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 AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"

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katha

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BeitragThema: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Jul 20 2012, 23:31

das Eingangsposting lautete :

Hallo,
diese FF habe ich bereits einmal in einem anderen Forum eingestellt, so dass sie vielleicht beim dem ein oder anderen bereits bekannt ist. Aber ich denke, sie passt gut in den Reigen, der hier aufgeführten FFs und ich freue mich, sie hier (sprachlich ein wenig überarbeitet) noch einmal zu posten.

Vorlauf
Der Titel sagt bereits worum es geht. "Anna und die Liebe" hat uns mit Anna und Tom bekannt gemacht, die es beide in der Vergangenheit schwer getroffen hat. Tom hat seine große Liebe Fanni vor einigen Jahren bei einem Unfall verloren und nun trifft er auf Anna, die nach dem Unfalltod ihres Mannes, völlig am Ende ihrer Kräfte, auf dem Dach eines Hochhauses steht, um sich das Leben zu nehmen. Die Beiden erleben einen Moment des Einvernehmens, der sie fesselt und Anna letztlich von ihrem Plan abbringt.
Danach laufen ihre Wege in die gleiche Richtung. Zumindest verlieren sich Anna und Tom nicht mehr aus den Augen. Nach einigen ereignisreichen Monaten, in den es viel Verwirrungen, Missverständnisse, Streit aber eben auch immer wieder einvernehmlich vertraute Moment zwischen Beiden gibt, passiert es schließlich. Tom und Anna verbringen eine wunderbare Nacht mit einander. Die Folge ist, dass Tom Anna sitzen läßt und versucht sie weit von sich zu schieben. Er will sich nicht auf sie einlassen, nicht auf seine Gefühle einlassen, da er Angst hat erneut einen Verlust erleiden zu müssen. Also beschließt er sich hinter einem geregelten Leben mit einer anderen Frau zu verstecken. Carla. Tom fragt Carla, Annas größte Widersacherin, sowohl privat als auch beruflich, ob sie seine Frau wird und diese sieht sich endlich an dem Ziel ihrer Träume angekommen. Für Anna jedoch bricht eine Welt zusammen. Tom bietet ihr einen Aufhebungsvertrag an um sie aus seinem Dunstkreis zu vertreiben. Denn insgeheim weiß er nicht nur wie sehr er Anna mit seiner Entscheidung verletzt hat, sondern auch, wie schwer es ihm fallen würde, sie weiterhin in seiner Nähe ertragen zu müssen. Es scheint also, als würden sich ihre Wege hier trennen...

Einstieg in die Geschichte:

Meine Story beginnt, nachdem Carla die Verlobung mit Tom bei Lanford öffentlich bekannt gegeben hat. Anna ist verzweifelt aus dem Atelier geflohen und auf das Dach gestiegen, auf dem sie Tom das erste Mal begegnet ist. Dem Dach, das ihr gemeinsamer Ort ist. Tom ist Anna gefolgt, und hat ihr gerade gesagt, dass er ihr einen Aufhebungsvertrag anbietet.
******************************************

Teil 1

Anna brauchte einige Zeit um zu realisieren, was Tom ihr da gerade gesagt hatte. Ich bedeute ihm was? Und, er weiß wie sehr er mich verletzt hat, dass ich nicht lache. Dieser Arsch, er ist doch zu mir gekommen, er hat mich geküsst, und jetzt… heiratet er Carla. …Das ist noch das Schlimmste. Diese unterkühlte, intrigante Kuh. Ich kenne keinen Menschen, der gehässiger ist als sie. Sie wendete endlich den Blick ab, der immer noch auf den Treppeneingang gerichtet war, in dem Tom vor einiger Zeit verschwunden war.
Wie soll ich das nur aushalten? Ich muss noch ein halbes Jahr bleiben. Das wird die Hölle. Langsam machte auch sie sich auf den Weg zum Treppenhaus. Sie hatte Paloma versprochen gleich wieder ins Atelier zu kommen. Annas Schritte waren schleppend, wie ihre Gedanken und Gefühle. Sie schwankte zwischen Traurigkeit, Wut und Verzweiflung. Jeder Schritt zurück ins Atelier kostete sie unendliche Überwindung.

Als sich die Aufzugtür öffnete, hoffte Anna nur, dass sie nicht allzu vielen Kollegen über den Weg laufen würde. Vor allem nicht Carla oder Tom. Sie steuerte direkt auf ihren Schreibtisch zu. Ein Umschlag lag auf ihrem Tisch. Erst jetzt fiel ihr wieder ein, was wahrscheinlich der eigentliche Grund für Toms Auftritt auf dem Dach war. Der Aufhebungsvertrag, den er ihr anbot. Zu gütig dachte sie „Eine halbe Millionen, soviel bin ich dir also wert. Da wirst du die Nacht sicherlich noch länger verteufeln. War ganz schön teuer“ zischte sie vor sich hin. Auch wenn Tom es ihr, oder vielleicht doch eher sich selbst, mit diesem Vertrag leichter machen wollte; er erniedrigte sie.
Eigentlich bin ich ja kein Typ, der sich kaufen lässt, aber weiterhin her kommen und dem jungen Glück beim Turteln zusehen,... Carlas hämisches Grinsen ertragen müssen, …und Tom jeden Tag sehen „Scheiße" entfuhr es ihr und in Gedanken fügte sie hinzu, Ich liebe ihn doch.

Anna schaute kurz in Toms Büro, in der eine hitzige Diskussion zwischen Vater und Sohn zu beobachten war. Ob es da wohl um mich geht? Bruno ist sicherlich nicht erbaut, dass ich gehe… Gehe ich wirklich? Ich arbeite doch gerne für Bruno, gerne für Lanford, und jetzt… Es war ein heilloses Durcheinander in ihrem Kopf.
Als sie aus dem Augenwinkel sah, dass Carla auf sie zu steuerte, nahm Anna ihre Tasche und den Umschlag mit dem Vertrag und ging geradewegs zum Aufzug. „Anna, ich wollte gerade mit ihnen über das Brautkleid sprechen“ hörte sie noch, als sie auch schon in den Aufzug trat, der sich Gott sei dank direkt geöffnet hatte. Gut das ich der noch entkommen konnte. Wahrscheinlich hätte ich sie in meiner Verfassung erwürgt, ... Na ja, dann wäre ich wenigsten ein Problem los gewesen, …hätte mich aber wohl auch nicht weiter gebracht, dachte sie und lehnte sich müde an die Wand.
---------------

Tom und Bruno sprachen natürlich über Anna. Bruno schätzte ihre Arbeit und außerdem hatte er einen 7. Sinn wenn es darum ging seinen Sohn zu durchschauen. Und er war sich sicher den Grund für Toms Angebot zu kennen. "Warum lässt du Anna gehen? Wir brauchen sie hier. Sie ist gut!" fragte Bruno Tom verärgert. Tom wusste, dass er recht hatte. Aber es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ich kann sie hier nicht täglich sehen dachte er, mit aller Macht an seiner Entscheidung fest haltend. "Und Carla? Du bist sicher, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast?" kam eine weitere unangenehme Frage bei Tom an. "Ja natürlich, ich liebe Carla." versuchte er Bruno, oder vielleicht auch sich selbst zu überzeugen. Bruno beobachtete ihn eine zeitlang und schaute ihn nur abschätzig an. "Ja genau. …Hauptsache du kannst dir bei deinen Lügen noch selbst in die Augen sehen." brummte Bruno und verließ das Büro.
Was denkt der sich eigentlich? Er hat doch schließlich eine Entscheidung von mir verlangt.Toms Blick wanderte suchen zu Annas verwaistem Schreibtisch. Er spürte, bei dem Gedanken, dass sie dort vielleicht nie wieder sitzen würde, einen Stich in seinem Herzen. Er wusste ,dass Bruno recht hatte. Es war eine Lüge. Aber ich kann das nicht zulassen. Ich kann Fanni nicht verraten, und ich will nicht noch mal so verletzlich sein. Er drehte sich entschlossen um. Hoffentlich geht sie auch wirklich, sonst..., nein verdammt, ich habe mich entschieden, und basta.

Als Anna in die Goldelse kam, schaute ihre Mutter sie verwundert an. „Du bist ja heute so früh? Ist alles in Ordnung?“ Anna hatte keine Lust auf Smalltalk und so sagte sie nur schnell. „Ja, alles gut. Ich bin einfach nur total müde. Ich geh hoch.“ In ihrem Zimmer angekommen, setzte sie sich in ihren Sessel am Fenster. Sie ließ die letzten Tage Revue passieren. Einen kurzen Moment stiegen die Bilder der gemeinsamen Nacht mit Tom in ihr auf. Sie verstand es einfach nicht. Wie kann man nur in so kurzer Zeit so glücklich und so verzweifelt zugleich sein? fragte sie sich, Na ja, wer hoch steigt, kann auch tief fallen. Ich sollte mich einfach von allen Männern fern halten. Sie bringen mir scheinbar kein Glück dachte sie deprimiert. Ihre Wut war auf einmal einer tiefen Leere gewichen, die sie umhüllte. Sie saß einfach da und starrte vor sich hin. Keine Gedanken, keine Gefühle mehr. Ihr war es recht.
Irgendwann klopfte es an der Zimmertür, und sie sagte herein. Anna blieb sitzen und dachte gar nicht darüber nach, wen sie wohl herein gebeten hatte. Sie schaute verwundert nach draußen. Sie nahm erst jetzt wahr, dass scheinbar viel Zeit vergangen war, denn die Straßen, auf die sie immer noch schaute, lagen mittlerweile im Licht der Dämmerung. Als sie plötzlich eine wohlbekannte Stimme ihren Namen sagen hörte, sprang sie erschrocken auf.


