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 AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"

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katha

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BeitragThema: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Jul 20 2012, 23:31

das Eingangsposting lautete :

Hallo,
diese FF habe ich bereits einmal in einem anderen Forum eingestellt, so dass sie vielleicht beim dem ein oder anderen bereits bekannt ist. Aber ich denke, sie passt gut in den Reigen, der hier aufgeführten FFs und ich freue mich, sie hier (sprachlich ein wenig überarbeitet) noch einmal zu posten.

Vorlauf
Der Titel sagt bereits worum es geht. "Anna und die Liebe" hat uns mit Anna und Tom bekannt gemacht, die es beide in der Vergangenheit schwer getroffen hat. Tom hat seine große Liebe Fanni vor einigen Jahren bei einem Unfall verloren und nun trifft er auf Anna, die nach dem Unfalltod ihres Mannes, völlig am Ende ihrer Kräfte, auf dem Dach eines Hochhauses steht, um sich das Leben zu nehmen. Die Beiden erleben einen Moment des Einvernehmens, der sie fesselt und Anna letztlich von ihrem Plan abbringt.
Danach laufen ihre Wege in die gleiche Richtung. Zumindest verlieren sich Anna und Tom nicht mehr aus den Augen. Nach einigen ereignisreichen Monaten, in den es viel Verwirrungen, Missverständnisse, Streit aber eben auch immer wieder einvernehmlich vertraute Moment zwischen Beiden gibt, passiert es schließlich. Tom und Anna verbringen eine wunderbare Nacht mit einander. Die Folge ist, dass Tom Anna sitzen läßt und versucht sie weit von sich zu schieben. Er will sich nicht auf sie einlassen, nicht auf seine Gefühle einlassen, da er Angst hat erneut einen Verlust erleiden zu müssen. Also beschließt er sich hinter einem geregelten Leben mit einer anderen Frau zu verstecken. Carla. Tom fragt Carla, Annas größte Widersacherin, sowohl privat als auch beruflich, ob sie seine Frau wird und diese sieht sich endlich an dem Ziel ihrer Träume angekommen. Für Anna jedoch bricht eine Welt zusammen. Tom bietet ihr einen Aufhebungsvertrag an um sie aus seinem Dunstkreis zu vertreiben. Denn insgeheim weiß er nicht nur wie sehr er Anna mit seiner Entscheidung verletzt hat, sondern auch, wie schwer es ihm fallen würde, sie weiterhin in seiner Nähe ertragen zu müssen. Es scheint also, als würden sich ihre Wege hier trennen...

Einstieg in die Geschichte:

Meine Story beginnt, nachdem Carla die Verlobung mit Tom bei Lanford öffentlich bekannt gegeben hat. Anna ist verzweifelt aus dem Atelier geflohen und auf das Dach gestiegen, auf dem sie Tom das erste Mal begegnet ist. Dem Dach, das ihr gemeinsamer Ort ist. Tom ist Anna gefolgt, und hat ihr gerade gesagt, dass er ihr einen Aufhebungsvertrag anbietet.
******************************************

Teil 1

Anna brauchte einige Zeit um zu realisieren, was Tom ihr da gerade gesagt hatte. Ich bedeute ihm was? Und, er weiß wie sehr er mich verletzt hat, dass ich nicht lache. Dieser Arsch, er ist doch zu mir gekommen, er hat mich geküsst, und jetzt… heiratet er Carla. …Das ist noch das Schlimmste. Diese unterkühlte, intrigante Kuh. Ich kenne keinen Menschen, der gehässiger ist als sie. Sie wendete endlich den Blick ab, der immer noch auf den Treppeneingang gerichtet war, in dem Tom vor einiger Zeit verschwunden war.
Wie soll ich das nur aushalten? Ich muss noch ein halbes Jahr bleiben. Das wird die Hölle. Langsam machte auch sie sich auf den Weg zum Treppenhaus. Sie hatte Paloma versprochen gleich wieder ins Atelier zu kommen. Annas Schritte waren schleppend, wie ihre Gedanken und Gefühle. Sie schwankte zwischen Traurigkeit, Wut und Verzweiflung. Jeder Schritt zurück ins Atelier kostete sie unendliche Überwindung.

Als sich die Aufzugtür öffnete, hoffte Anna nur, dass sie nicht allzu vielen Kollegen über den Weg laufen würde. Vor allem nicht Carla oder Tom. Sie steuerte direkt auf ihren Schreibtisch zu. Ein Umschlag lag auf ihrem Tisch. Erst jetzt fiel ihr wieder ein, was wahrscheinlich der eigentliche Grund für Toms Auftritt auf dem Dach war. Der Aufhebungsvertrag, den er ihr anbot. Zu gütig dachte sie „Eine halbe Millionen, soviel bin ich dir also wert. Da wirst du die Nacht sicherlich noch länger verteufeln. War ganz schön teuer“ zischte sie vor sich hin. Auch wenn Tom es ihr, oder vielleicht doch eher sich selbst, mit diesem Vertrag leichter machen wollte; er erniedrigte sie.
Eigentlich bin ich ja kein Typ, der sich kaufen lässt, aber weiterhin her kommen und dem jungen Glück beim Turteln zusehen,... Carlas hämisches Grinsen ertragen müssen, …und Tom jeden Tag sehen „Scheiße" entfuhr es ihr und in Gedanken fügte sie hinzu, Ich liebe ihn doch.

Anna schaute kurz in Toms Büro, in der eine hitzige Diskussion zwischen Vater und Sohn zu beobachten war. Ob es da wohl um mich geht? Bruno ist sicherlich nicht erbaut, dass ich gehe… Gehe ich wirklich? Ich arbeite doch gerne für Bruno, gerne für Lanford, und jetzt… Es war ein heilloses Durcheinander in ihrem Kopf.
Als sie aus dem Augenwinkel sah, dass Carla auf sie zu steuerte, nahm Anna ihre Tasche und den Umschlag mit dem Vertrag und ging geradewegs zum Aufzug. „Anna, ich wollte gerade mit ihnen über das Brautkleid sprechen“ hörte sie noch, als sie auch schon in den Aufzug trat, der sich Gott sei dank direkt geöffnet hatte. Gut das ich der noch entkommen konnte. Wahrscheinlich hätte ich sie in meiner Verfassung erwürgt, ... Na ja, dann wäre ich wenigsten ein Problem los gewesen, …hätte mich aber wohl auch nicht weiter gebracht, dachte sie und lehnte sich müde an die Wand.
---------------

Tom und Bruno sprachen natürlich über Anna. Bruno schätzte ihre Arbeit und außerdem hatte er einen 7. Sinn wenn es darum ging seinen Sohn zu durchschauen. Und er war sich sicher den Grund für Toms Angebot zu kennen. "Warum lässt du Anna gehen? Wir brauchen sie hier. Sie ist gut!" fragte Bruno Tom verärgert. Tom wusste, dass er recht hatte. Aber es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ich kann sie hier nicht täglich sehen dachte er, mit aller Macht an seiner Entscheidung fest haltend. "Und Carla? Du bist sicher, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast?" kam eine weitere unangenehme Frage bei Tom an. "Ja natürlich, ich liebe Carla." versuchte er Bruno, oder vielleicht auch sich selbst zu überzeugen. Bruno beobachtete ihn eine zeitlang und schaute ihn nur abschätzig an. "Ja genau. …Hauptsache du kannst dir bei deinen Lügen noch selbst in die Augen sehen." brummte Bruno und verließ das Büro.
Was denkt der sich eigentlich? Er hat doch schließlich eine Entscheidung von mir verlangt.Toms Blick wanderte suchen zu Annas verwaistem Schreibtisch. Er spürte, bei dem Gedanken, dass sie dort vielleicht nie wieder sitzen würde, einen Stich in seinem Herzen. Er wusste ,dass Bruno recht hatte. Es war eine Lüge. Aber ich kann das nicht zulassen. Ich kann Fanni nicht verraten, und ich will nicht noch mal so verletzlich sein. Er drehte sich entschlossen um. Hoffentlich geht sie auch wirklich, sonst..., nein verdammt, ich habe mich entschieden, und basta.

Als Anna in die Goldelse kam, schaute ihre Mutter sie verwundert an. „Du bist ja heute so früh? Ist alles in Ordnung?“ Anna hatte keine Lust auf Smalltalk und so sagte sie nur schnell. „Ja, alles gut. Ich bin einfach nur total müde. Ich geh hoch.“ In ihrem Zimmer angekommen, setzte sie sich in ihren Sessel am Fenster. Sie ließ die letzten Tage Revue passieren. Einen kurzen Moment stiegen die Bilder der gemeinsamen Nacht mit Tom in ihr auf. Sie verstand es einfach nicht. Wie kann man nur in so kurzer Zeit so glücklich und so verzweifelt zugleich sein? fragte sie sich, Na ja, wer hoch steigt, kann auch tief fallen. Ich sollte mich einfach von allen Männern fern halten. Sie bringen mir scheinbar kein Glück dachte sie deprimiert. Ihre Wut war auf einmal einer tiefen Leere gewichen, die sie umhüllte. Sie saß einfach da und starrte vor sich hin. Keine Gedanken, keine Gefühle mehr. Ihr war es recht.
Irgendwann klopfte es an der Zimmertür, und sie sagte herein. Anna blieb sitzen und dachte gar nicht darüber nach, wen sie wohl herein gebeten hatte. Sie schaute verwundert nach draußen. Sie nahm erst jetzt wahr, dass scheinbar viel Zeit vergangen war, denn die Straßen, auf die sie immer noch schaute, lagen mittlerweile im Licht der Dämmerung. Als sie plötzlich eine wohlbekannte Stimme ihren Namen sagen hörte, sprang sie erschrocken auf.


Zuletzt von katha am Sa Feb 09 2013, 21:12 bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Sep 09 2012, 15:19

Hahaha ... wie genial. Doofe Carla, das haste nun davon. Und Tom kommt früher zurück als er Carla mitgeteilt hat. Tja, die kleine Schlange sollte wohl so langsam mal wieder mit ihrem Kopp aus den Wolken kommen. Und Virgin, tja, er ist wirklich ein herzensguter Mensch, aber man sollte es sich wohl dreimal überlegen, ob man solche miesen Spielchen mit ihm treibt. Gar nicht gut. Na gut, was jetzt kommt, wissen wir ja, aber ich freu mich trotzdem drauf ...

LG, Mini

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Sep 09 2012, 23:10

Mini_2010 schrieb:
Hahaha ... wie genial. Doofe Carla, das haste nun davon. Und Tom kommt früher zurück als er Carla mitgeteilt hat. Tja, die kleine Schlange sollte wohl so langsam mal wieder mit ihrem Kopp aus den Wolken kommen. Und Virgin, tja, er ist wirklich ein herzensguter Mensch, aber man sollte es sich wohl dreimal überlegen, ob man solche miesen Spielchen mit ihm treibt. Gar nicht gut. Na gut, was jetzt kommt, wissen wir ja, aber ich freu mich trotzdem drauf ...

LG, Mini

Ja, ich genieße es auch immer wieder, wenn Carla aufläuft. Aber den Kopf aus den Wolken bekommen? Dazu müsste sie sowas wie Realitätsbewußtsein entwickeln, das wird wohl noch nichts...
Fortsetzung folgt bald, versprochen Smile
Danke für deine Worte...
LG, Katha

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BeitragThema: "30"   Mo Sep 10 2012, 21:56

Hier auch mal wieder ein neuer Teil! Wink
*************************

Tom kommt also morgen zurück!
ging es Anna durch den Kopf. Unvermittelt begann Annas Herz laut zu klopfen und ein kleines Lächeln zog über ihre Lippen. Sie sah Carla hinterher, die nicht ohne erst noch mal eine Dosis Gift auf Steffi zu schießen, das Atelier verließ. Und Carla will deshalb nicht die Stadt verlassen. Was bedeutet das? Eigentlich lässt sie sich doch keine berufliche Chance entgehen?... Und Tom, ob sich irgendwas geändert hat. Was ist wohl gestern passiert? Ich habe doch gespürt das da was war …." Aber ehe ihr Hoffnung zu viel Nahrng bekommen konnte, holte sie sich wieder in die Realität zurück. Was ein Quatsch, Anna. Gar nichts wird sich ändern. Vielleicht sollte ich mit Bruno sprechen, ob nicht doch ich nach Stockholm fliegen kann. Ein bisschen Abstand täte mir bestimmt gut. … Aber damit würde ich Carlas Wunsch erfüllen? Neeee, da bleibe ich lieber hier und quäl mich weiter. Je eher ich mich mit der Situation abfinde, umso besser. Ich komm ja eh nicht drum rum.
---------------

Tom saß derweil immer noch auf der Veranda und gönnte sich einen kleinen Ausflug ins ‘Annaland’. Er dachte an verschiedene Momente der letzten Monate zurück und lächelte. Mein Gott, hat mich Anna oft aus der Fassung gebracht. … Und ich Idiot habe sie immer wieder auflaufen lassen. Er schämte sich mittlerweile für seine arrogante Art, hinter der er sich immer wieder zurück gezogen hatte, aber er wusste auch, dass sie ihn trotzdem durchschaut und sein wahres Ich vermutlich besser erfasst hatte, als er selbst … Sie hat nie klein bei gegeben, sich immer mit Händen und Füßen gegen jede Ungerechtigkeit meinerseits gewehrt. Und das alles, obwohl sie doch wirklich selbst genug Probleme hat. Der Tod ihres Mannes, die Geldsorgen, die ihre ganze Familie belasten, diese Entführungsgeschichte mit Steve Welder… Und was habe ich gemacht? Statt für sie da zu sein, habe ich ihr immer wieder weh getan,… obwohl, immerhin habe ich ihr zwei Mal das Leben gerettet. Vielleicht zählt das ja auch ein bisschen.
Er dachte an die letzten Tage zurück und blieb bei ihrem Kuss in seiner Wohnung hängen. Er war so überrascht von ihrem Vorstoß gewesen, hatte sie doch nachmittags noch seinen Versuch sie zu küssen unterbunden. Aber diese Verwirrung hatte ihn nur einen sehr kurzen Moment davon abgehalten den Kuss zu erwiedern, denn auch wenn er es sich bis dahin nicht hatte eingestehen wollen, eigentlich sehnte er sich doch schon seit ihrer gemeinsamen Nacht im Hotel danach ihr wieder nah zu sein und sie zu spüren. Unmittelbar spürte er dieses prickelnde Gefühl bei der Erinnerung an seine Gefühle und Wünsche, die sie so prompt in ihm geweckt hatte. Er seufzte sehnsüchtig. Auch damit hatte sie ihn definitiv aus der Fassung gebracht. Und letztlich, war das der ausschlaggebende Moment gewesen, dass er sich eingestehen musste, dass er nicht einfach weiter machen konnte, als wäre nichts geschehen. Er spürte, dass ihn sein Sicherheitssystem nicht mehr vor sich selbst und der Vergangenheit retten konnte und er sich endlich damit auseinandersetzen musste.
Tom tauchte langsam wieder aus seinen Gedanken auf und realisierte nach einem kurzen Blick auf seine Uhr, dass es bis zu seinem Rückflug nur noch drei Stunden waren. Also machte er sich auf den Weg um sich für sein reales Leben zu rüsten. Ehe er diesen schicksalsträchtigen Ort verließ, nahm er sich die Zeit, noch einmal durchs Haus zu gehen und die letzten zwei Tage Revue passieren zu lassen. Was für einen Bewältigungs-Marathon habe ich da hin gelegt, dachte er als er seinen Koffer in die Hand nahm. Aber es hat sich gelohnt. Er lächelte zufrieden und zog die Tür hinter sich zu.

Als er an der Rezeption auf seine Rechnung wartete, fiel sein Blick auf Postkarten, die in einem Ständer ordentlich aufgereiht, auf ihre Käufer warteten. Er betrachtete sie relativ uninteressiert, als sein Blick an einer Karte hängen blieb. Sie war eigentlich unspektakulär, aber für ihn genau die Richtige. Sie zeigte einen Weg und Tom erkannte ihn auf anhieb. Es war der Weg zum Leuchtturm. Der Fotograf hatte die Vogelperspektive gewählt und man sah die zerklüftete Küstenlinie und die bizarre ursprüngliche Landschaft durch die sich der Weg schlängelte, und quasi ins Nirgendwo führte. Der Leuchtturm, an dem er tags zuvor Fanni gegenüber getreten war, stellte auf diesem Weg nur einen kurzen Zwischenstopp dar. Tom musste spontan an Annas Worte denken, die ihn einerseits nachdenklich gestimmt und ihn andererseits unglaublich beeindruckt hatten. Ich will nicht mehr weglaufen und immer weiter herum irren, hatte sie gesagt. In den letzten Wochen hatte ich das Gefühl, dass
sich die Dinge zum Guten wenden, dass ich vielleicht auf dem richtigen Weg bin.
Ja, genauso fühlte er sich auch, als ob er endlich aufgehört hätte zu flüchten und sich auf dem richtigen Weg befände.
Da hatte eine Idee. Er kaufte die Karte und entschuldigte sich für einen Moment. Schnell lief er an den Strand und sammelte einige schöne Muscheln und Steine. Er hielt noch mal einen Moment inne und sendete Fanni einen Abschiedsgruß in die tiefen des Meeres. „Ich werde wieder kommen, versprochen“ murmelte er, bevor er sich umwand und zurück lief. An der Rezeption angekommen steckte er seine Errungenschaften vorsichtig in seine Tasche und verabschiedete sich freundlich von der Bediensteten. Sie lächelte ihm hinterher und fragte sich, was wohl in so kurzer Zeit passiert sein mochte, dass dieser junge Mann eine solche Wandlung durchlebt hatte.
---------------

Carla hatte nach einem weiteren, recht unproduktiven Nachmittag bei Lanford, irgendwann aufgegeben und sich auf den Heimweg begeben. Sie war einfach nicht bei der Sache. Sie wollte nicht nach Stockholm fliegen. In ihrer Wohnung angekommen lief sie, wie ein hospitalisierter Tiger in seinem zu kleinen Käfig, auf und ab und überlegte, wie sie aus der Nummer, die sie sich selbst eingebrockt hatte, wieder raus kommen könnte. Verdammt, ich kann hier jetzt nicht weg, dachte sie genervt, obwohl sie eigentlich gar nicht so genau wusste warum. Vor kurzem wäre sie wahrscheinlich noch davon überzeugt gewesen, dass es Tom recht geschehen würde, in eine verlassene Wohnung zurück zu kehren, und dass ihm diese Begebenheit vor Augen führen würde, was er an ihr hat. Aber mittlerweile war sie sich sicher, dass sein plötzliches Verschwinden etwas mit Anna zu tun hatte, und so wollte sie Anna auf jeden Fall weit weg wissen, wenn er wiederkäme. Carla ärgerte sich, dass sie die Sache mit Stockholm nicht geschickter angestellt hatte. Sie hätte Virgin klar machen sollen, dass sie dieses blonde Engelchen in Stockholm sehen wollte. Aber jetzt ging es um Schadensbegrenzung. Irgendwann blieb Carla auf ihrem ständigen Weg durch die Wohnung am Fenster stehen und schaute hinaus. Der Himmel hatte sich im Laufe des Tages aufgeklart, aber die Folgen des Regens waren noch sichtbar. Die Straßen glitzerten in den Sonnenstrahlen, die immer wieder ihren Weg durch die Wolken fanden. Carla betrachtete gedankenverloren die Fußgänger auf den Gehwegen, die versuchten den Pfützen und den Fontänen, die die Autos aufspritzen ließen, auszuweichen. Als sie einen Mann beobachtete, der bei einer versuchten Rettungsaktion vor einer eben solchen Wasserfontäne ausrutschte, hatte sie plötzlich eine Eingebung. Schnell eilte sie zurück zur Couch, nahm ihr Telefon in die Hand und tätigte einen Anruf.
---------------

Am Berliner Flughafen angekommen bestieg Tom ein Taxi und nannte seine Adresse. Er war froh wieder in seiner Heimatstadt zu sein, obwohl er von seinem sonnigen Paradies in die graue Realität zurück kam. Aber während er durch die Straßen Berlins gefahren wurde beschlich ihn nach und nach ein ungutes Gefühl. Er fragte sich, ob Carla wohl in seiner Wohnung sei, wenn er ankäme. Einerseits wollte er das klärende Gespräch mit ihr zwar so schnell wie möglich hinter sich bringen, aber andererseits hatte er auch echt Respekt davor. Er kannte Carla schließlich gut genug um zu wissen, dass sie völlig ausflippen würde. Gerade als er darüber nachdachte wie er seinen Schlussstrich am diplomatischsten vermitteln konnte und mit welcher Reaktion er zu rechnen hätte, fuhr das Taxi an dem Gebäude vorbei, in dem Carlas Wohnung lag, und was er bei seinem automatischen Blick zur Eingangstür sah, verwunderte ihn so sehr, dass er den Taxifahrer aufforderte sofort anzuhalten.

