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 AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"

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katha

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BeitragThema: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Feb 09 2013, 21:29

das Eingangsposting lautete :


(Da muss ich doch gleich mal die neuen Icons probieren. )

So, jetzt ernsthaft.

Viele von euch wissen schon, was hier jetzt passiert, da ich diese Story bereits im AudL-Forum gepostet habe (bzw. noch fertig stellen werde), aber für alle anderen sei es kurz erläutert.

AnTom II Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück? ist eine weitere Fan-Fiction von mir, die sich von der Telenovela "Anna und die Liebe" ableitet. Und wäre das nicht schon Vorgabe genug, ist sie noch ein zweiter Teil, der unmittelbar an meine erste FF AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn" anschließt, so dass es förderlich ist, diese gelesen zu haben.

Wenn ihre diese begünstigende Bedingungen erfüllt habt, gibt es eigentlich nichts mehr zu sagen, außer vielleicht ..., dass ich hoffe, auch bei dieser zweiten FF, euren Zuspruch zu finden.

Liebe Grüße von mir, und ganz viel Spaß!

Katha

Ach so, da fällt mir noch was ein.
Es sei noch gesagt, dass ich die Teile, die ich hier poste zuvor nochmal überarbeite, so dass sich leichte sprachliche Veränderungen ergeben können, oder auch mal ein Satz hinzugefügt oder weggelassen wird. Die Handlung bleibt aber die gleiche. Wink

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Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...


Zuletzt von katha am Sa Feb 09 2013, 22:44 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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AutorNachricht
katha

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mo Jul 08 2013, 20:59

Carla, Mini,
das ist lieb, dass ihr euch hier meldet. Das motiviert doch auch diese Story nicht aus dem Blick zu verlieren ...

Danke!

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katha

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BeitragThema: "21"   Mo Jul 08 2013, 21:41

So, damit ihr nicht auf dem Trockenen sitzt, bis ich meinen inneren Disput für die andere Story geklärt habe, hier eine Fortsetzung
************************************
 
Am Konferenztisch hatte sich ein kleines Krisenteam eingefunden. Dort saßen Enrique, Paloma und Carsten vom Marketing, sowie Bruno mit seinem allgegenwärtigen Assistenten Virgin. Sie schwiegen abwartend, wussten sie doch bereits alle in etwa was los war und hatten noch keinerlei Ideen, wie es weiter gehen sollte. Als Tom und Anna gemeinsam hinzukamen bemerkte Anna sogleich die skeptischen Blicke der Anwesenden. Aber das hatte sie sich mit ihrem morgendlichen Auftritt wohl selbst zuzuschreiben. Sie fühlte sich körperlich wieder ganz gut, aber die kurze Info, die Tom ihr eben gegeben hatte, bereitete ihr ein ungutes Grummeln im Bauch , und auch die Blicke, die sie nach der Meinung ihrer Absender, unauffällig musterten, ließen ihr Wohlbefinden nicht gerade wachsen. Anna konnte es kaum fassen, dass es keine Models geben sollte, denn war ihr dieses Phänomen ja durchaus bekannt, da sie es ja im Jahr zuvor am eigenen Leibe erlebt, war es dieses Mal schließlich nicht das kleine unbekannte Label „Zauberhaft“ sondern eines der größten Modehäuser Europas, die einen Auftrag erteilen wollte. Sie hoffte sehr, dass Bruno oder Tom mit ihren Verbindungen noch irgendeine Idee in der Hinterhand hatten. Nachdem Tom und Anna sich wortlos gesetzt hatten, fasste Enrique kurz zusammen, dass die gebuchten Models definitiv für einige Tage ausfielen und somit für den Foto-Call sowie die Eröffnungsshow nicht zur Verfügung standen. Weiterhin berichtete er über die erfolglose Kontaktaufnahme zu jeder einzelne Model-Agentur Berlins und des näheren Umfelds.
„Das kann doch nicht wahr sein! Wir sind doch keine kleine Klitsche, die um Almosen bittet!“ wetterte Bruno aufgebracht. Er sprang auf und tigerte hinter dem Tisch auf und ab, … dann blieb er plötzlich wie zu Stein geworden stehen. „Was ist eigentlich mit den Models für Luxury, sind die denn verfügbar?“ Sein Blick, der sich in Enriques bohrte, war bereit ihn zu töten, wenn er es wagen würde die falsche Antwort zu geben, aber Enrique konnte guten Gewissens behaupten, dass für die Show am Samstag Abend keine Gefahr bestand. Brunos Anspannung reduzierte sich um einige Stufen, aber das half Zauberhaft immer noch nicht weiter, und immerhin sollten sie die Eröffnungsshow begleiten, was Lanford jede Menge Publicity bringen würde. Er setzte sich wieder und rieb sich über sein Gesicht. „Gibt es irgendwelche Ideen?“ fragte er schließlich in die Runde. Tom überlegte kurz, ob die Kosten aufzubringen wären, beschloss dann aber, dass der Ausfall der Präsentation mehr Geld kosten würde. „Dann müssen wir eben Models einfliegen lassen. Kostet zwar, ist aber eine Lösung.“ Bruno brummte unwillig. „Das ist die allerletzte Lösung die wir in Betracht ziehen werden.“ Er schaute weiterhin auffordernd in die Runde der Kreativen, die allerdings durch Ideenlosigkeit glänzten und verlegen auf den Tisch, ihre Unterlagen oder ihre Hände schauten. Da meldete sich zaghaft der Praktikant zu Wort. Er wendete sich vor allem an Anna. „Wenn ich das richtig verstanden habe geht es bei ihrer Kollektion um die Jugendlinie der Fashion-Days, also um das junge Publikum…“ Anna nickte langsam „Na ja, sagen wir mal junge Erwachsene“. Sie schaute ihn interessiert an. Denn es schien als hätte er eine Idee, und manchmal waren ja gerade die unverbrauchten Ideen eines Neueinsteigers lohnend und gut. „Das heißt, auch die Zuschauer, bzw. die Endabnehmer sind Menschen, die etwas moderner, hipper, frischer sind als die oberen Zehntausend?“ Anna nickte erneut. „Na ja, ich würde es vielleicht ein wenig anders formulieren, aber ja.“ Der Praktikant schaute schüchtern in die Runde und sammelte seinen Mut zusammen. „Könnte man dann nicht Menschen auf der Straße ansprechen. Echte Berliner eben. … So eine Art Street-Casting?“ fragte er forsch. Anna riss die Augen auf und starrte den jungen Mann an, als hätte sie gerade eine Erscheinung. Ihr blieb die Luft weg und sie spürte wie Panik von ihr Besitz ergreifen wollte. Aber sie schaffte es, sie schnell zurück zu drängen. „Nein“, schoss es aus ihrem Mund, noch bevor jemand etwas sagen konnte. Enrique hob einwerfend den Finger, denn er fand die Idee überhaupt nicht schlecht, aber Anna schnitt ihm schleunigst das Wort ab. „Es wird definitiv kein Street-Casting geben.“ Der Marketing-Chef und auch alle anderen schauten Anna irritiert an, und außer Paloma konnte sich keiner einen Reim auf ihre Reaktion machen, war es doch in der Regel vor allem Anna, die für ungewöhnlichen Wege zu haben war oder selbst damit aufwartete. Nur Brunos Augen begannen gefährlich zu blitzen, denn auch er fand die Idee gar nicht so schlecht, und dass Anna es wagte sogleich abzulehnen, und das auf so eine rigorose Art und Weise, machte ihn mehr als wütend. „Was hier stattfindet, entscheide immer noch ich“ ließ er leise aber in einem Tonfall verlauten, dem das Grollen seines Innersten sehr deutlich zu entnehmen war. Anna zuckte ein wenig zusammen, aber letztlich war es ihr egal. Sie stand abrupt auf „Dann machen sie ein Street-Casting, aber damit bin ich raus aus der Nummer. Ich werde da nicht mitmachen.“ Sie starrte Bruno an und ihre Mimik war trotzig und von völliger Kompromisslosigkeit gezeichnet. Tom, der zwischen den Beiden saß, sah entgeistert von einem zum anderen und überlegte ob er sich zwischen die Beiden schmeißen musste, damit sie sich nicht an die Gurgel gingen. Was ist denn nur in Anna gefahren, sie ist doch sonst immer für neue Ideen zu haben? fragte er sich verwundert. „Und, Fr. Broda, was ist ihre umwerfende Idee?“ brüllte nun Bruno, der auch aufgestanden war und sie gefährlich anfunkelte. Tom ergriff das Wort und versuchte die beiden Streithähne wieder zu beruhigen. „Können wir vielleicht in Ruhe darüber reden?“, bat er eindringlich. Er legte Anna die Hand auf den Arm, um sie zum hinsetzten zu motivieren und sah seinen Vater bittend in die Augen. Anna schwankte einen Moment, krallte sich aber am Tisch fest, so dass ihr Schwindel keinem aufgefallen war. Sie stand immer noch unbewegt an Ort und Stelle. Ich muss hier raus, ich muss einen andere Lösung finden kreiste es in ihrem Kopf. „Ich lass mir was einfallen.“ antwortete sie patzig. Mir muss einfach was anderes einfallen. Es darf sich nicht wiederholen, dachte sie panisch. Sie schaute auf ihre Uhr. Es war Mittagszeit. „Geben sie mir bis drei Uhr Zeit, bis dahin habe ich eine Idee entwickelt“, sagte sie bestimmt und mit eisernem Blick in Brunos Augen. Lediglich ihre Tonlage hatte ein wenig an Intensität verloren. Bruno stand immer noch am Tisch und beobachtete sie ärgerlich. Aber schließlich hatte er es mit für ihn erstaunlicher Selbstkontrolle geschafft, sein Gehirn zu befragen, bevor er sich einfach nur abreagierte. Und das war in seinem Zustand der Wut mehr als wunderlich und vermutlich dem Umstand zu verdanken, dass es sich um seine beste und zur Zeit einzige Designerin handelte. Außerdem kam ihr wohl noch zugute, dass sie die Frau war, die ihm gerade seinen Sohn zurück ins Leben gebracht hatte. „Dann machen sie das. Und wenn ihre Idee nichts taugt, dann wird hier gemacht was ich sage, ist das verstanden?“ Mit diesen immer noch sehr heftigen Worten verließ er die Runde und stob in Richtung Treppe davon. Anna erfasste ein leises Grausen, denn ihr wurde so langsam bewusst, auf welch dünnes Eis sie sich begeben hatte. Sie schaute kurz in die Gesichter der Anwesenden, die sie ungläubig anstarrten und nicht wagten auch nur tief Luft zu holen. Es war plötzlich so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Sie sah mit immer noch sturem Blick zwischen Enrique und Tom hin und her. „Ist es ok, wenn Paloma mit mir kommt und wir außer Haus arbeiten?“ fragte sie mit fester Stimme, und als diese ihr nach einem kurzen Blickwechsel zunickten, begab sie sich, mit einer auffordernden Geste an ihre Freundin, an ihren Schreibtisch um ihre Unterlagen zusammen zu sammeln.
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So alles beisammen dachte sie erleichtert, bedeutete das doch dass sie endlich der Situation, die das ganze Atelier verfolgt hatte, und noch zusätzlich für Gesprächsstoff bei ihren Kollegen und Kolleginnen sorgen würde, entfliehen konnte. Sie beugte sich hinab um ihre Tasche zu greifen und schon wieder kam dieses lästige Schwindelgefühl auf. Sie konnte sich gerade so auf ihren Hocker retten, bevor sie einfach vorn über gekippt wäre. Tom der ihren Weggang mit einem unverständigen Kopfschütteln und mit einem ziemlich beklemmenden Gefühl beobachtet hatte, sprang sofort auf und lief, gefolgt von den verdutzten Blicken der anderen, zu ihr. Aber sie hatte sich schon wieder gefangen, saß an ihrem Tisch und atmete einige Male tief durch. Als Anna Tom auf sich zukommen sah, verdrehte sie genervt die Augen. „Alles gut Tom. Wir gehen jetzt in die Else zum Arbeiten und ich werde dort auch was ordentliches Essen und Trinken, versprochen. Danach ist bestimmt wieder alles in Ordnung. Bis später.“ Sie ließ ihm keine Chance noch etwas zu sagen, stand einfach auf und marschierte, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, an ihm vorbei. Tom schaute völlig fassungslos hinter ihr her. Was ist denn jetzt schon wieder in sie gefahren? Aber ganz tatenlos wollte er doch nicht bleiben, machte er sich doch ernsthafte Sorgen um ihre Verfassung. Er hielt Paloma auf und bat sie leise, gut auf Anna aufzupassen und sie auf keinen Fall aus den Augen zu lassen. Die Spanierin, die gerade erst wieder zu ihnen getreten war und Annas Schwindelanfall nicht mitbekommen hatte, sah ihn an, als ob sie an der Unversehrtheit seines Geisteszustandes zweifelte, nickte aber zögerlich. Da hörte sie auch schon wie Anna genervt nach ihr rief. „Versprich es mir.“ forderte Tom eindringlich, und nach einem genervten „Ja, ist ja gut“ eilte sie zu ihrer Freundin, die bereits halb im Aufzug stand und nur noch auf sie wartete, um endlich diesem Raum zu entkommen.

„Was ist hier los?“ fragte Paloma die Blondine, die sich sogleich nachdem sich die Türen geschlossen hatten gegen die Wand lehnte und die Augen schloss. „Anna?“ forderte die Brünette erneut eine Antwort ein. Sie fühlte sich irgendwie unwohl in ihrer Haut, verstand sie Annas heftige Reaktion doch nur im Ansatz und wusste auch mit Toms Forderung nur wenig anzufangen. Obwohl … jetzt, wo sie sich Anna genauer betrachtete, erkannte sie, dass es ihrer Freundin verdammt dreckig ging und sie sich mit aller Macht versuchte aufrecht zu halten. Besorgt strich sie ihr über den Arm. „Geht es dir nicht gut?“ Anna öffnete die Augen, hielt sich aber weiterhin krampfhaft am Handlauf des Aufzuges fest. „Alles in Ordnung Paloma, wir finden jetzt eine Lösung und dann ist alles gut. Hast du vielleicht schon eine Idee?“ Paloma schüttelte den Kopf. „Ganz ehrlich?“, sie zog hilflos die Augenbrauen in die Höhe. „wenn wir keine professionellen Models bekommen und auch kein Street-Casting machen wollen? … Wo sollen die Frauen herkommen?“ Sie beobachtete Anna immer noch mit sorgenvollem Blick. „Geht es darum, dass ihr das letztes Jahr gemacht habt? Ist das der Grund, dass du dich so dagegen wehrst?“ Annas Blick wurde stur wie der eines Esels. „Ich will es nicht, und damit basta. Uns muss einfach was anderes einfallen.“ Sie trat aus dem Aufzug, der sich gerade öffnete und ging festen und eiligen Schrittes in Richtung Goldelse davon. Vor dem Gebäude begegneten sie Paule und Jasmin, die vertieft in eine heftige Diskussion, auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstätte waren. Anna grüßte nur kurz im Vorbeigehen, blieb allerdings einige Schritte weiter stehen, um ihnen einen Augenblick hinterher zu schauen. Schweigsam und in ihre jeweiligen Gedanken vertieft legten die Freundinnen den Weg zur Goldelse zurück, denn Paloma kannte Anna gut genug, um zu wissen, dass sie Annas sturen Widerstand in diesem Moment mit keinem Argument durchbrechen konnte.

Die Männer, die noch am Konferenztisch saßen, sahen sich völlig irritiert an und vor allem Virgin fühlte sich persönlich beleidigt, durch die unverschämte Ansage Annas an seinen geliebten Chef. Sie waren sich, auch wenn es keiner aussprach, einig, dass Bruno diese Auseinandersetzung erstaunlich gefasst beendet und Anna wirkliches Glück gehabt hatte. Andere Mitarbeiter hätte das Mode-Genie für solch einen Auftritt vor die Tür gesetzt, lautstark und ohne jede Rücksicht. Tom trat wieder an den Tisch zurück und zuckte die Schultern. „Also ihr habt es gehört, wir warten bis heute Nachmittag, ob wir eine neue Idee haben, ansonsten müssen wir halt noch schneller reagieren. Carsten … „ er betrachtete den jungen Praktikanten das erste Mal richtig, „… eine kreative Idee. Danke für ihren Einsatz.“ Dieser lächelte hämisch in sich hinein, während er dem Junior-Chef einen dankenden Blick zuwarf. „Also, an die Arbeit. Wir treffen uns um 15.00 Uhr wieder.“ Damit verließ er den Tisch und begab sich hinter die Sushi-Bar um sich einen Tee zu bereiten. Was ist denn bloß los mit Anna? Sie ist ja öfter aufbrausend und direkt, aber Papa hat sie doch noch nie so angefahren? Und warum ist ihr ständig schwindelig? ... Heute Abend werde ich dafür sorgen, dass sie sich endlich ausruht. Ich steck sie sofort ins Bett, und wenn ich sie fesseln muss. Allein wohlgemerkt. … Sonst klappt das mit dem Schlafen ja eh nicht. Bei diesem Gedanken musste er schmunzeln, denn er konnte sich nach dieser ganzen Aufregung eigentlich nichts Schöneres vorstellen, als an die wunderbaren, die Probleme der Welt verdrängenden Stunden vom Wochenende anzuknüpfen, die sich in seinem Bewusstsein leider schon viel zu weit in den Hintergrund geschoben hatten.
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In der Goldelse war es trotz der Mittagszeit relativ ruhig. Wahrscheinlich hielten sich die Menschen bei dem schönen Wetter lieber im Biergarten als in einem Restaurant auf. Für Anna und Paloma war es perfekt. Sie setzten sich in eine Ecke und Anna holte sogleich ihren Laptop herraus. Die Spanierin warf ihr jedoch einen strengen Blick zu und legte die Hand auf das Gerät, um sie am Öffnen zu hindern. „Stop, erst wird jetzt was gegessen. Du siehst, wenn ich das mal ganz direkt sagen darf, ganz schön beschissen aus und Tom hat mich gebeten auf dich aufzupassen.“ „Waaas?“ giftete Anna sie an. „Auf mich muss keiner aufpassen. Spinnt der eigentlich?“ Paloma sah sie wütend an, so langsam hatte sie echt die Nase voll von den Sperenzien ihrer Freundin, auch wenn sie sah, dass sie einfach nur versuchte nicht zusammen zu brechen, brauchte sie ja nicht unkontrolliert um sich zu schlagen. „Anna, jetzt krieg dich mal wieder ein. Ich bin die Letzte, die du anmaulen musst und auch Tom kann nix dafür, dass du mit der Situation völlig überfordert bist.“ Anna starrte Paloma mit offenem Mund an, und langsam sickerte der Inhalt ihrer Worte in ihr Gehirn. „Ich bin also überfordert, ja? Soll ich dir was sagen. Ich habe bereits eine Idee im Kopf. Los, dann lass uns schauen, ob du auch was beizutragen hast?“ Sie öffnete den Laptop und startete ihn, während Paloma Anna beleidigt ansah und aufstand, um das Weite zu suchen. Das hatte sie nun wirklich nicht nötig, sich so doof anmachen zu lassen.  Aber als sie sich gerade zum Gehen wand, stand plötzlich Susanne vor ihr und schaute sie irritiert an. „Was ist denn mit euch los?“ Ihr Blick wanderte besorgt von einer zur anderen, waren die Beiden doch schon seit langen Jahren die besten Freundinnen. „Anna, könnt ihr euch vielleicht ein wenig leiser angiften?" Sie betrachtete ihre Tochter besorgt. "Du siehst schlecht aus. Ich schlage vor ich bringe euch jetzt erst mal was zu Essen und ihr beruhigt euch wieder.“ Anna versuchte mit aller Macht sich im Zaum zu halten und nicht auch noch ihre Mutter anzufahren. „Ja, danke Mama.“ brachte sie letztlich bemüht ruhig heraus. Dann wendete sie sich Paloma zu. Sie zwang sich ihren Zorn hinunter zu schlucken. Paloma hatte ja recht, sie konnte nun wirklich nichts für ihre angeschlagene Verfassung. „Bitte setz dich wieder. Es tut mir leid. Ich weiß doch auch nicht…“ Palomas Wut war sofort verraucht, als sie sah, dass Anna ihren Kopf in ihre aufgestützten Hände vergrub. Endlich eine ehrliche Regung. Sie setzte sich wieder an den Tisch und strich der Designerin beruhigend über den Rücken. „Was weißt du nicht?“ fragte sie leise. Anna versuchte ihre Gefühle und Gedanken zu ordnen und sie in Worte zu fassen, aber es gelang ihr einfach nicht. Sie hob den Kopf und schaute Paloma bittend an. „Lass uns bitte einfach überlegen, ob wir eine Lösung finden, ok?" Paloma sendete ihr einen unzufriedenes Lächeln zu, war sie sich doch sicher, dass Anna gerade ganz andere Probleme wälzte, als die, irgendwelche Models zu finden, aber vielleicht war es ja auch ganz gut, dass sie mit der Arbeit erst einmal ein wenig Abstand fand. Und wenn sie ihr irgendwie helfen konnte … Anna rieb sich noch einmal über ihr Gesicht und schloss für einen Moment die Augen, um sich auf das Wesentlich zu konzentrieren. "Also, fangen wir nochmal ganz von vorne an. Worum geht es? Was ist Thema der Kollektion?“

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mo Jul 08 2013, 22:32

Oh Mann, Anna kann einem wirklich leidtun. Blöd nur, dass sie so blind um sich schlägt und keine Hilfe annehmen will. Tom tut mir auch leid. Wenn das mal nicht alles noch eskaliert. No 

Bitte mehr davon.
LG,Mini

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BeitragThema: "22"   Mi Jul 17 2013, 10:53

