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 AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"

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AutorNachricht
katha

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BeitragThema: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Feb 09 2013, 21:29

das Eingangsposting lautete :


(Da muss ich doch gleich mal die neuen Icons probieren. )

So, jetzt ernsthaft.

Viele von euch wissen schon, was hier jetzt passiert, da ich diese Story bereits im AudL-Forum gepostet habe (bzw. noch fertig stellen werde), aber für alle anderen sei es kurz erläutert.

AnTom II Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück? ist eine weitere Fan-Fiction von mir, die sich von der Telenovela "Anna und die Liebe" ableitet. Und wäre das nicht schon Vorgabe genug, ist sie noch ein zweiter Teil, der unmittelbar an meine erste FF AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn" anschließt, so dass es förderlich ist, diese gelesen zu haben.

Wenn ihre diese begünstigende Bedingungen erfüllt habt, gibt es eigentlich nichts mehr zu sagen, außer vielleicht ..., dass ich hoffe, auch bei dieser zweiten FF, euren Zuspruch zu finden.

Liebe Grüße von mir, und ganz viel Spaß!

Katha

Ach so, da fällt mir noch was ein.
Es sei noch gesagt, dass ich die Teile, die ich hier poste zuvor nochmal überarbeite, so dass sich leichte sprachliche Veränderungen ergeben können, oder auch mal ein Satz hinzugefügt oder weggelassen wird. Die Handlung bleibt aber die gleiche. Wink

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Zuletzt von katha am Sa Feb 09 2013, 22:44 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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AutorNachricht
Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Do Nov 21 2013, 22:03

Ja Anna ist schon ein liebes seelchen,will noch das Tom diesen Carsten hilft.Aber so ist sie halt idontknow Lg.Carla

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"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
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katha

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BeitragThema: "60"   Fr Nov 22 2013, 20:42

Ja, ja, die gute Anna ... aber irgendwie fühlt sie sich nicht so richtig wohl ... Rolling Eyes 
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Ehe sich Anna wieder ganz der Realität angenähert hatte, klingelte es an der Tür und Anna zuckte heftig zusammen. Wer ist denn das?, fragte sie sich ängstlich und zog, anstatt aufzustehen und die Tür zu öffnen, die Bettdecke fester um sich. Ihr Herzschlag war erneut in die Höhe geschossen und ihr noch nicht getrockneter Schweiß bekam Gesellschaft von erneutem. Panisch schaute sie sich um und erhoffte irgendwo einen Hinweis auf Toms Anwesenheit zu finden, aber sie war offensichtlich allein. Zumindest wurde das schummrige Spätnachmittagslicht durch keinen Lichtschein durchbrochen und es war völlig still in der Wohnung. Ich stell mich einfach tot, dann geht die Person wieder, wer auch immer da ist … Oder kommt sie dann erst recht rein? Anna kauerte sich so klein zusammen, wie es eben ging und lauschte gebannt, alle Sensoren Richtung Wohnzimmer gerichtet, ob sich an der Tür etwas tat. Es klopfte, Anna zuckte noch einmal zusammen. Ich bin nicht da. Geh … Geh wieder, bitte, flehte sie in Gedanken vor sich hin und kniff, völlig außer sich vor Angst, die Augen zusammen.
---------------

„Wie, Tom ist weg?“ Bruno konnte es nicht fassen. „Viiiirrrrggggiiiiiin!“ Die Modenschau war gerade mit tobendem Applaus zu Ende gegangen und gleich war es Zeit sich der Presse zu stellen. Eine Aufgabe, die Bruno Tom zugedacht hatte. Er selbst liebte es zwar sich im Bad der erlauchten Kundschaft zu suhlen, aber Pressefuzzies, die dämliche Fragen stellten und nicht den Hauch einer Ahnung von der Kunst hatten, waren ihm einfach zuwider. Dafür war Tom als Geschäftsführer zuständig und jetzt hatte der sich erneut aus dem Staub gemacht. Wie auch schon am Tag zuvor. Virgin kam mit bleichem Gesicht angetrippelt. Er hatte schon einen verdammt langen und vor allem nervenzehrenden Tag hinter sich und dass sich auch nach Abschluss und dem offensichtlichen Erfolg der Lanford-Luxury Show die Stimmung seines Chefs noch nicht gebessert hatte, verhieß überhaupt nichts Gutes. „Ja, Brüno, was gibt es denn?“, fragte er völlig außer Atem, während er sich den blonden Schopf aus seinem blassen Gesicht schob. Bruno ließ seine Hände über sein Gesicht gleiten, als versuche er seine Falten auszubügeln, deren Erscheinen er definitiv seinem unzuverlässigen Sohn zuschrieb. Selbst die Euphorie des Erfolges, die normalerweise wie ein Jungbrunnen für ihn war, verfehlte seine Wirkung, so dass er sich fühlte, als wäre er alleine am heutigen Tag um Jahre gealtert. „Virgin, treib mir Tom auf, wenn er nicht in einer halben Stunden für die Presse bereit steht, dann setze ich ihn eigenhändig vor die Tür.“ Sie standen am Bühnenaufgang im Garderoben-Bereich von Lanford und Brunos Stimme, die wie eine Welle ihrem Höhepunkt entgegen gerollt war, hallte durch den ganzen Raum. Die Models, Visagistinnen und sonstigen Helfer, die sich freuten, auch diese Show gut über die Bühne gebracht zu haben, hielten wie auf Kommando ihren Mund und plötzlich war unwirkliche Stille eingekehrt. Das Mode-Genie hatte sich auf jeden Fall die Aufmerksamkeit aller gesichert, auch wenn diese Worte wohl eher nicht für die Allgemeinheit gedacht waren. Aber das interessierte den Choleriker in Bruno wenig. Virgin zückte sogleich sein Handy, während er sich hektisch umsah um in den Menschentrauben, die dem Schauspiel erstarrt folgten, nach Enrique Ausschau zu halten. Vielleicht wusste der wo Tom war, denn das Telefon sendete ihm die Botschaft, dass Tom Lanford zur Zeit nicht erreichbar war.
Der einzige Mensch, der sich mal abgesehen von Virgin, der ja einen Auftrag zu erfüllen hatte, wagte, sich zu bewegen war Peer. Er trat an Bruno heran und legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. Brunos Kopf schoss herum und er betrachtete den Wagemutigen, als frage er sich, wer es riskiere die Hand in das aufgerissene Maul eines wild brüllenden Löwen zu legen, aber Peer lächelte ihn gelassen an. „Bruno, du kannst ihn nicht rausschmeißen. So weit ich weiß, gehört ihm euer Laden zu gleichem Anteil, wie dir. Und jetzt komm mal wieder runter. Er wird dich schon nicht hängen lassen. Das ist nun wirklich nicht seine Art.“, sagte er, nach anfänglichem Spott, jetzt in wirklich beruhigendem Ton, während er Bruno bestimmt aus dem Blickfeld der Zuschauer schob. „Ach nein?“, zischte Bruno, immer noch voll in Rage. „Ich habe langsam das Gefühl, ich kenne seine Art gar nicht mehr. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, ihn wieder ins Leben zurück zu holen. Früher hat er sich wenigstens für die Belange von Lanford interessiert. …“ Grimmig schob er die Hand seines Designer-Kollegen von seiner Schulter. Er wirkte auf Peer wie ein beleidigtes Kind. Es fehlte nur noch, dass er beleidigt die Unterlippe vorschob und mit dem Fuß aufstampfte. Peer zog mit leichter Belustigung die Brauen in die Höhe. „Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder? Du wolltest es doch so, sonst hättest du Tom wohl nicht zu Anna nach Stockholm geschickt … Die Geister, die ich rief, sag ich da nur.“ Er grinste breit, während Bruno ihn irritiert betrachtete. War meine Aktion wirklich so durchschaubar?, fragte er sich unweigerlich. Und ja, er hatte gewollt, dass Anna Tom endlich aus seiner Eiszeit erlöste. „Du hast ja recht,“ brummte er vor sich hin, aber trotzdem war das so, wie sich die Situation jetzt gestaltete, bestimmt nicht sein Ziel gewesen. „Und, was habe ich jetzt davon? Anna hat mich heute auch schon hängen lassen und Tom geht nur noch seine eigenen Wege.“ Er verzog ironisch das Gesicht. „Eigentlich, dachte ich, dass ich Anna hinzu gewinne, auch für Lanford, und jetzt machen plötzlich beide ihren Job nicht mehr.“
Peer nahm zwei Gläser Champagner von einem Tablett einer vorbei eilenden Service-Kraft und hielt es Bruno versöhnlich hin. „Jetzt entspann dich. Er wird sicherlich gleich da sein.“ In diesem Moment trat Enrique vorsichtig an die beiden Designer heran. „Bruno?“ Er wartete, bis sein Chef ihn mit einem skeptischen Blick betrachtete. Schon wieder jemand, der sich ihm freiwillig näherte, unglaublich. Er ließ sein Kinn auffordernd in die Höhe zucken und wartete auf die Botschaft, die ihn hoffentlich nicht zusätzlich erzürnen würde. „Falls es Tom tatsächlich nicht schaffen sollte, würde ich mich bereit erklären einzuspringen. Aber ich bin sicher, er kommt gleich.“ „Was wissen sie? Wo ist er?“, schoss Bruno mit zusammen gekniffenen Augen und einem missbilligendem Blick, unter dem sich Enrique mehr als unwohl fühlte, zurück. „Er muss kurz was erledigen, kommt aber sofort wieder her.“ Er würde sicherlich keine weiteren Informationen preisgeben. Das war definitiv nicht seine Aufgabe und vor allem war hier nicht die Zeit und der Ort dafür, Bruno über die Machenschaften seiner bisherigen Chef-Designerin aufzuklären und ihn damit noch zusätzlich in die Krise zu stürzen. Bruno hätte das vielleicht ein wenig anders gesehen, denn er klatschte fassungslos in die Hände, und reckte sie dann gleichsam wie sein Gesicht der Decke entgegen. „Mein Herr Sohn muss was erledigen, na so was! Und natürlich ausgerechnet jetzt …“, rief er sarkastisch aus und fügte in verbittertem Ton hinzu. „Na, ich hoffe, es geht um Leben oder Tod, denn ansonsten gibt es keine Entschuldigung für sein Verhalten.“ Damit wand er sich wieder ab und ließ seinen Marketing-Chef einfach stehen. Peer und Enrique tauschten einen kurzen Blick, und beteten einvernehmlich, dass Tom wirklich schnell wieder auftauchen würde.
---------------

„Anna? … Anna! Mach doch die Tür auf. Ich bin´s, Paloma.“ Es klopfte wieder. „Anna!!“
Anna streckte vorsichtig ihren Kopf unter der Decke hervor. War das gerade Paloma? … Und was ist, wenn man mich reinlegen will? Wieder ein Klopfen und Anna sah sich hektisch um. Wie konnte sie denn nur heraus bekommen, ob es wirklich Paloma war, bevor sie die Tür öffnete. Da fiel ihr Blick auf das Handy. Ich ruf sie einfach an, dann höre ich ja ob es klingelt. Sie griff nach dem Telefon und ehe sie Palomas Nummer heraus gesucht hatte, fiel ihr Blick auf die SMS, die sie vorhin bekommen hatte.
„Hallo Anna, ich musste dringend zur Modenschau. Aber Paloma kommt gleich zu dir. Vielleicht magst du ja später mit ihr her kommen. Ich liebe Dich. Tom“
Anna stieß die Luft aus. Oh Gott, die Fashion Days. Lanford Luxury läuft heute. Das habe ich ja total vergessen. Sie schüttelte verwirrt den Kopf. So etwas war ihr noch nie passiert. Sie hätte dort eigentlich arbeiten sollen. Bruno wird mir den Kopf abreißen, dachte sie kurz, aber dann besann sie sich wieder auf die aktuelle Situation. Den Rest konnte sie gerade sowieso nicht mehr ändern.
Es ist also wirklich Paloma, dachte sie erleichtert und stand auf. Leise schlich sie Richtung Tür. „Ich weiß auch nicht wo sie ist. Hier bei Tom macht auf jeden Fall keiner auf …“, hörte sie die Stimme ihrer besten Freundin gedämpft hinter der verschlossenen Tür. Vorsichtig öffnete Anna die Tür einen Spalt und kniff die Augen schützend vor dem grellen Flurlicht zusammen. Sogleich erkannte sie das Profil der Spanierin, die offenbar überlegte, was sie tun sollte. „Hey Paloma!“, sprach Anna sie an, und diese sprang ihr fast um den Hals als sie sie erblickte. Sie beendete schnell das Telefongespräch „Enrique, ich melde mich später…“, und da wurde sie schon von Anna in die Wohnung gezogen. Anna knallte schnell die Tür wieder hinter ihr zu und betätigte den Lichtschalter, bevor sie sich ihrer Freundin in die Arme warf. Sie drückte sich einen Moment erleichtert an sie und flüsterte erleichtert „Schön, dass du da bist.“ „Man, warum machst du nicht die Tür auf?“, antwortete Paloma, mit einem kleinen Vorwurf in der Stimme. Sie hatte sich wirklich Sorgen gemacht. Dann viel ihr Blick auf die Blondine, die sich mit einem gequältem „Entschuldige“, von ihr löste. Sie machte einen wirklichen erbärmlichen Eindruck. Nur mit ihrem Schlafshirt bekleidet, stand sie mit blassem Gesicht und einer wohl vom Schlaf und Schweiß geformten Hippie-Frisur, vor ihr. „Oh man, du siehst aber gar nicht gut aus.“, stieß Paloma hervor. Dringend Zeit für ein wenig Ablenkung und Spaß. Ehe Anna etwas antworten konnte, wurde sie von ihrer Freundin in Richtung Schlafzimmer geschoben. „Du gehst jetzt duschen und hübscht dich mal auf und ich mache uns einen Tee. Wir müssen bald los.“ Anna, die sich widerwillig hatte wegbugsieren lassen, drehte sich um und starrte die Spanierin an. „Wir müssen los?“ Paloma sah lachend an sich herunter. „Anna, glaubst du ich laufe in meiner Freizeit so rum?“ Anna folgte irritiert ihrem Blick. Sie hatte recht, Paloma sah fantastisch aus ... nicht das sie das sonst nicht tat, aber eben anders. Sie steckte in einem schicken Kleid, Lanford würde sie vermuten, war passend geschminkt und hatte eine raffinierte Hochsteckfrisur, aus der einzelne Locken herausfielen. Anna war sofort klar was das bedeutete. Der Empfang mit anschließender Party der Fashion Days stand auf dem Programm. Oh nein, ich will da nicht hin. „Du siehst fantastisch aus“, sagte sie anerkennend, „aber… „ Paloma schüttelte den Kopf und schob sie weiter zum Bad. „Keine Widerrede. Du gehst jetzt erst mal ins Bad. Bis gleich!“
Eine gute Stunde später machten sich die beiden Freundinnen auf den Weg. Anna ging es nach der Dusche und einem heißen Tee, bei dem sie sich die Bestätigung geholt hatte, dass Carsten tatsächlich die Hilfe bekam, die sie sich für ihn gewünscht hatte, viel besser. Nachdem sie sich dann auch noch in Schale geschmissen hatte, fühlte sie sich endlich wieder wie ein Mensch. Sie freute sich jetzt fast mit Paloma loszuziehen. Auf der dunklen Straße angekommen, wurde sie allerdings schnell wieder von ihrer Angst erfasst. Sie wusste ja, dass sie rational betrachtet vermutlich total unsinnig war, denn Carsten würde ihr wohl nichts mehr tun und Carla schien gerade auch nicht in der Stadt zu sein. Aber vielleicht war es gerade dieser Tatbestand, der sie beunruhigte. Wo war diese Frau? Und, was plante sie als nächstes? Der kurze Weg zu Palomas Auto war eine echte Herausforderung. Ihre Augen irrten über die Straße und Bürgersteige, und ständig drehte sie sich um, um sicher zu gehen, dass sie nicht verfolgt würde. "Anna, nun komm schon.", drängelte Paloma ungeduldig, die den ängstlichen Ausdruck in Annas Gesicht bislang nicht wirklich realisiert hatte.

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katha

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BeitragThema: "60"   Sa Nov 23 2013, 11:55

Schnell weiter, damit es für euch endlich wieder spannender wird.
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Anna ließ sich erleichtert auf den Beifahrersitz fallen. Gott sei Dank, hier bin ich sicher, dachte sie, während sie Paloma einen verlegenen Blick zuwarf. Sie denkt bestimmt, ich bin total bescheuert. Aber Paloma betrachtete ihre Freundin einfach nur voller Mitgefühl, denn mittlerweile war auch ihr die Unruhe Annas aufgefallen. „Ist alles in Ordnung mit dir?“ Anna fühlte sich mit einmal völlig albern. „Ja, ja, ich dachte nur … Ich dachte, mich hätte jemand gerufen. Aber das war wohl Einbildung. Alles gut.“ Anna lächelte zaghaft. „Jetzt fahr schon los. Wir machen uns einen schönen Abend, ja.“ Paloma griff die Aufforderung gerne auf. Nachdem sie in der letzten Stunde schon wieder nur über so deprimierende Themen, wie Carlas Unverfrorenheit und Carstens Elend gesprochen hatten, wurde es wirklich Zeit, dass sie sich endlich mal wieder den schönen Dingen des Lebens widmeten. „Ok, dann mal los.“

Als die beiden auf dem Parkplatz der Fashion Days wieder ausstiegen, nahm Paloma ihre Freundin aufgeregt beim Arm und steuerte auf den hell erleuchteten und von Journalisten umlagerten Eingang zu. Anna hielt sie zurück. „Müssen wir da wirklich vorbei? Gibt es keine andere Möglichkeit?“ Paloma starrte sie entgeistert an. „Es wird wohl nirgends jemand auf uns warten und die Tür extra für uns öffnen. Jetzt komm schon. Warum willst du dich denn nicht blicken lassen. Du hast gestern eine riesige Show hingelegt. Es werden alle begeistert sein, dich zu sehen.“ Anna verzog das Gesicht, „Hm…, und mich mit lästigen Fragen löchern.“ Sie sprach mit nachgestellter Moderatorenstimme weiter „‘Frau Broda, sie haben in kurzer Zeit zwei Männer in aller Öffentlichkeit geküsst, wer soll denn nun ihr Herzblatt sein? Der charismatische Designer Peter Berg, der ihre berufliche Leidenschaft teilt und mit ihnen auf die Kirmes geht, oder der erfolgreiche Geschäftsführer ihrer Firma, der es zwar mit der Kunst nicht so hat, dafür aber um so effektiver dafür sorgt, dass sie mit ihrer Mode in den Himmel gehoben werden. Wie werden sie sich entscheiden?’“ Paloma lachte laut auf und zwinkerte Anna zu. „Na und, solange du weißt, wer es ist, ist doch alles gut … Und Journalisten dürfen alles fragen, aber müssen nicht auf alles eine Antwort bekommen. Geheimnisse machen eine Person erst wirklich spannend.“ Anna hob skeptisch die Augenbrauen, ließ sich aber letztlich mitziehen, sie hatte ja eh keine andere Wahl.
Kaum waren sie auf den roten Teppich getreten, der vor dem Eingang ausgerollt war, um ganz klar zu machen, dass hier nur die wichtigen, oder auch nicht so wichtigen aber trotzdem geladenen Gäste herein durften, erhellte sich der Himmel durch die vielen Blitzlichter der Journalisten. Das bedeutete aber erst mal gar nichts, da diese ihre Kameras auf alles richteten, was sich auf dem Teppich bewegte. Scheinbar besteht in dieser Berufszunft in Zeiten der Digital-Fotografie das Einvernehmen, dass nur derjenige, der die meisten Fotos geschossen hatte, auch das Bild des Abends machen würde. Dass man unter hunderten oder tausenden von Fotos das wirklich Besondere vermutlich gar nicht mehr erkannte, und Masse ein gutes Auge auch nicht ersetzte, wurde dabei offensichtlich vergessen.
Anna und Paloma gingen also im Blitzlichtgewitter auf die Eingangstür zu, als auch schon die ersten Stimmen ertönten, die klar machten, dass man doch auch erkannt hatte, auf wen die Kameras gerichtet wurden.
„Frau Broda, wie fühlen sie sich nach dem Erfolg ihrer ersten eigenen Kollektion von Zauberhaft?“ Anna blieb stehen und lächelte in die Menge. Reiß dich zusammen, dachte sie, denn sie spürte wie die Aufregung von ihr Besitz ergriff und ihr in Windeseile den Mund austrocknete. „Natürlich toll. Es war eine wahnsinns Erfahrung, und ich bin sehr glücklich, dass meine Kollektion so gut angekommen ist.“, antwortete sie, und bangte der nächsten Frage entgegen. „Wie geht es denn jetzt weiter mit Zauberhaft?“ Anna sah sich suchend um, Paloma war nicht mehr an ihrer Seite. Sie hatte sie doch wohl nicht allein gelassen … Aber Gott sei Dank, da stand sie, ein paar Schritte hinter ihr. Anna wand sich wieder den Menschen jenseits der Absperrung zu. „Na ja, es wird eine nächste Kollektion geben, und dann noch eine, und noch eine …“ Sie lächelte, „So hoffe ich zumindest.“, fügte sie hinzu. „Was ist mit der Linie Lanford-Life? Sie wurde hier gar nicht gezeigt und Frau Rhonstedt hat man gar nicht gesehen? Wird Lanford diese Linie zugunsten von Zauberhaft aufgeben?“ Annas Mimik erstarrte einen Moment bei der Konfrontation mit ihrer verhassten Kollegin, aber sie hatte sich gut genug im Griff um ihren Schreckmoment zu überspielen. Sie überlegte einen kurzen Moment, aber was sollte sie schon groß sagen. Sie hatte doch selbst keine Ahnung, wie sich das bei Lanford entwickeln würde. „Ich kann nur was zu Zauberhaft bei Lanford sagen, da bin ich Chef-Designerin. Bei allen anderen Fragen müssen sie sich schon an die Geschäftsführung wenden?“, antwortete sie, und hoffte, dass sie damit aus dem Schneider wäre. Und offensichtlich ließ man das Thema tatsächlich ruhen, aber dafür kam ein neues Thema zur Sprache, das es auch nicht besser machte. „Was ist mit Peter Berg?“ Das musste ja kommen, „Peter Berg ist ein Freund Lanfords.“, konterte sie in knappen Worten. „Und ein Freund von ihnen? Oder sind sie mit Herrn Lanford liiert? Ihre Show gestern war ja wirklich eine Überraschung.“ Ok, das war jetzt der Zeitpunkt sich ganz schnell zu verabschieden. Das geht euch überhaupt nichts an, ihr Idioten, ging es Anna durch den Kopf und sie ignorierten diese Fragen beflissentlich. Sie sah sich erneut suchend nach Paloma um, die ihren Hilferuf auch sofort verstand und zu ihr trat. Gemeinsam lächelten sie noch einmal in die Menge und schritten dann weiter, bis sie hinter der Tür verschwunden waren.
„Puh, geschafft!“, stieß Anna erleichtert die Luft aus und schüttelte angenervt den Kopf. „Ob ich mich an so viel Aufmerksamkeit je gewöhnen werde?“ Paloma grinste wissend. „Ich fürchte, da du zum einen gerade zu einer großen Nummer im Modegeschäft wirst, und dir zum anderen auch noch einen Mann ausgesucht hast, der sich ebenfalls nicht verstecken kann, wirst du dich damit abfinden müssen. Aber du hast das super gemacht.“

