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 AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)

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katha

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BeitragThema: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Di Apr 30 2013, 20:37

So, meine liebe Mini,

das was hier folgt ist für Dich! Mein Geschenk zu deinem Geburtstag!



(und dann natürlich für alle anderen, die mitlesen wollen )

Du weißt, ich bin etwas chaotisch beim Schreiben, und in diesem Fall, glaube ich noch mehr als sonst, deshalb habe Nachsicht mit mir.
Und leider, ist die Story auch wieder mal nicht ganz fertig, so dass ich sie dir nur portionsweise schenken kann.
Aber sehen wir´s mal positiv. Dafür hast du dann länger davon.
Zur Zufriedenheit des Schreibers, muss ich wohl nichts mehr sagen, ... wir haben uns da ja schon ausgiebig ausgetauscht.

Ich hoffe einfach mal, dass es dir gefällt.

So, und jetzt habe ich ein großes Problem. Ich habe noch keinen Namen gefunden, muss aber einen haben, damit ich dir dein erstes Päckchen liefen kann, also werde ich mich jetzt wohl spontan entscheiden müssen. Eine meiner leichtesten Übungen, vor allem weil das Ende noch nicht geschrieben ist. Hmmmm

Okay. Jetzt oder ...

"Entscheidungen" So soll es sein. (Da bleib ich ja gleich beim Thema )

Ich wünsche gute Unterhaltung!

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katha

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BeitragThema: "1"   Di Apr 30 2013, 21:08

Ok, los geht´s. Ich bin gerade sehr verunsichert, aber egal. Ich hau´s jetzt raus.
******************************

„Komisch, dass sie immer ausgerechnet dann da sind, wenn ich gerade am Abgrund stehe.“ sagte Anna mit schiefgelegtem Kopf. Sie lächelte Tom dankbar an, und er lächelte einen Moment zurück. Dann zog er die Brauen in die Höhe, und sagte wissend. „Na ja, vielleicht ist es aber auch andersrum. Ich stehe da, und warte auf sie.“ Seine Worte klangen irgendwie traurig, und waren für Anna in ihrer gewollten Bedeutung, so schnell nicht zu begreifen, aber sie griff die Situation auf, indem sie antwortete. „Klingt nach einem kosmischen Plan.“ Anna und Tom sahen sich tief in die Augen, und es war ihnen als wäre die Zeit für einen Moment stehen geblieben, … aber dann räusperte sich Tom, und verabschiedete sich von Anna, die ihm verwirrt hinterher sah.

Ja, sie war verwirrt, und das war auch kein Wunder. Der Tag hatte ihr viel abverlangt. Steve, der einst beste Freund ihres verstorbenen Mannes Jonas, hatte sie entführt, und ihr Dinge offenbart, die ihr Weltbild zerstört hatten. Er hatte ihr bereits vor einiger Zeit seine Liebe gestanden, aber die Auswirkungen dieser Liebe, wenn man es denn überhaupt so nennen konnte, waren ihr nicht klar gewesen. Steve war nämlich, wie sie nun wusste, nur als Geschäftspartner in das kleine Modelabel von ihr und ihrem Mann eingestiegen, um ihr nah sein zu können, und er hatte, als sie nach Berlin gekommen waren um ihre erste Kollektion auf den Fashion-Days zu präsentieren, die Kollektion klauen lassen, und dabei ausversehen, wie er beteuerte, Jonas über den Haufen gefahren. Das war also die traurige Wahrheit um Jonas Tod, den finanziellen Ruin ihres Labels Zauberhaft, und dem Glauben an einen guten Freund.
Aber das waren ja nur die Hintergründe, die sich Anna eröffnet hatten, das akute Problem war ja gewesen, dass Steve sie in seine Gewalt gebracht hatte, um mit ihr ein neues Leben anzufangen. Eine kranke Idee, die er Gott sei Dank nicht weiter verfolgen konnte, da plötzlich Paule und ihr Bruder Tom aufgetaucht waren, um sie zu befreien. Die Rettungsaktion war nicht ohne Probleme verlaufen, da Tom erst einmal k.o. gegangen war, aber mit Hilfe, scheinbar übersinnlicher Kräfte, konnte Steve schlussendlich überwältigt und Anna in Sicherheit gebracht werden.
Und jetzt stand Anna hier und sah Tom hinterher, der für sie erschien, wie ein nicht lösbares Rätsel. Tom war hier gewesen, um zu sehen, ob es seiner Schwester Paule gut ging, die sich auf dem Sofa der Polaukes zum Schlafen gelegt hatte: Und vielleicht hatte er auch gehofft Anna zu treffen, auch wenn er das wohl niemals zugegeben hätte, denn in erster Linie war er nur ihr Chef. Meist ein kühler, distanzierter Chef, der seinen Angestellten klar machte, wer das Sagen hatte. Aber andererseits war Tom Lanford auch sowas wie Annas rettender Engel. Eine Rolle, die man sich für ihn so gar nicht vorstellen konnte, wenn man ihn nur als Geschäftsführer seiner eigenen Firma kannte. Aber es war tatsächlich schon das zweite Mal gewesen, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufgetaucht war, um Anna zu retten.
Das erste Mal war er ihr zu Hilfe geeilt, kurz nachdem ihr Mann verstorben war. Sie hatte sich aus Trauer, Verzweiflung und fehlendem Lebenswillen das Leben nehmen wollen, und war zur Ausführung ihres Planes auf ein Hochhausdach gestiegen. Als sie sich gerade damit beschäftigt hatte, den nötigen Mut zusammen zu kratzten, um wirklich den letzten Schritt zu tun, war er plötzlich hinter ihr aufgetaucht, und hatte sie, zuerst mit seltsamen Gequatsche, und dann mit dem Erzählen seiner eigenen traurigen Geschichte, davon abgehalten zu springen. Damals hatte er Anna mit seiner einfühlsamen, nachdenklich und zugleich leidenschaftlich Art zutiefst beeindruckt, so dass sie sich ihm, als er sie intensiv auf seinen schönen blauen Augen angeschaut hatte, sofort verbunden gefühlt hatte. Und so ein Moment war das auch gerade gewesen. Irgendwie gab es da etwas zwischen ihnen, was sie in manchen, seltenen Momenten aneinander fesselte. Und jedes Mal, wenn dieses Etwas unverhofft auftauchte, denn das Normale war ja, der nicht immer freundliche Umgangston in der Firma, dann verwirrte es Beide. Zumindest für eine kurze Zeit, bis sie wieder die Fassade der Normalität aufgerichtet hatten und weiter machten, als wäre nichts geschehen. Und genauso war es auch heute. Anna gönnte sich einen kurzen Augenblick, um sich an die wenigen faszinierenden und intensiven Momente mit Tom zu erinnern, ehe sie sich schnell davon ablenkte. Sie begab sich, auf der Suche nach Erholung, in ihr Bett , musste aber schnell einsehen, dass ihr Verstand noch nciht bereit war den Tag abzuschließen. Erst nach einem langen inneren Zwiegespräch, in dem sie die aktuellen Geschehnisse zu verarbeiten suchte, fiel sie endlich in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen betrat Anna die Goldelse, in der schon einiges los war. Die ersten Gäste waren bereits zum Frühstücken eingetroffen, und tranken bei geselligen Gesprächen ihren Morgenkaffe, und diese Normalität der Situation war für Anna nach den Geschehnissen des Vortages zwar irgendwie seltsam, vermittelte ihr aber in positiver Weise, dass das Leben weiterging. „Guten Morgen!“ begrüßte Anna ihre Eltern durch die Durchreiche. „Ist das ok, wenn ich mir einen Kaffee nehme?“ Sofort kam ihre Mutter zu ihr hinter die Theke, und zog sie erst einmal in ihre Arme. „Geht es dir gut?“ fragte sie besorgt, nachdem sie Anna kurz gemustert hatte. Anna nickte, „Ja, Mama alles gut. Ich habe prima geschlafen. Und jetzt bin ich wirklich hungrig. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen, oder?“ Sie lächelte beruhigend, und Susanne ließ ihre Hand an Annas Arm entlang gleiten und drückte nochmal ihre Hand. „Ok, dann setz dich mal. Frag doch Paule ob sie mit dir frühstücken will. Ach und ich habe hier noch einen Brief für dich. Herr Lanford war bereits hier, und hat sich nach euch erkundigt. Ich soll euch schön grüßen.“ Sie drückte Anna einen Brief in die Hand und verschwand Richtung Küche. „Paule schläft noch. Ich will sie nicht wecken,“ rief Anna schnell hinter ihrer Mutter her, ehe sie sich an einen kleinen, etwas abseits stehenden Tisch setzte, und neugierig den Brief öffnete. Als sie eine schnörkellose Handschrift erkannte, begann ihr Herz nervös zu pochen. Es war also keine offizielle Geschäftspost. Sie faltete den Zettel auseinander und las.

Guten Morgen Anna,
ich hoffe, sie konnten sich nach den gestrigen Vorkommnissen ein wenig erholen.
Ich möchte ihnen einen Vorschlag unterbreiten.
Wenn sie Lust haben, können sie heute Nachmittag doch noch nach Mailand fliegen, und dort die nächsten Tage verbringen.
Sie denken jetzt bestimmt: Jetzt soll ich also doch fliegen, obwohl er mir doch gestern noch frei gegeben hat. Und ja, ich will nicht verheimlichen, dass ich beruhigt wäre, wenn eine Designerin vor Ort wäre, während die beiden Schneiderinnen, die ich nach Italien geschickt habe, das Kleid für die Contessa nähen.
Aber ich dachte mir, dass es ihnen vielleicht auch gut tun könnte, ein paar Tage im wunderschönen Mailand zu verbringen.
Morgen gibt es dort das große Frühlingsfest der Contessa, auf dem sich Jeder zeigt, der in der Modewelt und im Showbusiness Rang und Namen hat, und am darauf folgenden Tag steht ein Opernkonzert der Contessa in der Mailänder Scala auf dem Programm. Ansonsten, kann ich nur sagen, ist Mailand eine wunderschöne Stadt, in der es viel zu entdecken gibt.
Flug und Unterkunft übernimmt natürlich Lanford.
Also, überlegen sie es sich in Ruhe. Und falls sie Lust haben, liegt ein Ticket für sie am Flughafen bereit.
Abflug Berlin Tegel, 14:10 Uhr, Gate 5
Schöne Grüße
Tom Lanford


Anna schüttelte den Kopf und las sich den Brief nochmal durch. Tom hatte ihr am Abend zuvor für den heutigen Tag frei gegeben, obwohl sie für den Auftrag in Italien eingeplant gewesen war, so dass sein Angebot jetzt doch überraschend kam. Und deshalb hatte sie auch, wie ihr Chef richtig vermutet hatte, direkt gedacht, dieser blöde Typ, jetzt geht es also doch wieder ums Geschäft. Aber dann hatte sie doch schmunzeln müssen, denn soviel Selbstironie hätte sie ihm überhaupt nicht zugetraut. Vielleicht hatte er ja tatsächlich recht. Irgendwie war es schon verführerisch einfach mal für ein paar Tage in den Süden zu fliegen und alles hinter sich zu lassen. Und offensichtlich ließ er ihr ja tatsächlich die Wahl, oder würde er ihr einen Vorwurf machen, wenn sie das Angebot nicht annehmen würde? Sie legte gerade den Brief beiseite, als ihre Mutter wieder an den Tisch kam. „Und? Was Wichtiges?“ fragte sie, mit Blick auf den Brief, und stellte Anna ihr Frühstück auf den Tisch. Nachdem sie kurz über ihre Gäste geschaut hatte, setzte sie sich einen Moment zu ihr und sah sieh erwartungsvoll an. Anna zuckte etwas unschlüssig mit den Schultern, „Tom fragt, ob ich nicht doch nach Mailand fliegen will.“ Susanne riss ungläubig die Augen auf. „Und ich dachte heute Morgen tatsächlich, dieser Kerl hätte vielleicht doch so etwas wie ein Herz. Das hatte ich ja, bei den ganzen Überstunden, die er dich ständig machen lässt, eigentlich schon ausgeschlossen.“ regte sie sich sogleich auf, und Anna lächelte bei Susannes Ausbruch. Ganz meine Mama, immer da um ihre Kleine zu verteidigen, dachte sie, ehe sie ihr beruhigend die Hand auf den Arm legte. „Mama, beruhige dich. Ich muss nicht fliegen, wenn ich nicht will kann ich auch hier bleiben. … Ich glaube fast, dass er es wirklich nett meint.“ Susanne schaute Anna skeptisch an, „Was heißt das, er hat es nett gemeint?“ Anna schüttelte, selbst immer noch verwundert, den Kopf und zog gleichzeitig die Schultern in die Höhe. „Er hat es mir freigestellt zu fliegen, … und ich glaube, er meint ehrlich, dass es mir vielleicht gut täte, mal ein paar Tage hier raus zu kommen.“ Sie zögerte einen Moment, und dann sagte sie voller Enthusiasmus. „Und weißt du was? Genau das werde ich tun. Ich fliege nach Mailand. Mal was anderes sehen, vielleicht ein bisschen Sonne tanken, die es hier noch nicht gibt, ein paar interessante Leute treffen. Das Alles kann doch nicht schaden, oder?“ Sie strahlte über das ganze Gesicht. Der Gedanke gefiel ihr. Beherzt griff sie zu einem der Brötchen, die ihre Mutter ihr hingestellt hatte, und überlegte ob sie ihren Tag süß oder deftig beginnen sollte.
Susanne schaute immer noch irritiert, aber sie kannte ihre Anna gut genug, um erkannt zu haben, dass sie einen Entschluss gefasst hatte, den sie sowieso nicht wieder rückgängig machen würde. Und na ja, wenn sie so darüber nachdachte, und ihre Bedenken, wegen der wahren Beweggründe des Herrn Tom Lanford mal auf Seite schob, hörte sich Annas Argumentation ja auch gar nicht so abwegig an.

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BeitragThema: "2"   Di Apr 30 2013, 21:34

Und noch einen Teil. Morgen geht´s dann weiter.
Zeit schinden, sorry
**************************

Anna fühlte sich tatsächlich als flöge sie in den Urlaub, als sie sich auf den Weg zum Flughafen machte. Alleine das Kofferpacken war eine echte Herausforderung gewesen. Immerhin musste sie für alle Eventualitäten gerüstet sein. Jeans und T-Shirt reichten nicht aus, für das, was sie optional auf dem Programm stehen hatte. Sie war sich noch nicht sicher, ob sie sich wirklich im Kreise der erlauchten Gesellschaft bewegen wollte, eigentlich stand ihr gerade eher der Sinn danach sich einfach in die Stadt zu schmeißen und zu schauen was ihr über den Weg lief. Aber sie kannte sich. Wenn sie erst mal Kontakt aufgenommen hatte, zu der der großen Contessa Fellicioni, dann war sie vermutlich doch neugierig. Es sei denn, die Dame wäre tatsächlich so schrecklich, wie Virgin ihr im Auftrag ihrer Kontrahentin Carla Rhonstedt hatte weismachen wollen.
Anna dachte nochmal an die letzten Tage und das seltsame Verhalten ihrer Kollegen zurück. Virgin war der Paradiesvogel und persönliche Assistent Bruno Lanfords in Personalunion, und Anna mochte ihn wirklich sehr, und das obwohl er mit Carla, die sie wiederum gar nicht mochte, ziemlich dicke war. Diese hatte mit Hilfe von Virgin ein sehr seltsames Spiel abgezogen, dessen Ziel sich Anna irgendwie nicht ganz erschlossen hatte. Einerseits schien sie Anna diesen Auftrag, die Contessa zu betreuen, madig machen zu wollen, was andererseits aber auch nicht bedeutet hatte, dass sie ihn übernommen hätte, als Anna freiwillig davon zurück treten wollte. Wahrscheinlich hatte ihr Kleinkrieg schlicht und ergreifend an Spannung verloren, nachdem sie gesehen hatte, dass der Gegner gar nicht kämpfen wollte. Aber gut, eigentlich war es auch egal, was Frau Rhonstedt wollte. Diese fühlte sich in ihrer Position der Chefdesignerin und Freundin des Junior-Chefs zwar immer in besonders exponierter Stellung, aber Anna konnte das nicht wirklich beeindrucken. Sie stimmte ihre Entscheidungen nämlich zumeist mit den Herren Lanford, also dem Kreativchef des Hauses oder dem Geschäftsführer, persönlich ab, so dass Carlas Meinung zweitrangig war. Und in diesem speziellen Fall hatte Tom Lanford sie persönlich gebeten, diesen Termin in Mailand zu übernehmen und sie davon in Kenntnis gesetzt, wie wichtig diese Kundin für Lanford sei.
Was hatte er gesagt? Die Contessa sei vielleicht etwas füllig und extravagant, was wohl so etwas wie einer Herausforderung darstelle, dass sie aber in gleichem Maße dankbar und generös sei, und außerdem eine sehr gute Freundin seines Vaters. Übersetzt hieß das wohl. Sie war zwar dick und hatte einen eigenen Kopf, wusste gute Arbeit und kreative Umsetzungen aber vermutlich aus genau diesem Grund durchaus zu schätzen. Bruno hatte drei Entwürfe ausgesucht, je einen von Anna, Carla und sich selbst, zwischen denen sich die Contessa entscheiden sollte und Tom hatte nochmal betont, dass er sich auf sie verlassen würde. „Anna, ich möchte, dass sie fliegen. Ich brauche jemand, der mit anspruchsvollen Kunden umgehen kann. Mit Fingerspitzengefühl und Esprit. Ich möchte dass sie fahren und kein anderer.“ Der Blick, den er ihr bei diesen Worten zugeworfen hatte… Anna lief ein kleiner Schauer über den Rücken, als sie daran dachte. Das hatte sie fast aus den Latschen kippen lassen. Dieser Mensch konnte so unglaublich charmant sein. Komisch nur, dass er in gleicher Weise ein Ekelpaket par excellence war. Wieder einmal verwirrt von seiner Person, schüttelte sie innerlich den Kopf, als sie am Flughafen ankam. Eilig verdrängte sie die Gedanken an ihren Chef und kümmerte sich um die nötigen Formalitäten um ihrem Auftrag entgegenfliegen zu können