Und auch hier gibt es mal wieder eine Fortsetzung!!!!
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Gegen Drei versammelte sich der Krisenstab wieder am Konferenztisch Lanfords. Die Nervosität der Anwesenden war fast greifbar, wussten doch alle, dass es in dem Falle, dass Anna keinen adäquaten Vorschlag mitbrächte, zu einem Eklat kommen würde. Tom hielt einen Kugelschreiber in der Hand und schaute wieder und wieder voller Unruhe auf die Uhr, während er den Stift immer wieder auf den Tisch klacken ließ. Enrique, der ihm gegenüber saß, hielt es irgendwann nicht mehr aus. „Tom, bitte!“ Der schaute irritiert auf, völlig unwissend, was sein Kollege meinte. „Der Kuli, … bitte!“ wiederholte sich Enrique mit Nachdruck. Nach einem immer noch irritierten Blick auf seine Hand, legte der Lanford-Junior mit einem Schnaufer den Stift aus der Hand und ließ seinen Blick erneut auf sein Handgelenk gleiten. Es war drei Minuten vor Drei und von Anna war weit und breit noch nichts zu sehen. Man ich hätte sie eigenhändig hierher tragen sollen. Wenn sie nicht da ist, bis Bruno auftaucht, ist hier die Hölle los und Anna hat ein echtes Problem. Er stand auf und ging zum Empfang. Er fühlte sich so hilflos, war voller Unruhe. Die letzten drei Stunden hatte er sich im Fünf-Minuten-Takt daran erinnern müssen, dass er hier eine Aufgabe zu bewältigen hatte, und nicht den ganzen Tag damit verbringen konnte, über Anna und ihr seltsames Verhalten nachzudenken. „Frau Hauschke, hat sich Anna bei ihnen gemeldet?“ fragte er mit Nachdruck. Steffi schüttelte bedauernd den Kopf. Tom verharrte an Ort und Stelle, ließ seinen Blick hektisch durchs Atelier schweifen und klopfte nervös auf der Theke herum. Mit Bestürzung erkannte er, dass Bruno oben auf der Galerie erschien. Seine Nerven gingen so langsam mit ihm durch. Sein Kopf fühlte sich an, als ob die ganze Belegschaft eines Kindergartens in ihm herum trampelte ... daher merkte er erst nach mehrmaligem Antippen Steffis , die eigentlich gerade mit einem Anrufer beschäftigt war, dass sie ihm was sagen bzw. zeigen wollte. Er schaute sie völlig unverständig an, bis er endlich ihrem Fingerzeig Richtung Aufzug folgte. Er drehte sich voller Schwung um und wäre fast mit Anna zusammen gestoßen, die das Atelier betreten hatte und sich gerade zurück melden wollte. „Oh, … entschuldige“, stammelte Tom „… du bist da. … Geht es dir gut?“ fragte er erleichtert und besorgt zugleich. Anna sah ihm
, nach diesem alles anderen als souveränen Auftritt, einen Moment fragend in die Augen und lächelte schließlich herzlich. Man, man, der macht sich ja mal wirklich Sorgen um mich schoss es ihr durch den Kopf. „Ja danke, es ist alles in Ordnung“ antwortete sie leise, ehe sie sich nach einem kurzen liebevollen Blick abwendete und dem Konferenztisch zustrebte. Tom rieb sich angestrengt über das Gesicht. Es war ein ganzer Felsbrocken, der ihm vom Herzen fiel und vermutlich bis in den Keller durchgeschlagen war. Er folgte seiner Freundin und war froh, dass sie zeitgleich mit Bruno das Team erreicht hatte.
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Anna hatte kaum ihre Tasche abgestellt, als Bruno sich setzte und sie auffordernd betrachtete. „Und, Fr. Broda, welche Idee ist ihnen gekommen? Ich bin ganz Ohr.“ Die Beteiligten hörten heraus, dass er immer noch wenig begeistert von ihrem Verhalten war, und tauschten bange Blicke aus.
Anna versuchte die Anspannung jedoch zu ignorieren. Sie hatte ja bereits vorher gewusst, wie sich die Situation gestalten würde. Sie nahm ein paar Skizzen zur Hand und holte tief Luft.
„Also, die Frage ist doch, worum es hier geht. Und das kann ich ihnen sagen. Es geht um junge Frauen, die täglich auf der Suche sind. Auf der Suche nach beruflicher Zufriedenheit, auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück.“ dabei bedachte sie Tom mit einen kurzen liebevollen Blick, „im Enddefekt auf der Suche nach ihrem ganz individuellen Weg und ihrer Persönlichkeit.“
Bruno unterbrach sie mit einer wegwischenden Bewegung. „Das Konzept ihrer Kollektion kennen wir bereits. Also wo ist die Lösung für unser Problem?“ Anna starrte ihn ein Moment an. Er hatte sie aus dem Konzept gerissen. Aber grollte es auch in ihr, wusste sie, dass sie sich keine weiteren Provokationen mehr leisten durfte. Sie spürte, dass sie sich kurz fassen musste, wenn sie ausreden wollte. Sie versuchte ihre Idee zusammenzufassen, ohne die wichtigen Aspekte zu verlieren.
„Augenblick, ich komme sofort dorthin“, sagte sie beschwichtigend und fuhr fort. „Das heißt, es sind Frauen wie beispielsweise Paloma und ich … und wie viele andere junge Frauen hier bei Lanford.“ Die Gesichter ihrer Zuhörer waren immer noch recht skeptisch, da die Männer in der Runde die Intention ihrer Ausführungen noch nicht durchschaut hatten. Anna versuchte die Gesichter auszublenden, die sie zunehmend verunsicherten, und versuchte sich nur auf den Inhalt ihrer Idee zu konzentrieren.
„Ich habe mir das folgendermaßen vorgestellt.“ Jetzt war Anna wieder in ihrem Element. Mit Enthusiasmus erzählte sie, wie sie sich die Show vorstellte. „Die Bühne ist aufgeräumt, bis auf eine riesige, weiße Leinwand. Zu Beginn der Show wird ein Bild von diesem Gebäude hier, nämlich von Lanford, auf die Bahn projiziert. Mit leiser Musik untermalt, wird das Unternehmen und die Idee von Lanford kurz vorgestellt.“ Sie nahm die erste Zeichnung, auf der die Bühne zu erkennen war, zur Hand, und pinnte sie an den Aufsteller. Sie blieb daneben stehen, um anhand der Darstellung ihre weitere Idee zu skizzieren. „Aus dem Publikum stehen immer wieder Zuschauerinnen auf und klettern auf die Bühne, um zu Lanford zu gelangen, zu ihrer Arbeitsstätte. Sie betreten das imaginäre Gebäude, allein oder zu zweit durch eine Tür, die wir in die Leinwand einbauen. Dann wird erwähnt, dass es die Mitarbeiter sind, die eine Firma und in diesem Fall Lanford, zum Leben erwecken und am Laufen halten. Und aus welchem Grund tun sie das? Weil sie einen Sinn darin sehen, weil sie dort Kontakte haben, weil sie dort Zufriedenheit, Anerkennung und Erfolgserlebnisse sammeln.
Die Frauen ziehen sich hinter der Leinwand um und kommen nach und nach wieder aus der Tür heraus, … in den Modellen, die ich entworfen habe. Sie gehen alleine zu einer Verabredung, zu mehreren zu einer Vernissage oder einem Treffen mit Freunden. Aber egal, was sie tun, sie tun es in schönen Kleidern, mit resolutem Schritt und Freude am Leben, denn sie sind auf ihrem Weg angelangt. … Zum Abschluss kommen alle wieder beisammen und bilden ein Spalier für die Braut, die das Hochzeitskleid präsentiert, während leise der Hochzeitsmarsch gespielt wird. Im Hintergrund verschwindet das Gebäude und statt dessen erscheint groß der Schriftzug . ‘Your way!’ und darunter ‘Zauberhaft bei Lanford’.“ Anna nimmt die zweite Skizze und pinnt auch diese an die Wand.

Sie drehte sich um und versuchte die Stimmung ihrer Zuhörer zu erfassen. Es herrschte Stille, denn alle warteten zögerlich auf die Reaktion von Bruno. Lediglich Tom lächelte mit leiser Verzückung. Er liebte es, wenn Anna eine Idee voller Inbrunst präsentierte, und diese gefiel ihm zudem noch sehr gut. „Anna, wenn ich Bruno mal vorgreifen darf", ergriff er das Wort um ein wenig die Spannung aus der Situation zu nehmen. "Mir persönlich gefällt die Idee ja gut, aber das löst unser Problem noch nicht. ... Wo nehmen wir die Frauen her, die du da beschrieben hast? Das ist doch die eigentliche Frage.“ Er hoffte, das Ganze damit etwas abzukürzen und seinem Vater vielleicht ein wenig den Wind aus dem Segel zu nehmen.
Anna stockte, „Ach ja, …“ Sie lächelte Tom dankbar an und fuhr fort. „Eigentlich habe ich euch die Lösung schon gegeben. … Im Prinzip hatten sie Carsten, ja heute Morgen die richtige Idee, … und entschuldigen sie bitte, dass ich diese direkt abgelehnt habe.“ Sie bedachte den Praktikanten mit einem entschuldigenden Blick. „Wir brauchen für diese Kollektion keine perfekten Models, da es um die ganz normalen jungen Menschen auf der Straße geht, und um Authentizität. In diesem Fall dachte ich mir, geht es aber nicht um die Frauen von der Straße, sondern konkret um die Mitarbeiterinnen von Lanford.“ Sie ließ ihren Blick suchend durch das Atelier streifen. „Ich denke da an Frauen, … wie dahinten, Jasmin und Paule. Hier direkt vor uns, Paloma. Lisa, die Näherin, die sich bereit erklärt hat, selbst am Wochenende die Modelle für mich zu nähen…“, in dem Moment ging Mini mit ein paar Stoffballen am Konferenztisch vorbei und wunderte sich dass Anna sie mit einem intensiven Blick betrachtete, „… wie die Praktikantin aus dem Stofflager. Und nicht zuletzt, wie ich selbst. Ich denke es gibt bei Lanford genug junge Frauen, die vielleicht keine Modelmaße haben, aber alle etwas Einzigartiges besitzen und etwas zu erzählen haben.“

Anna schaute kurz in das leicht überraschte Gesicht Brunos, der scheinbar noch überlegte ob er die Idee, vor allem die mit der hausinternen Lösung für gut hielt. Sie fuhr aber gleich fort, denn Bruno konnte man mit Komplettlösungen am besten beeindrucken. „Ich würde, ihr Einverständnis vorausgesetzt, gleich im Anschluss an dieses Treffen ein Memo an alle in Frage kommenden Damen versenden und sie für morgen 9:00 Uhr einladen. Ich bin mir sicher, dass sich genug eindrucksvolle Frauen finden werden.“ So jetzt wartete sie wirklich nur noch auf das Urteil ihres Chef und Lehrmeisters. Entweder würde er ihr vor versammelter Mannschaft den Kopf abreißen, oder aber er war begeistert. Dazwischen waren seine Reaktionen selten angesiedelt. Brunos Gesicht war wie immer in solchen Momenten, wie in Blei gegossen, regungs- und emotionslos. Anna setzte sich mit heftig klopfendem Herzen hin und wartete nervös. Ihr Blick wanderte besorgt zu Tom, der sie anlächelte und ihr ein kleines Zwinkern schenkte. Er suchte ihre Hand unterm Tisch und drückte sie aufmunternd. Tom hat es scheinbar gefallen dachte sie erleichtert, aber sie wusste, dass auch Toms Einfluss sehr begrenzt war, wenn das Genie sich ihrer Idee entgegen stellen würde. Anna sah ihm trotzdem dankbar in die Augen, und sie war unglaublich froh ihn an ihrer Seite zu haben.
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„Nun sagen sie schon, wie ist es gelaufen?" Carla, die bereits seit Stunden ungeduldig in ihrer Wohnung auf und ab lief, und auf ihren Besuch wartete, hoffte auf die richtige Antwort, allerdings blieben ihr weitere Worte im Halse stecken, als sie den entschuldigenden Blick ihres Gegenübers erkannte. „Jetzt sagen sie nicht ihre Aktion hatte wieder keine Wirkung?“ Der junge Mann, der immer noch an der Tür stand, zuckte hilflos die Schulter. „Na ja, keine Wirkung würde ich nicht sagen, aber Fr. Broda hat sich beharrlich gegen meine Idee gestellt, und nachdem Hr. Lanford zuerst fast ausgerastet wäre, hat er ihr letztlich doch Zeit zugestanden um sich was anders auszudenken.“ Carla grinste sardonisch. „Welche andere Lösung sollte ihr denn da noch einfallen, wenn sie keine Models hat?“ Der Mann schaute, mit einem kleinen hämischen Grinsen auf sein Gegenüber. Sie unterschätzt ihre Gegnerin, schoss es ihm durch den Kopf. Das war offensichtlich und eigentlich gefiel ihm das, denn Anna war ihm zwar etwas suspekt, aber eigentlich viel sympathischer als seine Auftraggeberin. Aber … er musste seine Aufgabe erfüllen. Komme was wolle. „In der Firma waren auch alle skeptisch, aber …“ er zog die Augenbrauen in die Höhe und sagte bewundernden Blickes „…sie hat eine Lösung gefunden, die ihren Chef wirklich zum Schwärmen gebracht hat.“ Carla starrte ihn an und ließ ihn stehen, um sich dann fassungslos auf ihr Sofa fallen zu lassen. „Dann war unser Einsatz völlig umsonst?“ Dafür hatte sie zwei Tage und jede Menge Geld geopfert? Sie war sich sicher gewesen, dass ihre verhasste Kollegin nach den ersten Irritationen in der letzten Woche, jetzt so langsam an ihre Grenze der Belastbarkeit kommen würde. Aber dieses Biest war stärker, als sie gedacht hatte. „Verdammter Mist! … Hätten sie nicht irgendwas tun können?“ fuhr sie den jungen Mann an, der ihr mittlerweile in die Wohnung gefolgt war. Aber der schüttelte entschlossen den Kopf. „Sie hätten die Stimmung dort erleben müssen, … ich hätte mich auch rausschmeißen lassen können“ sagte er angepisst. Er sah in die funkelnden Augen Carlas, die daraufhin deuteten, dass sich ihre kurze Schockstarre in einen zornigen und rauchenden Vulkan verwandelt hatte. „Sie wissen ja, was passiert, wenn sie sich nicht an unsere Absprache halten.“ zischte sie drohend, denn wenn sie eines gar nicht leiden konnte, war es, dass man ihr nicht den Respekt entgegen brachte, den sie ihrer Meinung nach absolut verdiente. Er nickte resigniert und beobachtete Carla, wie sie wieder aufsprang, und durch ihre Wohnung zog. Er hasste diese Frau, die ihn unter Druck setzte. Sie nahm ein Glas in die Hand, das auf dem Tisch stand und kühlte ihre Verfassung mit einigen Schlucken Wasser. Sie war versucht es gegen die Wand zu schmeißen, aber letztlich knallte sie es wieder auf den Tisch. Mit Entschlossenheit und einem verbitterten Unterton kam ihr ganzer Frust zum Ausdruck. „Diese kleine Bitch. Die kann doch nicht immer durchkommen, nicht immer die Kontrolle behalten. Wir machen weiter … und wir erhöhen den Druck.“ Sie drehte sich wieder ihrem unfreiwilligen Gehilfen zu. „Setzen sie sich. Wir haben zu arbeiten. … Was wissen wir noch? Wie ist die weitere Planung in der Firma?“

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Do Jul 18 2013, 21:43

Hach, was für ein Lesegenuss du uns da wieder beschert hast. Auch wenn ich die Story bereits kenne, ist es immer wieder schön, sie zu lesen.

LG, Mini

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„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
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Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Do Jul 18 2013, 22:20

Ich kann Mini nur zustimmen das ist eine tolle Story super  Lg. Carla

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"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
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katha

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BeitragThema: "23"   So Aug 25 2013, 21:54

Hey Ihr Lieben!
Ja, mich gibt es auch noch, und ich kann Euch sagen, so langsam kehren wieder ruhigere Zeiten ein. So hoffe ich zumindest. Rolling Eyes
Zum Wiedereinstieg in die AnTom-Welt sende ich Euch erst einmal hier eine Fortsetzung. Ist ja lang genug her ...
Bis dahin!
Katha
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Am nächsten Morgen stand also das Lanford-interne Casting für die Zauberhaft-Kollektion an.
Anna hatte tags zuvor noch sämtliche Mitarbeiterinnen zwischen 17 und 27 angeschrieben und sie mit begeisternden Worten zu ihrer Teilnahme aufgefordert. Für Lanford, für die junge Generation und letztlich für sich selbst. Und sie hatte scheinbar den richtigen Ton getroffen, denn es waren viele gekommen.
Anna war erleichtert, denn war sie zwar relativ optimistisch in die Firma gekommen, hatte doch ein letzter kleiner Zweifel an ihr genagt, ob ihr Plan wirklich aufgehen würde. Aber die Resonanz auf ihren Aufruf war einfach bombastisch.
Und nun war sie völlig in ihrem Element. Sie war für jeden ansprechbar, hatte für alle ein liebes Wort, schaute hier und organisierte dort, bis wirklich jedes einzelne weibliche Wesen, das sich bereit erklärt hatte, sich casten zu lassen zu seinem Recht gekommen war. Und schnell war eine Auswahl getroffen worden. Letztlich breitete sie die Entwürfe der Kollektion, sowie die Fotos der ausgewählten Frauen auf dem Konferenztisch aus und bildete Paarungen, veränderte sie wieder, schob die Bilder hier- und dorthin, bis sie letztlich zufrieden auf das Ergebnis schaute. Sie rief die ausgewählten Damen zu sich und schwor sie auf ihre Aufgabe ein. Dann verteilte sie die Outfits, rief die Visagisten und Stylisten zu Rate und besprach die noch notwendigen Änderungen. Es herrschte ein reges Treiben im Atelier, aber es war dieses Mal eine positive Aufbruchsstimmung, die der Tag bereithielt.

Tom stand bereits eine ganze Weile an der Kaffeebar und beobachtete seine Freundin beeindruckt. Mein Gott wie er sie liebte. Sie war so…, so voller Energie, voller Ideen und mit einem unglaublichen Willen ausgestattet, der ihn zwar einerseits kombiniert mit ihrer Sturheit in den Wahnsinn trieb, ihn aber andererseits unglaublich faszinierte und ihn magisch anzog. Sie wirkte so stark, so selbstbewusst …  Umso mehr schmerzte es ihn, dass seit ein paar Tagen immer wieder an ihre Grenzen zu stoßen schien. Immer wieder gab es Situationen, in denen es sie scheinbar unglaubliche Kraft kostete die Kontrolle zu behalten, oder sie sich völlig irrational und ungewöhnlich benahm. Wobei ungewöhnlich war nicht das richtige Wort, denn sie war, wie er in den vergangenen Monaten erleben musste, immer gut für klare Ansagen, die vielleicht nicht immer den richtigen Ton trafen. Aber sie im Normalfall, zumindest in allem, was sie ihm bisher an den Kopf geschmissen hatte, im Recht. Denn Gerechtigkeit war ihr nun mal unglaublich wichtig. Aber jetzt rastete sie aus, ohne dass die Gründe offensichtlich waren, oder sie es als nötig erachtete, sie darzulegen, und das war mehr als seltsam. Aber am meisten verunsicherte ihn der Tatbestand, dass Anna scheinbar mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, die man, wenn man eins und eins zusammen zählte, sicherlich mit zu viel Stress begründen konnte. In diesem Fall ginge es wohl vor allem um emotionalen Stress. Gott sei Dank hatte er es bislang geschafft für sie da zu sein, sie irgendwie aufzufangen, und auch beruflich waren alle drohenden Katastrophen abgewehrt. Aber Tom dachte mit mehr als ungutem Gefühl daran, dass es noch ein paar Tage dauerte bis die Fashion Days, und damit die sensible Zeit des sich jährenden Todes von Jonas, vorbei wäre. Nachdenklich sah er ohne konkretes Ziel ins Atelier und überdachte nochmals die seltsamen Begebenheiten, die in den letzten Tagen aufgetaucht waren, und die in Kombination mit den Erlebnissen des letzten Jahres, sicherlich für Annas labile Gemütsverfassung verantwortlich waren. Es wurmte ihn, sich so hilflos zu fühlen. Aber was sollte er machen? Bislang hatte es einfach keinerlei Hinweise gegeben, wer für diese Dinge verantwortlich sein könnte und somit hatte er keinen Ansatzpunkt, um ihr die Qualen vom Leibe  halten zu können.  Die einzige Person, die Anna wirklich abgrundtief verachtete, war Carla, aber diese war ja gar nicht vor Ort.
Schließlich schüttelte er sich, als ob er die Gedanken und Gefühle zu vertreiben versuchte, die ihn nicht loslassen wollten. Er dachte bewusst an den letzten Abend zurück und dankte Anna insgeheim dafür, dass er sie zumindest in den Stunden nach Feierabend hatte beschützen dürfen.

Nachdem Bruno am Tag zuvor Annas Idee nicht nur akzeptiert, sondern als hervorragend beurteilt hatte, war die Anspannung im Atelier verpufft, als ob eine wichtige Mission, nach vielfältigen Problemen in der Vorbereitung, endlich erfolgreich gestartet wäre. Aufgeregtes Geschnatter und erleichterte Gesichter hatten wieder die Oberhand gewonnen und die Krise war von jetzt auf gleich vergessen gewesen. Auch Anna hatte spontan ihr Strahlen wiedergefunden, was Tom mehr als erfreut und beruhigt hatte. Voller Enthusiasmus hatte sie sich mit Paloma und Enrique an die Vorbereitungen begeben und bis weit in den Abend hinein gearbeitet. Als sie letztlich mit Tom nach Hause gefahren war, hatte sie selbst das Gefühl gehabt, die Kapazitäten, der ihr zur Verfügung stehenden Wörter des Tages, bereits weit überschritten zu haben. Und auch Tom hatte, nach einem erfolglosen Versuch einige Erklärungen für ihr verwirrendes Verhalten zu bekommen, schnell eingesehen, dass es dafür wohl passendere Augenblicke gab. Also hatte er sie mit einem zärtlichen Kuss auf das Sofa verbannt und eine Kleinigkeit zu Essen bereitet. Vergebene Liebesmüh, denn als er mit einem Tablett voller Leckereien zurück kam, war sie bereits im Land der Träume angekommen. Liebevoll hatte er sie ins Bett getragen, sie zugedeckt und sie lange nachdenklich betrachtet, während er dem Tatbestand gedankt hatte, sie, nach diesem Tag, an dem er sich solche Sorgen um sie und ihre berufliche Zukunft gemacht hatte, in seiner Nähe zu wissen.
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Anna war konzentriert inmitten ihrer Absprachen, als plötzlich ihr Telefon klingelte. Sie schaute aufs Display und schaute zweifelnd. Dr. Mertens? dachte sie. Wer ist das? Aber scheinbar muss ich ihn ja kennen, sonst hätte ich seine Nummer nicht gespeichert… Sie entschuldigte sich kurz, „Anna Broda?“ meldete sie sich. „…Welchen Termin?“ sie zog unwissend die Augenbrauen zusammen. „Heute? Ich habe keinen Termin mit ihnen ausgemacht… Hm. Ja, das bin ich…“ Anna ging zum Fenster und schaute genervt hinaus. Mann, was wollen die von mir? Und von welchen Untersuchungsergebnissen reden die? „Hören sie, ich habe keine Ahnung wovon sie sprechen. … Positiv? … Aber ich… Ja, danke. Auf Wiederhören.“ Sie legte auf und betrachtete ihr Handy, als ob es sich um eine ganz erlesene Spezies der Technologie handelte, dessen Einzelheiten man sich genau einprägen musste. Sie schüttelte verwirrt den Kopf, aber dann steckte sie das Telefon entschlossen wieder in ihre Hosentasche und stieß wieder zu ihren Kolleginnen, die auf ihre Entscheidungen warteten. Einige Minuten später merkte sie jedoch, dass sie nicht ganz bei der Sache war. Das Telefonat ließ sie einfach nicht los und ihre Gedanken waren nicht bereit sich von dem aufgeworfenen Thema zu trennen. Sie verkrümelte sich auf die Toilette und stand ratlos vor dem Spiegel. Was hat die da eben gesagt? Ich soll schwanger sein? Anna schüttelte energisch den Kopf. Quatsch, warum mach ich mir darum überhaupt Gedanken? Die können gar keine Ergebnisse von mir haben, schließlich war ich gar nicht in der Praxis. Ich hätte meinen Termin verpasst? So ein Unsinn. Doch nach und nach schob sich ein Gedanke in den Vordergrund, der wohl schon seit dem Telefonat auf den richtigen Moment lauerte. War das nicht die Praxis gewesen, die sie im letzten Jahr aufgesucht hatte, nachdem sie zusammen geklappt war? Ja und, selbst wenn? Das war vor einem Jahr. … Vor ziemlich genau einem Jahr, fiel ihr da ein. Sie zweifelte so langsam an ihrem Verstand, oder an dem der Praxismitarbeiterin. Verzweifelt versuchte sie eine Erklärung zu finden, denn die Ansage, dass sie schwanger wäre, ließ sie nicht los, obwohl diese Aussage auf keinerlei Grundlagen basieren konnte, da sie seit damals keinen Arzt mehr aufgesucht und somit auch keinerlei Körperflüssigkeiten abgegeben hatte, die so eine Diagnosestellung möglich gemacht hätte. Aber da war noch etwas anderes was sie beunruhigte. Ob das die Ergebnisse und der Termin vom letzten Jahr waren? War ich damals vielleicht doch schwanger und ich habe es gar nicht gemerkt? … Wenn ich den Fötus sofort in den ersten Wochen wieder verloren hätte, wäre es mir vermutlich gar nicht aufgefallen. Schließlich war meine Gesamtverfassung damals so schlecht, dass ich einzelnen Schmerzen wohl kaum eine Bedeutung zugemessen hätte. Und jetzt? Die letzten Tage war mir auch immer wieder komisch? … Könnte es wohl sein… Sie schüttelte erneut energisch den Kopf, während sie ihren Blick tief in die Augen ihres Spiegelbildes bohrte. „So ein Quatsch. Das ist ja wohl nicht verwunderlich, bei dem Scheiß, der hier gerade auf mich nieder prasselt.“ Sie stieß sich kraftvoll vom Waschtisch ab und schob den Gedanken entschieden beiseite. Außerdem entschloss sie sich wieder einmal, eine unerklärliche Geschichte, die ihr widerfuhr, auf sich beruhen zu lassen, schließlich hatte das alles für das Hier und Jetzt keine Bedeutung.

