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 AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"

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katha

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BeitragThema: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Jul 20 2012, 23:31

das Eingangsposting lautete :

Hallo,
diese FF habe ich bereits einmal in einem anderen Forum eingestellt, so dass sie vielleicht beim dem ein oder anderen bereits bekannt ist. Aber ich denke, sie passt gut in den Reigen, der hier aufgeführten FFs und ich freue mich, sie hier (sprachlich ein wenig überarbeitet) noch einmal zu posten.

Vorlauf
Der Titel sagt bereits worum es geht. "Anna und die Liebe" hat uns mit Anna und Tom bekannt gemacht, die es beide in der Vergangenheit schwer getroffen hat. Tom hat seine große Liebe Fanni vor einigen Jahren bei einem Unfall verloren und nun trifft er auf Anna, die nach dem Unfalltod ihres Mannes, völlig am Ende ihrer Kräfte, auf dem Dach eines Hochhauses steht, um sich das Leben zu nehmen. Die Beiden erleben einen Moment des Einvernehmens, der sie fesselt und Anna letztlich von ihrem Plan abbringt.
Danach laufen ihre Wege in die gleiche Richtung. Zumindest verlieren sich Anna und Tom nicht mehr aus den Augen. Nach einigen ereignisreichen Monaten, in den es viel Verwirrungen, Missverständnisse, Streit aber eben auch immer wieder einvernehmlich vertraute Moment zwischen Beiden gibt, passiert es schließlich. Tom und Anna verbringen eine wunderbare Nacht mit einander. Die Folge ist, dass Tom Anna sitzen läßt und versucht sie weit von sich zu schieben. Er will sich nicht auf sie einlassen, nicht auf seine Gefühle einlassen, da er Angst hat erneut einen Verlust erleiden zu müssen. Also beschließt er sich hinter einem geregelten Leben mit einer anderen Frau zu verstecken. Carla. Tom fragt Carla, Annas größte Widersacherin, sowohl privat als auch beruflich, ob sie seine Frau wird und diese sieht sich endlich an dem Ziel ihrer Träume angekommen. Für Anna jedoch bricht eine Welt zusammen. Tom bietet ihr einen Aufhebungsvertrag an um sie aus seinem Dunstkreis zu vertreiben. Denn insgeheim weiß er nicht nur wie sehr er Anna mit seiner Entscheidung verletzt hat, sondern auch, wie schwer es ihm fallen würde, sie weiterhin in seiner Nähe ertragen zu müssen. Es scheint also, als würden sich ihre Wege hier trennen...

Einstieg in die Geschichte:

Meine Story beginnt, nachdem Carla die Verlobung mit Tom bei Lanford öffentlich bekannt gegeben hat. Anna ist verzweifelt aus dem Atelier geflohen und auf das Dach gestiegen, auf dem sie Tom das erste Mal begegnet ist. Dem Dach, das ihr gemeinsamer Ort ist. Tom ist Anna gefolgt, und hat ihr gerade gesagt, dass er ihr einen Aufhebungsvertrag anbietet.
******************************************

Teil 1

Anna brauchte einige Zeit um zu realisieren, was Tom ihr da gerade gesagt hatte. Ich bedeute ihm was? Und, er weiß wie sehr er mich verletzt hat, dass ich nicht lache. Dieser Arsch, er ist doch zu mir gekommen, er hat mich geküsst, und jetzt… heiratet er Carla. …Das ist noch das Schlimmste. Diese unterkühlte, intrigante Kuh. Ich kenne keinen Menschen, der gehässiger ist als sie. Sie wendete endlich den Blick ab, der immer noch auf den Treppeneingang gerichtet war, in dem Tom vor einiger Zeit verschwunden war.
Wie soll ich das nur aushalten? Ich muss noch ein halbes Jahr bleiben. Das wird die Hölle. Langsam machte auch sie sich auf den Weg zum Treppenhaus. Sie hatte Paloma versprochen gleich wieder ins Atelier zu kommen. Annas Schritte waren schleppend, wie ihre Gedanken und Gefühle. Sie schwankte zwischen Traurigkeit, Wut und Verzweiflung. Jeder Schritt zurück ins Atelier kostete sie unendliche Überwindung.

Als sich die Aufzugtür öffnete, hoffte Anna nur, dass sie nicht allzu vielen Kollegen über den Weg laufen würde. Vor allem nicht Carla oder Tom. Sie steuerte direkt auf ihren Schreibtisch zu. Ein Umschlag lag auf ihrem Tisch. Erst jetzt fiel ihr wieder ein, was wahrscheinlich der eigentliche Grund für Toms Auftritt auf dem Dach war. Der Aufhebungsvertrag, den er ihr anbot. Zu gütig dachte sie „Eine halbe Millionen, soviel bin ich dir also wert. Da wirst du die Nacht sicherlich noch länger verteufeln. War ganz schön teuer“ zischte sie vor sich hin. Auch wenn Tom es ihr, oder vielleicht doch eher sich selbst, mit diesem Vertrag leichter machen wollte; er erniedrigte sie.
Eigentlich bin ich ja kein Typ, der sich kaufen lässt, aber weiterhin her kommen und dem jungen Glück beim Turteln zusehen,... Carlas hämisches Grinsen ertragen müssen, …und Tom jeden Tag sehen „Scheiße" entfuhr es ihr und in Gedanken fügte sie hinzu, Ich liebe ihn doch.

Anna schaute kurz in Toms Büro, in der eine hitzige Diskussion zwischen Vater und Sohn zu beobachten war. Ob es da wohl um mich geht? Bruno ist sicherlich nicht erbaut, dass ich gehe… Gehe ich wirklich? Ich arbeite doch gerne für Bruno, gerne für Lanford, und jetzt… Es war ein heilloses Durcheinander in ihrem Kopf.
Als sie aus dem Augenwinkel sah, dass Carla auf sie zu steuerte, nahm Anna ihre Tasche und den Umschlag mit dem Vertrag und ging geradewegs zum Aufzug. „Anna, ich wollte gerade mit ihnen über das Brautkleid sprechen“ hörte sie noch, als sie auch schon in den Aufzug trat, der sich Gott sei dank direkt geöffnet hatte. Gut das ich der noch entkommen konnte. Wahrscheinlich hätte ich sie in meiner Verfassung erwürgt, ... Na ja, dann wäre ich wenigsten ein Problem los gewesen, …hätte mich aber wohl auch nicht weiter gebracht, dachte sie und lehnte sich müde an die Wand.
---------------

Tom und Bruno sprachen natürlich über Anna. Bruno schätzte ihre Arbeit und außerdem hatte er einen 7. Sinn wenn es darum ging seinen Sohn zu durchschauen. Und er war sich sicher den Grund für Toms Angebot zu kennen. "Warum lässt du Anna gehen? Wir brauchen sie hier. Sie ist gut!" fragte Bruno Tom verärgert. Tom wusste, dass er recht hatte. Aber es darf nicht sein, was nicht sein darf. Ich kann sie hier nicht täglich sehen dachte er, mit aller Macht an seiner Entscheidung fest haltend. "Und Carla? Du bist sicher, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast?" kam eine weitere unangenehme Frage bei Tom an. "Ja natürlich, ich liebe Carla." versuchte er Bruno, oder vielleicht auch sich selbst zu überzeugen. Bruno beobachtete ihn eine zeitlang und schaute ihn nur abschätzig an. "Ja genau. …Hauptsache du kannst dir bei deinen Lügen noch selbst in die Augen sehen." brummte Bruno und verließ das Büro.
Was denkt der sich eigentlich? Er hat doch schließlich eine Entscheidung von mir verlangt.Toms Blick wanderte suchen zu Annas verwaistem Schreibtisch. Er spürte, bei dem Gedanken, dass sie dort vielleicht nie wieder sitzen würde, einen Stich in seinem Herzen. Er wusste ,dass Bruno recht hatte. Es war eine Lüge. Aber ich kann das nicht zulassen. Ich kann Fanni nicht verraten, und ich will nicht noch mal so verletzlich sein. Er drehte sich entschlossen um. Hoffentlich geht sie auch wirklich, sonst..., nein verdammt, ich habe mich entschieden, und basta.

Als Anna in die Goldelse kam, schaute ihre Mutter sie verwundert an. „Du bist ja heute so früh? Ist alles in Ordnung?“ Anna hatte keine Lust auf Smalltalk und so sagte sie nur schnell. „Ja, alles gut. Ich bin einfach nur total müde. Ich geh hoch.“ In ihrem Zimmer angekommen, setzte sie sich in ihren Sessel am Fenster. Sie ließ die letzten Tage Revue passieren. Einen kurzen Moment stiegen die Bilder der gemeinsamen Nacht mit Tom in ihr auf. Sie verstand es einfach nicht. Wie kann man nur in so kurzer Zeit so glücklich und so verzweifelt zugleich sein? fragte sie sich, Na ja, wer hoch steigt, kann auch tief fallen. Ich sollte mich einfach von allen Männern fern halten. Sie bringen mir scheinbar kein Glück dachte sie deprimiert. Ihre Wut war auf einmal einer tiefen Leere gewichen, die sie umhüllte. Sie saß einfach da und starrte vor sich hin. Keine Gedanken, keine Gefühle mehr. Ihr war es recht.
Irgendwann klopfte es an der Zimmertür, und sie sagte herein. Anna blieb sitzen und dachte gar nicht darüber nach, wen sie wohl herein gebeten hatte. Sie schaute verwundert nach draußen. Sie nahm erst jetzt wahr, dass scheinbar viel Zeit vergangen war, denn die Straßen, auf die sie immer noch schaute, lagen mittlerweile im Licht der Dämmerung. Als sie plötzlich eine wohlbekannte Stimme ihren Namen sagen hörte, sprang sie erschrocken auf.