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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Sep 10 2012, 22:20

Hui, spannend. Kann es sein, dass der Carla-Part neu ist? Ich bin mir im Moment gerade gar nicht so sicher, ob ich den vorher schon mal gelesen habe. Bin gespannt. Bitte mach ganz ganz schnell weiter, meine Süße ... Smile

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Sep 10 2012, 22:36

Ne, ne, ne. Nix neu, vielleicht sprachliche ein wenig verfeinert und hin und wieder um ein paar Sätze erweitert, aber ansonsten ist nix neu. Wink
Aber ich schätze beim nächsten Teil, wird es dir auch wieder einfallen. Wink

LG, und ich beeil mich!
Obwohl das irgendwie nicht so recht klappt. Eigentlich wollte ich ja heute auch noch für die andere Story weiter schreiben, bin aber mit Schreiben, Lesen, Antworten nicht dazu gekommen. Und jetzt muss ich wohl mal ins Bett. Rolling Eyes

die Katha-Maus Wink

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Sep 11 2012, 07:36

katha schrieb:
Ne, ne, ne. Nix neu, vielleicht sprachliche ein wenig verfeinert und hin und wieder um ein paar Sätze erweitert, aber ansonsten ist nix neu. Wink
Aber ich schätze beim nächsten Teil, wird es dir auch wieder einfallen.
Wink

LG, und ich beeil mich!
Obwohl das irgendwie nicht so recht klappt. Eigentlich wollte ich ja heute auch noch für die andere Story weiter schreiben, bin aber mit Schreiben, Lesen, Antworten nicht dazu gekommen. Und jetzt muss ich wohl mal ins Bett. Rolling Eyes

die Katha-Maus Wink

Ja, wie das weitergeht, weiß ich schon. Konnte mich nur nicht mehr daran erinnern, wie Carla auf diese zugegebener Maßen "schwachsinnige" Idee gekommen ist Wink ... Aber gut, so entdeckt man ab und an nochmal was neues in deiner Story, auch wenn es nicht wirklich neu ist - ein klares Zeichen dafür, dass es wirklich höchste Zeit war, deine Story nochmal zu lesen Smile Smile Smile

LG, Mini-Maus

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BeitragThema: "31"   Mi Sep 12 2012, 18:07

Na Mini, ich habe mich auch schon gewundert. Du bist doch eigentlich so eine aufmerksame Leserin Wink
Hier kommt auf jedenfall die Auflösung für die, die Carlas Idee noch nicht kennen Wink
*********************************

Tom bezahlte den Taxifahrer und beobachtete dabei Carla, die soeben die Haustür ihres Wohnhauses verlassen hatte, und nun auf der anderen Straßenseite entlang ging. Er achtete darauf, dass sie ihn nicht bemerkte, als er seinen Koffer in Empfang nahm und ihr vorsichtig folgte. Es war ja nicht ungewöhnlich, dass sie abends noch mal raus ging, aber in diesem Aufzug? Sie trug eine schlabberige Jogginghose und einen langen Parker. Ihre Füße steckten in Jesus-Latschen. So kannte er Carla nicht mal innerhalb der eigenen vier Wände, geschweige denn, dass sie damit auch nur die Wohnungstür öffnen würde. Das war einfach zu ungewöhnlich, als es zu ignorieren.
Sie ging nur wenige hundert Meter die Straße entlang, bevor sie ein Haus betrat und Tom fragte sich wohin bzw. zu wem sie wohl wollte. Er wartete noch einen Moment, ehe er die Straßenseite wechselte und vor der Tür stehen blieb, die sie so eben passiert hatte. An der Hauswand war ein Praxisschild eines Gynäkologen angebracht, ansonsten gab es noch fünf Klingelschilder, deren Namen ihm aber alle unbekannt waren. Er schüttelte zweifelnd den Kopf und fragte sich was er hier eigentlich tat, aber schließlich drückte er gegen die Tür, die sich auch sogleich öffnete. Ich schnüffle meiner Verlobten hinterher, nur weil sie untypisch gekleidet ist? Bin ich jetzt eigentlich völlig bescheuert? fragte er sich noch einmal, als er im Hausflur stand. Er wartete einen Moment und hörte gebannt auf irgendwelche Geräusche, aber es war alles still. Nachdem sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah er sich um. Als erstes betrachtete er die Aushänge neben der Tür, die ihm aber nichts Spannendes erzählten. Also ging er langsam weiter. Auf der rechten Seite, war die Praxis, deren Schild er eben gesehen hatte. Als er hinter der Tür leise Stimmen vernahm, blieb er stehen und lauschte. Er fixierte die Tür und stellte leise seinen Koffer ab, während er angestrengt versuchte aus dem herausdringenden Gemurmel irgendwelche Worte zu verstehen. Da fiel ihm auf, dass die Tür nicht richtig ins Schloss gefallen war und nach einem kurzen Zögern, öffnete er sie neugierig einen Spalt, während er sich umsah ob ihn auch keiner beobachtete. Jetzt konnte er deutlich zwei Stimmen erkennen, und tatsächlich, eine davon war eindeutig Carlas. Was macht Carla abends um nach sieben beim Frauenarzt? Da ist doch keine Sprechstunde mehr? Seinem Gefühl folgend, öffnete er die Tür nicht weiter, sondern versuchte dem Gespräch so zu folgen. „Worum geht’s dir eigentlich? Bestimmt um deinen Angebeteten...“ hörte er eine männliche Stimme, die er aber nicht kannte. „Das geht dich überhaupt nichts an. Mach du einfach, worum ich dich bitte … es sei den du möchtest, dass ich deiner Frau erzähle was du mit deinen Patientinnen so nach Praxisschluss treibst“ war Carlas verächtliche Stimme zu hören. Der Mann wehrte sich sogleich „Das mit dir war das einzige Mal, dass mir sowas passiert ist. Das war ein Ausrutscher, nach einem wirklich beschissenen Tag. Das weißt du genau.“ Carla lachte höhnisch. „Na, da kann ich ja richtig froh sein, dass ausgerechnet ich dein Ausrutscher war. Sonst könnte ich jetzt gar nicht auf deine Hilfe bauen. Und jetzt mach voran.“ Eine kurze Zeit war es Still und Tom überlegte schon, ob er sich nicht besser zurückziehen sollte. Was er gerade gehört hatte, ließ ihn eh schon vor Wut kochen. Carla hatte ihn also betrogen. Und ihm hatte sie nach der Nacht mit Anna die Hölle heiß gemacht, als hätte er eine monatelange Affäre gehabt Auch wenn er sich sowieso von Carla trennen wollte. Dass sie ihm Hörner aufgesetzt hatte, gefiel seinem männlichen Stolz so gar nicht. Aber dann stockte er erneut. „Da kann ich ja nur froh sein, dass du deinem Liebsten wenigstens keine Schwangerschaft vorgaukeln willst. Wenn ich da mit machen würde, könnte ich nämlich meine Zulassung verlieren.“, hörte er und verkrampfte alleine bei dem Gedanken an so eine widerliche Hinterhältigkeit. Aber das war eigentlich eine Nummer die er ihr dann doch nicht zutraute, … bis er Carlas völlig gelassene Antwort vernahm, die ihn eines Besseren belehrte. „Daran habe ich auch schon gedacht, aber der Aufwand ihm über Wochen oder sogar länger was vorzuspielen ist mir dann doch zu groß. Außerdem liebt mich Tom, wenn wir jetzt nur ein bisschen Zeit für uns haben, werde ich ihn schon überzeugen können das wir bald heiraten, und dann ist alles so wie es sein soll.“ Tom konnte ihr zufriedenes Lächeln bei diesen letzten Worten quasi vor sich sehen, und er hatte spontan das Gefühl sich übergeben zu müssen.“ Tom vernahm noch ein gemurmeltes „Muss ein ganz schöner Idiot sein, wenn er dich wirklich heiraten will“, bevor er vorsichtig die Tür wieder anlehnte, seinen Koffer nahm und schnell das Haus verließ. Vor der Tür blieb er stehen und atmete einige Male tief ein und aus. Ihm war fürchterlich übel. Mein Gott, was ist Carla eigentlich für ein Mensch. … Und ich hätte sie wirklich fast geheiratet. Der Typ hat recht, ich bin tatsächlich ein ganz schöner Idiot. Er wechselte erneut die Straßenseite und lehnte sich gegen eine Litfaßsäule. Er konnte es nicht fassen, was er gerade gehört hatte. Sie hat mich betrogen,…und sie hat darüber nachgedacht mir eine Schwangerschaft vorzuspielen? und jetzt erpresst sie diesen Typ? Aber was hat sie eigentlich von ihm verlangt? Jetzt ärgerte er sich, dass er seinen Posten an der Tür aufgegeben hatte, aber er hätte Carlas Stimme einfach keinen Moment länger ertragen. Wahrscheinlich wäre er ihr an die Gurgel gesprungen, wenn er noch länger zugehört hätte. Aber da sah er Carla schon aus dem Haus kommen. Er versteckte sich kurz hinter der Säule als er erneut zweifelnd die Augenbrauen hob. Carla hatte ein Bein eingegipst und humpelte auf Krücken zurück zu ihrer Wohnung. Trotz der Anstrengung, hatte sie ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen, dessen Anblick seine Übelkeit erneut schürte.

Tom verharrte völlig überfordert an Ort und Stelle und schaute ihr sprachlos hinterher. Seine Gedanken fuhren lustig Karussell nach dem was er gerade gesehen und gehört hatte, und erst als ein Taxi in seinem Blickfeld auftauchte, erwachte er wieder zum Leben und sprang schnell auf die Straße um es anzuhalten. Als er kurze Zeit später seine Wohnung betrat, war er froh, dass er alleine war. Er packte schnell seinen Koffer aus, bevor er sich mit einem Glas Wasser in seinen Sessel fallen ließ. Das gerade gehörte, musste er erst einmal verdauen. Aber es dauerte nicht lange ehe er wieder in die Höhe schnellte und angespannt durch die Wohnung wanderte. Nach einiger Zeit blieb er am Küchenfenster stehen und starrte hinaus, aber auch das brachte ihm nicht die erwünschte Erleichterung. Im Gegenteil es verdeutlichte ihm die Enge seiner Räumlichkeiten. Letztlich nahm er seine Autoschlüssel und verließ die Wohnung.
Tom wusste nicht so recht, wo er hin wollte, aber er musste raus aus seiner Wohnung, die ihm zunehmend Beklemmungen bereitete. Er konnte nicht einfach nur herum sitzen. Er fuhr kreuz und quer durch die Straßen Berlins. Von hier nach da, scheinbar völlig ohne Ziel, bis er irgendwann auf einen nur allzu bekannten Schriftzug schaute, und ihm bewusst wurde, wo es ihn eigentlich die ganze Zeit hingezogen hatte. Er parkte seinen Porsche und starrte auf das Haus, indem sich die Goldelse befand. Er überlegte, ob er hinein gehen sollte. Ich könnte einen Kaffee trinken… einfach so, dachte er, um gleich darauf den Kopf zu schütteln. Tom, du wolltest dieses Mal alles richtig machen. Eins nach dem anderen erledigen… . Er zwang sich also sitzen zu bleiben, lehnte den Kopf gegen die Kopflehne und betrachtete das Haus. Er stellte sich vor, wie Anna hinter einem der Fenster im ersten Stockwerk auf ihrem Bett lag und diesen träumerischen Blick im Gesicht hatte, den er so liebte. Da hörte er im Radio wieder sein Lied. ‘Starlight’. Er hörte noch einmal genau hin, und wieder fühlte er sich in dem Song völlig verstanden. Da kam ihm der Gedanke, dass dieser Song ein weiteres Puzzle-Teilchen für seinen Plan sein könnte. Ja, das ist perfekt. Das Lied gibt einen Hinweis, auf die Angst, die mich die vielen falschen Entscheidungen treffen ließ, und gleichzeitig erzählt es, dass ich sie liebe. … Sie wird es vielleicht dann schon verstehen. Er lächelte und freute sich auf den Moment, in dem er sich Anna endlich erklären konnte. Tom schloss die Augen, schwor Annas Gesicht herauf und versank in seinen Erinnerungen, die ihn spontan überfielen. Er dachte daran, wie Anna und er zusammen auf dem Bett in dem Leipziger Hotelzimmer lagen und er ihr sanft über ihre Wange strich. Seine Augen waren tief in ihre gerichtet und ganz langsam, fast schüchtern, fanden sich ihre Lippen zu einem zärtlichen Kuss. Die Welt um sie rum war sofort wie ausgeblendet gewesen. Tom konnte seine damalige Nervosität spüren, das Kribbeln in seinem Bauch und sein Verlangen sie zu spüren. Er hatte das Gefühl ihre weiche Haut zu fühlen, als er in Gedanken begann ihren Körper zu streicheln. Er seufzte sehnsüchtig… , als er plötzlich Annas lebendiges Lachen hörte, als ob sie neben ihm stände. Er öffnete die Augen und fragte sich, ob er jetzt schon wieder irgendwelchen Halluzinationen erliegen würde, was ihn spontan schmunzeln ließ. In diesem Fall wäre es eine sehr schöne Erscheinung, der er sich gerne hingeben und die gar nicht lang genug anhalten konnte.
Aber da hörte er erneut Annas Stimme. Er schaute sich suchend um, und tatsächlich, hinter ihm kam sie den Weg entlang. Er machte sich klein und betrachtete Anna im Rückspiegel, den er sich passend einstellte. Toms Herz machte einen riesigen Sprung und er war froh, dass er saß, denn seine Knie wurden ganz weich. Aber … Mist. Was mach ich denn jetzt? Wenn sie mich hier sieht... Im nächsten Moment stockte ihm der Atem. Enrique tauchte neben Anna auf. Er nahm sie in den Arm und flirtete heftig mit ihr und sie... . Anna war völlig entspannt und ließ Enriques Annäherung ohne Protest zu. Tom war schlagartig auf 180. Ein schmerzender Stich zog sich durch seine Brust und sein Blut raste durch seine Adern. Also doch. Ich wusste doch, dass da was zwischen denen ist. Er fluchte leise vor sich hin. Aber er war nicht nur zornig. Er war auch unendlich enttäuscht. Sie ist auch nicht besser, als Carla. Erzählt mir, dass sie sich in mich verliebt hat, und nur weil ich nicht sofort reagiere, tröstet sie sich schon einige Tage später mit meinem besten Freund, dachte er deprimiert.
Dass er nach ihrer Liebeserklärung nicht nur ‘nicht reagiert’ hatte, sondern ihr eine klare Abfuhr erteilt, und sich zu allem Überfluss nur einen Tag später in aller Öffentlichkeit verlobt hatte, war ihm dabei scheinbar entfallen.

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Zuletzt von katha am Fr Sep 14 2012, 20:44 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Sep 12 2012, 18:24

Oh oh, Tommi, Tommi, Tommi ... Da sind sie wieder die alten Zweifel. Und die leise Stimme der Eifersucht. Was für ein wunderbarer Teil. Carla und ihr bescheuerter Plan. Wie gut, dass Tom Bescheid weiß. Der arme Kerl könnte einem glatt leidtun, aber na ja, so spielt nun mal das Leben. Du hast es Anna ja auch nicht unbedingt leicht gemacht. Dranbleiben heißt das Geheimrezept und vor allem genau hinsehen und nicht voreilig schlussfolgern ... Rolling Eyes

Toll, meine Liebe. Das ist so wunderbar geschrieben, da könnte man sich glatt ärgern, dass der Teil schon wieder zu Ende ist. Sad

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Sep 13 2012, 15:12

Mini_2010 schrieb:
Oh oh, Tommi, Tommi, Tommi ... Da sind sie wieder die alten Zweifel. Und die leise Stimme der Eifersucht. Was für ein wunderbarer Teil. Carla und ihr bescheuerter Plan. Wie gut, dass Tom Bescheid weiß. Der arme Kerl könnte einem glatt leidtun, aber na ja, so spielt nun mal das Leben. Du hast es Anna ja auch nicht unbedingt leicht gemacht. Dranbleiben heißt das Geheimrezept und vor allem genau hinsehen und nicht voreilig schlussfolgern ... Rolling Eyes

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Die leise Stimme der Eifersucht? Rolling Eyes Ich würde sagen, die ist schon ganz schön laut.
Und ich finde es ansich immer noch unglaublich wie selbstgefällig Tom ist. (Fand ich übrigens auch in der TN). Er stellt sich hin und verlobt sich vor aller Augen und hat dann die Treistigkeit sich über Anna aufzuregen, wenn sie versucht sich von seiner Enttäuschung abzulenken. Ts, als ob sie nachdem was er sich geleistet hat, irgend ein recht hätte von ihr zu erwarten, dass sie still und sehnsüchtig hinter ihm her schmachtet.
Na ja, wir werden sehen, was da so los ist.

Danke für deine Worte und mal schaun ob Tom auf dein Geheimrezept hört Wink
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BeitragThema: "32"   Fr Sep 14 2012, 21:43

Auf besonderen Wunsch einer einzelnen Dame, eine kleine Fortsetzung...
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Tom wollte schon sein Auto starten um schnellstmöglich abzuhauen, bevor seine Freunde ihn doch noch sehen würden, als er noch eine weitere Person im Rückspiegel vernahm. Er drehte sich überrascht um, um besser sehen zu können. Es war Paloma, die hinter Anna und Enrique hergelaufen kam. Jetzt waren die Drei bereits so nah, dass er ihre Worte verstehen konnte. Tom rutschte noch tiefer und sah vorsichtig zwischen seinen Sitzen hindurch. „Hey ihr Beiden! Wartet ihr mal auf mich? Kaum bleibe ich einen Moment stehen, da lasst ihr mich links liegen und flirtet wild rum? Ich glaube ihr spinnt! Sie lachte und krallte sich Enrique. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und schimpfte gespielt weiter. „Und du wirst es bereuen, wenn du mich noch einmal einfach stehen lässt um eine anderen Frau zu bezirzen." Sie schaute ihn drohend an. Enrique nahm seine Freundin in den Arm und gab ihr einen intensiven Kuss, bevor er verschwörerisch antwortete „So wie ich dich kenne, hast du dir schon eine Strafe für mich überlegt?“ Er schaute sie herausfordernd an. Aber Anna, die neben den Beiden stand und die Augen verdrehte, unterbrach dieses Liebesgeflüster energisch. „Stopp jetzt. Macht weiter, wenn ihr alleine seid. Wenn ihr nicht wollt, dass ich gleich umfalle, dann lasst uns jetzt was essen gehen!“ Lachend zog sie ihre Freunde hinter sich her in die Goldelse. Tom saß in seinem Auto und stieß angespannt die Luft aus, die er bereits längere Zeit unbewusst angehalten hatte. Oh man Tom, du bist so ein eifersüchtiger Trottel. Enrique hat es dir doch neulich schon erzählt, und du hast es echt nicht gerafft. Er kam sich vor wie ein liebestoller Teenie, der vor den so neuen aufwallenden Hormonen nicht mehr klar denken konnte. Liebe ist doch wirklich was Grausames... schüttelte er den Kopf und kämpfte gegen seinen Trieb an, einfach hinter seinen Freunden her zu gehen. Aber er besann sich eines Besseren und fuhr nach Hause. Morgen würde er sich um alles Weitere kümmern, morgen würde er mit Anna sprechen und hoffentlich alles erklären können.
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Am nächsten Morgen trieb Carla ihren frevlerischen Plan voran. Ganz früh betrat sie das Atelier und hoffte, dass Bruno bereits im Hause war. Sie hatte Glück, er saß in Toms Büro und arbeitete irgendwelche Geschäftsunterlagen durch. Es wird Zeit, dass Tom zurückkommt. Ich kenne mich mit diesem ganze Kaufmannskram einfach nicht aus, dachte er genervt, als es klopfte. Bevor er reagieren konnte, öffnete sich die Tür auch schon und Carla kam auf Krücken ins Büro gehumpelt. Bruno erblickte sie und wurde blass. „Was ist denn mit dir passiert?“ fragte er, als er die brünette Designerin erblickte. Diese ließ sich umständlich in den ihm gegenüber stehenden Sessel fallen und seufzte theatralisch auf. „Ein Fahrradfahrer hat mich gestern Abend fast über den Haufen gefahren... ich musste ausweichen, bin gestürzt und jetzt hab ich eine Bänderzerrung. Und das alles wegen so einem I.dioten!“ Sie schaute Bruno mit vor Zorn funkelnden Augen an. Und Bruno, ganz der Kreative Kopf Lanfords, überlegte gleich was das für Lanford bedeutete. Schnell fiel ihm ein, dass Carla zu Peer nach Stockholm fliegen sollte. „Aber sonst ist alles gut?“ fragte er jedoch erst einmal nach, ehe er sich auf die geschäftlichen Dinge konzentrieren müsste. Carla schenkte ihm einen fast dankbaren Blick als sie antwortete. „Ja danke, geht schon, ich muss halt nur diesen nervigen Gips tragen. … Ich befürchte, …“ Bruno fiel ihr ins Wort „…du kannst nicht nach Stockholm fliegen.“ Er schaute wenig begeistert, wusste aber, dass sie die Aufgaben die in Stockholm anfallen würden, mit einem Gipsbein tatsächlich schwer erfüllen konnte, und er eine andere Lösung finden musste. Also sagte er genervt, „Okay, dann fliegt jemand Anderes. Kannst du denn arbeiten? Ansonsten nimm dir den Tag erst mal frei.“ Carla mühte sich aufzustehen, während sie ihm antwortete. „So lange ich nicht viel laufen muss, kann ich schon arbeiten. Ich geh dann auch mal an meine Platz.“ Als sie Bruno den Rücken zudrehte, zog sich ein zufriedenes, hämisches Lächeln über ihr Gesicht. Bruno sah ihr durch die offene Tür skeptisch hinterher, aber was sollte er tun.
Da sah er Anna das Atelier betreten. Diese blickte sofort zu Toms Bürotür und freute sich heimlich. Tom! Er ist wieder da! Aber schon hörte sie Brunos Stimme, die sie aufforderte zu ihm zu kommen. Sie schluckte die Enttäuschung herunter, die sich prompt einstellte, und ging zu ihrem Kreativ-Chef. Bruno kam ohne lange Vorrede zum Punkt „Anna. Sie müssen zu Peer fliegen. Es geht nicht anders. Kriegen sie das hin?“ Bruno sah sie fragend an und Anna wusste gar nicht was sie sagen sollte. Sie fühlte sich völlig überfahren. „Warum? Ich denke Carla...“ Sie runzelte argwöhnisch die Stirn, als sie Bruno sogleich unterbrach. Er hatte gar keine andere Wahl als Anna zu schicken, also machte es auch keinen Sinn lange zu diskutieren. „Carla hat ihr Bein in Gips. Sie ist wohl gestern fast umgefahren worden und dabei gestürzt. Damit kann sie unmöglich die Vorbereitungen einer Modeschau betreuen. Ich bitte Steffi gleich den Flug umzubuchen. Am besten, sie gehen sofort nach Hause und packen. … Ach, wie weit sind sie mit ihrer Kollektion?“ Anna war verwirrt. Das war ja wirklich eine Überraschung am frühen Morgen. Sie verfiel, noch bevor Bruno seine Ausführungen beendet hatte, in ihre Überlegungen. Wer war dieser Peer eigentlich und was sollte sie da tun? Aber andererseits, … hatte sie nicht gestern schon darüber nachgedacht, dass sie Tom aus dem Weg gehen sollte? Vielleicht sollte sie sich einfach freuen. Sie registrierte Brunos fragenden Blick. Hatt er was gefragt? „Äh, bitte?“. Bruno wiederholte seine Frage. „Meine Kollektion? …Also, na ja, die Entwürfe, die sie schon gesehen haben, sind fertig, aber es fehlen ja noch welche. Aber das Konzept habe ich gestern so weit fertig gestellt.“ Bruno wägte ab, während er seinen Kopf hin und her wiegte. „Das sollten wir hinbekommen. Dann lassen sie uns gleich nochmal kurz auf ihre bisherigen Ergebnisse schauen." antwortete er beruhigend. "Wenn die okay sind, kann sich Paloma schon mal um die Showvorbereitungen kümmern, und Enrique das Marketingkonzept erarbeiten. Sie sind ja in einigen Tagen zurück. Dann bleiben immer noch fast zwei Wochen. Also Anna, machen sie sich keine Sorge. Zauberhaft wird auf den Fashion Days auf jeden Fall laufen.“ Bruno versprühte trotz der unbefriedigenden Entwicklung einen Optimismus, der Annas Sorge um ihre eigene Kollektion ein wenig dämpfte. „Sagen sie den Anderen Bescheid? Dann treffen wir uns, hmm ... sagen wir in zwanzig Minuten, am Konferenztisch und besprechen nochmal alles.“

