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 AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)

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AutorNachricht
katha

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BeitragThema: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Di Apr 30 2013, 20:37

das Eingangsposting lautete :

So, meine liebe Mini,

das was hier folgt ist für Dich! Mein Geschenk zu deinem Geburtstag!



(und dann natürlich für alle anderen, die mitlesen wollen )

Du weißt, ich bin etwas chaotisch beim Schreiben, und in diesem Fall, glaube ich noch mehr als sonst, deshalb habe Nachsicht mit mir.
Und leider, ist die Story auch wieder mal nicht ganz fertig, so dass ich sie dir nur portionsweise schenken kann.
Aber sehen wir´s mal positiv. Dafür hast du dann länger davon.
Zur Zufriedenheit des Schreibers, muss ich wohl nichts mehr sagen, ... wir haben uns da ja schon ausgiebig ausgetauscht.

Ich hoffe einfach mal, dass es dir gefällt.

So, und jetzt habe ich ein großes Problem. Ich habe noch keinen Namen gefunden, muss aber einen haben, damit ich dir dein erstes Päckchen liefen kann, also werde ich mich jetzt wohl spontan entscheiden müssen. Eine meiner leichtesten Übungen, vor allem weil das Ende noch nicht geschrieben ist. Hmmmm

Okay. Jetzt oder ...

"Entscheidungen" So soll es sein. (Da bleib ich ja gleich beim Thema )

Ich wünsche gute Unterhaltung!

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
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AutorNachricht
katha

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BeitragThema: "26"   Mi Jun 05 2013, 22:09

So, es ist mal wieder so weit. Während ich von manchen geschriebenen Teilen völlig überzeugt bin, weiß ich bei anderen gar nicht mehr was ich davon halten soll. Gelungen oder doch unterirdisch?
Ich hoffe einfach mal, dass es euch gefällt . Und auch wenn ich jetzt die Augen rolle, geht es ihnen gut, meine liebe Ulmaja. Versprochen
********************************

Pünktlich eine Stunde nachdem Tom ihr Zimmer verlassen hatte, betrat Anna das Atelier. Sie hatte einen kleinen Koffer dabei und trat erst einmal an die Empfangstheke heran. Sie war schrecklich aufgeregt, schließlich würde sie die nächsten eineinhalb Tage gemeinsam mit Tom verbringen, und auch wenn sie noch Klärungsbedarf zwischen ihnen sah, freute sie sich sehr darüber.
„Guten Morgen Anna“, begrüßte Steffi sie lächelnd. „Gut, dass du da bist. Ihr müsst gleich los.“ Sie legte Anna einige Unterlagen auf die Theke. „Hier ist eure Reservierung für den Zug und die Buchungsbestätigung für das Hotel. Ach so, und du sollst direkt in den Showroom gehen. Virgin sucht dir gerade Kleider heraus.“ Anna zog die Brauen in die Höhe. „O.k., dann geh ich mal.“ Und schon war sie verschwunden. Rumstehen tat ihr eh gerade nicht gut. Dafür war sie viel zu wibbelig. Als sie zehn Minuten später mit zwei wunderschönen Kleidern im Arm zurückkam, verließ Tom gerade sein Büro. Er wurde gefolgt von Bruno, der Anna einen Moment prüfend musterte. „Guten Morgen Anna, dann lassen sie mich heute also alleine?“, begrüßte er sie und Anna schaute erschreckt zwischen Tom und Bruno hin und her. „Äh, ja. Wenn das für sie in Ordnung ist?“, antwortete sie zögerlich. Bruno nickte mit einem wissenden Lächeln. „Na, wenn Tom sie braucht… Wie könnte ich was dagegen haben?“ Bruno hatte einen Unterton in seiner Stimme, der Anna die Röte ins Gesicht steigen ließ, und verlegen kümmerte sie sich schnell darum, die Kleider in ihren kleinen Koffer zu packen. „Hast du alles?“, fragte Tom da auch schon, und leitete sie einen Moment später zum Aufzug. Sie warfen Bruno, der an der Theke stand, und ihren Abgang mit einem kleinen Schmunzeln auf den Lippen verfolgte, einen letzten Blick zu, ehe sie den Aufzug betraten und sich auf die Reise machten.

Tom saß in einer Lounge-Ecke des Hamburger Hotels und wartete auf Anna, denn sie wollten gemeinsam Frau Kleinwächter begrüßen. Das war die Dame, die zum einen damit beauftragt war den Markt in Hamburg einzuschätzen, und die zum anderen den Store auch später leiten sollte. Er hatte eine Zeitung vor sich, aber eigentlich war es nur ein Alibi. Es war ihm am heutigen Tag noch kaum gelungen, sich wirklich auf irgendetwas zu konzentrieren, das nicht mit dem entzückendsten Wesen zu tun hatte, das auf dieser Welt wandelte. Und das war, zumindest nach seiner Meinung, eindeutig die kleine, blonde Designerin, die er in wenigen Minuten wieder an seiner Seite haben würde.
Als Tom Bruno mitgeteilt hatte, dass er sie mitnehmen wolle, hatte der ihn nur grinsend betrachtet, und Tom spürte genau, dass er mal wieder ertappt war. Sein Vater wusste mit Sicherheit, dass sein Vorhaben nicht nur beruflichen Interesses war. Aber gut, zumindest war nach dieser Erkenntnis klar, dass Bruno ihm keine Steine in den Weg legen würde. Denn auch wenn Tom es lange nicht hatte glauben wollen, da der Designer schon immer vor allem für seine Kunst gelebt hatte, wusste er mittlerweile, dass ihm das Glück seiner Kinder tatsächlich noch wichtiger war. Und er hatte recht. Bruno hatte seinem Anliegen, ohne Einwände vorzubringen und mit einem wissenden Lächeln auf den Lippen, zugestimmt. Und so war er schon kurze Zeit später mit Anna im Zug gelandet. Er hatte sehr gehofft, die knapp zwei Stunden mit ihr in einem Abteil verbringen zu können, und vielleicht sogar mit ihr alleine zu sein, damit er ihr endlich sagen konnte, was er für sie empfand. Aber natürlich hatten sie sehr zu seinem Verdruss inmitten eines Großraumwaggons gesessen. Also hatte er schweren Herzens das einzig Richtige getan, und sich auf die Arbeit konzentriert. Eigentlich standen ja am heutigen Tag auch erst einmal die beruflichen Dinge im Vordergrund.
Aber er fühlte sich jetzt bereits seit Tagen, als säße er auf einem brodelnden Vulkan. Und diese innere Unruhe, die aus seiner Ungewissheit entsprang, und ihm einfach keine Entspannung gönnte, machte ihn so langsam völlig kirre. Irgendwann am heutigen Tag musste er diese Geschichte mit Anna klären, sonst würde er sich bald selbst in die Klapse einweisen lassen.
Einen Moment wanderten seine Gedanken zurück zu Fanni, und mit Schrecken stellte er fest, dass er eigentlich seit Tagen nicht wirklich an sie gedacht hatte. Aber nachdem der erste Schock darüber verflogen war, schmunzelte er vor sich hin. Statt von unguten Gefühlen und schlechten Erinnerungen an ihren Verlust überrollt zu werden, drängte sich ihre erste Begegnung, und die folgenden Wochen in seinen Kopf. Mit ihr war alles so leicht gewesen. Sie hatten sich gesehen, sich kennen gelernt und sich sofort verliebt. Und nichts hatte ihnen im Weg gestanden. Sie hatten sich ohne Wenn und Aber auf das Abenteuer der Liebe eingelassen, von dem sie ganz schnell wussten, dass es ein Leben lang halten sollte. Tja, ein Leben lang war dann nur leider nicht lang gewesen. Er seufzte innerlich auf, bei dem Gedanken, aber es tat nicht mehr so weh, wie noch vor kurzem. Sicherlich weckten die Erinnerungen daran eine gewisse Wehmut in ihm, aber diese konnte seine Aufregung über das Neue nicht verdrängen. Denn seit Neuestem stand tatsächlich seine Zukunft, und nicht mehr seine Vergangenheit im Vordergrund, und das Beste daran war, dass er sich mittlerweile von seiner verstorbenen Frau begleitet fühlte. Er ertappte sich dabei, dass er überlegte, ob sie wohl zufrieden wäre mit seiner Wahl, und ja, er war sich ziemlich sicher, Anna hätte ihr gefallen. Und das machte ihn froh, denn er wollte seine Fanni nicht enttäuschen. Also auf zu neuen Abenteuern, machte er sich selber Mut. Hat ja auch lang genug gedauert, dass ich auf den Trichter komme, mein Leben noch mal anzupacken. Nur war dieses Mal war alles so schrecklich kompliziert... Aber so war das wohl einfach wenn man älter wurde. Man brachte Erfahrungen mit sich, die einen geprägt haben, und das auf beiden Seiten. Und trotzdem war er überzeugt davon, dass es genau so sein sollte.

