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 AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)

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katha

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BeitragThema: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Di Apr 30 2013, 20:37

das Eingangsposting lautete :

So, meine liebe Mini,

das was hier folgt ist für Dich! Mein Geschenk zu deinem Geburtstag!



(und dann natürlich für alle anderen, die mitlesen wollen )

Du weißt, ich bin etwas chaotisch beim Schreiben, und in diesem Fall, glaube ich noch mehr als sonst, deshalb habe Nachsicht mit mir.
Und leider, ist die Story auch wieder mal nicht ganz fertig, so dass ich sie dir nur portionsweise schenken kann.
Aber sehen wir´s mal positiv. Dafür hast du dann länger davon.
Zur Zufriedenheit des Schreibers, muss ich wohl nichts mehr sagen, ... wir haben uns da ja schon ausgiebig ausgetauscht.

Ich hoffe einfach mal, dass es dir gefällt.

So, und jetzt habe ich ein großes Problem. Ich habe noch keinen Namen gefunden, muss aber einen haben, damit ich dir dein erstes Päckchen liefen kann, also werde ich mich jetzt wohl spontan entscheiden müssen. Eine meiner leichtesten Übungen, vor allem weil das Ende noch nicht geschrieben ist. Hmmmm

Okay. Jetzt oder ...

"Entscheidungen" So soll es sein. (Da bleib ich ja gleich beim Thema )

Ich wünsche gute Unterhaltung!

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AutorNachricht
ulmaja



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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Fr Mai 24 2013, 10:33

Komme gerade vom Zahnarzt, darf nichts essen, nichts trinken (ja, er hat gebohrt) und habe mir zur Belohnung den nächsten Teil gegönnt. Aber war das nun eine Belohnung? Nicht wirklich! Aber noch habe ich Hoffnung, dass meine Orakelfähigkeiten doch noch vorhanden sind. Er hat noch nicht JA gesagt und darf es auch nicht. BITTE, liebe Katha, tu uns das nicht an .

Der Teil war wieder super, ich konnte so richtig mit Anna fühlen, aber auch Toms Gefühlswelt - herrlich. Und Bruno kommt derbe ins Grübeln. Dem entgeht nu wirklich nichts. Klasse!!

Übrigens: Du musst für mich keinen Vorsprung haben. Schreiben, korrigieren und rein damit. Natürlich jeden Tag einen neuen Teil. Du bist doch sonst bestimmt nicht ausgelastet. Nen Kind macht doch keine Arbeit, lol und das bisschen Hausarbeit und sonstiges was ist das schon?

So, der Kommi hat mir gut getan. Grinse hier nur so vor mich hin.

Ganz lieben Gruß
Ulmaja
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Fr Mai 24 2013, 22:19

@ Carla
Tja meine Liebe,
wer weiß schon was in Toms Kopf vor sich geht? Wollte er sich nur nicht im Mittelpunkt der ganzen Firma suhlen, oder kennt er seine Antwort selbst noch nicht?
Du wirst es sicherlich erfahren. Und ich hoffe sehr, dass du bis dahin noch keinen Drehwurm bekommen hast.
Liebe Grüße von hier!
Katha


@ Ulmaja
So, so, du grinst also vor dich hin. Ob ich das gut heißen kann?
Ich muss dir sagen, du hast da in deiner Aufzählung noch das ein oder andere vergessen .
Aber gut, ich weiß ja von wem es kommt.

Ich hoffe, deine Zähne ärgern dich nicht immer noch, und du hast dich doch dazu entschlossen, die Fortsetzung als Belohnung zu sehen.


Ich tu ja mein bestes, um euch Leser zufrieden zu stellen. Und ganz ehrlich, wenn ich dich und Carla gerade nicht hätte (Mini wäre da auch noch zu erwähnen, da sie ja trotz ihrer Unverschämtheit, sich einfach in den Süden abzusetzen , immer mal wieder vorbei schaut), wäre meine Motivation wohl mittlerweile stark gesunken, mich hier so eifrig zu betätigen.

Also lieben Dank für eure Worte!!!!

Liebe Grüße
Katha

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ulmaja



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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Fr Mai 24 2013, 23:24

ich sehe, Katha ist online, schöööön
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Fr Mai 24 2013, 23:47

Hey meine Liebe,
du hast sicherlich gehofft, dass ich noch schnell den nächsten Teil poste. Aber ich muss dich leider enttäuschen. Mein Kopf will ganz dringend auf die Matratze. Bin hier schon ein paar mal weg genickt. Sleep
Vielleicht wird´s ja morgen früh was. Ich sitze ja am WE gerne mal früh hier rum .

Also Gutes Nächtle, und nicht böse sein.

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ulmaja



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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Fr Mai 24 2013, 23:55

Ich kann dir doch gar nicht böse sein, schlaf du schön und träum von den Fortsetzungen hier.

Ich gucke morgen früh dann nochmal.
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Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Sa Mai 25 2013, 03:05

Ja und ich bleib dann solange hier sitzen und warte Smile .Nein war nur Spaß Rolling Eyes :Freu mich wenn es weiter geht.Lg.Carla

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"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
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katha

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BeitragThema: "19"   Sa Mai 25 2013, 07:59

So, und tatsächlich bin ich schon wieder hier. Aber gut, wenigstens ihr freut euch darüber Smile
***********************************

Anna hatte sich nach einer heißen Dusche in ihre Gammelklamotten gesteckt und lag nun mitten auf ihrem Bett. Endlich war sie alleine und konnte ihren Gedanken nachhängen. Sie wusste, dass es Paloma nur gut mit ihr gemeint hatte, als sie in der Ego-Bar versucht hatte, aus ihr herauszuquetschen, was eigentlich los war, aber sie war einfach viel zu geplättet von den Ereignissen, die sich in den letzten Tagen Schlag auf Schlag abgespielt hatten, um darüber reden zu wollen.
Sie hatten noch eine Zeit lang über die Entführung gesprochen, aber mehr hatte Anna nicht preisgegeben.
Steves Entführung war grausam gewesen, die Erkenntnis, wie krank er in seinem Kopf sein musste ein böses Erwachen, und das verletzte Vertrauen eine bittere Pille. Aber damit war sie irgendwie klar gekommen, na ja, vermutlich war sie damit klargekommen, weil sie sich nicht alleine damit gefühlt hatte. Irgendwie war Tom immer präsent gewesen. Trotz seiner eigentlichen Distanz zu ihr hatte er ihr mit einigen kleinen Augenblicken gezeigt, dass er für sie da war. Und das hatte Anna Paloma auch noch eröffnet, aber die sich überschlagenden Geschehnisse in Mailand, die in dem beobachteten Heiratsantrag Carlas ihren Höhepunkt gefunden hatten, waren in Annas Herz und Hirn noch lange nicht verarbeitet, und sie hatte sich nicht in der Lage gesehen, darüber zu sprechen. Vielleicht hatte sie auch einfach Angst davor gehabt, dass Paloma Tom schlecht machen würde, denn ihr spanisches Temperament, ging in solchen Momenten, in denen sie ihre Freundin bedroht sah, gerne mal mit ihr durch. Auf jeden Fall hatte sich Anna mit ihrer Müdigkeit, die ja nicht einmal gelogen war, herausgeredet, und war zügig nach Hause verschwunden.
Und nun?, fragte sie sich. Sie hatte über den Tag hinweg, trotz ihrer Traurigkeit, dass der Tag in Mailand so ein übles Ende genommen hatte, irgendwie wieder zu einer relativen Gelassenheit gefunden. Vielleicht war sie nur oberflächlich gewesen, aber sie hatte, zumindest für eine kurze Zeit, geschafft sich einzureden, dass sie die Situation im Griff hatte, und dass es weiter gehen würde. Tom und sie hatten sich geküsst, ja … weil sie sich einfach verbunden fühlten. Sie trugen das gleiche elende Schicksal des Verlusts; hatten in dem jeweils anderen endlich einen Gegenpart gefunden, um darüber zu sprechen, wie man sich fühlte; mit welchen Fragen man sich beschäftigte und wie man mit der Trauer um den fehlenden Partner umgehen konnte. Und das war es dann auch gewesen. Also kein Drama, dass sie jetzt wieder jeder seiner Wege ging.
Aber irgendwie wollte sich diese Variante, diese Deutung der Geschehnisse jetzt so gar nicht mehr in Anna wohlfühlen. Sie konnte es sich immer und immer wieder vorbeten, aber es fühlte sicht nicht richtig an. Und vor allem fühlte es sich überhaupt nicht richtig an, dass Tom sich wohl mittlerweile mit Carla verlobt hatte. Und damit kam wohl die zweite Variante ins Spiel, die sie unbewusst zu einer gewissen Gelassenheit geführt haben könnte. Vielleicht hatte sie trotz Toms Abgang am Vorabend irgendwie gehofft, dass es eben nur eine Reaktion auf einen überfordernden Moment gewesen war, die aber der Grundstimmung zwischen ihnen, keinen dauerhaften Schaden zugefügt hatte. Die einen kleinen Hoffnungsschimmer zugelassen hatte, dass sie sich trotzdem aufeinander zubewegen könnten. Aber genau dieser Hoffnungsschimmer war mit Toms Verlobung endgültig vernichtet.
Anna drehte sich gefrustet auf den Rücken und starrte gegen die Zimmerdecke ihres Zimmers. Das ist doch alles Mist! Liebe. Als ob ich mich so schnell wieder verlieben würde? Pf, und dann noch in Tom Lanford, den Mann, der seine Launen und sein Verhalten schneller wechselt als seine Unterwäsche. Einmal total nett, verständnisvoll und einfühlsam und dann wieder das totale Ekelpaket. Sei doch froh, dass er weg ist vom Markt, da musst du dir um ihn doch keine Gedanken mehr machen. Und wieder ein Versuch, sich die Situation schön zu reden.
Entschlossen beendete Anna ihre intensive Betrachtung der Hügellandschaft ihrer raufasertapezierten Decke, und ging zu ihrem Schreibtisch um sich ihren Skizzenblock zu holen. Ablenkung würde ihr gut tun. Und das ging am besten beim Zeichnen. Sie setzte sich ans Fenster, ließ ihre Blicke hinaus schweifen und fahndete in ihrem Inneren nach Inspiration für neue Entwürfe. Sie setzte den Stift aufs Papier, aber da kam einfach nichts, nada, niente. Stattdessen begann sie wie von selbst zu schreiben.

