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 Die letzte Kritik

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Sonnenschein
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BeitragThema: Die letzte Kritik   So Jul 08 2012, 14:30

[…]Wir fliegen mit einer Lichtgeschwindigkeit von über 100 km/h durch das Weltall zum Mond. Dort machten wir uns vor Aufregung fast steif auf die Suche nach den Mondsteinen[...]Ich konnte es noch lange danach nicht fassen. Wir waren am Mond gewesen und der Beweis stand in unserem Wohnzimmer. Fein säuberlich geputzt sah er mich an, der Mondstein, ein imposantes Gebilde, wie er doch war.

Ulrike öffnete mit laut pochendem Herzen ihren E-Mailposteingang. Es war schon der gefühlt hundertste Tag seit sie ihrer Lektorin ihr neuestes Werk geschickt hatte. Diesmal war sie sich ganz sicher ein imposantes Fantasy Werk geschaffen zu haben. Ihre Gedanken schweiften ab, während der Computer den Posteingang auf den neuesten Stand brachte und so sah sie sich schon von Menschenmassen umschwärmt, Autogramme schreibend und von Jubelrufen eingehüllt bei einer Lesung sitzen. Ein Gefühl der Wärme scharwenzelte liebevoll um das Kribbeln in ihrer Bauchgegend herum. Endlich war der Aktualisierungsvorgang abgeschlossen und das herbeigesehnte Mail strahlte ihr entgegen. Ulrikes Finger zitterten vor Aufregung, ihren Herzschlag lokalisierte sie in der Nähe ihres Kehlkopfes. Bedeutungsschwanger schloss sie für einen Moment die Augen und sog die Luft in einem theatralischen Zeremoniell ein und geleitete sie unter einem ebenso inszenierten Seufzer wieder aus ihrem Körper heraus. Schließlich strich sie sich noch ein paar wenige verirrte Haarsträhnen aus der Stirn ehe sie ihre rechte Hand auf die Maus absenkte und die besagte Mail anklickte. Es dauerte einige Sekunden bis der vollkommene Inhalt vor ihren Augen erschien. Ulrike schnaufte ein weiteres Mal tief durch und begann schließlich zu lesen.

Liebe Ulrike,
Du weißt ich schätze dich als Freundin wirklich sehr, aber was ist mir dir in letzter Zeit los.
Es tut mir aufrichtig Leid, dir, dass sagen zu müssen, aber so eine verdorbene Hühnersuppe in Worten, habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Willst du, dass mir sämtliche Gehirnzellen absterben oder wieso zwingst du mich, mir einen solchen literarischen Hundefladen zu Gemüte zu führen. Was hast du dir dabei nur gedacht? Jeder Satz klingt als hätte ihn irgendein talentloser, unqualifizierter Penner verfasst, der in einem durchnässten Karton am Kiez sein Leben fristet und dieser Geschichte unter dem Einfluss von einer zu großen Menge an Diskountwein aus dem Tetrapack das Leben geschenkte.
Ich hielt dich bisher eigentlich immer für eine fähige Autorin, aber diesen Status ruinierst du seit Monaten äußerst erfolgreich.
Liebe Grüße und in der Hoffnung bald etwas Wertvolleres von dir zu Lesen
Simone