Die Halle war modern gestaltet. Futuristische Lichtsäulen und hinterleuchtete Theken und Stehtische bildeten den Rahmen für das Zusammentreffen der High-Society des Landes und Anna und Paloma sahen sich ehrfürchtig um. Ehe sich die Freundinnen Zeit genommen hatte, sich die häufig kuriosen Menschen zu betrachten, die zu der glitzernden Welt des Geldes gehörten, fiel Annas Blick auf ein riesiges Buffet, und ihr Magen knurrte laut auf. Sie hielt Paloma am Arm fest, die forsch durch die Menschen strebte, um Tom und Enrique zu suchen. „Paloma, können wir erst einmal was Essen? Ich sterbe gleich vor Hunger. Das Frühstück ist lange her“, bat sie. Dass sie außerdem noch einen Moment für sich brauchte, behielt sie für sich. Anna war nämlich völlig verunsichert, wie sie sich hier in aller Öffentlichkeit verhalten sollte. Sie freute sich Tom zu sehen, aber wollte sie das auch Allen zeigen? Sollte sie sich nicht zurück halten, um Carla nicht zusätzlich zu provozieren? Und wie würde er das aufnehmen? Vermutlich würde es ihn enttäuschen. Sie nahm sich einen Teller und begab sich, froh noch eine kurze Bedenkzeit zu haben, ans feudal gedeckte Buffet als sie eine wohlbekannte Stimme vernahm.
„Brödi, Palomi, da seid ihr ja endlich. Ich dachte schon, ihr lasst uns schon wieder hängen. Eigentlich sollte ich gar nicht mit euch reden. Brüno habt ihr ja heute schon in die Migräne getrieben.“ Anna drehte sich zu Virgin um, und hätte in seinen beleidigten Worten nicht ein berechtigter Vorwurf gesteckt, hätte sie ihn wohl einfach nur amüsiert angegrinst. Aber so nahm sie sogleich seine Hand. „Entschuldige, Virgin. Ich konnte heute wirklich nicht. Mir ging es total beschissen. Ist denn alles gut gelaufen?“ Virgin ließ sein Markenzeichen aufblitzen und wedelte sich mit seinem Fächer etwas Luft zu, während er pikiert beiseite schaute. „Ja, die Show war ein riesiger Erfolg, aber das war ja auch nicht anders zu erwarten, schließlich hat Brüno die Kollektion entwickelt ... Aber dann war Tom plötzlich verschwunden ... wieder einmal. Brüno hat sich schrecklich aufgeregt.“ Seine Stimme überschlug sich fast vor Pikiertheit. Anna und Paloma sahen sich erschrocken an. Sie wussten ja, dass Tom mit Carsten die Schulden begleichen gehen wollte. „Ist er denn wieder aufgetaucht?“ fragte Anna mit entsetztem Gesicht.

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katha

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BeitragThema: "61"   So Nov 24 2013, 09:43

Ehe Virgin die Frage nach Toms Aufenthaltsort beantworten konnte, bekam er einen Klopfer auf den Rücken, der ihn mit einem lauten „Huch!“ einen Satz nach vorne springen ließ. Die beiden gut aussehenden Frauen schauten erleichtert in die Gesichter, der drei jungen Männer, die unbemerkt an sie herangetreten waren. „Na Virgi, machst du schon die nächsten Kollegen kirre?“ Dieser schaute seinen Junior-Chef nur mit einem verschnupften Blick an, ehe er sich mit einem „Oh, da ist ja die Gloria! Entschuldigt, ich muss sie unbedingt begrüßen“, aus der Affäre zog. Tom, Enrique und Peer grinsten von einem Ohr zum anderen, was darauf schließen ließ, dass Virgin diese Platte des beleidigten Prinzesschens schon öfter abgespielt hatte.
Gott sei Dank. Da ist er ja, dachte Anna erleichtert, deren Herz schon wieder viel zu schnell klopfte, aber gleichzeitig kroch die Angst wieder in ihr hoch. Wie sollte sie sich denn jetzt verhalten? Verunsichert schaute sie sich um. Auch hier waren vereinzelte Journalisten zugegen, denen man Exklusivrechte eingeräumt hatte. Sie beobachtete sehnsuchtsvoll, wie Enrique seine Freundin überschwänglich in den Arm nahm und sie mit einem innigen Kuss begrüßte, ehe er Anna ein Küsschen links und rechts gab. Wie gerne wäre auch sie so frei und unbedarft, aber sie hatte keine Kraft und keinen Mut ihr Ängste völlig auf Seite zu schieben. Auch Peer begrüßte die beiden im gleichen Stil, während Tom sich immer noch im Hintergrund hielt und voller stolz seine hübsche Verlobte bewunderte. Sie trug das Kleid der Zauberhaft-Kollektion, das er ihr am Tag zuvor mitgebracht hatte, und das dann zu Gunsten des Hochzeitskleides zurücktreten musste und sie sah einfach toll aus. Schließlich trat er mit einem liebevollen Lächeln auf Anna zu und wollte ihr einen Kuss geben. Aber Anna fühlte sich wie von einem Überfall-Kommando überrollt. Sie war völlig durcheinander und hatte sich doch noch gar nicht entschieden, was sie tun sollte. Sie schaute ihm ängstlich in die Augen und im letzten Moment drehte sie den Kopf beiseite, so dass auch seine Begrüßung mit einem Wangenkuss endete. Er sah sie irritiert an, wollte sich ihr aber auch nicht aufdrängen, also gab er ihr auch auf die andere Wange ein Küsschen und zog sich wieder zurück. Sein eben noch so glückliches Gesicht war in sich zusammen gefallen. Er warf Anna nochmal einen kurzen Seitenblick zu und holte dann tief Luft um sich nicht in den Tiefen seiner verletzten und verwirrten Gefühle zu verlieren. Bemüht belustigt sprach er in die Runde, „Jetzt wollte ich Virgin doch endlich mal erzählen, dass wir einen neuen Kollegen in unseren Reihen haben, da läuft er einfach weg.“ So ganz konnte Tom nicht überzeugen, so dass er einige irritierte Blicke auf sich zog, aber er ignorierte das und versuchte stattdessen Brunos Assistenten in der Menge auszumachen, was mit seinem mit Silber durchwirktem Hemd auch nicht allzu schwierig war. Anna folgte seinem Blick und lächelte schwach, als sie Virgin mit einer älteren, offensichtlich sehr gut betuchten Dame reden sah. Dann richtete sie ihre Augen wieder auf Tom. „Ist also alles gut gegangen?“ Er nickte mit gefasstem Blick. „Ja, es war … sagen wir mal, eine Erfahrung. Definitiv kein Kontakt den man pflegen müsste, aber abgehakt. … hoffe ich wenigstens“. Er trank einen Schluck aus seinem Glas, das er in der Hand hielt und sah sich erneut in der Halle um. Es schmerzte ihn einfach zu sehr Anna anzusehen und die gleichzeitige Distanz zwischen ihnen zu spüren.
Anna traf seine kühle Art der Antwort, die sie ja selbst herauf beschworen hatte, aber trotzdem blickte sie, sich selbst ablenkend, zuerst einmal Paloma erleichtert an. Sie waren sich bei ihrem Gespräch einig gewesen, dass Carsten es verdient hatte, eine Chance zu bekommen, und dementsprechend waren Toms Worte eine positive Information, an der sie sich nun festhielt. Enrique tat das Übrige, um zu einer Auflockerung beizutragen. Er nahm seine Freundin anzüglich in den Arm nahm und ließ seine Augenbrauen in die Höhen zucken. „Ja, meine Liebe, wir haben einen neuen Mitarbeiter, so dass wir demnächst vielleicht pünktlich nach Hause gehen können.“ Paloma verdrehte leicht verlegen die Augen und als das belustigte Lachen der Männer verklungen war, wurde die eintretende Ruhe durch Annas erneutes Magenknurren durchbrochen. „Oh, da möchte noch jemand mitreden. Vielleicht solltest du deinem Magen mal was zum Arbeiten geben, ansonsten unterhält er gleich den ganzen Laden hier“, schickte Peer sie endlich zum Buffet und Anna folgte diesem Vorschlag sogleich, da es eine gefundene Gelegenheit bot, sich dieser für sie mehr als anstrengenden Situation zu entziehen.

Einige Zeit später standen Paloma und Anna mit gefüllten Tellern am Stehtisch und wurden von den drei gutaussehenden Männern eingerahmt, die ihre körperlichen Bedürfnisse bereits zuvor gestillt hatten. Die Stimmung war gut, sie alberten herum und auch Anna fühlte sich im Rahmen ihrer Freunde langsam wieder Zuhause.
Als eine Service-Kraft mit einem Tablett vorbeikam, hielt Peer sie auf und nahm für jeden ein Glas Champagner herunter. Er drückte sie den umstehenden in die Hand und hob das eigene Glas in die Höhe. „Schön, dass ich hier bei euch bin. Ich freue mich auf meine Zeit in Berlin.“ Er lächelte einen nach dem anderen an und als er bei Anna ankam, fügte er noch hinzu. „Anna, auf eine gute Zusammenarbeit!“ Anna lächelte herzlich zurück. Ja, sie freute sich auch darauf mit Peer zusammen zu arbeiten. Dann stießen die Freunde und Kollegen an und tranken auf eine erfolgreiche Zukunft.
Peer war offensichtlich in bester Laune. Vielleicht lag es daran, dass er nicht so häufig in so geselliger Runde beisammen war, oder an dem Champagner, der ja schon seit dem Nachmittag floss. Auf jeden Fall war er so in seinem Element, dass er eine Anekdote nach der andern erzählte und dabei offensichtlich seine sonst so gute Auffassungsgabe und das Gespür für die zwischenmenschlichen Schwingungen verloren hatte, denn irgendwann fragte er ausgelassen in Toms und Annas Richtung. „Und ihr, wie geht es jetzt weiter mit euch? Verlobung, Hochzeit und dann ein paar kleine Lanfords?“ Anna, die Tom sehr dankbar war, dass er ihren Abstand, den sie einhielt, wortlos akzeptiert hatte, schaute nun geschockt auf ihren niederländischen Designer-Kollegen, ehe ihr Blick zu Tom wanderte. Der hatte seine Augen auch direkt auf Anna gerichtet und im Gegensatz zu ihren, war in seinen die pure Liebe zu erkennen. Aber schnell stellte sich wieder die Ernüchterung ein. Anna signalisierte gerade alles, nur keine Freude auf die Zukunft. Er konnte ja nicht wissen, dass Peer mit seiner Bemerkung, neben Annas Verunsicherung wegen Carla, auch noch einen weiteren wunden Punkt angesprochen hatte. Kleine Lanfords, ging es ihr plötzlich durch den Kopf und sie starrte auf ihre Hand in der sie das halb geleerte Champagnerglas hielt. Dass sie es vor Schreck nicht gleich fallen ließ war alles. Aber zumindest stellte sie es schnell auf den Tisch und ließ ihre Hand auf ihren Bauch gleiten. Sorry mein Kleines, dachte sie, von sich selbst völlig enttäuscht. Ich habe dich wohl noch nicht ganz auf dem Plan. „Wir werden sehen, was kommt.“, rissen sie Toms einsilbigen Worte aus ihren Gedanken. Anna sah erneut in Toms Augen, die irgendwie traurig wirkten. Man, was tu ich nur?, fragte sie sich. Wir haben doch gerade beschlossen zu heiraten und sollten glücklich sein … Sie spürte, wie ihr die Tränen aufstiegen und ihr ein dicker Kloß die Kehle zuschnürte, denn sie wusste, dass Toms zurückhaltenden Worte die Reaktion auf ihre Abwehr war. Um sich abzulenken und ihre Gefühle zu verdrängen griff sie nach dem Champagnerglas, hielt aber sofort wieder inne, Oh Anna, da war doch was, ermahnte sie sich genervt. Verdammt ich muss hier weg. Das ist alles zuviel!, schrie es in ihrem Kopf, der gerade genauso wieder ihr restlicher Körper völlig überfordert war. Sie stellte das Glas wieder auf den Tisch und entschuldigte sich mit knappen Worten, die sie so gerade noch heraus bekam.
Paloma warf Tom, der Anna völlig geknickt hinterher sah, einen mitleidigen Blick zu und zuckte ratlos mit den Schultern. Tom nahm es zur Kenntnis, reagierte aber einfach gar nicht und trank stattdessen mit einem Zug sein Glas aus. Er rang mit sich, ob er Anna hinterher gehen sollte, aber er wusste nicht was er ihr sagen sollte. Dass sie sich keine Gedanken machen sollte? Das alles gut werden würde? Dass er sie beschützen würde? All das konnte er ihr nicht guten Gewissens sagen. Er wusste schließlich um die Problematik, die letztlich in seiner eigenen Person begründet lag. Er schaute sich nach einer der Service-Kräfte um, denn er hatte nicht übel Lust sich einfach voll laufen zu lassen um seine Verzweiflung, die in ihm keimte, wie die Bakterien im Brutkasten, einfach zu ertränken.

Anna schritt nach ihrem Abgang eilig in Richtung Toiletten. Möglichst unauffällig drängte sie sich an den Menschen vorbei um ja nicht angesprochen zu werden, denn das zweite Mal an diesem Tag signalisierte ihr Magen, dass in ihrem Leben gerade alles zum Kotzen war, wenn man die körperlichen Zeichen mal konkret deuten wollte. Sie erreichte die Toilette gerade noch, bevor sie sich nicht mehr beherrschen konnte und das wenige Essen, das sie soeben in sich hinein geschoben hatte, schon wieder quitt wurde. Erschöpft trat sie einige Minuten später wieder aus der Toilette heraus, und lehnte sich ein Stück weiter erschöpft an die Wand. Am anderen Ende der Halle konnte sie die kleine Gruppe ihrer Kollegen beobachten, die sich offensichtlich amüsierten, aber es zog sie nicht zu ihnen, sie hatte gar keine Lust auf Gesellschaft. Sie sah sich weiter um und wurde von einer Tür angezogen, die ihr vielleicht einen Rückzug ermöglichte, ohne dass sie sich vorwerfen lassen müsste, wieder abgehauen zu sein. Anna betrat den gerade erst geöffneten Partybereich und sah sich um. Der Raum war in schummriges Licht gehüllt, das lediglich durch die regelmäßigen Blitze einer Lichtmaschine für Augenblicke hell erleuchtet wurde und die lauten Beats drangen sogleich in Annas Körper ein. Ja, hier fühlte sie sich besser, vor allem weil bislang kaum Gäste zu sehen waren. Lediglich das Service-Personal, das sich emsig auf den bevorstehenden Ansturm vorbereitete, bestimmte das Geschehen. Hier konnte sie sich zurückziehen. Die Cocktailbar hatten eine geradezu unbezwingbare Anziehung auf sie.

Am Stehtisch der Lanford-Belegschaft fragten sich Tom und Paloma derweil gleichmermaßen wo ihre Freundin wohl blieb. Als Anna nach zehn Minuten immer noch nicht wieder da war, sah sich Tom erneut suchend um und war schon fast auf dem Weg ihr Wegbleiben zu ergründen, als sich Paloma, die Tom schon die ganze Zeit unauffällig beobachtet hatte, zu Wort meldete und ihn damit aufhielt. Er tat ihr total leid. Nach allem was er in den letzten Tagen getan hatte, hatte er es nicht verdient so vor den Kopf gestossten zu werden, aber sie war sich relativ sicher, dass es Anna hier und jetzt besser tat, wenn sie als ihre Freundin das Gespräch mit ihr suchte.
„Ich werde mal sehen wo Anna bleibt.“ Sie zwinkerte den Männern zu und mahnte belustigt. „Trinkt nicht so viel! Vor allem du nicht Enrique, du weißt ja, du verlierst dann ein wenig die Contenance.“ Sie drückte ihrem Freund, der nur ein beleidigtes Brummen zur Antwort gegeben hatte, noch einen Kuss auf, und überließ die Männer ihrem Schicksal.
Sie machte sich wirklich Sorgen um Anna. So wie heute, hatte sie ihre beste Freundin ewig nicht mehr erlebt. Sie wirkte total verunsichert und vor allem reagierte sie Tom gegenüber fast auf eine abweisende Weise, obwohl sie doch noch morgens erzählt hatte, wie sehr sie ihn liebte. Sie war so glücklich und aufgeregt gewesen als sie von ihrer Verlobung gesprochen hatte, und jetzt? Was war das gerade für ein Abgang? Irgendwas passierte da in Anna, was Paloma einfach nicht verstand, und diesen Umstand musste sie dringen ändern.

Zehn Minuten, und einen kompletten Rundgang der Räumlichkeiten inklusive der Toiletten später, fand sie Anna endlich. Sie saß einsam und verlassen im angrenzenden Partyraum, an der Theke, und starrte regungslos auf das Schnapsglas vor sich, als versuche sie darin die Lösung aller Probleme zu finden.
„Hey Süße, was ist denn mit dir los? Du bist schon den ganzen Abend so komisch“, fragte Paloma, als sie sich auf den benachbarten Hocker setzte. Anna bewegte sich nicht, aber antwortete ungerührt. „Wieso, was soll denn los sein? Alles gut.“ Ja, es ist doch alles super. Ich bin mit meiner großen Liebe zusammen, trau mich aber nicht es zu zeigen, weil ich Angst vor dieser Psychopathin habe. Wir wollen heiraten, aber obwohl es mir eigentlich nicht schnell genug gehen kann, weiß ich nicht, ob wir es tatsächlich tun sollten. Wir bekommen ein Kind und ich weiß nicht ob ich es Tom oder sonst jemandem erzählen soll, weil ich Angst davor habe, dass ich den kleinen Wurm gefährde … Ich habe mein Leben doch voll im Griff. Anna hätte wohl stundenlang sarkastisch vor sich hinsinnieren könne, aber Paloma riss sie aus ihren Gedanken. Sie drehte den Hocker, auf dem Anna saß, zu sich und sah Anna streng an.
„Mann, jetzt rede endlich mit mir. Du sitzt hier völlig alleine rum, anstatt zu uns zu kommen ... und, du hast einen Schnaps vor dir stehen." Sie schaute noch einmal auf die Theke, auf der das unangerührte Glas stand und verzog irritiert das Gesicht. "Und jetzt sag mir nicht, dass alles in Ordnung ist. Vielleicht solltest du den Kurzen wirklich mal trinken. Kann dir in deinem Zustand nur gut tun.“ Anna ließ Palomas Ansage ungerührt an sich vorüber ziehen. Sie drehte sich wieder der Theke zu und nahm das Glas in die Hand und betrachtete es erneut, als ob die klare Flüssigkeit sämtliche Geheimnisse des Lebens in sich barg. Sie warf Paloma einen kurzen Blick zu, wusste sie doch, dass sie aus dieser Nummer eh nicht mehr herauskommen würde. Endlich stellte sie das Glas wieder ab und öffnete den Mund … nur um ihn gleich wieder zu schließen. Ihre Brust war wie zugeschnürt und sie rang nach Worten für ihre Gedanken, die sie kaum auszusprechen wagte, aus Angst, dass sie dann nicht mehr zurück zu nehmen waren. Die aufsteigenden Tränen bekämpfend, sprach sie schließlich abgehackt. „Nein, der kann mir gar nicht gut tun, im Gegenteil.“ Sie legte nochmal eine kurze Pause ein, die Paloma sofort nutzte. Sie hatte nämlich trotz des Mitgefühls für Anna so langsam die Nase voll. "Mann Anna, was ist denn mit dir los? Das bist doch nicht du? Ich kann ja verstehen, dass dich die neuen Erkenntnisse heute geschockt haben, aber mal ganz ehrlich. Du bist doch in der viel besseren Position, als dieses Drecksstück. Du hast Tom erobert, uns alle an seiner Seite und beruflich stehst du auch auf der Gewinnerseite. Jetzt wehr dich endlich, anstatt dich zu verkriechen." Sie wollte, dass Anna endlich ihre Energien mobilisierte. Anna sah Paloma mit Tränen in den Augen an. So eine Anmache konnte sie gerade noch gebrauchen, war sie doch sowieso schon völlig verzweifelt. Sofort verteidigte sie sich, „Paloma, ich habe Angst … Diese Frau, die ist irre … So lange sie mich als Bedrohung sieht, solange ich ihr in die Quere komme, wird sie mich nicht in Ruhe lassen … “ Palomas kurzer Ausbruch war sogleich verraucht. Ihre Augen füllten sich ebenfalls mit Flüssigkeit, denn sie spürte die Panik in Annas Worten und ihre Mimik. Sie legte ihre Hand auf Annas und drückte sie tröstend. Da war nichts mehr von den Eigenschaften zu erkennen, die Anna eigentlich so auszeichneten. Ihrem Gerechtigkeitssinn, dem Kampfgeist, ihrer Hartnäckigkeit. „Was willst du damit sagen? Was überlegst du?“, fragte die Spanierin misstrauisch nach. Sie hatte eine Ahnung, was Anna andeuten wollte, aber das konnte einfach nicht sein, das durfte nicht sein. Sie konnte doch nicht ihre Träume aufgeben, deren Erfüllung sie sich gerade erst angenähert hatte. Anna hatte es doch nach allem was passiert war wirklich verdient wieder glücklich zu werden. Anna sah Paloma verzweifelt an und die ersten Tränen fanden ihren Weg über ihre Wangen. „Ich muss mich doch irgendwie schützen …“, presste sie hervor und wischte sich über das Gesicht, bevor sie ihre Hand auf ihren Bauch legte und leise hinzufügte „und vor allem das kleine Wesen, was da in mir wächst.“ Paloma konnte die letzten Worte nur schwach hören, aber sie hatte Anna aufmerksam beobachtet, so dass sie relativ sicher war, richtig verstanden zu haben. „Anna! Heißt das etwa …“ Sie schaute auf Annas Bauch, der immer noch schützend von Annas Hand bedeckt war. Dann blickte sie in Annas Augen, in denen neben der nicht zu verdrängenden Verzweiflung ein kleines Leuchten auftauchte. Ein Lächeln zuckte um ihre Lippen, aber nur einen kurzen Moment, dann drängte sich die Aussichtslosigkeit der Situation wieder in den Vordergrund. Paloma stand immer noch der Mund offen. Damit hatte sie nun gar nicht gerechnet. Sie umarmte Anna für einen Moment voller Freude, blieb dann aber stumm neben ihr sitzen. Das waren jetzt doch einige Informationen, die sie erst einmal verarbeiten musste, und Anna schien das Schweigen auch nicht zu stören.

