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 Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"

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Mini_2010

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BeitragThema: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 04 2012, 10:11

das Eingangsposting lautete :

Anna und Tom, beide in ihrer Vergangenheit gefangen, haben nach vielen Auf's und Ab's in einem eher unberechenbaren Verhältnis zueinander eine leidenschaftliche Nacht im Hotel verbracht. Das Erwachen am Morgen danach verläuft leider alles andere als romantisch. Und sowohl Anna als auch Tom müssen sich nach diesem Erlebnis die Frage stellen, ob sie bereit sind, die schmerzhafte Vergangenheit mit all ihren Dämonen hinter sich zu lassen, und einen Neuanfang zu wagen ... Aber, wie auch immer sie sich entscheiden mögen - Liebe findet ihren Weg ...


Teil 1

Das Türblatt wackelte bedrohlich, noch lange nachdem Tom es hinter sich zugeworfen hatte. Anna fixierte das Holz und versuchte zu begreifen, was soeben passiert war. Als die Erkenntnis, dass er sie soeben abserviert hatte, in ihrem Hirn angekommen war, brach sie unvermittelt in Tränen aus. Was sollte das jetzt? Hatte sie irgendetwas falsch gemacht? Der Stich in ihrem Herzen ließ sie sich zusammenkrümmen. Sie keuchte auf, versuchte, den Schmerz zu verdrängen und kämpfte einen neuen Schwall Tränen beiseite. Doch die Wucht der Emotionen war stärker. Laut schluchzend sank sie auf dem Bett zusammen und wünschte sich einmal mehr, sie wäre damals wirklich vom Dach gesprungen. Ihr Leben war schon kompliziert genug. Warum nur konnte es nicht einfach mal jenen berühmten Lichtstreif am Horizont geben? Warum nur war Tom manchmal der liebste Mensch der Welt, nur um dann zehn Minuten später wieder zu dem unausstehlichen Kotzbrocken zu mutieren? Er wechselte seine Stimmung schneller als ein Victoria Secrets Model die vorzuführende Unterwäsche auf einem Catwalk. Gott, wenn man sich sein Verhalten so verinnerlichte, bekam die Bezeichnung „Multiple Persönlichkeit“ eine ganz neue Bedeutung. Was soll’s, hier liegen zu bleiben und sich selbst zu bedauern, brachte sie auch nicht weiter … und spätestens wenn der Zimmerservice sie in ein paar Stunden fand, würde sie sich der Tatsache stellen müssen, dass hier nicht der geeignetste Ort war, sich vor der Welt zu verstecken. Also warum nicht gleich verschwinden. Und außerdem hatte sie noch etwas mit Tom zu besprechen. Sie verdiente zumindest eine Erklärung.

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Gedankenverloren starrte Tom durch die Windschutzscheibe seines Wagens und versuchte, der Flut seiner Erinnerungen an die vergangene Nacht Herr zu werden. Verdammt, da hatte er aber wahrlich Mist gebaut. Warum nur hatte er heute Morgen zu ihr gesagt, dass die Nacht zwar schön war, aber keine Bedeutung hatte, wenn er es doch eigentlich gar nicht so gemeint hatte? Warum war er nicht in der Lage, genau das auszusprechen, was in ihm vorging? Gestern in diesem Schwimmbad hatte es doch auch funktioniert. Klar, war es am Anfang unangenehm gewesen. Er hatte selten in seinem Leben geweint … und schon gar nicht vor einer Frau. Diese Art von Schwäche offen zu zeigen, hätte ihn normalerweise zutiefst verwirrt, aber bei Anna hatte er das Gefühl, dass er davor keine Scheu haben musste … dass sie ihn verstand. Sie hatte ihn aufgefangen, ihn festgehalten und dann … Er seufze, während er den Kopf gegen die Nackenstütze lehnte und an die Decke starrte. Er hatte es verbockt … wieder mal. Doch damit hätte er leben können. Womit er nicht leben konnte, war die Tatsache, dass er Anna offensichtlich ziemlich heftig vor den Kopf gestoßen hatte. Das wollte er nicht, aber als er heute Morgen neben ihr aufgewacht war – auch wenn er im Grunde kaum geschlafen hatte, weil ihn die Ereignisse derart aufgewühlt hatten, dass er keine Ruhe fand –, wusste er plötzlich nicht mehr, was richtig war und was nicht. Es hatte sich gut angefühlt, sie im Arm zu halten … irgendwie richtig. Doch dann war ihm Carla durch den Kopf gegeistert und sein Gewissen hatte sich gemeldet. Carla, die Frau, die an seiner Seite stand und das seit fast zwei Jahren. Die immer da war, wenn er jemanden brauchte. Sie ergänzten sich gut, mochten sich auf eine Weise, die weit über eine gewöhnliche Freundschaft hinausging … aber reichte es für … Liebe? Und dann war da Anna, die ihn verstand, wie es noch nie jemand getan hatte. Und sein Herz sehnte sich nach diesem Gefühl, mit diesem Schmerz nicht allein sein zu müssen. Ihre Worte berührten ihn, schenkten ihm Trost, so dass er anfing zu glauben, irgendwann in seinem Leben einen Punkt erreichen zu können, an dem er mit dem Verlust von Fanni abschließen konnte. Anna vermochte es … und sie war die Einzige. Was sie miteinander verband, war zu groß, um es als Freundschaft zu bezeichnen. Liebe? Er wusste es nicht. Sicher, da waren Gefühle … die er kannte, doch sie waren ihm in den Jahren fremd geworden.

