein Tiger im Käfig. Er ärgerte sich natürlich über Carsten, aber am meisten ärgerte er sich über sich selbst. Er hatte ja mittlerweile einige Einblicke in Carlas Wesen erhalten, die ihn hatten aufmerken lassen, aber trotzdem hatte er die Bedrohung durch sie einfach nicht ernst genug genommen. Er hatte Anna versprochen, sie zu beschützen, auf sie aufzupassen, und was hatte er getan? Dabei zugesehen, wie seine Ex sie zerstörte. Tom fühlte sich fast so schuldig, als hätte er selbst diese Aktionen in Auftrag gegeben oder sogar selbst durchgeführt und er zermaterte sich den Kopf was zu tun wäre, was aber ziemlich ineffektiv war, da seine Gedanken und Gefühle zwischen seiner eigenen Selbstkasteiung und seinem blonden Schatz, der alleine in seinem Badezimmer saß, hin und her wanderten und damit völlig ausgelastet waren.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Nov 17 2013, 22:07

Hey Katha hallo  , schön wieder was von dir zu lesen. Arme Anna kann ich dazu nur sagen.Lg.Carla

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BeitragThema: "58"   Mo Nov 18 2013, 21:31

Knutscha an dich, liebe Carla! gib5
Und weiter geht´s ...
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Der laute Knall, den Toms Verzweiflungsschlag auf die Wand in die Welt geschickt hatte, ließ Anna aufschrecken. So doof es sich anhörte, das hatte mehr gebracht, als seine sorgenvollen Worte und sie wurde endlich aus ihrem freien Fall gerissen, als wenn jemand den Fallschirm aufgerissen hätte. Und nun trudelte sie langsam zurück in die Realität.
Mit Mühe stand sie heftig keuchend auf und trat ans Waschbecken heran, das sie sogleich haltsuchend umklammerte. Wow, siehst du mal Scheiße aus, dachte sie, als sie einen Blick in den Spiegel warf und sich selbst kaum wieder erkannte. Leichenblass mit tiefen Ringen unter den Augen und einem Gesichtsausdruck, der ihr gefühltes Elend bestens zur Schau stellte, sah sie sich an. Sie richtete den Blick auf das Waschbecken und stellte das Wasser an. Sie beobachtete wie in Trance, wie ihre Hände das Wasser sammelten bis es genug war, um ihr Gesicht hineinzuhalten und genoss für einen kleinen Augenblick die Kühle, bis es auch schon wieder davon geflossen war wie ihre Gedanken, die sie gerade auch nicht aufhalten konnte. Sie drehten sich die ganze Zeit um das kleine und doch so elementare Wörtchen Warum? Warum durfte sie nicht glücklich sein? Warum war Carla so gehässig und brutal? Warum ließ sich jemand wie Carsten auf so etwas ein? Warum schaffte es diese Frau immer wieder sie so sehr zu verletzen? Warum konnte sie sich nicht schützen? Warum konnte Tom sie nicht schützen, obwohl er es doch versprochen hatte? Warum…?
Sie spülte sich einige Male den Mund, um den ekligen Nachgeschmack des Übergebens loszuwerden und ließ sich kaltes Wasser über ihre Handgelenke laufen, um die Blutzirkulation in ihrem Körper anzukurbeln. Als sich das Zittern so langsam verabschiedete, sie wieder ohne hektisches Aufbäumen ihrer Brust atmen konnte und sich auch ihre Beine wieder anfühlten, als wäre zumindest irgend etwas anderes außer Pudding darin, beschloss sie, dass sie hören wollte, wie alles passiert war. Konfrontation mit der Angst ist doch eine beliebte Methode in der Therapie, dachte sie ironisch, ehe sie aus dem Bad heraustrat und auf wackeligen Beinen Richtung Wohnzimmer ging. Von dort drang auch sogleich Carstens Stimme zu ihr, die erst einmal unbeantwortet im Raum schwebte. „Kann ich irgendwas tun?“
Was will der Kerl denn schon tun, … außer vielleicht Carla um die Ecke bringen. Anna erschrak ein wenig bei ihren zynischen Gedanken, aber irgendwie spiegelten sie doch ihre Gefühle wieder. Sie wollte diese Person, die ihr Leben in so massiver Weise bedrohte, einfach nur quitt werden, auch wenn sie vermutlich andere, nicht so zerstörerische Mittel wählen würde, wenn sie denn die Wahl hätte.