Zuletzt von katha am Sa Feb 09 2013, 21:12 bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 15 2012, 20:04

gut erkannt meine liebe Mini 👅

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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 16 2012, 23:44

"18"

Carla stand erstarrt in Toms Büro und schaute ihm hinterher. Sie sah wie er kurz zu Steffi an den Empfang ging und ihr etwas sagte. Dann schaute er noch mal durch das Atelier und stoppte seinen Blick für einen Moment, als er in Annas Richtung sah. Anschließend drehte er sich um und verschwand im Aufzug. Carla ließ sich erneut in den Sessel fallen und schloss die Augen. Unmittelbar waren die Folgen des letzten Abends wieder spürbar. Ihr Kopf dröhnte, ihr Magen war ziemlich flau und zusätzlich tobten in ihr jetzt noch die wilden Flammen des Zorns. Sie fühlte sich schrecklich. Was ist denn in den gefahren? Seit wir uns verlobt haben, lässt er mich links liegen. Und jetzt das? So mies bin ich ja noch nie behandelt worden. dachte sie aufgebracht und sprang wie von der Tarantel gestochen wieder auf. Wie ein Tiger in seinem viel zu kleinen Käfig lief sie in Toms Büro auf und ab und überlegte, was sie tun könnte um zu erfahren was er vor hatte, um sich besser zu fühlen. Aber sie fand keine Lösungen, wusste nicht wohin mit sich. Sie hatte das Gefühl dringend Dampf ablassen zu müssen um nicht zu explodieren wie ein zu heiß gewordener Motor und als ihr Blick auf Anna viel, wusste sie auch, bei wem sie das tun würde. Sie verließ das Büro und marschierte auf direktem Weg zu ihr.
Diese saß an ihrem Schreibtisch und zeichnete eifrig. Kurz zuvor hatte sie gesehen wie Tom sich mit Carla gestritten hatte, ehe er mit einem Koffer Richtung Ausgang gegangen war. Sie hatte sich gefragt wo er wohl hin wolle, als er sich nochmal kurz zu ihr drehte. Einen kurzen Moment verweilten seine ernsten Augen in ihren, aber mit ihrem Versuch etwas in ihnen zu lesen, war sie kläglich gescheitert. Unmittelbar hatte sich das nagende Gefühl der Enttäuschung in ihr eingestellt, dass er scheinbar verreisen wollte, und sich in keinster Weise verabschiedet hatte. Aber schnell war ihre innere Stimme aktiv geworden um ihre Gedanken mit einem deutlichen Anna hör auf. zu stoppen. Was sollte er auch für einen Grund haben sich bei ihr abzumelden.

Als sie Carla auf sich zukommen sah, verdrehte Anna genervt die Augen. „Guten Morgen Anna!“ vernahm sie da auch schon die ’liebliche‘ Stimme ihrer Erzfeindin. Carla konnte Annas Anblick, ihre Anwesenheit, kaum ertragen. Scheinbar kommt sie gut voran. Warum wirkt diese dumme Kuh so … so ausgeglichen? fragte sie sich voller Zorn. „Guten Morgen Carla, geht es ihnen gut?“ Carla funkelte Anna an. „Warum fragen sie das?“ Sie hatte völlig vergessen, wer sie nachts zuvor in Toms Wohnung abgeliefert hatte. „Na ja, heute Nacht ging es ihnen eher bescheiden und nach meiner Erfahrung ist der Tag danach meist nicht so toll,“ konnte Anna sich eine Spitze nicht verkneifen. Carla fühlte sich ertappt, was ihren Zorn noch weiter steigerte. Ausgerechnet dieses Blondchen musste Virgin bitten um mich nach Hause zu bringen. Dieser elende Verräter. „Ja, alles gut. Vielleicht vertragen sie einfach keinen Alkohol und spüren deshalb mehr Nachwirkungen“ schoss sie zurück. Sie würde sich doch vor Anna keine Blöße geben. „Wie läuft´s mit ihren Entwürfen. Zeigen sie mal her!“ versuchte sie selbstsicher das Thema zu wechseln. Anna, die sich heimlich daran erfreute, wie Carla sich bemühen musste um ihr Gesicht nicht zu verlieren, schaute sie nun erstaunt an. „Warum sollte ich das tun? Ich werde die Entwürfe meiner Kollektion mit Bruno besprechen. Kümmern sie sich doch einfach um ihre eigene Linie.“ Carla wurde bewusst, dass Anna ihr ja tatsächlich nicht mehr unterstellt war. Sie fluchte innerlich vor sich hin und war damit so beschäftigt, dass sie ihre weiteren Worte nicht sehr sorgsam wählte. sie zischte die Blondine an. „Wissen sie wo Tom hin will?“ Anna schaute völlig ahnungslos, wusste sie doch tatsächlich nicht wo er hinwollte, musste innerlich allerdings wieder grinsen. Daher weht der Wind. Von Carla hat er sich wohl auch nicht wirklich verabschiedet. Sie musterte Carla eingehend. Diese sah aus, als ob sie auf eine Zitrone gebissen hätte, und mit ihrer Frage und ihrer augenscheinlichen Verfassung bot sie eine Vorlage, die Anna einfach nutzen musste. „Sind sie nicht seine Verlobte? Sollten sie da nicht am ehesten wissen wo er hingeht?“ Carla drehte sich abrupt um. Sie kochte innerlich, aber selbst sie hatte gemerkt, dass sie bei dieser Begegnung verloren hatte.

Sie ging zu ihrem Zeichentisch um zu überlegen was sie tun könnte. Sie konnte es doch nicht einfach auf sich sitzen lassen, dass er sie so hatte stehen lassen. Sie musste einfach wissen wo er hin wollte und was er vor hatte. Ihre Wut, die sie kaum noch im Griff hatte, richtete sich gedanklich natürlich gegen Anna, obwohl diese ja hier saß und arbeitete.
Wer könnte ihr was sagen? Sie überlegte. Bruno! viel es ihr ein. Er wird doch wohl wissen, wo er hin ist. Sie machte sich sofort auf den Weg zu Nataschas Büro, wo sie ihn vermutete. Vor dem Treppeaufgang kam ihr Virgin entgegen. „Guten Morgen, geht es dir gut?“ flötete er ihr erfreut entgegen. „Schon wieder diese dämliche Frage. Warum sollte es mir nicht gut gehen?“ fauchte Carla. Virgin schaute sie mit hochgezogenen Augenbrauen an und strich sich langsam sein Pony auf die Seite. „Weil du gestern ziemlich viel getrunken hast. …“ „Na und? Deshalb kann es mir doch gut gehen?“ antwortete sie unwirsch. „Und, wie kommst du eigentlich dazu mich von der Broda nach Hause bringen zu lassen, du weißt wie sehr ich dieses Flittchen hasse.“ Virgin wurde langsam wütend. Er fand das hatte er nicht verdient. Schließlich hatte sie ihm den Abend verdorben und er hatte sie retten müssen. Und nur, weil sie sich voll laufen lassen musste. „Vielleicht, weil sonst keiner da war, der mir helfen konnte. Du solltest ihr dankbar sein. Sonst hätte ich dich nämlich in der Gosse liegen lassen müssen.“ Und mit einem „Tse, statt dankbar zu sein, auch noch so was!...“ warf er seinen Kopf in den Nacken und wollte davon marschieren. „Ach Virgin, ist Bruno oben?“ hörte er Carla hinter sich. Er drehte sich nochmal um und betrachtete sie wütend. „Ja, aber den würde ich jetzt besser nicht stören, der hat gleich einen Termin.“ Carla schnaubte nur genervt und ging weiter.
Ohne viel Aufhebens platzte sie in Nataschas Büro. „Bruno, weißt du wo Tom hin will?“ Bruno saß am Tisch und hob nun langsam seinen Kopf. Er konnte solche Unhöflichkeit überhaupt nicht leiden. Sein Blick schaute sie strafend an. „Guten Morgen!“ sagte er betont freundlich und überlegte kurz ob er sie gleich wieder raus schmeißen sollte. Er hat ihr nichts gesagt? Offensichtlich meint er es dieses Mal ernst… Diese Situation berücksichtigend, ließ er Carla ihren Auftritt durchgehen. „Ich kann dir nicht sagen, wo Tom hin will. Ich weiß nur, dass er einige Tage weg sein wird. Hat er dir nichts gesagt?“ Carla verzog das Gesicht. Schon wieder bloß gestellt. Verdammt. Dieser Idiot ärgerte sie sich, dass sie es nicht geschickter angestellt hatte zu fragen. Aber jetzt war es eh egal. „Nein, hat er nicht. Er meint, er wäre mir keine Rechenschaft schuldig“ antwortete sie verbissen. Bruno sah sie verwundert an. „Tut mir leid, mehr weiß ich auch nicht. … Ach Carla, ich möchte heute Nachmittag die ersten Entwürfe sehen. Sagen wir um halb fünf?“ Carla war schon halb aus dem Büro, als Bruno diesen Zusatz brachte. Sie nickte ihm zu und verschwand. So ein Mist, wie soll ich das denn schaffen? Ich habe noch nichts und ich fühle mich als ob ich von einem Bus überfahren worden wäre. Das wird ja sicherlich ein Erfolg dachte sie selbstironisch. Sie wusste, dass sie keine andere Wahl hatte, als Tom Tom sein zu lassen und sich an die Arbeit zu machen. „Idiot“ fauchte sie noch einmal vor sich hin, bevor sie sich an ihren Tisch setzte.
---------------

