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 Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"

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Mini_2010

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BeitragThema: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 04 2012, 10:11

das Eingangsposting lautete :

Anna und Tom, beide in ihrer Vergangenheit gefangen, haben nach vielen Auf's und Ab's in einem eher unberechenbaren Verhältnis zueinander eine leidenschaftliche Nacht im Hotel verbracht. Das Erwachen am Morgen danach verläuft leider alles andere als romantisch. Und sowohl Anna als auch Tom müssen sich nach diesem Erlebnis die Frage stellen, ob sie bereit sind, die schmerzhafte Vergangenheit mit all ihren Dämonen hinter sich zu lassen, und einen Neuanfang zu wagen ... Aber, wie auch immer sie sich entscheiden mögen - Liebe findet ihren Weg ...


Teil 1

Das Türblatt wackelte bedrohlich, noch lange nachdem Tom es hinter sich zugeworfen hatte. Anna fixierte das Holz und versuchte zu begreifen, was soeben passiert war. Als die Erkenntnis, dass er sie soeben abserviert hatte, in ihrem Hirn angekommen war, brach sie unvermittelt in Tränen aus. Was sollte das jetzt? Hatte sie irgendetwas falsch gemacht? Der Stich in ihrem Herzen ließ sie sich zusammenkrümmen. Sie keuchte auf, versuchte, den Schmerz zu verdrängen und kämpfte einen neuen Schwall Tränen beiseite. Doch die Wucht der Emotionen war stärker. Laut schluchzend sank sie auf dem Bett zusammen und wünschte sich einmal mehr, sie wäre damals wirklich vom Dach gesprungen. Ihr Leben war schon kompliziert genug. Warum nur konnte es nicht einfach mal jenen berühmten Lichtstreif am Horizont geben? Warum nur war Tom manchmal der liebste Mensch der Welt, nur um dann zehn Minuten später wieder zu dem unausstehlichen Kotzbrocken zu mutieren? Er wechselte seine Stimmung schneller als ein Victoria Secrets Model die vorzuführende Unterwäsche auf einem Catwalk. Gott, wenn man sich sein Verhalten so verinnerlichte, bekam die Bezeichnung „Multiple Persönlichkeit“ eine ganz neue Bedeutung. Was soll’s, hier liegen zu bleiben und sich selbst zu bedauern, brachte sie auch nicht weiter … und spätestens wenn der Zimmerservice sie in ein paar Stunden fand, würde sie sich der Tatsache stellen müssen, dass hier nicht der geeignetste Ort war, sich vor der Welt zu verstecken. Also warum nicht gleich verschwinden. Und außerdem hatte sie noch etwas mit Tom zu besprechen. Sie verdiente zumindest eine Erklärung.

***************************************

Gedankenverloren starrte Tom durch die Windschutzscheibe seines Wagens und versuchte, der Flut seiner Erinnerungen an die vergangene Nacht Herr zu werden. Verdammt, da hatte er aber wahrlich Mist gebaut. Warum nur hatte er heute Morgen zu ihr gesagt, dass die Nacht zwar schön war, aber keine Bedeutung hatte, wenn er es doch eigentlich gar nicht so gemeint hatte? Warum war er nicht in der Lage, genau das auszusprechen, was in ihm vorging? Gestern in diesem Schwimmbad hatte es doch auch funktioniert. Klar, war es am Anfang unangenehm gewesen. Er hatte selten in seinem Leben geweint … und schon gar nicht vor einer Frau. Diese Art von Schwäche offen zu zeigen, hätte ihn normalerweise zutiefst verwirrt, aber bei Anna hatte er das Gefühl, dass er davor keine Scheu haben musste … dass sie ihn verstand. Sie hatte ihn aufgefangen, ihn festgehalten und dann … Er seufze, während er den Kopf gegen die Nackenstütze lehnte und an die Decke starrte. Er hatte es verbockt … wieder mal. Doch damit hätte er leben können. Womit er nicht leben konnte, war die Tatsache, dass er Anna offensichtlich ziemlich heftig vor den Kopf gestoßen hatte. Das wollte er nicht, aber als er heute Morgen neben ihr aufgewacht war – auch wenn er im Grunde kaum geschlafen hatte, weil ihn die Ereignisse derart aufgewühlt hatten, dass er keine Ruhe fand –, wusste er plötzlich nicht mehr, was richtig war und was nicht. Es hatte sich gut angefühlt, sie im Arm zu halten … irgendwie richtig. Doch dann war ihm Carla durch den Kopf gegeistert und sein Gewissen hatte sich gemeldet. Carla, die Frau, die an seiner Seite stand und das seit fast zwei Jahren. Die immer da war, wenn er jemanden brauchte. Sie ergänzten sich gut, mochten sich auf eine Weise, die weit über eine gewöhnliche Freundschaft hinausging … aber reichte es für … Liebe? Und dann war da Anna, die ihn verstand, wie es noch nie jemand getan hatte. Und sein Herz sehnte sich nach diesem Gefühl, mit diesem Schmerz nicht allein sein zu müssen. Ihre Worte berührten ihn, schenkten ihm Trost, so dass er anfing zu glauben, irgendwann in seinem Leben einen Punkt erreichen zu können, an dem er mit dem Verlust von Fanni abschließen konnte. Anna vermochte es … und sie war die Einzige. Was sie miteinander verband, war zu groß, um es als Freundschaft zu bezeichnen. Liebe? Er wusste es nicht. Sicher, da waren Gefühle … die er kannte, doch sie waren ihm in den Jahren fremd geworden.

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Zuletzt von Mini_2010 am Mi Jul 04 2012, 10:30 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Aug 21 2012, 13:07

Teil 33

Tom seufzte reumütig, während Anna ihn missbilligend ansah. „Anna … es tut mir leid … Ich hab mich wie ein Trottel verhalten …“, begann er. Trottel trifft es nicht mal im Ansatz. Wie wäre es mit Idiot? Oder Vollidiot? Ja, Vollidiot trifft es deutlich besser ..., ging es Anna angesäuert durch den Kopf. „... aber ich war einfach mit der Situation überfordert, als ich neben dir in diesem Hotelzimmer aufgewacht war.“ Anna sah auf, und ihre Blicke hielten für einen Sekundenbruchteil einander fest. Er sah die tiefe Verletzung, die sie mit ihrem vorwurfsvollen Blick zu verbergen versuchte. Beschämt senkte er den Kopf. Ja, verdammt, er hatte sich wie ein feiger Dieb davongemacht, weil er einfach nicht den Arsch in der Hose hatte, zu seinen Gefühlen zu stehen. Dafür schämte er sich, aber das würde er Anna natürlich nicht so direkt aufs Brot schmieren … Sie sah ihn an und schüttelte verständnislos den Kopf. „Erst verführen Sie mich und dann tun Sie so, als wäre nichts gewesen. Warum?“, klagte sie an. Überrascht hob er den Kopf. „Ich hab dich nicht verführt …“, widersprach er. „Ach nein? Sie haben mich zuerst geküsst.“, fuhr sie ihn an. Tom knurrte unwillig. „Und du hattest offensichtlich nichts dagegen.“ Anna lachte humorlos. „Ich dachte, Sie wollten sich entschuldigen. Stattdessen schieben Sie mir die Schuld in die Schuhe. Das wird ja immer besser …“, ließ sie fassungslos verlauten. „Sie erwarten doch hoffentlich nicht, dass ich Carla darüber …“ Sie schüttelte den Kopf und winkte gelassen ab. „Ach Quatsch, es war ja nur Sex …“, gab sie ihm mit einem ironischen Funkeln im Blick zu verstehen. Toms Augen verdüsterten sich. Ihre Provokation kam einer Ohrfeige gleich … und sie schmerzte mehr als eine echte. Das hab ich wohl verdient. „Ich habe mit Carla geredet.“, unterbrach er ihre Tirade. Überrascht sah Anna auf. „Und hör endlich mit diesem Gesieze auf.“, murrte er. Anna holte tief Luft. Dann erinnerte sie sich an die Szene zwischen ihm und Carla in seinem Büro.

„Haben Sie mich vorhin geküsst, um Ihren Frust zu kompensieren, weil Carla Ihnen eine Szene gemacht hat? Was kommt als nächstes? Sex im Treppenhaus? Bedaure, als Frustrationskompensator bin ich mir wirklich zu schade … Und ich sieze Sie, weil Sie es befohlen haben.“ Ihre Stimme überschlug sich, nahm einen beinahe hysterischen Klang an. „Und jetzt lassen Sie mich vorbei … ich muss arbeiten.“, fügte sie bissig hinzu und versuchte, sich an ihm vorbei zu schieben. Gelassen stemmte Tom die andere Hand auf der anderen Seite ihres Kopfes gegen die Wand … hielt sie nun zwischen seinen Armen gefangen. Zentimeter trennten ihre Gesichter, als er ihr sehr tief in die Augen sah. Anna sank ein Stück in sich zusammen und fixierte ihn mit wachsamem Blick. Er lächelte und schüttelte belustigt den Kopf. Mürrisch verschränkte sie ihre Arme vor der Brust, wandte ihren Kopf zur Seite und starrte demonstrativ an die Wand. Er lächelte. Ihre Sturheit amüsierte ihn. „Ich brauche keinen Sex, um meinen Frust zu kompensieren. Dafür gibt es … bessere Methoden …“, knurrte er leise. Annas Blick flog zurück zu ihm, ihre Augen blitzten bedrohlich. „Ja, zum Beispiel … Mitarbeiter schikanieren …“, konterte sie angriffslustig. Ihr Herz raste. Dieser Blick. Das ist zu nah. Warum tut er das? Wo ist der Typ mit der kalten Hundeschnauze geblieben? ..., ging es ihr durch den Kopf. Er hob eine Augenbraue und lächelte auf eine Weise, die Anna augenblicklich verunsicherte. „Ich bin der Chef … ich darf das.“ Sie schnaubte empört auf und rollte genervt die Augen. „Und der Umstand, dass du seit gestern Chefdesignerin bist und wir dadurch noch … enger … zusammenarbeiten …“ Das Wort enger sprach er aus, als überlege er, ihr die Bedeutung direkt hier im Treppenhaus zu demonstrieren. „…, erfordert eine Lockerung der Umgangsform.“ Anna, einen Moment ihrer Contenance beraubt, blinzelte ungläubig, fand jedoch augenblicklich zu ihrer gleichgültigen Miene zurück. „Unter diesen Umständen sollte ich wohl von meiner Zusage zurücktreten …“, bemerkte sie spitz. „Abgelehnt.“, entschied Tom ruhig und sah sie streng an. Ein langes Schweigen folgte, währenddessen sie sich mit Blicken duellierten …