Tom, der immer noch seiner Laufspur folgte, vernahm Carstens Frage, aber es brauchte einige Zeit, bis er realisiert hatte, dass da Worte an ihn herangetragen worden waren, die nach einer Antwort verlangten. Irritiert tauchte er aus seiner Gedankenwelt auf und sah Carsten, der sich nicht vom Fleck gerührt hatte, verstört an. „Bitte?“ fragte Tom verwirrt nach. „Ob ich irgend etwas tun kann?“ wiederholte der Praktikant leise. Tom sah ihn völlig fassungslos an und hob fragend die Hände in die Höhe. „Was wollen sie denn jetzt noch tun? Ist doch alles passiert, ... oder steht noch was auf ihrer Liste der zu erledigenden Dinge?“ Carsten schüttelte verlegen den Kopf. „Entschuldigen sie, war doof von mir.“ Er stützte sich mit schmerzverzehrtem Gesicht vom Boden ab und schritt mit hängendem Kopf Richtung Tür. „Ich gehe dann mal besser." Er zeigte auf sein ziemlich zugeschwollenes und sich mittlerweile schon bunt verfärbtes Auge. "Danke für ihre Hilfe“ Dann stockte er und sah Tom direkt ins Gesicht. „Hr. Lanford, es …“ Er wollte sich entschuldigen, aber da wurde er harsch unterbrochen. „Sie gehen nirgends hin, bevor ich nicht die ganze Geschichte kenne. „Wie sind sie an die Schulden, bzw. diesen Kredithai geraten? Wie ist Carla auf sie gekommen? Und …“ da stellte sich ihm plötzlich die Frage aller Fragen. „Wo zum Teufel ist diese Frau eigentlich? Haben sie eine Ahnung? Ich habe sie heute Morgen versucht zu erreichen, aber sie war nicht auffindbar.“ Anna beobachtete wie Carsten, der soeben in ihr Blickfeld getreten war, den Kopf schüttelte. Sie war im Schlafzimmer stehen geblieben obwohl sie eigentlich ins Wohnzimmer hatte gehen wollen, aber das Bett war einfach zu einladend und außerdem hatte sie auch nicht wirklich Lust sich einer Unterhaltung zu stellen. „Ich habe sie seit der Modenschau nicht mehr gesehen und gehört“, antwortete Carsten. Es war die Wahrheit, denn schließlich wollte, bzw. brauchte er ganz dringend das Geld, das sie ihm versprochen hatte und daher hatte er immer wieder versucht sie zu erreichen. Leider erfolglos.
Anna schüttelte deprimiert den Kopf und rieb sich erneut über ihre müden Augen. Sie läuft also irgendwo da draußen rum und lässt sich gerade die nächste Gehässigkeit einfallen, dachte sie wütend und hilflos zugleich. Sie fühlte sich so matt, dass sie sich langsam auf das Bett setzte und sich mit einem inneren Seufzen gegen die Kissen vor der Wand lehnte. Schließlich konnte sie auch von hier zuhören und sie musste nicht die mitleidigen Blicke Toms ertragen, die ihr gerade auch nicht weiterhalfen. „Setzen sie sich und erzählen mir endlich, wie sie in diese beschissene Situation, und vor allem wie sie an Carla geraten sind“, hörte sie Tom in etwas versöhnlicherem Ton sagen. Aber Carsten schien noch zu zögern, denn es dauerte einige Zeit bis das Knatschen des Sessels an ihr Ohr drang.

Carsten setzte sich zögerlich und begann zu erzählen. Anfangs noch leise und stockend, redete er sich nach und nach seine ganze klägliche Lebensgeschichte von der Seele.
Er berichtete von dem Tod seiner Eltern, den Heimaufenthalten und seinen schulischen Problemen, und dass er während seiner Jugendzeit immer irgendwie ein Außenseiter war. Dann hatte er einen Betreuer bekommen, der es geschafft hatte ihm ein wenig Orientierung zu geben. Mit seiner Hilfe versuchte er endlich Fuß zu fassen, indem er eine Ausbildung bei Lindenberg begann und gleichzeitig in eine eigene Wohnung gezogen war. Schließlich war er mittlerweile Erwachsen. Als er dann noch ein paar Freunde fand, fühlte er sich wirklich, als würde sich sein Leben endlich zum Guten wenden. Die Ausbildung lief gut und seine Freunde, die ihm schon bald eine Art Ersatzfamilie wurden, zeigten ihm neue spannende Welten. Ja, er war glücklich gewesen endlich berufliche Perspektiven, und in den Menschen die ihn umgaben so etwas wie eine Heimat gefunden zu haben, bis genau diese Heimat begann ihn zu zerstören. Seine Freunde führten ihn ans Glücksspiel und an Drogen heran und dann als er schon mittendrin in diesem Schlamassel steckte, outeten sie sich plötzlich als die letzten Arschlöcher der Nation. Er hatte Schulden gemacht … viele Schulden, und zudem bekam er immer häufiger Ärger bei Lindenberg, da er unzuverlässig wurde. Und seine Freunde? Sie ließen ihn fallen wie eine heiße Kartoffel, und er musste plötzlich sehen wie er klar kam. Alleine, ohne Freunde und mit riesigen Schulden bei einem Kredithai, der wie der Name schon sagte, so gar keinen Spaß verstand. Seine angeblichen Freunde verhöhnten ihn als Weichei und wollten ihn zu waghalsigen und zudem illegalen Aktionen überreden um seine Schulden damit zu zahlen. Autos klauen, Einbrüche starten, Drogen verkaufen, er hatte quasi die freie Auswahl gehabt.