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Zuletzt von Mini_2010 am Mi Jul 04 2012, 10:30 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo Sep 10 2012, 21:09

Teil 44

Als Anna sich der intimen Situation gewahr wurde, stieg neue Panik in ihr auf. Oh Gott, was tue ich hier? Tom, verdammt … was soll das? Hastig sah sie sich um. Hier konnte jeden Moment jemand reinkommen. Gut, ihre Mutter hätte sicher nichts dagegen, sie in dieser Situation vorzufinden. Aber ihr Vater … und dann war da ja auch noch Katja. Sie würde sich geradezu das Maul darüber zerreißen, wenn sie Anna hier mit Tom erwischte. „Ähem … wir blockieren … das Badezimmer.“, erklärte sie knapp und schielte sehnsüchtig zur Tür, die Tom noch immer versperrte. „Meine Eltern kommen sicher gleich hoch und dann …“ Er lächelte unbeeindruckt, verstärkte sogar den Anschein, indem er sie unvermittelt wieder in seine Arme zog und einen neuen Versuch startete, sie zu küssen. Was ist nur in dich gefahren, Tom? Dann schoss ein anderer Gedanke durch ihren Kopf. „Was ist mit Carla?“ „Was soll mit ihr sein?“, hauchte er leise. Seine Lippen streiften ihre, doch Anna wandte ihren Kopf ab, so dass sein Kuss auf ihrer Wange landete. „Ich meine, sie war heute ganz und gar nicht wie die Carla, die ich sonst kenne.“, stammelte sie. Seine Lippen wanderten quälend langsam über ihre Wange, glitten ihren Hals hinab, und in Anna schwoll die Panik weiter an. „Hör auf, über Carla nachzudenken.“, murmelte er. Irritiert griff sie nach seinen Händen, die sich unkontrolliert auf Wanderschaft begeben hatten, und schob ihn von sich. Dann schüttelte sie langsam den Kopf und sah ihn unsicher an. „Und wie soll das jetzt weitergehen?“ „Was weitergehen?“, säuselte er und lächelte verführerisch. „Na ja, das hier…“, begann sie, wusste jedoch nicht so recht, wie sie das aussprechen sollte, was sie dachte. Und einmal mehr wünschte sie sich, sie wäre nicht hier in diesem engen Raum gefangen. Geschickt löste sie sich aus seiner Umarmung. Vollkommen durcheinander von dem Kuss wandte sie sich um und prüfte überflüssigerweise den Feuchtigkeitsgrad seiner Klamotten, während sie versucht, ihre Gefühle wieder in den Griff zu bekommen. Oh Mann, er wird wirklich hier bleiben müssen. Aus den Augenwinkeln musterte sie ihn von oben bis unten. Mhmm, … in der Jogginghose und dem T-Shirt sieht er auch ziemlich … Verdammt Anna … Nein! Nicht schwach werden! Nicht schwach werden!

„Du meinst, das mit … uns?“, mutmaßte Tom und riss Anna aus ihren widerstreitenden Gedanken. Uns? Ihr Blick hob sich und fand seinen. „Sie haben gesagt, es gibt kein Wir.“, protestierte sie. „Du!“ „Was?“ Tom trat näher und fast schon schien es Anna, als würde er wieder mal den Chef raushängen lassen, nur um ihr zu zeigen, dass er selbst hier das Sagen hatte. Erneut legte er seine Arme um sie. Anna schluckte angestrengt und sah ihn vorsichtig an. „Ich habe gesagt, du sollst Du sagen!“ „Das ist nicht der richtige Ort.“, bemerkte sie schroff und verschränkte brüsk die Arme vor der Brust. Es sollte wütend wirken, … der Versuch war jedoch einfach nur jämmerlich. Sein Kuss hatte ihr schlicht den Wind aus den Segeln genommen. „Stimmt. Dann lass uns doch in dein Zimmer gehen.“ Anna schluckte erneut, während die Panik in ihr eine neue Stufe erklomm. Nein! Nie im Leben lass ich dich in mein Allerheiligstes. Dann kam ihr ein willkommener Gedanke. „Meine Mutter hat uns noch eine Flasche Wein gebracht. Sie wäre beleidigt, wenn wir ihre Geste ignorieren würden.“, erklärte sie schnell. Wenn sie schon keinen klaren Kopf mehr bekommen würde, dann würde sie sich eben völlig benebeln. „Ganz meine Meinung.“, säuselte er verführerisch. Abermals geriet sie ins Stocken. Verdammt, das alles lief ganz und gar nicht so, wie sie wollte. Wenn er nur nicht so nahe wäre …, ging es ihr verwirrt durch den Kopf. Als hätte er ihre Gedanken vernommen, ließ Tom sie los und drehte sich zur Tür um. Erleichtert stieß Anna die Luft aus. Na bitte, jetzt musste sie Tom nur noch davon überzeugen, dass es keine gute Idee war, die Nacht gemeinsam zu verbringen.