Einige Stunden später war für die nächsten Tage alles geklärt und die noch notwendigen Arbeiten an die zuständigen Stellen deligiert. Anna hatte ihren Job für den heutigen Tag erledigt. Lediglich die Modelle für den Foto-Call verpackte sie noch selbst in die Kleidersäcke und hängte sie an einen Kleiderständer, ehe sie sich erschöpft an die Kaffeebar begab. Puh, das war mal ein Mammuttag, dachte sie zufrieden. Sie nippte an einem Tee, den sie sich gerade bereitet hatte und lächelte froh, bei der Vorfreude, die sich langsam in ihr breit machte. Endlich wird meine Kollektion über die Bühne laufen. ... Hoffentlich kommt sie gut an, dachte sie, als sie ihren Namen vernahm. „Fr. Broda?“ Sie drehte sich um. „Ja?“ Dort stand ein Mann, mit einem länglichen Paket in der Hand. „Ich habe hier eine Lieferung für sie.“ Anna schaute ihn fragend an. „Sind sie sicher? Für mich?“ Sie konnte sich nicht erinnern, etwas bestellt zu haben. „Wenn sie Fr. Broda sind, … dann ja.“ Er schaute sie entschuldigend an. Als sie seinen Einwand erneut bejahte, trat er mit seinem Quittungsgerät an sie heran. „Wenn sie bitte hier unterschreiben würden?“ Anna nahm den Stift in die Hand und kritzelte ihr Zeichen auf das Display. Dann bekam sie das Paket in die Hand gedrückt und der Mann war wieder verschwunden. Sie betrachtete die Pappschachtel. Der länglichen Form nach zu urteilen konnte es sich eigentlich nur um … . Sie schaute in Richtung von Toms Büro und ein Strahlen überzog ihr Gesicht. Aufgeregt hob sie den Deckel der Schachtel ab. Ihr Herz klopfte vor Aufregung, aber was sie dann erblickte, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.

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BeitragThema: "24"   So Sep 01 2013, 09:24

Hallo,huhu  ein neuer Teil meiner alten Geschichte ... Ich wünsche viel Spaß beim Lesen. readcoffee Hier wird es in Zukunft etwas flotter voran gehen ...

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Was ist denn das? … Was soll das? Anna starrte geschockt auf den Inhalt des Paketes, das sie gerade geöffnet hatte. Sie hatte ja an einen Blumengruß gedacht, … aber sicher nicht an so einen. Eine langstielige, komplett schwarze Rose lag da, eingerahmt von zwei weißen Lilien. Die Farbe wich ihr aus dem Gesicht und sie wurde wieder einmal von diesem überfordernden Kopfrauschen überfallen, das so langsam ihr ewiger Begleiter wurde. Bevor sie ihren Verstand völlig im Strudel der auf sie einstürmenden Gefühle verlor, nahm sie schnell die Karte zur Hand, die der Sendung beilag. „Zwei Tage noch!“ mehr stand nicht drauf, aber Anna verstand die Nachricht auch so. Sie schmiss die Karte zurück in den Karton und machte so schnell es ging den Deckel zu, um dem grausigen Anblick von Jonas offenen Grab zu entkommen, der sich sogleich mit diesem schrecklichen Gruß verband. Nach einem Moment der erschütterten Bewegungslosigkeit, drehte sie sich unter großer Bemühung ihrer Selbstbeherrschung um, und ließ ihren Blick durch die heiligen Hallen des Ateliers gleiten. Es war alles ruhig, scheinbar war sie alleine. Sie stand so schnell wie es ihre zittrigen Knie erlaubten auf, nahm die Schachtel mit einem aufkommenden Ekelgefühl in die Hand und schmiss sie, ohne noch einen Blick darauf zu werfen, in den Mülleimer hinter der Kaffeetheke, als ob es sich um ein tödliche Substanz handelte, dessen man sich so schnell wie möglich entledigen musste. Unter den skeptischen Blicken Toms, der gerade um die Ecke seines Büros trat, flüchtete sie mit vorgehaltener Hand auf die Toilette. Sie schloss sich in eine Kabine ein, ließ sich an der Wand hinab gleiten und unterdrückte mit Mühe ihren Brechreiz. Ihr Puls raste und sie atmete heftig ein und aus während sie mit leerem Blick auf die Toilettentür starrte. Beruhige dich, versuchte sie sich wieder runter zu holen, und den Drang sich zu übergeben zu kontrollieren. Ihre Gedanken rasten durch ihren Kopf, wie die Satelliten durchs All. Sie ließen sich einfach nicht von ihrer Laufbahn abbringen, wie sehr sie es auch versuchte, aber zumindest ihr Körper und ihre Sinne ließen sie nicht komplett im Stich und spielten nach und nach wieder das gewohnte Spiel. Nach fünf Minuten, in denen sie einfach nur wie gelähmt da gesessen und gegen ihren drohenden Sinnesverlust angekämpft hatte, hörte sie wie sich die Tür öffnete. Sie hielt die Luft an und hörte gebannt auf die Geräusche… Leise Schritte, einen, zwei, dann Stille… „Anna, bist du hier?“ hörte sie Toms besorgt klingende Stimme von der anderen Seite der Kabinentür. Sie stieß die Luft leise wieder aus. „Ja, … Ich bin gleich bei dir,“ brachte sie gerade so heraus. Sie rieb sich noch einmal über ihr Gesicht, stand mit Mühe auf und drückte die Spülung. Dann zuppelte sie ihre Kleidung zurecht und straffte ihre Schultern, ehe sie die Verriegelung löste und heraustrat. Tom lehnte voller besorgter Ungeduld am Waschtisch und wartete. Sein Gesicht entspannte sich erst ein wenig, als er sie erblickte. „Du sahst eben gar nicht gut aus,…“ sagte er vorsichtig, als Anna die Toilettentür öffnete, stockte jedoch als sie aus dem Dunkel der Kabine trat und er sie genauer betrachten konnte. Ihre Erscheinung war erschreckend. Sie war blass und sah völlig fertig aus. „Nein. ich korrigiere, du siehst gar nicht gut aus … Ich mach mir Sorgen um dich.“ Anna versuchte ein Lächeln auf ihr Gesicht zu zaubern, was aber nicht so ganz gelingen wollte. „Du bist so lieb,“ sagte sie und ging, sich zwischendurch an der Wand abstützend, zum Waschbecken, um sich die Hände zu waschen. Er ist wirklich ein Schatz. … Aber … ist das alles richtig? „Zwei Tage noch!“ tauchten die drohenden Worte erneut in ihrem Kopf auf. Jonas. Er war meine große Liebe, mein Mann… Er ist gestorben, einfach so, ohne Vorankündigung, hat mich einfach alleine gelassen … Die Gedanken in ihrem Kopf ließen sich einfach nicht niederringen, waren stärker als Annas Verstand. Sie stützte sich auf dem Waschtisch ab und atmete einige Male tief ein und aus, denn sie war immer noch nicht sicher, ob sie sich die Toilette nicht doch einmal genauer anschauen sollte. Dann trocknete sie sich, unter den beunruhigten Blicken ihres Liebsten, ihre immer noch zitternden Hände ab und lehnte sich ebenfalls an den Waschtisch. „Wahrscheinlich habe ich nur was Falsches gegessen“ versuchte sie ihn zu beruhigen. Tom zog sie in seine Arme und völlig erschöpft legte Anna ihren Kopf gegen seine Brust und schloss die Augen. „Sollen wir nach Hause fahren?“, fragte er fürsorglich, während er ihr beruhigend über den Rücken strich, und Anna rang mit sich. Irgendwie fühlte es sich gut an in seinen Armen zu liegen und es war verlockend, sich durch seine Gesellschaft ablenken zu lassen, aber sie befürchtete, dass es heute nicht funktionieren würde. Dass sie seine Nähe wahrscheinlich gar nicht ertragen würde. Daher sagte sie verlegen, „Tom, ich würde heute gerne Zuhause schlafen," Sie kniff die Augen zusammen und fügte leise hinzu,"Alleine.“ Sie wusste, dass Tom enttäuscht sein würde. Seit sie zusammen waren, hatten sie keine Nacht getrennt verbracht, aber es ging einfach nicht anders. Tom schob sie ein Stück von sich weg, und musterte sie eingehen, während sie seinen Augen unsicher auszuweichen versuchte. „Bist du sicher?“, fragte er. Seine Stimme war gefasst, auch wenn er seinen deutlichen Widerwillen nicht ganz verstecken konnte. Anna, sammelte ein wenig Energie zusammen und hob schließlich langsam den Kopf. Sie sah ihm fest in die Augen. „Ich brauch heute einfach mal ein bisschen Zeit für mich“ Sie blieb bei ihrem Vorsatz und ließ sich auch nicht erweichen, als Tom ihr liebevoll über die Wange strich und sie mit einem sorgenvollem Dackelblick anschaute. „Okay“ ließ er sich schließlich darauf ein, „aber ich fahre dich zur Else. Ich will zumindest die Sicherheit haben, dass du gut dort angekommen bist.“ Seine Stimme war eisern und Anna war klar, dass er sich von diesem Vorhaben nicht abbringen lassen würde. Letztlich war sie eigentlich auch froh darüber, fühlte sie sich doch total beschissen und fehlte ihr auch so langsam das Vertrauen in ihren Körper, der sie in den letzten Tagen immer öfter im Stich ließ.
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Anna betrat ihr Zimmer. Sie hatte gerade noch einige Minuten Smalltalk mit ihrer Mutter halten müssen, die begeistert war, dass Anna endlich mal wieder Zuhause schlafen wollte. Aber nach der anfänglichen Freude, hatte auch Susanne schnell einen sehr nachdenklichen und besorgten Blick aufgesetzt, als sie ihre Tochter genauer betrachtete. Anna wirkte erschöpft, blass, fahrig, … irgendwie ziemlich neben der Spur. Aber da diese mehrmals betont hatte, dass alles gut wäre und den Eindruck machte, dass man sie besser in Ruhe ließ, hatte Susanne ihrer Tochter noch einen Teller mit einer kleiner Mahlzeit und ein Wasser aufgenötigt, bevor sie ihr eine Gute Nacht gewünscht und sich wieder an die Arbeit gemacht hatte.
Endlich allein, ging es Anna durch den Kopf. Sie ging durch ihr Zimmer auf den Schreibtisch zu und stellte das Tablett ab. Dann schloss sie schnell die Tür hinter sich und schaute sich in dem Halbdunkel um, das sie umfing. Draußen war die Nacht bereits herein gebrochen und nur die Straßenlaterne vor dem Fenster warf ein wenig Licht in ihr Zimmer. Sie knipste die Sternenlampe, die einzige Erinnerung an Jonas, die sie nicht aus ihrem Zimmer verbannt hatte, an, und ließ sich auf ihr Bett fallen. Ich war lange nicht mehr hier. Mein Reich … was ich hier nicht schon alles erlebt habe. Als sie den an der Decke kreisenden Sternen nachsah holten sie spontan ihre Erinnerungen ein, vor allem die Erinnerungen an die letzten Tage, die sie mit Jonas verbracht hatte. Sie waren zusammen so glücklich gewesen, hatten an ihre gemeinsame Zukunft geglaubt. An eine gemeinsame Familie ... und dann war das Unfassbare passiert. Sie fühlte einen Moment in sich hinein und war erschreckt über die plötzliche Leere, die ihre Erinnerungen an die schrecklichen Erinnerungen in ihr zurückließen. Da schoss der Satz, der sie bereits seit einem halben Tag verfolgte, wieder durch den Kopf. „Ich wollte ihnen nur mitteilen, dass der Schwangerschaftstest, den wir veranlasst haben, positiv war. Sie sind schwanger Fr. Broda. Herzlichen Glückwunsch!“
War ich wirklich schwanger? Von jetzt können sie nicht gesprochen haben. Es kann sich nur um ein Missverständnis handeln. Hat mir die Praxis vielleicht doch die Ergebnisse des letzten Jahres mitgeteilt? Aber der Arzt hatte mir doch damals gesagt, dass ich lediglich Eisenmangel hätte… Kann so ein Fehler wirklich passieren? Ihre Erwägungen schienen völlig obskur, aber ließen sie einfach nicht mehr los. Sie konnte sich nicht mehr genau erinnern, ob der Arzt nicht zur Sicherheit doch noch einen Schwangerschaftstest gemacht hatte. Und wenn ja, was wäre das heute für eine Nachricht für sie? Dann hätte ich damals das Wertvollste verloren, das Jonas zurück gelassen hat… Anna strich sich über den Bauch und sie verspürte eine unglaubliche Last, die sich auf ihr Herz legen wollte und sie zu erdrücken suchte. Sie probierte diese Gedanken, die ihr im schlimmsten Fall nur noch zusätzlichen Schmerz zufügen würden, zu unterbrechen und die Vergangenheit einfach ruhen zu lassen, aber insgeheim wusste sie, dass sie dem nachgehen würde. Sie musste einfach wissen, ob ihre Vermutung zutraf und ob sie noch einen Menschen zu betrauern hatte.
Langsam bahnten sich vereinzelte Tränen ihren Weg und nach und nach schienen die Schleusen komplett zu brechen. Anna weinte bittere Tränen, um Jonas, um ihre gemeinsame Liebe, um ihre gemeinsame Zukunft, die ihnen nicht vergönnt war und ein ungeborenes Kind, dass es eventuell gegeben haben könnte. Ein ungeborenes Kind, das sie evtl.  genauso wie ihren Mann nicht hatte beschützen können.
Sie fühlte sich wirklich zurück versetzt in die Zeit, als man ihr den Boden unter den Füßen weggerissen hatte. Es war wieder alles da, … so real, als ob es gerade erst passiert wäre. Ihre Angst um Jonas, als er nicht wieder auftauchte;  der Moment, als die Polizisten plötzlich vor ihr in der Wohnung standen; der Anblick von Jonas Leichnam in der Lagerhalle, die Beerdigung. Das Bild der schwarzen Rose und der Lilien haftete in ihrem Kopf und verzweifelt dachte sie an den Moment, an dem sie sich hatte verabschieden müssen. Wie sie am offenen Grab gestanden und versucht hatte, die richtigen Worte zu finden, … die es gar nicht geben konnte. Das Atmen fiel ihr schwer unter den Tränen, die sie vergoss, und dem bedrückenden Gefühl, das ihr quasi den Brustkorb zuzog. Sie holte die Kiste, mit den Erinnerungsstücken an ihre glückliche Vergangenheit, unterm Bett hervor und öffnete unter Schluchzen den Deckel. Sie war nicht sicher ob sie Trost oder ihre endgültige Zerstörung suchte, aber beides versprach die Erlösung von dieser bitteren Verzweiflung, der sie gerade erlag. Sie nahm einige Erinnerungsstücke heraus und betrachtete sie, bis sie das Bild von ihrer Hochzeit in die Hand hielt. Sie waren so glücklich gewesen. Sie strich immer wieder verzweifelt über Jonas Gesicht und hauchte seinen Namen, ehe sie es an ihre Brust drückte. Sie konnte sich gar nicht mehr beruhigen, und als sie letztlich Jonas Uhr herauszog, die bei dem Unfall, der ihm das Leben gekostet hatte, kaputt gegangen war, verlor sie endgültig die Kontrolle. Sie stierte auf das Ziffernblatt. Das Glas zeigte Risse der Zerstörung, aber die Zeiger … sie bewegten sich, zumindest versuchten sie es. Sie wurden lediglich durch die Scherben, die sich in das Gehäuse drückten, daran gehindert und Anna war versucht aufzuschreien. Sie war ein Synonym ihrer inneren Verfassung. Die Zeiger der Uhr waren genau zum Zeitpunkt des Unfalls stehen geblieben, wurden in ihrem Weitergang der Geschichte gehemmt, obwohl sie doch stetig versuchten voran zu schreiten. Anna schmiss die Uhr und alle anderen Erinnerungen wieder in die Kiste zurück und verbannte sie wieder unter dem Bett. Sie zitterte am ganzen Körper und hatte das Gefühl, einen Ozean mit ihren Tränen füllen zu können. "Ich werde wahnsinnig. Ich verliere total die Kontrolle … Ich kann nicht mehr …" murmelte sie verzweifelt vor sich hin. Vermutlich war sie von einem Nervenzusammenbruch nicht mehr weit entfernt. Ihren Gefühlen völlig wehrlos ausgeliefert, kringelte sie sich hilfesuchend zusammen und zog sich ihre Decke über den Kopf. Sie hatte wohl die Hoffnung, sich damit vor der Welt schützen zu können, und den Wirbelsturm, der in ihrem Inneren herrschte, irgendwie zu überstehen.
Tom, schoss es ihr plötzlich durch den Kopf. Sie wurde von einer heftigen Sehnsucht nach ihm und seinen schützenden Armen gepackt, und sie schluchzte noch heftiger, denn die einzige Person, die in der Lage wäre sie jetzt zu beruhigen, in dessen Armen sie sich sicher fühlen würde, hatte sie, zumindest für diesen Tag, von sich gewiesen. Aber was hätte ich denn tun sollen? Sie wollte ihn nicht so verwunden, und er wäre mit Sicherheit verletzt gewesen, wenn sie in seiner Gegenwart wegen Jonas einen solchen Heulkrampf erlitten hätte. Zu der Trauer und Verzweiflung um Jonas, fügten sich nun, da auch Tom in ihren Gedanken präsent war, auch noch die Zweifel, ob sie gemeinsam wirklich glücklich werden konnten, ob sie den neuen Mann in ihrem Leben nicht genauso verlieren würde wie Jonas, ob sie wirklich die Kraft haben würde, sich auf die Gefahr eines erneuten Verlustes einzulassen. Anna war völlig verzweifelt und hoffnungslos, und erst nach langer, langer Zeit hatte sie sich in einen unruhigen Schlaf geweint.
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Währenddessen bei dem Mann, den Anna mit ihrer Verzweiflung und ihrer Trauer nicht verletzten wollte, obwohl dem vermutlich alles lieber gewesen wäre, als sie alleine zu lassen und alleine zu sein.
Meine Wohnung ist einfach viel zu groß, dachte Tom, als er die Tür hinter sich ins Schloss geworfen hatte und frustriert in seinem Wohnzimmer stand. Er schaute sich um ... Irgendwie fühlte er sich völlig verloren, und dass in seinen eigenen vier Wänden, die an Quadratmetern jetzt nicht gerade protzte und  durchaus von einer Person zu füllen war. Plötzlich wurde im klar, wie unpersönlich und trostlos die Wohnung war. Er hätte genausogut in den Ausstellungsräumen eines Möbelhauses stehen können, da wäre genauso viel Gefühl in ihm aufgekommen. Teure Möbel, aber keine Persönlichkeit, wenn man das bei einer Wohnung so sagen konnte. Zweifelnd ging es ihm durch den Kopf, Mann, das ist meine Wohnung ... Warum fühle ich mich nicht Zuhause? Aber es war eine rethorische Frage, denn er kannte die Antwort. Es fehlte einfach etwas, genauer gesagt Jemand, und ohne sie, ohne seine Anna war kein Leben, keine Gemütlichkeit, einfach kein heimeliges Gefühl für ihn wahrnehmbar. Er fragte sich, wie er all die Jahre ohne genau diese Gefühle überstanden hatte. Mit ständiger Kälte und einer Oberflächlichkeit, die sehr erschreckend war, wenn man darüber nachdachte.
Tom war enttäuscht, dass Anna den heutigen Abend und die Nacht nicht mit ihm verbringen wollte. Einerseits weil ihn ein unglaublich schlechtes Gefühl begleitete und er gerne auf sie aufpassen und für sie da sein wollte, aber auch weil er sich selbst schrecklich verloren vorkam, wenn sie nicht in seiner Nähe war. Er hatte schließlich nachgegeben, da er Anna nicht auch noch bedrängen wollte, denn irgendwie konnte er ja nachvollziehen, dass in ihrem Kopf vermutlich die Hölle wütete. Er hatte zwar nicht herausgefunden, warum es ihr zum Feierabend schon wieder so schlecht ging - die Geschichte mit dem falschen Essen konnte sie vielleicht ihrer Oma erzählen - , aber die letzten Tage gaben ja Anlass genug, um verstört zu sein. Jetzt reiß dich mal zusammen. Du bist erwachsen, du hast jahrelang alleine gelebt, und diese eine Nacht wird dich schon nicht umbringen. Anna braucht vermutlich wirklich einfach mal Zeit um sich ihren Gedanken und Gefühlen zu stellen. Ich habe Jahre gebraucht um mit Fannis Tod klar zu kommen …, versuchte er sich zu beruhigen und sich endlich wieder auf den Teppich zurück zu holen. Er hatte sie schließlich nicht irgendwo auf der Straße abgeladen, sondern bei ihren Eltern, die gewiss auf sie aufpassen würden.
Um sich selbst abzulenken, überlegte er, was er mit dem Abend anfangen wollte. Was er tun könnte, das er in Annas Beisein nicht machen würde … Aber wenn er ehrlich war, fiel ihm nichts ein. Er könnte sich prollmäßig ein Bier aufmachen, die Füße auf den Tisch legen und sich ungeniert kratzen, während er billige Hau-drauf-Filme ansah. Aber bei dem Gedanken daran konnte er nur abfällig lächelnd den Kopf schütteln. Ne, das war nun wirklich nicht seine Welt. Er wurde von der Gewissheit erfasst, dass er das Gefühl der Einsamkeit und der Unruhe alleine nicht würde verdrängen können, und so beschloss er, einfach noch mal raus zu gehen und sich dort Ablenkung zu suchen. Er schnappte sich Jacke und Schlüssel und wanderte zur Ego-Bar. Vielleicht waren Paloma und Enrique ja da, oder Virgin. Die Chance bekannte Menschen zu treffen, war dort auf jeden Fall am größten.
In der Bar angekommen, sah er sich suchend um, aber leider war keiner der üblichen Verdächtigen zu erblicken. Er setzte sich enttäuscht an die Theke. War er prinzipiell ja eher nicht der gesprächige und gesellige Mensch, hätte er sich heute doch gerne mitten in eine Schar von gutgelaunten jungen Menschen begeben. Er ließ seinen Blick nochmal durch den Raum gleiten, bis er an zwei Personen hängen blieb, die sich scheinbar stritten. Zumindest ließ die Mimik und Gestik des Paares darauf schließen. Ist das nicht?... schoss es ihm durch den Kopf. Er schaute nochmal genauer hin. Und das ist doch? ... Na und wenn schon. Tom wendete sich seinem Whisky zu, der ihm gerade vor die Nase gestellt wurde, bevor er nochmals in die Ecke schaute, um sich zu vergewissern, ob ihm sein Sehsinn vielleicht einen Streich spielte. Kann das wirklich ein Zufall sein?