Eine Tür wurde aufgerissen. Lärm hallte durch das Treppenhaus … unterbrach ihren stummen Kampf … und erinnerte Tom und Anna einmal mehr daran, wo sie sich eigentlich befanden. Fast gleichzeitig wandten sie ihre Köpfe in die Richtung, aus der der Lärm kam. Anna presste sich näher gegen die Wand, während Tom von ihr abließ und sich zur Treppe umwandte, die nach oben führte. „Tom?“, ertönte es. Tom runzelte die Stirn. „Enrique?“ „Gott sei Dank, … ist Anna bei dir?“, fragte Enrique eilig. „Ja.“, antworteten Tom und Anna gleichzeitig. Schweigen. „Was macht ihr hier?“ „Reden.“, erwiderten die beiden unisono. Wieder Schweigen. „Habt ihr das eingeübt?“ „Nein.“ Als die Antwort erneut aus einem Mund kam, prusteten Tom und Anna unvermittelt los. „Sehr witzig.“, knurrte Enrique. Tom trat näher an das Geländer und schaute nach oben. Enrique hatte sich über das Geländer gebeugt und schenkte Tom einen äußerst ironischen Blick. „Störe ich?“ Tom grinste und überließ dieses Mal Anna die Antwort. Aber sie schwieg. „Was gibt’s?“, fragte Tom lässig. Enrique verdrehte die Augen. „Sag mal, ist das deine Vorstellung von Geschäftsführung?“ Tom blinzelte überrascht. „Was meinst du?“ Sein Blick flog kurz zu Anna. „Wir hatten nur etwas zu … bereden.“, erklärte er ungerührt. „Ja, natürlich, … aber während ihr zwei hier … redet …“ Enrique betonte das Wort auf eine Weise, als assoziiere er reden mit einem heimlichen Schäferstündchen. „… hat deine bezaubernde kleine Freundin das Atelier verwüstet.“ „Wie bitte?“ Tom erstarrte. „Ich weiß ja nicht, was zwischen dir und Carla vorgefallen ist, aber das Ergebnis ist zumindest für einen von euch … unbefriedigend.“ Tom seufzte schwer. „Red Klartext, Enrique.“ Ein übertrieben lautes Seufzen drang durch das Treppenhaus. „Carla liegt betrunken auf deinem Sofa, nachdem sie das Atelier und dein Büro verwüstet hat … Ich hab ihr die Flasche abgenommen, bevor sie sich ins Delirium säuft ... war das Klartext genug?“, erwiderte er spöttisch. Toms Kinnlade klappte nach unten. Irritiert blickte er zu Anna. Die hob die Schultern und schüttelte unwissend den Kopf. „Ist das einer deiner dämlichen Witze, Enrique?“, fragte Tom, der irgendwie glaubte, Opfer eines dummen Scherzes geworden zu sein. „Hörst du mich lachen?“, knurrte Enrique.

Toms Blick flog wieder zurück zu Anna. Der Ausdruck in ihren Augen behagte ihm nicht. Entschlossen stieß sie sich von der Wand ab und schickte sich an, die Treppe hinaufzusteigen. Tom ergriff ihre Hand und hielt sie zurück. Sein Blick sagte ihr unmissverständlichen, dass er noch nicht fertig war. „Ich komme sofort.“, rief er Enrique zu, um mit Anna wieder ungestört zu sein. Der murmelte etwas Unverständliches und wenig später fiel die Tür ins Schloss. „Was?“, fragte Anna tonlos. „Ich muss dir was sagen … Jetzt.“ „Kein Interesse.“, wehrte sie ab. Tom stieß genervt die Luft aus, als Anna sich aus seinem Griff befreite und nach oben strebte. „Anna …“ Sie hielt inne und sah ihn ernst an. „Nein!“ Ihre Stimme klang ärgerlich. Er folgte ihr, bis er auf gleicher Höhe mit ihr stand. „Heute Abend … Arbeitsessen … Ich muss mit dir reden.“ Sein Ton war harsch, duldete keinen Widerspruch. Anna zog ironisch die Brauen hoch. „Ist das wieder so ein blöder Befehl, … Chef?“, spottete sie und grinste zynisch. Er lächelte und beugte sich ungeniert näher zu ihr. Anna wich aus und wehrte ihn abermals ab. Sie war misstrauisch und gleichzeitig unheimlich stur. Und irgendwie gefiel ihm das. Ihre Augen blitzten warnend, als er den Abstand erneut verringerte. Und er sehnte ihre Ohrfeige förmlich herbei, während sich sein Blick unnachgiebig in ihren bohrte. „Ja.“

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Aug 21 2012, 14:12

Mir fehlen die Worte um zu beschreiben wie übergradend grandios deine letzten 3 Teile waren.
Die Magie die in jeder einzelnen von dir geschriebenen Silbe mit schwingt ist so überragend, das es mir jedesmal den Atem von neuem verschlägt.
Du bist wirklich Grandios Embarassed
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Aug 21 2012, 20:51

Lizzy schrieb:
Mir fehlen die Worte um zu beschreiben wie übergradend grandios deine letzten 3 Teile waren.
Die Magie die in jeder einzelnen von dir geschriebenen Silbe mit schwingt ist so überragend, das es mir jedesmal den Atem von neuem verschlägt.
Du bist wirklich Grandios Embarassed

Danke dir für das Kompliment Embarassed

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Aug 25 2012, 17:17

Weiter gehts. Viel Spaß ...


Teil 34


„Ach du lieber Himmel. Was ist denn hier passiert?“ Paloma war fassungslos, als sie den Kreativbereich der Firma betrat und das Chaos erblickte. Um Carlas und Annas Schreibtisch hatte sich eine kleine Menschentraube gebildet. Lautes Gezeter drang durch das Atelier. Paloma trat näher und erkannte Carla, die wild gestikulierend ein paar Schneiderinnen gehörig zusammenpfiff. Wenn diese dämliche Kuh nicht langsam mal auf den Boden kommt, werde ich sie eines Nachts in einer dunklen Seitenstraße erschlagen. Paloma war von ihren eigenen Gedanken überrascht, schob diesen Umstand jedoch schnell beiseite, als Carla mit einem Grinsen, was wirkte, als entstamme es einem schlecht imitierten Hochglanzmagazin, auf sie zutaumelte. „Alles in Ordnung?“, fragte die Spanierin und musterte die große Brünette, die sonst den Stock vor lauter Arroganz so tief im Arsch stecken hatte, dass Paloma sich jedes Mal fragte, wie sie in der Lage war, sich vernünftig bewegen zu können. Jetzt lehnte dieselbe Frau lässig an ihrem Schreibtisch und grinste, als hätte sie soeben die Welt erobert. „Klar, und bei dir? Hast du Vegaz endlich rumgekriegt?“ Paloma erstarrte und sah sich hastig um. Was ist denn mit der los? Sie trat näher und packte Carla eilig am Arm, als sie langsam zur Seite zu rutschen begann. „Ups …“, stieß Carla aus und kicherte wie ein naives Schulmädchen. Paloma rümpfte die Nase, als ihr eine deftige Alkoholfahne, die selbst der hartgesottendsten Trinkergemeinde alle Ehre gemacht hätte, entgegenwehte. „Na wir haben aber heute tief ins Glas geschaut.“, murmelte sie und verzog angewidert das Gesicht. Sie hatte ja schon viel erlebt, aber das hier übertraf wirklich alles. Carla lächelte selig. „Tom steht drauf, wenn Frauen betrunken sind. Er trägt sie dann auf seinen starken Armen …“ Selig seufzend verdrehte sie die Augen und driftete erneut ganz langsam zur Seite. Geistesgegenwärtig packte Paloma sie erneut und zerrte sie wieder in die Senkrechte. Carla neigte langsam den Kopf und sah Paloma in die Augen. „Bei Anna hat er das ja auch gemacht. Und ich bin immerhin seine Freundin.“, nuschelte sie, seufzte und schob die Unterlippe vor, wie ein schmollendes Kleinkind. Paloma verdrehte theatralisch die Augen.

„Carla?“ Paloma wandte sich um und erblickte Tom. Na Gott sei Dank … die Rettung ist da …, ging es ihr erleichtert durch den Kopf, als unvermittelt Anna hinter seinem Rücken hervortrat. Palomas Blick huschte eilig zwischen Tom und Anna hin und her … Mit hochgezogenen Brauen sah sie Anna an. Die zuckte unschuldig die Schultern und schüttelte den Kopf. Mit den Lippen formte sie ein später und winkte leicht ab. Paloma verstand. Nachdem das geklärt war, richtete die Spanierin ihre Aufmerksamkeit wieder auf Carla, die Tom auf eine Weise angrinste, die jeden anderen Kerl direkt in die Flucht geschlagen hätte – aber nicht Tom. Vollkommen sprachlos ging er auf sie zu und streckte seine Hände nach ihr aus, als sie, einen Schritt auf ihn zugehend, erneut das Gleichgewicht zu verlieren begann. „Tooomm.“, seufzte sie gedehnt und strahlte übers ganze Gesicht, als sie den Junior-Chef erkannte. Etwas unbeholfen stolperte sie auf ihn zu und landete prompt in seinen Armen. Sein verwirrter Blick huschte zu Anna, die nur abfällig die Augen rollte. Er räusperte sich. Die ganze Situation war ihm mehr als peinlich, und das nicht nur, weil das halbe Atelier sich offensichtlich zum Public Viewing eingefunden hatte. Aufgeregtes Getuschel waberte durch den Raum. „Ich bringe sie ins Büro.“, erklärte Tom eilig, sich der vielen neugierigen Blicke bewusst, die ihn gleichsam neugierig wie mitleidig betrachteten. Wut brodelte in ihm auf. Dass Carla sich derart daneben benahm, war wirklich das i-Tüpfelchen ihres völlig indiskutablen Verhaltens in den letzten beiden Tagen. Schnaufend legte er seinen Arm um ihre Taille und führte sie vom Geschehen weg. „Tooomm … wir gehör’n zusammen … Du darfst mich nich verlass’n.“, nuschelte Carla, ehe ihr Kopf an seine Schulter fiel. Lieber Gott, erlöse mich …, flehte Tom mit einem flüchtigen Blick an die Decke. Dann verschwanden sie in seinem Büro.