In der Abflugarea herrschte Hochbetrieb. Fünf Abflüge waren aufgerufen, so dass sich viele Menschen im Bereich der offen gehaltenen Abflughalle tummelten. Etwas abseits, an einer Theke, saß der Mann, der Annas Gedanken die letzte halbe Stunde so auf Trab gehalten hatte, und verfolgte voller Unruhe das hektische Treiben.
Ja, das wirkliche Wesen des gut aussehenden, und beruflich auch sehr erfolgreichen Tom Lanfords, war schwer greifbar. Nicht nur für Anna. Auch er selbst verstand sich seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr. Und diese Aktion hier? Auch von der war er noch nicht wirklich überzeugt. Aber er hatte sie ins Leben gerufen, und jetzt? … Er war drauf und dran das Weite zu suchen, und sich wieder hinter seinen sicheren Schreibtisch zu verkrümeln, aber trotz seines rasenden Herzschlags, und seiner nervös vor sich hin wibbelnden Beine, die quasi nach Flucht schrien, zwang er sich sitzen zu bleiben. Und das was ihn trotz seiner Angst an Ort und Stelle fesselte, waren die Erinnerungen an die wenigen Momente der letzten Zeit, in denen er plötzlich das ungewohnte Gefühl des Zuhauseseins empfunden hatte. Und nachdem er vier Jahre wie ein Fremder durch die Welt gewandelt war, hatten diese Momente eine Sucht in ihm ausgelöst. Eine Sucht, die er zwar zu verdrängen suchte, die aber gleichzeitig nach Erfüllung schrie. Er hätte es selbst noch nicht in Worte fassen können, aber sein Innerstes wusste, dass er nicht länger losgelöst von den Menschen in seiner Umwelt vor sich hin vegetieren wollte. Er wollte wieder wissen wer er war und wo er hin gehörte, und er hatte die vage Vermutung, nein eigentlich war es eine ziemliche Sicherheit, die er sich selbst nicht ganz erklären konnte, dass genau Anna es war, die ihm dieses Gefühl zurückgeben konnte.
Wieder ließ er einen nervösen Blick über die Menge streifen, scannte eine Person nach der anderen. „Wo bleibt sie denn nur?“ murmelte er vor sich hin und schaute einmal mehr zu der großen Flughafenuhr, die nach seinem Geschmack viel zu schnell voran schritt, und ihm vorkam wie ein großes Damoklesschwert, das über ihm schwebte. Ob sie vielleicht doch hier bleiben will? Aber das passt nicht zu ihr. Zumindest nicht, nachdem ich doch wirklich nett gefragt habe … Wenn ich sie angewiesen hätte, dass sie fliegen soll, dann hätte sie mit Sicherheit abgelehnt, aber so. Er schüttelte schmunzelnd den Kopf. Er konnte sich lebhaft vorstellen, wie sie ihm die Hölle heiß gemacht hätte. „Was denken sie sich eigentlich?“ hätte sie ihn angefahren. „Gestern noch so nett und hilfsbereit, und heute schon wieder ganz der eiskalte Geschäftsmann. Sie haben mir gestern frei gegeben, damit ich mich ein bisschen ausruhen kann, und jetzt soll ich doch wieder für sie die Kartoffeln aus dem Feuer holen?“ So, oder so ähnlich hätte sie ihn, mit in die Hüften gestemmten Händen, angefahren, und er hätte sich einmal mehr von ihrer Erscheinung beeindrucken lassen. Ganz entgegen seines Geschäftsführer-Images, das er sich in den letzten Jahren aufgebaut hatte.
Na ja, eigentlich hatte er Anna ja tatsächlich frei geben wollen, schließlich hatte sie sich einen Tag zuvor noch in den Klauen von diesem Wahnsinnigen befunden. Wenn er an ihre Erzählung zurückdachte, dass er ihr wimmernd dieses riesige Messer an den Hals gehalten hatte, wurde ihm immer noch ganz an anders. Was hätte ich nur getan, wenn er sie … Er schüttelte sich kurz und befreite sich von dieser gruseligen Vorstellung. Gott sei Dank ist ja alles gut gegangen. Stattdessen richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Menschen, die aufgeregt den verschiedenen Gates zuströmten, und da, endlich … . Tom hielt die Luft an und fixierte eine kleine Person, die gedankenverloren zum Gate 5 schlenderte.
Er brauchte nicht mehr als den Bruchteil einer Sekunde um sicher zu sein, vor allem weil sein Herz deutlich gegen seine Rippen schlug, was ihre Anwesenheit deutlich belegte. Das war Anna. Er ließ sehnsüchtig seinen Blick über ihren Körper schweifen. Sie sah so ganz anders aus, als seine eigene Freundin. Carla wäre wohl in einem superkurzen Minikleid, das eher auf einen Laufsteg als in einen Flughafen gepasst hätte, hier aufgetaucht. Dass das nicht ganz die passende Kleidung war, um sich auf eine Reise zu begeben, hätte sie in keiner Weise interessiert. Hauptsache ihre Verpackung sah teuer und sexy aus, alles andere interessierte sie eh nicht. Und damit war auch schon das ganze Dilemma dieser Frau auf den Punkt gebracht. Der Schein war es, der sie interessierte. Etwas darstellen, Beachtung finden, Erfolge feiern und sich mit möglich viel Prunk schmücken. Sei es teure Kleidung, teure Accessoires oder eben dem Geschäftsführer einer großen Firma. Und dass sich Tom in diese Auflistung des äußerlichen Scheins einreihen musste, passte ihm immer weniger. Obwohl er zugeben musste, dass er sie lange, ebenfalls sehr egoistisch, als Ablenkung von unerwünschten Gedanken der Einsamkeit und zur Abschirmung gegen neugierige Journalistin, genutzt hatte. Na ja, so hatten sie wenigstens beide von ihrer Verbindung profitiert.
Aber diese Frau dort vor ihm war ganz anders. Sie interessierte es erst in zweiter Linie, was ihre Umwelt von ihr dachte. Sie wollte vor allem zu sich selbst stehen können, und das machte sie so faszinierend. Sie trug keinen Minirock, sondern bequeme Klamotten, was nicht hieß, dass diese nicht auch stylisch waren. Tom ließ seinen Blick erneut über sie gleiten. Anna trug eine enge Jeans und darüber eine Art Tunika, die in ihrer Hüfte von einem breiten Gürtel durchbrochen wurde. Und um ihr Outfit abzurunden, trug sie knallblaue High-Heels, die farblich natürlich genau abgestimmt waren. Ihre blonden langen Haare glitten bei jedem Schritt seidig über ihren Rücken, und Tom seufzte leise auf. Er fühlte, wie schon des öfteren, den Wunsch seine Hände in ihre Haare zu vergraben, oder ihr eine ihrer blonden Strähnen aus dem Gesicht zu streifen, aber solche Sehnsüchte waren jetzt zweitrangig. Wichtig war, dass sie tatsächlich hier war. Sie würde also wirklich nach Mailand fliegen. Toms Stimmung begab sich ungefragt auf einen Höhenflug, und er wartete ungeduldig, bis sie aus seinem Blickfeld verschwunden war.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Mai 01 2013, 12:22

... und wo ist die Fortsetzung?????

Meine liebe Katha,

du glaubst ja gar nicht, wie aufgeregt ich war, als ich einen Blick heute ins Forum getan habe und tatsächlich eine Story gefunden habe ... für mich ...

Ich kanns kaum glauben. Und dann ist die auch noch sooooooooo schön geschrieben. Ganz wie ich es von dir gewohnt bin, ... vielleicht sogar noch ein bisschen besser ...

Aber jetzt bin ich hier am Ende des zweiten Teils angekommen und ... menno, wie gehts denn nun weiter. Anna und Tom ... Mhmm, da spielen sich gleich eine ganze Menge Szenarien in meinem Kopf ab. Und wenn du nicht willst, dass ich völlig kirre werde, dann stellst du einen neuen Teil ein, ja ...

Ich sag auch ganz lieb BITTE

Vielen lieben Dank, meine Liebe. Ich bin überzeugt, dass diese Story wunderschön wird. Ganz nach meinem Geschmack ...

Ich warte gedulig ...

Liebe Grüße, Mini

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ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Mai 01 2013, 15:26

Hallo mein liebes Minilein,
Schön dass du dein Geschenk gefunden hast und es bislang gut findest Cool . Ich habe leider gerade keine Ruhe dir den nächsten Teil einzustellen, du weißt ja ... Rolling Eyes
Ich denke aber heute Abend wird's klappen. Wink
LG Katha

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BeitragThema: "3"   Mi Mai 01 2013, 17:14

Glück gehabt, hat doch schon früher geklappt. Wink
***************************************

Mailand. Einige Stunden später.
Anna folgte einer kleiner flinken Italienerin eine große Freitreppe hinauf. Beeindruckt sah sie sich um. Hier in dieser riesigen, typisch südländischen Villa, die Contessa Fellicioni ihr eigen nannte, war alles wie gemalt. In der großen Eingangshalle konnte Anna durch geöffnete Flügeltüren in riesige, hohe Zimmer schauen, die vom Licht durchflutet wurden, die die vielen, gleichmäßig angeordneten und bis zum Boden reichenden Fenster herein ließen. Die Böden waren mit verschiedenfarbigen Steinfließen der besonderen Art dekorativ gestaltet, und die dazugehörigen Möbelstücke schienen wie aus einer anderen Zeit gerettet. Als sie die obere Etage erreichten, konnte sie über eine Steinbrüstung hinunter in einen großen Innenhof schauen, in dem gerade jede Menge Menschen herumwuselten, die offenbar das am nächsten Tag stattfindende Frühlingsfest vorbereiteten. Anna stieß anerkennend die Luft aus, und spürte wie ihr Herzschlag sich vor Nervosität beschleunigte, denn so langsam bekam sie eine Ahnung mit was für einer Kategorie der gehobenen Gesellschaft sie sich jetzt auseinandersetzen musste. Jemand mit Fingerspitzengefühl und Esprit, hatte Tom gesagt, als er ihr mitgeteilt hatte, dass ganz explizit sie diesen Auftrag übernehmen sollte. Auf Annas Stirn erschien eine kleine Sorgenfalte und sie holte noch ein letztes Mal tief Luft, als man sie bat einen Moment zu warten, während sie der Contessa wortreich angekündigt wurde.
Du schaffst das Anna, machte sie sich selbst noch einmal Mut, und nickte der Angestellten, die ihr die Tür offen hielt, dankend zu. Dann betrat sie einen Raum, indem sie den altertümlichen Prunk der unteren Etage erwartete, aber überrascht wurde. Hier war es prunkvoll, keine Frage, aber auch … anders. Auch dieses Zimmer war groß, mit hohen Decken, und ebenso hell erleuchtet von der Sonne, die durch die vielen Fenster schien. Aber die Einrichtung war anders. Alte Stilelemente wurden durch moderne Kunst durchbrochen und machten einen interessanten Mix aus Alt und Neu. Und mittendrin, sozusagen als Wohlfühloase lud eine riesige Sitzgruppe zum Verweilen ein. Aber das alleine machte die Überraschung nicht aus.
Inmitten dieser Oase, prangte auf dem Sofa die Contessa. So nahm Anna zumindest an. Dort saß, oder lag, oder … Jedenfalls war da eine durchaus beeindruckende Frau. Sie hatte die Beine hochgelegt und ihre Arme weit von sich gestreckt. Ihr Kopf lehnte auf der Rückenlehne und mit ihren geschlossenen Augen sah sie fast aus, als wäre sie gerade dahingeschieden. Anna überlegte skeptisch, ob sie es wirklich wagen sollte näher zu treten. Irgendwie erinnerte sie der dargebotene Anblick an Bruno, wenn der gerade mal wieder auf der Suche nach Inspiration die ungewöhnlichsten Posen einnahm. Sie erinnerte sich, wie er einmal wie ein Budda im Schneidersitz mitten auf dem Konferenztisch gesessen hatte, und sie würde sich auch nicht wundern, wenn sie ihn irgendwann beim Kopfstand erwischen würde, bei dem er einfach mal einen Perspektivenwechsel verfolgte. Aber ehe sie sich in ihre abschweifenden Gedanken um Brunos Eigenheiten verlieren konnte, wurde sich in die Realität zurück geholt. Es kam nämlich plötzlich Bewegung in die Masse. So konnte man das schon nennen, denn es dauerte einen Moment, bis die Contessa zum aufrechten Sitz gekommen war, und ihre Extremitäten an die richtigen Stellen sortiert hatte. Anna war von der Situation ganz schön eingeschüchtert, aber als sie endlich mit der ihr gebührenden Aufmerksamkeit bedacht wurde, war sie erneut überrascht.
Contessa Fellicioni strahlte Anna auf eine sehr einnehmende Weise an, und winkte sie überschwänglich zu sich. Sie untermalte ihre Begrüßung mit einem italienischen Redeschwall, der Anna weiterhin verunsicherte, da sie leider kein Wort verstand. Aber da schaltete die Gräfin endlich, warum Anna so zurückhaltend war, und switchte auf ein gebrochenes Deutsch um, was sich sehr sympathisch anhörte. Sie entschuldigte sich für ihr kopfloses Geplapper und erklärte, dass sie diese Momente der Ruhe brauchte um Energien zu sammeln. Anna hatte sich mittlerweile zu ihr gesetzt und sah sie erwartungsvoll an. „Frau Broda, ich freue mich ja so, dass sie doch noch gekommen sind. Ich weiß, ich bin ein bisschen verrückt, dass ich auf dieses Vorrecht poche, von einem Kreativen persönlich betreut zu werden, aber man weiß ja nie. Auch wenn ich Brunos Urteil natürlich vertraue.“ Sie beugte sich etwas näher zu Anna herüber, und tätschelte ihr den Oberschenkel, als wolle sie ihr ein Geheimnis unter Freundinnen anvertrauen. „Er würde mich nie im Stich lassen, und mir unfähiges Personal schicken, aber eine wirkliche Designerin hier zu haben, die im Notfall die Kohlen aus dem Keller holen kann, so sagt man doch, oder? Na ja, das gibt mir einfach ein besseres Gefühl.“ Anna lächelte verständnisvoll. Sie fand diese Person irgendwie zum Piepen. Sie war ganz offensichtlich eine Diva, … extrovertiert, irgendwie überdreht … hatte aber auch ganz bodenständige und kindliche Tendenzen in ihren Erzählungen, die sie sympathisch machten. Um es kurz zu machen. Die Contessa hatte sich von den drei Entwürfen Annas ausgewählt und war völlig begeistert von dem Kleid, das Anna für sie entworfen hatten, so dass sie sie mit umfangreichen Lobhudeleien bedachte, die Anna schon fast unangenehm wurden. Aber sie freute sich natürlich. Nachdem sie diese Frau nun kennen gelernt hatte, erfüllte es sie mit stolz, dass die berühmte Contessa Fellicioni sich ihren Gästen in einem von ihr kreierten Kleid präsentieren wollte. Nach einer halben Stunde, in der Anna zunehmend lockerer wurde, und nach und nach sogar auch mal den ein oder anderen Satz zur Unterhaltung beigetragen hatte, standen die beiden Frauen an der Tür und verabschiedeten sich.
„Frau Broda, ach …, darf ich sie Anna nennen? Das ist doch irgendwie näher, also … das macht uns näher, oder? „Sie sah Anna bittend an, und diese nickte ergeben. „Bitte Anna, morgen Früh um halb zehn. Sie müssen einfach hier sein, wenn ich das Kleid probiere. Sie müssen mir einfach sagen, dass es gut aussieht. Ihnen vertraue ich. Sie glauben gar nicht, wie nervös mich diese Auftritte in der Öffentlichkeit immer machen. Und ein Element, um mich ein wenig sicherer zu fühlen, sind die Kleider, die mir Lanford kreiert. Normalerweise schwöre ich ja auf Brunos Kreationen. Aber dieses Mal, haben sie, meine liebe Anna, ihren Meister glatt übertrumpft.“ Sie ergriff noch einmal Annas Hand und sah sie beschwörend an. „Sie sind meine sichere Hand, meine Liebe.“ Anna konnte ein Schmunzeln kaum unterdrücken. Diese Situation war wirklich zu abstrus. Da stand diese Frau vor ihr, einen Kopf größer, doppelt so voluminös, eine reiche und gefeierte Opern-Diva, und diese Frau flehte sie in diesem putzigen Deutsch an, ihr zur Seite zu stehen. „Anna versprach morgens pünktlich zur Stelle zur sein, und betonte, dass ihr das Kleid bestimmt sehr gut stehen würde. Erst nach diesen Beruhigungsformeln war Contessa Fellicioni bereit, Anna ziehen zu lassen. Anna war gerade durch die Tür entschwunden, als sie noch einmal angerufen wurde.
„Und Anna, bestellen sie ihrem Chef, also dem Junior natürlich, einen schönen Gruß. Und sagen sie ihm, dass ich persönlich aufs Tiefste beleidigt bin, wenn er sie morgen nicht zu meinem Frühlingsfest begleitet. Er kann doch nicht eine so bezaubernde Designerin mit in unser schönes Mailand bringen, und dann nicht mit uns feiern wollen. Das kann ich nicht akzeptieren.“ Anna stand da und sah die Contessa mit aufgerissenen Augen an. Der Junior? Mich mitgebracht? Mich morgen begleiten? „Sie meinen Tom Lanford?“, fragte Anna etwas verdattert nach, und jetzt war es an der Contessa sie anzusehen, als würde sie an ihrem Verstand zweifeln. „Ja, sicher Tom Lanford. Er war ja eben noch hier, und hat sie angekündigt. Er ist ein so gutaussehender und charmanter junger Mann, meinen sie nicht?“ Sie zwinkerte Anna verschwörerisch zu, ehe sie schwärmerisch ihre Augen verdrehte und ihre Hand auf ihren Ausschnitt legte. „Also, wenn ich nicht fast seine Mutter sein könnte … Na ja, ich halte mich dann wohl doch lieber an Bruno. Aber sie und er…“ Anna hatte mittlerweile einen hochroten Kopf und war einfach völlig überrollt, von dem was die Diva Fellicioni ihr da gerade an intimen Informationen zukommen ließ. Und dabei hatte sie doch nicht mal wirklich begriffen, dass Tom scheinbar vor Ort war. „Sie geben doch ein wunderschönes Paar ab. Und mit genau solch schönen Menschen, möchte ich morgen mein großes Frühlingsfest feiern.“ Als Anna nicht wirklich reagierte, verabschiedete sich Annas neu gewonnene Freundin, und zwinkerte ihr erneut verschwörerisch zu. Anna verkniff sich gerade noch ein völlig irritiertes Kopfschütteln, womit sie vermutlich einen neuen Redefluss der Contessa ausgelöst hätte. Sie verabschiedete sich also artig und stand kurz darauf auf einer der belebten Gehwege Mailands.