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Sonnenschein
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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Sep 01 2013, 11:45

Oh, mein Gott, mehr sag ich einfach nicht! Shocked Shocked Shocked 
Der lieben Carla gebührt das -> kloppe
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mo Sep 02 2013, 22:30

Hallo Tastentante,

Anna hat es gerade wahrlich nicht leicht. - Aber Tom auch nicht schmoll 
Und Carla, tja was soll ich da noch sagen ... ist wohl alles schon gesagt idontknow 

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katha

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BeitragThema: "25"   Di Sep 03 2013, 20:51

Und weiter geht´s!write
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Die beiden Personen, die Tom zu erkennen glaubte, trennten sich von einander und gingen in unterschiedliche Richtungen davon. Die haben doch miteinander geredet. Woher kennen die sich? fragte er sich völlig irritiert. Oder sind sie nur zusammengestoßen und der arme Kerl hat sich eine Abfuhr eingehandelt? Wäre ihm nicht zu wünschen, aber andererseits … wer würde sich schon freiwillig mit ihr abgeben? Die Gedanken, die Tom beim Anblick dieser Frau überkamen, waren mittlerweile nur noch durch Abscheu und Bosheit gekennzeichnet. Eigentlich völlig untypisch für den Mann, der ansonsten nach dem Prinzip ‘leben und leben lassen’ agierte. Tom fixierte die Frau, die auf ihn zukam, während er noch in seinen Gedanken vertieft war. Als ihr Blick auf ihn fiel, schimmerte ein kurzer Schreck durch ihr Gesicht, ehe sich die sichere Maske des Hochmuts und die kühle Ausstrahlung eines Eiszapfens wieder in ihrer Mimik manifestierten. „Hallo Carla.“ Begrüßte Tom seine Angestellte knapp. In seiner Stimme schwang ein Hauch von Argwohn und sein Blick wanderte von ihrem Gesicht bis zu den Füßen und wieder zurück. Jeans und T-Shirt, ungeschminkt und mit einfach offenen Haaren. Wann habe ich Carla das letzte Mal in solch einer Natürlichkeit gesehen? fragte er sich, und mal abgesehen von den Zeiten, in denen sie nach einer gemeinsamen Nacht, mehr oder weniger bekleidet durch seine Wohnung stolziert war, konnte er sich an keine Situation erinnern. „Ach, Hallo Tom!“ begrüßte Carla den Mann ihrer Träume und sah ihn amüsiert an, denn sein herumstreifender Blick war ihr nicht entgangen. „Und, gefällt dir was du siehst?“ Tom sah gelassen in ihre Augen. „Ich war mir nur nicht sicher, ob du es tatsächlich bist. Ich wusste gar nicht, dass du so etwas Banales wie eine Jeans überhaupt besitzt, geschweige denn in der Öffentlichkeit trägst.“ Ihr Spott gefror ihr im Gesicht, bei seinen Worten, die natürlich nicht die Aussage enthielten, die sie gerne gehört hätte. Und eigentlich war es verwunderlich, dass sie trotzdem ein Stück weit getroffen war. Hätte sie doch vorher wissen können, dass er ihr keine Komplimente machen würde. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken, und außerdem eine unverwüstliche Überzeugung, dass Tom zu ihr gehörte und er diesen kurzen Ausflug ins Annaland nur allzuschnell beenden und zu ihr zurück kommen würde. „Du weißt so einiges nicht von mir, mein Lieber“ gab sie in bitterem Ton zurück. Tom ignorierte diese Aussage, denn er hatte auch keinerlei Interesse noch mehr über sie zu erfahren, als er schon wusste. Das war wirklich mehr als genug, aber was er überlegte war, was ihn außer ihrer natürlichen Erscheinung noch irritierte und bei einem erneuten Blick über ihre Erscheinung, fiel es ihm auf. Er hob skeptisch die Augenbrauen „Der Gips ist ab, ist dein Bein also wieder geheilt?“ spottete er mit Freuden. „ War dir dein Gynäkologe noch einen weiteren ‘Gefallen’ schuldig, oder hast du den Gips einfach selber abgerissen?“ Wenn er überlegte, dass es noch gar nicht so lange her war, dass er sie bei der Erpressung ihres ‘Seitensprungs’ erwischt hatte, wurde ihm klar, wie viel in den letzten Wochen passiert war und er dankte Gott im Himmel dafür, dass er heute die Frau in den Arm nehmen konnte, die er liebte. Na ja bis auf den heutigen Abend, was ärgerlich und enttäuschend genug war. Carla stand mit mittlerweile leise brodelnder Wut vor ihm und ihre Augen verzogen sich zu gefährlichen Schlitzen. Sie schaute sich suchend um und grinste innerlich, als sie sich vergewissert hatte, dass Tom tatsächlich ohne Anna unterwegs war. Sollte ihr Plan doch langsam aufgehen?  „Und du? Heute so alleine? Hat dein Betthäschen etwa keine Zeit für dich?“ legte sie dann auch gleich mal mit hämischen Grinsen den Finger in die Wunde. Sie war sich nämlich sicher, dass diese gerissen war. Doch ihr Ex reagierte gelassener, als sie es mit ihren Worten wohl provozieren wollte, was wohl daran lag, dass sie ihn einfach nicht mehr schocken konnte. Er erwartete gar nichts anderes mehr von ihr. „Ich kann mich nicht daran erinnern, je eines gehabt zu haben, es sei denn zu sprichst von dir … Aber falls du meine ‘Freundin’ meinst? … Da kann ich guten Gewissens behaupten, dass sowohl sie als auch ich selbständige Menschen sind, die auch unabhängig von einander lebensfähig sind. Und Gott sei Dank gibt es Menschen, denen man wirklich blind vertrauen kann …“ Carla hatte diesen Seitenhieb durchaus verstanden, und auch wenn sie sicher war, dass mehr hinter seinem alleinigen Herrenabend steckte, als ein einfach getrennt verbrachter Abend, wurmte sie seine Antwort. Sie drehte sich abrupt um und ließ ihn mit einem über die Schulter gezischtem „Dann wünsch ich dir noch einen schönen, ‘unabhängigen’ Abend.“ einfach stehen. Du wirst dich noch wundern, was aus eurem blinden ‘Vertrauen‘ passieren wird. Und dann wirst du endlich erkenne, wen du wirklich brauchst.

Tom sah ihr mit einem abfälligen Kopfschütteln hinterher, dann wendete sich wieder seinem Getränk zu und nahm einen kräftigen Schluck, um den schalen Geschmack, den die Begegnung mit Carla in ihm hinterlassen hatte, herunter zu spülen. Wenn ich nur irgendeine Idee hätte, wie Carla mit Annas Verfassung in Verbindung stehen könnte… Eigentlich bin ich mir sicher, dass sie wieder eines ihrer perfiden Spielchen abzieht. … Sie ist einfach wie die Pest, ... obwohl von der Pest ist die Menschheit zumindest befreit.
Seine Unruhe, die ihn einfach nicht mehr aus ihren Fängen ließ, und vor allem, wenn sich Anna nicht in seiner unmittelbaren Nähe befand, nicht zu ignorieren war, stieg eine weitere Stufe der Leiter hinauf und Tom wibbelte unruhig auf seinem Hocker herum. „Guten Abend Hr. Lanford,“ wurde er da angesprochen und wirbelte erschrocken herum. Verwirrt schaute er in das Gesicht des jungen Mannes, der eigentlich nur höflich sein wollte, da es sich wohl nicht geziemte seinen Chef zu ignorieren. „Hallo Carsten…“ brachte Tom nach einem Moment hervor, in dem er den Praktikanten erst einmal als selbigen erkennen musste. Seine Gedanken schwirrten sofort zurück zu der eben beobachteten Szene, und auch wenn er eigentlich keine Lust auf Small-Talk verspürte, überlegte er, ob er sich nicht noch ein wenig mit ihm unterhalten sollte. Vielleicht konnte er ja was aus ihm heraus bekommen. „Setzen sie sich doch!“ forderte er den Marketing-Praktikanten dann auch schnell auf und wies auf den freien Hocker neben sich. Der junge Mann warf einen unsicheren Blick Richtung Tür und überlegte scheinbar, wie er sich aus der Situation retten konnte, aber dann gab er sich geschlagen und kletterte etwas verlegen auf die angebotene Sitzgelegeheit. „Möchten sie was trinken? Ich lade sie ein.“ Carsten fühlte sich sichtlich unwohl und überlegte was er trinken sollte, während er seinen Blick suchend über die Theke gleiten ließ. „Einen Cocktail, ein Bier, …“ fragte Tom nach und beobachtete ihn derweil genau. Er realisierte, dass Carstens Blick an seinem eigenen Getränk hängen blieb. „Oder vielleicht etwas Stärkeres?“ Carsten sah ihm erschrocken ins Gesicht, was dachte sein Chef denn von ihm? Und obwohl ihm tatsächlich der Sinn nach etwas ganz Starkem stand, bestellte er sich schließlich eine Cola. Damit fühlte er sich auf der sicheren Seite.
„Und? Wie gefällt es ihnen bei uns?“, nahm Tom das Gespräch wieder auf, und Carsten schossen verschiedenste Gedanken durch den Kopf, die ihm das Antworten erschwerten. Er fühlte sich wohl bei Lanford. Die Kollegen waren zwar alle etwas verrückt, aber irgendwie doch sehr sympathisch, und vor allem die Zusammenarbeit mit Enrique und Paloma machte ihm echt Spaß.
Aber da war ja sein ‘Auftrag’ den er zu erfüllen hatte, und der ihn anwiderte. Es war ihm nicht entgangen, wie schlecht es der jungen Designerin ging, die er mit seinen ständigen Aktionen traktierte und es tat ihm, nachdem er sich bei den Kollegen unauffällig nach ihrer Geschichte erkundigt hatte, unendlich Leid immer weiter auf ihrer inzwischen sehr labilen Verfassung rum zu trampeln. Hatte er anfangs gedacht, dass es ein Leichtes sein würde Fr. Rhonstedts ‘Wünschen’ nachzukommen, und sich somit endlich aus seinem eigenen Schlamassel zu befreien, kostete es ihn mittlerweile jede Menge Kraft, dieses miese Spiel entgegen seines schlechten Gewissens weiterzuspielen.
Vielleicht sollte ich mal eine Antwort geben, wenn mich mein Chef nicht als völligen Trottel abstempeln soll, dachte er, als er realisierte, dass Tom ihn noch immer mit erwartungsvollem Blick ansah. „Gut“ antwortete er sparsam, und die Reaktion seines Gegenübers war entsprechend. Mit hochgezogenen Augenbrauen und vorgeschobenen Lippen nickte er, und fragte auch gleich nach „Ah ja, das war mal eine aussagekräftige Antwort. … Was genau ist denn gut?“ Carsten fühlte, dass ihm die Röte in den Kopf stieg. „Na ja, … die Arbeit ist interessant, … die Kollegen sind nett, und ich finde es spannend, wie das alles so läuft.“
Spannend, griffen Toms deprimierte Gedanken diese Beschreibung sogleich auf, und ohne es zu merken, dachte er laut weiter. „Ja, so kann man es zur Zeit wohl sehen …“ Carsten beobachtete nun seinerseits seinen Nachbarn, der wohl irgendwie in seine eigene Gedankenwelt abgedriftet war, und in sein Getränk starrte, bevor er gelangweilt daran nippte. „Das ist nicht immer so?“ fragte der Praktikant nach und riss damit Toms Aufmerksamkeit wieder an sich. „Äh, ne, … na ja, eigentlich ist bei uns schon immer was los. Mein Vater hat ein Talent dafür, für Trubel zu sorgen.“ Er lächelte ihm mit wissendem Blick zu. „Aber zur Zeit ist es wegen der Fashion Days schon besonders chaotisch." Von allem anderen wollen wir mal nicht sprechen, fügte er gedanklich hinzu. "Was haben sie vor, wenn das Praktikum beendet ist? Sie sind jetzt erst einmal für drei Wochen da?“ Jetzt war Carsten wieder an der Reihe in seine Kopfwelt einzutauchen, scheinbar wurden in diesem Gespräch durchaus relevante Fragen gestellt, auch wenn sie nicht in dem Zuge beantwortet wurden, wie man es in einem guten, vertrauensvollen Gespräch erwartet hätte. Aber um ein eben solches drehte es sich bei dem zufälligen Zusammentreffen auch nicht. Ganz im Gegenteil. Tom interessierte eigentlich nur ob es eine Verbindung zwischen Carla und Carsten gab und Carsten versuchte einfach nur möglichst vage zu sein, um ja keine Aussage zu treffen, die ihn auffliegen lassen könnte.
Ja, was mache ich danach? Eine berechtigte Frage … Wenn alles glatt läuft, die Vergangenheit abhaken und mich endlich wieder der Zukunft zuwenden. …
Dafür habe ich dann allerdings eine andere Person in den Sumpf gestoßen, dachte er deprimiert, denn auch wenn die Sache für ihn gut ausging, würde der schale Beigeschmack der Schuld in ihm weiterwirken, da war er mittlerweile sicher. Oder sogar zwei? ergänzte er seine gedanklichen Ausführungen, während er Tom aufmerksam beobachtete. Dieser schien die Zeit, in der er auf eine Antwort wartete, dazu zu nutzen über andere Dinge nachzudenken. Er wirkte sehr nervös und gar nicht so souverän, wie er in der Firma immer auftrat. Carsten hatte gehört, dass der Geschäftsführer von Lanford in der Modewelt eigentlich als „scharfer Hund“ gehandelt wurde, allerdings konnte er diese Einschätzung bislang nicht wirklich teilen. Auf ihn wirkte er zwar relativ überlegen und immer auf seine Stellung bedacht, aber irgendwie auch abwesend und froh, wenn man ihn in Ruhe ließ. Einen scharfen Hund stellte sich der junge Mann jedenfalls kühler und abgebrühter vor. Aber vermutlich war Toms momentanes Verhalten der Tatsache geschuldet, dass er sich ganz offensichtlich große Sorge um seine beste Designerin und Freundin machte. Persönlich konnte Carsten Toms Entscheidung für Anna und gegen Carla immer besser verstehen, obwohl er die Hintergründe nicht kannte.
Er hatte bereits einen Tag zuvor echte Hochachtung für die blonde Frau empfunden, als sie sich vor dem Mode-Genie aufgebaut hatte, um sich gegen seinen Vorschlag des Street-Castings zu stellen. Und mit welcher Überzeugung sie dann ihre eigene Idee nach nur wenigen Stunden vorgestellt hatte, war wirklich eindrucksvoll gewesen. Auch am heutigen Tag hatte er sie beobachtet und trotz der Irritationen der vergangenen Tage und des heutigen Praxis-Anrufs, den sie scheinbar relativ gut verkraftet hatte, arbeitete sie mit einer Energie und einer positiven Ausstrahlung, die sich auf jede Person in ihrer Umgebung zu übertragen schien. Er war auf jedenfall schwer beeindruckt von ihrer Person und da das seinen Auftrag zusätzlich erschwerte, hatte er beschlossen ihr möglichst fern zu bleiben.
Tom war aus seinen Gedanken wieder erwacht und bemerkte, dass er überhaupt keine Lust mehr auf irgendeine Art von Konversation hatte. Er wollte seinen Gedanken nachhängen. Erklärungen suchen, seiner Sehnsucht frönen… einfach alleine sein. Was sollte ihm dieses Gespräch auch bringen? Aber er wollte auch nicht unhöflich sein. Also riss er sich zusammen und wendete sich wieder Carsten zu. „Könnten sie sich vorstellen bei Lanford zu bleiben? Engagierte, fähige Leute können wir immer gebrauchen…“ fragte Tom seinen Praktikanten jäh, als dieser keine spontane Antwort auf die Frage nach seiner Zukunft parat zu haben schien und Carsten schnappte nach Luft, bei diesem plötzlichen Angebot. Er musterte Tom erneut und sein Eindruck der Undurchsichtigkeit seines Gegenübers verstärkte sich. „Äh, ja. … Ich weiß nicht? …“ Er wusste nicht was er antworten sollte. Einerseits wäre es ganz wunderbar einen ordentlichen Job in einer solchen Firma zu bekommen. Er hatte nicht gelogen, es gefiel ihm wirklich gut bei Lanford, aber da war Carla und die würde vermutlich alles tun, aber ihn sicherlich nicht als neuen Kollegen begrüßen wollen. Verdammt, warum war ich nur ein solcher Idiot? schimpfte er mit sich selbst. Warum habe ich mir nur meine Zukunft so versaut? Tom war sehr verwundert über seine uneindeutige Antwort, schließlich hatte er ihm gerade ein wirklich gutes Angebot unterbreitet, aber so ganz wichtig war es ihm eigentlich auch gar nicht. Er war mit seiner Frage eher einer spontanen Eingebung, als einer wirtschaftlichen Entscheidung gefolgt. Vielleicht hatte er einfach gehofft, Carsten irgendwie zu überrumpeln und ihn so zum Reden zu bekommen. Aber eigentlich beschäftigte ihn ja auch schon die ganze Zeit eine ganz andere Frage. „Kennen sie eigentlich unsere zweite Designerin?“ Carsten war jetzt völlig irritiert und schaute voller Schrecken auf. Leise Panik ergriff Besitz von ihm. Wie sollte er denn jetzt reagieren. „Fr. Rhonstedt?“ fragte er tonlos. Tom nickte, während er gebannt die Reaktionen des jungen Mannes beobachtete. „Ne, bislang habe ich sie noch nicht kennen gelernt. Die ist doch im Urlaub, oder?“ Tom nickte wieder und überlegte, ob er tatsächlich für einen kurzen Moment Schreck und Panik im Blick seines Gegenübers erkannt hatte, oder ob er gerade einfach alles überinterpretierte, weil er unbedingt eine Erklärung und einen Schuldigen für Annas Schwächeanfälle suchte. Er beschloss, dieses Gespräch auf sich beruhen zu lassen und den Praktikanten im Auge zu behalten. „Ja stimmt. Mit der hätten sie dann natürlich auch zu tun …“ versuchte er seine Frage plausibel zu erklären, die ihn ärgerlicherweise auch keinen Schritt weitergebracht hatte. „Na ja, jetzt machen sie erst mal ihr Praktikum, und dann sehen wir weiter.“ Tom beendete das Thema damit und beschloss, dass er für diesen Abend definitiv genug geredet hatte. Er zahlte die Getränke und verabschiedete sich.
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Nach weniger als drei Stunden war Anna plötzlich aus dem Schlaf gerissen worden. Sie atmete hektisch und war klatschnass geschwitzt. Es hatte jemand ihren Namen gerufen. Die verzweifelten Worte hallten ihr noch immer grausam in den Ohren „Nein, Anna … Neeeein… Annaaaa!“ Das war das erste was sie wieder einholte, als sie sich langsam orientiert hatte. Sie schlug die Decke zurück und versuchte sich zu beruhigen. Obwohl sie sich nicht wirklich an etwas erinnern konnte, war ihr klar, dass es wilde Träume waren, die sie durchlebt hatte und die ihr mit deutlicher Verwirrung im Körper nachhingen. Ihr ging es noch immer grottenschlecht, aber zumindest schien sie wieder Herr ihrer Sinne zu sein und konnte ihre Gedanken wieder bewusst steuern. Im Vergleich, zum Zeitpunkt bevor sie eingeschlafen war, eine fast hundertprozentige Verbesserung ihrer Verfassung. Das änderte aber nichts daran, dass sie einfach nicht zur Ruhe kam. Sie wälzte sich Minute um Minute auf ihrem Bett hin und her, bis sie schließlich kapitulierte und sich erschöpft ans geöffnete Fenster setzte, um ein wenig frische Luft zu schnappen.

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katha

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BeitragThema: "26"   Fr Sep 06 2013, 21:14

Hallihallo,
ein bisschen was zu zum Lesen. Ich wünsche ein schönes Wochenende!
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Annas Blick war hinaus in die Ferne gerichtet, ignorierte die konkreten Umrisse der Häuser, Autos und Menschen, die sich vor ihrem Fenster abmalten, denn sehen konnte sie lediglich die Bilder, die kurz zuvor durch ihre Träume gefegt waren. Sie konnte es nicht genau fassen, aber auf jedenfall ging es um Jonas ... natürlich ging es um Jonas, dachte sie nach einigen Minuten des Nachdenkens. Denn nach und nach waren neben der Verstörtheit, die durch den Traum resultierte, auch die Erlebnisse des Tages wieder präsent. Aber sie beschloss die aktuellen Geschehnisse zumindest in dieser Nacht ruhen zu lassen, obwohl sie natürlich nicht ganz zu verdrängen waren. Die lästige Frage nach dem Telefonanruf, der ihr eine Schwangerschaft unterjubeln wollte, würde sie am nächsten Morgen als erstes klären und der Blumengruß... den musste sie wohl einfach auf Seite schieben. Schließlich hatte sie eine Modenschau zum Erfolg zu bringen, und das würde sie bestimmt noch genug Kraft kosten.
Aber da war in ihrem Traum auch noch Tom aufgetaucht. Und das war ein Thema, das sie nicht einfach auf Seite drängen konnte. Es ging um sie, um ihn, und um ihre Zukunft...
Anna versuchte die einzelnen Bilder zu einem durchgehenden Traum zu verbinden und es machte sie wahnsinnig, dass es einfach nicht klappen wollte. Was wollte mir dieser Traum wohl sagen? Warum hat Tom hinter mir her geschrien?, denn mittlerweile war sie sicher, dass es Toms verzweifelte Stimme war, die sie aus dem Traum gerissen hatte. Sie überlegte weiter. Da waren Bilder von Jonas und ihr, glückliche aber auch die traurigen ihrer unfreiwilligen Trennung. Steve hatte sich ebenfalls in ihre Träume geschlichen und ihr wieder aufgezeigt, wie unnötig und grausam dieser ‘Unfall’ damals war. Und dann war Tom in ihren Träumen aufgetaucht. Er hatte ihr die die Hand gereicht, er war der Grund, dass sie noch lebte, dass sie liebte. Er hatte sie vor Steve gerettet. Letztlich war er trotz des Leids, das er ihr durch seine eigenen Ängste zugefügt hatte, immer ihr rettender Schutzengel gewesen ... Außerdem hatte sie mit ihm, nach all dieser Verzweiflung, endlich wieder unglaublich schöne Momente erleben dürfen. Sie dachte lächelnd an die wunderbaren Stunden auf Sardinien, und erst am letzten Wochenende hatte er es geschafft, sie in eine fast paradiesische Welt zu entführen.
Aber dann wurde sie wieder traurig. Was habe ich nur getan, dass er so verzweifelt gerufen hat? Was soll das bedeuten? Anna liebte diesen Mann, der sie vom ersten Augenblick an fasziniert hatte. Er wurde immer mehr zu ihrem Halt, ihrem Anker, ihrem Beschützer, bei dem sie wieder glücklich sein konnte. Aber so schön es war, die gemeinsame Liebe zu leben, so ängstlich war sie plötzlich. Die Erlebnisse der letzten Tage hatte ihr klar gemacht, wie tief ihre Verwundung durch Jonas Tod immer noch in ihr klaffte. Sie hatte die letzten Monate oder zumindest Wochen geglaubt, die Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben, aber das stimmte nicht. Was ist, wenn ich es bin, die das Unglück anzieht? Wenn ich den nächsten Menschen in den Abgrund stürze und damit auch mich zerstöre? Das kann ich ihm doch nicht antun … Und ich? Noch einmal hätte ich keine Kraft mich aus der Hoffnungslosigkeit zu reißen. Das könnte ich einfach kein weiteres mal ertragen. Sie fühlte sich so hilflos und verzweifelt, bei den Gedanken, die ihre Entscheidung für ihren Neubeginn und ihre Liebe zu Tom wieder in Frage stellten. Eigentlich habe ich immer gedacht die Liebe verleiht mir Kraft und Lebensmut, und ich habe mich doch bewusst für die Liebe entschieden, aber gerade habe ich das Gefühl, sie kostet mich mehr Energie als mir zur Verfügung steht. Tränen traten ihr in die Augen und liefen ihr leise über die Wangen.
Anna stellte sich einen Moment ihrer Trauer und Verzweiflung, aber da sie keine Lösung erkennen konnte, wischte sie sich schließlich wirsch über das Gesicht, als ob sie damit auch ihre Gefühle beiseite wischen könnte. Seufzend erhob sie sich, um sich ins Bett zu legen, denn sie hatte die leise Hoffnung wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf zu finden, als sie Jemanden auf dem Bürgersteig vor ihrem Fenster bemerkte, der sich unentschlossen umsah. Ängstlich zog sie sich in den Schatten zurück und versuchte zu erkennen wer es war. Die Person draußen auf der Straße stand auch im Schatten, so dass nur die Umrisse zu erkennen waren. Bei der Größe und Statur vermutete sie, dass es sich um einen Mann handelte ... Dann trat er ein Stück hervor, ging auf das Haus zu, nur um gleich wieder unschlüssig stehen zu bleiben. Sein Blick wanderte vom Eingang und den Fenstern der Goldelse, die um diese Uhrzeit auch kein Leben mehr zeigen dürften, hinauf zu ihrem Fenster und jetzt wurde Annas Verdacht, um wen es sich dort handeln könnte, bestätigt. Tom. Ihr Herz begann wild zu klopfen und sie hielt die Luft an, als ob sie Angst hätte, das sie ihr Atmen verraten würde.
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Tom war, nach seinem wenig effektivem Gespräch mit Carsten, ohne einen Plan aus der Ego-Bar getreten. Er sollte eigentlich nach Hause gehen und sich ausschlafen, aber er konnte einfach nicht. Er wollte einfach nicht zurück in die Wohnung, die ihm nur wieder seine Einsamkeit demonstrieren würde. Ohne Ziel lief er durch die Straßen der Stadt, setzte seine Unruhe in Bewegung um, bis sein Blick irgendwann auf eine Hauswand fiel, die ihm vertraut vorkam. Er blieb stehen und sah hinauf. Ohne sich Gedanken darüber zu machen, war er an dem schicksalhaften Ort gelandet, an dem Anna und er sich das erste Mal begegnet waren. Entschlossen trat Tom auf die Tür zu und stellte enttäuscht fest, dass sie verschlossen war. Dort oben hätte er sich Anna wahrscheinlich am nahesten gefühlt, und der Gedanke, von dort oben, wo man dem Himmel ein ganzes Stück näher war, die Sterne nach seinem Schicksal zu befragen, hatte sich gut angefühlt. Aber gut, das wohl nicht zu ändern. Er trat auf der Stelle drehte sich im Kreis und schaute die Menschen an, die an ihm vorbei liefen, aber nichts und niemand gab ihm eine Zeichen, was er tun sollte und wie er seine Hilflosigkeit bekämpfen konnte, die ihn immer fester im Griff hielt. Dann lief eine Handlung ab, die er an diesem Abend bis zur Perfektion trainiert hatte. Er steckte seine Hand in seine Hosentasche und zog sein Handy heraus. Er suchte Annas Nummer aus den Kontaktdaten, und drückte die Wählentaste. Das alles hatte er an diesem Abend gewiss schon ein dutzend mal probiert. Aber genauso oft, hatte er den Rufaufbau auch wieder unterbrochen. Es fiel ihm so schwer, ihr die Zeit und Ruhe zu geben, auf die sie so vehement beharrt hatte. Mann, ich lauf noch Amok wenn ich kein Zeichen von ihr bekomme. Geht es ihr wohl gut?, fragte er sich wieder einmal, und rechtfertigte damit seinen Anruf. Dieses Mal ließ er sich durch keinen seiner Gedanken aufhalten. Es klingelte an seinem Ohr, und er spürte wie seine Unruhe ins unermessliche stieg. Aber umsonst. Es klingelte und klingelte, und als endlich die Mailbox ansprang, drückte er den Anruf genervt weg. Am liebsten hätte er sein Telefon gegen die Wand gepfeffert, so gefrustet war er, aber das hätte wohl auch nicht weiter geholfen. Also lief er einfach los, weiter und weiter. Seine Gedanken und Gefühle drehten sich im Kreis, machten ihn so langsam völlig irre und als er an ein paar Obdachlosen vorbei kam, die ihn durch ihre alkoholseligen Augen anstrahlten, blieb er stehen und überlegte, ob er sich nicht einfach zu ihnen gesellen sollte. Ein wenig gelallte Konversation über den Sinn des Lebens, und das alles mit genügend Alkohol im Leib, würden ihm bestimmt die erwünschte Ablenkung bieten, die er jetzt schon den ganzen Abend suchte. Als sich der Jüngste des kleinen Grüppchens schließlich bemühte aufzustehen, wurde Tom bewusst, dass er tatsächlich mitten in Berlin auf dem Gehweg stand und ungeniert die Obdachlosen bei ihrem Tun beobachtete. Das war kein wirklich guter Plan, auch wenn diese Vier nicht ernsthaft gefährlich aussahen und der junge Mann mit dem rot gefärbten Hiro seine Aufstehversuche gerade abbrach, da er sein zum freien Stand notwendiges Sinnessystem offensichtlich in den Urlaub geschickt hatte. Tom wendete den Blick ab und zog mit riesigen Selbstzweifeln an seinem Verstand weiter. So weit ist es also schon gekommen, dass ich mir
wünsche, mich einfach zuzudröhnen und mich irgendwo auf eine Parkbank zu legen. Vielleicht waren Paules Erfahrungen ja doch nachahmenswert und bringen einem die richtigen Relationen fürs eigene Leben zurück? Ich sollte sie dringend mal fragen.