„War das eben Carla?“, fragte Virgin und starrte mit weit aufgerissen Augen auf die Bürotür, durch die Carla und Tom soeben verschwunden waren. Ungläubig schüttelte er den Kopf, sah zu Paloma, dann wieder zu Toms Büro und schüttelte erneut den Kopf. Offenbar verstand er die Welt nicht mehr. „Warum ist sie betrunken?“ Paloma schnaubte belustigt. „Das ist doch wohl offensichtlich, Virgin.“ Der Blonde zog fragend die Brauen hoch. „Ach, ist es das?“, erwiderte er und blinzelte ungläubig. Paloma lächelte wissend. „Anna und Tom, die sich plötzlich so gut verstehen … Mhmm ... wenn du mich fragst, hat Tom Carla abserviert.“ Virgins Mund klappte auf. „Meinst du wirklich?“ Paloma neigte den Kopf. „Warum hast du damals Oma Irmgards Kräutertrunk getrunken?“ Virgin schluckte und verzog peinlich berührt das Gesicht. „Weil Brüno Maik mir vorgezogen hat … Ich war immer Brünos Muse.“, erklärte er mit stolz vorgerecktem Kinn, konnte aber den traurigen Unterton in seinen Worten nicht verbergen. Seufzend sah er durch die Glaswand in Toms Büro. „Maik ist schuld, dass ich unglücklich verliebt bin, Paloma.“ Die lächelte mitleidig. Ein frustriertes Schnaufen folgte, dann ein gemurmeltes „Ich dachte, das Zeug hilft vielleicht auch gegen Liebeskummer.“ Paloma grinste schief. „Siehst du, du verstehst es doch.“ Virgins Blick nahm einen mitfühlenden Ausdruck an. „Arme Carla …“ Paloma hüstelte abwertend. „Arme Carla? Wenn du mich fragst, sie hat sie es nicht anders verdient. Und Tom scheint endlich begriffen zu haben, was für ein Miststück sie ist.“ Virgin schnappte entrüstet nach Luft, ehe ein entschuldigendes Lächeln seine Mundwinkel umspielte. „Na ja, das stimmt schon, sie ist manchmal schon eine kleine Diva.“, gab er leise zu. Paloma klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Ja, genau wie du, Virgin … mit dem Unterschied, dass du das Herz am rechten Fleck hast.“

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Aug 25 2012, 17:23

Teil 35

Tom spürte, wie Scham in ihm aufstieg. Was hat Carla sich nur dabei gedacht, in diesem desolaten Zustand in der Firma aufzutauchen? Und seit wann trinkt sie am helllichten Tag? War das seine Schuld? Fürsorglich ließ er sie auf das lederne Sofa sinken, half ihr, die Beine hochzulegen und packte ihr ein Kissen unter den Kopf. Dann setzte er sich neben sie. In alter Gewohnheit streckte er seine Hand aus und strich ihr das dunkle Haar aus dem Gesicht. Carla griff nach seiner Hand, ehe er sie wegziehen konnte. Langsam öffnete sie die Augen. Sie blinzelte kurz, dann breitete sich ein Lächeln auf ihren Lippen aus. „Du bist wieder da…“, seufzte sie. „Was soll das, Carla?“, fragte Tom streng. Sie streichelte seine Hand, und Tom war versucht, sie ihr einfach zu entziehen. „Hab dich vermisst.“, nuschelte sie. Tom starrte sie fassungslos an. So hatte er sie noch nie erlebt. Für einen Moment haderte er mit der Entscheidung, die er gestern getroffen hatte. Er sah auf, blickte durch die Glaswand in das Kreativbüro. Anna lehnte an ihrem Schreibtisch, den Rücken ihm zugewandt, die Augen starr auf eines der Modelle gerichtet, die vor ihr standen. Was dachte sie? Er sah, wie Enrique sich zu ihr auf die Schreibtischkante setzte und den Arm um sie legte. Sie wandte sich zu ihm und lächelte, und Tom wünschte sich, sie würde ihn auch so anlächeln. Er dachte an die Szene im Treppenhaus. Sie war vor ihm zurückgewichen. Warum? Er hatte sich doch bei ihr entschuldigt, ihr gesagt, dass es ihm leid tat, wie er sie behandelt hatte. Gott, warum war das alles nur so kompliziert? Carla stieß einen Seufzer aus. Ihre Hand hielt noch immer seine. Sanft entzog er sie ihr. Diese plötzliche Nähe zu ihr behagte ihm nicht. Sein Blick wanderte wieder zu Anna. Sie lachte und sein Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen, als er sah, wie sie ihren Kopf an Enriques Schulter lehnte. Carla war eingeschlafen, und er würde sie eine Weile hier liegen lassen, damit sie ihren Rausch ausschlafen konnte. Er erinnerte sich, wie vor nicht allzu langer Zeit Anna hier gelegen hatte. Wie sehr er ihre Gegenwart doch genossen hatte … Schnell wischte er den grotesken Vergleich beiseite. Anna war nicht Carla und Carla so zu sehen … Oh Gott, … wie absurd.

Er erhob sich und verließ sein Büro. Er war mit Anna noch nicht fertig. Carla hatte sie unterbrochen … Enrique hatte sie unterbrochen. Ärgerlich beobachtete er die beiden in ihrer Unbefangenheit. „Steht das Konzept für VIP-Fashion schon?“, fragte er schroffer als beabsichtigt, als er neben Enrique auftauchte. Abrupt verstummte das Lachen. Anna sah auf und begegnete seinem Blick. Zweifel las er in ihren Augen, und ihm entging nicht, dass sie kurz durch die Glaswand zu seinem Büro sah. Tom seufzte. „Es geht ihr nicht gut.“ Anna und Enrique sahen ihn an. Er verzog das Gesicht und zuckte die Schultern. „Keine Ahnung, was mit ihr los ist.“ Enrique erhob sich und warf Anna einen vielsagenden Blick zu. „Also sehen wir uns heute Abend?“, fragte er sie. Sie lächelte und nickte. Tom sah erst Enrique an, dann Anna. „Bis dann.“, verabschiedete sich Enrique lächelnd und verschwand. „Ihr habt euch verabredet?“, fragte Tom perplex. Anna nickte. „Für heute Abend?“ Sie nickte wieder. „Aber …“ Anna sah auf, und ihr betrübter Blick ging ihm durch und durch. Seine Worte blieben ihm schmerzhaft im Hals stecken. Enttäuscht wandte er sich schließlich ab. Warum? Warum tut sie das? „Tom …“, hörte er sie rufen. War das ihre Art, ihm zu zeigen, was sie von ihm hielt? „Tom …“ Eine Hand an seinem Arm ließ ihn innehalten. Angestrengt holte er Luft, dann sah er sie an. Verzweifelt versuchte er, seine Emotionen hinter seiner schwindenden Fassade zu verbergen. „Ich finde, … das ist keine gute Idee.“, sagte sie. Angespannt presste er seine Lippen aufeinander. Der in ihm aufwallende Groll half ihm zu seiner Gleichgültigkeit zurück. Ironisch hob er die Brauen. „Was?“ „Das … Essen … heute Abend.“ Er nickte. „Ich hab schon verstanden.“ Ohne ein weiteres Wort wandte er sich ab und ging.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Aug 25 2012, 17:36

Teil 36

Verstört sah Anna Tom nach, der mit hängenden Schultern in sein Büro zurücktrottete. Ein bisschen fühlte sie sich mies, dass sie sich einfach mit Enrique verabredet hatte. Aber der Gedanke, mit Tom allein in einem Raum zu sein, beschwor spontane Panik in ihr hervor. Tief in ihrer Magengrube spürte sie, was er ihr sagen wollte, aber sie hatte Angst davor, es zu hören. Dennoch verwirrte sie sein Verhalten, passte es doch so gar nicht zu dem Bild, was sie von ihm hatte. Ist es am Ende vielleicht doch alles ganz anders, als es die warnende Stimme in ihr unaufhörlich zuflüsterte? Und wenn nicht? Verdammt, was war nur mit Tom los? Warum ist er einmal so und dann wieder ganz anders? Wie sollte sie da wissen, woran sie war? Ja, gut, er hatte sich bei ihr entschuldigt, und irgendwie fand sie es ja auch süß, dass er sich plötzlich um sie bemühte. Aber das war doch nicht echt. Es konnte einfach nicht echt sein. Er hatte sie geküsst … Unbewusst strich sie mit ihren Fingern über ihre Lippen. Gott, wie er sie angesehen hatte. Wie auf Kommando fing ihr Herz an zu rasen. Und dann war da Carla. Grundgütiger, so hatte Anna sie noch nie gesehen. Was hatte Tom getan, dass sie wie ausgewechselt war? Plötzlich kam ihr ein beklemmender Gedanke. Carlas Auftritt, Toms kühle Fürsorge. Er hat doch nicht etwa … Oh Gott, aber das würde sein verändertes Verhalten erklären … und Carlas merkwürdig deplatzierten Auftritt. War es wegen ihr oder gab es einen anderen Auslöser? Anna wollte so gerne glauben, dass sie der Grund für diese Veränderung war. Aber sie hatte schon einmal geglaubt, dass er etwas für sie empfinden würde … und dann hatte er ihr eiskalt ins Gesicht gesagt, dass es kein Wir geben würde. Er hatte sie in einen Abgrund gestürzt, aus dessen Sumpf sie sich nur Dank Paloma und Enrique erst mühsam wieder herausgekämpft hatte. Und sie würde sich nicht wieder hineinstoßen lassen. Nein, sie musste endlich aufhören, von etwas zu träumen, was es niemals geben würde. Tom und sie trennten Welten, und sich Hoffnungen zu machen, bedeutete schlussendlich nur, wieder enttäuscht zu werden ... Wie dem auch sei, sie würde heute mit Enrique und Paloma einen netten Abend verbringen … genau die richtige Art, um auf andere Gedanken zu kommen. Und sie würde das durchziehen. Tom war tabu.

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Wie ein geprügelter Hund hatte Tom sich in sein Büro verzogen. Doch auch hier fand er keine Ruhe, um nachdenken zu können. Carlas Anwesendheit blockierte ihn … trotz dass sie nur auf seinem Sofa lag und schlief. Sein Blick heftete sich auf Anna, die wieder in ihren Skizzen versunken war, als wäre nichts passiert. Er dachte an den Kuss im Treppenhaus – na ja, den Fast-Kuss. Seine Lippen hatten ihre kaum gestreift, da hatte sie seinen Vorstoß auch schon vereitelt. Er seufzte niedergeschlagen. Er hatte ja gewusst, dass es nicht leicht werden würde. Dass sie es ihm aber so schwer machte, hätte er nicht gedacht. Unwillkürlich fuhr er mit der Zunge über seine Unterlippe. Er konnte die flüchtige Berührung noch immer fühlen, das leise Prickeln. Und er wollte es wieder fühlen. Er schloss die Augen, rief sich Anna vor sein inneres Auge, konzentrierte sich auf sie, spürte sie, … fühlte sie. Seit dieser Nacht im Hotel konnte er nicht mehr aufhören, an sie zu denken. Na gut, das war gelogen. Wenn er ehrlich war, musste er seit dem Vorfall auf dem Dach ständig an sie denken … seit der Nacht im Hotel sehnte er sich nach ihr. Und es tat weh, zu sehen, wie sie anderen den Vorzug gab. Sie hatte sich mit Enrique verabredet. Sie hatte absichtlich seine Einladung abgelehnt. Wo sie wohl hingehen würden? Diese Ungewissheit nagte an ihm. Vielleicht sollte er ihnen einfach heimlich folgen. Er könnte es wie einen Zufall aussehen lassen, wenn er plötzlich auftauchte. Carla regte sich auf der Couch und störte seine Gedanken. Tom stöhnte gequält. Zuerst musste er sich um sie kümmern. Er würde sie nach Hause bringen und dann … Wirre Bilder schossen unvermittelt durch seinen Kopf. Anna, wie sie mit Enrique lachte. Enrique, wie er Anna über die Wange streichelte … wie er ihre Hand hielt … seinen Arm um sie legte. Nein! Er sollte an Enriques Stelle stehen. Ein Entschluss reifte in Tom, und er sah es glasklar vor Augen. Er musste Anna von Enrique fernhalten. Wenn Tom sie schon nicht haben konnte … Nein, er würde zumindest nicht kampflos das Feld räumen.