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Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Nov 24 2013, 21:01

GutenAbend  Oh mann ich kann Annas Ängste so gut verstehen,sie sollte sich echt Tom anvertrauen.Aber nein Mad 
Liebe Katha ganz liebe Grüße und ich finde es echt so toll das du so schön dran bleibst write danke

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katha

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BeitragThema: "62"   Mo Nov 25 2013, 20:40

@ Carla
Lieben Dank, du treue Seele. Du kannst den Countdown beginnen. Ich glaube es sind noch 5 Teile, bis es wieder spannend wird. Cool
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Tom stand immer noch mit Enrique und Peer zusammen, die gemeinsam herumsponnen und dabei einen riesigen Spaß hatten. Na da haben sich da die richtigen gefunden. Welchen Clown haben die denn heute schon verschluckt?, dachte er, als er sie, eher als Zuschauer, betrachtete. An einem anderen Tag hätte er sich wohl sehr über die beiden amüsiert, aber gerade gingen sie ihm ziemlich auf den Nerv, denn ihm war so gar nicht nach albernen Scherzen zumute, war seine Verlobte doch immer noch nicht wieder aufgetaucht. Mit der Begründung noch ein paar Kundenkontakte pflegen zu müssen, verabschiedete er sich schließlich von seinen Freunden, und verschwand in der Menge der Gäste. Enrique und Peer sahen sich verwundert an und zuckten dann lapidar die Schultern. „Ein wenig Spaß könnte dem auch nicht schaden.“, schickte Enrique ihm noch hinterher, was angesichts der aktuellen Situation wohl nicht ganz fair war, wenn es auch der Wahrheit entsprach.
Tom sah sich derweil suchend um und natürlich hielt er nicht nach irgendwelchen Kunden Ausschau, sondern hoffte Anna zu erblicken. Sollten Kunden Interesse an den präsentierten Kollektionen von Luxury und Zauberhaft haben, was natürlich wünschenswert war, konnten sie sich schließlich auch am Montag im Büro melden. Er grüßte den ein oder anderen, hielt sich aber dezent zurück und wenn er doch einmal angesprochen wurde, reagierte er freundlich aber reserviert und versprach, telefonisch mit ihnen in Kontakt zu treten. Am liebsten hätte er die aufgebrezelten Schickie-Mickie-Tussen und gegeelten Lackaffen alle ignoriert, oder am besten noch dieser ganzen Veranstaltung den Rücken gekehrt, um sich unter der Bettdecke zu verkriechen und im Selbstmitleid zu baden. Denn offenbar war die Glücksphase seines Lebens, die er sich doch mit langen inneren Auseinandersetzungen hatte erkämpfen müssen, schon wieder beendet. Oder vielleicht doch nicht? Noch wollte er die Hoffnung nicht aufgeben, dass alles gut würde, aber die nagenden Zweifel waren nicht aufzuhalten und zerrten von allen Seiten an seiner Seele.

Nach längerem erfolglosem Herumirren landete auch Tom schließlich an der Tür, die zum Party-Bereich führte. Er lehnte sich erschöpft gegen den Rahmen und verlor sich im blitzenden Partylicht, während er seinen deprimierenden Gedanken nachhing. Erst nach einiger Zeit begann er die tanzenden Gäste zu betrachten, die sich mittlerweile zuhauf auf der Tanzfläche eingefunden hatte. Lauter gestylte Menschen, die der High Society angehörten und sich mit ihren schicken und vor allem teuren Kleidern, blitzendem Schmuck und vermutlich gelifteten Körpern präsentierten, als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Er war versucht sich angewidert abzuwenden, obwohl er wusste, dass das da vor ihm genau die Menschen waren, die ihm und seiner Firma das Überleben und den Erfolg sicherten, als er inmitten der Menge Anna erblickte. Sein Herz begann spontan schnell zu pochen und er beobachtete sie aufgelöst. Sie tanzte in sich gekehrt zur dröhnenden Musik, und sah trotz der Menge an umgebenden Menschen völlig einsam und isoliert aus. Tom spürte, wie ihn seine Traurigkeit immer tiefer hinabzog.
„Was ist da los mit euch?“, hörte er plötzlich eine bekannte Stimme. Peer war an ihn herangetreten und beobachtete, Toms Blicken folgend, ebenfalls, wie Anna sich im Takt der Musik bewegte. Tom warf seinem Freund einen gequälten Blick zu und zuckte die Schultern. „Schau sie dir an. Sie hat ihr Strahlen verloren … und ich bin schuld,“ sagte er leise. Jetzt schüttelte Peer energisch den Kopf und antwortete mit Nachdruck. „Das ist doch Quatsch. Sie liebt dich!“ Tom nickte nachdenklich. „Ja, ich weiß … und ich liebe sie“, sagte er mit voller Überzeugung in der Stimme und leise fügte er seine innersten Gedanken hinzu „mehr als ich mir je hätte vorstellen können.“ Er schüttelte deprimiert den Kopf „Aber … das ändert leider nichts daran, dass sie langsam Stück für Stück verschwindet und das alles wegen dieser, dieser … ach ich will nicht mal mehr ihren Namen aussprechen. Warum habe ich sie nur jemals in mein Leben gelassen?“ Peer klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter, ihm war das gerade alles viel zu melodramatisch. „Jetzt hör mal auf. Das ist zwar alles schwierig für euch, aber du trägst doch nicht die Verantwortung dafür, dass diese Frau total abdreht. Auch andere Menschen müssen damit klarkommen, verlassen zu werden. Jetzt mach dich mal nicht so verrückt, es geht auch wieder aufwärts.“ Tom sah seinen Freund skeptisch an. „Dein Wort in Gottes Ohr.“ Es tat ihm gut, mal aus seinen Schuldgefühlen gerissen zu werden, aber das hieß nicht, dass sie nicht tief in ihm drin weiter arbeiteten.
Als er sich wieder der Tanzfläche zuwand und erneut Annas Gestalt in der Menge auszumachen suchte, sah er wie Anna plötzlich stehen blieb. Sie schwankte und musste sich offensichtlich stark konzentrierte, nicht ihr Gleichgewicht zu verlieren. Dann beugte sie sich zu Paloma, um ihr was zu sagen und schon kamen die beiden gemeinsam auf den Ausgang zu. Paloma hatte einen besorgten Gesichtsaufdruck aufgelegt, der Toms Unruhe weiter in die Höhe trieb. „Was ist denn da los?“, rief er erschrocken aus und wartete ungeduldig bis die Beiden an der Tür ankamen. Anna lehnte sich an die Wand und holte einige Mal tief Luft, während Paloma die beiden Männer hilfesuchend ansah. Peer lief sofort zur Bar und besorgte ein Glas Wasser, während sich Tom zu Anna beugte und sie sorgenvoll betrachtete. „Was ist los?“, fragte er, aber Anna sah quasi durch ihn hindurch, denn sie war noch völlig auf sich selbst gerichtet, um sich nach ihrer erneuten Kreislaufattacke wieder in den Griff zu bekommen. Sie lehnte den Kopf gegen die Wand und sah ihn aus müden Augen an, während sie laut aufstöhnte und sich den Kopf rieb. Die laute Musik und die blitzenden Lichter, die sie vor nicht langer Zeit noch als so angenehm empfunden hatte, malträtierten jetzt ihren gefühlten Riesenschädel, auch wenn sie froh war in der Tarnung der Dunkelheit zu stehen. „Soll ich dich nach Hause bringen?“, fragte er weiter und hoffte, dass Anna ihn nicht erneut zurückweisen würde. In diesem Moment kam Peer mit einem Glas Wasser zurück und Anna nahm es ihm dankbar ab. Sie trank etwas und spürte, dass sich der Schwindel langsam verabschiedete. Aber ihr war einfach völlig kötterich und das Dröhnen im Kopf blieb. Kein Wunder, im Enddefekt lief ihr Körper schon den halben Tag ohne jegliche Art von Nahrung, denn das, was sie zu sich genommen hatte, war ja alles wieder herausgekommen, bevor ihr Körper auch nur die Chance gehabt hätte, daraus Energie zu ziehen. Und bekanntlich machte ohne Stoff auch ein Hochleistungsmotor irgendwann schlapp.
Aus dieser Perspektive war Palomas Ablenkungsversuch auch sicherlich nicht sehr förderlich gewesen. Allerdings musste man ihr zugute halten, dass sie ja nicht gewusst hatte, dass Anna sich schon wieder übergeben hatte.
Paloma war von Annas Offenbarung einfach sehr überrascht gewesen und hatte spontan keine Idee gehabt, was sie Anna sagen sollte. Vor allem weil sie inmitten einer Disco saßen und ein wirkliches Gespräch sowieso nicht führen konnten. Daher hatte sie schließlich vorgeschlagen Tanzen zu gehen. Sie hatte gehofft, dass Anna dabei einfach mal von ihren Gedanken und Gefühlen abgelenkt würde und außerdem vielleicht noch ein wenig Frust abbauen könnte. Und tatsächlich hatte sich Anna darauf eingelassen. Vermutlich hatte der unschlagbare Vorteil, auf der Tanzfläche mit keinem sprechen zu müssen, den Ausschlag gegeben. Keine höfliche Konversation mit potenziellen Kunden, keine tiefgreifenden Gespräche mit Freunden und Freundinnen, keine albernen Vorträge, auf die sie gerade gut verzichten konnte. Also war sie aufgestanden und war gemeinsam mit Paloma auf die Mitte der Tanzfläche getreten. Sie hatte sich tatsächlich wohl gefühlt in der Anonymität der tanzenden Menge, wenn sie auch nicht gerade zur laut grölenden Partymaus mutiert war, aber dann hatte der Raum um sie rum zu wackeln begonnen und sie war froh gewesen, dass sie mit weit aufgerissenen Augen geschafft hatte, aufrecht stehen zu bleiben.

Tom nahm Anna beim Arm und wollte sie zum Ausgang geleiten, aber sie blieb wie angewurzelt stehen und schüttelte den Kopf. Sie sah hilfesuchend zu Paloma, die ihre Freundin Gott sei Dank sofort verstand. Vermutlich wollte sie sich immer noch nicht gemeinsam mit Tom sehen lassen. „Tom ich gehe noch kurz mit Anna auf Toilette. Mädchenkram, du weißt schon ...“ Sie zwinkerte Tom zu, in der Hoffnung, er würde Annas Abfuhr so besser ertragen. „Wir treffen uns gleich auf dem Parkplatz, o.k.?“ Tom sah von Anna zu Paloma und nickte schließlich, er hatte ja sowieso keine andere Wahl, auch wenn er seine Verlobte gerne in seinen eigenen Armen vor der Welt beschützt hätte. Er klopfte Peer auf die Schulter und verabschiedete sich. „Wir sehen uns Montag im Atelier?“ Aber Peer schüttelte den Kopf. Ich muss erst noch mal los, habe noch eine Auftrag aber ich nehme an, dass ich Ende der Woche wieder zurück bin. Ich melde mich. Er nahm seinen Freund in den Arm und sagte noch leise. „Mach dich nicht verrückt, das wird schon wieder.“ Tom lächelte ihn gequält an und nickte. „Bis bald, und danke!“
---------------

Einige Zeit später fuhren Anna und Tom schweigend durch das dunkle Berlin. Tom glaubte in Ansätzen zu wissen, was in Anna vorging, und auch wenn er nicht ganz sicher war, stand eines fest. Sie hatte Angst. Er konnte sie zwar einerseits verstehen, war aber andererseits betrübt über die Schlüsse, die sie daraus wohl gezogen hatten, denn am heutigen Tag hatte sie sich in der Öffentlichkeit völlig fern von ihm gehalten, als wenn sie sich gar nicht enger kennen würden und das schmerzte. Als er Anna wieder einmal einen besorgten Blick zuwarf, fragte Anna. „Können wir bitte zur Else fahren. Ich glaube, ich brauche dringend eine aufbauende Brühe, ich bin völlig kaputt.“ Eine weiterer Schlag in seine Magengegend, die ihn innerlich zusammen zucken ließ. Sie will nicht mit zu mir kommen, dachte er deprimiert, aber er wollte nicht kampflos aufgeben. Er würde wahnsinnig werden, wenn er die Nacht nach diesem ereignisreichen Tag ohne sie verbringen müsste. Er griff nach ihrer Hand und drückte sie liebevoll. „Ich bring dich jetzt zu mir, dann kannst du dich schon mal hinlegen,
 und dann hole ich dir alles was du brauchst, o.k.?“ Er hielt die Luft an und wartete auf ihr Urteil und er hatte Glück. Anna betrachtete ihn zwar einen Moment gedankenverloren, nickte ihm aber schließlich zu. Sie konnte ihn einfach nicht noch einmal abweisen. Das kostete sie nämlich unheimliche Kraft, die sie gerade nicht mehr aufzubringen in der Lage war, auch wenn sie sich gerne alleine zurück gezogen hätte. Oder war es vielleicht doch ihr Unterbewusstsein, das ihr klarmachte, dass sie doch eigentlich in Toms Nähe sein wollte?
Auf jeden Fall war sie ihm, als sie kurze Zeit später in seinem Bett lag, irgendwie dankbar. Er lag neben ihr und hielt sie in seinem Arm und eingehüllt in dieses sichere Gefühl seines Schutzes, ließ sie sich erschöpft in die Müdigkeit fallen, die sie sofort in ihren Bann zog. Einige Minuten später war sie eingeschlafen. Tom betrachtete sie mit gemischten Gefühlen. Er hätte gerne mit ihr gesprochen und sie beruhigt, ihr das Gefühl vermittelt, dass sie diese Zeit gemeinsam überstehen würden und die Bestätigung von ihr erhalten, dass sie zusammen gehörten, aber seine körperliche Anwesenheit war wohl das Einzige, das er ihr gerade bieten konnte. Zumindest würde sie wohl endlich ein wenig Erholung finden. Er strich ihr zärtlich über die Wange und gab ihr einen saften Kuss auf die Stirn, ehe er leise wieder aufstand, um ihr die Brühe und vielleicht noch ein paar andere Leckereien zu besorgen, die sie hoffentlich wieder aufbauen würden, wenn sie wieder aufwachte.

Eine Stunde später betrat Tom die Wohnung wieder. Er horchte unruhig in die Stille, auf der Suche nach einem Zeichen von Anna, aber es war alles ruhig. Er stellte das Essen auf den Tisch und ging, noch ehe er sich seiner Jacke und seiner Schuhe entledigte,  leise zur Trennwand seiner Wohnung und warf einen Blick auf sein Bett. Erleichtert blies er die Luft aus. Anna lag bis zur Nasenspitze in die Bettdecke gehüllt da und schlief.
Die Zeit, die er weg war, hatte er sich unentwegt Sorgen um sie gemacht und trotz der Beruhigungsformeln, die er im Minutentakt vor sich hingemurmelt hatte, war das ungute Gefühl in ihm nicht verschwunden. Die ganze Zeit hatte er überlegt ob es richtig gewesen war, sie alleine zu lassen, und sich mit dem schlechten Gewissen rumgeschlagen, sich aus reinem Egoismus gegen ihren Wunsch gestellt zu haben, sie in die Else zu bringen. Erst jetzt fiel der innere Druck von ihm ab, der ihn seit dem Verlassen seiner Wohnung völlig eingenommen hatte, so dass er fast einen Unfall gebaut und vor Annas Mutter wie ein Vollidiot herum gestammelt hatte, dass auch diese schon von Sorge erfasst worden war. Aber er hatte es dann doch noch hinbekommen sie zu beruhigen, bevor er sich eilig auf den Rückweg gemacht hatte.
Er setzte sich einen Moment auf die Bettkante und beobachtete die Frau, die er mehr liebte als sein eigenes Leben und endlich kam er ein wenig zur Ruhe. Er strich ihr zärtlich eine ihrer blonden Strähnen aus dem Gesicht und schickte eines der vielen Stoßgebete in den Himmel, die er in den letzten Tagen immer wieder gesendet hatte. Bitte lieber Gott, lass dieses Drama endlich zu Ende gehen, damit sie wieder glücklich wird. … damit wir glücklich werden.
Auch Tom fühlte sich müde und ausgelaugt, aber er war trotzdem so durcheinander, dass er nicht gleich schlafen konnte. Also stellte er das mitgebrachte Essen in den Kühlschrank, machte sich bettfertig und setzte sich schließlich mit einem Glas Rotwein in der Hand zu Anna ins Bett. Auch wenn er wohl noch einige Zeit seinen Gedanken nachhängen würde, wollte er sie sehen, hören, spüren; einfach wissen dass sie da war.
Er musste über sich selbst lächeln. Hatte er eben wieder einmal die Hilfe Gottes eingefordert? Seltsame Wendungen, die seine Psyche da nahm. Nein, er war eigentlich kein gläubiger Mensch und dass er sich an Gott wand, war wohl eher ein Ausdruck seiner Hilflosigkeit, aber er fragte sich mittlerweile was es mit diesem Schicksal auf sich hatte, von dem er doch überzeugt war? Welche übersinnlichen Kräfte spielten ihr Spiel mit ihnen? Er wusste es nicht, aber er war sich sicher, dass Anna und er sich nicht aus reinem Zufall begegnet waren. Nur stellte sich die Frage, welchen Plan diese ominösen Mächte jetzt mit ihnen hatten. Würden Anna und er ihr Glück gemeinsam finden, oder hörte der Plan an dem Punkt auf, an dem sie sich gegenseitig aus ihrer tiefsten Verzweiflung errettet hatten? Lag es in ihrer Hand, die weitere Zukunft zu bestimmen? Es hatte in den letzten Wochen Moment gegeben, in denen er sich hundertprozentig sicher gewesen war, dass es für sie beide nur gemeinsam weiter gehen könne, aber mittlerweile hatte sich ihm eine Wahrheit offenbart, die seine unendliche Liebe zu dieser Frau auszeichnete und ihm klar gemacht hatte, dass sie es war, die seinen Weg bestimmen würde. Denn für ihn stand ihr Glück weit über seinem eigenen.
Seufzend stellte er sein geleertes Glas beiseite und rutschte unter die Bettdecke. Der Wein hatte endlich auch seinen Geist eingelullt, so dass er Anna in den Arm nahm und es genoss die Augen zu schließen und in dieser intimen Zweisamkeit in das Land der Träume abzutauchen.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Di Nov 26 2013, 18:18

Jaaaaaaa,ich freue mich so wenn es weiter geht banana banana .Liebe Grüße Carla

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BeitragThema: "63"   Di Nov 26 2013, 20:50