Anna stand währenddessen im Aufzug des Hotels und betrachtete sich noch einmal im dort befindlichen Spiegel. Ihr Outfit war immer noch ungewohnt für sie, auch wenn sie sich berufsbedingt immer öfter in solchen Klamotten sah. Sie trug ein relativ einfaches Minikleid, das vor allem durch den exclusiven Stoff brillierte. Es war chic, aber nicht überkandidelt, und damit konnte sie gut leben. Ob es Tom gefallen wird?, überlegte sie nervös, obwohl sie dieses Kleidungsstück ja vor allem trug um ihrer Gesprächspartnerin in gebührender Weise gegenüber zu treten. Da stoppte der Aufzug auch schon und sie trat hinaus in die Empfangshalle des Hotels.
Schnell ersah sie Tom vor einer großen Sofaecke stehen, und da stockte ihr das Herz. Das kann doch jetzt nicht wahr sein, dachte sie völlig schockiert. Er unterhielt sich mit einer brünetten, schlanken Frau, die ihr den Rücken zudrehte, und die mit Sicherheit Carla war. Was will die denn hier?, überlegte sie hektisch, und beobachtete Tom, der auf eine sehr charmante und lockere Weise mit ihr umging. Dass ihre Kontrahentin hier war, setzte Anna schon zu, aber Toms Verhalten ihr gegenüber versetzte ihr heftige Stiche in die Brust. Anna blieb einen Moment stehen und überlegte, ob sie vielleicht einfach den Rückzug antreten sollte, aber Tom hatte sie schließlich mitgenommen, um an seinen Geschäftsterminen teilzunehmen, und auch wenn ihre privaten Befindlichkeiten ihr was anderes sagten, ihre professionelle Ader sagte ihr trotzig, dass sie sich nicht unterkriegen lassen würde. Und genau in diesem Moment, in dem sie sich entschlossen wieder in Bewegung setzte, schaute sich Tom suchend um und erblickte sie. Er deutete lächelnd in ihre Richtung, und Carla drehte sich um. Und wieder stockte Anna der Atem. Carla war gar nicht Carla... aber trotzdem blieb ein ungutes Gefühl, und sie wusste nicht, ob sie erleichtert war oder nicht. Diese Frau war ihrer verhassten Kollegin schon ziemlich ähnlich. Groß, ein sehr hübsches Gesicht, Modelfigur, und ihr gesamte Haltung und vor allem ihr Blick zeigte die gleiche Arroganz. Der einzige Unterschied war, dass sie wohl zehn Jahre älter war, auch wenn man das bei ihrer zeitlosen Schönheit nur vage bestimmen konnte. Tom war zumindest beeindruckt, wie es schien, zumindest schenkte er ihr seine ganze Aufmerksamkeit, und dieses Mal war Anna klar, das die Stiche in ihrer Brust eindeutig von Eifersucht gekennzeichnet waren. Sie trat an die Beiden heran und Tom schenkte ihr ein kurzes Lächeln. „Da bist du ja, wir haben schon auf dich gewartet. Darf ich vorstellen, Frau Kleinwächter. Anna Broda.“ Anna reichte der Dame höflich die Hand und begrüßte sie. Aber der erste, nicht wirklich gute Eindruck, den Anna gehabt hatte, erlebte leider keine Korrektur. Im Gegenteil. Der Händedruck der Brünetten war kaum wahrnehmbar, was Anna schon mal gar nicht leiden konnte, und ihr kurzer, musternder Blick, der über Annas Statur glitt, verriet eine abschätzige Meinung, die deutlichen Groll in Anna aufkeimen ließ. Frau Kleinwächter wendete sich sogleich wieder Tom zu, und fragte irritiert, „Wo ist Frau Rhonstedt? Mit ihr hatte ich doch schon die Vorgespräche geführt.“ Sie war ganz offensichtlich wenig begeistert darüber mit Anna konfrontiert zu werden. Tom legte seine Hand auf den Rücken der Hamburgerin und führte sie, ohne Anna weiter einzubinden, Richtung Restaurant, während er entschuldigend erklärte, dass Frau Rhonstedt leider nicht zugegen sein konnte. Anna schaute ihnen ungläubig hinterher. Sie kam sich einfach völlig idiotisch vor. Zähneknirschend folgte sie dem Pärchen ins Restaurant und hielt sich im Hintergrund, bis Tom es immerhin schaffte, auch ihr den Stuhl zurecht zu rücken. Also ganz vergessen hatte er ihre Anwesenheit wohl doch noch nicht.
Tom und Anna hatten eigentlich geplant, den Termin zu nutzen, um eine Kleinigkeit zu essen, da sie ja schon lange unterwegs waren, und aufgrund der Eile am Morgen beide nicht richtig gefrühstückt hatten, aber da Frau Kleinwächter mit einem Verweis auf ihre Figur dankend ablehnte, sahen auch sie von diesem Vorhaben ab. Sie bestellten sich also nur einen Kaffee und unterhielten sich eine ganze Weile. Über die letzte Modenschau in Paris, über die letzten aufsehenerregenden Veranstaltungen mit Beteiligung deutscher und internationaler Promis und letztlich über die neueste Lanford-Kollektion. Na ja, Tom und Frau Kleinwächter unterhielten sich. Anna wurde von dieser Frau, die sie immer mehr an ihre verhasste Kollegin erinnerte, mit ziemlicher Missachtung gestraft. Vermutlich passte Anna nicht so ganz in ihr Bild einer erfolgreichen Mode-Designerin, und außerdem war sie ja nur die stellvertretende Chef-Designerin. In anderen Situationen wäre Anna vermutlich kleinmütig in sich zusammen gesunken, immer kleiner geworden, aber diese Ähnlichkeit zu Carla und die offensichtliche Sympathie für sie, ließ den Groll in ihr wachsen, vor allem, weil Tom sich überaus prächtig zu amüsieren schien. Schweigend saß Anna die Zeit ab, bis Frau Kleinwächter endlich die Mappen herauszog, die Tom im Vorfeld auch schon erhalten, und auf dem Herweg mit Anna besprochen hatte. Es gab drei alternative Standorte, die für den Lanford-Store in Frage kamen.
Einer, in der exklusivsten Shopping-Mall Hamburgs. Sie befand sich unweit des Jungfernstiegs an der Binnenalster und dort waren alle edlen Marken vertreten. Ein Boulevard für die Reichen und Schönen, der von der normalen Weltbevölkerung wohl nur durchschritten wurde, wenn sie mal einen neugierigen Blick in die Welt werfen wollten, von der man als Normalsterblicher nur träumen konnte.
Ein zweiter Standort war etwas außerhalb der Innenstadt, aber immer noch sehr gut erreichbar. Es handelt sich um einem Stadtteil, der früher als nobel, teuer und sehr konservativ gegolten hatte, sich aber in der Zwischenzeit zu einem außergewöhnlichen Pflaster entwickelt hatte. Der edle Chic war erhalten geblieben, wurde aber mittlerweile duch hochwertige Handarbeit und kreatives Design in verschiedensten Sparten erweitert.
Und als dritte Möglichkeit gab es das früher links gerichtete und alternative Viertel der Stadt, das heute immer mehr zu einer Ansammlung kleiner Agenturen, Shops und Ateliers wurde, und seine hohen Ideale langsam den Wirtschaftlichkeitsgedanken geopfert hatte.
Anna hatte bereits bei der ersten Durchsicht der Exposés einen Favoriten erkoren, hatte sich aber erst einmal zurück gehalten, da sie noch gar nicht recht wusste, worauf dieser Store ausgerichtet sein sollte. Außerdem wollte sie den Informationen, die sie erhalten würden, offen gegenüber stehen. Aber jetzt wurde ihr klar vor Augen geführt, dass es keine objektive Betrachtung der Alternativen geben würde, und ihre Meinung auch gar nicht gefragt war, denn eigentlich waren sich ihre beiden Gesprächspartner bereits einig. Die Reichen und Schönen, und als deren Vertreter sah sich Frau Kleinwächter hier eindeutig, wollten unter sich bleiben. Sie präsentierte den Standort im Zentrum der Stadt, als wollte sie Tom einen Lottogewinn schmackhaft machen. Dass er derjenige war, der die Miete für den Laden zahlen musste, spielte für sie dabei keine große Rolle. Aber für Anna war die Erkenntnis am deprimierendsten, dass Tom total auf ihre Erläuterungen ansprang. Oder auf sie? Anna fand diesen Standort, ohne ihn gesehen zu haben, uninteressant, langweilig und nichtssagend. Sicherlich eine Einschätzung, die so nicht ganz zutraf, schließlich gab es Zahlen, die belegten, dass diese Straße von den meisten Kunden und Kundinnen der High-Society angelaufen wurden, was eben auch dazu führte, dass Tom, der ja bekanntlich ein Zahlenmensch war, sich beeindruckt zeigte. Aber brauchte man die geballte Ladung an Designer-Läden? Ging man dabei nicht in der Masse unter?
Anna favorisierte die zweite Lösung. Aus der Stadtteil-Beschreibung ließ sich ihrer Meinung nach erlesen, dass sich dieser verjüngte. Dass er sich einen gewissen Pepp erlaubte, ohne dass er seine Exklusivität verloren hatte, und das war es, was sie sich für Lanford vorstellte. Sicherlich wollten die Stammkunden mit der Luxury-Line beglückt werden, aber konnte man nicht außerdem die jungen Reichen ansprechen? Die Kunden von morgen gewinnen, indem man beides kombinierte? Vielleicht ging ja tatsächlich auch in diesen Kreisen der Gesellschaft die Frau mit der Tochter oder der Enkelin einkaufen.
Nachdem Anna eine ganz Zeit lang zugehört hatte, wie Frau Kleinwächter Tom ihre Meinung aufdrückte, wagte Anna endlich einen Einwurf zu bringen. „Meinen sie nicht, dass Lanford mehr zu bieten hat, als nur die Luxury-Line, die sie an diesem Standort zu vertreiben gedenken? Wir könnten doch auch die jüngere Kundschaft ansprechen. Schließlich sind das die Kunden von heute und von morgen. Also meiner Meinung nach, sollte sich im Verkaufskonzept beides wiederfinden.“ Anna sah von Tom zu Frau Kleinwächter, die ihr für einen kleinen Moment einen verachtenden Blick schenkte, bevor sie sich darauf besann, dass auch Herr Lanford Junior mit ihr am Tisch saß. „Ein interessanter Gedanke“, säuselte sie in Toms Richtung. „Aber ganz ehrlich, ich weiß nicht ob sich das wirklich kombinieren lässt. Also am „Neuen Wall“ ist die Kundschaft eindeutig gediegen, und möchte gerne unter sich bleiben. Außerdem hatte ich das Konzept des Stores ja auch schon mit Frau Rhonstedt besprochen.“ Anna presste die Lippen aufeinander und ballte ihre Hände unterm Tisch zu Fäusten. Dann nickte sie mit hochgezogenen Brauen. Das war eine wirklich nett verpackte, aber auch ziemlich eindeutige Abfuhr gewesen. Und Tom bestätigte sie auch noch, indem er darauf verwies, dass die Zahlen ja auch für sich sprachen. Anna warf Tom einen wütenden Blick zu, und hätte so einige Worte für ihn parat gehabt, aber sie rief sich sogleich zur Räson. Es gehörte sich nicht, den eigenen Chef vor Außenstehenden anzugehen. Und trotzdem sprudelte ihr ein nicht ganz professioneller Satz über ihre Lippen. „Wenn das so ist, dann ist meine Meinung hier ja auch nicht weiter gefragt.“ Sie entschuldigte sich äußerst höflich und verschwand auf die Toilette.