Carla beobachtete das kurzfristig einberufene Meeting mit gemischten Gefühlen. Einerseits war sie mehr als zufrieden, dass ihr Plan aufging und Anna nach Stockholm fliegen würde, andererseits war Anna mit ihrer Kollektion aber tatsächlich besser aufgestellt, als sie gedacht hätte, und Bruno schien hellauf begeistert. So ein Mist, warum bekommt die kleine Kröte eigentlich immer die ganzen Lorbeeren ab. Dabei hat sie von Mode soviel Ahnung wie meine Putzfrau, dachte sie genervt.
Als sich das Meeting auflöste, kam Anna zu ihrem Tisch zurück um ihre Unterlagen einzustecken. Bruno folgte ihr auf dem Fuße und hatte offensichtlich noch ein wichtiges Anliegen. Na ja…, beim Meister war ja alles wichtig . „Ach Anna, da fällt mir gerade ein... Ich habe ihnen noch gar nicht mitgeteilt, dass ich Peer überzeugen konnte, als kleines Dankeschön ein Kleid von uns mit in die Show aufzunehmen. Also lassen sie sich inspirieren und entwerfen sie ein faszinierendes Abendkleid, das es verdient den Namen Lanford zu tragen. ... Ich vertraue ihnen.“ Er schaute sie mit vielsagendem Blick an und machte sich mit einem auffordernden „Lernen sie Anna, es ist eine wirklich große Ehre mit Peer zu arbeiten“ davon. Anna schaut ihm hinterher und spürte wie die Nervosität in ihr hinauf kroch. Ihr Blick schweifte suchend durch das Atelier und streifte dabei Carlas. Diese sah sarkastisch lächelnd in ihre Richtung. „Na Anna, dann wünsche ich ihnen viel Erfolg. Haben sie ein Glück, dass sie von dem Pech anderer Leute noch profitieren können…“ Anna schaute etwas betreten, verspürte tatsächlich für eine Sekunde ein schlechtes Gewissen, denn für diesen Unfall konnte Carla ja wirklich nichts. Aber sie selbst hatte es sich ja auch nicht ausgesucht nach Schweden zu fliegen. Sie ärgerte sich über Carlas Spruch Die soll mal die Klappe halten und sich um ihren eigenen Kram kümmern. „Ich glaube nicht, dass ich mich dafür entschuldigen muss, ihren Job zu erledigen… Ich habe sie schließlich nicht über den Haufen gefahren.“antwortete sie angefressen, aber ich würde dem Schuldigen gerne einen Orden zukommen lassen fügte sie in Gedanken hinzu. Als sie Virgin am Empfang erblickte, nahm sie ihre Tasche, ignorierte die mit Sicherheit wenig interessante Antwort ihrer ‘geliebten Kollegin‘ und strebte in seine Richtung. „Virgin!...“ rief sie hinter ihm her, als dieser die Treppe hinaufflog. Dieser winkte jedoch nur ab, und entschuldigte sich mit einem „Bruno hat mich gerufen..“ bevor er aus ihrem Blickfeld entschwand. Mist, ich hätte gerne noch etwa mehr über diesen Peer erfahren. Hat der eigentlich auch einen Nachnamen? Bestimmt ist das auch so ein verrücktes Genie wie Bruno. Das kann ja heiter werden. Anna ging zurück zum Empfang und ließ sich ihre Buchungsunterlagen geben, bevor sie den Knopf für den Fahrstuhl drückte.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Sep 15 2012, 12:47

Oh Danke meine Liebe. Das ist wirklich toll. Wink War ja klar, dass Anna wieder herhalten muss. Köstlich fand ich wieder mal Toms Eifersucht. Rolling Eyes Konnte ihn mir wirklich bildlich vorstellen, wie er Tom und Anna argwöhnisch beobachtet und dann tierisch erleichtert war, weil er wieder mal zu viel in etwas hineininterpretiert hat. Und die blöde Carla fliegt hoffentlich noch auf mit ihrer Intrige. Ist ja wirklich nicht zu fassen. Danke für diesen schönen Teil, schade, dass er schon wieder zu Ende ist.

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BeitragThema: "33"   Sa Sep 15 2012, 21:17

Und da folgt der erste Streich 👅 . Ich hoffe es werden heute noch mehr Wink
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Tom stand an die Rückwand des Aufzugs gelehnt und seine Gedanken kreisten, genauso wie den Rest des gestrigen Abends, um Carla. Was hatte es wohl mit diesem Gipsbein auf sich. Er vermutete, dass sie sich einfach seine Fürsorge erschleichen wollte, um ihn an seine ‘Pflichten′ als Verlobten zu erinnern. Ein zynisches lächeln verirrte sich auf sein Gesicht. Da würde er sie wohl leider enttäuschen müssen.
Er wusste, dass ihm seine neuen Erkenntnisse das klärende Gespräch, das ihm bevor stand, erleichtern würde, denn sein schlechtes Gewissen, das ihn die letzten Tage immer wieder beschlichen hatte, war wie weg geblasen. Andererseits hatte er aber Sorge, was Carla noch so einfallen würde, wenn er sich erst einmal von ihr getrennt hatte. Und er befürchtete zudem, dass sich ihr Zorn vor allem auf Anna richten könnte. Anna! Er schloss die Augen und genoss einen Moment seine Vorfreude, sie bald in seine Arme nehmen zu können, denn er zweifelte keine Sekunde daran, na ja, bis auf den kleinen Aussetzer, als er sie mit Enrique gesehen hatte, dass sie ihn mit offenen Armen empfangen würde, wenn er erst einmal dazu gekommen war ihr seine Gefühle offen zu legen. Als sich die Aufzugtür zum Atelier hin aufschob öffnete er die Augen und erfasste sogleich den üblichen Trubel, der schon in vollen Zügen tobte. Er lächelte leise in sich hinein, denn nach den Tagen, die er der Welt entrissen schien, vermittelte ihm das Chaos fast ein heimeliges Gefühl.

Erst jetzt registrierte er, dass eine junge blonde Frau, in ihrer Tasche wühlend, den Aufzug bestiegen und den Knopf für die Fahrt zum Erdgeschoss gedrückt hatte. Sie war in ihre Suchaktion so vertieft, dass sie ihn gar nicht bemerkt hatte. Er stand dort, wie angewurzelt. Sein Herzschlag hatte für einen Moment ausgesetzt und rannte nun im Eilschritt voran, offenbar um sein den vorherigen Aussetzer auszugleichen, so dass er einen Moment brauchte ehe er ein geflüstertes „Anna!“ aus seiner Kehle hervor ringen konnte. Sie schoss mit einem lauten Quieken herum und taumelte gegen die Fahrstuhltür, die sich Gott sei Dank bereits geschlossen hatte. Mit weit aufgerissenen Augen stand sie dort und verlor binnen weniger Sekunden jegliche Farbe aus dem Gesicht. Sie hatte das Gefühl, dass die Wände des Raumes auf sie zukämen und sie zwischen sich erdrückten und bevor sie den Halt verlieren konnte ließ sie sich an der Wand herunter auf den Boden gleiten. Tom bekam angesichts ihrer Reaktion einen riesigen Schreck und eilte sogleich zu ihr. Er hockte sich vor sie und streifte mit seinen Händen über ihre Arme. „Anna, geht es dir gut?“ fragte er besorgt und hob mit der Hand ihr Kinn, um sie ansehen zu können. Anna schaute mit tränenverschleiertem Blick auf. Die Erkenntnis, dass er wirklich vor ihr stand, hatte ihr quasi den Boden unter den Füßen weggerissen. Endlich war die Angst und die Verzweiflung, die sie die letzten Tage immer wieder verspürt hatte von ihr abgefallen, aber nicht ohne diesen unaufhaltsamen Tränenstrom der Erleichterung auszulösen. „Tom…, du bist hier. … Ich hatte so eine Angst um dich…“ stammelte sie. Die Tränen bahnten sich den Weg über ihr Gesicht und Tom musste schlucken. Es tat ihm unendlich leid, sie so zu sehen. Anna wollte ihren Blick beschämt abwenden, aber Tom verhinderte es, indem er ihr Gesicht nun mit beiden Händen umfasste und ihr liebevoll in die Augen blickte. Er wollte sie beruhigen und sprach in sanftem, aber ernstem Tonfall „Ja, ich bin hier Anna. … Und es geht mir gut.“ Sie musterte sein Gesicht, als überprüfe sie den Wahrheitsgehalt seiner Aussage, sie brauchte einen Moment, bis sie sich wieder gefangen hatte und ihm ein dankbares Lächeln schenken konnte. Tom streichelte ihr sanft über die Wange. Er war so froh bei ihr zu sein. Ihre Blicke ruhten weiterhin ineinander und Beide durchschoss der gleiche Gedanke, Ich liebe dich so sehr. Anna spürte die Hitze in ihren Kopf steigen, als Toms Gesicht ihrem immer näher kam. Sie bekam eine Gänsehaut und bemühte sich ruhig weiter zu atmen, während der Wunsch ihn zu spüren fast übermächtig in ihr tobte. Sie schloss die Augen um den lebenden Beweis für seine Anwesenheit in Empfang zu nehmen. Da gab es plötzlich einen heftigen Ruck. Tom wurde von seinen Füßen gerissen und landete auf seinem Hintern. Die jungen Leute sahen sich verwirrt an, bevor sie gemeinsam auflachten. Die magische Situation war vorerst verpufft, aber auch die unangenehme Anspannung hatte sich etwas gelöst. Tom stand auf und reichte Anna die Hände. „Geht es?“ fragte er liebevoll. Anna nickte, und dankte dem Tatbestand, dass der Aufzug hängen geblieben war. So blieb ihr noch ein wenig Zeit die Fassung wieder zu erlangen, ... und eigentlich wünschte sie sich auch nichts mehr, als hier mit ihm alleine zu sein. Sie ließ sich von ihm hochziehen… und dann standen sie voreinander, ganz nah. Wieder waren sie gefesselt, von ihrem gegenseitigen Anblick und der Wärme, die sie zwischen ihren Körpern aufbaute. Sie spürten ihre Hände, die sanft ineinander lagen und Tom strich mit seinen Daumen sanft über Annas Handrücken. Es war ihm, als ob der Trommelwirbel in seiner Brust, laut hörbar sein müsste.
Er hatte sich eigentlich vorgenommen, ihr nicht nahe zu kommen, bevor er nicht mit Carla gesprochen hatte, aber er fühlte sich wie ferngesteuert, nicht in der Lage, sich zu wehren. Wieder näherte er sich ihrem Gesicht und die Spannung zwischen ihnen war kaum zu ertragen. Wahrscheinlich hätte ein kleiner Funke gereicht um eine Explosion auszulösen. Ihre Lippen wollten sich gerade berühren, als sie wiederum durch einen Ruck aus dem Gleichgewicht gebracht wurden. Während Anna leise quiekte, konnte Tom ein enttäuschtes Brummen nicht zurückhalten. Sie hielten sich aneinander fest und Tom legte seine Stirn an Annas. So verblieben sie schwer atmend bis der Fahrstuhl die letzten Meter bis zum Erdgeschoss zurücklegt hatte. Als Anna vor der Tür, die sich gerade öffnete, Brunos Stimme vernahm, löste sie sich schnell von Tom und strich sich die Tränen aus dem Gesicht. Bruno war in einem Streitgespräch mit dem Hausmeister vertieft. Anna bedachte Tom noch mal mit einem flüchtigen, sehnsüchtigen Blick, bevor sie mit einem schnellen. „Ich muss los“ den Aufzug und das Gebäude verließ. Zurück blieb ein jungen Mann, der ihr wie paralysiert hinterher sah.

Anna lief schnell hinaus und immer weiter. Sie war froh, dass Bruno sie nicht gesehen hatte. Erst als sie einen ordentlichen Abstand zwischen Lanford und sich gebracht hatte, blieb sie stehen. Sie lehnte sich erschöpft an das Geländer des Kanals und schaute aufs Wasser, was sie irgendwie beruhigte. Sie drehte sich um und blickte verwirrt zurück zum Lanford-Gebäude, das in der Sonne vor ihr aufragte. Er ist wieder da und es geht ihm gut. Anna freute sich, aber gleichzeitig war sie wieder da, die Gewissheit, dass sie sich in seiner Nähe weiterhin quälen würde. Oh man, warum lasse ich mich von diesem Kerl immer wieder so aus der Fassung bringen? Aber warum lässt er überhaupt zu, dass es immer wieder soweit kommt. Er will mich doch nicht. Oder doch? ... Nein Quatsch. Ein Tom Lanford ändert seine Meinung nicht von jetzt auf gleich, dachte sie deprimiert und auch ein Stück angefressen. Ich muss das in den Griff bekommen... ermahnte sie sich. Es ist schon gut, dass ich jetzt erst einmal weg bin. Entschlossen wendete sie sich sowohl geistig als auch körperlich ihrer Dienstreise zu.
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„Hallo Tom!“ rief Bruno erfreut aus, und umarmte seinen Sohn, der immer noch wie angewurzelt da stand. Tom reagierte nicht wirklich, streifte seinen Vater nur mit einem kurzen Blick, bevor er, immer noch unbewegt, wieder zur Ausgangstür schaute. Bruno musterte ihn irritiert und folgte seinem Blick. „Ist alles in Ordnung? … Wartest du auf eine Erscheinung?“ Tom riss sich aus seinen Gedanken und sah Bruno entgeistert an. „Äh, was? Eine Erscheinung?“ Ein eher flüchtiges Lächeln zog über sein Gesicht bevor er leise vor sich hin brabbelte „die hatte ich wohl gerade mal wieder“. Er riss sich zusammen und widmete sich seinem Vater, der ihn immer noch verwundert ansah. „Hallo Papa. Schön wieder hier zu sein.“ Bruno betrachtete ihn immer noch eingehend. Einerseits sieht er gelöster aus, als vor seiner Abreise, aber warum ist er so verwirrt?, überlegte er während er den Knopf drückte um ins Atelier zu gelangen. „Ja, das ist tatsächlich gut, ich werde sonst noch wahnsinnig mit diesem Geschäftskram, ich frag mich immer, wie du da durchblickst. Ich habe dir schon einen ganzen Stapel Papiere auf den Tisch gelegt.“ Tom zog amüsiert die rechte Augenbraue nach oben. „Sieh an, also habe selbst ich in meinem Leben irgend etwas richtig gemacht. … Das ist doch mal ein gutes Gefühl, wenn man so dringend gebraucht wird.“ Er schmunzelte, als er Brunos überraschtes Gesicht sah. „Was machst du erst, wenn ich wirklich mal ausfalle?“ fügte Tom noch belustigt hinzu. „Du bist eben unabkömmlich.“ scherzte Bruno zurück. „Aber wo warst du eigentlich? …Du hattest offensichtlich Erfolg mit dem was du getan hast, ... oder hast du dich einfach austauschen lassen? ... Du bist ja so witzig, kaum wieder zu erkennen…“ Tom lächelte gedankenverloren. „Ja, ich denke, ich war sehr erfolgreich, aber das erzähl ich dir ein anderes Mal." Bruno schaute enttäusch, er war jetzt wirklich neugierig, ob sich seine vagen Vermutungen bestätigen würden. Aber er würde das noch heraus bekommen. “Ach, deine Verlobte war übrigens nicht so erbaut über deinen Ausflug.“ Toms Gesicht verzog sich, war plötzlich gar nicht mehr so freundlich. „Na sie wird’s überlebt haben, oder?“ Bruno nickte nachdenklich „Jooh … , außer dem Gips scheint sie wohlauf.“ Tom sah ihn überrascht an. Carla ist also hier. Was sie Bruno wohl erzählt hat? Er tat unwissend und fragte erstaunt nach „Gips?“Brunos prüfendem Blick, wich er schnell aus. „Du hast gerade nicht viel mit deiner Verlobten am Hut, kann das sein? … Na ja, deine Sache.“ Da öffnete sie auch schon die Tür und die beiden ungleichen Männer betraten das Atelier. Sogleich wurde Tom an den Empfang gewungen und mit Post und Nachrichten überhäuft, um die er sich kümmern sollte.

Als er sich auf seinen Schreibtischstuhl fallen ließ, schaute er durch die Glaswand auf Annas Tisch, der ungewöhnlich aufgeräumt aussah. Er dachte einige Minuten zurück und war wie erschlagen von den Empfindungen, die diese kurze Begegnung mit ihr gleich wieder in ihm ausgelöst hatten. Er hatte ihre Lippen quasi schon gespürt, als dieser verdammte Aufzug ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Wieder einmal entfuhr ihm ein leiser Seufzer. Er musste sich wirklich beeilen, ansonsten würde er wahnsinnig. Da vielen ihm die Dinge ein, die er sorgsam in seiner Tasche verstaut hatte. Bevor er her gekommen war, hatte er in einem Music-Store die Single besorgt, die er gestern im Auto gehört hatte. Außerdem hatte er eine edle kleine Schachtel gekauft, in die er jetzt die Single, die Muscheln und Steine, sowie die Karte legte. Was er darauf schreiben wollte, musste er sich noch genau überlegen. Er legte die Schachtel sorgsam in die Schublade seines Schreibtisches und lächelte.
Dann stand er auf und stellte sich an die Glaswand um für einen Augenblick das Treiben im Atelier zu beobachtete. Es war viel los. Die Mitarbeiter liefen von hier nach dort, brachten Papiere weg, holten Stoffe, trafen sich und besprachen kurz etwas. Es war das übliche kreative Chaos, das Lanford so lebendig machte. Als sein Blick wieder einmal auf Annas Schreibtisch fiel, fragte er sich wo sie eigentlich so schnell hinmusste, und wann sie wohl wiederkäme. Wenn es ihm schon nicht vergönnt war sie zu spüren und zu küssen, dann wollte er sie doch wenigstens sehen können. Da kreuzte eine Person sein Blickfeld und störte ihn in seinen sehnsüchtigen Gedanken. Verärgert holte er sich in die Realität zurück und blickte sogleich in das Gesicht, seiner erstaunt stehen gebliebenen Verlobten. Mit einem Strahlen im Gesicht machte sie sich auf den Weg in sein Büro.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Sep 15 2012, 23:54

Juhu, ein neuer Teil ... Und sogleich ist er wieder verschlungen ... Mhmm ... Die Begegnung im Fahrstuhl, oh Mann, das war Spannung pur. Ich hatte das Gefühl, ich stehe neben den Beiden. Und dann die Situation, als Tom Carla sieht. Kann man noch kälter in die Realität zurückgeholt werden. Oh wei und wenn Tom erst erfährt, dass Anna nach Schweden fliegt und seine blöde Verlobte das alles inszeniert hat ... Bitte bitte schreib schnell weiter, meine Liebe ...