Lieber Tom,
der gestrige Tag ist mir so präsent, hat mich so beeindruckt, … du hast mich so beeindruckt und berührt, dass ich einfach nicht glauben will, dass er nichts zu bedeuten hat. Dass alles so weitergehen soll, als wäre das alles nicht passiert. Die Gespräche zwischen uns, die so vertrauten Momente, der Kuss …
Ich habe dir voller Überzeugung erzählt, dass ich in der Zukunft auf mein Herz hören möchte, dass ich hoffentlich die Zeichen der Zeit erkenne ...
Heute, nur einen Tag später kann ich nur höhnisch lachen, wenn ich an meine Ausführungen denke. Sie waren naiv, von einem Gefühl beseelt, das mich wohl in die Irre geleitet hat. Vielleicht ist doch kein Verlass auf mein Herz. War ich gestern noch überzeugt, seine Botschaft zu verstehen, rätsele ich heute was es mir sagen will. Ich bin mir sicher, dass du mir was bedeutest. Dass du mir viel bedeutest. Verdammt, dass ich mich Hals über Kopf in dich verliebt habe, um genau zu sein. Aber gerade deshalb weiß ich nicht, wie ich weiter machen soll.
Wenn ich meine eigenen Worte in Taten umsetzen wollte, dann wäre es wohl völlig richtig, dir nicht zu deiner Verlobung zu gratulieren, und um dich zu kämpfen, denn ich habe das Gefühl, dass deine Entscheidung nicht richtig ist. Nicht richtig, weil mein Herz mir sagt, dass du eine andere Entscheidung treffen müsstest. Eine, die dich zu mir und zu meinem Herzen führen würde.
Aber, du hast dich entschieden. Und in dieser Entscheidung spiele ich scheinbar keine Rolle, zumindest nicht die, die ich mir wünsche. Also was bleibt mir? Wenn du mir wirklich am Herzen liegst, muss ich dann nicht respektieren, wie du dich entschieden hast? Muss ich dir nicht alles Glück der Welt wünschen, mich für dich und mit dir freuen? Und da kommt mein schlechtes Gewissen ins Spiel. Natürlich wünsche ich dir, dass du glücklich wirst, aber doch nicht mit einer anderen...
Aber wirkliche Liebe ist nicht egoistisch, denkt nicht nur an sich. Ist es also Liebe, was ich fühle? Ja, verdammt. Ich bin mir sicher, und deshalb werde ich es akzeptieren, werde ich mich von dir fernhalten, und hoffen, dass ich selbst ein neues Glück finde. Ohne dich. Irgendwann.
Ok, dann hole ich jetzt noch einmal tief Luft und tu es. Für dich. Weil ich dich liebe.
Ich wünsche dir viel Liebe und viel Glück für deine gemeinsame Zukunft mit deiner Verlobten!


Anna ließ ihren Kopf gegen die Rückenlehne des Sessels fallen. „Was ein Schmu!“, zeterte sie vor sich hin. Sie drehte den Block und kritzelte wütend in großen Lettern SHIT!! quer über den Text, und unter ihre guten Wünsche setzte sie ein: Vergiss es einfach. Das war ein kläglicher Versuch großherzig zu sein. Danach pfefferte sie ihren Block auf den Fenstersims, und schaute deprimiert in die Ferne.
Denken hilft nicht, reden will ich nicht, zeichnen kann ich nicht und schreiben … schreiben hilft auch nicht. Das alles ändert nichts daran, dass es wehtut. Tom Lanford, warum bist du nur so ein riesiger Idiot? Es war gelogen, dass sie mit seiner Entscheidung klar kam, dass da nichts war, außer einem Kuss, dass sie seine Entscheidung respektieren wollte. Sein Gesicht tauchte vor ihrem inneren Auge auf. Seine Augen, die so völlig anders ausgesehen hatten, als sie sich in Mailand wirklich nah gewesen waren. Und sieh wünschte sich zurück zu diesem Moment, in dem sie sich so verbunden schienen.
Dieser Tom hatte sie doch gesehen, hatte sie in seine Seele blicken lassen. Warum wendete er sich jetzt von ihr ab? Sie konnte es einfach nicht verstehen, und sie wollte es auch nicht, auch wenn sie wusste, dass sie keine andere Wahl hatte. Leise weinte sie vor sich hin und zweifelte an ihrem Herz, am Schicksal, an das sie glauben wollte, eigentlich an allem, was sie ansonsten als wichtig erachtete.
Da klopfte es und Anna verdrehte genervt die Augen. Sie hatte eine ziemlich genaue Vorstellung, wer da vor der Tür stand, und sie hatte definitiv keine Lust auf diesen Besuch. Leise stand sie auf und holte sich ein Taschentuch um ihre Tränen zu trocknen, ehe sie sich wieder ans Fenster begab. Einfach ignorieren, sagte sie sich, aber eigentlich wusste sie, dass es nichts bringen würde. Es war mit Sicherheit ihre Mutter, die dort stand und nach ihr sehen wollte, und die hatte einen ähnlichen Dickschädel, wie sie selbst. Der Apfel fällt halt nicht weit vom Stamm. Und mit ihrem kurz angebundenen und abwehrenden Verhalten bei ihrer Heimkehr hatte sie Susanne quasi selbst auf den Plan gerufen. Da klopfte es auch schon wieder. „Ja“ murrte Anna also, denn sie wusste ja, dass es Susanne nur gut mit ihr meinte, und nach den Ereignissen der letzten Zeit, machte sie sich halt einfach Sorgen, was ja im Prinzip auch schön war. Aber nicht jetzt.
Anna blieb in ihrem Sessel sitzen und starrte weiter hinaus. Sie musste ihrer Mutter ja nicht schon beim ersten Blick offenbaren, dass sie gerade geweint hatte. Aber irgendwie wurde sie unruhig. Warum sagte Susanne denn nichts? Die Tür hatte sich doch hinter ihr geschlossen?

„Hallo Anna“ hörte sie da zwei Worte aus einem Mund, der mit Sicherheit nicht in das Gesicht ihrer Mutter gehörte. Erschrocken wirbelte Anna herum und schoss aus ihrem Sessel heraus. Mit weit aufgerissenen Augen schaute sie auf den Mann, dessen Anblick sie in den letzten 24 Stunden in jedem freien oder auch nicht freien Augenblick gequält hatte. Dessen Nähe sie sich so herbeisehnte, während sie sich gleichzeitig ans andere Ende der Welt wünschte.
Anna starrte Tom völlig perplex an, und war nicht in der Lage etwas zu sagen. Er war an der Tür stehen geblieben, und beobachtete sie mit scheinbar stoischer Ruhe. Dass er total nervös war, dass er innerlich zusammengezuckt war, als er sie in voller Lebensgröße und mit verweintem Gesicht erblickt hatte, hielt er dabei verborgen. Anna brauchte einen Moment, dann sah sie schnell an sich herunter, und fühlte sich plötzlich total nackt vor ihm. In ihren Gammelklamotten, verweint und zerzaust, gab sie ja ein super Bild ab. Schnell ging sie zu ihrem Schreibtisch und zog sich ihre Strickjacke über und ging sich durch ihre Haare um sie ein wenig zu glätten, damit sie wenigstens ein wenig von ihrer Verfassung verstecken konnte. Dann schaute sie ihn wieder an. Ihr Blick war mittlerweile abwehrend, geradezu feindselig. „Was wollen sie denn hier?“, fragte sie harsch. Dieses Mal zuckte Tom wirklich zusammen. Damit das Anna ihn anfuhr, hatte er gerechnet, aber dass sie ihn siezte… Diese Höflichkeitsform stellte gleich mal sehr deutlich klar, wie die Situation zwischen ihnen beschaffen war, und Tom verstand. Anna war wohl ziemlich verletzt von seinem Verhalten, und er konnte es ihr auch nicht wirklich verübeln, daher zwang er sich ganz ruhig zu bleiben. Er drehte die Worte, die er jetzt wohl schon gefühlte hundert Mal in seinem Kopf hin und her gewendet hatte, erneut, und versuchte ihrem bitterbösen Blick standzuhalten. „Ich wollte persönlich mit dir reden. … Dir sagen, wie meine Antwort auf Carlas Frage ausgefallen ist.“ Er selbst sah gar nicht ein vom Du abzuweichen. Anna schüttelte ungläubig den Kopf. Sie spürte, wie die Wut in ihr aufkochte. Aber die Wut beschwor auch Tränen herauf, und das wollte sie beim besten Willen nicht. Sie wollte sich nicht noch kleiner machen, als er sie sowieso schon hatte werden lassen. Wenn er sie schon indirekt abservierte, würde sie ihm nicht noch ihre Betroffenheit zeigen, schließlich hatte sie auch ihren Stolz. Sie stieg das Podest zum Fenster hinauf und drehte ihm, mit fest vor der Brust verschränkten Armen, den Rücken zu.
„Wissen sie was. Das ist ja sehr gütig von ihnen, aber ich will es gar nicht wissen. Der Informationsfluss bei Lanford funktioniert verdammt gut. Also zumindest in den unteren Etagen. Ich werde es also früh genug erfahren. Und falls nicht, wird ihre Verlobte mit Sicherheit dafür sorgen, dass es nicht an mir vorübergeht“, sagte sie bissig, und hoffte damit klargestellt zu haben, dass sie kein Interesse an einem Gespräch hatte, und den Ausgang dieser Antragsszenarios sowieso schon kannte.
„Anna …“, hörte sie da die ruhige, tiefe Stimme Toms. Er wollte sie beschwichtigen, die Situation entschärfen, aber Anna schloss nur die Augen und drängte entschlossen die Tränen zurück, die sich ihres Weges ziemlich sicher waren. Nein, sie wollte nichts hören, daher unterbrach sie ihn auch sogleich und ihr Ton wurde energischer. „Tom, ich wüsste nicht, dass sie mir Rechenschaft schuldig wären. Also gehen sie einfach.“ Tom hatte gewusst, dass das Gespräch mit Anna hart werden würde, aber ihre Reaktion war für ihn trotzdem nur schwer auszuhalten. Er war doch hier, um ihr zu erklären, was los war, was mit ihm los war. Um mit ihr zu reden, so wie am Tag zuvor. Aber vermutlich hatte er das zarte Band des Vertrauens zwischen ihnen zerrissen, als er sie einfach in den Straßen Mailands zurückgelassen hatte. Trotzdem nahm er noch mal allen Mut zusammen. „Anna, ich weiß …,“ er stockte, schaute verzweifelt auf ihren Rücken, während er die richtigen Worte suchte, „es tut mir leid, dass …“ Jetzt schoss Anna herum und sah ihn mit wutverzerrtem Gesicht an. Ihre Augen blitzten gefährlich. Was fällt diesem Typen eigentlich ein? Denkt er mit einem einfachen „Tut mir leid“, ist alles wieder gut? „Tom lassen sie´s einfach. Es ist nichts passiert. Wir haben uns unterhalten, weil wir zufällig das gleiche Schicksal teilen. Das war´s auch schon.“ Diese heftig ausgesprochenen Worte hatten ihr Ziel nicht verfehlt. Tom ließ sich auf Annas Bett sinken und blickte Anna mit einem kleinen angedeuteten Kopfschütteln an. Er wollte das nicht glauben. Sie hatten sich einander anvertraut, und auch wenn er sich anschließend wie ein Idiot verhalten hatte, konnte sie das doch nicht einfach beiseiteschieben. „Siehst du das wirklich so?“, fragte er leise nach, und Anna fühlte wie sich ein dicker Klos in ihrem Hals formierte. Nein verdammt, ich sehe das ganz anders, aber was soll ich denn machen?, dachte sie verzweifelt. „Was wollen sie von mir?“, brüllte sie Tom in ihrer eigenen Hilflosigkeit an, und der dachte einen Moment über ihre Worte nach. „Dass du mir sagst, dass das gestern kein Theater war. Dass du glaubst, was du mir erzählt hast.“ Anna drehte sich wieder zum Fenster, sie schaffte es einfach nicht seinem Blick, der wieder die offenen Züge des Vortags zeigte und seine Verletzbarkeit zur Schau stellte, standzuhalten. Und dann erinnerte er sie auch noch an die vertrauten Momente, und benutzte die ganze Zeit das vertrauensvolle du, dass für sie noch immer was Besonderes war. Sie hielt das nicht aus, konnte sich kaum noch beherrschen. Sie suchte noch mal alle Energie zusammen, und versuchte ihrer Stimme einen halbwegs souveränen Klang zu geben. „Tom, lassen sie mich bitte alleine.“ Tom sprang verzweifelt auf, und tat zwei Schritte auf sie zu. „Nein verdammt, das werde ich nicht tun. Erst will ich was von dir wissen.“ Anna lachte höhnisch. „So, so, wollen sie das? Und was genau?“ Sie traute sich immer noch nicht, sich ihm zuzuwenden. Zu ihrer Verzweiflung gesellte sich jetzt noch ein hektischer Herzschlag, der ihre Brust kurz vor die Explosion führte. „Du hast mir gestern gesagt, dass du in Zukunft auf dein Herz hören willst, und ich will wissen, was es dir jetzt sagt.“ Damit hatte sie nicht gerechnet. Nach Luft schnappend drehte sie sich zu ihm, und bohrte ihre Augen in die seinen. Was will er denn jetzt hören? Dass ich für mich weiter kämpfen werde, dass ich mein Glück auch ohne ihn finde? Will er von mir die Absolution für sein Verhalten? … Oder will er vielleicht doch, dass ich um ihn kämpfe? Diese letzte kleine Frage verunsicherte sie total. Sie suchte einen Moment nach Worten und wich einer konkreten Antwort letztlich aus. „Ja, das war gestern. Ich glaube, da war ich ganz schön naiv. Aber vergessen sie einfach was ich gesagt habe, ich sollte mir wohl in Zukunft besser überlegen, welche Wahnsinns-Vorsätze ich fasse. Das Leben ist halt doch nicht so einfach. Klein Anna hat das jetzt auch verstanden.“ Ihre Stimme schwang vor Zynismus. Tom schüttelte den Kopf und verzog unwillig seinen Mund. „Was soll das heißen? Dass du deine Worte von gestern zurücknimmst? Du selbst nicht mehr daran glaubst? Damit würdest du mir nur recht geben auch weiterhin nicht zu vertrauen. Dir nicht zu vertrauen,“ er wartete einen Moment, um seinen Worten Gewicht zu verleihen. Dann fügte er verzweifelt hinzu, „und vor allem nicht mir selbst. … Das glaube ich einfach nicht, dass du mir das sagen willst.“ Er sah sie abwartend an; fragend, zweifelnd, nach Hoffnung suchend, aber Anna reagierte nicht.
Sie wusste nämlich nicht recht, was sie von diesem Gespräch halten sollte. Er wollte sein Vertrauen in sie legen? Brauchte er eine Freundin, für die Dinge, die seine Verlobte nicht leisten konnte? Aber sie konnte das nicht sein, und sie wollte es auch nicht. Nicht unter diesen Bedingungen. Leise antwortete sie schließlich mit traurigem Blick, „Erfahrung lehrt.“, dann ging sie an ihm vorbei zur Tür. „Ich gehe jetzt ins Bad, und ich möchte gerne alleine sein, wenn ich wieder komme. Wir sehen uns am Montag auf der Arbeit.“ Damit ließ sie Tom stehen, der ihr völlig verwirrt hinterher schaute. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Er war hier, um sich ihr zu stellen, sich ihr zu erklären, er hatte ihr Verständnis für sein Verhalten erhofft, aber dass sie ihn rausschmeißen würde … Er trat die zwei Stufen des Podestes herauf und überlegte, während er aus dem Fenster schaute, ob er ihrem Wunsch nachgeben, oder stur bleiben sollte, bis sie ihn verstanden hatte. Aber eigentlich blieb ihm nichts anderes übrig als zu gehen. Mit seinem Verhalten hatte er wohl jegliches Anrecht auf ihr Vertrauen verwirkt. Er schüttelte den Kopf, und zuckte hilflos mit den Schultern. Dann halt nicht. Als er sich gerade abwenden wollte, fiel sein Blick auf den Skizzenblock, der noch auf dem breiten Fenstersims lag und seine Augen wurden von den Worten geradezu angezogen. Verblüfft stellte er fest, dass er der Adressat der Nachricht war. Er schaute sich verstohlen um, und hörte einen Moment in den Flur hinein, ehe er sich hinhockte, und las, was Anna geschrieben hatte.