Tom war in der Zwischenzeit am Flughafen angekommen und hatte eingecheckt. Bis zum Aufruf hatte er noch Zeit und so besorgte er sich einen Kaffee. Er suchte sich einen Platz, abseits des größten Trubels und setzte sich müde auf eine Stuhl. Ob mein Körper den Kaffeekonsum aushält? Der wievielte Tasse ist das heute? Egal,… ob ich Anna eine Nachricht schicken sollte? Schließlich ist sie Schuld, dass ich mich auf diese Reise begebe. … Quatsch, sie wird schon merken, dass ich weg bin und den Grund habe ich nicht einmal Carla genannt. ‘Meiner Verlobten’. Die letzten Worte hallten in Toms Kopf nach ’Verlobte‘, es hörte sich so unwirklich an. Warum habe ich mich nur mit ihr verlobt? fragte er sich zum x-ten Mal. Ich habe doch immer betont, dass es Spaß ist, was uns verbindet, und dass ich bestimmt nicht noch einmal heiraten werde. Und dann mach ich so was. … Anna hat mich dazu gebracht aus diesem Spaß Ernst zu machen. Und jetzt? Werde ich zu meinem Wort stehen? Er schüttelte hilflos den Kopf.
Jede Menge Menschen liefen an ihm vorbei und Tom beobachtete sie. Geschäftsleute, BagPacker, Familien, Paare. Menschen mit unterschiedlichsten Motiven hier zu sein. Und mit unterschiedlichsten Erwartungen, wohin sie der Flug bringen würde. Wohin bringt mich das Ganze? Wird mich mein Vorhaben zurück bringen? Zurück zu mir? Und was bedeutet das dann? Er verdrängte die Gedanken und verschob sie auf später. Der zweite Aufruf seines Fluges, war bereits erfolgt und die meisten Reisenden schon in der Gangway verschwunden. Er folgte ihnen. Nach dem Start forderte die anstrengende Nacht seinen Tribut und er schlief trotz seines hohen Koffeingehalts im Blut sogleich ein. Als er knapp zwei Stunden später wieder erwachte fühlte er sich ein wenig besser.
Er schaute aus dem Fenster und betrachtete fasziniert die Wolken, die sich wie weiße Wattebäusche im blauen Himmel verteilten und mit der Sonne lustige Licht- und Schattenspiele spielten. Hier oben wirkt alles so fern, dachte er. Wir sind doch alle nur kleine Lichter mit kleinen Problemen. Warum machen wir uns so verrückt? Eigentlich geht es uns doch super. ... Ja, eigentlich. ... Aber warum fühlt es sich dann so beschissen an, das Leben? sinnierte er vor sich hin. Er fragte sich unweigerlich ob er das richtige tat, ob es wirklich nötig war, sich selbst so wichtig zu nehmen. Aber letztlich kam er zu dem Schluss und bestätigte sich selbst damit sein Handeln, dass es genau darum ging. Um das eigene Leben und wie man es leben wollte, schließlich hatte man ja nur das eine.
Der Pilot kündigte den Landeanflug an und die Wattebäusche verschwanden aus Toms Blickfeld. Stattdessen kam das Blau des Meeres immer näher und in Toms Bauch machte sich ein flaues Gefühl breit. Er spürte wie sich das Flugzeug zur Seite neigte und in einer Kurve auf die Insel zuflog, die kurz zuvor zu seiner Rechten aufgetaucht war. Während des Anflugs schaute Tom auf eine wunderschöne Küstenlandschaft, die sich durch ihre Steilhänge, schroffen Klippen und kleine Buchten auszeichnete, und ihn in den Bann zog. Vor der Küste konnte Tom kleine Schiffe erkennen und er merkte wie seine inner Anspannung beim Anblick dieser Szenerie unweigerlich anstieg. Wie durch ein Signal gerufen, wurde die Vergangenheit zum Hauptthema seiner Gedanken.
Seit des Segelunfalls vor vier Jahren war er dem Wasser fern geblieben. Davor, früher, hatte er das Meer geliebt. Und Fanni? Wasser war ihr Element. Sie war Leistungsschwimmerin mit Leib und Seele, … war wie ein Fisch im Wasser gewesen. Jeden Urlaub hatten sie am Wasser verbracht. Gemeinsam waren sie surfen, schwimmen, segeln gegangen. Es war ihre gemeinsame Leidenschaft. Das Fanni ihr Leben ausgerechnet im Wasser verloren hatte, war einfach eine böse Ironie des Schicksals.
Tom verdrängte weitere Gedanken und konzentrierte sich auf die Gegenwart um seiner steigenden Nervosität Einhalt zu gebieten. Er war entschlossen sich seiner Vergangenheit zu stellen und trotz seiner Angst, was ihn an diesem Ort erwarten würde, war er voller Hoffnung nun endlich den für ihn richtigen Weg zu finden, der ihn wieder leben lassen würde.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Aug 17 2012, 08:28

Hach, was für ein Genuss am Morgen. Carla ist ja mal zu göttlich ... Doofe Kuh, hat sie voll verdient, sich so zum Eimer zu machen. Und Tom, nun endlich auf den Spuren der Vergangenheit. Ich liebe deine Texte, meine Liebe, und ich freue mich, wenn ich bald den nächsten Teil verschlingen kann ... LG, Mini Smile

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ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Aug 17 2012, 11:42

Ich schliesse mich mal Mini an Smile freue mich wenn es weiter geht.
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Aug 17 2012, 20:46

Mini_2010 schrieb:
Hach, was für ein Genuss am Morgen. (...) Ich liebe deine Texte, meine Liebe, und ich freue mich, wenn ich bald den nächsten Teil verschlingen kann ... LG, Mini Smile

Lizzy schrieb:
Ich schliesse mich mal Mini an Smile freue mich wenn es weiter geht.

Das ist schön zu lesen:)
Und hier geht das ja relativ schnell mit dem einstellen. Allerdings ist es dann auch umso schneller vorbei Sad
LG Katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   So Aug 19 2012, 14:41

So, jetzt habe ich mich endlich durch deine ganze Geschichte gelesen und ich bin beeindruckt. Deine Ideen, deine Worte, einfach beeindruckend...große Klasse Smile Smile
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Aug 20 2012, 20:45

Tastentante schrieb:
So, jetzt habe ich mich endlich durch deine ganze Geschichte gelesen und ich bin beeindruckt. Deine Ideen, deine Worte, einfach beeindruckend...große Klasse Smile Smile
Da sag ich doch nur: "Lieben dank für die Blumen..." Wink

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 21 2012, 17:48

Da habe ich noch geschrieben, dass es hier ja ein wenig schneller geht einen neuen Teil zu posten und dann lass ich euch so lange warten. Sorry Embarassed
Aber jetzt kommt schon mal ein kurzer nächster Teil...
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"19"