Anna schlenderte ohne Plan und nur mit dem groben Ziel irgendwann ins Hotel zu kommen, los und genoss die Sonne, die sich schon langsam zu neigen begann. Im Gegensatz zu Berlin, in dem ja fast noch der Winter mit Minusgraden und Schnee regierte, konnte man hier eine Ahnung von Frühling spüren. Die Sonnenstrahlen wärmten bereits angenehm, und die Menschen, die auf den Straßen unterwegs waren, trugen einen kuriosen Kleidermix, der eigentlich nur durch lässige Accessoires, wie einen Wollschal oder einer Mütze, auf die frühe Jahreszeit hindeutete. Anna bog in eine kleine Querstraße ein und besah sich die Auslagen der Boutiquen, die die Straße säumten. Sie war bemüht sich von der Atmosphäre und den dargebotenen Reizen der Stadt gefangen nehmen zu lassen, wollte sie sich doch gar nicht eingestehen, dass sie die Nachricht, dass Tom auch in der Stadt war, irgendwie nervös machte. Also begutachtete sie professionellem Blick Kleider, Mäntel und Anzüge in den Auslagen den teuren Edelboutiquen, und betrachtete sich mit einem Kopfschütteln die Frauen, die eben jene Etablissements verließen. Zumeist mit einem Begleiter bei der Hand, der die neuen Errungenschaften tragen durfte, sei es nun der Ehemann, der Freund, oder doch nur der Chauffeur, traten sie mit ihren hohen Stöckelschühchen unsicher über das Kopfsteinpflaster. Dabei hielten sie die Designer-Taschen, in denen ein Chiwawa, oder vielleicht doch ein kleiner Mops Platz gefunden hatte, vor sich her, als gelte es einen Schatz zu hüten. Nicht, dass diese heiligen Tierchen noch eine kleine Erschütterung aushalten mussten, oder vielleicht ein Schleudertrauma vom zu vielen Rumwedeln der Tasche bekommen würden. Vermutlich hätten sich die kleinen Goldstücke gefreut, ihre vier Beine benutzen zu dürfen, und wären außerdem viel besser mit dem Kopfsteinpflaster klar gekommen, als ihre Besitzerinnen, aber gut, so saßen sie majestätisch in ihren Täschchen und knurrten und keiften, sobald sich Konkurrenz in den Weg wagte. Anna wusste, dass sie gerade einen ziemlich guten Querschnitt der erlauchten Lanford-Kundinnen präsentiert bekam, also zumindest der Luxury Line, und vielleicht beobachtete sie die Damen, und auch die zugehörigen Männer, die vermutlich das Geld im Portemonnaie hatten, deshalb so genau. Aber vielleicht war es auch einfach nur ein gewisses Amüsement, wie albern Menschen doch werden konnten, wenn sie ein wenig Geld besaßen. Ok, vermutlich besaßen sie ein wenig mehr, als ein wenig, aber das war ihrer Meinung nach auch kein Grund für solchen Snobismus. Da lob ich mir doch Tom, ging es ihr irgendwann durch den Kopf. Der ist für seine Verhältnisse doch fast auf dem Boden geblieben. Immerhin hat er gestern in schlabberiger Jogginghose einen gestohlenen Rettungswagen gefahren, nur um mich retten zu können.
Sie beschloss ihre Kundenforschung einzustellen und suchte auf ihrem Stadtplan nach dem richtigen Weg, um zum Hotel zu gelangen, denn so langsam wurde es kühl, und sie war außerdem hundemüde. Während sie nun zügig voran schritt, wurde ihr bewusst, dass sich ihre Gedanken seit dem Morgen nur noch um die Reise nach Mailand und ihren Auftrag gedreht hatten, was wohl darauf hin deutete, dass ihre kleine Reise, die richtige Entscheidung gewesen war. Sie drängte die heraufziehenden Erinnerungen an die Geschehnisse des letzten Tages entschlossen zurück und ließ sich stattdessen auf den Gedanken ein, dass Tom hier war. In der gleichen Stadt, vermutlich sogar im gleichen Hotel Oder war er schon wieder abgereist? Immerhin hatte die Contessa davon gesprochen, dass er nicht zugesagt hatte, am nächsten Tag zugegen zu sein. Warum hat er mir nicht gesagt, dass er auch her fliegt? Oder ist es Absicht, und er will …? Ach quatsch, Anna. Was soll er schon wollen. Er ist bestimmt nur hergekommen um die Contessa zu beruhigen. Schließlich wollte sie unbedingt einen Kreativen sehen, und Tom wusste ja nicht, ob ich sein Angebot annehmen würde. Aber warum wusste er dann, dass ich hier bin? Ok, dieses Rätsel war wohl nicht so schwer zu lösen, vermutlich hatte ihm Steffi Bescheid gegeben, nachdem sie diese über ihre Entscheidung informiert hatte. Annas Gedanken waren jetzt nicht mehr von Tom abzulenken, und sie war wirklich verwirrt, was sie von der ganzen Geschichte halten sollte. Vor allem weil ihr die eher ungewöhnliche Begegnung des letzten Abends noch sehr gut in Erinnerung war. Er hatte so liebevoll gewirkt, als er neben seiner schlafenden Schwester gesessen hatte. Und auch dieser Moment, als sie sich bei ihm bedankt hatte … Hmm, ein kosmischer Plan, dachte sie mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht. Sie sah plötzlich wieder seine wunderschönen blauen Augen vor sich, in denen sie sich hoffnungslos verloren hatte. Wieder einmal. Dieser Augenblick, … es war, als wäre die Zeit stehen geblieben … . In diesem Moment merkte sie, wie ihr Herz deutlich auf sich Aufmerksam machte, und dass auch sie sinnierend zum Stillstand gekommen war. Mitten vor dem Eingang ihres Hotels. Peinlich berührt schaute sie sich um. Hatte jemand bemerkt, dass sie sich völlig in ihren Tagträumen versenkt hatte? Aber keiner schien Notiz von ihr zu nehmen, also hob sie den Blick und schaute kurz auf die beeindruckende Fassade des Hotels, in dem sie nächtigen durfte, und betrat es fast ehrfürchtig. Wenn sie privat in diese Stadt gekommen wäre, hätte sie mit Sicherheit, schon aus Kostengründen, eine völlig andere Unterkunft gewählt. Schon verrückt.

In der großen Empfangshalle des Hotels ließ sie sich ihren Schlüssel geben, und begab sich auf den Weg zum Fahrstuhl, als sie von der einladenden Atmosphäre eines Atriums gefangen genommen wurde, das sie bei ihrer Ankunft noch gar nicht wahrgenommen hatte. Der von einem unauffälligen Glasdach bedeckte Innenhof, der gerade durch die letzten Sonnenstrahlen des Tages in ein rötliches Licht gehüllt wurde, war von steinernen Rundbögen eingefasst und wirkte einfach urgemütlich. Das zentrale Element des reich mit Pflanzen ausgestatteten Gartens war ein Springbrunnen, der beruhigend vor sich hin plätscherte. Und aus einer Ecke, in der Anna einen Flügel erkennen konnte, drang leise Klaviermusik durch den Raum, die die Atmosphäre von Ruhe und Gelassenheit perfektionierte. An den kleinen Tischen, die über den Hof verteilt waren, saßen die Menschen, zumeist alleine oder zu zweit. Sie lasen, sie arbeiteten, führten Gespräche, aber jegliche Konversation, die hier geführt wurde, war zurückhaltend und diskret. Anna musste nicht lange nachdenken. Das hier war genau der richtige Ort um den Tag bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Mai 01 2013, 21:45

Juhuuu, es geht weiter. Und so schön. Menno, die Beschreibung der Contessa, ich musste echt lachen. Und dachte mir gleich, könnte mit Bruno verwandt sein. Ja ja, da haben sich wohl zwei gefunden. Mhmm, und Anna. Ich dachte erst, sie hätte Tom am Flughafen bemerkt, aber offenbar hat er sich doch geschickt verbergen können. Was die ganze Sache ja nur umso spannender macht. Ich freu mich auf mehr ... bitte, bitte, bitte ...

LG, Mini, die dich im Moment echt knutschen könnte ...

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BeitragThema: "4"   Do Mai 02 2013, 20:36

Danke Mini-Maus, Knutscher werden gerne angenommen Wink
Und hier kommt der nächste Teil, der dich vielleicht ein wenig für deine heutigen Strapazen entlastet
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Tom saß währendessen konzentriert vor seinem Laptop und kümmerte sich um die geschäftlichen Belange Lanfords, was zweierlei Gründe hatte. Einerseits machte die Arbeit ja kein anderer, auch wenn er nicht in der Firma war, und andererseits war Arbeit doch ein probartes Mittel um sich von nervenden inneren und äußeren Einflüssen abzuschirmen.