Wie paralysiert schaltete Ulrike den Bildschirm aus und starrte auf die schwarze Fläche. Sie zitterte am ganzen Körper, das elende Bild wurde schließlich noch vom klappern ihrer Zähne untermalt. Es herrschte eine gespenstische Stimmung in ihrem Arbeitszimmer, einzig die vorsichtig durch die Bäume blinzelnde Sonne erschuf einen Rettungsschimmer in der Stunde der Nacht, in dem sie ihr Licht vorsichtig in das Rauminnere schickte. Es waren zwar nur winzige Schattenwesen die die wenigen Sonnenstrahlen an die Wand mahlten, doch sie untermalten die vorherrschende Stimmung perfekt. Ulrike saß einfach nur regungslos in ihrem Sessel, ehe sie sich schließlich zaghaft erhob und in Richtung der abwärts führenden rundläufigen, hellbraunen Holztreppe wankte. Sie stützte sich auf den Handlauf und stieg vorsichtig in den Parterre hinab, während Ulrikes Gesichtszüge stumme Laute der Verzweiflung formten. Was soll ich denn noch tun? Täglich fische ich neue Ideen aus meinem Gehirn, probiere jedes Mal ein anderes Genre aus, doch in den letzten Monaten kann ich es ihr einfach nicht mehr recht schreiben. Irgendetwas hat sie immer gestört, aber das heute, sprengt dem Fass den Boden weg...verdorbene Hühnersuppe in Worten...dabei war ich so sicher gewesen, endlich wieder einmal eine Top Story geliefert zu haben. Die Kombination aus der Reise zum Mond, der Suche nach dem Mondstein, der ungewohnten Umgebung,...ich dachte wirklich das es interessant wäre, da diese Welt uns Menschen grundsätzlich verborgen ist. Traurig ließ sie ihren Körper auf die vorletzte Treppenstufe niedersinken. Sie fühlte sich von Tag zu Tag nutzloser und die Hoffnung doch wieder zur längst verlorenen Hochform zurückzufinden schwand, während der Misserfolg stetig wuchs, man könnte es mit dem prachtvollen gedeihen einer gut gedüngten Topfpflanze gleichsetzen.
Allmählich fühlte sie sich wie ein Indianer in der Wüste. Ich war doch immer berühmt dafür, dass ich den ungebildeten Phantasten eine Welt eröffnen kann, die sie ohne mich nie kennenlernen würden, doch was ist plötzlich los? Kann man diese Fähigkeiten wirklich verlieren? Ulrike wurde langsam zum Flussbett ohne Wasser, das getragen von der schier unendlichen Trockenheit im wasserlehren Raum zu ertrinken drohte. Wozu soll ich noch gut sein, wenn meine Geschichten nur noch aus leeren Worten bestehen. Damit bin ich doch wie ein Ferrari ohne Pferd auf der Kühlerhaube. Würde dieses Auto ernsthaft so einen Wert bei der Bevölkerung haben stünde Dacia vorne drauf? Mal ehrlich von ein paar Vorstadtproleten mit Goldkettchen, Bierbauch und offenem Hawaiihemd abgesehen, wohl kaum. Langsam stand Ulrike wieder auf, ihre Knie glichen einer neuen Puddingsorte und ihr Kopf schien es anzustreben als neue Apfelvariante Karriere zu machen. Sie fühlte die Hitze gemischt mit der Angst auf ihren Wangen pulsieren. Das schreiben ist doch mein Leben, wovon soll ich also leben, wenn mir das Leben unter den Beinen wegschwimmt. Müll einsammeln vielleicht. Ich hab doch nichts gelernt! Mein Talent ist doch mein einziges Kapital. Ulrike lehnte sich mit dem Kopf an die Küchentüre. Das Holz fühlte sich hart an und schmerzte auf ihrer Stirn. Getragen von Selbstzweifeln, Existenzängsten und weiteren Freunden der Probleme lehnte sie schließlich da. Wie soll das alles bloß weitergehen? Doch plötzlich erhellte sich ihr düster gewordenes Gehirn mit einer neuen Idee.
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katha

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BeitragThema: Re: Die letzte Kritik   Di Aug 21 2012, 20:48

Hallo meine Liebe,
diese Worte habe ich bislang schändlicherweise wohl völlig übersehen, Rolling Eyes
Aber sie bilden einen wirklich interessanten Beginn einer Geschichte, die mehr verspricht. Wink Kommt da noch was?

Liebe Grüße
Katha

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Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Die letzte Kritik   Di Aug 21 2012, 21:00

Oha, ich schließe mich Katha an. Diese Story hab ich auch noch nicht entdeckt. Ist aber wunderbar geschrieben, umso mehr schäme ich mich, dass ich sie bisher nicht gesehen habe Rolling Eyes Smile

_________________
„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
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Sonnenschein
Admin
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BeitragThema: Re: Die letzte Kritik   Di Aug 28 2012, 13:36

Danke euch beiden. Schändlicherweise habe ich sie auch vergessen, aber wenn ich mal Zeit finde. Ja, dann kommtnoch was.
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juli_95

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BeitragThema: Re: Die letzte Kritik   Mi Sep 12 2012, 19:03

die ist so wunderschön und ich hoffe es geht irgendwann mal weiter, denn so eine geschichte kann man einfach nicht offen lassen Wink
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Die letzte Kritik
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