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 AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"

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katha

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BeitragThema: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Jul 20 2012, 23:31

das Eingangsposting lautete :

Hallo,
diese FF habe ich bereits einmal in einem anderen Forum eingestellt, so dass sie vielleicht beim dem ein oder anderen bereits bekannt ist. Aber ich denke, sie passt gut in den Reigen, der hier aufgeführten FFs und ich freue mich, sie hier (sprachlich ein wenig überarbeitet) noch einmal zu posten.

Vorlauf
Der Titel sagt bereits worum es geht. "Anna und die Liebe" hat uns mit Anna und Tom bekannt gemacht, die es beide in der Vergangenheit schwer getroffen hat. Tom hat seine große Liebe Fanni vor einigen Jahren bei einem Unfall verloren und nun trifft er auf Anna, die nach dem Unfalltod ihres Mannes, völlig am Ende ihrer Kräfte, auf dem Dach eines Hochhauses steht, um sich das Leben zu nehmen. Die Beiden erleben einen Moment des Einvernehmens, der sie fesselt und Anna letztlich von ihrem Plan abbringt.
Danach laufen ihre Wege in die gleiche Richtung. Zumindest verlieren sich Anna und Tom nicht mehr aus den Augen. Nach einigen ereignisreichen Monaten, in den es viel Verwirrungen, Missverständnisse, Streit aber eben auch immer wieder einvernehmlich vertraute Moment zwischen Beiden gibt, passiert es schließlich. Tom und Anna verbringen eine wunderbare Nacht mit einander. Die Folge ist, dass Tom Anna sitzen läßt und versucht sie weit von sich zu schieben. Er will sich nicht auf sie einlassen, nicht auf seine Gefühle einlassen, da er Angst hat erneut einen Verlust erleiden zu müssen. Also beschließt er sich hinter einem geregelten Leben mit einer anderen Frau zu verstecken. Carla. Tom fragt Carla, Annas größte Widersacherin, sowohl privat als auch beruflich, ob sie seine Frau wird und diese sieht sich endlich an dem Ziel ihrer Träume angekommen. Für Anna jedoch bricht eine Welt zusammen. Tom bietet ihr einen Aufhebungsvertrag an um sie aus seinem Dunstkreis zu vertreiben. Denn insgeheim weiß er nicht nur wie sehr er Anna mit seiner Entscheidung verletzt hat, sondern auch, wie schwer es ihm fallen würde, sie weiterhin in seiner Nähe ertragen zu müssen. Es scheint also, als würden sich ihre Wege hier trennen...

Einstieg in die Geschichte:

Meine Story beginnt, nachdem Carla die Verlobung mit Tom bei Lanford öffentlich bekannt gegeben hat. Anna ist verzweifelt aus dem Atelier geflohen und auf das Dach gestiegen, auf dem sie Tom das erste Mal begegnet ist. Dem Dach, das ihr gemeinsamer Ort ist. Tom ist Anna gefolgt, und hat ihr gerade gesagt, dass er ihr einen Aufhebungsvertrag anbietet.
******************************************

Teil 1

Anna brauchte einige Zeit um zu realisieren, was Tom ihr da gerade gesagt hatte. Ich bedeute ihm was? Und, er weiß wie sehr er mich verletzt hat, dass ich nicht lache. Dieser Arsch, er ist doch zu mir gekommen, er hat mich geküsst, und jetzt… heiratet er Carla. …Das ist noch das Schlimmste. Diese unterkühlte, intrigante Kuh. Ich kenne keinen Menschen, der gehässiger ist als sie. Sie wendete endlich den Blick ab, der immer noch auf den Treppeneingang gerichtet war, in dem Tom vor einiger Zeit verschwunden war.
Wie soll ich das nur aushalten? Ich muss noch ein halbes Jahr bleiben. Das wird die Hölle. Langsam machte auch sie sich auf den Weg zum Treppenhaus. Sie hatte Paloma versprochen gleich wieder ins Atelier zu kommen. Annas Schritte waren schleppend, wie ihre Gedanken und Gefühle. Sie schwankte zwischen Traurigkeit, Wut und Verzweiflung. Jeder Schritt zurück ins Atelier kostete sie unendliche Überwindung.

Als sich die Aufzugtür öffnete, hoffte Anna nur, dass sie nicht allzu vielen Kollegen über den Weg laufen würde. Vor allem nicht Carla oder Tom. Sie steuerte direkt auf ihren Schreibtisch zu. Ein Umschlag lag auf ihrem Tisch. Erst jetzt fiel ihr wieder ein, was wahrscheinlich der eigentliche Grund für Toms Auftritt auf dem Dach war. Der Aufhebungsvertrag, den er ihr anbot. Zu gütig dachte sie „Eine halbe Millionen, soviel bin ich dir also wert. Da wirst du die Nacht sicherlich noch länger verteufeln. War ganz schön teuer“ zischte sie vor sich hin. Auch wenn Tom es ihr, oder vielleicht doch eher sich selbst, mit diesem Vertrag leichter machen wollte; er erniedrigte sie.
Eigentlich bin ich ja kein Typ, der sich kaufen lässt, aber weiterhin her kommen und dem jungen Glück beim Turteln zusehen,... Carlas hämisches Grinsen ertragen müssen, …und Tom jeden Tag sehen „Scheiße" entfuhr es ihr und in Gedanken fügte sie hinzu, Ich liebe ihn doch.

Anna schaute kurz in Toms Büro, in der eine hitzige Diskussion zwischen Vater und Sohn zu beobachten war. Ob es da wohl um mich geht? Bruno ist sicherlich nicht erbaut, dass ich gehe… Gehe ich wirklich? Ich arbeite doch gerne für Bruno, gerne für Lanford, und jetzt… Es war ein heilloses Durcheinander in ihrem Kopf.
Als sie aus dem Augenwinkel sah, dass Carla auf sie zu steuerte, nahm Anna ihre Tasche und den Umschlag mit dem Vertrag und ging geradewegs zum Aufzug. „Anna, ich wollte gerade mit ihnen über das Brautkleid sprechen“ hörte sie noch, als sie auch schon in den Aufzug trat, der sich Gott sei dank direkt geöffnet hatte. Gut das ich der noch entkommen konnte. Wahrscheinlich hätte ich sie in meiner Verfassung erwürgt, ... Na ja, dann wäre ich wenigsten ein Problem los gewesen, …hätte mich aber wohl auch nicht weiter gebracht, dachte sie und lehnte sich müde an die Wand.
---------------

Tom und Bruno sprachen natürlich über Anna. Bruno schätzte ihre Arbeit und außerdem hatte er einen 7. Sinn wenn es darum ging seinen Sohn zu durchschauen. Und er war sich sicher den Grund für Toms Angebot zu kennen. "Warum lässt du Anna gehen? Wir brauchen sie hier. Sie ist gut!" fragte Bruno Tom verärgert. Tom wusste, dass er recht hatte. Aber es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ich kann sie hier nicht täglich sehen dachte er, mit aller Macht an seiner Entscheidung fest haltend. "Und Carla? Du bist sicher, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast?" kam eine weitere unangenehme Frage bei Tom an. "Ja natürlich, ich liebe Carla." versuchte er Bruno, oder vielleicht auch sich selbst zu überzeugen. Bruno beobachtete ihn eine zeitlang und schaute ihn nur abschätzig an. "Ja genau. …Hauptsache du kannst dir bei deinen Lügen noch selbst in die Augen sehen." brummte Bruno und verließ das Büro.
Was denkt der sich eigentlich? Er hat doch schließlich eine Entscheidung von mir verlangt.Toms Blick wanderte suchen zu Annas verwaistem Schreibtisch. Er spürte, bei dem Gedanken, dass sie dort vielleicht nie wieder sitzen würde, einen Stich in seinem Herzen. Er wusste ,dass Bruno recht hatte. Es war eine Lüge. Aber ich kann das nicht zulassen. Ich kann Fanni nicht verraten, und ich will nicht noch mal so verletzlich sein. Er drehte sich entschlossen um. Hoffentlich geht sie auch wirklich, sonst..., nein verdammt, ich habe mich entschieden, und basta.

Als Anna in die Goldelse kam, schaute ihre Mutter sie verwundert an. „Du bist ja heute so früh? Ist alles in Ordnung?“ Anna hatte keine Lust auf Smalltalk und so sagte sie nur schnell. „Ja, alles gut. Ich bin einfach nur total müde. Ich geh hoch.“ In ihrem Zimmer angekommen, setzte sie sich in ihren Sessel am Fenster. Sie ließ die letzten Tage Revue passieren. Einen kurzen Moment stiegen die Bilder der gemeinsamen Nacht mit Tom in ihr auf. Sie verstand es einfach nicht. Wie kann man nur in so kurzer Zeit so glücklich und so verzweifelt zugleich sein? fragte sie sich, Na ja, wer hoch steigt, kann auch tief fallen. Ich sollte mich einfach von allen Männern fern halten. Sie bringen mir scheinbar kein Glück dachte sie deprimiert. Ihre Wut war auf einmal einer tiefen Leere gewichen, die sie umhüllte. Sie saß einfach da und starrte vor sich hin. Keine Gedanken, keine Gefühle mehr. Ihr war es recht.
Irgendwann klopfte es an der Zimmertür, und sie sagte herein. Anna blieb sitzen und dachte gar nicht darüber nach, wen sie wohl herein gebeten hatte. Sie schaute verwundert nach draußen. Sie nahm erst jetzt wahr, dass scheinbar viel Zeit vergangen war, denn die Straßen, auf die sie immer noch schaute, lagen mittlerweile im Licht der Dämmerung. Als sie plötzlich eine wohlbekannte Stimme ihren Namen sagen hörte, sprang sie erschrocken auf.


Zuletzt von katha am Sa Feb 09 2013, 21:12 bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Aug 27 2012, 22:08

Mini_2010 schrieb:
*heul* Oh mann, ich liebe diesen Teil *schnief*
Armer Tom, aber er tut das Richtige, trotz dieser Selbstgeißelung. Und am Ende wird er sich hoffentlich besser fühlen.
Danke meine liebe Katha für dieses wunderbaren Zeilen ... Smile

Ob ich dich gerne zum Schniefen bringe Question Surprised
Ja, ich bringe dich gerne zum Schniefen Wink

Danke fürs Kompliment Smile

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Aug 27 2012, 23:26

"23"

Carla war nach ihrem Termin mit Bruno wütend von dannen gezogen. Für einen kurzen Moment hatte sie die Hoffnung gehabt, dass er Verständnis für ihre Situation zeigen würde. Schließlich war es sein Sohn, der sie so aus der Fassung brachte. Aber nicht die Spur von Mitleid oder Entgegenkommen. Angebrüllt hatte er sie, vor der kompletten Belegschaft. Sie sollte sich ein Beispiel an Anna nehmen. Das waren die schlimmsten Worte, die er ihr hätte sagen können. Den ganzen Tag hatte sie Anna beobachtet. Diese selbstvergessene Art, wie sie zufrieden und offensichtlich effektiv an ihrer Kollektion arbeitete hatte ihre schlechte Verfassung, die mit ihrem höllischen Kater begann und mit Toms Abgang den Tiefpunkt erreichte, unaufhörlich genährt. Und dann hatte Bruno Annas Kollektion auch noch in den Himmel gelobt und diese für die Fashion Days auserkoren, während sie selbst völlig abgekanzelt wurde.
Ich soll mir ein Beispiel an Anna nehmen, an diesem kleinen, selbstverliebten Miststück? Sie hätte Anna gerne eigenhändig erwürgt, aber das wäre für ihre berufliche Karriere wohl wenig ratsam gewesen. Sie ertrug die Situation und den Anblick ihrer verhassten Kollegin einfach nicht mehr, und bevor sie sich doch noch zu einer Handlung hinreißen ließ, die strafrechtlich verfolgt werden könnte, verließ sie das Atelier um wieder durchatmen zu können und einen Plan zu schmieden, wie sie ihre Reputation wieder herstellen konnte.