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Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Jun 05 2013, 22:56

So eine blöde Kuh mirwirdschlecht . An Anna's stelle wär ich auch abgehauen. Aber warum ist Tom auch so blöde,der steht doch eigentlich nicht auf solche Tanten.Oh Oh ich sehe schon den nächsten Teil mit gemischten Gefühlen entgegen . Nicht das die beiden sich streiten ( Anna ist so sauer) kloppe .Hoffe es wird doch noch alles gut, und wir werden dann doch noch verwöhnt Wink .Freue mich wenn es weiter geht.Und danke für diesen Teil .
Liebe Grüße Carla

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ulmaja



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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Jun 06 2013, 07:10

Hallo Katha, du hast dich umsonst verrückt gemacht. War doch ein toller Teil. Klar war er nicht so gefühlvoll wie die anderen, aber muss ja auch nicht immer.

Toms Gedankenwelt am Anfang fand ich richtig süss. Endlich ist Fanni kein Problem mehr, er fragt sie im Stillen sogar, was sie von Anna hält. Klasse!!

Und was Frau Kleinwächter (genannt blöde Kuh) betrifft, stimme ich Carla voll zu. Kann es sein, dass Tom unsere Anna etwas eifersüchtig machen will, damit er nach dem Treffen mit der blöden Kuh noch einen Grund hat, Anna zu sehen?

Jetzt bin ich gespannt auf den nächsten Teil (müsste ja meiner sein) und Katha, du glaubst doch wohl nicht wirklich, dass ich einen Teil auslasse?! Dafür bin ich viel zu neugierig.

lg ulmaja
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Jun 06 2013, 18:13

Herrje, du hast diese Tussi so "nett" beschrieben, dass ich jetzt am liebsten auch aufs Klo rennen würde, um zu k..... Diese Antipathie ist sofort auf mich übergegangen. Und warum ist Tom dieser Trulla so hörig? Warum hat er Anna mitgenommen, wenn ihn ihre Meinung offenbar gar nicht interessiert. Trottel
Ja Anna, das hast du genau richtig gemacht. Jetzt hat er erst mal ein bisschen Stoff zum Nachdenken. An ihrer Stelle hätte ich mich direkt in den nächsten Zug gepflanzt und wäre wieder heimgefahren.

Aber gut, da ich ja weiß, dass deine Storys immer mit gewissen Überraschungen aufwarten, will ich mal nicht so sein und warte umso gespannter auf den nächsten Teil.

LG, Mini

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ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Jun 06 2013, 22:31

@ Carla
Danke für deinen lieben Kommi.
Ja, diese Frau Kleinwächter ist tatsächlich ein ziemlich blöde Kuh, und ich kann Anna auch total gut verstehen. Ob es noch Streit gibt... ? Sad Kommt wohl drauf an ob Anna zurückgeht, oder sich einfach verpieselt... Wink
Du wirst es erfahren


@ Ulmaja
Ok, es geht also auch mal anders Smile . Das ist gut.
Tom ist tatsächlich ziemlich durch den Wind, aber wenigstens weiß er schon mal was er will. Das ist ja in der Tat ein riesiger Fortschritt. Umso seltsamer ist allerdings sein Verhalten. Du meinst, er will Anna eifersüchtig machen? Hmmm, passt das in seine Gedankenwelt? idontknow Na ja, vielleicht, schließlich ist er ja auch nicht immer so ganz durchsichtig in seinen Entscheidungen. Er wird es uns sicherlich verraten. Wink
Und dass du keinen Teil auslassen wirst, war mir ja fast klar Laughing
Aber wäre ja auch Schade drum, wenn ich schreibe und es keiner liest. Embarassed

GlG, Katha


@Mini
So, so meine liebe Mini,
Tom ist also ein Trottel. Ich denke, Anna wäre voll deiner Meinung. Mad Und gerade deshalb ist die Frage wohl berechtigt, ob du dir sicher bist, dass Annas Ansage schon ausreicht, um ihn zum Nachdenken zu bringen? Obwohl..., eigentlich ist er ja gerade sehr sensibel, vor allem was Anna anbelangt...
Wir werden sehen.
Auch dir liebe Grüße
Katha




Ganz lieben Dank euch Dreien. gib5 Es macht immer wieder Spaß eure Kommentare zu lesen. Smile Und ich bin mal wieder heilfroh, dass ein Teil um den ich so gerungen habe, offensichtlich irgendwie seine Wirkung erzielt hat. Das ermutigt für den Nächsten, an dem ich gerade hänge
lesemist

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ulmaja



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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Sa Jun 08 2013, 22:55

Katha, huhu Katha?!?!?! Wo bist du, wo bleibt der nächste Teil??????? Bin ich ja gar nicht von dir gewohnt, so lange warten zu müssen. Mad crying No beeildich

glg ulmaja

oder lieber so: huhu flowers brav super gib5
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Jun 09 2013, 09:02

ulmaja schrieb:
Katha, huhu Katha?!?!?! Wo bist du, wo bleibt der nächste Teil??????? Bin ich ja gar nicht von dir gewohnt, so lange warten zu müssen. Mad crying No beeildich

glg ulmaja

oder lieber so: huhu flowers brav super gib5

Hallo meine Liebe,
es tut mir schrecklich leid, ich bin gerade irgendwie nur unterwegs, und zusätzlich hänge ich total an meinem nächsten Teil.

Aber ich freue mich, dass ich dir jetzt eine kleine Fortsetzung zum Geburtstag schenken kann. Eigentlich hättest ja auch du du ein größeres Geschenk verdient, aber ich habe es gar nicht gesehen und außerdem bin ich leider völlig ausgelastet - und es wird in nächster Zeit wohl auch nicht besser. No

Na ja, wir werden sehen. Ich tu mein bestes, wie immer Wink

Liebe Grüße

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katha

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BeitragThema: "27"   So Jun 09 2013, 09:36

Guten Morgen,
da ist endlich die Fortsetzung. Einen schönen Tag, und hoffentlich bis bald
******************************

Anna flüchtete fast zu der Tür, die sie von diesem schrecklichen Ort bzw. dieser schrecklichen Frau trennte. Frau Kleinwächter war in ihren Augen eine einzige Provokation, und wieder einmal fragte sie sich, was sie eigentlich in diesen Kreisen wollte. Schrecklich hochnäsige Menschen, die andere nur nach Schönheitsidealen, öffentlichen Anerkennungen und Reichtum bewerteten. In diese Schublade wollte sie gar nicht gehören. Dumm nur, dass sich in genau dieser Schublade die Menschen befanden, die Lanford das meiste Geld einbrachten.
Sie blieb vor dem Spiegel stehen und sah sich in ihre vor Wut funkelnden Augen. Das hier ist also Carlas Baby. Da wundert es mich nicht, dass das Konzept so langweilig daher kommt, dachte sie wütend. Und sogleich wanderten ihre Gedanken zu Tom, der das ja wohl gewusst haben musste. „Dieser Idiot“ fluchte sie im nächsten Augenblick. „Warum hat er mich denn überhaupt mitgenommen?“ murmelte sie zornig vor sich hin. In ihrem Kopf wüteten die verschiedensten Sätze, Fragen und vor allem Schimpfwörter, die sich allesamt auf ihren Chef richteten, und die sie ihm am liebsten vor den Bug geknallt hätte. Sie war aber nicht nur wütend, vor allem war sie auch unglaublich enttäuscht von ihm. Wieder einmal. Sie verstand ihn einfach nicht. Erst nachdem sie sich bei einer ausgiebigen Handwäsche ein wenig beruhigt hatte, nahm sie einen tiefen Atemzug und ging zurück ins Restaurant.
Tom saß alleine am Tisch, als sie dort ankam und sich schweigend wieder setzte. Er hatte kurz aufgesehen, machte sich aber ungerührt noch ein paar Notizen. „Hat dich Frau Kleinwächter etwa schon verlassen?“ fragte Anna spitz und Tom hob langsam den Blick. Er betrachtete sie prüfend, und wirkte dabei, als sei er nicht gerader in bester Laune. Aber das war Anna egal, sie war es auch nicht. Tom ignorierte ihre Frage, obwohl er nicht recht wusste, wie er sie einordnen sollte. „Was war das denn eben für ein Abgang?“, fragte er, ganz der Geschäftsführer. Anna schüttelte ungläubig den Kopf. „Das fragst du mich? Sei froh, dass ich mich zusammengerissen habe. Eigentlich hatte ich ganz andere Worte auf der Zunge liegen.“ Toms Augen, die unverwand auf ihr lagen, verfinsterten sich zunehmend. Jetzt war sie offensichtlich zu weit gegangen. „Sag mal, geht´s noch? Sie hat dir doch nichts getan. Sie hat lediglich ihren Job gemacht und mich informiert“, sagte er äußerst grantig. Anna nickte mit vorgeschobenen Lippen. „Hmm, genau. Sie hat dich informiert.“ Dann zogen sich ihre Augen zusammen und ihr Kopf zuckte bedrohlich. „Kann es sein, dass die Entscheidung hier schon gefallen ist?“ Tom war jetzt wirklich aufgebracht. „Nein, sonst wären wir doch jetzt nicht hier.“ antwortete er energisch. „Wir sehen uns doch erst mal an, wie der Store aussehen könnte.“ „O.k. dann ist ja gut, sonst wäre ich nämlich in den nächsten Zug nach Berlin gestiegen. Da könnte ich dann immerhin was Sinnvolles mit meiner Zeit anfangen.“ Tom sah sie entsetzt an. Sie wollte doch nicht ernsthaft zurück fahren? Er verstand gar nicht, was mit ihr los war, aber es machte ihm auf jeden Fall zu schaffen, auf welche Art und Weise sie mit ihm redete. Er war immerhin ihr Chef. Während Tom seinen Ärger versuchte im Zaum zu halten, hatte Anna überlegt, was sie jetzt tun wollte, und nun sah sie ihn skeptisch an. „Sag mir noch eins. Wer entscheidet letztlich über das Konzept?“ Tom schüttelte völlig unverständig den Kopf, was sollte das denn jetzt? Er konnte Annas Stimmung gerade gar nicht einschätzen, und er fand sie vor allem völlig unangebracht. Scheinbar machte sie ihm einen Vorwurf, aber spontan wusste er beim besten Willen nicht welchen, er hatte schließlich einen völlig normalen Geschäftstermin hinter sich gebracht. „Entscheiden werden wir zusammen, wobei Bruno wie immer das letzte Wort haben wird.“ Die Antwort reichte Anna. Sie stand auf und griff nach den Exposés, der beiden, eher ausrangierten Standorte. „Die brauchst du doch sicher nicht, oder?“ Damit wendete sie sich ab, und wollte gehen. „Anna, jetzt warte doch mal. Was hast du vor?“ kam die erzürnte Frage von Tom, der jetzt auch aufsprang. Anna drehte sich noch einmal zu ihm um und warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Arbeiten, was sonst. Nachdem ich nicht das Gefühl habe, einen objektiven Bericht der verschiedenen Alternativen erhalten zu haben, werde ich mir selbst ein Bild machen. Dafür bin ja schließlich hier, oder? Ich denke Bruno wird sich für meine Einschätzung interessieren.“ Damit wendete sie sich ab ging davon.
Tom sah ihr völlig fassungslos hinterher. Was ist denn in die gefahren?, fragte er sich, und überlegte ob er ihr folgen sollte, um klarzustellen, dass er sich so etwas nicht bieten lassen würde. Sie vergriff sich eindeutig im Ton. Aber dann ließ er es doch bleiben, schließlich kannte er Anna gut genug um zu wissen, dass sie sich schon bald wieder beruhigt haben würde. Und dann könnten sie in Ruhe sprechen, was wesentlich erfolgversprechender war.