Einige Zeit später erkannte er in einem seiner wenigen Blicke, die nicht auf den Gehweg und seine Füße gerichtet waren, den Schriftzug, der ihm in der kurzen Zeit, die er mit Anna zu tun hatte, bereits zur zweiten Heimat geworden waren. „Goldelse“ Er blieb unschlüssig stehen und spürte wie sein Herzschlag einige Takte schneller schlug. Er schaute sich um. Die Else war zu und auch Annas Fenster waren nicht erleuchtet. Nach einem Blick auf seine Uhr, der ihn ziemlich ernüchterte, war er sich sicher, dass sie sich vermutlich schon vor Stunden schlafen gelegt hatte und das war auch gut so, denn er wollte ja, dass sie sich erholte. Trotzdem blieb er unschlüssig stehen. Er war ihr so nah, da konnte er doch nicht einfach weitergehen, als ob es sie dort oben gar nicht geben würde. Tom schüttelte, immer noch unschlüssig was er tun sollte, den Kopf und fragte sich ,ob er sich nicht am nächsten Tag vielleicht lieber in die Klapse einliefern lassen sollte, anstatt eine Firma zu leiten. Diese Frau dort oben hatte ihm scheinbar jeglichen klaren Verstand entzogen, den man brauchte um irgendwie lebensfähig zu sein. Er schmunzelte bei dem Gedanken, hatte er doch noch vor einigen Stunden genau das Gegenteil behauptet.

Anna sah verwundert auf die Uhr, es war mittlerweile halb Zwei, also durchaus eine Zeit, in der auch Tom in seinem Bett liegen sollte, schließlich hatte auch er einen anstrengenden Tag vor sich. Sie beobachtete, wie er unentschlossen einige Schritte auf das Haus zu machte, nur um sich dann wieder im Kreis zu drehen und den Rückzug anzutreten. Soll ich ihn erlösen und ihn reinlassen? fragte sie sich, denn es war offensichtlich, dass er mit sich kämpfte ob er versuchen sollte zu ihr zu gelangen, oder doch ihre Bitte respektierte und sie diese Nacht alleine ließ. Anna quoll das Herz über, als sie ihn dort so unentschlossen herumirren sah, aber nach den tausenden Gedanken, die sie noch nicht zu Ende gedacht hatte, brachte sie es nicht fertig ihm unter die Augen zu treten. Ich liebe dich … und es tut mir leid, was ich mit dir mache, dachte sie traurig während ihr Blick fest auf ihn geheftet war. Was würde er wohl tun, wenn ich mich zurückziehen würde, wenn ich unsere Beziehung beenden würde, bevor sie überhaupt richtig in Gang gekommen ist? fragte sie sich, und sie brauchte nur einen Blick auf den Menschen dort unten zu werfen, um die Antwort zu wissen, mal davon abgesehen, dass auch ihr Herz ihr die Antwort ungefragt engegen spie. Ich würde ihm das Herz brechen, und ihn damit vermutlich endgültig zerstören. Ihr eigenes Herz wurde von einem Stich durchzogen, der sie sich zusammenkrümmen ließ und seine Worte hallten wieder in ihren Ohren. "Nein Anna … Neeeein… Annaaaa!" War es das was ihn hat schreien lassen? Bin ich vor ihm weggelaufen und er hat verzweifelt versucht mich aufzuhalten? Hoffnungslos richtete sie ihren Blick in den Himmel … "Oh mein Gott, wenn es dich gibt, sag mir wie ich es richtig mache. Wie kann ich ihn schützen und vor einer weiteren Katastrophe behüten und mich gleichsam?", murmelte sie leise. Erneut war der Kloß in ihrem Hals nicht mehr zu bezwingen. Sie hockte sich neben das Fenster an die Wand und begann zu schluchzen, immer noch Tom fest im Blick.
Gerade fasste er sich in die Brusttasche und holte sein Handy heraus. Anna hielt die Luft an, er schaute einige Momente auf das Display, ehe seine Augen in ihre Richtung wanderten, dann tippte er etwas und nur einige Sekunden später piepte ihr Telefon. Schnell lief sie zum Nachttisch und holte es, um auch keine Sekunde seines Anblicks zu verpassen. Sie schaute auf das Telefon, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass er noch da war. Er schaute hinauf zu ihrem Fenster und sie drückte sich so flach wie sie konnte gegen die Wand, um nicht erkannt zu werden. Dann drehte er sich um und ging davon. Anna schaute ihm bekümmert hinterher, bis er nicht mehr zu erkennen war, und wieder schoss es ihr traurig durch ihre Gedanken. Ich liebe dich doch ...
Sie ließ sich erschöpft auf ihr Bett sinken und schaute nervös auf ihr Telefon. Ein Anruf in Abwesenheit war verzeichnet. Ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer vor Freude. Tom hatte versucht sie anzurufen, offensichtlich waren seine Gedanken den ganzen Abend bei ihr gewesen... . Und die eben erhaltene Nachricht. Mit zittrigen Händen drückte sie den Knopf zum Öffnen, „Nimm dir die Zeit die du brauchst ... Ich liebe dich.“ Anna seufzte erleichtert als sie die zwei Sätze las, und eigentlich wusste sie auch gar nicht, was sie anderes erwartete hatte. Schließlich war sie es, die sich in Zweifeln badete, und nicht er. Anna las die Nachricht wieder und wieder, und trotz der Zweifel, die sie eben noch so fest im Griff hatten, öffnete sich ein kleines Fenster in ihrem Herzen, das endlich wieder einen Schimmer Optimismus zuließ.

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Sep 07 2013, 15:36

Zwei wunderbare Fortsetzungen, auch wenn die Stimmung irgendwie so traurig bis depressiv ist. Du beschreibst die Gefühle der beiden einfach toll, so dass man sich da wunderbar hineinfinden kann. Freue mich, wenn es bald weitergeht.

LG, Mini

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ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
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Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Sep 07 2013, 17:27

Ich freue mich natürlich auch Cool  Smile  und wünsche auch dir ein schönes Wochenende. LG. Carla

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Sep 07 2013, 17:37

Danke, euch Beiden.
Ich weiß, dass diese Story für euch nicht so spannend ist, wie was wirklich Neues, aber was anderes habe ich gerade nicht im Angebot, Sorry.
Außerdem sollte diese Geschichte vielleicht doch mal weitergeschrieben werden. Die hängt schon so lange in der Luft ... Embarassed

Also schauen wir erst mal, was da so alles passiert. Da kommt ja noch so einiges auf Anna und Tom zu ...

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BeitragThema: "27"   Mo Sep 09 2013, 22:47

So, jetzt schicke ich es schnell ab ... Ich hatte den Teil eben schon einmal überarbeitet - ordentlicher und bestimmt besser, als dieses mal - aber dann habe ich irgendwas getan (????), und dann waren alle Korrekturen wech ... So eine Sch... Evil or Very Mad Evil or Very Mad Nein, das habe ich jetzt nicht gesagt.Embarassed 
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Am Morgen wurde Anna von wärmenden Sonnenstrahlen geweckt, die lustig auf ihrem Gesicht tanzten und spontan kam ihr der Gedanke, wie grotesk es war, dass sich dort draußen ganz offensichtlich ein freundlicher Tag ankündigte, während in ihrem Inneren eher die Auswirkungen von sieben Tagen Regenwetter und der dazugehörigen fetten Grippe zu verspüren waren. Ihr Kopf brummte unaufhörlich, ihre Glieder schmerzten und ihr war irgendwie übel. Aber nach ihrem emotionalen Zusammenbruch des letzten Abends und dieser kaum erholsamen Nacht, war das auch wenig verwunderlich.
Diese Fakten verdrängend, überlegte sie, während sie die wohlige Sonne genoss, was ihr der Tag wohl bringen würde. Sie musste zur Pressekonferenz der Fashion Days, auf der die Label der ersten Modenschau, die am darauffolgenden Tag stattfinden würde, ihre Kollektionen vorstellen sollten. Also ein wichtiger Termin, auf dem es hieß Präsenz zu zeigen und Kontakte zu knüpfen. Genau das, wonach ihr gerade der Sinn stand. Ihr Körper rebellierte, bei der Nervosität, die sie so gleich ereilte, denn sie stand, auch wenn sie ihre Schüchternheit der vergangenen Jahre weitestgehend abgelegt hatte, immer noch nicht gerne im Rampenlicht. Aber es war schließlich ihre Kollektion, die es hieß der Modewelt zu präsentieren. Ihr schlechtes Gefühl wurde allerdings zusätzlich durch die Erfahrungen aus dem letzten Jahr genährt. Da war dieser „Foto-Call", wie es sich nannte, nämlich in einer Katastrophe geendet, da Zauberhaft plötzlich ohne Models dagestanden und sie die Präsentation hatten absagen müssen. Was war das peinlich gewesen.  Bevor sie sich selbst beruhigen und sich in Erinnerung rufen konnte, dass dieses Mal Lanford hinter ihr stand, alles bis ins Detail durchgeplant war, und Tom ihr sicherlich zur Seite stehen würde, wuchs der Sturm in ihrer Bauchgegend zu einem Orkan heran. Sie konnte sich gerade noch die Hand auf den Mund pressen und einen Sprint zum Badezimmer einlegen, um zu verhindern, dass sie ihr Innerstes quer durch die Wohnung verteilte. Dabei überlegte sie verwundert, welche verwesenden Reste denn nach ihrer fast eintägigen Nahrungs-Abstinenz überhaupt noch in ihrem Magen sein sollten.
Nachdem sie ein kurzes aber heftiges Zwiegespräch mit der Toilette geführt hatte, richtete sie sich schwer atmend wieder auf und ließ sich erschöpft auf dem Badewannenrand nieder. Ihre Magengegend beruhigte sich nur langsam und zurück blieb ein immer noch flaues Gefühl im Bauch und der überaus unangenehme Geschmack in ihrem Mund. Sie gab sich noch einige Minuten Zeit, bevor sie sich aufraffte um sich gründlich die Zähne zu putzen. Anschließend schmiss sie sich  einen Schwall Wasser nach dem anderen ins Gesicht, ehe sie einen vorsichtigen Blick in den Spiegel wagte. Oh Gott, und ich präsentiere heut Lanford bei den Fashion Days. Na herzlichen Glückwunsch. Sie betrachtete sich genauer. Ihr Gesicht war leichenblass, dafür aber mit farbintensiven Augenringen gekennzeichnet. Ihren Augen fehlte der Glanz und der Gesamteindruck erinnerte an eine alte Greisin.  Vielleicht sollte ich lieber bei der Geisterbahn anheuern, dachte sie deprimiert.  Nach einer ausgiebigen Dusche, die ihre Lebensgeister ein wenig geweckt hatten, legte sie ein Make-Up auf und hoffte, nach einem letzten unbefriedigenden Blick in den Spiegel, dass die Visagistinnen Lanfords ihren Beruf wirklich beherrschten und sie bis nachmittags in einen Menschen verwandeln würden.


Kurze Zeit später hatte sie sich in eine Jeans und ein T-Shirt geworfen und nach langer Überlegung ein einfaches, aber schickes knielanges Kleid in einen Kleidersack gesteckt, welches sie bei der Presse-Konferenz anziehen wollte. Sie stolperte, immer noch schwach auf den Beinen, in die Küche und war froh als sie weder Ingo noch Susanne erblickte. Sie hatte überhaupt keine Lust sich für ihren gestrigen Auftritt, bzw. schnellen Abgang oder ihr immer noch recht lädiertes Erscheinungsbild rechtfertigen zu müssen. Anna blieb stehen und überlegte widerwillig, ob sie ihrem Magen wohl feste Nahrung zumuten könne. Ihr Verstand sagte ihr, dass es eigentlich viel zu lange her war, dass sie etwas gegessen hatte, auch wenn ihr Magen offensichtlich eine Fastenzeit einlegen wollte. Mit zwiespältigen Gefühlen öffnete sie den Kühlschrank und betrachtete skeptisch die Lebensmittel, die dort lagen. Anna hatte das Gefühl, dass diese sie  hämisch grinsend anschauten, und schnell schlug sie die Tür wieder zu. Angewidert wendete sie sich ab und stützte sich auf einer Stuhllehne ab, um den erneuten Sturm in ihrer Bauchgegend durch hochkonzentriertes Ein- und Ausatmen wieder zu besänftigen. Der Magen hatte das Duell gewonnen. Eindeutig. Puh, das mit dem Essen verschiebe ich dann wohl doch eher auf später dachte sie ermattet und versuchte ihre Energien zu bündeln.
„Guten Morgen, da bist du ja!“, ertönte Susannes Stimme hinter ihr. Anna riss sich zusammen und versuchte keinen allzu angeschlagen Eindruck zu machen, als sie sich umdrehte und ihre Mutter anlächelte. „Guten Morgen“ antwortete sie, ehe sie schnell ihre Tasche und den Kleidersack zur Hand nahm, um der Situation zu entfliehen. Susannes strahlendes Gesicht verzog sich unwillig. „Musst du schon los? Ich wollte gerade fragen, ob wir noch zusammen frühstücken. Wir haben so lange nicht mehr geredet“, nörgelte sie, als sie sah, dass Anna im Begriff war, sich auf den Weg zu machen. Anna ging zu ihr, nahm sie kurz in den Arm und drückte ihr einen schnellen Kuss auf die Wange. „Entschuldige, aber ich muss wirklich … Du weißt doch, heute ist die Pressekonferenz für die Fashion Days. Wir haben jede Menge zu tun.“ Susanne legte ihre Hände an Annas Gesicht und musterte sie eingehen. „Pass auf dich auf. Du siehst erschöpft aus,“ sprach sie mit sorgenvoller Stimme und fügte mit einem schiefen Lächeln in sehr bestimmten Ton hinzu, „und wenn dich Tom zuviel arbeiten lässt, dann zieh ich ihm die Hammelbeine lang, bestell ihm das.“ Sie gab Anna den Weg frei und rief ihr noch hinterher, „Ich bin stolz auf dich.“ Anna hatte sich mit einem dankbaren Lächeln verabschiedet und war froh, als sie die Treppe hinab zum Gastraum der Else hinter sich gebracht hatte und endlich an der frischen Luft angelangt war.
Sie holte tief Luft. Puh, das hätte ich schon mal geschafft. Und jetzt werde ich mir mal die Damen der Mertens-Praxis zur Brust nehmen. Entschlossen ging sie los.
War sie gestern noch völlig verzweifelt und verunsichert gewesen, was es mit diesem Telefonat auf sich hatte, war sie heute zwar noch nicht völlig befreit von diesen Gefühlen, aber zusätzlich tief empört über die Unfähigkeit und Unverfrorenheit dieser Person, die ihr am Telefon eine Diagnose eröffnete, die definitiv nicht der Wahrheit entsprechen konnte. Manchmal stimmte der Spruch eben doch, dass am nächsten Tag schon alles ganz anders aussah.
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Mit lauten KAWUMMS wurde die Tür aufgeschlagen und Toms Oberkörper schoss in dem Bruchteil einer Sekunde von der Waage- in die Senkrechte. Was? … Wo bin ich?... Er schaute sich völlig verstört um. Wo war er und was hatte da so geknallt? Langsam nahm sein, vom Schlaf noch eingeschränktes Blickfeld, Kontur an und er erkannte neben den ihm durchaus bekannten Möbeln eine Person, die gerade etwas auf seinen Schreibtisch legte. Dann griff sie in hektischer Eile nach seinem Papierkorb, verschwand einen Moment aus seinem Zimmer, nur um sofort wieder aufzutauchen und ihn sofort wieder an seinem angestammten Platz abzustellen. Dann kam die Frau, bei der es sich ganz offensichtlich um die Putzfrau handelte, tanzender Weise und mit einem Staubtuch bewaffnet auf ihn zu. Plötzlich verharrte sie und riss die Augen auf, als ob sie einen Geist erblickt hätte. „Oh, Hr. Lanford ...", stammelte sie und riss sich schnell die Ohrstöpsel ihres I-Pods aus den Ohren. Verlegen schaute sie beiseite und Tom sah verwundert an sich herab. So schlimm konnte er doch auch nicht aussehen ... O.K. da war was. Ihm fiel ein, dass es erst wenige Stunden her war, dass er sich entschlossen hatte doch einen Schlafversuch zu starten; und da er nunmal im Büro war, hatte er sich einfach auf sein Sofa gelegt ... nicht ohne sich vorher seines T-Shirts zu entledigen.
„Entschuldigen sie … ich wusste nicht ...“ Bevor Tom, der immer noch nicht auf der Höhe seiner konstitutionellen Verfassung angekommen war, etwas sagen konnte, war sie auch schon aus seinem Büro verschwunden und hatte zügig, aber betont leise die Tür geschlossen. Tom ließ sich zurück auf das Sofa sinken und gönnte sich ein paar Minuten, um wirklich wach zu werden. Das war definitiv nicht die Weckmethode seiner Wahl, die er da gerade erlebt hatte, auch wenn es eine gewisse Situationskomik beinhaltet hatte, wie sehr er die junge Frau durch seinen bloßen Anblick aus dem Konzept gebracht hatte.
Nachdem seine Gedanken wieder in geordneten Bahnen flossen und er sich den Grund für seine aktuelle Situation wieder vor Augen geführt hatte, seufzte er tief auf und beschloss sich erst einmal nach Hause zu begeben, um sich frisch zu machen und umzuziehen, schließlich stand ihm ein wichtiger Tag mit Kundenkontakten bevor.