Aber an diesem Punkt hatte er endlich kapiert worauf er reingefallen war. Dass er scheinbar von Beginn an nur als leichtes Opfer angesehen worden war. Und diese schmerzhafte Erkenntnis hatte ihn heraus gerissen aus seiner verzweifelten Lethargie. Er hatte alle Möglichkeiten mobilisiert, um sich aus diesem Milieu wieder zu befreien. Er hatte alles verkauft was er besaß und war in dieses Drecksloch gezogen, in dem Tom ihn heute entdeckt hatte. Seine Ausbildung hatte er gerade noch retten können und mit seinem anschließenden Job und zusätzlichen Nebenjobs hatte er versucht das nötige Geld aufzutreiben um die horrenden monatlichen Tilgungen zu leisten. Aber irgendwann war er zusammengebrochen, hatte diese Doppelbelastung zwischen Job und Nebenjobs nicht mehr bewältigen können, außerdem war er ständig bedroht worden und hatte nach und nach riesige Angst bekommen, die ihn zunehmend gelähmt hatte.
Carsten hielt inne. Er erinnerte sich nur ungern an diesen Moment, der seinem Leben endgültig die falsche Richtung gewiesen hatte. Denn alles weitere, all die Dinge, für die er sich ansich in Grund und Boden schämte, waren einfach seiner Verzweiflung entsprungen. Er mochte eigentlich nicht weitersprechen, aber er sah dass Tom noch lange nicht zufrieden war. Schließlich interessierte ihn vor allem, wie er zu seinem letzten Auftrag gekommen war. Irgendwie verständlich. „Darf ich vielleicht ein Glas Wasser haben?“ fragte Carsten, einerseits um seine ausgetrocknete Kehle zu wässern aber andererseits um eine kleine Auszeit zu haben, denn die kompakte Erzählung seines bescheidenen Lebens machte ihm ganz schön zu schaffen.
Tom hatte die ganz Zeit relativ ungerührt zugehört, während seine Blicke und auch seine Gedanken immer wieder zur Badezimmertür wanderten und jedes mal aufs Neue unter viel Kraftaufwand von dem Ziel gelöst werden mussten, das ihm ja eigentlich mittlerweile viel näher war, als er dachte. Jetzt trat er in seine Küche und füllte zwei Gläser. Eines gab er Carsten bevor er sich aufs Sofa setzte, während er den Praktikanten beobachtete. Nach einer kurzen Zeit der Stille fragte er. „Und was haben sie dann gemacht? Schulden hatten sie doch immer noch ...“ Carsten fixierte das Glas, das er in seinen Händen drehte. „Ich habe aus lauter Verzweiflung die Idee entwickelt exklusive Entwürfe von Lindenberg zu verkaufen, um endlich meine Schulden los zu werden.“
Tom verzog abfällig das Gesicht, sagte aber nichts. Carsten berichtete weiter: Auch dieser waghalsige Plan war letztlich nach hinten losgegangen. Ein Mitarbeiter der Firma hatte sein Vorhaben durchschaut und im letzten Moment vereitelt. Er hatte ihn zwar nicht angezeigt, aber ihm klar gemacht, dass er sich schnellstmöglich aus der Firma verabschieden sollte. Und dann, als Carsten auch noch ohne Job dastand und nicht mehr ein und aus wusste, war plötzlich diese Frau in seinem Leben aufgetaucht. Carla Rhonstedt.