Nach der dramatischen Befreiungsaktion am Vortag hatte Tom Anna von ihrem Auftrag nach Mailand zu fliegen entbunden, und morgens spontan beschlossen, dass er selbst her fliegen würde. Und da die Contessa auf jeden Fall einen Kreativen sehen wollte, hatte er Carla, Annas Konkurrentin und gleichzeitig die Frau, mit der er so etwas wie eine Beziehung führte, gebeten mitzukommen. Aber diese hatte abgelehnt, was ihn völlig überrascht hatte, da sie sich eigentlich keine Chance entgehen ließ, mit ihm gemeinsam im Rampenlicht zu stehen. Sie könne nicht weg, hatte sie behauptet, und Tom hatte einen Moment geknurrt, ehe ihm eine Idee gekommen war, die ihm eigentlich noch viel besser gefiel, als seine erste. Er hatte voller Ungeduld, aber mit äußerlich stoischer Miene darauf gewartet, dass Carla zur Arbeit aufgebrochen war, und hatte dann die Flüge nach Mailand gebucht. Nicht wie geplant, für sich und Carla, sondern für sich und Anna. Anschließend hatte er den Brief für Anna geschrieben, und seit er diesen in der Goldelse vorbei gebracht hatte, wurde er von diesem Gefühl begleitet, das er den ganzen Tag nicht mehr losgeworden war. Es war so was wie Aufregung, weil man etwas gewagt hatte, bei dem die Konsequenzen nicht wirklich berechenbar waren, und Risikofreudigkeit gehörte bekanntermaßen nicht gerade zu Toms ausgeprägtesten Eigenschaften.
Bis er Anna am Flughafen erblickt hatte, war er völlig durch den Wind gewesen, und hatte gehofft und gebetet, dass sie auftauchen würde, während er andererseits Angst davor gehabt hatte. Aber für den Auftrag war es wichtig, und was noch wichtiger war, insgeheim freute er sich darauf, weit weg von den alltäglichen Bedingungen, und auch weit weg von Carla, in Annas Nähe sein zu können.
Erst im Flugzeug war er ein wenig zur Ruhe gekommen. Er hatte einige Reihen hinter Anna gesessen, und es genossen sie unbemerkt beobachten zu können. Seine Augen waren kaum von ihrem Antlitz gewichen, und den gesamten Flug über, hatte er darüber nachgedacht, was es war, das ihn so sehr an ihr faszinierte. Vielleicht war es wirklich die Tatsache, dass sie eine ähnliche Erfahrung hinter sich hatten. Er konnte es nicht genau sagen, aber auf jeden Fall fühlte er eine enge Verbundenheit zu ihr, und freute sich, dass er gemeinsam mit Anna in Mailand sein würde. Wenn da nur nicht gleichzeitig immer diese schlechte Gewissen an ihm nagte.
Da er Anna nicht mit seinem plötzlichen Auftauchen verschrecken wollte, war er ihr erst einmal aus dem Weg gegangen. Nach der Landung hatte er schnell sein Handgepäck geschnappt und war verschwunden, bevor Anna ihn hätte sehen können. Und so war er schon vor ihr im Hotel angekommen. Er wusste von ihrem Termin, und da er vorher selbst mit Contessa Fellicioni reden wollte, war er sofort wieder aufgebrochen, um die persönliche Huldigung der Diva vorzunehmen, und gleichzeitig den Boden für Anna zu bereiten. Anfangs war der Opernstar nämlich alles andere als angetan gewesen, dass nicht Bruno persönlich in den Flieger gestiegen war. Aber Tom hatte es mit umschweifenden Worten und charmanten Erklärungen geschafft, dass sie sich schließlich auf diese „zweite Wahl“ eingelassen hatte. Erleichtert hatte diesen Umstand sicherlich, dass sie sich einerseits tatsächlich direkt für Annas Entwurf entschieden hatte, und Tom sie andererseits überzeugen konnte, dass Anna so etwas wie Brunos persönlicher „Novizin“ war, was quasi einem Ritterschlag gleichkam.
Nach diesem Gespräch war Tom ein wenig durch die Stadt gelaufen, um sich zu beschäftigen, aber er hatte es einfach nicht geschafft, sich abzulenken. Er blieb nervös, einerseits weil er hier in Mailand war, wo auch Anna weilte, und andererseits weil er wusste, dass er eigentlich bei seiner Freundin hätte sein sollen, die bestimmt wenig erbaut darüber war, dass sich Anna in seiner Nähe befand. Außerdem war ihm, auch nach den vielen Gedanken, die er sich bereits gemacht hatte, immer noch nicht ganz klar, was er eigentlich von Anna wollte. Er wusste lediglich, dass sie ihn durcheinander brachte, und ihn über Dinge nachdenken ließ, die er jahrelang als gegeben hingenommen oder einfach verdrängt hatte. Und zusätzlich, weckte sie Gefühle in ihm, die er schon fast vergessen hatte, und von denen er überzeugt war, dass sie für ihn nicht mehr existierten. Das alles schreckte ihn ab, und weckte seinen Fluchtinstinkt, aber dem entgegen stand die große Anziehung, die Anna auf ihn ausübte, und die zumindest an diesem Tag den Kampf der Gefühle gewonnen hatte. Trotzdem war er es leid, weiter über das Thema Anna, und was sie mit mir macht, nachzudenken.
Nachdem seine bisherigen Ablenkungsversuche alle nicht funktioniert hatten, hatte er als letzten Versuch die Flucht in die Arbeit gesucht, was endlich die erwünschte Wirkung gezeigt hatte.
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Anna betrat also den Innenhof des Hotels und sah sich suchen um. Es gab nur wenige unbesetzte Tische, aber einer davon schien sie sogleich einzuladen. Er stand ganz am Rand, mit freiem Blick auf den Brunnen. Ein hervorragender Platz, wenn man alleine war, und auch keine Gesellschaft suchte. Sie steuerte also darauf zu, und ließ im vorbeigehen ihre Blicke über die anwesenden Gäste streifen, als sie an einer aparten Erscheinung hängen blieb. Da saß er. Tom, ihr unterkühlter Chef und Lebensretter. Sie beobachtete ihn einen Moment, wie er konzentriert auf seinen Laptop starrte, und überlegte fieberhaft was sie tun sollte.
Soll ich einfach hingehen? fragte sie sich, oder gehe ich ihm besser aus dem Weg und verschwinde schnell auf mein Zimmer? Sie spürte wie ihre Hände klamm wurden, und sich ihr Puls beschleunigte. Sie war unsicher. Nachdem sie ihn einige Zeit unschlüssig beobachtet hatte, und der Kellner bereits das dritte Mal, erstaunlicherweise immer noch nett lächelnd, das Tablett um sie herum jongliert hatte, machte sie sich zögerlich auf den Weg zu seinem Tisch. Die Neugier, und die vorsichtige Freude dem netten Tom zu begegnen, hatte sich gegen ihre Sorge, sich gleich ihrem gefühlskalten Chef gegenüber sehen zu müssen, durchgesetzt. Sie blieb in einigem Abstand zu Tom stehen, und wartete bis er sie registriert hatte. Es dauerte einige Sekunden, die Anna nervös wie sie war, vorkamen wie eine Ewigkeit, bis er irritiert den Kopf hob. Anna hielt gespannt den Atem an, aber als er sie erkannte, erschien ein Lächeln auf seinem Gesicht, das Anna erleichtert die Luft ausstoßen und ihr gleichzeitig die Röte in den Kopf schießen ließ. Ok, das da ist definitiv nicht der Kotzbrocken von Chef, der er manchmal sein kann, sondern der nette Tom. Gott sei Dank.
„Guten Abend. Ich…, ich…, ich wollte nicht stören“, stammelte sie trotzdem, denn die Nervosität war noch nicht von ihr gewichen. Tom neigte den Kopf mit einem amüsierten Lächeln, und sah sie von unten herauf an. „Das haben sie schon. Aber soll ich ihnen was sagen? Ich bin ihnen dankbar. Ich habe eigentlich gar keine Lust mehr zu arbeiten.“ Er wies auf den Stuhl vor sich. „Mögen sie sich nicht zu mir setzen?“ Anna nickte, und ließ sich auf dem Stuhl nieder. Vielleicht solltest du mal den Mund aufmachen, ermahnte sie sich, aber jetzt, wo sie direkt vor ihm saß, und er sie so offen betrachtete, war plötzlich nichts mehr in ihrem Kopf was zu einer ordentlich Konversation hätte beitragen können. Daher war sie froh, als Tom die Initiative ergriff. Er bestellte ihr nach Nachfrage ein Glas Wein, und fragte sie dann nach ihrem Treffen mit der Contessa. Warum ist er nur immer so cool, und ich so aufgeregt, fragte sie sich genervt, aber ehe sie unliebsame Antworten auf diese Frage finden konnte, beschäftigte sie sich doch lieber damit eine Antwort auf Toms Frage zu finden. Sie dachte einen Moment an die Begegnung mit der Contessa zurück, und schüttelte immer noch ungläubig den Kopf, während sie nach der richtigen Beschreibung suchte. „Es war, sagen wir, eine echte Erfahrung,“ antwortete sie schließlich. „Aber ich finde sie sympathisch, ... irgendwie.“ Sie wusste, dass sie sich nicht sehr souverän anhörte, aber ihr Bild von der Contessa war auch noch nicht wirklich gemalt. Als ihre Augen auf Toms interessierten Blick fielen, fügte sie etwas verwirrt hinzu. „Na ja, sie schien mir, als wolle sie mich gleich adoptieren. Das war schon ein bisschen beängstigend.“ Tom, der aufmerksam zugehört hatte, und nun gerade ihren ratlosen Blick einfing, lachte laut auf. „Ich sehe schon, sie haben die Contessa völlig von sich überzeugt. Ehrlich gesagt, habe ich auch nichts anderes erwartet.“ Er zwinkerte ihr herzlich zu, und Anna konnte nicht umhin, ihn ebenso herzlich anzustrahlen. „Ich habe ihnen doch gesagt, dass sie interessant ist. Sie ist ein absolutes Unikat. Aber auf ihre Art liebenswert“ Anna nickte zustimmend. "Da haben sie wohl recht." „Und,“ Tom neigte sich ein wenig in Annas Richtung und sah sie verschwörerisch an, „sie hat guten Geschmack. Ich hätte mich auch für ihren Entwurf entschieden.“ Anna versank schon wieder in Toms strahlenden Augen, und sie fragte sich, wie er es wohl schaffte, diese, tatsächlich hinter seinem Vorhang des kühlen Geschäftsmannes verschwinden zu lassen, wenn er kalt und ungerührt durch die Lanford-Hallen schwebte. Ihr Herz schlug immer noch viel zu schnell und die Röte in ihrem Gesicht wollte gar nicht wieder weichen. Sie war völlig mit diesen Gedanken um den charmanten Teil des Tom Lanford beschäftigt, so dass sie auf seinen letzten Satz gar nicht reagierte. Erst als sie registrierte, dass er offenbar auf irgendeine Erwiederung wartete, erinnerte sie sich daran. „Danke, das ist nett, dass sie das sagen.“ Sie zögerte einen Moment, und musterte ihn kurz, „Warum haben sie mir nicht gesagt, dass sie auch hier sind?“ Sie war unsicher, ob es nicht unpassend war, diese Frage zu stellen, aber gerade schien er ja sehr kooperativ zu sein. Tom betrachtete sie jetzt ebenfalls mit prüfendem Blick. Und das erste Mal, seit Anna sich zu ihm gesellt hatte, sah er völlig ernst aus. „Ich wollte nicht, dass sie sich zu irgendetwas gedrängt fühlen.“ Er stockte, betrachtete sie aber weiterhin so intensiv, dass es Anna fast unangenehm war. „Wie geht es ihnen denn eigentlich?“ Anna lächelte ein kleines verlegenes Dankeschön-Lächeln und überlegte kurz, ehe sie ihn wieder ansah. „Ich glaube, mir geht es ganz gut. Die Reise hierher lenkt mich tatsächlich ab, und …“ sie zuckte die Schultern. „mehr kann ich ihnen erst morgen sagen, wenn ich weiß ob ich schlafen konnte.“ Tom nickte voller Mitgefühl, und wünschte sich insgeheim, sie beschützen und die drohenden Träume und Erinnerungen von ihr fern halten zu können, schließlich wusste er nur zu gut um solche Qualen.
Er selbst fühlte sich gerade unendlich wohl, und endlich erlöst von seinem seltsamen Gefühl, das ihn den ganzen Tag begleitet hatte, und er wusste nun eine Antwort, auf die im Raum stehende Frage des Tages. Ja, er hatte die richtige Entscheidung getroffen. Alleine für diesen Moment, den er hier mit Anna zusammen saß, hatte es sich gelohnt her zu kommen.


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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Mai 02 2013, 21:49

Jaja, Tom unser kleines Schlitzohr. Oh oh und was wird die holde Pseudogeliebte wohl dazu sagen, wenn sie hinter Toms Aktion kommt. Aber egal, Tom und Anna sind einfach süß zusammen. Bin gespannt, wie der Abend endet - allein oder zu zweit.

Nach diesem turbulenten Tag ist das genau die richtige Ablenkung. Danke dir dafür, meine Liebe.

Ich bin neugierig, wie es weitergeht.

LG, Mini

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BeitragThema: "5"   Fr Mai 03 2013, 22:02

Hallo, Hallo, und auch heute soll es einen neuen Teil geben!

Aber sagt mal, ich muss jetzt doch mal fragen. Wo seid ihr eigentlich alle? scratch Das Forum ist ja wie ausgestorben. Keiner mehr da, der mal einen Kommentar hinterläßt (außer dir natürlich Mini), und schon gar keiner, der mal wieder ein wenig was Geschriebenes postet. Ich bin schon völlig vereinsamt.
Na ja, ich hoffe, ihr taucht wieder auf, aus der Versenkung.
*******************************

Da saß also die Frau, über die er bereits den ganzen Tag nachdachte, und verzauberte ihn schon wieder auf eine Weise, die ihn zunehmend verunsicherte. Er beobachtete Anna, die, scheinbar bemüht war, ihn nicht anzuschauen. Sie schickte ihre Blicke quer durch den Raum, schaute unruhig von hier nach da, und nahm immer wieder einen Schluck von dem Wein bis er schließlich leer war. Offensichtlich hatte er sie mit seiner Frage wieder an die Vorfälle der letzten Tage erinnert, und sie damit beunruhigt, was ihm leid tat. Ihre Augen bekamen bereits einen leicht glasigen Glanz vom Alkohol, und die sanfte Röte in ihrem Gesicht vervollständigte den Anschein, einer verunsicherten, fast unschuldig wirkenden jungen Frau.
Umso mehr überraschte es ihn, als sie schließlich ihr Glas abstellte und ihm einen ziemlich offensiven Blick zuwarf, der dazu so gar nicht passen wollte. „Und, wo wir schon mal hier sind, trinken sie noch ein Glas mit mir?“ Tom´s Mundwinkel zuckten amüsiert, aber gleichzeitig merkte er, dass er dringend die Notbremse ziehen musste. Ihre Mischung aus „Unschuld vom Lande“ und „Teufelsweib“, die sie ihm gerade vermittelte, ließ in ihm das Gefühl aufkommen, dass sie ihn geradezu einlud ihr näher zu kommen, und das wiederum erschreckte ihn. Vor allem, weil es da eine Seite in ihm gab, die der Einladung nur zu gerne gefolgt wäre. Was tu ich hier eigentlich? fragte er sich spontan. Plötzlich ernüchtert schüttelte er zögerlich den Kopf und antwortete, „Ich denke besser nicht. Ich sollte gehen.“ Anna ließ ihn nicht aus den Augen, und ganz offensichtlich hatte der Alkohol tatsächlich bereits ihre Zunge gelockert, denn frech fragte sie. „Wieso? Haben sie Angst, dass ihre Freundin eifersüchtig wird?“ Tom, der gerade seinen Laptop abgeschaltet hatte, schaute sie nun stirnrunzelnd an. Als ob er sich von Carla vorschreiben lassen würde, was er zu tun und zu lassen hatte. „Nein, auch wenn sie offenbar einen anderen Eindruck haben. Ich bin ein freier Mann, der seine eigenen Entscheidungen trifft.“ Auf Annas Gesicht erschien ein breites Grinsen, denn sie war sich ziemlich sicher, dass Carla da eine ganz andere Sichtweise vertreten würde, aber das war ja nicht ihr Problem. Sie stützte ihre Ellebogen auf den Tisch und legte ihr Kinn auf ihre in einander verschränkten Hände. Ihre Augen blitzen vor Belustigung, und Tom fühlte sich irgendwie von ihr provoziert, was er aber seltsamerweise eher angenehm fand. „Dann ist es die Angst, dass ich sie langweilen könnte“, folgerte sie, sein Statement ignorierend. Und wieder schüttelte Tom irritiert den Kopf. Wie ist die denn drauf?, fragte er sich, und stützte sein Kinn jetzt ebenfalls auf seine Hände, so dass sich ihre Gesichter ein ganzes Stück näher kamen. Sie sahen sich einen Moment tief in die Augen, ehe seine Augenbrauen in die Höhe wanderten und es unüberlegt aus ihm heraus sprudelte, „Nein, im Gegenteil. Eher die Angst, dass es mir zu gut gefallen könnte.“ Tom hätte ihr am liebsten diese Strähne aus dem Gesicht gestrichen, die sich frech in den Vordergrund geschoben hatte, und spürte, wie der Drang sie zu küssen fast übermächtig wurde. Ich flirte mit ihr, wurde ihm plötzlich bewusst, und das mehr als offensichtlich. Erschrocken über sich selbst, lehnte er sich zurück und suchte seine Sachen zusammen. „Eigentlich ist es einfach der Tatbestand, dass ich morgen ziemlich früh raus muss, weil ich noch jede Menge zu erledigen habe. Schließlich stehen ja einige Projekte an“, versuchte er mit kühler Stimme seine vorherigen Worte zu relativieren. Anna, die am liebsten in diesem Moment der Nähe hängen geblieben wäre, richtete sich langsam auf ihrem Stuhl auf, und beobachtete verdrossen, wie er fast hektisch seinen Kram packte. Er war zwar bemüht, sich nichts anmerken zu lassen, aber sein Aufbruch sah doch verdammt nach Flucht aus.
Tom war bereits im Begriff zu gehen, als er sie das nächste Mal ansah. „Der Wein geht auf meine Rechnung. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend.“ Anna bedankte sich kurz angebunden, aber als er den Tisch bereits verlassen hatte, fiel ihr etwas ein. Sie drehte den Kopf zur anderen Seite, so dass sie ihn erneut im Blickfeld hatte, und hielt ihn auf.
„Ach Tom,“ Er drehte sich noch einmal zu ihr um, und sah fragend zu ihr hinab. „Ich sollte ihnen noch einen schönen Gruß von der Contessa bestellen, und ihnen sagen, dass sie zutiefst beleidigt wäre, wenn sie ihre zauberhafte Designerin morgen nicht auf das Frühlingsfest begleiten würden.“ Sie hatte zur Betonung der zauberhaften Designerin ihre Brauen in die Höhe schnellen lassen, und schenkte ihm jetzt ein vorsichtiges Lächeln. Sie war sich gerade gar nicht sicher, ob er sie nicht direkt wieder abblocken würde. Mit Herzklopfen wartete sie auf seine Reaktion, die einen Moment auf sich warten ließ. Tom musterte Anna intensiv und suchte verzweifelt nach einer Antwort. Oh ja, er wollte sie gerne begleiten, aber da war diese warnende Stimme in ihm, und das schlechte Gewissen, die ihm gleichsam einreden wollten, dass er am besten so schnell wie möglich zurück nach Berlin fliegen sollte. Er kämpfte mit seinen widersprüchlichen Gefühlen, aber als er Anna schließlich in die Augen sah, wusste er, dass er diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen wollte. Warnende Stimme hin oder her. Ein Schmunzeln zuckte um seine Lippen, als er schließlich eine Gegenfrage stellte. „Und was sagt die bezaubernde Designerin dazu? Würde sie sich freuen, wenn ich sie begleiten würde?“ Damit hatte er den Ball gekonnt zurück gespielt und im Enddefekt Anna die Entscheidung für seine Antwort übertragen. Na ja, eigentlich war ihre Absicht ja klar, denn ansonsten hätte sie diesen Gruß wohl kaum übermittelt. Annas Lippen zuckten verräterisch, ehe sie zurückhaltend antwortete, „Ja, ich bin mir sicher, das würde sie.“
Tom nickte nachdenklich. „Okay," antwortete er gespielt zögernd, "Ich kann ja schlecht zwei Frauen vor den Kopf stoßen, nicht wahr? Ich würde sagen, dann hole ich sie um 14:00 Uhr ab?“ Diese Worte hörten sich nüchtern betrachtet vielleicht nicht nach einer jubelnden Zustimmung an. Aber unter Berücksichtigung seiner frechen Mimik und dem intensiven Blickkontakt, den er aufrecht erhielt, schoss Anna erneut ein Schwall Farbe ins Gesicht, und ein kleiner Schwarm Schmetterlinge flatterte lustig durch ihren Bauch. „Sie wird bereit sein.“ antwortete sie mit bemüht fester Stimme, denn irgendwie wollte diese sich gerade verflüchtigen. „Schlafen sie gut!“ hörte sie Toms Stimme, die wieder die warme, samtene Klangfarbe angenommen hatte, die er nur in seinen persönlichen Momenten nutzte. Anna wünschte ihm ebenfalls eine Gute Nacht. Dann starrte sie auf die muskulöse Rückansicht seiner Statur und versank im Trubel ihrer verwirrenden Gedanken.
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Anna betrat ihr Hotelzimmer und warf einen Blick auf die Uhr, und ihre Nervosität kletterte eine weitere Stufe die Leiter hinauf. Sie kam gerade von dem Anprobetermin der Contessa zurück. Trotz der Maßanfertigung, die die Lanford-Schneiderinnen erstellt hatten, waren noch ein zwei Änderungen nötig gewesen, um dem Kleid den optimalen Sitz zu verleihen, und Contessa Fellicioni in bestem Lichte zu präsentierte. Und dabei war die Zeit schneller vergangen, als erwartet. Sie sah an sich herab und stellte ernüchtert fest, dass sie noch einiges zu tun hatte, bis sie sich den Schönen und Reichen Italiens stellen konnte. Kann ich das überhaupt?, fragte sie sich unsicher.
Sie hatte bislang mit diesem Menschenschlag so gut wie nichts zu tun gehabt. Na ja, sie hatte sie in Zeitschriften oder im Fernsehen bewundert, oder sich darüber lustig gemacht, aber heute würde sie mitten drin stehen, und die Leute würden sich bestimmt fragen, wer dieses unscheinbare Ding da überhaupt war. Anna sprang schnell unter die Dusche und versuchte sich auf das fließende Wasser auf ihrem Körper zu konzentrieren, um sich so ein wenig von ihren sorgenvollen Gedanken abzulenken. Es würde schon schief gehen, und schließlich wäre sie ja in Begleitung von Tom, der sich mit solchen Veranstaltungen auskannte. Anna riss die Augen auf. Ein doofer Gedanke, ging es ihr durch den Kopf. Jetzt bin ich noch nervöser, als vorher. Sie beendete die Dusche und wickelte sich in ein riesiges Badetuch. Erneut warf sie einen Blick auf die Uhr. Oh Gott, nur noch eine dreiviertel Stunde, und ich muss mich noch schminken, frisieren und anziehen. Ich sollte wirklich mal einen Zahn zulegen. Also wickelte sie sich ein Handtuch um den Kopf, trocknete sich eilig ab, und zog ihre Unterwäsche an. Dann setzte sie sich vor den Spiegel und legte mit zittrigen Händen ein Make Up auf. Immer wieder fluchte sie laut vor sich hin. Sie hatte das Gefühl, als würde sie das erste Mal in ihrem Leben mit Utensilien wie Wimperntusche, Eyeliner und Co umgehen. Nichts wollte funktionieren, und ihre Finger nicht das machen, was sie ihnen auftrug. Nach zwanzig Minuten sah sie halbwegs zufrieden in den Spiegel und atmetet laut aus. „Mein Gott, das war aber mal ein Krampf. Und das alles nur, weil gleich reiche Menschen um dich rum stehen?“ fragte sie ihr Spiegelbild skeptisch. Aber das imaginäre hämische Grinsen, das sich spontan vor ihre Augen legte, vermittelte ihr unmissverständlich, dass es wohl eher an ihrer männlichen Begleitung lag, die sie gerne beeindrucken wollte. Sie schüttelte mit dem Kopf, um diese Gedanken ganz schnell wieder von sich zu schieben. Schließlich hatte sie nachts den Entschluss gefasst nicht mehr zu planen oder sich verrückt zu machen, und auch nicht über das Was wäre wenn? nachzudenken. Das Leben würde ihr schon die richtigen Optionen anbieten, und wenn sie sich auf ihr Gefühl verließe, würde sie die richtigen Entscheidungen treffen.