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Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Sa Mai 25 2013, 16:07

Oh mein Gott ist das gut, ich bekomme Herzrasen Very Happy .Jetzt wird es richtig schön,und du meine liebe Katha hörst jetzt auf.Ich falle gleich um Surprised .Bitte Bitte schreibe ganz schnell weiter.

(Ich putze auch für dich,oder pass auf deine Kinder auf Smile Wink )

Allso bitte Habenwollen Lg.Carla

Und wenn Anna die Antwort von Tom nicht wissen will,mein Gott ich will sie wissen.

Mein Gott das macht mein Herz nicht lange mit Surprised

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"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
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ulmaja



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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Sa Mai 25 2013, 20:31

oh Katha, ist das jetzt spannend. Hoffentlich kommt er dazu, den ganzen Brief zu lesen. Und hoffentlich kommt es noch zu einer richtigen Aussprache zwischen den Beiden.

Und JAAAAA , er hat nicht Ja gesagt, sonst wäre er nicht zu Anna gegangen (hoffe ich jedenfalls)

Ehm, noch eins! So sehr ich deine Geschichte auch mag, ich putze nicht für dich und auf dein Kind (ich glaub du hast einen Sohn) pass ich auch nicht auf

So, dann will ich mal hoffen, dass du auch kein Fußball guckst und weiterschreibst

Es ist doch gerade so super spannend. Tu uns den Gefallen und gönn uns einen schönen Samstag abend. Bitte!!

LG Ulmaja
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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Mai 26 2013, 07:55

@Carla
Guten Morgen Carla,
du bietest an auf mein Kind aufzupassen oder für mich zu putzen? Na das sind ja Angebote. Smile Sei froh, dass ich nicht weiß wo du wohnst. Nicht dass wir plötzlich feststellen, dass du um die Ecke wohnst ... Smile und ich darauf zurückkomme Rolling Eyes
Ne, Spaß beiseite. Ich werde dich gleich irgendwann erfreuen können. Embarassed Und hoffentlich für die Entlastung deines Herzens sorgen.
LG

@ Ulmaja
Sorry Ulmaja,
da war ich dann gestern doch mal ausnahmsweise anderweitig beschäftigt. Rolling Eyes Und Fußball habe ich auch geschaut, wenn auch eher nebenher. Na ja. Ablenkung muss ja auch mal sein.

Und du willst also nicht für mich mich putzen? Komisch, kann ich gar nicht verstehen Rolling Eyes
So, und bevor ich euch noch lange hier rum schwafel, kümmere ich mich jetzt doch mal um die Frotsetzung für euch.

LG,
Katha

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BeitragThema: "20"   So Mai 26 2013, 08:44

Hallo, ihr da draußen.
Ich wünsche euch, trotz des mal wieder herbstliche anmutenden Wetters, einen schönen Sonntag.
Liebe Grüße
Katha
***********************************

Es war Montag Morgen, und Anna hatte ein kräftezehrendes Wochenende hinter sich gebracht. Nach Toms Besuch war sie völlig zusammen gebrochen. Sie hatte sich in ihrem Zimmer verbarrikadiert, keinen an sich rangelassen und sich ihrer Verzweiflung hingegeben. Sie hatte mit kleinen Pausen geweint, gewütet, geschimpft, gelitten, und irgendwann einfach nur noch vor sich hingestarrt, bis sie beschlossen hatte, dass es reichte, weil es sowieso nichts brachte. Also hatte sie entschieden sich von dieser kurzen Eingabe des Schicksals nicht ihre Zukunft verbauen zu lassen. Vielleicht sollte es ja so sein, dass sie aus dieser Krise neue Kraft schöpfte. Wer wusste das schon. Und nun musste sie das Leben, das sie zwei Tage ausgesperrt hatte, wieder angehen. Dumm nur, dass es alles andere als gut begann.
Anna hatte nämlich verschlafen und war dann viel zu schnell aus dem Bett gesprungen um die verlorene Zeit aufzuholen. Dabei hatte sie sich ihren Zeh an der Türkannte gerammt, was ihr lautes "Scheiße" entlockte. Anschließend war sie humpelnd und hektisch in die ersten Klamotten gesprungen, die sie gefunden hatte, und war los gerast. Unterwegs hatte sie schnell einen Coffee-to-go besorgt, damit sie wenigsten ein bisschen wach wurde, und als sie fast am Lanford-Gebäude angekommen war, hatte sie diesen dann, dank eines idiotischen Fahrradfahrers, der sie fast über den Haufen gefahren hätte, über ihr T-Shirt gegossen. Und jetzt stand sie vor dem Aufzug und sah missmutig an sich herab. „Mist!“ fluchte sie laut. „Was ein beschissener Morgen.“ Sie setzte den Kaffeebecher an und verzog das Gesicht. Der kleine Rest Flüssigkeit, der sich noch im Becher befand, nachdem sie den Großteil ja zum Färben ihres T-Shirts benutzt hatte, war eisekalt. „Bäh, ekelhaft“, murmelte sie vor sich hin, und trat zum Mülleimer, der sich unweit der Tür befand. Und wie sollte es anders sein, stieß sie mit jemanden zusammen, der auch gerade etwas entsorgen wollte. Gott sei Dank war ihr Becher sowieso schon leer, ansonsten hätte sie wohl noch ein weiteres Kleidungsstück in Mitleidenschaft gezogen. Erst als sie aufsah, bemerkte sie dass dieser Jemand kein anderer war als Tom, der sie dazu noch völlig nett begrüßte. Na toll, das macht meinen Morgen ja perfekt, dachte sie angefressen, als sie ihn irritiert ansah. Sie drückte sich ein mürrisches „Morgen“ heraus, und drehte sich schnell wieder dem Fahrstuhl zu, der zum Glück gerade seine Pforten öffnete. Als sie gemeinsam eingetreten waren, stellte Anna erleichtert fest, dass Tom zumindest alleine war, und sie nicht auch noch das Vergnügen hatte, sich an dem Anblick des frisch verlobten Paares laben zu müssen. Juchhu, endlich mal ein Tatbestand, dem sie etwas Positives abgewinnen konnte. Aber kaum hatte sich der Fahrstuhl geschlossen fühlte sie sich mehr als unwohl. Der Raum war einfach zu klein für sie beide, vor allem weil sie irgendwie ein schlechtes Gewissen hatte, Tom zwei Tage zuvor einfach aus ihrem Zimmer geschmissen zu haben. Sie hatte das ganze Wochenende gegrübelt, warum er eigentlich zu ihr gekommen war, ob sie anders hätte reagieren sollen, und hin und wieder hatte sie sich sogar erträumt, dass er ja eigentlich gekommen war, um ihr zu sagen, dass er nicht Carla sondern sie an seiner Seite haben wollte. Und das waren dann die Momente, in denen sie endgültig kapituliert hatte. Vor sich und der Welt. Aber diese Tiefpunkte waren hilfreich um wieder pragmatisch zu denken. Ernüchtert eine Marschroute festzulegen, wie sie die nächste Zeit überstehen wollte, bis sie über Tom hinweg war, denn sie hatte keine Wahl. Sie würde ihm weiterhin fünf Tage die Woche begegnen, und war das nicht schlimm genug, gab es da ja auch noch die Verlobte. Sie hatte sich auf jeden Fall vorgenommen, Tom aus dem Weg zu gehen. Ihn zu siezen, damit das Gefühl der Distanz gewahrt blieb, und nur noch über Dienstliches mit ihm zu sprechen. Aber der erste Tag, den sie mit ihren Vorsätzen füllen wollte, begann schon mal völlig falsch. Denn sie stand auf weniger als zehn Quadratmeter mit ihm zusammen, und sie waren völlig alleine. Keine guten Vorzeichen. Ok, sie hatte sich bisher jedes überflüssige Wort verkniffen und Tom schien auch keinen Redebedarf zu haben. Aber sie fühlte Toms Blicke auf sich, und sie spürte, dass ihr Herz ihr unmissverständlich klar zu machen versuchte, dass sie sich mit ihm beschäftigen sollte. Angestrengt versuchte sie ihren Herzschlag zu ignorieren, und einfach ruhig zu bleiben. Sie spähte zur Anzeige hinauf und wartete ungeduldig die ewig erscheinenden Sekunden ab, bis der Aufzug endlich zum Stillstand kam. Und kaum waren die Türen geöffnet verließ sie eilig, ohne Tom auch nur anzuschauen, den beklemmenden Ort ihres Beisammenseins. Dummerweise rannte sie dabei fast Virgin um, der gerade ihren Weg kreuzte. „Anna! Du bringst mich noch um!“ quietschte der sogleich auf. Er legte sich theatralisch eine Hand aufs Herz, vergaß sein Jammern aber sogleich, als er Anna skeptisch von oben bis unten betrachtete. „Was ist denn mit dir passiert? Gestern zu lange gefeiert, oder heute Morgen keine Dusche in der Nähe gehabt?“ Anna warf ihm einen tödlichen Blick zu, trat einen Schritt auf den Assistenten des Kreativchefs zu und reckte ihr Kinn bedrohlich in die Höhe. „Virgin halt die Klappe. Das heute ist definitiv nicht mein Morgen, und wenn ich jetzt noch einen dummen Kommentar von dir höre, dann fahr ich direkt wieder nach Hause und leg mich wieder ins Bett. Verstanden?“ Virgins Kopf zog sich achtsam nach hinten und er bedachte sie mit einem argwöhnischen Blick. „Ok, ok, ich sag nichts mehr.“, antwortete er beschwichtigend. „Ach so, ja doch. In zehn Minuten hast du ein Meeting mit Bruno.“ Anna blies die Luft aus und schenkte ihm ein gespieltes Lächeln. Sie klimperte mit den Augen, „Ich werde da sein. Sonst noch was?“ Virgin rieb sich verlegen über seinen Nacken und bedachte sie nochmal mit einem skeptischen Blick. „Ähm, du siehst wirklich etwas … mitgenommen aus.“ Offenbar hatte er Angst, das Bruno Augenkrebs bekam, wenn er Anna ungeschminkt und mit Kaffeefleck auf dem T-Shirt, das dazu noch nicht einmal besonders stylisch war, zu sehen bekam. Anna warf ihm einen weiteren wütenden Blick zu, ehe sie energischen Schrittes an ihrem Schreibtisch vorbei zur Lanford-Toilette ging. Sie wusste selbst, dass sie unmöglich aussah.
Virgin sah ihr kopfschüttelnd hinterher, und ließ seinen Blick zum Junior-Chef gleiten, auf den er aber gerade eh nicht gut zu sprechen war. Also wendete er sich schnell ab, und schwebte eilig davon, um Bruno die Nachricht zu übermitteln, dass Anna eingetroffen war, und von dem Meeting in Kenntnis gesetzt wurde. Tom hatte die Unterhaltung von Anna und Virgin verstohlen beobachtet, während er angestrengt die Post durchgeschaut hatte. Er tat völlig unbeteiligt, was ihm allerdings sehr schwer fiel, da er diese Szene einfach zu amüsant fand, auch wenn er irgendwie Mitleid mit Anna hatte, die tatsächlich nicht ganz auf der Höhe zu sein schien. Und er hatte die Hoffnung, dass das was mit seiner Person zu tun hatte. Aber das war auch der Grund warum er selbst völlig aufgekratzt war, und gar nicht so recht wusste, wohin mit sich.