Liebe Grüße, Mini

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Sep 16 2012, 00:34

Hey meine Süße,
während du vermutlich mit Absicht versuchst die Zeit zu verschieben, müsste ich lange m Bett liegen. Rolling Eyes
Danke für deine lieben Worte.
Und ich war heute Abend fleißig, wie du ja bereits gesehen hast Wink und ich hoffe sehr, dass ich vielleicht morgen früh noch die Zeit finde einen weiteren Teil einzustellen. Ich weiß, die Fortsetzung der anderen Story ist wichtiger, Wink aber das Schreiben dauert leider auch länger. Mal sehen, was sich machen lässt um dich entspannt in den Urlaub zu schicken. 👅

Ich drück dich!
Bis wann wird dich denn was Neues erreichen können?

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BeitragThema: "34"   So Sep 16 2012, 10:43

Und auch hier noch ein Beitrag von mir. Mini, ich finde dieser Teil ist durchaus dazu geeignet, dich mit einem Grinsen in den Urlaub zu schicken. Wink
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Tom setzte sich hinter seinen Schreibtisch und holte nochmal tief Luft. Auf in den Kampf dachte er, bevor sich die Tür auch schon öffnete. Carla begrüßte ihn freudig. Sie kam auf ihren Krücken herein gehumpelt, versuchte ungeschickt die Tür hinter sich zu schließen und wand sich hilfesuchend zu Tom. Dieser stand gelassen auf und schloss die Tür. Carla wollte ihm einen Kuss geben, aber er drehte sich direkt wieder um und setzte sich. „Hallo Carla, was ist passiert? Warst du mal wieder feiern und hattest dieses Mal keinen Engel, der dich nach Hause gebracht hat?“ fragte er mit wenig Emotion in der Stimme, und zeigte dabei auf ihren Gips. Er grinste leise in sich hinein und war gespannt, was für eine Geschichte sie ihm auftischen würde. Carla stand immer noch an der Tür. Das Strahlen war verschwunden, stattdessen spiegelte sich ungläubige Empörung in ihrem Gesicht. Sie spürte wie Wut in ihr hoch kochte. Es war wie bei dem letzten Treffen in diesem Büro. Er war völlig desinteressiert und unterkühlt. Sie ließ sich in den Sessel plumpsen, um demonstrativ auf ihre missliche Lage hinzuweisen. „Das ist alles, was du mir zu sagen hast? Du ver.pisst dich einfach, hast es nicht mal nötig dich zu melden und jetzt sitzt du hier, als wäre nichts gewesen und besitzt auch noch die Unverschämtheit dich über mich lustig zu machen?“ fragte sie scharf. Eigentlich hatte sie seine Auszeit auf sich beruhen lassen wollen, aber da er sich gleich wieder so unmöglich verhielt, konnte sie nicht anders. Tom hatte sich ihre Tirade in aller Ruhe angehört. „Glaubst du allen ernstes das hier wäre ein Witz?“ dabei zeigte sie theatralisch auf ihren Gips. Er nickte, „Ja so ähnlich. Im Moment interessiert mich erst mal was passiert ist.“ Carla war irritiert. Sie konnte keinen Funken Sorge in seinem Gesicht erkennen. So kalt hatte sie ihn lange nicht erlebt. „Du willst wissen was passiert ist? …So ein Mistkerl hat mich mit seinem Fahrrad über den Haufen gefahren, das ist passiert.“ zischte sie ihm zu. Tom hob eine Augenbraue und gab ein nichtsagendes „Aha“ von sich. Carla starrte ihn an und schüttelte unverständig den Kopf. „Geht’s dir noch gut? …Aha? …Ist das alles was du zu sagen hast, wenn deine Verlobte beinahe umkommt?“ Tom lehnte sich entspannt zurück. Er konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, schließlich wusste er ja, dass es diesen Unfall gar nicht gegeben hatte. „Beinahe ums Leben gekommen bist du also." Er hob skeptisch die Augenbrauen. ... "Meinst du nicht, dass du ein wenig dick aufträgst?“ fragte er trocken. Carla war völlig perplex, diese Unterhaltung passte so gar nicht in ihr Konzept, und sie wusste auch überhaupt nicht damit umzugehen. Tom biss sich auf die Lippe um nicht laut los zu lachen. Er hatte Carla noch selten so sprachlos erlebt und er verspürte eine innere Befriedigung, die ihn für seine Sorgen des letzten Abends entlohnte. Sein Geheimnis würde er erst einmal für sich behalten, man wusste ja nie, wofür man so ein Wissen noch nutzen konnte. Außerdem sollte sie doch ruhig noch ein bisschen mit ihrem Gips durch die Gegend laufen. Macht bestimmt nicht so wahnsinnig viel Freude.
Carla saß in ihrem Sessel und öffnete den Mund mehrfach, sah aus, wie ein Fisch der auf dem Trockenen nach Luft schnappte, weil ihr keine passende Antwort einfiel. Sie beschloss, erst einmal den Raum zu verlassen. „Das hier muss ich mir echt nicht geben. Sag mir doch einfach Bescheid, wenn du wieder irgendein Interesse an mir hast. Bis dahin geh ich lieber arbeiten“ giftete sie ihn an. Tom sah ihr in aller Ruhe zu, wie sie mühsam aufstehen wollte, bis er allen Mut zusammen nahm und sie letztlich doch aufhielt.

"Bleib mal sitzen, ich muss dir noch was sagen.“ Carla wendete sich ihm erstaunt zu. „So, jetzt willst du also mit mir sprechen?“ sie lachte zynisch. „Vielleicht habe ich jetzt aber gar keine Lust mehr mit dir zu reden…“ „Du musst auch nicht reden, zuhören reicht, das schaffst du schon“ Sein Ton war verändert. Zwar immer noch sarkastisch, aber irgendwie auch sehr ernst. Carla sah ihn mit verbitterten Gesicht an „Na dann leg mal los. Ich gebe mein Bestes“ Tom wurde mulmig, und er brauchte noch einen kleinen Moment um sich zu sammeln. Er stand auf und schenkte sich an seinem Sideboard ein Glas Wasser ein, ehe er sich ihr wieder zudrehte und zögernd begann zu sprechen. „Carla es geht so nicht weiter. …“ Carla fiel ihm sofort energisch ins Wort „Da hast du völlig recht, das sehe ich auch so. Du benimmst dich unmöglich und ich bin sicher, ich weiß woran das liegt. Die Broda muss weg. Seit sie hier ist läuft alles schief. Kümmere dich endlich darum. Das wolltest du schon lange erledigt haben.“ Jetzt war Tom perplex und er merkte wie ihm die Zornesröte ins Gesicht schoss. Wie kann man nur so verblendet sein? Sie muss doch schon lange gemerkt haben, dass zwischen uns was nicht stimmt. Und sie soll Anna in Ruhe lassen. Er schaute für einen Moment durch die Glaswand und atmete mehrfach tief ein und aus um nicht aus der Haut zu fahren. Er hatte sich vorgenommen sich nicht auf ihr Niveau herab zu lassen. Er wendete sich wieder der Brünetten zu, die ärgerlich auf ihrem Stuhl verharrte. „Carla, es geht nicht um Anna. Es geht um uns.“ Hatte Tom einen hochroten Kopf, so verlor Carla jetzt jegliche Farbe aus dem Gesicht und starrte Tom fassungslos an. „Ich kann nicht mehr mit dir zusammen sein… und vor allem will ich es auch nicht mehr.“ Er hielt ihrem Blick stand, der noch unentschieden zwischen Unglauben und Zorn hin und her schwankte. Carla schnappte nach Luft, bevor sie in viel zu ruhigem Ton antwortete „Tom, wir wollten heiraten. Und jetzt machst du Schluss?“ Tom war alarmiert. Das konnte nur die wohlbekannte Ruhe vor dem Sturm sein. Er versuchte es kurz und knapp zu erklären, damit er möglichst wenig Angriffsfläche bot. „Carla, wir hatten eine gute Zeit, aber ich werde so nicht weitermachen.“ „Was heißt das denn? So weitermachen?“ ihre Stimme wurde zunehmend bissiger. „Das mit uns hat eine ganze Zeit funktioniert, … aber, …einer Verlobung hätte ich niemals zustimmen dürfen.“ Er senkte für einen Moment beschämt den Blick, denn den Fehler hatte er ganz klar sich selbst zuzuschreiben. Carla schnippte, so schnell, wie es ihr Gips zuließ, in die Höhe. Da sie dabei fast das Gleichgewicht verlor, sah es etwas unbeholfen aus. Ihre Gesichtsfarbe hatte jetzt von kalkweiß zu knallrot gewechselt. „Du stößt mich also wirklich von dir? Nach allem was ich in den letzten Jahren für dich getan habe? Ich war immer für dich da! Ich habe dir deinen Betrug mit Anna verziehen. … Tom, ich liebe dich!“ Ihre Stimme war immer hysterischer geworden und Tom konnte die ersten Zuschauer vor der Glaswand erkennen. Er zog die Vorhänge zu und ging zurück zum Sideboard. Er musste sich sehr zusammen reißen, denn ruhig zu bleiben, während er angebrüllt wurde, entsprach nicht gerade seinem cholerischen Wesen. Er verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust und seine Stimme war kalt als er weitersprach „Carla, es tut mir leid. … ich will dich nicht belügen. …ich habe dich wohl nie wirklich geliebt und ich werde es auch in Zukunft nicht tun. … ich habe es lange nicht wahrhaben wollen, wie leer mein Leben in den letzten Jahren war, … aber ich will so nicht mehr weitermachen.“ Carla sah ihn verletzt an, ihr liefen Tränen über das Gesicht. „Weißt du wie sehr ich mir gewünscht habe, dass du mir dein Herz öffnest. …“ Sie wischte sich die Tränen weg, wollte keine Schwäche zeigen. „Stattdessen verliebst du dich in diese Schnepfe. Ich habe es von Anfang an gewusst.“ Sie hatte die letzten Worte geschrien. Jetzt fügte sie noch drohend hinzu „Das wird Anna noch leid tun! Das hat sie nicht umsonst getan!“ Tom schaute sie erschrocken an. „Carla, ich warne dich, lass Anna in Ruhe. Sie kann überhaupt nichts dafür.“ Carla platzte fast vor Zorn. Wenn sie den Sessel nicht gebraucht hätte um sich an ihm festzuhalten wäre der wahrscheinlich schon lange durch den Raum geflogen. Aber so, krallte sie sich daran fest damit sie bei ihrem Ausbruch nicht den Halt verlor. „Sie kann also nichts dafür? Ha, das ich nicht lache. … Sind wir doch mal ehrlich. Seit dem Moment, als du sie das erste Mal gesehen hast, war ich für dich nur noch Mittel zum Zweck.“ Tom wusste ja, dass sie recht hatte. Aber er war verwundert, dass sie es so auf den Punkt brachte. „Aber wenn du das schon vor so langer Zeit erkannt hast, offensichtlich früher als ich ..., warum willst du dann trotzdem mit mir zusammen sein?“ Er verstand sie nicht, und sein Zorn wuchs und suchte verzweifelt nach einem Ventil. Jetzt hatte er sich doch nicht mehr ganz so gut im Griff. „Du liebst mich? Das glaubst du doch selbst nicht?" Das machte doch alles keinen Sinn. "Ist es nicht vielleicht doch nur die Aussicht auf das Prestige eine Lanford zu sein, die dich motiviert hat bei mir zu bleiben?“ Carla sah ihn mit einem tödlichem Blick an, als sie Ihre Krücken nahm und auf dem Weg zur Tür jetzt doch noch den Stuhl umhaute. Sie versuchte einen souveränen Abgang hinzulegen. … Zumindest das Knallen der Tür war beeindruckend.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Sep 16 2012, 12:06

Au ja, der Teil hatte es wahrlich in sich. Und ich danke dir, dass du ihn noch eingestellt hast. Tom war für seine Verhältnisse ja wirklich sehr beherrscht. Ich weiß nicht, ob ich Carla an seiner Stelle nicht direkt an die Gurgel gegangen wäre. Diese Dreistigkeit, das ist einfach ... ohne Worte. silent Auch wenn ich - so ungefähr - weiß, wie es weitergeht, bin ich natürlich wahnsinnig gespannt darauf, den nächsten Teil von dir zu lesen. Bis dahin sag ich DANKE und wünsche dir eine tolle Zeit. Wink

LG, Mini I love you

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Sep 16 2012, 19:19

Mini_2010 schrieb:
Au ja, der Teil hatte es wahrlich in sich. Und ich danke dir, dass du ihn noch eingestellt hast. Tom war für seine Verhältnisse ja wirklich sehr beherrscht. Ich weiß nicht, ob ich Carla an seiner Stelle nicht direkt an die Gurgel gegangen wäre. Diese Dreistigkeit, das ist einfach ... ohne Worte. silent Auch wenn ich - so ungefähr - weiß, wie es weitergeht, bin ich natürlich wahnsinnig gespannt darauf, den nächsten Teil von dir zu lesen. Bis dahin sag ich DANKE und wünsche dir eine tolle Zeit. Wink

LG, Mini I love you

Ja,ja Tom ist eben immer für eine Überraschung gut. Aber er versucht wirklich dieses mal alles richtig zu machen, um Anna nicht erneut zu verletzen und dazu gehört gewiss auch Carla nicht mehr als nötig gegen sich und vor allem gegen Anna aufzubringen.
Lieben Dank für deine Worte Wink
LG, Katha flower

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BeitragThema: "35"   Di Sep 18 2012, 20:26

So meine Lieben,
ich hoffe irgend jemand schaut mal vorbei und ließt meine Zeilen, so dass ich sie nicht umsonst gepostet habe ... Surprised
Ansonsten müssen die Worte auf Mini warten, bis sie ihre Aufmerksamkeit bekommen. Dauert dann halt was länger Wink
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"Liebe... Pfff" Tom blickte Carla wütend hinterher "Das wars dann wohl mit uns Frau Rhonstedt". Er drehte sich um und schüttete sich, immer noch unter Strom, schwungvoll ein Glas Wasser ein. Etwas zu schwungvoll, wie das Ergebnis vermuten ließ, denn ein großer Schwall landete auf seinem Sideboard und lief sogleich hinunter und tropfte auf seine Hose und Schuhe. "Shit!" schimpfte er als er ein Stück zurück sprang und sich suchend nach etwas zum Aufwischen umsah. Er griff hastig nach ein paar Servierten, die bei der Bewirtung seines letzten Besuches auf dem Tablett liegen geblieben waren, trocknete seinen Schrank ab und sah anschließend genervt an sich herab. Wenigstens nur Wasser. Er nahm das Glas, das aufgrund seiner mangelnden Zielsicherheit nur halbvoll war und trank es in einem Zug aus um seinen Zorn zu löschen, der immer noch gehörig in ihm brodelte. Langsam normalisierten sich seine Körperfunktionen wieder …und sein Innerstes? Er wusste es noch nicht. Er versuchte das Gespräch mit seiner Ex-Verlobten auf sich wirken zu lassen, aber bevor er zu einem Ergebnis kam, ob er mit dem Verlauf des Gesprächs zufrieden war, stürmte Bruno wie ein wilder Stier in sein Büro. Tom verdrehte genervt die Augen, eigentlich hätte er gerne noch einen Moment für sich gehabt, aber nun stand Bruno ja nun mal da, und Tom wusste, dass er ihn in dieser Verfassung auch nicht wieder los würde. Er ignorierte Brunos Gesichtsausdruck und begrüßte ihn freundlich. „Bruno? was kann ich für dich tun?“ Er goss sich ein weiteres Glas Wasser ein, dieses Mal etwas gelassener, so dass es zu keiner weiteren Überschwemmung kam, und sah erwartungsvoll zu seinem Vater, der scheinbar kurz vor einen Vulkanausbruch stand. Wenn der wüsste, warum er sich gerade so aufregt, wahrscheinlich würde er dann Freudentänze aufführen statt wie ein wilder Stier auf den Torrero zu warten. Schließlich will er mir doch schon lange klar machen, dass mich Carla nicht glücklich macht. Bei der bildlichen Vorstellung seiner Gedanken musste er grinsen. „Könnt ihr euren Stress nicht Zuhause austragen. Wir sind hier auf der Arbeit! Eure Disharmonie tötet jegliche Kreativität“ brüllte Bruno seinen Sohn an, als sollten es auch die Leute auf der Straße noch hören. Tom löste sich langsam von seinem Platz und setzte sich, immer noch ziemlich unbeeindruckt, auf seinen Stuhl. Er stützte das Kinn auf seine Hände und sah Bruno gelassen an. „Also wenn ich das Gespräch so Revue passieren lasse, komme ich zu dem Schluss, dass ich mich ziemlich gut im Griff hatte, also sprich doch vielleicht mit Carla, wenn sie dir zu laut war. … Davon mal ganz abgesehen, hast du selbst gerade eine Lautstärke, die der einer Flugzeugturbine Konkurrenz machen könnte.“
Bruno setzte sich genervt und betrachtete seinen Sohn völlig irritiert. Tom hatte ihm mit seiner Ruhe den Wind aus den Segeln genommen und da er etwas auf dem Herzen hatte, wollte er das Gespräch auch nicht im Keim ersticken. Also gab er sich geschlagen, ehe er richtig losgelegt hatte. Ein seltener Moment für den Herrn und Meister der Mode. Er antwortete also ruhiger, aber in ebenso übergeugender Genervtheit „Und warum habt ihr euch schon wieder gestritten? Ihr wirkt zur Zeit nicht sehr einträchtig, wenn ich das noch einmal sagen darf“ Er beobachtete seinen Sohn durchdringend. Hoffentlich begreift er endlich, dass Carla die Falsche für ihn ist. … Und außerdem könnte er mal mit mir reden…. Diese ganze Geschichte mit Tom, Carla und Anna ging ihm mittlerweile ziemlich auf den Nerv. Wenn Tom es nicht langsam kapiert, … dann sperr ich ihn mit Anna in den Fahrstuhl, bis sie ihre Hochzeit bekannt geben. Dann können wir hier auch endlich wieder erfolgreich arbeiten, wird langsam Zeit...
Tom überlegte noch, wie viel er seinem Vater erzählen wollte, als dieser wieder das Wort ergriff und begann sich in Rage zu reden. „Und damit meine ich nicht nur meine Kreativität, auch Carlas Arbeit scheint darunter zu leiden, und das können wir wirklich nicht gebrauchen. Sie hat noch keinen einzigen brauchbaren Entwurf für die neue Kollektion zustande gebracht. Was sollen wir denn auf den Fashion Days zeigen? Wir können ja nackte Modells auf den Catwalk schicken. Zumindest die Presse hätten wir dann auf unserer Seite. “ Brunos Stimme war immer herrischer geworden und sein Fuß klopfte in einem ansteigenden Rhythmus gegen das Tischbein.
Tom hatte sich in seinen Sessel zurück gelehnt und betrachtete Bruno aufmerksam während seines Wortschwalls. Er wusste, dass es wenig Sinn machte ihn zu unterbrechen. Jetzt stand er auf, stützte sich mit beiden Händen auf dem Schreibtisch und beugte sich weit darüber. Er zeigte auf Brunos Fuß und sagte mit völliger Ruhe. „Mein Tisch kann aber auch nichts dafür...“ Bruno hielt inne, sah verwirrt zu Tom und dann auf seinen Fuß und brummelte ein „Entschuldige“ .
„Willst du jetzt wissen wo ich war, und was für einen Streit ich gerade hatte, oder sollen wir über die Arbeit reden? Such es dir aus?“ Tom sah seinen Vater mit einem Blick an, der verriet, dass er für alle Eventualitäten gerüstet war. Aber Bruno betrachtete die Bodendielen so intensiv, als ob er sie auf schadhafte Stelle untersuchen wollte, … er war völlig in seinen Gedanken gefangen. „Okay“ übernahm Tom wieder das Wort. Er kannte seinen Vater gut genug um den Ernst der Lage zu erkennen „Wir sprechen also über die Arbeit. … Wenn Carla keine ordentlichen Entwürfe abliefert, was ist mit Anna?“ als er den Namen aussprach spürte er sogleich ein leises Kribbeln in der Magengrube und lächelte still in sich hinein. Bruno grübelte immer noch vor sich hin. „Wir sollten die Life-Linie auf den Fashion Days raus lassen. Mit ′Luxury’ und ‘Zauberhaft’ sind wir trotzdem gut aufgestellt. Und mit einer mittelmäßigen bis schlechten Life-Kollektion tun wir uns keinen Gefallen.“ Er schaute in Toms ziemlich überraschtes Gesicht. „Du willst auf den Fashion Days keine Life-Kollektion präsentieren?“ fragte er ungläubig. Das sein Vater so einen Vorschlag machte, war mehr als ungewöhnlich und zeugte von einer wirklichen Resigniertheit. „Kann Carla denn keiner unter die Arme greifen?“ fragte Tom, und wusste natürlich, dass nur Anna in Frage kommen würde. Für Anna tat es ihm im gleichen Moment schon leid, schließlich würden ihre Querelen mit Carla in Zukunft vermutlich nicht geringer werden. Aber er würde einfach aufpassen, dass Carla sie nicht weiter schikanierte. Bruno lachte sarkastisch auf. „Wer denn? Die einzig wirklich gute Designerin, die wir haben, musste ich dank Carlas Unfall ja nach Stockholm schicken. …“ Toms Gesicht verzog sich zu einem Fragezeichen. „Was ist denn in Stockholm? Und wer… .“ Schlagartig war ihm bewusst, warum Carla dieses Schauspiel mit dem Gips abzog. Er erinnerte sich an ihre Worte bei ihrem ‘Frauenarzt’ „…, wenn wir jetzt nur ein bisschen Zeit für uns haben, werde ich ihn schon überzeugen können, dass wir bald heiraten, und dann ist alles so wie es sein soll.“
Tom sprang wie ein Springteufel, der schon lange voller Anspannung auf seinen Auftritt gewartet hatte, von seinem Stuhl auf, „Dieses verdammte Miststück!“ spie er in den Raum. Falsch gedacht du Biest, nieeemals werde ich dich heiraten. Er umrundete seinen Schreibtisch und starrte wütend durch die Glaswand zu Carla, die an ihrem Tisch saß und aussah, als würde sie den nächsten, der ihr in die Quere kam in die Kehle beißen. Er wendete sich angewidert ab. Was hatte er an dieser intriganten Schlange nur mal gefunden. Beim besten Willen fiel ihm zu dieser Frage keine Antwort mehr ein. Er wanderte erbost von rechts nach links und zurück, bis er sich ein wenig beruhigt hatte. Dann blieb er stehen und fragte in einem drohenden Tonfall, der seine Angestellten in die Mäuselöcher des Hauses vertrieben hätte, wenn diese statt seinem Vater in seiner Nähe gewesen wären. „Was hat es mit Stockholm auf sich?“ Bruno war seit dem spontanen Stimmungswechsel seines Sohnes wieder ganz bei der Sache und beobachtete ihn neugierig. Was hat er nur? Warum Miststück? Meint er Anna? Er verstand gerade gar nichts mehr, und so war auch seine Antwort ein eher zögerlicher Bericht. „Peer hat gefragt, ob wir ihm Carla für ein paar Tage ausleihen können, weil seine Assistentin abgesprungen ist. … Aber da Carla ein Gipsbein hat, musste ich Anna hinschicken.“ Toms Gedanken schossen wild durcheinander und er wusste nicht was er tun sollte. Sein Magen zog sich schmerzlich zusammen und ein Stich zog sich durch seine Brust. Das kann doch nicht sein. Nicht jetzt! Ich kann nicht mehr warten. Ich will doch zu Anna, und jetzt ist sie weg? Da tauchte ein kleiner Hoffnungsschimmer auf ... Ist sie schon weg? Bruno hatte Tom bereits mehrfach angesprochen, aber der schien völlig in seiner Gedankenwelt versunken. „Wann fliegt Anna?“ schoss es da plötzlich aus ihm heraus. Bruno schaute jetzt völlig erstaunt. „Warum will…“ „WANN?“ schrie Tom ihn an. Bruno schüttelte entgeistert den Kopf. „Fr. Hauschke hat den Flug gebucht.“ Schon rannte Tom hinaus zum Empfang und schaute sich suchend nach dessen Besetzung um. Steffi kam gerade von der Toilette zurück, und war noch nicht ganz am Platz, als Tom sie auch schon lautstark zusammen stauchte. „Wo waren sie? Der Empfang hat immer besetzt zu sein. Sorgen sie gefälligst für Vertretung, wenn sie weg müssen.“ Steffi, stand wie angenagelt vor ihm und nickte nur. Widerworte zu geben war in solch einer Situation wenig ratsam. Sie kannte den Juniorchef ja mittlerweile lang genug. „Sie haben den Flug für Anna gebucht?“ Sie nickte erneut. „Und?“ Steffi senkte fragend den Kopf „Und was?“ wagte sie zu sagen. Der Junior wirkte heute noch verwirrter als sonst. „Wann fliegt sie?“ Tom hatte das Gefühl nur von Idioten umgeben zu sein. Warum verstand ihn denn keiner? Steffi schaute auf die Uhr und sagte vorsichtig. „In einer knappen Stunde. Genau um 13:00 Uhr.“ Tom hatte die Antwort nicht mal ganz abgewartet, als er schon in sein Büro zurück lief. Er schnappte sich seine Jacke, zischte Bruno noch zu „Und wenn du Carla feuern willst, … meine Unterstützung hast du. Diese miese …“ den Rest schluckte er runter. Er war schon fast am Fahrstuhl, als ihm etwas einfiel. Er lief nochmal zurück, holte die Schachtel aus seiner Schublade, ließ sich von Steffi einen Umschlag geben und drückte im Sekundentakt auf den Fahrstuhlknopf. Warum ist dieser dämliche Aufzug nie da, wenn man ihn braucht... Die Mitarbeiter, die gerade in der Nähe des Empfangs unterwegs waren, sahen ihrem Vorgesetzten kopfschüttelnd hinterher. Auch Carla, die sein Wortgefecht mit Steffi aufmerksam verfolgt hatte, war unter ihnen. Scheiße! Hätte er die Nachricht nicht ein bisschen später bekommen können. Aber warte ab, mir wird schon noch was einfallen, um euch dauerhaft von einander fern zu halten. Grimmig humpelte sie zurück zu ihrem Schreibtisch.