Sie hatte lange gebraucht um an diesen Punkt zu kommen, und es hatte sie eine gehörige Portion Nerven gekostet. Sie war am letzten Abend, nach dem Zusammentreffen mit Tom, unruhig durch ihr Hotelzimmer getigert, und hatte sich die ganze Zeit gefragt, was das da war, zwischen ihr und Tom. Und warum sie sich überhaupt darauf einließ. Denn, dass sie ihn anziehend fand, konnte sie nicht mehr leugnen, egal welche Erklärungsversuche sie startete.
Aber sie zweifelte. Sollte sie tatsächlich, so kurze Zeit nach Jonas tot, schon wieder Interesse an einem anderen Mann haben, und sogar Gefühle entwickeln? Sie wusste nicht was sie davon halten sollte, obwohl sie sich eingestehen musste, dass sie bereits bei ihrer ersten Begegnung, damals als Tom sie davon abgehalten hatte den Freitod zu wählen, gespürt hatte, dass da irgendwas Besonderes zwischen ihnen war. Und dann war er ihr Chef geworden, den sie überhaupt nicht einschätzen konnte. War er Freund oder Feind? Diese Frage stellte sie sich seit sie sich kennen gelernt hatten in regelmäßigen Abständen, denn immer, wenn sie gedacht hatte, eine Antwort darauf gefunden zu haben, hatte er ihr glorreich seine anderen, gegensätzlichen Facetten gezeigt, und ihre Überzeugung wieder zunichte gemacht. Also blieb dieses Rätsel ungelöst, auch wenn Anna nach den letzten zwei Tagen eine starke Tendenz in Richtung Freund verspürte, die hartnäckig versuchte die Zweifel zu zerstreuen und ihre Vorherrschaft auszubauen.
Aber zusätzlich gab es da ja noch ihre jüngst gemachte Erfahrung mit Steve. Anna war völlig verunsichert, dass dieser sich als so ein Schwein, oder eher, so ein Psychopath heraus gestellt hatte. Sie, und vor allem auch Jonas, waren immer überzeugt davon gewesen, dass er ein sehr guter Freund war. Nach Jonas Tod war er an ihrer Seite geblieben und hatte versucht für sie da zu sein, und als er ihr offenbart hatte, dass er sie liebte, hatte sie nach einiger Zeit der Abwehr sogar darüber nachgedacht, dass er ihr ein guter Partner sein könnte, und Jonas diese Verbindung bestimmt begrüßt hätte. Sie hatte ihn näher an sich heran gelassen, als es ihr Gefühl eigentlich zulassen wollte, und dann war alles ganz anders gekommen. Steve hatte sie entführt, um sie zu ihrem Glück zu zwingen. Dem Glück mit ihm zusammen zu sein. Dem Glück, das für sie einem Alptraum glich, vor allem, nachdem er zugegeben hatte, dass er derjenige war, der Zauberhaft in den Ruin, und Jonas in den Tod getrieben hatte. Gut letzteres war nicht beabsichtigt gewesen, aber er hatte es billigend in Kauf genommen, da es ihn seinem eigenen Ziel scheinbar näher gebracht hatte.
Den ganzen Tag über hatte Anna die Erinnerungen an Steve und die Entführung erfolgreich verdrängt, doch durch Toms mitfühlende Frage nach ihrer Verfassung, hatte er sie wieder auf den Plan gerufen. Und jetzt waren sie plötzlich wieder präsent, und ließen sich nicht verscheuchen. Widerwillig dachte Anna über das Geschehene nach, und war schließlich zu einer Erkenntnis gelangt. Das einzig Gute, das diese Entführung hervorgebracht hatte. Sie hatte verstanden, dass sie eigentlich nur ihrem Gefühl vertrauen konnte, denn das hatte sie gewarnt, während ihr Verstand sie in Steves Arme getrieben hatte, und ihr großer Fehler war gewesen, ihre Gefühle schlichtweg zu ignorieren. Und somit hatte sie für die Zukunft beschlossen, das Leben und auch die Liebe, einfach auf sich zukommen zu lassen, und dabei auf ihr Herz zu vertrauen, denn ihr Herz war das Einzige, worauf sie sich verlassen konnte.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Sa Mai 04 2013, 14:14

Ja, genauso ist es richtig, Anna. Immer schön auf das Herz hören und die doofen lästigen Gedanken im Kopf ignorieren. Einfach gesagt, aber zumindest ist es der Weg in die richtige Richtung. Bin wahnsinnig gespannt auf den Nachmittag/Abend. Also, meine liebe Katha, lass mich nicht so lange mit einer Fortsetzung warten (wenn ich es schon tue ... Asche auf mein Haupt, ich fühl mich schon richtig schlecht) ...

Liebe Grüße, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Sa Mai 04 2013, 17:43

Hey Mini,
du findest also Anna macht das richtig. Mal sehen, ob sie mit ihrer Taktik glücklich wird.
Und wegen des nächsten Teils Rolling Eyes . Bin heute noch außer Haus, so dass ich es heute wohl nicht schaffen werde, aber morgen. Versprochen!!!! brav
Aber wenn ich ganz ehrlich bin, ist das auch gar nicht so verkehrt, da ich irgendwie zwischendurch mal ziemlich gehangen habe, und daher nicht wirklich zu Potte gekommen bin. Ab wann bist du weg? Ich bin gerade sehr skeptisch, ob ich vorher fertig werde, da nächste Woche noch Familienfest ansteht, und ich ein paar TAge nicht zuhause bin.
Na ja, morgen kommt auf jeden Fall der nächste Teil

LG, Katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Sa Mai 04 2013, 23:35

Meine liebe Katha,

oh, heute kein neuer Teil *schnief* (Gott, ich bin schon total verwöhnt) Aber gut, dafür hab ich etwas neues eingestellt. Zumindest ein kleiner Ausgleich für deine investierte Zeit. Na gut, dann werde ich geduldig warten. Ich bin noch bis 12.05. da und dann für knapp drei Wochen weg. Aber lesen tue ich im Urlaub bestimmt auch. Gibt ja Internet und so, selbst auf der Insel ... gelle

LG, Mini

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BeitragThema: "6"   So Mai 05 2013, 09:58

So Mini,
da ist er also. Der versprochene neue Teil. Und es wird spannend, sag ich dir . Ich wünsche dir einen schönen Sonntag. Genieß das schöne Wetter. sunny
******************************

Tom strich sich das Rever seines Anzugs glatt, und kontrollierte nervös die Uhrzeit. Er war zur verabredeten Zeit am verabredeten Ort, und das war alles andere als selbstverständlich, da er sich, seit seiner abendlichen Verabschiedung von Anna, fühlte, wie auf einer Streckbank, die mal an der einen und mal an der anderen Seite zog. Bleiben und die verlockende Verabredung mit sämtlichen Konsequenzen wahrnehmen, oder ganz schnell Abreisen und einigen Unannehmlichkeiten damit aus dem Weg gehen, das waren die Folterknechte, die an ihm zerrten. Seine Nacht war ebenso wie Annas alles andere als erholsam gewesen, was allerdings dazu geführt hatte, dass er morgens für seine Verhältnisse sehr lange geschlafen, und somit den morgendlichen Flug nach Berlin verpasst hatte. Also hatte er sich in sein Schicksal gefügt, und mit zwiespältigen Gefühlen akzeptiert, dass er gemeinsam mit Anna das Frühlingsfest der Contessa besuchen würde.
Um sich von seinen zweifelnden Gedanken abzulenken, hatte er sich in seinem Hotelzimmer in die Arbeit vergraben. Er hat Mails beantwortet, ein paar Kalkulationen geprüft, die man ihm geschickt hatte, und sich schließlich bei der Contessa nach dem Stand der Dinge erkundigt. Erleichtert hatte er vernommen, dass sie sich in ihrem neuen Kleid pudelwohl fühlte, und sie hellauf begeistert war, von der kompetenten und so unglaublich sympathischen Betreuung durch die Nachwuchs-Designerin Anna Broda. Als er das gehört hatte, hatte er still in sich hinein gelächelt und sich eingestehen müssen, dass er sich schon irgendwie freute, den Nachmittag mit eben dieser Person verbringen zu können. Um sich von diesem Gefühl, und seiner aufsteigenden Nervosität ganz schnell abzulenken, hatte er seine Pflicht erfüllt und Bruno Bericht erstattet, und damit auch diesem zu einem Glückmoment verholfen. Von seiner Migräne war plötzlich keine Rede mehr gewesen.
Lediglich der Anruf von Carla, die offenbar kurz zuvor durch die Plaudertasche Virgin erfahren hatte, dass Tom nicht alleine in Mailand weilte, sondern auch Anna dort war, hatte dafür gesorgt, dass Toms Stimmung einen vorübergehenden Absturz erlitten hatte. Sie war von den Fakten, wie Anna tags zuvor bereits vermutet hatte, alles andere als angetan gewesen. Vermutlich hatte sie sich erst einmal selbst in den Hintern gebissen, Toms Bitte sie zu begleiten, nicht erfüllt zu haben, aber ihre Wut richtete sich, wie nicht anders zu erwarten, gegen Anna. Wie konnte diese auch die Unverschämtheit besitzen, sich einfach in Toms Dunstkreis zu bewegen? Auf jeden Fall hatte sie Tom eine ziemliche Szene gemacht, die zu Beginn auch durchaus die Reue ihres Freundes auf den Plan gerufen hatte. Aber nachdem sie einfach keine Ruhe gegeben hatte, und am laufenden Band verbale Attacken auf Anna in den Hörer geschossen hatte, war ihm irgendwann der Kragen geplatzt. Er hatte sie darauf hingewiesen, dass sie selber Schuld sei, dass Anna und nicht sie in Mailand war. Außerdem solle sie sich zusammenreißen, da es mehr als lobenswert sei, dass Anna trotz der dramatischen Ereignisse ihrer Pflicht nachkam.
Beruhigt hatte er Carla damit natürlich nicht, und nach weiteren Anfeindungen hatte er schließlich den Privatmann endgültig ein- und den Chef ausgepackt und ihr ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass er sie nicht in der Position sah, ihn auf so eine Art und Weise anzugehen, und sie es im übrigen in ihrer Position als Chefdesignerin durchaus positiv bewerten dürfe, dass ein wichtiger Auftrag gerettet worden sei.
Als er aufgelegt hatte, hatte er völlig verwirrt den Kopf geschüttelt. Er wusste selbst nicht, was da in ihn gefahren war. Das war eine seltsame Wendung seines Verhaltens, denn eigentlich hatte er bislang immer den Kopf eingezogen und still gehalten, wenn Carla einen ihrer berüchtigten Wutanfälle bekommen hatte. Statt ihr die Meinung zu geigen, hatte er in solchen Fällen schnell einen Beschwichtigungsversuch gestartet, und sie mit Blumen, Schmuck oder einer Einladung wieder beruhigt. Aber heute hatte er sich einfach nicht zurückhalten können, und seltsamer Weise fühlte es sich auch noch gut an, Carla in die Schranken gewiesen zu haben. Zumindest für einen kurzen Moment, und ehe ihn doch noch das schlechte Gewissen hatte einholen können, musste er sich auch schon für das Sommerfest umziehen, und war erst einmal von seiner Freundin abgelenkt.

Und nun stand er hier, und hob nach einem weiteren tiefen Atemzug entschlossen die Hand um anzuklopfen. Es dauerte lediglich einige Sekunden, bis sich die Tür öffnete. Anna warf ihm nur einen kurzes Lächeln zu, ehe sie ihm den Rücken kehrte, um ihren Bolero und ihre kleine Handtasche zu holen, die auf einem Sessel auf ihren Einsatz warteten. Auf dem Rückweg blieb sie einen Moment vor dem Spiegel stehen und begutachtete sich prüfend. Kann ich so wirklich gehen?, fragte sie sich, wie schon einige Mal zuvor, als sie durch den Spiegel Tom an sich herantreten sah. Er ließ bewundernd seinen Blick über sie gleiten. „Nehmen sie mich so mit?“, fragte Anna unsicher, und warf einen skeptischen Blick durch den Spiegel. Tom musterte sie ein zweites Mal und blieb letztlich in ihren Augen hängen. „Sie sehen toll aus“, hörte Anna seine warme dunkle Stimme, die kombiniert mit dem Auftreffen seines warmen Atems auf ihrem Nacken, einen wohligen Schauer über ihren Rücken jagte. Ich gefalle ihm wirklich, dachte sie erleichtert. Sie lächelte ihn leicht verlegen an, und drehte sich zu ihm um. Oh Gott, Fehler, schrie es in ihr, denn sie hatte wohl nicht bedacht, dass er direkt hinter ihr stand, und sie sich somit jetzt sehr nah waren. Viel zu nah, wie Annas Herz deutlich belegte, dass plötzlich schmerzhaft gegen ihre Rippen schlug, Schnell trat sie einen Schritt zurück. Um ihre Unsicherheit zu verbergen, drehte sie sich um, zog das Bolerojäckchen über, und warf noch einen prüfenden Blick in den Spiegel, ehe sie sich wieder Tom zuwand. „Danke“, sagte sie mit geröteten Wangen und betrachtete ihn jetzt ebenfalls interessiert. Sie mochte Männer eigentlich lieber in Jeans und T-Shirt, aber sie musste gestehen, in diesem grauen, leicht schimmernden Anzug mit dem dunklen, am Kragen offen stehenden Hemd darunter, sah er wirklich gut aus, und sie musst ein wenig lächeln, als ihr bewusst wurde, dass sein Outfit auch noch, wie abgestimmt auf ihres aussah. Sie selbst hatte sich für eine nicht ganz übliche Kombination entschieden und war froh, dass Tom offensichtlich fand, dass es gut gewählt war. Tom ließ erneut einen verstohlenen Blick über Anna gleiten, sie sah so anders aus. Wunderschön, … und für Anna ungewöhnlich sexy, was seinen Puls erneut einen Schlag zulegen ließ. Er betrachtet Annas Kleid genauer. Das Oberteil war ein locker gewickelter dunkelgrauer Stoff, der tiefe Einblicke auf Annas Ausschnitt eröffnete, bzw. auf eine schwarze Corsage, die mit dunkelroten Verzierungen, alles verdeckte, was sich zu verdecken gehörte, während sie der männlichen Phantasie genügend Freiraum ließ. Tief auf der Hüfte wurde der Stoff von einem angesetzten kurzen schwarzen Lederrock abgelöst. Trotz des festen Materials, legte sich dieser schmeichelnd um Annas Oberschenkel, wo er auch schon ein gutes Stück oberhalb ihrer Knie wieder aufhörte, und ihre schlanken Beine wunderbar zur Geltung brachten. Um das Outfit zu komplettieren, steckten Annas Füße in dunkelroten, hoch geschnürten Ankle Boots, die wiederum mit dem kurzen Bolero harmonierten. Es gab nur eines was Tom irritierte.
Er sah Anna skeptisch an. „Ich hab da nur eine Frage.“ Seine Brauen wanderten in die Höhe, und sein Unbehagen war ihm anzumerken. „Sie wissen schon, dass sie heute Lanford repräsentierst? Und das ist kein Lanford-Kleid, da bin ich mir relativ sicher.“ Anna schaute an sich herab und riss erschrocken die Augen auf. „Sie meinen, es wäre angebracht gewesen ein Lanford-Kleid zu tragen?“ Tom presste die Lippen zusammen und nickte leicht. Anna sah ihn verlegen an. „Da gibt es ein kleines Problem." begann sie beschämt, "Sie kennen meine Finanzen…“ Sie schüttelte den Kopf. „Die haben bislang leider nicht zugelassen, dass sich ein Lanford-Kleid in meinen Kleiderschrank verirren konnte. Da müssten sie mir schon erhebliche Personal-Rabatte einräumen.“ Tom schmunzelte, und schüttelte innerlich den Kopf bei ihren Worten. Das war so typisch für Anna, und wieder einmal wurde ihm bewusst, dass die beiden Lanford-Designerinnen grundverschieden waren. Während Carla davon ausging, dass ihr die Kleider von Lanford einfach zustanden, natürlich ohne dafür zahlen zu müssen, war es für Anna völlig selbstverständlich, dass sie wie jeder normale Mensch dafür zahlen musste, obwohl sie die neuesten Kleider selbst entworfen hatte. Und es zeigte ihm einmal mehr, wie grundehrlich und anständig sie war. Eigenschaften die einen Teil ihrer, für ihn so faszinierenden, Persönlichkeit ausmachten. „Natürlich hätten sie ein Kleid von Lanford bekommen, schließlich ist das hier ja so was wie eine Dienstveranstaltung. Aber gut, ihr Aufbruch nach Mailand war ja auch etwas … spontan“, sagte er versöhnlich. „Aber bleibt die Frage, von wem ist dieses Kleid? Von der Stange ist es nicht, dafür ist es zu…, na ja zu edel und außergewöhnlich, …, einfach zu geschmackvoll.“ Anna konnte sich ein belustigtes Grinsen kaum noch verkneifen. Tom schien einerseits wirklich angetan von dem guten Stück, was sie freute, aber er hatte doch tatsächlich Angst, dass sie ein Kleid der Konkurrenz präsentieren wollte. „Tom, keine Sorge. Das Kleid ist zwar tatsächlich ein Unikat, … aber es ist von mir, und ich habe es noch nie getragen. Ganz doof bin ich ja auch nicht.“ Sie grinste ihn frech an, und Toms Gesicht überzog eine sanfte Röte. Ihr letzter Satz hatte ihn getroffen, obwohl er wusste, dass er diesen indirekten kleinen Tadel verdient hatte. „Ich habe dieses Kleid für Zauberhaft entworfen, aber es dann doch nicht in die Kollektion aufgenommen. Und wenn sie möchten, kann ich, falls jemand danach fragen sollte, auch gerne sagen, dass es von Lanford ist.“ Tom schüttelte beschämt den Kopf. „Sie dürfen gerne sagen, dass es eine Eigenkreation ist. Schließlich gebührt der Lob ihnen, und nicht Lanford.“ Er bot Anna den Arm. „Wollen wir?“ Anna strahlte ihn an, und hakte sich bei ihm ein.