Nach diesem hier nur noch drei ... So langsam wird mir bange. Surprised  Uiuiui was ganz neues posten ...
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Anna hatte die ersten Stunden tief und fest geschlafen, aber nach und nach schlichen sich ihre Gedanken, Gefühle und Ängste wieder in ihr Unterbewusstsein und irgendwann schoss sie mit einem spitzen Schrei auf und erwachte mit Panik im Körper und völliger Verwirrung im Kopf. Sie hätte auch dieses Mal nicht sagen können, was sie so beunruhigt hatte, aber sie befand sich wieder einmal im Ausnahmezustand. Erschrocken schaute sie sich um. Ich bin in Sicherheit. Oh Gott, ich liege im Bett, alles ist gut. Sie schloss die Augen und versuchte ihre Atmung wieder in einen ruhigen Rhythmus zu pressen. Sie rieb sich mit zitternden Händen über das Gesicht und erschrak riesig, als sie die Hand spürte, die sich sanft auf ihre Schulter legte. Ihr Herz setzte für einen Moment aus aber als sie sich panisch umdrehte, erkannte sie erleichtert, dass es Tom war, der sich neben ihr aufgesetzt hatte und sie besorgt anblickte. Er öffnete die Arme und signalisierte ihr wortlos, dass sie nicht alleine war und sie zu ihm kommen solle und als sie sein Angebot annahm, schloss er sie fest in seine Arme und legte sich mit ihr wieder zurück in die Kissen. Anna brach in seinen Armen von einem Moment zum anderen völlig zusammen. Sie klammerte sich an ihn und weinte bittere Tränen der Verzweiflung, die sich in den letzten Tagen so hoch gestaut hatten, dass sie nun zu einem Dammbruch führten, der nicht mehr aufzuhalten war. Tom hielt sie ganz fest und strich ihr beruhigend über den Rücken, aber auch er stand völlig unter Strom. Sein Herz klopfte in hektischem Takt und war er zwar froh für sie da sein zu können, standen auch ihm die Tränen in den Augen, als sie so verzweifelt in seinen Armen lag. Die Frau, die ihn vor allem mit ihrer Power und ihrem immer ehrlichen Kampfgeist beeindruckt hatte wirkte so erschreckend schwach und verletzt, dass sein Herz ebenfalls vor Verzweiflung und Trauer schmerzte.
Nur langsam beruhigte sich Anna wieder und als die Tränen versiegt waren, stellte sie erstaunt fest, dass sie sich überhaupt nicht schämte, in Toms Armen so zusammengebrochen zu sein. Sie hob den Kopf und schaute ihn einfach nur an. Ihren Tom, ihre Liebe. Tom strich ihr sanft über die Wangen und trocknete vorsichtig die Tränen und als sie sich ihm näherte, zog er sie zu sich und küsste sie zärtlich. Anna spürte, dass sie ihre Verzweiflung mit seiner Hilfe für einen Moment entschwinden können würde und sie ließ sich einfach fallen, einfach mitreißen von dem Strudel der wohltuenden Gefühle, die der körperliche Kontakt zu Tom in ihr auslöste. Der Kuss, der so sanft begonnen hatte, nahm an Intensität zu. Anna drängte ihre Zunge zwischen seine geöffneten Lippen, und als sie auf seine traf, begannen sie sich zu umrunden, sich zu streicheln und zu necken und die Begierde von Anna und Tom wuchs unaufhörlich. Tom, der ihren emotionalen Ausnahmezustand eigentlich nicht hatte ausnutzen wollen, konnte sich nicht länger zurück halten. Auch er sehnte sich so danach, für einige Zeit alle Gedanken, Ängste und Selbstvorwürfe zu vergessen. Fordernd glitten seine Hände über ihren Körper und suchten den Zugang unter ihr Schlafshirt. Und nur kurz später, hatte er ihr das Shirt über den Kopf gezogen. Er strich über ihren Rücken, über ihre Hüfte hinab zu ihrem Po, um sie fest an sich zu drücken, und prompt reagierte er aufs äußerste. Anna entging das nicht, und sie drängte es ebenfalls, ihn zu spüren. Noch näher, noch intensiver. Sie drückte Toms Beine auseinander und kniete sich dazwischen. Sie ließ ihre Hände über seinen Bauch hinab gleiten, streifte über seine Shorts, ehe sie ihre Hände an den Bund dergleichen legte und sie ihm schnell auszog. Tom atmete hektisch, er konnte es kaum erwarten sie beide in eine andere Welt zu katapultieren. Er setzte sich auf und sah Anna einen Moment mit vor Erregung funkelnden Augen an. Dann nahm er ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie voller Leidenschaft, während er seine Hände erneut auf die Reise schickte ihren Körper zu erobern. Ohne ihren Kuss zu unterbrechen packte er sie schließlich und zwang sie auf den Rücken. Er legte sich auf sie und begann seine Hüften auf ihre kreisen zu lassen, aber eher er seinen eigenen Plan verfolgen konnte, übernahm Anna die Führung. Sie öffnete ihre Beine und dirigierte ihn sich in sie gleiten zu lassen, und nach dieser Vereinigung, die sie einen Moment aufstöhnen ließ, griff sie seine Arme und zog sie über ihren Kopf. Tom war irritiert, das war eine seltsame und ungewohnte Situation für ihn, ihr irgendwie ausgeliefert zu sein. Aber dann fing Anna an sich zu bewegen, nicht nur ihre Hüften wie sonst, sondern ihren ganzen Körper. Sie rollte wie eine Welle unter ihm hinweg, ließ ihren kompletten Körper an seinem entlang gleiten. Drückte ihm ihre Brüste, ihren Bauch, ihre Hüften entgegen, nur um wieder von vorne zu beginnen, und Tom ließ sich schnell darauf ein, auch wenn es ganz anders war, als alles was er kannte. Ihre Bewegungen und Berührungen waren gleitend, langsam, intensiv, und ihre beider Gefühle schienen bei jeder sinnlichen Welle, bei jedem Warten auf die abschließende tiefe, innige Vereinigung, noch spannungsgeladener. Und dann war es soweit, die Explosion von Annas Gefühlen kam langsam heran, um dann aber umso intensiver zum Ausbruch zu kommen. Tom spürte, wie sie sich fest um ihn schloss, zuckte, und entschieden entzog er Anna seine Hände und stützte sich darauf um ihr seine Hüften noch einige Male energisch entgegen zu bringen und ebenfalls in die Luft zu gehen.

Tom lag auf den Rücken und atmete immer noch hektisch. Er warf Anna, die neben ihm lag, einen kurzen Seitenblick zu und holte tief Luft. Sie hatten ja schon viele schöne Stunden miteinander verbracht, aber das gerade hatte ihn tatsächlich überwältigt. Es war sinnlich, leidenschaftlich und intensiv, und nach dem dramatischen Tag, oder vielleicht gerade wegen des dramatischen Tages einfach der Wahnsinn. Er drehte sich auf die Seite und lächelte Anna glücklich an, aber als er sie näher betrachtete, schien sein Glück sogleich in einem tiefen Bottich ertränkt. Sie starrte mit unbewegter Mimik gegen die Decke, lediglich ihr Brustkorb, der sich in schnellem Takt hebte und senkte, ließ erkennen, dass sie ebenfalls noch vor kurzer Zeit sehr erregt war. Ihre Augen hingegen bargen keinerlei Gefühl, obwohl sie doch gerade noch so glücklich vereint waren … 
Sogleich ereilte Tom ein beängstigendes Gefühl. Da stimmte etwas nicht. Ganz und gar nicht, aber ehe er die Situation wirklich erfasst hatte, setzte sich Anna auf, griff ihre Klamotten und eilte ins Badezimmer. Tom setzte sich nun ebenfalls auf und schaute ihr völlig verwirrt hinterher. Was ist denn jetzt schon wieder?, dachte er entnervt. So langsam brachte ihn die Achterbahn der Gefühle, die er seit Tagen erlebte, echt an seine Grenzen. Annas Reaktion nach, hätte er sich wohl doch besser zurückhalten sollen. Aber sie wollte es doch genauso, hat doch nicht nur mitgemacht, sondern sogar die Führung übernommen, rechtfertigte er sich vor sich selbst, als er aufstand, um in der Küche was zu trinken. Als er zurück kam, war von Anna immer noch nichts zu sehen. Er blieb kurz vor der Badezimmertür stehen und überlegte, ob er versuchen sollte mit ihr zu sprechen, zu Fragen, ob es ihr gut geht. Aber dann schüttelte er den Kopf und wand sich ab. Er hatte einfach keine Lust. Keine Lust mehr, ihr hinterher zu laufen und sich die nächste Abfuhr abzuholen. Bei allem Verständnis, bei allen Vorwürfen, die er sich selbst machte, bei aller Liebe, die er für Anna empfand. Er hatte einfach nur mit ihr geschlafen, nicht mehr und nicht weniger. Weil er sich ihr nah fühlen wollte, weil sie es auch wollte, weil es richtig war. Und alles andere … Er konnte doch eh nichts für sie tun, solange sie nicht wenigstens mit ihm redete. Und das schmerzte ihn am meisten. Dass sie ihn nicht einbezog. Enttäuscht von dem erneuten Wandel der Vorkommnisse, legte er sich ins Bett und wickelte sich in seine Bettdecke. Mit einem tiefen Seufzer dachte er, wie schon so oft, Wie soll das nur alles weitergehen?

Anna saß derweil auf dem Fußboden des Badezimmers und dachte das Gleiche. Wie soll das nur alles weitergehen? Ich liebe Tom doch. Ich will so sehr, dass wir zusammen glücklich sind, so wie eben. Sie dachte einen Moment an ihre Vereinigung zurück. Es hatte sie mitgerissen … in eine andere Welt, in der nur sie und Tom regierten. In der sie eins waren, glücklich und untrennbar verbunden, … aber eben nur für diesen einen Moment, bis die Realität wieder Eingang gefunden hatte in ihren Kopf. Sie hatte gespürt, wie glücklich und überwältigt Tom war und am liebsten hätte sie mit ihm gemeinsam diesem Gefühl gefrönt, aber ihr eigener Höhenflug hatte bereits einen weiteren Absturz erlitten, als plötzlich das hämische Grinsen Carlas vor ihr aufgetaucht war. Und so hatte sie der Situation entfliehen müssen.
Und jetzt saß sie hier. Sie wusste nicht, wie lange schon. Insgeheim hatte sie vielleicht gehofft, Tom würde ihr folgen und nach ihr sehen, aber er kam nicht. Er ließ sie alleine. Aus Taktgefühl oder aus Enttäuschung, das vermochte sie nicht einzuschätzen, aber es schmerzte allein zu sein, ebenso wie es schmerzte, dass sie einfach keine Lösung sah. Anna schüttelte den Kopf, und zog sich am Waschbecken hoch. Sie fühlte sich wackelig auf den Beinen, was wohl vor allem daran lag, dass sie immer noch nichts gegessen hatte, aber vielleicht auch an dem Tatbestand, dass sie gleich da raus gehen müsste und nicht wusste, wie sie Tom unter die Augen treten sollte. Sie ließ sich Wasser in ihre Hände laufen und legte ihr Gesicht hinein, einmal, zweimal, dreimal. Das kühle Nass tat ihr gut, obwohl es ihre unendliche Müdigkeit nicht zu vertreiben vermochte. Dann trocknete sie sich ihr Gesicht und schaute ein letztes Mal in den Spiegel. Los jetzt. Irgendwie wird es schon weiter gehen. Es geht immer irgendwie weiter.
Leise öffnete Anna die Tür und schaute hindurch. Sie sah sich suchend um und erkannte letztlich, dass Tom sich unter seine Decke verkrochen hatte. Sie beobachtete einen Moment seine gleichmäßige Atmung. Gott sei Dank, er schläft, dachte Anna erleichtert. Leise schlich sie zur anderen Seite des Bettes, kroch ebenfalls unter die Decke und schloss die Augen. Sie war völlig erledigt von dem langen Tag, der so schön begonnen hatte. Ja, morgens hatte sie tatsächlich so was wie Optimismus verspürt. Das Glück, das sie mit Tom gefunden hatte, den Glauben, dass sie zusammen alle schaffen würden. Und dann waren die Neuigkeiten auf sie eingeprasselt. Zuerst der Tatbestand, dass sie schwanger war. Damit hatte sie wahrlich nicht gerechnet, und es hatte sie überrascht, und vielleicht auch einen Moment erschreckt. Aber … , sie schmunzelte und legte ihre Hand auf ihren Bauch. Dass es dich gibt ist schön, auch wenn ich mich erst an den Gedanken gewöhnen muss. Das war dann aber auch die einzig gute Nachricht des Tages, dachte sie, als sie den Tag weiter Revue passieren ließ. Denn die Situation bei ihrer Heimkehr in Toms Wohnung waren ja weniger erfreulich gewesen. Schließlich hatte sich ihr Verdacht bestätigt, dass Carla tatsächlich für all ihr Leid der letzten Zeit verantwortlich war. Dass sie einen perfiden Plan geschmiedet hatte, um sie auf geschickte Weise fertig zu machen. Verdammt, ich weiß einfach nicht wie ich damit umgehen soll? Ich kann doch nicht alles aufgeben, worum ich so lange gekämpft habe … Sie schaute zu Tom rüber, der ihr den Rücken zudrehte, und sogleich spürte sie die Tränen in sich aufsteigen. Ich will dich nicht aufgeben … Wir lieben uns doch … Sie stand auf und ging in die Küche. Sie war zwar hundskaputt, aber an Schlafen war trotzdem gerade nicht zu denken.

Als Tom am nächsten Morgen wach wurde, fühle er sich irgendwie seltsam. Er schaute sich um und wusste sogleich warum. Er war alleine, von Anna keine Spur mehr. Er rieb sich über seine schmerzende Stirn und schüttelte den Kopf. Er war verwundert, dass er überhaupt geschlafen hatte, bei all dem Chaos. Aber dass er nicht einmal gemerkt hatte, dass Anna gegangen war, war wohl Beweis genug, dass er es doch getan hatte. Und, was mache ich jetzt?, überlegte er frustriert. Einen Moment starrte er einfach nur die Wand an und dann kam ein Gedanke, der ihn eigentlich nicht überraschen konnte. Arbeiten. Arbeiten ist einen gute Idee. Das hat mich schließlich jahrelang gerettet. Zehn Minuten später betrat er die Küche, um noch einen starken Espresso zu sich zu nehmen, bevor er seinen Kopf möglichst tief in die Akten vergraben würde.
Als er sich mit dem kleinen Schwarzen in der Hand ans Fenster stellte, wurde er plötzlich von einem Geräusch abgelenkt und schaute irritiert in sein Wohnzimmer. Und tatsächlich, es war seine Ledercouch gewesen, die unter Annas Bewegung ein Knatschen von sich gegeben hatte. Sie saß nämlich im Schneidersitz darauf und starrte die gegenüber liegende Wand an.
„Anna!“ rief Tom überrascht aus und schritt schnell zu ihr. Er setzte sich auf seinen Sessel und beobachtete sie irritiert. Er war froh, dass sie doch nicht das Weite gesucht hatte, aber … sie hatte sich immer noch nicht gerührt. Sie sah schon wieder so erschreckend gefühlskalt und völlig verloren aus.
„Hast du die ganze Nacht hier gesessen?“, fragte er vorsichtig. Da drehte sich Anna plötzlich Tom zu, und sah ihn direkt an. In ihren Augen blitzte Verzweiflung auf. Angst. Ratlosigkeit. „Tom, ich weiß nicht wie es weiter gehen soll?“ Tom ließ sich gegen die Lehne des Sessels fallen. Sollte er jetzt froh sein, dass sie hier war und dass sie offensichtlich mit ihm reden wollte, oder genervt, weil sie wieder einmal ihre gemeinsame Zukunft in Frage stellen würde. „Wie was genau weiter gehen soll?“, fragte er langsam. Anna schaute ihm immer noch in die Augen. Dann schloss sie ihre kurz und zuckte hilflos mit den Schultern. „Tom, ich habe Angst. Mich macht das alles völlig fertig. Ich träume davon, dass mich ...," Sie stockte, sie wollte diesen Namen nicht aussprechen. "dass sie mich verfolgt … Die ist doch völlig irre. Was denkst du, was plant sie als nächstes? Was wird sie sich noch einfallen lassen? Ich kann einfach nicht so weitermachen, als wäre nichts passiert.“ Anna starrte wieder geradeaus und schüttelte verzweifelt den Kopf, und Toms Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Er sah, dass sie begonnen hatte zu weinen. Ihre Schultern zuckten und sie wurde von leisen Schluchzern geschüttelt, während ihr die Tränen ungehindert übers Gesicht liefen. Er setzte sich zu ihr und zog sie in seine Arme, wie auch schon am Abend zuvor, und wieder spürte er seine eigene Hilflosigkeit. Er hielt sie und ließ ihr den Raum sich zu beruhigen, während seine Gedanken in seinem Kopf tobten. Er spürte, wie seine Hilflosigkeit wich, und sich an dessen Stelle Wut sammelt. Er wollte das nicht mehr. Er wollte sich nicht mehr schwach fühlen und vor allem wollte er nicht mehr, dass Anna und er sich immer wieder selbst für ihre Situation verantwortlich machten, oder die Lösung des Problems bei sich suchten. Carla war es, die gestoppt werden musste, nicht Annas und seine Beziehung zueinander. Wenn er nur eine Ahnung hätte wie. Aber auf die Idee würden sie auch noch kommen, wenn sie nur zusammen hielten.
Er kniete sich vor Anna und wischte ihr mit verkniffenem Gesicht die Tränen aus dem Gesicht. Sie schaute ihn einfach nur groß an, während Tom in seinem überforderten Hirn nach den richtigen Worten suchte, um sie zu überzeugen. Er war sich sicher, dass er nicht mehr viele Chancen erhalten würde. Also musste er es richtig machen. Tom griff ihre Hände und schaute ihr intensiv in die Augen. „Anna, jetzt hör mir mal gut zu.“ Er stockte einen Moment und schüttelte wieder mal seinen Kopf. Das durfte einfach alles nicht sein. „Anna, ich weiß, dass dich Carlas Intrigen sehr schmerzhaft getroffen haben und ich weiß auch, dass du Angst hast. Aber weißt du was?“ Anna sah ihn mit aufgerissenen Augen an und schüttelte wortlos den Kopf. „Ich weiß auch, dass wir uns lieben. Und ja, genau das ist in gewisser Weise unser Problem. Carla attackiert dich, weil das so ist … Aber willst du deshalb nicht mehr lieben? Unsere gemeinsame Zukunft aufgeben? Vor mir weglaufen?“ Tom schüttelte den Kopf, jetzt standen auch ihm die Tränen in den Augen. „Anna, wir beide, du und ich, wir haben so viel durchgemacht und so dafür gekämpft, dass wir heute zusammen sind. Willst du wirklich, dass Carla uns das alles kaputt macht?“ Tom ließ Anna los und drehte sich um. Er lehnte sich erschöpft gegen seine Couch und fuhr leise fort. „Ich habe gerade auch keine Ahnung, was wir gegen sie unternehmen können, aber ich weiß, dass wir nur gemeinsam gegen sie ankommen können … Ansonsten hat sie gewonnen … und das auf ganzer Linie.“ Dann drehte er sich nochmal zu Anna um und sah ihr erneut in die Augen. „Ich will nicht, dass dieses Aas damit durchkommt. Ich will dich nicht verlieren. Verdammte Scheiße. Ich will das nicht!“ Die letzten Worte hatte Tom Anna entgegen geschrien. Dann drehte er sich um und fegte den Couchtisch leer, bevor er seinen Kopf in seine Hände legte und weinte. Laut und bitterlich. Er konnte sich nicht mehr zurück halten, nicht mehr stark sein, so sehr er das auch wollte. Er selbst hatte eine Scheißangst. Aber nicht vor Carla, sondern davor, von Anna verlassen zu werden und wieder alleine zu sein. Wieder allein zu sein ... wie nach Fannis Tod.