Jetzt an dieser Stelle der Erzählung hatte Carsten die volle Aufmerksamkeit seines Chefs sicher. „Fr. Rhonstedt wusste von meinen Schulden, und sie wusste auch, dass ich versucht hatte Lindenberg zu betrügen. Aber sie versprach mir, mir zu helfen und bot mir einen Deal an. Ich war anfangs skeptisch, ich hatte keine Ahnung woher sie ihre Informationen bezogen hatte, aber für mich konnte es ja kaum noch schlimmer kommen, also habe ich mir ihren Vorschlag angehört.“
Tom lachte hart auf. „Ich kann ihnen sagen, woher sie ihre Informtionen hatte. Carla ist die Tochter von den Lindenbergs, und auch wenn sie mit ihrer Familie und der Firma nicht mehr viel zu tun hat, kennt sie bestimmt noch reichlich Mitarbeiter dort. Zudem sind ihr auch Privatdetektive durchaus bekannt. Was genau hat sie ihnen denn gesagt?“ Die Stimme Toms tropfte vor Sarkasmus und Carsten verkroch sich erneut in seinen völlig zusammen gesunkene Haltung. Zögerlich sagte er „Sie hat mir versprochen all meine Schulden zu übernehmen, wenn ich ihr ein paar kleinere Gefallen tun würde. … Ich sollte lediglich für drei Wochen ein Praktikum in ihrer Firma machen, und während ich da wäre, ein paar Dinge für sie erledigen.“ Carsten unterbrach seine Erzählung beschämt, war ihm ja mittlerweile völlig klar, wie naiv er gewesen war. „Sie hat mir versprochen, dass es nichts wirklich Illegales wäre was ich tun sollte und dass sie lediglich einer verhassten Kollegin eins auswischen wollte … Ihr Angebot hörte sich an als wäre es die Lösung für all meine Probleme. Vor allem nachdem ich mit dem Kreditgeber aushandeln konnte, dass er diese Wochen noch abwartet, dafür aber nicht nur die nächste Rate, sondern alles Geld auf einmal bekommen würde, wenn sie vorbei wären.“ gab Carsten kleinlaut zu. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ihr Plan so perfide ist, so zielgerichtet einen Menschen zerstören sollte, und als ich schon mittendrin steckte und mich weigern wollte ..."  "da hat sie ihnen gedroht", vollendete Tom den Satz, denn so langsam rundete sich sein Bild der Geschehnisse ab. Carsten nickte, "Sie hat mir gesagt, dass ich keinen Cent zu sehen bekommen würde. Zusätzlich drohte sie, mich wegen des Betrugsversuchs auffliegen zu lassen und doch noch bei der Polizei anzuzeigen.“ Tom hörte aufmerksam zu und spontan schossen ihm Bilder seiner Ex durch den Kopf, wie sie mit ihrer manipulativen und kaltschnäuzigen, und zugleich selbstverliebten Art diese Verhandlungen führte und Carsten etwas aufdrängte, was er gar nicht haben wollte. "Zusätzlich häuften sich die Besuche der Idioten, denen sie heute begegnet sind. Sie wurden in ihren Erinnerungen, dass bald Zahltag sei, immer überzeugender ...“ Carstens Stimme, die bereits bei der Erwähnung von Carla ihre Stärke verloren hatte, versagte nun endgültig. Er war fix und fertig und brach weinend zusammen. Zwischen seinen Schluchzern presste er verzweifelt hervor „Und jetzt habe ich Fr. Broda so sehr geschadet, was mir wirklich leid tut, und ich?… Morgen ist letzter Termin. Zahltag … Und ich habe nichts.“

Eine schwermütige und depressive Stimmung erfasste den Raum, deren Stille nur von den leisen Schniefern Carstens durchzogen wurde. Die drei Menschen, die sich räumlich nur auf wenige Quadratmeter verteilten, waren gedanklich und gefühlsmäßig doch meilenweit von einander entfernt. Jeder hatte seine eigene Einsamkeit, in die er sich verzog um nach der Bedeutung dessen zu suchen, was sich ihnen gerade offenbart hatte.

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katha

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BeitragThema: "59"   Do Nov 21 2013, 20:03

Juchuu, hier mal wieder ein bisschen was von eurem Alleinunterhalter Cool
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Tom betrachtete den jungen Mann, der da vor ihm kauerte, und so langsam realisierte er, dass sich sein Zorn, der ihn mittlerweile überrollt hatte wie eine Flutwelle, nicht gegen ihn richtete. Im Gegenteil, er tat ihm wirklich leid, denn er konnte sich ebenso, wie der völlig verzweifelte Carsten selbst, ausmalen, was der morgige Tag für ihn bedeuten würde. Entweder würden die Prügelknaben des Kreditgebers ihn mehr als krankenhausreif schlagen, oder aber gleich einsacken um ihn irgendwelche krummen Dinger drehen zu lassen. Und egal was im Einzelnen passieren würde, war völlig klar, dass Carstens Leben hier und jetzt in eine ausweglose Sackgasse lief.