Zehn Sekunden später standen sie auf dem Flur. Augenblicklich fühlte Anna sich behaglicher. Zielstrebig schob sie sich an ihm vorbei und steuerte mit entschlossenen Schritten das Wohnzimmer an. Was Tom direkt vereitelte, als er ihre Hand ergriff und sie zurückhielt. „Wo willst du hin?“, verlangte er zu wissen. Erstaunt sah sie ihn an. „Na, den Wein trinken.“ Geschickt entwand sie ihm ihre Hand. „Wo?“ „Im Wohnzimmer.“ Erneut fasste er sie bei der Hand und hielt sie zurück. „Ich würde den Wein gern mit dir unter vier Augen genießen.“ Das ist mir klar, … aber ich will das nicht. „Das ist keine gute Idee, Tom.“ „Warum nicht?“ Vollkommen perplex sah sie ihn an, begegnete seinem arglosen Blick, der sie direkt wieder aus dem Konzept riss. Worauf zum Teufel wollte er hinaus? Resigniert seufzte er auf, neigte den Kopf und sah sie mit diesem bekümmerten Blick an, der Annas Knie weich werden ließ. „Anna …“, begann er sanft. „Ich versuche schon den ganzen Tag, mit dir zur reden. Erst bist du geflohen, dann hat uns Enrique gestört und dann bist du wieder abgehauen. So langsam frage ich mich, ob du Angst vor mir hast.“ „Angst?“ Ihre Stimme klang ein wenig zu hoch. Hastig wandte sie sich um, um ihre Verlegenheit zu verbergen. Angst nicht direkt … oder vielleicht doch ein bisschen. Entschlossen strebte sie das Wohnzimmer an und hoffte inständig, dass er ihr folgen würde. Die Nähe zu ihrem Zimmer behagte ihr nicht. „Ich mag nur keine Weinflecken auf der Bettwäsche.“, platzte es aus ihr heraus, bevor sie ihre Worte sorgfältig überdenken konnte. „Bettwäsche?“ Er lachte leise. „Befinden sich in deinem Zimmer keine anderen Sitzgelegenheiten, außer einem Bett?“ Der belustigte Unterton in seiner Stimme, trieb neuen Ärger in ihr hoch.“ „Doch, natürlich.“, stammelte sie. Gott, wie blöd von mir. „Ich dachte nur, Sie wollten doch reden.“ „Ja, aber ungestört.“ Abrupt blieb sie stehen, wandte sich zu ihm, hob die Brauen und lächelte indigniert. „Ungestört … ist nicht gut.“ Ein sardonisches Grinsen schlich sich in seine Züge, ehe er antwortete: „Wir können diese Unterhaltung auch gern unter Zeugen führen. Deine Mutter hätte bestimmt nichts dagegen, mehr darüber zu erfahren, was zwischen uns vorgefallen ist.“ Anna klappte überrascht die Kinnlade auf. Erschrocken sah sie ihn an, ehe sich ihr Gesicht mürrisch verzog. „Lassen Sie meine Mutter aus dem Spiel.“, knurrte sie missmutig. Tom lächelte. „Deine Entscheidung.“ Anna seufzte theatralisch und bedachte sie mit einem missbilligenden Blick. Meine Entscheidung? Sehr witzig … Das ist glatte Erpressung. Sie überlegte einen Moment, doch schon nach wenigen Sekunden erkannte sie, dass sie kaum eine andere Wahl hatte. „Warten Sie hier.“ Zu ihrer Überraschung gehorchte er ohne Einwände.

Mit einer Litanei an Flüchen im Kopf stapfte Anna ins Wohnzimmer, griff mit einer forschen Handbewegung die Weinflasche, die auf dem Tisch stand, und schalt sich ein blödes Schaf, weil sie ihn an diesem Zwischenfall im Hotel erinnert hatte. Im Stillen betete sie, dass es ihr gelingen würde, den Abstand zu wahren, was sicherlich kein leichtes Unterfangen werden würde … vor allem nicht nach dem, was im Badezimmer vorgefallen war. Ein glühendes Kribbeln zog durch ihren Körper, als sie sich daran erinnerte. Eilig schob sie das Gefühl beiseite. Wenn er sich einbildete, sie würde auf seine Avancen eingehen, dann war er schief gewickelt. Kurze Zeit später kehrte sie in den Flur zurück, wo Tom gehorsam gewartet hatte, und blieb unschlüssig vor ihm stehen. Nervös ließ sie die Flasche von einer Hand in die andere gleiten, während sie sich alle Mühe gab, ihn böse anzusehen. Unbeeindruckt zog er die Brauen hoch. „Gläser?“ Anna hob die Brauen und sah auf die Flasche in ihrer Hand. „Ähem … ja.“ Ohne ein weiteres Wort wandte sie sich um und stiefelte mit der Flasche in der Hand in die Küche. Einen deftigen Fluch auf den Lippen griff sie zwei Gläser aus dem Schrank und stapfte missmutig zurück in den Flur, während sie sich keine Mühe gab, ihren Widerwillen zu verbergen. Wieder blieb sie vor ihm stehen, und abermals zog er fragend die Brauen hoch, während er mit leichtem Amüsement die Ausbeute in ihren Händen betrachtete. „Korkenzieher?“ Anna schnaufte ärgerlich auf, drückte Tom Flasche und Gläser in die Hand und murrte ein unwilliges „Selbst zu Hause muss ich mich von ihm herumkommandieren lassen“. Als sie den Korkenzieher in einer Schublade in der Küche gefunden hatte, kehrte sie zurück und stolzierte mit vorgerecktem Kinn an ihm vorbei zu ihrer Zimmertür. Tom folgte ihr schweigend. Einen Augenblick lang verharrte sie vor ihrer Tür. Es hatte keinen Sinn, das Unvermeidliche noch weiter hinauszuzögern. Er würde ohnehin nicht nachgeben. Mit einem niedergeschlagenen Seufzen öffnete sie die Tür und trat in ihr Zimmer. Tom folgte ihr. Wortlos und mit einem Blick, der einen Toten in die Flucht geschlagen hätte, nahm sie ihm mit einer ruppigen Bewegung die Flasche und die Gläser ab, ging zu ihrem Schreibtisch und stellte beides gleichsam unsanft ab.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo Sep 10 2012, 22:27

Mini,
ich liebe diesen Tom, wenn er Anna mit nur einzelnen trockenen Worten in den Wahnsinn treibt. Und ich kann mir sein amüsiertes Grinsen genauso wie Annas verwirrtes Herumirren nur zu gut vorstellen.

Der Teil ist wirklich klasse!!! Und ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung. bounce
LG, Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Sep 11 2012, 07:41

katha schrieb:
Mini,
ich liebe diesen Tom, wenn er Anna mit nur einzelnen trockenen Worten in den Wahnsinn treibt. Und ich kann mir sein amüsiertes Grinsen genauso wie Annas verwirrtes Herumirren nur zu gut vorstellen.