Anna war so wütend auf Tom, dass sie total erleichtert war, als sie die Straßen Hamburgs betreten hatte. Wie konnte er sie in so eine Situation bringen, und dann noch so ahnungslos tun? Sie sog gierig die frische Luft in ihre Lungen um sich ein wenig zu beruhigen und überlegte währenddessen, ob sie sich ein Taxi rufen wollte. Aber schlussendlich ging sie einfach zu Fuß los. Sie würde schon eine Bahn-Station finden und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ans Ziel kommen. Es tat ihr gut, zwischen den vielen normalen Menschen auf der Straße zu verweilen, denn es lenkte sie ab und wirklich kam sie bereits nach wenigen Minuten an eine U-Bahn-Station. Sie suchte sich einen Streckenplan, schlug in den Exposés die Lagebeschreibungen auf und schaute wie sie fahren musste, und nur wenig Minuten später war sie auf dem richtigen Weg.
Zuerst besuchte sie den hippen, ehemals als alternativ und linksgerichteten Stadtteil und schaute sich interessiert um. Sie selbst fühlte sich hier sofort wohl. Das war genau nach ihrem Geschmack. Ein buntes Potpourri an verschiedensten Stilrichtungen, die sich dort zusammenfanden. Trödel und Second-Hand neben Design; beschmierte Wände neben modernen Neubauten; Trödel neben einem kultigem Café; alt neben neu. Und die Menschen, die dort herumliefen waren ebenso vielfältig und interessant. Aber im Hinblick auf Lanford, sah sie ihre Vermutung bestätigt, dass das Gesamtbild immer noch ein bisschen schmuddelig wirkte, und somit einen Großteil der Stammkundschaft Lanfords wohl eher abschrecken würde. Diese liebten dann eben tatsächlich das gediegene und geordnete Leben. Na ja, damit war Anna ja schon einmal einen Schritt weiter, denn Bruno in dieser Gegend…, das war eine Vorstellung die gar nicht funktionierte.
Also setzte sie sich erneut in die Bahn und besuchte die kleine Noblesse, wie das dritte Exposé den Standort nannte. Und ja, hier war sie, wie vermutet genau richtig. Hier herrschte plötzlich eine ganz anderen Atmosphäre. Nicht, dass hier nicht auch richtig was los war. Aber eben auf eine andere Art und Weise. Der Stadtteil war von schöner Jugendstilarchitektur geprägt und überall waren Parks und Grünflächen zu sehen, die mit Kanälen durchzogen waren. Das Straßenbild war von vielen kleinen und größeren, aber vor allem ausgefallenen Geschäften geprägt, zwischen denen sich eine große Auswahl von edlen Cafés, Restaurants und Bars tummelte, und insgesamt hatte man das Gefühl von Urlaub, wenn man durch die Straßen wandelte. Anna tat genau das, sie schlenderte, schaute Schaufensterauslagen, und setzte sich letztlich in ein schnuckeliges Café mit Blick auf eine alte Mühle im Park.
Sie aß eine Kleinigkeit und überdachte den bisherigen Tag noch mal. Sie war frustriert, denn Tom hatte sich nach der Ankunft dieser Frau Kleinwächter um 180 Grad gedreht. Zuvor war er ihr gegenüber so aufmerksam gewesen. Nett, zuvorkommend, so wie sie ihn auch abends zuvor erlebt hatte, aber dann dieser Geschäftstermin? Sie schüttelte mal wieder ungläubig den Kopf. Warum hatte er sie denn mitgenommen, wenn ihn ihre Meinung nicht interessierte? Und außerdem… dachte er, er könne sie einfach gegen Carla austauschen? Ich bin nicht wie Carla, und wenn er das bis heute nicht verstanden hat, dann sollten wir ganz schnell getrennte Wege gehen, dachte sie zornig.
Schnell verdrängte sie ihre deprimierenden Gedanken an Tom und widmete sich wieder dem Job. Sie las sich das Exposé für diesen Standort nochmals durch und suchte die Adresse des zu vermietenden Objekts heraus. Hm, das war gar nicht weit weg von ihrem aktuellen Aufenthaltsort, also machte sie sich auf, um es sich anzuschauen. Auf Anhieb war sie begeistert. In dieser Straße tummelte sich verschiedenste exklusive Läden, die zum Großteil aber keine direkte Konkurrenz darstellten, sondern eher als ergänzende Elemente gesehen werden konnten. Handgefertigte Designer-Schuhe, neben edlen, ebenfalls handgefertigten Goldschmiedearbeiten, neben dem Sportladen für die typischen Sportarten der gehobenen Gesellschaft, neben exklusiven kleinen Läden in denen man teure Alternativen zu dem wenig attraktiven Supermarkt-Einkauf fand. Und nicht zu vergessen, ganz in der Nähe ein Restaurant, einer der in Deutschland meistgeschätzten Köchin. Die Umgebung gefiel Anna also schon einmal ausgesprochen gut, nun musste sie nur noch das Haus näher betrachten, das auf den ersten Blick allerdings auch sehr reizend aussah. Es war eines der alten, aber absolut im Schuss befindlichen Jugendstilhäuser. Das leer stehende Ladenlokal zog sich über die ganze Breite des Hauses und war damit ziemlich groß für einen exklusiven Lanford-Store, aber als Anna ihre Hand an die Scheibe legte, und sah, dass er quasi zweigeteilt war, wurde sie sogleich von einer Idee eingenommen, die sie in Ansätzen ja schon im Kopf gehabt hatte. Aufgeregt kramte sie ihr Handy und das Exposé zu diesem Stadtteil aus ihrer Tasche und suchte nach der Telefonnummer des Maklers, denn für diesen Laden würde sie ein Konzept entwickeln, das zumindest bei Bruno gehör finden würde, da war sie sicher. Das bedeutete nicht, dass er ihrer Meinung sein würde, vielleicht vertrat er ja tatsächlich den Standpunkt, dass sich Lanford nur dort ansiedeln durfte, wo Lanford bisher zu finden war, aber es bestand eine Chance, dass er sich für etwas Neues begeistern würde. Also kam es auf einen Versuch an, und den würde sie definitiv ohne Frau Kleinwächter erarbeiten. Als sie gerade die Nummer des Maklers anrufen wollte, brummte ihr Handy, und sie zuckte erschrocken zusammen. Es war eine SMS von Tom. Mit zittrigen Händen öffnete sie die SMS. Wie würde er ihr begegnen, nachdem sie ihn im Hotel quasi hatte stehen lassen? Wir haben in zwei Stunden einen Termin mit dem Makler. Neuer Wall 10. Bitte sei pünktlich. Tom, las sie die kurze Nachricht und stieß erzürnt die Luft aus. „Na förmlicher ging es wohl nicht“ murmelte sie ernüchtert. „Aber was du kannst…“ Schnell schrieb sie eine kurze Antwort Werde da sein. Anna, bevor sie sich ihrem eigentlichen Vorhaben wieder zuwand. Sie telefonierte mit dem Makler und versuchte einen Besichtigungstermin auszumachen, aber das war gar nicht so einfach. Nach langem hin und her kamen sie plötzlich auf die Idee die Besichtigung sofort vorzunehmen, und nur eine viertel Stunde später betrat Anna den Laden.
Sie durchschritt den Verkaufsraum, sah sich die Hinterräume und die Lagermöglichkeiten an, und informierte sich über die Konditionen. Dann bat sie den äußerst netten Makler, der sich Lanford scheinbar gut als Mieter vorstellen konnte, ihr ein paar Minuten einzuräumen, in denen sie den Ort auf sich wirken lassen wollte. Sie setzte sich einfach mitten auf den schönen, alten Holzboden und sah sich um. Es dauerte nicht lange, bis es ihr in den Fingern juckte, und einen Moment später hatte sie ihren kleinen Skizzenblock vor sich liegen und machte eine Skizze eines zweigeteilten Stores. Eine Seite für Luxury, mit noblem Interieur. Sparsames aber edles Ausstellungsmobiliar mit einem großen Ankleidebereich, indem auch sogleich notwendige Änderungen besprochen werden konnten. Die andere Seite, jünger, hipper, der Ankleidebereich kleiner, aber trotzdem komfortabel. Und zwischen den beiden Bereichen eine kleine Kaffeetheke mit einigen bequemen Sitzgelegenheiten für die angestrengten Begleitpersonen oder das Zusammentreffen der Generationen. Anna war Feuer und Flamme. Sie konnte sich den Store bildlich vorstellen. Nach zehn Minuten sprang sie auf und zeigte dem Makler ihre Skizze, und der war durchaus begeistert. Er gab ihr sämtliche Unterlagen mit, die für Lanford von Interesse sein konnten, und verabschiedete sich mit dem Wunsch auf ein baldiges Wiedersehen. Anna hatte ihn wirklich beeindruckt.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Jun 09 2013, 11:29

Och nöööö, und schon wieder zuende. Der Teil war ganz nach meinem Geschmack. Eine Anna, die die Dinge selbst in die Hand nimmt und nicht gleich das erst beste abnickt, gefällt mir. Konnte mir ihre Tour richtig gut vorstellen. Und Tom? Na ja, der schnallts wohl einfach nicht. Hab fast das Gefühl, dass er das Geschäftliche nur irgendwie schnell hinter sich bringen will, ohne sich wirklich mit der Materie befasst zu haben. Vermutlich stützt er sich einfach nur darauf, dass Carla schon die richtige Entscheidung getroffen hat und er sich nur noch ums Grobe kümmern müsste. Mhmm ... wenn das mal gut geht. Dass es ihm nicht passt, dass Anna ihm da offenbar einen Strich durch die Rechnung macht, kann ich irgendwie gut verstehen. Aber Anna macht ihre Sache nun eben mal 150prozentig ...