Nein, Toms Zorn richtete sich nicht gegen ihn, sondern gegen eine ganz andere Person. Nämlich auf die Frau, die sich diesen ganzen teuflischen Plan ausgedacht hatte. Es war so unglaublich und niederträchtig, dass er selbst gedanklich keine passenden Worte dafür fand. Und das Schlimmste war, dass es die selbe Frau war, der er jahrelang vertraut hatte und die wohl groteskerweise auch jetzt noch behaupten würde, ihn zu lieben. Und aus dieser Gewissheit resultierte neben dem Zorn auch ein unglaublich schlechtes Gewissen, das ihn selbst aufzufressen drohte. Habe ich Carla so weit gebracht? Ist es meine Schuld, dass Anna diese Erfahrungen machen musste? Was kann ich denn nur tun, um dem ein Ende zu bereiten? Ich liebe Anna doch … , sinnierte er vor sich hin, während er um Fassung ringend aufsprang und erneut begann seine Wohnung zu durchpflügen.

Er merkte gar nicht, dass Anna mittlerweile an der Zwischenwand lehnte und Carsten und ihn völlig gedankenverloren beobachtete.
Sie hatte die ganze Geschichte Carstens aus dem Nachbarraum verfolgt. Völlig regungslos hatte sie zugehört. Anfangs hatte sie sich noch gefragt, warum sie sich das antat. Warum sie sich seine traurige Lebensgeschichte eigentlich anhören sollte, denn schließlich war er es, der sie so fertig gemacht hatte, aber nach und nach hatte sich ihr Stimmungsbild gewandelt. Und als die Erzählung sich in ein verzweifeltes Schluchzen verabschiedet hatte, war sie schließlich schwerfällig aufgestanden und hier an dieser Stelle hängen geblieben.
Er ist doch genauso wie ich nur Opfer in einem großen, scheinbar nicht zu beeinflussenden Plan,
fühlte sie mit ihm, und er tat ihr, ähnlich wie sie sich selbst, unendlich leid. Das hat doch wirklich keiner verdient, dass er versucht sein Leben auf die Reihe zu bekommen und dann mit solch hinterhältigen Mitteln malträtiert wird. Er wollte doch nur eine Chance … und eine Heimat. Anna konnte sich gut in die Verzweiflung seiner Jugend hinein versetzen, gab es doch gewisse Parallelen zu ihrem eigenen Leben.
Trotzdem sie ihre Mutter gehabt hatte, die liebevoll um sie bemüht gewesen war, hatte sie es unter ihrem tyrannischen Stiefvater nie geschafft ein gesundes Selbstbild von sich aufzubauen. Immer war sie hinterher gelaufen, hatte sich nichts zugetraut, nie die Anerkennung bekommen, die sie so sehr vermisst hatte. Gott sei Dank hatte sie selbst irgendwann die Kurve bekommen und sich freigestrampelt. Aber auch das war nicht leicht gewesen. Sie hatte viele, viele Niederlagen einstecken müssen, die sie letztlich nur mit Hilfe eines liebevollen Umfeldes gemeistert hatte.
Sein Leben ist völlig hinüber … dabei ist er noch so jung. ging es ihr durch den Kopf, als sie Carsten dort zusammengekrümmt und immer noch schluchzend, auf dem Sessel sitzen sah. Die Wut auf ihn war völlig verflogen. Fast wäre sie zu ihm getreten und hätte ihm tröstend die Hand auf die Schulter gelegt, aber dazu konnte sie sich dann doch nicht durchringen. Stattdessen fragte sie in Toms Richtung, „Kannst du nicht irgendwas für ihn tun?“
Tom war in der Zwischenzeit gedankenverloren vor seiner Couch stehen geblieben um den Osterhasen, der ihn vom Wandbord angrinste, nach Antworten zu fragen. Er war quasi ein Synonym für die Unterschiedlichkeit der zwei Frauen, die da um ihn kämpften. Die eine, die ihm unter anderem mit diesem kleinen Wichtelgeschenk deutlich gemacht hatte, dass sie ihn nach kürzester Zeit durchschaut hatte, obwohl er versucht hatte, sie von sich fern zu halten, und die andere, die jahrelang an seiner Seite war und trotzdem den Sinn dieses Geschenks, genauso wie ihn selbst, bis zum Ende nie auch nur ansatzweise verstanden hatte. Als er Annas Stimme hörte, schoss sein Kopf herum. „Anna“ stieß er erleichtert aus und eilte sofort zu ihr. Er nahm sie in den Arm und tauchte sein Gesicht in ihr weiches Haar. „Geht es dir gut?“, fragte er leise an ihrem Ohr und realisierte in seiner Erlösung gar nicht, dass Anna einfach nur verharrte. Nein, ihr ging es nicht gut, aber der Grund dafür war nicht dieser arme Wicht, der in Toms Sessel saß, und so fragte sie noch mal. „Kannst du ihm nicht helfen?“ Tom schob sie ein Stück von sich und musterte völlig erstaunt und zugleich skeptisch ihr Gesicht. „Möchtest du das wirklich?“, fragte er leise. Er hatte selbst schon kurz darüber nachgedacht, aber er hätte es nie gewagt es ernsthaft in Betracht zu ziehen, schon alleine um Anna nicht noch zusätzlich zu verletzen.