Anna war über Carlas Auftritt sehr verwundert, schließlich lieferte diese nur selten solche Vorlagen, dass sie das Schlachtfeld mit einer Niederlage räumen musste, und auch ihr Abgang in Richtung Treppe hatte nichts mit Eleganz zu tun gehabt. Anna schüttelte amüsiert den Kopf, als sie ihr hinter her sah und feststellte, dass sie scheinbar auch Virgin mit ihren Worten nicht treffen konnte, sondern einfach stehen gelassen wurde. Sie stand auf und ging zur Sushibar um einen Tee zu trinken. Sie setzte sich an die Theke und sinnierte vor sich hin.
Tom ist also gegangen, aber das war ja nichts Neues, schließlich hatte sie ihn selbst beobachtet als er das Atelier verließ. Was bedeutet das bloß, dass er abhaut ohne sich von irgend jemandem zu verabschieden? fragte sie sich und unweigerlich wollte ihr Gehirn ihr weiß machen, dass es bestimmt was mit ihr zu tun hatte. Sie hätte zu gerne gehört, was er zu Carla gesagt hatte, dass sie so fassungslos war. Trotz des offensichtlichen Streitgesprächs war er völlig ruhig geblieben, was ja eigentlich nicht unbedingt seiner Art entsprach. Er sprang doch gerne mal im Sechseck, wie Anna aus eigener Erfahrung wusste. Anna hatte schmunzeln müssen. Die Beiden hatten nicht wirklich den Eindruck eines glücklichen, frisch verlobten Paares vermittelt. Aber wenn sie das wären, hätte er mir gestern vermutlich auch nicht so lange zugehört und mich getröstet. … Und vor allem, hätte er wohl kaum wissen wollen, von wem Jonas damals gesprochen hat. Das hätte ihm doch total egal sein können. Anna hatte sich seit dem gestrigen Nachmittag schon unzählige Male gefragt, ob es wirklich gut war ihm die ganze Wahrheit zu erzählen. Aber, ich habe doch nichts zu verlieren. Ich habe ihm erst vor einigen Tagen gesagt, dass ich mich in ihn verliebt habe. Und nackter als nackt kann ich mich schließlich nicht vor ihm ausziehen … Man Anna, hör auf damit! wies sie sich selbst zurecht. Tom hat sich für Carla entschieden. Er will sie heiraten. Egal wie vertraut wir uns sind. Wir hatten halt einen besonderen Moment zusammen, aber das war es auch schon...
Anna war froh, als sie Paloma auf sich zukommen sah und somit ihre Gedanken, die irgendwie ein Eigenleben zu entwickeln schienen, beiseite schieben konnte. „Sag mal, kannst du mir sagen wo ich Tom finde? Ich brauche dringend ein paar Unterschriften von ihm.“ Paloma zeigte genervt auf ihre Dokumentenmappe, die sie in der Hand hielt. „Nee, keine Ahnung. Er ist vor einiger Zeit gegangen, aber wohin...?“ Sie zuckte unwissend die Schultern. Dann zog sie Paloma zu sich und flüsterte „Tom hatte einen Koffer dabei und Carla fragt mich, wo er hin will. Ist das nicht interessant?“ grinste sie vielsagend. „Anna Broda? Gibt es da was, das du erzählen willst?“ fragte Paloma mit neugierigem Blick. „Los schieß los!“ Anna schüttelte den Kopf „Erst wenn ich alle schmutzigen Einzelheiten von Enrique und dir gehört habe.“ Paloma lächelte von einem Ohr zum anderen. „Es war wunderbar. … " platzte es auch sofort aus der Spanierin heraus, die scheinbar nur darauf gewartet hatte, ihr Glück teilen zu können. "Anna … ich bin total verliebt. Und ich glaube er auch.“ Sie strahlte mit leichter Verwirrung in den Augen und Anna schenkte ihr ein herzliches Lächeln, denn sie freute sich wirklich für ihre beste Freundin.
Während sich die Beiden über Männer im Allgemeinen und Enrique im Besonderen unterhielten, kam Virgin auf sie zugeschwebt. „Anna, gut dass du das bist. Ich soll dir von Bruno sagen, dass er heute um vier die ersten Entwürfe von dir auf dem Tisch haben will.“ Er sah sie mit einem Blick an, der keinen Widerspruch zuließ. „Um vier schon?“ sie schaute erschrocken auf die Uhr. „Hast du etwa noch nichts?“ fragte Virgin erschrocken bei ihrer Reaktion und zog seinen Fächer hervor um sich nervös ein weng Luft zuzuwedeln. Er schaute kurz zwische Anna und Carla hin und her und jammerte dann in leidendem Ton „Unsere besten Designerinnen. Und beide bekommen nichts aufs Papier. …Ihr werdet Bruno in die Krise stürzen, ich weiß es… und dann bekommt er bestimmt eine Migräne, der Arme.“ Virgin sah Anna und Paloma völlig entsetzt und mit Mitleid getränkten Augen an. Mitleid für Bruno, versteht sich. Anna berührte seine Verzweiflung wenig, ganz im Gegenteil machte sie sich noch einen Spaß daraus Virgin erneut ein wenig aufzuziehen. „Ach Virgin, weißt du, wenn ich meinen Schlaf nicht bekomme, habe ich halt immer so Probleme mich zu konzentrieren.“ Virgin trat, getroffen von ihren Worten, die ihm die Schuld an der Misere unterstellten die seinen geliebten Chef ins Elend stürzen würde, unruhig auf der Stelle und Anna erlöste ihn lachend. „Keine Sorge Virgin. Ich habe schon ein paar Entwürfe fertig und mir bleiben ja noch ein paar Stunden.“ Virgin schob die Unterlippe vor und verzog sich schließlich mit einem kurzen beleidigten Blick und einem schnippischen „Dann ist es ja gut.“ Paloma schaute ihm hinterher und runzelte die Stirn. „Was war das denn? War gestern noch was los?“ Anna nickte und erzählte die Kurzvision der gestrigen Nacht, ohne jedoch den Kuss zu erwähnen. Paloma war so froh gewesen, als sie ihr berichtet hatte, dass sie sich nicht mehr von Tom irritieren lassen wollte, dass sie es nicht fertig brachte, ihr von der erneuten Annäherung zwischen Tom und ihr zu erzählen.
Carla saß derweil an ihrem Schreibtisch und beobachtete die tuschelnden Freundinnen heimlich, und ihr Zorn entflammte erneut, da sie sich sicher war, dass Anna ihr Busenfreundin gerade brühwarm erzählte, was sich in der letzten Nacht zugetragen hatte.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 21 2012, 21:13

1000 mal Toll Smile freu mich schon auf den nächsten Teil Wink
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katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 21 2012, 21:33

Lizzy schrieb:
1000 mal Toll Smile freu mich schon auf den nächsten Teil Wink

Juchuu, 1000 mal Danke Wink

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Di Aug 21 2012, 22:59

Als Entschädigung für die lange Wartezeit 👅

"20"