Der Teil ist wirklich klasse!!! Und ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung. bounce
LG, Katha

Ja, Anna ist schon echt bekloppt ... und Tom die Schadenfreude in Person. Wenn man bedenkt, wie verkrampft die beiden zu der Zeit noch waren ... Unglaublich Rolling Eyes

Danke dir für deinen lieben Kommi. Fortsetzung kommt natürlich so bald als möglich ... Wink Wink Wink

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Sep 11 2012, 13:54

Teil 45

Nachdem Anna Tom die Flasche und die Gläser aus der Hand genommen hatte, sah er sich neugierig in dem Zimmer um. Er hatte sich immer gefragt, wie Anna wohnte. Und er hatte keine Ahnung gehabt, was er vorfinden würde. Der Raum war hübsch eingerichtet und ließ sofort das Besondere erkennen, das er von Anfang an in Anna gesehen hatte. Sie hatte Geschmack. Ihr Zimmer war nicht mit seiner Wohnung zu vergleichen … ganz und gar nicht. Während seine Wohnung zweckmäßig mit eher reduzierten Details dekoriert war, sprühte hier etwas, in dem man sich sofort wohlfühlte. Er wartete nicht ab, bis sie ihm anbot, sich zu setzen, sondern ließ sich einfach auf das Bett sinken, welches neben der Tür stand. Behutsam glitt seine Hand über die Bettdecke. „Ist das die besagte Bettwäsche, die du vor dem Wein retten wolltest?“, bemerkte er provokativ. Neugierig musterte er sie und konnte sich ein Grinsen einfach nicht verkneifen. Sie murrte leise, während aus ihrer ganzen Haltung nichts als Unwillen und Auflehnung sprach. Und irgendwie amüsierte ihn das. „Kennst du von Shakespeare die Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“?“, fragte er unvermittelt. Anna wandte sich zu ihm um und bedachte ihn mit einem Blick, als wolle sie ihn fragen, ob er sie für ungebildet hielt. „Ich meine nur … ich komme mir gerade ein bisschen vor wie Petruchio, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Katharina ihre Störrischkeit auszutreiben.“ Sein Lächeln sollte milde wirken, kam aber eher angriffslustig rüber. Annas Blick ließ die Temperatur im Raum um zwei Grad sinken. Entschlossen baute sie sich vor ihm auf, während sie ihn mit zornigen Augen anfunkelte. „Sind Ihnen Sokrates und Xanthippe ein Begriff?“ Ihre Stimme war tonlos und genauso eisig wie ihr Blick. Tom schmunzelte, auch wenn er wusste, dass diese Reaktion alles andere als hilfreich war „Den Philosophen und sein zänkisches Weib?“, hakte er nach. Anna schnaufte angestrengt. Tom fühlte, dass sie kurz vorm Explodieren stand. „Wenn du nicht willst, dass ich dich, wie Xanthippe einst Sokrates, auf die Straße jage, weil du mir mit deinen großartigen Weisheiten gehörig auf den Wecker gehst, dann hältst du jetzt besser die Klappe.“ Tom riss überrascht die Augen auf, dann begann er schallend zu lachen. Es fühlte sich so gut an, zu lachen, und er fragte sich, wann er das zum letzten Mal so spontan und ausgelassen getan hatte. Es war lange her. Zu lange …

Anna begegnete seinem Ausbruch mit völligem Unverständnis. Gelassen erhob er sich von dem Bett, trat auf sie zu, hob eine Hand und strich ihr mit einem versöhnlichen Lächeln sanft über die Wange. „Na endlich.“ Verwirrt runzelte Anna die Stirn. Sie hatte keine Ahnung, wovon er sprach. „Du hast Du gesagt.“ Dann hob er die andere Hand, streckte zwei Finger aus und bedachte sie mit einem betont unschuldigen Blick. „Ich schwöre, dass ich mich benehmen werde, dich nicht weiter provoziere und, auch wenn ich mich kaum noch zurückhalten kann, nicht ungezügelt über dich herfallen werde … Es sei denn, dir steht der Sinn danach.“ Annas Augen weiteten sich verdattert, während ihr Mund sich vor Entrüstung öffnete … dann lief sie knallrot an. Tom lächelte verschmitzt, und Anna wünschte sich, im nächsten Mauseloch einen Unterschlupf finden zu können. Seine Hand sank herab. Dann schüttelte er amüsiert den Kopf. Mit hochrotem Gesicht trat sie an ihren Schreibtisch, griff nach der Flasche, um gleich darauf an dem Verschluss herumzuhantieren. Eine Verzweiflungstat, die in erster Linie ihre Verlegenheit überspielen sollte, die seit seinem Schwur eine neue Stufe erklommen hatte. Heftig biss Tom sich auf die Zunge und zwang das Lachen zurück, was sich seine Kehle hinaufschob. Er liebte es, Anna zu provozieren, und ihre Verlegenheit war einfach hinreißend. Neugierig ließ er den Blick weiter durch den Raum schweifen, bis er schließlich an einem Podest hängenblieb, welches sich neben dem Schreibtisch erhob und zu einem Erker führte, der auf die Straße zeigte. Schweigend ruhte Sein Blick auf der gemütlichen Ecke, während er sich vorstellte, wie sie in den Sesseln und Kissen saß und in die Ferne schaute … ihren Gedanken nachhing. „Gefällt mir.“, bemerkte er schließlich. Anna wandte sich um und sah ihn fragend an, während sie versuchte, mit zitternden Händen den Korkenzieher auf der Flasche anzusetzen und in den Korken hineinzudrehen. „Dein Zimmer. Es ist so …“ „Bescheiden … unordentlich … Nicht das, was Sie von einer Designerin erwartet hatten?“, vollendete sie mit unüberhörbarem Sarkasmus seinen Satz. „Gemütlich und … inspirierend.“ Er trat erneut auf sie zu, den Blick auf die Flasche und den Korkenzieher gerichtet, die sie umständlich zu vereinen versuchte. „Es passt zu dir …“ Anna wich zurück, als er näher trat. Doch Tom griff nur nach der Flasche und dem Korkenzieher. „Lass mich das machen, sonst wird das heute nichts mehr.“ Anna verzog den Mund und rollte erneut die Augen. Dann trat sie zurück und sorgte dafür, dass der Abstand zwischen ihnen gewahrt blieb. Mit wenigen kundigen Handgriffen öffnete Tom die Flasche und füllte die beiden Gläser. Eines reichte er Anna. Dann trat er auf das Podest und sah aus dem Fenster des Erkers, während er einen Schluck aus seinem Glas trank.