Da Carla noch nicht nach Hause in die leere Wohnung gehen wollte, führte sie ihr Weg in die Ego-Bar, wo sie Virgin traf. Spontan kam ihr eine Idee. Sie setzte sich zu ihm an die Theke „Virgin?“ sprach sie ihn in lieblich säuselnden Ton an. Dieser schenkte ihr, immer noch eingeschnappt , lediglich einen kurzen Seitenblick. Zum einen, hatte er ihr immer noch nicht verziehen, dass sie ihn wegen Anna so angefahren hatte und was noch viel schlimmer war, sie hatte Bruno enttäuscht, und das konnte er am wenigsten verzeihen. „Was willst du?“ fragte er spitz. „Du bist doch mein bester Freund, oder?“ Virgin war ein grundgütiger Mensch und so knickte er bei ihren Worten gleich wieder ein. Carla und er kannten sich schon seit einer Ewigkeit und er mochte die Brünette Designerin wirklich gern. Aber trotzdem wollte er nicht so schnell klein beigeben. Immer noch ein wenig beleidigt sagte er „Was willst du von mir?“ Carla setzte einen theatralisch leidenden Gesichtsausdruck auf. „Du musst mir helfen. Du hast ja eben gesehen, ich bekomme gerade keinen einzigen Entwurf hin. Meine Kreativität liegt am Boden.“ Virgin schaute erstaunt auf. Normalerweise war Carla immer von sich überzeugt, egal ob es angemessen war oder nicht. Also zeugte ihr Eingeständnis von wirklich tief empfundenen Vertrauen in ihn, oder aber sie war tatsächlich sehr verzweifelt. Beides Gründe, die sein gutes Herz anrührten. „Woran liegt´s? Vielleicht an deinem Alkoholkonsum?“ Er strich sich sein Pony zur Seite, nahm dann seine Teetasse um einen Schluck zu trinken und schaute sie herausfordernd an. Sie lächelte kurz bevor sie wieder leidend vor sich hin stierte. Obwohl er sich noch zierte wusste sie, dass sie Virgin bereits auf ihrer Seite hatte. „Ach Virgin, Tom… . Er hat mich heute einfach sitzen lassen. Er ist weg gefahren und hat mir nicht einmal gesagt wohin. Das macht man doch nicht mit seiner Verlobten… . Ich weiß einfach nicht was mit ihm los ist.“ Virgin sah sie erschrocken an. Er hatte zwar mitbekommen, dass Tom ungeplant den ganzen Tag außer Haus war, und das war ansich schon eine Frechheit, aber was sie da gerade erzählte gehörte sich nun wirklich nicht. Jetzt hatte Carla es tatsächlich geschafft. Er schaute sie voller Mitleid an. „Ja, und was soll ich jetzt tun? Ich weiß auch nicht wo er ist.“ Er zuckte hilflos die Schultern. Sie fasst ihn am Arm und sah ihn eindringlich an „Virgin ich muss hier weg. Wenn ich Bruno nicht bald ordentliche Arbeiten vorlege, schmeißt er mich raus, … und ich kann einfach nicht…“ Sie schüttelte deprimiert den Kopf. Virgin betrachtete sie mitfühlend, war sich aber nicht im Klaren, wie er ihr helfen konnte, was er zweifelsohne tun würde. „…Du hast mir doch neulich von Peer erzählt, dass er so Probleme mit seiner Assistentin hat. Kannst du nicht mal mit ihm reden?... Vielleicht kann er vorübergehend eine Designerin von Lanford ausleihen?“ Sie schaute ihn hoffnungsvoll bittend an. Virgin zog skeptisch die Stirn in Falten „Wie? … Du willst für Peer arbeiten?“ Er verstand immer noch nicht worauf sie hinaus wollte. Wollte sie weg von Lanford? Das sah ihr gar nicht ähnlich. „Na ja, wenn ich hier ein paar Tage aus der Schusslinie wäre, hätte ich mehr Zeit für meine Entwürfe. Und in der Zwischenzeit könnte ich trotzdem was für das Renommee der Firma tun,“ versuchte Carla in doppelter Hinsicht positive Effekte solch einer Lösung zu propagieren. Dass sie eigentlich einen ganz anderen Plan verfolgte, würde sie Virgin dann doch nicht stecken. Wenn er das Gefühl bekäme, dass Bruno übel migespielt würde, wäre seine Hilfe passé. Ihre eigentliche Intention würde er noch früh genug kennen lernen. Virgin wunderte sich immer noch, aber er gab sich geschlagen. „Ich kann ihn ja mal anrufen.“ beendeten er dieses Gesprächsthema und wendete sich wichtigeren Dingen zu. "Brüno hat ja heute wieder ... " begann er von Bruno zu schwärmen, und bemerkte gar nicht wie seine Begleiterin genervt die Augen verdrehte, während sie innerlich frohlockte.
---------------

Anna war immer noch vertieft in ihre Konzeptarbeit, als sie das leise Pling hörte, das ihr eine eingegangene E-Mail verkündete. Im Atelier war es mittlerweile ruhig. Die meisten Mitarbeiter hatten sich in den wohlverdienten Feierabend verabschiedet und seit auch Carla ihren Platz geräumt hatte, genoss Anna die relative Einsamkeit und Stille. Carla hatte sich zwar nach ihrem morgendlichen Auftritt sehr zurück gehalten, aber ihre zornigen Blicke waren Anna nicht verborgen geblieben. Und daher war, trotz ihres guten Gefühls, in ihrem ständigen Duell mit der Kollegin heute die Oberhand behalten zu haben, eine leise Beklemmung ein stetiger Begleiter des Tages gewesen.

Sie öffnete ihre E-Mails. Von Tom? Anna wunderte sich, spürte aber auch Freude in ihr aufkeimen. Bestimmt etwas Geschäftliches. versuchte sie die in ihr aufkommende Nervosität zurück zu drängen. Sie schaute in sein verwaistes Büro und war fast stolz, dass sie es mit Hilfe der Arbeit zumindest die letzten zwei Stunden geschafft hatte, ihn aus ihren Gedanken zu vertreiben. Aber was wollte er jetzt von ihr? Ein seltsames Gefühl, das sie nicht näher bestimmen konnte, erfasste sie und vertrieb die kurze Freude, als sie die Nachricht öffnete und las.

Ihre Augen weiteten sich. Panik stieg in ihr auf. Was meint er damit? Seine Entscheidung überdenken. Er wird doch nicht… Innerhalb weniger Sekunden standen Tränen in ihren Augen, ihr Herz raste und sie verspürte unendliche Angst. „Nein, tu das nicht“ flüsterte sie leise. Was mach ich nur? Tom, wo bist du? Ihre Gedanken arbeiteten auf Hochtouren, waren allerdings nicht in der Lage einen Plan zu fassen. Aber ihre Unruhe ließ sie kopflos loslaufen. Sie nahm den Laptop, steckte ihn schnell in ihre Tasche und ging eiligen Schrittes zum Fahrstuhl. Am Empfang stand Bruno der sie verwundert ansah, als sie ohne nach rechts oder links zu schauen an ihm vorbei rauschte. „Anna, ist alles in Ordnung?“ hörte Anna die tiefe Stimme des Kreativchefs und stockte. Sie schaute ihn mit großen, tränengewässerten Augen an. Sollte sie Bruno davon erzählen? Nein, lieber nicht. „Ich weiß es nicht“ antwortete sie nur vage, während sie sich zum Aufzug drehte. „Ich muss das verhindern.“ murmelte sie vor sich hin, ehe sie in den Fahrstuhl stieg. Bruno schüttelte immer noch verwundert den Kopf.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 28 2012, 09:37

Wie schön, Katha-Maus. Jetzt hat die Olle also ihre Fühler ausgestreckt und natürlich den gutmütigen Virgin in ihre Fänge gezogen. Der arme Kerl. Aber gut, er wird hoffentlich noch checken, was für ein Spiel Carla mit ihm treibt. Und dann die Nachricht von Tom. Musste mir die jetzt gerade nochmal durchlesen. Und o ja, man könnte wirklich denken ... und mit Annas Hintergrund. O je, die Arme. Ich weiß jetzt gar nicht so genau, wie es weitergeht, von daher bin ich wahnsinnig neugierig, was du als nächstes schreibst ... Knutscha und LG, Mini Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 28 2012, 13:17

Wieder mal grandios, Katha. Ein zu sich selbst ehrlicher Tom, eine am Boden zerstörte Carla und eine verzweiflete Anna...aber was um Himmels willen denkt an denn, das sie so aus der Fassung ist?

LG Tastentante Smile
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 28 2012, 13:23

Wieder ein wunderschönes Teil liebe Katha, so so jetzt will Carla also wirklich nach Peer, meint sie dann das wieder kreativer wird, ich wage es zu bezweifeln.
Und dann noch Anna sie macht sich echt Sorgen um ihn, das er sich was antun könnte.
Und ich bin gespannt wie es weiter geht.... freue mich auf deine Fortsetzung.
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 28 2012, 13:50

Mini_2010 schrieb:
Wie schön, Katha-Maus. Jetzt hat die Olle also ihre Fühler ausgestreckt und natürlich den gutmütigen Virgin in ihre Fänge gezogen. Der arme Kerl. Aber gut, er wird hoffentlich noch checken, was für ein Spiel Carla mit ihm treibt. Und dann die Nachricht von Tom. Musste mir die jetzt gerade nochmal durchlesen. Und o ja, man könnte wirklich denken ... und mit Annas Hintergrund. O je, die Arme. Ich weiß jetzt gar nicht so genau, wie es weitergeht, von daher bin ich wahnsinnig neugierig, was du als nächstes schreibst ... Knutscha und LG, Mini Smile
Was der gutmütige Virgin an dieser Duse findet, ist mir sowieso nicht ganz klar, aber irgendwie scheint er sich ja in ihrer Gegenwart wohl zu fühlen Razz
Schön, wenn die Story wieder wie neu ist, dann muss ich mir gar nicht so einen Stress mit meinem neuen Teil in der anderen Story machen Wink
Tastentante schrieb:
Wieder mal grandios, Katha. Ein zu sich selbst ehrlicher Tom, eine am Boden zerstörte Carla und eine verzweiflete Anna...aber was um Himmels willen denkt an denn, das sie so aus der Fassung ist?