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Anna stand in ihrem Zimmer und starrte auf ihr Spiegelbild. Die Frau auf der anderen Seite blickte sie an, als verstünde sie die Welt nicht mehr. Das war alles so verwirrend. Sie hatte Tom vertraut, und dann hatte er sie enttäuscht. Und jetzt verlangte er von ihr, dass sie ihm wieder vertraute. Konnte sie das? Sie wusste es nicht. Sie wusste gar nichts mehr. Sie hatte sich vorgenommen, ihn aus ihrem Herzen zu verbannen, aus ihren Gedanken … aus ihrem Leben. Und jetzt drängte er sich beharrlich in selbiges zurück. Warum? Sie schloss die Augen und dachte an die Nacht im Hotel zurück. Er war so sanft … so zärtlich gewesen. Sie hatte Toms wahres Wesen gespürt. Und sie hatte sich so geborgen gefühlt, fast so als gehöre sie dahin … so als könne er alles Leid, was sie jemals gespürt hatte wegwischen … Wenn sie sein Lächeln sah, wollte sie es glauben. Der Kuss im Treppenhaus … seine Entschuldigung. Verdammt, warum bringst du mich so durcheinander, Tom? Was willst du? Flehend betrachtete sie ihr Spiegelbild. „Was soll ich tun?“ Doch die Frau im Spiegel zuckte nur die Achseln. Ach verdammt, warum waren Männer nur so schrecklich kompliziert? Mit einem verächtlichen Grinsen wandte sie sich von ihrem Spiegelbild ab und warf einen flüchtigen Blick auf ihr Äußeres. Sie war leger gekleidet – Jeans und ein farbenfrohes Shirt … nicht zu aufreizend, nicht zu zugeknöpft. Ja, sie war gerüstet für einen netten Abend. Und sie würde alles dafür tun, Tom wenigstens für ein paar Stunden aus ihrem Kopf zu verbannen. Entschlossen, sich den Abend durch nichts verderben zu lassen, verließ sie ihr Zimmer und ging die Treppe hinunter in den Gastraum. Um diese Zeit war die Goldelse restlos ausgebucht. Enrique und Paloma saßen am Tresen und tranken etwas, während sie in ein Gespräch vertieft waren. „Hi.“, machte sie auf sich aufmerksam. Die beiden wandten sich um. Paloma lächelte. „Bereit für einen unglaublichen Abend?“ Anna nickte. Enrique erhob sich und bot beiden Frauen je einen Arm an. Mit einem breiten Grinsen hakten sie sich bei ihm unter und verließen das Restaurant. „Und wo darf ich die beiden bezauberndsten Frauen ganz Berlins heute Abend hinführen?“, fragte Enrique mit dem männlich stolzen Lächeln eines Sultans, der sich in seinem Harem befand. Paloma und Anna kicherten. „Egobar?“, schlug Enrique vor. Anna verzog das Gesicht. „Können wir nicht irgendwo anders hingehen, ... wo uns keiner kennt?“ Bei meinem Glück stolpere ich wohlmöglich noch Tom über die Füße, wenn wir in die Egobar gehen ..., fügte sie in Gedanken hinzu. Enrique runzelte die Stirn. Dann warf er Paloma einen fragenden Blick zu. Die zuckte bloß die Schultern. „Lily hat neulich von einer neuen Bar geschwärmt, die hier ganz in der Nähe aufgemacht haben soll. Wie hieß sie noch mal …“ Sie überlegte krampfhaft. „Die Lounge … ja, so hieß die Bar. Sie ist nur ein paar Straßen von hier entfernt.“ Anna sah erst Enrique an, dann Paloma. „Okay … dann mal los.“

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Aug 25 2012, 19:42

Das habe ich wieder als superklasseprimaoberhammerspitze empfunden Smile Smile Smile .... bitte schnell weiter, liebe Mini
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Aug 26 2012, 21:13

Ja, ja, ja, so viel zu Lesen. Und so toll, wie immer.
Mein lieber Tommi tut mir allerdings echt ein bisschen leid. Anna ist ja mal wirklich ne harte Nuss. Könnte ihm ja wenigstens bei den paar Worten, die er sagen konnte, mal zuhören. Mad

Es ist doch perfekt, dass ich, während ich einerseits die letzen Teile genießen darf, andererseits wieder von vorne anfange. Und es ist fast, als wäre es ganz neu. Very Happy

Liebe Grüße Wink

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo Aug 27 2012, 09:13

Lizzy schrieb:
Das habe ich wieder als superklasseprimaoberhammerspitze empfunden Smile Smile Smile .... bitte schnell weiter, liebe Mini

Das freut mich, Lizzy. Vielen lieben Dank Smile

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo Aug 27 2012, 09:17

katha schrieb:
Ja, ja, ja, so viel zu Lesen. Und so toll, wie immer.
Mein lieber Tommi tut mir allerdings echt ein bisschen leid. Anna ist ja mal wirklich ne harte Nuss. Könnte ihm ja wenigstens bei den paar Worten, die er sagen konnte, mal zuhören. Mad

Es ist doch perfekt, dass ich, während ich einerseits die letzen Teile genießen darf, andererseits wieder von vorne anfange. Und es ist fast, als wäre es ganz neu. Very Happy

Liebe Grüße Wink

Gell, das sehe ich auch so. Ist auch für mich unheimlich spannend, die Story nochmal von vorne zu lesen, jetzt wo sie doch so gut wie zu Ende ist ... Wink

Danke dir für deinen lieben Kommi, meine Katha-Maus. Wie immer ein Genuss ... und ein Motivationsschub par excellence

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Aug 31 2012, 08:28

So, auch hier wirds langsam mal wieder Zeit für eine Fortsetzung ... Viel Spaß beim Lesen ... Wink


Teil 37

Tom hatte Carla nach Hause gebracht. Er war eine Weile bei ihr geblieben, hatte dafür gesorgt, dass sie etwas aß und trank. Dann war sie eingeschlafen und er schließlich gegangen. Das war das letzte Mal, Carla …, seufzte er angestrengt, als er nun die Tür zu seiner eigenen Wohnung hinter sich ins Schloss fallen hörte. Was für ein Tag. Er sah auf seine Uhr. Es war höchste Zeit. Er hatte in einem Gespräch zwischen Enrique und Virgin mitbekommen, wo und wann Enrique sich mit Anna treffen wollte. Dass sie seine Einladung abgelehnt hatte, wurmte ihn noch immer, und die Tatsache, dass sie an seiner statt mit Enrique durch die Gegend zog, machte ihn beinahe rasend. Nein, er würde sich nicht entspannt auf seinem Sofa niederlassen und die Füße stillhalten. Eilig sprang er unter die Dusche und wusch sich den stressigen Tag von seinem Körper. Dann zog er sich Jeans und einen hellen Pullover an, warf sich hastig seinen Mantel über und ging. Eine halbe Stunde später beobachtete er in sicherer Entfernung, wie Anna und Paloma zusammen mit Enrique die Goldelse verließen. Mit Argusaugen beäugte er das Dreiergespann. Dass Paloma dabei war, verwunderte ihn, da bezüglich dieses Treffens von ihr gar keine Rede gewesen war. Aber der Umstand gefiel ihm, nahm er ihm doch ein wenig die Anspannung. Als sie weit genug entfernt waren, stieg er aus seinem Wagen und folgte ihnen ... Eine viertel Stunde später betrat er Die Lounge. Er kannte den Laden, er hatte erst vor kurzem aufgemacht. Er war mit Carla zur Eröffnung eingeladen gewesen. Ein netter Laden. Aber was wollte Anna hier? Er war immer davon ausgegangen, dass sie eher ruhigere Plätze bevorzugte. Lauter Mainstream brüllte ihm aus den riesigen Boxen entgegen, begleitet von einer Komposition aus wild flackerndem Licht und dem unterschwelligem Gemurmel hunderter Menschen. Hier traf sich die besser betuchte Schicht Berlins, die einen langen Tag in guter Laune ausklingen lassen wollte. Die Stimmung war ausgelassen, und er war gewillt, sich davon anstecken zu lassen. Nur fehlte ihm etwas Entscheidendes. Tom schob sich durch die sich amüsierende Menschenmenge und postiere sich in einer Ecke, von der aus man den Raum gut überblicken konnte, gleichzeitig aber gut verborgen blieb. Als die Kellnerin ihn nach seinem Wunsch fragte, bestellte er sich einen Gin. Eigentlich war ihm nicht danach, etwas zu trinken, aber er hatte keine Ahnung, wie lange er hier verweilen würde.

Tom entdeckte Anna, Paloma und Enrique, die gerade an der Bar Platz nahmen. Sie unterhielten sich angeregt. Die Stimmung wirkte ausgelassen, und die beiden Frauen bestellten sich einen dieser quietschbunten Cocktails, für die er sich nicht so wirklich erwärmen konnte. Vielleicht sollte er sie einmal probieren, nur um die Bestätigung zu erhalten, dass sie wirklich so fürchterlich schmeckten, wie sie aussahen. Als der Barmann Enrique ein Bier über den Tresen schob, musste Tom unweigerlich lächeln. Er wusste, dass Enrique am liebsten Bier trank, alternativ einen Martini, wenn es dem Anlass gefiel. Tom hatte ihn oft aufgezogen, dass er sich mit derartigem Gesöff die Gesundheit ruinierte. Es war gut zu wissen, dass sich manche Dinge nicht änderten. Als Paloma Anna plötzlich von dem Barhocker auf die Tanzfläche zerrte, spannte Tom sich an. Enrique blieb sitzen, beobachtete die beiden Frauen, die sich sichtlich amüsierten, und hielt sich an seinem Bier fest. Für einen Moment erwog Tom die Absicht, den Zufall zu mimen und auf Enrique zuzugehen. Würde er misstrauisch werden? Mit Sicherheit. Tom war nicht entgangen, wie er Anna angesehen hatte. Ein Umstand, den er sich wohl oder übel selbst zuzuschreiben hatte. Es war noch gar nicht lange her, als Enrique ihn aufgefordert hatte, zuzugeben, dass er etwas für Anna empfand. Er hatte es geleugnet. Was auch sonst ... Aber das war lange her. Heute würde seine Antwort eine andere sein. Doch das war es nicht, was ihm Sorgen machte. Vielmehr war es die Tatsache, dass Tom Enrique dieselbe Frage gestellt hatte, und dieser es ebenso geleugnet hatte. Eigentlich kein Beinbruch, doch Tom wusste es besser. Er kannte Enrique gut genug, um zu sehen, was in seinem Freund vorging, nicht zuletzt, weil er sich ähnlich fühlte. Und die Art, wie er Anna ansah sagte mehr als tausend Worte. Doch was Anna betraf, begab sich Enrique auf gefährliches Terrain. Für einen Moment fragte sich Tom, ob die Freundschaft, die sie seit Jahren verband, durch die Geschichte mit Anna leiden könnte.