Anna räusperte sich, woraufhin Tom sich zu ihr umwandte. Erwartungsvoll sah sie ihn an. „Nun … Sie wollten mit mir … reden.“, erinnerte sie ihn. Er lächelte und schüttelte mahnend den Kopf. „Wenn du mich noch einmal siezt, dann …“ Er hielt inne, während sein Blick zärtlich auf ihrem Gesicht ruhte. Als sein Blick intensiver wurde, unterbrach Anna den Augenkontakt. Ein leises Seufzen wich über ihre Lippen, dann trat sie zu ihm auf das Podest und ließ sich in den Sessel sinken. Angespannt starrte sie an ihm vorbei aus dem Fenster und nippte an ihrem Glas. Tom setzte sich auf die kleine Erhöhung vor dem Erker, die als eine Art Fensterbank fungierte, und folgte ihrem Blick. Eine Erinnerung wurde in ihm wach, und er lächelte. „Tom …“ Ihre Stimme riss ihn in die Realität zurück. Er holte tief Luft und sah sich wieder in dem Zimmer um. „Fanni hätte dieses Zimmer gefallen.“, bemerkte er leise. „Sie liebte Farben und die ganz persönliche Note. Fanni sagte immer, die Details machen einen Raum erst zu etwas Besonderem … sie schenken ihm Leben.“, fuhr er fort, während sein Blick in eine Ferne gerichtet war, die weit jenseits dieses Raumes zu liegen schien. Schweigend betrachtete sie ihn, bis sein Blick aus der Ferne zurückkehrte und ihren fand. „Nach ihrem Tod …“ Er stockte und schluckte schwer, ehe er angespannt die Luft ausstieß. „Ich hab alles aus unserer Wohnung verbannt … Bilder, Fotos … Bücher und all den ganzen Tand, an dem sie so sehr hing.“, erzählte er leise. „Warum?“, flüsterte Anna. Toms Blick streifte sie kurz, bevor er wieder aus dem Fenster glitt und erneut jene unerreichbare Ferne suchte. Die Erinnerungen waren noch immer schmerzhaft. Ein Umstand, an den er sich mit den Jahren gewöhnt hatte. Vermutlich würde der Schmerz auch nie ganz vergehen, aber irgendwie hatte er in diesem Moment, hier in diesem behaglichen Zimmer, in dem er sich sofort wohlfühlte, das Gefühl, diesen Schmerz ertragen zu können.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Sep 11 2012, 14:55

Du schreibst einfach so schön I love you .
Der Anfang ist so witzig, wie sich die beiden einen Schlagabtausch nach dem anderen geben, und Anna wohl immer irgendwie den Kürzeren zieht, während Tom sich erstaunlicherweise völlig gelassen gibt. Dabei hat er doch ein nicht ganz einfaches Gespräch vor sich.

„Ich schwöre, dass ich mich benehmen werde, dich nicht weiter provoziere und, auch wenn ich mich kaum noch zurückhalten kann, nicht ungezügelt über dich herfallen werde … Es sei denn, dir steht der Sinn danach.“
Ich kanns mir wieder mal so gut vorstellen, wie er mit treuem Hundeblick vor ihr steht und diesen Schwur abgibt. Kein Wunder, dass Anna sogleich errötet, mir wäre das auch total peinlich gewesen.

Und dann die Traurigkeit, die man sogleich spürt, sobald Tom Fanni erwähnt. Man spürt sofort den Atmosphären-Wechsel. Das ist einfach grandios. Und mein sensibel Seelchen könnte ohne Probleme schon wieder ein paar Tränchen produzieren, wenn ich mich nicht so verdammt gut im Griff hätte. Dabei hat er noch gar nicht viel gesagt... Wie soll das wohl weiter gehen? Besser ich stelle mir die Tempo-Box schon parat, bevor ich deinen nächsten Teil lese. Wink

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Sep 11 2012, 15:37

katha schrieb:
Du schreibst einfach so schön I love you .
Der Anfang ist so witzig, wie sich die beiden einen Schlagabtausch nach dem anderen geben, und Anna wohl immer irgendwie den Kürzeren zieht, während Tom sich erstaunlicherweise völlig gelassen gibt. Dabei hat er doch ein nicht ganz einfaches Gespräch vor sich.

„Ich schwöre, dass ich mich benehmen werde, dich nicht weiter provoziere und, auch wenn ich mich kaum noch zurückhalten kann, nicht ungezügelt über dich herfallen werde … Es sei denn, dir steht der Sinn danach.“
Ich kanns mir wieder mal so gut vorstellen, wie er mit treuem Hundeblick vor ihr steht und diesen Schwur abgibt. Kein Wunder, dass Anna sogleich errötet, mir wäre das auch total peinlich gewesen.

Und dann die Traurigkeit, die man sogleich spürt, sobald Tom Fanni erwähnt. Man spürt sofort den Atmosphären-Wechsel. Das ist einfach grandios. Und mein sensibel Seelchen könnte ohne Probleme schon wieder ein paar Tränchen produzieren, wenn ich mich nicht so verdammt gut im Griff hätte. Dabei hat er noch gar nicht viel gesagt... Wie soll das wohl weiter gehen? Besser ich stelle mir die Tempo-Box schon parat, bevor ich deinen nächsten Teil lese. Wink

Och Gott, du Arme. So schlimm isses doch gar nicht. Obwohl, der nächste Teil ist schon ein bisschen was für die Tränendrüsen. Wink Danke, dir mein Katha-Schatzi ...