Zwanzig Minuten später hielt die Limousine, die die Contessa geschickt hatte, um ihre Gäste abzuholen, in einer Autoschlange im Park der Villa. Es waren noch einige andere Limousinen vor ihnen, so dass ihnen noch ein paar Minuten blieben. „Wir sind da.“ sagte Tom und schenkte Anna ein herzliches Lächeln. Aber die hörte ihn gar nicht. Oh Mann, auf was habe ich mich denn da eingelassen? fragte sie sich nervös. Sie blickte auf einen langen roten Teppich, der den Weg zum Eingang darstellte. Davor, hinter einer Absperrung, standen hunderte Journalisten und Fotografen, und auf dem Teppich tummelten sich schöne, reiche und vor allem bekannte Persönlichkeiten. Anna meinte eine bekannte Hollywood-Schauspielerin und kurz dahinter … „Ist das Angelina Jolie? Und, … das ist doch Adele ?…“ Ihr Blick schweifte zu Tom, der dem Trubel da draußen mit völliger Gelassenheit begegnete. Er folgte Annas Fingerzeig, und seine rechte Augenbraue zuckte kurz in die Höhe. „Sieht so aus. Ich habe ihnen doch gesagt, dass sich hier alles trifft, was Rang und Namen hat. Die Contessa ist auf der ganzen Welt bekannt.“ Anna hatte das Gefühl nicht mehr atmen zu können, so zog sich ihr Brustkorb zusammen. In ihren Augen stieg Panik auf, und sie starrte Tom entgeistert an. Wie kann er nur so ruhig bleiben? „Und wir gehen jetzt auch da über diesen Teppich? Gibt es keinen Hintereingang?“ Annas Augenbrauen trafen sich bei ihrer ängstlichen Mimik, fast in der Mitte, so legte sie die Stirn in Falten. Tom lachte, und legte beruhigend seine Hand auf ihren Arm. Er beugte sich ein Stück zu ihr hinüber und lächelte sie beruhigend an. „Ich bin ja bei ihnen.“ Anna sah ihm in seine graublauen Augen, die so ruhig wirkten, wie ein glatt liegender See, und verzog angespannt das Gesicht. „Okay,“ sagte sie zögerlich, aber wehe sie weichen auch nur einen Schritt von meiner Seite. Dann fange ich laut an zu schreien.“ Tom lachte erneut auf. Sie ist einfach zu putzig, dachte er, als er sie voller Mitgefühl betrachtete. Er konnte ihre Aufregung schon nachvollziehen, schließlich war es ihr erster Auftritt in dieser Größenordnung. Anna hatte erneut einige Sekunden das Schauspiel außerhalb des schützenden Autos betrachtete, und nun war ihr Kopf zu ihm zurückgeschossen, und sie starrte ihn erneut panisch an. „Da werden Fotos gemacht. Wenn wir jetzt da raus gehen, dann werden sie … mit mir …“ stotterte sie vor sich hin. Tom lächelte erneut, er wusste worauf sie hinaus wollte. Ihm war das sehr wohl bewusst gewesen, und genau dieser Tatbestand hatte ihn auch lange hadern lassen. Denn alle Welt würde darüber spekulieren, ob Anna seine neue Partnerin sei, und Carla würde ihm aufgrund dessen vermutlich die Augen auskratzen. Aber jetzt, in diesem Moment wusste er es mit absoluter Sicherheit. Es machte ihm nichts aus. Er freute sich, dass es Anna und nicht Carla war, die an seiner Seite war, und letztlich war es ihm auch völlig egal welche Spekultionen im Raum stehen würden. „Ich weiß“, sagte Tom vielsagend, und genau in diesem Moment öffnete sich die Tür, und sie wurden heraus gebeten. Tom warf ihr einen letzten aufmunternden Blick zu und flüsterte, „Auf in den Kampf. Sie schaffen das.“ Er stieg aus und reichte Anna galant die Hand. Als sie neben ihm stand, und die ersten Blitze der Fotografen auf sie trafen, legte er sanft seine Hand auf ihren Rücken und flüsterte ihr beruhigend zu. „Keine Angst, ich bleibe bei ihnen. Und sie sehen wirklich bezaubernd aus.“ Er führte sie die ersten Schritte voran, ehe er ihr erneut den Arm hinhielt, den sie dankbar ergriff.

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Zuletzt von katha am So Mai 05 2013, 23:08 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Mai 05 2013, 14:45

Wow ... juppi, ich bin begeistert

"Gibt es keinen Hintereingang?" Au ja, das ist so typisch Anna. Musste spontan lachen. Meine Güte, diese Idee von dir ist einfach klasse. Ich weiß gar nicht so recht, was ich noch sagen soll, außer dich mit Lobhudelein zu überschütten. Auf den Punkt gebracht: Du bist einfach genial ...

Bitte mehr davon ...

Liebe Grüße, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Mai 05 2013, 20:41

Mini_2010 schrieb:
Wow ... juppi, ich bin begeistert

"Gibt es keinen Hintereingang?" Au ja, das ist so typisch Anna. Musste spontan lachen. Meine Güte, diese Idee von dir ist einfach klasse. Ich weiß gar nicht so recht, was ich noch sagen soll, außer dich mit Lobhudelein zu überschütten. Auf den Punkt gebracht: Du bist einfach genial ...

Bitte mehr davon ...

Liebe Grüße, Mini


Na, Danke für die Blumen meine Liebe,
das zaubert mir ja glatt ein zufriedenes Grinsen ins Gesicht. Es gibt noch ein bisschen mehr davon versprochen. Morgen gehts weiter ...

LG, und einen schönen Abend!

Katha

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BeitragThema: "7"   Mo Mai 06 2013, 16:29

So, heute mal einen dicken Gruß an alle Leser, die nicht Mini heißen. Ich freu mich natürlich auch über euch Smile und hoffe, dass euch allen auch diese Fortsetzung gefallen wird. Cool
************************************

Tom legte sein Besteck beiseite und betrachtete verstohlen seine hübsche Begleitung, die ihm gegenüber saß, und sich interessiert, aber immer noch etwas schüchtern umsah. Sie war während des Essens, entgegen ihrer Natur, sehr ruhig gewesen, und wirkte irgendwie eingeschüchtert von dieser glamourösen Veranstaltung, dabei hatte sie sich bisher hervorragend geschlagen.
Tom überdachte nochmal die Situation auf dem roten Teppich, die sicherlich der aufregenste Moment für Anna gewesen war.
Sie waren gemeinsam den Weg herauf geschritten, und erleichtert hatten sie festgestellt, dass die Journalisten sich vor allem mit den vielen nationalen und internationalen Größen des Showbusiness beschäftigten. Sie waren beide nicht sonderlich erpicht darauf gewesen, eine große Showeinlage zu geben. Aber dann hatten sich wohl doch ein paar Reporter daran erinnert, wer sie beide, oder zumindest, wer Tom war. Er wurde direkt angesprochen und hatte ihre Fragen mit stoischer Ruhe beantwortet, während Anna die Presse mit einem Lächeln bedachte, sich aber immer noch fest an seinem Arm festgehalten hatte.
Warum sich denn Bruno Lanford nicht blicken ließ? Ob Lanford auf den Fashion Days in New York vertreten sein würden? Ob das Kleid, das Contessa Fellicioni tragen würde, wieder von Lanford stamme? Bis hierher hatte Tom alle Fragen von Anna abwenden können, aber nachdem die nächste Frage darauf abzielte, wer das Kleid denn konkret designed hatte, wies er wahrheitsgemäß auf seine Begleitung, die talentierte Nachwuchsdesignerin Anna Broda hin, und damit stand sie plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, und musste sich nun doch einige Fragen gefallen lassen. Ihre Finger hatten sich anfangs fast schmerzhaft in seinen Arm gekrallt, aber dann hatte sie sich den Pressemenschen gestellt, und war nach und nach gelassener geworden, was auch seinem Arm die tiefen Druckstellen ersparte, die er anfangs befürchtet hatte. Ob sie aufgeregt sei, dass die Contessa ein von ihr entworfenes Kleid tragen würde? Wie es dazu gekommen sei, als Newcomerin in der Modebranche, für so ein großes Label wie Lanford zu arbeiten, und direkt mit solch großen Aufgaben betraut zu werden, und wie sie mit dem, ja als nicht ganz einfach bekannten, Bruno Lanford zurecht käme. Anna hatte die Fragen professionell beantwortet. Erst war sie zurückhaltend, fast ein wenig schüchtern gewesen, aber schließlich hatte sie darüber gesprochen, welch eine Ehre es für sie sei, für und mit Bruno Lanford arbeiten zu dürfen, und dass sie ihre Arbeit wirklich liebte, die sie nur dank der Chance, die sie bei Lanford erhalten habe, ausüben konnte. Und in diesem Augenblick war die wahre Anna Broda wieder völlig präsent gewesen. Tom hatte an ihrer Seite gestanden, und ihr Blicke zugeworfen, für die er sich vermutlich in den Hintern treten würde, sobald er die Bilder der Fotografen zu Gesicht bekam. Denn er war wieder einmal verzaubert gewesen. Von Anna, und von ihren Worten. Er kannte sie gut genug um zu wissen, dass sie dort keine Show abgezogen hatte. Und dass sie mit Überzeugung behauptet hatte, die Arbeit bei und für Lanford zu lieben, hatte seine Brust innerlich anschwellen lassen. Als ein Reporter schließlich eine Frage stellte, die darauf zielte Annas Vergangenheit in den Fokus zu nehmen, hatte Tom schnell die Notbremse gezogen, und sie mit höflichen Worten aus den Fängen der Journalisten befreit, und weiter Richtung Eingang geführt. Sie waren weiter gegangen, und nur einige Minuten später erlöst gewesen. Als sie endlich im Inneren der Villa angekommen waren, hatte Anna Tom erst einmal ein Stück zur Seite gezogen, und sich gegen eine Wand fallen lassen. Sie hatte sich ein Glas Champagner von einem der vorbeischwebenden Bediensteten geschnappt, und es in einem Zug geleert. Erst dann hatte sie Tom entschuldigend angesehen, und die Luft ausgestoßen. „Entschuldigen sie, aber das war jetzt nötig.“ Und damit hatte sie wieder einmal Toms schmunzelndes Lächeln auf den Plan gerufen.
Es war nicht so, dass er sich über sie lustig machen wollte, aber ihre offene, ehrliche Art, trug eine so unkonventionelle Note, dass er einfach nicht anders konnte. Bei näherer Betrachtung dieser Situationen, wenn er sich wieder einmal fragte, warum sie ihn immer wieder so berührte, bemerkte er, dass ihre, auf den ersten Blick so erfrischende Art, auch eine Gefahr für ihn barg. Denn jedes Mal wurde ihm bewusst, wie abgebrüht, gefühlsmäßig unterkühlt und im Enddefekt völlig unehrlich er die letzten Jahre verbracht hatte. Und diese Erkenntnis tat weh, weil er langsam eine Ahnung davon bekam, welch trauriges Leben er führte. Aber das war nur die eine Seite der Medaille, die andere wog schwerer. Denn sie bedrohte ihn, weil sie genau mit dieser Ahnung seine Überzeugung in Frage stellte, dass er ein wirkliches Leben mit allem was dazugehörte, nicht mehr verdient hatte, nachdem er doch die schwere Last der Schuld auf seine Schultern geladen hatte.

„Geht es ihnen gut?“ fragte Tom vorsichtig, nachdem Anna jetzt schon längere Zeit völlig in sich gekehrt vor ihm saß. Anna erschrak, denn sie hatte sich tatsächlich ein wenig in sich zurück gezogen, um sich von den vielen Eindrücken nicht aus der Bahn werfen zu lassen. „Sagen sie, meinten sie das eben ernst?“ fragte sie Tom jetzt mit skeptischem Blick. Tom beantwortete diese unerwartete Gegenfrage mit einem unwissenden Schulterzucken. „Na ja, ich meine, dass ich das größte Nachwuchstalent bin, das Lanford je hatte.“ Tom schluckte erschrocken. Was sollte er denn jetzt sagen? Natürlich hatte er wohl ein bisschen dick aufgetragen, obwohl … eigentlich hatte er es tatsächlich ernst gemeint. „Warum fragen sie das?“ versuchte er einer Antwort auszuweichen. Annas skeptische Mimik vertiefte sich. Es war also doch nur Lanford-Publicity, dachte sie enttäuscht. Tom erkannte, dass er mit seiner Taktik nicht weiter kam. Anna erwartete definitiv eine Antwort von ihm. Also nahm er seinen Mut zusammen und sah ihr in die Augen. „Ja, das habe ich ernst gemeint.“ Jetzt war Anna tatsächlich überrascht. „Wow, danke!“ sagte sie verlegen. Tom lächelte, „Warum bedanken sie sich, das ist ihr Verdienst.“ Annas Gesicht war mittlerweile feuerrot. „Aber was ist mit Carla? Immerhin ist sie Chef-Designerin.“ Tom zuckte bei der Erwähnung von Carla kurz zusammen. An Carla hatte er die letzten zwei Tage so wenig gedacht, als hätte er gar keine persönliche Beziehung zu ihr. Irgendwie erschreckend. Aber hier ging es vor allem um Anna, und er fühlte, dass er Anna gegenüber ehrlich sein wollte. „Carla ist gut, und Bruno ist begeistert von ihrem professionellen Handeln und Zeichnen, aber er ist auch zunehmend enttäuscht davon, dass ihre Entwürfe nicht das zeigen, was er erwartet. Er sagt immer, dass ihr das Gefühl fehlt. … Sie ist nicht umsonst Chef-Designerin. Da kann sie viele andere Qualitäten einsetzen.“ Anna starrte ihn an, als gehöre er einer fremden Spezies an. „Nochmal Danke!“, sagte sie fast atemlos. Und wieder zuckte Tom unverständig mit den Schultern. „Na ja, dass sie mir das so sagen. Carla ist schon viel länger bei Lanford als ich, und außerdem … sie ist doch seit Jahren ihre Freundin. Zumindest wenn man der Presse glauben will.“ Den letzten Satz, hatte Anna leise hinterher geschoben, denn selbst kannte sie Tom und Carla ja erst seit einigen Monaten. Tom hatte die Worte trotzdem gehört. „Glauben sie alles, was in der Presse steht?“ fragte er Anna spontan, und schrak innerlich zusammen. Warum vermittelte er ihr, dass dies eine falsche Annahme war. Genau das war es doch, was er all die Jahre verfolgt hatte. Mit Carla ein perfektes Paar zu bilden, damit ihm keiner unangenehme Fragen stellte. Aber bei Anna schaffte er es irgendwie nicht, seine Scheinwelt aufrecht zu erhalten. Anna wusste gar nicht was sie denken sollte. Diese Antwort hatte sie sehr überrascht, auch wenn sie ihren Gedanken ziemlichen Freiraum ließ. Überfordert ließ sie diese erstaunlichen Worte einfach stehen, und ließ stattdessen ihre Blicke erneut über die Menschen gleiten, unter denen sie sich einfach nicht so richtig wohl fühlen wollte. Sie kam sich immer noch so klein vor, neben diesen Menschen, die sie nur aus den Medien kannte. Am liebsten hätte sie einer der Bedienungen die Schürze geklaut und sich ebenfalls ein Tablett geschnappt. Damit hätte sie sich vermutlich auf der richtigen Seite der Rollenverteilung gefühlt.