Das Transfer-Taxi hielt vor einem typisch sardischen Haus. Tom stieg aus, nahm seinen Koffer in Empfang und trat mit gemischten Gefühlen an die Rezeption der Hotelanlage. Trotz der herzlichen Begrüßung in seinem gewählten Urlaubsdomizil, war er wortkarg und nicht besonders freundlich, was aber daher rührte, dass er damit beschäftigt war seine aufsteigende Angst zu bekämpfen. Als die Rezeptionistin eine junge Dame herbei winkte, die ihn zu seinem Appartement begleiten wollte, lehnte er das Angebot schnell ab. Er nahm ihr den Schlüssel aus der Hand und erklärte, dass er den Weg alleine finden würde. Nach einer kurzen Rückfrage, ob man ihm eine Kleinigkeit zu essen besorgt hätte, nahm er den Koffer in die Hand und verließ eilig das Haus. Tom betrat zögerlich ein parkähnliches, wunderschönes Gelände. Die Sonne schien auf grüne Wiese, die von kleinen Fichten-Hainen unterbrochen wurde und dazwischen standen, wie wahllos hinein gestreut, vereinzelt kleine Appartement-Häuser. Er blieb einen Moment stehen und sah sich um. Ja, genau so hatte er es in Erinnerung. Ein kleines Paradies, was ihn aber gerade nicht wirklich berühren konnte. Er sah sich suchend um und erblickte das Häuschen, das sein Ziel darstellte. Seine Angst erreichte die nächste Stufe und er versuchte sich selbst Mut zuzusprechen, bevor er es mit sich selber aufnahm und sich in Bewegung setzte. Sein Weg war nicht weit, aber die ca. 200 Meter, die er zurücklegen musste, kamen ihm vor wie eine Bergbesteigung, die man vor Erschöpfung noch kurz vor dem Gipfel abbrechen wollte. Er musste sich zu jedem Schritt zwingen, jeden Meter, den er voranschritt hart erkämpfen. Es bereitete ihm fast körperliche Schmerzen und er konzentrierte sich nur auf den Weg um sich ja nicht ablenken zu lassen. Endlich stand er vor der Eingangstür des kleinen Häuschens. Er keuchte, als ob er tatsächlich einen 7000 er bestiegen hätte. Nur das Glücksgefühl und die Erleichterung den Gipfel doch noch erreicht zu haben blieben aus. Aber er wusste ja auch, dass der Weg bis hierher nur der Anfang war.
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Anna hatte sich nach der ausgiebigen Mittagspause mit Paloma wieder an die Arbeit gemacht. Es ging gut voran. Sie zeichnete einen Entwurf nach dem anderen, und wusste sie doch, dass diese noch nicht perfekt waren, musste sie die grundlegenden Ideen, die ihr beinahe zuflogen, erst einmal festhalten. Hin und wieder fiel ihr Blick in das leere Büro Toms und immer wieder stellte sie sich die gleichen Fragen, von denen sie selbst schon unendlich genervt war, da es ihr egal sein sollte. ‘Wo ist Tom hin?‘ ‘Was hat er vor?’ Und ‘Wann kommt er wohl wieder?’ Als sie wieder einmal in diesen Überlegungen versunken war tauchte Enrique plötzlich neben ihr auf und sprach sie euphorisch an. „Hey, du hast den Meister aber von dir überzeugt.“ Anna schoss herum und Enrique grinste breit. „Was? Wen habe ich überzeugt?“ Sie sah ihn verwirrt an. „Bruno hat mir eben mitgeteilt, dass die erste Kollektion von –Zauberhaft- bei den Fashion Days in Berlin laufen soll.“ Anna riss erstaunt die Augen auf, wusste nicht ob sie bei dieser Nachricht Angst oder Freude empfinden sollte, und so schwankte auch ihre Gesichtsmimik unentschlossen hin und her. Enrique lachte bei diesem Anblick laut auf. „Na, wahre Freude sieht aber anders aus.“ Anna wurde spontan nervös. Leise sagte sie zu Enrique „Das ist in, in…“ „Genau drei Wochen“ vollendete Enrique den Satz und grinste immer noch. „Ich sag doch, du musst den Meister echt überzeugt haben. … Du schaffst das Anna, wer wenn nicht du?“ fügte er beruhigend hinzu. Anna sah in ungläubig an. „Schön, dass ihr alle sooo an mich glaubt, jetzt muss ich nur noch mich selbst davon überzeugen.“ Enrique klopfte auf ihren Tisch und verschwand so schnell, wie er gekommen war. Na Anna, dann mal los. Du hast noch nicht mal eine Konzept, und in drei Wochen soll eine komplette Show auf der Bühne stehen. Sie fühlte sich einen Moment ziemlich hilflos, aber dann besann sie sich auf ihren Entschluss, sich ihrer Aufgabe zu stellen zu wollen, und das gute Gefühl, das sie den heutigen Tag beim Entwerfen begleitet hatte. Anna, wenn Bruno an dich glaubt, wirst du ihn nicht enttäuschen. Ihr Blick, der während ihrer versuchten Selbstmotivation durch das Atelier geflogen war, fiel auf Carla, die den ganzen Mittag schon erstaunlich ruhig an ihrem Zeichentisch saß und zeichnete. Na ja, sie versuchte es zumindest. Eigentlich sah es nicht so aus, als ob sie dabei auch irgendwelche Ergebnisse erzielte, und Anna dachte sich im Stillen, wenn ich so miesepetrig in die Welt schauen würde, hätte ich bestimmt auch keine Ideen. Da versuche ich es doch lieber mit Optimismus und halbwegs guter Laune.
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Tom versuchte mit zitternden Händen die Tür zu öffnen, aber der Schlüssel und das Schlüsselloch wollten einfach nicht zueinander finden. Als er es leise fluchend endlich geschafft hatte beide Parteien zu vereinen atmetete er auf. Langam trat er ins Haus und blieb am Eingang stehen. Er stellte den Koffer ab und gönnte sich einen Moment im kühlen Flur um sich zu sammeln, bevor er mit einer Hausbegehung begann. Zuerst ging er in den Wohnbereich des Erdgeschosses. Sein Blick glitt von dem gemütlich eingerichteten Wohnzimmer weiter über den Esstisch, der vor dem großen Fenster mit seiner wahnsinns Aussicht stand, bis hin zur praktisch eingerichteten Küche. Es war genauso, wie er es in Erinnerung hatte und sogleich zogen Bilder auf, die ihm den Atem raubten. Ihm fiel ein, wie er und Fanni in der Küche standen und sie sich nach einem vorzüglichen Abendessen gemeinsam herumalbernd um den Abwasch kümmerten. Er hörte ihre Stimme und ihr Lachen, hörte ihre neckenden Worte, aber bevor es ihn zu sehr schmerzte, zwang er sich seine Erinnerungen zu verlassen und weiter zu gehen. Der Nachbarraum war ein kleines Schlafzimmer. Paule hatte damals sofort beschlossen, dass sie dieses Zimmer beziehen würde. Er wusste, dass sie dem jungen Paar nicht so dicht auf die Pelle rücken wollte, auch wenn sie selbst behauptet hatte, dass sie sich im Erdgeschoss einfach wohler fühlen würde. Er lächelte bei dem Gedanken an seine Schwester, die damals so sehr zu seinem Leben gehört hatte, wie kein anderer Mensch, außer Fanni natürlich. Er war so froh, dass er sie endlich wieder gefunden hatte, auch wenn sie wohl noch Zeit brauchen würden um sich wieder so nah zu sein, wenn sie das überhaupt nochmal schaffen könnten. Tom schloss die Tür und ging langsam die Treppe hinauf. Obwohl er vier Jahre jeden Gedanken an diesen Ort, diese Zeit, die sie hier verbracht hatten verdrängt hatte, war ihm alles sofort vertraut und er musste einen harten inneren Kampf ausfechten um sein Vorhaben nicht sofort, hier und jetzt abzubrechen. Aber er schaffte es und stand schließlich im Flur des Obergeschosses. Das mittlere Zimmer war ein weiteres Schlafzimmer. Sie hatten es damals als Art begehbaren Kleiderschrank oder Abstellraum benutzt. Alles, was sie nicht gebraucht und gerade im Weg rumgestanden hatte, war in diesem Zimmer gelandet. Daneben lag das große, bodenständig aber liebevoll eingerichtete Badezimmer, das doch allen erdenklichen Komfort lieferte. Tom drehte sich um und atmete erneut tief durch. Es fehlte nur noch ein Raum in seiner ersten Begegnung mit der Vergangenheit. Ganz langsam öffnete er die dritte Tür des Flures und erblickte sogleich das Herzstück des Zimmers, ein riesiges Doppelbett. Sogleich wich ihm die Farbe aus dem Gesicht und sein Herz, das sowieso schon auf Hochtouren lief, schien seinen Takt noch einmal zu verdoppeln und auch die Lautstärke aufs Maximum zu drehen. Hier hatten Fanni und er die letzten Nächte ihres gemeinsamen Lebens verbracht. Es waren sinnliche, verführerische Liebesnächte gewesen, die sie in dem Glauben und der Hoffnung genossen hatten, hier in dieser wunderbaren Umgebung, ihrer so glücklichen Ehe das I-Tüpfelchen aufsetzen zu können. Sie hatten davon geträumt das Kind zu zeugen, das ihre gemeinsame Zukunft perfekt machen würde. Tom spürte einen stechenden Schmerz in der Brust, der ihn zusammenzucken ließ. Er ließ den Schmerz einen Moment zu, aber als er von dem Gefühl überrannt wurde keine Luft mehr zu bekommen und innerlich zu zerreißen, flüchtete er die Treppe hinab zur Verandatür und stürmte hinaus. Er stand lange mit geschlossenen Augen da und versuchte sich wieder zu beruhigen, was aber nur mäßigen Erfolg zeigte. Schließlich öffnete er die Augen und startete einen neuen Versuch. Er betrachtete bewusst die traumhafte Aussicht um sich von seinem Schmerz abzulenken, aber auch das brachte nicht die gewünschte Entspannung, denn sofort zogen Bilder herauf, wie Fanni bei ihrem ersten Aufenthalt hier, genau an dieser Stelle verharrt war und sich in ihrer so natürlichen und fröhlichen Art über diese Aussicht ausgelassen hatte. Sie hatte sich in der ersten Sekunde in diesen wunderschönen Ort verliebt. Und er wusste es ja eigentlich, musste aber erneut feststellen, dass sie recht damit gehabt hatte.

Etwas unterhalb des Hauses war eine phantastische, feinsandige Bucht zu sehen, die sich an imposante Klippen anschmiegte. Das azurblaue Meer lag leicht gekräuselt da und verlor sich am Horizont im strahlend blauen Himmel. Tom beobachtete die Wellen, die in gleichmäßigem Rhythmus an den Strand liefen. Es wäre wirklich das Paradies wenn nicht genau hier sein Leben diese schicksalhafte Wendung genommen hätte.
Tom bemerkte, dass irgendetwas nicht zusammenpasste. Das Bild des ruhigen Meeres passte nicht zu den Geräuschen, die er vernahm und da fiel es ihm wieder ein. Das Haus stand direkt auf einer Klippe und unter ihm brachen sich die Wellen laut am Stein. Er ging langsam zum Geländer und traute sich vorsichtig einen Blick hinunter zu werfen. Er sah die Wellen, wie sie versuchten sich einen Weg zu bahnen, aber doch vor dem Felsmassiv kapitulieren mussten. Sie wurden in tausend kleine Stücke gerissen, die in einer weißen Gischt aufspritzten. Dieser eigentlich faszinierende Anblick riss Tom, der sowieso schon reichlich angeschlagen war, nun endgültig den Boden unter den Füßen weg. Er taumelte gerade noch zurück zu einer Bank bevor er übermannt von seinen Erinnerungen in einen panikartigen Zustand verfiel. Sein Herzschlag, der sich gerade wieder ein wenig beruhigt hatte, raste erneut und seine Atmung beschleunigte sich zu einem hektischen Keuchen. Seine Augen und Ohren machten dicht und er war plötzlich mitten in den damaligen Geschehnissen gefangen.
Die Wellen brachen sich wild über ihm und verhinderten ihm einen Überblick über die Umgebung. Vor ihm lag das gekenterte Boot und überall schwammen Gegenstände. Da, in einiger Entfernung war Paule, die sich verletzt kaum noch über Wasser halten konnte und in die andere Richtung erkannte er Fanni, die sich am Bug des Bootes festhielt. Das Wasser und der Sturm tobten und machten einen unglaublichen Krach. Tom durchlitt erneut seine Angst und Hilflosigkeit während er sich selbst wild strampelnd über Wasser hielt. Was sollte er zuerst tun? Er sah erneut zu Fanni, die ihm was zurief, was er aber aufgrund der Sturmes nicht verstehen konnte, und dann zu Paule, die schon bedenklich nach Luft schnappte. Letztlich entschloss er sich zuerst Paule zum Ufer zu bringen und sich sofort wieder aufzumachen, um seiner Frau zu helfen. Aber als er zurück kam war es zu spät, er konnte gerade noch sehen, wie das Boot in die Tiefen versank und Fanni mit sich zog. Ihr angsterfüllter Blick war das letzte was er von ihr sah. Vor seinen Augen wurde sie ihres Lebens beraubt und Tom spürte das Gefühl der Hilflosigkeit und den Schmerz, den unglaublichen Schmerz, der ihn bis heute nicht losgelassen hatte.
Hatte er in den letzten Jahren Mechanismen entwickelt, sich vor diesen Gefühlen zu schützen, war er ihnen heute völlig ausgeliefert. Der Realität beraubt durchlitt er seinen eigenen Alptraum erneut von Anfang bis Ende.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 22 2012, 09:27

katha ... prima Teil . Smile

Bitte, schnell weiter ... bin ganz gespannt auf die Fortsetzung .
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 22 2012, 10:23

Wow, wie immer ein Genuss, deine Zeilen zu lesen, meine Liebe. Ich hab fast das Gefühl, als hätte ich deine FF noch nie gelesen. Ist irgendwie alles neu, aber wunderwunderschön ... Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 22 2012, 14:49

Lizzy schrieb:
katha ... prima Teil . Smile

Bitte, schnell weiter ... bin ganz gespannt auf die Fortsetzung .

Juchu, auch du bist mal gespannt pirat Ich freu mich Wink

Mini_2010 schrieb:
Wow, wie immer ein Genuss, deine Zeilen zu lesen, meine Liebe. Ich hab fast das Gefühl, als hätte ich deine FF noch nie gelesen. Ist irgendwie alles neu, aber wunderwunderschön ... Smile
Die FF verändert sich auch bei jedem neuen Teil ein wenig, wenn der Inhalt auch der gleiche bleibt.
Lieben, lieben Dank! Freu mich wie immer riesig über dein Lob! Very Happy

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 22 2012, 19:21

Schön langsam gehen mir aber die Komplimente aus. Diese beiden Teile, besonders aber der letzte sind so atemberaubend geschrieben, das ich die Worte die ich bräuchte um es gerecht zu beschreiben, leider nicht auf Lager habe - Schade I love you

Auf jeden Fall fiebere ich schon ganz doll dem nächsten Teil entgegen, auch wenn ich selbst bei einer meiner FFs jetzt nicht merh weiter weiß, da ich schlecht das selbe schrieben kann, aber das ist mein Problem

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mi Aug 22 2012, 20:39

Tastentante schrieb:
Schön langsam gehen mir aber die Komplimente aus. Diese beiden Teile, besonders aber der letzte sind so atemberaubend geschrieben, das ich die Worte die ich bräuchte um es gerecht zu beschreiben, leider nicht auf Lager habe - Schade I love you

Auf jeden Fall fiebere ich schon ganz doll dem nächsten Teil entgegen, auch wenn ich selbst bei einer meiner FFs jetzt nicht merh weiter weiß, da ich schlecht das selbe schrieben kann, aber das ist mein Problem

LG Tastentante

Hm, wirklich schade, von Komplimenten bekommt man doch nie genug. Wink

Und was die Wiederholungen an geht. Sorry Embarassed
Ich kenn das nur zu gut. Das Gefühl hatte ich auch schon ein paar mal als ich Teile von anderen gelesen habe. Aber manchmal habe ich es dann doch einfach gepostet, weil ich schon fast fertig war mit schreiben und dann war es doch irgendwie anders. Surprised

Und wie habe ich dir erst gestern oder so geschrieben? Man hat eigentlich alles schon in 100 verschiedenen Variationen gelesen, und bekommt trotzdem nie genug davon. Wink

Auf jeden Fall ganz vielen, lieben Dank!!! I love you

LG Katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Do Aug 23 2012, 07:32

katha schrieb:
Tastentante schrieb:
Schön langsam gehen mir aber die Komplimente aus. Diese beiden Teile, besonders aber der letzte sind so atemberaubend geschrieben, das ich die Worte die ich bräuchte um es gerecht zu beschreiben, leider nicht auf Lager habe - Schade I love you

Auf jeden Fall fiebere ich schon ganz doll dem nächsten Teil entgegen, auch wenn ich selbst bei einer meiner FFs jetzt nicht merh weiter weiß, da ich schlecht das selbe schrieben kann, aber das ist mein Problem

LG Tastentante

Hm, wirklich schade, von Komplimenten bekommt man doch nie genug. Wink

Und was die Wiederholungen an geht. Sorry Embarassed
Ich kenn das nur zu gut. Das Gefühl hatte ich auch schon ein paar mal als ich Teile von anderen gelesen habe. Aber manchmal habe ich es dann doch einfach gepostet, weil ich schon fast fertig war mit schreiben und dann war es doch irgendwie anders. Surprised

Und wie habe ich dir erst gestern oder so geschrieben? Man hat eigentlich alles schon in 100 verschiedenen Variationen gelesen, und bekommt trotzdem nie genug davon. Wink

Auf jeden Fall ganz vielen, lieben Dank!!! I love you

LG Katha

Das sehe ich nicht so, Mädels. Klar gibt es immer mal wieder Wiederholungen von FF zu FF (geht mir bei meinen auch so, auch versuche ich zu vermeiden, dass es gar zu viele Parallelen zur TN gibt), aber im Gesamtkontex gesehen gestaltet sich die Story doch dann immer wieder unterschiedlich. Ich finde das überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil, es ist sogar interessant zu lesen, welch unterschiedliche Handlungswege die einzelnen Storys daraufhin nehmen. Man muss also nicht irgendwelche neuen dramatischen Gegebenheiten "erfinden", nur um sich von anderen abzuheben (sicherlich neigt man gern dazu, aber das schaffen selbst die "Großen" nicht immer Wink ), zumeist ist es ohnehin der ganz persönliche Schreibstil (ganz besonders bei euch beiden), der die Story dennoch einzigartig macht. Selbst wenn ihr beide von der Handlung her genau dasselbe schreiben würdet, würde ich dennoch beide lesen, weil eure Stile so unterschiedlich und gleichzeitig auf ihre eigene Art fesselnd sind.

Also, macht euch darüber mal keinen Kopf, Einfallsreichtung und Kreativität ist das eine, Stil und das nötige Einfühlungsvermögen in die Story selbst das andere ... So, das musste mal gesagt werden! Wink Wink Wink

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Aug 24 2012, 19:48

Lieben Dank Mini,
für deine Einschätzung. So ähnlich meinte ich das auch. Ich habe wie gesagt hin und wieder mal überlegt, ob sich Verläufe nicht zu sehr wiederholen. (Du weißt es wohl am besten Wink ), aber letztlich bin ich doch meist dabei geblieben und es war im Gesamtkontext irgendwie doch anders, weil es anders eingebunden war.

Und vielen Dank, für deine versteckten Komplimente, meine Süße. Smile

Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Fr Aug 24 2012, 21:05

"21"