Zuletzt von katha am Sa Feb 09 2013, 21:12 bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Jul 25 2012, 14:03

Mini_2010 schrieb:
Auch hier will ich für dich nochmal einen Kommi hinterlassen. Du kennst ja bereits meine Meinung zu deinen Ideen und deinem Schreibstil ... Very Happy Und diese Geschichte hier ist einfach grandios. Wink

Ich kann es trotzdem nicht oft genug hören, na ja lesen Embarassed Vor allem aus deiner Feder 👅 Lieben Dank also

Liebe Grüße
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Jul 25 2012, 14:04

Zuckerschnute schrieb:
Das ist wieder wunderbar geschrieben, bitte ganz schnell mehr davon Smile

Wird erledigt, für so begeisterte Leser doch gerne Smile
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Jul 25 2012, 15:00

So, und nun auch hier eine Fortsetzung sunny

Teil 7


Anna setzte sich wieder an ihren Schreibtisch und musste erst einmal Luft holen. Mein Gott, schon wieder so ein überfluteter Tag. Irgendwie komm ich mit den Entwicklungen der letzten Tage überhaupt nicht mehr mit. Sie beschloss Lanford für heute erst einmal den Rücken zu kehren um wieder zu klaren Gedanken zu kommen. Sie wollte gerade aufbrechen als Enrique auf sie zukam. „Anna, du bist hier?“ fragte er überrascht und umarmte sie begeistert. „Ja, ich bin hier, aber ich gehe jetzt.“ Er schaute Anna enttäuscht an „… das heißt, du hast den Vertrag wirklich unterschrieben?“ Sie schmunzelte „Nein, das heißt, dass ich morgen einen neuen Job beginne.“ „Wie jetzt?“ Jetzt war Enrique völlig vewirrt. Er hatte sich auf ihren Schreibtisch gesetzt und schaute sie fragend an. „Nun sag schon.“ brummte er ungeduldig. Anna legte ihm grinsend die Hand auf den Oberschenkel „Ganz ruhig Brauner. Wie könnte ich das hier alles verlassen?" Sie schaute vielsagend durch das Atelier, in dem das üblich Chaos zu beobachten war. "Wir bleiben Kollegen. Obwohl als Chefdesignerin der neuen Lanford-Linie Zauberhaft muss ich wohl in Zukunft mehr Respekt einfordern." Sie blinzelte ihm zu.
"…Aber für heute verlasse ich euch trotzdem. ...In den letzten Tagen ist soviel passiert. Ich brauch mal ein wenig Zeit um das alles zu verdauen. Morgen starte ich dann mit meiner neuen Aufgabe.“ Enrique strahlte glücklich. Er nahm ihre Hand und sah ihr tief in die Augen. „Frau Broda, ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit unserer neuen Chefdesignerin.“ Anna lachte herzlich und verabschiedete sich.
---------------

Tom hatte sich nach dem Meeting bei Carla damit entschuldigt, dass er einen Termin vorbereiten müsse. Er wollte ihre Wuttiraden über Anna und seinen Vater nicht hören, obwohl er ihnen wohl nicht dauerhaft entkommen würde. Aber erst musste er mal mit sich selbst klar kommen, und das schien gerade komplizierter als eine 200-seitige Bedienungsanleitung auf arabisch zu verstehen. Nun saß er an seinem Schreibtisch, der nach wie vor mit Ordnern und Briefen überhäuft war. Er wollte sich endlich in die Arbeit stürzen, allen Gedanken und Gefühlen entfliehen, aber es gelang ihm einfach nicht.

Tom schaute wieder einmal durch die Glaswand. Er hatte bereits das Gespräch zwischen Anna und Carla verfolgt. Anna war ganz ruhig und gelassen geblieben, also hatte sie scheinbar die Oberhand behalten. Schön für sie. dachte er sarkastisch. Aber Tom wusste, was es für ihn bedeutete. Carlas Stimmung war vermutlich kurz vor dem Siedepunkt und es war nur eine Frage der Zeit bis sie explodieren würde.
Jetzt verfolgte er die entspannte, ungezwungene und herzliche Atmosphäre zwischen Anna und Enrique. Enrique hatte Anna stürmisch begrüßt um sich dann auf ihrem Schreibtisch nieder zu lassen. Sie scherzten und lachten und Tom wusste, dass es ihn eigentlich nicht hätte stören sollen. Aber trotzdem vernahm er einen plötzlichen Unmut in sich, den er kaum ertragen konnte. Genervt verzog er das Gesicht.
Warum bringt mich diese Frau so aus dem Konzept? Sobald sie in meiner Nähe ist. Nein, das stimmt so nicht. Seitdem ich sie kenne, macht sie mich wahnsinnig. Musste ich ihr wirklich begegnen? War es wirklich meine Aufgabe sie zu retten? …Na ja, aber ich konnte doch nicht zugucken wie sie springt. So herzlos ist nicht mal ein Tom Lanford. dachte er ironisch. Aber warum habe ich sie zu Lanford geholt, warum in mein Leben gelassen? Und jetzt bekommst du die Quittung du Idiot. Jetzt sitzt sie da und du musst schauen wie du damit klar kommst. Er schüttelte ratlos den Kopf.

In der Zwischenzeit hatte Bruno Toms Büro betreten. Er stand bereits eine ganze Weile an der Tür und beobachtete seinen Zögling, der ganz offensichtlich abgelenkt war. Er folgte seinem Blick und schmunzelte. Mal schauen welches deiner zwei Gesichter, gleich zum Vorschein kommt und sich durchsetzt, dachte er bevor er ihn ansprach. "Tom? ...Und, was sagst du zu meiner Entscheidung?" fragte er unvermittelt. Toms Blick flog erschrocken zur Tür. Wo kommt der denn plötzlich her? Kann er nicht anklopfen wie jeder normale Mensch? Er musterte seinen Vater genervt. Die Situation war ihm total peinlich. Er fühlte sich wie früher, wenn sein Vater ihn bei etwas Verbotenen ertappt hatte. Das er Bruno selbst zu sich gebeten hatte, war ihm völlig entfallen.

"Was hast du gesagt?" fragte er zurück, während er versuchte sich wieder auf seine eigentlich Funktion in der Firma zu konzentrieren. "Was du davon hältst?" Tom schob seinen Kopf nach vorne und schaute fragend. "Von was? Sprich doch mal Klartext!" Gedanklich war er wohl noch nicht ganz in der Realität angekommen. Bruno lächelte über seine Begriffsstutzigkeit. Es scheint ein harter Kampf zu sein, den er da ausficht. Zumindest lenkt es ihn stark von seinem Tagesgeschäft ab. Sehr untypisch für meinen Herrn Sohn. "WAS?" fragte Tom aufgebracht, als er Brunos spöttisches Gesicht betrachtend immer noch auf eine Antwort wartete. Bruno setzte sich Tom gegenüber auf einen Stuhl und schaute ihn prüfend an "Man Tom, du bist so... unausgeglichen, so habe ich dich echt lange nicht mehr erlebt. ..." Bruno zögerte "So aufgewühlt warst du das letzte Mal, als du gerade Fanni kennen gelernt hattest."

Tom hatte genervt weg geschaut als Bruno anfing zu sprechen, aber jetzt schoss er in die Höhe und funkelte Bruno zornig an. "Was willst du von mir?" fragte er, jedes Wort betonend. "Eigentlich wollte ich nur wissen was du von der Zauberhaft-Linie hältst." Ach ja, Zauberhaft … ich wollte ja ein Gespräch mit Bruno, fiel Tom da wieder ein. Er sah seinen Vater immer noch wütend an, setzte sich aber langsam wieder auf seinen Stuhl und beruhigte sich ein wenig. "Warum hast du nicht vorher mit mir darüber gesprochen? Meinst du nicht, dass mich das als Geschäftsführer was angeht, wenn du Umstrukturierungen vornehmen willst?" fragte er, sich seinem inneren Gleichgewicht langsam nähernd. Bruno schaute ihn provozierend an. "Im Grunde hast du ja recht. Aber in diesem Fall... " Tom hob fragend die Augenbrauen. "... wäre das wohl ziemlich sinnlos gewesen. Schließlich wolltest du Anna unbedingt loswerden. Und ich muss gestehen, dass ich bis eben befürchtet habe, dass es dir auch gelungen ist. ...Umso glücklicher bin ich das sie mein Angebot angenommen hat." Strahlend sah Bruno durch die Glaswand auf den Aufsteller hint dem Schreibtisch seiner neuen Chef-Designerin, auf dem das Logo "Zauberhaft by Lanford" prangte. "Das wird ein Erfolg, glaub es mir."
Tom senkte beschämt den Blick. Leise sagt er. "Ich wollte sie nicht loswerden, ...obwohl, es wäre besser gewesen. Aber eigentlich wollte ich nur, dass sie sich frei entscheiden kann. ..." "Warte mal..." schoss es da plötzlich aus ihm heraus, "hast du ihr das Angebot gestern schon gemacht. Ist das der Grund warum sie bleibt?" Sofort brodelte es wieder in ihm. Hab ich es Bruno zu verdanken, dass ich weiterhin leiden werde wie ein Hund?
"Nein habe ich nicht, ... ich wollte abwarten ob sie kämpft oder einfach das Handtuch wirft. Aber, sie hat mich nicht enttäuscht." gab Bruno stolz zurück. "Ich war zwar gestern bei ihr, aber da war Anna noch überzeugt, hier nicht mehr arbeiten zu wollen... um dem Jungen Glück nicht ständig über den Weg laufen zu müssen." fügte er spöttisch hinzu…. Apropo Junges Glück …Ihr beide wirkt heute nicht sehr glücklich. Ist alles in Ordnung?" Es machte Bruno Spaß ein wenig zu sticheln.
Jetzt reicht´s! Was nimmt der sich eigentlich raus? fragte sich Tom und beschloss dieses Gespräch hier und jetzt zu beenden. "Bruno..., du gehst jetzt besser." sagte Tom leise, bevor er doch noch die Kontrolle verlor, um die er an diesem Tag schon so lange kämpfte. Er brüllte jetzt fast, "Nein, weißt du was? Bleib einfach wo du bist. Ich hab für heute eh die Schnauze voll. Ich gehe." Damit warf er seinem Vater noch einen wütenden Blick zu, schnappte sich seine Jacke und verließ forschen Schrittes das Büro. Die Tür knallte laut ins Schloss. Bruno schaute ihm mit anerkennendem Blick hinterher. "So viel Emotionen. Er lebt ja doch noch."


Zuletzt von katha am Di Aug 28 2012, 09:06 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Jul 25 2012, 15:13

Der teil ist hammergenial!!! bitte schreib schnell weiter! Smile
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Jul 26 2012, 15:10

Lizzy schrieb:
Der teil ist hammergenial!!! bitte schreib schnell weiter! Smile

Danke Embarassed. Wird gemacht Wink
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Jul 26 2012, 15:27

Teil 8

Anna wollte einen klaren Kopf bekommen. Die Verletzungen durch Toms Verhalten irgendwohin verbannen, damit sie wieder nach vorne schauen könnte. Sie betrat den Vorplatz des Lanford-Gebäudes und überlegte wo sie hingehen sollte. Es war wunderbarer Sonnenschein und die Luft tat ihr gut. So beschloss sie draußen zu bleiben. Sie ging ein paar Schritte und schaute sich um. Das Wasser vor ihr im Kanal glitzerte in der Sonne und blendete sie fast. Sie genoss die Ruhe, die sie langsam erfasste und als ihr Blick auf das Gebäude gegenüber fiel, dachte sie: Das ist eine gute Idee. Da hat es begonnen. Vielleicht kann ich es auch da abschließen.
Kurze Zeit später betrat sie das Dach und schaute sich um. Sofort tauchten die Bilder auf, wie sie mit Tom am Rande des Daches stand und er sie letztlich mit seinen Worten davon abgehalten hatte zu springen. Und... wie er sie festgehalten hatte, als sie fast doch noch in die Tiefe gestürzt wäre. Anna ging langsam in Richtung der Stelle, wo sie damals standen, wo es fast passiert wäre… . Sie setzte sich auf den Boden und betrachtete den Dachfirst nachdenklich. Fast wäre ich nicht mehr da, hätte ich die letzten Wochen und Monate nicht erlebt? Wäre es besser gewesen? Ich hätte definitiv weniger gelitten …aber, ich hätte auch keinen einzigen schönen Moment mehr erlebt. Es waren vielleicht nicht wahnsinnig viele,... aber keine herzliche Umarmung von Paloma, kein liebevoller Blick von Mama, kein Lob von Bruno, keine Aufheiterung von Enrique. Ich hätte Paule nicht kennen gelernt… und den ganzen anderen Lanford-Haufen auch nicht. Der irgendwie alberne aber doch so liebenswerte Virgin, der durchgeknallte Bruno… und nicht zuletzt Tom… Der Mann, der mir die schönsten aber auch die unglücklichsten Momente seit Jonas Tod beschert. Der mich rettet, der mich auffängt, um mich dann doch wieder von sich zu stoßen… Anna presste traurig die Lippen aufeinander und schüttelte unverständig den Kopf. Dann schloss sie die Augen und reckte ihr Gesicht in den Himmel. Versuchte einen Moment einfach die Sonne und die Wärme zu genießen, bevor sie sich wieder bewusst mit dem Chaos in ihrem Kopf beschäftigen wollte. … Auch diese Sonnenstrahlen, die so gut tun, könnte ich jetzt nicht spüren…. Es war die richtige Entscheidung und auch heute war es die richtige Entscheidung, Lanford nicht zu verlassen. Paule hatte gestern recht. Wir können vor unseren Gefühlen nicht weglaufen. Sie begleiten uns, egal wohin wir gehen. ... Und deshalb liebe Anna, wirst du jetzt ernsthaft daran arbeiten, die Dinge zu akzeptieren. Tom hat sich für Carla entschieden, … und trotzdem wird dein Leben weitergehen... du hast Aufgaben zu erfüllen. Du kannst -Zauberhaft- wieder zum Leben erwecken. Ob Jonas sich freut?

Da fiel ihr plötzlich ein, dass sie Paule ja noch was fragen wollte. Am liebsten hätte sie zwar persönlich mit ihr gesprochen, aber jetzt nachdem sie den Gedanken wieder im Kopf hatte war sie zu ungeduldig um auf ein Treffen mit ihr zu warten. Anna wollte geklärt wissen, welchen Mann Jonas ihr ans Herz legen wollte. War es wirklich Tom?... Will ich das auch wirklich hören? ... Was würde es ändern?... Würde es überhaupt was ändern? Er hat sich gegen mich entschieden. ... Aber, wenn er wirklich meine Bestimmung ist? Kann ich das einfach so ignorieren? … Kann ich dann wirklich kampflos aufgeben und akzeptieren? Sie wusste auf die Fragen, die auf sie einstürmten keine Antworten, aber sie wusste, dass sie die Wahrheit wissen wollte. Und zwar jetzt.

Anna suchte ihr Handy aus der Tasche und suchte mit zittrigen Händen Paules Nummer. Sie holte noch mal tief Luft und versuchte zu ignorieren, dass sich ihr Körper in Alarmzustand befand, als sie endlich Paules Stimme vernahm. "Hey Anna, schön von dir zu hören. Ich freu mich, dass du bei uns bleibst. Ich hätte dich echt vermisst. Warum bist du nicht in der Firma?" wurde Anna direkt stürmisch begrüßt. Sie musste lächeln. Paules Freude war echt, und sie mochte diese direkte, überschwängliche Art. Ja, auch Paule gehört zu den Menschen, die sie wirklich vermisst hätte, wenn sie Lanford den Rücken gekehrt hätte.
"Ich brauch einfach nochmal eine kleine Auszeit, bevor ich mich auf meine neue Aufgabe stürze. Die letzten Tage waren ein bisschen viel. Lass uns morgen mal in Ruhe reden. Aber... ich hab da eine Frage, die ich gerne jetzt geklärt hätte. ..." Paule spürte Annas zögern "Was denn, schieß los!" forderte sie ihre Freundin auf. Anna holte erneut tief Luft, ihre Stimme zitterte leicht "Paule, ... von welchem Mann hat Jonas damals bei uns im Wohnzimmer gesprochen?" Anna war sich sicher, dass sie nicht mehr sagen musste, damit Paule wusste worum es ging. Sie wartete gebannt auf eine Antwort, merkte allerdings, dass Paule wohl mit allem gerechnet hatte, aber nicht mit dieser Frage...

Tatsächlich schaute Paule, als wäre ihr erneut ein Geist erschienen. Sie hatte sich damals geweigert Anna zu erzählen, dass Jonas Tom als seinen Nachfolger erkannt hatte, und sie war sich nicht sicher, ob sie es ihr jetzt erzählen sollte. "Anna, du wolltest es nicht wissen. Du hast dich entschieden auf dein eigenes Herz zu vertrauen..." versuchte sich Paule raus zu reden. Anna dachte an die Zeit zurück "Ja, das stimmt" antwortete sie zögernd "aber... ich bin so unsicher ob ich mir, ob ich meinem Herzen vertrauen kann. Ich bin verwirrt und... heute Nacht hatte ich einen Traum. In dem wiederholte sich genau diese Situation. Und ich habe einfach das Gefühl, dass mir mein Unterbewusstsein oder vielleicht auch Jonas etwas sagen wollte. ... also bitte Paule, sags mir...von wem hat Jonas gesprochen?" Paule war nervös und ratlos. Sie wusste nicht genau, was zwischen Tom und Anna vorgefallen war, aber dass Anna ein riesiges Problem damit hatte, das sich Tom und Carla verlobt hatten, das war klar. Und auch wenn sie selbst mittlerweile sicher war das Anna und Tom zusammen gehörten, wollte sie es Anna nicht noch schwerer machen, denn gerade sah es tatsächlich nicht nach einem Happy End aus. Aber Anna hat ein recht auf die Wahrheit, dachte sie letztlich. " Ok, wenn du es wirklich wissen willst. ... Er hat von Tom gesprochen." Ihre Stimme war für Anna kaum noch zu verstehen, so leise drang sie durchs Telefon.

Anna wurde bei der Gewissheit, die sie nun überrollte, blass. Sie hauchte ein "Danke Paule" ins Telefon und legte auf. Sie starrte über die Dächer Berlins und binnen weniger Sekunden verschwamm ihr alles vor den Augen. Das optimistische Gefühl, das sie die letzten Stunden verspürt hatte, war mit einem Schlag wie weg geblasen. Sie weinte, froh darüber alleine zu sein und sich nicht zusammen reißen zu müssen.


Zuletzt von katha am Di Aug 28 2012, 09:11 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Jul 26 2012, 16:07

Immer wieder schön, zu lesen, meine Liebe. Und nun will ich dir auch mal einen Kommi hinterlassen ... Very Happy
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Jul 26 2012, 20:03

Wieder wunderschön geworden!!! deine FF ist einfach der Hammer Smile
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Jul 27 2012, 21:21

Wie schön es ist solch zufriedene Leser zu haben Surprised
Lieben Dank für eure Kommentare!!!
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Jul 27 2012, 22:03

Teil 9

Tom ging forschen Schrittes zum Aufzug und war dankbar, als sich dieser direkt vor ihm öffnete, aber dann erblickte er Carla darin. Abrupt drehte er sich um und lief zum Treppenhaus. Er wollte sich nicht mehr verstellen oder rechtfertigen müssen, wollte nur noch alleine sein mit seinen verwirrten Gedanken und Gefühlen. Schnell lief er die drei Stockwerke hinunter und verlangsamte seine Schritte erst, als er aus der Tür in die Freiheit trat. Tom blieb stehen, erleichtert nicht mehr von Mauern, nicht mehr von Menschen umgeben zu sein. Er fragte sich, wie kurz zuvor auch Anna, was er tun sollte, wo er hingehen sollte. Ich muss diese Gedanken los werden, diese Gefühle. Ich werde sonst verrückt, dachte er und dann kam ihm ein Gedanke. Wenn die Arbeit ihn schon nicht mehr abzulenken vermochte, wäre körperliche Betätigung vielleicht eine Lösung. Tom stieg schnell in sein Auto und fuhr nach Hause um sich umzuziehen. Die Strecke, die er zurück legen musste, war zum Glück nicht all zu lang, denn sein Kopf war überall, aber nicht auf der Straße, was ihm die anderen Verkehrsteilnehmer, die unter seiner Gedankenlosigkeit zu leiden hatten, auch durch wütende Gesten und lautes Hupen zu verstehen geben wollten. Aber das waren vergebliche Versuche, und es war wohl einem kleinen mitreisenden Schutzengel zu verdanken, dass nichts gravierendes passiert war. Kurze Zeit später verließ Tom seine Wohnung, schaltete seine I-Pod ein, drehte die Lautstärke auf und lief los. Einfach alles aus seinem Hirn blasen, alle Gefühle durch körperliche Anstrengung vertreiben, das war es was er wollte. Er lief und lief, ohne Richtung, ohne ein klares Ziel. Nach und nach merkte er wie der Rhythmus der Musik und seiner Bewegungen ihn einnahmen und alles andere in den Hintergrund drängten. Er entspannte sich, ... bis plötzlich Textfetzen in seinem Kopf hängen blieben. "

Far away
(Weit weg)
This ship has taken me far away. Far away from the memories …
(Dieses Schiff hat mich weit weg gebracht. Weit weg von den Erinnerungen ...)

You electrify my life …
(Du elekrisierst mein Leben ...)

I'll never let you go. If you promise not to fade away …
(Und ich werde dich nie gehen lassen. Wenn du versprichst dass du nicht verschwinden wirst ...)

Our hopes and expectations. Black holes and revelations …
(Unsere Hoffnungen und Erwartungen. Schwarze Löcher und Offenbarungen ...)

I just wanted to hold You in my arms
(Ich will dich nur in meinen Armen halten)

(Songtext: Starlight von Muse)

Was ist das? fragte sich Tom irritiert. Er kannte das Lied nicht und versuchte die Worte zu ignorieren und zu verdrängen, aber es gelang ihm nicht. Es fühlte sich an, als ob der Text nur für ihn bestimmt sei. Er gab auf, blieb stehen und schaltete zurück. Er hörte sich das Lied ganz bewusst an. Dieser Text, er beschreibt genau was ich bislang nicht in Worte fassen konnte, dachte er erschrocken. Erinnerungen, Angst, Hoffnung und Sehnsucht, aber doch vor allem die Angst. Ich will nicht noch einmal verlassen werden. Ich kann das nicht... .
Schnell setzte er sich wieder in Bewegung. Er wollte einfach laufen und laufen, wenn es sein müsste bis zur Erschöpfung. Hauptsache nicht denken, nicht fühlen. Irgendwann, scheinbar eine Ewigkeit später, fragte er sich wo er überhaupt war. Er schaute sich genauer um und erkannte in wenigen hundert Metern Entfernung das Hochhaus auf dem er Anna das erste Mal begegnet war, ihr das Leben gerettet hatte. Unweigerlich wurde er von diesem Gebäude angezogen und er lief hinein, die Treppen hoch, um oben völlig erschöpft aus der Tür aufs Dach zu treten. Er stand dort, den Oberkörper nach vorn gebeugt nach Atem ringend und fragte sich was er hier wollte. Sich erneut in Erinnerungen baden, die ihn weiter leiden lassen würden … oder vielleicht Abschied nehmen?

Da sah er plötzlich eine Person auf dem Boden sitzen. Anna! Was tut sie hier? fragte er sich das zweite Mal an diesem Tag. Sein Puls raste, aber das war nach seinem Treppenlauf ja auch durch die Anstrengung zu erklären. Genau wie morgens war auch dieses Mal war sein Fluchtinstinkt nicht stark genug um sich der Anziehung durch diese zierliche, blonde Person zu entziehen. Er ging leise, soweit es sein keuchender Atem zuließ, in ihre Richtung. Als er sah, dass sie telefonierte blieb er stehen, er wollte nicht lauschen. Aber der Wind trug die Worte doch zu ihm. "...bin verwirrt ... hatte einen Traum...die Situation von damals... Jonas was sagen wollte...also bitte Paule, sags mir...von wem hat Jonas gesprochen?" Tom hörte Wortfetzen, die er in keinen Zusammenhang bringen konnte. Er runzelte verwirrt die Stirn. Paule und Jonas, die können sich doch gar nicht gekannt haben? überlegte er, während er Anna beobachtete.
Scheinbar hatte sie eine Antwort bekommen, die sie völlig aus der Bahn warf. Sie weinte und bebte am ganzen Körper.

Tom schmerzte es, sie so zu sehen und er rang mit sich was er tun sollte. Er wusste, dass es das Beste wäre, unerkannt zu verschwinden, aber er konnte es nicht. Er war wie gelähmt. Da war wieder dieses Band zwischen ihnen und er schaffte es einfach nicht es zu kappen. Er erinnerte sich an ihre erste Begegnung hier oben. Auch damals war es ihm schon unmöglich gewesen, sich einfach umzudrehen und zu gehen.
Er ging zögerlich zu ihr, hockte sich neben sie und legte vorsichtig seine Hand auf ihre Schulter. Anna erschreckte sich und schaute ihn mit aufgerissenen Augen an. Als sie ihn erkannte, wollte sie sofort aufspringen und weg laufen, aber er hielt sie sanft aber bestimmt fest und nahm sie in den Arm. Nach anfänglichem Widerstand ließ Anna die Umarmung zu.
Tom war erleichtert, dass sie seine Nähe annahm. Was hat sie nur? Ich möchte sie so gerne beschützen, dachte er voller Mitgefühl. Er ignorierte die Gewissheit, dass er wahrscheinlich der Letzte war, der ihr wirklich was Gutes tun konnte und genoss trotz der unglücklichen Situation ihre Nähe.

Langsam beruhigte sich Anna. Was tu ich hier? Ich liege in den Armen des Mannes, der mich zum Weinen bringt und lasse mich von ihm trösten? Wie absurd. ... aber, ich fühl mich so wohl in seinen Armen. Was macht er überhaupt hier? Anna löste sich von Tom und sah ihn einfach nur an. ... und du bist also der Mann, den Jonas meint, ... mit dem ich glücklich werden soll? Na ja, zumindest habe ich mich in dich verliebt, das steht wohl außer Frage...aber warum spürst du dann nicht, dass wir für einander bestimmt sind? Warum willst du mich nicht? überlegte Anna und erneut verschwamm die Welt vor ihr. Tom schaute in ihre Augen, unfähig sich von ihnen zu lösen. Er versuchte zu lesen, was sie ihm sagen wollten. Sie wirkten uneindeutig, schwankend zwischen Schmerz, Liebe, Abwehr... aber vor allem Trauer. Er konnte es nicht wirklich erkennen. Was schmerzt dich nur so sehr. Bin ich es? Bin ich Schuld für dein Leid? dachter er, immer noch froh, dass er sie immer noch im Arm halten durfte.
Leise sprach er Anna an. "Darf ich dich was fragen?"


Zuletzt von katha am Di Aug 28 2012, 09:24 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Jul 27 2012, 22:14

Das ist wieder ein hervorragender Teil, meine Liebe... Ich bin ja gespannt was Tom Anna fragen möchte... bitte bitte stell bald einen neuen Teil rein.
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Jul 28 2012, 11:35

Hey meine Liebe,
vielen Dank!!!
Ich muss dich leider um etwas Geduld bitten. Der nächste Teil benötigt noch mal eine intensive Bearbeitung, und das bekomme ich heute nicht mehr hin.
Aber er kommt Wink
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Jul 28 2012, 12:35

katha schrieb:
Hey meine Liebe,
vielen Dank!!!
Ich muss dich leider um etwas Geduld bitten. Der nächste Teil benötigt noch mal eine intensive Bearbeitung, und das bekomme ich heute nicht mehr hin.
Aber er kommt Wink

Hey meine Liebe,

Mach dir bloss kein Stress, ich kann warten... Wink
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Jul 28 2012, 14:11

Ja ja ja, wie war das nochmal mit diesen Cliffhangern ... wie gemein ... *mecker*. Aber gut, ich werde geduldig sein Ooooooommmmmmmm ... What a Face
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Jul 29 2012, 16:01

Hey Süße,
das mit der Geduld ist so eine Sache, ich weiß das nur zu gut. crying
Sorry, dass ich euch so quäle. 👅
Aber dafür ist gerade zu viel am Start und ich habe zu wenig Zeit. Wenn alles gut klappt gibt es heute Abend noch was zum Lesen. Für dich dann vermutlich als Morgen-Gruß. Wink
Aber wohl eher bei den anderen beiden Themen. Denn den nächsten Teil hier muss ich auf jeden Fall noch überarbeiten. Und alles geht nicht... Rolling Eyes

Liebste Grüße meine Mini-Maus
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 02 2012, 15:48

So, das hat ja mal was länger gedauert, aber ich denke und hoffe, dass ihr trotzdem weiter lesen wollt. Also... tada!!!
Es gibt noch einen Teil der dazu gehört, mal schauen ob ich den auch heute noch hinbekomme. Aber da ich heute Abend erst einmal unterwegs bin... Wir werden sehen. Wink


Teil 10

Anna nickte und wollte sich nun wirklich aus dieser Umarmung lösen, aber sie konnte einfach nicht. Plötzlich waren sie wieder da, die Schmetterlinge im Bauch, der heiße Wunsch diesem Mann ganz nahe zu sein, ihn nie wieder los lassen zu wollen. Auch Tom war völlig gefangen. Es fühlte sich so gut an, sie im Arm zu halten. Er fühlte ihre Wärme, ihren Herzschlag an seiner Brust und es nahm ihm fast den Atem. Sein eigenes Herz schien vergessen zu haben, was es eigentlich tun sollte. Es hüpfte fröhlich und unkontrolliert wie ein kleines Kind, das den Tag genießt, in seinem Körper. Er fühlte plötzlich eine unbezwingbare Sehnsucht nach ihr, er wollte sie spüren, näher, intensiver. Langsam neigte er seinen Kopf zu Anna. Doch gerade als sich ihre Lippen berühren wollten sprang Anna auf und stieß dabei mit ihrem Kopf heftig gegen Toms Nase. Tom schrie vor Schmerz auf. Der Zauber des Augenblicks war von jetzt auf gleich verpufft. „Aua, verdammt!“ brüllte er und hielt sich die Nase, aus der Blut tropfte. Anna stand mit vor Zorn funkelnden Augen vor ihm und versuchte sich im Griff zu behalten. Sie war unglaublich wütend, wütend auf sich selbst, aber vor allem wütend auf Tom. „Was soll das? Was tust du hier überhaupt? Warum bist du hier und tröstest mich, während deine Verlobte" sie spie ihm diese beiden Worte quasi entgegen, "wahrscheinlich zuhause auf deinem Sofa sitzt und auf dich wartet?“

Tom ignorierte ihre Worte er hatte gerade ganz andere Probleme. Seine Nase tat höllisch weh und das Blut tropfte ohne unterlass vor ihm in den Kies. „Hast du vielleicht mal ein Taschentuch für mich?“ fragte er hörbar angesäuert. Anna musterte ihn verwirrt, die Reaktion passte ja mal so gar nicht. Erst jetzt realisierte sie seine Haltung und die leuchtend roten Flecken, die sich von den schmuddeliggrauen Kieseln abhoben. „Oh, Mist, ... ja sofort.“ stammelte sie, während sie in den Tiefen ihrer Tasche nach einem Päckchen Taschentücher kramte. Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis sie zwischen Telefon, Portemonaie, diversen Schminkutensilien und was Frau noch so alles in ihrer Tasche herumträgt auf das Gesuchte stieß und es ihm übergab. „Entschuldige, das wollte ich nicht.“ sagte sie leise und ließ sich neben ihn sinken. Sie beobachtete ihn lediglich aus den Augenwinkeln, während sie die Situation überdachte. Was will Tom nur... Weiß er selber eigentlich was er will? fragte sie sich, ... gab sich allerdings auch sofort die Antwort. Heiraten will er, verdammt nochmal. Anna, was machst du dir eigentlich immer wieder einen Kopf um ihn? Trotz dieser ständigen Diskussion in ihrem Kopf, dass sie ihm fernbleiben sollte, sie aber doch in seiner Nähe sein wollte, sie sich ihme eigentlich nicht mehr öffnen sollte aber genau das insgeheim wünschte, fragte sie ihn nach einer Zeit des Schweigens dann doch.
„Willst du mich immer noch was fragen?“ Tom schaute irritiert und zugleich fasziniert zu ihr. Diese Frau ist verrückt, eben noch haut sie mich beinahe k.o. und brüllt mich wütend an und jetzt…? Auf jeden Fall ist sie alles andere als langweilig. Er schüttelte den Kopf, erneut völlig aus dem Konzept gebracht. Er war nach dieser Kopfnuss wirklich sauer gewesen, aber auch dieses Gefühl hatte sie wieder verpuffen lassen. Mit einer einfachen Frage.

Nachdem Tom nichts sagte, ergriff Anna wieder das Wort. Ihre Stimmung war immer noch aufgeheizt. „Also, was willst du wissen? Warum ich eben so geheult habe?“ fragte sie gereizt. Tom betrachtete sie von der Seite, ernsthaft bemüht die letzten Minuten auf Seite zu schieben um wieder klar denken zu können. Er wusste, dass er Anna wieder einmal viel zu nah gekommen war und es tat ihm leid. Er wollte sie nicht schon wieder verletzen. Und insgeheim war es auch für ihn viel zu nah gewesen, denn es hatte ihn schon wieder völlig aus der Bahn geworfen. Daher fasste er einen Entschluß. „Ich glaube, ich geh jetzt besser.“ sagte er bestimmt und stand auf.
Er schwankte. Seine Beine wollten ihn nicht tragen. Alles drehte sich. Die Anstrengung seines Kurzmarathons und die Begegnung seiner Nase mit Annas Dickkopf hatten ihn geschwächt. Tom ließ sich wieder auf den Boden sinken und atmete tief durch. „Hui... ich glaube, ich brauche noch einen Moment.“ Anna, hatte die Szene nur aus dem Augenwinkel beobachtet, schaute ihn jetzt aber erschrocken an. „Ist alles ok?“ Tom nickte langsam. „Geht gleich wieder.“ Er neigte den Kopf nach vorne und hielt wieder das Taschentuch unter die Nase, die immer noch blutete. „Kann ich was für dich tun?“ fragte Anna, die ihn jetzt doch ängstlich beobachtete. „Nein, danke! …Obwohl doch, wenn ich eh hier sitze. … Weißt du was mich schon lange beschäftig?" Er bedachte sie mit einem fragenden Seitenblick und redete vorsichtig weiter "Was ist das zwischen dir und Paule? Warum hast du sie damals so vehement gesucht, doch nicht nur weil sie deine Freundin beklaut hat? Und, … was hat Paule mit Jonas zu tun? Die beiden können sich doch eigentlich gar nicht gekannt haben.“

Anna schaute ihn groß an „Du hast mich belauscht?“ fragte sie ungläubig. Tom wagte es nicht, aufzusehen, aber er hatte ja einen guten Grund, den Kopf gesenkt zu halten. Er schämte sich. „Ich wollte das nicht. Ich habe einfach zu spät gesehen, dass du am Telefonieren warst. … und dann habe ich ein paar Worte aufgeschnappt.“ sagte er entschuldigend.
Anna rang mit sich, ihre Wut legte sich aber langsam wieder und an dessen Stelle trat dieses Gefühl des Vertrauens, was sie so oft spürte, wenn sie mit Tom alleine war und er hinter seiner Maske hervor kam. Was ist das mit Paule und mir … und mit Paule und Jonas? Diese Fragen konnte sie nicht mal eben im vorbeigehen beantworten. Wollte sie wirklich so viel von ihren innersten Geheimnissen preis geben. Aber dann erinnerte sie sich wieder an ihr Vorhaben, Ich wollte Befreiung, Platz für Neues schaffen. Vielleicht sollte ich dann auch was raus lassen... Der Gedanke fühlte sich irgendwie richtig an, also begann sie zu reden.
Anna sah Tom immer noch nicht an. Sie zeigte zum Dachrand. „Du hast damals, genau dort, von Schicksal gesprochen, von Bestimmung, …glaubst du wirklich daran?“ Tom sah auf die Stelle, an der sie gestanden hatten und überlegte. Die Bilder dieses Augenblicks tauchten vor seinem inneren Auge auf. „Ich weiß auch heute noch nicht genau, wie ich dazu stehe,“ fuhr Anna fort, nachdem von Tom keine Reaktion kam. „… Was ich heute aber weiß ist, dass es Dinge gibt, die wir eigentlich für unmöglich halten. Ich habe es selbst erlebt. Aber das Schicksal? Wenn es das wirklich gibt, …welche Möglichkeiten haben wir überhaupt unser Leben zu beeinflussen? Können wir uns dann bewusst für oder gegen etwas entscheiden? Ist es dann nicht verschwendete Energie sich gegen etwas zu wehren, oder an etwas aussichtslos scheinenden fest zu halten?“

Anna schaute fragend zu Tom, der noch immer den Kies vor sich hypnotisierte, während er versuchte sich auf Annas Gedanken einzulassen, die für ihn mehr als gefährlich waren. Er merkte sogleich, dass Anna wieder mal an seinen Grundfesten rüttelte und musste sich zwingen nicht aufzuspringen. Aber das hätte seiner körperlichen Verfassung sicherlich sowieso nicht zugelassen. Außerdem war da gleichzeitig neben seiner Angst auch eine Art von Neugier, die ihn fesselte. Anna setzte mit einer weiteren Überlegung nach „Warum fühlen wir uns für Geschehnisse schuldig, wenn wir sie sowieso nicht hätten aufhalten können? Ergibt das irgendeinen Sinn?“ Anna war aufgestanden und schlenderte zum Dachfirst. Sie schaute vorsichtig über die Kante, sah die kleine Autos und die noch kleineren Menschen, die wie Spielzeuge aussahen. „Vielleicht ist das dort unten ein passender Vergleich. Vielleicht sind wir alle nur kleine Marionetten in einem großen Spiel.“ Überlegte sie laut.

Tom kämpfte mit sich, der Fluchtinstinkt war wieder einmal geweckt, aber letztlich ließ er sich doch auf das Thema ein, zu gefesselt war er von Anna, der Situation und auch von diesen Überlegungen. Er wusste nicht, wann er sich das letzte mal mit solch elementaren Themen beschäftigt hatte. Doch, eigentlich wusste er es, ... nachdem er Anna das Leben gerettet hatte, aber damals hatte er diese Fragen schnell wieder aus seinem Kopf verbannt. Jetzt würde er sich ihnen stellen.
„Ich denke schon, dass ich an das Schicksal glaube, ich kann es aber nicht wirklich erklären … Zumindest war ich damals, als wir uns hier das erste Mal begegneten, überzeugt von dem was ich gesagt habe. Es fühlte sich einfach so richtig an.“ Anna drehte sich zu ihm und schenkte ihm ein dankbares lächeln. „Auf jeden Fall war es überzeugend.“
Tom stockte der Atem. Die letzten Sonnenstrahlen, die versuchten der Welt noch ein wenig Licht und Wärme zu senden, brachen sich an Annas Gestalt und legten sich wie ein Kranz um ihre Figur. Sie stand da wie ein Engel. Wenn ich nicht wüsste das es Anna ist, die dort steht, wäre ich jetzt wahrscheinlich überzeugt, dass es Übersinnliches gibt. Da fiel ihm ein, was sie eben gesagt hatte. „Und was hast du erlebt, dass dich von diesen ‘unerklärlichen Dingen’ überzeugt hat?“ brachte er gerade so über die Lippen, während er versuchte weiter zu atmen um nicht hyperventilierend vor ihr zusammen zu brechen.
Anna zögerte kurz, aber nun gab es kein zurück mehr.
„Jonas. … Er hat mich nach seinem Tod noch eine ganze Weile begleitet, und er war es, der mir klar gemacht hat, dass man nur in die Zukunft gehen kann, wenn man die Vergangenheit ruhen lässt und sich von ihr löst. Vielleicht war es Jonas, der mir heute Nacht diesen Traum gesendet hat, … um mich daran zu erinnern“
Anna sprach diese Sätze nicht gezielt für Tom. Es waren eher laute Gedanke, aber sie erreichten und vor allem verwirrten Tom. Seine Faszination von ihrer engelgleichen Erscheinung wurde langsam durch einen, sich in seinem Körper ausbreitenden Ärger vertrieben. Er wusste nicht was ihn so wurmte, aber er konnte es nicht unterdrücken. „Wovon redest du? Was heißt, er hat dich begleitet?“ fragte er mit kratziger Stimme. Anna wurde sich bewusst, wie verrückt sich das für ihn anhören musste. Aber sie sprach weiter.
„Er war noch da. In einer Art Zwischenwelt, bevor er sich endgültig verabschiedete, und … es gab einen Menschen, der ihn sogar sehen und mit ihm sprechen konnte. … Und das war Paule.“ Toms Ärger wuchs, er fühlte sich verarscht. Der Moment war so paradox. Sie stand da, sah aus wie ein Engel und sprach von Geistern? „Jonas war also ein Geist und Paule euer Medium? Warum hast du sie dann gesucht. Dein Geist wusste doch sicher, wo sie dich finden kann.“ fragte er nun mit offensichtlichem Spott.

Anna ließ sich von seinem Ärger nicht verunsichern, sie setzte sich wieder zu ihm und schaute ihm direkt in die Augen. „Ich weiß wie verrückt sich das anhört, und ich verstehe gut, dass du es nicht glauben kannst. ... Paule hat mich ja auch gefunden. Sie tauchte plötzlich in meinem Leben auf und grüßte mich von Jonas, erzählte mir Sachen über ihn, über mich. … Ich habe sie angeschrien, dass sie mich in Ruhe lassen soll. Ich dachte ich würde verrückt. Aber es hat mir dann doch keine Ruhe gelassen, wie sollte sie von Erlebnissen und Tatsachen wissen, die nur Jonas und ich teilten. Ich hatte es ihr nicht erzählt… Ich wollte wissen, was da dran ist. Also habe ich sie gesucht.
…Ich habe selbst lange gebraucht, um Paule zu vertrauen,… aber nach und nach habe ich mich darauf eingelassen. … Weißt du noch der Abend, als du ins Atelier gekommen bist, um mich über Brunos Erwartungen für die Werbekampagne zu informieren?“ Tom dachte an diese Situation zurück. Sie war wirklich sehr seltsam gewesen. Anna hatte Tränen überströmt vor ihm gestanden, völlig abwesend, aber gleichzeitig über das ganze Gesicht strahlend. Er hatte sie eigentlich gar nicht alleine lassen wollen, weil sie so verwirrt wirkte, aber sie hatte ihn quasi raus geschmissen.
Anna erzählte weiter „An dem Abend tauchte Paule plötzlich im Atelier auf, als Putzfrau verkleidet“ sie kicherte kurz „und Jonas war bei ihr… Ich konnte ihn spüren und für einen Moment stand er, für mich sichtbar, direkt vor mir… und ich war einfach nur glücklich.“ Anna lächelte glückseelig bei der Erinnerung daran. Toms Ärger verflog so langsam und er war trotz seiner Skepsis neugierig. „Und dann?“ fragte er. Anna sah ihm mit einem schiefen Lächeln an. „Dann kamst du und Jonas war weg, und Paule auch. Aber sei beruhigt, das Glück ihn gesehen zu haben war stärker, als der Wunsch dich auf den Mond zu schießen. Allerdings war es nach diesem Erlebnis ein Wunder, dass ich euch am nächsten Morgen überhaupt irgendwas präsentieren konnte. Aber das war ja dann auch nicht sonderlich erfolgreich“ Tom zog eine Augenbraue hoch, war froh über die Auflockerung, die das Thema brachte. „Das stimmt wohl, irgendwie hattest du meine Notizen wohl missverstanden. Aber dafür war deine spätere Kampagne ja umso erfolgreicher.“ Er lächelte Anna liebevoll an, dann nahm er ihre Hände und schaute ihr tief in die Augen. Erneut brannte ihm eine Frage auf der Seele, aber wieder traute er sich kaum sie auszusprechen.

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Zuletzt von katha am Di Aug 28 2012, 09:32 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 02 2012, 17:20

So, da noch der zugehörige Teil. Viel Spaß! Smile

Teil 11

„Anna, was tun wir hier? Worüber unterhalten wir uns wirklich? Und...“ er schaute kurz beiseite, war unsicher ob er die Frage wirklich stellen sollte „ was hat dich eben so aus der Bahn geworfen?“

In Annas Kopf rauschte es plötzlich in einer Lautstärke, die alle anderen Geräusche ausblendete. Ihr Herz begann zu rasen. Sie musste sich konzentriere um nachdenken zu können. Soll ich es ihm wirklich sagen? Aber warum nicht. Wer hat gesagt, dass ich immer rücksichtsvoll akzeptieren muss, was Andere tun. Warum sollte ich nicht um ihn kämpfen? Und schließlich ist es die Wahrheit.
Anna wendete den Blick ab und begann zitternd zu sprechen „Wir reden über etwas, dass Jonas… „ Sie brach ab. Ihr Herz zog sich zusammen, als sie begriff, dass sich seine Vorhersage nicht erfüllen sollte. Tom hatte sich für Carla entschieden. Die Tränen liefen ohne Vorwarnung über ihr Gesicht bei dieser Erkenntnis.
„Ich kann das nicht. … Und glaub mir, du willst es auch gar nicht wissen. Oder noch schlimmer. Du wirst es mir gar nicht erst glauben.“ schluchzte sie leise und schaute ihn traurig an. Sie wollte aufstehen und ihm den Rücken kehren, aber Tom ließ sie nicht gehen, behielt ihre Hände in den seinen und drückte sie sanft. „Anna bitte, erzähl es mir.“ Ihre Worte hatten ihn verletzt und auch erschreckt, aber er konnte sie einfach nicht gehen lassen. Er wollte ihr Vertrauen und er wollte für sie da sein. Anna sah in sein Gesicht, dass immer noch liebevoll auf sie gerichtet war. „Was war mit Jonas?“ fragte Tom nochmals vorsichtig.
Na los Anna, du wolltest doch kämpfen. Also erzähl es ihm, versuchte sich Anna Mut zu machen. Sie schluchzte noch einige Male leise, bevor sie erneut zu reden begann. „Sag mir erst was du von dem Ganzen hältst, glaubst du mir, was ich über Jonas erzählt habe?“ Dieses Mal wendete sie den Blick nicht ab. Tom überlegte. Er hatte eigentlich noch keine Meinung darüber, und Annas fragenden Augen verunsicherten ihn. „Na ja, Jonas ein Geist, Paule ein Medium, eine Erscheinung, das ist schon ganz schön verrückt“ lächelte er entschuldigend und Anna wollte sich schon enttäuscht abwenden, als er erneut ihre Hände sanft drückte und sie liebevoll ansah „…aber egal was es war, es scheint dir geholfen zu haben, dich von deinem Mann zu verabschieden und deinen Lebensmut zurück zu bekommen. Und letztlich hat es scheinbar dazu geführt, dass du dein wunderbares Herz der Welt wieder geöffnet hast. Und ich glaube, dass ist das was zählt.“

Anna beobachtete ihn genau, während er sprach. Es schien aufrichtig was er sagte. Mit einem dankbaren Lächeln für seine Reaktion und voller Liebe im Blick schaute sie Tom an und beschloss ihm vertrauen zu können.
„Jonas hatte eine Aufgabe zu erfüllen, bevor er gehen konnte." Sie sah erneut skeptisch auf seine Reaktion. "Er sollte dafür sorgen, dass ich wieder glücklich werde.“ Tom nickte, dass er verstanden hatte, er schaute allerdings zweifelnd „Eine schwere Aufgabe nachdem er dich gerade verlassen musste. Wie sollte er die erfüllen?“ Anna lächelte vorsichtig „Wann warst du wirklich glücklich in deinem Leben?“ Ihr Blick war unentwegt in Toms Augen gerichtet. Tom verspürte wieder einmal den Instinkt diese Frage abzublocken. Aber irgendwie konnte und wollte er sich diesem Moment nicht entziehen. Er selbst hatte Anna schließlich gebeten, sich ihm zu öffnen. Daher zwang er sich zu antworten. „Wirklich glücklich war ich mit Fanni, … weil wir uns liebten.“ Anna lächelte wissend „Genau. …Jonas sollte seinen eigenen Nachfolger finden. Den Mann, mit dem ich wieder glücklich werden kann. … Du kannst dir vielleicht vorstellen, dass ich davon nichts hören wollte. Ich wollte Jonas. Meinetwegen auch als Geist. Aber doch keinen Anderen, und so habe ich mich geweigert, mir anzuhören, wer es sein sollte. Da Paule, die mir diese Offenbarung ja hätte überzetzen müssen, auch nicht erpicht darauf war, Jonas Worte an mich weiter zu geben, haben wir es im gegenseitigen Einvernehmen dabei belassen.“ Tom wurde zunehmend nervös. Er fragte sich ängstlich, wo dieses Gespräch wohl hinführen würde und ärgerte sich plötzlich, dass er das Dach nicht schon lange verlassen hatte. Anna spürte seine Verunsicherung, aber jetzt wollte sie das Angefangene zu Ende bringen, daher sprach sie schnell weiter um Toms Aufmerksamkeit zu binden, ihn zu fesseln.
„Aber in meinem Traum heute Nacht, war wieder diese Situation, dieses Gespräch. Es war als sollte ich endlich erfahren, wen er mir ans Herz legen wollte, also beschloss ich Paule danach zu fragen.“ Anna schaute kurz auf ihre Hände, die immer noch in Toms lagen und sammelte nochmal die Luft und den Mut, den sie brauchte um die folgenden Worte auszusprechen, bevor sie ihren Blick in seine Augen heftete. „Tom, Jonas wollte mir sagen, dass du der Mann sein wirst, der mich wieder glücklich machen wird.“

Tom hatte diesen Satz zugleich erhofft und befürchtet. Es war ihm als würde ihm der Boden unter den Füßen weg gerissen. Er war froh, dass er saß, ansonsten hätten seine Knie sicherlich erneut ihren Dienst verweigert. Sein Puls raste, und er war einen kurzen Moment unfähig zu reagieren. Aber schnell begann sein Innerstes zu rebellieren. „Nein, du kannst das nicht zulassen. Wehr dich!“ schrie es immer wieder in seinem Hirn und er griff nach dem einzigen Strohhalm, der ihm Rettung vor dem Strudel versprach, welcher ihn zu verschlingen drohte. Anna beobachtete Tom, der für einen kurzen Moment außer Fassung zu sein schien, bevor sich innerhalb weniger Sekunden sein Blick erhärtete. Sie ahnte, was kommen würde und Zorn überrollte sie. Die riss ihre Hände aus seinen, sprang auf, und bevor Tom auch nur den Mund aufmachen konnte, fauchte sie ihn an. „Spar´s dir! Ich weiß schon, was jetzt kommt! Du hast es mir ja schon einmal gesagt. Es war ein Fehler. Ich war ein Fehler!“ Annas Blut kochte, Tränen der Wut standen ihr in den Augen und ihre Stimme überschlug sich. „Warum bin ich nur immer wieder so blöd dir zu vertrauen? Was tust du hier überhaupt, wenn du dich doch entschieden hast. Hau doch ab! Geh doch zu deiner tollen Verlobten! Wenn sie dich glücklich macht ... Sie wartet doch sicher schon auf dich!“ Anna drehte sich auf dem Absatz um und rannte zum Treppenhaus.


Zuletzt von katha am Di Aug 28 2012, 09:36 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 02 2012, 19:20

Oh ja, die große Offenbarung. Dass Tom erst mal baff ist, ist klar, aber da ist ihm mal wieder die Zunge angeleimt, so dass er nicht sprechen kann. Och menno, und Anna denkt gleich wieder, dass er eh nur abblocken wird. Was sich doch so alles für Missverständnisse durch Nicht-Gesagtes einstellen ... Rolling Eyes

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 02 2012, 19:31

Ach, so wunderschön
& du hast so einen tollen Schreibstil. Smile
Weiter so, liebe Katha ... .
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 02 2012, 19:36

Mini_2010 schrieb:
Oh ja, die große Offenbarung. Dass Tom erst mal baff ist, ist klar, aber da ist ihm mal wieder die Zunge angeleimt, so dass er nicht sprechen kann. Och menno, und Anna denkt gleich wieder, dass er eh nur abblocken wird. Was sich doch so alles für Missverständnisse durch Nicht-Gesagtes einstellen ... Rolling Eyes

Immer wieder ein Genuss, deine Zeilen zu lesen ... Very Happy

Ich habe mir heute nachmittag nochmal die Kommentare von meinem erst post durchgelesen, und du hattest tatsächlich die gleiche Assoziation wie jetzt, nämlich dass Tom sonst vielleicht was anderes gesagt hätte, als das was Anna vermutet.

Woher ziehst du diese Erkenntnis? Ich glaube nämlich, dass Anna ganz recht hatte mit ihrer Vermutung. Tom wollte sie vermutlich wirklich an seine Entscheidung für Carla erinnern, vielleicht mit einigen Erklärungen versehen, um sich dafür zu entschuldigen. Aber, wer weiß schon so genau was im Kopf eines Tom Lanford vor geht Rolling Eyes

Na ja, Anna reagiert natürlich so, um sich selbst zu schützen...

Aber wir wissen ja, es geht noch weiter Wink
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 02 2012, 19:37

Lizzy schrieb:
Ach, so wunderschön
& du hast so einen tollen Schreibstil. Smile
Weiter so, liebe Katha ... .

Lieben Dank Lizzy,
ich freu mich immer wieder sehr über dein Lob Smile
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 02 2012, 20:04

katha schrieb:
Mini_2010 schrieb:
Oh ja, die große Offenbarung. Dass Tom erst mal baff ist, ist klar, aber da ist ihm mal wieder die Zunge angeleimt, so dass er nicht sprechen kann. Och menno, und Anna denkt gleich wieder, dass er eh nur abblocken wird. Was sich doch so alles für Missverständnisse durch Nicht-Gesagtes einstellen ... Rolling Eyes

Immer wieder ein Genuss, deine Zeilen zu lesen ... Very Happy


Ich habe mir heute nachmittag nochmal die Kommentare von meinem erst post durchgelesen, und du hattest tatsächlich die gleiche Assoziation wie jetzt, nämlich dass Tom sonst vielleicht was anderes gesagt hätte, als das was Anna vermutet.

Woher ziehst du diese Erkenntnis? Ich glaube nämlich, dass Anna ganz recht hatte mit ihrer Vermutung. Tom wollte sie vermutlich wirklich an seine Entscheidung für Carla erinnern, vielleicht mit einigen Erklärungen versehen, um sich dafür zu entschuldigen. Aber, wer weiß schon so genau was im Kopf eines Tom Lanford vor geht Rolling Eyes

Na ja, Anna reagiert natürlich so, um sich selbst zu schützen...

Aber wir wissen ja, es geht noch weiter Wink

Echt? Mhmm ... war mir gar nicht bewusst. Aber für mich ist und bleibt nun mal Tom der wortkarge Mensch. Und klar verkriecht er sich irgendwie auch hinter Carla, aber doch nur, weil er sich seine Gefühle nicht so wirklich eingestehen will/kann. Wink

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Aug 03 2012, 14:42

Wow, einfach wunderbar geschrieben...
freue mich wenn es weiter geht. Smile
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Aug 03 2012, 14:59

Zuckerschnute schrieb:
Wow, einfach wunderbar geschrieben...
freue mich wenn es weiter geht. Smile

Dankeschön Embarassed Smile
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 04 2012, 22:26