„Sie fühlen sich nicht sehr wohl hier, oder?“, hörte sie nach einiger Zeit Toms erneute Frage nach ihrer Verfassung. Sie hob ihren Blick und schaute Tom in die Augen. Er war am heutigen Tag wie ausgewechselt. Wenn sie es genau nahm, wie auch die letzten Tage schon, aber da hatte es immer wieder Rückschläge gegeben, die am heutigen Tag bisher ausgeblieben waren. Er war charmant, rücksichtsvoll, im Umgang ein echter Gentleman und seine Augen waren schon den ganzen Tag offen wie ein klarer Bergsee. Da war keine Kälte, keine Abgebrühtheit, und Anna musste sich eingestehen, dass sie sich wünschte diesen Tom hier, in dessen Nähe sie sich unglaublich wohl und beschützt fühlte, viel öfter an ihrer Seite zu haben. Ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „Nicht so richtig. Aber es geht schon. Es ist nur …“ Sie ließ ihren Blick über die Gesellschaft gleiten, „ich fühl mich irgendwie fehl am Platz. … Was tu ich hier, zwischen all diesen Größen?“ Tom lächelte jetzt ebenfalls. Diese Größen? Du bist größer, als all diese Idioten, die sich für unglaublich wichtig halten, ging es ihm durch den Kopf. Er beugte sich zu ihr, „Wissen sie was? Das sind auch alles nur Menschen aus Fleisch und Blut. Sie essen, trinken, müssen aufs Klo, und in den meisten Fällen sind es ziemlich unangenehme Menschen, die sich aufgrund ihrer angeblichen Stellung benehmen, als könnten sie sich alles erlauben. Wenn sie nicht zufällig reich und berühmt wären, würde sie wohl keiner wirklich zu seinem Freundeskreis zählen wollen.“ Anna lehnte sich ein Stück zurück und bedachte Tom mit einem für ihn undefinierbaren Blick, unter dem er sich gar nicht gut fühlte. Das war jetzt eine gute Beschreibung deiner selbst. Herr Tom Lanford, völlig unterkühlter Geschäftsführer von Lanford. Wenn du nicht gleichzeitig diesen unglaublich faszinierenden Doppelgänger hättest, der gerade vor mir sitzt, wäre ich Lanford wohl schon lange quitt geworden, dachte Anna. Da sie ansonsten keinerlei Regung zeigte, fragte Tom schließlich skeptisch nach. „Was soll mir dieser Blick sagen?“ Anna fühlte sich in ihren Gedanken ertappt, und überlegte hektisch was sie antworten sollte, da sie den Einstieg der Unterhaltung, nämlich die zweifelhafte Zugehörigkeit zu dieser erlauchten Gesellschaft, schon gar nicht mehr im Kopf hatte. Tom neigte seinen Kopf ein wenig und sah Anna fragend an. Ach was soll’s Anna, sag ihm einfach die Wahrheit, ihr fiel sowieso gerade nichts anderes ein. „Wenn ich ehrlich bin, habe ich gerade darüber nachgedacht, dass ihre wunderbare Beschreibung auch auf sie zutrifft.“ Toms Gesichtszüge entgleisten völlig, und nun hatte Anna tatsächlich den Teil von Tom heraufbeschworen, den sie sich doch gerade noch getilgt aus seiner Persönlichkeit gewünscht hatte. Toms Augen zogen sich zu, und sein ganzer Körper gewann an Spannung, die ihm die unterkühlte Art der Macht verlieh, die er sonst so häufig für sich arbeiten ließ. Shit, so war das doch gar nicht gemeint, schrie es in Annas Kopf, und sie versuchte eilig zurück zu rudern. „Entschuldigen sie. Jetzt habe ich sie verletzt, das wollte ich nicht“, sagte sie mit einem entschuldigenden Blick in seine Augen. „Das heißt, sie haben es eigentlich gar nicht so gemeint, wie sie es gesagt haben. Oder was soll das heißen?“ fragte Tom kühl zurück. Aus seiner Stimme war deutlicher Spott zu hören, der jetzt wiederum Anna derbe traf. Sie schloss einen Moment die Augen und schüttelte fassungslos über sich selbst den Kopf. Das hast du jetzt echt nicht besser verdient. Tu was, du blöde Kuh! Anna öffnete ihre Augen wieder, und erstarrte. Tom war weg.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Di Mai 07 2013, 16:48

Autsch. Ja, so ist das nun, wenn man die Wahrheit sagt. Der eine will sie nicht hören und der andere ohrfeigt sich dafür, dass er sie gesagt hat. Aber das musste wohl einfach mal raus. Vielleicht sollte Tom mal darüber nachdenken. Aber im Grunde hat er doch schon selbst erkannt, dass das Leben, was er bisher geführt hat, Annas Beschreibung ziemlich nahe kommt. Warum haut er dann wieder ab? Tja, vielleicht war ihm die Tatsache, dass Anna ihn ziemlich gut durchschaut hat, unangenehm. Mhmm ... wie dem auch sei, bin gespannt, wie die beiden aus dieser Situation wieder rauskommen und wer den ersten Schritt wagt. Tipp an Tom: Einsicht ist der erste Weg zu Besserung

Toll geschrieben, meine Liebe. Wie immer. Und ich hoffe, dass das andere, die nicht Mini heißen auch so sehen. Denn es ist schlichtweg die Wahrheit. Knutscha ...

LG, Mini

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„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
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katha

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BeitragThema: "8"   Di Mai 07 2013, 18:13

Danke, für deine lieben Worte Mini. Wahrscheinlich habe ich zu Beginn der Story zu deutlich gesagt, dass diese Story für dich ist, und deshalb traut sich keiner was dazu zu sagen Wink . Aber sind ja zur Zeit auch selten Leser und Schreiber zugegen ...
Ich hätte dann gleich mal den nächsten Teil parat. Das ist doch mal was, oder?
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„Verdammt. Ich bin so doof. Warum habe ich das nur gesagt?“ stieß Anna verzweifelt aus, und ließ hektisch ihren Blick über die Menschenmenge gleiten. „Vermutlich, weil sie es genau so gemeint haben.“ hörte sie da Toms enttäuschte Stimme. Einen Moment überlegte Anna, ob er ihr schon in Gedanken antwortete, ehe sie realisierte, dass die Worte von hinten an ihr Ohr gedrungen waren. Sie schoss herum und sprang auf. Tom stand direkt hinter ihr, drehte ihr aber den Rücken zu, als sie auf ihn zukam. Er legte die Hände auf eine steinerne Brüstung, die den Innenhof der Villa von einer Parkanlage abgrenzte, und schaute in die Ferne. Er war zutiefst getroffen von ihren Worten, obwohl er wusste, dass sie tatsächlich die Wahrheit gesagt hatte. Aber auch wenn es ihm ansonsten völlig egal war, so gesehen zu werden, oder er diesen Schein sogar absichtlich forcierte, wollte er nicht, dass Anna ihn so sah. „Bin ich froh, dass sie nicht gegangen sind …“ setzte Anna zu sprechen an, als sie sich zu ihm stellte. „Obwohl ich doch so ein unangenehmer Mensch bin?“ fragte Tom spöttisch, ohne sie zu beachten. Anna war das alles total unangenehm, und so richtig verstand sie auch nicht was hier gerade passierte. Ihr war klar, dass sie Tom verletzt hatte, da sie ihre Worte nicht in den richtigen Kontext gesetzt hatte, in die sie gehörten. Aber warum blieb er. Eigentlich hätte das plötzliche Verschwinden tatsächlich in sein Handlungsschema gepasst. Ok, im Normalfall hätte er, nach altbekanntem Muster, vorher noch deutliche Worte gefunden, um ihr Chef-Angestellten-Verhältnis zu klären. Aber stattdessen stand er hier, und wollte offensichtlich Antworten hören. Und das war für sie eine völlig neue Situation. „Das war so nicht gemeint…“, versuchte Anna sich zu entschuldigen, blieb eine wirkliche Erklärung aber weiterhin schuldig. Tom lachte ein leises höhnisches Lachen und drehte sich zu ihr. „Wie war es denn gemeint?“ fragte er spitz. Anna sah in seine Augen, die vor Enttäuschung verdunkelt waren, und wusste, dass sie das jetzt ganz schnell klären musste, wenn sie nicht dafür sorgen wollte, dass sich ein riesiger Keil zwischen sie schob. Sie trat verlegen auf der Stelle, suchte nach Worten, und drehte sich schließlich, genauso wie er zuvor, zum Park, ehe sie zu sprechen begann. Ohne ihn anzusehen fiel es ihr definitiv leichter. „Na ja, ich weiß es doch auch nicht so genau...", sagte sie, immer noch nach Worten ringend. "Irgendwie gibt es da zwei Seiten von ihnen. Die eine ist die, über die wir gerade gesprochen haben. Sie demonstriert allen Menschen in ihrer Umgebung Kälte, Macht, manchmal so was wie Willkür, … und sie macht mich unglaublich wütend, weil sie scheinbar wahllos Menschen verletzt.“ Sie warf Tom einen schnellen Seitenblick zu, um seine Reaktion zu überprüfen, und war einigermaßen erleichtert, dass er noch an Ort und Stelle stand. Sie hoffte, dass er zuhörten, denn erkennbar war das nicht. Er lehnte regungslos an der Brüstung und hatte seinen Blick starr auf die Fußspitzen seiner teuren Schuhe gerichtet. „Die andere Seite von ihnen ist ganz anders“, fuhr sie fort. Ihre Stimme wurde sanfter, und war plötzlich voller Gefühl. „Wenn sie zum Vorschein kommt, sind sie so nett, so einfühlsam und hilfsbereit.“ Sie stockte einen Moment, und überlegte ängstlich, was sie hier eigentlich gerade tat. Aber jetzt gab es kein zurück mehr. „Heute zum Beispiel sind sie so, und deshalb tut es mir besonders Leid, sie verletzt zu haben. ..." Sie drehte ihren Kopf in seine Richtung. "Ich habe mich noch gar nicht dafür bedankt, wie gut sie auf mich aufgepasst haben. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich eher weggelaufen, als auf dieser Feier hier zu landen.“ Sie löste sich von ihrem Aussichtspunkt in den Park und trat auf Tom zu. Langsam hob er den Kopf, als sich ihre Schuhe in sein Blickfeld schoben, und sah sie direkt an. Die Härte in seinen Augen war einer Verletzbarkeit gewichen, die Anna an Tom noch nie gesehen hatte, und die sie hart schlucken ließ. Fast flüsternd ergänzte sie, ohne ihre Augen aus Toms zu lösen. „Diese Seite an ihnen mag ich sehr.“ Genau in diesem Moment schien die Welt zum Stillstand zu kommen. Anna und Tom sahen sich einfach nur an, und als Annas Blick über Toms Gesicht glitt, und letztlich an seinen Lippen hängen blieb, löste sie mit diesem einen Blick einen Orkan in Tom aus. Er wusste, was passieren würde … . Er wollte, dass es passierte … . Er sehnte sich danach …, aber als sich ihre Lippen schon fast berührten, katapultierte ihn seine immer währende Angst vor seinen eigenen Gefühlen zurück in die Realität. Er fasste Anna fast grob an der Schulter und schob sie ein Stück von sich, und sagte kühl, „Ich muss jetzt gehen.“ Er sah Anna noch einmal mit einer Intensität in die Augen, die ihr ein verwirrendes Spektrum von Gefühlen offenbarten, und seine nüchterne Worte Lügen strafte, ehe er seine Hände von ihren Schultern löste, und eilig von dannen schritt.

Tom ging, ohne nach rechts oder links zu schauen, durch die erlauchte Gesellschaft der Partygäste und ließ sich am Eingang in die erste Limousine fallen. Im Hotel angekommen, nahm er seinen Schlüssel an sich und rannte, nach einem kurzen Blick auf den Fahrstuhl, der sich gerade im 4. Stock tummelte, die Treppe hinauf. Er wollte nur noch alleine sein. In seinem Zimmer angekommen, schloss er schnell hinter sich ab, und zog sogleich seinen Koffer aus dem Schrank. Mit Tränen in den Augen, die er sich immer wieder wütend weg wischte, packte er seine Habseligkeiten zusammen, aber als er den Koffer geschlossen hatte, ließ er sich auf das Bett sinken und brach völlig aufgelöst zusammen. Er ließ seinen Gefühlen freien Lauf und nachdem die Tränen versiegt waren, ließ er sich langsam auf seine Gedanken ein, die sich einfach nicht verdrängen lassen wollten.
Er wusste gar nicht, was los war, außer dass Anna ihn völlig aus dem Konzept brachte, und er das Gefühl hatte die Kontrolle über sich zu verlieren. Warum haben mich ihre Worte so getroffen? fragte er sich. Sie hat mir doch nur bestätigt, dass ich genauso wirke, wie ich sein will. Unnahbar, kalt, abgeschirmt von allem, was mir Freude machen könnte. Abgeschirmt von jedem, der mir zu nah kommen könnte. Es ist meine Entscheidung so zu leben … Er versuchte sich innerlich stolz auf die Schulter zu klopfen, aber da blieb die quälende Frage. Aber warum tut es dann so weh? Annas Augen schoben sich in sein Gedächtnis, der Moment, kurz bevor sie sich fast geküsst hätten. Dieser Anblick machte ihn völlig kirre. „Es war das einzig Richtige den Moment zu unterbrechen, ich kann das nicht, ich will das nicht.“ sprach er energisch in die Ruhe des Raumes. Er sprang auf und tigerte durch sein Zimmer. Könnte ich wirklich noch einmal lieben? … wenn ich es nur zuließe? Er schüttelte sofort ablehnend den Kopf. Was ist das überhaupt für ein Gedanke? Ich kann nicht mehr lieben. Mein Herz gehört Fanni. Er stellte sich ans Fenster, und sah auf die sonnenbeschienene Stadt, die eindrucksvoll vor ihm lag. Wäre es auch Fannis Wunsch, dass ich so lebe? Lebe ich überhaupt? Und was ist das mit Anna? Warum ist sie in der Lage mich zu erreichen, mich zu verzaubern, mich zu verletzen,? Sogleich nahm ein deutliches Kribbeln besitz von ihm, was ihn zusätzlich quälte. Warum sie? Warum jetzt? Keine Frau hat bisher solche Gefühle in mir wach gerufen, … bis auf Fanni. Tom war fix und fertig, und er fühlte sich zunehmend eingeschlossen in der Enge seiner vier Wände. Aber das war wohl nur ein Synonym für die innere Enge in seinem Körper. Zu viele Gefühle und Gedanken waren da, wo sonst eine relative Leere geherrscht hatte. Er musste raus, brauchte dringend frische Luft, und den Himmel über sich. Ohne lang zu überlegen griff er sich Mantel und Schal und verließ überstürzt das Zimmer, und nur wenige Minuten später das Hotel. Ohne Sinn und Ziel marschierte er los.