Paloma kam an die Bar zurück und grinste Enrique breit an, während sie ihn am Arm packte und auf die Tanzfläche zerrte. Die beiden würden ein hübsches Paar abgeben …, ging es Tom mit einem Schmunzeln durch den Kopf. Dann fiel sein Blick wieder auf Anna, die ein wenig unschlüssig inmitten des Gewühls auf die beiden wartete. Ihre Haltung schrie geradezu danach, dass man sie doch erlösen sollte. Enrique legte einen Arm um Paloma und den anderen um Anna. Gemeinsam wiegten sie sich lachend durch die Menge. Diese Ungezwungenheit zu beobachten, versetzte Tom einen schmerzhaften Stich. Und als Paloma plötzlich verschwand und Anna und Enrique allein auf der Tanzfläche zurückblieben, schoss bittere Galle seine Kehle hinauf. Gegen seinen Willen musste Tom mit ansehen, wie Enrique Anna an sich zog, einen Arm um sie legte und mit einer Hand über ihre Wange streichelte, während er ihr viel zu tief in die Augen sah. Wie konnte er nur? Tom kochte vor Wut. Doch er zwang sich zur Räson, … hielt sich zurück. Er würde sich zweifellos zum Volltrottel machen, wenn er jetzt in diese Szene platzte und Anna von seinem besten Freund wegzerrte. Als Paloma zu den beiden zurückkam, fiel ihm ein Stein vom Herzen. Er war froh, dass sie dabei war und dankte ihr im Stillen, dass sie unbewusst die Anstandsdame mimte. Ohne seinen Blick von den dreien zu wenden, trank Tom einen Schluck von seinem Gin – das Zeug schmeckte scheußlich, nicht zu vergleichen mit einem guten Barolo – und versuchte, sich zu beruhigen … Die nächsten beiden Stunden verliefen relativ ereignislos, und Tom begann, sich zu langweilen. Er wusste, warum er derartige Lokale nicht wirklich mochte. Zuviel Lärm, zuviel Hektik, zu viele Menschen auf engstem Raum. Vielleicht sollte er einfach draußen warten. Es war schon spät, und sicherlich würden die drei nicht mehr lange bleiben, schließlich mussten sie morgen früh alle wieder ins Büro. In einem Zug trank Tom seinen Gin aus, bezahlte und floh regelrecht aus dem Laden ... Kühle Nachtluft umfing ihn, und die plötzliche Ruhe schmerzte regelrecht in seinen Ohren. Mit einem tiefen Atemzug lehnte er sich gegen eine Backsteinwand, deren rote Ziegelsteine nur noch zum Teil von Putz bedeckt waren, … und wartete.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Aug 31 2012, 08:49

Teil 38

„Willst du noch einen Caipirinha?“, fragte Enrique Anna. Die grinste breit und nickte. „Das war die beste Idee seit langem.“, kommentierte sie laut über die Musik hinweg und strahlte Paloma zufrieden an. Es war die Wahrheit. Sie waren seit über zwei Stunden hier, und sie hatte nicht einmal an Tom gedacht … bis jetzt. Oh Mann, warum musste er ausgerechnet jetzt in ihrem Kopf herumgeistern? Annas Laune sank übergangslos auf den Nullpunkt. Sie seufzte, und Paloma sah sie mit hochgezogenen Brauen an. „Alles in Ordnung, Süße?“ War alles in Ordnung? Nein, im Grunde war nichts in Ordnung. Der Abend war toll, die perfekte Ablenkung von einem chaotischen Tag. Aber man konnte Gedanken nicht einfach ausschalten, denn am Ende des Tages holten sie einen immer wieder ein. Anna kramte ihre Geldböse hervor und deutete dem Barmann, dass sie zahlen wollte. „Was ist?“, fragte Enrique irritiert, einen frischen Caipirinha in der Hand haltend. Anna sah ihn bekümmert an. „Ich glaube, ich habe genug. Ich bin hundemüde.“ „Aber der Abend ist noch jung.“, protestierte er. „Es ist noch nicht mal Mitternacht, und …“ „… morgen ist wieder Lanford angesagt.“, vollendete Anna seine Ausführung mit einem leidvollen Seufzen. Sein Blick wurde traurig. Dann sah er Paloma an, noch immer unschlüssig, was er nun mit dem Cocktail machen sollte. „Willst du auch schon gehen?“ Paloma sah Anna an, die ihr ein wortloses Ist-schon-okay schenkte, dann schüttelte sie den Kopf und griff nach dem Getränk. „Ich kann noch ein bisschen.“, lächelte sie. „Oder soll ich dich ein Stück begleiten?“, fragte sie fürsorglich. Anna schüttelte hastig den Kopf. Nach diesem Tag sehnte sie sich danach, für ein paar Minuten allein sein zu können. Und das kurze Stück Weg bis nach Hause, war der perfekte Moment, um genau das nachzuholen.

„Soll ich dir ein Taxi rufen?“, fragte Enrique. Anna verzog ironisch das Gesicht. „Mach dich nicht lächerlich. Es sind nur ein paar hundert Meter bis nach Hause.“ Enrique lächelte. „Ja, aber es ist spät und dunkel, und mir gefällt die Vorstellung nicht, dass du allein nach Hause läufst.“ Anna klappte den Mund auf, schloss ihn aber gleich wieder. Dann straffte sie die Schultern und sah Enrique mit einer Mischung aus Missbilligung und Stolz an. „Ich bin schon groß … und kann auf mich aufpassen. Und ich steige auch nicht zu Fremden ins Auto.“ Enrique schnaubte. „Und was ist mit Überfällen in dunklen Gassen?“ Gott, wie klischeehaft. Anna hob die rechte Hand und streckte zwei Finger in die Luft. „Ich schwöre, dass ich mich von dunklen Gassen fernhalten werde.“ Paloma kicherte belustigt, und Enrique schüttelte tadelnd den Kopf. „Ihr nehmt das alles nicht ernst genug, Ladies. Habt ihr eine Ahnung, wie viele Frauen jährlich nachts in Berlin überfallen werden?“ Anna und Paloma tauschten einen genervten Blick. „Oh bitte keinen Exkurs in die Verbrechensstatistik.“, stöhnte Anna gequält. Enrique lächelte nachsichtig. „Okay, dann sehen wir uns morgen im Büro?“ „Ja … Habt noch einen schönen Abend, ihr zwei.“ Anna umarmte Paloma, schenkte Enrique ein Lächeln … dann verließ sie die Bar. Draußen wehte ihr kühle Luft entgegen. Frühling lag über Berlin, und hatte den nassen kalten Winter endlich zurückgedrängt. Anna stellte den Kragen ihres Mantels auf, vergrub die Hände in den Taschen und lief los in Richtung Goldelse.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Aug 31 2012, 14:36

Hmmm, Mini, schöner Teil,
aber ich freue ich auf den nächsten, und nächsten....

Die Vorfreude ist in diesem Fall das Glück der Wissenden Wink
Na ja, damit habe ich vielleicht schon ein bisschen was verraten, aber was....? Ich schweige wie ein Grab, versprochen Rolling Eyes

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Aug 31 2012, 16:03

katha schrieb:
Hmmm, Mini, schöner Teil,
aber ich freue ich auf den nächsten, und nächsten....

Die Vorfreude ist in diesem Fall das Glück der Wissenden Wink
Na ja, damit habe ich vielleicht schon ein bisschen was verraten, aber was....? Ich schweige wie ein Grab, versprochen Rolling Eyes

Ja, da hast du wohl Recht, meine Liebe. Das Glück ist mit den Wissenden, aber die Überraschung ist mit den Unwissenden ... Razz Razz Razz

Danke für deine lieben, aufbauenden und motivierenden Worte. Mehr davon!!!

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo Sep 03 2012, 08:19

Auch mal wieder was neues von mir. Viel Spaß Wink


Teil 39


Tom hatte sich auf die andere Straßenseite begeben, während er geduldig darauf wartete, dass die drei aus der Bar wieder rauskamen. Krampfhaft überlegte er, wie er Anna von Paloma und Enrique weglotsen konnte. Das würde nicht einfach werden. Vor allem war der Zeitfaktor ein Aspekt, der ihm heute sein Vorhaben zunichte machen könnte. Als er eine halbe Stunde später verwundert feststellte, dass Anna allein aus Der Lounge kam, hob sich seine Stimmung, während er gleichzeitig den Umstand missbilligte, dass sie offenbar so unvorsichtig war, nachts allein durch die Gegend zu ziehen. Er hätte nie vermutete, dass sie so leichtsinnig war. Doch das berührte ihn nur sekundär. Im Vordergrund stand die Chance, die ihm der überraschende Verlauf der Ereignisse bot. Sollte er einfach auf sie zugehen und den Überraschten spielen? Würde sie ihm das abkaufen? Nein, vermutlich würde sie einfach wieder abhauen, wenn sie ihn sah. Verdammt, warum waren die drei nicht einfach in die Egobar gegangen? Es hätte weitaus echter gewirkt, dort spontan zu erscheinen. Aber hier? Sein Auftauchen würde geradezu danach schreien, dass er ihnen gefolgt war. Aber vermutlich war genau das der Plan gewesen. Zumindest hätte er es so eingefädelt. Er folgte ihr auf der anderen Straßenseite in einigem Abstand. Den ganzen Weg über grübelte er, wie er es anstellen sollte. Es gab nur eine Möglichkeit … er musste vor ihr in der Goldelse sein. Was für ein Glück, dass er auf der richtigen Seite der Straße lief. Das läuft ja besser als ich dachte. Die Straßenseite, auf der er lief, wurde zudem von Bäumen gesäumt, die das Licht der Straßenlampen schluckten und ihn sicher im Schatten verbargen. Die parkenden Autos unterstützten diesen Umstand. Anna würde ihn nicht bemerken. Er beschleunigte seine Schritte und kam fünf Minuten später an der Goldelse an.

Schnell schlüpfte er in den Gastraum. Annas Mutter stand hinter dem Tresen und sah überrascht auf. Es waren nur noch wenige Gäste anwesend. Das Restaurant würde bald schließen … und Anna würde an ihm vorbeimüssen, ob sie wollte oder nicht. Der Gedanke hob augenblicklich seine Laune. „Guten Abend, Herr Lanford.“, begrüßte Annas Mutter ihn freundlich. „So spät noch unterwegs?“ Sie lächelte. Und Tom musste unweigerlich zurücklächeln. „Sie machen den besten Kaffee der Stadt, Frau Polauke. Da lohnt sich der Weg.“, erklärte er und ließ sich auf einem der Barhocker nieder. Sie hob die Augenbrauen und lächelte gerührt. „Da haben sie aber Glück …“ Das wird sich zeigen …, dachte Tom. Sie schenkte ihm einen Kaffee ein und schob die Tasse zu ihm über den Tresen, während sie sich zu ihm beugte. „Wir haben noch ein paar Tappas übrig, die ihren Weg nicht mehr in die Egobar geschafft haben. Also, wenn Sie mögen …“ Tom lächelte und nickte. „Gerne.“ Die ältere Frau verschwand in der Küche und ließ Tom allein zurück. Er nippte an seinem Kaffee und fragte sich einmal mehr, was wohl das Besondere an diesem Getränk war. Nirgends in ganz Berlin schmeckte er so gut wie hier. Die Tür hinter ihm öffnete sich, und Tom fuhr unvermittelt auf seinem Platz zusammen. Er wollte sich umdrehen, verbot es sich aber. Stattdessen erhaschte er einen Blick auf die Spiegelung in der Vitrine, in der sorgfältig die Gläser aufgereiht waren. Anna war hereingekommen. Verdammt, was sollte er sagen, wenn sie ihn fragte, was er hier um diese Zeit wollte?