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BeitragThema: "36"   Mi Sep 19 2012, 21:15



Anna stand am Check-In-Schalter des Flughafens. Ihr war mulmig zumute. Das letzte Mal war sie geflogen, als sie mit Jonas aus L.A. zurück gekommen war. Und nur ein paar Tage später war ihr Leben völlig aus den Fugen geraten. Hoffentlich würde sie dieser Flug nicht zu neuen Katastrophen führen. Sie wusste immer noch nicht wirklich, was sie in Stockholm erwarten würde. Na ja, immerhin werde ich am Flughafen abgeholt und dann informiert man mich hoffentlich über alles weitere. Und gleich im Flieger schaue ich mal, ob ich nicht doch noch was über Peer herausfinden kann. Obwohl außer seinem Vornamen und das er Designer ist, weiß ich gar nichts, was soll ich da schon finden. Wahrscheinlich lasse ich mich einfach überraschen. Sie wurde am Schalter abgefertigt und ging Richtung Passkontrolle. Bei einem kurzen Blick zur Uhr realisierte sie das sie bis zum Abflug noch eine dreiviertel Stunde Zeit hatte, also beschloss sie sich noch einen Kaffe zu gönnen, bevor sie die Plörre im Flugzeug trinken musste. Sie setzte sich an eine Cafe-Bar, bestellte einen Milchkaffee und hing ihren Gedanken nach. Jetzt ist Tom wieder da, … und ich fliege weg... dachte sie und wurde von einer Traurigkeit erfasst, die alle anderen Gefühle beiseite drängte. Ihre Begegnung mit Tom im Aufzug, hatte sie derartig aufgewühlt, dass ihr der Vorsatz, sich um sich selbst zu kümmern, vorübergehend mal wieder entfallen war. Sie sah ihn vor sich, wie er ihr besorgt und so liebevoll in die Augen schaute. Spontan stellte sich wieder die Anspannung ein, die sie in seiner Nähe gespürt hatte. Menno, so sieht doch kein Chef seine Angestellte an. … Warum tut er das? Warum tut er mir das immer wieder an? Er macht mich so wütend! … und so traurig. Ihre Augen wurden wässrig und eine einzelne Träne bahnte sich den Weg über ihr Gesicht. Da klingelte ihr Telefon. Anna war froh über die Ablenkung und wischte sich schnell die Träne weg. „Paloma!“ „Hallo Anna, ich habe gerade erfahren, dass du doch nach Stockholm fliegst“, hörte sie ihre Freundin. Anna freute sich über den Klang einer vertrauten Stimme, fühlte sie sich doch gerade ziemlich allein gelassen. „Ja, Carla hatte da wohl mal wieder Glück im Unglück, oder umgekehrt? Ich weiß nicht so genau“, antwortete sie zynisch. „Wieso? Sie hatte einen Unfall, da kann sie doch nichts für.“ Anna sah das zweifelnde Gesicht der Brünetten quasi vor sich. „Ja, hast ja recht. … Ist nur komisch, dass sie gestern unter keinen Umständen fliegen wollte, …und jetzt sitze ich hier am Flughafen… Aber ist schon gut so.“ Wieder kam eine zweifelnde Frage zurück. „Anna? Ist alles in Ordnung mit dir?“ Anna dachte kurz an Tom. „Na ja, … ich bin auf dem Weg nach Hause Tom begegnet…“ Paloma fiel ihr ins Wort „Oh nein, Anna. Lass dich nicht wieder von ihm verunsichern. Du wolltest dein Leben doch in die Hand nehmen!“ Anna nickte zustimmend. Dann überlegte sie, dass Paloma das am anderen Ende der Telefonleitung ja nicht sehen konnte und antwortet. „Ja Paloma, du hast ja recht. Ich mach mich jetzt mal auf den Weg. … Ich bekomm das schon hin. Machs gut.“ Paloma schickte ihr noch gute Wünsche mit auf den Weg, bevor sie mit einem unguten Gefühl auflegte. Sie machte sich Sorgen um Anna, und hoffte, dass Anna die Ablenkung gut tun würde. Anna machte ihr Handy aus und begab sich zur Passkontrolle.
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Tom war wie ein Verrückter aus dem Lanford-Gebäude gerannt, um sich in sein Auto zu schmeißen. Und jetzt war er unterwegs zum Flughafen. Er fluchte unentwegt, da außer ihm scheinbar alle Verkehrsteilnehmer unendlich viel Zeit hatten. Er hupte, blendete andere Autofahrer an und huschte über jede Ampel, auch wenn diese schon dunkelorange war, bis er letztlich im Stau stand. Er trommelte auf seinem Lenkrad herum, als ob er ein Solokonzert geben wollte. Er hatte einen hochroten Kopf und sein Herz trommelte in mindesten genauso schnellem Takt, wie seine Finger. Er versuchte immer wieder sie anzurufen, aber sie hatte ihr Handy scheinbar schon ausgeschaltet. Ein lautes "Scheiße" entfloh seinem Mund. "Ich muss sie noch erreichen. Ich muss. Ich muss. …" Nach einer gefühlten Ewigkeit kam er vor der Ablughalle zum Stehen. Er fand glücklicherweise direkt einen Parkplatz, und wollte gerade losrennen, als er von einem Mann des Flughafen-Sicherheitsdienstes auf den Tatbestand hingewiesen wurde, dass er kein Parkticket gezogen hatte. Tom schaute hektisch hin und her und holte schließlich sein Portemonnaie aus der Tasche, indem sich aber dummerweise nur Scheine befanden. Er lief zurück zu dem Mann und schaute ihn mit gequältem Gesicht an. Er wibbelte nervös herum. „Ich habe kein Kleingeld.“ „Dann muss ich sie leider abschleppen lassen.“ antwortete der Mann kühl. Er musste sich so oft die Ausreden der Leute anhören, dass ihn Toms Worte wenig berührten. Tom schaute ihn bittend an „Machen sie bitte eine Ausnahme. Ich muss da rein. Die Frau meines Lebens fliegt in einigen Minuten ab. Ich muss zu ihr. Ich muss ihr sagen, dass ich sie liebe! Bitte!“ Der Sicherheitsbeamte schaute ihn aber immer noch mit wenig Interesse an. Tom wurde fast wahnsinnig, aber es war ihm jetzt auch egal. „Dann schleppen sie mein Auto halt ab. Ich muss da jetzt rein.“ Er rannte los. Kaum im Gebäude angekommen blieb er abrupt vor der Anzeigetafel stehen. Es war ihm einerlei, dass er von mehreren Reisenden angerempelt wurde, die seinen Stopp nicht vorher gesehen hatten. Wo ist denn..., wo ist verdammt nochmal dieser Flug? Da "Stockholm" Abflug B. Er schaute sich fieberhaft um. Ah, da muss ich hin. Er lief durch die Reisenden hindurch und wurde von vielen aufgebrachten Rufen der Menschen begleitet, die er anstieß. Nur wenige Minuten später stand er im Besucherbereich hinter der Passkontrolle und versuchte Anna im Gewühl der Menschen auszumachen. Mist, sie ist nicht zu sehen. Da ertönte der letzte Aufruf für den Abflug nach Stockholm. Er lief hinter den Menschen auf und ab, die an den Glasscheibe standen um ihren Lieben noch ein letztes Mal hinterher zu winken, und versuchte Anna irgendwo zwischen den wartenden Fluggästen zu finden. Und da sah er sie plötzlich. Er drängte sich durch die Menschen, bis er direkt an der Scheibe stand und rief ihren Namen. Aber Anna schien ihn nicht zu hören. Er rief verzweifelt weiter und ruderte gleichzeitig mit den Armen, als wollte er selbst das Flugzeug auf dem Rollfeld einweisen, und endlich drehte sich Anna um. Ihm blieb spontan das Herz stehen. Sah sie ihn?

******************************

Hallo ihr lieben Leser,
die es hoffentlich gibt.
Ich muss gestehen, dass sich meine Motivation etwas neues zu posten gerade sehr in Grenzen hält, weil ich einfach gar nicht weiß, ob es jemanden interessiert. Rolling Eyes
Von daher würde ich mich sehr über die ein oder andere Stimme freuen, die mir nur mal kurz ein Zeichen gibt, dass sie weiter lesen möchten. Mehr muss es ja gar nicht sein...
LG, katha

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Zuletzt von katha am Sa Sep 29 2012, 00:44 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: "37"   Fr Sep 21 2012, 21:12

Ok, ok, ist auch egal. Surprised Wer lesen will soll lesen, wer schreiben will der schreibt. Und da ich schreiben will, hier mein nächster Teil. Ich wünsche viel Spaß Smile
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"37"


Anna hatte die Personenkontrolle hinter sich gebracht und nahm die Kiste mit ihren persönlichen Dingen wieder in Empfang. Als sie hinein schaute glitzerte ihr ihr Ehering entgegen und sie nahm ihn als erstes heraus. Nach kurzer, liebevoller Betrachtung steckte sie ihn an den Finger, während ihr Gedanken zu Jonas und ihrem letzten gemeinsamen Flug schwenkten. Es sollte ihre Rückkehr in die Heimat und der erfolgreiche Beginn ihrer beruflichen Karriere mit Zauberhaft werden. Jonas, …er war immer noch ihr Mann... . Aber wenn sie ehrlich war, musste sie sich eingestehen, dass Tom mittlerweile einen fast noch größeren Stellenwert in ihrem Leben einnahm. Gott sei Dank hatte Jonas sie damals, bevor er sich endgülig von ihr verabschiedet hatte, quasi dazu genötigt, sich einer neuen Liebe zu öffnen. Ansonsten würde sie heute vermutlich nicht nur ihre nicht erwiderten Liebe quälen, sondern zusätzlich auch noch das unglaublichen schlechte Gewissen sich überhaupt wieder verliebt zu haben. Aber sie wusste, dass Jonas es sich gewünscht hatte. Dass sie wieder leben würde, dass sie wieder lieben würde. Das sie leider mit ihrer Liebe kein Glück hatte, das hatte er wohl auch nicht vorher sehen können.
Die nächsten Fluggäste drängten von hinten heran und riefen Anna wieder in die Realität zurück. Sie nahm sich ihre Tasche und Jacke und ging langsam zu dem Flugsteig, der auf ihrem Flugticket vermerkt war. Die Lautsprecher ertönten und Anna hob aufmerksam den Blick:
„Sehr geehrte Fluggäste, Ihr Flug Nr. 568 nach Stockholm ist nun zum Einstieg bereit. Bitte begeben Sie sich zum Ausgang 13 und halten Sie Ihre Bordkarten bereit. Wir wünschen Ihnen einen guten Flug!
Anna schlenderte zum genannten Ausgang. Sie hatte immer noch ein mulmiges Gefühl im Bauch und spielte nervös an ihrem Ehering herum. Ach Jonas, ich fühl mich so unwohl. Wärst du doch bei mir, … oder bist du es vielleicht? Du wolltest mich begleiten…. In einigem Abstand zum Ausgang 13 blieb sie stehen und beobachtete die Menschen, die sich innerhalb kürzester Zeit vor dem letzten Absperrband, das sie von ihrem Flug in die Ferne trennte, versammelt hatten. Munter und aufgeregt schnatternd standen sie da. Freunde, Paare, Familien. Die meisten Menschen waren zu mehreren unterwegs, und Anna spürte bei ihrem Anblick erneut ihre Trauer aufsteigen, denn sie fühlte sich einmal mehr von der Welt und den Menschen allein gelassen.
Als das Boarding begann musste Anna dann doch ein wenig grinsen. Es schien als würden die Menschen von einem Riesenstaubsauger in die Gangway gezogen. Nur sie schien der Sog nicht zu erfassen. Sie hatte es nicht eilig. Warum auch, sie hatte doch eh eine Platzreservierung und sie legte keinen Wert darauf länger als nötig in dem engen und von Menschen völlig überfrachteten Flieger zu sitzen.
Auf ihrer Beobachtungsreise über die Menschenmenge, blieb sie an einer Frau hängen, die winkend in ihre Richtung schaute. Anna fühlte sich fast angesprochen und schaute irritiert, ehe sie realisierte, dass sich die Frau offensichtlich von Jemandem verabschiedete. Anna drehte sich um und sah, dass dort hinter der Glasscheibe jede Menge ‘Zurückgebliebene‘ standen. Sie sah gedankenverloren auf die Menschenansammlung. Bewegungslos wie sie da standen, wirkten die Menschen wie Schaufensterpuppen, die lediglich durch ihre Anwesenheit glänzten. In ihren Gedanken versunken realisierte Anna nur am Rande, wie eine einzige Person versuchte auf sich aufmerksam zu machen. Es war offensichtlich ein junger Mann, der eilig und wild mit den Armen rudernd auf die Scheibe zugelaufen kam und davor stehen blieb. Anna vermutete, dass er zu spät gekommen war, und ein kurzes berührtes Lächeln zog sich über ihr Gesicht, bevor sie sich traurig umdrehte. Irgendwann werde auch ich wieder Jemanden an meiner Seite haben, mit dem ich gemeinsame Reisen unternehmen kann, …oder der mir zumindest sehnsüchtig hinterher winkt, … Irgendwann. Mit einem leisen Grummeln im Bauch machte sie sich auf den Weg in eine unbekannte Stadt, zu unbekannten Menschen und einer neuen Aufgabe.
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Tom stand vor der Scheibe und konnte es nicht fassen. Er hatte wie ein Wilder rum gefuchtelt und gerufen, gegen die Scheibe geklopft… . Sie hat doch hergeschaut? Warum hat sie mich denn nicht gesehen? Er war bestürzt und es entfloh ihm ein Brüll „Nein Anna, geh nicht!“ Dabei schlug er mit voller Wucht gegen die Scheibe, so dass ihn die umstehenden Personen mit missbilligenden Blicken bedachten. Aber er realisierte es gar nicht. Er schaute Anna bekümmert hinterher bis die Gangway zurück gezogen wurde, der Metallvogel zur Startbahn rollte und letztlich in den Himmel entfloh. Tom schüttelte mit tränenverschleierten Augen den Kopf. Er wusste, dass es ein wenig albern war, schließlich würde Anna in einigen Tagen wieder zurück kommen, aber er fühlte sich als ob man ihm das Herz herausgerissen hätte, das zweite Mal in seinem Leben. Es schlichen sich Gedanken in seinen Kopf, die er dachte ausgeschaltet zu haben. War es wirklich die richtige Entscheidung mich auf die Liebe einzulassen? fragte er sich zu Tode betrübt. Sein Herz tat weh und er fühlte sich gefangen in seinem nicht enden wollenden Elend. Kaum öffne ich mich der Liebe, bereitet sie mir schon wieder Qualen, anstatt mich in den Himmel zu heben. Lohnt sich das wirklich? Ist das wirklich die richtige Entscheidung? … Vielleicht waren die letzten Jahre doch gar nicht so schlecht... Er verspürte den Wunsch sich wieder vor seinen Gefühlen verstecken zu können, aber er wusste, dass es dafür zu spät war. Er konnte nicht mehr zurück.
Gefühlsmäßig völlig am Boden verließ er das Flughafengebäude, blinzelte in die plötzliche Helligkeit und schaute sich suchend um. Wo hab ich nur …, oh nein, lass bitte mein Auto noch da sein, flehte er innerlich und stieß kurze Zeit später erleichtert die Luft aus. Da stand ja sein Porsche … und davor stand der Sicherheitsbeamte von vorhin. Oh neee, jetzt nicht noch doofe Diskussionen wegen einem Parkticket, ich gebe ja alles zu. Tom zückte sein Portemonnaie und fragte genervt, „Also? Was bekommen sie von mir?“, aber als er auf den Blick seines Gegenübers schaute zögerte er. Der Mann schaute ihn erwartungsvoll an. „Und?...“Aber als er sich Tom genauer besah, erkannte er die Antwort schon. „Sie waren zu spät?“ fragte er verständnisvoll. Tom nickte gequält. Der Beamte presste die Lippen zusammen und nickte Richtung Straße, bevor er sich unverrichteter Dinge abwandt. Tom stieg dankbar ins Auto und legte seinen Kopf auf das Lenkrad. „Und nun, Herr Lanford?“ Tom wusste, dass er um einige Stunden Arbeit nicht drumrum kommen würde, schließlich war sein Schreibtisch völlig überfüllt mit Unterlagen, die auf ihre Bearbeitung warteten. Aber er beschloss, in der Hoffnung das er dort ein bisschen Abstand zu allem gewinnen konnte, zuerst einmal in die Boxhalle zu gehen.