Anna hatte es fast den Boden unter den Füßen weggezogen, als Tom sie stehen gelassen hatte. Sie war einerseits schockiert von sich selbst. Ich wollte ihn küssen, ging es ihr ungläubig durch den Kopf, aber gleichzeitg war da eine tiefe Enttäuschung, die sie nicht zu verdrängen in der Lage war. Na das habe ich wohl ordentlich vergeigt, dachte sie sich, und versuchte ihr schlechtes Gefühl zu verdrängen, das sie niederringen wollte. Mit Mühe wendete sie sich der Realität zu, und ließ ihre Augen über die Gäste des Frühlingsfestes gleiten. Sie suchte Ablenkung, und als sie das aufgesetzte Posieren und Kocketieren, der umstehenden Frauen und Männer beobachtete, verstand sie plötzlich überhaupt nicht mehr, warum sie noch kurz zuvor so eingeschüchtert von all dem war. Jetzt kam es ihr plötzlich völlig albern vor, sich darüber Gedanken zu machen, wer hier hingehörte, oder auch nicht. Was hat Tom gesagt? Das sind alles nur Menschen aus Fleisch und Blut. Er hat recht, … ob sie auch die gleichen Probleme haben? Bestimmt, dachte sie überzeugt. Die Liebe macht wohl vor keinem Halt. Da erschrak sie plötzlich und sog panisch Luft in ihre Lungen. Ihre Gedanken hatten sich einfach verselbständigt. Ich bin verliebt, überrollte sie ihre eigene innere Erkenntnis. „Ich habe mich tatsächlich in Tom Lanford verliebt.“ Fassungslos sprach sie diese Worte, als sie plötzlich eine ihr bekannte Stimme vernahm, und sich ertappt umdrehte. „Tom Lanford? Wo ist er hin, ihr charmanter Begleiter? Und warum stehen sie so alleine hier herum? Das gehört sich nicht, dass eine so schöne Frau wie sie ohne Begleitung ist.“ Anna riss sich aus ihren verwirrenden Gedanken, und versuchte sich auf ihre Gesprächspartnerin zu konzentrieren. „Herr Lanford musste ihr Fest leider schon verlassen, er hatte noch zu arbeiten“, entschuldigte Anna ihren Chef halbherzig. Na ja, eigentlich habe ich ihn wohl mit deinen dummen Geständnissen vertrieben, seufzte sie innerlich. Die Contessa sah Anna prüfend an, und diese fühlte sich, als wenn Bruno vor ihr ständ, und sie nach auffälligen Gefühlsschwingungen abscannte. Eine Fähigkeit, die er erschreckend gut beherrschte. Aber seine Freundin hier, macht ihm echt Konkurrenz. „Anna, lassen sie ihn nicht ziehen. Er liebt sie, da bin ich sicher.“ Annas Blick schoss zu ihrer Gesprächspartnerin hinauf, die ihre vermutlich ziemlich dämlich wirkende Mimik, mit einem hellen Lachen beantwortete. „Anna, ich bin überrascht. Haben sie das wirklich noch nicht bemerkt? Toms Blicke sind doch eindeutig.“ Sie schüttelte amüsiert den Kopf, als jemand an sie heran trat und ihr leise etwas zu flüsterte. Was? Er liebt mich? ein hämisches Grinsten tauchte vor ihr auf. Das glaubst du doch nicht im ernst Anna. Würde er dich dann so behandeln, wie er es tut? versuchte sie diesen Gedanken sogleich zu zertrümmern, und einer Kippe gleich unter ihrem imaginären Absatz zu zertreten. Aber da sah sie seine verletzenden Augen vor sich auftauchen. "Deshalb haben ihn meine Worte so berührt", traf sie diese neue Wahrheit. „Anna, ich muss mich dringend wieder um meine Gäste kümmern.“ Sie beugte sich zu ihr hinab und zog sie in eine kurze Umarmung. „Danke für ihre wunderbare Arbeit. Ihr Kleid gibt mir ein unglaublich gutes Gefühl. Und jetzt lassen sie ihren Romeo nicht zu lange alleine. Wenn Männer zu viel Zeit zum Nachdenken haben, dann kommt da meist nichts Gutes bei raus. Sie vergessen nämlich gerne, dass sie auch Gefühle haben.“ Sie schenkte Anna ein herzliches Lächeln und ein kleines Augenzwinkern, ehe sie sich mit lautem Gehabe ihren anderen Gästen zuwand. Anna stand das zweite Mal in kurzer Zeit da, und schaute einer Person verwundert hinterher. Aber dann erreichten die Worte ihr Gehirn. Die Contessa hat recht. Tom muss fühlen, um er selbst zu sein. Und nur dann, lässt er mich in seine Nähe. Sie schaute mit einem dankbaren Lächeln zur Contessa, die von einem großen Pulk Menschen belagert wurde. Ihre Blicke trafen sich einen Moment, und Anna winkte ihr kurz zu. Dann verließ auch sie die Veranstaltung.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Mai 08 2013, 01:46

die Geschichte verspricht viel Spannung und ist verdammt gut gef schrieben,
und vor allem so ganz anders, als deine anderen Geschichten wie ich finde Smile
bin gespannt auf mehr liebe katha Smile
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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Mai 08 2013, 14:43

Oh, Danke liebe Nicky,
da freu ich mich aber, dass es dir gefällt Embarassed
Und du findest, es ist so ganz anders ... Hmmmm, Cool , mal sehen, ob du bei dieser Meinung bleibst.
Auf jeden Fall schön, dass du meine Geschichte liest. Wink

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BeitragThema: "9"   Mi Mai 08 2013, 22:11

Juchuu! Da bin ich wieder. Ich wünsche euch einen schönen Feiertag, oder auch ein schönes langes Wochenende! Genießt die Zeit! Hier habt ihr erst einmal ein bisschen was zum Lesen.
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Auch Annas Weg führte sie als erstes ins Hotel. Das war der einzige Ort, an dem sie Tom zu suchen wusste, und als sie nach ihm fragte, sagte man ihr, dass er zumindest seinen Zimmerschlüssel nicht wieder abgegeben habe. Also fuhr sie hinauf und klopfte nervös an seine Tür. Einmal, zweimal, ... aber nichts geschah. Dann sprach sie ihn an, trommelte gegen die Tür, forderte ihn auf die Tür zu öffnen, aber immer noch regte sich nichts. Sie hatte anfangs gedacht, dass er sie absichtlich ignorierte, aber da sie die ganze Zeit über keinen Mucks aus seinem Zimmer gehört hatte, verließ sie doch die Hoffnung, dass er überhaupt da war. Hoffentlich ist er nicht gleich abgereist, dachte sie frustriert, ehe ihr wieder einfiel, dass er dann wohl seinen Zimmerschlüssel abgegeben hätte. Sie trat in ihr eigenes Zimmer, das direkt um die Ecke lag, wie sie verwundert feststellte, und blieb erst einmal ratlos an der Tür stehen. Was mache ich denn jetzt, warte ich einfach bis er wiederkommt? Bis er auf mich zukommt? Oder soll ich ihn suchen gehen? Sie trat ans Fenster und schaute hinaus. Ich bin das erste Mal in dieser Stadt. Bevor ich ihn finde, habe ich bestimmt die Orientierung verloren und mich völlig verirrt. Das hilft uns dann ja weiter... Ihre Gedanken schossen wild durch ihren Kopf wie Billard-Kugeln. Selbst wenn sie Tom finden würde, was wollte sie dann eigentlich tun? Entschuldigt habe ich mich bereits, und diese Situation eben? Was soll ich dazu sagen, … vermutlich habe ich ihn mit meiner Offenbarung, dass ich ihn mag, einfach überfordert. Na ja, er hat eine Freundin, obwohl… Hat er mir mit seiner Bemerkung am Tisch sagen wollen, dass er gar keine Beziehung mit Carla führt? Aber warum sieht es dann so aus?
Anna schüttelte verwirrt den Kopf, und wendete sich dem Raum zu. Was mache ich nur? Und, warum zerbreche ich mir eigentlich so den Kopf über ihn? … habe ich mich wirklich verliebt? Sie wanderte auf und ab, dachte nach, und dachte nach, fand aber keine Antworten auf ihre vielen Fragen, die ihr Gehirn zunehmend fluteten und ihm den Raum zum Arbeiten nahmen. Entschlossen für Entspannung zu sorgen, zog sie sich nach einiger Zeit bequeme Klamotten an, und steckte einen kleinen Skizzenblock in ihre Tasche. Dabei fiel ihr Blick auf ihr Handy. Daran hatte sie noch gar nicht gedacht. Schnell griff sie nach dem Telefon und wählte, ohne lang zu überlegen, Toms Nummer. Unruhig wartete sie bis es klingelte, und dann, … verdammt, die Mailbox ging ran. Genervt beendete sie das Telefonat und schmiss das Handy wieder in ihre Tasche.
Einige Minuten später stand sie vorm Hotel und sah sich ratlos um. Und wo will ich jetzt hin? Ihr Plan war zwar eigentlich, draußen unter freiem Himmel ihre eigene innere Ruhe wieder zu finden, aber insgeheim hatte sie wohl doch den Drang Tom irgendwo zu suchen. „Kann ich ihnen helfen?“ wurde sie da plötzlich vom Portier des Hotels angesprochen. Irritiert sah ihn Anna an, und schüttelte den Kopf. „Nein danke.“ Obwohl? „Sagen sie, wissen sie ob Herr Lanford das Hotel verlassen hat?“ Der Portier nickte. „Ja Herr Lanford ist vor ca. einer halben Stunde dort in die Stadt gegangen.“ Er zeigte in eine belebte Straße, die dem Hotel gegenüber lag. Vor einer halbem Stunde? Dann habe ich ihn wohl knapp verpasst … Vielleicht finde ich ihn ja doch irgendwo. Zielstrebig und mit einem Funken Hoffnung in sich, ging sie in die ihr gewiesene Richtung und suchte während ihres Weges jeden Meter nach einem Anzeichen von Tom ab. Aber da war nichts, außer vielen fremden Menschen, die sie schrecklich nervten, weil sie im Weg standen, oder ihr vor den Füßen herum liefen. Schließlich, schon reichlich gefrustet, kam Anna auf einen großen Platz. Wow, dieser Anblick überwältigte sie, und riss sie augenblicklich aus ihren wirren Gedanken. Sie stand auf dem Domplatz. Er war riesig, und der Anblick der schönen, alten Gebäude, die ihn einrahmten, sowie der Reiterstatue, die majestätisch direkt vor ihr aufragte, war wirklich beeindruckend. Aber das absolute Prunkstück dieses Ortes war der Mailänder Dom, der in seinem weißen Marmor hell in der Sonne erstrahlte. Das bedeutendste italienische Kunstwerk der gotischen Baukunst, das hatte sie auf dem Flug hierher noch gelesen. Ehrfürchtig überquerte Anna den Platz und trat auf den Dom zu. Sie versuchte die unzähligen Details der Kirche zu erfassen, die das Gesamtwerk ausmachten. Aber das war gar nicht möglich. Zu viele verzierte Spitzen, aufwendig gestaltete Figuren und Ornamente zierten das Gotteshaus, und Anna juckte es in den Fingern, sich einfach mitten auf den Platz zu setzen und einige dieser Details auf ihrem Skizzenblock festzuhalten. Aber gerade, als sie dieser spontanen Idee nachgehen wollte, fiel ihr Blick auf ein Schild, das den Aufstieg auf das Dach wies. Sie ließ ihre Augen hinauf zu dem spitzenverzierten Dach der Kirche wandern, und nickte entschlossen. Da will ich hoch.
Als sie sich umsah, zögerte sie kurz, ob sie den Aufzug oder die Treppe nehmen sollte, aber die Vorstellung sich zwischen den wartenden Menschen einzureihen, um sich anschließend in einen kleinen Fahrstuhl pferchen zu lassen, konnte sie nun gar nicht reizen, also lief sie los. Gott sei Dank, hatte sie sich ja bequemes Schuhwerk angezogen.

200 Stufen später stand Anna endlich auf dem Dach, und atmete heftig durch. Vielleicht sollte ich doch mal ein wenig Sport treiben, ging es ihr durch den Kopf, während sie darauf wartete, dass sich ihr Puls wieder normalisierte. Schon der Aufstieg war trotz seiner Anstrengung wirklich beeindruckend gewesen, weil überall kleine steinerne Überraschungen in Form von reich verzierten Spitzen und vielfältigen, auf den Spitzen drapierten Figuren, zu bewundern waren, aber hier oben ... Ist das schön hier!, dachte sie fasziniert, denn im Gegensatz zu den üblichen Aussichtsplattformen, auf denen sich die Menschen dicht an dicht drängten, weil allesamt auf wenigen Quadratmetern nach dem perfekten Aussichtspunkt suchten, war es hier großzügig und luftig. Eingerahmt von der steinernen, sakralen Kunst, konnte man über das terrassenförmige Dach laufen, auf dem sich die Besucher großzügig verteilten, und bei jedem Schritt, und bei jeder Wendung in die eine oder andere Richtung gab es neue spannende Panoramen zu entdecken. Anna ging ein Stück, bis sie einen guten Blick auf den Domplatz hatte und blieb dann stehen. Passenderweise wanderte genau in dieser Richtung, gerade die Sonne Richtung Erde und spendete ihre wärmenden Strahlen aus. Anna schloss die Augen und reckte ihr Gesicht Richtung Himmel. Sie genoss die Luft, die Sonne, die Ruhe, und sie beschloss sich genau an diesem Platz nieder zu lassen. Aber irgendwas irritierte sie. Ein kleines Stimmchen in ihr wollte sie auf etwas aufmerksam machen, oder war es das Gefühl unter Beobachtung zu stehen? Sie öffnete ihr Augen, und suchte ihre Umgebung ab, und wieder einmal bekam sie die Bestätigung dass auf ihr Gefühl verlass war. Denn in einiger Entfernung saß Tom auf der steinernen Terrasse und ließ seinen Blick durch die fensterartigen Bögen in die Ferne schweifen. Gerade als Anna ihn entdeckt hatte, drehte er seinen Kopf und sah ebenfalls suchend um sich. Zufall? Oder verband sie doch etwas, dass sie sich gegenseitig spürten? Ihre Blicke verhakten sich ineinander, und seltsamer weise regte sich keines der beiden Gesichter. Keine Überraschung war zu erkennen. Anna ging langsam auf Tom zu, und blieb unweit von ihm stehen. Sie sahen sich immer noch an. Tom verzog das Gesicht zu einen schiefen grinsen und schüttelte kurz den Kopf. „Warum überrascht mich das gar nicht, sie hier zu sehen?“ fragte er ironisch. Und Anna antwortete ungerührt mit einem kleinen Kopfzucken, „Vielleicht weil es Teil des kosmischen Plans ist?“ Tom schüttelte noch einmal den Kopf, und sah wieder auf das lebendige Treiben der italienischen Metropole hinab. „Darf ich?“ fragte Anna zurückhaltend. „Das ist ein öffentlicher Platz hier.“ antwortete Tom ohne seine Position zu verändern. Er war sich gerade nicht sicher was er fühlte. Freute er sich, sie hier zu sehen? Er wusste es nicht, zu viele widersprüchliche Gedanken beschäftigten ihn. Auf jeden Fall war er zu müde, um erneut davon zu laufen, auch wenn er sie nicht mit offenen Armen begrüßen würde. Anna wurde ärgerlich. Kann er vielleicht mal Klartext reden? „Ich weiß, dass das hier ein öffentlicher Platz ist. Trotzdem würde ich es respektieren, wenn sie lieber alleine sein wollen.“ Ihre Stimme hatte einen gereizten Unterton, der Tom aufhorchen ließ. Er schenkte ihr einen kurzen Seitenblick und dachte nur, sie ist wirklich zu gut für diese Welt, denn er wusste, dass ihre Worte ehrlich gemeint waren. „Bitte“, sagte er wortkarg, und wies neben sich. Anna überlegte, ob sie dieses gnädige Angebot wirklich annehmen sollte, eigentlich hatte sie nicht übel Lust sich einfach ans andere Ende des Daches zu begeben, aber dann schaffte sie es doch nicht, sich von ihm abzuwenden. Eigentlich war sie ja froh, dass er noch da war, und vielleicht sollte es ja tatsächlich so sein, dass sie sich ausgerechnet hier wieder trafen. Sie setzte sich mit kleinem Abstand neben ihn, und gemeinsam schwiegen sie, während die Sonne, die ersten hohen Häuser der Stadt erreichte, und ein warmes, rötliches Licht auf sie scheinen lies. Es war seltsamerweise ein angenehmes Schweigen, obwohl doch so viele Fragen und ungesagte Worte zwischen ihnen standen. Aber Beide genossen das Gefühl nicht alleine zu sein, während sie ihren jeweiligen Gedanken nachhingen, die sich jedoch um die gleichen Themen drehten.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Mai 09 2013, 11:13

Hach, schön. Soviel Dramatik zwischen den Beiden. Und dann kreuzen sich ihre Wege wie durch Zufall. Nein, das ist kein Zufall ... das ist Schicksal. Und so langsam sollte auch Tom merken, dass es nun mal Dinge im Leben gibt, vor denen man nicht davon laufen kann. Nun, der erste Schritt ist getan, nun sollten die Beiden das Schweigen ein wenig füllen, auch wenn Schweigen durchaus etwas Angenehmen in sich haben kann ...

Bitte weiter meine Liebe.

Liebe Grüße von Mini (die schon wieder süchtig ist)

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Mai 09 2013, 17:39

Danke, danke!

Tja Mini, vielleicht ist es ja tatsächlich, der von Anna schon erwähnte kosmische Plan ... Rolling Eyes
Und Tom ist ja immerhin sitzen geblieben. Ist doch schon mal ein Anfang. Wink Mal sehen was passiert. Was gäbe es denn für Möglichkeiten? Hmmm, entweder es gibt doch noch eine Flucht, oder sie streiten sich, oder sie unterhalten sich tatsächlich, oder sie fallen übere einander her ...
Mal sehen, welche die beiden bevorzugen.

Wenn in unserem Hause nichts außergewöhnliches mehr passieren sollte, gibt es heute Abend noch Nachschub. write

LG, Katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Mai 09 2013, 19:48

Heute hatte ich mal richtig viel Zeit und konnte mal wieder lesen.

Zuerst: Mini, meinen allerherzlichsten Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag!!!!

Dann: Wie gut, dass Mini Geburtstag hatte, sonst hätten wir diese Kurz-FF wahrscheinlich nie zu lesen bekommen. Und diese ist extrem spannend und "wehe" es passiert heute noch was außergewöhnliches bei euch. Ich brauche heute noch eine Fortsetzung. Oder vielleicht auch zwei???

Ich glaube ja, sie unterhalten sich und reden über Tom, warum er diese zwei Seiten hat. Aber ich lass mich viiiiiel lieber überraschen und warte geduldig (ne ungeduldig) auf die Fortsetzung.

LG Ulmaja
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AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)
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