LG Tastentante Smile
Lieben Dank Tastentante,
na ja, Tom hat Anna erzählt welche Entscheidung er nach Fannis Unfall für sich getroffen hat. Und wenn sie das Gefühl hat, dass er diese Entscheidung (nämlich für das Leben, aber gegen die Liebe) in Frage stellt, kann das ja verschiedenes bedeuten. Embarassed

Liebe Grüße meine Süßen
Katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 29 2012, 21:57

Puh, den Teil habe ich dann mal genauer unter die Lupe nehmen müssen, bevor ich ihn hier erneut poste. Ich hoffe, er gefällt...
**************************

"24"


Anna war völlig planlos aus dem Atelier gestürmt und jetzt war sie vor der Tür des Lanford-Gebäudes angekommen und drehte sich innerlich immer noch im Kreis, während ihre Füße einfach losliefen. Da sie keine andere Idee hatte, rannte sie so schnell sie konnte zum gegenüberliegenden Hochhaus. Dieser Ort war der Einzige, mit dem Tom und sie etwas gemeinsames verbanden, und an dem genau die Fragen, die im Raume standen, schon einmal gestellt wurden. Liebe oder Leere, Leben oder Tod.
Sie betrat kurze Zeit später das Dach und schaute sich um. Sie lief über das ganze Dach, aber nirgends war etwas von Tom zu sehen.
Hoffentlich bin ich nicht zu spät. Tom, wo bist du? Geh nicht fort. Lass mich nicht alleine flehte sie innerlich, als sie sich schließlich auf den Boden sinken ließ und versuchte sich zu beruhigen. Sie saß an der gleichen Stelle, an der Tom ihr noch einen Tag zuvor so nahe gewesen war. Hier hat alles begonnen. ging es ihr durch den Kopf. „Tom, bleib. Bitte!“ schickte sie erneut ein Stoßgebet Richtung Himmel, ehe sie sich zur Ruhe zwang. Sie atmete einige Male tief durch und versuchte ihre Gedanken zu sortieren.
Jetzt mal ganz ruhig Anna. Hier ist er nicht und gesprungen ist er auch nicht, sonst hätte ich unten etwas bemerken müssen… und außerdem hatte er doch heute Morgen einen Koffer dabei. Und was hat er geschrieben? Er ist weit weg? Oh man Tom, wo bist du? Ich will mit dir reden. "Reden!?" das war das Stichwort. "Ich ruf ihn an." Schnell kramte sie ihr Handy aus der Tasche und wählte mit zittrigen Fingern seine Nummer. „Hier ist die Mailbox…“ „Verdammt!“ rief sie verzweifelt aus. Was jetzt?... Eine mail, er hat mir doch eben noch geschrieben. Sie nahm ihren Laptop, öffnete die E-Mail und klickte auf den Anworten-Button. Sie überlegte kurz was sie schreiben sollte, ließ in aller Eile noch einmal Revue passieren, was seit ihrer ersten Begegnung hier oben alles passiert war und wurde sich bewusst wie egoistisch sie die ganze Zeit gewesen war. Sie hatte sich für ihren Weg entschieden. Aber was war sein Weg? Sie begann zu schreiben.
---------------

Tom spazierte gemächlich los. Der Weg führte aus der Appartement-Anlage heraus und folgte in einigem Abstand der Küstenlinie. Anfangs kamen ihm noch vereinzelt Menschen entgegen, aber nach und nach wurde die Gegend immer einsamer. Die Landschaft sah verwunschen aus. Auf der einen Seite des Weges gab es kleine Wälder von Korkeichen, in denen immer wieder gewaltige und eigenartig geformte Felsbrocken hervorragten. Die Sonnenstrahlen malten durch durch das lichte Blätterkleid verschlungene Muster auf den bizarren Untergrund und verstärkte somit den mystischen Eindruck. Die Gegend hatte den Charme einer urwüchsigen Wildnis, einer anderen Zeit. Auf der anderen Seite konnte Tom über die Steilküste hinweg auf das türkisblaue Meer schauen, in dass einige kleine Inseln wie bunte Smarties eingestreut waren. Es war eine schöne Aussicht, das musste er anerkennen, aber ihm persönlich bereitete der Anblick des Wassers immer noch Unbehagen. Diese Insel ist wirklich schön dachte er, aber wirklich erfreuen konnte er sich nicht an der Szenerie, die sich ihm bot. Er fühlte sich völlig leer und eigentlich war es ihm total egal, was ihn umgab, da er zu sehr mit sich selbst beschäftigt war. Gedankenverloren stolperte er über die Wege bis er in einiger Entfernung einen Leuchtturm entdeckte, den er dankbar als Ziel auserkor um seinem Spaziergang irgendeine Orientierung zu geben.

Kurze Zeit später setzte sich Tom zu seinem Fuße auf einen großen Felsblock. Vor ihm führten Steine terrassenartig hinab, bis sie plötzlich abbrachen. Ein brüchiger Holzzaun ließ vermuten, dass dort ein Steilhang zum Meer hinab führte. Aber ohne auch diesen schönen Ort wirklich wahrzunehmen, stierte er gedankenverloren vor sich hin und stellte sich die Frage nach dem Sinn seines Lebens.
Habe ich damals den richtigen Weg gewählt um Fanni treu zu bleiben? Hat sie wirklich was davon, dass ich der Liebe abgeschworen habe und wie eine leer Hülle vor mich hin vegetiere?... Hier fühle ich mich ihr näher, als all die Jahre. Dort unten hat sie ihr Leben gelassen. Vielleicht sollte ich Fanni einfach folgen. Der Schritt ist einfach… Ich muss nur dort vorne hingehen und dann bin ich von meinen Qualen erlöst, … endlich wieder bei Fanni …

Er stand langsam auf und ging Schritt für Schritt hinab bis er am Geländer stehen blieb und aufs Meer hinausschaute.
---------------

Lieber Tom,

du hast mich erschreckt und ich hoffe du liest diese E-Mail noch, denn ich habe keine Ahnung wie ich dich sonst erreichen kann.

Ja Tom, ich habe mich für die Liebe entschieden, da es mir zu grausam erschien, ohne sie zu leben. Nachdem ich mich, dank deines Eingreifens, aber gegen den Tod entschied, musste ich also weiterleben. Lange habe ich mich an der Vergangenheit, an Jonas festgehalten… aber, ich habe es dir gestern erzählt, er selbst hat mir klar gemacht, dass das nicht mein Weg für die Zukunft sein kann.
Tom, die Art wie ich mein Leben lebe oder leben will. Welche Dinge mir wichtig sind und wie ich sie versuche zu erreichen. Das alles ist meine Geschichte und mein Weg mit dem Geschehenen klar zu kommen.
Vermutlich habe ich in den vergangenen Monaten gehofft, oder sogar erwartet, dass du mir nacheiferst, aber… das war egoistisch.
Jeder Mensch hat seine eigenen Prioritäten, Möglichkeiten und Wege mit den vom Schicksal gestellten Aufgaben umzugehen.
Ich habe dir klar gemacht, dass du zu akzeptieren hast, wie ich mein Leben lebe, und dass ich mich vor allem auf mein Glück konzentrieren werde.
Aber ich habe dir, die von mir geforderte Akzeptanz, nie in gleicher Weise entgegen gebracht. Ich wollte es wohl nicht glauben, dass man auch andere Entscheidungen treffen und andere Wege einschlagen kann, die gleichsam richtig sind.
Tom, wenn das Leben, das du die letzten Jahre geführt hast, und deine Entscheidung Carla zu heiraten, deine Lösungen sind, um an dem Leid, das du erfahren hast, nicht zu zerbrechen, dann ist das für dich richtig und gut… Und wenn ich dir dabei im Wege stehe, und es besser wäre mich von dir fern zu halten, dann werde ich deinen Wunsch respektieren.

Bitte Tom, denke nochmal gut nach, bevor du einen alles entscheidenden Schritt gehst. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn ich dich auf den falschen Weg geführt hätte. Bitte, gib dein Leben nicht auf. Ich bin sicher, dass es noch andere Zeiten für dich bereithält.

In Liebe,
Anna


---------------

Tom stand da, den Blick aufs Wasser gerichtet und war plötzlich ganz ruhig. Sein Schmerz war wie vom Wind, der ihm warm entgegen schlug, hinweg genommen. Er hatte das Gefühl, neben sich zu stehen und von außen sich selbst zu betrachten. Er dachte darüber nach welche Entscheidung er treffen sollte und wusste, dass er sich an einem Wendepunkt befand.
Tom was willst du? Was hat dich hier her gebracht? Die letzten Jahre hast du nicht gelebt, es war lediglich ein dahin darben, ein irgendwie überleben. Soll es so weiter gehen? Wenn du jetzt den Schritt in den Tod gehst, bist du erlöst, und vielleicht bist du endlich wieder bei deiner geliebten Frau. Wer wird dich schon vermissen?

Fast überzeugt davon, dass es keine Gründe gibt die ihn zurückhalten könnten viel ihm seine Familie ein.
Es gibt Menschen die dich vermissen würden. Da ist Bruno. Er hat all die Jahre versucht dich so zu akzeptieren wie du bist, obwohl er bis heute darunter leidet, dich nicht mehr erreichen, nicht mehr zu dir durchdringen zu können. Es würde ihm das Herz zerreißen, dich zu verlieren. Und Paule,… sie hat bereits ihre Mutter verloren. Hat sich in der Kindheit ganz in deine Fürsorge begeben, warum sie es auch nicht ausgehalten hat, als du sie von dir gestoßen hast. Jetzt habt ihr endlich wieder zusammen gefunden, und sei ehrlich, sie bedeutet dir unglaublich viel. Willst du sie erneut verletzen? Und wer ist da noch? Carla? Na ja, sie liebt dich, aber du liebst sie nicht… Sie wird dich wohl früher oder später eh verlieren... Und dann ist da noch Anna…

Bilder ihrer ersten Begegnung erschienen ihm. „Glauben sie an das Schicksal? Ich glaube an das Schicksal. … Geben sie dem Schicksal eine Chance?“ Du selbst hast diese Worte gesprochen, in der Überzeugung, dass sie leben muss. Was ist mit deinem eigenen Schicksal? Willst du es tatsächlich ignorieren?
Es sprachen also doch einige Argumente dafür zu bleiben und das Leben anzunehmen.
Andererseits wünscht du dir nichts sehnlicher als bei Fanni zu sein. Hier kannst du ihr folgen, dort unten wärst du wieder mit ihr vereint. Es ist nur ein Schritt.
Tom war hin und her gerissen.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 30 2012, 08:13

Einfach nur klasse geschrieben. Ich liebe Toms Gedankenchaos. Das ist so einfühlsam, und man kann ihm wirklich nachempfinden. Freue mich auf dein nächsten Teil, meine Liebe. Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Sep 02 2012, 00:03

Einen schönen Sonntag!


"25"
Anna saß auf dem Dach des Hochhauses. Sie hatte die ersten Minuten, nachdem sie die E-mail versendet hatte, gebannt auf den Bildschirm des Laptop geschaut und gebetet, dass Tom schnell eine Antwort schicken würde. Aber es kam nichts. Irgendwann stand sie auf und ging zur Dachkante, genau an den Ort an dem sie gestanden hatte, als Tom plötzlich hinter ihr aufgetaucht war um sie von ihrem im wahrsten Sinne endgültigen Vorhaben abzubringen. Nie war sie ihm seelisch näher gewesen, als an diesem Ort, zumindest nach dem sie sich auf ein Gespräch mit diesem scheinbaren Irren, der ihr was von Angst um sein Auto und dem Chi auf dem Dach erzählte, eingelassen hatte.
Aber jetzt hatte sie ein so schlechtes Gefühl, dass es ihr fast den Atem raubte. Anna spürte, dass gerade etwas Entscheidendes passierte, und sie fühlte sich völlig hilflos. Sie hasste es abwarten zu müssen und nicht handeln zu können. Die einzige Möglichkeit, die sie hatte, war ihm ihre Liebe zu senden. Sie glaubte eigentlich nicht an Gott, aber seit ihrer Begegnung mit Tom, damals an diesem Ort, und ihren Erfahrungen mit Jonas Geist, war sie sicher, dass es Irgendjemanden oder Irgendetwas gab das die Geschicke der Menschen lenkte. Also sendete sie jetzt immer wieder ihre Worte zu Tom. Sie redete mit ihm, als ob er neben ihr stünde, und sie hoffte inständig, dass sie ihn erreichen würde. Auch mit Jonas sprach sie und bat ihn ihr zu helfen. Schließlich war er es, der ihr gesagt hatte, dass Tom und sie gemeinsam glücklich werden könnten.
---------------

Tom konnte sich einfach zu keiner Entscheidung durchringen.
Sein Blick war wie versteinert. Er fühlte sich als würde er zwischen zwei Seilen hängen, die ihn mal ein Stück in die eine, mal ein Stück in die andere Richtung zögen. Dann wurde es ihm zuviel, er musste irgend etwas tun. Er trat näher an das Geländer heran, um zum zweiten Mal an diesem Tage in den Abgrund zu schauen. Erneut traf sein Blick auf die gewaltige Macht des Meeres, die sich unter ihm am Fels brach. Aber dieses Mal war er vorbereitet, wusste was passieren würde. Er wollte sich der Gefahr und der Angst ein weiteres Mal stellen, um bewusst einen Entschluss herbei zu führen.