„Tom?“ Einfach den Zufall mimen, Tom …, suggerierte er sich. Er wandte sich um und sah sie mit gespielter Überraschung an. „Anna?“ Beiläufig sah er auf die Uhr und zog die Brauen hoch. „So spät noch unterwegs?“ Sie verzog das Gesicht. „Dasselbe könnte ich Sie fragen.“ Wieder dieses Gesieze. Warum kann sie das nicht einfach sein lassen …, knurrte Tom innerlich. Weil du selbst darauf bestanden hast, du Trottel …, trällerte sein Unterbewusstsein. „Was machen Sie hier?“, fragte Anna vorsichtig. Tom musterte sie von oben bis unten. „Ich konnte nicht schlafen, da bin ich ein wenig herumgelaufen.“, erklärte er als wäre das für ihn völlig normal. Sie zog die Brauen hoch. „Und dann kamen Sie auf die Idee, ausgerechnet hier einen Kaffee trinken zu wollen … um diese Zeit?“ Sie war misstrauisch. Gut, das wäre er vermutlich auch, wenn man ihm eine solch miserable Geschichte auftischen würde. Er zuckte die Schultern und versuchte dabei so lässig wie möglich zu wirken. „Wir waren eigentlich verabredet … aber du hast dir … eine andere Abendbeschäftigung gesucht. Du erinnerst dich?“ Es sollte gelassen klingen, aber er konnte die leichte Missbilligung nicht unterdrücken, die er empfand. Anna trat an ihn heran und lächelte tadelnd, während er seinen Kaffee trank. Sie neigte den Kopf und forschte in seinem Blick. „Sind Sie mir gefolgt?“, fragte sie ihn auf den Kopf zu. Tom verschluckte sich spontan an seinem Kaffee und hustete. Dabei konnte er nicht verhindern, dass er sich seinen Pullover besudelte. Na prima … auch das noch. Anna sah ihn verwirrt an und unterdrückte mühsam ein diebisches Grinsen.

In dem Moment kam Annas Mutter mit einem Teller Tappas aus der Küche in den Gastraum zurück. Ihre Augen strahlten, als sie ihre Tochter sah. „Hallo Anna … na, wie war dein Abend?“ Dann huschte ihr Blick unschlüssig zwischen Tom und ihrer Tochter hin und her. Anna stockte, ihr Blick flog kurz zu Tom. „Oh … nett.“, antwortete sie schließlich. Tom merkte auf. Nett? Nett, … wie gähnend langweilig oder nett, wie… viel besser als mit dem Chef zu Abend zu essen? ..., dachte Tom. Augenblicklich war er frustriert und wusste nicht recht, warum. „Ich geh das mal auswaschen.“, murmelte er und schaute auf das Dilemma auf seinem Pullover. Die Frau hinter der Theke reichte ihm ein Handtuch und sah ihn entschuldigend an. „Wollt ihr noch was trinken?“, fragte sie und sah erst ihn an und dann Anna, die sichtlich angespannt wirkte. „Nei-…“ „Ja!“, unterbrach Tom Annas Ablehnung und sah ihr ernst in die Augen. Sie schluckte schwer, während Annas Mutter die Situation zwischen den beiden sichtlich zu amüsieren schien. „Was darf’s denn sein?“, fragte sie an Tom gewandt. Der lächelte. Zumindest hatte er schon mal Frau Polauke auf seiner Seite. Annas gequälter Blick und sein Gespür verriet ihm, dass Anna ihrer Mutter wohl nur schwer etwas abschlagen würde können. Das muss ich mir merken … Insgeheim dankte er der blonden Frau hinter der Bar. „Den besten Wein, den Sie haben … rot … trocken.“, erklärte er und sah Anna mit einem herausfordernden Blick an. Sie würde sich mit ihm auseinander setzen müssen … hier und jetzt. Und er würde nicht eher gehen, bevor sie sich ausgesprochen hatten, so wie er es mit dem Abendessen, dem sie auf so subtile Weise entkommen war, ursprünglich beabsichtigt hatte. Annas Mutter verschwand kurz, und Tom machte Anstalten, sich mit dem Handtuch, die Kaffeeflecken von seinem Pullover zu wischen. Verdammt, warum hatte er ausgerechnet heute einen hellen Pullover angezogen?

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo Sep 03 2012, 08:26

Teil 40

Anna beobachtete Tom argwöhnisch. Was machte er hier? Um diese Zeit. Das ist doch kein Zufall. Nein, das hier schrie förmlich nach Absicht. Hatte Tom den ganzen Abend hier gewartet? Warum? Sollte er sich nicht lieber mit Carla amüsieren? Ach nein, die ist ja besoffen …, dachte Anna zynisch. Und warum nötigte er ihr jetzt diesen Wein auf? Auf dem Weg nach Hause hatte sie die ganze Zeit über den Kuss im Treppenhaus nachgedacht … und über seine Einladung zum Essen, die sie abgelehnt hatte, indem sie sofort feige Enriques Angebot angenommen hatte. Zugegeben, das war nicht ganz fair gewesen, aber sie hatte Panik vor diesem Gespräch. Irgendwie wollte sie sich die Illusion bewahren, dass Tom nichts für sie empfand, auch wenn sie sich insgeheim wünschte, es wäre anders. Vor ihrem inneren Auge ließ sie den Tag rekapitulieren. Ihr Plan, … ihre Flucht ins Treppenhaus, … der Kuss, … seine Entschuldigung, die zu gut klang, um wahr zu sein, … Carlas Auftritt und jetzt das hier. Und Susanne fiel ihr auch noch in den Rücken. Meine eigene Mutter …, seufzte sie frustriert. Was kam als nächstes? Würde er ihr den Wein über das Shirt kippen und darauf spekulieren, dass sie es auszog? Anna erschauderte bei dem Gedanken. Sie dachte an Enrique und Paloma und schalt sich ein dummes Schaf, weil sie sich von dem Umstand, dass Tom ihr mittels eines Vorstoßes in ihre Gedanken die Stimmung verdorben hat, aus der Lounge hatte treiben lassen. Hätte sie gewusst, was sie nach ihrer Flucht erwartete, hätte sie den Gedanken gern ertragen. Ihr Blick flog zu Tom, der umständlich den Umgang mit einem Handtuch demonstrierte. Seine Unbeholfenheit schrie geradezu danach, dass sie ihm zur Hand gehen sollte. Ihre Augen hefteten sich auf die Kaffeeflecken auf seinem Pullover. Sie würde ihn auf keinen Fall anfassen. Sehnsüchtig schielte sie zur Treppe und hoffte, das Glück würde heute wenigstens einmal auf ihrer Seite sein und ihr eine erfolgreiche Flucht bescheren.

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Als Susanne mit dem Wein aus dem Keller zurückkehrte, eilte sie in die Küche. Ihr waren die Blicke zwischen ihrer Tochter und Herrn Lanford nicht entgangen, und sie spürte instinktiv, dass sich zwischen den beiden etwas abspielte. Neugierig schielte sie durch die Durchreiche zum Tresen und warf einen Blick auf die beiden. Während Anna angestrengt in die Gegend stierte, hatte Tom Lanford nur Augen für ihre Anna. Susanne lächelte selig, während sie die Flasche öffnete. Ingo kam in die Küche und sah seine Frau verwundert an. Er zog die Brauen hoch, als er ihren verklärten Blick bemerkte und folgte selbigem „Was ist?“ Susanne sah ihn mit strahlenden Augen an und kommentierte aufgeregt: „Annas Chef sitzt draußen.“ Ingo sah sie verwundert an. „Na und?“ „Na ja, die beiden … ich weiß nicht. Wie die sich ansehen ...“ Ingo verdrehte die Augen. „Susanne…“, tadelte er seufzend. „Jetzt schau doch mal, Ingo.“ Ihr Blick flog wieder zu Anna und Tom. „Sieht so ein Chef seine Mitarbeiterin an?“ Ingo folgte ihrem Blick und musterte die beiden einen Moment. Er konnte nichts Besonderes erkennen. Dann hob er die Schultern und widmete sich wieder den Aufräumarbeiten in der Küche. Sie würden bald schließen. Susanne seufzte leise. „Ein hübsches Paar.“ Ingo verdrehte erneut die Augen und stöhnte „Du solltest dich da nicht einmischen, Susanne.“ Doch Susanne hörte ihn nicht, als sie die Küche verließ und in den Schankraum zurückkehrte. Verstohlen musterte sie die beiden. Sie konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Dass ihre Tochter sich nach so langer Zeit wieder für einen Mann zu interessieren schien, machte sie glücklich. Lächelnd griff sie zwei Weingläser aus der Vitrine und füllte sie. Eines davon reichte sie Anna, das andere Tom. „Ich bin übrigens Susanne.“, sagte sie und streckte ihm ihre Hand entgegen. Tom sah sie überrascht an. Dann ergriff er ihre Hand. „Tom.“ Susanne lächelte und warf ihrer Tochter einen Blick zu, der leise Anerkennung barg ...

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo Sep 03 2012, 14:47

gefällt mir, gefällt mir! Very Happy
Bitte ganz schnell weiter. Ungeduldige Katha wartet bounce
LG

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo Sep 03 2012, 15:13

katha schrieb:
gefällt mir, gefällt mir!
Bitte ganz schnell weiter. Ungeduldige Katha wartet bounce
LG

Ja ja, immer diese Ungeduldigen. Razz

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um zu sich selbst zu finden.“
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Sep 05 2012, 07:21

Weiter geht's ... viel Spaß Wink


Teil 41

Anna klappte die Kinnlade nach unten, als ihre Mutter sich plötzlich Tom vorstellte, als würde sie das mit jedem Gast machen, der in ihr Restaurant kam. Und Tom erwiderte diese Geste auch noch. Fassungslos starrte sie die beiden an. Dann senkte sie den Blick und sah angestrengt in ihr Weinglas. Eigentlich hatte sie in der Bar schon genug getrunken, so dass sie auf den Wein liebend gern hätte verzichten können. Aber Tom hätte ihr eine zweite Absage heute sicherlich übel genommen. Und je schneller sie dieses merkwürdige Date hinter sich brachte, umso eher konnten sie wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Schweigend saßen sie nebeneinander. Er wollte mit ihr reden, also sollte er auch anfangen, etwas zu sagen. „Deine Mutter ist wirklich nett.“, bemerkte er anerkennend. „Sie erinnert mich irgendwie an meine eigene … Auch wenn das schon eine Weile her ist.“ Ja klar … Was ist das denn für eine blöde Masche? Anna trank einen Schluck aus ihrem Glas. Schweigend starrte sie die Vitrine auf der anderen Seite des Tresens an und begann, die Weingläser zu zählen, die sich in der obersten Reihe befanden. Als sie mit den Weingläsern fertig war, machte sie mit den Biergläsern zwei Reihen darunter weiter. Sie war gerade bei dreiundzwanzig angekommen, als etwas ihre Hand berührte. Erschrocken fuhr sie herum und hätte um ein Haar ihr Glas umgekippt, fing es aber in letzter Sekunde auf, ehe es wirkliches Unheil anrichten konnte. Puh, das war knapp. Mit schreckgeweiteten Augen sah sie Tom an. „Äh … ja …?“ Hatte er was gesagt? Verdammt, sie hatte nicht zugehört.