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BeitragThema: "38"   So Sep 23 2012, 21:37

Anna hatte ihren Platz eingenommen und freute sich über den Freiraum den sie hatte. Sie war noch nie erster Klasse geflogen und fühlte sich gar nicht so unwohl wie sonst, wenn sie zwischen den vielen Menschen eingequetscht war. Sie lehnte ihren Kopf gegen die Stütze und versuchte sich auszuruhen. Aber bereits nach kürzester Zeit war ihr klar, dass sie vor lauter kreisender Gedanken keine Ruhe finden würde. Sie zückte also ihren Entwurfsblock und nahm einen Stift zur Hand. Dann schloss sie die Augen und ließ sich einen Moment auf ihre Gefühle ein bevor sie begann zu zeichnen. Ihre Hand machte sich selbständig, flog wie von selbst über das Papier, und nach und nach erfüllte sie eine Ruhe, die sie die letzten Tage selten empfunden hatte. Als sie fertig war schaute sie zufrieden auf das Ergebnis. Das war doch schon mal ein guter Anfang für das Abendkleid á la Lanford. Entwerfen ist eben doch die beste Therapie, da hatte Bruno damals schon recht. Von daher kann ich wirklich froh sein, bei -Lanford- geblieben zu sein. Sie lehnte sich entspannt zurück, als auch schon die Ansage des Kapitäns ertönte, die den Landeanflug ankündigte. Anna wurde trotz ihrer immensen Nervosität von einer freudigen Anspannung erfasst.

Als sie die Ankunftshalle betrat schaute sie sich suchend um. Ihr war ja nicht einmal bekannt wer sie abholen würde, also betrachtete sie die Schilder, die einige Wartenden in die Höhe hielten, aber statt ihren eigenen Namen zu entdecken las sie plötzlich „Carla Rhonstedt“. Na super, hat man die Leute hier also noch nicht einmal informiert, dass sie mit mir vorlieb nehmen müssen? Hoffentlich werde ich nicht gleich wieder nach Hause geschickt. Sie ging, jetzt doch schon wieder reichlich verunsichert, auf den Mann zu der das Schild hielt. Er war vielleicht Ende 30 und sah wirklich gut aus, wie ihr gleich bewusst wurde. Groß gewachsen, schlank, ein wenig wirre, braune Haare und unglaublich blaue Augen, die das Gesicht dominierten. Er sah Anna freundlich an, als sie auf ihn zutrat. Anna war froh, dass sie durch ihren Aufenthalt in L.A. ein ordentliches Englisch sprach. „Sie warten auf Carla Rhonstedt?“ Er nickte, etwas verwirrt. „Wo ist Carla?“ Anna schaute etwas verlegen zur Seite. „Na ja, sie ist in Berlin. Sie hatte einen Unfall…“ Die Augen des Fremden sahen sie erschrocken an. „Geht es ihr gut?“ fragte er sogleich. Anna nickte und berichtete, dass sie lediglich einen Gips tragen müsse. Der Mann besann sich plötzlich auf sein gutes Benehmen und streckte ihr die Hand hin. Mit einem entschuldigenden Lächeln stellte er sich vor. „Mein Name ist Peer van den Berg, … und mit wem habe ich es zu tun?“ Anna lächelte zurück und dachte nur Wow, bei diesen Augen kann man aber echt schwach werden, und dieses Lächeln…. „ Äh, … ähm, mein Name ist Anna Broda. Bruno, ähm Hr. Lanford hat mich gebeten auszuhelfen.“ Sie schüttelten sich die Hände und Peer hieß sie herzlich willkommen. „Ich glaube Bruno hat mir schon mal von ihnen erzählt. Ich bin sehr gespannt auf unsere Zusammenarbeit.“ Anna fühlte sich nach den wenigen Sätzen, die sie gesprochen hatten, gleich sehr wohl in seiner Gegenwart. Es war ein gutes Gefühl, und sie freute sich plötzlich ohne Sorge auf die nächsten Tage.
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Es war bereits fortgeschrittener Nachmittag als Tom das Atelier wieder betrat und ohne Umwege in seinem Büro verschwand. Die Vorhänge waren noch zugezogen und er war froh sich in dem kleinen Raum verstecken zu können. Erschöpft rieb er sich über das Gesicht und trat an das Sideboard um etwas zu trinken. Er hatte sich in der Boxhalle, mit unzähligen Sit Ups, Liegestützen geschunden und anschließend ein unendliches Duell mit einem Boxsack ausgetragen, bis er erschöpft auf dem Boden gesunken war. Er hoffte inständig, dass sein schmerzender Körper seine innere Pein vertreiben würde, und ihn zumindest für eine kurze Zeit von seinem Gedankenkarussell befreite.
Er blieb einen Moment stehen und trank sein Wasser, während er sich selbst verbot seinen Blick ins Atelier zu werfen. Sein Schreibtisch war sein Thema und alles andere tabu. Er wollte sich nicht wieder in den Sog seiner deprimierten Gedanken begeben. Die Arbeit, die sich dort vor ihm häufte, würde hoffentlich sein übriges tun, um ihn diesen beschissenen Tag überstehen zu lassen.
Einige Stunden später zeigte Toms Schreibtisch tatsächlich erste Lücken und er lehnte sich zufrieden zurück. Er konnte es kaum glauben, dass ihn noch keiner gestört hatte, aber wahrscheinlich hatte einfach Keiner realisiert, dass er überhaupt zurück gekommen war. Da wurde, wie von seiner Verwunderung herbei gerufen, plötzlich die Tür aufgerissen. Verdammt. Der ist wohl nie aufzuhalten, dachte er genervt, da er wusste, dass es sich bei dem Eindringling nur um seinen Vater handeln konnte. Dieser stand bereits mitten im Raum und starrte ihn erschrocken an. „Tom? Du bist hier?“ Tom nickte. „Sieht so aus.“ „Eigentlich wollte ich nur… . Ach egal,“ Bruno stützte die Hände auf den Schreibtisch und sah seinem Sprössling besorgt in die Augen … „Du siehst nicht gut aus.“ Tom verzog bei Brunos herzlichem ‘Kompliment‘ sarkastisch das Gesicht. „Tom, was ist los? Jetzt rede endlich mit mir…“ fuhr Bruno fort. Tom überlegte kurz, er wusste das sein Vater für ihn da sein wollte, aber nachdem er jetzt seit Stunden darum gerungen hatte, sich im Griff zu behalten und nicht die ganze Zeit seinen Gedanken nachzuhängen, verspürter er überhaupt keine Lust über seine Gefühlswelt Auskunft zu erteilen. Er stand auf, ging um den Schreibtisch herum, blieb einen Moment neben seinem Vater stehen und sagte, „Danke, dass du für mich da bist Papa, … aber nicht jetzt. Ich gehe nach Hause. Wir sehen uns morgen.“ Bruno schaute ihm das zweite Mal an diesem Tag hinterher und reimte sich seine eigene Geschichte zusammen. Er beschloss seinem Sohn ein wenig Schützenhilfe zu leisten.
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Als Tom vor seiner Wohnungstür stand, hatte er das Gefühl, dass er leise Musik vernahm. Er rieb sich erneut über sein Gesicht und machte seine Ermüdung für den Tatbestand verantwortlich, dass seine Wahrnehmung wohl etwas desorientiert war. Er öffnete die Tür und stockte. Was ist denn hier los?
Kerzenlicht und leiser Musik begrüßten ihn, der Tisch war edel gedeckt und auf der Küchentheke standen zwei Gläser Rotwein, die wahrscheinlich schon einmal atmen sollten. Er schloss die Tür hinter sich und goss sich in der Küche ein Glas Wasser ein, während seine Gedanken der Lösung des Rätsels auf die Spur kamen. Das kann nur eins bedeuten… Carla. Sie hat ja noch ihren Schlüssel. Er schloss die Augen und bereitete sich auf eine erneute Auseinandersetzung vor, auf die er so gar keine Lust hatte. Unterschwellig begann sein Zorn über Carlas unverfrorene Aktionen zu brodeln.
Da kam Carla auch schon aus dem hinteren Teil der Wohnung auf ihn zu, als wäre es das selbstverständlichste von der Welt. „Hallo Tom, da bist du ja“ säuselte sie in lieblichen Ton und kam in einem viel zu kurzen Kleid, das wahrscheinlich unglaublich sexy sein sollte, auf ihn zu gehumpelt. Tom betrachtete sie, und stellte fest, dass ihn weder ihr Äußeres, noch ihre Stimme oder überhaupt ihre Anwesenheit irgendwie berührte. Er hatte schon fast ein schlechtes Gewissen, bei der abgestumpften Wahrnehmung seiner Ex-Verlobten. „Carla, was soll das? Ich dachte eigentlich, dass ich heute Morgen deutlich genug war. Ich habe mich von dir getrennt.“ sagte er schließlich kühl. Carla kam ihm näher und lächelte verlegen, was aber so gar nicht zu ihrem sonstigen Auftritt passen wollte. „Ich dachte, wir könnten nochmal in Ruhe reden.“ Sie kam noch eine Schritt näher und Toms Alarmglocken schrillten in den höchsten Tönen. „Es gibt doch so viel, was uns verbindet, ich kann einfach nicht glauben, dass das alles plötzlich keine Rolle mehr spielt. Ich sehe doch, dass es dir mit dieser Entscheidung auch nicht gut geht.“ Carlas Lächeln sollte wohl verführerisch sein, als sie die Hand hob um sie auf Toms Brust zu platzieren. Tom sprang zurück, als wäre er gerade von einer giftigen Mamba angegriffen worden. Die Brünette lächelte in sich hinein So eine Angst hat er vor meiner Berührung? Komm schon Tom, wenn du mich erst einmal an dich ran lässt, kannst du dich mir sowieso nicht entziehen. In Tom schwoll die Wut an, die er den ganzen Nachmittag versucht hatte zu beherrschen. Er hatte das Gefühl gerade im völlig falschen Film zu sein. Unterschiedlicher konnte die Wahrnehmung ein und derselben Situation wohl kaum sein. Sie denkt tatsächlich ich wäre ein hormongesteuerter Idiot, der auf ihre ‘Reize’ sofort anspringt. … Wenn sie wirklich mich, und nicht nur ihr krankes Ego sehen würde, wüsste sie warum es mir schlecht geht. Sie ist schuld, dass Anna weg ist. Der letzte Gedanke schrie in seinem Kopf und sein Zorn erklomm eine weitere Stufe. Aber die Befriedigung, dass der Grund für seine schlechte Verfassung ihre gelungene Intrige war, würde er ihr bestimmt nicht geben. Tom beobachtete Carla, wie sie sich auf seinem Sofa niederließ und sich wie eine rollige Katze darauf räkelte. Sie war scheinbar überzeugt von ihren Chancen, und Tom musste sich beherrschen um sich nicht angewidert zu schütteln. Er hatte definitiv genug gesehen, und da der Gedanke ihr eine zu Scheuern immer konkretere Gestalt in seinem Kopf annahm, beschloss er die Situation ganz schnell zu beenden. Er herrschte sie in kaltem Ton an. „Carla, ich habe dir bereits heut Morgen alles gesagt, was du wissen musst. Ich werde jetzt diese Wohnung verlassen und wenn ich in einer Stunde zurück komme, dann will ich hier nicht mal mehr ein Haar von dir sehen. Ist das klar?“ Carla erstarrte für einen kurzen Moment in ihrer Pose und stand dann so schnell es ging auf und funkelte ihn mit zornigen Augen an. Was fällt dem eigentlich ein? Glaubt er ernsthaft, dass ich so schnell klein beigebe? Sie schrie ihn wütend an. „Was denkst du dir eigentlich, … dass du mich einfach abservieren kannst, wie du es mit deinen kleinen Angestellten machst?“ Tom fühlte, dass er kurz vor der Explosion stand. Er wusste genau, dass das eine Anspielung auf Anna war. Er ging einige Schritte auf sie zu, konnte sich aber gerade noch kontrollieren, bevor er seinen vorher schon gehegten Gedanken in die Tat umsetzte. Er blieb mitten im Raum stehen und starrte angestrengt geradeaus, als er mit einem wütenden Zittern in der Stimme weitersprach. „Genau das bist du ab heute. Eine meiner Angestellten, nicht mehr und nicht weniger. Ich werde mich auf keine weiteren privaten Gespräche mit dir einlassen.“ Er nahm seinen Schlüssel und den ihren, der auch auf der Theke lag, und wendete sich der Tür zu. Carla wollte gerade zu einer bissigen Erwiderung ansetzen als er ihr, immer noch von ihr abgewendet, ins Wort fiel. „Ach und bevor ich es vergesse. Komm jetzt, wo du hoffentlich verstanden hast, dass dein Plan mich möglichst schnell von einer Hochzeit zu überzeugen, nicht aufgeht, bloß nicht auf den Gedanken plötzlich eine Wunderheilung zu präsentieren.“ Carla schaute verständnislos auf seinen Rücken. „Was meinst du?“ fragte sie biestig zurück. Tom drehte sich noch einmal um und deutete lieblich lächelnd auf ihren Gips. „Wie lange trägt man so einen Gips? Mindestens drei Wochen oder?" Mit schneidender Stimme und kaltem Blick sprach er weiter. "Wenn du auch nur einen Tag früher ohne Gips in der Firma auftauchst, werde ich Bruno mit Freuden erzählen, welchen ‘Gefallen’ dir dein ‘Gynäkologe’ getan hat.“ Er schaute mit Freude in ihr, wie vom Blitz getroffenes Gesicht. „Wenn ich es mir genau überlege… Ich glaube, ein solcher Betrug würde ihm nicht gefallen… und vermutlich wäre eine Kündigung eine durchaus berechtigte Konsequenz.“
Er verließ zügig die Wohnung und blieb mit einem wahnsinnig befreiten Gefühl der Genugtuung vor der Tür stehen um zu überlegen, was er jetzt tun sollte. Da hörte er ein Glas zerbrechen und er lächelte hämisch. Offensichtlich hatte Carla ihre Wut nicht mehr im Griff. Er öffnete nochmal die Tür und steckte seinen Kopf hinein. Carla stand wutentbrannt neben der Küchentheke und hielt ein Glas in der Hand, das wohl als nächstes Bekanntschaft mit seiner Wand machen sollte. „Ach, und wenn du meine Wohnung weiter zerlegen willst, ich kann dir die Kosten für die Neubeschaffungen gerne von deinem nächsten Gehalt abziehen lassen.“ Damit ließ er sie endgültig hinter sich und begab sich auf die lebendigen Straßen der Stadt.

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BeitragThema: "39"   Di Sep 25 2012, 10:31

Nachdem Peer und Anna sich gegenseitig vorgestellt hatten, führte Peer Anna zu seinem Auto und öffnete ihr ganz gentleman-like die Beifahrertür. Er packte ihren Koffer in den Kofferraum und sie starteten in eine der schönsten Hauptstädte der Welt, so sagt man zumindest. Anna und Peer waren sich auf Anhieb sympathisch, und so plauderten sie, nachdem sie schnell das umständliche ‘Sie’ aus der Welt geschafft hatten, munter drauf los. Anna schaute sich entspannt die unglaublich schöne, grüne Landschaft Schwedens an während sie sich der Stadt näherten. Sie freute sich darüber, endlich mal ihrem eigenen Sumpf entrissen zu sein und fühlte sich fast wie im Urlaub. Aus der Ferne erblickte sie Stockholm und der Anblick war wirklich atemberaubend. Sie schaute auf die Konturen vieler verschiedener kleiner Inseln, die gemeinsam die Großstadt Stockholm ausmachten. Laut Peer war es ein großes Städtepuzzle, das sich aus 14 Inseln und 57 zugehörigen Brücken, zusammensetzte, und genauso sah es aus. Ein großes Puzzle, das sich zu einer Einheit verband.

Peer fragte sie mit seinem einnehmenden Wesen, ob sie schon einmal in Stockholm gewesen wäre. Anna schüttelte den Kopf während sie ihn sich noch einmal unauffällig ansah. Dieser Mann wirkt so gar nicht, wie ein ‘irrer’ Modedesigner. Und ich fühle mich pudelwohl in seiner Gegenwart, obwohl ich ihn doch gar nicht kenne. … Komisches Gefühl. … Ich bin mal gespannt, wie er arbeitet… . Peer schenkte Anna einen Seitenblick. „Du warst also noch nicht in Stockholm? Du wirst leider auch nicht viel Zeit haben, die Stadt zu erkunden so lange du hier bist. Na dann will ich dir wenigstens ein bisschen was erzählen." Er begann mit einer kurzen Einführung in die Stadtgeschichte und der Aufzählung der größten Sehenswürdigkeiten. Nachdem er ihr von der Altstadt, den königlichen Gebäuden, den kulturellen Highlights, den Schären und einiger seiner privaten Geheimtipps berichtet hatte schaute Anna ihn erstaunt an. Sie war völlig baff über seine umfangreichen Kenntnisse und fragte daher interessiert „Wohnst du hier in Stockholm?“ Peer schüttelte, mit leicht betrübtem Gesicht den Kopf. „Wo lebst du denn? Dem Namen nach bist du Niederländer, oder?“ Peer sah gerade aus und wirkte plötzlich ziemlich in sich gekehrt. „Das stimmt, ich komme ursprünglich aus Amsterdam. Das ist wohl auch irgendwie noch meine Heimat, aber eigentlich lebe ich überall und nirgends. … Deshalb versuche ich mir die Städte, in denen ich mich öfter aufhalte, zu eigen zu machen ... um mich nicht ständig fremd zu fühlen.“ fügte er leise hinzu. Anna schaute irritiert. „Was heißt das überall und nirgends? Du hast doch bestimmt irgendwo eine Wohnung, und dein eigenes Atelier?“ Er lächelte sie verstehend an, bei dieser Vermutung. Schließlich war es all zu verständlich, dass sein ungewöhnlicher Lebensstil auf Irritation trafen. Außerdem wusste sie scheinbar wirklich nicht, wer er war. Er empfand das als sehr angenehm, aber da sie zum Arbeiten her gekommen war, sollte sie doch wissen, mit wem sie es zu tun hatte. „Sagt dir der Name ‘Peter Berg‘ etwas?“ fragte er, und schaute nur kurz in ihr Gesicht, bevor er sich wieder auf die Straße konzentrierte. Anna riss die Augen auf und ihr Mund stand erstaunt offen, als sie ihn erneut von der Seite fixierte. Peer van den Berg – Peter Berg – das macht Sinn. Aber? … das ist Peter Berg? Der exklusivste Designer, den es im Modehimmel gab. Der Mann, der selten bis nie sein Gesicht in eine Kamera hielt, und auch nie auf Modeschauen zu sehen, dafür aber in aller Munde war, wenn es darum ging bei den absoluten Top-Events der Welt die exklusivsten Kleider zur Schau zu tragen? Anna wurde sich bewusst, dass sie ihn immer noch anstarrte und realisierte ein schmunzelndes, aber entschuldigendes Lächeln auf Peers Gesicht. Ihre offensichtliche Verblüffung war ihm also nicht verborgen geblieben. Sie schloss schnell den Mund und sah peinlich berührt aus dem Fenster. „Alles gut?“ fragte ihr Nachbar und sie wurde sich bewusst, welche Ehre ihr zuteil wurde, mit diesem Mode-Genie zusammen arbeiten zu dürfen. „Ähm, ich muss gestehen… jetzt bin ich etwas nervös“ stammelte sie. Peer lachte laut auf. „Anna, komm mal wieder runter, wir haben uns doch bis eben auch ganz gut verstanden, und … ich beiße nicht, versprochen.“ Er zwinkerte ihr freundlich, aber in keinster Weise überheblich zu und nahm Anna mit dieser Geste ein wenig ihrer Nervosität. Er hatte ja recht, bislang hatten sie sich wirklich prächtig verstanden. Also entspannte sich langsam wieder und lehnte ihren Kopf gegen den Sitz. „Woher kennst du Bruno?...“ Es war eigentlich ein lauter Gedanke, der ihrem Mund entfloh, aber es interessierte sie wirklich. Daher fügte sie entschuldigend hinzu „Wenn ich das fragen darf?“ Peer grinste bei dem Gedanken an Bruno. „Er war mein Fluch und zugleich mein Lehrmeister. … Ich kam gerade vom Design-Studium und dachte, wer weiß wer zu sein, als mir Bruno sagte, dass meine Arbeiten gut, aber nicht gut genug seien um damit Furore zu machen. Ich war unglaublich wütend, dachte ich doch mit meiner Abschlussarbeit die Mode neu erschaffen zu haben. Da schlug mir Bruno vor eine Zeit bei ihm zu lernen und ich nahm das Angebot an. Allerdings wollte ich eigentlich nur eine Möglichkeit ihm zu zeigen wie gut ich war. … Aber es dauerte nicht lange, bis ich einsehen musste, dass er recht hatte. Meinen Arbeiten fehlte das Gefühl, das Gewisse Etwas, das was ein Kleidungsstück zu etwas Besonderem macht.“ Anna nickte lächelnd, sie konnte sich lebhaft vorstellen wie Bruno den jungen Mann provozierte um ihn zu Höchstleistungen anzustacheln. Schließlich war er auch bei ihr nicht zimperlich, obwohl er ihr zu verstehen gab, dass er ihre Arbeiten schätzte. Da wurde sie von Peers angenehmer Stimme aus ihren Gedanken geholt. „Wo wir gerade von der Arbeit reden, wie sieht es aus, willst du erst ins Hotel, oder können wir gleich loslegen. Wir haben die nächsten zwei Tage noch ordentlich was zu tun?“ Anna brauchte nicht lange zu überlegen, sie war gespannt wie ein Flitzebogen, und konnte es dementsprechend kaum erwarten, mit der Arbeit zu beginnen.
Sie hatten die Stadtgrenzen lange erreicht und fuhren nun durch belebte Straßen, die von schönen alten, gut erhaltenen Häusern gesäumt wurden. Dann bog das Auto ab und es wurde ruhiger. Sie fuhren auf ein altes Hafengelände, das heute wohl vorwiegend den Kreativen der Stadt vorbehalten war. Überall gab es moderne und einfallsreiche Schilder, die auf kleine Firmen oder Künstler hinwiesen. Anna spürte erneut ihre Aufregung in diese Welt hier eintauchen zu können. Vor einer alten in Backsteinbauweise errichteten Lagerhalle parkte Peer das Auto und öffnete ihr lächelnd die Tür.