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Sep 12 2012, 09:31

Teil 46

Angestrengt starrte Anna in das Weinglas, was sie zur Beruhigung ihrer Nerven unaufhörlich in ihren Händen drehte. Sie war nervös, und die Tatsache, dass Tom hier in ihrem Zimmer saß, machte es nicht unbedingt leichter. „Was hast du damals getan, … um den Schmerz darüber zu mildern, … dass Jonas nicht mehr da war?“, wollte Tom wissen. Annas Atem stockte, während auf Toms Worte hin ein unerwarteter Stich ihr Herz durchzog. Wie von selbst richtete sich ihr Blick auf die Sternenlampe auf ihrem Nachtschränkchen. Jonas und sie hatten zwei davon unabhängig voneinander gekauft – kurz bevor er starb. Eine innere Eingebung … ein Gedanke, der aus demselben Herzen kam. Ihre Verbundenheit war so tief, ihre Beziehung etwas ganz Besonderes – etwas Einzigartiges, was es kein zweites Mal im Leben geben würde. Niemals wieder würde sie so etwas für einen Menschen empfinden, wie für Jonas. Deshalb war sie damals auf das Dach gestiegen. Deshalb wollte sie springen … dieser Qual ein Ende bereiten. Seit Jonas nicht mehr da war, fühlte sie sich unvollständig, einsam … und leer. Seit er gegangen war, trieb sie orientierungslos wie ein Boot auf dem Meer, das seinen Steuermann verloren hatte. Ja, sie hatte dasselbe getan wie Tom. Sie hatte Jonas in ihrem Herzen eingeschlossen, zusammen mit der Liebe und dem Glück, das sie teilten, und ihn gleichzeitig aus ihrem Leben verbannt … Und dann war Tom in ihr Leben getreten, und alles hatte sich verändert … Eine Frage drängte sich unweigerlich in ihr auf. „Warum hast du mich damals wirklich davon abgehalten zu springen?“ Toms Blick verdunkelten sich ein wenig, als sich seine Brauen zusammenzogen. Er trank einen Schluck von dem Wein und richtete seinen Blick aus dem Fenster in jene unerreichbare Ferne. Die Anspannung, die unter seiner Haut zerrte, strafte seine Gelassenheit, die er vorgab, Lügen. Nach ein paar Minuten angestrengten Schweigens, wandte er sich wieder Anna zu und sah sie einfach nur an.

„Als ich dich damals auf dem Dach gesehen hab, …“, begann Tom. Die Erinnerung war schmerzhaft, aber Annas Gegenwart machte den Schmerz irgendwie erträglich. „… sah ich für einen Moment mich dort stehen. Es war ein schreckliches Gefühl, aber gleichzeitig fühlte ich mich plötzlich so verstanden wie nie zuvor.“ Er lachte leise in sich hinein. „Das ist verrückt, denn obwohl ich dich nicht kannte, fühlte ich mich dir auf eine Weise nahe, die grotesk und irgendwie seltsam befreiend war. Denn zum ersten Mal begriff ich, dass ich mit meinem Schmerz, der so lange mein Leben dominiert hatte, nicht allein war.“ Er holte tief und gequält Luft, als die Erinnerung ihn zu übermannen begann. „Ich spürte instinktiv, dass dir etwas Ähnliches wie mir widerfahren sein musste …“ Betreten blickte er zu Boden. „Ein Teil von mir wollte dir helfen, der anderer hoffte, dass ihm selbst geholfen werden würde.“ Er stieß angespannt die Luft aus und verharrte in kurzem Schweigen. „Aber dieser andere Teil war feige.“ , gestand er schließlich. Schwerfällig hob er die Schultern und ließ sie kraftlos wieder sinken. „Ich hab gekniffen und mich wieder verkrochen … die Chance nicht genutzt … Ich bin weggelaufen, wie so oft in den letzten Jahren.“ Er seufzte traurig. „Es tut mir heute noch leid, dass ich mein Versprechen, was unser Treffen am nächsten Tag betraf, nicht gehalten hab … Aber die Angst, etwas zuzulassen, war zu groß … und hinter meiner Fassade fühlte ich mich einfach sicher.“ Er stockte und sah Anna fest in die Augen. „Ich fühlte mich zu dir hingezogen, und genau darin lag die Gefahr für meine schöne stabile Mauer.“ Er lachte leise. „Ich hatte keine Ahnung, was für eine Gefahr …“ Anna neigte den Kopf und lächelte, und Tom zog entschuldigend die Brauen hoch. „Tja, und dann standest du plötzlich in meinem Büro. Und ich dachte nur Nein, nicht sie. Dein Erscheinen war für mich wie ein schlechtes Omen.“ Anna verzog das Gesicht und Tom lachte, ehe seine Miene wieder einen gefassten Ausdruck annahm. „Von da an hast du ziemlich direkt mit einem Vorschlaghammer auf meine Mauer eingedroschen.“ Er seufzte tief. „Und ich war nur noch damit beschäftigt, die Risse zu kitten und wegzulaufen … Kitten und Weglaufen. Bloß nichts zulassen … bloß keine Schwäche zeigen …“ Er sah Anna an und lächelte gequält. „Aber die Gefühle waren stärker … Du hast etwas in mir bewegt, hast mich gezwungen, über Dinge nachzudenken, meine Handlungen zu hinterfragen … etwas, was ich vorher nie getan hatte.“, sagte er leise, woraufhin Anna beschämt den Kopf senkte.