Freue mich auf eine baldige Fortsetzung und bin gespannt, auf das nächste Zusammentreffen der beiden und was Tom von Annas Idee hält. Obwohl ich da schon so eine Vermutung habe - die mir nicht so wirklich gefällt ...

LG, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Jun 09 2013, 18:46

Very Happy Jaaaa endlich ein neuer Teil. Tom ist manchmal schon ein wenig panne.
Aber ich glaube ja das Anna das richtige Objekt hat . Und Tom sich dann doch eingestehen
muß das sie doch Recht hatte.So ich wünsche euch allen einen schönen Abend Embarassed .
Und freue mich auf den nächsten Teil. Lg. Carla beeildich

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Jun 09 2013, 20:01

@Mini
Danke, meine liebe Mini für deinen Kommentar.
Was Anna anbelangt hast du sicherlich recht. Sie scheint keine Lust zu haben, sich einfach abfertigen zu lassen, und das ist ja nur verständlich. super
Und was Tom anbelangt? Man weiß es nicht so genau, oder? Wenns um Geschäftliches geht ist er ja schon manchmal sehr seltsam. Aber dass er Anna nichts davon erzählt hat, dass Carla da schon drin hängt, ist auf jeden Fall nicht sehr geschickt. Das kann man wohl schon mal sagen. No
Und das nächste Zusammentreffen wird wohl der Maklertermin. Mal sehen, wie sich Anna da verhält...
Liebe Grüße
Katha

@Carla
Danke Carla!
Ob Anna das richtige Objekt hat? Hmmm, wir werden sehen...
Auch dir einen schönen Abend!
LG, Katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Jun 09 2013, 20:42

danke Katha für den schönen Teil und von wegen kurz, grins

Ich glaube auch, dass Anna ein super Konzept hat und damit bei Bruno Erfolg haben wird. Tom mal wieder super seltsam und dann noch verwundert, warum Anna sich so verhält. Kerle!!

Man, man die sollen in die Pötte kommen. Grrrrrrrrr

Da du jetzt online bist, hab ich große Hoffnung, dass es noch einen Teil gibt. Ganz vorsichtig und lieb frag????

LG Ulmaja
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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Jun 09 2013, 21:05

Sorry Ulmaja,
aber das wird heute eher nichts mehr. Embarassed
Ich werde sehen was ich machen kann, damit es nicht so lange dauert Cool

Liebe Grüße und noch einen schönen Abend!
Katha

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BeitragThema: "28"   Mo Jun 10 2013, 10:54

So ihr Lieben, da habe ich die schon ersehnte Fortsetzung für euch. Dafür kann ich euch aber überhaupt nicht sagen, wann die nächste kommt. Wird vermutlich ein paar Tage dauern. Einen guten Start in die Woche!
**********************************

Fünf Minuten vor Fünf, genau fünf Minuten vor dem verabredeten Termin mit dem Makler hielt Annas Taxi am Neuen Wall 10. Nach ihrem eigenen erfolgreichen Maklertermin, der ihre Laune wieder ein wenig in die Höhe getrieben hatte, war sie hektisch in ein Taxi gesprungen und hatte während der Fahrt fast Schweißausbrüche bekommen, da sie natürlich im Feierabendverkehr gehangen und ständig im Stau gestanden hatten. Sie wollte doch auf keinen Fall zu spät kommen, nachdem sie von Tom auf so charmante Weise auf ihren gemeinsamen Termin hingewiesen worden war. Aber seit klar war, dass sie pünktlich und sogar ein paar Minuten zu früh da sein würde, hatte sie sich wieder auf Tom konzentriert und ihre Wut war sofort wieder aufgeflammt. Sie hatte bestimmt nicht vor, zu Kreuze zu kriechen. Sie fand es immer noch unmöglich, wie Tom mit ihr umgegangen war. Aus völlig professioneller Sicht natürlich. Schließlich hätte sie in Berlin alle Hände voll zu tun gehabt, und hing nun in Hamburg, nur um … ja um was zu tun? Um einen Job zu erledigen, der bereits von ihrer verhassten Konkurrentin Carla erledigt worden war? Um einfach dabei zu sein und nett auszusehen? Na ja, das wohl eher nicht, schließlich war Frau Kleinwächter eine Frau, und die standen ja in den seltensten Fällen auf gleichgeschlechtliche Gesellschaft. Um in Toms Nähe zu sein? Dieser letzte Gedanke entsprang einer unsicheren, leisen Stimme, die Anna kaum hören konnte, die sich aber selbst wenn sie laut genug gewesen wäre, wohl nur Protest eingehandelt hätte. Schließlich ging es hier um den Job und nicht um die privaten Befindlichkeiten ihres Chefs. Im Enddefekt war es auch egal, welche glorreiche Idee Tom da ereilt hatte, sie hatte auf jeden Fall beschlossen das Beste daraus zu machen und mit ihrer Konzeptidee im Kopf und den Unterlagen und Fotos des Maklers in der Tasche, fühlte sie sich jetzt auch gewappnet relativ neutral in diesen Besichtigungstermin zu gehen. Sie würde sich sicherlich nicht noch einmal von Frau Kleinwächter provozieren lassen. Das verbot ihr schon ihr Stolz.