„So, da sind wir also, hier laufen die Vorbereitung für die exklusivste Modenschau, die Stockholm in diesem Jahr sehen wird, und du bist dabei.“ Anna stieg aus und strahlte ihn an. Gemeinsam betraten sie die Halle. Sie war in verschiedene Bereiche unterteilt. Anna stand sprachlos da und sog die chaotische, aber kreative Atmosphäre in sich auf, die sie auch bei Lanford so faszinierte, wenn es gerade mal wieder heiß her ging. Es gab einen Bereich, in dem vollgepackte Kleiderstangen herumstanden, und mehrere Schminktische zu sehen waren. Direkt daneben, nur durch mobile Trennwände abgeschirmt, standen mehrere Nähmaschinen. Jede Menge Nähutensilien waren auf den Tischen verteilt. Weiter hinten konnte sie einen Art Catwalk sehen, der vermutlich für das Model-Casting und zur Vorbereitung der Choreographie genutzt würde. Peer wartete einen Augenblick, bis sich Anna einen kleinen Überblick verschafft hatte, bevor er einen der kleineren Räume auf der linken Seite betrat. „Willkommen in meiner kleinen chaotischen Welt.“ Auch das Büro strahlte das kreative Chaos aus, das auch Bruno immer verbreitete, wenn er an seinen neuen Schöpfungen arbeitete. Es gab eine Ecke, die einem aufgeräumten Büro glich, aber ansonsten waren zwei riesige Tische zu sehen, auf denen Stoffe, Nähmaterialien, Accessoires und Entwürfe scheinbar wild durch einander lagen. Die Ordnung erkannte vermutlich nur der Künstler selbst.
Am Fenster stand eine kleine Sitzgruppe. Vier Sessel, aber nicht wie zu erwarten im stylischen aber nichtssagenden Stil, sondern vier verschiedene, eher altertümliche Sessel, die gemeinsam mit dem einfach gehaltenen Holztisch, eine urgemütliche Atmosphäre boten. Anna fühlte sich sogleich Zuhause und warf Peer, der ihr immer sympathischer wurde einen verstohlenen Blick zu. Der Designer bat Anna sich in Ruhe um zu schauen und verschwand für eine kurze Weile. Dann kam er mit einem vollen Tablett zurück und steuerte die Wohlfühloase des Raumes an. Beide setzten sich und tranken ihren Tee, während Peer Anna den Ablauf der nächsten zweieinhalb Tage erläuterte. Anna zückte einen Block und war voll bei der Sache, notierte sich worum sie sich zu kümmern hatte und welche zeitlichen Vorgaben sie einhalten musste. Hin und wieder stellte sie eine Rückfrage oder gab etwas zu bedenken. Als die organisatorischen Dinge soweit geklärt waren, bedachte Peer Anna mit einem bewundernden Blick. Er war wirklich angetan von dieser engagierten jungen Frau, die offensichtlich eine sehr gute Auffassungsgabe besaß, und spontan freute er sich darauf ihr seine Entwürfe zu zeigen und ihre Meinung zu hören.
Peer stand auf und ging zum Arbeitstisch. Er schob einige Stoffe beiseite und öffnete eine Entwurfsmappe. „Anna, kommst du?“ Sie trat an ihn heran und schaute gebannt auf die Zeichnungen. Sie nahm sich die Entwürfe und betrachtete sie. Die Kleider waren umwerfend und sie war absolut begeistert. „Peer, die sind der Wahnsinn!“ wand sie sich ihm zu. Peer lächelte. „Sie gefallen dir? Das freut mich, aber…hast du noch Anmerkungen? Was für Models kannst du dir vorstellen, worauf müssen wir achten?“ Ihm ging es nicht darum bloß bewundert zu werden, er wollte konstruktive Kritik, und der Blick eines Außenstehenden war ihm dabei wichtig, wenn er ehrlich war. Gebannt wartete er ab, ob er mit Anna´s Anmerkungen etwas anfangen könnte, aber er war sich fast sicher, dass sie keine dieser Speichelleckerinnen war, die aufgrund seines Namens sowieso niemals eine Kritik äußern würden. Anna besann sich auf ihre Aufgaben. Sie sollte am nächsten Tag die Models auswählen, die notwendigen Anpassungen der Kleider vornehmen bzw. überwachen und das Styling festlegen. Also nahm sie einen Entwurf nach dem anderen in die Hand und besprach mit Peer, der in seinem Eindruck nicht enttäuscht wurde, was sie in dem Kleidungsstück sah und wie sie sich die Präsentation vorstellen konnte. Die Beiden waren so sehr in die Arbeit vertieft, dass sie gar nicht gemerkt hatten, wie spät es bereits war. Anna spürte ihre Müdigkeit erst, als sie den letzten Entwurf beiseite legte. Es hatte wahnsinnigen Spaß gemacht. Peer und sie hatten sich prima ergänzt und Anna hatte das Gefühl, dass sie seinen Erwartungen gerecht geworden war. Peer reckte sich, auch er spürte den langen Tag, aber bevor sie sich in ihre wohlverdiente Ruhe zurückziehen konnten, blieb noch eine Aufgabe.

„Hat Bruno, nachdem er dich ja ansonsten ziemlich ins kalte Wasser geworfen hat, wenigstens gesagt, dass wir auch ein Kleid von dir zeigen wollen?“ Peer schaute Anna fragend an, die jetzt, wo sie wusste, mit wem sie es zu tun hatte, noch nervöser war einen eigenen Entwurf vorzulegen. Sie nickte also nur und zögerte ihren ersten Versuch aus ihrer Tasche zu holen. „Und, bist du schon dazu gekommen, etwas zu entwerfen?“ Peer war total gespannt was die junge Kollegin selbst aufs Papier gebracht hatte. Nachdem er gerade festgestellt hatte, dass sie ein wirklich gutes Auge und gute kreative Ideen hatte, war er sicher, dass auch ihr eigener Entwurf etwas Großes war. Anna riss sich zusammen, ging zu ihrer Tasche und holte ihren Skizzenblock Schlimmer als Bruno kann Peer in seinem Urteil auch nicht sein. Entweder es gefällt, … oder eben nicht. Sie fühlte sich als würde sie zur Schlachtbank geführt. Sie schlug mit zittrigen Händen die Seite auf, die sie im Flugzeug bearbeitet hatte und sagte unsicher „… es ist nur ein erster Versuch. … Im Flugzeug.“ Peer betrachtete das Kleid. Es war eng anliegend mit einem etwas ausgestellten bodenlangen Rock. Die Silhouette war streng, aber nur auf den ersten Blick. Es gab ein glänzendes Unterkleid, er vermutete, dass es Seide sein sollte, das den Farbverlauf von einem tiefen schwarz am Rocksaum zu einem leuchtenden Grün am Dékoleteé wechselte. Am oberen Bereich öffnete sich die strenge Linie. Der Stoff lief in einzelnen blütenblätterartigen Stoffbahnen aus. Sie bedeckten die Brust, ließen aber noch Platz für eigene Fantasien. Zwei dieser Bahnen führten in einem dünnen Band um den Hals der Frau. Über dem Seidenstoff fand sich eine weitere Stofflage. Ein flüchtiger Organza, ebenfalls in einem grünton gehalten, fiel sanft über die strenge Linie des Unterkleides. Es enthielt vereinzelte, kleine Blütenstickereien und durchbrach mit seiner Leichtigkeit die klare Linie des Kleides.
Peer sah sie begeistert an. „Anna, das ist wundervoll! Streng und gleichzeitig verspielt, puristisch aber auch romantisch. Es hat das Besondere, das gewisse Etwas.“ Er schaute nochmal auf den Entwurf und murmelte „Jetzt weiß ich, warum du bei Bruno arbeitest.“ Anna hatte ihn die ganze Zeit angespannt beobachtet, und war unendlich erleichtert, dass es ihm gefiel. Aber bei seinem letzten Kommentar, verzog sie fragend das Gesicht. „Was meinst du?“ fragte sie. Peer strahlte sie an „Bruno beschäftigt nicht Jeden. Er sucht sich seine Designer gut aus. Und… er sucht immer nach den Menschen, die eine besondere Begabung haben, aus der Mode Kunst entstehen zu lassen. Und nach dem ersten Blick auf einen, wie sagtest du eben,… ersten Versuch von dir, sieht es aus also ob du das könntest.“ Anna war sprachlos, bei diesem Lob aus dem Munde dieses Modegenies. Sie dachte kurz an die Entstehung des Kleides, und dass es ihr quasi aus der Hand geflossen war, als sie nachdenklich zu ihm schaute. „Darf ich dich was fragen?“ Peer nickte erwartungsvoll, „Was siehst du, wenn du das Kleid betrachtest?“ Er nahm die Skizze erneut in die Hand. „Hm, lass mal überlegen… Ich sehe Zerrissenheit. Der Ursprung liegt vermutlich in einer tiefen Verzweiflung oder Trauer, … aber da gibt es auch die Hoffnung, die sich entwickelt, immer deutlicher wird, und letztlich zur Vertreibung der Dunkelheit führt und eine Öffnung impliziert. Es schwingt eine Leichtigkeit mit, die von Beginn an da ist, aber erst nach und nach zum Tragen kommen kann.“ Anna war tatsächlich geplättet, wie genau ihr Entwurf scheinbar ihre Verfassung widerspiegelte. Zumindest für jemanden, der sich darauf einließ und die Bedeutung verstehen wollte. Sie blinzelte eine Träne weg, als Peer sie aufmerksam betrachtete. „Es geht hier um dich, stimmts? Um deine persönliche Entwicklung? Vielleicht um die Liebe?“ Seine Stimme war leise und verständnisvoll. Anna war einerseits verlegen, wie gut dieser fremde Mann sie durchschaut hatte, andererseits fühlte sie sich aber auch so verstanden wie lange nicht mehr. Sie schaute auf ihren Entwurf und strich fast zärtlich darüber. „Ja, es geht um mich und es geht auch um die Liebe, … und vielleicht auch den Wunsch, wie alles enden soll.“ Peer war sehr berührt, von dieser kleinen Frau, die scheinbar ein schweres Schicksal hinter sich hatte, aber so kraftvoll für sich kämpfte. Spontan legte er seinen Arm um ihre Schulter und drückte sie. Anna lehnte sich nach einem kurzen Moment der Überraschung, an seine Schulter und genoss das Mitgefühl das aus seiner Geste sprach.

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BeitragThema: "40"   Sa Sep 29 2012, 00:42

Noch ein Begrüßungsteil für meine liebe Mini, die ja bald wieder da ist, und ein Vertröstungsteil, da ich ja dann erst mal eine Woche weg bin. Smile
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Tom atmete befreit die frische Luft ein. So erschöpft er auch eben noch war, bevor er seine Wohnung betreten hatte, so aufgekratzt war er jetzt. Seine Gefühlswelt war zwar immer noch ein heilloses Durcheinander, aber sie hatte sich gewandelt. Er spürte eine gewisse Erleichterung nachdem er Carla wohl endgültig aus seinem Universum vertrieben hatte. Er lief festen Schrittes durch die Straßen der Stadt und fühlte sich, das erste Mal, seit seiner morgendlichen Begegnung mit Anna, wieder halbwegs lebendig. Auf seinem Weg in die Ego-Bar, in der er sich einen Absacker genehmigen wollte, schaute er sich die Menschen an, die in Gruppen vor kleinen Cafés und Kneipen saßen und den lauen Abend genossen. Während er sich den ganzen Nachmittag in die Einsamkeit geflüchtet hatte, fühlte er sich jetzt in der Anonymität der vielen Menschen sehr wohl, bis…, ja bis er auf ein Pärchen traf, das direkt vor ihm zu stehen kam um sich verliebt anzuschauen. Er konnte gerade noch stoppen, um nicht in sie hinein zu knallen und starrte sie erschrocken an, dann musste er mit ansehen, wie sie in einen zärtlichen Kuss verfielen. Unvermittelt entflammte die Sehnsucht nach Anna wieder in ihm, und er fragte sich was sie gerade tat. Tom dachte an Stockholm und daran, dass Anna zu Peer geflogen war. Peer und er kannten sich schon lange, und Tom mochte ihn, er war trotz seiner heutigen Berühmtheit der unglaublich nette und humorvolle Kerl geblieben, den er vor vielen Jahren kennen gelernt hatte. Aber genau das war Toms Problem, er wusste auch, dass der Niederländer bei den Frauen verdammt gut ankam. Er spürte Eifersucht und leise Angst in sich aufsteigen und versuchte sich von diesem Trip wieder runter zu holen, bevor er erneut im Strudel der Deprimiertheit verschwinden würde

In der Ego-Bar angekommen setzte er sich an die Theke und bestellte sich einen Whiskey. Er hoffte, dass ihn das starke Gesöff etwas beruhigen würde. Gerade als er zum Trinken ansetzte, klopfte ihm jemand auf die Schulter, so dass er das Glas fast über die Theke geschmissen hätte. „Hey Tom,“ vernahm er die Stimme seines besten Freundes. „Heute so alleine hier? Wo hast du deine bessere Hälfte gelassen?“ fragte Enrique mit offensichtlicher Ironie. Tom drehte sich zu ihm und versuchte die Mimik und den Tonfall Enriques zu deuten. Dann besann er sich, auf die gerade gehörten Worte und antwortete mit einem sarkastischen Lächeln im Gesicht. „Du meinst Carla?... Wenn sie jemals meine bessere Hälfte gewesen sein sollte, dann bin ich wohl der Teufel in Person.“ Enrique stand die Skepsis ins Gesicht geschrieben. Sollte sein Freund endlich erkannt haben, was für einen Wolf im Schafsfell er sich da in sein Bett geholt hatte? Aber bevor er nachfrage konnte, drehte sich Tom wieder zurück zu seinem Glas, starrte hinein, als ob er dort die Antworten auf all seine Fragen finden könnte und sagte mit niedergeschlagener Stimme. „Ich habe alles falsch gemacht…“ Enrique setzte sich auf den Hocker, der neben Toms stand und beugte sich vor ihn um ihm ins Gesicht sehen zu können. Tom nahm einen kräftigen Schluck und genoss mit geschlossenen Augen das brennende Gefühl, als ihm die starke Flüssigkeit die Kehle herunter lief. Er überlegte. Wollte er darüber reden? … Warum eigentlich nicht. Immerhin war Enrique sein bester Freund. „Tom?“ ertönte da auch schon die besorgt fragende Stimme seines Nachbarn. „Anna, … ich habe sie so häufig verletzt. Und jetzt…“ presste der Lanford-Junior heraus. Enriques Blick hellte sich auf. „Soll das heißen, dass du endlich begriffen hast…“ Tom winkte ab „Ja ja, ich habs ja jetzt auch verstanden.“ Er sendete einen entschuldigenden Blick in Enriques Augen und sagte leise. „ Weißt du eigentlich wie schlecht ich die letzte Zeit auf dich zu sprechen war?“ Enrique grinste, als hätte man ihm gerade seinen größten Wunsch erfüllt. „Na endlich. Und… du musst dich nicht entschuldigen. Es war mir ein Vergnügen, dich ein wenig zu provozieren.“ Toms Mimik glich einem Fragezeichen „Wie jetzt? Wolltest du gar nichts…“ „von Anna?“ fiel ihm Enrique ins Wort. „Doch. Als ich sie kennenlernte war ich fasziniert von ihr. Von ihrer offenen Art und ihrer Willensstärke, obwohl sie doch gerade erst diese Tragödie mit dem Tod ihres Mannes hinter sich hatte. Sie ist so anders, … hat es nicht nötig diese verwirrenden Spielchen zu spielen, die anderen Frauen so zu eigen sind. Aber glaub mir, spätestens nach ihrem Interview bei „Die Nacht ist jung“ wusste ich, dass euch etwas verbindet, gegen das ich keinerlei Chance haben würde.“ Tom nickte gedankenverloren. Nur ich I.diot wollte es immer noch nicht wahr haben „ … Anna ist mir immer noch sehr wichtig. Sie ist eine wirklich tolle Freundin, aber … da ist ja auch noch Paloma.“ Enrique zwinkerte Tom zu, der ihn immer noch erstaunt ansah. „Aber jetzt wieder zu dir, was ist denn mit Carla?“ In Toms Augen funkelte bei dem Gedanken an diese Frau der wilde Zorn. „Die habe ich soeben aus meiner Wohnung und meinem Leben geschmissen.“ Enrique klopfte seinem mehr als überraschten Freund anerkennend auf die Schulter, er konnte sich einfach nicht zurück halten. „Tom ich bin so froh, und was ist mit dir und Anna? Weiß sie es schon? Tom schüttelte bedrückt den Kopf. „Sie ist weg…“ Enrique stockte „Wie, sie ist weg? Was soll das heißen? Sie ist in Stockholm, oder?“ Tom bestätigte seine Ausführungen mit zusammengepressten Lippen. „Tom, dann los! Was machst du noch hier? Flieg ihr hinterher und rede endlich Tacheles. Anna wartet doch nur auf ein Zeichen von dir!“ Tom schaute unsicher auf „Meinst du wirklich? Bin ich nicht zu spät?“ Er war sich ihrer Liebe, zumindest oberflächlich, gar nicht mehr so sicher. Enrique stöhnte laut auf und haute ihm locker vor die Stirn. „Wie verpeilt bist du eigentlich? Anna legt dir ihr riesengroßes Herz zu Füßen und du zweifelst immer noch? Jetzt komm endlich in die Hufe, sonst sucht sie sich wirklich noch einen anderen.“ Enrique schaute seinen Freund völlig fassungslos an, war er wirklich so verpeilt, wie er sich gerade gab. Und Tom kam endlich zur Einsicht. Ich bin so blöd. Warum bin ich nicht selbst auf die Idee gekommen, anstatt mich hier im Selbstmitleid zu suhlen? Er trank seinen Whiskey aus, klopfte Enrique auf die Schulter und sagte leise „Danke“. Dann ging er mit neuem Mut zurück zu seiner Wohnung.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Okt 01 2012, 23:59

Hey, meine Süße,

so, jetzt hab ich alle deine Teile nachgelesen. Warst ja ein ganz fleißiges Bienchen. Wink Ich finde diese Teile mit Peer einfach klasse. Besonders den Part, in dem du das Kleid, was Anna entworfen hat, beschreibst und die Bedeutung, die darin liegt. Man hat es wirklich vor Augen. Und Tom, ja, er tut mir irgendwie leid, aber ich bin froh, dass er seinen Weg gefunden hat und ihn auch durchzieht. Peer, ... ja, meine Meinung zu Peer kennst du ja bereits. Ich mag den Typen einfach und ich kann verstehen, dass Anna ihn symphatisch findet. Das kommt einfach total klasse rüber, Hut ab. Tja, da du mich ja nun ausreichend mit Lesematerial versorgt hast, das mir sicher das Warten auf Nachschub leichter machen wird, sollte ich wohl dafür sorgen, dass du ebenso was zu Lesen hast, wenn du wieder zu Hause bist. Bis bald, freu mich auf mehr.

