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 Der Alptraum den man Leben nennt

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Sonnenschein
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Anzahl der Beiträge : 306
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BeitragThema: Der Alptraum den man Leben nennt   Mo Jun 25 2012, 18:11

Diese, wie auch die meisten andren Gesichten von mir sind lediglich ein Anfang und keineswegs abgeschlossen.

Der Alptraum den man Leben nennt

Jana sitzt wie schon so oft im Wohnzimmer auf dem Sofa , der Radio spuckt im 3-minuten-Takt verschiedene Rock und Poplieder aus und Jana starrt ausdruckslos auf die gegenüberliegende weiße Wand deren rote und graue Verzierungen an die unzähligen ohne Bedacht ausgeführten Gelsen und Mottenmorde des vergangen sommers erinnern. Sie verleihen dem sonst so langweiligen Zimmer einen gruseligen Teint, ja beinahe gespenstisch.
Jana, die ihre Beine angewinkelt hat und ihre beiden Arme vor der Brust wie in einer Abwehrhaltung verschränkt hat, wirkt nach außen ruhig, gelassen, eben nur ein wenig verträumt, doch in ihrem innern sie es völlig konträr aus. Man könnte ihre Gefühlslage mit der eines Vulkanes vergleichen, der kurz vor einem Ausbruch steht.
Sie hat eigentlich nur einen einzigen Gedanken.

Silke rennt gerade durch die bis obenhin mit Lebensmitteln verbarrikadierten Regalreihen von Interspar als würde sie für einen Marathon trainieren. Die Leute an denen sie vorbei kommt sehen sie alle schief an, denn sie sehen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht jeden Tag eine Frau mit einer rosaroten, flatternden, Knöchelkurzen Hochwasserhose, orange Flip-Flops und einem umstandkittelähnlichen weißen fast durchsichtigen Zotten, der so manchem Putzfetzen eine starke Konkurrenz wäre mitten im Oktober in einem Supermarkt.
Ihr ist es ziemlich schnuppe wie sie aussieht, ihre Gedanken kreisen nämlich nur um ihr beschissenes Leben, dessen Sinn sie schon lange nicht mehr zu erkennen vermag.
Ach wie sie das alles hasst, sie könnte eigentlich immer fort heulen, denn immer muss sie alles alleine machen, immer muss sie für diese verkommende Brut von hirnlosen Tachinierern, Wapplern und anderwärtig abtrünnigen Exemplare der Gattung homo sapiens den Karren aus dem Dreck ziehen, während ihr ach so edler Gatte in Wien „urlaubt“.
Silke hat auf all die Fragen die ihr schon die Vorstufe von Migräne verschaffen keine Antworten, sie stellt sie die Fragen immer und immer wieder doch will sie keine Lösung finden, warum sie sich um alle Handwerker kümmert und sich dabei die Zehen abfriert, warum sie diesen verschissenen Haushalt führen muss und sich dann auch noch Gedanken um ihre Tochter machen muss, deren Verstand und deren Intelligenz zur Zeit anscheinend einen Kurzurlaub auf den Bahamas verbringen, ja als hätte sie nicht schon genug Sch**** am Hals, muss dieser blöde Saufratz sich auch noch weigern in die Schule zu gehen und alles nur weil irgend so eine hirnamputierte Eigenbrötlerin ihr das eingeredet hat.
Ich bin in Pension und trotz dem ist das einzige was ich im Moment mit Sicherheit habe der Stress, aber wie geht das, es sagen doch alle, ja sogar meine eigene Tochter das ich einen größeren Vogel habe als der Mount Everest hoch ist.
Da kann doch irgendetwas nicht stimmen.