Anna entstieg dem Taxi also betont gelassen, ordnete kurz ihre Kleidung und straffte ihre Schultern. Auf in den Kampf, raunte sie sich selbst zu, ehe sie ihren Blick durch die Straße schickte, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Frau Kleinwächter hatte tatsächlich nicht übertrieben. Hier waren alles Labels vertreten, die man auf den Modenschauen Europas bewundern konnte. Und das Haus indem das zurzeit leer stehende Ladenlokal zu finden war, reihte sich wie auch die anderen Häuser perfekt ins Bild dieser Einkaufszone ein. Anna war wirklich ein Stück weit beeindruckt.
„Hallo, da bist du ja endlich! Ich dachte schon, du lässt mich hängen“, hörte sie plötzlich eine ihr allzu bekannte Stimme von der Seite. Langsam drehte sich Anna um und schaute Tom direkt ins Gesicht, der gerade an sie heran trat. Seine Stimme hatte energisch und streng geklungen, aber als sie in seine Augen sah, hatte sie das Gefühl, dass sie neben dem nicht zu verleugnenden Missmut auch so etwas wie plötzliche Erleichterung erkennen konnte. Ob er sich Sorgen um mich gemacht hat?, fragte sie sich einen Moment, aber holte sich mit einem frustrierten, ne, wahrscheinlich macht er sich nur Sorgen um sein Geschäft, wieder zurück. „Ich habe doch geschrieben, dass ich da sein werde, und an sich bin ich ein durchaus pünktlicher Mensch“, beantwortete sie Toms Begrüßung kühl, und dieser war einen Moment ziemlich perplex. Er hatte nicht erwartet, dass sie ihr Spielchen der beleidigten Leberwurst immer noch spielen würde. Seine Mimik, die noch vor einem Moment ein kleines Lächeln hervorbringen wollte, erstarrte wieder. „Und, hast du dir die Alternativen angeschaut?“, fragte er, ebenfalls ziemlich unterkühlt. „Ja, das habe ich.“ Annas Antwort blieb knapp und ihre ganze Ausstrahlung war durch eine Distanz zu ihm gekennzeichnet, die Tom an lang vergangen geglaubte Zeiten erinnerte. Es schmerzte ihn das zu sehen, aber seine Position als ihr Chef verbot es ihm, sich über ihre Barriere hinweg zu setzen und auf sie zuzugehen. Also blieb auch er bei seinem bissigen Unterton. „Und würdest du mich gütigerweise an deinen Erkenntnissen teilhaben lassen?“ Seine Augen waren fest in die ihren gerichtet, und sie zeigten eine Arroganz, die Anna lange nicht mehr an ihm gesehen hatte. Trotzdem musste sie schmunzeln, denn es machte ihr fast ein wenig Spaß ihn hinzuhalten, schließlich hatte sie nicht vor ihm ihre Idee auf dem Silbertablett zu servieren. „Bist du sicher, dass du das willst?“, fragte sie deshalb mit skeptischem Blick und Tom verdrehte genervt die Augen. „Sonst würde ich ja wohl kaum fragen“, zischte er in einer Stimmlage hervor, die das Brodeln unter der kühlen Fassade bestens zum Ausdruck brachte. So langsam ging ihm Anna auf die Nerven. Er hatte nachmittags genügend Zeit gehabt über ihre Worte nachzudenken, und er war auch zu der Einsicht gelangt, dass er sich ihr gegenüber ziemlich schofelig verhalten hatte, aber das gab ihr doch jetzt nicht das Recht hier einen auf Zicke zu machen. Schließlich hatte er sie doch immerhin mitgenommen, damit sie im Sinne Lanfords agierte. Und damit war es wohl sein gutes Recht nachzufragen. „Na ja, deine Frau Kleinwächter hast du jedenfalls nicht danach gefragt“, antwortete Anna spitz und zog die Augenbraue in die Höhe. Tom funkelte sie wütend an, „Was soll das denn jetzt wieder heißen, meine Frau Kleinwächter?“ reagierte er heftig, aber da Anna mit nichts anderem gerechnet hatte, konnte sie seine heftige Erwiderung in keinster Weise beeindrucken. „Es war doch ziemlich offensichtlich, dass diese Frau kein gesteigertes Interesse daran hat, mit mir zu kooperieren, und ihr habt euch heute Mittag so gut verstanden …“ erklärte sie nüchtern, und da sie die soeben besprochene Person gerade auf sich zukommen sah, fügte sie noch lächelnd hinzu, „Da ist sie ja auch schon.“ Sie war der Dame eigentlich dankbar, dass sie gerade auf der Bildfläche erschien, denn so langsam wurde ihr das Gespräch mit Tom doch zu heiß. Der hatte nämlich quer im Gesicht geschrieben stehen, „I´m not amused“. Anna ließ sich davon aber nicht beirren, sie hatte schließlich einen Geschäftstermin zu erledigen und das würde sie auch tun.
Tom musste sich schwer zusammenreißen, um Anna nicht doch noch eine passende Antwort auf ihr unverschämtes Gehabe zu geben, aber da sie sich bereits von ihm abgewandt hatte und ihrer gemeinsamen Verabredung entgegen sah, schluckte er seinen Zorn hinunter, während er sich einen winzigen Moment gönnte ihr Verhalten zu analysieren. Eine erstaunliches Verhalten, nachdem sie ihn doch wieder mal auf die Palme gebracht hatte. Und noch erstaunlicher war seine Erkenntnis, dass er sie eigentlich reizend fand, wenn sie so zickig für ihre Rechte bzw. ihre Überzeugungen kämpfte, auch wenn sie ihn gleichzeitig in den Wahnsinn trieb. Außerdem kam für einen Bruchteil einer Sekunde der Gedanke in ihm auf, dass sie sich anhörte, als wäre sie eifersüchtig. Er wurde durch Annas Stimme aus seinen Gedanken gerissen und löste seinen Blick endlich von seiner blonden Angestellten los. „Na immerhin trägt sie meine Kleider. Ob sie das weiß?“ murmelte Anna belustigt vor sich hin, und dann stand Frau Kleinwächter auch schon vor ihnen. Sie hatte einen gut aussehenden Mann an ihrer Seite, der Anna einen anerkennenden Blick schenkte, als er sie begrüßte und sich vorstellte. Anna lächelte, damit kann man doch arbeiten, dachte sie und freute sich, dass es scheinbar selbst in Frau Kleinwächters Dunstkreis nette Menschen gab. Ihr gefiel dieser Mann. Er war vermutlich etwas älter als sie selbst, leger, aber zugleich chic in einen Anzug gekleidet, vom Typ her eigentlich ganz ähnlich wie Tom, nur dass Hr. Schmidt, so hieß er, gerade definitiv die besseren Karten bei Anna hatte. Sie wartete ab bis auch Tom seine Begrüßung erhalten hatte und folgte Hr. Schmidt dann sogleich zur Eingangstür des Ladens. Während sie schon eintrat, hatte sie ihre Antennen allerdings nach hinten gerichtet, um das Gespräch zwischen Frau Kleinwächter und Tom nicht zu verpassen, und sie überfuhr ein grausiger Schauer bei dem was sie hörte. „Sie sehen aber heute besonders gut aus“, schleimte sich Tom an sie heran und Frau Kleinwächter antwortete euphorisch, „Das ist ja auch eines der wunderbaren Kleider von Lanford, die wir in Zukunft hier verkaufen können.“ Aber dann wurde es doch interessant. Tom antwortete nämlich völlig gelassen. „Ich weiß. Das Kleid, das sie tragen, hat Frau Broda entworfen.“ Jetzt drehte sich Anna doch noch einmal um, das musste sie sehen, und sie wurde für ihre Mühe belohnt. Frau Kleinwächter starrte Tom einen kurzen Augenblick mit offenem Mund an, ehe sie die Stirn in Falten legte. „Aber das ist doch ein Kleid aus Frau Rhonstedts letzter Kollektion.“ Tom nickte wissend, „Das stimmt es stammt aus der Kollektion, die Frau Rhonstedt und Frau Broda gemeinsam erstellt haben, und dieses Kleid“, dabei zeigte er mit dem Finger direkt auf sie, „entstammt Frau Brodas Feder.“ Er ließ er seinen Blick die drei Treppenstufen zum Eingang des Ladens gleiten und traf für einen Moment auf ihren. Anna hatte sich gerade fassungslos gefragt, ob er das Thema wohl absichtlich auf das Kleid gelenkt hatte, um sie zu protegieren. Toms Augen wiesen tatsächlich darauf hin, denn sie waren voller Gefühl und als er Annas Erstaunen erkannte, zuckte ein kleines Lächeln um seinen Mund, das Annas Herz sogleich zum Anlass nahm, um ihr zu sagen, dass sie doch endlich nachgeben sollte, ...aber soweit kam es noch. Immer noch bockig konzentrierte sie sich lieber auf Frau Kleinwächter, die sie ebenfalls für einen Moment anschaute. Es schien als verabeite sie den Schock des gerade Gehörten noch, bevor tatsächlich ein Schimmer von Anerkennung auf ihrem Gesicht zu erkennen war. Anna hatte genug gesehen. Sie wendete sich wieder dem eigentlichen Thema dieses Termins zu und begab sich zu Herrn Schmidt, der ihr die zum Verkaufsraum gehörigen Nebenzimmer zeigte und noch auf einige Besonderheiten hinwies.

Einige Zeit später schlenderte Anna zufrieden Richtung Hafen. Sie fand, dass sie ihren Termin mit Tom, Frau Kleinwächter und dem Makler gut gemeistert hatte. Sie war pünktlich dort gewesen, hatte Tom gezeigt, dass sie nicht bereit war, es zu akzeptieren, wie er mit ihr umgesprungen war, und das Objekt war tatsächlich auch sehr interessant gewesen. Anna hatte einsehen müssen, dass die Lage, die Luxuriösität der Gegend und letztlich die Räume, die alle Voraussetzung bargen, um mit dem entsprechenden Design einen tollen Store daraus werden zu lassen, ein großes Potential boten. Sie war professionell genug, ihre erste Einschätzung, die wohl eher von persönlichen Gefühlen, als von Fakten und Eindrücken geleitet gewesen war, zu revidieren, und als Tom sie letztlich nach ihrer Meinung gefragt hatte, hatte sie guten Gewissens sagen können, dass sie sich den Store nach Frau Kleinwächters Konzept schon gut vorstellen könne. Allerdings hatte sie sogleich die Einschränkung gemacht, dass es eben darauf ankomme, welch ein Konzept für den Store letztlich umgesetzt werden sollte. Sie selbst hatte da schließlich einen anderen Gedanken … Aber sie konnte mit dieser Situation zweier konkurrierender Ideen durchaus leben. Bruno würde sich entscheiden, für das eine oder das andere.
Anna schmunzelte, als sie darüber nachdachte, wie ihre Konversation mit ihrem Chef gelaufen war. Tom hatte sehr erleichtert gewirkt, nachdem sie ihr Spitzenfeuer eingestellt hatte und ihre Aussage wurde von ihm daraufhin mit einem dankbaren Lächeln quittiert. Überhaupt hatte sie das Gefühl gehabt, dass Tom irgendwie gar nicht mehr so abgebrüht war. Er wirkte irgendwie unkonzentriert und Anna hatte ihn mehrfach dabei ertappt, wie sie von ihm beobachtet wurde. Ein Tatbestand der Anna so nach und nach nervös gemacht hatte und sie auch jetzt wieder darüber nachdenken ließ, wie das wohl weitergehen würde mit ihnen beiden. Der heutige Tag war ja, nachdem er doch so gut angefangen hatte, wieder mal ein Desaster gewesen und der Abend würde wohl auch keine Möglichkeit mehr bieten wirklich miteinander zu reden.
Nachdem sie am Ende des Besichtigungstermins gemeinsam das Resümee gezogen hatten, dass sich Lanford, dieser Laden und Frau Kleinwächter tatsächlich zusammenfinden könnten, war Frau Kleinwächter so guter Laune gewesen, dass sie Tom und auch Anna zu einem Abendessen bei einem kleinen Japaner direkt um die Ecke eingeladen hatte. Tom hatte sogleich zugestimmt und Anna ein herzliches Lächeln geschenkt, was ihr wohl bedeuten sollte, dass er sich auf ein gemeinsames Abendessen freue. Aber Anna hatte so gar keine Lust darauf gehabt, sich noch einmal mit diesen beiden Personen gemeinsam an einen Tisch zu setzen, und hatte daher dankend abgelehnt. Schließlich war ihre letzte Mahlzeit noch nicht allzu lange her und sie hatte einige Ideen im Kopf, die dringend aufs Papier gebannt werden wollten, so hatte sie auf jeden Fall gesagt. Frau Kleinwächter hatte ihre Absage voller Verständnis aufgenommen und sich äußerst nett verabschiedet. Scheinbar hatte die Gewissheit, dass Anna doch nicht nur zufällig die Position der Chefdesignerin begleitete, eine Verhaltensveränderung bewirkt. Plötzlich hatte sie nämlich tatsächlich mit Anna geredet und ihre Anmerkungen und Ideen bedacht. Einzig als Anna von der Möglichkeit eines anderen Store-Konzepts gesprochen hatte, war sie immer noch ein wenig pikiert gewesen. Aber insgesamt doch ein erstaunlicher Wandel. Trotzdem hatte sie bei Anna nicht die notwendigen Sympathie-Punkte gewonnen, dass diese sich noch länger in ihrer Gegenwart aufhalten wollte. Tom hatte dafür allerdings keinerlei Verständnis gehabt, was seine Mimik eindrucksvoll belegt hatte. Er hatte nämlich erneut seine Inschrift von vor dem Termin hervorgeholte. „I´m not amused.“ Anna grinste einen Moment, als sie an diesen Augenblick zurückdachte, aber dann seufzte sie leise auf. Eigentlich wäre sie ja gerne in Toms Nähe geblieben. Ihre Abwehrstrategie wurde ihr so langsam selbst zu anstrengend, vor allem weil sie doch eigentlich mit der Hoffnung hierher gekommen war, dass Tom und sie mal reden würden. Und welcher Moment wäre dafür besser geeignet gewesen, als der heutige Abend.
Aber das war ja nun mal ordentlich schief gelaufen.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mo Jun 10 2013, 13:14

Ach Mensch, Anna. Wenn du dich da in deiner Sturheit mal nicht verrennst. Okay, Tom kann ein Idiot sein, aber er hat es doch eingesehen und wohl auch deutlich gezeigt. Also, gib dir einen Ruck ...