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katha

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BeitragThema: "64"   Mi Nov 27 2013, 22:48

„Wow“, entwich es Anna, als sie verstört auf das Chaos und die Scherben auf dem Fußboden schaute. Sie hatte Tom lange nicht mehr so energisch erlebt und das gerade hatte sie wirklich beeindruckt. Nicht nur seine Lautstärke … auch was er gesagt hatte. Sie dachte einige Zeit über seine Worte nach, mit denen er völlig recht hatte wie sie eigentlich wusste. Aber sie war zu sehr in ihrer Angst gefangen, um sie als die einzige Wahrheit und Möglichkeit akzeptieren zu können. Eigentlich war sie innerlich genau in die andere Richtung gewandelt, hatte sich versucht damit auseinander zu setzen, dass eine Trennung von Tom die einzig mögliche Lösung sei, um sich und ihr Kind effektiv zu schützen. Aber er hatte recht, damit würde sie nicht nur Tom und sich selbst schlimmsten Schmerz zufügen, sondern auch Carla vollumfänglich für ihre Schweinerei belohnen. Anna löste ihren Blick vom Chaos des Fußbodens und richtete ihn auf Tom, der sich gerade wütend seine Tränen aus dem Gesicht wischte.
Auch das beeindruckte sie, hatte sie Tom doch noch nicht oft weinend erlebt. Sie schluckte hart, während sie ihr inneres Chaos zu beherrschen versuchte. Dann begann sie unsicher sich zu erklären. „Du fragst, ob ich das alles aufgeben will, uns aufgeben will? Ob ich ihr diesen Erfolg gönnen will?“ fragte sie ironisch nach, und fuhr dann verzweifelt fort. „Natürlich will ich das nicht …“ Sie stockte, rieb sich mit zittrigen Händen über das Gesicht und blies angestrengt die Luft aus, denn sie spürte, dass ihr Körper schon wieder erste Signale der Kapitulation sendete, „Aber da bleibt meine Angst … Ich muss mich doch irgendwie schützen.“, sagte sie mit zittriger Stimme und fügte in Gedanken hinzu, und auch unser Kind. Tom schaute einen Moment zu Anna auf und die Enttäuschung, die Anna in seinen Augen erkennen konnte, traf sie zutiefst. Dann starrte er wieder auf seine Hände, die er hinter seinen Knien ineinander verschränkt hatte und sagte, sich zur Ruhe zwingend. „Und jetzt bist du der Meinung, dass wir uns trennen müssen, damit du wieder sicher bist, richtig?“ Aber die Lautstärke trog. In Tom tobte gerade ein Krieg der Verzweiflung. Da war seiner Liebe und seine Angst um Anna, aber da war auch diese unglaubliche Enttäuschung und die dazugehörige Wut, dass sie ihn und ihre Liebe einfach aufgeben wollte. Er hielt sich weiterhin fest umklammert um seine bebenden Emotionen im Griff zu behalten und nicht auszurasten. Denn eigentlich war ihm eher danach, seine Wohnungseinrichtung dem Erdboden gleich zu machen. Anna schluckte erneut, spürte sie doch die Tränen, die sich unaufhaltsam auf den Weg machten. Sie war erschrocken von seiner Aussage. Davon, dass er offensichtlich viel besser wusste, wie es in ihr aussah, als sie gedacht hätte und vor allem davon, diese Worte klar ausgesprochen zu hören. Sich trennen, wieder alleine sein. Tom nicht mehr an ihrer Seite wissen. Ihr Herz schrie laut auf, aber ihr Verstand verzweifelte, weil es keine andere Lösung sah. Wie konnte sie ihm ihr Gefühlschaos nur verdeutlichen? Sie wollte ihm doch gar nicht weh tun. „Das kannst du vielleicht nicht verstehen. … Dich würde diese Frau ja auch niemals absichtlich verletzten“, begann sie einen Erklärungsversuch, aber Tom, der seine Konzentration darauf gerichtet hatte, nicht aus der Haut zu fahren, während er auf irgendeine Reaktion wartete, fuhr bei diesen Worten herum und unterbrach sie harsch. „Du meinst wirklich, das Alles hat nichts mit mir zu tun? Das hätte mich nicht verletzt?“ Er sah sie mit einem entrüsteten Gesicht an, das Anna abermals aufschrecken ließ. „Du hast recht, vielleicht würde mich Carla nicht direkt verletzen, aber was denkst du, wie es mir in den letzten Tagen ergangen ist? Es war verdammt beschissen, zuzusehen wie schlecht es dir geht; von dir auf Abstand gehalten zu werden; sich Sorgen um dich zu machen; ständig Angst zu haben, um dich, um uns … Aber das alles hat ja nichts mit mir zu tun.“ Tom war immer lauter geworden in seinen Ausführungen und jetzt lachte er hart auf. „Weißt du was Anna? Ich habe versucht für dich da zu sein. Dich nicht alleine zu lassen. Dir ein bisschen deiner Last abzunehmen. Aber auch ich kann nicht mehr. Wenn du mich nicht an deinem Leben teilhaben lassen willst, dann brate alleine in deinem eigenen Saft.“ Er erhob sich in Windeseile, als wolle er nur noch weg aus dieser Situation. Einfach flüchten, sich retten, wie auch immer man es bezeichnen wollte. „Ich geh derweil einfach mal meinem Job nach. Den habe ich nämlich in letzter Zeit ganz schön vernachlässigt“, fügte er schnippisch hinzu. Aber ehe er an der Tür war zögerte er. Nach einem kurzen Blick auf Anna, griff er in den kleinen Schrank neben der Tür und ging zurück zum Couchtisch. Er stellte ein kleines Geschenk auf den Tisch und sah Anna aus traurigen Augen, in denen es deutlich glitzerte, an. Und jetzt war er ganz leise, als wäre mit seinen Worten auch sämtliche Energie aus ihm gewichen. „Wenn du wirklich gehen willst, dann nimm das mit. Ich habe dann keine Verwendung mehr dafür.“ Er musterte sie einen Moment und schüttelte völlig fertig den Kopf. „Ich kann bestimmt viel aushalten, aber immer wieder gegen dich ankämpfen zu müssen, macht mich wirklich fertig.“ Damit drehte er sich um, schnappte sich seine Jacke und zog leise die Wohnungstür hinter sich zu.

Anna sah ihm mit offenem Mund hinterher. Dann nahm sie das Päckchen in die Hand. Sie hatte eine ziemlich genaue Vorstellung was darin war und das alles machte sie tatsächlich sprachlos. Sie schniefte und wischte sich die Tränen von der Wange, die sie nicht hatte aufhalten können. „Was war das denn jetzt? Erst dieser Ausbruch, und dann ... . Oh Mann, ich wollte ihm doch nur erklären, warum …“, dann blieb ihr jedes weitere Wort im Hals stecken. Langsam schob sich die Gewissheit in ihren Kopf, dass er völlig recht hatte. Sie hatte in den letzten Tagen tatsächlich nur an sich und ihr eigenes Leiden gedacht. An ihre eigene Trauer um Jonas und die Verzweiflung, die sein Verlust im letzten Jahr losgetreten hatte. Und Tom? Ihn und seine Liebe, seine Bemühungen um sie ...  Das alles hatte sie dabei einfach als gegeben hingenommen, häufig sogar als störend empfunden. Immer wieder war sie vor ihm weggelaufen, quasi geflüchtet, nur um sich letztlich, wenn er sich hartnäckig genug ihren Wünschen entgegen gestellt hatte, doch dankbar in seine sichere Umarmung zu begeben. „Hat er sich jetzt gerade von mir getrennt?“, fragte sie ratlos in den Raum. Und die mögliche Bedeutung dieser Worte schnürte ihr binnen kürzester Zeit die Luft ab. Anna spürte, wie ihr Körper endgültig die Vorherrschaft übernahm, um die er schon länger kämpfte. Vielleicht hätte sie doch ein wenig schlafen und auch mal etwas essen sollen, damit sie mit solchen emotionalen Kapriolen hätte umgehen können. Aber so wuchs das Rauschen in ihrem Kopf zu einem riesigen Sturm heran, während ihr die Luft immer knapper wurde und ihr Magen rebellierte. Zu viele Gefühle, zu viele Gedanken. Angestrengt stützte sie sich auf ihre Hände und begann in kurzen regelmäßigem Rhythmus zu atmen. Aber es brachte nichts. Ihr Herzschlag raste und irgendwie wurde der Raum um sie immer enger. Sie warf einen suchenden Blick auf den Tisch, und Gott sei Dank, da lag ihr Handy. Mit zittrigen Händen griff sie danach und tätigte einen Hilferuf. Sie brauchte dringend Unterstützung.
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Es war bereits Nachmittag und Tom saß alleine im Atelier Lanfords. Er versuchte seit geschlagenen fünf Stunden seinen Schreibtisch leer zu bekommen. Aber die Arbeit wollte ihm einfach nicht von der Hand gehen. Zu oft war sein Blick, wie auch jetzt gerade, zu dem leeren Schreibtisch vor seinem Büro gewandert. Zu oft seine Gedanken zu der Blondine, die im Normalfall dort saß und ihn mit ihrem entzückendem Anblick erfreute, während sie konzentriert ihre Stifte über das Papier gleiten ließ. Er liebte es Anna zu beobachten, wenn sie völlig in sich gekehrt zeichnete. Sie war dann so ganz sie selbst. Konzentriert, aber gleichzeitig irgendwie entspannt, und wenn sie dann noch überlegend den Stift zwischen ihre Zähne steckte, und ihre Zeichnungen mit zusammengekniffenen Augen begutachtete, nur um einen Moment später mit einem kleinen Lächeln um die Lippen wieder drauf los zu zeichnen … Ach, er wusste doch auch nicht. Er liebte sie einfach. Und deshalb fragte er sich auch schon die ganze Zeit ob er morgens nicht einen riesigen Fehler begangen hatte. „Mist. Ich hätte ihr zuhören sollen. Ihre Ängste ernst nehmen sollen. Und was mach ich? Ich fahr sie noch zusätzlich an und setzte sie unter Druck. Dabei hat sie doch wahrlich genug Probleme.", fluchte er leise vor sich hin. Aber tat es ihm irgendwie leid, wusste er, dass er seine Emotionen nicht hätte zurück halten können. Er warf seinen Stift auf den Schreibtisch und verließ genervt sein Büro. Mit einem Kaffee in der Hand, von dem er hoffte, dass er den Druck in seinem Kopf ein wenig auflöste, ließ er sich mitten auf Annas Schreibtisch nieder. Hier fühlte er sich ihr ein bisschen näher, was die riesige Distanz, die er gerade verspürte aber auch nicht wirklich überwinden konnte.
Er schaute durchs Fenster auf die Stadt, die dort vor ihm lag. Da draußen war seltsamer Weise bestes Wetter. Blauer Himmel, Sonnenschein. Eine Idylle, die so gar nicht zu seiner inneren Verfassung passen wollte, die so wolkenverhangen und düster daher kam. Eigentlich ist das ein Tag, an dem man raus gehen sollte, gemeinsam mit Freunden etwas unternehmen und glücklich sein sollte. Oder mit seiner Verlobten … Er schüttelte deprimiert den Kopf. Habe ich noch eine Verlobte? Diese Frage trieb ihn jetzt seit Stunden in den Wahnsinn, obwohl er es einfach nicht glauben konnte, dass Anna ihn ernsthaft verlassen würde. Es hatte sich doch alles so richtig angefühlt, trotz der vielen Hindernisse, die sie hatten überwinden müssen. Er dachte an die letzten Wochen zurück, die ihm selbst so viel abverlangt hatten. Ein stetiges Auf und Ab zwischen himmelhochjauchzend und zutodebetrübt. Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich noch mal ein solches Gefühlschaos erleben werde, hätte ich ihn ausgelacht. ... Ein Leben ohne Liebe wollte ich leben, keine Gefühle mehr an mich ran lassen um ja nicht mehr verletzt zu werden, und jetzt? … Jetzt habe ich ein Leben mit Liebe, und jede Menge Probleme … Bleibt nur zu Hoffen, dass meine Liebe auch bei mir bleibt, damit sich das alles wenigstens lohnt, dachte er deprimiert.
Ja, er hatte morgens gesagt, dass er nicht mehr könne, und irgendwie kotzte ihn die Situation auch tatsächlich an. Es schmerzte einfach so sehr, ständig von Anna abgewiesen zu werden, ständig darum kämpfen zu müssen, für sie da sein zu dürfen, und zusätzlich immer mit dem schlechten Gefühl herumzulaufen, dass ihr erneut etwas zustoßen könnte, was er nicht schaffte aufzuhalten. Trotzdem wusste er tief in seinem Inneren, dass er sie liebte und dass er diese Liebe niemals freiwillig aufgeben würde. Und er hoffte sehr, dass es ihr genauso ging und sie endlich einen Schritt auf ihn zukommen würde. Nochmals hinter ihr herzulaufen vermochte er gerade einfach nicht. Er kramte nervös in seiner Hosentasche nach seinem Handy. Vielleicht hatte sie sich ja gemeldet und er hatte es gar nicht gemerkt. Er warf einen Blick darauf und blies sogleich enttäuscht die Luft aus, die er einen Moment angehalten hatte. Sein Handy war aus. Er hatte vergessen es zu laden. "Scheiße!" fluchte er. Am liebsten hätte er es gleich aus dem Fenster geschmissen. Ernüchtert steckte er es wieder in die Tasche und wanderte zurück in sein Büro, um einen weiteren Versuch zu starten, sich von dieser beschissenen Situation abzulenken. Im Enddefekt wusste Anna ja, wie und wo sie ihn finden könnte, auch ohne Handy.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mi Nov 27 2013, 23:20

Nur noch zwei Teile ja banana ja banana ja banana ich freu mich,ich freu mich Smile  .

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BeitragThema: "65"   Do Nov 28 2013, 22:09

... und noch einer! Aber erst mal will dieser gelesen werden Cool
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Anna hingegen wanderte zeitgleich durch dieses sonnenbeschienene Berlin, das Tom gerade noch so schrecklich obskur vorgekommen war. Sie genoss das gute Wetter und die frische Luft, die ihr endlich auch die letzten beklemmenden Gefühle vertrieb. Die Bewegung und die gute Laune der Menschen, die diesen Spätherbsttag genossen, taten das übrige, damit sie sich nach einer ordentlichen Mahlzeit und einem langen, sehr intensivem Gespräch mit ihrer besten Freundin endlich wieder fühlte wie ein normaler Mensch.
Paloma war nach ihrem Hilferuf Gott sei Dank sogleich zu ihr gekommen und hatte sie erst einmal mit einem gesunden Frühstück versorgt. Und erst nachdem sie überzeugt davon war, dass Annas Körper wieder auf Normalkurs lief, hatte sie darauf bestanden endlich alles zu erfahren, was in der letzten Zeit passiert war. Sie hatte nämlich bereits am Tag zuvor das Gefühl gehabt, dass ihr wichtige Informationen fehlten, um die Tragweite von Annas scheinbarem Höllentrip nachvollziehen zu können.
Anna ließ das Gespräch, das auf Palomas unnachgiebige Aufforderung gefolgt war, nochmal Revue passieren. Es hatte sie stark gefordert sich nochmal an all die kleinen und großen bösen Überraschungen und die vielen überfordernden Momente zu erinnern, die ihr fast den Boden unter den Füßen geraubt hatten. Aber es war lange überfällig gewesen, dass sie die Geschehnisse mit eigenen Worten wiedergab und ihre Gedanken dazu aussprach. Und offensichtlich war eine beste Freundin für solch einen Moment die Bestbesetzung für die Rolle des Zuhörers, es sei denn, man wollte sich sofort auf die Therapeutencouch legen.
Lang und ausgiebig hatten sie die letzten Tage noch mal aufgerollt und letztlich war Anna am gestrigen Geständnis des Praktikanten angekommen, und hatte von ihrer Verunsicherung und ihren Ängsten erzählt, die die gewonnen Erkenntnisse in ihr ausgelöst hatten. Paloma hatte sie in den Arm genommen und sie waren einen Moment einfach nur still beieinander sitzen geblieben. Bis Anna sich schließlich von ihrer Freundin gelöst und das kleine Geschenk, das immer noch auf dem Couchtisch stand, in die Hand genommen hatte. Gedankenverloren hatte sie es, beobachtet von Palomas Argusaugen, zwischen ihren Fingern hin und her gedreht, bis sie Palomas Hand auf ihrem Bein gespürt hatte. „Was ist das?“ hatte ihre Freundin behutsam gefragt, und Anna war unter ihrem mifühlendem Blick zusammen gebrochen. Unter Tränen hatte sie von Toms Ausbruch berichtet und dass sie vermutlich ihr Verlobungsgeschenk in der Hand halten würde, für das er, nach seinen eigenen Worten, wohl keine Verwendung mehr hatte.
Sie war immer noch aufgewühlt, von dem was er gesagt hatte, denn sie wusste sehr wohl, dass er eigentlich recht hatte. Auch sie wollte ihn nicht verlieren, auch sie wollte nicht, dass Carla gewinnen würde, … aber sie wusste einfach nicht, ob sie ihre Angst in den Griff bekommen würde. Vor allem ihre Angst um das kleine Geheimnis, was sie in ihrem Bauch trug.
Paloma hatte bis hierher geduldig und mitfühlend zugehört, aber an dieser Stelle hatte Anna klar gespürt, dass sie etwas sagen wollte und sich nicht so recht traute. Erst als Anna sie gedrängt hatte endlich den Mund aufzumachen, hatte sie anfangs eher zurückhaltend mit ihr gesprochen. Sie hatte Anna aus ihren schönen grünen Augen heraus intensiv angesehen, und sie gefragt, was ihr wirklich wichtig sei im Leben. Nach welchen Prinzipien sie ihr Leben leben wollte und sie hatte keine Ausflüchte und Abers zugelassen, bis Anna endlich klein beigegeben und die aktuelle Situation außer Acht gelassen hatte. Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Liebe, Vertrauen, sich selbst treu zu sein … . Das Alles waren Zustände, Gefühle, Eigenschaften, die Anna immer wichtig gewesen waren, für die sie einstand, und für die sie immer gekämpft hatte. Und genau das hatte Paloma hören wollen. „Anna, du hast Jonas versprochen auf dein Herz zu hören, war das nicht so?“ hatte Paloma sie gefragt und Anna hatte zerknirscht mit dem Kopf genickt. Dann hatte die Spanierin Annas Hand genommen und sie tröstend gedrückt. „Für Jonas Liebe musst du nicht mehr kämpfen. Schließ damit ab, er wird immer bei dir sein, das hat er dir versprochen“, hatte sie sie erinnert, „Aber Tom, den stößt du gerade derbe vor den Kopf und wenn du nicht aufpasst und deinen Ängsten diese unglaubliche Macht gibst, wie du es gerade tust, dann zerstörst du deine eigene Zukunft … und die von Tom und eurem Kind noch dazu.“ Harte Worte hatte Paloma gefunden um ihr klar zu machen, dass sie gerade im Begriff war einen riesigen Fehler zu begehen. Aber sie waren richtig und notwendig gewesen um sie endlich von dem Trip runter zu holen Tom verlassen zu müssen, um sich und ihren Nachwuchs zu schützen.

Anna blieb stehen und atmete tief durch. Sie stand am Fluss, an dem das Lanford-Gebäude seinen Platz gefunden hatte und schaute einige Zeit in das fließende Wasser. Ein Anblick, der ihr vor allem wenn alles ausweglos erschien, immer wieder den Optimismus verlieh, dass das Leben weiterging, sich veränderte, im Fluss war, und sich letztlich Lösungen fanden. Und dann wurde dieser Anblick der steten Bewegung des Wassers durchbrochen. Eine kleine Familie bewegte sich in Annas Blickfeld und zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Ein Entenpaar mit ein paar Küken im Schlepptau. Die Kleinen schwammen aufgeregt von hier nach da und die Mutter sorgte dafür das keines verloren ging, während die anderen zielgerichtet hinter dem Entenpapa herschwammen. Anna fand diesen Anblick einfach herzerwärmend und so dachte sie schließlich. Ja, Paloma hat recht. Auch wir haben es verdient glücklich zu sein, und das geht nur, wenn wir für einander da sind. Sie wendete dem Fluss den Rücken zu und hob ihren sinnierenden Blick hinauf zu dem Gebäude, in dem sie nach vielen Auf und Abs ihr neues Glück gefunden hatte, sowohl beruflich, als auch privat. „Lanford ist unsere Zukunft mein Kleines und das werden wir uns nicht kaputt machen lassen. Mit deinem Papa an unserer Seite, wird uns keine Carla der Welt etwas anhaben können.“