Und da waren sie auch schon, die Bilder des tosenden Sturms und der chaotischen Szene nach dem Kentern des Segelbootes. Aber… irgendetwas war anders. Die Atmosphäre änderte sich. Der Himmel hellte sich auf und da…, da war Fanni. Aber sie versank nicht in den Tiefen des Meers. … Nein, sie kam zu ihm herauf und tauchte letztlich aus dem Wasser.
Sie lächelte ihn liebevoll an.
„Fanni!“ rief Tom erfreut aus. „Ich habe mir so gewünscht dich wiederzusehen!“ Er strahlte über das ganze Gesicht und fühlte sich plötzlich wie befreit. „Hallo Tom, da bist du ja endlich. Du hast dir viel Zeit gelassen…“ antwortete Fanni mit diesem leicht tadelnden Tonfall, den er so an ihr liebte.“ Er schaute sie irritiert an und betrachtete sie genauer. Sie war verändert. In ihren Haaren hing Seetang und ihr Oberkörper ging über in eine lange, grün schillernde Schwanzflosse. „Was machst du hier? Ich dachte, du bist im Himmel und schaust auf mich herab?“ fragte er in leichter Verwirrung. Fanni schmunzelte „Was soll ich denn im Himmel? Du weißt doch, dass ich die Höhe nicht leiden kann. Das Wasser ist mein Element. Deshalb durfte ich hier bleiben.“
Tom wusste plötzlich was er wollte. Er trat einen Schritt vor und sagte voller Erregung. „Ich komme zu dir, dann können wir für immer zusammen sein. Du hast mir so gefehlt“ aber bevor er den nächsten und entscheidenden Schritt tun konnte, hielt sie ihn erschrocken auf. „Nein Tom, wenn du dich ins Meer stürzt werden wir nicht zusammen sein. Im Gegenteil. Wir werden uns verlieren, und dieses Mal für immer.“ Als sie sah, dass er innehielt und ihr seine ganze Aufmerksamkeit schenkte, beruhigte sie sich wieder und sprach mit sanft bittender Stimme weiter „ Wir haben nur eine Chance. Du musst die Fesseln von deinem Herzen lösen und es öffnen. … Nur dann werde ich endlich einen Platz in deinem Herzen finden. Und nur dann, kann ich wieder bei dir sein und dich auf deinem weiteren Weg begleiten." Sie sah ihm tief in die Augen und ergänzte leise. "Ich warte schon so lange darauf.“
Tom schaute sie empört an „Mein Herz gehörte doch die ganze Zeit nur dir… Nur für dich habe ich in den letzten Jahren gelebt!“ rief er aus. Fanni schüttelte wissend den Kopf. „Nein Tom, dein Herz hat in den letzten Jahren einzig und allein dafür gesorgt, dass du am Leben geblieben bist. Mehr konnte es in seiner Gefangenschaft nicht leisten, und auch ich hatte dort keinen Platz. … Lebe endlich dein Leben und werde glücklich, nur dann werde auch ich meine Ruhe finden.“ Tom war immer noch unschlüssig „aber, … wie soll ich denn glücklich sein, ohne dich? Wie soll ich mit meiner Schuld leben, dass du sterben musstest.“ Er senkte enttäuscht den Kopf und Tränen liefen ihm über das Gesicht. Fanni kam ein Stück näher und zwang ihn dadurch seinen Blick zu heben. „Du hast keine Schuld an meinem Tod. Das Schicksal hat es so bestimmt. Und dein Herz versucht schon lange dir zu sagen wie du wieder glücklich wirst. Wenn du es endlich befreit hast, wird es laut genug sein, um dir den Weg zu weisen.“ Ihr Blick war ernst und liebevoll in seine zweifelnden Augen gerichtet. „Verzeih dir, du hast nichts falsch gemacht, … und vertrau auf dich. Du warst ein wunderbarer Mensch und ich danke dir für jeden Moment, den wir gemeinsam erleben durften, …und du wirst es wieder sein, wenn du es nur zulässt.“ Tom spürte, dass sie gehen würde und er wollte sie aufhalten. Er fühlte sich so hoffnungslos, wusste nicht wie er sie festhalten konnte, also schaute er sie nur traurig an. Auch Fanni standen jetzt die Tränen in den Augen. „Wir müssen uns jetzt verabschieden. … Wir werden uns wiedersehen, irgendwann. Aber bis dahin lebe! Tom, ich bin mir sicher, dass du deinen Weg finden wirst und ich werde dich in Liebe begleiten.“ Sie kam noch einmal ganz nah an ihn heran und es fühlte sich fast, als gäbe sie ihm einen Kuss, bevor sie ihm ein "Lebe Wohl" zuhauchte und in die Tiefen des Meeres abtauchte.
Tom schaute ihr noch einige Zeit hinterher, die Finger auf seinen Lippen haltend, die prickelten als hätte sie ihn wirklich berührt. Die Wasseroberfläche hatte sich wieder geschlossen und das Meer spielte sein Spiel der Wellen. Sein Blick realisierte langsam wo er war. Er trat vorsichtig vom Geländer zurück, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und wendete sich vom Meer ab.
---------------

Nachdem Anna eine gefühlte Ewigkeit dort an der Dachkante gestanden und ihren Blick in die Ferne gerichtet hatte, merkte sie, dass sie mittlerweile völlig durchgefroren war und sie beschloss nach Hause zu gehen. Sie konnte ja eh nichts tun. Als sie sich vom Abgrund abwendete, spürte sie plötzlich eine nicht zu erklärende Erleichterung. Sie lief die letzten Schritte zu ihrem Laptop in der Hoffnung eine Antwort bekommen zu haben, aber als ihr Blick auf den Bildschirm fiel, sackte sie wieder in sich zusammen. Da war nichts. Trotz der Enttäuschung, die sie sofort wieder ereilte, war sie nicht mehr so panisch, wie noch zuvor. Sie hielt sich an dem Gedanken fest, dass sie es bestimmt gespürt hätte, wenn sich Tom was angetan hätte und ging mit dieser vagen Hoffnung, dass es ihm gut ging, nach Hause.
Als Anna die Goldelse betrat, sah sie geradewegs in die besorgten Augen ihrer Mutter. Obwohl ihr überhaupt nicht nach Smalltalk war, ging sie zu ihr und setzte sich an die Theke. Sie blieb einen Moment bei ihr sitzen und erzählte ihr von ihrer Arbeit, bevor sie sich etwas zu essen geben ließ und damit die Treppe hinauf verschwand. Susanne war die Schwermütigkeit ihrer Tochter nicht verborgen geblieben. Sie schaute ihr hinterher. Meine Süße, hoffentlich kannst du bald wieder glücklich sein. Es zerreißt mir das Herz dich so zu sehen.
In ihrem Zimmer angelangt stellte Anna das Essen ab, und schmiss sich aufs Bett. Sie stellte die Sternenlampe an, in deren Licht sie sich Jonas am nahesten fühlte. Diese Lampe war für Anna immer noch das Zeichen ihrer großen Liebe. „Ach Jonas, ich vermisse dich. Was soll ich nur tun? Du hattest recht. Mit Tom könnte ich glücklich werden. Ich liebe ihn von ganzem Herzen, und ich hoffe sehr, dass mich mein Gefühl nicht trügt und er sich wirklich für das Leben entschieden hat. … Aber wenn es so ist, heißt das immer noch nicht, dass er sich für mich entscheidet. … Wenn ich ihn liebe, muss ich ihm die Möglichkeit geben, sich selbst zu finden und seinen ganz eigenen Weg zu gehen, oder? Auch wenn dieser von mir weg führt?“ Sie grübelte noch einen Zeit vor sich hin und beschloss dann deprimiert, sich ausnahmsweise mal um sich selbst zu kümmern. Nachdem sie erneut vergeblich nach einer Antwort von Tom geschaut hatte, schnappte sie sich ein Buch und ließ sich ein heißes Bad ein, in der Hoffnung ein wenig Ruhe zu finden.
---------------

In seinem Häuschen angekommen, zwang sich Tom etwas für sein leibliches Wohl zu tun. Er nahm sich ein paar Scheiben Baguette und die Schälchen mit Tapas, die in seinem Kühlschrank standen, und ging auf die Veranda. Die Sonne ging gerade unter und hüllte die Welt in ein wunderschönes Licht. Eigentlich hätte es ein faszinierender Moment sein können, aber Tom fühlte sich Raum und Zeit völlig entrückt, so dass er es kaum wahrnahm. Sein Zustand war unbeschreiblich. Er fühlte sich wie…, ja wie? Vielleicht wie ein Junkie, der innerhalb kürzester Zeit zwischen Höhenflügen und tiefen Abstürzen hin und her schwankte und zwischendurch seltsamen halluzinogenen Momenten ausgesetzt war. Er hatte aufgehört darüber nachzudenken, warum ihn solche Erscheinungen heimsuchten, nahm sie einfach als gegeben hin.
Nachdem Tom das flaue Hungergefühl aus seinem Magen vertrieben hatte, schloss er die Augen und versuchte an nichts zu denken und die letzten Sonnenstrahlen des Tages bewusst zu genießen. Aber schon wieder wurde er plötzlich von einer Gewissheit durchflutet. Er riss die Augen auf, Man, ich habe mich entschieden! und dann rief er „Ich werde leben!“ Und von einer völligen Leere und geistigen Ermüdung, schwankte sein Gefühl zu einer plötzlichen Ausgefülltheit, die er seit Jahren nicht erlebt hatte. Was ist das für eine Droge, die mich blitzartig wieder in diesen Höhenflug schickt? fragte er sich. Ist es das Leben, oder die Liebe? … Die Liebe? Eigentlich weiß ich es doch schon lange. Werde ich endlich zu meinen Gefühlen stehen können? Wird Anna mir verzeihen, dass ich sie so lange hängen gelassen habe? Unmittelbar spürte er eine unglaubliche Sehnsucht. Er wünschte sich plötzlich nichts mehr, als sie hier bei sich zu haben, und die Zuversicht, dass alles gut werden würde erfüllte ihn mit Glück.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Sep 02 2012, 08:26

"26"