Tom wandte sich wieder zu ihr, und ein warmes Lächeln breitete sich über seine Züge. Wenn er lächelt, könnte man fast vergessen, dass es da noch diesen mürrischen Tom gibt …, ging es Anna durch den Kopf. „Weißt du, es ist nicht so, dass ich niemals aus diesem Schneckenhaus hinauswollte, aber ich verbot es mir einfach. Ich hielt so sehr an Fanni fest, während mich gleichzeitig die Angst fest im Griff hatte, noch einmal einen Menschen zu verlieren, der mir soviel bedeutet, dass ich nichts anderes zugelassen habe.“ Seine Stimme war mit jedem Wort leiser geworden, bis er schließlich gänzlich verstummte und angestrengter denn je auf seine Hände starrte, die mittlerweile merklich zitterten. Es war das erste Mal, dass er sich derartig offenbarte. Und er staunte über sich selbst, über seinen Mut und dieses Vertrauen, was er in Annas Gegenwart verspürte. Er hatte nicht mehr so empfunden, seit Fanni von ihm gegangen war. Und auch, wenn er mittlerweile völlig nackt vor ihr stand, es fühlte sich gut an … so verdammt gut, sich diesen ganzen emotionalen Ballast von der Seele zu reden. „Und dann … war da die Schuld, die ich mir immer gab. Ich hatte Fanni im Stich gelassen, weil ich Paule geholfen habe.“ „Aber das hast du doch gar nicht, Tom.“, widersprach Anna sanft. „Du hast eine Entscheidung getroffen … die du für richtig gehalten hast.“ Er hielt inne und sah sie ernst an. Ein bekümmertes Schulterzucken folgte. „Hast du dir nie die Schuld an Jonas’ Tod gegeben?“ Anna riss erschrocken die Augen auf, woraufhin Tom beschämt den Blick senkte und ein leises „Siehst du …“ flüsterte. Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, eroberte den Raum und schwoll schließlich zu einer beklemmenden Stille an. „Paule denkt bis heute, dass ich es bereue, nicht Fanni gerettet zu haben … dass ich wünschte, ich hätte sie anstelle von Fanni ertrinken lassen.“, durchbrach er schließlich die unheimliche Stille. Traurig schüttelte er den Kopf. „Aber das stimmt nicht … Ich liebe meine Schwester … und ich würde mich immer wieder so entscheiden.“ Ein bitteres Lachen ertönte, gefolgt von einem langen Seufzen. „Paule denkt nicht so über dich.“, versuchte Anna, ihn zu beschwichtigen. „Ich glaube, sie gibt sich selbst die Schuld an allem …“ Aufmunternd lächelte sie ihm zu. „Sie will doch nur, … dass du glücklich bist.“, fügte sie leise hinzu. „Keiner von euch hat Schuld … es war Schicksal.“ Er holte tief Luft und starrte mit leerem Blick aus dem Fenster. „Ja, ich weiß … das habe selbst ich irgendwann verstanden.“ Mit einem traurigen Lachen schüttelte er den Kopf, ehe er Anna lange und intensiv ansah.

Anna verstand ihn besser als er sich vorstellen konnte. Und diese ehrliche Offenbarung rührte an ihrem Herzen. Und auch wenn ein kleiner Teil ihres Selbst, der dieses Herz vehement zu schützen versuchte, sich beharrlich weigerte, stand sie auf und setzte sich zu ihm auf die Fensterbank. In diesem Moment waren sie sich so nahe, wie noch nie zuvor. Zwei Herzen, die dasselbe fühlten … Zwei Seelen, die einander tiefer verbunden waren, als es zwei Menschen je sein konnten. Sie ergriff seine Hand, und er sah auf, direkt in ihre Augen. Er lächelte beschämt. „Ja, es gibt tatsächlich einen Menschen hinter dieser Fassade. Einen mit Gefühlen, … aber auch mit viel Angst und sehr wenig Vertrauen. Und es war schwer für ihn, denn während der eine Teil von ihm deine Nähe suchte, baute der andere weiter an dieser Mauer.“ Er holte tief Luft und schüttelte den Kopf. „Aber anstatt dich von meiner Fassade abschrecken zu lassen, hast du munter weiter darauf eingedroschen.“ Anna grinste verstohlen, und Tom musste unweigerlich mitgrinsen. „Ich hoffe, du erwartest nicht, dass ich mich dafür entschuldige?“, fügte sie leise hinzu. Er schüttelte den Kopf, ehe sein Blick wieder ernst wurde. „Tja, und in dieser Nacht in Leipzig hat die Fassade einen derben Riss bekommen.“ Er rieb sich mit der Hand angespannt über sein Gesicht. „Ich hab versucht, ihn zu kitten, meine Gefühle zu schützen … und mein Herz, … was ich Fanni einst geschenkt hatte, und von dem ich wusste, dass es keinen weiteren Verlust mehr verkraften würde … Deshalb hab ich die Flucht ergriffen. Deshalb bin ich einfach gegangen.“ Einen langen Moment sahen sie sich einfach nur an. „Und es hat mich innerlich zerrissen.“ Tränen stiegen in seine Augen, und Tom blinzelte sie hastig weg. Anna fasste seine Hand fester, zwang ihn, bei ihr zu bleiben und nicht in dieser Trostlosigkeit zu verschwinden. „Du bist doch nicht allein, Tom … Bruno, Paule …“ Er atmete angestrengt und seine Hand zitterte, als er das Glas beiseite stellte.

Sein Blick, voller Angst und Hoffnung, ruhte auf ihrem Gesicht. „Lauf nicht mehr weg! Du wirst mich ohnehin nicht los.“, gab sie ihm lächelnd zu verstehen. Tom nickte zögerlich und seufzte zittrig auf. „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe.“, gab er mit erstickter Stimme zu, während nun doch Tränen aus seinen Augen rannen. Anna verstand ihn so sehr, sie wusste wie er sich fühlte. Er umklammerte ihre Hand, als suche er nach Halt. „Was, wenn sich das Schicksal wiederholt ... Wenn ich meine Gefühle zulasse und …“, flüsterte er und verstummte schließlich. Anna nickte verstehend. „Das ist das Wagnis, was wir allen eingehen … wer Gefühle zeigt, riskiert, verletzt zu werden … Aber es lohnt sich ...“, wisperte sie und sah ihm eindringlich in die Augen. Tom versuchte ein Lächeln, es fiel ihm schwer, all diese aufwallenden Emotionen unter Kontrolle zu halten. Und so dauerte es einen Moment, bis er sich wieder gefasst hatte. Hastig wischte er sich die Tränen weg, dann lächelte er. „Ja, und wenn du bei mir bist, fällt mir das irgendwie leichter. Deine Nähe gibt mir Sicherheit … und sie macht mich auf eine wunderbare Weise glücklich.“ Er lächelte, als seine Finger sanft über ihre Wange glitten. „Du hast den Eisklotz zum Schmelzen gebracht, das Herz schlägt wieder.“ Dann ergriff er ihre andere Hand und streichelte sanft mit dem Daumen über ihren Handrücken, ehe er ihr fest in die Augen sah und leise sagte: „Mit dir hab ich keine Angst vor der Dunkelheit.“ Langsam, fast zögerlich näherte sich sein Gesicht dem ihren, während seine Hand an ihrer Wange ruhte. „Und ich bin froh, dass ich dich gefunden habe.“ Zärtlich berührten seine Lippen die ihren zu einem sanften Kuss … und diesmal schreckte Anna nicht zurück. Sie schloss die Augen und erwiderte ihn.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Sep 12 2012, 14:56

Tom ist toll Smile , endlich redet er und auch Anna ist toll Smile ,endlich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, kann sie auch mal zuhören und für ihn da sein

Mini, du bist toll Smile !
Du beschreibst dieses gefühlvolle Gespräch zwischen den Beiden einfach toll Smile !!!