Mit klopfendem Herzen bestieg Anna einige Minuten später den Aufzug. Das Atelier lag in einer Ruhe da, als befände es sich nach einer völlig überdrehten Woche in seinem wohlverdienten Erholungsschlaf. Offensichtlich war wirklich kein einziger Mitarbeiter anwesend, was Anna fast ein wenig unheimlich fand, denn auch an den Wochenenden gab es fast immer den ein oder anderen, der doch noch was zu erledigen hatte. Aber nachdem die Fashion Days gelaufen waren, freuten sich offensichtlich alle, endlich mal ein bisschen ausspannen zu können.
Anna liebte es, wenn es so ruhig war in diesen Räumen. Sie fand immer, dass dann eine Spannung zu spüren war, die ihr eine besonders inspirierende Atmosphäre bot. Es war die Spannung zwischen der Ruhe und der lebendigen Kreativität, die trotzdem irgendwie in jedem Zentimeter des Ateliers atmete. Anna schaute zu ihrem Arbeitsplatz und überlegte fast sehnsüchtig, ob sie sich nicht einfach setzen und ein paar Ideen aufs Papier bringen sollte, aber dann pfiff sie sich zurück. Sie hatte nun wirklich Wichtigeres zu tun. Schließlich ging es um ihre Zukunft.
Ihr Blick schweifte zu Toms Büro. Die Tür war verschlossen und äußerlich wies auch nichts darauf hin, dass er sich dahinter befand. Zögerlich ging sie darauf zu und überlegte, ob er überhaupt da sei, aber dann hörte sie ein deutliches Rumsen und einen lauten Fluch durch die Tür hallen, die sie erschreckt zusammenzucken ließ, und Toms Anwesenheit eindrucksvoll belegte. Sie zog skeptisch die Brauen in die Höhe. Ob das wirklich eine gute Idee war da rein zu gehen? Aber gut, da sie und ihr Verhalten vermutlich der Grund für seine schlechte Laune war, war sie wohl auch die einzige, die dafür sorgen konnte, dass sich die Wetterlage wieder besserte. Also klopfte sie kurz, ehe sie vorsichtig den Kopf durch die Tür schob.
„Darf ich?“, fragte sie, als Tom erstaunt und auch etwas verlegen den Kopf hob. Er hatte sich immer noch alleine im Atelier gewähnt und daher auch seinen Frust in keinster Weise zu verbergen versucht. Als sein Blick nun auf Anna fiel, hellte sich seine Mimik sichtlich auf … Allerdings nur für einen kurzen Moment, ehe ihm wieder einfiel, wie sie sich morgens verabschiedet hatten. „Hallo!“, sagte er kurz angebunden und wand sich wieder seinem Schreibtisch zu, der von Papieren, Mappen und Ordnern überquoll. Anna schluckte nervös. Es sah so aus, als ob Tom sich tatsächlich noch nicht wieder beruhigt hatte. Sie trat langsam näher und als er sie immer noch nicht beachtete, umrundete sie entschlossen den Schreibtisch. Sie legte ihm die Hand auf die Schulter, erntete aber auch daraufhin nur einen kurzen undefinierbaren Seitenblick. Also nahm sie die Hand wieder zurück und lehnte sich an seinen Schreibtisch. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und wartete. Sie hatte schließlich Zeit, und mit Sicherheit den größeren Dickkopf. Tom versuchte Anna zu ignorieren, während er weiter sein Büro aufräumte. Er hatte sich für diese anspruchsvolle Tätigkeit entschieden, nachdem er es einfach nicht geschafft hatte in das Land der Zahlen abzutauchen. Und diese Arbeit barg unerwarteter Weise ungeahnte Vorteile, wie er feststellen konnte. Zum einen konnte er dabei vor sich hin grübeln, ohne große Fehler zu machen, und zum anderen konnte er seine Wut an wehrlosen Gegenständen auslassen, ohne Unheil anzurichten. Und genau das tat er jetzt ... mit noch mehr Freude als zuvor, denn er wusste mit der Situation kaum umzugehen. Er wollte es als ein positives Zeichen deuten, dass Anna zu ihm gekommen war, aber er war nicht bereit, so zu tun, als habe es den Streit am Morgen nicht gegeben. Anna sollte Stellung beziehen und bis sie das nicht getan hatte, würde er nicht auf sie zugehen. Das hatte er sich fest vorgenommen.
Tom schaute sich ein paar Zettel und Mappen an, stapelte sie fein säuberlich auf einem Haufen, um sie anschließend mit Freude zu zerreißen und in den Papierkorb zu pfeffern. Und Anna stand weiterhin einfach nur da, für Tom natürlich mitten im Weg, was ihn genervt aufschnauben ließ. Er packte sich die nächsten Unterlagen und schaute sie durch. Einige legte er beiseite, andere fanden ebenfalls den Weg in den Papierkorb und als er ein paar Fotos und eine CD aus einem Umschlag zog und einen Blick darauf warf, knurrte er endgültig genervt auf. Er warf die Sachen auf den Tisch und ließ sich gegen die Lehne seines Stuhls fallen. Seine Augen versuchten einen Moment mit grimmigem Blick, Anna von ihrem störenden Platz zu beamen, bevor er es dann doch mit Konversation versuchte. „Anna, was willst du? Du siehst doch, dass ich zu tun habe.“ Anna atmete innerlich auf. Endlich, dachte sie erleichtert. Mit seinen Worten konnte sie definitiv besser leben als mit seinem Schweigen. Darauf konnte sie doch wenigstens reagieren. Sie drehte sich um und ließ ihren Blick über das Chaos auf seinem Tisch schweifen. Ihre Lippen zuckten amüsiert. „Ich sehe, dass du hier ein ziemliches Durcheinander verbreitest und immer noch sauer bist, was vermutlich an unserem … , nennen wir es Gespräch liegt, das wir heute Morgen geführt haben?“ Sie sah ihn fragend an, aber Tom schwieg. Er hatte gerade einfach nichts zu sagen … obwohl es so viele Worte in ihm gab, die für Anna bestimmt waren. Aber nicht nur Anna konnte stur sein wie ein Esel. Und an sich war seinen Ausführungen des morgens auch nichts mehr hinzuzufügen. Er konnte doch im Enddefekt nur darauf warten ob sich Madame dazu herablassen würde ihm mitzuteilen, was sie zu tun gedachte. Er schaute starren Blickes auf seinen Schreibtisch und wartete darauf, dass sie den Mund auftat, schließlich hatte es ja sicherlich einen Grund warum sie aufgetaucht war. Seine verwirrten Gefühle und seine Verunsicherung versuchte er dabei hinter seiner festgefahrenen Maske zu verstecken, was Anna aus vergangenen Tagen nur all zu gut kannte. Anna seufzte leise, offensichtlich hatte Tom nicht vor es ihr leicht zu machen.
Sie setzte sich ungefragt auf Toms Schoß und legte ihre Arme um seinen Hals. Er ließ es ungerührt geschehen und regte sich lediglich in der Weise, dass er sie kühl und herausfordernd anschaute. „Ich liebe dich!“, sagte Anna unvermittelt und schaute Tom tief in die Augen, während sie betete, dass er sie nicht gleich von sich stieß. „Und, was willst du mir damit sagen?“ fragte er kurz angebunden, da Anna dem nichts hinzufügte. Sie beobachtete ihn lediglich aufmerksam und meinte er auch, sich gut im Griff zu haben, konnte er es nicht verhindern, dass sie die fast unmerkliche Entspannung in seinem Gesicht wahrnahm. Sie schmunzelte und gab ihm einen Klapps auf die Schulter. „Mann, jetzt spann mich nicht so auf die Folter. Ich habe es ja begriffen. Du hast recht, … mit allem was du heute Morgen gesagt hast.“ Tom zog die Augenbrauen in die Höhe und nickte kurz, „Aha, und was heißt das genau?“ fragte er ungerührt nach, aber Anna konnte die Erleichterung, die seine Augen bereits erreicht hatte erkennen, so dass sie übertrieben flapsig antwortete. „Dass ich verstanden habe, dass du mich wahnsinnig liebst und dass ich es wohl in keiner Weise verantworten kann, dich leiden zu lassen.“ Dabei grinste sie Tom frech an. „Na, das ist doch mal eine Aussage“, antwortete er trocken. „Dann fang doch gleich mal an Verantwortung zu übernehmen und gib mir einen Kuss. Den brauche ich nämlich dringend, nach den furchtbaren letzten Stunden.“ Seine starre Mimik war einem liebevollem Lächeln gewichen und seine Augen erlangten ihren warmen Ausdruck zurück, als er zärtlich die Arme um sie legte. Annas Lächeln hingegen war verschwunden. Sie stricht ihm zärtlich über die Wange und sah ihm dann wieder tief in die Augen. „Du hattest völlig recht. Der größte Fehler, den ich begehen könnte, wäre es dir den Rücken zu kehren.“ Dann näherte sie sich Toms Gesicht und legte sanft ihre Lippen auf die seinen. Tom fühlte sich endlich erlöst von seinen Qualen, endlich, als könne er wieder frei atmen. Er zog sie ganz nah an sich heran und genoss ihre Wärme an seinem Körper und das sanfte Kribbeln, das in seinem Bauch aufzog. Nach einer gefühlten Ewigkeit löste er sich mit einem erleichterten Seufzen von ihr und sah sie einfach nur an, ehe er leise sagte, „Na dann hätten wir das ja endlich geklärt. Aber wie geht es jetzt weiter?“

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Do Nov 28 2013, 22:48

Nur noch einer,ich freu mich auch ganz leise jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa Very Happy Very Happy 

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Fr Nov 29 2013, 12:28

scheeeeeen freu mich schon wie es weiter geht mit den beiden sturköppen

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Nov 30 2013, 18:52

Hey ihr Lieben,
sorry, dass ich euch ausgerechnet jetzt hängen lasse. Aber, was soll ich sagen. Es weihnachtet sehr und es gibt so viel zu tun ...
Es geht die Tage weiter, versprochen. write 

LG, Katha

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Dez 01 2013, 00:07

Oh nein crying na ja ich warte ja,auch wenn es schwer fällt.Liebe Grüße und ein schönes Wochenende auch wenn es echt kalt ist.

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BeitragThema: "66"   So Dez 01 2013, 20:30

Juchuu, noch einen Teil zum Abschluss des Wochenendes. readcoffee Ich wünsche eine guten Wochenstart!
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Tom hatte recht, das eigentliche Problem war mit ihrer Versöhnung, wenn man es so nennen wollte, nicht gelöst. Anna sah sich um, ließ ihren Blick kurz zu den Arbeitsplätzen von sich und ihrer verhassten Kontrahentin gleiten, ehe sie Tom wieder ansah. Sie zuckte letztlich hilflos die Schultern. „Ich weiß es nicht, aber ich finde wir sollten das in Ruhe und in gemütlicherer Atmosphäre besprechen.“ Tom lächelte sie liebevoll an. „Ich finde, das hört sich nach einem guten Plan an. Sollen wir was kochen? Hast du Lust?“ Anna nickte zustimmend und gab ihm einen Kuss. „Gute Idee, aber …“ sie schaute skeptisch auf seinen Schreibtisch, „Willst du deinen Tisch so hinterlassen? Soll ich dir vielleicht beim Aufräumen oder was auch immer du da gerade machst helfen?“ Sie nahm eine Mappe in die Hand, legte einen Zettel darauf und griff dann nach den Fotos, die oben auf den chaotisch verteilten Unterlagen prangten. Sie warf einen flüchtigen Blick darauf und sofort setzte ihre Atmung für einen Moment aus. Carlas falsches Lächeln strahlte sie an. Spontan begann ihr Herz vor Wut zu rasen und nahm ihr jegliches Gefühl der Freude, was sie gerade noch verspürt hatte.
Tom hatte den Stimmungswechsel sofort erkannt und schaute sie beunruhigt an, denn das Funkeln in Annas Augen verhieß nichts Gutes. Anna stieß mit vor Zorn zitternder Stimme hervor. „Wir müssen einfach irgendwas unternehmen. Ich weiß nicht was ich tue, wenn sie demnächst wieder hier auftaucht. Wie lange hat sie noch Urlaub?“ Tom stieß geräuschvoll seinen Atem aus. Er konnet sich gut vorstellen, dass es für Anna, nach allem was passiert war, kaum zu ertragen sein würde, den ganzen Tag in unmittelbarer Nähe von Carla zu sitzen. Und auch er selbst spürte ein zorniges Grummeln in sich. „Noch eine Woche", beantwortete er Annas Frage und suchte nach den richtigen Worten, um sie zu beruhigen. Aber da hatte Anna ihre Aufmerksamkeit auch schon wieder dem Foto zugewendet und runzelte angestrengt die Stirn. Sie legte die Unterlagen beiseite und nahm auch die anderen Fotos zur Hand. Auf den Bildern war außer Carla auch David Darcy zu erkennen und ein anderer Gedanke, der ihr auch nicht sonderlich gefiel, lenkte sie von Carlas Person ab. „Sag mal, hast du deine eigene Freundin beschatten lassen, oder was sind das für Bilder?“, fragte sie völlig entrüstet. Sie sah Tom skeptisch an und dieser fand die Situation plötzlich mehr als unangenehm. „Nicht so ganz“, druckste er rum." Es gab damals so einige seltsame Situationen zwischen den Beiden und Darcy wurde mir immer suspekter. Und daher habe ich jemanden auf Darcy angesetzt. Na ja, und der hat dann Carla getroffen ...“ Anna musterte ihren Verlobten einen Augenblick und fragte pikiert. „Muss ich auch mit sowas rechnen, wenn dir mal irgendwas suspekt vorkommt?“ Tom schluckte und schaute sie dann beschämt von unten herauf an. „Mit dir ist das was ganz anderes … Ich glaube, so wirklich vertraut habe ich Carla nie“, versuchte er sich kleinmütig zu verteidigen. Anna schaubte missbilligend. „Das hast du aber gut versteckt.“ Tom hätte am liebsten protestiert, aber er kniff die Lippen zusammen und schluckte jeglichen Kommentar herunter, denn sie hatte ja recht. Obwohl er sehr wohl mitbekommen hatte, wie Carla Anna bei jeder Gelegenheit hatte auflaufen lassen, hatte er sich immer wieder eingeredet, dass sie beiden Designerinnen ihren Konkurrenzkampf alleine ausfechten müssten und es ihn nichts anginge. Dass Carla, als langjährige Mitarbeiterin in der Position der Chefdesignerin und zudem noch als seiner Freundin, dabei immer am längeren Hebel gesessen hatte, hatte er dabei einfach gekonnt ausgeblendet. Ein ungute Gefühl der Reue überflutete ihn, während er Anna beobachtete, wie sie sich neugierig die Fotos ansah. „Und, hatten sie was miteinander?“ fragte sie schließlich. Sie war immer noch ein wenig irritiert, auch wenn Carla es in ihren Augen nicht anders verdient hatte, als mit Misstrauen betrachtet zu werden. Tom grunzte, und antwortete ironisch: „Nach ihrer Aussage nicht, aber wer weiß das schon.“ Anna runzelte kurz die Stirn, als sie beim letzten Foto angekommen war. „Na immerhin hält sie Darcy hier ein Dessous entgegen … , und außerdem passen die beiden wie Arsch auf Eimer, wenn ich das mal so direkt sagen darf. Beide grundböse und sich für nichts zu Schade, wenn es darum geht andere Menschen in den Abgrund zu stoßen.“
Tom lehnte seinen Kopf an die Rückenlehne seines Stuhls und ließ sich für einen Moment in jene Zeit zurück versetzen. Und neben seiner Wut auf Carla, tauchte auch sein schlechtes Gewissen wieder auf, nicht ganz unschuldig daran zu sein, dass sie Anna in so massiver Weise bekämpft hatte. Er hatte diese Frau viel zu lange in dem Glauben gelassen, dass sich ihre Träume an seiner Seite erfüllen würden und war ihr dabei auch mit zu viel Wohlwollen begegnet. Aber er wusste genau, warum er es getan hatte. Er hatte sie gebraucht. Sie war sein Schutzschild gewesen, das er verbissen in die Höhe gehalten hatte, um sich vor Annas Angriffen zu schützen, die stetig auf seinen sicheren Panzer der Gefühllosigkeit eingedroschen hatte. Dafür war Carla halt wie geschaffen gewesen. Er öffnete seine Augen wieder und versuchte die Dämonen der Vergangenheit zu vertreiben, als er bemerkte, dass scheinbar nicht nur er gedanklich abgedriftet war.
Anna hatte immer noch dieses Foto in der Hand und schaute traurig vor sich hin, wohl eher durch das Foto hindurch als darauf. Tom drückte mit der Hand, die auf ihrem Bein lag, sanft zu. „Hey, was ist los?“, fragte er liebevoll nach. Anna brauchte einen Moment, um wieder in der Realität anzukommen, dann sah sie ihn mit einem traurigen Lächeln an und schüttelt kurz abwehrend den Kopf. Sie legte das Foto zurück auf den Tisch und blieb mit ihrem Blick an ihrem Schreibtisch hängen. „Ich habe auch mal so ein Dessous kreiert. Es sah fast genauso aus.“ Tom war überrascht, bei Lanford hatte er sowas noch nicht gesehen. „Echt?“ fragte er deshalb interessiert nach. Anna schmunzelte einen Moment, als ihr Blick auf seinen traf. Offenbar konnte sie sich bildlich ausmalen, welches Interesse er daran hegte. Dann wurde sie wieder ernst. „Es gehörte zur Zauberhaft-Kollektion“, sagte sie leise. Tom drückte erneut tröstend ihr Bein, und sie legte ihre Hand auf seine und hielt sich daran fest. „Weißt du das ich schon öfter überlegt habe, ob das Designen wirklich das Richtige für mich ist. Irgendwie steht meine Arbeit unter keinem guten Stern“, sagte sie nachdenklich. Toms Brauen zogen sich skeptisch zusammen. „Was redest du denn da? Wie kommst du auf sowas? Bruno liebt deine Ideen und deinen Stil, und das soll nun wirklich was heißen. Und außerdem hast du doch schon richtige Erfolge gefeiert.“ Anna warf ihm einen kurzen höhnischen Seitenblick zu. „Erfolge?", konterte sie ironisch, und begann ihre Sicht der Erfolge aufzuzählen. „Meine erste Kollektion von Zauberhaft … Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich mich darauf gefreut habe, sie zu präsentieren. Ich war so stolz und aufgeregt, … und dann war alles anders. Die Klamotten weg, Jonas ..., na ja  und nun verstaubt die Kopie meiner Kollektion hier im Stofflager.“ Ihre Stimme war traurig und deprimiert und Tom zog es das Herz zusammen. Unter diesen dramatischen Bedingungen hatte er Anna kennen gelernt und bis heute hatte es einen bitteren Beigeschmack, dass Lanford damals so vehement gegen Zauberhaft geschossen hatte und letztlich auch noch die Eröffnungsshow gelaufen war, die das Konkurrenzlabel aufgrund der Geschehnisse hatte absagen müssen.
„Meine zweite Kollektion …“, fuhr Anna ernüchtert fort. „Wieder war ich schrecklich aufgeregt. Meine erste eigene Kollektion für Lanford, die mir zudem noch so viel bedeutete. Ich war aufgeregt und optimistisch, dass die Kollektion ein Erfolg würde." Sie lachte bitter auf. "Aber nein. Wieder jagte ein Desaster das andere. Die Kleider produziert in billigster Qualität. Eine Demütigung nach der anderen, natürlich vor versammelter Mannschaft und letztlich der Rausschmiss … Und das alles, obwohl ich bis heute davon überzeugt bin, damals keinen Fehler gemacht zu haben. Und, ich Lanford auch nicht betrogen habe ... Wenn Paule nicht gewesen wäre, würde ich heute vermutlich als Toilettenfrau am Bahnhof sitzen, anstatt auf deinem Schoß.“ Heftig kamen diese Worte über ihre Lippen, ehe sie energisch den Zorn zurück drängte, der bei diesem Thema sofort aufbegehrte. Tom drückte sanft ihre Hand. „Ich weiß, und es tut mir immer noch leid“, sagte Tom entschuldigend. „Aber dann war es doch noch ein riesiger Erfolg“, wagte er vorsichtig einzuwerfen, und Anna sah ihm einen Moment in seine Augen, die ihr ein lautes Entschuldigung entgegen riefen. Anna nickte halbherzig, und richtete ihre Augen wieder aus dem Fenster. „Nur dass ich es dann nicht mehr wirklich genießen konnte. Außerdem war es wohl eher Schadensbegrenzung, als ein Erfolg. Schließlich habt ihr reichlich Geld zugeschossen ... Und nun die dritte Kollektion …“ Da schaltete sich Tom sofort ein. „Die unsere Kunden bei der Show auf den Fashion Days absolut überzeugt hat.“ „Hmm, die aber gleichsam, wie auch die vorherigen, begleitet war, von jeder Menge Beinahe-Katastrophen“, pflichtete Anna bei. Sie spürte, wie ihre Sitzgelegenheit in Form von Toms Beinen unter ihr ins Wanken geriet, und klammerte sich an der Armlehne fest. „Hey, willst du mich runterschmeißen?“, protestierte sie, aber Tom, der sich zu seinem Sideboard hingereckt hatte, lächelte sie nur wissend an. Dann hielt er ihr eine Kladde mit einem Stapel Zettel unter die Nase. „Weißt du was das ist?“ fragte er fast euphorisch. Anna sah ihn irritiert an und fragte skeptisch. „Ne, was denn?“ „Die Show war vor gerade mal zwei Tagen, und es ist Wochenende, und trotzdem sind das hier alles Bestellungen für deine Zauberhaft-Kollektion.“ Er grinste begeistert und freute sich, als Anna erstaunt die Augen aufriss. „Also, ich will nicht voreilig erscheinen, aber das sieht seeehr vielversprechend aus. Wir müssen morgen dringend überlegen in welcher Stückzahl wir produzieren lassen.“ Anna war von dieser Nachricht tatsächlich geflasht und vor allem endlich abgelenkt von ihren trüben Gedanken. „Wow. Das ist doch endlich mal eine gute Nachricht“, freute sie sich. „Siehste“, stimmte Tom zu. Er schmiss die Mappe auf den Tisch und zog sie in seine Arme. „Ich bin überzeugt, dass du noch viele erfolgreiche Kollektionen kreieren wirst.“ Seine Augen leuchteten still, strahlten tiefes Vertrauen und Liebe aus, die Anna dieses unbeschreibliche Glücksgefühl vermittelte, das sie nur in Toms Nähe kannte. Sie lächelte ihn ebenfalls voller Liebe an und küsste ihn zärtlich. Tom brummte genießerisch und verlor sich für einen Moment in seinen wunderbaren Gefühlen, ehe er sich wieder auf das Hier und Jetzt konzentrierte. „Und was deine erste Zauberhaft-Kollektion angeht, werde ich mal mit Bruno reden. Vielleicht kannst du die Entwürfe ja noch mal rauskramen und wir verwenden sie für die nächste Kollektion.“ Anna strahlte ihn an. „Meinst du? Ich würde mich echt freuen, wenn meine ersten Ideen doch noch unters Volk kommen würden.“ Dann schoben sich ihre Augenbrauen in die Höhe. „Allerdings musst du die Entwürfe rauskramen, die liegen nämlich irgendwo hier bei Lanford. Du erinnerst dich? Ein Jahr … alle Rechte bei Lanford.“ Tom nickte einen Moment. Dann zog er sie erneut zu sich und raunte an ihren Lippen. „Stimmt, da war was, und das Jahr ist noch nicht um. Also komm ja nicht auf dumme Gedanken. Ich werde dich nämlich nicht gehen lassen.“ Annas Augenbraue zuckte belustigt in die Höhe. „So so. Hast du Angst, oder warum drohst du mir? Es sind nur noch wenige Wochen bis das Jahr vorbeit ist … “ Tom knurrte unwillig und gab dann zu. „Wenn ich ehrlich bin, hatte ich noch vor einer Stunde große Angst.“ Seine graublauen Augen bohrten sich in das Grün, das ihn aus Annas großen Augen anstrahlte. „Anna, ich liebe Dich! Ich könnte es nicht ertragen, wenn ich dich verlieren würde.“
Anna erschauderte einen Moment bei seinen Worten. Sie wusste, dass er sie ernst meinte und zudem erinnerte sie sich daran, dass Tom schon einmal so etwas ausgesprochen hatte. Damals, als er wie ein Verrückter auf das Hochhausdach gerannt war, auf dem sie gemeinsam mit Paloma und Enrique das Probe-Shooting für Haokan gestartet hatten. Damals hatte er ihr eine Nachricht auf die Mailbox gesprochen, weil er geglaubt hatte, dass sie sich vom Dach stürzen wolle und er hatte ganz ähnliche Worte gebraucht. „Ich könnte es nicht ertragen, nochmal jemanden zu verlieren, der mir so wichtig ist.“ Was hatte sie sich damals gefreut, als sie die Nachricht später abgehört hatte. Da hatte sie wohl das erste Mal erkannt, dass sie ihm etwas bedeutete. Viel mehr als nur eine seiner vielen Angestellten zu sein. Na ja, die Freude hatte nicht lange angehalten, denn einen Tag später hatte er sie rausgeschmissen, weil sie Lanford angeblich betrogen hatte, aber dieser Moment ...
„Das hast du mir schon einmal gesagt, weißt du noch?“, fragte Anna mit leuchtenden Augen nach und Tom nickte mit entschuldigendem Lächeln. „Ja, und ich habe es damals schon absolut ernst gemeint.“ Auch er erinnerte sich nur zu gut an diesen Moment. Er hatte solche Angst um sie gehabt, und um sich selbst. In Gedanken hatte er sich schon fast entschlossen hinterher zu springen, wenn er das zweite Mal in seinem Leben zu spät kommen würde. Und letztlich hatte ihn diese Situation so aufgewühlt, dass er sich tatsächlich für einen kurzen Moment seinen Gefühlen gestellt hatte, die er sich doch eigentlich nicht eingestehen wollte.
In diesem Moment knurrte Toms Magen laut auf und Annas fiel sogleich mit ein. Anna und Tom richteten ihre Blicke in ihre Bauchgegend und prusteten gemeinsam los. „Na die sind sich aber mal einig“, sagte Anna amüsiert, und bemerkte wie sie gerade einen richtigen Heißhunger entwickelte. Hm, jetzt was richtig Deftiges. Vielleicht Nudeln, dick mit Käse überbacken – und danach ein dickes fettes Eis. Anna grinste verstohlen in sich hinein, als sie ihre Gelüste analysierte, und dachte nur, Na ja, wenigstens nicht saure Gurken mit Nutella.
„Genug Vergangenheitsbewältigung, findest du nicht auch?“, fragte Tom vorsichtig nach und er war froh als Anna zustimmend nickte. Sie drückte ihm noch einen kurzen Kuss auf, ehe sie von seinem Schoß sprang. „Was hältst du von Lasagne und Salat?“ Toms Magen knurrte erneut und er zeigte auf seinen Bauch. Ich glaube, mein Magen hat zugestimmt. „Dann gehe ich jetzt einkaufen und wir sehen uns später bei dir. Ok?“ Anna wartete noch kurz Toms Zustimmung ab, und machte sie sich dann frohgelaunt von dannen.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Dez 01 2013, 21:04

einfach nur scheeen aber mein bauchgefühl sagt mir das da noch irgendwas gruseliges dazwischen kommt bevor tom erfährt das er papa wird . . .