Es war halb vier als Anna nervös zur Uhr schaute, denn in einer viertel Stunde sollte sie ihre Entwürfe vorlegen. Ob ich Bruno überzeugen kann? fragte sie sich. Es ist meine erste eigene Kollektion für -Zauberhaft-, na ja zumindest hier bei Lanford. Hoffentlich bereut er es nicht gleich wieder, mich als Chefdesignerin eingesetzt zu haben. Das zweite Mal an diesem Tag war es Enrique, der sie aus ihren Gedanken riss. „Na, bist du aufgeregt?“ Anna schaute ihn erstaunt an. „Was machst du hier? Bist du etwa dabei, wenn ich Bruno meine Entwürfe zeige?“ „Jap,“ antwortete Enrique in seiner läppschen Art. „Bruno möchte, dass ich einen ersten Eindruck gewinne. Ich soll nämlich ein Marketing-Konzept entwerfen, damit wir Zauberhaft direkt nach den Fashion Days bewerben können.“ Er schaute Anna vielsagend in die Augen und Anna spürte spontan eine Beschleunigung ihres Herzschlags. „Oh mein Gott, nicht das Bruno irgendwie Druck aufbauen würde...“ antwortete sie Enrique mit einem schrägen Blick, während sie ihre Entwürfe zusammensuchte um sie auf dem Konferenztisch auszubreiten. „Enrique“ sie zog ihn mit sich und flüsterte leise „ich habe mir ehrlich gesagt noch gar kein Konzept überlegt. Ich habe doch heute erst mit den Entwürfen begonnen...“ Sie sah ihn flehend an, als ob er sie aus der Misere retten könnte, aber Enrique zuckte mit einem hilflosen Blick die Schultern, denn da kam Virgin, die Vorhut der Eminenz, bereits um die Ecke gerauscht. „Anna! Aaahh, du bist schon vorbereitet. Das beruhigt meine Nerven. Dann schauen wir mal ob Brüno mit deinen Entwürfen zufrieden ist.“ Er warf schon mal einen ersten schnellen Blick auf die Entwürfe, bevor er seinem Angebeteten einen Jasmin-Tee nach besonderer Machart bereitete.
Enrique und Anna beobachteten derweil Bruno, der schnellen Schrittes die Treppe herunterkam und auf sie zusteuerte. Während Virgins Auftritte, zwar immer beeindruckend waren, aber eben auch wie der Wind, den er machte, schnell wieder verflogen, hatte Bruno eine Präsenz, die man spürte, sobald er sich im selben Raum aufhielt. Die künstlerische Aura, die ihn umfing, beeindruckte Anna immer wieder aufs Neue.
„Anna, sie haben schon alles vorbereitet. Wunderbar!“ Bruno wirkte energiegeladen und sehr gespannt. Die blonde Designerin empfing ihn mit einem freundlichen aber etwas unsicheren Lächeln und verwies gleich auf die Entwürfe, die auf dem Konferenztisch liegend, auf sein Urteil warteten. Bruno bedachte eine Zeichnung nach der nächsten mit einem musternden Blick, während Anna ungeduldig und ängstlich von einem Bein aufs andere trat. Auch Virgin stand mit angehaltener Luft hinter dem Tisch und beobachtete angestrengt Brunos Mimik. Im Gegensatz zu Anna, die um sich selbst bangte, machte er sich allerdings Sorgen um das Seelenheil seines Chefs. Lediglich Enrique war sich fast sicher, dass Annas Entwürfe Brunos Geschmack treffen würden. Er sah sich die Entwürfe, die ihm wirklich gut gefielen, auch wenn das sowieso keine Rolle spielte, gelassen an und beobachtete dann amüsiert das Minenspiel Virgins. Der blonde Paradiesvogel war doch immer wieder eine genaue Betrachtung wert.
Endlich drehte sich Bruno zu Anna und fragte mit völlig undurchsichtiger Mimik, „Was ist ihre Idee?“ Anna verfluchte sich, dass sie sich noch kein Konzept überlegt hatte, aber als sie einen Blick auf ihre Entwürfe warf, sprudelte es plötzlich aus ihr heraus.
„Die Bekleidung soll die Persönlichkeit einer jeden Kundin unterstützen…“ bevor Bruno etwas sagen konnte, sprach sie schnell weiter, denn sie wusste, dass das erst mal eine Phrase war, die Bruno gar nicht leiden konnte. „… nicht weil die Kleider gut aussehen, das natürlich auch, sondern, weil sie die Frauen in dem Gefühl unterstützen sich selbst nahe zu sein. Eins zu sein, mit ihren Gefühlen, … mit ihrem Ich. Die Stoffe sind weich, leicht anschmiegsam, sie engen nicht ein, sondern geben Freiheit. Die Schnitte sind einerseits unauffällig, aber bei genauerer Betrachtung raffiniert. Die Kleidung elegant ohne aufdringlich zu wirken.“ Anna wusste gar nicht, wo sie diese Ideen hernahm, aber plötzlich war es ihr völlig klar. Es waren Kleidungsstücke, die sie quasi für sich selbst entworfen hatte. Sie entsprachen ihrer Aufbruchsstimmung. Bruno winkte ab „Ja okay, vom Ansatz gut… Haben sie schon einen Namen für die Kollektion?“ Anna stockte, überlegte einen Moment fieberhaft. Ihr Blick viel erneut auf die Entwürfe, und da kam ihr die Eingebung spontan in den Sinn „‘Find your way’?“ überlegte sie laut. „Nein…, ’My way‘!“ Sie sah ihn entschlossen an, überzeugt genau den richtigen Titel gefunden zu haben. “‘My way’ das ist es.” Bruno schaute sie mit noch immer unbewegter Miene an. „’My way‘„ sprach er die Worte selber und hörte genau hin, einen Moment schien er zu überlegen, dann strahlte er Anna an. „Anna, ich wusste, dass sie mich nicht enttäuschen würden. Das ist fantastisch." brach es begeistert aus ihm heraus. "Den Entwürfen fehlt noch der letzte Schliff. Aber sie sind gut. Bis nächste Woche brauche ich das fertige Konzept und die Entwürfe.“ Er nickte ihr nochmal anerkennend zu, ehe er sich abwandt um Carlas Arbeiten ebenfalls zu begutachten.
Anna warf Enrique, der sie breit angrinste, als wollte er sagen "hab ich´s dir nicht gesagt?", einen erleichterten Blick zu und räumte den Tisch. Unendlich erleichtert und zufrieden mit sich selbst, wollte Anna die Ideen, die sie hier bereits öffentlich gemacht hatte, schnell zu Papier bringen, damit sie das Konzept entsprechend bearbeiten konnte.
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Tom saß immer noch auf der Bank der Veranda. Er schaute sich irritiert um, wurde sich seiner Umgebung nur langsam wieder bewusst. Eben war er doch noch völlig orientierungslos inmitten des tosenden Wassers rum gestrampelt, und jetzt? Er fühlte sich hundeelend. Er zitterte, war nass geschwitzt, sein Mund staubtrocken. Er versuchte aufzustehen, aber sogleich ergriff ihn ein heftiger Schwindel und er ließ sich wieder auf die Bank fallen und atmete hektisch. Er saß einfach da und versuchte, durch seine vernebelte Wahrnehmung gebremst, das Geschehene zu begreifen, während er darauf wartete, dass sich sein Herzschlag und seine Atmung wieder beruhigten und sein Zittern nachließ.
Es war nicht das erste Mal, dass er sich an den Segelunfall erinnerte, ganz im Gegenteil. In der ersten Zeit nach Fannis Tod hatte er häufig von der Situation geträumt oder sich daran erinnert, aber das gerade? Er war wach und hier, und trotzdem hatte es sich so echt, so real angefühlt. Es machte ihm unglaubliche Angst und so beschloss er später nachzuforschen, ob dieses Phänomen normal sei.
Vorsichtig startete er einen erneuten Versuch aufzustehen, und dieses Mal wankte er nur kurz, bevor ihm sein Körper wieder gehorchte. Er ging in die Küche und trank eine halbe Flasche Wasser auf einmal, um den wahnsinnigen Durst und den schalen Geschmack in seinem Mund zu bekämpfen, dann schleppte er sich die Treppe hinauf und stellte sich unter die Dusche. Er lehnte sich erschöpft gegen die Wand und ließ das warme Wasser über sich laufen. Langsam löste sich seine Anspannung und er fühlte eine leise Erholung. Tom schlang sich ein Handtuch um die Hüfte und ging hinunter um sich neue Klamotten aus dem Koffer zu holen. Doch als er den Koffer öffnete, wartete schon die nächste Herausforderung auf ihn. Sein Blick fiel nämlich auf eine kleine Schachtel, die er Zuhause einer Eingebung folgend, im letzten Moment noch in den Koffer gesteckt hatte. Das Zittern überfiel ihn erneut und sein Herz begann wieder zu rasen. Schnell schnappte er sich eine Hose, klappte den Deckel des Koffers zu und verließ das Zimmer um erst einmal tief durch zu atmen.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 25 2012, 08:31

OMG! Katha, dass ist wieder so wundervoll geschrieben.
Und ich freu mich schon total auf den nächsten Teil Surprised
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 25 2012, 13:35

Wunderbar, meine Liebe. Wie immer ein Genuss, deine Zeilen zu lesen. Freue mich auf mehr ... Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 25 2012, 13:53

Lizzy, Mini,
ihr seid so gut zu mir. Lieben Dank!
Und ich habe da doch auch einen neuen Teil für euch! Smile

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 25 2012, 13:54

"22"

Tom stand völlig nackt inmitten des Wohnzimmers. Nach einigen tiefen Atemzügen schaute er auf die Hose die er in die Hand hielt, sah an sich herab und wurde sich seines eigenen Plans wieder bewußt. Er wollte sich einfach nur was anziehen, eigentlich keine allzuschwierige Aufgabe, wenn man emotional nicht gerade so labil war, wie die Konsistenz der Masse, die eine Seifenblasenmaschine produzierte. Lediglich mit einer Hose bekleidet trat er kopfschüttelnd in die Küche und nahm sich ein Glas um ein weiteres Mal seinen Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen, während er gedankenverloren aus dem Fenster schaute. Schließlich bewaffnete er sich mit seinem Laptop und setzte sich wieder auf die Veranda. Tom betrachtete die idyllische Szenerie, die vor ihm lag und ihn bereits das erste Mal in die Knie gezwungen hatte. Oh man, was tu ich hier eigentlich? Sein Fluchtinstinkt forderte ihn wieder einmal auf, diesen Ort, der ihm so zusetzte, schnellstmöglich zu verlassen. Aber er zwang sich zum Bleiben. Tom, du hast es dir selbst ausgesucht. Jetzt renn nicht bei der ersten Konfrontation weg. Du wusstest worauf du dich einlässt, maßregelte er sich selbst.
Er öffnete seinen Laptop. Zuerst wollte er wissen, ob sein ’realer Traum‘, seine ‘Panikattacke’ ein normales Phänomen war. Er gab im Netz verschiedene Suchbegriffe ein und fand letztlich die passende Definition. Er war erleichtert. Er wurde nicht verrückt, es gab dieses psychologische Phänomen tatsächlich. Obwohl, vielleicht wurde er doch verrückt, schließlich wurden vor allem Dinge, die der Psyche Probleme bereiteten namentlich benannt. Und seine Erfahrung war scheinbar ein solches. Es wurde als ‘Flashback’ bezeichnet und durch einen Schlüsselreiz ausgelöst. Die Beschreibung des Erlebens und der Symptome trafen genau auf seine gerade gemachte Erfahrung zu, und die Ursachendarstellung war nur allzu logisch. ’Erlebt werden traumatische Momente eines Lebens, die noch nicht verarbeitet, meist verdrängt werden. Eine Auflösung der Problematik, kann nur die intensive Auseinandersetzung mit den Geschehnissen, am besten im Gespräch, bringen.‘
Tom dachte über diese Worte nach. Er hatte das Gefühl, dass ihn seine Erinnerungen, nachdem er sie gerade noch einmal so intensiv durchlebt hatte, innerlich auffraßen. Er spürte wirklich den Drang sie irgendwie loszuwerden, hatte tatsächlich plötzlich das Bedürfnis zu reden. Zu reden über die Dinge, die er seit Jahren in sich verschlossen gehalten hatte. Aber mit wem soll ich reden? Es ist ja keiner da. … Ich wollte es ja nicht anders. Und er wusste, dass es nur eine Person gab, die ihm das Verständnis und den Beistand hätte geben können, den er sich wünschte. Anna tauchte vor seinem inneren Auge auf und er sehnte sich nach ihrer Anteilnahme. Leise seufzte er auf, Tom du kannst Anna nicht schon wieder für deine Zwecke missbrauchen, ... außerdem ist sie weit weg. verscheuchte er den Gedanken an Anna. Aber er hatte eine Idee. Er öffnete ein neues Dokument in seinem Rechner und begann zu schreiben.