Obwohl ich Anna durchaus verstehen kann. Diese Speichelleckerei - anders kann ich es kaum bezeichnen - von dieser komischen Frau würde mir auch auf die Nerven gehen. Und ich hätte wohl auch nicht mit ihr an einem Tisch sitzen und zwanghaft auf nette Konversation machen wollen. Ich hoffe nur, dass das Anna und Tom nicht zum Verhängnis wird.

Egal, ich bin zwar versucht, mich jetzt in wilden Spekulationen zu verlieren, wie dieser Abend doch noch enden könnte, aber ich warte da eher auf Kathas Version der Fortsetzung. Also denn, schwing die Feder, meine Liebe ...

LG, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mo Jun 10 2013, 21:00

GutenAbend Katha,ich gebe Mini sowas von Recht,Tom ist manchmal ja echt blöd!!!!
Aber Anna ist sowas von stur.Ich bin ja mal gespannt wie du die beiden wieder versöhnen
willst ( bei so viel Sturheit und Blödheit Rolling Eyes ) Lg,Carla

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mo Jun 10 2013, 21:03

Ich liebe deine Geschichte Katha und freue mich auf viel mehr (((:
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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mo Jun 10 2013, 21:26

Stimmt wir lieben sie alle Smile Smile Smile

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Jun 12 2013, 21:35

@ Mini
Ach weißt du Mini,
so ein paar Spekulationen sind doch immer sehr spannend. Wobei ich sagen muss, dass sie mir manchmal ein wenig Angst machen, wenn sie zu genau zutreffen. Dann fühle ich mich immer so durchschaut
Hm, ob Annas Sturheit den beiden zum Verhängnis wird? Zumindest ist sie im Moment nicht sehr förderlich, schließlich treiben sich die Beiden an unterschiedlichen Orten rum.

Ich dank dir für deinen Kommi meine Liebe! Auf meine antwortest du wohl gar nicht mehr ... Und was ist mit deiner Feder Wink

Grüße Schatzi Wink

@Carla
Na zumindest tragen sie beide ihren Anteil an der aktuellen Situation... Aber so ganz glücklich sind sie ja nicht damit. Also bleibt vielleicht doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer. Wink


LG



@ vemes
Schön, dass du dich auch an der AnTom-Story erfreust Wink



Kommt ihr schon mit dieser neuen Formatierungsgeschichte hier klar. Mich macht es gerade völlig kirre.

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BeitragThema: "29"   Mi Jun 12 2013, 22:23

Hey, die Formatierungen werden beim rein kopieren übernommen. Juchhu. Das ist ja mal eine gute Nachricht, auch wenn ich ansonsten noch kleine Startschwierigkeiten habe.
Ich wünsche viel Spaß! Bis zum nächsten Mal
******************************

Tom saß tatsächlich mit Frau Kleinwächter in dem von ihr angepriesenen kleinen  Restaurant. Er war jetzt seit einer Stunde hier, und es kam ihm vor als wenn es schon mehrere wären, denn so langsam brummte ihm der Kopf von dem oberflächlichen Gequatsche seiner Begleiterin. Frau Kleinwächter machte den Eindruck als könne sie noch weitere Stunden mit Anekdoten füllen, bei denen sie zufälligerweise immer eine wichtige Rolle spielte. Aber er hatte definitiv genug von ihren Berichten über die ach so wichtigen Menschen, die Lanfords Kunden waren, und außerdem war er auch nicht ganz bei der Sache. Er fand es immer anstrengender Frau Kleinwächter seine Aufmerksamkeit zu schenken und die Höflichkeit in Person zu bleiben, vor allem da ihm die ganze Zeit Anna im Kopf rum spukte. Jetzt hatte er schon den ganzen Nachmittag damit verbracht sich den Kopf über sie zu zerbrechen und nun hatte sie sich ihm schon wieder entzogen. So hatte er sich das nicht vorgestellt, als er sie gebeten hatte mitzukommen, und gerade war er ziemlich gefrustet. Aber ja, er wusste mittlerweile, dass er einen Anteil daran hatte, dass sie seine Gesellschaft mied, wobei sie vermutlich vor allem Frau Kleinwächters Gesellschaft mied, aber es nervte ihn kolossal. Gerade wurde sein Teller abgeräumt und seine Begleitung nutzte den Tatbestand, dass der Tisch jetzt frei war, um ein Stück näher an ihn heran zu rücken und vertrauensvoll ihre Hand auf seinen Arm zu legen. Sie lächelte ihn mit ihrem breiten Mund verführerisch an, und säuselte etwas davon, dass sie sich gut vorstellen könne, noch einen Absacker mit ihm zu trinken und Tom drängten sich plötzlich farbenfrohe Phantasien von männchenfressenden Gottesanbeterinnen auf. Ein kalter Schauer lief über seinen Rücken und er sehnte sich nur noch mehr nach Annas Gesellschaft, wohlgemerkt ihrer alleinigen Gesellschaft. Es wurde wirklich Zeit, dass er dieses Schauspiel beendete.
Er schaute fast beiläufig auf die Uhr, und tat sichtlich erschreckt. Dann entschuldigte er sich in aller Form bei Frau Kleinwächter, und betrat kurze Zeit später die Straßen Hamburgs. Ein wichtiges Telefonmeeting mit New York war ihm ganz spontan wieder eingefallen und hatte ihn aus der Gesellschaft des netzwebenden Spinnenweibchens befreit. Was ein Glück. Tom grinste erleichtert, manchmal war es halt doch gut Geschäftsführer einer Firma zu sein. Da wurden solche Entschuldigungen doch tatsächlich ernst genommen. Er ging zügig davon, damit Frau Kleinwächter nicht doch noch mitbekam, dass er sie angelogen hatte und war nur wenig Minuten später im Hotel angekommen, wo er sofort nach Anna fragte. Aber er wurde enttäuscht. „Mist“, fluchte er vor sich hin, obwohl es ihn eigentlich auch gewundert hätte wenn sie ins Hotel gegangen wäre. Anna war nicht der Typ, der sich in einer spannenden Stadt faul ins Hotel zurückzog. Wahrscheinlich war sie irgendwo in der Stadt unterwegs, aber er hatte keine Ahnung wo das wohl sein könnte. Er rang mit sich, ob er klein beigeben und sie anrufen sollte, denn ihre kühle Art bei ihrem gemeinsamen Maklertermin hatte ihm wirklich zugesetzt, auch wenn es ja so kleine hoffnungsvolle Momente gegeben hatte…

Seufzend ließ er sich auf eine Bank fallen, die vor dem Hoteleingang stand, und nach einigen Minuten des Zauderns zückte er schließlich sein Handy.  Ich sollte sie anrufen. Ich komm doch eh nicht dagegen an. … und mich sofort wieder zur Sau machen lassen, riet ihm seine innere Stimme sofort wieder ab. Er entschloss sich ihr lieber eine Nachricht zu schreiben. Hallo Anna, wo bist du? Bist du noch beschäftigt, oder darf ich dir Gesellschaft leisten? Tom. Schnell schickte er die Nachricht ab, obwohl er unsicher war und wahrscheinlich Stunden damit hätte zubringen können, die richtigen Worte zu finden. Er lehnte sich erschöpft zurück, denn der Tag hatte ihn mehr geschlaucht, als ein stressiger Tag in der Firma, woran natürlich mal wieder sein Gefühlswirrwar schuld war. Seine Gedanken wanderten zurück zum Beginn dieses Tages und dem Gefühl mit Anna im Arm aufgewacht zu sein. Es hatte sich so verdammt gut angefühlt, und er war so glücklich gewesen, und als geklärt war, dass Anna ihn begleiten würde, hatte er sich so gefreut. Und nun war doch wieder alles ganz anders, als er es sich erhofft hatte. Nervös blickte er auf sein Handy, das er fest in der Hand hielt. Hoffentlich meldet sie sich, dachte er voller Unruhe. Am liebsten wäre er einfach aufgesprungen und los gelaufen, aber wohin? Ihm blieb wohl nichts anderes übrig als abzuwarten.
 
Anna hatte einen Spaziergang durch die Speicherstadt gemacht und war gerade am Hafen angelangt. Sie hatte sich überlegt, dass sie noch ein wenig das Wasser genießen wollte, schließlich war das das Besondere an Hamburg. Die Elbe, der Hafen mit seinen Werften, die riesigen Schiffe, das alles barg die Atmosphäre der großen, weiten Welt. Deshalb schlenderte sie zu einer Infotafel und informierte sich über die Zeiten der Fähre, die sie auf einen Schiffsanleger bringen sollte auf dem es ein kleines Restaurant gab, als plötzlich ihr Handy piepte. Sie zog es aus der Tasche und als sie den Absender erlas, begann ihr Herz zu rasen. Sie wünschte sich so sehr, den Abend mit Tom zu verbringen, aber ob er das nach ihrer Zickigkeit des Tages auch so sah. Mit zittrigen Fingern öffnete sie die Nachricht und las. Sie schmunzelte. Da war er wieder, der Tom den sie mochte. Klar hatte er es sich nicht nehmen lassen ihr einen kleinen Seitenhieb mitzugeben, denn natürlich wusste er, dass sie die Einladung nicht abgelehnt hatte, weil sie noch zu tun hatte, aber er hatte auch freundlich gefragt ob sie sich sehen könnten. Und irgendwie hörte sie, trotz der wenigen Worte seine Zerknirschtheit heraus. Mit pochendem Herzen setzte sie an ihm zu antworten. „Wenn du das möchtest gerne. In zwanzig Minuten am Fähranleger an den Landungsbrücken? Anna. Sie las die Nachricht, einmal, zweimal… Sie war versucht ein, Ich freu mich!, hinzuzufügen, aber nachdem sie mehrmals ihre Finger über der Tastatur hatte schweben lassen, schickte sie die SMS lieber in neutralem Wortlaut los. Spontan ereilte sie die Erkenntnis, dass das vermutlich die längsten zwanzig Minuten ihres Lebens werden würden. Angestrengt stieß sie die Luft aus.
Und sie hatte Recht. Tom hatte ihr nur wenige Sekunden später mit einem knappen. Ich werde da sein. Tom geantwortet. Wieder musste sie schmunzeln. Diese kurze Konversation enthielt eindeutig wieder die frozelige Note, die sie im Umgang mit Tom genoss. Überhaupt musste sie mal wieder feststellen, dass es schon erstaunlich war wie wenig nachtragend sie beide im Umgang miteinander waren. Wenn sie daran dachte, was sie im Verlauf der letzten Woche so an Gesprächen geführt hatten. Sie schaute auf die Uhr, und dachte genervt. O.k. zwanzig Minuten also. Und was tu ich um die Zeit totzuschlagen? Ich könnte Schiffe zählen, aber die zogen so langsam an ihr vorbei, dass sie wohl vor Unruhe letztlich in die Elbe gesprungen wäre. Oder ich zähle die vorbeigehenden Passanten… Puh, wie langweilig. Sie wendete sich von der Elbe ab und schaute ernüchtert von links nach rechts. So richtig interessierte sie hier gerade nichts. Trotzdem zwang sie sich einfach los zu laufen. Sie schlenderte die Landungsbrücken entlang, las hier ein Plakat, beobachtete da eine Schulklasse, die aufgeregt plaudernd an ihr vorbei zog und betrachtete dann ein Schiff, das gerade anlegte. Ihre Gedanken weilten die ganze Zeit bei Tom. Was wird wohl passieren, wenn wir endlich mal unter uns sind? Anna spürte spontan den Drang davon zu laufen. Irgendwie hatte sie panische Angst davor, dass das lang ersehnte Gespräch zwischen ihnen, tatsächlich mal nicht verhindert würde. Was genau will ich ihm eigentlich sagen? überlegte sie, während sie unbewusst schon wieder den Weg zurück zum vereinbarten Treffpunkt wählte. Ihr Kopf war plötzlich wie leer gefegt. Die Worte, die sie schon des Öfteren geprobt hatte, waren nicht mehr auffindbar und ihre Gefühle waren so konfus, dass sie ihr auch nicht weiterhalfen. Ich wollte mich dafür entschuldigen, dass ich ihn weggeschickt habe, erinnerte sie sich wieder. Ich sollte ihm sagen, dass ich mich in ihn verliebt habe… Sie stieß laut die Luft aus, denn sie wusste dass dieser Part der schwierigste werden würde, und ich sollte ihm sagen, dass ich Angst vor seinen wechselnden Gemütsverfassungen habe. Ich will beim besten Willen nicht noch einmal so enttäuscht werden, wie in Mailand. … Und dann soll er endlich den Mund aufmachen, damit ich weiß woran ich bin. Sie hoffte ja sehr, dass auch Tom ihr was zu sagen hatte. Tja, wäre sie am Vortag mal fünf Minuten später eingeschlafen ...