Das laute Klingeln des Telfons reißt Jana aus ihren Gedanken und lässt sie erschrocken aufhorchen. Zuerst will Jana gar nicht ran gehen, da ihr die Angst im Nacken sitzt es könnte ihr KV sein, der unbedingt wissen will, ab wann mit ihr in der Schule wieder zu rechen sei, Jana hätte schon eine Antwort drauf aber die Kommt zwar tief aus ihrem inneren jedoch würde ihre Mutter sie dafür erwürgen, wie würde das denn aussehen, was soll den die Verwandschaft denken, dann werden ja auf einmal alle sagen Jana ist zu blöd für alles und die Geschichte aus der Volkschule war nicht gerechtfertigt, da ja meine Cousine viel besser und intelligenter ist als ich. Die Tränen die ihr bei diesen Gedanken in die Augen kamen, wischte sie schnell und entschlossen weg. Es läutete noch immer, das Telefon wollte nicht aufhören zu scheppern also entschließt sich Jana doch ab zu nehmen. Langsam und den Körper starr voller Anspannung in der Angst vor dem Anrufer schlich sie mit laut bochendem Herzen und einem Verdammt mulmigen Gefühl in der Magengegend in Richtung Vorhaus wo das klingelnde Ding seinen Stammplatz hatte.
Mit zitternden Händen und fast in Zeitlupe hebt Jana den Hörer aus der sicheren Halterung im geschützten Umfeld des restlichen Telefons und lässt ihn noch langsamer an ihr Ohr gleiten.
Zuerst bekommt sie überhaupt keinen Laut heraus, doch dann überwindet sie sich doch dazu auch wenn nur mit Piepstimme ein zaghaftes „Ja Bi-tt-e“ in den Hörer zu piepsen. Ein Vogel hätte an diesem Tonfall seine wahre Freude gehabt. Die Stille am anderen Ende der Leitung lässt sie beinahe zu einer Granit-Litfasssäule werden, doch das späte zaghafte „ Halooo“ verhinderte dies in letzter Sekunde. Denn diese Stimme gehörte ihrer Freundin Karin, es kam fast Freude in ihr auf, die aber mit wenigen Worten gleich wieder zu nichte gemacht werden sollte, denn das erste was Karin Jana frage war nichts anderes als, wann sie endlich wieder in die Schule käme. Hatte die echt nichts andres in ihren hohlen Birne oder was? Jana wusste nicht recht was sie antworten sollte, also stotterte sie irgendeinen Bullshit zusammen, der weder glaubwürdig noch deutsch war, jedoch besser als die Wahrheit, denn die versteht ein Mensch der solche Fragen als erstes stellt sowieso nicht. Leider verstand sie dies genauso wenig wie Jana selbst als begann Jana erneut an einer geeigneten Antwort zu tüfteln, es fiel ihr nichts Besseres ein, als ihr einfach ihr Befinden zu schildern. Wie gesagt so ausgeführt, aber anstatt aufmunternder Worte erntete Jana von Miss Oberstreber nur ein verständnisloses und genervt wirkendes: Also, ich würde wegen ein bisschen Kopfweh nicht zu Hause bleiben.
Mit einem kurzen und leicht beleidigten „Ich muss jetzt aufhören, Tschüss“ mit diesen Worten beendete Jana das sinnlose Telefonat.
Als sie den Hörer wieder auf die Gabel gelegt hatte über bricht ein übermächtiger Heulkrampf über Jana herein, ungefähr so wie das schlechte Wetter über den Großglockner.

Als Silke die Einkäufe ihrer Mutter bringt, öffnet diese ihr die Tür. Ihr Anblick ist ein Graus, denn ihr Outfit besteht aus einer knöchellangen, schlabberigen Jogginghose und einem geblümten fürchterlich ausgeleierten Viskose T-Shirt ganz zu schweigen von ihrem Gesichtsausdruck, der pure Hilflosigkeit widerspiegelte und Silke daran erinnerte was sie an ihrer Mutter Maria am meisten liebte, denn dabei verließ Marias Mund den ursprünglichen Platz vergleichbar mit einem Camper der sein Zelt ein Stück weiter Fluss aufwärts aufschlägt nach dem er 3 Wochen an der anderen Stelle gezeltet hat.
Die Wut stieg in ihr hoch, sie wusste nicht warum aber irgendetwas an diesem begeierten Gesichtsausdruck in der mit Falten, roten Flecken sowie leichtem schwarzen Bartwuchs auf der Oberlippe dekorierten Visage ihrer Mutter löste in Silke den Drang aus, ihr auf der Stelle eine Links und eine Rechts hinein zu hauen. Vielleicht war es die Tatsache das ihre Mutter, seit Silke im Dorf als hochgefährliche Irre den Bekanntheitsgrad von Angelina Jolie in der Welt hatte , diese hauptberuflich als Blutegel mit unstillbarem Durst auf den kostbaren und nur begrenzt zur Verfügung stehenden roten Saft ihrer Tochter Silke fungiert.
Toller Job wenn man bedenkt das sie in ihrem Leben nie einen ausübte.
Silke kommt sich neben ihr so klein vor, so hilflos, weil sie es mit ihrer emotionalen Erpressung immer wieder schafft Silke dazu zubringen sie mit essen zu versorgen, sie mit ihrem Erbe dazu bringt sie immer wieder anzurufen, ihre Quarglerei anzuhören.
Silke denkt sich nun wieder ein mal ob das alles was sie Tag täglich erlebt und erledigt überhaupt noch ein Leben ist , ob das alles ihr Leben ist.
Silke fragt sich wo nur all ihre Träume, ihre Wünsche, ihre Bedürfnisse, ihr Leben hingekommen sind, sie können sich doch nicht so in Luft aufgelöst haben wie alle Autoabgase und selbst die tun es nicht.
Silke weiß das sie jedoch keine Chance hat, sich auf die Suche nach all dessen zu begeben, deshalb fühlt sie sich jeden Tag leerer, denn jeden verdammten Tag holt jemand aus ihr etwas heraus, aber niemand gibt ihr dafür etwas zurück , ungefähr sowie ein Kürbis zu Halloween, nur das innen das Teelicht fehlt, denn Lichtblick gibt es in ihrem Leben schon lange keinen mehr.