Obwohl Tom nach diesem langen und vor allem kräftezehrenden Tag eigentlich vor Erschöpfung hätte zusammenbrechen müssen, war er voller Tatendrang.
Ich werde leben und lieben, mit Fannis Segen. Er lächelte dankbar, und überlegte was er als nächstes tun wollte. Er fasste einen Plan.
Tom wollte den Laptop, der noch vom Nachmittag auf dem Tisch stand, schließen um dann hinein zu gehen. Dabei viel sein Blick kurz auf das Display, und dort sprang ihm ein Fenster entgegen. Anna Broda hat ihnen eine Nachricht geschickt. Tom setzte sich wieder und lächelte. Anna durchfuhr es erneut seine Gedanken. Er fühlte, wie sich ein wärmendes Gefühl durch seine Brust zog. Gespannt öffnete er die Nachricht und las.
Es dauerte nur einen Moment ehe er die Stirn runzelte, wie Anna dazu kam ihm solch eine Mail zu schreiben? Er schaute genauer hin, scrollte die Nachricht hinunter, als sie scheinbar am Ende war, bis er realisierte, dass er seine Nachricht vom Nachmittag ausversehen abgeschickt hatte. Oh mein Gott, was habe ich ihr da schon wieder angetan? Sie stirbt bestimmt gerade vor Sorge. Ich sollte sie anrufen. Er holte sein Handy und startete es. Es waren unzählige Anrufe eingegangen. Vor allem Carla hatte sehr hartnäckig versucht ihn zu erreichen. Tom verzog genervt das Gesicht und wurde sich bewusst, dass er an seine Verlobte nicht einen Gedanken verschwendet hatte, seit er auf seinem Selbstfindungstrip war. Als er Annas Nummer suchte, begann sein Herz zu rasen und er überlegte nervös, was er ihr denn sagen sollte. Ob ich Anna erzählen soll was passiert ist? Ob ich ihr sagen soll, dass ich … sie liebe? Ich bekomme bestimmt kein Wort raus. Er traute sich kaum diese Worte zu denken, geschweige denn, dass er sie einfach so hätte aussprechen können. Und nach kurzer Überlegung beschloss er ihr doch lieber zu schreiben, und anschließend seinen vorhin gefassten Plan umzusetzen. Anna und auch er müssten noch warten. Zumindest eine kurze Zeit. Dieses Mal würde er alles richtig machen. Er nickte zufrieden mit seinem Entschluss und schrieb Anna nur eine kurze Nachricht, damit sie sich nicht weiter sorgte.
Dann begab er sich zu seiner nächsten Mission.

Tom wollte einen wirklichen Abschied von seiner Vergangenheit mit Fanni, und so holte er die kleine Schachtel, die ihn die letzten Stunden so nervös gemacht hatte, aus seinem Koffer. Er ging ins Obergeschoss und setzte sich auf das Doppelbett. Hier, an dem Ort ihrer letzten glücklichen Stunden, würde er die Schachtel nach vier Jahren das erste mal wieder öffnen. Tom strich zärtlich darüber, bevor er vorsichtig den Deckel abnahm. Er spürte sogleich den Kloß im Hals als er hinein sah. Unendliche Trauer und tiefer Schmerz übermannten ihn. Vor ihm lagen seine kompletten Erinnerungsstücke an Fanni und ihre wunderbare gemeinsame Zeit. Langsam holte er einen Gegenstand nach dem anderen heraus, und breitete sie vor sich aus. Unaufhörlich liefen ihm die Tränen über sein Gesicht, aber er wehrte sich nicht sondern ergab sich seinen Empfindungen. Tom hatte das Gefühl, dass seine Tränen einen ganzen See füllen würden, aber nachdem es anfangs ein sehr ungewohntes Gefühl war zu weinen, erfüllte ihn nach und nach die Erleichterung, dass sie endlich flossen. Es war das erste Mal, dass er wirklich bereit war um Fanni zu trauern.
Nachdem er sich wieder etwas gefangen hatte, schaute Tom erneut auf die vor sich liegenden Schätze. Stück für Stück nahm er sie in die Hand und betrachtete sie intensiv. Da war die Goldmedaille, die Fanni ihm geschenkt hatte, zum Zeichen ihrer Liebe und dem Entschluss ihre Karriere zugunsten der Familienplanung aufzugeben. Sein Ehering, das Zeichen ihrer unendlichen Liebe. Briefe, die Fanni geschrieben hatte, wenn sie längere Zeit getrennt waren und sich nach einander gesehnt hatten. CDs mit Fotos und Videoaufnahmen von ihren gemeinsamen Urlauben. Und der Kompass, den sie ihm zu ihrem ersten, und zugleich letzten Hochzeitstag geschenkt hatte.
Jedes Mal, wenn er einen Gegenstand in die Hand nahm, schossen Bilder auf ihn zu. Es waren durchweg schöne Erinnerungen, die ihm aber einmal mehr vor Augen führten, was er verloren hatte.
Mein Gott Fanni, ich habe dich so sehr geliebt. Mit dir zusammen wollte ich leben, wollte ich glücklich sein… Es fühlte sich alles so richtig, so leicht an als du bei mir warst. Warum musstest du so früh gehen?

Da tauchte plötzlich Annas verzweifeltes Gesicht vor ihm auf und er hörte seine eigenen Worte „Glauben Sie an das Schicksal? Dass alles was passiert ist, nur passiert ist, damit wir heute hier stehen? … Vielleicht ist es so was ... wie eine zweite Chance.“ Tom wollte die Gedanken, die sich ihm aufdrängten, wütend abblocken. Jetzt geht es um meinen Abschied von Fanni, nicht um Anna, … aber seine Abwehr wurde durch weitere Gedanken zerstört. Was hat Fanni mir bei unserer heutigen Begegnung gesagt? Mein Herz versucht schon lange mir zu sagen, wie ich wieder glücklich werden kann? ... Damals auf dem Dach fühlten sich meine Worte so richtig an, und sie kamen nicht aus meinem Kopf, sie kamen aus meinem Innersten… Wusste mein Herz damals schon, dass Anna mein Schicksal ist? Irgendwie fügten sich verschiedene Puzzle-Teile zusammen und er begriff endlich, dass Fanni ihm genau das sagen wollte. Er würde sie nie verraten, wenn er nur auf sein Herz hören würde.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Sep 02 2012, 13:03

Katha, diese drei Teile sind so schrecklich wei wunderbar zugleich. Man kann richtiggehend mitfühlen wie Tom mit sich und seiner Entscheidung hadert, wie er sich dem Tod näher fühlt als dem Leben und erst Anna, die sich zu recht um Tom sorgt. Fanni als Meerjungfrau, die Tom den Weg weißt. Einfach toll, aber am besten fand ich Toms Bekenntnis zum Leben. Es sind nur drei Worte und doch drücken sie so unendlich viel aus. WUNDERSCHÖN Very Happy Smile

Liebe Grüße
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Sep 02 2012, 21:05

Lieben Dank Tastentante. Ich freu mich sehr über deine Worte! Exclamation Smile

Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Sep 03 2012, 08:01

Ach meine Katha, das ist wirklich wunderbar *schniefundeinpaarTränchenwegdrück*. Ich weiß gar nicht so recht, was ich sagen soll, außer, dass es einen wirklich tief im Herzen trifft. Wie Tastentante schon so schön sagte, Toms Bekenntnis zum Leben ist wirklich der schönste Moment. Ab jetzt geht es aufwärts, weiß mein Herzchen. Ich freu mich auf den nächsten Teil Very Happy

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Sep 03 2012, 14:38

Liebe Mini,
es freut mich riesig, wenn ich euch erreicht habe. Und ja, ich schreib es auch hier nochmal. Das Glück ist mit den Wissenden, zumindest in diesem Fall Smile

Lieben Dank
Katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Sep 03 2012, 21:33

"27"

Tom spürte, dass er sich endlich mit seiner Vergangenheit aussöhnen konnte, aber er wollte es Fanni persönlich mitteilen.
Er rannte hinunter, nahm sich Stift und Block und schrieb drauf los.

Liebste Fanni,
es war so schön dich heute zu sehen, und du hast recht, es ist viel zu lange her, dass ich mich an dich gewand habe.
Die Gedanken an dich, an den Augenblick als ich dich verloren habe, taten immer so weh, dass ich vor ihnen geflohen bin. Ich habe mir all die Jahre eingeredet, dass mein Herz nur dir gehören kann, wenn ich alle anderen Einflüsse von ihm fern halte. Dabei habe ich gar nicht gemerkt, dass ich mit meinem ‘Schutzsystem’ auch dir den Raum genommen habe. Das tut mir unendlich leid.
Ich konnte dem Schicksal und auch mir bislang nicht verzeihen, dass wir dich nicht aufhalten konnten. Und dir habe ich vermutlich insgeheim vorgeworfen, dass du mich verlassen hast.
Du hast mich besser verstanden, als ich mich selbst und mit deinen Worten, hast du mir heute bereits die Vergebung zu teil werden lassen, um die ich dich jetzt bitten möchte.

Da du mein Leben der letzten Jahre verfolgt hast, weißt du, dass es eher Schein als Sein war, aber in den letzten Monaten habe ich einige wenige, aber berührende Momente erleben dürfen, die mir gezeigt haben, dass mein Herz tatsächlich noch schlägt, und ich freue mich darauf, es wieder zu hören. Ich verspreche dir mein Herz zu öffnen und dir den gebührenden Platz darin frei zu halten… Aber…, ich denke, du weißt es schon länger als ich, du wirst es teilen müssen. ‘Anna’. Sie hat es geschafft mein Herz zu berühren und mir zu zeigen, dass es mehr kann als mich am Leben zu erhalten. Sonst wäre ich wohl auch heute noch nicht wieder bei dir. Schon alleine dafür verdient sie meine Liebe.
Fanni ich danke dir, dass du mir den richtigen Weg gewiesen hast, und ich wünsche dir, dass du deine Ruhe findest. Du wirst immer in meinem Herzen sein.

Dein Tom

---------------

Anna betrat nach einem ausgiebigen Bad, bei dem sie es auch mit Hilfe ihres Buches nicht geschafft hatte sich abzulenken, völlig erledigt ihr Zimmer. Das Erste was sie erblickte war die Eingangsnachricht einer E-Mail auf ihrem Computer. Sie ließ ihre Klamotten, die sie in der Hand hatte, an Ort und Stelle fallen und lief zum Schreibtisch. Tom, er lebt! dachte sie froh über sein Lebenszeichen und ohne die Mail überhaupt gelesen zu haben, erfüllte sie ein Gefühl von unendlicher Dankbarkeit.