Anna betrachtete den Praktikanten erneut, der ihr eben noch verstohlene Blicke zugeworfen hatte, es jetzt aber scheinbar nicht wagte sie anzusehen. Ihr inneres Gefühl bestätigte noch einmal, dass sie keinen wirklich Groll gegen ihn hegte. Sie spürte keinen Zorn, keinen Wunsch ihn rauszuschmeißen oder einfach auf ihn einzuschlagen, weder verbal noch sonst wie. Mitgefühl spürte sie und die Gewissheit, dass es sie selbst auch nicht weiter bringen würde, wenn neben ihr noch ein weiterer Mensch zerstört sein würde. Ihre Augen bahnten sich den Weg zurück zu Tom, der sie immer noch mit leicht zweifelndem Blick beobachtete. Sie nickte, um seine Frage zu beantworten, und wollte sich wieder abwenden, aber Tom griff nach ihrer Hand und hielt sie zurück. Er wand sich Carsten zu. „Sie bleiben hier sitzen. Ich bin gleich wieder zurück.“, dann zog er Anna hinter sich her und setzte sich mit ihr ans Fußende seines Bettes. Er betrachtete sie eingehend und sein Herz zog sich wieder einmal schmerzhaft zusammen. Sie sah gar nicht gut aus …  „Anna, bist du dir wirklich sicher, dass du das willst?“ Sie nickte erneut und zog die Knie aufs Bett, um sie mit ihren Armen zu umschlingen. Sie stützte ihr Kinn auf ihren Armen ab und starrte ziellos vor sich hin. Sie war so unendlich müde und ihr war immer noch ein wenig flau. Eigentlich wollte sie mittlerweile nur noch, dass die beiden Männer endlich verschwanden und sie sich ins Bett legen konnte. Da fiel es ihr wieder ein. Unbewusst glitt ihre eine Hand auf ihren Bauch. Da ist ja noch jemand, der bestimmt dringend ein bisschen Ruhe braucht, ging es ihr durch den Kopf und sie musste glatt ein wenig lächeln. Tom, der ja nicht wusste woher ihre Regung kam, freute sich, als er ihre Mundwinkel zucken sah. Offensichtlich war es ihr wirklich ernst, aber trotzdem wollte er ihr OK für seinen Hilfsplan, den er sich überlegt hatte. Deshalb sah er sie ernst an und wartete, dass sie sich ihm wenigstens zuwand. „Ich habe eine Idee, aber das mache ich nur, wenn es für dich wirklich in Ordnung ist, ja? …“ Er prüfte erneut Annas Reaktion, die aber in Regungslosigkeit versteinert war, bevor er fortfuhr. „Ich werde mit Paloma und Enrique sprechen. Wenn sie Carsten auch in Zukunft gebrauchen können, dann biete ich ihm einen Jahresvertrag an. In dem Jahr kann er das Geld zurückzahlen, das ich ihm dann heute noch zur Verfügung stelle.“ Er holte tief Luft, immer noch nicht sicher, ob er Anna zumuten könnte, ihr Carsten vor die Nase zu setzen. „Das heißt, du würdest ihn tagtäglich sehen …“ Anna nickte erneut. „Mach das“, sagte sie leise und schüttelte erschöpft den Kopf. „Er macht mir keine Angst und ich bin auch nicht wütend auf ihn. Er ist doch selbst nur ein Bauernopfer, der aufgrund seiner Geschichte ein leichtes Ziel für …“, sie stockte und schüttelte sich angewidert. Sie wollte diesen Namen nicht aussprechen. „… war.", schloss sie den Satz ab. "Gib ihm eine Chance sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Das hat doch jeder verdient.“, nur ich scheinbar nicht, fügte sie gedanklich hinzu. Tom beugte sich zu ihr und gab ihr einen sanften Kuss, ehe er seine Stirn an ihre legte. Er suchte ihren Blick, der ihm viel zu leer erschien. „Du bist so ein wunderbarer Mensch, weißt du das?“ Anna lächelte für einen Moment halbherzig. Sie fühlte sich leider gerade so gar nicht wunderbar. Ganz im Gegenteil wenn überhaupt fühlte sie sich nur wunderbar zerstört. „Jetzt geh schon und mach wenigstens einen in dieser Trauerrunde glücklich … Ich lege mich ein wenig hin.“, versuchte sie sich endlich aus der Situtation zu befreien, und Tom tat ihr den gefallen. Er gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn, ehe er aufstand und in Richtung Wohnzimmer davon ging. An der Zwischenwand blieb er stehen und sah bekümmert zu Anna zurück, die immer noch reglos am Fußende des Bettes saß. „Ich meld mich später noch mal“, sagte er leise und wieder musste er mit einem kleinen Kopfnicken auskommen.