Hoffentlich hat sich Anna besser erholt als ich, dachte er noch, als er sich seinen Schlüssel vom Schreibtisch klaubte und sein Büro verlassen wollte. Da fiel sein Blick auf die Schachtel, die die Putzfrau bei ihrer übereilten Flucht aus seinem Büro auf dem Schreibtisch liegen gelassen hatte. Er schmunzelte, bei der Erinnerung an ihren fassungslosen Blick, wollte das Paket nehmen und am Empfang ablegen, als ihm die Worte förmlich ins Auge sprangen, die darauf geschrieben waren. „Unverzüglich zuzustellen an Anna Broda“ Darunter stand die Adresse Lanfords. Für Anna, dachte er erstaunt und beschloss Anna die Sendung persönlich zu geben, wenn sie kam. Er war schon an der Tür, als er abermals einen Blick darauf warf. Das sieht aus, als ob Blumen darin wären schoss es ihm durch den Kopf, als er sich die Form und die Löcher die in den Karton gestanzt waren, genauer betrachtete und sofort war seine Neugier und auch seine Eifersucht geweckt. Wer schickt Anna denn Blumen? Er war versucht das Paket zu öffnen, konnte sich aber gerade noch bremsen. Das würde Anna sicher nicht gefallen, schließlich stand ihr Name drauf und nicht seiner. Und Tom Lanford war auch nicht als cc hinzugefügt. Er zwang sich, nach einem letzten Blick auf den Karton, den Weg zum Fahrstuhl zu nehmen und die Tatsache, dass seine Freundin Blumen von jemand anderem geschickt bekam, zu verdrängen.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mi Sep 11 2013, 00:47

Schön das es hier weiter geht, gaaaanz klasse geschrieben! hallo 

Ich freue mich wenn wir hier den Teil erreichen, an dem es in dem alten Forum nicht weiter geht. Embarassed 

Warte sehnsüchtig darauf! flowers 

LG Embarassed 
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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mi Sep 11 2013, 20:57

Ja, ja, bis dahin dauerts ja noch ein bisschen, aber ich hoffe, dann geht es um so zügiger weiter. Wink 
Schön, dass du meine Story noch liest.readcoffee 

Liebe Grüße!!!
Katha

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Do Sep 12 2013, 20:02

Juhu, wie immer toll geschrieben. Und ja, ich kanns auch kaum erwarten zu lesen, was neues passiert, auch wenn es noch ein bisschen dauert. Egal, ich kann warten ... Mad 

LG, Mini

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BeitragThema: "28"   Do Sep 12 2013, 21:11

Anna stand in einem dämmrigen Hausflur, der nur durch vereinzelte Sonnenstrahlen erhellt wurde. Darin hätte sie die lustig vor sich hin tanzenden Staubteilchen beobachten können, die in ausreichendem Maße vorhanden waren, aber ihre Aufmerksamkeit war auf etwas anderes fixiert. Sie schaute bestimmt seit ein oder zwei Minuten auf das Schild, das vor ihr an der Wand hing. Praxis Dr. med. Mertens, Internist
Soll ich wirklich dort hineingehen? Eigentlich ist es doch völlig unwichtig, überlegte sie wieder einmal. Die können definitiv keine Ergebnisse von mir haben, die es hergeben würden, dass ich schwanger bin. Also warum soll ich mich mit Dingen belasten, die offensichtlich einem Missverständnis oder einfacher Unfähigkeit entspringen? Dieser Gedanke hatte sich, seit sie sich auf den Weg in die Praxis gemacht hatte, immer wieder in ihren Kopf gedrängt und sie davon abhalten wollen, den nächsten Schritt zu tun. Aber da gab es den Widersacher, der scheinbar genauso hartnäckig war, und der sie immer wieder fragte, ob sie es wirklich nicht wissen wollen würde, wenn sie tatsächlich im letzten Jahr schwanger gewesen wäre. Viele Wenns und Abers, die sich da durch ihre Gehirnwindungen zogen, … und letztlich kam sie zu der Einsicht, dass sie wohl erst Ruhe finden würde, wenn die Fragen tatsächlich aufgeklärt waren. Vermutlich wäre sie erst dann in der Lage, dieses Thema ad acta zu legen.
Also holte sie noch einmal tief Luft und drückte entschlossen, wenn auch reichlich nervös, die Klinke der Praxistür hinunter. Im gleichen Moment zog von innen Jemand die Tür auf und so flog Anna fast in den Raum hinein, der sich so überraschend vor ihr öffnete. Sie prallte gegen einen älteren Herren, und der Kleidersack, den sie über ihrem Arm liegen hatte, flog in hohem Bogen auf den Boden. Sie selbst klammerte sich verzweifelt an dem Mann fest, um nicht die gleiche Flugbahn, wie ihr Wäschestück, zu nehmen, und als sie auf dessen völlig irritierten Blick traf, löste sie sich verlegen von seinem Hals. „Hoppla, das wäre aber fast schief gegangen,“ begrüßte er sie ironisch. Anna stotterte ein „Oh, … entschuldigen Sie“, heraus, als sie ihn mit hochrotem Kopf ansah. Aber dieser lächelte sie verschmitzt an. „Es könnte mir Schlimmeres passieren, als das mir eine hübsche junge Frau um den Hals fällt. ... Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“ Anna sah ihn dankbar an und rang sich auch ein kleines Lächeln ab, während sie ihm antwortete. „Danke, das wünsch ich Ihnen auch.“
Sie sah ihm kurz hinterher, ehe sie sich bückte und den Kleidersack aufhob. Na super, der Tag fängt ja wirklich toll an. Erst kotz ich mir die Seele aus dem Leib und dann erwürg ich fast einen unbescholtenen Mann, um nicht auf die Nase zu fallen. Als sie sich wieder aufrichtete fiel ihr Blick auf die zwei Praxisangestellten, die sich ein belustigtes Grinsen, das ihr die Peinlichkeit ihres Auftritts noch einmal vor Augen führte, nicht verkneifen konnten. Anna war jetzt schon bedient von diesem Tag, der gerade erst begonnen hatte. Angesäuert trat sie an den Empfang. Die junge Sprechstundenhilfe war plötzlich sehr beschäftigt, nachdem ihr Annas Gemütsverfassung scheinbar nicht entgangen war, während die ältere sie freundlich anlächelte. „Ich wünsche ihnen trotzdem einen Guten Morgen“, begrüßte sie diese „Was kann ich denn für sie tun?“ Anna sah ihr in die Augen und erkannte die Herzlichkeit, die nur Frauen ausdrücken konnten, die bereits eine gewisse Reife mit sich brachten. Unmittelbar fühlte sie sich an ihrer Mutter erinnert, die eine ähnliche Ausstrahlung hatte, und ein Gefühl des Vertrauens durchzog sie. Die Praxisangestellte sah sie immer noch erwartungsvoll an, also gab sie sich einen Ruck und versuchte die richtigen Worte zu finden.
„Guten Morgen …“, begann sie ihr Gesuch zögerlich, „ich hätte gerne eine Auskunft von ihnen … Ich habe gestern einen Anruf von ihnen erhalten, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich schwanger sei …“ Sie stockte, sah sich verlegen um und realisierte nebenbei, dass die junge Angestellte ihr, nach einem kurzen Seitenblick, schnell den Rücken kehrte und durch eine Tür verschwand. „Ich wollte gerne wissen, wie das sein kann.“ Anna hatte die letzten Worte schnell hinterher geschoben, schien ihr die Frage jetzt doch irgendwie komisch unangebracht. Als sie ihrem Gegenüber wieder ins Gesicht sah, realisierte sie auch sogleich ein sehr skeptisches Gesicht. „Also das kann eigentlich nicht sein …“ antwortete die Frau vorsichtig, denn sie erkannte sehr wohl, dass es der jungen Patientin wirklich sehr ernst war mit ihrem Anliegen. Anna schaute die Arzthelferin auch sogleich mit zusammen gekniffenen Augen an und ihre Stimme wurde zunehmend giftiger, als sie weiter sprach. „Ne, genau. Da haben sie völlig recht, denn ich war vor einem Jahr das letzte Mal bei ihnen. Aber ich möchte trotzdem gerne wissen, wie jemand auf diesen Schwachsinn kommt, und dann noch die Unverfrorenheit besitzt, mir so etwas per Telefon mitteilen zu wollen.“ Die Sprechstundenhilfe war jetzt aufgestanden und schaute Anna ernst an. „Das kann von daher nicht sein, dass wir solche Ergebnisse niemals per Telefon herausgeben würden.“ Anna nahm sich einen Moment Zeit um diese Nachricht aufzunehmen, ehe sie entrüstet fortfuhr. „Dann frage ich mich, wer von ihrem Anschluss sonst noch telefoniert? Es war mit Sicherheit ihre Nummer die mein Handy angezeigt hat.“ Sie kramte aufgebracht in ihrer Tasche herum, bis sie ihr Telefon endlich in der Hand hielt. Dann öffnete sie die Kontaktliste und hielt der älteren Dame schließlich mit grimmigem Blick ihr Handy mit der Anrufinfo unter die Nase. Annas Verzweiflung der letzten Nacht verwandelte sich jetzt bei Tageslicht, und unter Berücksichtigung der wahrscheinlichen Tatsachen, unmittelbar in brodelnden Zorn, der unaufhaltsam einen Weg zum Ausbruch suchte. Aber die Empfangs-Dame der Praxis war scheinbar geübt im Umgang mit schwierigen Patienten. Sie blieb völlig ruhig und versuchte den Vorwürfen, die da an sie gerichtet wurden, bedächtig zu begegnen. „Jetzt sagen sie mir doch erst mal ihren Namen, und dann schauen wir doch einfach mal in ihre Patientenakte.“ „Anna Broda“, stieß Anna erregt hervor und ließ nervös ihre Fingernägel auf der Theke klacken, während sie darauf wartete, was ihre Akte preisgeben würde. Die Helferin braucht wirklich nicht lange um die Akte in dem wohlgeordneten Praxissystem zu finden, doch Anna erschien es wie eine Ewigkeit, bis die Dame wieder auf sie zukam und die Patientenakte aufschlug. Konzentriert las sie die letzten Einträge, ehe sie Anna entschuldigend anschaute. „Also wir hätten nun wirklich überhaupt keinen Anlass sie anzurufen. Sie waren heute vor einem Jahr das letzte Mal in unserer Praxis. Damals wurde ein Eisenmangel festgestellt … und seit dem gibt es keinerlei Einträge.“ Ihre Augen wirkten verwundert, sendeten Anna aber das Signal, dass sie ernst genommen wurde, und das war auch gut so, denn ansonsten wäre sie vermutlich völlig aus der Haut gefahren. „Aber sie sind wirklich von unserem Anschluss angerufen worden ...“ Sie schien auch ratlos. Anna musste das Gesagte erst mal sacken lassen. „Sie sind sich sicher, dass es vor einem Jahr keinerlei weiteren Untersuchungen gab?“, fragte sie zur Sicherheit nach. Die Dame schaute noch einmal in die Akte und schüttelte den Kopf, „Nein, … sie waren laut der Einträge, wegen häufigem Schwindelgefühl hier und es wurden eindeutig zu niedrige Eisenwerte bestimmt. … Mehr war da nicht.“ Anna fühlte wie ihr die Beine schwach wurden. Sie krallte sich haltsuchend mit den Händen in die Platte der Empfangstheke und sah sich panisch nach einer Sitzmöglichkeit um, während ihr das mittlerweile wohlbekannte Rauschen in den Kopf stieg und sich bei laut pochendem Herzen ihr Blickfeld immer weiter einschränkte. Dann wurde es dunkel um sie. Aus weiter Ferne schien noch eine Stimme zu ihr durchdringen zu wollen, aber sie konnte die Worte nicht mehr verstehen.
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Heiß prasselte das Wasser auf Toms Körper und sollte eigentlich für eine gewisse Entspannung und eine gleichzeitige Aktivierung seiner müden Knochen sorgen. Nach der quälenden Nacht, die er hinter sich gebracht hatte, wäre diese Erholung dringend nötig, aber irgendwie wollte es nicht so recht gelingen.
Diese einfache und im Grunde recht unbedeutende Tatsache, dass Anna Blumen geschickt bekam, nahm Toms Gedanken völlig ein, obwohl diese sich eigentlich um eine Pressekonferenz, die Vorbereitungen für eine, nein zwei Modeschauen und die Akquise neuer Kunden drehen sollten. Er war zutiefst verunsichert. War Annas Rückzug vielleicht gar nicht durch die Geschichten des letzten Jahres bedingt, wie er es eigentlich vermutete? Gab es vielleicht einen ganz anderen, viel einfacheren Grund? War ganz simpel ein anderer Mann im Spiel? Genervt drehte er das Wasser ab und schnappte sich sein Handtuch. Er wünschte sich, mehr als alles andere, wieder mit Anna auf einer Insel sein zu können. Auf Sardinien, oder nur auf der Insel seines Vaters, egal. Einfach weg von Berlin, raus aus diesem ganzen Sumpf, der sie immer wieder hinab zog, obwohl sie doch eigentlich nur glücklich mit einander sein wollten. Aber warum konnten sie das scheinbar nur in der Abgeschiedenheit? Warum schafften sie das nicht auch im Alltag? Er wischte den beschlagenen Spiegel über dem Waschbecken frei um sich zu rasieren und als er sich im Spiegel ansah, verweilte sein Blick einen Moment in den Augen seines Gegenüber, die voller Zweifel waren. Tom du bist so bescheuert, bist enttäuscht, dass sie dir nicht vertraut und sich dir nicht öffnet und selbst machst du bestimmt gerade aus einer Mücke einen Elefanten schimpfte er mit sich selbst und versuchte seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, denn nagten Unwissenheit und Eifersucht auch an ihm, fühlte er doch, dass seine Gefühle für Anna und ihre Gefühle für ihn, keine einfach Illusion sein konnten. Sie waren sich doch so nah, so verbunden.

Als er etwas später wieder den Aufzug des Lanford-Gebäudes betrat, lehnte Tom sich an die kühle Wand und schloss einen Moment die Augen. Wie von seinem Herzen herbeigerufen tauchte sogleich Annas hübsches Gesicht vor ihm auf. Er dachte an das Wochenende zurück und lächelte. Unwillkürlich kribbelte es in seinem Bauch, als er an die wahnsinnig schönen Stunden zurück dachte und er genoss diese Eindrücke für einen Moment, bis er von dem bremsenden Gefühl des Aufzugs wieder in die Realität geholt wurde. Er erblickte das kalte silberne Innenleben seiner Zelle und wurde wieder an den aktuellen Ort und die jetzige Situation erinnert. Er seufzte tief und hoffte inständig, dass Anna schon aufgetaucht war und endlich wieder mit ihm reden würde. Ihm erklären würde, was mit ihr los war, auch wenn dafür eigentlich am heutigen Tag gar keine Zeit war. Aber etwas Wichtigeres als Anna gab es für Tom nicht mehr, und so lange etwas zwischen ihnen stand, fiel es ihm unglaublich schwer sich auf seine beruflichen Anforderungen einzulassen. Die Aufzugtür öffnete sich wenige Sekunden später und als er in das tobende Atelier-Leben treten wollte, das die Aufregung vor den Fashion Days deutlich wiederspiegelte, stieß er mit Paloma zusammen, die ohne wirklich hinzuschauen in den Aufzug stürmte. „Hey, … wo willst du denn so eilig hin? Gibt es Probleme?“ Die Brünette schaute erschrocken auf. „Oh, ne… ja, … äh ... Ich muss los. Bin gleich wieder da.“ Sie drückte ohne eine weitere Erläuterung den Knopf um zum Erdgeschoss zu gelangen und ließ ihren verwirrten Chef einfach stehen.

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BeitragThema: "29"   So Sep 15 2013, 20:53

Und weiter geht´s!
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Tom sah seiner Marketing-Assistentin völlig irritiert hinterher und stand dabei ziemlich planlos im Empfangsbereich herum, was dazu führte, dass er fast von den vielen eiligen Mitarbeitern umgerissen wurde, die mit Stoffballen, Kleiderständern, Kleidersäcken und ähnlichen Utensilien seinen Standort kreuzten. Nachdem er bemerkte, dass er quasi mitten im Laufweg der kompletten Belegschaft stand, drehte er sich schließlich um und warf sogleich einen Blick auf Annas Schreibtisch, wo er ein neues Ziel seines eigenen Weges erhoffte.  Aber enttäuschenderweise war der Arbeitsplatz immer noch nicht besetzt. Verwirrt schaute er auf seine Uhr. Wo bleibt sie denn? Sie müsste doch längst hier sein überlegte er, mit sogleich missmutiger Laune, während er sich mit einem kurzen Nicken zu Steffi dann doch auf den Weg in sein eigenes Büro machte. „Hey Tom, Guten Morgen!“, hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich und drehte sich zu seinem Freund um, der gerade vom Treppenabsatz auf ihn zu geeilt kam. Auch der schien sich dem hektischen Strom dieses Tages bereits angepasst zu haben. Tom öffnete seine Bürotür und winkte Enrique herbei, als wolle er sich, und auch seinen Freund, schnell in Sicherheit bringen. Eigentlich war Tom an solchen Tagen und zu solchen Anlässen, wie dem heutigen, eine Art Ruhepol der Firma. Aber gerade nervte ihn diese Aufregung, die in der Luft flimmerte, da sie seine innere Anspannung nur noch weiter in die Höhe trieb. Er schloss die Tür und ließ sich mit einem lauten Seufzer auf seinen Stuhl hinter seinem Schreibtisch fallen. Enrique schaute ihn irritiert an, so kannte er den so kühlen und souveränen Tom Lanford gar nicht. „Was ist los? Du siehst aus, als wärst du auf der Flucht,“ spöttelte er. Tom sah ihn verärgert an. „Äußerst witzig,“ ließ er genervt hören. „Was gibt es denn?“ versuchte er von seiner psychischen Verfassung abzulenken. „Eigentlich wollte ich nur wissen, wann wir die letzte Zeitplanung machen?“ Enrique schien tatsächlich bemerkt zu haben, dass er Tom nicht reizen sollte und aufgrund der Tatsache, dass es noch jede Menge zu tun gab, ließ er es heute einfach dabei bewenden, obwohl er es ja eigentlich liebte Tom ein wenig zu foppen. Tom rieb sich angestrengt über sein Gesicht. „Sag du es mir? Anna scheint noch nicht da zu sein. Paloma ist gerade gegangen, … wohin auch immer, und wenn mein Vater das mitbekommen sollte, kann ich mich schon mal für die Stierkampfarena rüsten. Also? Weißt du vielleicht wann ich die wichtigsten Mitarbeiter beisammen haben werde, damit wir den Fahrplan festlegen und ich meine Haut retten kann?“ Toms Stimme war sein Frust deutlich zu entnehmen. Enrique ließ sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch nieder und sah erst Tom irritiert an, ehe sein Blick auf das Paket viel, das immer noch mitten auf dem Schreibtisch lag. „Wieso weißt du nicht wo Anna ist? War sie heute Nacht nicht bei dir? … Und warum ist Paloma weg, die wollte sich doch nur einen Kaffee holen?“ Als er in die Augen seines Freundes sah, die spätestens, seit sie seinem Blick auf den Schreibtisch gefolgt waren, einen maximalen Genervtheitsgrad anzeigten, stand er schnell auf und sagte, ohne auf eine Antwort auf die von ihm gestellte Frage zu warten, „Ok, ich melde mich, sobald ich alle Beisammen habe.“ Damit verschwand er aus dem Löwenkäfig in den er sich wohl verirrt hatte, bevor das scheinbar hungrige Tier sich ihn als Opfer wählen würde. Er kannte Tom gut genug um ihm erst einmal aus dem Weg zu gehen und ihn alleine vor sich hin brüten zu lassen. Wenn Zeit wäre, könnte er immer noch fragen was eigentlich los war. Aber jetzt musste er erst mal die beiden Frauen auftreiben, die für den Erfolg des heutigen Tages mehr als wichtig waren.
Tom sah Enrique dankbar hinterher, als dieser ohne Aufforderung sein Büro verließ. Er konnte eine kleine Auszeit durchaus gebrauchen, bevor er sich anderen Menschen stellen musste, außerdem war noch so einiges vorbereiten. Er versuchte sich auf seinem Schreibtisch einen Überblick über die notwendigen Aufgaben zu verschaffen und blieb wieder einmal an diesem dämlichen Karton hängen, der ihm bereits die letzten Stunden die Laune verhagelt hatte. Genervt nahm er ihn und verbannte ihn aus seinem Blickfeld, ehe er die erste Liste mit Terminen in die Hand nahm, die seine nächsten Tage bestimmen würden.
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Langsam wurde es hell und ein Gemurmel war zu hören. Anna öffnete die Augen und schaute sich verwirrt um. Sie fragte sich wo sie war, als die Konturen so langsam an Schärfe gewannen. Ihr erster Blick viel auf eine Wandtafel, auf der ein Mensch mit all seiner Organe abgebildet war, dann sah sie einen aufgeräumten Schreibtisch und dahinter ein Menschenskelett, das sie makaber anzulächeln schien. Die Tür an der anderen Seite des Zimmers war halb geöffnet und von dort schienen auch die Stimmen zu kommen, die sie leise vernehmen konnte. Sie schloss noch einmal die Augen und versuchte ihre Gedanken zu sortieren, die durch das fortwährende Brummen in ihrem Schädel, wie hinter einer dichten Wand abgeschottet und kaum zu fassen waren. Eine warme, herzliche Stimme drang an ihr Ohr, und als sie endlich in der Lage war auch diese Information zu verarbeiten, realisierte sie, dass neben ihr ein Mann aufgetaucht war, der wohl schon mehrfach versucht hatte Kontakt zu ihr aufzunehmen. So langsam fügten sich ihre verschiedenen Eindrücke zusammen und sie fühlte sich unweigerlich in eine der vielen Arztserien versetzt, die einem regelmäßig im Vorabendprogramm verschiedener Fernsehsender begegneten. Gleich würde noch die nette Sprechstundenhilfe hinzu kommen und ihr ein Glas Wasser anbieten und dann würde der nette Hr. Doktor ihr sagen, dass er sich Sorgen um sie machte.
Sie wendete ihre Aufmerksamkeit dem Weißkittel zu, der sich zu ihr gesetzt hatte. „Frau Broda, da sind sie ja wieder ...“ Abwartend schaute er sie an und wartete offensichtlich auf irgeneine Reaktion von ihr. Anna konnte sich an das Gesicht erinnern, aber irgendwie machte es noch nicht klick. Sie schaute ihn fragend an, denn sie stand immer noch weit neben sich. Erst als sich, wie vorher gesehen, ein weiteres Gesicht in ihr Blickfeld schob und sie die nette, ältere Sprechstundenhilfe erkannte, mit der sie noch vor einigen Minuten gesprochen hatte, wusste sie wieder wo sie war und was wohl passiert sein musste. Sie war in der Praxis von Dr. Mertens, der offenbar höchstpersönlich neben ihr saß. Sie erinnerte sich vage in Erfahrung gebracht zu haben, dass die telefonische Mitteilung einer Schwangerschaft kein böser Scherz der Vergangenheit war, der sie mit einem Jahr Verspätung eingeholt hatte. Die Erleichterung darüber und der Schluss, dass sie wohl auch diese Überraschung einem Menschen zu verdanken hatte, der sie offensichtlich in den Wahnsinn treiben wollte, war scheinbar zuviel für ihre sowieso schon mehr als angeschlagene körperliche Verfassung gewesen, so dass sie in eine Ohnmacht gefallen war, aus der sie gerade erwachte. „Geht es ihnen gut?“ hörte Anna die sympathische Stimme des Arztes und quittierte die neuerlichen äußeren Reize, die ihr Gehirn fluteten mit einem Griff an den Kopf, der immer noch mit sich selbst genug zu tun hatte. Sie versuchte sich aufzusetzen, wurde jedoch sanft daran gehindert. „Bleiben sie noch einen Moment liegen. Ihr Kreislauf muss sich erst noch stabilisieren.“ Anna blieb also liegen und schloss dankbar die Augen. „Passiert ihnen das öfter?“, drängte sich die Stimme erneut auf. Die letzten Tage flogen wie ein zusammengefasster Spot durch ihren Kopf, während sie eine Antwort auf die an sie gerichtete Frage suchte. Sie versuchte zu sprechen, aber ihre Kehle war so trocken, dass sie nur ein heiseres Krächzen heraus bekam. Da erschien die nette Helferin, die sich im Hintergrund gehalten hatte wieder auf der Bildfläche. Sie betrachtete Anna immer noch sorgenvoll, während sie ihr half sich aufzusetzen, und gab ihr ein Glas Wasser in die Hand. „Trinken sie erst einmal einen Schluck.“ Anna lächelte dankbar, zumindest sollte es so aussehen, und nachdem ein paar Schlucke des kühlen Nass ihre Kehle hinunter gelaufen war, löste sich auch das Gefühl, dass sie kurz vor dem Vertrocknen stand. „Danke“ sagte sie leise, und lehnte sich immer noch ziemlich ermattet gegen die Wand, an der die Liege stand, auf die man sie verfrachtet hatte. Dr. Mertens hatte sie aufmerksam beobachtet und wiederholte seine Frage. „Passiert ihnen das öfter?“ Anna nickte kurz „In den letzten Tagen hatte ich öfter Kreislaufprobleme und mir ist auch ständig flau im Magen … allerdings bin ich bislang noch nicht umgekippt.“ Ihre Stimme war noch ziemlich schwach und sie musste ein paar mal tief durchatmen, bevor sie weiter sprechen konnte. „ Ich denke, dass ist der Stress, den ich gerade habe,“ fügte sie erklärend hinzu. Dass es sich dabei vor allem um emotionalen Stress handelte, musste sie ja nicht gleich jedem erzählen. Dr. Mertens nickte nachdenklich. „Sie hatten vor einem Jahr ähnliche Symptome und damals haben wir einen Eisenmangel festgestellt. Ich schlage vor, wir machen erneut eine Blutuntersuchung. Eine junge Frau wie sie sollte noch mit Stress umgehen können.“ Er zwinkerte ihr lächelnd zu, und räumte ein, „zumindest eine Zeit lang, … oder ist das bei ihnen ein Dauerzustand?“ Anna schüttelte kaum merklich den Kopf, denn noch immer tat jede Bewegung weh. Er nickte seiner Angestellten zu, die auch schon dabei war eine Kanüle und ein paar Röhrchen herbei zu holen, in denen sie Annas kostbares Blut sammeln wollte. „Bleiben sie ruhig noch einen Moment hier liegen, bis sie sich wieder besser fühlen … und versuchen sie ihren Stress abzubauen. So eine Ohnmacht steckt ein Körper nicht so einfach weg. Wir sehen uns dann bitte in zwei Tagen wieder. Bis dahin haben wir auch die Untersuchungsergebnisse vorliegen.“ Dr. Mertens gab Anna die Hand und verabschiedete sich mit einem aufmunternden Blick. Anna schloss erneut die Augen und ließ die weitere Prozedur über sich ergehen. Als sie wieder alleine war kramte sie ihr Handy hervor. Sie ließ ihre Kontaktdaten über ihr Handy scrollen und blieb bei Tom stehen … doch dann besann sie sich eines besseren und wählte Palomas Nummer. Tom würde vermutlich verrückt vor Sorge, wenn er erfuhr, dass sie umgekippt war und da sie sowieso schon ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie sich so zurück gezogen und ihn bislang nur halbherzig in die Geschehnisse der letzten Tage eingebunden hatte, wollte sie ihn jetzt nicht weiter beunruhigen. Heute wäre definitiv nicht der Tag, an dem sie die Zeit finden würde Tom über ihre Verfassung aufzuklären, die sich ihr selbst ja noch nicht einmal erschloss.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mi Sep 18 2013, 20:40