Zehn Minuten später trat Anna an den Konferenztisch heran. Sie hatte die kurze Zeit genutzt, und ihren Kaffeefleck so gut es ging heraus gewaschen, ein schwaches Make up aufgelegt, und ihren Zopf neu geflochten, so dass sie zumindest nicht mehr aussah wie eine der Flodders. Während all dieser Aktivitäten hatte sie sich gedanklich gut zu gesprochen, und versucht endlich die Hektik des Morgens abzulegen. Sie war hier, sie war fit, ok relativ fit, Tom interessierte nicht, und Carla würde sie einfach ignorieren. Sie war hier um ihren Job zu erfüllen, nicht mehr und nicht weniger. Und mit diesen gebetsmühlenartigen Ermahnungen schaffte sie es tatsächlich Bruno, der gemeinsam mit seinem Assistenten bereits auf sie wartete, ein freundliches „Guten Morgen“ entgegen zu bringen. Bruno beantwortete ihren Vorstoß und strahlte sie an. „Ah, da sind sie ja meine Liebe. Setzten sie sich, wir haben einiges zu besprechen. Neue Situationen bedürfen neue Absprachen.“ Anna setzte sich hin und stützte sich auf dem Tisch auf. So sah man wenigstens nicht, dass ihr halbes T-Shirt nass war. Sie zog irritiert die Augenbrauen zusammen, warum sprach Bruno von neuen Situationen? Und wo waren eigentlich die anderen? Im Normalfall saßen bei solchen Besprechungen zumindest Carla und Tom mit am Tisch. Wahrscheinlich haben die beiden besseres zu tun, dachte sie sarkastisch und unterband das abwehrende Schütteln, das ihren Körper bei dieser Vorstellung aufsuchen wollte. Sie wendete ihre Aufmerksamkeit wieder Bruno zu und wartete darauf, dass er weitersprach. „Ok Anna, ich habe zwei neue Aufgaben für sie, und ich befürchte, sie werden in Zukunft noch mehr um die Ohren haben, als bisher schon." Anna hob erstaunt die Augenbrauen in die Höhe und wartete skeptisch ab. „Ich möchte dass sie den Posten der Chef-Designerin übernehmen,“ fuhr Bruno fort, „und, ich habe eine Idee für eine neue Kollektion, bei der ich ihre Unterstützung brauche.“ Anna stieß leise die Luft aus. Das ist aber mal reichlich, aber dann habe ich wenigstens keine Zeit mehr, mir unsinnige Gedanken um verkorkste Männer zu machen, dachte sie spontan. Trotzdem hatte sie Zweifel, wie sie das alles bewerkstelligen sollte. „Und die aktuelle Kollektion, an der ich bereits arbeite, werde ich weiterhin betreuen?“ fragte sie vorsichtig. Bruno nickte. „So sieht es aus.“ Anna deutete ein kleines Kopfschütteln an. Ok, das ist heavy. … aber warum eigentlich Chef-Designerin? Das ist doch Carlas Posten? „Was ist mit Carla? Beschäftigt die sich schon mit ihren Hochzeitsvorbereitungen, oder was macht sie in der Zwischenzeit?“ Sie erschrak ein wenig. Das war wohl eine eher unangebrachte Bemerkung, aber sie spürte Zorn in sich aufsteigen, der an diesem Morgen auf nahrhaften Boden fiel, und sie somit zu dieser unüberlegten Aussage verleitet hatte. Bruno unterzog sie einer intensiven Musterung, und Virgin blies missbilligend die Luft aus. Aber keiner von Beiden sagte etwas, und so konnte sich Anna einfach nicht zurückhalten. „Ist doch wahr, wie soll ich das denn alles schaffen, und welche Aufgaben bleiben dann noch für sie übrig?“ versuchte sie sich zu rechtfertigen. Bruno kniff die Augen zusammen. „Kann das sein, dass sie nicht ganz auf dem Laufenden sind?“ fragte er skeptisch nach, und Anna schaute irritiert zurück. Irgendwie kam sie sich gerade ziemlich verschaukelt vor. „Was meinen sie? Ich dachte, sie bringen mich gerade auf den neuesten Stand. Schließlich war ich letzte Woche nicht hier.“ Bruno und Virgin wechselten einen verwunderten Blick, ehe Virgin mit fast beleidigtem Unterton das Wort übernahm, und nur knapp feststellte. „Carla steht uns zur Zeit nicht zur Verfügung.“ Anna nickte gefrustet, und murmelte vor sich hin. „Wahrscheinlich testet sie schon mal, wohin die Hochzeitsreise gehen soll.“ Virgin warf ihr jetzt einen wirklich pikierten Blick zu aber das wunderte sie gar nicht, schließlich war er ja Carlas Busenfreundin. Bruno allerdings fand ihre Reaktion überaus interessant. „Sie wissen es wirklich noch nicht, oder?“ fragte er nach und Anna runzelte angestrengt die Stirn. Dieses Meeting hier ging ihr ja mal gehörig auf den Zeiger. „Carla hat sich eine Auszeit erbeten, um zu überlegen wie sie weiter machen will, nachdem Tom sich von ihr getrennt hat.“ Er sprach diese Worte gelassen aus und beobachtete genau wie Anna reagierte. Und diese enttäuschte ihn nicht. Sie hatte ihn zwar die ganze Zeit angeschaut, aber bei seinen letzten Worten hatte sie voller Erstaunen die Augen aufgerissen, und binnen einer Sekunde jegliche Farbe aus ihrem Gesicht verloren. Was hat er gerade gesagt? Tom hat den Antrag abgelehnt? Sie war völlig verwirrt. War sie gerade noch leichenblass gewesen, färbten sich ihre Wangen jetzt in ein sanftes rot. „Oh, äh, nein, das wusste ich noch nicht. Entschuldigen sie bitte meine Bemerkung. Das ist natürlich was anderes.“ Verlegen schaute sie auf ihr Hände, die sich ineinander verflochten hatte. Oh Mann Anna, peinlicher geht’s wirklich nicht. „Natürlich werde ich alles tun, um sie bestmöglich zu unterstützen.“ presste sie unsicher hervor. Am liebsten wäre sie unter den Tisch gerutscht um sich von der Bildfläche zu verabschieden. Aber Bruno grinste äußerst zufrieden in sich hinein. Ihre Reaktion sagte mehr als viele Worte.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Mai 26 2013, 15:55

Na endlich Very Happy banana ,ich freu mich juhuuuuu.Danke dir Katha für diesen tollen teil.

Los Anna jetzt aber schnell zu Tom und dann...... Wink .(Ich komme aus der tollen Stadt der

Verlierer von gestern abend crying ). Freue mich schon auf den nächsten teil.

Und wie immer Smile ganz ganz schnell.Lg. Carla

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Mai 26 2013, 21:24

Katha, dass war mal wieder so richtig ein Teil für mich. Die arme Anna, erst ist es nicht ihr Tag und dann wird so auch noch so geschockt. Obwohl darüber kann sie sich ja richtig freuen.

Und der tolle Bruno hat sie wieder genau beobachtet. GRINS.

Und der arme Virgin, er tut mir ja sooo leid, konnte ihn mir richtig gut vorstellen.

Und Tom? Da er ja den Brief gelesen hat und über Annas Gefühle Bescheid weiß, weiß er auch warum es ihr so besch... geht.