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mo Dez 02 2013, 19:56

Ja Silentvoice, so ein Gespräch kann schon was wirklich befreiendes haben, nicht wahr ...
Und nun wirds spannend. Da sind ja noch so einige Themen nicht wirklich geklärt. Mal sehen, was die beiden tun und ob sie es dieses mal zusammen angehen ...

LG, Katha

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mo Dez 02 2013, 23:23

Oh ja liebe Katha,bitte bitte laß es schnell weiter gehen.Ich bin schon so gespannt ichdrehgleichdurch Lg.Carla

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BeitragThema: "67"   Di Dez 03 2013, 22:34

So, ihr Lieben,
ich wage es, obwohl mir selbst ein wenig seltsam dabei ist, jetzt wirklich weiterzuschreiben. Ich glaube, wir hatten jetzt ca. ein Jahr Auszeit. Aber gut, wird wohl klappen. Rolling Eyes
Ich wünsche viel Spaß!
Ach so, noch eins. Jetzt wird es natürlich nicht mehr so schnell weitergehen, wie bei den letzten Teilen. Gelle!Embarassed 
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Tom blieb noch einen Moment sitzen und sah Anna hinterher. Er versuchte einen klaren Kopf zu bekommen und seine Gefühle zu analysieren. Einerseits waren sie gerade zu einem kleinen Höhenflug gestartet, da sich seine Befürchtung Anna zu verlieren Gott sei Dank nicht bewahrheitet hatte, aber irgendetwas störte sein Glücksgefühl und er konnte so spontan nicht ausmachen was es war. Nachdem Anna mit einem letzten Lächeln in den Aufzug gestiegen war, wanderten Toms Augen durch den Raum und suchten nach einem Anzeichen was ihn so bremste in seinem Glück und als er erneut die Fotos sah, über die er sich eben mit Anna unterhalten hatte, schossen ihm ihre Worte noch einmal durch den Kopf. „So ein Dessous habe ich auch mal entworfen … Für meine Zauberhaft-Kollektion.“ Er nahm das Bild in die Hand, auf dem Carla diese lila Korsage in die Höhe hielt und sah es sich noch einmal genau an. Er konnte sich seltsamerweise überhaupt nicht daran erinnern, dieses Kleidungsstück bei der Zauberhaft-Kollektion, die im Stoff-Lager stand, gesehen zu haben. Er wusste nicht genau warum, aber irgendwas war seltsam. Er stand auf und begab sich ins Lager. Die Kisten mit Annas Kollektion waren wieder in die hinterste Ecke des Raumes verbannt worden, nachdem sie von ihrem Ausflug zu den Fashion Days wieder zurück in die Firma gebracht worden waren. Er arbeitete sich also bis dorthin vor und öffnete eine Kiste nach der anderen. Er besah sich jedes einzelne Kleidungsstück, aber eine solche Korsage war nicht zu finden. Seltsam, ging es ihm durch den Kopf. Wenn jemand die komplette Kollektion hatte neu erstellen lassen, warum hatte derjenige dann ein einzelnes Teil raus gelassen ... Verwundert strich sich Tom übers Kinn, als er an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte. Er lehnte sich gedankenverloren an den Türrahmen, während sein Blick  erneut auf das Chaos auf seinem Tisch fiel und überlegte schließlich wo die Haokan-Unterlagen hingekommen waren. Vage erinnerte er sich, dass er sie, nachdem dieses Drama um Annas angeblichen Betrug und ihren Rausschmiss seinen Lauf genommen hatte, genervt in einen Hefter gesteckt und sie in die Tiefen seines Sideboards verbannt hatte. Er hatte mit dieser Geschichte abschließen wollen, da es ihn so sehr verletzte, dass Anna sein Vertrauen offenbar missbraucht hatte, nur um weiterhin an Jonas und ihrem gemeinsamen Label festzuhalten.
Aber dann müssten sie eigentlich mit auf dem Tisch liegen
, überlegte er, denn genau den Inhalt seines Sideboards hatte er in seinem Aufräumwahn auf seinem Tisch ausgebreitet. Also stieß er sich entschlossen vom Türrahmen ab und kramte einen Hefter nach dem anderen hervor und sah hinein. Er wurde immer ungeduldiger und seine Unruhe wuchs, obwohl er den Grund dafür immer noch nicht so richtig fassen konnte. Als er die Hoffnung fast aufgegeben und gefrustet zu dem Schluss gekommen war, dass er den Vorgang wohl doch zurück in die Buchhaltung gegeben hatte, fand er ihn schließlich doch noch. Er ließ sich auf seinen Chefsessel fallen und öffnete die Mappe hektisch. Oben auf lag die Rechnung der Näherei, die die Anfertigung der Musterkollektion von Zauberhaft belegte. Er nahm sie in die Hand und überflog schnell die Fotos der Musterstücke. Für einen Moment blieb er an dem gelben Kleid hängen, das er Anna zu ihrer Zauberhaft-Show auf den Fashion-Days mitgebracht hatte. Sie hat darin wirklich zauberhaft ausgesehen, dachte er entzückt, ehe sich die Katastrophe dieses Tages wieder in seine Erinnerung drängte und ihn damit zurück zu seinem eigentlichen Thema brachte. Die Musterkollektion. Also schaute er sich die weiteren Bilder der Auflistung an. Da, tatsächlich, eine lila Korsage, dachte er, als das Dessous erblickt, das dem Stück auf dem Foto tatsächlich extrem ähnlich sah. Tom schüttelte nachdenklich den Kopf. Irgendetwas stank hier gewaltig. Da war er sich mittlerweile völlig sicher.
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Anna hievte gerade mit einem kleinen Seufzer die voll beladenen Einkaufstüten auf die Anrichte in Toms Küche, als das Ding Dong ihres Handys eine Nachricht ankündigte. Sie kramte es schnell aus den Tiefen ihrer Handtasche hervor und warf einen Blick darauf. „Von Tom“, murmelte sie mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen und öffnete die SMS.

„Hallo mein Schatz, ich hoffe, du hast noch nicht begonnen zu kochen. Es wird bei mir noch etwas dauern, aber dafür bringe ich Essen mit. Ruh dich doch einfach noch was aus. Du bist sicherlich müde, nachdem du so wenig geschlafen hast. Ich muss noch was erledigen, werde aber gegen sieben da sein. Ich liebe dich! Tom“

„Na super, dafür schlepp´ ich mich hier ab“, murmelte Anna ein wenig enttäuscht vor sich hin. Aber bei genauerer Betrachtung ihrer körperlichen Verfassung musste sie zugeben, dass Tom mit seiner Vermutung nicht ganz unrecht hatte. Sie war tatsächlich hundemüde und der Gedanke sich hinzulegen war mehr als verführerisch. Also räumte sie die gekauften Lebensmittel in den Kühlschrank und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Sie war schon fast um die Ecke verschwunden, als ihr das kleine Päckchen ins Auge fiel, das ihr Tom morgens vermutlich am liebsten vor die Füße gepfeffert hätte. Sie stoppte und setzte sich, ihren Blick feste auf auf ihren kleinen Schatz gerichtet, aufs Sofa. Sie hypnotisierte die kleine Schatulle, als hoffe sie, dass sie sich dann wie von selbst öffnen würde, denn jetzt, nachdem sie für sich selbst geklärt hatte, dass ihre Zukunft nur gemeinsam mit Tom Sinn machte und sie entsprechend auch wieder mit leiser Vorfreude an eine Hochzeit dachte, war sie plötzlich irre neugierig, was sich Tom für sie ausgedacht hatte. Sie wibbelte ein wenig vor sich hin, nahm das Päckchen in die Hand und drehte es voller Unruhe von links nach rechts und wieder zurück. Nach einigem hin und her war sie schon fast versucht es zu öffnen, als sie sich innerlich auf die Finger haute und sich selbst einen heftigen Tadel angedeihen ließ. Sie sprang auf und verstaute das Geschenk schnell wieder in dem Schränkchen, aus dem Tom es heraus geholt hatte. Du bist selbst Schuld. Hättest du dich nicht so dämlich angestellt, hätte er dich einfach irgendwann damit überrascht. Jetzt musst du halt geduldig sein, rüffelte sie sich noch einmal und begab sich entschieden ins Schlafzimmer. Keine zehn Minuten später war sie mit einem Lächeln auf den Lippen und den Gedanken bei Tom, tief und fest eingeschlafen.

Erst zwei Stunden später wachte sie wieder auf und blinzelte vorsichtig in die Wohnung. Aber kein helles Licht stieß auf ihre Augen, es war einfach schon zu spät. Sie fühlte sie sich erstaunlicherweise wie neu geboren und reckte und streckte sich genießerisch. Sie freute sich auf den gemütlichen Abend in Zweisamkeit. Ein Abend mit meinem Verlobten. Wie sich das anhört …  Eigentlich habe ich das Ganze immer noch nicht so richtig begriffen. Tom will mich. Er will sein Leben mit mir teilen. In guten, wie in schlechten Tagen an meiner Seite stehen. Ein wohliger Schauer durchfuhr sie und eine gewisse Aufregung erfasste sie, die sie wohl sofort an den Rechner getrieben hätte um sich erste Inspirationen für die Hochzeitsplanung zu suchen, wenn es da nicht noch diesen unschönen Umstand gäbe, dass Carla immer noch in ihrem Dunstkreis weilte. Aber so, erfuhr ihre Aufregung sofort wieder einen Dämpfer. Wollen wir mal hoffen, dass noch viele gute Tage kommen, schlechte hatte wir wahrlich schon genug, ging es ihr deprimiert durch den Kopf. Aber vielleicht war es auch eine Art Prüfung, versuchte sie der Situation etwas gutes abzugewinnen. Dann fiel ihr Blick auf die Uhr. Oh Gott, Tom kommt gleich ... Auch wenn sie sich in seiner Wohnung schon fast Zuhause fühlte, wollte sie ihn nun doch nicht in Jogginghose und T-Shirt empfangen. Nicht heute. Dafür war einfach zu viel passiert und sie fühlte sich eher, als hätten sie ein hoch offizielles Date.
Schnell sprang sie unter die Dusche und machte sich ein wenig zurecht. Sie hätte sich gerne etwas Schickes angezogen, aber außer ihrem Kleid vom Vorabend, hatte sie nur Jeans und T-Shirt in seiner Wohnung. Na ja, dann halt doch legere.Anna war gerade fertig angezogen, als es auch schon klingelte. Nervös sprang sie in Richtung Wohnzimmer, als sie plötzlich wie erstarrt stehen blieb und ihr Herz wild zu schlagen begann. Tom wird wohl kaum klingeln, wenn er nach Hause kommt. Wer ist das?, fragte sie sich ängstlich. Dann nahm sie allen Mut zusammen. „Wer ist da?“, rief sie unsicher und versuchte das Zittern zurück zu drängen, was sie spontan überfiel. „Ich bin´s. Carsten.“ Anna erkannte seine Stimme, aber sie war sich nicht sicher, ob es ihr mit der Erkenntnis wer da vor der Tür stand besser ging? Sie trat zögerlich auf die Tür zu und fragte, „Was wollen sie?“, aber in diesem Moment hörte sie eine weitere Stimme von der anderen Seite der Tür und stieß erleichtert die Luft aus. „Anna, mach mal bitte die Tür auf. Ich habe die Hände voll“, bat Toms weiche Stimme und Anna öffnete vorsichtig die Tür. Erst nur einen Spalt, aber sofort strahlte sie Tom voller Erleichterung an, auch wenn sie nicht verstand, was Carsten bei ihnen wollte und was Tom da alles heranschaffte. Tom trug auf seiner linken Hand einen Stapel Pizzakartons und in der rechten eine große Tüte. Er balancierte seine Fracht herein und legte sie mit einem erleichterten Seufzen auf seinem Esstisch ab. Anna starrte irritiert darauf, ehe sie Tom fragend ansah. „Was hast du vor? Willst du ganz Berlin verköstigen?“ Tom lächelte verschmitzt. „Ne, aber einige hungrige Mäuler sind´s wohl, die satt werden wollen. Er näherte sich ihr und küsste sie zärtlich, während er sich auch schon die Jacke auszog. Anna verstand gerade gar nichts mehr, aber das war ja nichts Neues. Sie sah von Tom zu Carsten, der neben der Tür stehen geblieben war und als sie gerade die Wohnungstür schließen wollte, hörte sie wie zwei weitere Personen die Treppe herauf kamen. „Enrique, Paloma?“, rief Anna verwundert, als sie sah, wer da ankam und ließ ihre Freunde herein, bevor sie dann doch schnell die Tür schloss. Das waren eindeutig genug Besucher für ihren Geschmack. Anna sah von einem zum anderen und sagte schließlich mit drohendem Unterton. „Was ist hier los?“ Die Neuankömmlinge zuckten mit den Schultern und schüttelten ahnungslos die Köpfe, offensichtlich wussten sie auch nicht viel mehr als Anna, was sie jetzt auch nicht wirklich beruhigen konnte. Also nahm sie Tom ins Visier, der gerade auf die zukam. Er nahm sie in den Arm und strich ihr zärtlich über die Wange. „Einen Augenblick noch, dann werde ich dir alles erklären.“ Er küsste Anna erneut und seine Nähe und seine Ruhe schienen sich sogleich auf sie zu übertragen. „Na gut, dann lass ich mich mal überraschen.“ Und prompt klingelte es erneut.

Zehn Minuten später saß die kleine Runde an Toms Esstisch und machte sich wild durcheinander plappernd über die Pizzen her, wie die Aasgeier über ein erbeutetes Stück Frischfleisch.
„Brüderchen, jetzt klär uns doch endlich mal auf, was los ist und warum wir eigentlich hier sind.“, forderte Paule, die die Runde komplettiert hatte, mit noch vollem Mund. Und Tom, der seinen größten Hunger bereits gestillt hatte, stand nach einem tiefen Atemzug auf und nahm die Papprolle vom Couchtisch, die er neben dem Futter für die Aasgeier auch noch mit in seine Wohnung geschleppt hatte.  
Seine Freunde, griffen noch schnell nach den letzten noch übrig gebliebenen Pizzastücken, ehe sie sich erwartungsvoll zu Tom umdrehten, der gerade im Begriff war, die Rolle zu öffnen. Aber dann stockte er und ließ seinen Blick prüfend über die anwesenden Personen gleiten, bis er an Carstens Gesicht hängen blieb. „Boh, jetzt mach es nicht so spannend“, sagte Anna ein wenig angenervt, denn sie war immer noch nicht so richtig angetan davon, dass der Abend so ganz anders ausfiel, als sie ihn sich ausgemalt hatte. Sie hatte die Situation bisher schweigsam hingenommen und mit Heißhunger begonnen zu essen. Aber schnell war sie wieder daran erinnert worden, dass das mit der Nahrungsaufnahme gerade alles andere als einfach war, so dass auch ihre körperliche Verfassung bereits wieder durch ein deutliches Unwohlsein begleitet wurde. Also hatte sie die Gelegenheit, sich vom Tisch abzuwenden, erleichtert ergriffen und wollte jetzt endlich verstehen, was hier vor sich ging. Tom warf seiner Verlobten einen kurzen entschuldigenden Blick zu. „Einen Augenblick noch. Vorher muss ich noch was klären.“
Dann wendete er sich wieder Carsten zu. „Carsten, wir wissen, was sie Anna in den letzten Tagen angetan haben und wir wissen auch warum. Aber bevor ich weiterrede, müssen wir was klären.“ Er schwieg einen Moment und gab seiner kommenden Frage damit die nötige Gewichtung. „Auf welcher Seite stehen sie jetzt?" Tom sah ihn prüfend an. "Ich habe ihnen gesagt, was ich erwarte.“ Seine Stimme hatte einen schneidenden Klang angenommen. „Ich habe ihnen geholfen, unter der Voraussetzung, dass sie sich auf keine weitere Zusammenarbeit mit Carla mehr einlassen. Und dazu stehe ich … Aber, die entscheidende Frage ist, geht ihre Loyalität zu Lanford, und vor allem zu Anna und mir darüber hinaus?“ Carsten war erblasst unter dem strengen Blick seines Chefs. Was wollte er von ihm? „W ... was genau meinen sie?“, fragte er stotternd. Tom zog die Augenbrauen in die Höhe und musterte ihn erneut. „Na gut, dann werde ich mal konkret. Wollen sie sich lediglich raushalten, oder helfen sie uns, wenn wir versuchen Carla zu überführen?“ Jetzt war es raus und auch die anderen bekamen eine Ahnung davon, worum es bei diesem so spontan einberufenen Treffen ging.
Plötzlich herrschte absolute Stille. „Sie wissen, dass wir die Sache nicht auf sich beruhen lassen können. Carla wird nicht aufhören Anna zu bekämpfen. Sie wird Mittel und Wege finden ihren Krieg weiter zu führen. Also bleibt uns nicht anderes, als sie zu stoppen.“ Carsten riss erstaunt die Augen auf und blickte von einem zum andern. Auch die Gesichter der anderen waren völlig überrascht. Vor allem Anna starrte Tom mit offenem Mund an. Sie spürte, wie ein wärmendes Gefühl durch ihren Körper zog und ihr ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Er meinte es wirklich ernst. Er wollte eine Lösung finden. Für sie, für sich.  Sie stand auf und trat an Tom heran, der immer noch gebannt den Praktikanten, bzw. seinen neuen Angestellten fixierte. Anna legte den Arm um seine Hüfte und sorgte damit dafür, dass sich der Moment ein wenig entspannte. Tom wendete nämlich aufgeschreckt seinen Blick von Carsten ab und schaute sogleich in die liebevollen Augen seiner Verlobten. Es dauerte eine kleine Schrecksekunde, bis sich auch auf seinem Gesicht ein Lächeln einstellte. „Was hast du vor?“, flüsterte Anna ihm zu, erntete daraufhin aber nur ein kleines Kopfschütteln. Offensichtlich war Tom fest entschlossen seine Neuigkeiten allen Beteiligten gemeinsam zu offenbaren. Aber er gab ihr einen kurzen Kuss und lockerte die Situation selbst ein wenig auf, indem er in die Runde fragte, ob noch jemand etwas zu trinken haben wolle. „Gerne, hast du was Starkes für mich?“, fragte Paule, die so langsam begriff, wie ernst die Lage wohl war. Sie hatte lange keine ausführlichen Gespräche mehr mit ihrem Bruder und ihrer Freundin geführt, so dass sie wohl am wenigsten von den sich überschlagenden Ereignissen der letzten Tage mitbekommen hatte. Tom grinste zur Antwort und begab sich in die Küche. Dort griff er in den Kühlschrank und holte eine Flasche Klaren heraus. Er selbst konnte auch was gebrauchen, denn er wusste selbst nicht so genau, wohin der Abend führen würde. Er hielt die Flasche in die Höhe. „So was?“ Paule nickte und Enrique sagte schnell, „Ich will auch einen.“
Carsten hätte auch gerne einen getrunken, traute sich aber nicht den Mund aufzumachen. Er fühlte sich reichlich unwohl in seiner Haut. Da stand er also auf dem Prüfstand und musste sich für einen Weg entscheiden. Eigentlich war es ja nicht schwer. Wie konnte er sich raushalten wollen, wo er doch so involviert war, wie kein anderer an diesem Tisch. Anna natürlich ausgenommen. Aber was käme da auf ihn zu, wenn er mitmachte? Carlas Angebot hatte sich anfangs auch ganz o.k. angehört … Aber im Gegensatz zu Tom, der ihm die Wahl ließ, im Gegenteil, ihm ohne Bedingungen geholfen hatte, hatte sie ihm eigentlich keine Wahl gelassen und ihn unter Druck gesetzt. Tom und vor allem Anna hingegen, waren bisher hochanständig mit ihm umgegangen, obwohl sie ja allen Grund gehabt hätten, ihn in sein Elend laufen zu lassen … Schließlich hatte er viel Leid über sie gebracht.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mi Dez 04 2013, 14:25

wow das klingt als würde es bald mächtig spannend werden . . . ich hoffe deine kinder und dein mann übernehmen mal die nächsten tage die haushaltsführung damit du zeit zum schreiben findest ;-)

aber momentmal . . . tommilein weiss ja noch nix von seinen kommenden vaterfreuden ;-)

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mi Dez 04 2013, 20:46

Ach das ist so toll das es jetzt weiter geht,ich bin so gespannt was Tom vor hat Rolling Eyes .Die sollen dieses
Miststück zur Strecke bringen.Und ich möchte natürlich auch wissen wie Tom reagiert wenn er hört das er Papa wird.Danke liebe Katha für diesen tollen Teil,und ich warte natürlich ganz doll auf den nächsten Wink  Lg.Carla

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Do Dez 05 2013, 00:04

Und nun???? Jetzt hab ich die ganzen letzten Teile gelesen und hocherfreut festgestellt, dass sich da ein ganz neuer Teil darunter befindet und dann hörst du an so einer spannenden Stelle auf? *grmpf* Aber gut, es sei dir verziehen, wenn du bald für Nachschub sorgst. Meine Neugier ist entfacht, sei dir dessen sicher. Und die Qual geht weiter - die Qual des Wartens ...