Als sie wieder am vereinbarten Treffpunkt angekommen war warf Anna einen Blick auf die Uhr und schimpfte mit sich. Na super, immer noch zehn Minuten ... Hoffentlich bekomm ich überhaupt ein Wort heraus, wenn er da ist. Anna fühlte sich als hätte sie die erste Verabredung ihres Lebens. Mann, jetzt komm mal wieder runter. Tom ist dein Chef, ihre kennt euch und ihr trefft euch auch nicht das erste Mal, schimpfte sie mit sich, aber ihre Sinne spielten komplett verrückt, standen alle auf Sturm und straften ihre Gedanken lügen. Aber wir treffen uns das erste Mal mit voller Absicht. Ob Tom auch mit mir reden will? Was wird er mir sagen? Anna schaute hektisch umher, suchte nach irgendeinem Anblick, der sie fesselte, der sie ablenkte und sie davon abhielt, doch noch vor Panik die Flucht zu ergreifen. Aber alles was sie sah, machte sie zusätzlich nervös. Das junge Pärchen, das unmittelbar vor ihr stehen blieb und sich küsste. Das reizende Rentnerpaar, das unweit entfernt auf einer Bank saß und händchenhaltend auf den Hafen schaute. Die Eltern, die sich rührend mit ihrer kleinen Tochter beschäftigten. Bei so viel Harmonie spürte Anna plötzlich mit voller Wucht, wie sehr sie sich danach sehnte wieder eine Schulter zum Anlehnen zu haben, jemanden zu haben, mit dem sie gemeinsam durchs Leben gehen und sich an Dingen erfreuen oder sich darüber aufregen konnte. Sie sehnte sich nach Tom.
Bilder von Mailand bevölkerten plötzlich ihr Hirn. Sie hatte sie fast zwei Tage verdrängt, aber nun schossen sie mit voller Wucht auf sie zu.  Wie er sie angesehen hatte, so verletzlich, voller Vertrauen und Hoffnung; seine Fassungslosigkeit darüber, dass sie sich so nah waren und es sich so gut anfühlte; ... wie er ihr immer näher kam, um sie schließlich zu küssen. Anna krallte sich an das Geländer zu Elbe hin und schloss die Augen. Ihr Herz schlug schmerzhaft gegen ihre Rippen. Oh Gott, gleich kipp ich um, ging es ihr durch den Kopf und sie versuchte energisch sich wieder zu beruhigen. Ihr Knöchel wurden schon weiß, so fest hielt sie sich, während ihr eines Bein in schnellem Takt vor sich hin wibbelte. Plötzlich schreckte sie auf. Tom! Er stand direkt neben ihr.


Er war gerade angekommen und war unglaublich froh, dass er endlich bei ihr war, auch wenn auch er total nervös war. Er hatte, nachdem er ihr schnell die Antwort geschrieben hatte, sofort den Portier gefragt, wie er am schnellsten zu den Landungsbrücken kommen würde. Der hatte ihm ein Taxi besorgen wollen, aber Tom war viel zu unruhig gewesen um sich in ein Auto zu setzen. Also hatte er sich die Beschreibung für den Fußweg geben lassen, auch wenn der Portier meinte, dass der Weg in zwanzig Minuten kaum zurück zu legen sei. Aber Tom fand die Alternative sich beeilen zu müssen wesentlich attraktiver, als in Nervosität zu zergehen. Und jetzt war er endlich hier, bei seiner Anna. Nachdem er sie erblickt hatte, war er stehen geblieben und hatte sie einen Moment aus der Ferne beobachtet. Sie wirkte nicht gerade entspannt. Langsam, aber mit um so schnellerem Herzschlag und rasendem Puls war er neben sie getreten.
„Hey“, sagte Anna atemlos, nachdem sie ihn erst einmal angestarrt hatte, als wäre er gerade einem Ufo entstiegen. Nur nicht rot werden, dachte sie aufgeregt, aber diese Ermahnung kam eindeutig zu spät. „Hey“, antwortete Tom leise und schenkte ihr ein vorsichtiges Lächeln. Er bemerkte, dass sie ziemlich aufgelöst war und die sanfte Röte, die ihr ins Gesicht stieg, belegte das noch. Er fand sie einfach nur zauberhaft. Anna riss sich von seinem Anblick los und ließ ihren Blick hektisch durch die Gegend wandern. Gott sei Dank, die Fähre, ging es ihr durch den Kopf, als sie sah, dass das Schiff gerade anlegte. „Komm mit!“ forderte sie Tom auf, und schritt einfach voran. Tom sah erstaunt hinter ihr her und runzelte fragend die Stirn. „Wohin willst du?“ rief er hinter ihr her, aber da konnte er sich die Antwort schon selbst geben. Sie betrat den Steg, der zur Fähre hinab führte und ging zielstrebig darauf zu. Schiff fahren also, dachte er wenig amüsiert, als er einen Blick auf das grün-braune Wasser warf, dass durch das Anlegemanöver der Fähre bedingt, in Wellen gegen den Kai schlug. Zu seiner Angst das Gespräch mit Anna zu vermasseln, gesellte sich jetzt auch noch ein ungutes Grummeln in seiner Bauchgegend. Sollte er ihr wirklich folgen? …

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vemes



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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Jun 13 2013, 00:03

Ein Toller Teil! Bin gespannt wie es weiter geht . Ich hoffe Tom vermasselt's nicht schon wieder(:
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Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Jun 13 2013, 00:14

Hallo Katha,ohhhh wie schön endlich sind sie allein.Ich hoffe das jetzt mal alles gut wird:x.Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.Süß wie aufgeregt die beiden sind.Bitte Bitte schreib schnell weiter.Ilikeit
Lg.Carla

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ulmaja



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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Jun 13 2013, 14:20

Ja, ja der arme Tom, muss er sich das Geschwafel der Giftziege anhören, aber er musste ja unbedingt noch mit ihr essen gehen. Klasse, wie du die Nervosität der Beiden beschrieben hast.

Jetzt hoffe ich, dass es auf der Fähre zu einem super tollen Gespräch kommt, wo alles geklärt wird zwischen den Beiden. Abhauen kann da ja schonmal keiner. Und nach dem Gespräch ..............

Jetzt wird es spannend!!!!!!

LG Ulmaja
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Jun 13 2013, 21:43

Oh oh ... sieht ganz so aus, als würde Tom ein Problem mit Schiffen haben. Was ja nicht wirklich verwunderlich ist nach seiner Geschichte. Ich hoffe, er schafft es, seine Angst zu überwinden. Und dann kommen die beiden hoffentlich dazu, wirklich mal zu reden, nachdem jeder für sich in Nervosität schon fast vergangen ist. Und so wie ulmaja ja schon schrieb, abhauen ist auf einem Schiff ziemlich schwierig ...

Freu mich auf mehr ... und das hoffentlich ganz bald.

LG, Mini Wink

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Jun 13 2013, 22:19

@ vemes
Lieben Dank! Ich hoffe auch, dass Tom es hin bekommt. Wink

@Carla
Ja, sie sind allein und Anna prescht voran... Sad
Aber, wie du schon sagst, die Hoffnung stirbt zuletzt.Smile


@ Ulmaja und Mini
Na ja Tom ist halt ein attraktiver Mann, und wenn man selbst schon so eine Schleimspur zieht um die Geschäftspartner bei Laune zu halten, dann muss Mann sich halt auch mal umgarnen lassen Smile
Tja, und ob die beiden dann letztlich auf dem Schiff landen und ob sie da ungestört sind, und ob wirklich keiner weglaufen kann - ist ja immerhin eine Fähre - wir werden sehen.
Außerdem ist es fraglich, ob sie bei ihrer Nervosität tatsächlich reden können :roll:Da lass ich doch meine Augen mal wieder kreisen. Smile.





Lieben, lieben Dank für eure Kommis. Ich bin mit dem nächsten Teil beschäftigt, weiß aber noch nicht wann es was wird. hallo

GLG, Katha

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AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)
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