Liebe Anna,

ich sitze hier an dem Ort, der mein Leben seit vier Jahren bestimmt. Hier ist es passiert. Hier hat das Schicksal meine glückliche Zeit mit Fanni beendet. Und ich weiß noch nicht, wohin mich mein Weg hier führen wird.
Obwohl ich dich erst kurze Zeit kenne, bist du für mich mit diesen Geschehnissen verknüpft.
Als ich dich damals auf dem Dach traf, fühlte ich mich mit meinem unendlichen Schmerz, meiner Trauer und meiner Schuld, das erste Mal seit dem Unfall, verstanden. Plötzlich hatte ich das Gefühl, nicht auf immer und ewig alleine und isoliert sein zu müssen. Mit deinen Worten und deiner Entschlossenheit für die Liebe einzustehen, hast du mich unglaublich beeindruckt. … Und mich zum Nachdenken angeregt.
Ich bin dir sehr dankbar, dass du dich von deiner Entschlossenheit in den Tod zu gehen, hast abbringen lassen. Ich weiß nicht, was ich sonst getan hätte. Aber vor allem bin ich heute unsagbar froh, dass es dich (immernoch) gibt.

Nach unserer Begegnung habe ich mich eine kurze Weile so glücklich und befreit gefühlt. Es war wunderbar, ohne die Ketten um mein Herz, aber dieses Gefühl wurde sogleich wieder von meiner wahnsinnigen Angst eingefangen. Sie zwang mich wieder hinter mein Sicherheitssystem zurück. Ich baute meine Fassade,die mir Schutz bieten sollte, mit aller Kraft wieder auf, .
Als du dann jedoch, nur einen Tag später, in meinem Büro standest, geriet sie prompt wieder ins Wanken und ich musste alle Energie aufwenden, dich nicht an mich heran zu lassen. Du warst die Leidtragende. Nachdem ich dich mit meinen verletzenden Worten aus meinem Büro vertrieben hatte, waren sie aber wieder da. ‘Gefühle’. Scham, Verzweiflung, der Wunsch dich nie wieder zu sehen gleichsam wie der Wunsch dich fest zuhalten. Nicht zuletzt das schlechte Gewissen, Fanni zu verraten. So ging es anschließend weiter, immer wieder gab es gemeinsame Momente und Situationen mit dir, die mich überforderten und mir sofort wieder die Gefahr vor Augen führten. Die Angst nochmal solche unerträglichen Schmerzen erleiden zu müssen und vor allem, die Angst mein Versprechen nicht halten zu können. Ich habe Fanni doch einst mein Herz versprochen, und mein Schmerz und meine Schuldgefühle sind mir ständige Begleiter geworden, die mir das Gefühl vermitteln vor ihr bestehen zu können. Ich trage die Schuld daran, dass sie so früh aus ihrem Leben scheiden musste.

Und dann war da dieser Abend, diese Nacht im Hotel. Scheinbar hatten deine Nähe und die relative Ferne meiner sonst sichernden Strukturen dazu geführt, dass ich es zuließ, mich nicht gegen meinen eigenen inneren Wunsch wehren konnte dir nah zu sein. Nach vier Jahren, war es das erste Mal, dass ich mich fallen ließ und den Moment genoss. Du hast recht, es war wunderschön.
Aber nachts, als du schlafend in meinem Arm lagst, mir so nah warst wie kein anderer Mensch seit Fannis Tod, kamen die Erinnerungen zurück. Sie überrollten mich wie eine Lawine. Ich habe lange bewegungslos dort gelegen und versucht einen klaren Gedanken zu fassen. Aber letztlich konnte ich nicht anders handeln, mir fehlte einfach der Mut um den nächsten Schritt zu gehen. Ich musste dich von mir stoßen um mich selbst zu schützen, … und um Fanni nicht zu verraten. Es tut mir leid, dir so wehgetan zu haben.

Tom hielt inne Was tu ich denn hier? fragte er sich plötzlich. Seine Finger waren ohne zu zögern über die Tastatur geflogen. Als ob die Gedanken nur darauf drängten, endlich seinen Kopf verlassen zu dürfen. Er las sich die Zeilen nochmal durch. Wenn ich weiter schreibe, wird das ein riesiges Liebesbekenntnis an Anna. Will ich das?" Er schüttelte energisch den Kopf. Nein, es geht hier nicht um Anna. Ich muss mit Fanni und mit mir ins Reine kommen, ärgerte er sich. Selbst jetzt und hier, völlig alleine und unbeobachtet, viel es ihm schwer sich zu seinen doch so offensichtlichen Gefühlen zu bekennen. Aber Anna hat einen Dank vedient. Ohne sie wäre ich heute nicht hier… Und hätte nicht die Hoffnung, dass mir diese Qualen zu einer Entscheidung verhelfen. Er schob den Laptop zurück und schaute auf den Horizont. „Verflucht, nun sei kein Feigling und stell dich endlich deinem Leben“ versuchte er sich in den Hintern zu treten.
Aber bevor ich mich weiter quäle, soll Anna den Dank erhalten, der ihr gebührt, was auch immer dann passiert.

Er schloss den Brief, rief sein E-Mail-Konto auf und suchte Annas Adresse.

Liebe Anna,

ich möchte dir danken. Du bist Schuld, nein nicht schuld, du bist der Grund warum ich heute hier sitze. Ich bin weit weg von meiner Familie, meinen Freunden, von Lanford, und wie es mir scheint auch von der Gegenwart.
Alleine sitze ich hier, halb über einem Abgrund, der mich zu verschlingen droht. Ich habe Angst, aber auch die Hoffnung den richtigen Schritt zu gehen, endlich den Mut zu haben mich meiner Vergangenheit zu stellen.
Du hast mich damals auf dem Dach mit deiner klaren Entscheidung für die Liebe sehr beeindruckt. Hast in mir die Gewissheit geschürt, dass ich nie für die Liebe, nie für Fanni gekämpft habe. Ich habe mir was vor gemacht. Es ging nie um sie, sondern lediglich um mich. Darum mich selbst zu geißeln für die Schuld, die ich auf mich geladen habe.
Als du mir gestern deine Beweggründe für dein Bleiben bei Lanford darlegtest, war ich wieder einmal gefangen. Von dir und von deiner Entschlossenheit deinen Weg zu suchen und zu finden. Dieser Gedanke hat mich nicht mehr los gelassen und daher möchte ich deinem Beispiel folgen. Auch ich möchte hier und jetzt meine Entscheidung von vor vier Jahren überdenken.

Tom verharrte. Ihm traten Tränen in die Augen, bei der Gewissheit, die ihn gerade ereilte. Die Gewissheit viel Zeit verschenkt und außerdem viele Menschen verletzt zu haben. Er wischte sich über die Augen und ließ die Hände auf die Tastatur fallen. Tom schüttelte traurig den Kopf und ging hinein. Er zog sich ein T-Shirt über und verließ das Haus. Er brauchte dringend eine Pause.
Unbemerkt hatte er die E-Mail an Anna versendet.

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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Sa Aug 25 2012, 19:37

Wieder ein grandioser Teil Smile ich bin gespannt wie Anna reagieren wird, wenn sie die E-Mail liest..
Bitte schnell weiter, sonst platze ich vor neugier Wink
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BeitragThema: Re: AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"   Mo Aug 27 2012, 09:31

*heul* Oh mann, ich liebe diesen Teil *schnief*
Armer Tom, aber er tut das Richtige, trotz dieser Selbstgeißelung. Und am Ende wird er sich hoffentlich besser fühlen.
Danke meine liebe Katha für dieses wunderbaren Zeilen ... Smile

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AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn"
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