„Darf’s noch ein Glas sein, Tom?“, fragte Susanne in das Schweigen hinein. Sein Kopf flog zu Annas Mutter herum, die soeben aus der Küche zurückgekehrt war. Dann sah er auf sein leeres Glas. „Liebend gern, aber ich muss noch fahren.“ Anna seufzte erleichtert auf ... zu laut … Tom sah sie mit hochgezogenen Brauen an, und Anna begann eilig, die Schnapsgläser in der Vitrine zu zählen. „Och wie schade. Ihr habt euch gerade so nett unterhalten.“, bemerkte Susanne bedauernd. Anna sah ihre Mutter scharf an. Nett? Wie kam sie denn auf diese absurde Annahme? Sie hatten kein Wort miteinander gewechselt. Oder hatte sie irgendwas nicht mitbekommen, während sie die Gläser gezählt hatte? „Aber wenn Anna noch ein Glas trinkt, könnte ich mich auch noch zu einem durchringen. Der Wein ist wirklich großartig, Susanne.“, antwortete Tom mit einem charmanten Lächeln, ehe er Anna mit einem hinterlistigen Grinsen ansah, was ihr beinahe den Wein zusammen mit den Cocktails wieder hochgetrieben hätte, die sie schon intus hatte. „Nein, ich bin müde … ich muss ins Bett.“, beeilte sie sich zu sagen und wollte schon von dem Barhocker herunterrutschen. „Och komm schon, Anna … Es ist noch nicht mal zwölf.“, sagte Susanne und sah sie mit dem Blick einer Mutter an, die gerade eifrig bemüht war, einen Kupplungsversuch zu starten und nicht bereit war, sich mit einer Niederlage abzufinden.

Ehe Anna es verhindern konnte, hatte Susanne ihr Glas gefüllt. Entsetzt sah sie ihre Mutter an. Doch die lächelte nur auf ihre gewohnt liebenswürdige Weise. War ja klar, dass die beiden einer Meinung sind …, ging es ihr angesäuert durch den Kopf. Hast du etwas anderes erwartet? …, antwortete die zynische Stimme aus dem Hintergrund. Seufzend beobachtete sie, wie Susanne Tom den Wein einschenkte und schließlich die fast leere Flasche demonstrativ auf den Tresen stellte. „Trinkt ihn ruhig aus. Wenn er einmal offen ist, verliert er so schnell sein Aroma.“ Anna verdrehte genervt die Augen. Ihre Mutter verschwand in der Küche. „Das haben Sie wirklich toll hinbekommen.“, bemerkte sie giftig. „Ich habe dir heute schon einmal gesagt, dass du mit dem Gesieze aufhören sollst.“, erklärte Tom mit jener Arroganz, die Anna jedes Mal auf die Palme trieb. „Und ich habe Ihnen heute schon einmal gesagt, dass Sie mir befohlen haben, beim Sie zu bleiben.“, äffte sie ihn nach und starrte angestrengt auf die Vitrine. Tom seufzte unwillig. „Das ist nicht die passende Umgebung für einen Streit.“, tadelte er. Warum bist du auch hierhergekommen …, dachte sie und schnaubte resigniert. Dann wandte sie sich wieder zu ihm und funkelte ihn erbost an. „Was soll das alles? Was ist das für ein Spiel, das Sie hier spielen?“, fuhr sie ihn schließlich an. Er riss überrascht die Augen auf. „Spiel?“ Annas Unsicherheit schwoll an. „Na, dass alles hier.“ Mit einer ausladenden Handbewegung deutet sie auf ihre Situation. Dabei stand ihr das Weinglas im Weg. Mit einem lauten Scheppern kippte es auf den Tresen. Der Wein schwappte heraus ... direkt auf Toms Hose. Erschrocken schlug Anna sich die Hand vor den Mund. Ihre Augen weiteten sich, während ihr Blick panisch zwischen Toms Gesicht und seiner weingetränkten Hose hin und her huschte. „Scheiße …“, entwischte es ihr. Mit einem undefinierbaren Blick sah er sie an. „Oh Gott, Tom … das tut mir leid.“ In dem Moment kam Susanne aus der Küche zurück. Als sie das Unheil auf dem Tresen bemerkte, riss sie entsetzt die Augen auf. „Oh Gott, Anna, was ist passiert?“ „Mama … Oh Mann, ich hab das Glas umgewedelt.“, jammerte sie und hätte um ein Haar in ihrer Hektik auch noch die Weinflasche umgeworfen. Tom fing sie im Reflex auf, ehe sich ihr Inhalt ebenfalls über seinem Schoß ergießen konnte.

Susanne suchte hastig nach einer Küchenrolle und reichte sie Tom mit tiefem Bedauern in den Augen. Mit einem tadelnden Kopfschütteln und einem Blick in Annas entsetztes Gesicht riss Tom ein paar Papiertücher ab und tupfte umständlich den Wein von seiner Hose. „Halb so schlimm … Beißt sich farblich nur irgendwie mit dem Kaffee auf dem Pullover …“, bemerkte er trocken. Susanne trat um den Tresen herum und besah sich das Dilemma. „Das müssen Sie sofort auswaschen, Tom, ansonsten kriegen Sie die Flecken nie wieder raus.“, sagte sie hastig. „Oh Gott, das tut mir so leid.“, beteuerte sie sichtlich geschockt. „Schon gut … ich lebe ja noch.“, bemerkte Tom gelassen, während er Anna mit einem sardonischen Lächeln musterte. Die sank auf dem Barhocker zu einem Häufchen Elend zusammen, ehe sie zerknirscht murmelte: „Ich hab doch gleich gesagt, ich will keinen Wein mehr.“ „Anna hilft Ihnen, das auszuwaschen …“, sagte Susanne eilig. Ein Protest rollte Anna auf die Zunge, doch der ernste Blick ihrer Mutter ließ ihn in Luft auflösen, ehe er über ihre Lippen kommen konnte. Sie seufzte lauter als notwendig und rutschte mit einem geknurrten „Kommen Sie mit.“ von dem Barhocker herunter. Mit sichtlichem Widerwillen trottete in Richtung Treppe. „Ich komme gleich nach und bringe Ihnen was zum Wechseln. Anna, nimm ein wenig Salz, dass zieht den Wein aus dem Stoff.“, rief Susanne ihr nach, woraufhin Anna ihrer Mutter einen Blick zuwarf, der hätte töten können.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Sep 05 2012, 07:32

Teil 42

Tom hatte die Szene zwischen Anna und ihrer Mutter mit stillem Amüsement beobachtet. Normalerweise wäre er bei so einem Fauxpas an die Decke gegangen, aber unter diesen Umständen hielt er seinen Ärger im Zaum. Fluchend stieg Anna voran die Treppe hinauf in das Heiligtum der Polaukes. Er betrat hinter ihr eine hübsche gemütliche Küche, die auf einen langen Flur zulief. Anna hielt vor der ersten Tür auf der rechten Seite und öffnete sie. Dann trat sie zur Seite und deutete ihm mit einem steifen Nicken, einzutreten. Sie räusperte sich vernehmlich. „Wenn Sie … die Hose … ausziehen, dann wasche ich die Flecken schnell aus.“ Tom hob eine Augenbraue und musterte Anna vielsagend. Ehe er es verhindern konnte, verzog sich sein Mund zu einem schiefen Grinsen. „Den Pullover auch?“ Mit einer Faszination, die ihn verwunderte, starrte sie auf die gelbbraunen Flecken auf dem beigefarbenen Stoff. „Anna?“ Ihr Kopf hob sich, seine Augen fanden ihre. Sie nickte. Dann wandte sie den Blick ab und fuhr sich mit der Hand nervös durch die Haare. „Ähem … ja, … ziehen Sie es einfach aus. Meine Mutter bringt Ihnen gleich etwas …“ Sie räusperte sich, mied angestrengt den Augenkontakt. „Mein Vater hat etwa dieselbe Größe wie Sie.“, fügte sie murmelnd hinzu, während sie sich unschlüssig umsah. Gott, wenn du doch nur endlich mit diesem blöden Gesieze aufhören würdest. Das hört sich so ... bescheuert an …, dachte er frustriert. Sie waren sich doch schon längst nicht mehr so fremd, wie sie ihrer Umgebung Glauben machen wollte.

Als Tom nicht reagierte, sah sie ihn wieder an. Seine Augen fanden erneut ihre, … hypnotisierten sie, und ohne den Blick abzuwenden, öffnete Tom den Gürtel seiner Hose und zog ihn aus den Schlaufen. Er grinste gelassen, als er langsam seine Hose aufknöpfte und sie von seinen Hüften zu Boden gleiten ließ. Anna schluckte. Wenig später zog er den Pullover über den Kopf, so dass ihm lediglich Unterwäsche und Socken am Körper blieben. Anna schnappte leise nach Luft. Ihr Gesicht nahm eine hübsche Farbe an, und Tom musste sich ein Schmunzeln verkneifen. Sie hatte ihn schon mit weit weniger Klamotten am Körper gesehen. Warum trieb ihr sein Anblick plötzlich die Schamesröte ins Gesicht? Na, wie dem auch sei, er fand es irgendwie … süß. Schritte näherten sich vom Flur und schließlich erschien Susanne in der Tür. Ohne mit der Wimper zu zucken reichte sie ihm eine Hose und ein Shirt. „Ich hoffe, die Sachen passen Ihnen.“ Tom nickte und bedankte sich. „Ich habe euch noch eine Flasche von dem Wein auf den Tisch im Wohnzimmer gestellt … quasi als Entschädigung. Sie können heute Nacht gern hierbleiben, Tom … während Ihre Sachen trocknen.“ „Nein, das kann er nicht … Er … er muss dringend nach Hause.“, schoss es hastig aus Anna heraus. Susanne sah sie verwundert an, und Tom zog die Brauen hoch. Nein, muss ich nicht. Außerdem fängt das hier doch gerade an, Spaß zu machen ..., amüsierte sich Tom. Anna begann, sich wie ein Aal zu winden und ehe die Situation ganz peinlich werden konnte, schritt ihre Mutter ein. „Anna, wasch schnell die Sachen aus.“ Sie sah ihre Mutter an, als hätte sie soeben von ihr verlangt, ihren Vater zu erwürgen. „Danke, das ist wirklich … freundlich.“ Tom lächelte, und Susanne lächelte zurück, als hätten sie soeben eine stille Übereinkunft getroffen. „Keine Sorge, das passiert häufiger. Wir kennen uns mit so etwas aus. Und wir haben öfters mal Übernachtungsgäste.“, winkte sie gelassen ab. Das bezweifelte Tom nicht, so ungezwungen wie Annas Mutter mit der Situation umging – im Gegensatz zu ihrer Tochter.