Oh man, jetzt wirds richtig spannend.

Katha, aller- allerliebste Katha - kriegen wir dich nochmal rum? Bist auch unsere Beste. Frag Carla, die bestätigt das.

, dass du heute noch einen Teil reinstellen willst. Du bist soooo lieb.

LG Ulmaja
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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Mai 26 2013, 22:40

Mann, Mann, Mann, ihr beide macht es mir echt nicht leicht. Mad Da bin ich doch so gut zu euch, und stelle fast täglich eine Fortsetzung ein, und trotzdem habe ich schon wieder ein schlechtes Gewissen. Rolling Eyes
Aber was soll ich sagen. Das Leben ist halt kein Ponyhof. Weder für mich, noch für euch. Und deshalb sage ich jetzt mal ganz gelassen.
Bleibt cool. Der nächste Teil wird kommen, jedoch nicht heute ... Cool
Um halb 6 klingelt bei uns das erste Mal der Wecker, und daher werde ich mich jetzt schnell ins Bettchen machen. Sleep Ich brauch nämlich meinen Schlaf, sonst bin ich unausstehlich, und wer weiß, was Anna und Tom dann noch alles passiert ... Surprised

Liebe Grüße,
wir schreiben uns morgen. Das ist versprochen super

Katha

Ach so, noch ein paar Worte zum Inhalt.

Ich dachte mir fast, dass euch dieser Teil gefällt. Und endlich seid ihr erlöst. Smile
Ob sich Anna so erlöst fühlt, da bin ich mir noch nicht so sicher. Auf jeden Fall muss sie diese neuen Informationen wohl erst einmal verarbeiten. Und Tom? Da halte ich mich einfach mal zurück. Eigentlich sieht ja alles ganz gut aus.
Mal schauen was passiert ...

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Mai 26 2013, 22:40

Stimmt liebe ulmaja,ich gebe dir sowas von recht.Wir sind uns echt einig gib5 .

Katha du bist einfach super brav . Und bitte bitte Habenwollen

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   So Mai 26 2013, 22:45

Na dann schlaf erst mal schön .Wir wollen ja nicht das was schlimmes passiert.Und du bist ja auch lieb zu uns.Bekommst auch ein paar blumen flowers .Lg.Carla

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mo Mai 27 2013, 21:18

AAAAAAAAHHHHRHHRHRHRG
Ich könnte grad mal ......
Jetzt wollte ich euch gerade den nächsten Teil posten, den ich jetzt eine 3/4 Stunde das gefühlte hundertste Mal überarbeitet habe, und jetzt ist alles weg. - Also die Überarbeitung meine ich.

Sorry Leute, brauch jetzt ein paar Minuten Pause und dann setze ich mich nochmal dran, versprochen!

Bis später

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mo Mai 27 2013, 21:40

Liebe Katha, nicht traurig sein,du schaffst das Wink .Wir glauben an dich Razz

Freu mich schon banana banana Lg. Carla

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BeitragThema: "21"   Mo Mai 27 2013, 22:25

So, und der zweite Versuch. Keine Ahnung ob besser, schlechter oder einfach nur anders ... Na ja, hauptsache, ihr könnt mir folgen.
Und schonmal vorab. Morgen bin ich nicht da. Also wirds auf jeden Fall Mittwoch, wenn nicht Donnerstag, bis ich euch was Neues bieten kann.
*************************************

Bruno hatte sich schon seit freitags so seine Gedanken gemacht. Da war diese überaus interessante Unterhaltung mit Tom gewesen, der plötzlich wie aus dem nichts wieder in Berlin aufgetaucht war, und sich in seinem Büro versteckt hielt. Er hatte sich zwar mit keinem Wort verraten, aber trotzdem hatte Bruno bemerkt, dass sein Sohn reichlich verwirrt war. Ein Tatbestand, der ihn hatte aufhorchen lassen. Er wusste nicht, wann er Tom das letzte mal so erlebt hatte. Seit einer Ewigkeit war es das erste Mal, dass er das Gefühl hatte, dass sein Sohn nicht alles im Griff hatte, und das freute ihn außerordentlich. Im Normalfall funktionierte Tom nämlich wie ein Uhrwerk, was Bruno völlig zuwider war. Es lief alles nach Plan, nach klaren Regeln, Terminen und nach geschäftlichen Interessen. Für die Firma war das natürlich äußerst positiv, aber das Schlimme war, dass auch Toms Privatleben die gleichen Züge trug. Und das konnte Bruno kaum mit ansehen. Tom funktionierte auch in seiner Beziehung, aber eben wie das besagte Uhrwerk, das bekanntlich keinerlei Herz benötigte. Eine traurige Angelegenheit.

Aber dann kam Carlas Antrag, und der winzige Hoffnungsschimmer, der vielleicht in Brunos Herz angekommen war, hatte sofort wieder sein Leuchten verloren. Bruno hätte vermutlich jeden verhöhnt, der in Frage gestellt hätte, dass Tom diesen Antrag annehmen würde. Viel zu deprimiert und hoffnungslos war er, dass Tom doch noch einmal den Weg aus dieser „perfekten Beziehung“ finden würde. Schließlich hatte dieser sich jahrelang dahinter versteckt und keinen Zweifel daran gelassen, dass er es genauso wollte. Eine Beziehung, die ihm nicht allzu viel abverlangte, zumindest gefühlstechnisch. Und Carla hatte es ihm damit ja auch sehr leicht gemacht. Sie hatte sich schließlich immer damit zufrieden gegeben mit ihm zusammen zu sein, ohne dass er tiefe Liebe für sie empfand. Nicht, dass sie sich das nicht gewünscht hätte, aber das Drumherum stimmte, so dass sie sich einredete, dass das Vertrauen, das Tom ihr zumindest oberflächlich zuteilwerden ließ, für eine Beziehung reichte. Und nun hatte sie die Initiative ergriffen sich das zu sichern, was ihr wirklich wichtig war. Die Position an Toms Seite.
Toms Reaktion auf Carlas Frage hatte Bruno wohl irritiert, da es eher untypisch war, dass er die Erwartungen, die Carla an ihn stellte, nicht erfüllte, aber trotzdem sah er seine Befürchtung bestätigt, und nicht nur das. Denn er hatte den Blickkontakt zwischen seinem Sohn und Anna verfolgt und die anschließende Schockstarre Annas realisiert, und damit hatte er jegliche Hoffnung aufgegeben. Er war deprimiert, und gleichsam wütend auf seinen Sohn, der sich selbst die Chance nahm in seinem Leben noch einmal glücklich zu werden. Aber irgendwie wollten ihm seine Gefühle keine Ruhe gegeben. Er konnte, und er wollte das einfach nicht glauben, dass sein Tom, der früher vor Lebensfreude und voller Gefühl gesteckt hatte, wirklich sein Leben lang in einer solchen lieblosen Ehe verweilen wollte. Vor allem nicht, nachdem er scheinbar irgendein inniges Erlebnis mit Anna teilte, das ganz offensichtlich sie, aber auch ihn tief beeindruckt hatte. Bruno war sich sicher, dass sich die beiden, zumindest für einen kurzen Moment auf einer Gefühlsebene begegnet waren, die Tom wohl seit Jahren nicht betreten hatte, und vielleicht war das tatsächlich das lang ersehnte Wunder, das doch Konsequenzen nach sich ziehen konnte.
Am nächsten Tag hatte er es nicht mehr ausgehalten. Er wollte Gewissheit. Also war er zu Tom gefahren und hatte Champagnerflaschen-schwenkend vor seiner Tür gestanden. Und Tom hatte ihn, sehr zu seiner Verwunderung, ohne Murren herein gelassen. Bruno hatte sich seinen Sohn beobachtet, und erstaunt festgestellt, dass dieser bester Laune war. So gut gelaunt, wie lange nicht mehr, und er hatte sich schon fast damit abgefunden, dass Tom mit Carla offensichtlich doch glücklich werden konnte, was ihn aber irgendwie irritierte, da es seinen Instinkten völlig zuwider lief. Tom hatte sich die Flasche geschnappt, ihnen beiden ein Glas eingeschenkt und letztlich, als er sich zu Bruno gesetzt hatte, erklärt, dass er eine gute und eine schlechte Nachricht für ihn habe. Bruno hatte skeptisch abgewartet. „Die gute Nachricht ist, dass ich Carlas Antrag abgelehnt habe und die schlechte, dass wir uns wenn wir Pech haben nach einer neuen Designerin umsehen müssen.“ Tom hatte diesen Satz mit völliger Gelassenheit ausgesprochen, und ihm anschließend zugeprostet. Offensichtlich war er sehr zufrieden mit dem Lauf der Dinge und auch damit, seinen Vater mal in die Sprachlosigkeit geführt zu haben, und dieser hatte sich tatsächlich gefragt, wer dieser junge Mann war, der da vor ihm saß. Denn dem Tom der letzten Jahre sah er so gar nicht ähnlich, also verhaltenstechnisch gesehen, natürlich. Bruno hatte sein bestes gegeben um heraus zu bekommen, was passiert war, aber Tom hatte ihm lediglich erklärt, dass er einfach begriffen habe, das Carla nicht die Richtige für ihn sei. Aber sein Verhalten, das einerseits ungewohnt gelöst wirkte, gleichzeitig aber auch eine ebenfalls ungewohnte Rastlosigkeit aufwies, hatte Bruno trotzdem verraten, dass es da etwas oder jemanden gab, der Tom zu dieser Einsicht verholfen hatte. Und seine Ahnung, die für ihn bereits einen Namen hatte, hatte neues Futter bekommen. Genauso wie gerade durch Annas Reaktion.

„Ok, dann hätten wir das ja geklärt. Ich würde sagen, wir treffen uns um Halb Zwei wieder und sehen uns ihre überarbeiteten Entwürfe an. Außerdem werde ich sie dann in meine Idee einweihen. Und jetzt wartet Tom auf sie. Er wird ihnen erklären, was sie als Chef-Designerin zu tun haben.“ Anna ließ seine Augen erschrocken zu Toms Büro gleiten, holte sich aber schnell wieder zurück ins aktuelle Gespräch und nickte dem Kreativ-Chef mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen zu. Dann verließen Bruno und Virgin, der ihr noch einen letzten tadelnden Blick zuwarf, den Tisch und ließen Anna alleine zurück.