Liebe Anna,
es tut mit leid, dass ich dich erschreckt habe. Das war nicht meine Absicht.
Mir geht es gut, bitte mach dir keine Sorgen.
Ich danke dir für deine Worte. Du bist wirklich ein ganz besonderer Mensch,
und wenn ich dir eines schon mal sagen kann, ist es, dass du mir nicht im Wege stehst.
Mehr Erklärungen kann ich dir gerade nicht geben.
Ich werde bald wieder in Berlin sein.
Tom


Anna war als fiele eine schwere Last von ihrem Herzen. Erleichtert, und mit den Gedanken bei Tom, kuschelte sie sich erschöpft in ihre Kissen. Es dauerte keine zwei Minuten ehe sie in einen tiefen Schlaf gefallen war.
---------------

Tom hingegen, war noch immer nicht bereit sich schlafen zu legen. Er wollte wissen, ob er die Vergangenheit wirklich akzeptiert hatte, ob er jetzt bereit war für die Zukunft. Nervös wie ein Kind, das ungeduldig auf die Geschenke unterm Weihnachtsbaum wartete, riss er den Brief, den er Fanni gerade geschrieben hatte, vom Block, und lief ohne weitere Überlegungen die Treppe hinunter, die neben seiner Veranda hinab zum Strand führte. Es war mittlerweile dunkel und so waren keine Menschen mehr am Strand, die sich hätten wundern können, dass dort ein junger Mann ohne nach links und rechts zu schauen aufs Meer zulief und erst stehen blieb, als seine Waden bereits vom Wasser umspült wurden. Tom stand dort, versuchte die leise aufsteigende Angst zu ignorieren und konzentrierte sich auf den Sand und das Wasser, das seine Füße umspülte. In der Eile hatte er nicht einmal realisiert, dass er keine Schuhe anhatte.
Vor lauter Anspannung wurde seine Atmung hektischer, aber er zwang sich jeglichen Widerstand fallen zu lassen, schloss die Augen und wartete auf die Bilder, die Stimmen, die Panik und den Schmerz. Aber all das war wie weg gefegt. Es waren Bilder von Fanni, Paule und ihm beim Segeln die sich ihm aufdrängten. Er sah das schöne Blau des Meeres und spürte die klare Luft und die Wärme der Sonne. Es herrschte ausgelassene Stimmung, Scherze flogen durch die Luft und die Liebe zwischen Fanni und ihm war fast greifbar. Tom konnte es kaum glauben. Er wartete immer noch auf die Bilder des Unfalls, war bereit den Gefühlen stand zu halten, … aber sie kamen nicht. Er öffnete die Augen und schaute auf das Meer, das in der Entfernung mit dem schwarzen Himmel eins wurde. Seine Füße waren mittlerweile tief in den Sand gesunken und er spürte die Anspannung seines Körpers, der sich gegen einen aufziehenden Sturm gewappnet hatte. Er löste seine Muskeln langsam und trat an den Strand zurück. Er spürte den Sand unter seinen Füßen und betrachtete das erste Mal an diesem Tag wirklich bewusst seine Umgebung. Er konnte die komplette Bucht überblicken, die einsam in der sternenklaren Nacht lag. Die Wellen rollten leise und regelmäßig auf den im Mondenschein fast weiß erscheinenden Strand und in der Ferne waren die Felsen zu erkennen, die die Bucht einrahmten und ihr Schutz gaben. Die Atmosphäre war völlig friedlich.
Erneut lief Tom los. Er lief bis er die die Klippen erreicht hatte, und dann einen kleinen Fußweg hinauf, bis er auf einem hohen Fels zum Stehen kam.
Er sah sich suchend um, hob einen Stein auf, wickelte den Brief, den er immer noch in der Hand hielt drum herum, und warf die Botschaft so weit er konnte ins Meer. Gleichzeitig schrie er gegen die Brandung, die ihm nichts mehr anhaben würde, an. „Danke! Ich werde dich immer lieben!“
Danach setzte er sich auf den Boden und genoss die Stille. Die äußere Stille, die nur durch die Wellen des Meeres durchbrochen wurde, gleichsam wie die Harmonie, die sich in seinem Inneren ausbreitete. Er fühlte sich von seinen eigenen Fesseln befreit, befreit aus seinem inneren Gefängnis. Endlich war er wieder eins mit sich selbst. Aber auch die Erschöpfung drang, nach dem kräfteraubenden Akt der Rückkehr zu sich selbst, zu ihm durch. Er ließ sich auf den Rücken sinken und schaute fasziniert in die Sterne. Als er einige Zeit später eine Sternschnuppe sah, schloss er lächelnd die Augen und wünschte sich wieder glücklich zu werden.
Er lag noch eine ganze Weile da, ehe der aufkommende Wind die herannahende Nacht ankündigte und ihn nach Hause trieb. Innerlich schwebend, fühlte er sich körperlich wie ein alter Greis. Er hatte plötzlich das Gefühl jeden eigenen Muskel in seinem Körper zu spüren und der Weg zurück wurde ihm ewig lang. Endlich im Haus angekommen, schloss er alle Türen, räumte lächelnd seine Erinnerungsstücke beiseite und schlief in der nächsten Minute ein.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Sep 03 2012, 23:05

Hey Katha,

Wie machst du das nur immer wieder. Deine Teile sind so wunderschön, aber vor allem der Brief hat mich tief in meinem Inneren berührt, denn wenn ich ehrlich bin, bin ich auf eine eignee Art und Weise auch Tom, nur das mein Schmerz bzw. mein verkapseltes Herz keine Vergangenheit hat, sondern die Vergangenheit ist.
Aber genug der Sch... , dein Teil ist himmlisch Very Happy Very Happy Very Happy

Liebe Grüße
Tastentante Smile
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Sep 03 2012, 23:28

Lieben, lieben Dank! I love you

Hm, das hört sich so traurig an, was du von dir schreibst und das berührt mich. Denn ich erlebe dich hier als so herzlichen, netten und kreativen Menschen.
Aber das gehört hier wohl auch nicht so richtig hin.

Ich freu mich auf jedenfall wenn ich dich mit meiner FF erreiche. Du liest sie das erste Mal oder? Ich würde vermuten, damit liest du auch die ausgegorenere Version, weil ich die Texte, die ich vor nicht einmal einem halben Jahr geschrieben habe, fast alle nochmal überarbeite. (Das ist übrigens mein Erstlings-Werk der Schreiberei Embarassed )

LG Katha

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Zuletzt von katha am Di Sep 04 2012, 21:22 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Sep 04 2012, 08:42

Ach Katha, das war wieder ein so wunderbar emotionaler Teil. Der Brief war wirklich bewegend und man spürte fast, wie sich die Fesseln bei Tom gelöst haben. Das ist echt wunderbar beschrieben. Bin froh, dass du die Geschichte nochmal einstellst. So kann ich so nochmal ganz intensiv genießen. Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Sep 04 2012, 21:23

Mini,
lieben Dank für deine Worte.
Mir geht das mit deiner FF genauso. Obwohl man schon im Groben weiß was passieren wird, fiebert, liebt, lacht und trauert man mit, wie beim ersten Mal. Klasse!!

LG Katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Sep 05 2012, 13:52

katha schrieb:
Lieben, lieben Dank! I love you

Hm, das hört sich so traurig an, was du von dir schreibst und das berührt mich. Denn ich erlebe dich hier als so herzlichen, netten und kreativen Menschen.
Aber das gehört hier wohl auch nicht so richtig hin.

Ich freu mich auf jedenfall wenn ich dich mit meiner FF erreiche. Du liest sie das erste Mal oder? Ich würde vermuten, damit liest du auch die ausgegorenere Version, weil ich die Texte, die ich vor nicht einmal einem halben Jahr geschrieben habe, fast alle nochmal überarbeite. (Das ist übrigens mein Erstlings-Werk der Schreiberei Embarassed )

LG Katha

Ein Teil von mir ist es auch, aber ein anderer muss leider noch kuriert werden und ich denke, dass kann man in meinen Geschichten auch ganz gut erkennen. Audl mal ausgeschlossen handeln sie doch immer nur von gestrandeten Menschen und ihrem harten Weg zurück
Das stimmt es gehört hier nicht hin, aber mir sind einfach die Gedanken in die Finger gerutscht, als ich deine Geschichte gelesen habe.

Erstlingswerk, da kannst du echt stolz auf dich sein. Smile Bist du auch über Audl zum schreiben gekommen?
Nein, ich lese ich hier zum ersten Mal, den in diesem Jahr war nicht besonders oft oder lang on im Sat-Forum. Nun ja, sogesehen hat es ja was gutes, nicht war, denn ich kann jetzt unvoreingenommen mitfiebern.
Bist auf jeden Fall eine super Schreiberin Smile

Liebe Grüße
Tastentante
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Sep 05 2012, 21:42

Tastentante schrieb:


Ein Teil von mir ist es auch, aber ein anderer muss leider noch kuriert werden und ich denke, dass kann man in meinen Geschichten auch ganz gut erkennen. Audl mal ausgeschlossen handeln sie doch immer nur von gestrandeten Menschen und ihrem harten Weg zurück
Das stimmt es gehört hier nicht hin, aber mir sind einfach die Gedanken in die Finger gerutscht, als ich deine Geschichte gelesen habe.

Erstlingswerk, da kannst du echt stolz auf dich sein. Smile Bist du auch über Audl zum schreiben gekommen?
Nein, ich lese ich hier zum ersten Mal, den in diesem Jahr war nicht besonders oft oder lang on im Sat-Forum. Nun ja, sogesehen hat es ja was gutes, nicht war, denn ich kann jetzt unvoreingenommen mitfiebern.
Bist auf jeden Fall eine super Schreiberin Smile

Liebe Grüße
Tastentante

Liebe Tastentante,
versteh das mit dem "Das gehört hier nicht hin" nicht falsch. Ich fühle mich ehrlich gesagt eher geehrt (hört sich jetzt irgendwie doof an, aber ich denke du weißt was ich meine), wenn du so etwas schreibst. Ich wollte nur nicht den Eindruck erwecken hier einen Austausch über dein Leben und deine Erfahrungen anzustreben. Denn ich denke, das gehört nicht hier in den Rahmen eines öffentlichen Forums, sondern wäre, wenn man das will, dann doch im Bereich der PNs anzusiedeln um einfach nicht zu viele Informationen in alle Welt zu verteilen. Schließlich stellt man sich ja auch nicht mitten in die Stadt und lädt alle dazu ein vertraulichen Gesprächen beizuwohnen.

Ich rede mich hier gerade um Kopf und Kragen. Ich hoffe, du kannst herauslesen, was ich meine :|

Und was den Rest anbelangt.
Vielen Dank für die Blumen flower
Und ja, Audl-Forum ist Schuld, d.h. eigentlich ist Mini Schuld. Ihre FF hat mich veranlasst mich anzumelden, naja und irgendwann habe ich es dann auch mal versucht.
Deshalb habe ich bislang ja auch nichts anderes geschrieben und fürchte mich ein wenig vor dem Moment, wenn ich mich entschließe meine FF zu beenden.

So long,
Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Sep 05 2012, 21:52

katha schrieb:


Liebe Tastentante,
versteh das mit dem "Das gehört hier nicht hin" nicht falsch. Ich fühle mich ehrlich gesagt eher geehrt (hört sich jetzt irgendwie doof an, aber ich denke du weißt was ich meine), wenn du so etwas schreibst. Ich wollte nur nicht den Eindruck erwecken hier einen Austausch über dein Leben und deine Erfahrungen anzustreben. Denn ich denke, das gehört nicht hier in den Rahmen eines öffentlichen Forums, sondern wäre, wenn man das will, dann doch im Bereich der PNs anzusiedeln um einfach nicht zu viele Informationen in alle Welt zu verteilen. Schließlich stellt man sich ja auch nicht mitten in die Stadt und lädt alle dazu ein vertraulichen Gesprächen beizuwohnen.

Ich rede mich hier gerade um Kopf und Kragen. Ich hoffe, du kannst herauslesen, was ich meine :|

Und was den Rest anbelangt.
Vielen Dank für die Blumen flower
Und ja, Audl-Forum ist Schuld, d.h. eigentlich ist Mini Schuld. Ihre FF hat mich veranlasst mich anzumelden, naja und irgendwann habe ich es dann auch mal versucht.
Deshalb habe ich bislang ja auch nichts anderes geschrieben und fürchte mich ein wenig vor dem Moment, wenn ich mich entschließe meine FF zu beenden.