Susanne wollte gerade wieder gehen, als Anna sie abrupt zurückhielt. „Mama, wo bitte soll Herr Lanford denn schlafen?“ Susanne lächelte milde, bevor sie ihre nächste Frage an Tom richtete. „Hätten Sie etwas dagegen, bei Anna zu übernachten?“ Anna schnappte nach Luft. „Ja.“ Entrüstet funkelte sie ihre Mutter an. „Das ist mein Chef, Mama … Das geht nicht.“, protestierte sie. „Ach so, ... dein Chef?“, raunte sie und zwinkerte Anna verschwörerisch zu, während sie einen schnellen Blick auf Tom warf. „Mhmm ... er schaut dich aber nicht an, als wäre er dein Chef.“ „Was?“ Anna war fassungslos. Susanne seufzte angestrengt und neigte streng den Kopf. „Anna, mag sein, dass du blind bist … ich bin es nicht.“ Anna klappte der Mund auf. „Und erzähl mir nicht, dass du ihn nicht magst. Ich hab gesehen, wie du ihn ansiehst.“, fügte sie flüsternd hinzu. „Mama.“, brüskierte sich Anna entsetzt. Susanne beugte sich zu ihr, lächelte und flüsterte leise: „Er sieht nett aus.“ Anna öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn aber wieder, ehe ihr die wüste Beleidigung entschlüpfen konnte, die ihr auf der Zunge lag. Währenddessen eilte Susanne den Flur zurück und verschwand durch die Küche. „Ich mag deine Mutter.“, bemerkte Tom sichtlich amüsiert. Annas Kopf schnellte zu ihm herum. Wenn Blicke hätten töten können, würde sich jetzt an seiner Stelle nur noch ein Häufchen Asche befinden. Mit vor Wut glühendem Gesicht hob Anna seine Klamotten auf und machte sich dran, die Flecken auszuwaschen, während Tom in eine graue Jogginghose und ein blaues T-Shirt mit V-Ausschnitt schlüpfte.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Sep 05 2012, 15:48

Hach ist das schön. Anna, die sich in ihrer Entschlossenheit windet, diesen Mann, dem sie doch am liebsten eigenhändig die Klamotten vom Leibe reißen würde, nicht an sich heran zu lassen. Das stille Einverständnis zwischen Susanne und Tom. Sein amüsiertes Gedankengut ...
und nicht zuletzt diese Situation, die zwischen Peinlichkeit, Scham und Sehnsucht hin und her tingelt.
Ich finde es einfach phantastisch Very Happy Very Happy
Und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung. Wink
Liebe Grüße Mini-Schatz
von der begeisterten Katha

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Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Sep 05 2012, 18:18

katha schrieb:
Hach ist das schön. Anna, die sich in ihrer Entschlossenheit windet, diesen Mann, dem sie doch am liebsten eigenhändig die Klamotten vom Leibe reißen würde, nicht an sich heran zu lassen. Das stille Einverständnis zwischen Susanne und Tom. Sein amüsiertes Gedankengut ...
und nicht zuletzt diese Situation, die zwischen Peinlichkeit, Scham und Sehnsucht hin und her tingelt.
Ich finde es einfach phantastisch
Und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung. Wink
Liebe Grüße Mini-Schatz
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Danke, Danke, Danke ... meine Liebe. Hach, deine Worte gehen doch glatt runter wie Öl. Kann man gar nicht genug von bekommen. sunny

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Sep 08 2012, 10:54

Eine kleine Fortsetzung für euch. Wink


Teil 43

Anna versuchte angestrengt, sich auf ihre Hände zu konzentrieren, die mit fahrigen Bewegungen versuchten, die Flecken aus der Hose zu waschen. In Gedanken verfluchte sie zuerst ihre Mutter und dann Tom … Sie spürte, wie Toms Blick in ihren Rücken brannte, und sie kochte vor Wut. Wut auf ihre Mutter … Wut auf Tom und die Tatsache, dass sie ihn gezwungener Maßen die ganze Nacht am Hals hatte. Sie würde kein Auge zutun … dabei war sie doch so müde. Zum zweiten Mal trat sie sich gedanklich dafür in den Hintern, dass sie vorzeitig Die Lounge verlassen hatte und nach Hause gegangen war. Wenn sie noch eine Stunde geblieben wäre, wäre sie Tom vermutlich nie begegnet und würde jetzt nicht hier im Bad ihrer Eltern sitzen und Weinflecken aus einer Hose waschen, während ihr Träger sie auf eine Weise beobachtete, die ihr mit jeder Minute unangenehmer wurde. Zwanzig Minuten später waren die Weinflecken aus der Hose und die Kaffeeflecken aus dem Pullover verschwunden. Anna hängte die Sachen über eine Leine und hockte sich auf den Badewannenrand. Schweigend starrte sie auf ihre Füße, unschlüssig, was sie jetzt tun sollte. Vielleicht sollte sie Katja fragen, ob sie bei ihr schlafen konnte. Dann hatte Tom ihr Zimmer für sich allein. Prima Idee … Sie sprang auf, und Tom sah sie fragend an. „Ich frage meine Schwester, ob ich bei ihr schlafen kann. Dann können Sie mein Zimmer nutzen.“ Sie hatte die Worte kaum zu Ende gesprochen, als Tom unvermittelt die Badezimmertür schloss und sich dagegen lehnte. Erschrocken von dieser plötzlichen Intimität, trat Anna einen Schritt zurück. „Was ist los, Anna? Warum weichst du mir aus?“ In die Enge getrieben, wie ein verschrecktes Kaninchen, wich sie weiter vor ihm zurück, brachte Abstand zwischen ihn und sich, so weit der Raum es zuließ. Ihre Kniekehlen stießen gegen den Rand der Badewanne, und sie verlor den Halt. Tom machte einen Schritt nach vorn, schlang seinen Arm um ihre Taille und fing sie auf, bevor sie unsanft in der Wanne landen konnte. Anna erstarrte, als sie sich unvermittelt in seinen Armen wiederfand. Ihr Herz raste, und augenblicklich wurde sie sich der Tatsache bewusst, dass sie gefangen war. Sie erwog den Gedanken, laut zu schreien, in der Hoffnung, jemand würde sie hören und ihr zu Hilfe eilen. Tom, der ihre Absicht zu spüren schien, beugte sich über sie und presste unvermittelt seine Lippen auf ihre … erstickte den Schrei, der sich seinen Weg ihre Kehle hinaufbahnte. Sie wollte ihn wegstoßen, fand aber nicht die Kraft dazu. Ihr Herz raste schneller. Ein Kribbeln zog durch ihren Bauch … nicht unangenehm, aber auch nicht angenehm. Sie zwang das Gefühl zurück, das sich mit diesem unerwarteten Kuss in ihr anbahnte. Ich will das nicht ... ich will das nicht ..., jagte es durch ihren Kopf … ich will das …

Tom hatte die Situation so nicht kommen sehen. Es war einfach passiert. Und er war nicht unglücklich darüber, dass es passiert war. Die plötzliche Wärme, die von ihrem Körper ausging, hüllte ihn ein, und eine schmerzliche Sehnsucht rollte durch seine Adern, setzte den Wunsch in ihm frei, sie niemals wieder loslassen zu müssen. Einen langen Augenblick sah er Anna in die Augen, nachdem er den kurzen Kuss wieder gelöst hatte. Überrascht nahm er zur Kenntnis, dass sie ihm noch keine geknallt hatte. Seine Hand strich ihr das blonde Haar aus dem Gesicht, glitt über ihre Wange und legte sich unter ihr Kinn. Langsam glitt er mit seinem Daumen über ihre Lippen, während sein Blick tief in ihre Augen gerichtet war. Anna blinzelte. Ihr Atem stockte, ehe er sich wieder beschleunigte. Wie hypnotisiert sah sie ihn an. Seine Hand stahl sich in ihren Nacken und krallte sich in ihr Haar, ehe er ihr Gesicht erneut zu sich zog und die Augen schloss. Ihre Lippen waren so weich und süß, und augenblicklich war es wieder da – das Gefühl, als er sie in diesem Hotelzimmer geküsst hatte … und heute im Treppenhaus. Doch das hier war kein Hotelzimmer und auch kein einsames Treppenhaus … aber das war ihm gleich. Die Hand, die in ihrem Rücken lag, glitt langsam hinab und blieb schließlich auf ihrer Hüfte liegen. Sanft presste er sie enger an sich, während ein leises Seufzen aus seiner Kehle drang. Er öffnete seine Lippen und stupste sanft mit seiner Zunge gegen ihre. Als hätte er ihr damit einen Stromstoß verpasst, zuckte Anna in seinen Armen zusammen. Tom murrte unwillig. Verdammt noch mal, Anna, du tust ja gerade so als wäre das Ganze eine Parodie auf „Die Schöne und das Biest“ ... Er lockerte seinen Griff und Anna nutzte sofort die Gelegenheit, sich von ihm zu lösen. Seine Augen sahen in ihre und sie erwiderte schweigend seinen Blick. Ihr heftiger Atem und ihre glasigen Augen sagten ihm, dass ihr der Kuss zumindest nicht ganz unangenehm war. Tom streckte die Hand nach ihr aus und strich behutsam über ihr Gesicht. Sie sah auf, wich aber nicht zurück. Er war gewillt, diesen Kuss zu wiederholen, am liebsten sofort, … doch dann räusperte sie sich und unterbrach das spannungsgeladene Knistern zwischen ihnen. Unschlüssig sah sie sich um, rang nervös die Hände – zappelnd wie ein Hase, der in eine Falle getappt war und einen Ausweg suchte – und schien zum ersten Mal zu begreifen, dass sie im Badezimmer ihres Elternhauses standen.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Sep 08 2012, 20:42

Wie du siehst bin ich wieder angekommen Wink
Na Anna? War´s schlimm? fällt mir da spontan ein. Ab das ist wohl nicht die Frage die sich Anna stellt. Die lautet wohl eher: Und? Wann bist du wieder verschwunden?
Ach man, wenn sie Tom nur endlich zuhören würde, aber sie plant ja schon wieder die Flucht, die wie ich ganz unverschämt (und natürlich völlig unwissend Wink ) hoffe, nicht gelingen wird.

Ich freue mich auf die Fortsetzung Smile

Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Sep 09 2012, 14:09

katha schrieb:
Wie du siehst bin ich wieder angekommen Wink
Na Anna? War´s schlimm? fällt mir da spontan ein. Ab das ist wohl nicht die Frage die sich Anna stellt. Die lautet wohl eher: Und? Wann bist du wieder verschwunden?
Ach man, wenn sie Tom nur endlich zuhören würde, aber sie plant ja schon wieder die Flucht, die wie ich ganz unverschämt (und natürlich völlig unwissend Wink ) hoffe, nicht gelingen wird.

Ich freue mich auf die Fortsetzung Smile

Liebe Grüße
Katha

Ja, schön, dass du (ihr) wieder heile angekommen seid. Wink Und Anna? Ja, sie sucht einen Ausweg aus der Falle, aber gut, ob es funktioniert, werden wir noch sehen. Danke dir für den liebe Kommi und natürlich auch für den tollen Nachmittag gestern. Smile

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Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"
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