SCHREIBERTREFF
Noch kein Mitglied?
Dann werde doch eines - ganz bequem, einfach und kostenlos registrieren

SCHREIBERTREFF

GRÜSS EUCH , 'Liebe Tastentalente und Buchstabeninhalierer!!! Wir freuen uns,dass du unseren SCHREIBERTREFF besuchst. Viel Spaß und Herzliche Grüße - Das Administratorenteam!
 
StartseitePortalFAQAnmeldenLogin

Austausch | 
 

 Gefangen im Schein

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
Mini_2010

avatar

Anzahl der Beiträge : 804
Anmeldedatum : 04.07.12

BeitragThema: Gefangen im Schein   Mo Jul 09 2012, 14:03

Gefangen im Schein

Die Luft sirrt vom Klang der Grillen. Es ist spät am Nachmittag, die Sonne steht bereits tief, aber noch hoch genug, sodass ihr Antlitz noch nicht von den wunderschönen orange-rötlichen Tönen verhüllt ist. Die Luft riecht frisch nach frühem Sommer und spätem Abend. Ich habe mich im Gras niedergelassen, wie jeden Abend um diese Zeit. Die Beine an meine Brust gezogen und die Knie mit den Armen umschlungen warte ich auf dich. Den Kopf in den Nacken gelegt, richte ich meinen Blick auf das weitausladende Blätterdach über mir. Sanft wiegt es sich im Wind, schickt glitzernd die Sonnenstrahlen auf mein Gesicht. Ich schließe die Augen und lächle, während ich gebannt dem Wechselspiel aus Licht und Farben hinter meinen Lidern folge. Vögel zwitscherten in den Bäumen, ihr Gesang mischt sich in meine Gedanken, die so weit weg driften, dass die Umgebung für einen Augenblick aus der Welt gleitet. So weit, dass ich das Meer rauschen hören kann, der Geruch ferner Länder in meine Nase dringt. Ich bin frei. Weißt du noch, damals? Erinnerungen. Ein schönes Gefühl, an dem man sich von Zeit zu Zeit laben kann. Wertvoll dann, wenn sie einem den Blick auf die wahre Welt verschleiern. Nur ganz kurz … nur einen Moment … bis die Realität wieder präsent ist. Nein, nicht die Augen öffnen, jetzt noch nicht … Nun noch ein bisschen … nur noch ein kleines bisschen träumen. Ich lächle wieder, als ich spüre, wie die Realität wieder davon gleitet. Ich hasse sie. „Da bist du ja endlich …“, wispere ich leise. Tränen treten aus meinen Augenwinkeln, laufen meine Wangen hinab. Ich wische sie nicht fort, will den Moment nicht zerstören, der mir so heilig ist, … der mich so glücklich macht. Ich atme leise, fokussiere deine Gestalt vor meinen Augen. Du lächelst, streckst die Hände nach mir aus. Ich tue es dir gleich. „Ich liebe dich.“, höre ich dich flüstern. Gerade will ich dir antworten, als plötzlich ein Geräusch die Stille zerreißt. Die Vögel über mir flattern aus den Baumkronen auf. Die Szenerie vor meinen Augen zersplittert. Ich spüre, wie die Realität mich gewaltsam zurückreißt, wie mir das Herz schwer wird, mich Kälte umfängt. Nur widerstrebend öffne ich die Augen. Der Duft von Gras erfasst meine Sinne, das Zirpen der Grillen. Die Sonne ist tiefer gesunken, berührt nun den schweren schwarzen Stein und bildet eine rötlich-goldene Aura, in dessen Mitte das Dunkel durch geschwungene Buchstaben unterbrochen ist, die vereint, deinen Namen malen. Ich ziehe die Beine enger an meinen Körper, schlinge meine Arme fester um meine Knie, aus Angst auseinanderzufallen. Den Kopf auf meine Knie gebettet, wiege ich mich vor und zurück, ohne dich aus den Augen zu lassen. „Hallo, mein Liebling.“, flüstere ich leise. Und wieder einmal entbrennt in mir der Wunsch, du würdest antworten, mich in deine Arme nehmen und mir sagen, dass alles gut wird. Doch das wirst du nicht. Niemals mehr. Denn du bist fort … weit fort … und hast alles mit dir genommen, was mir so wichtig war. Deine Stimme … dein Lächeln, … deine Wärme, … dein wundervolles Wesen und deine grenzenlose Liebe. All das hat mich am Leben gehalten. Und nun bist du weg ... Doch ich bin hier bei dir. Und wenn ich die Augen schließe, bin ich dir ganz nah. Ich lasse dich nicht gehen. Niemals. Meine Erinnerungen halten uns am Leben, in unserer kleinen Welt gefangen, … weit entfernt von jener trostlosen Realität, in der mir nur dein Name in einem kalten Stein geblieben ist.

ENDE

***************************************
Nach oben Nach unten
Sonnenschein
Admin
avatar

Anzahl der Beiträge : 306
Anmeldedatum : 10.06.12

BeitragThema: Re: Gefangen im Schein   Mo Jul 09 2012, 19:49

WOW, diese Gesichichte hast du so wunderschön geschrieben...einfach großartig, wenn der Inhalt auch traurig ist. Mini, du bist wirklich ein Genie !
Nach oben Nach unten
http://schreibertreff.forumkostenlos.com
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Gefangen im Schein   Mo Jul 09 2012, 19:53

Deine Geschichte ist echt super, auch wenn der Inhalt traurig ist...
Mini, bitte bald mehr davon Wink
Nach oben Nach unten
Staffi_94

avatar

Anzahl der Beiträge : 104
Anmeldedatum : 02.07.12

BeitragThema: Re: Gefangen im Schein   Mo Jul 09 2012, 20:23

Eine sehr berühende Geschichte...wunderschön traurig und einfühlsam. Naja, eine typische Mini-Geschichte eben....was die Qualität angeht, natürlich.

LG Staffi Smile
Nach oben Nach unten
Mini_2010

avatar

Anzahl der Beiträge : 804
Anmeldedatum : 04.07.12

BeitragThema: Re: Gefangen im Schein   Mo Jul 09 2012, 21:46

Danke, Danke, Danke ... Diese Szene kam mir heute ganz spontan in den Sinn. Hab wohl heute ein wenig meinen Sentimentalen Wink
Nach oben Nach unten
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: Gefangen im Schein   

Nach oben Nach unten
 
Gefangen im Schein
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
SCHREIBERTREFF :: KREATIVES SCHREIBEN :: Emotionen-
Gehe zu: