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 AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"

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katha

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BeitragThema: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Jul 20 2012, 23:31

das Eingangsposting lautete :

Hallo,
diese FF habe ich bereits einmal in einem anderen Forum eingestellt, so dass sie vielleicht beim dem ein oder anderen bereits bekannt ist. Aber ich denke, sie passt gut in den Reigen, der hier aufgeführten FFs und ich freue mich, sie hier (sprachlich ein wenig überarbeitet) noch einmal zu posten.

Vorlauf
Der Titel sagt bereits worum es geht. "Anna und die Liebe" hat uns mit Anna und Tom bekannt gemacht, die es beide in der Vergangenheit schwer getroffen hat. Tom hat seine große Liebe Fanni vor einigen Jahren bei einem Unfall verloren und nun trifft er auf Anna, die nach dem Unfalltod ihres Mannes, völlig am Ende ihrer Kräfte, auf dem Dach eines Hochhauses steht, um sich das Leben zu nehmen. Die Beiden erleben einen Moment des Einvernehmens, der sie fesselt und Anna letztlich von ihrem Plan abbringt.
Danach laufen ihre Wege in die gleiche Richtung. Zumindest verlieren sich Anna und Tom nicht mehr aus den Augen. Nach einigen ereignisreichen Monaten, in den es viel Verwirrungen, Missverständnisse, Streit aber eben auch immer wieder einvernehmlich vertraute Moment zwischen Beiden gibt, passiert es schließlich. Tom und Anna verbringen eine wunderbare Nacht mit einander. Die Folge ist, dass Tom Anna sitzen läßt und versucht sie weit von sich zu schieben. Er will sich nicht auf sie einlassen, nicht auf seine Gefühle einlassen, da er Angst hat erneut einen Verlust erleiden zu müssen. Also beschließt er sich hinter einem geregelten Leben mit einer anderen Frau zu verstecken. Carla. Tom fragt Carla, Annas größte Widersacherin, sowohl privat als auch beruflich, ob sie seine Frau wird und diese sieht sich endlich an dem Ziel ihrer Träume angekommen. Für Anna jedoch bricht eine Welt zusammen. Tom bietet ihr einen Aufhebungsvertrag an um sie aus seinem Dunstkreis zu vertreiben. Denn insgeheim weiß er nicht nur wie sehr er Anna mit seiner Entscheidung verletzt hat, sondern auch, wie schwer es ihm fallen würde, sie weiterhin in seiner Nähe ertragen zu müssen. Es scheint also, als würden sich ihre Wege hier trennen...

Einstieg in die Geschichte:

Meine Story beginnt, nachdem Carla die Verlobung mit Tom bei Lanford öffentlich bekannt gegeben hat. Anna ist verzweifelt aus dem Atelier geflohen und auf das Dach gestiegen, auf dem sie Tom das erste Mal begegnet ist. Dem Dach, das ihr gemeinsamer Ort ist. Tom ist Anna gefolgt, und hat ihr gerade gesagt, dass er ihr einen Aufhebungsvertrag anbietet.
******************************************

Teil 1

Anna brauchte einige Zeit um zu realisieren, was Tom ihr da gerade gesagt hatte. Ich bedeute ihm was? Und, er weiß wie sehr er mich verletzt hat, dass ich nicht lache. Dieser Arsch, er ist doch zu mir gekommen, er hat mich geküsst, und jetzt… heiratet er Carla. …Das ist noch das Schlimmste. Diese unterkühlte, intrigante Kuh. Ich kenne keinen Menschen, der gehässiger ist als sie. Sie wendete endlich den Blick ab, der immer noch auf den Treppeneingang gerichtet war, in dem Tom vor einiger Zeit verschwunden war.
Wie soll ich das nur aushalten? Ich muss noch ein halbes Jahr bleiben. Das wird die Hölle. Langsam machte auch sie sich auf den Weg zum Treppenhaus. Sie hatte Paloma versprochen gleich wieder ins Atelier zu kommen. Annas Schritte waren schleppend, wie ihre Gedanken und Gefühle. Sie schwankte zwischen Traurigkeit, Wut und Verzweiflung. Jeder Schritt zurück ins Atelier kostete sie unendliche Überwindung.

Als sich die Aufzugtür öffnete, hoffte Anna nur, dass sie nicht allzu vielen Kollegen über den Weg laufen würde. Vor allem nicht Carla oder Tom. Sie steuerte direkt auf ihren Schreibtisch zu. Ein Umschlag lag auf ihrem Tisch. Erst jetzt fiel ihr wieder ein, was wahrscheinlich der eigentliche Grund für Toms Auftritt auf dem Dach war. Der Aufhebungsvertrag, den er ihr anbot. Zu gütig dachte sie „Eine halbe Millionen, soviel bin ich dir also wert. Da wirst du die Nacht sicherlich noch länger verteufeln. War ganz schön teuer“ zischte sie vor sich hin. Auch wenn Tom es ihr, oder vielleicht doch eher sich selbst, mit diesem Vertrag leichter machen wollte; er erniedrigte sie.
Eigentlich bin ich ja kein Typ, der sich kaufen lässt, aber weiterhin her kommen und dem jungen Glück beim Turteln zusehen,... Carlas hämisches Grinsen ertragen müssen, …und Tom jeden Tag sehen „Scheiße" entfuhr es ihr und in Gedanken fügte sie hinzu, Ich liebe ihn doch.

Anna schaute kurz in Toms Büro, in der eine hitzige Diskussion zwischen Vater und Sohn zu beobachten war. Ob es da wohl um mich geht? Bruno ist sicherlich nicht erbaut, dass ich gehe… Gehe ich wirklich? Ich arbeite doch gerne für Bruno, gerne für Lanford, und jetzt… Es war ein heilloses Durcheinander in ihrem Kopf.
Als sie aus dem Augenwinkel sah, dass Carla auf sie zu steuerte, nahm Anna ihre Tasche und den Umschlag mit dem Vertrag und ging geradewegs zum Aufzug. „Anna, ich wollte gerade mit ihnen über das Brautkleid sprechen“ hörte sie noch, als sie auch schon in den Aufzug trat, der sich Gott sei dank direkt geöffnet hatte. Gut das ich der noch entkommen konnte. Wahrscheinlich hätte ich sie in meiner Verfassung erwürgt, ... Na ja, dann wäre ich wenigsten ein Problem los gewesen, …hätte mich aber wohl auch nicht weiter gebracht, dachte sie und lehnte sich müde an die Wand.
---------------

Tom und Bruno sprachen natürlich über Anna. Bruno schätzte ihre Arbeit und außerdem hatte er einen 7. Sinn wenn es darum ging seinen Sohn zu durchschauen. Und er war sich sicher den Grund für Toms Angebot zu kennen. "Warum lässt du Anna gehen? Wir brauchen sie hier. Sie ist gut!" fragte Bruno Tom verärgert. Tom wusste, dass er recht hatte. Aber es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ich kann sie hier nicht täglich sehen dachte er, mit aller Macht an seiner Entscheidung fest haltend. "Und Carla? Du bist sicher, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast?" kam eine weitere unangenehme Frage bei Tom an. "Ja natürlich, ich liebe Carla." versuchte er Bruno, oder vielleicht auch sich selbst zu überzeugen. Bruno beobachtete ihn eine zeitlang und schaute ihn nur abschätzig an. "Ja genau. …Hauptsache du kannst dir bei deinen Lügen noch selbst in die Augen sehen." brummte Bruno und verließ das Büro.
Was denkt der sich eigentlich? Er hat doch schließlich eine Entscheidung von mir verlangt.Toms Blick wanderte suchen zu Annas verwaistem Schreibtisch. Er spürte, bei dem Gedanken, dass sie dort vielleicht nie wieder sitzen würde, einen Stich in seinem Herzen. Er wusste ,dass Bruno recht hatte. Es war eine Lüge. Aber ich kann das nicht zulassen. Ich kann Fanni nicht verraten, und ich will nicht noch mal so verletzlich sein. Er drehte sich entschlossen um. Hoffentlich geht sie auch wirklich, sonst..., nein verdammt, ich habe mich entschieden, und basta.

Als Anna in die Goldelse kam, schaute ihre Mutter sie verwundert an. „Du bist ja heute so früh? Ist alles in Ordnung?“ Anna hatte keine Lust auf Smalltalk und so sagte sie nur schnell. „Ja, alles gut. Ich bin einfach nur total müde. Ich geh hoch.“ In ihrem Zimmer angekommen, setzte sie sich in ihren Sessel am Fenster. Sie ließ die letzten Tage Revue passieren. Einen kurzen Moment stiegen die Bilder der gemeinsamen Nacht mit Tom in ihr auf. Sie verstand es einfach nicht. Wie kann man nur in so kurzer Zeit so glücklich und so verzweifelt zugleich sein? fragte sie sich, Na ja, wer hoch steigt, kann auch tief fallen. Ich sollte mich einfach von allen Männern fern halten. Sie bringen mir scheinbar kein Glück dachte sie deprimiert. Ihre Wut war auf einmal einer tiefen Leere gewichen, die sie umhüllte. Sie saß einfach da und starrte vor sich hin. Keine Gedanken, keine Gefühle mehr. Ihr war es recht.
Irgendwann klopfte es an der Zimmertür, und sie sagte herein. Anna blieb sitzen und dachte gar nicht darüber nach, wen sie wohl herein gebeten hatte. Sie schaute verwundert nach draußen. Sie nahm erst jetzt wahr, dass scheinbar viel Zeit vergangen war, denn die Straßen, auf die sie immer noch schaute, lagen mittlerweile im Licht der Dämmerung. Als sie plötzlich eine wohlbekannte Stimme ihren Namen sagen hörte, sprang sie erschrocken auf.


Zuletzt von katha am Sa Feb 09 2013, 21:12 bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Aug 05 2012, 10:58

Wow, Katha, wieder große Klasse Surprised
Ich liebe deinen Schreibstil Smile
Könnte stundenlang lesen Embarassed
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Aug 05 2012, 13:05

Ja, ja der Tommy und sein ewiges Gefühlschaos. Und Carla, diese ... blöde Schnepfe. Oh Mann, ich darf gar nicht daran denken, was da noch alles kommt ... Rolling Eyes

Freu mich auf den nächsten Teil, meine Liebe.

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Aug 05 2012, 16:55

Liebe Lizzy,
vielen, vielen Dank für dein Lob. Embarassed Und wenn das so ist, dass du ewig weiterlesen könntest, dann will ich mal dafür sorgen, dass im Laufe des Tages, vermutlich erst heute Abend, noch ein Teil kommt. Smile

Liebe Mini,
so ist das mit dem Wissensvorsprung, mir ging es eben in deinem neuen Teil ähnlich. Wahrscheinlich habe ich ihn beim ersten Mal ein wenig anders bewertet Wink

Vielen Dank euch Beiden!!!
LG Katha

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Aug 05 2012, 21:21

Teil 13

In der Egobar.
Anna, Paloma und Enrique saßen an der Bar und unterhielten sich munter über dies und das, als Paloma versuchte das Thema auf Tom und sein so seltsames Verhalten am heutigen Tag zu lenken. Natürlich brannten sie und Enrique darauf, zu erfahren, ob Toms plötzlicher Abgang am Nachmittag, mit Anna zu tun hatte. Aber Anna wehrte dieses Thema sofort ab und verdrehte die Augen. „Also, wenn ich von einem Thema heute die Schnauze voll habe, ist es ‘Tom und sein verkorkstes Leben’. … " Sie sah von einem zum anderen. "Ich habe da einen ganz anderen Vorschlag, und ich dulde keine Widerrede“ sagte sie bestimmt. „Wir drei Hübschen gehen jetzt tanzen. Ich habe eben so einen Flyer in die Hand gedrückt bekommen. Hier um die Ecke ist heute eine Party. Da gehen wir jetzt hin.“ Sie brauchte Ablenkung und die Möglichkeit sich mal richtig auszupowern, sich zu befreien von ihrem gedanken- und gefühlslastigen Tag.
Paloma und Enrique, die sich schon den ganzen Abend verstohlene Blicke zuwarfen, protestierten zum Schein ein wenig, waren aber gleichsam froh über den Vorschlag. Beim Tanzen konnte man sich doch wunderbar näher kommen. Und es war viel unauffälliger als hier an der Bar.

Also betraten die Drei wenig später das Underground. Sie blieben an der Eingangstür stehen um sich erst einmal zu orientieren. Der Club war nicht groß, aber gut gefüllt. Einige Stufen führten herab in den Gastraum. Dort gab es eine lange Bar, eine Tanzflächen und drum herum Stehtische sowie kleinere Sitznischen. Die Atmosphäre war in angenehm gedämpftes Licht getaucht, das durch die Blitze der Discokugel durchzogen wurde. Trotz der lauten Musik, die sie sofort zum Tanzen animieren wollte, war es gemütlich. Eine wirklich gelungene Kombination. Annas Blick schweifte über die Menge der Menschen und blieb an einem Pärchen an der Bar hängen. „Oh nein, muss das sein?“ sagte sie völlig genervt.“ Paloma folgte Annas Blick und sie verstand sofort, was sie meinte. „Willst du doch lieber woanders hin gehen?“ fragte sie verständnisvoll. Anna betrachtete Virgin und Carla einen Moment. Dann schüttelte sie entschlossen den Kopf „Nein, ich lass mir meine Laune heute nicht mehr vermiesen. Und außerdem wollten wir doch sowieso tanzen, oder?“ Sie nahm Paloma an die eine und Enrique an die andere Hand und zog sie hinunter in den Barbereich. Paloma und Anna blickten Enrique mit überzeugendem Dackelblick an und baten ihn etwas zu Trinken zu besorgen. Während Enrique sich der Frauengewalt fügte und versuchte an die Barfrau heran zu kommen, steuerten die beiden Freundinnen in den hinteren Bereich auf einen freien Stehtisch zu. Paloma nutzte den kurzen Moment der Zweisamkeit. „Ist bei dir alles in Ordnung? Du bist so anders?“ brüllte sie Anna ins Ohr um die Musik zu übertönen. Anna schaute sie an, und bei dem Blick in die besorgten Augen ihrer Freundin konnte sie ihrem Vorsatz, Tom aus ihrem Kopf fern zu halten, kaum treu bleiben. Sofort musste sie wieder an die berührenden Momente des Nachmittags denken. Aber sie verscheuchte die Erinnerungen gleich wieder und antwortete nur vage. „Na ja, sagen wir ich hatte heute zwei sehr aufschlussreiche Begegnungen mit Tom. Aber..." sie schüttelte abwehrend den Kopf, " er ist Geschichte. Und jetzt wird mein neuer Job gefeiert. Und außerdem mal was anderes. Was ist da eigentlich mit dir und Enrique? Blicke sagen mehr als viele Worte, hm?“ Palomas Augenbrauen hoben sich erstaunt in die Höhe, war sie doch davon ausgegangen, dass sie sich nichts hatte anmerken lassen.Sie lächelte nur verschwörerisch, denn da stand Enrique auch schon wieder neben ihnen und übergab den Freundinnen ihre Cocktails, die er unter Einsatz seines vollen Charmes ergattert hatte. „Na, hast du auch artig unsere Kollegen begrüßt?“ fragte Anna ironisch. Enrique verzog vielsagend sein Gesicht. „Hm, ich würde sagen unsere ‘Stardesignerin’ ist bereits ganz schön angeschlagen. Virgin tat mir fast ein bisschen leid.“ Die Drei stießen mit den leckeren Cocktails an und bereits wenige Minuten später hatte die Tanzfläche sie bereits aufgesogen.

Virgin war tatsächlich nicht in bester Laune. Er hatte sich schon gewundert, dass Carla tatsächlich mit ihm weg gehen wollte, da sie ihren Verlobten in letzter Zeit eigentlich keine Minute aus den Augen gelassen hatte. Aber er freute sich auf einen schönen Abend mit seiner Freundin, denn er war schon lange nicht mehr mit ihr losgezogen. Als sie den Club betreten hatten, machte sie ihm jedoch schnell klar, dass er sich besser eine andere Begleitung gesucht hätte. Sie nörgelte in ihrer überheblichen Art an allem herum. Der Einrichtung, den Leuten, na ja, es war halt kein Schickimicki-Club. Das hier war Berlin. Eine bunte Mischung aus völlig normalen bis hin zu ziemlich abgefahrenen Menschen. Er ärgerte sich über sich selbst, denn er hätte es sich eigentlich denken können, dass das nicht Carlas Welt war. Er selbst fand es belebend, wollte sich eigentlich gerne ins Getümmel stürzen.
Aber jetzt saß er mit Carla an der Bar, und schaute zu wie sie sich einen Drink nach dem anderen bestellte, um sich von ihrem unbefriedigenden Tag abzulenken und ihren Frust wegen Tom zu ertränken. So langsam bekam sie Schlagseite und Virgin hatte wirklich Angst, dass sie gleich vom Hocker fallen würde. Er versuchte Carla vom Trinken abzuhalten und sie zu überreden nach Hause zu gehen, aber erst jetzt, nachdem er sich bereits vorkam wie ein Wanderprediger hatte er es fast geschafft. Sie zeigte so langsam Einsicht, merkte wohl selbst, dass sie nicht mehr ganz Herr bzw. Frau ihrer Sinne war. Aber dann stand Vegas plötzlich neben ihnen und bestellte Cocktails. Nach einem kurzen Smalltalk war er wieder verschwunden und Virgin wollte dieses Jammerspiel seiner Freundin endlich beenden. Doch an Gehen war für Carla nicht mehr zu denken. Sie hatte nämlich entdeckt mit wem Enrique den Abend verbrachte und würde auf keinen Fall ihren Beobachtungsposten räumen. Sie verfolgte genau, was Enrique und ihre ‘Lieblingskolleginnen’ auf der Tanzfläche trieben, und was sie da sah bereitete ihr großes Vergnügen. "Ich hätte gerne noch einen!" bestellte sie den nächsten Drink und Virgin verdrehte verzweifelt die Augen. Als sie ihr neu erhaltenes Glas von der Theke nahm und ihm mit den Worten „Auf Anna und Enrique. Ein wirklich tolles Paar!“ begeistert zuprostete, schaute er sie nur genervt von der Seite an und fragte erneut, ob er sie nicht nach Hause bringen sollte. Aber Carla schüttelte grinsend den Kopf. Sie war in Hochstimmung.

Anna, Paloma und Enrique waren ausgelassener Laune, alberten auf der Tanzfläche herum, und auch wenn Enrique ganz eindeutig seine Fühler nach Paloma ausstreckte, flirtete er auch mit Anna. Sie kannte ihn schließlich gut genug um keine falschen Schlüsse zu ziehen. Und Spaß machte es auch. Irgendwann zog Paloma Anna ein Stück zur Seite und rief gegen die laute Musik an: „Kümmere dich bitte mal um Enrique bis ich zurück komme. Nicht, dass mir noch jemand in die Quere kommt.“ Sie lächelte Anna bedeutungsvoll zu und verschwand in der Menge. Kurze Zeit später brachen die lauten, hämmernden Rhythmen ab und ein langsamer Blues erfüllte den Raum. Anna stand vor Enrique. Sie schauten sich, etwas verwundert über den Musikwechsel, fragend an. „Darf ich um diesen Tanz bitten?“ fragte Anna gespielt scheu und höflich, während sie einen kleinen Knicks hinlegte. „Gnädigste, es wäre mir eine Ehre.“ stieg Enrique, sich höflich verneigend, darauf ein, bevor sie sich kaputt lachten und gemeinsam tanzten. Als Paloma zurück kam, klatschte sie Enrique formvollendet ab und Anna verzog sich zu ihrem Getränk an den Stehtisch. Nach dem zweiten Glas Caipi spürte sie so langsam den Alkohol, der sie umnebelte. Sie schaute gelöst in die tanzende Menschenmenge und die blitzenden Discolichter und die Rhythmen der Musik nahmen sie völlig ein. Sie hing ihren Gedanken nach und gönnte sich einen kurzen Ausflug zu Tom.Wie es wohl wäre mit ihm zu tanzen? Spontan dachte sie an den Moment, als sich ihre Lippen fast gefunden hätten und sofort flackerte es wieder auf, dieses Gefühl der Sehnsucht nach seiner Nähe. Traurig verdrängte sie die Gedanken an Tom. Mehr zufällig beobachtete sie, dass Paloma und Enrique gemeinsam die Treppe zum Ausgang hinauf gingen. Paloma drehte sich noch mal kurz um und die Freundinnen winkten sich zu. Wenigstens eine von uns hat Glück in der Liebe, freute sich Anna und trank ihr Glas aus. Auch für sie wurde es Zeit.

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Zuletzt von katha am Mi Aug 29 2012, 22:21 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Aug 05 2012, 21:37


Hach, wie wundervoll du schreibst !

Da fühlt man sich, als ob man mittendrin ist.. Smile

Mach weiter so!
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Aug 06 2012, 11:36

... Aber jetzt saß er mit Carla an der Bar, und schaute zu wie sie sich einen Drink nach dem anderen bestellte, um sich von ihrem unbefriedigenden Tag abzulenken und ihren Frust wegen Tom zu ertränken. So langsam bekam sie Schlagseite und Virgin hatte wirklich Angst, dass sie gleich vom Hocker fallen würde. Er versuchte Carla vom Trinken abzuhalten und sie zu überreden nach Hause zu gehen, aber erst jetzt nachdem er sich bereits vorkam wie ein Wanderprediger hatte er es fast geschafft. Sie zeigte so langsam Einsicht, merkte wohl selbst, dass sie nicht mehr ganz Herr bzw. Frau ihrer Sinne war ...
Einfach Klasse, deine blumigen Beschreibungen. flower
Virgin, der von Carla genervt ist, weil sie nur rumnölt (wäre ich vermutlich auch, diese ewigen Miesmacher und Spaßbremsen sind auch nicht mein Fall) und sich nun auch noch die Kante gibt. Die Vorstellung ist ... lol!
Tja, das hätte er sich wohl früher überlegen müssen. Und Anna, Paloma und Enrique, die einfach nur den Abend genießen.
Toll geschrieben, ... aber das weißt du ja selbst, gelle ... Smile

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Aug 06 2012, 17:10

Lizzy schrieb:

Hach, wie wundervoll du schreibst !
Da fühlt man sich, als ob man mittendrin ist.. Smile
Mach weiter so!
Das freut mich, wenn mir das gelingt. So soll es sein... Wink

Mini_2010 schrieb:
[i]
Virgin, der von Carla genervt ist, weil sie nur rumnölt (wäre ich vermutlich auch, diese ewigen Miesmacher und Spaßbremsen sind auch nicht mein Fall) und sich nun auch noch die Kante gibt. Die Vorstellung ist ... lol!
Tja, das hätte er sich wohl früher überlegen müssen. Und Anna, Paloma und Enrique, die einfach nur den Abend genießen.
Toll geschrieben, ... aber das weißt du ja selbst, gelle ... Smile

So, so, du meinst ich weiß das? Ich bin mir da meist nicht so sicher. Umso schöner, es von euch zu hören. Wink
Und du hattest recht, man kann an seiner Story, die ja eigentlich schon mal fertig war, so rein sprachlich noch einen Menge tun silent
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 07 2012, 23:46

Ich mag diesen Teil. Wink Ich hoffe euch gefällt er auch Smile


Teil 14


Sie strebte in Richtung Ausgang, als plötzlich Virgin völlig aufgelöst vor ihr stand. „Anna, ist Enrique noch da? Ich brauche dringend seine Hilfe.“ Er schaute aus, als ob er die Menschheit retten müsse, und es alleine einfach nicht schaffen würde. „Virgin, was ist denn los? Enrique ist eben gegangen. Und ich wollte auch gerade…“ Virgin unterbrach sie hektisch „Anna, dann musst du mir helfen, bitte.“ Er schaut sie mit großen treuen Augen an. „Wobei denn?“ Anna mochte Virgin, auch wenn seine Freundschaft zu Carla sie sehr irritierte. Virgin schaute verlegen beiseite, und redete, als wäre er nicht ganz sicher, ob er diese Worte, wirklich an Ort und Stelle aussprechen sollte. „Carla,… sie kann kaum noch stehen. Ich muss sie irgendwie nach Hause kriegen.“ Er sah Anna unter seinem blonden Pony, dass er gerade kunstvoll in die richtige Position gebracht hatte, mit einem um Verständnis bittenden Lächeln an. Anna zog beinahe belustig die Augenbrauen in die Höhe. „Virgin, du bittest mich, dir zu helfen Carla nach Hause zu bringen? Das ist nicht dein ernst?“ sagte sie ungläubig, nicht sicher ob er sie auf den Arm nehmen wollte. „Anna bitte…! Wenigstens bis vor die Tür...“ Sein herzerweichender Blick, mit dem er bei jeder Dackelshow den ersten Platz errungen hätte, war feste in ihren geheftet und Anna seufzte schließlich auf.
„Das kann echt nicht wahr sein…“ sagte sie zu sich selbst und schüttelte den Kopf, wissend, dass sie Virgin nicht hängen lassen würde. „Ok, wo ist sie?“ fragte sie angefressen und folgte Virgin durch die Menge bis an die Treppe. Auf der untersten Stufe kauerte Carla. Sie sah tatsächlich ziemlich übel aus. Aber als sie Anna sah, war sie trotzdem in der Lage ihr eine ihrer ungemein netten Begrüßungen zukommen zu lassen. „Anna, sie? Sie sind wirklich die beste Kollegin, die man sich wünschen kann. Immer zur Stelle, wenn man sie braucht.“ Sarkasmus triefte aus Carlas Stimme. Die hatte sie noch halbwegs im Griff, im Gegensatz zu ihren Beinen. Anna ignorierte Carlas Bemerkung. Mit einem kurzen Blick und einigen Handbewegungen verständigte sie sich mit Virgin, dass sie Carla erst einmal die Treppe herauf bekommen mussten. Sie fassten sie jeweils von einer Seite und bugsierten sie Schritt für Schritt hinauf. Als sie draußen ankamen, stellten sie Carla gegen die Hauswand und holten Luft. Virgin verdrehte bei ihrem Anblick die Augen, Was habe ich mir da nur angetan? fragte er sich und verabschiedete Anna mit Küsschen links und rechts. "Danke Brödi, du warst meine Rettung. Jetzt müssen wir ja nur geradeaus laufen..." Er warf ihr noch einen genervten Blick zu ehe er seinen Arm um Carlas Taille legte und versuchte seine schwankende Freundin den Gehweg entlang zu lotsen. „Virgin, wo ist Tom. Warum ist Tom nicht hier?“ drang plötzlich eine jämmerliche Stimme an Annas Ohr und ihre Worte widerten sie an. Dieses Schnepfe hatte Tom einfach nicht verdient. „Carla, halt jetzt einfach den Mund und komm.“ sagte Virgin angespannt und konzentrierte sich auf seine Aufgabe um sie alleine zu bewerkstelligen. Er wollte den Weg bis zu Toms Wohnung ohne Annas Hilfe überstehen. Schließlich wusste er um die Situation zwischen den zwei Frauen, und Carla war scheinbar wild entschlossen noch viele giftige Pfeile auf ihre Kontrahentin abzufeuern. Als Carla Virgin aber fast mit zu Boden riss, drehte er sich hilfesuchend zu Anna um, die das Ganze skeptisch beobachtet hatte und nun auch gleich zu ihm eilte. „Virgin, ich sag dir, dafür habe ich echt was gut bei dir. Ich werd dich dran erinnern, glaub´s mir.“ zischte sie dem jungen Mann zu. „Ja Anna, sie haben bei allen was gut. Deshalb kommen sie ja auch immer mit allem durch, nicht wahr?“ sagte Carla mit gespielter Begeisterung und strahlte Anna an. „Ihre große Klappe schaltet sich tatsächlich als letztes ab, oder? Aber die steht ja auch nicht in Verbindung zu ihrem Hirn, sonst würde ja hin und wieder mal was Anständiges raus kommen… . Jetzt halten sie den Mund und gehen sie endlich. Gehen. Das heißt einen Fuß vor den anderen setzen.“ Eine viertel Stunde später hatten Virgin und Anna Carla vor Toms Wohnungstür an die Wand gelehnt. Sie saß auf dem Boden und hatte die Augen geschlossen. Als Anna gerade klingen wollte, sagte Virgin hektisch: „Tom erschlägt mich, wenn er mich sieht. Ich bin dann mal weg.“ Damit lief er schnell die Treppe runter und Anna vernahm nur noch das Klappen der Haustür. „Super, aber ich bin bestimmt erwünscht“ zischte sie, als sie energisch auf den Klingelknopf drückte.

Tom wurde von einem Geräusch wach und brauchte einen Moment um sich zu orientieren. Er saß in seinem Sessel und der Fernseher lief. Scheinbar war er eingeschlafen. Er wollte sich gerade zu seinem Bett begeben, als es erneut klingelte. Tom sah irritiert auf die Uhr. Es war 1:15 Uhr. Wer klingelt denn mitten in der Nacht. Carla? Ne, die hat nen Schlüssel. Er öffnete die Wohnungstür und da stand Anna vor ihm. „Du? Was willst du mitten in der Nacht bei mir?“ fragte er sie schroffer als er eigentlich wollte. Anna hatte ihn schon den ganzen Tag ‘verfolgt’, jetzt wollte er einfach seine Ruhe haben, reichte ja, dass sie ihm nicht aus dem Kopf ging. Anna, reichlich bedient davon, dass sie Carla, diese hinterhältige Schlange tatsächlich nach Hause zu Tom gebracht hatte, fixierte kurz seine Augen, die als einziges Gefühl völliges Unverständnis ausdrückten. Aber das konnte sie nicht schocken, da ihr Blick sogleich abgelenkt wurde. Sie sah an ihm herunter, ließ ihre Augen über seinen Hals zu seinem Oberkörper gleiten und ihr blieb die Spucke weg. Wow, er sieht einfach … . Anna riss sich von dem ‘leckeren’ Anblick los, den er bot und bemühte sich möglichst neutral auf ihr ‘Mitbringsel’ hinzuweisen. Tom hatte Annas kleine Reise über seinen Körper bemerkt und schaute an sich herab. Er war lediglich mit einer Jogginghose bekleidet und wäre er nicht bereits halbnackt gewesen, hätte er sich spätestens jetzt von ihren Blicken ausgezogen gefühlt. Er musste bei ihrer sichtlichen Irritation schmunzeln, war aber auch verunsichert. Er vernahm Annas Stimme nur aus der Ferne, musste erst wieder auftauchen, aus seinen Gedanken und seiner aufsteigenden Nervosität, als er gerade noch gewahr wurde, dass sie neben die Tür zeigte. Er folgte ihrem Hinweis und erkannte die traurige Figur, die dort auf dem Boden kauerte. „Carla? Was ist mit ihr?“ Er sah Anna erschrocken an. Diese winkte ab „Keine Angst, halb so schlimm. Manche Menschen sollten einfach besser die Finger vom Alkohol lassen. Sie braucht wohl ein Bett.“ Tom verzog kurz das Gesicht, nahm Carla aber sofort auf den Arm und brachte sie in die Wohnung. Scheinbar hatte diese die Lageveränderung bemerkt, auf jeden Fall öffnete sie die Augen und strahlte ihn an. „Tom? Da bist du ja!“ In ihrem blick und ihrer Stimme lag die Überzeugung, dass ihr strahlender Ritter auf seinem weißen Pferd nur für ihre Rettung sein Königreich verlassen hatte. Dann erblickte sie Anna, die den beiden in die Wohnung gefolgt war und nun unentschlossen da stand. „Ist Anna nicht wirklich ein Engel? Sie hat mich her gebracht, obwohl sie doch sooo unter mir leiden muss“ fügte sie in ironischem Ton hinzu. Tom sah auf Carla hinab und merkte den Zorn in sich aufsteigen. Miststück dachte er nur, bevor er schnell weiter ging, um Anna weitere Anfeindungen zu ersparen. Seine Sorge um Carla war wie weg geblasen. Er legte sie aufs Bett, zog ihr die Schuhe aus und deckte sie zu, dann begab er sich wieder ins Wohnzimmer.

Anna hatte in der Zwischenzeit die Tür geschlossen, stand aber immer noch unschlüssig neben dem Esstisch. Tom betrachtete sie und lächelte als ihm bewusst wurde welch treffenden Worte Carla eben von sich gegeben hatte. Ja, wahrlich ein Engel dachte er, und sogleich schossen die Bilder von nachmittags auf dem Dach in sein Gedächtnis.
„Wo wart ihr? … Warum bringst du sie nach Hause?“ fragte er leise, als er mit ausreichendem Sicherheitsabstand vor ihr stehen blieb. Bevor Anna antworten konnte, drang Carlas Stimme zu ihnen vor. „Und Anna, Finger weg von Tom. Der gehört mir.“ Tom war die Situation total unangenehm, während Anna nur ungläubig den Kopf schüttelte . „Wir waren zufällig im gleichen Club. Und ich war wohl Virgins letzte Hoffnung, Carla irgendwie hierher zu bekommen.“ Und wieder ertönte Carlas Stimme. „Aber sie haben sich ja schon getröstet. Sie und Enrique sind übrigens ein schönes Paar.“ Man hörte noch ein leises Stöhnen und das Rascheln der Bettdecke, dann war Ruhe. Tom schaute jetzt noch irritierter und sein Unmut schwoll zu einem Sturm heran. Enrique und Anna? Er zwang sich zur Ruhe, konzentrierte sich wieder auf Anna. Seine Augenbrauen hoben sich „Virgin?“ „Ja, er war mit Carla dort. Und nachdem ich ihm geholfen habe und wir nach einer Ewigkeit hier ankamen hat er sich verpisst." sagte sie spöttisch grinsend. „Hatte wohl Angst, dass du ihm den Kopf abreißt.“ „Und du…“ setzte Tom an, aber Anna unterbrach ihn. Ihre Zunge war vom Alkohol noch lockerer als sonst, und so konnte sie sich den Kommentar einfach nicht verkneifen. „… und ich fand den Gedanken Carla einfach vor deiner Tür liegen zu lassen zwar sehr verlockend, … aber du kennst mich ja.“ Tom nickte lächelnd und dachte, du bist einfach zu gut für diese Welt. Jede Andere in deiner Situation hätte den Gedanken in die Tat umgesetzt.
Anna nahm sich einen Stuhl und ließ sich darauf sinken. "Puh" sagte sie und rieb sich angestrengt über ihr Gesicht. Sie merkte, dass der Alkohol und der lange Tag langsam ihren Tribut einforderten und Tom erschrak. Er erkannte erst jetzt, wie kaputt Anna war. Besorgt fragte er „Willst du was trinken? Kann ich irgendetwas für dich tun? Soll ich dir ein Taxi bestellen?…“ Anna stand langsam wieder auf und schüttelte den Kopf. Sie schaute ihn an, und versank sogleich in seinem liebevollen und besorgten Blick, bevor sie wieder von seinem muskulösen Oberkörper abgelenkt wurde. Oh man, wenn du wüsstest wie sehr ich dich will, schoss es ihr durch den Kopf, scheinbar waren ihre Gedanken noch gelöster, wie ihre Stimme. Ihre Sehnsucht zog sich als ein stechender Schmerz durch ihren Körper, und vom Alkohol enthemmt und Carlas Provokation angestachelt, schlüpften Wörter aus ihrem Mund, die sie sich sonst bestimmt verkniffen hätte. „Obwohl,… eine kleine Belohnung habe ich ja eigentlich verdient.“ Sie ging auf ihn zu, legte ihre Hände an seine Wangen, zog sein Gesicht zu sich und küsste ihn zart aber innig auf den Mund. Sie schwebte… Tom war von ihrem Vorstoß völlig überrascht, verharrte kurz bevor er den Kuss erwiderte. Er legte seine Hände auf ihre Schultern und zog sie sanft zu sich. Ihre Körper berührten sich und sie verschmolzen in ihrer gegenseitigen Wärme. Ihre Herzen schlugen viel zu schnell gegen die Brust des anderen, als wollten sie sich verbinden. Der Kuss wurde intensiver und es durchfuhr sie gleichermaßen wie ein Stromschlag als sich ihre Zungen fanden und mit einander einen wunderbaren Tanz vollführten. Die Zeit stand still und Anna und Tom genossen die Entladung der Sehnsucht, die sich während des Tages stetig erhöht hatte. Anna fühlte Toms Hände, die langsam ihren Rücken entlang glitten und an ihrer Hüfte liegen blieben, um diese nur wenige Zeit später eng an sich zu schmiegen. Annas Erregung, die sich über den ganzen Körper zog um sich in ihrem Unterleib zu sammeln, gab ihr deutliche Signale, wo das enden würde, wenn sie nicht die Notbremse zog. Toms Hände glitten weiter, an der Seite ihres Oberkörpers hinauf bis zu ihren Schultern. Dabei berührten sie, wie zufällig, Annas Brustansätze und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als dass seine Hände sie weiter erkunden würde. Anna war überrollt von der Heftigkeit ihres Verlangens. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie wollte ihn doch nur noch einmal küssen. Alle Kraft zusammen nehmend, entzog sie sich Toms Armen.
Er wollte sie nicht los lassen, wurde fast wahnsinnig, als er bemerkte, dass sie sich von ihm lösen wollte, aber ihm blieb ja keine andere Wahl. Was hatte er für ein Recht ihre Nähe einzufordern. Nach Atem ringend standen die Beiden nun vor einander. Die Distanz, die Anna geschaffen hatte, vermochte die Anziehung zwischen ihnen nicht wirklich zu unterbrechen und sie mussten beide dagegen ankämpfen. Sie sahen sich tief in die Augen und Anna keuchte auf. „Ich gehe dann wohl besser“ presste sie mit Gewalt heraus. Sie musste erneut alle Energie aufwenden, um sich ihm nicht mit Haut und Haar hinzugeben. Sie küsste Tom noch einmal flüchtig auf die Lippen um dann fluchtartig die Wohnung zu verlassen.
Vor der Tür lehnte sie sich an die Wand und rutschte daran herunter. Sie versuchte ihre Atmung zu kontrollieren und wieder Herr ihrer Sinne zu werden, die nur von ihrer Sehnsucht zu Tom bestimmt waren. Einige Zeit später verließ sie auf wackeligen Beinen das Treppenhaus und ging langsam nach Hause. In der Kühle der Nacht erlangte sie ihr inneres Gleichgewicht zurück und verbuchte die gerade erlebte Begebenheit als eine weitere aufschlussreiche Begegnung mit dem Mann ihrer Träume.

Nachdem Anna die Wohnung verlassen hatte taumelte Tom zurück, bis er sein Sofa an den Waden spürte. Er ließ sich darauf fallen. Seine Erregung war innerhalb der kurzen Zeit, die er Anna in den Armen gehalten und geküsst hatte, auf ein Höchstmaß angestiegen. Seine Körpertemperatur schien kurz vor dem Siedepunkt und sein Puls sowie seine Atmung fühlten sich, als ob er einen Spitzensprint hingelegt hätte. Anna war weg. Aber es schossen Erinnerungen an ihre gemeinsame Nacht im Hotel, sowie Bilder die seiner Fantasie entsprangen auf ihn ein, die eine Beruhigung seines Gemütes verhinderten. Er ging in die Küche, schüttete sich mit zittrigen Händen ein Glas Wasser ein und stürzte es hinunter. Er hoffte, dass das kühle Nass die Flammen der Begierde, die weiterhin in ihm loderten, löschen würde. Langsam kam er wieder zur Besinnung.
Aber erst, als er Carlas Stimme vernahm, die wohl im Schlaf seinen Namen rief, trat die wirkliche Ernüchterung ein. Er stand noch einen Moment am Fenster, den Kopf gegen die kühle Scheibe gelehnt, bevor er in den Schlafbereich seiner Wohnung ging und sich zu Carla ans Bett setzte. Er betrachtete sie eine Weile und wurde sich bewusst, dass er sich heute nicht zu ihr ins Bett legen könnte als wäre nichts geschehen. Er nahm sich sein Bettzeug und ließ sich auf seinem Sofa nieder. Die Uhr zeigte mittlerweile halb drei, und er sehnte sich nach einem tiefen Schlaf.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 08 2012, 08:27

Auf den Teil hab ich gewartet. Wow, und immer wieder ein Genuss, ihn zu lesen. Ja, wenn das Wasser nicht hilft, um die Begierde zu zügeln, ein Blick auf Carla genügt völlig ...

Und wie wunderbar du dich ausdrückst, will ich dir mal an ein paar Beispielen zeigen. Deine blumigen Beschreibungen sind einfach zu köstlich:

... Als Carla Virgin aber fast mit zu Boden riss, drehte er sich hilfesuchend zu Anna um, die das Ganze skeptisch beobachtet hatte und nun auch gleich zu ihm eilte. „Virgin, ich sag dir, dafür habe ich echt was gut bei dir. Ich werd dich dran erinnern, glaub´s mir.“ zischte sie dem jungen Mann zu. „Ja Anna, sie haben bei allen was gut. Deshalb kommen sie ja auch immer mit allem durch, nicht wahr?“ sagte Carla mit gespielter Begeisterung und strahlte Anna an. „Ihre große Klappe schaltet sich tatsächlich als letztes ab, oder? Aber die steht ja auch nicht in Verbindung zu ihrem Hirn, sonst würde ja hin und wieder mal was Anständiges raus kommen… . Jetzt halten sie den Mund und gehen sie endlich. Gehen. Das heißt einen Fuß vor den anderen setzen.“ Eine viertel Stunde später hatten Virgin und Anna Carla vor Toms Wohnungstür an die Wand gelehnt ...

... Anna, reichlich bedient davon, dass sie Carla, diese hinterhältige Schlange tatsächlich nach Hause zu Tom gebracht hatte, fixierte kurz seine Augen, die als einziges Gefühl völliges Unverständnis ausdrückten. Aber das konnte sie nicht schocken, da ihr Blick sogleich abgelenkt wurde. Sie sah an ihm herunter, ließ ihre Augen über seinen Hals zu seinem Oberkörper gleiten und ihr blieb die Spucke weg. Wow, er sieht einfach … . Anna riss sich von dem ‘leckeren’ Anblick los, den er bot und bemühte sich möglichst neutral auf ihr ‘Mitbringsel’ hinzuweisen. Tom hatte Annas kleine Reise über seinen Körper bemerkt und schaute an sich herab. Er war lediglich mit einer Jogginghose bekleidet und wäre er nicht bereits halbnackt gewesen, hätte er sich spätestens jetzt von ihren Blicken ausgezogen gefühlt ...

... Tom verzog kurz das Gesicht, nahm Carla aber sofort auf den Arm und brachte sie in die Wohnung. Scheinbar hatte diese die Lageveränderung bemerkt, auf jeden Fall öffnete sie die Augen und strahlte ihn an. „Tom? Da bist du ja!“ In ihrem blick und ihrer Stimme lag die Überzeugung, dass ihr strahlender Ritter auf seinem weißen Pferd nur für ihre Rettung sein Königreich verlassen hatte ...


Diese drei mal nur als Beispiel genannt ... Wink

Freu mich auf eine Fortsetzung Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 08 2012, 09:59

Wow, was für ein grandioser Teil und so einmalig geschrieben, es sehr schön wie du die Gefühle beschreibst, man fühlt sich so als Stünde man selbst in dem Geschehen.

Freuen mich auf eine Fortsetzung von dir. Smile
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 08 2012, 14:36

Mini, Lizzy,
ich bin sprachlos. Deshalb sag ich einfach Danke und freu mich Embarassed Very Happy
Und ein bisschen Sonne für euch sunny

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 11 2012, 09:24

"15"
Am nächsten Morgen, stand Anna müde auf. Sie hatte zwar tief und fest geschlafen nachdem sie endlich in ihrem Bett angelangt war, aber die Nacht war einfach zu kurz gewesen. Nach einer Dusche, die die erwünschte Erfrischung auch nur ansatzweise brachte, stand sie vor dem Spiegel und versuchte mit Schminke die äußerlichen Schatten der Nacht zu bekämpfen. Wolltest du nicht heute fit und energievoll deine neue Kollektion beginnen? Das war wohl nichts dachte sie. Aber trotzdem breitete sich langsam eine gewisse Aufregung in ihr aus. Heute werde ich mein Label zu neuem Leben erwecken! Nach einem schnellen Kaffee im Stehen und einem kurzen Morgengruß an ihre Mutter, die gerade die Küche betrat, verließ sie das Haus und eilte zu Lanford.
Als sie das Gebäude betrat, erblickte sie Paule, die vor dem Aufzug stand und wartete. „Guten Morgen Paule!“ begrüßte Anna ihre Freundin. Diese, auch noch sichtbar verschlafen, drehte sich zu ihr und musterte sie intensiv. „Hallo Anna, geht es dir gut?“ fragte sie vorsichtig. Sie hatte sich tags zuvor wirklich Gedanken um Anna gemacht. Hoffte, dass Anna ihre Nachricht, über Jonas Aussage von damals gut verkraftet hatte. Anna sah sie verwundert an. „Ich seh nur so müde aus, weil der gestrige Abend etwas aus dem Ruder gelaufen ist.“ „Wieso, was ist passiert?“ fragte Paule erschrocken zurück. „Ach eigentlich waren wir nur Tanzen, aber nachdem sich Paloma und Enrique gemeinsam aus dem Staub gemacht haben“, sie zwinkerte Paule vielsagend zu „hat Virgin, der mit Carla im selben Club war wie wir, ausgerechnet mich auserkoren, die völlig betrunkene Carla zu Tom zu bringen.“ Als sie Paules erstaunten und sogleich empörten Gesichtsausdruck sah, musste Anna lachen. „Ich bin halt doch zu gut für diese Welt.“ Paule schüttelte den Kopf. „Ja, das bist du wohl, aber ehrlich gesagt, meinte ich eher… na ja… wegen des Telefonats.“ Jetzt verstand Anna ihre intensive Musterung von eben. „Keine Sorge Paule, alles ist gut. Wenn ich eines von Jonas gelernt habe, dann dass ich die Vergangenheit und die unveränderbaren Tatsachen in meinem Leben akzeptieren muss, um meinen eigenen Weg zu gehen. Ich habe Jonas Tod überstanden, … und ich werde auch verkraften, dass dein lieber Bruder nicht in der Lage ist dem Schicksal ins Auge zu blicken.“ Paule seufzte einerseits erleichtert, aber andererseits bekümmert auf. Sie hatte so gehofft das Anna Tom wieder zu dem Menschen machen würde, den sie in der Vergangenheit verloren hatte. „Anna, es tut mir leid, dass Tom so ein Vollidiot ist. Aber wer dir Carla vorzieht, hat es wohl nicht besser verdient.“ Sie verdrehte genervt die Augen. Anna verstand das versteckte Kompliment und lächelte sie dankbar an. „Ach weißt du, ich konzentrier mich jetzt auf Zauberhaft und alles andere, wird sich schon finden.“ Die Aufzugtür öffnete sich und Anna ging zum Empfang während Paule beeindruckt, von Annas Abgeklärtheit, hinter ihr her schaute. Tom weiß wirklich nicht, welchen Fehler er gerade macht, dachte sie und beschloss, ihm gleich mal einen Besuch abzustatten.

Sie klopfte und betrat ohne eine Antwort abzuwarten sein Büro. Tom saß am Schreibtisch und arbeitete seine Unterlagen durch. Er blickte irritiert auf, als er die Bewegung der Tür registrierte. Er hatte das Klopfen völlig überhört, was wohl daran lag, dass er sich unglaublich konzentrieren musste, um trotz seiner Müdigkeit und den beginnenden Schmerzen, die sich in seinem Kopf ausbreiteten, arbeiten zu können.
Tom hatte sich nachts auf seinem Sofa hin und her gewälzt, hatte sich so sehr nach erholsamen Schlaf gesehnt. Aber sein Kopf war nicht in der Lage gewesen abzuschalten. Unaufgefordert hatten er ihn mit verschiedensten Szenen, Bilder und Gedanken gequält.
- Von Fanni, ihrer gemeinsamen Liebe. Dem schmerzlichen Verlust und seinen Schuldgefühlen.
- Von Carla, die ihn in den letzen Jahren treu begleitet hatte und der er gerade einen Heiratsantrag gemacht hatte, obwohl sie ihn zunehmend nervte.
-Und letztlich von Anna, die ihn, seit er sie kennen gelernt hatte, ständig verwirrte weil sie ständig seine so lange ignorierten Erinnerungen und Gefühle heraufbeschwor.
Um halb fünf, er war nicht sicher ob er überhaupt geschlafen hatte, gab er den Plan, etwas Erholung zu finden schließlich auf. Er zischte ein genervtes „Frauen“ in den Raum und dachte für sich, Es muss etwas geschehen. Sonst gehe ich vor die Hunde.
Eine ausgiebige Dusche und einen Espresso später hatte er schließlich eine Entscheidung getroffen. Leise hatte er einige Klamotten in einen Koffer gepackt, und war nach einem kurzen Blick auf seine noch schlafende Verlobte aus der Wohnung gestürmt.
Sein Weg führte ihn zuerst einmal zu Lanford, wo er sich vor seinen Laptop setzte und sich kurze Zeit später eine Buchungsbestätigung ausdruckte. Doch bevor er die Fliege machen würde, wollte er hier noch klar Schiff machen. Er wusste schließlich um die Verantwortung seiner Position. Außerdem würde Bruno sonst vermutlich auf die Barrikaden gehen und ihm einen Suchtrupp hinterher schicken. Daher saß er jetzt an seinem Schreibtisch und widmete sich den Aufgaben, die dort parat lagen.

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Zuletzt von katha am Sa Aug 11 2012, 22:59 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 11 2012, 11:38

Wie immer ein Genuss, meine liebe Katha-Mausi. Deine Story ist immer noch spannend, auch wenn ich sie ja schon kenne. Freue mich auf mehr Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 11 2012, 13:04

Ach Katha wieder ein sehr schöner Teil!!!!... das ruft nach einer Fortsetzung! Smile
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 11 2012, 22:45

Lieben Dank euch Beiden,
ich denke die Fortsetzung könnte gleich noch kommen. Mal sehen, wieviel ich jetzt noch zu lesen habe und wie spät es dann ist. Wink

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Aug 12 2012, 10:56

So, meine Lieben, da geht es also weiter mit einem intensiven Gespräch Smile . Eigentlich wollte ich zwei Teil raus machen, aber es gehört einfach alles zusammen. Also, ich wünsche viel Spaß! Wink

Teil 16


„Guten Morgen Paule“ sagte er müde, als er seine Schwester erkannte. „Guten Morgen Bruderherz, … du siehst aber mal wirklich bescheiden aus!“ antwortete diese, freimütig wie immer.
Er ging nicht auf ihre Bemerkung ein, hatte keine Lust seine Verfassung offen zu legen und fragte daher nur kurz „Was gibt´s?“
Paule fläzte sich in einen der Sessel, die ihm gegenüber standen und meinte: „Eigentlich nichts, ich wollte nur mal Hallo sagen, … und dich fragen, wie es kommt, dass Anna nun doch geblieben ist.“ Tom, der sich gerade ausgiebig die Augen rieb, schaute sie bei dem zweiten Teil ihrer Frage überrascht an, obwohl er ihre unverblümte Art ja zu genüge kannte. Annas Beweggründe waren intim, und er war in gewisser Weise stolz, dass sie sich ihm anvertraut hatte. Er würde dieses Vertrauen bestimmt nicht missbrauchen. „Dann frag sie doch“ schlug Tom vor. „Hm, mach ich. Und was hältst du davon?“ Tom schaute kurz durch die Glaswand und sein Herzschlag setzte augenblicklich aus. Er hatte an diesem Tag schon oft zu ihrem Schreibtisch geschaut, aber das erste Mal sah er sie. Anna! sie saß an ihrem Schreibtisch und ordnete ihre Utensilien. Tom wurde sogleich von den Erinnerungen an den nächtlichen Kuss durchflutet und konnte ein leises Seufzen nicht verhindern. Er wendete sich schnell wieder Paule zu und hoffte, das Paule nicht die richtigen Rückschlüsse aus seinem Verhalten zog. Er riss sich zusammen und versuchte völlig neutral zu antworten „Für Lanford ist es gut, dass sie mein Angebot nicht angenommen hat. Sie leistet ausgezeichnete Arbeit und ihre Linie Zauberhaft wird sicherlich ein Erfolg. Dafür hat Bruno ja bekanntlich einen guten Riecher.“ Er verzog wissend das Gesicht. Paule beobachtete ihn aufmerksam. Sein Blick aus dem Fenster und der Augenblick, den er gebraucht hatte um sich wieder hinter seiner Fassade zu verstecken, waren ihr nicht entgangen. „Und für Tom Lanford persönlich?“ hakte sie nach. Aber auch auf diese Frage wollte Tom keine Antwort geben, kannte er sie doch selbst nicht so genau. Ja er hatte gewollt, dass sie geht, um die Gefahr für sein geregeltes Leben zu bannen, aber gleichzeitig hatte ihn der Gedanke, dass sie es tatsächlich tun könnte fast umgebracht. Er musste wieder an den vergangenen Tag und die vielen innigen Momente mit Anna denken, und da fiel ihm plötzlich diese Geschichte mit Paule und Jonas wieder ein.

„Sag mal Paule, kann ich dich was fragen?“ stellte er unsicher eine Gegenfrage, während sie noch immer auf seine Antwort wartete. Paule schaute verwundert auf. Das klang so gar nicht nach ihrem sonst so selbstsicheren Bruder. „Klar. Was denn?“ Tom kam sich völlig bescheuert vor, aber er wollte trotz seines Glaubens an Annas Aufrichtigkeit gerne eine Bestätigung dieser unbegreiflichen Geschichte. „Bist du wirklich ein Medium?“ Er schaute sie leicht zweifelnd aber gespannt an. Paule wich jegliche Farbe aus dem Gesicht. Sie sah ihn an, als ob sie jetzt gerade in diesem Moment eine Erscheinung hätte. Hat er das wirklich gerade gefragt? Sie konnte keinen Spott und keine Verachtung in seinem Gesicht erkennen. Der will das wirklich wissen dachte sie völlig geschockt. Ihr Blick glitt durch die Glaswand zu Anna. Sie saß, in ihre Zeichnungen vertieft, an ihrem Schreibtisch. Toms Augen folgten ihren, bevor sie sich wieder ansahen. „Sie hat es dir erzählt?“ fragte Paule ihn erstaunt. Tom nickte nur. „Anna und du,… ihr seid immer wieder für eine Überraschung gut.“ antwortete sie, immer noch völlig fassungslos. Ihr wäre nie in den Sinn gekommen, dass Anna jemandem von ihren gemeinsamen Erlebnissen erzählen würde. Schon gar nicht Tom.
Tom beobachtete seine Schwester aufmerksam und ihre Reaktion sagte schon alles, aber er fragte trotzdem noch mal nach. „Es stimmt also?“ Paule nickte sachte.

„Na ja, so was passiert mir nicht öfter, falls du das meinst. Aber bei Jonas. … Das war echt ne irre Geschichte.“ Sie zögerte einen Moment, aber da Tom scheinbar wirklich neugierig war, sprach sie weiter. „Ich dachte anfangs echt ich werde verrückt. Ne, stimmt nicht, eigentlich dachte ich Jonas wäre verrückt… bis ich bemerkte, dass ihn außer mir wirklich keiner sehen konnte. Er stellte sich direkt vor irgendwelche Leute und brüllte sie an. Aber sie sahen einfach durch ihn hindurch. …“ Sie fühlte wieder diese Fassungslosigkeit von damals und schüttelte den Kopf. „Und dann sollte ich mit Anna reden.“ Sie sah wieder zu Anna hinaus. „Ich sag dir, sie hat mich ganz schön zur Sau gemacht, dachte wohl ich wollte sie abzocken, oder so." Toms Augen wanderten spontan zu Anna und er lächelte. Er liebte es, wenn Anna aus der Haut fuhr. Paule fuhr gedankenverloren fort, unterbrach ihre Erzählung immer wieder, weil sie die Erinnerungen einholten. "Ich habe Jonas echt verflucht. ... Aber ich konnte ihn doch nicht hängen lassen. Die Geschichte der Beiden hat mich irgendwie berührt, … und er hatte ja keinen anderen, der ihm helfen konnte.“
Sie schaute ihn skeptisch an „Aber warum sitzt du da eigentlich so gelassen und hörst dir das alles an, als ob ich dir den Wetterbericht erstatten würde? Glaubst du wirklich was du hier hörst?“ Paule konnte sich viel vorstellen, aber nicht, dass ihr Bruder für den seit Fannis Tod nichts anderes als knallharte Fakten zählte diese Geistergeschichte ernst nahm. Tom hörte tatsächlich einfach so zu. Er hatte jetzt das zweite Mal nur vage Beschreibungen der Situation gehört, aber er war viel zu gebannt, als das er tatsächliche Zweifel verspüren würde. Seinen Blick mal wieder auf Anna gerichtet, wurde er sich bewusst, dass er vielleicht mal antworten sollte. Er riss sich von Annas Anblick los und schaute seine Schwester schulterzuckend an „Ich glaube schon.“ Tom wusste, dass er Paule damit völlig überraschte, aber er sprach die Wahrheit.

„Ok“ sagte sie stockend, „dann erzähl ich mal weiter… Jonas faselte etwas von einer Aufgabe, die er erfüllen müsse, für Anna und für sich… Er sollte dafür sorgen, dass sie eine neue Liebe findet. Super Idee“ fügte sie genervt hinzu. Toms Augenbrauen zuckten nach oben, „Wieso?“ „Na, glaubst du, dass Jonas und Anna nach so einer kurzen Zeit ihrer Trennung begeistert waren, dass Anna sich auf jemand Anderen einlassen sollte? Du hast das bis heute nicht zugelassen.“ Paules Blick fiel auf seinen Oh, verdammt Paule. Erst denken, dann reden. „Sorry“ fügte sie entschuldigend hinzu. Sie sah, dass Tom mit sich kämpfte ob er seine Abwehr aufbauen sollte, aber sein Blick beruhigte sich wieder. „Schon gut, erzähl weiter.“
„Na ja, als ob das nicht schon schwierig genug gewesen wäre, tauchtest du plötzlich wieder in meinem Leben auf.“ Sie schaute entschuldigend zu ihm und er lächelte verständnisvoll. Tom wusste, dass die ersten Begegnungen nach so langer Zeit für Paule eine Qual waren. „Anna dachte anfangs, dass ich für dich das gleiche getan hätte.“ Sie schaute auf ihre Finger, die sich nervös in einander verknoteten. “Und glaube mir, in deinem Fall hätte ich die Aufgabe mit Freuden übernommen. … Ich hätte so gerne noch einmal mit Fanni gesprochen … und uns allen geholfen.“ Sie schaute vorsichtig, wie Tom reagierte. Toms Gesichtsausdruck war bei diesen Worten erstarrt und er blieb genau wie Paule in seinen Gedanken hängen. Die Zeit damals war für Beide die Hölle gewesen. Sie waren völlig überfordert mit der Situation und hatten es nicht geschafft für einander da zu sein. Letztlich hatte es sie entzweit. Für ganze vier Jahre. Tom war es, der als Erster seine Stimme wieder fand. Er schaut seine Schwester liebevoll an. „Paule, ich bin froh, dass du wieder bei mir bist“ und schon wieder war Paule völlig überrascht von ihrem Bruder. “Tom, bist du´s wirklich? ... oder hat dich jemand ausgetauscht?“ fragte sie zweifelnd. Tom lächelte verstehend. Er wusste, dass er verändert war, aber er war es so Leid, ständig gegen seine Gefühle anzukämpfen. Sein Schutzsystem, dass ihn für eine so lange Zeit vor seinen Gefühlen bewahrt hatte, funktionierte nicht mehr. Und jetzt war es jedes Mal ein bewusster und energiezehrender Akt, sich hinter seiner Fassade zu verstecken. Er genoss es sogar ein Stück weit, einfach er selbst zu sein.

„Und hat Jonas seine Aufgabe erfüllen können?“ Boh jetzt sag schon, ob wir für einander bestimmt sind schoss es ihm durch den Kopf. Tom wurde zunehmend nervös. Sein Herz pochte spürbar in seiner Brust. Paule schaute durch die Glaswand zu Anna, die gerade den Kopf hob und in ihre Richtung schaute. Sie lächelten sich zu und Paule antwortete nachdenklich. „Ich bin nicht sicher. Als Jonas noch da war, schaffte er es jedenfalls noch nicht. Er wollte, dass Anna sich auf Steve einließ. Das war für ihn eine logische Schlussfolgerung. Schließlich vertraute er ihm blind." Sie schüttelte sich bei dem Gedanken, wie das ausgegangen war. Sie sah das Bild vor sich, wie Steve Anna das Messer an den Hals hielt und erinnerte sich an die Angst, die sie um Tom gehabt hatte. "…Dass das nicht die Lösung war, weißt du ja.“ Auch Tom dachte an die Rettungsaktion zurück. Anna sah so fertig aus, nachdem Paule und er sie befreit hatten, und diese kurzen intensiven Augenblicke zwischen ihnen… . Er holte sich zurück in die Realität. „Und dann?“ fragte er leicht ungeduldig. Paule runzelte die Stirn. „Worum geht es dir eigentlich? Du willst was Bestimmtes wissen, oder?"
Tom wand sich ein wenig, schaute verlegen von hier nach da und dachte dann Was soll´s. Ich habe doch nichts zu verlieren. „War Jonas wirklich der Meinung, dass ich für Anna bestimmt bin?“ platzte es schließlich aus ihm heraus. Er traute sich kaum Paule anzusehen. Diese war jedoch schon wieder sprachlos. Sie schaute zwischen Tom und Anna hin und her. Sie fühlte sich wie in einer Wundertüte. Sie hat es ihm ernsthaft erzählt … . Und das trotz der Demütigung durch Toms Verlobung, staunte sie. Die soll mir noch mal erzählen, dass sie nicht kämpft. Und Tom, warum ist ihm das so wichtig? Er hat sich doch für Carla entschieden. Vielleicht ist er doch eher geflüchtet? Aber gut, wenn es den Beiden weiter hilft. Vielleicht ist bei Tom ja doch noch nicht alles verloren.
Paule nickte schließlich. „Ja, es stimmt. Jonas hatte das schon gut erkannt. Er meinte, dass du zwar ein wenig liebenswerter Typ wärst, aber dass er noch nie erlebt hätte das jemand Annas Herz so berührt hätte. Du würdest sie lebendig machen… Na ja, wenn sie sich mal wieder über dich aufregte, war sie tatsächlich sehr lebendig.“ Paule grinste ihn frech an. Tom schaute etwas irritiert. „Hey, so schlimm bin ich gar nicht.“ maulte er gespielt. Sein Herz machte einen erfreuten Hüpfer. Es ist also wahr dachte er und wunderte sich nicht wirklich. Es hätte auch so gar nicht zu Anna gepasst, ihn so zu manipulieren.

Tom konnte sich ein freudiges Grinsen nur schwer verkneifen, als er Paule ansah. „Eine Frage habe ich noch… Warum hast du es Anna damals nicht gesagt, …und warum gestern?" Jetzt war es an Paule verlegen weg zu schauen.
„Du warst tatsächlich ein verdammter Idiot, wenn ich das mal so direkt sagen darf. Anna selbst hat dich unverständlicherweise vor mir verteidigt. Mit den Worten, dass du durch deinen Verlust nicht mehr an die Liebe glauben würdest und deshalb so kühl und abgebrüht wärst, hat sie dich in Schutz genommen. Aber wie sollte ich ihr da sagen, dass genau du sie lieben würdest, du sie wieder glücklich mache könntest. Ich wollte sie vor einer weiteren Enttäuschung bewahren.“ Paule traute sich nicht ihren Bruder anzuschauen. Tom trafen diese Worte, aber er wusste, dass sie recht hatte. Er spürte Tränen in sich aufsteigen, bei der Gewissheit, wie viele Menschen er in seiner Zeit des absoluten Rückzugs verletzt hatte. Mein Gott, ich habe so vielen Menschen weh getan. Allen, die mir was bedeuten. Und Anna? Sie habe ich auch im Stich gelassen, obwohl sie doch auch damals schon die Einzige war, die mich verstand. Er wischte sich möglichst unauffällig über die Augen. „Und was hat deine Meinung geändert? fragte er leise. Paule sah auf und war gerührt von seiner Reaktion, die so ganz anders war, als sie befürchtet hatte. Sie schaute ihm jetzt offen in die Augen. „Du hast sie geändert. Wie du Anna angeschaut hast, als sie sich in der Egobar mit diesem Lied von Jonas verabschiedet hat. Die Worte, die du bei der Haokan-Präsentation über sie gesagt hast. Der Schmerz in deinen Augen, als du ihr gekündigt hast..." Sie stockte. "Es gab einfach viele Momente, die mir klar gemacht haben, dass da was zwischen euch ist.“ Paule stand auf und drehte sich zur Glaswand. Ihr war es peinlich, dass jetzt sie die Tränen in den Augen stehen hatte. Aber endlich fühlte sie sich Tom wieder nahe. Fast so nah wie früher. Mit leicht zittriger Stimme sprach sie weiter „Du erinnerst mich immer öfter an den Tom von früher. An meinen großen Bruder, den ich so sehr vermisst habe.“ Sie drehte sich zu ihm und die Geschwister wussten gleichsam, dass sie sich endlich wiedergefunden hatten.
Paule überlegte kurz ob es richtig war sich so einzumischen, aber nachdem was alles schon gesagt war, machte das auch keinen Unterschied mehr. Sie holte tief Luft „Ich glaube, dass Anna mit all dem etwas zu tun hat. Wie auch immer sie das macht. …Tom, Anna liebt dich. Bitte versuch ihr nicht mehr weh zu tun. Das hat sie nicht verdient.“
Tom hatte Paule die ganze Zeit beobachtet und war gerührt von ihren Worten. Jetzt aber sah er beschämt beiseite und als er Bewegungen vor seinem Büro registrierte schaute er hinaus. Und sogleich wich seine Scham einem Gefühl von, ja von was? Wut? Eifersucht? Er beobachtete grimmig, wie Anna und Enrique sich angeregt unterhielten. Was hat Carla gestern erzählt. ‘Die Beiden wären ein tolles Paar.’ Ich habe das ja nicht ernst genommen, aber …sollte da doch was dran sein? Er platzte fast. Paule beobachtete ihn amüsiert. Es war so offensichtlich, dass er eifersüchtig war. Sie musste wieder grinsen. „Tom? Alles in Ordnung?“ sie konnte es sich nicht verkneifen ihn aufzuziehen. „Bist du sicher mit dem was du eben gesagt hast?“ keifte er sie, nun wieder nach dem anderen Tom klingend, an. „Warum?“ Er nickte zu Anna rüber und Paule folgte seinem Blick. „Du meinst Anna könnte Interesse an Enrique haben?“ fragte sie und spielte die Überraschte. „Ist mir doch egal. Meine Angestellten könne machen was sie wollen, zumindest in ihrer Freizeit.“ antwortete Tom in seiner abweisenden kühlen Art, die er den ganzen Tag noch nicht zur Schau gestellt hatte.
Paule konnte sich ihr Lachen nicht mehr verkneifen. „Tom du bist solch ein Idiot. Jetzt gesteh es dir endlich ein. Du bist so was von verliebt in Anna.“ Sie stand auf und ging zur Tür. Tom funkelte sie zornig an. Was hat sie gesagt? Die spinnt ja! echoffierte er sich gedanklich. Erneut wanderte sein Blick zu Anna und Enrique und er wusste insgeheim genau, dass Paule mitten ins Schwarze getroffen hatte. „Ach Tom?“ Paule schaute gerade noch mal zur Tür hinein. „Vielleicht unterhältst du dich mal mit deinem besten Freund über seine neue Flamme. Ich glaube, das würde dir gut tun.“ Sie zog vielsagend die Augenbrauen hoch. „Paule!“ Sie drehte sich noch mal um. „Danke für deine Offenheit.“ „Immer gern“ grinste sie zurück „das weißt du doch großer Bruder. Obwohl? Eigentlich fühle ich mich gerade eher wie die große Schwester.“ zog sie ihn auf und schloss die Tür hinter sich.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Aug 12 2012, 12:52

Was für ein hervorragender Teil... und so klasse geschrieben, es ist sehr schön das Tom sich mit Paule unterhält, weil er wissen möchte ob er für Anna bestimmt ist, und ob er seine Gefühle für Anna nun endlich eingesteht.

Ich bin gespannt wie es weiter gehen wird. Smile
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Aug 12 2012, 16:45

Immer wieder ein Genuss, meine Liebe. Das Gespräch zwischen den beiden Geschwistern ist einfach herzerwärmend. Vor allem die kleinen Seitenhiebe, die Paule Tom immer gerne verpasst, in der Hoffnung, ihn damit aufzurütteln. Ich freu mich auf eine schnelle Fortsetzung ... Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Aug 13 2012, 20:32

Lizzy schrieb:
Was für ein hervorragender Teil... und so klasse geschrieben, es ist sehr schön das Tom sich mit Paule unterhält, weil er wissen möchte ob er für Anna bestimmt ist, und ob er seine Gefühle für Anna nun endlich eingesteht.
Freu mich, dass es dir gefällt. Und Tom? Wollen wir hoffen, dass er auf dem richtigen Weg ist...

Mini_2010 schrieb:
Immer wieder ein Genuss, meine Liebe. Das Gespräch zwischen den beiden Geschwistern ist einfach herzerwärmend. Vor allem die kleinen Seitenhiebe, die Paule Tom immer gerne verpasst, in der Hoffnung, ihn damit aufzurütteln. Ich freu mich auf eine schnelle Fortsetzung ... Smile
Ja, ja die gute Paule. Sie ist schon ein Unikat, ein sehr liebenswertes...
Danke mein Schatz Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Aug 13 2012, 22:18

Teil 17

Tom schaute Paule hinterher Große Schwester? … Ganz unrecht hat sie ja nicht. Ich fühl mich gerade eher wie ein kleiner Junge, der nicht weiß was richtig und was falsch ist. Er erinnerte sich daran wie es war als er das erste Mal verliebt war. Er war damals 14 oder 15 und wusste mit seinen neuen Gefühlen überhaupt nichts anzufangen. Seine Situation jetzt war irgendwie ähnlich. Völlig überfordert hatte er sich damals zurückgezogen und alle ihm nahe stehenden Personen abgeblockt. Aber Bruno hatte ihn mal wieder durchschaut und ihm auf den Kopf zugesagt, dass er verliebt sei. Er hatte ihn dafür gehasst. Und das Schlimmste war gewesen, dass Paule es mitbekommen hatte. Sie hatte einen riesen Spaß daran gehabt ihn zu ärgern. Bei jeder Gelegenheit hatte sie ihn aufgezogen und überall im Haus waren plötzlich Zettel aufgetaucht, auf denen ein großes Herz gemalt war, mit der Inschrift „Tom liebt Lisa“. Er hatte echt gelitten. „Freche kleine Göre“ murmelte er vor sich hin und überlegte, dass sie vermutlich auch heute am liebsten solche Zettel verteilen würde um ihn zu ärgern. Er lächelte verschmitzt und war glücklich, dass sie endlich wieder zueinander gefunden hatten.

Und jetzt Hr. Lanford? ’Bestimmung‘ von Anna. Jetzt hast du deine Bestätigung… Er spürte, dass er sogleich wieder in den Strudel seiner herumwirbelnden Gedanken gesogen wurde und wehrte sich mit aller Macht dagegen. Er lehnte sich erschöpft gegen die Rückenlehne seines Stuhles und ließ seinen Blick zum x-ten Mal an diesem Tag zu Anna wandern. Sie saß dort, und zeichnete mit offensichtlicher Freude an ihren Entwürfen. In ihrer Haltung und ihrem Handeln konnte man die Entschlossenheit erkennen, mit der sie ihre Aufgabe anging und er bewunderte sie dafür. Anna schaute auf und ihre Augen trafen sich. Toms Herz setzte für einen Moment aus, und obwohl er am liebsten in ihren wunderschönen Augen versunken wäre, zwang er sich weg zu schauen und dachte entschlossen, auch ich werde mein Leben wieder in den Griff bekommen und gleich fange ich damit an.
Er schaute auf die Uhr und erschrak. In einer Stunde muss ich los! Er schaute sich auf seinem Schreibtisch um und atmete erleichtert auf. Es hatte sich doch gelohnt so früh hier zu sein. Es war nur noch eine Bestellung zu erledigen. Da wurde er durch Bewegungen vor seinem Büro abgelenkt und registrierte eine Person, die an seinem Büro vorbei schlich. Wer kommt denn da angeschlichen? Na warte... Er sprang schnell auf und verließ sein Büro…

Anna saß jetzt schon eine ganze Weile an ihrem Schreibtisch und sie fühlte sich gut. Das Zeichnen an ihren eigenen Entwürfen erfüllte sie. Aber trotzdem konnte sie es sich zwischendurch nicht verkneifen einen Blick in Toms Büro zu werfen, vor allem weil sie auch seine Augen immer wieder auf ihrem Körper spürte. Er hatte schon an seinem Schreibtisch gesessen als sie kam, … ohne Carla. Aber das wunderte sie wenig. Die lag ja wahrscheinlich noch im Delirium. Anna beobachtete heimlich das Gespräch von Paule und Tom und überlegte, was sie wohl so lange zu bereden hatten. Ob sie über Jonas sprechen? fragte sie sich und dachte an die gestrige Unterhaltung auf dem Dach zurück. Es war ihr immer noch rätselhaft, dass Tom sie ernst genommen hatte. Wahrscheinlich sucht er gerade eine Bestätigung bei Paule. Vielleicht, wenn sie es ihm erzählt … ? Egal Anna, er ist dein Chef… , vielleicht ein Freund?... aber auf keinen Fall mehr.
Sie versuchte sich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren und verbat sich einen weiteren Blick in Toms Richtung zu werfen. Aber lange hielt sie es nicht aus, und als sie abermals diese kleinen Nadelstiche auf ihrer Haut spürte, die ihr signalisierten, dass Tom sie ansah, hob sie erneut den Blick und traf auf seine wunderschönen blauen Augen. Für einen Moment vergaß sie, dass sie inmitten des Lanford-Chaos saß. … aber ein Chef küsst nicht so, schoss es ihr durch den Kopf und sie seufzte leise auf. Annas Herz begann zu pochen und sie schob die Bilder und Gefühle der letzten Nacht, die sich ihr aufdrängen wollten, schnell beiseite.

Als Tom sich wieder seiner Arbeit zu gewendet hatte, sah Anna, das Virgin vorsichtig das Atelier betrat und beobachtete amüsiert, wie er sich ängstlich umsah, bevor er auf sie zukam. „Virgin!“ begrüßte sie ihn überschwänglich. „Guten Morgen Anna“ sagte er verlegen und schaute kurz in Toms Büro. Er atmete auf, denn es war leer. „Bist du noch gut nach Hause gekommen?“ fragte er vorsichtig. Anna hatte gesehen, dass Tom spontan sein Büro verlassen hatte, als Virgin in seinem Blickfeld auftauchte, und er sich jetzt hinter dem nächstliegenden Torbogen aufhielt. Sie wollte ihm dieses kleine Theater nicht vorenthalten. “Warum fragst du?“ sagte sie sarkastisch. „Vielleicht weil du mich mit deiner ‘bissigen Freundin’ allein gelassen hast?“ Virgin sprang erschrocken und mit weit aufgerissen Augen ein Stück zurück. Mit dieser Reaktion hatte er nicht gerechnet, auch wenn er ein schlechtes Gewissen hatte, aber Anna war doch sonst immer so nett. Er beugte sich erneut zu ihr und flüsterte verzweifelt „War es so schlimm?“ Wieder schaut er sich nach möglichen Zuhörern um. „Was meinst du? Die dummen Sprüche, die ich mir anhören musste, oder die Begegnung mit dem Löwen, dem du mich zum Fraß vorgeworfen hast, du Feigling?“ Ihre Augen funkelten böse, “ … Virgin, ich weiß wirklich nicht, ob das eine gute Idee war einfach abzuhauen.“ Ihre Mimik veränderte sich, war jetzt fast besorgt. „Warum? Hast du ihm etwa erzählt…“ Anna unterbrach ihn schroff. „Natürlich habe ich Tom erzählt, dass du mit Carla unterwegs warst. Es wäre wohl auch wenig glaubhaft gewesen, wenn ich gesagt hätte, dass Carla und ich uns einen lustigen Abend gemacht hätten.“ Sie überlegte kurz „Na ja, wenn ich behauptet hätte, dass ich Carla unter Gewaltandrohung genötigt hätte so viel zu trinken … , dann hätte es vielleicht funktioniert. Aber das ist dann doch nicht mein Stil.“ Virgin nickte bei diesen Worten und betrachtete sie wie der Hase die Schlange. Auch sein Fluchtinstinkt entsprach dem eines Hasen. Am liebsten wäre er hakenschlagend davon gelaufen, aber er entschied sich dann doch für´s klein machen, Ohren anlegen und abwarten. „Virgin ich hab was gut bei dir, und glaub es mir ich werde dich daran erinnern!“ sagte Anna immer noch sehr überzeugend. Virgins Gesicht verlor sämtliche Farbe und er öffnete seinen Fächer um sich hektisch Luft zuzuwedeln. Er sah aus, als ob er gleich umfallen würde. In diesem Moment ging Tom an ihnen vorbei und schaute Virgin eindringlich an. Anna musste sich das Lachen verkneifen, als sie bemerkte, dass auch Tom schmunzelte, sobald er aus Virgins Blickfeld verschwunden war. Virgin schwankte und ließ sich langsam auf den Hocker neben Annas Schreibtisch sinken. Anna beugte sich zu ihm hinüber „Also ich würde Tom heute erst mal aus dem Weg gehen. Gestern hätte er dich vielleicht nur gebissen, aber heute reißt er dir bestimmt den Kopf ab.“ flüsterte sie verschwörerisch mit einem vielsagenden Blick in Richtung des Junior-Chefs. Virgin stand eilig auf „Anna, was mach ich nur?“ Virgin strich sich sein Pony zur Seite und blickte hektisch zu Tom, der sich gerade einen Kaffee an der Sushibar holte. Er beschloss seinem Fluchtinstinkt doch zu folgen. Aber zu spät, da hörte er schon ein scharfes „Virgin!“ den Raum durchschneiden. Virgin sah verschreckt zu Tom. „Ja? Tom?“ flötete er. „Komm doch bitte mal zu mir. Ich muss mit dir reden“ sagte Tom kühl. Virgin trippelte, mit einem Gesicht, als würde er zum Schaffot geführt, zu ihm. Toms Mimik war starr als er weiter sprach. „Kannst du mir sagen, ob Bruno schon da ist?“ Virgins Blick schoss erstaunt nach oben. „Nein, …ich bin… gerade erst gekommen“ stammelte er. Er hatte mit einer ordentlichen Standpauke gerechnet, aber nicht mit so einer banalen Frage. „Dann find es doch bitte schnellstmöglich heraus und teil mir mit wo ich ihn finde. Ich muss ihn dringend sprechen.“ Virgin verharrte, anstatt sich auf die Suche zu machen, schaute ihn skeptisch an. „Ist noch was?“ fragte Tom. Virgin wurde rot. „Nööö, …“ Aber er bewegte sich nicht vom Fleck. „Hast du mir was zu sagen?“ fragte Tom erneut nach. „Nein, … nicht das ich wüsste.“ Virgin erwachte aus seiner Versteinerung und sprang eilig, wie ein junger Knappe davon. Tom und Anna sahen ihm gleichsam amüsiert hinterher, und als sich ihre Blicke trafen brachen sie gemeinsam in lautes Gelächter aus. Virgin vernahm das Lachen, blieb stehen und drehte sich um. Er schaute von Anna zu Tom und verzog beleidigt das Gesicht. Jetzt hatte auch er verstanden, dass sich die Beiden einen üblen Spaß mit ihm erlaubt hatten.
Tom drehte Anna den Rücken zu und trank seinen Kaffee. Er wollte ihr heute nicht wirklich begegnen. Zu viele Fragen schwirrten in seinem Kopf herum, auf die er erst Antworten finden musste. Bis er eine wirklich zuverlässige Entscheidung getroffen hatte, musste sie warten. Er zwang sich sitzen zu bleiben, obwohl er liebend gerne einfach zu ihr gegangen wäre. Vermutlich würde ich eh keinen kompletten Satz heraus bekommen, so nervös, wie sie mich macht. versuchte er seine Entscheidung zu rechtfertigen. Aber das gerade mit Virgin war wirklich witzig.Wir verstehen uns eben auch ohne Worte, grinste er zufrieden in sich hinein zumindest manchmal.
Anna war immer noch amüsiert über die Situation mit Virgin. Es hatte ihr Spaß gemacht, ihn so aufzuziehen, und dass Tom gleich mit eingestiegen war, machte es noch besser. Virgin hat es echt nicht besser verdient. Schließlich ist er einfach feige abgehauen. Gut, dass er nicht weiß welch schönen Moment er mir damit beschert hat.Wieder dachte sie zurück an ihre sinnliche Begegnung mit ihrem Chef und genoss einen Moment ihre spontan aufsteigende Sehnsucht. Ihr Blick wanderte, wie von einer höheren Macht gelenkt zu Tom, der ihr aber den Rücken zugedreht hatte. Und eben… Es ist schön mit ihm zu lachen. Wenn wir das doch öfter könnten, dachte sie wehmütig, als sie sich wieder ihrer Arbeit zuwendete.