Janas Augen schmerzen von den vielen Tränen die in den letzten Minuten über sie auf die glühenden Wangen und später auf das blassgraue alte verwaschene T-Shirt geronnen sind. Aber nicht nur an diesen Stellen hat die seelische Verfassung sichtbare Spuren hinterlassen sondern auch in ihrer so schon sehr geschundenen Seele, einer Seele die durchaus mit den Unterarmen einer sich selbst verletzenden Person verglichen werden kann, denn in ihr muss man ebenso lange und mit Argusaugen eine Stelle die noch keine Narbe ziert suchen. Jana kommt sich momentan vor als würde sie in einem Horrorfilm die Hauptrolle spielen, doch ein Blick aus dem riesigen Küchenfenster das einen Ausblick auf die Straße bietet lässt diese Hoffung gleich wieder zu Staub zerfallen, denn da kommt ihr Lehrer mit dem Fahrrad getreten, eigentlich mag Jana diesen Lehrer, aber momentan ist bringt sie alles was, sei es auch nur im entferntesten mit dem Wort SCHULE verbunden, zum weinen, denn es zwingt sie unwiderruflich an das Leben außerhalb dieses abgeschirmten und ihr Wut aber auch Glück bescherenden Kerkers, der ihr in Zeiten der psychischen Not ein sehr fähiger Zufluchtort ist.
Seine Mauern sind dick, sie sind kalt, sie sind in ihrer Vorstellung einfach Undurchdringlich als würde draußen vor dem Tore ein Wache stehen und jeden der es wagt ihre heile Welt zu betreten und somit zu zerstören den Kopf abschlagen- Kopf abschlagen, ja das würde sie jetzt auch gerne vielleicht würde es Jana dann besser gehen, wenn all die Stifter ihrer Seelennarben wüssten was es bedeutet schmerzen zu haben, doch so schnell Jana dieser Gedanke gekommen war, so schnell verwarf sie ihn wieder, den diese Taten würden sie daran hindern ihren einzig wahren einzig richtigen Traum den sie je hatte und den sie seit Jahren in ihrem geschundenen Herzen Tag für Tag, Stunde für Stunde mit sich herum trägt, der ihr Freude schenkt, aber auch Angst und Schrecken beschert, sie unter Druck setzt ihr die Luft zum atmen stiehlt, ihre oft sehr spärliche Fantasie anregt. Aber ihre Fantasie ist es auch die ihr hilft ihre Wut in Worte zu fassen, ihre Träume in bildliche Wahrnehmungen zu verwandeln, sowie des Weiteren ihre Ängste zu schrumpfen und ihren Hass in Mitleid zu verwandeln.
Es hilft ihr ebn ihre geträumten Träume in lebendige Situationen zu verpacken ohne damit auf Widerstand, Ablehnung, Kritik etc. zu stoßen, denn ihre Fantasie schenkt ihr die Fähigkeit all diese ohne Worte und große Taten in ihrem Kopf zu einer Geschichte zu verarbeiten, die ihr tagtäglich hilft das alltägliche Leben zu überstehen ohne zum Mörder, Schläger oder Amokläufer zu werden.
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