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Tom und Carsten traten aus dem Aufzug ins Atelier und Tom wunderte sich spontan über das Bild, das sich ihm bot. Es sah ziemlich chaotisch aus, aber kein Mensch war zu sehen. „Was ist denn hier los?“ fragte er in den Raum, und als Steffi um die Ecke bog, bekam er auch prompt eine Antwort. Allerdings erklärte die vorerst gar nichts. „Herr Lanford, was machen sie noch hier? Ihr Vater hat die ganze Zeit darauf gewartet, dass sie wiederkommen. Er war ziemlich außer sich.“ Sie sah ihn mit diesem Blick an, der deutlich machte, dass sie wieder einmal an seinem klaren Verstand zweifelte. Vor allem, als sie seine Reaktion wahrnahm. Dieser verdrehte nämlich genervt die Augen, und sagte mehr zu sich selbst, als zur Empfangsdame „Ist er das nicht ständig.“ Steffi schüttelte völlig fassungslos den Kopf. „Herr Lanford, in einer knappen Stunde läuft Lanford Luxury auf den Fashion Days. Das haben sie doch nicht etwa vergessen, oder?“ Tom schlug sich die Hand vor die Stirn. „Oh mein Gott, das habe ich tatsächlich.“ Er schaute kurz an sich herab. Eine mittlerweile recht schmuddelige Jeans und T-Shirt, so konnte er sich nicht bei den Fashion-Days sehen lassen und wenn er da nicht auftauchen würde, wäre er spätestens morgen einen Kopf kürzer. Hilfesuchend sah er Steffi an. „Können sie mir bitte schnell einen Anzug besorgen. Wir machen uns sofort auf den Weg.“ Carsten hatte verlegen daneben gestanden. Jetzt war er auch noch Schuld, dass der Junior-Chef mit seinem Vater aneinander geraten würde. Und auch wenn er Bruno noch nicht in Höchstform erlebt hatte, konnte er sich nach seiner kurzen Zeit bei Lanford doch schon lebhaft ausmalen, wie das aussehen würde – furchteinflößend. Tom streifte Carsten mit einem kurzen Blick und ging eilig in sein Büro. Schnell öffnete er seinen Laptop und fluchte über die Langsamkeit der Technik, denn die Sekunden, die der Rechner zum Starten brauchte zogen sich hin wie Kaugummi. Er ließ sich auf seinen Stuhl fallen und klickte hier und dort, fluchte, weil er nicht auf Anhieb fand, was er suchte, bis er endlich die Luft ausstieß. „Da ist es ja.“ Er tippte ein paar Sätze in den Computer und ließ sich den fertigen Vertrag ausdrucken. Dann zog er die Stirn in Falten und sah sich suchend nach Carsten um, der ziemlich verunsichert am Empfang stehen geblieben war, da er nicht ganz sicher war, ob sein Anliegen in der Prioritätenliste des Geschäftsführers noch auftauchte. „Carsten! Wo sind sie?“ ertönte da die genervte Stimme seines Chefs und er machte sich eilig auf den Weg ins Büro. Noch ehe er den Raum wirklich betreten hatte sprach Tom weiter. „Meinen sie, wir können auch mit Kreditkarte zahlen, oder brauchen wir Bargeld?“ Carsten schüttelte verwirrt den Kopf. „Wie, wir? Wollen sie etwa…“ Tom nickte mit grimmigem Gesicht. „Glauben sie etwa ich drücke ihnen so viel Geld einfach in die Hand? Wir werden da gemeinsam hingehen.“ Er zögerte einen Moment und warf ihm einen prüfenden Blick zu. „Wenn Fr. Greco und Hr. Vegas sie überhaupt behalten wollen.“ Er ließ den Praktikanten erneut stehen und ging zum Empfang wo Steffi gerade mit einem Anzug und einem Hemd ankam. „Also?“, hakte er nach und sah Carsten fragend an, als er wieder in seinem Büro stand und begann sich schnell umzuziehen. Dieser hatte bereits vergessen, was die Frage war, hatte er doch gerade ein Stoßgebet gen Himmel geschickt, dass er sich in den letzten zwei Wochen nicht allzu ungeschickt angestellt hatte, damit er tatsächlich die Chance seines Lebens erhalten würde. „Bitte?“, fragte er vorsichtig nach. „Karte oder Bargeld? Und wo finden wir den Typen überhaupt? Und damit meine ich nicht so einen Geldeintreiber, wie die Gesellen von heute Morgen.