Teil 12

Tom saß da und schaute Anna hinterher. Und ein weiteres Mal an diesem Tag, der ihm bereits unendlich lang vor kam, hatte sie ihn völlig aus der Fassung gebracht. Er stieß die Luft aus und löste die Spannung, die seinen Körper gefangen hielt. Man, sie hat mich nicht einmal zu Wort kommen lassen. Er war sauer auf Anna, die mal wieder schneller war als er, ihm keine Zeit gelassen hatte zu reagieren. Und das nach so einer ‘Offenbarung’. Was soll das eigentlich alles? Jonas hat ihr gesagt, dass ich sie glücklich machen kann? überlegte er. „Pfff..“ stieß er aus. „Die kann mir ja viel erzählen.“ Aber insgeheim glaubte er ihr. Anna war ein grundehrlicher Mensch. Sie würde sich sowas doch nicht ausdenken… Und wenn was Wahres dran ist? Jonas und ich waren nicht gerade Freunde, aus welchem Grund sollte er ausgerechnet mich ‘auserwählt’ haben, wenn es nicht stimmte… . Er stand auf und ging zur Dachkante.
Er wusste, dass ihre Vorwürfe berechtigt gewesen waren. Er hätte ihr vermutlich ein weiteres Mal unter die Nase gerieben, dass es keine gemeinsame Zukunft geben würde. Und er hatte ihr Vertrauen tatsächlich missbraucht, auch wenn nicht absichtlich. Aber er genoss es so sehr in ihrer Nähe zu sein. Es war als ob er in diesen Augenblicken abgehoben wäre von seinem eigentlichen Leben. Aber sobald die Realität ihr Recht forderte, wurde er wieder der unnahbare Eisklotz, der sie von sich wegschob.
„Wunderbar, dass ich mich für Carla entschieden habe“ sprach er in sarkastischem Ton zu sich selbst „Wenn mein Kopf das vielleicht dem Rest meines Körpers auch noch mitteilen könnte. Das klappt ja wunderbar mich von Anna fern zu halten.“ Er war völlig deprimiert und fühlte sich wirklich schlecht. Einerseits weil er Anna schon wieder so verletzt hatte, und andererseits, weil er spürte, dass seine eigene Entscheidung nicht die erhoffte Erleichterung brachte. Das Ziel seiner Verlobung war es doch gewesen, sich klar zu positionieren, und damit eine unüberbrückbare Distanz zwischen Anna und sich aufzubauen. Aber diese Frau war nicht so leicht zu vertreiben, wie er vielleicht erhofft hatte. Sie hatte ihren eigenen Kopf, und eigentlich war genau das der Grund warum er sie so liebte.
Er stand da, schaute auf die Stadt, die nachdem die Sonne unter gegangen war, nun durch die Lichter der Autos und erleuchteten Fenster dominiert wurde. Er fühlte sich erschöpft und strich sich angestrengt über das Gesicht. Man, die Frau bringt mich immer wieder völlig durcheinander. Sie stellt mein Leben total auf den Kopf.
Schließlich löste er sich von dem Anblick und ging zum Treppenhaus. Ihm wurde bewusst, dass er noch zurück laufen musste, und der Gedanke behagte ihm gar nicht. Tom kramte in seinen Hosentaschen und fand das I-Pod; danach zog er das blutgetränkte Taschentuch hervor und musste, trotz der Schmerzen, die immer noch nicht ganz verschwunden waren den Kopf schütteln. Anna hat aber auch einen Dickkopf…. Fast hätten wir uns geküsst… und prompt spürte er erneut dieses sehnsüchtige ziehen in seinem Bauch. Er schob die Gedanken und Gefühle schnell bei Seite, „Ich hab doch bestimmt… Ahh“ erleichtert zog Tom einen 20 € Schein aus der Hosentasche. Gott sei Dank! Wenigstens das bleibt mir jetzt erspart. Tom ging zum nächsten Taxistand und ließ sich auf die Rückbank des Taxis fallen. Er nannte seine Adresse, bevor er die Augen schloss und versuchte sich zu entspannen.
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Carla hatte Tom nachmittags bei Lanford noch gesehen, als sich die Aufzugtür vor ihr öffnete. Sie beendete die Unterhaltung mit ihrem Kollegen und wollte zu ihm gehen, um endlich ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Er hatte sich den ganzen Tag hinter seiner Arbeit versteckt, und sie war bereits reichlich angesäuert. Als sie sich umsah, war Tom jedoch verschwunden. Sie ging irritiert zum Empfang. „Wissen sie wo Tom hin gegangen ist?“ fragte sie Steffi. Diese zuckte die Schultern. „Ich weiß nur dass er ins Treppenhaus verschwunden ist.“ Carla runzelte die Stirn, wand sich aber ab, da sie sich nicht so uninformiert zeigen wollte. Das machte schließlich keinen guten Eindruck. …ins Treppenhaus? Der geht doch sonst nicht freiwillig zu Fuß. Ob er mir aus dem Weg gehen wollte? Tom hat schon den ganzen Tag nicht wirklich mit mir gesprochen. Sie ging zu ihrem Schreibtisch und ihre Gemütslage verschlechterte sich minütlich. Und das sollte was heißen, schließlich war ihre Stimmung nach dem Meeting mit Bruno, bei dem er die Zauberhaft-Linie ins Leben gerufen und somit dafür gesorgt hatte, das dieses dumme Blondchen nun doch hier bliebe, schon auf dem Nullpunkt angelangt. Carla saß vor ihren Entwürfen, aber nichts wollte ihr gelingen. Sie nahm ihr Handy und wählte Toms Nummer. Nachdem sie erneut, wie auch schon die dreimal zuvor, die Mailbox vernahm, knallte sie ihr Handy wieder auf den Tisch und dachte genervt, wenigstens sitzt diese Schnepfe mit ihrem selbstzufriedenen Lächeln nicht vor mir. Auf deren Anblick kann ich gut verzichten.
Da kam Virgin angerauscht und setzte sich auf Carlas Schreibtisch. Er strich sein blondes Pony aus dem Gesicht und sagte völlig enthusiastisch „Ist das nicht mal wieder eine geniale Idee von Bruno?“ Carla sah ihn gelangweilt an. „Was meinst du?“ Virgin schaute erstaunt, als läge das doch auf der Hand. „Na ja, dass Lanford eine neue Linie aufbaut?“ Er war immer noch total aufgekratzt. „Hast du vergessen, wer diese neue Linie betreut?“ fauchte Carla ihn an. „Anna sollte lange in der Versenkung verschwunden sein“ fauchte sie Virgin an. „Ach ja, du willst sie ja los werden. Daran habe ich gar nicht gedacht“ hauchte er entschuldigend. Er sah sich verlegen um, überlegte, wie er sich galant verabschieden konnte, während Carla ihn immer noch mit wütendem Blick traktierte. Virgin wechselte die Taktik. „Was machst du eigentlich heute Abend?“ fragte er, jetzt wieder selbstsicher.
„Im Underground ist eine Party, komm doch mit. Das wird bestimmt super! Sag mir Bescheid, ja?“ damit flog er Richtung Treppe davon. Carla griff zu ihrem Telefon und versuchte erneut erfolglos Tom zu erreichen. „Weißt du was, du Idiot kannst mich doch mal.“ Sie begann ihren Arbeitsplatz aufzuräumen. „Dann vergnüg ich mich eben ohne dich“ murmelte sie vor sich hin, bevor sie Virgin suchen ging.
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Anna war durch die Straßen der Stadt nach Hause gegangen. Nach und nach hatte sie sich wieder beruhigt und ein seltsames Gefühl machte sich in ihr breit. Eine Art Bestätigung ihrer Entscheidung der vorigen Nacht.
Sie hatte gehofft, dass ihr Vertrauen und ihre intimen Offenbarungen etwas in Tom bewegen würden. Aber Tom war eben Tom. Zumindest hatte sie nun die Gewissheit, dass sie selbst alles von sich Preis gegeben hatte. Mehr konnte sie nicht tun.
Ich werde mein Leben und mein Glück nicht von ihm abhängig machen, … nur weil er sich nicht auf das Schicksal einlassen kann. Er hat mich damals gefragt, ob wir heraus finden wollen, was als nächstes passiert. Aber es war wohl nur eine hole Phrase gewesen, vielleicht doch nur Mittel zum Zweck um einen Menschen nicht in die Tiefe springen zu lassen. Er will es selbst gar nicht wissen, denn dann müsste er den Mut haben sich auf Veränderung einzulassen. Ich habe die für mich richtige Entscheidung getroffen. Es geht in Zukunft um mich, und nur um mich... . Trotz der Trauer, die sie verspürte, war da auch eine Art Befreiung. Sie stand auf dem Startplatz für ihre Zukunft.

Anna dachte an Jonas und es wurde ihr abermals bewusst, wie sehr sie ihn vermisste. Sie schmunzelte, das muss Jonas ja ganz schön Überwindung gekostet haben mir ausgerechnet Tom ans Herz zu legen, schließlich fand er Tom arrogant und total unsympathisch. Sie blieb stehen und schaute in die Sterne, die man mitten in der Stadt leider nur erahnen konnte. „Jonas, ich werde glücklich werden, ich habe es mir fest vorgenommen, … auch wenn mich Tom nicht auf meinem Weg begleiten wird. Ich danke dir, dass du für mich da bist.“ sprach sie leise zu ihm hinauf und schenkte ihm ein liebevolles Lächeln.
Als sie sich umschaute war sie überrascht wie weit sie ihre Füße bereits getragen hatten, denn sie stand schon fast vor der Goldelse. Sie betrat das Restaurant und traf sogleich auf den Blick ihrer Mutter, die hinter dem Tresen stand. Susanne schaute ihre Tochter sorgenvoll an. „Hallo, wo kommst du denn her? Es ist schon so spät? Musstest du so lange arbeiten?“ Anna setzte sich kurz auf einen der Barhocker. „Nein, Mama, alles gut, ich habe nur das schöne Wetter genutzt, aber ich geh gleich hoch. Ich bin später wahrscheinlich noch mal weg. Damit verschwand sie die Treppe hinauf. Was mach ich denn jetzt? Alleine vor mich hin grübeln habe ich keine Lust. Davon hatte ich heute echt genug. … Paloma!
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Tom war im Taxi fast eingeschlafen. Nachdem er dem Fahrer das Geld in die Hand gedrückt hatte und ausgestiegen war, stand er vorm Haus und ihm wurde klar, dass er jetzt vermutlich direkt in das nächste Drama laufen würde. Schon jetzt genervt davon, mit welcher Laune Carla ihn wohl begrüßen würde, schleppte er sich die Treppe hinauf.
Tom betrat die Wohnung und war erstaunt, dass kein Licht brannte. Er sah sich um. Es schien keiner da gewesen zu sein. „Carla!“ rief er in den hinteren Bereich, in dem sich das Badezimmer befand. Aber keine Antwort. Tom seufzte erleichtert auf, machte sich aber gleichzeitig Gedanken, wo sie sein könnte. Er nahm das Handy vom Tisch und sah, dass Carla seit nachmittags neun Mal versucht hatte ihn zu erreichen und die Sorge wich prompt wieder der Genervtheit und dem befreienden Gefühl einer Konfrontation mit ihr erst mal entkommen zu sein.
Tom betrat das Badezimmer und erschrak vor seinem eigenen Spiegelbild. Er sah gar nicht gut aus, hatte tiefe Ringe unter den Augen und seine Nase war zwar nicht geschwollen, leuchtete aber in seinem sonst blassen Gesicht. Er zog sich schnell aus und stellte sich unter die Dusche. Das Wasser prasselte heiß auf ihn herab, aber statt der erhofften Entspannung, stellte sich Ernüchterung ein. Er hatte das Gefühl, dass jeder einzelne Tropfen ihm ein Puzzleteil des heutigen Tages auf den Körper schrieb. Und alle Teile hatten irgendwie mit Anna zu tun.
Warum hat sie mir das alles erzählt. Erst heute Morgen ihre Beweggründe bei Lanford zu bleiben und dann auch noch die seltsame Geschichte mit Jonas und seine ‘Offenbarung’? Warum nur hat Anna so ein Vertrauen zu mir? Er wünschte sich fast, dass es anders wäre, obwohl es doch eigentlich ein so wunderbares Gefühl war. Aber ihre Worte würden ihn nicht loslassen, da war er sich sicher. Alles was sie sagte, hatte auch etwas mit ihm zu tun. Es waren seine eigenen Themen von denen sie gesprochen hatte, die er aber im Gegensatz zu Anna versuchte aus seinem Leben auszuklammern. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass er selbst, trotz der viel längeren Zeit, die seit Fannis Tod vergangen war, noch lange nicht an dem Wendepunkt angelangt war, an dem Anna heute stand. Es war Bewunderung und auch leiser Neid, was er verspürte.
Das ist doch alles Quatsch. Ich habe mich bereits vor langer Zeit für Fanni entschieden. Ich habe meinen Weg gefunden … und der heißt Carla. Und Schluss.

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Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...


Zuletzt von katha am Di Aug 28 2012, 09:45 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"
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