Anna schüttelte völlig ungläubig den Kopf und rieb sich über ihre müden Augen. Gedankenverloren trat sie ans Fenster heran und sah auf den Fluss hinunter, auf dem gerade ein Boot vorbei schipperte, während sie verzweifelt versuchte zu erfassen, was da soeben an ihr Ohr gedrungen war. Ihre Erinnerung flogen zurück zu Freitag, wie Tom plötzlich in ihrem Zimmer gestanden hatte. „Ich wollte persönlich mit dir reden. … Dir sagen, wie meine Antwort auf Carlas Frage ausgefallen ist.“, hat er gesagt, und ich blöde Kuh habe ihn nicht ausreden lassen, habe ihn raus geschmissen. Sie verdrehte stöhnend die Augen, denn ihr war klar, dass sie sich dieses beschissene Wochenende hätte sparen können, wenn sie einfach mal zugehört hätte. Und was bedeutet das jetzt? Trotzdem ist er in Mailand einfach abgehauen? erinnerte sie sich selbst an diese äußerst schmerzhafte Erfahrung. Ja, und dafür ist er am Freitag extra zu dir gekommen, und hat versucht mit dir zu reden, reagierte sogleich eine kleine Stimme in ihrem Kopf. Da wurde sie durch Virgins Stimme aus ihren Gedanken gerissen, und hätte sich am liebsten in Luft aufgelöst. In diesem Fall konnte sie sein beleidigtes Gehabe ja fast verstehen. War nicht schön, wenn die beste Freundin so abserviert wurde. Und dann mache ich auch noch so doofe Kommentare, schimpfte sie mit sich. Warum hat mir denn auch keiner was erzählt? Scheinbar wussten es doch schon alle? Dann wäre mir zumindest diese Peinlichkeit eben erspart geblieben.
Na, die Frage konnte sie sich schnell beantworten. Sie hatte ihr Handy nämlich das ganze Wochenende aus gehabt und keinen zu sich gelassen. Also, wer hätte es ihr erzählen können. Als sie sich gerade ein weiteres Mal eine dumme Kuh schallte, machte es „Buh“ hinter ihr, und sie schoss wie von der Tarantel gestochen herum. „Hast du sie noch alle!“ fuhr sie ihre beste Freundin an, die der Versuchung nicht hatte widerstehen können, sie zu erschrecken. Paloma grinste von einem Ohr zum anderen. „Einen schönen Guten Morgen,“ flötete sie gut gelaunt. „Ich habe dich heute ja noch gar nicht gesehen. … Und das gerade war dafür, dass ich mir am Wochenende Sorgen um dich gemacht habe. Warum hast du dich nicht mal gemeldet?“ Palomas Augen waren prüfend auf Anna gerichtet, aber diese schüttelte nur den Kopf. „Sorry, mir war einfach nicht danach“, antwortete sie entschuldigend, „Und eines kann ich dir sagen. An diesem Morgen hier, ist nichts gut. Ich habe verschlafen, mir vermutlich meinen kleinen Zeh gebrochen, meinen Kaffe aufs T-Shirt geschüttet, anstatt ihn zu trinken und mich gerade vor Bruno und Virgin total zum Affen gemacht.“ Sie verdrehte genervt die Augen. „Und jetzt werde ich das peinlichste Gespräch meines Lebens führen müssen.“ Sie warf einen kurzen Blick in Richtung Toms Büro und stellte erschrocken fest, dass der am Fenster stand und sie offensichtlich beobachtete. Ihr Herz, das sich nach dem Schreck wegen Palomas Spaß, gerade wieder beruhigt hatte, schlug ihr sofort wieder bis an die Rippen. Schnell wendete sie sich ab, und murmelte, „Oh Mist, er wartet wirklich auf mich.“ Sie klopfte Paloma, die sie nur fragend ansah, auf den Arm und sagte. „Wünsch mir Glück, wir reden später, ja?“ Sie lächelte noch einmal qualvoll , ehe sie in Richtung Toms Büro davon ging.

Tom hatte Anna seit ihrer Ankunft im Lanford-Gebäude kaum aus den Augen gelassen, war er doch so unendlich aufgeregt. Ein Gefühl, das ihn eigentlich begleitete, seit er sich freitags auf den Weg zu ihr gemacht hatte, aber seit dem Moment, in dem er den Brief in Annas Zimmer gelesen hatte, ständig auf Höchsttouren lief. Ja, er wusste, dass die Worte nicht für seine Augen bestimmt gewesen waren, und er hatte auch irgendwie ein bisschen ein schlechtes Gewissen, aber endlich hatte seine Vermutung eine Bestätigung bekommen. Nicht nur er kam nicht mehr von Anna los, sondern umgekehrt war es genauso. Tief in seinem Inneren hatte er es gewusst, spätestens seit diesen innigen Momenten am Mailänder Dom. Aber er hatte die Gewissheit einfach beiseite geschoben und sich seinen Sicherheitsanker herbei geholt. Und kurzzeitig hatte er sich einreden können, dass er damit so weiter machen konnte, wie vor den Gesprächen mit Anna, wie vor den vertrauensvollen Momenten mit ihr, wie vor ihrem Kuss und den Gefühlen, die sie in ihm heraufbeschworen hatte. Er hatte daran festgehalten, sein Leben einfach weiterleben zu können, und auch als Carla ihm den Antrag gemacht hatte, war für ihn schnell klar gewesen, dass er ihn annehmen würde. Auch wenn nicht mit voller Überzeugung und feuriger Liebe im Herzen.
Aber dann hatte er Anna gesehen, und es war für ihn, als hätte sich ein Schalter umgelegt. Plötzlich wusste er, dass er es nicht konnte. Er konnte nicht ignorieren was passiert war, sich nicht einfach von Anna abwenden und Carla sein Ja-Wort geben.
Um es Carla zu erklären, und ein wenig Schadensbegrenzung zu betreiben, war er mit ihr von der Bühne Lanfords abgetreten. Er hatte ihr in Zweisamkeit versucht zu sagen, was sie für ihn gewesen war. Das er ihr unendlich dankbar war, dass sie ihn die letzten Jahre begleitet hatte, aber dass es ein Fehler wäre, wenn sie heiraten würden, weil er ihr nicht geben könne, was sie verdient hatte. Was jeder Mensch verdiente. Aufrichtige Liebe. Und war dieses Gespräch auch hart gewesen, weil er damit ja nicht nur den Antrag abgelehnt, sondern ihr gleichzeitig auch die Beziehung aufgekündigt hatte, war er trotzdem erleichtert gewesen als es vorbei war. Beschwingt, aber auch unendlich nervös, hatte er sich auf den Weg gemacht Anna von seiner Entscheidung zu erzählen. Er wusste, dass sie vermutlich nicht gut auf ihn zu sprechen sein würde, schließlich hatte er sie tags zuvor einfach stehen lassen. Sich einfach wortlos von dannen gemacht, aber er war trotzdem guter Dinge zu ihr geeilt. Und dann hatte sie ihn nicht zu Wort kommen lassen und ihn rausgeschmissen. Er wäre fast verrückt geworden, hatte riesige Angst gehabt, dass er bereits alles vermasselt hatte, bevor überhaupt wirklich was zwischen ihnen entstanden war, und vermutlich wäre er in tiefer Trauer und Verzweiflung versunken, wenn da nicht dieser Brief gewesen wäre.
Und seither, hatte er sich in tausend Varianten ausgemalt, wie sie doch noch zueinander finden könnten. Und nun war es soweit. Sie würden wieder aufeinander treffen, und er hatte dummerweise keine Ahnung wie er sich verhalten sollte. Er wusste drei Dinge. Anna würde mittlerweile Kenntnis davon haben, dass er nicht verlobt war, und auch keine Freundin mehr hatte, Anna empfand etwas für ihn, und er selbst war hoffnungslos in sie verliebt. Aber wie sollte er mit diesem Wissen umgehen? Er stand nervös an der Fensterwand seines Büros und beobachtete Anna, während er immer noch darüber nachdachte. Aber leider kam er zu keinem Schluss. Als Anna schließlich für einen kurzen Moment in seine Richtung schaute, und sich ihre Blicke trafen, wusste er, dass sie in Kürze in seinem Büro stehen würde, und sein Herz setzte sogleich zu einem Belastungstest unter Maximalbedingungen an. Er setzte sich auf seinen Platz, der ihm immer eine gewisse Sicherheit gab, und holte einige Male tief Luft, um sich zu beruhigen. Oh Gott, ich bekomm bestimmt kein Wort raus, dachte er verzweifelt, und hilflos holte er seine Geschäftsführermaske heraus, hinter der seine Unsicherheit hoffentlich verborgen blieb.

Anna realisierte erleichtert, dass Tom vom Fenster verschwunden war, als sie in seine Richtung ging. Denn unter seinem Blick wäre sie wohl schon vor ihrer direkten Begegnung zu einer Wichtelfigur zusammengeschrumpft. Sie umrundete die Glaswand, zögerte dann kurz, als sie vor seiner Bürotür stand, ehe sie vorsichtig klopfte. Sogleich wurde sie hereingebeten. Anna betrat das Büro und begrüßte Tom mit einem knappen „Da bin ich.“ Sie traute sich kaum ihn anzublicken, so wurde sie von ihrem schlechten Gewissen gequält. Und ihre Verunsicherung, wie sie seinen Besuch bei ihr Zuhause im Nachhinein bewerten sollte, trug auch nicht gerade zu einer offensiven Vorgehensweise bei.
„Hallo“ begrüßte Tom sie freundlich, und wies ihr höflich sich hinzusetzen. Er betrachtete sie einen Moment, während Anna sich damit beschäftigte, die richtige Sitzposition zu finden. Sie sieht genauso nervös aus, wie ich mich fühle, ging es ihm durch den Kopf. Aber da er selbst nicht mit der Tür ins Haus fallen und ihr sofort und unmissverständlich seine Liebe gestehen wollte, was er sich wohl auch gar nicht getraut hätte, blieb er bei seiner Taktik, das Berufliche in den Vordergrund zu stellen.
„Und, hat der Informationsfluss funktioniert?“ fragte er deshalb nach. Annas Gesicht schoss in die Höhe und sie sah ihm einen Moment in seine völlig nüchtern dreinblickenden Augen. Sie verstand die Spitze nur zu gut, und vermutlich hatte sie sie auch verdient, trotzdem traf es sie, dass er das Gespräch so begann, führte es ihr doch sogleich vor Augen, welchem Trugschluss sie seit Tagen erlegen war, und wie verletzt er sein musste, nachdem sie ihm so wenig vertraut hatte. Sie schüttelte knapp den Kopf. „Nicht wirklich, aber Bruno hat mich aufgeklärt,“ antwortete sie, konzentriert darauf ihre Scham nicht zu sehr zur Schau zu tragen. „Gut, dann habe ich nur noch eine Frage, bevor wir zu deinen neuen Aufgaben kommen.“ Er wartete darauf, dass Anna ihn ansah und fragte dann, ohne eine Regung zu zeigen. „Duzen oder Siezen wir uns in Zukunft? Ich möchte dir nicht noch einmal zu nahe treten.“ Innerlich unter Hochspannung stehend, sah er Anna ganz ruhig an, und Anna schrumpfte unter seinem Blick immer mehr zusammen. Er war förmlich, höflich, kühl, all das was man ihm nachsagte, und was sie so gar nicht an ihm mochte, und sie war sich sehr wohl bewusst, dass sie es dieses Mal gewesen war, die diese Maske herauf beschworen hatte. Schließlich hatte sie ihn bei seinem Besuch beharrlich gesiezt und ihn vor die Tür gesetzt. „Wir können gerne beim Du bleiben“, sagte sie leise, während sie sich weiterhin damit beschäftigte, wie sie ihre Finger am effektivsten verknoten konnte. Erneut warf sie ihm einen kurzen Blick zu und registrierte erleichtert, dass er sich ein wenig zu entspannen schien. Und sie hatte recht. Tom hätte sich bei seinen einleitenden Worten, die ihm einfach so über die Lippen geflohen waren, selbst in den Hintern treten können. Auch wenn sie eine kleine Retour-Kutsche vielleicht verdient hatte, wollte er ihr doch gar nicht weh tun, oder sie auflaufen lassen. Schließlich war er ja nicht unschuldig an dem was passiert war. Na ja, und die Frage nach dem Duzen oder Siezen war wohl eher seiner eigenen Unsicherheit entsprungen. Nicht der, wie er sie in Zukunft ansprechen sollte, denn für ihn war klar, dass er Anna duzen würde. Aber wie sah sie das? Würde sie auch jetzt, nachdem sie wusste, dass er sich nicht verlobt hatte, noch diese Distanz fordern, die sie mit dem Sie ganz offensichtlich wieder hatte herstellen wollen?
Er war erleichtert, dass sie es nicht tat, und dass damit zumindest die größte Hürde aus dem Weg geräumt war. Denn jetzt war er sich sicher. Sie würden wieder miteinander reden können. Tom spürte, dass er erst einmal einen Moment brauchte um sich wieder zu sammeln und auch Anna machte den Eindruck, dass sie die Situation ganz schön mitnahm. Also begab sich Tom auf die Arbeitsebene und begann Anna darüber zu informieren, welche Aufgaben sie als Chefdesignerin zu erledigen hatte, und Anna versuchte sich auf den Inhalt seiner Worte zu konzentrieren, was ihr allerdings ganz schön schwer fiel. Überhaupt hatte sie jetzt schon das Gefühl, dass dieser Tag nie enden würde.
„Wenn du noch Fragen hast, können wir später gerne noch einmal sprechen, aber jetzt muss ich mich dringend um den ganzen Kram hier kümmern“, beendete Tom seine Ausführungen und lächele Anna dabei endlich wieder auf diese Art an, die Anna an ihm liebte. Die Kälte war gewichen. Einen Moment sahen sie sich stumm an, und spürten beide, wie sich unangenehme Spannung zwischen ihnen aufbaute, die wohl ihrer ungeklärten Situation geschuldet war. Annas Gesicht wurde von einer Hitzewelle ergriffen, und völlig überfordert nahm sie schnell die Unterlagen, die Tom ihr überreicht hatte, und floh aus seinem Büro.