“ Carsten war immer noch völlig verwirrt, dass Herr Lanford sich persönlich mit ihm dorthin begeben wollte. Gott sei Dank wusste er, wer die Fäden in der Hand hielt, auchwenn er meist mit genau diesen Gesellen, wie Tom sie nannte, zu tun gehabt hatte. Es war der Chef eines Wettbüros, in dem mit ganz anderen Beträgen gehandelt wurde, als seinen knapp 10.000 €. „Karte ist mit Sicherheit kein Problem. Ich bin doch nur ein ganz kleiner Fisch.“ Tom schaute ihn skeptisch an, während er sich das Hemd in die Hose steckte. „Vermutlich, … aber nach ihren Erzählungen immerhin groß genug, dass sie häufig Besuch von ihren Freunden hatten, oder?“ Carsten nickte zerknirscht, er selbst hatte ja mittlerweile das Gefühl, dass er gezielt ausgesucht worden war, um ihn zu irgendwelchen krummen Dingern zu zwingen. Vielleicht weil er so unscheinbar war und keine Familie und Freunde hatte, die unangenehme Fragen stellen und ihn irgendwie beeinflussen könnten. Er wusste es auch nicht so genau. Aber das wollte er jetzt auch nicht weiter ausführen. „Auf der Brandenburger Straße gibt es ein Wettbüro, da müssen wir hin. Aber ich kann das auch alleine machen.“ Tom lachte zynisch auf. „Hmm, und dann hat man ihnen das Geld plötzlich geklaut, oder man sagt ihnen, dass das noch lange nicht alles war. Ich will hören und sehen, dass das alles seine Richtigkeit hat und damit erledigt ist. Ansonsten können sie sich den Vertrag hier abschminken. Also wenn sie noch irgendwas zu sagen haben, dann jetzt.“ Carsten fühlte sich immer unwohler. Bis eben war Tom noch so nett gewesen und jetzt war er plötzlich selbst so ein kalter Hund. „Sonst gibt es nichts mehr. Versprochen.“, presste er mit einem direkten Blick in Toms Augen heraus, ehe er sich verschüchtert abwand.
Tom musterte ihn noch einmal, während er Portemonaie, Handy und Schlüssel einsteckte. „Los, lassen sie uns gehen. Erst müssen wir mal zur Messe. Dann sehen wir weiter.“ Er war wieder in seinem normalen Leben angekommen und musste jetzt wieder den Spagat zwischen privaten und beruflichen Interessen hinbekommen, wenn diese auch irgendwie zusammen hingen. Irgendwie war das Leben früher einfacher, ging es ihm durch den Kopf, als er bereits im Aufzug stand und seinen Kopf kurz gegen die Wand lehnte. Aber trotzdem wünschte er sich in keinster Weise in seine eigene Eiszeit zurück. Zu schön war es, wieder zu lieben und die Hoffnung auf eine glückliche, gemeinsame Zukunft mit Anna an seiner Seite, ließ ihn alle Probleme ertragen.
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Anna schoss in die Höhe. Sie war aus ihrem Schlaf gerissen worden, wenn sie auch gerade noch nicht wusste wovon. Sie sah sich verwirrt um und registrierte, dass sie bereits seit Stunden im Bett lag. Ein blinkendes Licht zog ihre Aufmerksamkeit auf sich und sie begriff, dass das Handy eine Nachricht erhalten hatte. Vermutlich war es das gewesen, was sie hatte aufschrecken lassen. Ok, das Rätsel war schon einmal gelöst, aber da war noch mehr was sie irritierte. Ihr Herz schlug viel zu schnell und sie fühlte sich nicht erholt, sondern wie durch einen Parcours getrieben. Sie ließ sich wieder ins Kissen sinken und stellte fest, dass sie nass geschwitzt war. Verschwommene Bilder ihrer unruhigen Träume holten sie ein, oder waren es nur ihre Gedanken? Sie konnte es nicht wirklich fassen, es fühlte sich an als ob sie von jemandem gejagt worden wäre, und auch wenn sie ihre eher erahnten Bilder nicht scharf stellen konnte, war sie sicher, dass es sich um Carla handelte vor der sie geflüchtet war. Sie schüttelte widerwillig den Kopf, in der Hoffnung sich von ihren bedrückenden Gefühlen lösen zu können und konzentrierte sich auf ihre Atmung, um auch ihren Körper zur Ruhe zu zwingen. Wie soll das nur weitergehen mit mir?

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