Freu mich auf mehr.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Fr Dez 06 2013, 21:43

Danke euch Dreien!
Ich versuche jetzt den nächsten Teil Post-fähig zu machen, aber ich bin nicht sicher, ob mein Kopf noch mitmacht.
Hatte ich schon mal erwähnt, dass ich die Vorweihnachtszeit einfach immer total anstrengend finde ... Rolling Eyes 
Aber ist ja auch schön ... santa 
Ach ja, Schönes Nikolausi Smile

So, genug Quatsch erzählt, I do my best !

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BeitragThema: "68"   Fr Dez 06 2013, 23:58

O.k., da ist er - der nächste Teil.
Ich wünsche mal wieder ein schönes Wochenende! Smile  Der Sturm ist vorübergezogen, der 2. Advent steht an. santa  Genießt die Zeit! - Kommt von der Richtigen, ich weiß ... Wink 
*********************************


Tom kam mit einem kleinen Tablett, auf dem einige gefüllten Schnapsgläschen standen, wieder an den Tisch. Er stellte seine Fracht ab und musterte Carsten erneut, der sehnsüchtig auf die Gläser starrte. „Also? Wenn sie nicht mit Überzeugung dabei sind, dann gehen sie. Jetzt. Da ist der Ausgang.“ Er wies unmissverständlich zur Wohnungstür. Seine Mimik war völlig ernst und zeigte eine Entschlossenheit, die keine Diskussion erlaubte, soviel war klar. Carsten erschauderte innerlich. Mittlerweile hatte er so viele Seiten seines Junior-Chefs kennengelernt, dass er auch den letzten Zweifel beiseite geschoben hatte, das Tom tatsächlich der unnachgiebige Geschäftsmann war, von dem die Medien berichteten, wenn sie seinen Namen erwähnten. Mach endlich den Mund auf, trat er sich selbst in den Hintern. Das hier sind die Menschen, die deine Zukunft bestimmen, denn er musste ja zumindest das nächste Jahr mit ihnen klar kommen. Insgeheim hegte er wohl auch den Wunsch, dass sich daraus mehr als nur ein Kollegen-Verhältnis entwickeln würde, obwohl ja schon das alleine eine absolute Steigerung seiner Verhältnisse versprach. Außerdem hatte er ja wirklich was gut zu machen.
Er schüttelte also energisch den Kopf. „Nein, ich will nicht gehen. Ich werde sie unterstützen so gut ich kann.“ Er senkte den Kopf beschämt und fügte leise hinzu, „Vielleicht kann ich ja ein bisschen was wieder gut machen.“ Vorsichtig schaute er von unten herauf zu Tom und Anna und stieß erleichtert die Luft aus. Die beiden bedachten ihn nämlich mit einem Blick, der ihm deutlich zu verstehen gab, dass sie seine Entscheidung durchaus positiv bewerteten.
Paule durchbrach den erneuten spannungsgeladenen Moment. Sie griff zu einem der Gläser und sagte, „So, darauf trinke ich jetzt erst mal einen und dann will ich mal aufgeklärt werden, was hier eigentlich los ist. Mir scheint, ich bin nicht ganz auf dem Laufenden.“ Damit hob auffordernd ihr Glas und schaute in die Runde. Enrique, Tom und Carsten griffen auch zu und nur einen Moment später, verzogen sie gemeinschaftlich ihre Gesichter, als die starke Flüssigkeit sich ihren Weg durch die jeweilige Speiseröhre suchte. Anna wechselte einen Blick mit Paloma, die zu ihr kam und ihr einen Arm um die Schulter legte. Vermutlich hatte sie gemerkt, dass Anna am liebsten auch etwas getrunken hätte. Aber mittlerweile hatte sich das Vorhandensein ihres kleinen, unauffälligen Mitbewohners doch so gut eingeprägt, dass sie nicht wirklich in Versuchung kam.

Tom stellte das Glas zurück, schaute erneut von einem zum anderen und griff wieder zu der Papprolle, die er vorübergehend abgelegt hatte. Er holte tief Luft und stieß sie angespannt wieder aus. „O.k., ihr habt auf jedenfall schon mal mitbekommen worum es geht, und um es kurz zu machen; Ich möchte euch um eure Hilfe bitten.“ Er nahm Anna ins Visier und schaute ihr tief in die Augen. „Die letzten Tage waren für Anna, aber auch für mich, eine große Katastrophe. Und heute ist mir was klar geworden." Er stockte einen Moment und sagte dann leise. "Vor lauter Hilflosigkeit hätte ich heute fast das Wichtigste verloren, was ich besitze.“ Anna schenkte ihm ein gequältes Lächeln. Sie war es gewesen, die ihm fast das Wichtigste genommen hätte, nämlich ihre Liebe zueinander. Ein dicker Klos wollte sich in ihrem Hals festsetzen und sie musste ihn mit Gewalt hinunterschlucken, um nicht wieder einmal in Tränen auszubrechen. Dankbar schaute sie zu Paloma, die sie bei Toms Worten fest an sich gedrückt hatte. Auch die anderen hatten den Moment zwischen ihnen beiden wohl durchaus verstanden.Tom richtete seine Aufmerksamkeit wieder in die Runde. „Carla diese Schlange ... Sie darf mit ihren Intrigen und Bösartigkeiten nicht auch noch Erfolg haben." zischte er hervor. "Ich habe es eben schon gesagt, sie wird ihren Krieg von sich aus nicht beenden …" Er schüttelte mit verbitterter Miene den Kopf, bevor er fortfuhr. "Aber bevor wir hoffentlich zusammen eine Idee entwickeln, wie wir ihr zuleibe rücken können, möchte ich dir Anna noch etwas anderes zeigen, auf das wir eigentlich heute Nachmittag schon gestoßen sind." Anna zog verwundert die Brauen in die Höhe und trat an ihn heran, als er unter den gespannten Augen aller Anwesenden einen Entwurf aus der Papprolle zog, die er jetzt schon so lange in seinen Händen jonglierte. Er breitete ihn auf dem Couchtisch aus und legte ein in Din A 4 vergrößerten Fotoausschnitt dazu. Dann sah er Anna entschuldigend an, die ihrerseits völllig überrascht war. „Anna, schau dir bitte mal an, um es sich bei dieser Korsage um die aus deiner Zauberhaft-Kollektion handelt.“ Anna hatte bereits die Luft angehalten, als sie das Foto, das sie ja nachmittags in klein selbst noch in der Hand gehalten hatte, mit dem Entwurf in Verbindung gebracht hatte. Sie trat heran und verglich die Details des Kleidungsstückes, soweit die Aufnahme es zuließ. Dann nickte sie Tom zu. „Hundertprozentig ist diese Korsage nach meinem Entwurf gefertigt. Schau hier", sie zeigte dabei auf einige Details der Verzierungsnähte, die auf dem Foto gut zu erkennen waren, und dem Entwurf aufs genaueste glichen. "Es wäre doch sehr verwunderlich, wenn jemand anderes genau die gleiche Idee gehabt hätte. “ Tom stieß die Luft aus. Er hatte es geahnt, wollte aber auf Nummer sicher gehen, bevor er seine Vermutung, oder jetzt Gewissheit Preis gab. Anna schüttelte widerwillig den Kopf. „Dann hat Darcy die Korsage aus der Zauberhaft-Lieferung geklaut und sie Carla geschenkt?“, schlussfolgerte sie unggläubi. Die Anderen hatten sich in der Zwischenzeit auch zu ihnen gesellt und schauten zwischen Foto, Entwurf, Tom und Anna hin und her. Sie verstanden nur Bahnhof. „Hallo, ihr Zwei. Könntet ihr uns mal aufklären?“, fragte Enrique nun genervt und Tom, dem mittlerweile die Röte ins Gesicht geschossen war, ergriff leise das Wort. Er ließ sich auf seine Sessel sinken und zog Anna zu sich heran, bis sie auf seinem Schoß saß. „Es geht wie Anna bereits gesagt hat, um einen Diebstahl ...“ Er ergriff Annas Hand und hielt sie fest, während er aus fünf Paar Augen beobachtet wurde. „Anna, ich weiß, dass ich bei der Haokan-Geschichte und der Lieferung der Zauberhaft-Kollektion damals ein völliger Idiot war. Ich war der Einzige der hier Anwesenden, der dir damals nicht vertraut hat und das tut mir schrecklich Leid. Ich möchte das nochmal betonen.“ Er drückte entschuldigend ihre Hand und lenkte dann ihre Aufmerksamkeit auf das Foto, „Und das hier, ist endlich der Beweis für deine Unschuld … Er lag die ganz Zeit in meinem Büro.“ Anna sah ihn fragend an. „Versteh ich nicht, wieso?“, hakte sie irritiert nach. Tom kniff die Lippen zusammen, „Weil diese Fotos entstanden sind, als du in China warst.“ Anna schüttelte immer noch ratlos den Kopf, aber Paloma hatte die Bedeutung seiner Worte bereits begriffen. „Das heißt, die Korsage war schon da, bevor sie hätte neu produziert werden können.“ Tom nickte geknickt, während Anna verwirrt zwischen Paloma und Tom hin und her sah. „Anna, diese Korsage muss aus der Musterkollektion stammen, die euch geklaut wurde. Die Kollektion, die wir seit Monaten im Lager stehen haben, muss die Echte sein. “ Anna versuchte diese Erkenntnis zu begreifen. „Aber woher …? Wie …?“ Tom unterbrach sie mit einem ratlosen Kopfschütteln. „Ich habe keine Ahnung wie er, oder die Beiden, da ran gekommen sind.“ Er zuckte unwissend mit den Schultern … "Aber weißt du was? Da fällt mir gerade noch was ein, warte mal." Er beugte sich zu den Unterlagen, die auf dem Tisch verteilt waren und zog die Rechnung hervor. Eilig schaute er die Posten durch, bis er das gelbe Kleid fand, an dem er nachmittags schon hängen geblieben war. Er schaut auf die Details der Posten. Kleid entsprechend Entwurf, gefertigt in Konfektionsgröße 36 bei Körpergröße 1,75. Er drückte Anna die Rechnung in die Hand und sah sie geknickt an. „Wir hätten neulich schon drauf kommen können. Du hättest das Kleid für eine zweite Musterkollektion doch nicht erneut in deiner Größe bestellt. Also, warum hat dir das Kleid so gut gepasst?“ Anna sah ihn erstaunt an, sie hatte sich gar keine Gedanken darüber gemacht. Sie hatte ihm ja noch erzählt, dass es extra für sie produziert worden war. „Du hast recht“, sagte sie erschüttert. "Es hat also doch Beweise gegeben." „Aber bleibt die Frage, wie die Beiden daran gekommen sind“, mischte sich Paule wieder ein. „Darcy war Steves Anwalt, vielleicht hat er sie von ihm … Dem Arschloch trau ich auch zu, dass er sie hat klauen lassen, um euch zu schaden. Schließlich hat er euch damals bei Broda und Broda schon bekämpf“, schoss es da aus Palomas Mund. „Oder sogar Carla, der ist ja schließlich auch alles zuzutrauen. Auf jeden Fall, hat sie dir mit Darcy diesen Betrug untergeschoben, so wie du es damals vermutet hast,“ ergänzte Paule aufgebracht. Anna blickte schweigsam zwischen ihren Freunden hin und her. Sie spürte, wie ihre Erinnerungen sich wieder einmal in den Vordergrund schieben wollten. Aber bei einem Blick in Toms Augen, die sie mit Sorge betrachteten, versuchte sie sie schnell wieder beiseite zu drängen. Sie wollte sich nicht mehr von ihrer Vergangenheit kleinmachen lassen. Tom und sie, das war die Zukunft, und die mussten sie gestalten. Deshalb schloss sie auch einen Moment die Augen und holte tief Luft und unterbrach schließlich die Diskussion ihrer Freunde.
„Stopp,“ sagte sie mit fester Stimme. Wir können hier nur Vermutungen anstellen, ob die Beiden mit dem Diebstahl zu tun hatten und eigentlich ist es mir im Moment auch egal. Ich werde nicht länger zulassen, dass diese Frau unser Glück gefährdet. Ich habe mir vorgenommen, die Vergangenheit endlich ruhen zu lassen. Lasst uns bitte einfach überlegen, wie wir Carla loswerden … und zwar endgültig. Sie soll mich endlich in Ruhe lassen …“

Paloma und Enrique hatten sich in der Zwischenzeit aufs Sofa fallen lassen, Paule pflanzte sich jetzt einfach auf den Boden und auch Carsten, der sich  bislang ein wenig im Hintergrund gehalten hatte, setzte sich neben sie. Paule war total aufgebracht und wollte eigentlich nicht von der Schuldfrage ablassen, aber als sie erneut ansetzte sich aufzuregen, traf sie auf Toms mahnenden Blick, der gerade total erleichtert war, dass auch Anna den Weg in die Zukunft suchen wollte. Erleichtert rückte er auf seinem Sessel ein Stück nach vorne und ergriff erneut das Wort.
„Dann lasst uns mal zusammentragen, was wir wissen.“
Letztlich begann alles mit dem ersten Zusammentreffen von Lanford und Zauberhaft in den Räumen von Broda und Broda. Da ging die ganze Fehde los. Und was dann nicht alles folgte … In wechselnden Rollen erinnerten sich die zusammensitzenden Freunde an die verschiedensten Situationen, in denen Carla irgendwie gegen Anna intrigiert hatte, und auch wenn es für alle erschreckend war, was da so zusammenkam, war vor allem Carsten, der erst jetzt begriff welche Tragweite, der von Carla geführte Krieg hatte, wahrlich geschockt. „Oh mein Gott, und ich habe da mitgemacht …“, entwich es ihm, als sie in ihren Aufzählungen letztlich bei den letzten Tagen ankamen. Zögernd berichtete er, welche „Wünsche“ er für Carla zu erfüllen hatte und als auch er mit seinem Bericht endete, wanderten die Blicke zwischen allen Anwesenden hin und her. Sie waren sprachlos und betroffen von dem Umfang der Versuche, Anna zu zerstören, und anders konnte man es wohl wirklich nicht nennen. Es war ein Vernichtungskampf den Carla gegen Anna führte.

Tom fand seine Sprache nach einem Räuspern als erstes wieder. Er zog die Augenbrauen in die Höhe, „Ja, das war … aufschlussreich. Was wir wohl feststellen können, ist, dass sich Carlas Motivation gegen Anna zu arbeiten, im Laufe der Zeit verändert hat. Anfangs wollte sie, ehrgeizig wie sie ist, einfach einen Konkurrenten ausschalten, aber schon bald hat sie wohl schon aus Angst gehandelt …“ „Angst?“ fragte Paule ironisch dazuwischen, „Wie kommst du denn darauf?“ Sie lachte höhnisch, aber Tom erklärte. „Ich nehme an, dass sie nachdem ich Anna begegnet war, gemerkt hat, dass ich mich veränderte und sie nicht mehr in Alles einbezog.“ Er sah Anna zerknirscht an. „Sie hat uns damals auf dem Dach gesehen. Sie wusste von Anfang an, wie wir uns kennengelernt haben und sie hat eins und eins zusammengezählt.“ Anna sah ihn verwirrt an, „Sie wusste es?“ Tom nickte, „sie hat es mir erzählt, als ich von der Talk-Show nach Hause kam. Ich war auch völlig geschockt.“ „Dann hatte sie bestimmt Schiss“, warf Enrique ein, „Als ich begriffen habe, dass ihr so eine Geschichte teilt, war mir eigentlich auch sofort klar, dass eure Verbindung viel tiefer ist, als ich bis dahin geahnt hatte. Das hat auch mich damals ganz schön getroffen.“ Er schaute etwas beschämt zu Paloma. „Damals hatte ich ja auch noch Interesse an Anna“, gab er kleinlaut zu. Paloma lächelte ihm beruhigend zu. Das war ja nun Vergangenheit, dann wendete sie sich Anna zu. „Und deshalb hat sie auch die ganze Zeit versucht dich aus der Firma zu mobben. Mit der doppelten Motivation, dich als Konkurrentin loszuwerden, weil Bruno dich ihr immer öfter vorgezogen hat und natürlich, um Tom nicht zu verlieren.“ „Genau,“ ergänzte Paule, „und als sie dann mit Tom verlobt war, fühlte sie sich endlich auf der Gewinnerseite, denn sie wusste ja, wie sehr dich das treffen würde.“ Tom nickte beschämt, bei der Erinnerung, an diese größte Fehlentscheidung seines Lebens. „Vor allem, weil ich ihr ja erzählt hatte, dass wir eine Nacht miteinander verbracht hatten.“ Paule riss die Augen auf, „Also doch. Mann, warst du ein Arsch. Tschuldige, aber das musste ich jetzt echt mal sagen. Ich habe mir ja so was gedacht, aber …“ Anna winkte ab, „Paule lass gut sein … Du hast schon recht, ich habe damals gelitten wie ein Hund, aber irgendwie hat es uns auch zusammen geführt, da wir in den Tagen wohl die entscheidenden Gespräche geführt haben.“ Sie lächelte Tom an, der zustimmend nickte. „Oh ja, du hast mich so aus der Fassung gebracht, dass ich letztlich nicht mehr umhin kam, mir einzugestehen, dass ich doch schon lange in dich verliebt war.“ Die Blicke zwischen den Beiden wurden immer liebevoller und die anderen beobachteten das junge Paar gerührt. „Und dann warst du plötzlich weg … Wo warst du da eigentlich? Das hast du nie erzählt,“ unterbrach Paule den rührenden Moment. Tom riss sich von Annas Anblick los und konzentrierte sich auf seine kleine Schwester. Er räusperte sich wieder einmal, und sah sie von unten herauf an. „Ich war auf Sardinien.“ „Waaasss?“, rief sie aus. „Du warst …?“, Tom nickte, „Ja, ich bin in unser Haus von damals gefahren. Ich musste mich endlich der Vergangenheit stellen …“ Paule schüttelte ungläubig den Kopf. „Mein Gott, der Abend hier ist ja eine einzige Wundertüte …“
„Auf jeden Fall, habe ich mich nach dieser kleinen Reise von Carla getrennt und sie auch versucht in die Grenzen zu weisen, aber nachdem sie dann noch mitbekommen hat, dass ich mit Anna zusammen bin …“ versuchte Tom, die ganze Geschichte endlich mal zum Ende zu führen, um nicht noch mehr Details seines Lebens offenbaren zu müssen. „Jetzt ist es wohl einfach nur noch Hass und der Wunsch sich zu rächen“,  beendete Paloma die Motivationsstudie. Aber damit lag sie falsch, wie Carsten beitragen konnte, „Das stimmt zwar, aber das ist nicht alles. Fr. Rhonstedt ist immer noch davon überzeugt, dass sie ihren alten Platz in der Firma und vor allem an ihrer Seite,“ dabei schaute er Tom direkt an, „wieder einnehmen wird, sobald sie Anna losgeworden ist.“ Tom schloss, genervt und ungläubig zugleich, die Augen und stieß mit einem Kopfschütteln die Luft aus. Er rieb sich angestrengt über die Augen. „Das kann doch alles nicht wahr sein. Das ist doch wirklich krankhaft, oder?“ Er fühlte sich gar nicht wohl in seiner Haut, war er doch der Hauptgrund für dieses ganze Dilemma.

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AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"
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