Kurze Zeit später kam Virgin wieder angesprungen. „Anna, du bist eine kleine Hexe!“ sagte er mit einem gespielt beleidigtem Blick, als er an ihr vorbei lief. „Und du hast es nicht besser verdient!“ antwortete sie vergnügt.
„Tom, Bruno ist in Nataschas Büro. Wenn du mit ihm reden willst, dann musst du dich beeilen, er hat gleich einen Termin außer Haus.“ sprach Virgin Tom an. Tom drehte sich zu ihm. „Danke, dann geh ich gleich mal zu ihm. …Und Virgin?" Er schaute den Blonden grinsend an, "Glaubst du ernsthaft, dass ich dir den Kopf abreiße, weil Carla sich betrinkt?“ Virgin schaute verlegen von hier nach dort. „Ich glaube Carla ist alt genug selbst zu entscheiden was sie tut. Und… sie lässt sich doch eh nicht aufhalten, wenn sie sich was in den Kopf gesetzt hat.“ fügte Tom gelassen hinzu. Virgin schaute ihn dankbar an, er war sehr erleichtert nach diesen Worten und bestätigte sie mit einem trotzdem noch verlegenen „da könntest du wohl recht haben.“

Tom stand auf und machte sich mit einem Zwinkern in Annas Richtung auf den Weg zu Bruno. Auf der Treppe kam ihm Enrique entgegen, der wie ein Honigkuchenpferd grinste. "Was ist dir denn passiert?" fragte Tom skeptisch, immer noch die Worte Carlas und die Bilder von vor einigen Minuten im Kopf. Enrique lächelte ihn vielsagend an. "Wieso?" Tom zog die Augenbrauen hoch "Na, weil du aussiehst als hättest du gerade im Lotto gewonnen?" Enrique lachte. "Es gibt Dinge, die sind besser als jeder Lottogewinn." Tom beugte sich mit weiterhin fragendem Blick zu ihm. In seinem Innersten vernahm er ein leises Grummeln. "Und die wären?" "Tom, es gibt einfach faszininierende Frauen auf dieser Welt." schwärmte Enrique mit seligem Blick. Er schaute Tom an und nickte dann vielsagend in Annas Richtung, als wolle er seinem Freund auf etwas wichtiges hinweisen. Tom presste sich ein "Aha" raus, zeigte dann entschuldigend nach oben und ging schnell weiter. Das Grummeln war dabei zu einem Tosen zu werden. Also doch, dachte er verbittert. Und dann viel ihm ein, dass Anna ja nachts noch bei ihm war. Er lief nochmal zurück, er musste das jetzt einfach wissen. "Enrique? Wann genau hast du diese ... faszinierende Frau ... getroffen?" Enrique strahlte über beide Ohren. "Wir waren Tanzen und dann... haben wir die Nacht mit einander verbracht. ... Willst du noch mehr wissen?" er schaute etwas verwundert zu seinem Freund "Du weißt schon noch was so passiert, wenn man frisch verliebt ist?" Tom nickte langsam und bevor er noch etwas sagen konnte, war Enrique auch schon voller Elan davon gestürmt. Von Anna kann er also nicht gesprochen haben, die war nach dem Tanzen ja anderweitig beschäftig.Er atmete erleichtert auf Oh mein Gott, jetzt kümmere dich endlich um deine Zukunft, bevor du noch völlig durchdrehst, trat er sich selbst in den Hintern und lief die Treppe hoch. Vor der Tür, hinter der sein Vater weilte, blieb er noch mal kurz stehen und atmete tief durch. Er war sich unsicher, was er seinem Vater erzählen sollte. Am Besten sage ich ihm gleich die Wahrheit. Er durchschaut mich ja sowieso. Erneut dachte er an seine erste Liebe zurück. Er liest in mir wie in einem Buch, das hat sich seit damals nicht wirklich verändert. Das ist so ätzend. dachte er genervt. Er betrat schließlich entschlossen das Büro, um seine Nachricht kurz und bündig vorzutragen. Bruno schaute kurz auf, und widmete sich gleich wieder dem Schreiben das vor ihm lag. „Oh Tom. Guten Morgen! Gut das du kommst. Kannst du mir das hier mal übersetzen, ich versteh dieses Vertragszeugs einfach nicht,“ sagte er kopfschüttelnd, und hielt Tom das Schriftstück unter die Nase. Tom stand nervös da, nahm zögernd das Papier um es dann gleich wieder auf den Tisch zurück zu legen. Bruno folgte seiner Bewegung irritiert und musterte seinen Sohn genauer. Was ist denn mit dem los? Will er eine Beichte ablegen, oder warum ist er so nervös? „Was ist los?“ fragte er auffordernd. „Bruno, ich wollte dir nur sagen, dass ich ein paar Tage weg bin. Ich muss dringend etwas Privates erledigen“ sagte er, bemüht um eine sichere Stimme. Er schaute ihm bewusst in die Augen, wollte keine Schwäche erkennen lassen, denn er würde sich, nachdem er sich endlich dazu durchgerungen hatte, unter keinen Umständen von seiner Reise abbringen lassen. Aber Bruno lächelte ihn, entgegen der befürchteten Standpauke, dass er Lanford im Stich lassen wollte, wissend an. Er stand auf, nahm seinen völlig überraschten Sohn in den Arm und flüsterte mehr, als das er sprach, „Tom, nimm dir soviel Zeit wie du brauchst. Ich wünsch dir viel Glück.“ Er schlug ihm noch mal locker auf die Schulter und ergänzte. „Du bist auf dem richtigen Weg.“ Damit ließ er Tom stehen und widmete sich wieder seiner Arbeit. Tom stand wie angewachsen an Ort und Stelle und sah Bruno verwundert an. Da war es wieder, dieses Gefühl, dass sein Vater mehr wusste, als er selbst. Er schüttelte verwundert den Kopf und verabschiedete sich.

Zurück in seinem Büro, erledigte Tom schnell die noch ausstehende Bestellung und räumte seinen Schreibtisch auf. Er fühlte sich seltsam, als ob er sich von etwas verabschiedete, sich für etwas rüstete, er wusste es nicht genau, aber es war auch egal, er würde nicht länger verharren und abwarten, er würde endlich aktiv werden. Er schaute auf die Uhr. Passt. Ich muss los dachte er, nahm sein Telefon und bat Steffi ihm ein Taxi zu bestellen. Genau in diesem Augenblick betrat Carla sein Büro. Tom konnte es sich gerade so verkneifen die Augen zu verdrehen. Oh nein, das fehlt mir jetzt noch… Tom wusste, dass es nicht ganz fair von ihm war. Er wäre tatsächlich, ohne ein Wort an Carla, gegangen. Aber es ging einfach grad nicht anders. Er hatte Angst völlig die Kontrolle zu verlieren, spontan Dinge auszusprechen, die er später bereuen würde. Er wusste doch selbst noch nicht, was er tun wollte. Er wusste nur, dass er ein wenig Zeit und Ruhe brauchte um genau das heraus zu finden.
Tom gab Carla also einen flüchtigen Kuss und sagte „Guten Morgen, wie geht es dir?“ Carla ließ sich in einen seiner Sessel fallen und stöhnte auf. „Frag nicht, mein Kopf liegt wohl noch in deinem Bett. Aber ich habe eben eine Tablette geschluckt. Wird also...“ Tom nahm seine Jacke und seinen Koffer und gab Carla erneut einen kurzen Kuss. „Carla, tut mir leid, ich muss los.“ Damit wollte er das Büro verlassen, sich der Situation entziehen, aber da hatte er nicht mit Carla gerechnet. Sie musterte Tom irritiert und schaute dann auf den Koffer in seiner Hand Wo will er hin? Hab ich was verpasst? „Halt!“ sagte Carla bestimmt, „Was heißt du musst los? Wo willst du hin?“ Sie konnte sich daran erinnern, dass er was von einer Reise gesagt hatte, hat er es jetzt gar nicht mehr nötig, mir was zu erzählen? Spinnt der?. Carlas Kopfschmerzen waren, zumindest vorübergehend, wie weg geblasen. „Ich bin ein paar Tage weg. Ich meld mich wenn ich wieder da bin,“ versuchte Tom erneut sich kurz und schmerzlos aus dem Staub zu machen. Carla war fassungslos. „Wohin willst du denn, warum hast du mir nicht Bescheid gesagt? Ich hätte doch mitko…“ Harsch unterbrach er sie, „Nein Carla, es ist egal wo ich hin will. Und ich will auch nicht das du mitkommst.“ Tom griff erneut zur Türklinke, als Carla ihn, jetzt wirklich erbost, anschrie. „Ich bin deine Verlobte, da habe ich doch wohl das Recht zu erfahren, was du vorhast?“ Tom betrachtete sie einen Moment, und zwang sich zur Ruhe. „Ja Carla, du bist meine Verlobte, aber ich bin nicht dein Leibeigener.“ Damit ging er und ließ die vor Wut tobende Carla zurück.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 14 2012, 07:37

Wieder mal klasse geschrieben ... dein Schreibstil bleibt einzigartig & fantastisch.
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 14 2012, 08:06

Mein lieber Katha-Schatz,

Autsch, das hatte gesessen. Razz Arme Carla, ... fast könnte man ein wenig Mitleid mit ihr haben ... aber nur fast. Goldig fand ich den ersten Abschnitt. Konnte mir wirklich wunderbar vorstellen, wie Paule Tom mit seiner ersten großen Liebe aufgezogen hat. Tja, kleine Schwestern können auch manchmal richtige kleine Biester sein. Und dann die kleine Chose zwischen Virgin, Anna und Tom. Ich musste mir auf die Zunge beißen, um nicht laut loszulachen. Der arme Kerl, der stirbt nochmal an einem Herzinfarkt. Und dann Bruno, nun gut ... der Mann ist einfach ein Hellseher ... oder schlicht gesagt, er kennt seinen Sohn. Und seine Gefühle vermag Tom dann wohl doch nicht so gut zu verbergen, wie er es glaubt.

Hach, einfach wieder mal ein Genuss, diese Zeilen zu lesen. Und auch wenn ich die Story kenne, ich bin trotzdem neugierig, wie es weitergeht ... Wink

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 14 2012, 20:33

Lizzy schrieb:
Wieder mal klasse geschrieben ... dein Schreibstil bleibt einzigartig & fantastisch.
Danke für dein Lob Embarassed

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 14 2012, 20:48

Mini_2010 schrieb:
Mein lieber Katha-Schatz,

Autsch, das hatte gesessen. Razz Arme Carla, ...

Tja, kleine Schwestern können auch manchmal richtige kleine Biester sein.

Der arme Kerl, der stirbt nochmal an einem Herzinfarkt.

Und seine Gefühle vermag Tom dann wohl doch nicht so gut zu verbergen, wie er es glaubt.

Hach, einfach wieder mal ein Genuss, diese Zeilen zu lesen. Und auch wenn ich die Story kenne, ich bin trotzdem neugierig, wie es weitergeht ... Wink

LG, Mini Wink

Na ja, mein Mitleid mit Carla hält sich doch sehr in Grenzen. Aber noch ist ja nicht alles aus. Tom ist ja nur auf zu einer Reise... Wink

Das mit den kleinen Schwestern muss ich doch hier mal ganz klar ablehnen. Die kleinen Schwestern sind immer die Armen, nicht umgekehrt. (woher die Meinung wohl kommt Wink)

Das wäre wirklich sehr traurig, wenn Virgin zu schaden käme. Aber ich persönlich glaube ja, dass er entweder hyperventiliert oder aber das Atmen vergisst, bevor er umfällt. Käme allerdings alle auf das Gleiche raus.

Manchmal sagt eben auch das Unausgesprochene genug...

Und die Fortsetzung erfolgt natürlich so schnell wie geht. Allerdings habe ich da erst noch eine andere Aufgabe zu erfüllen. Da wird ja auch ganz gespannt gewartet. (so hoffe ich silent)

Danke meine liebste Mini, für diesen umfänglichen Kommi. Ich finde es toll, wenn du dich so umfangreich äußerst. Hihi
Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 15 2012, 08:21

katha schrieb:
Mini_2010 schrieb:
Mein lieber Katha-Schatz,

Autsch, das hatte gesessen. Razz Arme Carla, ...

Tja, kleine Schwestern können auch manchmal richtige kleine Biester sein.

Der arme Kerl, der stirbt nochmal an einem Herzinfarkt.

Und seine Gefühle vermag Tom dann wohl doch nicht so gut zu verbergen, wie er es glaubt.

Hach, einfach wieder mal ein Genuss, diese Zeilen zu lesen. Und auch wenn ich die Story kenne, ich bin trotzdem neugierig, wie es weitergeht ... Wink

LG, Mini Wink


Das mit den kleinen Schwestern muss ich doch hier mal ganz klar ablehnen. Die kleinen Schwestern sind immer die Armen, nicht umgekehrt. (woher die Meinung wohl kommt Wink)


Das kann ich ja mal gar nicht so unterschreiben. Kleine Schwestern sind kleine Biester. Glaub mir, ich habe genug davon ... und ebenso viel Erfahrung damit. Aber bei dir ist es vermutlich genau andersrum Rolling Eyes Razz

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AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"
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