So long,
Liebe Grüße
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Wuah ... ich bin schuld ... Shocked ... Aber weißt du was, Recht so!!! Razz
Und was die Sache mit dem Beenden deiner FF betrifft, no way! ... Das geht nicht. Und wenn doch, dann muss aber schnell was Neues her.

LG, Mini

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BeitragThema: "28"   Fr Sep 07 2012, 23:38

Eine kleine Fortsetzung zum Wochenende!
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Als am nächsten Tag der Wecker klingelte wurde Anna von trübem Wetter begrüßt. Ihr Zimmer war in dämmriges Licht gehüllt und der Regen prasselte an ihr Fenster. Sie reckte und streckte sich und blieb noch einen Moment liegen um die gemütliche Wärme ihres Bettes zu genießen. Ob Tom heute wiederkommt? fragte sie sich spontan als sie an die Aufregung des gestrigen Tages zurückdachte. Schon wieder gilt mein erster Gedanke Tom. Verdammt, wie soll ich ihn denn nur vergessen? dachte sie verzweifelt und versteckte sich unter der Decke. Sie hatte überhaupt keine Lust aufzustehen, aber sie musste ja. Sie seufzte und versuchte sich selbst zu motivieren. Auf Anna, es nutzt ja nichts, die Arbeit wartet.
Als sie eine knappe Stunde später im Imperium ankam, war es dort noch relativ ruhig. Sie war gerne so früh morgens an ihrem Arbeitsplatz. So konnte sie in das kreative Chaos hineinwachsen, das zwei Stunden später herrschen würde. Der Empfang war noch unbesetzt und vor allem war Carla noch nicht da. Anna atmete auf. Sie war für jede Minute dankbar, die diese giftige Schlange ihre bösartigen Augen nicht auf sie gerichtet hatte. Sie ordnete ihre Unterlagen um sich an die Überarbeitung ihrer Entwürfe zu machen, als ihr Blick in Toms Büro fiel. Sie zog verwundert die Augenbrauen hoch. Da saß Bruno an Toms Schreibtisch. Anna schaute auf die Uhr. Es ist halb acht? Was macht Bruno so früh hier? Der kommt doch sonst immer erst Stunden später? Bruno hatte die Bewegungen vor der Glaswand registriert und lächelte Anna nun freundlich zu. Mit einer knappen Handbewegung winkte er sie zu sich.
Als Anna das Büro betrat, überfiel sie ein seltsames Gefühl. Tom sollte dort sitzen und sie mit seinem geschäftsmäßig kühlen und auffordernden Blick anschauen, der sie immer direkt daran erinnerte, dass er, trotz allem was sie in den letzten Monaten miteinander erlebt hatten, ihr Chef war. Stattdessen saß aber Bruno dort, und betrachtete in Gedanken versunken das Bild, das er von Toms Schreibtisch genommen hatte.
„Guten Morgen!“ begrüßte Anna ihn. Bruno hob den Kopf „Guten Morgen Anna, setzen sie sich.“ Er deutete auf den Stuhl vor sich. Anna war sich nicht sicher, was sie von dieser Aufforderung halten sollten. Eigentlich war Bruno immer in Bewegung und außer in Meetings hatte sie noch nie gesellig mit ihm beisammen gesessen. Aber vielleicht hatte er ja was mit ihr zu besprechen. Sie setzte sich also verunsichert vor ihn und wartete nervös ab. „Geht es ihnen gut?“ fragte Bruno. Sie sah ihn verwundert an und antwortete zögernd „Ja, warum fragen sie?“ Brunos Blick war wieder einmal völlig befreit von jeglicher Mimik, die sein Ansinnen erkennbar machen würde. „Sie waren gestern so aufgelöst, als sie das Atelier verließen. … Darf ich sie was fragen?“ setzte er vorsichtig nach, und schaute erneut auf das Bild in seinen Händen. Anna folgte seinem Blick und ihre plötzliche Neugier ließ sie seine Frage ignorieren. „Darf ich mal schauen? Ist das Fanni?“ fragte sie. Bruno nickte mit leichter Verwunderung, dass Anna offenbar über Toms Vergangenheit informiert war. Aber es verfestigte seine Vermutung, dass sich die Beiden sehr viel näher standen, als sie es zugeben wollten. Er gab ihr das Bild und beobachtete Anna genau während sie es betrachtete. Anna hatte den Bilderrahmen schon häufig flüchtig gesehen, aber sich das Bild noch nie genauer ansehen können. Sie erblickte Tom mit einer hübschen blonden Frau im Arm, die Anna auf Anhieb sympathisch war. Sie wirkte so natürlich und fröhlich. Aber auch Tom hatte einen Gesichtsausdruck, den sie bislang nur einmal bei ihm erlebt hatte. In Gedanken wanderte sie zurück zu der wunderbaren Nacht, die sie mit Tom im Hotel verbracht hatte. Er war in dieser Nacht so anders, so liebevoll und zärtlich gewesen, dass sie das Gefühl gehabt hatte, einen ganz anderen Menschen vor sich zu haben. Damals hatte Tom auch so gewirkt. Frei, offen und unbeschwert. Das ist dann wohl der echte Tom. Der, in den ich mich verliebt habe. Anna wurde sich der Situation wieder bewusst. Sie räusperte sich und gab Bruno das Bild zurück. Bruno schmunzelte, denn ihr verliebter Gesichtsausdruck war ihm nicht entgangen. Er war sich sicher, dass ihn sein Gefühl nicht in die Irre führte, Toms Verschwinden hatte mit Anna zu tun. „Haben sie vielleicht etwas von meinem Sohn gehört?“ fragte Bruno jetzt frei heraus. Anna sah ihn erschrocken an und fühlte sich in ihren Gedanken ertappt. Sie stotterte verunsichert „Wa Wa Warum, sollte ich etwas von Tom gehört haben? Ich weiß ja nicht einmal wo er ist? Sollten sie da nicht eher seine Verlobte fragen?“ Bruno verzog unwillig das Gesicht. Er schaute kurz auf das Foto, das er noch immer in der Hand hielt, bevor er Anna direkt in die Augen schaute. „Wissen sie… das hier," er zeigte auf das Foto, " das ist der wahre Tom. Früher war er ganz anders. Voller positiver Energie, lebensfroh, ein wirklich liebevoller Mensch. Ich hoffe inständig, ihn irgendwann wieder zurück zu bekommen.“ Brunos Blick ruhte unentwegt auf ihrem Gesicht und zeigte leise Sorge, „ … Anna, warum haben sie gestern so fassungslos das Atelier verlassen?“ Anna lenkte ihren Blick verlegen zur Seite. Was soll das? Will er mir wieder sagen, dass ich Tom nicht aufgeben soll, und dass man seine Entscheidung nicht ernst nehmen kann?... Aber er scheint sich wirklich Sorgen zu machen, sonst säße er doch nicht um diese Uhrzeit hier und würde über Tom nachdenken. Sie dachte an den gestrigen Tag und ihre Angst zurück, die sie durchlebt hatte. Ich sollte ihn zumindest beruhigen. Den Blick auf ihre Hände gerichtet, die sich auf ihrem Schoß verknoteten, antwortete sie nach kurzer Überlegung leise „Das würde ich gerne für mich behalten,… aber ich glaube es geht ihm gut.“ Zumindest hoffe ich das, fügte sie gedanklich hinzu. Sie sah ihn um Verständnis bittend an. Ihre Hände waren feucht und sie spürte, dass sie schnell den Raum verlassen musste, wenn sie nicht vor ihrem Lehrmeister in Tränen ausbrechen wollte, denn Bruno hatte genau ihren wunden Punkt getroffen. Sie stand auf und Bruno nickte ihr dankend zu. „Ich geh dann mal an meine Arbeit“ verabschiedete sich Anna entschlossen und ging zügig zur Tür.“ Sie floh, vorbei an der Glaswand, hinter der Bruno mit seinen unausgesprochenen Ahnungen ihre Trauer wieder heraufbeschworen hatte. Sie würde Tom so gerne wieder zurück ins Leben holen, aber er würde es wohl nicht zulassen, schließlich hatte er sich gegen sie entschieden.
An der Sushibar holte sich Anna einen Kaffee um sich ein wenig Zeit zu gönnen, bevor sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren musste. Sie schaute hinaus in das graue Berlin und versuchte das Gefühl der Verzweiflung, das erneut von ihr Besitz ergreifen wollte, zu vertreiben und sich wieder zu sammeln. Aber am Zeichentisch angekommen erinnerte ihr Laptop sie an Toms E-Mail. Und obwohl sie sich dagegen wehren wollte, öffnete sie die Nachricht um sie erneut zu lesen.
Es geht ihm gut. Bestimmt. Er hat es doch geschrieben. Sie las seine Worte noch mal und noch mal, aber so sehr sie es sich wünschte, in seinen wenigen Worten war keine Botschaft zu erkennen, dass sich zwischen ihnen irgend etwas verändert hätte. Ein Mann der vielen Worte bist du wahrlich nicht. dachte sie ironisch. Natürlich stehe ich dir nicht im Weg. Du hast dich ja entschieden, … für Carla. Und dass du mich ignorieren kannst, hast du in den letzten Monaten ja bereits ausgiebig bewiesen. Anna klappte das Laptop genervt zu. Sie versuchte weitere Gedanken an Tom zu unterbinden, während sie, ohne sich dessen bewusst zu sein, in das mittlerweile wieder leer vor ihr liegende Büro, starrte. „Glauben sie, sie können ihn herbeizaubern, wenn sie nur fest genug daran denken?“ vernahm sie plötzlich eine liebliche Stimme von der Seite. „Guten Morgen Carla, antwortete sie freundlich und drehte sich zu ihr. „Waren sie nicht gestern diejenige, die ziemlich aufgebracht war, dass ihr Verlobter einfach so abgerauscht ist?“ Carla schaute ihre Kontrahentin hochmütig an. „Tom hat geschäftliche Termine, das war ein Missverständnis und hat sich lange aufgeklärt.“ antwortete sie gelassen. Anna schaute sie ungerührt an. Na, da ist die gute Miene ja wieder hergestellt, dachte sie und fragte höflich lächelnd, „dann können sie mir ja sicherlich sagen, wann Tom wieder hier ist. Ich hätte da einige vertragliche Dinge mit ihm zu besprechen.“ Carla wendete sich beschäftigt von ihr ab und Anna sah mit einem Schmunzeln das Rattern hinter ihren Augen. Mit dieser Frage hatte sie wohl nicht gerechnet. Aber Carla war ja selten um eine Antwort verlegen. „Nein, kann ich nicht. Er wird wiederkommen wenn er alles erledigt hat.“ Anna war zufrieden. Offensichtlich wusste Carla gar nichts. Sie wendete sich wieder ihrer Arbeit zu.