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Tom sah in die Runde der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich am Konferenztisch versammelt hatten und mit leisen Stimmen noch die ein oder anderen Dinge besprachen. Endlich waren alle anwesend und die weitere Tagesplanung konnte besprochen werden. Sein Blick blieb an Anna hängen, die nach wie vor sehr mitgenommen aussah. Er hatte wirklich Angst, dass sie dem Stress, der mit dem heutigen Pressetermin und der Modenschau am nächsten Tag verbunden war, nicht gewachsen war. Aber er wusste, dass es keine Alternative gab. Bruno hatte mit seiner Luxury-Kollektion genug zu tun, und würde wohl auch nicht für eine Angestellte einspringen, denn er erwartete stets professionelle Arbeit von seinen Angestellten, und Carla war nicht da. Na ja, bevor Anna dieser ihre Arbeiten anvertrauen würde, käme sie wohl auch eher auf allen Vieren angekrochen. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als zu versuchen Anna so viel Arbeit wie möglich abzunehmen und diese auf die Kollegen und Kolleginnen zu verteilen.
Er beschloss, sie nicht aus den Augen zu lassen, und auch wenn sie sich ihm gerade nicht anvertraute, und ihn das auf mehrfache Weise wahnsinnig machte, auf sie auf zu passen. So schnell würde er sich nicht vertreiben lassen.
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Als Tom Anna kurz zuvor endlich im Atelier erblickt hatte, war er voller Hoffnung gewesen, dass sie zu ihm kommen würde um ihn zu begrüßen, aber Anna hatte ihn nur kurz und zaghaft angelächelt, ehe sie den direkten Weg zu ihrem Arbeitsplatz eingeschlagen hatte. Seine Ernüchterung darüber, dass sie ihn immer noch nicht über ihre Verfassung aufklären wollte, war groß und seine Gefühlswelt nach wie vor völlig chaotisch gewesen, da sie sich zwischen Sorge, Wut und Enttäuschung nicht so recht entscheiden konnte. Gefrustet hatte er sich wieder in sein Büro begeben und überlegt, ob er sie ganz Chef-like zu sich zitieren sollte, aber nachdem er sie einige Zeit aus seinem Büro heraus beobachtet hatte, siegte letztlich seine Sorge um sie und er ließ den Gedanken fallen. Sie wirkte wie ein Schatten ihrer Selbst. Es fehlte die Energie, die Vitalität und das Strahlen in ihren Augen, mit dem sie sich im Normalfall auf ihre Aufgaben stürzte. Stattdessen erkannte er lediglich Pflichtbewusstsein, Selbstbeherrschung und angestrengte Konzentration. Sie wollte ihren Job erledigen, koste es was es wolle, das war deutlich zu erkennen, und es beeindruckte und berührte ihn, obwohl es ihn nicht von seiner Enttäuschung erlöste. Er hatte hin und her überlegt, wie er sich verhalten sollte, und sich letztlich vorgenommen ihr keine zusätzliche Last zu sein, indem er auf Erklärungen beharrte. Er hoffte einfach darauf, dass sie nach dieser ganzen Show, die ihn jetzt schon tierisch annervte, genügend Zeit hatten, sich zu erholen und alle Verwirrungen, von denen er hoffte, dass es auch wirklich welche waren, zu klären.
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Tom besann sich also auf seine Funktion des Geschäftsführers und setzte mit Mühe seine kühle Fassade auf, die er in den letzten Jahren perfektioniert hatte, aber eigentlich selbst nicht mehr mochte. Aber in manchen Momenten half sie ihm sich von den Dingen, die ihm zu Nahe kamen und ihn somit von seinen Aufgaben ablenkten, zu distanzieren. Er machte, während er die Beteiligten mit eindringlichen Blicken bedachte, unmissverständlich klar, dass er in den nächsten Tagen von allen volle Unterstützung und vollen Einsatz erwartete. An dem Gesicht des Praktikanten, der natürlich auch zugegen war, blieb er einen Moment länger hängen und musterte ihn mit gemischten Gefühlen, immer noch nicht sicher, wie er die Begebenheit des letzten Abends einordnen sollte. Aber Carsten sah ihn aufmerksam an und schien völlig unbeeindruckt von seinen Worten. Dich werde ich im Auge behalten, dachte Tom während er fortfuhr. Ohne Rücksprache zu halten, oder seine Entscheidungen zur Diskussion zu stellen, klärte er darüber auf, dass er selbst mit Anna vorab zur Pressekonferenz fahren würde, um Kontakte zu pflegen und Präsenz zu zeigen. Enrique übertrug er die Verantwortung für die pünktliche Ankunft der Models und der Kleidungsstücke, und Paloma würde die Betreuung derselben übernehmen. Sie hatte dafür zu sorgen, dass jede Dame das richtige Kleid und das richtige Styling erhielt. Tom wollte nichts dem Zufall überlassen und Anna sollte einfach nur da sein und sich sicher fühlen können. Auf die Bühne zu steigen und den Journalisten Rede und Antwort stehen zu müssen, würde sie vermutlich schon genügend fordern.
Während Tom seinen Monolog hielt, erntete er von verschiedenen Seiten irritierte Blicke, aber es traute sich keiner das Wort zu erheben. Es war sonst nicht seine Art die Organisation eines Pressetermins selbst in die Hand zu nehmen, denn dafür hatte er schließlich seine Angestellten, die sich damit auskannten. Allen voran Enrique, der sich das zweite Mal an diesem Tag fragte, was mit dem Junior-Chef los war. An sich war Tom bei solchen Besprechungen eher ein Beisitzer, der die Entscheidungen der Beteiligten überwachte und im Notfall mit Ergänzungen aufwartete. Aber heute war alles anders und er war fest entschlossen die Fäden nicht aus der Hand zu geben. Er ließ die Blicke also an sich abprallen und machte im Gegenzug durch seine unantastbare Mimik deutlich, dass er keine Widerworte hören wollte. „Also los“ beendete er das Meeting auffordernd "wenn es keine weiteren Fragen gibt…? Es gibt viel zu tun.“

Er stand auf und begab sich zu Anna, die als einzige auf ihrem Stuhl sitzen geblieben war, als hätte sie ihren Teil der Aufgabe noch nicht richtig verstanden. Sie bedachte ihn mit einem verwunderten Blick. Was ist denn mit dem los? ging es ihr durch den Kopf. So habe ich Tom ja noch nie erlebt. Glaubt der etwa, wir können uns nicht selbst um unsere Arbeit kümmern? An einem anderen Tag hätte sie ihm spätestens jetzt die Hölle heiß gemacht, sie konnte es nämlich gar nicht leiden, wenn man ihr die Kompetenz absprach ihre Aufgaben selbst zu organisieren und zu erledigen. Aber heute beließ sie es dabei, denn sie fühlte sich zu schwach um gegen Toms Vorstoß anzugehen, und insgeheim musste sie sich eingestehen, dass sie froh war, sich um viele Dinge nicht mehr selbst kümmern zu müssen. „Treffen wir uns in einer Stunde in meinem Büro?“ fragte Tom, sich immer noch auf die professionelle Ebene besinnend. Eigentlich hätte er Anna liebend gerne in den Arm genommen und versucht ihr ein bisschen Trost und Kraft zu schenken, aber da sie die Distanz zu ihm wollte, würde er sie nicht bedrängen. Lediglich sein jetzt viel sanfterer Tonfall und seine sorgenvoll blickenden Augen ließen erkennen, dass er hier nicht bloß mit einer Angestellten sprach. Anna rang noch einen Moment mit sich, gab aber, nachdem sie sicher war das Tom es nur gut meinte, klein bei. „Ist ok, ich zieh mich dann mal um und lass mich ein wenig aufhübschen,“ antwortete Anna mit einem schiefen Lächeln, während sie aufstand. „Bis gleich.“ Tom sah ihr hinterher, als sie davon ging und stieß erleichtert die Luft aus, denn er hatte eine ganz andere Reaktion befürchtet. Ihr scheint es wirklich schlecht zu gehen. Im Normalfall hätte sie mir für meine Initiative den Kopf abgerissen, ging es ihm durch den Kopf, und das war eine weitere Bestätigung, dass seine Sorgen um sie berechtigt waren. Er war froh, dass Anna seine Anweisungen einfach so hingenommen und auch nicht dagegen protestiert hatte, mit ihm gemeinsam zur Messe zu fahren. Immer noch in seinen Gedanken versunken ging er zur Kaffeebar und schüttete sich ein Glas Wasser ein. Wortfetzen drangen an sein Ohr „Ja verdammt, ich weiß das das nicht gut ist … Ach, und was soll ich … Ja,… Ok, um den Rest kümmere ich mich. … Ja, ich lass mir was einfallen.“ Tom sah sich suchend nach der Herkunft des disharmonischen Telefonats um, das er unfreiwillig belauscht hatte und als er erkannte, wer da aus dem Gang trat, verengten sich misstrauisch seine Augen. Schnell drehte er sich um und tat völlig unbeteiligt, während seine Gedanken in seinem Kopf rotierten. Was ist nicht gut? Und was will er sich einfallen lassen? In Tom tönten plötzlich alle Warnsysteme. Zügig machte er sich auf den Weg in sein Büro, um ein dringendes Telefonat zu führen.
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Eine Stunde später klopfte Anna an die Bürotür ihres Chefs. Sie musste sich mächtig zusammenreißen einen überzeugenden Eindruck hinzulegen, denn sie war einfach schrecklich müde und fühlte sich immer noch, wie nach einer langwierigen Grippe. Gott sei Dank habe ich Palomas Drängen nachgegeben und wenigstens etwas gegessen, dachte sie, denn seit sie gegen ihren Willen das Stück Laugenbrezel hinuntergerungen hatte, war wenigstens das flaues Gefühl in ihrem Magen verschwunden, aber ihr Kopf und ihre Glieder schmerzten nach wie vor bei jeder Bewegung und ihr Kreislauf war immer noch alles andere als stabil. Außerdem hätte sie gerade viel dafür gegeben Tom nicht begegnen zu müssen, denn der Umgang mit ihm strengte sie unglaublich an. Ihre Gedanken und Gefühle schwankten wie ein Schiff auf hoher See und sie versuchte ihre Unsicherheit hinter professionellem Handeln zu verstecken, was ihr aber sehr schwer viel.
Nachdem Anna nicht aufgefordert wurde herein zu kommen, sie aber Toms Stimme hörte, steckte sie vorsichtig den Kopf durch die Tür. Tom sah auf und winkte sie mit einem kurzen Lächeln herein. „Muss das jetzt sein? Aber, … Ich bin quasi schon …“ Er verdrehte die Augen und seufzte tief auf. „Ja, ist ja gut, sag Bescheid. In einer viertel Stunde. Ich muss vorher noch was klären. … Ja, bis gleich.“ Er nahm sein Handy vom Ohr und schmiss es entnervt auf den Tisch. Seiner Mimik nach zu urteilen war seine Laune gerade auf dem Nullpunkt angelangt, … bis er sich bewusst Anna zuwendete und von ihrer Erscheinung überwältigt wurde. Sie hatte das schwarze Kleid angezogen, das sie morgens nach langem Überlegen ausgewählt hatte. Es hatte einen U-Boot-Ausschnitt, der klassisch, aber nicht zugeknöpft wirkte, da er auf den Schultern mit lockeren Knoten abschloss. Um die Strenge des Schwarz aufzulockern trug sie einen luftigen Sommerschal, High-Heels und einen Gürtel in abgestimmten warmen Farbtönen, die sich hervorragend zu ihrem blonden Haar machten, das offen über ihre Schultern fiel. Ihre Blässe und die Augenringe waren kaum noch zu sehen und so vermittelte sie den Eindruck des blühenden Lebens. Tom lächelte entzückt, während sein Herz völlig aus dem Takt geriet, ... er liebte diese Frau. „Wow, … du siehst toll aus!“ sagte er anerkennend. Anna lächelte verlegen und sah an sich herunter. „Ja, unsere Visagisten verstehen ihren Job.“ versuchte sie die Situation aufzulockern, die ihr irgendwie unangenehm war. Ihr Blick wurde ernst. „Was ist in einer viertel Stunde, ich denke wir fahren jetzt?“ Sie schaute auf die Uhr und fühlte spontan wieder die Aufregung in ihr aufsteigen, als sie realisierte, dass in nicht einmal zwei Stunden ihr Pressetermin stattfinden würde. Sie war irgendwie beruhigt, dass Tom sie begleiten würde. Auch wenn gerade viele unausgesprochene Dinge zwischen ihnen standen, fühlte sie sich in seiner Nähe doch beschützt. Aber bei ihrer Frage verlor auch Toms Mimik wieder die Leichtigkeit. „Ach ja, … Ich bin sofort wieder da.“ Bei diesen Worten hatte er sein Büro schon fast verlassen.  Anna sah ihm irritiert hinterher. Was ist denn jetzt wieder, wir müssen los, dachte sie nervös, aber da sie sowieso warten musste, setzte sie sich auf einen der bequemen Stühle, die vor Toms Schreibtisch standen und schloss erschöpft die Augen.

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BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Sep 22 2013, 21:55

"31"

Die Mitarbeiter Lanfords sahen ihrem Junior-Chef verwundert hinterher, als dieser wie ein Wilder die Treppen zu den oberen Büros hinauf hetzte, nur um denselben Weg eine Minute später in dem gleichen Tempo in entgegengesetzter Richtung zu absolvieren. Das heißt, mitten auf den Stufen legte er einen plötzlichen Stopp, und kurze Zeit später, einen erneuten Blitzstart ein, als ob er, einem Boxenstopp eines Rennwagens gleich, keine Sekunde der kostbaren Zeit verlieren dürfte. Und genau so fühlte er sich auch. Der Anruf eben hatte ihn völlig aus dem Konzept geworfen, und  ihm war klar, dass wenn er schon gezwungen wäre seine eigene Planung über den Haufen zu werfen, er zumindest eine Alternative organisieren musste. Und da er schon bald erwartet wurde, musste es eben schnell gehen.  Auf der Treppe stehend, hatte er Enrique erblickt, den er in seinem Büro vergebens gesucht und deshalb auch im Affenzahn den Rückweg eingeschlagen hatte. Tom durchpflügte das Atelier in eiligen Schritten und hielt dabei genau auf seinen besten Freund zu, die einzige Person, auf die er jetzt vertrauen wollte. Die Mitarbeiter sprangen erschrocken beiseite, um nicht über den Haufen gerannt zu werden und schauten ihm wieder einmal kopfschüttelnd hinterher. Ihr Junior-Chef wirkte zur Zeit mehr als durchgeknallt, aber wirklich neu war das ja nicht. Früher war er kalt und gefühllos, jetzt war er verwirrt und unberechenbar. „Enrique, du bist meine Rettung. … Du musst mit Anna vor fahren und sie zum Pressetermin begleiten.“ Toms Stimme war hektisch und bedingt durch seinen kleinen Spurt und seine Aufregung war er völlig außer Atem. Enrique musterte Tom abschätzig. „Ich denke du fährst mit Anna zur Messe …“ sagte er, das „du“ besonders betonend, und mit einem vernehmlich pikiertem Unterton, der Tom vermitteln sollte, was er von seinem Chef-Gebaren hielt. Schließlich war er kein Anfänger mehr und Leiter der Marketing-Abteilung, der sich heute im Meeting aber eher wie ein kleiner Praktikant gefühlt hatte. Auch wenn er nichts gesagt hatte, war er durchaus angesäuert so vorgeführt worden zu sein. Tom schloss einen Moment die Augen und zwang sich zur Ruhe. Er wusste ja, dass er zurzeit etwas irrational handelte und Enrique heute Morgen ziemlich überfahren hatte, aber auf die sensible Seele seines Marketing-Chefs konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen. Er brauchte ihn, weniger aufgrund seiner beruflichen Funktion, sondern weil er sein bester Freund war und sein Vertrauen genoss, zumindest meistens. „Ich kann nicht, Enrique. Ich muss hier noch an einer Video-Konferenz teilnehmen. … Bitte…“ fügte er in einem fast verzweifelten Ton hinzu, der Enrique aufmerken ließ. Er schüttelte kaum merklich den Kopf. Dieser Mann war wirklich ein Buch mit sieben Siegeln, obwohl er ihn schon so lange kannte. Und auch wenn er sich wieder mal fragte, warum er mit diesem undurchschaubaren, und häufig zu einem Ekelpaket mutierenden Mann befreundet war, merkte er, dass er ihn nicht hängen lassen konnte, denn es schien, als sei dieser ziemlich verzweifelt. „Was ist denn los, warum fährt Anna nicht alleine?...“ antwortete er immer noch ziemlich herablassend, aber als er in Toms Augen sah, die voller Sorge flackerten, hielt er inne und sein Unmut war plötzlich verraucht. „Aber ich sollte doch die Models …“ Tom unterbrach ihn aufgebracht. „Dann organisiere, dass die anders dorthin kommen. Bitte, ich möchte nicht, dass Anna allein fährt.“ Enrique hob resigniert beschwichtigend die Hände, während sich in ihm das Gefühl verdichtete, dass hier irgendwas im Argen lag, von dem er noch nichts mitbekommen hatte. War nur die Frage was. „Ich bin gleich da.“ Er schaute sich suchend um, „Wo ist sie, in deinem Büro?“ Tom nickte, seufzte erleichtert auf und schenkte Enrique einen dankbaren Blick, ehe er, dieses mal in gemäßigtem Tempo zurück an seinen Arbeitsplatz ging.

Leise betrat Tom sein Büro und sah sich verwundert um. Erst jetzt registrierte er Anna, die bewegungslos vor seinem Schreibtisch im Stuhl saß. Scheinbar war sie eingedöst. Er hockte sich vor sie und legte vorsichtig seine Hand auf ihr Bein. Er gönnte sich einen kurzen Moment sie genauer zu betrachten. Warum lässt du mich nicht für dich da sein?, dachte er voller Liebe und seufzte wehmütig auf.
„Hey, ist alles gut?“ fragte er schließlich leise, denn er wollte sie nicht erschrecken. Aber da Anna tatsächlich weggedriftet war, schreckte sie trotzdem hoch. Langsam näherte sie sich der Realität wieder an und lächelte Tom zaghaft zu. „Oh Mann, ich bin ganz schön kaputt“, gab sie endlich einmal zu. Tom nahm ihre Hände in die seinen und drückte sie sanft. „In zwei Tagen ist alles vorbei, und dann ruhst du dich mal richtig aus, versprochen?“ Anna nickte und sah in seine gefühlvollen Augen. Es fühlte sich gut an in seiner Nähe zu sein, seine Sorge und sein Mitgefühl zu spüren. Warum laufe ich eigentlich die ganze Zeit vor ihm weg? … Er ist doch wirklich der tollste Mann, den man sich vorstellen kann … ging es ihr durch den Kopf und sie nahm sich vor, sich ab sofort wieder auf diese Erkenntnis zu besinnen.
Tom stand erleichtert auf und trat um seinen Schreibtisch herum. Endlich erschien Anna mal wieder zugänglich und hatte ihn ein Stück an sich heran gelassen. Schon dieser eine, fast liebevolle Blick, den sie ihm geschenkt hatte, entschädigte ihn für die schreckliche letzte Nacht.  Man wurde ja bescheiden. Sein Blick fiel auf das Paket, das seit morgens ins seinem Büro lag und er schüttelte über sich selbst den Kopf. Seit seine Gedanken sich nur noch sorgenvoll um Anna drehten, hatte er keinen Moment mehr an das Hirngespinst verschwendet, dass es sich bei dem Blumengruss um das Präsent eines möglichen Nebenbuhlers handeln könnte. Mit Sicherheit war es einfach ein netter Gruß eines Kunden. „Schau mal, ich habe hier noch was für dich. Scheinbar schickt dir schon jemand Vorschuss-Lorbeeren für deine Kollektion“ sagte er herzlich lächelnd und wollte ihr das Paket überreichen.
Anna, die das Paket sogleich erkannte, verlor jedoch binnen Sekunden ihre rosige Gesichtsfarbe und wäre sie nicht so gut geschminkt gewesen, hätte sie wohl einem Albino Konkurrenz gemacht. Wo kommt dieses Ding denn schon wieder her? Das habe ich doch gestern schon entsorgt, fluchte sie innerlich, während sie gegen einen erneuten Kontrollverlust ankämpfte. Tom zog verunsichert die Augenbrauen zusammen. Anna saß einfach regungslos da. Sie griff nicht nach dem hingehaltenen Präsent und ihre Mimik glich einer eingefrorenen Maske, … aber ehe er etwas sagen konnte, betrat Enrique den Raum und lenkte ihn ab.
„Können wir?“ fragte dieser voller Enthusiasmus, denn die ihm dieses mal zugedachte Aufgabe, fand er um längen interessanter, als sich um Models und Kleider zu kümmern, mal davon abgesehen, dass sie wohl auch eher in seinen Tätigkeitsbereich fiel. Die Frage war an Anna gerichtet, aber diese hörte Enriques Stimme nur aus der Ferne, denn sie versuchte den Mangel an Sauerstoff in ihrem Gehirn durch heftiges Ein- und Ausatmen in den Griff zu bekommen, während es in ihrem Kopf es unaufhörlich hallte „Nur noch zwei Tage. Nur noch zwei Tage …“ Allein die Außenansicht des Paketes führte ihr spontan wieder das grausame Bild des Inhaltes vor Augen, und nur mit Mühe schaffte sie es, sich aus ihrer Starre zu reißen.
Sie benötigte alle Energie um ihre Fassung zu wahren, als sie fragend von einem zum anderen schaute. „Fahren wir zu Dritt?“ Tom schüttelte mit entschuldigendem Blick den Kopf. „Es tut mir leid, ich muss noch an einem Meeting teilnehmen, und …“ er schaute auf seine Uhr „…ich muss auch leider los." Er machte ein verkniffenes Gesicht, das seinen Widerwillen deutlich zum Ausdruck brachte, ließ dann aber seine linke Augenbraue in die Höhe zucken," Aber sonst wirft mich Bruno den Löwen zum Fraß vor. Ich komme so schnell wie möglich nach.“ Enrique kräuselte bei Toms Wortwahl belustigt die Lippen, hatte er doch morgens selbst noch die Assoziation gehabt, sich plötzlich in der Gesellschaft eines solch netten Tierchens zu befinden. So schnell konnte ein Rollentausch erfolgen.
Eilig legte Tom das Paket auf seinen Tisch, warf seinen beiden Kollegen einen verdrossenen Blick zu und trollte sich davon. Im Vorbeigehen raunte er Enrique noch in beschwörendem Ton zu, dass er gut auf Anna aufpassen solle, was dieser mit einem verwunderten Blick beantwortete. Schließlich hatter er immer noch keine Ahnung warum Tom plötzlich so panisch um Anna besorgt war. Anna schaute ihrem Freund enttäuscht hinterher, da sie sich doch gerade erst eingestanden hatte, dass sie froh war, sich in seiner schützenden Nähe bewegen zu können. Aber es nützte ja nichts. Sie erhob sich schwerfällig, bedachte ihre ‘Blumen’ noch mit einem letzten widerwilligen Blick, bevor sie auf Enrique zuging und ihn unter großer Anstrengung anlächelte „Na dann, lass uns mal losfahren.“



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BeitragThema: "32"   Mi Sep 25 2013, 19:10