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mo Mai 27 2013, 23:03


Liebe Katha , danke für diesen schönen teil .Finde es süß wenn die beiden so unsicher

sind Embarassed .Oh man jetzt sooooo lange warten ,bis ein neuer teil kommt ich fall

um Shocked Surprised . Wünsche dir aber trotzdem tolle Tage crying



Bis dann und liebe Grüße Carla

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Mai 29 2013, 00:27

Jaaaaaaaaa, Bruno wie ich ihn liebe. Katha, du bekommst ihn so gut hin !!! Seine Beobachtungsgabe - herrlich.

Dann die zarte Annäherung der Beiden, wenn auch mit aufgestellter Fassade beiderseits, so süß (duzen oder siezen wir uns, I love you).

Danke liebe Katha für den super-tollen-megalangen-Teil. Damit hast du dir EINEN Tag Auszeit verdient. Siehst du das Wort mit den Großbuchstaben?

Ganz lieben Gruß Ulmaja
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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Mai 29 2013, 22:13

@ Carla
Lieben Dank Carla!
Ja, so richtig wissen die beiden noch nicht wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Mal sehen, wie und wann sie zueinander finden.

Na ob die Tage toll waren, weiß ich nicht. Aber auf jeden Fall waren sie ausgefüllt. Und darum komme ich auch gerade erst dazu den Rechner mal wieder anzumachen.
Liebe Grüße!!!


@ Ulmaja
Jaaaa Ulmaja, da hast du recht. Bruno ist schon ein Guter ... brav
Und die Annäherung war tatsächlich sehr zart, wie ich meine Rolling Eyes Also diese Frage mit dem Duzen oder Siezen ... . Ich finde, das war schon ein bisschen Holzhammer, und ich kann mir vorstellen, dass Anna ganz anders reagiert hätte, wenn sie nicht gerade so ein schlechtes Gewissen gehabt hätte ...

Auf jeden Fall lieben Dank für deinen Kommi.
Ich befürchte allerdings, dass ich die Auszeit verlängern muss. Bin noch nicht so weit schmoll .

Auch dir ganz liebe Grüße,
Katha

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Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
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Carla3939

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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Mi Mai 29 2013, 23:26


Ohhhhh schade das es noch nicht weiter geht No .Aber wir müßen uns wohl etwas

in Geduld üben. Aber dann wird der nächste teil bestimmt wieder toll Rolling Eyes , und schön lang

banana .Dir auch liebe Grüße,Carla

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"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
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ulmaja



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BeitragThema: Re: AnTom "Entscheidungen" (Kurz-FF)   Do Mai 30 2013, 01:23

Liebe Katha,
mach dir keinen Stress und lass dich von mir nicht hetzen. Ich weiß, was du für uns tust und das es manchmal einfach nicht möglich ist, weiterzuschreiben. Ich meine es aber immer nur gut, damit du spürst, wie sehr ich mich über eine Fortsetzung freue.

Jetzt aber genug Geschwafel, also mach hine und du solltest mal deine Augen überprüfen lassen. Irgendwie verdrehen die sich in letzter Zeit öfter ( ) .

Einen ganz lieben Gruß - Ulmaja
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katha

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BeitragThema: "22"   Fr Mai 31 2013, 09:25

So, meine Lieben. Da bin ich wieder. Und jetzt ist die Fortsetzung auch so, dass ich sie selbst gut finde . Ich hoffe, euch gefällt sie auch, und versüßt euch ein wenig den wieder mal verregneten Tag. Langsam wird es echt langweilig übers Wetter zu sprechen. Ich glaube, ich lass das in Zukunft mal.
Liebe Grüße!
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Nachdem Anna Toms Büro verlassen hatte, blieb sie einen Moment neben seiner Bürotür stehen, und atmete einige Male tief durch. Sie war froh, diese erste Begegnung mit Tom überstanden zu haben, auch wenn sie immer noch nicht wusste, wie sie weiter mit der Situation umgehen sollte. Sie war verwirrt, verunsichert, spürte Scham, aber auch Hoffnung. Eigentlich wünschte sie sich Zeit. Zeit zum nachdenken und Zeit um wieder zu sich selbst zu finden. Denn war sie heute Morgen doch mit klaren Vorsätzen hergekommen, hatten die neuen Informationen wieder einmal alles in ihr auf den Kopf gestellt. Anna versuchte ihre wirre Gefühlswelt auf Seite zu schieben und sich auf ihren Job zu konzentrieren, denn eigentlich hatte sie gerade gar keine Zeit über Tom und sich selbst nachzudenken, und vielleicht war es ja auch gut, erst einmal alles sacken zu lassen.

Tom ging es nicht viel anders. Auch er stieß erst einmal die Luft aus, als Anna den Raum verlassen hatte. Die größte Nervosität war zwar verschwunden, nachdem er ihr jetzt endlich wieder gegenüber gestanden hatte, aber es hatte ihn auch wirklich einige Kräfte geraubt. Er war so froh, dass Anna ihn nicht noch einmal hatte auflaufen lassen, auch wenn er das eigentlich nicht ernsthaft erwartet hatte. Aber trotzdem war da ein letztes Rest an Angst geblieben, schließlich war eine Anna Broda ja nie wirklich berechenbar gewesen. Warum sollte das plötzlich anders sein.
Er schob seine Stuhl zurück und schüttete sich an seinem Sideboard ein Glas Wasser ein, dass er langsam austrank, während er das Gespräch noch einmal Revue passieren ließ. Na ja, wirklich diplomatisch war er wohl nicht gewesen, und wirklich aufrichtig auch nicht, ... aber andererseits hatte er auch nichts gesagt, was gelogen war oder die Situation verschlimmert hätte, und das war ja schon fast positiv, so verunsichert wie er war. Und nun musste er wieder arbeiten, und er war schon jetzt überfordert davon, dass sich Anna dabei in seiner unmittelbaren Nähe befinden würde. Er warf einen Blick durch die Glaswand seines Büros und beobachtete Anna, die sich gerade an ihrem Schreibtisch einrichtete. „Ich bin mir sicher, dass du mir was bedeutest. Dass du mir viel bedeutest. Verdammt, dass ich mich Hals über Kopf in dich verliebt habe, um genau zu sein.“ Diese Worte aus Annas Brief, hatten sich tief in Toms Kopf eingebrannt. Er hatte sie wohl schon hundertfach durch seinen Kopf ziehen lassen, und jedes einzige Mal hatte sein Herz mit einem kleinen Hüpfer einen überzeugenden Spurt eingeleitet, von dem er sich erst wieder erholen musste. Und auch jetzt ging es ihm nicht anders. Sein Herz schlug ihm bereits wieder bis zum Hals. Das Schlimme war, dass er auch wenn er wohl sicher sein konnte, dass es stimmte, da er es ja aus ihrer eigenen Feder erfahren hatte, völlig ideenlos war, wie er sich ihr nähern sollte ohne etwas falsch zu machen. Seine starken Gefühle, die sein Leben plötzlich total auf den Kopf stellten, waren immer noch so neu nachdem er sich jahrelang völlig davon distanziert hatte. Und auch wenn er mittlerweile nicht mehr daran zweifelte, ob er sie wirklich leben wollte, schien es, als habe er völlig vergessen, wie man damit umging. Er hatte einfach wahnsinnige Angst es zu vermasseln. Deshalb überlegte er ob er vielleicht Anna den ersten Schritt tun lassen sollte? Eigentlich war sie die kampflustige von ihnen Beiden. Aber Freitag hat sie mich einfach ziehen lassen. Da war auch nichts von Kampf zu spüren gewesen. Na ja doch, Kampf gegen mich, aber nicht um mich, überlegte er skeptisch, ob er sich auf ihre Tatkraft wirklich verlassen sollte. Aber sie hat gegen dich gekämpft um dich glücklich werden zu lassen, sie hat es aus Liebe getan ... na ja, und wohl auch um sich selbst zu schützen, erinnerte ihn seine aufsässige Stimme im Kopf, und sogleich klopfte sein Herz wieder gegen seine Rippen. Aber gerade war sie auch nicht gerade forsch, dann hätte sie doch jetzt durchblicken lassen können ... kamen gleich wieder die Zweifel zum Zuge, die aber sofort wieder niedergerungen wurden. Mann Tom, in Anbetracht der aktuellen Lage war ihr Verhalten wohl nicht verwunderlich. Sie hat doch offensichtlich gerade erst erfahren, dass du frei bist ... So ging es noch eine ganze Weile in Toms Kopf hin und her, bis er sich letztlich kopfschüttelnd wieder seinem Schreibtisch zuwendete und damit einen Blickkontakt mit Anna verpasste, in deren Kopf eine ähnliche Diskussionsrunde abgehalten wurde, wie in seinem.