LG, Mini Wink

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„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
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katha

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BeitragThema: "41"   Di Okt 09 2012, 22:53

So, wenigstens hier eine Fortsetzung, ... wenn es sonst nicht fluppt Embarassed

Peer hatte Anna nach diesem langen und arbeitsintensiven Tag gegen 10 Uhr im Hotel abgesetzt und sich bis zum nächsten Morgen verabschiedet. Als er gerade zurück ins „Atelier“ fahren wollte, wo er einen kleinen Raum als Übernachtungsort nutzte, klingelte sein Telefon. Er machte den Motor seines Autos wieder aus und betrachtete irritiert die Nummer. „Lanford … um diese Zeit?“ brummelte er verwundert, bevor er das Telefonat annahm. „Peter Berg“ „Hallo Peer, hast du einen Moment für mich?“ Peer verzog, jetzt noch irritierter, das Gesicht. „Das ich das noch erleben darf? Du kannst Telefonieren?“ frotzelte er. Aus der Ferne war nur ein unwilliges Murren zu hören. „Bruno, was kann ich um diese Zeit noch für dich tun?“ Er musste grinsen, konnte er sich doch leibhaftig vorstellen, mit welchem Widerwillen Bruno auf das ‘teuflische Gerät’ vor sich schaute, und ihn jedes Wort, das er hinein sprach, eine riesige Überwindung kostete. „Peer, wie war es heute? Was ist dein Eindruck von Anna? … Es tut mir übrigens leid, dass es diese Personalverschiebung gab und ich dich gar nicht mehr informiert habe.“ Peer lächelte, „Dafür musst du dich beim besten Willen nicht entschuldigen. Du weißt, ich kann ganz gut mit Carla, aber Anna… sie ist fabelhaft“ schwärmte er. Bruno saß in Toms Büro und grinste zufrieden in sich hinein. Prima, beste Voraussetzungen. Wusste ich´s doch Jetzt war er sich seiner Sache schon fast sicher, deshalb sprach er sein Anliegen auch ohne Umschweife aus, diese Rumgeiere konnte er sowieso nicht leiden. „Peer, ich habe überlegt, ob wir nicht mal wieder was zusammen auf die Beine stellen sollten, …könnte ich dich dafür gewinnen?“ Peer überlegte einen Moment, während er die vereinzelten Menschen beobachtete, die durch den warmen Sommerabend streiften. Eigentlich arbeitete er ja mit keinen Modefirmen mehr zusammen, aber andererseits war Lanford für ihn nicht irgendein Modehaus, und… . Er verzog nachdenklich das Gesicht „Gibt es einen besonderen Grund warum du danach fragst?“ Bruno stand mit offensichtlichem Unwohlsein auf und wanderte im Büro auf und ab. In Bewegung konnte er einfach besser nachdenken um eine passende Antwort auf diese von ihm nicht erwartete Frage zu finden. Sollte er Peer die Wahrheit sagen? Eigentlich hasste er es ja, sich klein machen zu müssen. Verdammt, was solls... Peer kennt mich lange genug, um die Situation sowieso zu durchschauen Da hörte er ein fragendes „Bruno?“ aus dem Teufelswerk auf dem Tisch, und wurde sich gewahr, dass Peer auf eine Antwort wartete. Er stützte sich auf den Tisch und räusperte sich verlegen. „Ehrlich gesagt ja. … Carla ist der Grund,… sie produziert gerade nicht viel Brauchbares, ich befürchte, dass wir für die Fashion-Days in Berlin auf die Life-Linie verzichten müssen. Anna wird es nicht schaffen neben ihrer Zauberhaft- Kollektion auch -Life- umzusetzen und auch ich bin mit -Luxury- völlig ausgelastet. …Und eine mittelmäßige Kollektion, die auch jeder No-Name entwerfen könnte, werde ich nicht präsentieren.“ Brunos Worten war seine Verbitterung zu entnehmen, denn er ärgerte sich maßlos über Carlas mangelhaften Leistungen. „Na ja, und ehrlich gesagt, dachte ich …, eine Zusammenarbeit mit dir könnte unserem Image gut tun, damit wir unsere Kunden nicht völlig verprellen,“ gab er nach einiger Überwindung zu.
Peer war nicht wirklich verwundert. Er hatte sich all die Jahre gefragt, warum Bruno Carla als Hauptdesignerin beschäftigte. Hatte er zu Anna noch gesagt, dass sich Bruno seine Designer sehr gut auswählte, war das bei Carla wohl nicht ganz geglückt. Carlas Entwürfe waren zwar gut, aber sie waren…, er würde nicht sagen langweilig, aber eben auch nicht das ganz Besondere. Er hatte die Vermutung, dass Bruno sie mehr Tom als sich selbst zuliebe beschäftigte. Schließlich war dieser schon lange mit ihr verbandelt. Na ja, und außerdem brauchte er sich keine Sorgen machen Konkurrenz im eigenen Haus zu bekommen.
„Und ich soll euch retten?“ fragte Peer ironisch. Bruno knurrte erneut auf. „Jetzt mach dich nicht noch lustig, ist ja nicht so als solltest du mit einem unbekannten Anfänger kooperieren.“ Bruno mochte diese Bettelei gar nicht, aber da musste er jetzt durch. Schließlich hatte er gleich zwei Gründe, warum er das hier gerade tat. Peer hingegen fand es amüsant seinen früheren Chef noch ein wenig zu ärgern. „Vielleicht würde mir das ja viel besser gefallen… „ antwortete er deshalb belustigt, bevor er nach einer kleinen Pause ernsthaft weitersprach …. „ Aber ich habe da eine Idee. Nein, eigentlich ist es eine Bedingung.“ „Und, die wäre?“ fragte Bruno zögerlich zurück. Er verabscheute es, sich Vorgaben diktieren lassen zu müssen. „Ich will, dass Anna die Kollektion mit mir entwirft. …Sie ist neu, unverbraucht, … und sie arbeitet mit Herz. Das gefällt mir.“ Bruno atmete erleichtert auf. Das war auch seine Idee gewesen. Er wusste, dass Anna und Peer ein perfektes Team abgeben würden. „Prima, kein Problem. Anna wird dir zur Verfügung stehen. Überleg dir doch bis morgen wann du Zeit hast, und auf welcher Show wir die Ergebnisse präsentieren. Ich schicke dir Tom vorbei, dann könnt ihr die Verträge vorbereiten.“ Bruno klang zufrieden, geradezu euphorisch und auch Peer fühlte sich gut bei seinem Entschluss. „Du willst mir Tom vorbeischicken? Mal eben? Viel Zeit habe ich aber nicht…, sollen wir das nicht lieber…“ „Quatsch, keine Widerrede Tom kommt morgen zu euch, äh dir. Wir geben dir die Flugdaten noch durch. Ich wünsch dir viel Erfolg für Freitag.“ Bruno legte auf.

Peer legte sein Handy nachdenklich auf die Seite und wollte gerade sein Auto wieder starten, als das Telefon erneut klingelte. „Boh, was denn jetzt noch?“ stöhnte er genervt. So langsam war auch ihm der Tag echt lang genug und er wollte seine Ruhe haben. Unbekannte Nummer? Er überlegte ob er überhaupt ran gehen sollte, aber dachte sich dann, dass es darauf jetzt auch nicht mehr ankam. „Ja Hallo“ sagte er dieses Mal weniger freundlich. „Hallo Peer, hier ist Carla.“ So langsam wusste der Niederländer nicht mehr, ob er Virgins Einfall, sich von Lanford helfen zu lassen, nicht hätte abschmettern sollen. Was wollten sie nur alle von ihm. „Carla, was gibt’s. Es ist spät.“ Carla vernahm die Gereiztheit in seiner Stimme, aber das war ihr egal. Sie hatte einen Plan und den würde sie umsetzen. Nachdem Tom sie so erniedrigt hatte, musste sie sich schließlich wehren. Diese Schmach würde sie nicht einfach auf sich sitzen lassen, und natürlich war Anna das Ziel ihres Zorns, und so würde sie ihren Kampf auch bei ihr ansetzen. Carla war immer noch völlig überzeugt, dass Tom zu ihr gehörte, und deshalb war sie entschlossen alles zu tun um ihn zurück zu bekommen.
Sie flötete „Ach eigentlich wollte ich mich entschuldigen, dass ich dich hängen gelassen habe. Aber ich hatte einen Unfall und hätte…“ Peer unterbrach sie „Ja Carla, alles gut. Anna macht einen super Job. Wir waren heute schon sehr erfolgreich.“ Er hoffte, dass er sie schnell wieder los würde, wusste ja nicht, dass er mit diesen Worten genau ins Wespennest gestochen hatte. Carlas Stimme wechselte auch schlagartig zu einer fiesen, hörbar ironischen Tonlage. „Ja sie ist toll nicht? Dann wird es dir ja sicher nicht schwer fallen, dich ein bisschen intensiver um sie zu kümmern.“ Peer stockte, und schaute einen Moment stirnrunzelnd auf sein Handy, bevor er es sich wieder ans Ohr hielt und irritiert fragte „Was gibt das denn jetzt? Was soll das heißen?“ Carla wurde nun sehr deutlich „Ich will, dass du Anna verführst, und … ich will, dass es Alle mitbekommen. Ich werde mich gerne darum kümmern und einen Fotografen beauftragen. Du musst mir nur sagen wann und wo er euch findet.“ Die Schärfe in ihrer Stimme war unverkennbar, aber Peer belächelte Carla für diese Aufforderung, obwohl sich gleichzeitig ein schlechtes Gefühl in ihm einstellte. „Und warum sollte ich das tun?“ fragte er gelassen zurück. „Weil ich sonst mal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern werden.“ Peer sah ihr gemeines Grinsen direkt vor sich, so deutlich klang es aus ihrer Stimme und ihm stockte der Atem. Was wollte sie von ihm? „Wie war das damals in London, es war die Prinzessin von…“ Peer unterbrach sie schroff „Du willst mich erpressen?“ Jetzt war er ernsthaft schockiert. Aber Carla hatte ihre liebliche Stimme wieder gefunden. „Ach Peer, wie käme ich dazu, wir haben uns doch immer gut verstanden, … ich lege dir lediglich meine liebenswerte Kollegin ans Herz.“ Er fragte sich, was Carla vor hatte und worum es hier wirklich ging. „Carla was bezweckst du damit?“ Carla hatte keine Lust mehr auf weitere Ausführungen, es war ja schließlich alles gesagt. „Das hat dich nicht zu interessieren… Ich melde mich wieder, und beeil dich, allzu viel Zeit bleibt dir ja nicht.“ Damit legte Carla auf, und Peer schmiss sein Handy auf den Beifahrer-Sitz. „Ist die jetzt völlig durchgeknallt?“ fragte er sich laut, als er zum dritten Mal das Auto startete und mit quietschenden Reifen losfuhr, um endlich zu seinem Atelier zurück zu fahren.
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Tom betrat seine Wohnung und war froh, dass Carla tatsächlich verschwunden war. Es erinnerte fast nichts mehr an sie, außer den Relikten ihres Zornausbruchs. Er räumte die Scherben seiner Gläser weg und setzte sich anschließend an seinen Laptop um eine Flug nach Stockholm zu buchen. Während er nach einem passenden Flug suchte, überdachte er nochmal das Gespräch mit Enrique und verfluchte ihn lächelnd. Dieser Typ macht mich noch fertig. Läßt mich einfach auflaufen, anstatt mit mir zu reden. ... Obwohl, wenn ich ehrlich bin, hat er es wohl auch damit versucht. Ich bin eben ein hoffnungsloser Fall. Aber jetzt weiß ich ja endlich was ich will. Nachdem er seine Buchungsbestätigung bekommen hatte, klappte er das Laptop zu und legte sich ins Bett. Die Geschehnisse des Tages ließen ihn erst nicht zur Ruhe kommen und er befürchtete schon überhaupt nicht abschalten zu können, als ihn doch die Müdigkeit überfiel und ihn in einen entspannten Schlaf schickte. Als der Wecker nach einigen Stunden klingelte, fühlte er sich relativ ausgeruht und sein erster Gedanke war Ich fliege zu Anna. Energiegeladen startete er den Tag mit einer ausgiebigen Dusche. Anschließend packte er schnell noch ein paar Klamotten in einen Koffer und verließ auch schon die Wohnung. Frühstück musste warten, er war sowieso viel zu nervös um etwas runter zu bekommen. Bei Lanford angekommen, hoffte er, dass sein Vater bereits da war. Das zweite Mal innerhalb kürzester Zeit, würde er Bruno sagen müssen, dass er sich ausklinken wollte. Wahrscheinlich muss ich Bruno heute doch mal erzählen, worum es eigentlich geht. Der hält mich bestimmt sowieso schon für völlig durchgeknallt, dachte er wenig begeistert, als er Nataschas Büro im oberen Stockwerk anstrebte. Er öffnete die Tür Mist, er ist nicht hier… Der Flug geht schon bald. Wenn ich ihm nicht wenigstens Bescheid gebe, reißt er mir den Kopf ab. Er lief eilig die Treppe hinunter und schaute sich in alle Richtungen um. Es waren einige wenige Mitarbeiter zu sehen, aber leider kein Bruno. Fluchend öffnete er seine Bürotür und wäre fast mit seinem Vater zusammengestoßen. „Was machst du hier?“ fragte Tom entgeistert. In seinem Büro hatte er seinen Vater seltsamerweise am wenigsten vermutet. Bruno sah ihn nur kurz an und setzte sich hinter den Schreibtisch. Tom schaute konsterniert, schließlich war es sein Büro und sein Stuhl, aber gut. „Bruno, ich muss mich nochmal für ein oder zwei Tage rausziehen.“ Sagte er gerade heraus. Bruno schaute ihn aufmerksam an und schüttelte mit absoluter Gewissheit den Kopf. „Nein mein Lieber, das wirst du nicht. Ich habe eine Aufgabe für dich, und die duldet keinen Aufschub. „ Tom war geschockt und setzte sich auf einen der Sessel vor seinem Schreibtisch. „Nein, das geht nicht. Ich muss…“ versuchte er zu widersprechen, verharrte aber, als er in Brunos Gesicht sah. Der war bei dem ersten Anzeichen von Protest aufgestanden und stützte sich nun mit den Händen auf den Schreibtisch um ihn besser fixieren zu können. Er realisierte die Fassungslosigkeit seines Sprösslings, aber ignorierte sie beflissentlich. „Das geht. …Du wirst heute Morgen noch in den Flieger nach Stockholm steigen und mit Peer die Verträge für eine gemeinsame Kollektion aushandeln. Und morgen Mittag führen wir die Verhandlungen für die Fashion Days. Das mache ich nicht alleine. Deine Flüge sind beide gebucht. Heute Abend um 11 bist du wieder zurück.“ Brunos Blick ließ keinen Ungehorsam zu, das war klar, aber Tom verstand nun gar nichts mehr. Er sollte nach Stockholm fliegen, …seltsamer Zufall. Ob die Fluggesellschaft wohl registriert hatte, dass er laut Buchungen zwei mal an Bord sein würde. Gedanklich rieb er sich frohlockend die Hände. Äußerlich war einzig ein Leuchten in seinen Augen, ein kleines sichtbares Zeichen, ansonsten blieb er ganz ruhig und gelassen. Neutral fragte er nach den Umständen, des Auftrags „Was für eine neue Kollektion, und warum muss das bis morgen geklärt sein?“ Bruno stützte sich vom Tisch ab, zufrieden, dass sich Tom scheinbar in sein Schicksal fügte. Er ging zur Glaswand und betrachtete das Atelier, das immer noch ruhig vor ihm lag. Sein Blick blieb an Carlas Schreibtisch hängen. „Weil ich sicher sein will, dass wir diese Kollektion an den Start bringen werden, bevor ich die Life-Linie für die Fashion Days absage.“ Tom staunte nicht schlecht. „Du willst keine Life-Kollektion präsentieren? Hier an unserem Hauptstandort?“ Bruno drehte sich aufgebracht zu ihm um und seine Lautstärke hatte er auch gleich angepasst. „Ich sage es dir gerne nochmal, deine Verlobte hat scheinbar mehr als eine kreative Krise. Wir werden uns blamieren, wenn wir nichts unternehmen.“ Tom konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Geschäftlich machte er sich zwar so seine Gedanken, ob es gut sei -Life- einfach ausfallen zu lassen, aber ansonsten amüsierte es ihn, dass Carla wohl eine weitere Schlappe einstecken musste. Bruno hatte auf seine gereizte Erklärung Protest erwartet, stattdessen saß sein Sohn da, und grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Was ist denn eigentlich in dich gefahren. Vielleicht teilst du mir mal mit, welcher Clown dich heute Morgen schon geknutscht hat, dass du so viel Spaß hast.“ Seine Gemütsverfassung erreichte gerade den nächsten Erregungspegel. Noch nicht Bruno, erst das Geschäftliche, dachte sich Tom immer noch schmunzelnd, bevor er sich zusammenriss und wieder ein ernstes Gesicht machte. „Und du denkst, das können wir uns leisten?... Und was wird das für eine Kollektion mit Peer?“ Fragezeichen standen ihm nun in den Augen. Bruno setzte sich wieder hin. Da sein Sohn wieder zu geschäftsmäßigen Fragen übergegangen war, versuchte auch er sich wieder aufs Thema zu besinnen. „Natürlich ist das Mist, aber wer soll die Entwürfe machen? Anna? Die hat mehr als genug zu tun… und ich genauso. Und Carla zeichnet gerade, wie bereits erwähnt, unterirdisch.“ Er musterte Tom ausgiebig, der zwar nicht mehr grinste, aber jetzt einfach gar nicht reagierte. „Tom?“ fragte Bruno nun mit einem Gesichtsausdruck, als überlege er, ob er die Männer mit den weißen Kitteln holen müsste, und es war klar, dass er eine Erklärung für das seltsame Verhalten seines Sohnes haben wollte. Tom lächelte Bruno völlig entspannt an und sagte kurz und knapp. „Ich bin nicht mehr verlobt. … Reicht das als Begründung?“ Bruno sprang auf und schaute Tom mit aufgerissen Augen an. Er hatte ja bemerkt, dass sich bei Tom irgendwas tat, und dass er sich verändert hatte, aber diese schnelle Wendung hatte er jetzt doch nicht erwartet. Deshalb fragte er vorsichtig nach „Das heißt, du wirst Carla nicht heiraten?...“ Tom nickte. „Es wird keine Hochzeit geben“ Plötzlich strahlte Bruno, als hätte man eine Lampe angeknipst. „Ihr habt euch getrennt?“ fragte er nochmal, um ganz sicher zu sein, dass er nichts falsch verstanden hatte. „Na ja, sagen wir, ich habe mich getrennt“ bestätigte Tom. „Wow, das ist ja wunderbar…!!!!“ brüllte Bruno und die Erleichterung war ihm anzusehen. Er steuerte auf Tom zu, als ihm aufging, was er gerade gesagt hatte. Er stoppte seinen Weg und pfiff sich selbst nach diesem Gefühlsausbruch wieder zurück „Oh, entschuldige, …das war nicht sehr taktvoll.“ Tom musste lachen. Er war verwundert, dass Bruno zu solch einer Einsicht fähig war. „Ist schon in Ordnung Papa. Ich wusste ja, dass du dich freuen wirst.“ Er stand auf und ließ sich von seinem Vater in den Arm nehmen.
Nach diesem kurzen Moment der Eintracht, besprachen sie, was sich Bruno für die Kollektion vorstellte, bevor er Tom zum Flughafen scheuchte.
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Einige Stunden später betrat Tom die alte Lagerhalle in Stockholm. Seit er aus dem Flugzeug gestiegen war, wibbelte er herum, und fühlte sich wie damals als Teenie bei seiner ersten Verabredung. Obwohl er sich nichts sehnlicher wünschte, als Anna endlich seine Liebe zu gestehen und sie in den Arm nehmen zu können, wollte er am liebsten auf dem Absatz rumdrehen und weglaufen. Man sollte nicht glauben, dass er einer der erfolgreichsten Geschäftsmänner der Modewelt war, der bei Verhandlungen stets als souveräner Gegner auftrat. Der Weg vom Flughafen in die Innenstadt, den Tom in einem Mietwagen zurückgelegt hatte, war ihm vorgekommen wie eine Weltumrundung, und weil er so in seinen Gedanken vertieft war, hatte er mehrfach die liebreizende Frauenstimme des Navigationsgerätes überhört und sich verfahren. Er war bereits völlig am Ende, als er endlich am Hafengelände angekommen war.
Jetzt schlug ihm das Herz bis zum Hals und er spürte, dass seine Hände feucht wurden. Ob Anna wohl da war? Er schaute sich in der großen Halle um. Es herrschte eine betriebsame Eile. Überall standen oder saßen Models. Stylisten und Näherinnen schminkten, frisierten, zuppelten und steckten an den Frauen herum um die perfekten Darbietung der Kollektion zu erreichen. An den Wänden hingen die Entwürfe der Kleidungsstücke, versehen mit Fotos des jeweiligen Models, das es präsentieren sollte. Tom ließ seinen Blick durch die Halle schweifen, scannte Meter für Meter, bevor er an den Fotos hängen blieb und dann sah er sie. Auf einem der Foto. Man konnte sie nur von der Seite sehen, da sie gerade die notwendigen Änderungen eines Kleides absteckte, aber Tom erkannte sie sofort, und er fühlte eine gewisse Erleichterung. Sie war wirklich hier. Sein Blick nahm erneut den Scanmodus ein, als er sich plötzlich zu Tode erschreckte.

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Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...


Zuletzt von katha am Sa Okt 13 2012, 09:45 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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