Hey ho, ihr lieben, stillen Leser Wink . Hier ein neuer Teil von mir. Viel Spaß!!
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Anna und Enrique waren bereits bei ihrem Pressetermin angekommen und betrachteten die Meute an Pressemitarbeitern und potentiellen Kunden erst einmal aus einigem Abstand, als Tom laut fluchend wieder in sein Büro trat und die Tür hinter sich zuknallte. „So ein Scheiß, und dafür lasse ich Anna alleine … Verd.ammter Mist …“ Er hatte jetzt eine gute Stunde in Nataschas Büro verbracht und mit ihr und seinem Vater auf das ‘wichtige Meeting’ mit Beate Kreis und einem weiteren Vertreter von Haokan gewartet. Diese hatten sich unbedingt mit ihnen besprechen wollen und da ein Interesse an einer weiteren Kooperation bekundet worden war, hatte Bruno entgegen aller Einwände darauf bestanden, dass Tom zugegen war. Aber erst war die Verbindung zu Haokan gar nicht zustande gekommen, und dann völlig instabil immer wieder abgebrochen, und letztlich fehlte dann der Chefeinkäufer aus Asien, ohne den sowieso nichts Wesentliches besprochen werden konnte. Diese Stunde war also eine einzige unnötige Farce gewesen, und Tom, der völlig nervös im fünf-Minuten-Takt auf seine Uhr geschaut hatte, wäre wohl völlig aus der Haut gefahren, hätte sein Vater ihm nicht sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass sie diesen potentiellen Neuauftrag auf gar keinen Fall gefährden würden.
Jetzt marschierte Tom zum Sideboard und trank schnell ein Glas Wasser, um sich kurz zu sammeln. Er nahm seine Presseunterlangen vom Tisch und war schon fast aus der Tür, als ihm einfiel, dass er einen Schlüssel benötigte, wenn er mit dem Auto fahren wollte. Also schob er hektisch die ziemlich chaotisch  auf seinem Tisch verteilten Unterlagen hin und her, um den Schlüssel zu finden. Als er ihn endlich in der Hand hielt, fiel das Paket herunter, das er zuvor eilig auf der Tischkante abelegt hatte, und ein erneuter Fluch erfüllte den Raum. „Oh Mann, was ein beschissener Tag!“, kam es ihm erzürnt über die Lippen. Sein Missgeschick ignorierend, wollte er erneut den Raum verlassen, aber irgendwas hielt ihn zurück. An dem Bild, welches er bei seinem flüchtigen Blick auf den Boden erfasst hatte, stimmte etwas nicht.
Er hielt also inne, drehte sich noch einmal um, und sah dieses Mal bewusst auf den Karton, der sich bei seinem Sturz vom Tisch geöffnet hatte. Eine schwarze Rose und Lilien? Bah, was ist das denn für eine Sauerei… Wer schickt denn so was? Tom schrak innerlich zurück, aber trotzdem trat er näher und hockte sich hin, um den Inhalt des Pakets genauer zu betrachten. Ihm wurde unweigerlich übel, als er durch den Anblick der drei Blumen an die Beerdigung seine Frau erinnert wurde. Er nahm mit zitternden Händen die beiliegende Karte zur Hand, las die wenigen Worte und erstarrte geschockt. In dieser Kombination zu den Blumen, konnte die Botschaft nur auf eines hinweisen, schließlich war Anna die Adressatin der Sendung. Auf Jonas Unfall, … auf seinen Tod. Oh mein Gott, wie taktlos. Nein, das wäre die Untertreibung des Jahrtausends, wie grausam… .
Jetzt wusste er endlich was Anna so aus der Bahn geworfen hatte, denn am heutigen Morgen hatte diese Sendung das Haus sicherlich noch nicht erreicht. Sie war also vermutlich der Auslöser für Annas gestrigen Schwächeanfall und ihren anschließenden Rückzug, und auch ihre paralysierte Haltung, als er ihr das Paket übergeben wollte, passte ins Bild. Er sah immer noch völlig fassungslos zwischen den geschmacklosen Blumen und der Karte, die er immer noch in der Hand hielt, hin und her und schloss voller Sorge und Mitgefühl die Augen. Oh man, wer tut meinem Engel nur so etwas an? … Und, warum redet sie nicht mit mir? Tom kämpfte gegen den Kloß an, der sich in seiner Kehle bildete und ihm fast die Luft zum Atmen nahm, aber er zwang sich ein kühlen Kopf zu behalten und nachzudenken. Dann sprang er auf und untersuchte die Verpackung auf irgendeinen Hinweis. Aber nichts. Kein Absender, kein Verweis auf den Laden der das Gebinde verschickt hatte, und auch sonst nichts.
Tom schloss, ebenso wie Anna einen Tag zuvor, schnell den Deckel und ließ sich auf den Stuhl fallen, der direkt hinter ihm stand. Aber nur für einen kurzen Moment, denn ein unglaublich schlechtes Gefühl nahm Besitz von ihm und er sprang wie von der Tarantel gestochen auf und rannte los. Er musste zu ihr …
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Anna stand immer noch in der hintersten Ecke des Raumes, in dem der Empfang des heutigen Pressetermins stattfand. Sie hatte sich mit einem Glas Wasser hinter einen Stehtisch verschanzt und beobachtete Enrique, der sich durch die Menschenmenge bewegte, und hier und dort jemanden begrüßte oder einige Worte wechselte. Beeindruckt erkannte sie, dass er scheinbar schon recht viele Personen in der Modewelt kannte, obwohl er ja noch gar nicht so lange bei Lanford arbeitete. Oder aber er machte sich auf höfliche Weise mit den Menschen bekannt, was vor allem den weiblichen Gästen durchaus zu gefallen schien. Mann Anna, eigentlich solltest du hier präsent sein und Kontakte knüpfen, ermahnte sie sich schließlich. Ihrer Verfassung nach, wäre sie am liebsten einfach nach Hause gegangen und hätte sich ins Bett gelegt, aber so langsam war sie auch genervt von ihrer eigenen Gebrechlichkei,t die sich durch die hinzukommende Nervosität auch nicht besserte. Und so riss sie sich schließlich zusammen und trat hinter dem Tisch hervor, um sich zumindest zu Enrique zu gesellen. Mit ihm an ihrer Seite, würde es schon gehen.
„Sie sind doch Frau Broda?“, wurde Anna auch unvermittelt angesprochen. Sie drehte sich dem Mann zu und lächelte ihn höflich an. Was für ein unsympathischer Schmierlappen, der ist bestimmt von der Presse, schoss es ihr spontan durch den Kopf, als sie sich ihr Gegenüber betrachtete. „Ja, das bin ich.“ antwortete sie aber freundlich, schließlich ging es darum einen positiven Eindruck zu hinterlassen. „Sie waren doch letztes Jahr auch schon hier, oder?“ Anna zuckte innerlich zusammen, musste sie bei ihrem ersten Gespräch sofort an die Tragödie im letzten Jahr erinnert werden? Sofort erwachten wieder die unguten Gefühle in ihr. Es war damals eine schreckliche Demütigung gewesen, zuzuhören wie ihr Foto-Call aus ‘organisatorischen Gründen’ abgesagt worden war. „Ja das stimmt. Und heute präsentiert Lanford meine neue Zauberhaft-Kollektion ‘Your way’“, antwortete sie daher, in der Hoffnung dieses Gespräch möglichst schnell in die richtige Richtung zu lenken. Ihr Gesprächspartner bedachte sie mit einem irgendwie belustigten Blick, der so gar nicht zur Situation passte. „Und sind sie sicher, dass sie ihren Termin dieses Jahr auch wirklich nutzen können?“, fragte er mit einem freundlichen Lächeln, das aussah, als hätte er sich eine Clowns-Maske ins Gesicht gemalt. Anna schauderte es, denn das war genau das Thema und die Fragen vor denen sie Angst hatte. Aber gleichzeitig wurde sie auch wütend, was fiel diesem Menschen eigentlich ein, sich so über sie zu belustigen. „Natürlich werden wir unseren Termin nutzen, dafür sind wir ja hier. Lanford wird ihnen einen guten Vorgeschmack auf die morgige Show geben“, sagte sie daher in selbstbewussten Ton und verabschiedete sich unter dem Vorwand ihren Kollegen finden zu müssen. Als sie sich abgewandt hatte, spürte sie noch immer den hämischen Blick auf ihr liegen und das: „Na, dann sind wir ja mal gespannt …“, das noch leise an ihr Ohr drang verstärkte ihr Gefühl, dass zumindest dieser Schmierfink nur darauf wartete, dass sie sich erneut blamieren würde. Schnell ging sie in Richtung Buffet davon wo sie die meisten Menschen erblickte, um sich inmitten der Masse in Sicherheit zu bringen.
Sie holte tief Luft, froh sich selbst gerettet zu haben und schaute sich nach Enrique um. Da hinten auf der anderen Seite des Raumes stand er, in ein Gespräch mit einer Frau vertieft, die Anna als Marketing-Chefin von Jeans-Fritz erkannte. Sie hatte erst vor einigen Tagen einen Bericht über diese überaus erfolgreiche Geschäftsfrau gelesen. Eine potentielle Neukundin, freute sich Anna, denn dem Stil nach, wäre das eine Kundin, die wohl an ihrer Linie des Hauses Interesse haben dürfte. Sie wollte sich gerade auf den Weg machen, um sich der Dame vorzustellen, als sie erneut angesprochen wurde. „Frau Broda,“ hörte sie eine überschwängliche Stimme, „schön, sie zu treffen. Wir kennen uns von der Haokan-Präsentation, sie erinnern sich?“ Anna nahm mit einem einnehmenden Lächeln, die angebotene Hand in ihre und fragte sich im Stillen, mit wem sie es wohl zu tun hatte. Ich sollte mich wohl mal intensiver mit unseren Kunden beschäftigen, ging es ihr durch den Kopf, denn sie hatte keine Ahnung wer ihr gegenüber stand. Ich sollte Virgin mal um Nachhilfe bitten … Die Dame, die sicherlich zu den oberen Zehntausend gehörte, überhäufte Anna mit Komplimenten, die diese dankbar annahm, tat es doch unglaublich gut einfach mal positive Anerkennung zu bekommen, auch wenn sie gerade nicht wusste von wem. " Wir hatten ja damals gar nicht das Vergnügen uns besser kennen zu lernen, aber ihre Haokan-Kollektion …“ schwärmte die ältere Dame weiter, als Anna ein Brummen an ihrem Arm verspürte. Sie begann unauffällig in ihrer Tasche nach ihrem Handy zu suchen, da sie nicht unhöflich erscheinen wollte, und als sie es letztlich gefunden hatte, war es leider schon verstummt. Sie warf einen schnellen Blick darauf und ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer. Tom! dachte sie erfreut, als sie gerade berichtet bekam, dass ja die Enkelin ihres Gegenübers …
Anna wurde immer unruhiger und musste sich schwer am Riemen reißen nicht wibbelig von einem Fuß auf den anderen zu treten. Als die Dame ihren Redeschwall einen Moment unterbrach, um einen Schluck Sekt zu trinken, sah sie ihre Chance. „Nach dem was sie erzählt haben, bin ich sicher, dass ihrer Enkelin meine neue Kollektion gefallen wird, denn sie ist genau für Frauen wie sie konzipiert. Ich wünsche ihnen auf jeden Fall viel Spaß.“ Sie wendete sich schnell ab und entfloh der Menschenmenge. Sie wollte Tom zurück rufen. Hoffentlich ist er bald hier, flehte sie innerlich.

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BeitragThema: "33"   So Sep 29 2013, 00:03

Tom hatte sich noch kurz bei Steffi vergewissert, dass Paloma und die Models das Haus planmäßig verlassen hatten, und war dann in Windeseile zu seinem Auto gerannt, hatte sich hinter das Steuer gesetzt und war, ohne irgendwelche Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten oder in ausreichendem Maße auf seine Umgebung zu achten, losgefahren. Sogleich musste er in die Eisen steigen, denn plötzlich tauchte einer seiner Mitarbeiter vor ihm auf, den er völlig übersehen hatte, als er den Bürgersteig überqueren und auf die Straße fahren wollte. Erstarrt und völlig entgeistert schaute der ältere Herr, der bereits seit Jahren einen Job in der Buchhaltung Lanfords begleitete, den Junior-Chef an, als dieser mit quietschenden Reifen nur kurz vor ihm zum Stehen kam. Tom entschuldigte sich mit einer kurzen Geste bei ihm, und wartete ungeduldig, dass er Platz machte. Für mehr war jetzt keine Zeit. Er startete sofort wieder durch, stellte sein Handy in die Freisprechanlage des Autos und befahl Annas Nr. anzurufen. Nervös hörte er auf das Tuten, während er, so schnell es der Verkehr zuließ, durch die Stadt fuhr. „Mist“ ertönte es da auch schon wieder aus Toms Mund, die Mailbox von Annas Handy war angesprungen. Hoffentlich geht es ihr gut, schoss es ihm immer wieder durch den Kopf, der sich doch eigentlich auf den Verkehr hätte konzentrieren sollen. Alternativ versuchte er Enrique zu erreichen, aber mit dem gleichen frustrierenden Ergebnis. Toms Anspannung stieg und stieg und an jeder roten Ampel, bei jeder Stockung trommelten seine Finger nervös auf dem Lenkrad herum, während er gleichzeitig mit seinen bloßen Gedanken versuchte sich selbst zur Messe zur Beamen oder zumindest die anderen Verkehrsteilnehmer beiseite zu räumen. Dumm nur, dass seine Energien für Übersinnliches nicht ausreichten.
Da klingelte das Telefon und er warf einen kurzen Blick auf das Display. „Anna“ rief er erfreut aus, was sein Handy, das ja auf Sprachbefehle eingestellt war, erst einmal verwirrte. Tom musste ihm erst ein paar weitere Befehle zurufen, bevor es ihn endlich erlöste und er Anna begrüßen konnte. „Hallo Anna, ist alles gut bei Dir?“ rief er atemlos hinein. Anna freute sich als sie Toms Stimme vernahm, fragte sich aber sogleich, warum er sich so hektisch anhörte. „Ja, hier ist soweit alles ok. Ich warte allerdings auf die Models …“ Tom war froh sie beruhigen zu können. „Die müssten gleich da sein, sie sind pünktlich losgefahren, und ich bin auch unterwegs. Wir sehen uns gleich, ja?“ Er hörte wie Anna die Luft ausstieß, der ging es nämlich gar nicht so gut, wie sie es glauben machen wollte. Sie war mittlerweile total nervös, und schaute im Minutentakt auf ihre Uhr, da sie dank der hämischen Worte des Journalisten immer wieder daran denken musste, wie peinlich es im letzten Jahr gewesen war ohne Models dazustehen. „Das ist gut“, sagte sie und Tom konnte ihre Erleichterung heraus hören. Er versuchte sie weiter zu beruhigen „Anna, ich bin gleich bei dir, und … ich liebe dich“ fügte er noch hinzu. Er konnte es sich einfach nicht verkneifen, denn sein Herz war völlig gefangen von seiner Sorge um sie. „Danke. Bis gleich!“ hörte er noch leise, bevor das Telefonat beendet war. Er lächelte vor sich hin. Der Klang ihrer Stimme hatte seine Anspannung ein wenig verringert und ein Hauch von vorsichtigem Optimismus durchzog seinen Körper. Da klingelte sein Handy erneut.

Anna legte auf und sah verliebt auf das Display ihres Handys, von dem ihr Toms entspanntes Gesicht entgegen strahlte. Er liebt mich … lächelte sie selig, für einen Moment von ihrer Seelenqual und ihrer körperlichen Beschwerden befreit. Und ich liebe dich auch ..., durchfuhr sie die Erkenntnis, die sie seit Tagen immer wieder voller Zweifel auf Seite schob.Es war seit längerem das erste Mal, dass sie für einen kurzen Augenblick einfach nur glücklich war. Sie zog sich noch ein Stück weiter von den Menschen zurück, die erhobenen Hauptes um sie herum stolzierten und unglaublich wichtige Gespräche führten, und nahm sich ein paar Minuten um in diesem Gefühl zu schwelgen, konnte sie doch gerade sowieso nichts machen, außer auf ihre Kolleginnen zu warten. Sie war unendlich erleichtert, dass alles nach Plan lief. Und dass auch Tom gleich auftauchen würde, gab ihr ein bisschen Sicherheit zurück.
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Etwa zur selben Zeit schaute Paloma irritiert auf ihr Handy und hielt es sich dann wieder ans Ohr. "Tom? ... Tom! ... Tom!" Sie schüttelte genervt den Kopf. Tom war doch gerade dran, ... und was war das für ein Geräusch? überlegte sie, aber die Verbindung war tot. „Was ist denn da bloß los?“ fragte sie sich und wollte gerade erneut anrufen, als ein Mann auf sie zukam und sie von ihrem Vorhaben abbrachte. „Haben sie ein Großraumtaxi bestellt?“ Paloma sah verwirrt auf und besann sich auf ihre eigene problematische Situation. „Ja, ja genau. Wir kommen.“ In Eile rief sie die Models für die Modenschau zusammen. Sie standen einzeln oder zu zweit schweigend auf dem Bürgersteig und versuchten sich gegenseitig Halt zu geben und zu sich beruhigen. Paloma selbst lief noch einmal zurück zum Lanford-Kleinbus, der nach der vor einigen Minuten erfolgten Kollision mit einem PKW auf der Fahrerseite ziemlich eingedellt, noch mitten auf der Straße stand. Es schauderte die Brünette ein wenig, als sie noch einmal den Unfall vor Augen hatte. Der Fahrer des anderen Wagens hatte sie scheinbar übersehen, war einfach aus einer Seitenstraße herausgezogen und ungebremst in ihre linke Seite geknallt. Carsten, der am Steuer des Kleinbusses gesessen hatte, hatte noch versucht mit einem kleinen Schlenker nach rechts auszuweichen, aber da war es schon zu spät gewesen. Die jungen Frauen, die aufgeregt schnatternd hinten im Wagen gesessen hatten, waren plötzlich mitsamt ihrer wertvollen Fracht, nämlich den Kleidersäcken für die Präsentation beim Foto-Call, durch den Raum geworfen worden, um sich nur einen Moment später durcheinandergewirbelt auf dem Boden des Busses wiederzufinden. Nach und nach hatten sie sich aufgerappelt und es war schnell geklärt gewesen, dass sie, bis auf ein, zwei blaue Flecken die es zweifelsohne geben würde und einem mehr oder minder großen Schock, unversehrt geblieben waren. Sie waren völlig verschreckt ausgestiegen und seitdem standen sie in sich gekehrt hier und warteten auf die Polizei. Paloma, die den Unfall bis auf leichte Schmerzen im Nacken ebenfalls unbeschadet überstanden hatte, hatte sich sofort um alles gekümmert, und nachdem sich alle Unfallbeteiligten gegenseitig versichert hatten, dass es ihnen gut ging, war Paloma zu der Erkenntnis gekommen, dass sie sich trotz der erschreckenden Geschehnisse auf den Weg zum Pressetermin machen sollten. Und so hatte sie ebenfalls einTaxi bestellt, die Personaldaten der Kolleginnen aufgeschrieben und sie Carsten gegeben, der hier die Stellung halten sollte, bis die Polizei eintraf.
Jetzt sammelte sie die Kleidersäcke zusammen, die sich im ganzen Wagen verteilt hatten, als plötzlich ein lauter Knall die Ruhe durchriss. Sie zuckte, ebenso, wie alle anderen heftig zusammen. Ihr Herzschlag schoss in die Höhe und sie spürte, dass doch auch sie viel angegriffener war, als sie gedacht hatte. Sie hielt einen Moment inne und überlegte, ob sie die Show nicht doch einfach abblasen sollten, aber sie hatte die ganze Zeit Anna vor Augen. Sie machte sich wirklich große Sorgen um ihre beste Freundin, so dass sie sich gar nicht vorstellen wollte, wie es ihr ergehen würde, wenn sie sich jetzt nicht auf den Weg machen würden. Also griff sie schnell nach der letzten Tasche, die sie noch sah und bestieg dann gemeinsam mit den sechs jungen Frauen das Taxi. „Carsten, ich werde sofort jemanden von Lanford herschicken, der dir beisteht, ok?“ Dieser hielt sich den Arm, der wohl etwas abbekommen hatte und nickte ihr mit leicht verzweifeltem Blick zu. Auch er hatte sich bei dem Knall erschrocken und fühlte sich gerade alles andere als gut. Oh Gott, was passiert hier? Hoffentlich kommt keiner zu Schaden … schoss es ihm verzweifelt durch den Kopf, denn er hatte eine leise Ahnung, was hier gerade vorgefallen war.
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Tom hatte Palomas Name auf dem Display erkannt und nahm das Telefonat an. „Ja Paloma …“ aber weiter kam er nicht. Sein Blick wieder auf die Straße gerichtet, sah er plötzlich nur noch rote Lichter vor sich. Er riss die Augen auf und trat so schnell es seine Füße zuließen auf die Bremse. Seine Wahrnehmung war völlig gefesselt von dem lauten Quietschen der Reifen und den roten Bremslichtern des LKWs, der vor ihm zum Stehen gekommen war. Dass Paloma nach ihm rief, drang derweil nicht mehr an sein Ohr. Neeiiiin, bleib stehen, kreischte es in seinem Kopf. Aber der LKW kam immer näher und näher und als der Aufschlag unausweichlich erschien, kniff Tom schließlich ergeben die Augen zusammen, während sein Fuß auf der Bremse scheinbar das Bodenblech des Autos durchstieß. Ein Film von Bildern seines Lebens zog vor seinem inneren Auge vorbei und nachdem ihm lächelnd seine Mutter, Paule, Fanni und Bruno erschienen waren blieb er letztlich bei Annas strahlendem Lächeln stehen, als hätte jemand die Pause-Taste gedrückt. Tom wartete mit dem Gesicht seiner großen Liebe vor Augen auf den unabwendbaren Aufprall, … aber plötzlich endete der erzwungene Freiflug. Der Porsche blieb mit einem Ruck stehen und eine leichte Erschütterung durchfuhr das Auto, während quälendes Quietschen von zerschrammendem Metall an Toms Ohr drang ... Dann war es plötzlich still.
Tom war sich nicht ganz sicher, ob er einfach ohne etwas zu spüren in die Ewigkeit katapultiert worden war, oder ob er diese Situation tatsächlich unbeschadet überstanden hatte. Vorsichtig öffnete er die Augen und erblickte die Türen des LKW, die er einem Flashback gleich, noch einmal in Zeitlupe auf sich zu rauschen sah. Sie bauten sich, einer Wand gleich, nur ein bis zwei Meter vor seiner Nase vor ihm auf. Und, was das unglaubliche war, sein Wagen stand. Die Motorhaube des Porsche war wohl mit durchs Bremsen geneigter Schnauze einige Zentimeter unter den LKW geraten und hatte sich nun, da der Wagen zum stehen gekommen war, darunter verkeilt, aber er stand. Die Motorhaube war völlig eingedrückt, aber ansonsten war alles wie es sein sollte. Na ja bis auf den Standort, der denkbar schlecht gewählt war. Tom stieß erleichtert die Luft aus und versuchte seinen rasenden Puls wieder auf Normalmaß zu reduzieren. Das ist ja gerade nochmal gut gegangen, ging es ihm durch den Kopf und wäre er religiös gewesen hätte er in diesem Moment vermutlich ein kleines Dankesgebet in den blauen Himmel gesendet, der die Situation grotesker Weise mit strahlendem Sonnenschein begleitete. Er löste sich langsam aus seiner Schockstarre, löste seiner Arme, die immer noch verkrampft das Lenkrad umfassten, löste seine Beine, die voll durchgestreckt auf den Fahrzeugpedalen verharrten, entspannte seinen ganzen Körper, der einfach nur schmerzte und legte mit geschlossenen Augen den Kopf gegen die Stütze. Als sich die Intensität seines Herzschlags zumindest soweit reduziert hatte, dass er nicht mehr bis in seinen Kopf zu spüren war, besann er sich darauf, dass er das Auto schnellstmöglich verlassen sollte. Den Gedanken kaum zu Ende gedacht, öffnete er die Augen um ihn die Tat umzusetzen, als er im Rückspiegel plötzlich Bewegungen registrierte, die nichts Gutes verhießen. „Scheiße“, entfuhr es ihm panisch und sein Herzschlag war sofort wieder am Maximum angelangt …
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AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"
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