Und so zog der Tag dahin. Beide vergruben sich tief in ihrer Arbeit, um ihre Gedanken und Gefühle beiseite zu schieben, und außerdem die Anforderungen zu erfüllen, die an sie gestellt wurden. Oder sie versuchten es zumindst.
Anna hatte es bis mittags tatsächlich geschafft ihre Entwürfe fertig zu stellen, und Gott sei Dank hatte sie von Bruno die Absolution dafür bekommen, denn danach ging es ja sogleich weiter. Bruno war so aufgeregt wegen seiner neuen Kollektion, dass Anna sich sicher war, dass sie einer Umsetzung seiner Gedanken schnell auf die Spur kommen sollte, um nicht seinen Unmut auf sich zu ziehen. Denn meist war es so, dass er irgendwann plötzlich vor einem stand und schon mal einen Eindruck gewinnen wollte. Und wenn man da nichts vorzuweisen hatte,… oh, oh.
Also war es schon später Nachmittag, als sie ihre Zeichenstifte beiseite legte, und sich einen Moment Pause gönnte. Sogleich richtete sich ihr Blick auf Toms Arbeitsplatz, den sie die letzten Stunden relativ erfolgreich ignoriert hatte. Aber der Ausblick enttäuschte, denn das Büro des Junior-Chefs lag verwaist vor ihr. Hat er nicht gesagt, wir könnten später noch mal reden?, dachte sie enttäuscht, denn sein Büro sah nicht so aus, als wäre er nur mal eben im Haus unterwegs. Aber ehe sich ihr Frust vertiefen konnte, wurde sie von Paloma aus ihren Gedanken gerissen. „Hey Süße, ich habe dir was zu essen mitgebracht, und ich bestehe darauf, dass du jetzt mit mir eine Pause machst.“ Anna sah erstaunt in Palomas strenge Augen, die sich unbeugsam auf sie gerichtet hatten, und Anna war natürlich klar, dass es Paloma nicht nur darum ging, sie gut versorgt zu wissen. Erst wollte sie abwehren, aber nachdem sie einen weiteren Blick in das leere Büro vor sich geworfen hatte, willigte sie schließlich ein. Vielleicht war es ja wirklich an der Zeit, sich jemandem mitzuteilen. Also schenkte Anna ihrer Freundin einen versöhnliches Lächeln und setzte sich mit ihr an die Sushibar, die um diese Uhrzeit kaum noch besucht war. Paloma plapperte sofort drauf los, und berichtete, dass Carla sich wohl sehr theatralisch von ihrem Virgin verabschiedet hatte, um in einen Erholungs- und Wiederfindungsurlaub auf die Seychellen zu entschwinden. Erst als sie Annas sehr zurückhaltende Reaktion darauf bemerkte, verstummte sie, und drängte ihre Freundin endlich mal zu erzählen, was sie eigentlich plötzlich für eine seltsame Beziehung zu dem Junior-Chef hatte. Sie war ja schließlich nicht zu blöd um zu merken, dass da war vorgefallen war. Anna begann zögerlich davon zu erzählen, warum sie sich doch entschlossen hatte nach Mailand zu fliegen, nachdem sie doch eigentlich von dieser Reise hatte zurücktreten wollen, und nach und nach sprudelte es nur noch aus ihr heraus. Anna erzählte Paloma endlich was sich in Mailand zugetragen hatte, und wie es um ihre Gefühle stand. „Wow,“ war erst einmal die einzige Reaktion, die Paloma hervorbrachte. Ihre Augen waren im Laufe von Annas Erzählungen immer größer geworden. Auch wenn sie eine Ahnung gehabt hatte, dass irgendetwas vorgefallen sein musste, dass es sich um solch intensive Auseinandersetzungen, und solch intensiven Gefühle drehte, war jetzt doch eine Überraschung für sie. Aber sie freute sich, da es da doch scheinbar eine kleine Chance gab, ihre beste Freundin bald wieder glücklich zu sehen. Denn jetzt hatte auch die Antragspleite von Carla irgendwie einen Sinn. Sie strich Anna mitfühlend über den Arm und fragte vorsichtig. „Und was hast du jetzt vor?“ Anna schüttelte hilflos den Kopf. „Ich weiß es nicht. Paloma, ich schäme mich so. Ich trau mich kaum ihn anzusehen. Tom hat doch allen Grund sauer zu sein, und außerdem weiß ich immer noch nicht, was er für mich empfindet. Dass er sich von Carla getrennt hat, heiß ja nicht automatisch, dass er mit mir zusammen sein will.“ Paloma wiegte ihren Kopf hin und her. „Na ja, nicht automatisch. Aber warum hätte er sonst zu dir kommen sollen, um dich über seine Entscheidung zu informieren?“ Anna schüttelte erneut verzweifelt den Kopf. „Aber selbst wenn, ich habe ihn total auflaufen lassen. Und außerdem, weiß ich denn, ob er sich wirklich darauf einlassen kann? Diese Situation in Mailand war so krass, es tat so weh, als er einfach weggerannt ist. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal aushalte.“ Paloma betrachtete ihre Freundin aufmerksam, und schüttelte skeptisch den Kopf. Sie kannte ihre Freundin, und sie würde sich nicht damit zufrieden geben, wenn Anna einen Rückzug machen wolle. Sie hatte immer an die Liebe geglaubt und dafür gekämpft, und sie, als ihre beste Freundin, würde nicht zulassen, dass sie ihre Ängste in den Vordergrund stellen würde, und sich damit die Chance nahm wieder glücklich zu werden. „Bist du dir denn sicher? Liebst du ihn?“ fragte sie deshalb sehr direkt nach. Weniger, um selbst eine erneute Bestätigung zu erhalten, als mehr, um es Anna noch mal aussprechen zu lassen. Anna ließ ihren Blick zu Toms Büro gleiten, und dachte an die letzten Tage zurück, und ein kleines Lächeln erschien auf ihren Lippen. Die berührenden Momente mit ihm, hatten eindeutig den Sieg davon getragen. Dann wendete sie sich wieder Paloma zu und sah ihr ernst in die Augen. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals, „ja, ich liebe ihn.“ Jetzt lächelte Paloma zufrieden, und nahm Annas Hände in die ihren. „Dann muss ich dir wohl nicht sagen, was du zu tun hast. Das weißt du selbst am besten.“ Annas Blick war immer noch skeptisch, aber sie schenkte Paloma ein schräges Lächeln und hob ihre Brauen in die Höhe. „Ich sollte wohl mit ihm sprechen, oder?“ Paloma bestätigte die Worte ihrer Freundin mit wissendem Lächeln. Dann nahm sie Anna in den Arm. „Du schaffst das!“, flüsterte sie ihr aufmunternd ins Ohr, ehe sie Anna alleine ließ, die durch dieses Gespräch tatsächlich ein wenig Optimismus und Mut gefasst hatte.

Tom hatte sein Arbeitspensum im Gegensatz zu Anna gar nicht in den Griff bekommen. Er hatte schon am Wochenende unter der Ungewissheit gelitten, wie es für ihn weitergehen würde. Einerseits war er erleichtert, ja, wie befreit von seiner Entscheidung, sein Leben nicht länger mit Carla zu teilen, aber jetzt wollte er auch voran schreiten. Er wollte leben, er wollte lieben ... um es kurz zusammenzufassen, er wollte Anna. Und dieses Gefühl hatte sich am heutigen Tag noch verstärkt. Immer wieder waren seine Augen wie ferngesteuert zu ihrem Tisch gewandert, und er hatte das Gefühl, dass seine Sehnsucht und seine Unruhe sich bei jedem Blick auf ihre hübsche Gestalt potenzierten. Er würde mit ihr sprechen müssen, denn er würde diese schwebende Situation nicht lange aushalten, das war ihm schnell klar. Aber er wusste, dass dieses Gespräch hier im Atelier und während der Arbeitszeit keinen Platz hatte. Außerdem blieb nach wie vor seine Sorge, Anna zu überrumpeln, nachdem in den letzten Tagen doch so viel passiert war. Also zwang er sich immer wieder zur Arbeit, bis er nur einige Minuten später das nächste mal an ihrem Anblick festhing. Nachmittags hatte er dann irgendwann kapituliert. Vielleicht war es gut, dass Anna da gerade im Gespräch mit seinem Vater war, denn ansonsten hätte er sie vermutlich in sein Büro gezerrt und einfach mit einem Liebesgeständnis überfallen, aber so hatte er sich am Riemen gerissen, und hatte sich bei Frau Hauschke für den Rest des Tages abgemeldet. Er musste sich bewegen, die Spannung abbauen, die ihn schier zu zerreißen drohte, und da ihm die innerliche Entspannung schon nicht zu Teil wurde, entschloss er sich letztlich, den Weg der Befreiung über seinen Körper zu suchen.
Das war endlich eine Idee gewesen, die funktionierte. Gerade sank er völlig erschöpft auf den Boden und steckte seinen Kopf zwischen seine Beine, die er mit seinen Armen umschlungen hielt. Er hatte jetzt fast zwei Stunden trainiert. War Seil gesprungen, hatte Sit ups und Liegestütze bis in hohe zweistellige Bereiche gemacht, nur um anschließend wie ein wilder auf einen unschuldigen Boxsack einzuprügeln, und nun ging nichts mehr. Sein Körper schmerzte, sein Puls jagte durch seinen Körper, sein Kopf dröhnte vor Anstrengung, war aber ansonsten völlig leer. Es fühlte sich gut an. Er ließ sich auf den Rücken fallen und wartete, bis sich zumindest seine Atmung wieder beruhigt hatte, dann stand er auf und stellte sich unter die heiße Dusche.
Eine halbe Stunde später betrat er immer noch erschöpft aber so frei im Kopf, wie seit mehreren Tagen nicht mehr, das Atelier. Er hatte das Gefühl in dieser Verfassung endlich die liegen gebliebene Arbeit erledigen zu können und somit auch die Wartezeit bis zum nächsten Tag, an dem er seine Anna endlich wieder sehen könnte, zu verkürzen. Denn die Hoffnung, dass er des nachts tatsächlich schlafen würde, hatte er fast aufgegeben.
Aber die Annahme wirklich zum Arbeiten zu kommen, war ein Trugschluss, denn als er das Atelier betrat und elanvoll in sein Büro gehen wollte, wurde er sogleich gebremst. Leise Musik drang an sein Ohr. Er verharrte in der Bewegung und sah sich verwundert um, denn eigentlich hätte das Atelier um diese Uhrzeit leer sein sollen. Und dann sah er Anna. Sie saß am Konferenztisch. Vor ihr lagen jede Menge Unterlagen verteilt. Offensichtlich versuchte sie sich gerade durch die Listen, Tabellen und Bestellungen zu arbeiten, die er ihr morgens in die Hand gedrückt hatte. Sein Herz ließ den Motor sogleich aufheulen, und seine Atmung wurde flach. Da war sie wieder, die gerade so mühevoll verdrängte Nervosität. Aber vielleicht war es ja ein Wink des Schicksals, dass sie sich hier noch einmal trafen, ganz allein. Los, nutz die Chance, rief ihm sein Verstand zu, und aus Angst wieder einer langen Diskussionsrunde beiwohnen zu müssen, deren Ergebnis eh nicht lohnenswert war, schritt er entschlossen in Annas Richtung. Während er sich ihr näherte schnappte er einige Worte des Songs auf, den Anna leise mitsang. „Wovon sollen wir träumen? … Woran können wir glauben? ... Was kommt und bleibt? … Wo sind wir Zuhaus?“ Es waren Fragen, nur einige von vielen Fragen, die er im Text aufschnappte, er kannte das Lied nicht, und auch den den wirklichen Sinn des Textes nicht, aber augenscheinlich war die Sängerin auf der Suche. Ähnlich wie er, vielleicht auch wie Anna? Da musste er lächeln, denn eine positive Woge Optimismus überrollte ihn. Ja, ein Zuhause, dass ist es was ich suche, und du wahrscheinlich auch. Und wir werden es finden. Gemeinsam … wenn du es zulässt. Plötzlich drehte sich Anna um, und Tom blieb fast das Herz stehen, als er in ihre weit aufgerissenen, wunderschönen grünen Augen sah.

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