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Sep 08 2012, 10:42

Ja ja, der Bruno. Der kann den Menschen hinter die Stirn gucken. Na gut, Anna gibt sich ja auch kaum Mühe, ihre Gedanken zu verbergen. Wink Und Carla, Was für eine Genugtuung, dass sie rein gar nichts weiß. Freu mich schon auf die Fortsetzung, auf die du uns hoffentlich nicht gar zu lange warten lässt. Smile

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katha

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BeitragThema: "29"   So Sep 09 2012, 09:28

Ich wünsche einen schönen Sonntag!
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Tom schlief bis in den späten Vormittag, was für ihn eigentlich völlig unüblich war, aber der gestrige Tag hatte ihn wirklich an den Rand der Erschöpfung geführt. Als er aufwachte wurde er von den hellen Sonnenstrahlen geweckt, die durchs Fenster schienen und ihre Muster in den Raum malten. Verblüfft schaute er an sich herab, denn er lag mit allen Klamotten, die er am Vortag getragen hatte, quer auf dem Bett und hatte sich scheinbar keinen Zentimeter bewegt seit er eingeschlafen war. Nach und nach kamen die Erinnerungen zurück. Er schloss noch mal die Augen und genoss die Stille, bevor er voller Elan aufsprang. Sein erster Weg führte ihn auf die Veranda und er verharrte glücklich in dem Anblick des Meeres. Ich bin wieder da! dacht er, als ihn ein lautes Knurren seines Magens wieder in die Gegenwart zurück holte. Er schaute in seinen Kühlschrank, der aber leider nichts Essbares mehr hergab. Also gönnte er sich eine kurze Dusche und machte sich anschließend auf den Weg in das Haupthaus der Anlage um sich mit einem ordentliches Frühstück zu versorgen. Er hatte unglaublichen Appetit. Kurze Zeit später saß er auf der Terrasse des Hotels und ließ es sich schmecken. Während er seinen Hunger stillte, schaute er auf die Szenerie, die vor ihm lag. Er wurde sich wieder gewahr, in welchem kleinen Paradies er sich hier befand. Er schaute auf das türkisfarbene Meer. Es glitzerte in der Sonne und kräuselte sich sanft. Die Bucht wirkte völlig friedlich. Nur wenige Badegäste waren am Strand zu sehen. Tom beobachtete ein junges Paar, das sich offensichtlich stritt. die junge Frau zeigte mit ihrer ganzen Körpersprache, dass sie sehr verärgert über etwas war, und ihr Partner drehte sich nur genervt beiseite um ihr dann aber doch ein paar beschwichtigende Worte und Gesten zuteil werden zu lassen. Diese Szene erinnerte ihn an seine Streits mit Carla, deren Anzahl in den letzten Monaten extrem zugenommen hatte. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sich unsere gegenseitigen Erwartungen völlig konträr entwickelt haben, überlegte er. Während ich in letzter Zeit immer mehr an der Richtigkeit unserer Beziehung gezweifelt habe, hat Carla mir berharrlich gezeigt, dass sie endlich den ihr zustehenden Platz erhalten will. Tom bekam ein schlechtes Gewissen. Lange, viel zu lange hatte er sie in dem Glauben belassen, dass ihr der Platz an seiner Seite zustehen würde, und letztlich hatte er sie ja sogar gebeten seine Frau zu werden. Er schüttelte den Kopf. Ich muss dringend aufräumen in meinem Leben dachte er entschlossen. Er zog sein Handy aus der Tasche. Sein Flug würde am nächsten Tag gehen und so schrieb er ihr „Hallo Carla, ich werde morgen im Laufe des Tages wieder kommen. Ich melde mich bei dir. Tom“
Er hielt die SMS bewusst kurz und knapp. Er wollte ihr keine falschen Signale mehr senden aber sie auch nicht gleich verschrecken.
Nach dem er den ersten Schritt für sein ‘Neues Leben’ in Angriff genommen hatte, lehnte er sich zufrieden zurück und trank genüsslich seinen Latte macchiato. Er sah wieder aufs Meer hinaus und verspürte plötzlich den Drang einfach hinein zu springen.
Eine halbe Stunde später stand Tom am Wasser. Er zögerte einen kurzen Augenblick, aber dann schob er seine nur noch im minimalen Ausmaß vorhandenen Ängste beiseite. Das Wasser würde ihm nichts mehr anhaben. Er lief langsam einige Schritte ins Wasser und sprang letztlich mit einem Köpper hinein. Er genoss das Gefühl der Kühle, und konnte kaum glauben was er da tat. Er schwamm…. Im Meer. Und es fühlte sich so gut an. Er dachte an die vielen Stunden, die Fanni und er am Strand verbracht hatten und lächelte glücklich. Kraftvoll schwamm er ein Stück hinaus und drehte sich auf den Rücken. Die Wellen schaukelten ihn sanft hin und her, als wollten sie ihn freundlich begrüßen.
Nach einiger Zeit verließ er das Wasser wieder. Er fühlte sich so lebendig, dass er fast platzte und er spürte, dass er sich nicht einfach dem Müßiggang hingeben konnte. Schnell stieg er die Treppen zu seinem Appartement hinauf und setzte sich sogleich an seinen Laptop um einen Flug für den heutigen Tag zu buchen. Er wollte nach Hause, seine Zukunft in die Hand nehmen und er wollte zu Anna. Seit er aufgestanden war hatte er die Gedanken an sie unterdrückt, aber sie bahnten sich unaufhaltsam ihren Weg in seinen Kopf und vor allem in sein Herz. Er hatte solche Sehnsucht nach ihr, dass er keinen Tag länger warten wollte.
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Anna hatte die Entwürfe überarbeitet, und war wirklich zufrieden mit sich. Jetzt musste sie nur noch das Konzept fertig stellen, damit sie die weiteren Vorbereitungen für die Fashion Days in Angriff nehmen konnte. Carla schoss zwar wie immer giftige Blicke in ihre Richtung, aber das Gefühl mehr über Tom zu wissen als sie, ließ Anna diese Provokationen gelassen hinnehmen. Einzig das leere Büro vor ihr, deprimierte sie bei jedem erneuten Blick dorthin.
Gegen Mittag schwebte Virgin in ihre Richtung und sein Gesicht verriet, dass irgend etwas Außergewöhnliches passieren würde. Er blieb bei Carla stehen und flüsterte ihr etwas zu. Anna beobachtete die Beiden mit Argwohn. Vor allem als Carla Virgin erst dankbar anlächelte, und ihr dann für einen kurzen Augenblick ein hämisches Lächeln über das Gesicht zog, kroch ein ungutes Gefühl durch ihren Körper. Was hecken die Beiden denn wieder aus? fragte sie sich und hoffte inständig, dass es sich ausnahmsweise mal nicht um sie drehte. Bevor sie diesen Gedanken zu Ende geführt hatte, tauchte wie aus dem nichts Bruno auf, und sah Carla mit gewichtigem Blick an. „Carla, ich habe eine besondere Aufgabe für dich.“ Carla schaute ihn mit gespieltem Erstaunen an. „Für mich?“ fragte sie zweifelnd, da Bruno ihre Leistung ja am Vortag noch als unterirdisch bezeichnet hatte. Virgin hippelte um Carla herum als ob er den Hauptgewinn bei der Tombola gezogen hätte und auf seinen Preis wartete. „Du fliegst morgen nach Stockholm und wirst Peer einige Tage aushelfen.“ Carla schaute irritiert. „Wie Peer aushelfen?“ „Ja Carla, Peer, du kennst ihn ja. Er hat mich angerufen, er braucht dringend unsere Hilfe und wir werden ihn nicht hängen lassen. Er bereitet eine wichtige Modeschau vor und benötigt dringend eine Designerin als Unterstützung, da seine Assistentin ausgefallen ist. “ Bruno hatte sich bereits abgewendet, als Carla sich räusperte. Sie spielte die Rolle der Ahnungslosen wirklich gut. „Bruno, ich kann da nicht hinfliegen.“ Brunos Kopf schoss mit einem wütenden Blick zu ihr zurück. Wie konnte sie es wagen seine Autorität anzugreifen. „Wie du kannst nicht?“ sagte er in leise, mit drohendem Unterton in der Stimme. Carla schaute bedrückt „Ich habe noch so viel zu tun, du hast doch gestern selbst gesagt, dass ich noch nichts Brauchbares aufs Papier gebracht habe. … Kann nicht jemand anderes fahren?“ fügte sie leise hinzu. Sie warf einen kurzen Blick in Annas Richtung, welche die Unterhaltung bislang interessiert verfolgt hatte. Jetzt hielt sie den Atem an, und wartete alarmiert auf Brunos Reaktion. Virgin verstand die Welt nicht mehr. Er war neben Carla erstarrt und schaute, als ob er überlege sich hinter ihren Schreibtisch zu schmeißen, damit Brunos Zorn, der vermutlich gleich wie ein Tornado über sie hinweg fegen würde, ihn nichts anhaben könnte. Aber er blieb standhaft, zog lieber seinen Fächer hervor um sich hektisch Luft zu zu wedeln. Carla hingegen hatte keine Angst. Sie kannte die Launen ihres Chefs lange genug, und außerdem konnte er ihr doch eh nichts anhaben. Sie war immerhin die langjährigste und erfolgreichste Designerin im Haus. Nach ihm versteht sich. Außerdem würde Tom bestimmt nicht zusehen, falls Bruno ihr zu Nahe treten würde.
Nachdem sie am Vormittag immer noch zu keinen zufriedenstellenden Ergebnissen gelangt war, hatte sie darüber nachgedacht, das Angebot das Virgin ihr mit Sicherheit organisieren würde, tatsächlich zu nutzen. Aber seit sie vor einer guten halben Stunde Toms Nachricht erhalten hatte, war sie sich absolut sicher, dass sie Berlin nicht verlassen wollte. Sie würde die Broda eine Zeit in die Wüste schicken, damit sie ihr nicht in die Quere kommen konnte, während sie sich um einen schnellstmöglichen Hochzeitstermin kümmern würde.
Aber sie hatte sich zu früh gefreut. Bruno sah sie scharf an. „Nein Carla, es kann kein anderer fahren. Peer hat ausdrücklich darum gebeten, dass du kommst.“ Carla war wie versteinert. Mit dieser Reaktion hatte sie jetzt nicht gerechnet. „Aber, was ist mit meiner Kollektion für die Fashion Days?“ fragte sie entrüstet. „Die übernimmt Anna. Sie ist mit ihrer Kollektion ja fast fertig.“
Er schaute Anna fragend an und vernahm ein zaghaftes Kopfnicken. „Carla du fliegst. Die weiteren Daten erhältst du bei Frau Hauschke. Der Flug wird gerade gebucht.“ Ohne eine weitere Reaktion abzuwarten rauschte Bruno davon.
Carla blieb verdattert zurück. Verdammter Mist, so war das nicht geplant. Sie schaute Virgin wütend an. „Na das hat ja gut funktioniert“ raunzte sie ihn an. Virgin verstand die Welt nicht mehr. Er schaute sie stirnrunzelnd an. Hatte sie ihn nicht genau darum gebeten? Sie hatte ihm doch die Notwendigkeit erläutert, Lanford einige Zeit den Rücken zu kehren. … „Du wolltest es doch so? Was ist passiert?“ fragte er seine Freundin nun irritiert. Carla schoss tödliche Blicke in seine Richtung. „Tom ist passiert“, Sagte sie giftig. In ihrem Zorn vergaß sie völlig, dass Anna direkt neben ihr saß. „Er kommt morgen wieder, und Anna sitzt immer noch hier, während ich in Stockholm bin. Außerdem soll sie meine Kollektion fertig stellen. Ist ja Super“ Virgin sah von ihr zu Anna und verstand, dass Carla einen ganz anderen Plan verfolgt hatte. Er war also wieder einmal von ihr ausgenutzt worden. „Tja, damit musst du jetzt wohl leben. Und demnächst such dir jemanden anderen, den du in deine miesen Spielchen reinziehst.“ Mit einem beleidigten Blick flog er davon. Anna konnte sich ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen, als sie realisierte, dass Carla sich gerade ein Eigentor geschossen hatte.

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