Und gut, die Tempobox ist doch verschont geblieben, aber nur weil ich mich so gut im Griff habe, denn ich bin auch toll Wink

Toll, toll, toll!!! Very Happy

Will mehr davon!

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Sep 12 2012, 17:45

katha schrieb:
Tom ist toll Smile , endlich redet er und auch Anna ist toll Smile ,endlich wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, kann sie auch mal zuhören und für ihn da sein

Mini, du bist toll Smile !
Du beschreibst dieses gefühlvolle Gespräch zwischen den Beiden einfach toll Smile !!!

Und gut, die Tempobox ist doch verschont geblieben, aber nur weil ich mich so gut im Griff habe, denn ich bin auch toll Wink

Toll, toll, toll!!!

Will mehr davon!

LG von Katha

Du bist so verdammt tapfer, liebste Katha. Smile Bin stolz auf dich. I love you
Das hebt ja verdammt meine Stimmung. Seit die letzte FF beendet ist, ist es irgendwie langweilig. Und ja, ich schreibe schon an einer neuen Story. Verflucht, ich kann es einfach nicht lassen ... Rolling Eyes

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Sep 12 2012, 18:17

Zitat :
Du bist so verdammt tapfer, liebste Katha. Smile Bin stolz auf dich. I love you
Das hebt ja verdammt meine Stimmung. Seit die letzte FF beendet ist, ist es irgendwie langweilig. Und ja, ich schreibe schon an einer neuen Story. Verflucht, ich kann es einfach nicht lassen ... Rolling Eyes

LG, Mini

Ja, ja, ja Very Happy
Ich freu mich drauf. Ich hab ja schon immer gesagt: "Wenn du mal ein Buch schreibst bin ich dein erster Abnehmer. So ähnlich ist das hier ja auch Wink Smile
Ich bin gespannt, und du nimmst ja bestimmt was zu Schreiben mit in den Urlaub, so dass ich ordentlich mit Lesestoff versorgt werde, wenn die Herbstdepressionen zuzuschlagen drohen. Smile

Ich wünschte, ich könnte mal was von Langeweile schreiben. Mir läuft die Zeit immer viel zu schnell weg. Und dann habe ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, dass es nicht weiter geht und ihr so lange warten müsst... :|

LG meine Süße,
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Sep 12 2012, 18:29

katha schrieb:
Zitat :
Du bist so verdammt tapfer, liebste Katha. Smile Bin stolz auf dich. I love you
Das hebt ja verdammt meine Stimmung. Seit die letzte FF beendet ist, ist es irgendwie langweilig. Und ja, ich schreibe schon an einer neuen Story. Verflucht, ich kann es einfach nicht lassen ... Rolling Eyes

LG, Mini

Ja, ja, ja
Ich freu mich drauf. Ich hab ja schon immer gesagt: "Wenn du mal ein Buch schreibst bin ich dein erster Abnehmer. So ähnlich ist das hier ja auch Wink Smile
Ich bin gespannt, und du nimmst ja bestimmt was zu Schreiben mit in den Urlaub, so dass ich ordentlich mit Lesestoff versorgt werde, wenn die Herbstdepressionen zuzuschlagen drohen. Smile

Ich wünschte, ich könnte mal was von Langeweile schreiben. Mir läuft die Zeit immer viel zu schnell weg. Und dann habe ich schon wieder ein schlechtes Gewissen, dass es nicht weiter geht und ihr so lange warten müsst... :|

LG meine Süße,
Katha

Logisch fliegt ein leerer Schreibblock und ein Stift mit. Wink Mal schauen, wann ich die Story dann veröffentliche. Im Kopf hab ich sie so ungefähr beisammen, es gilt nur noch zu schreiben und zu schreiben und zu schreiben. Mal schauen, wie es wird. Hab ja im Moment noch meine beiden anderen Storys ... also so schnell geht mir der Stoff nicht aus. Wink ... Und danach ist ja dann auch noch nicht Schluss.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Sep 13 2012, 07:43

Teil 47

Mondlicht fiel durch das Fenster und hüllte die beiden ein. Tom zog sie näher an sich und lehnte seine Stirn gegen ihre, als er sich nach diesem kurzen Kuss von ihren Lippen löste. „Danke!“, flüsterte er leise. „Wofür?“, wisperte sie. Er lächelte. „Mir meine Gefühle selbst einzugestehen, ist eine Sache, sie dir zu offenbaren, eine ganz andere.“ Er hob eine Braue und sah ihr ernst in die Augen. „Und glaub mir, das war wirklich nicht leicht.“ Anna räusperte sich und sah verlegen auf ihre Uhr. Erschrocken riss sie die Augen auf. „Oh Gott … schon so spät.“ Hastig sprang sie auf und sah sich um. Ihr Blick fiel auf das Bett … dann wieder auf Tom, der sie fragend ansah. „Ich … ich … muss ins Bad.“ Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, hatte sie sich wahllos ein paar Klamotten geschnappt und war aus dem Zimmer gestürmt. Irritiert blickte er auf die Tür, durch die sie vor wenigen Sekunden verschwunden war. Sein Herz pochte noch immer heftig. Es war ihm alles andere als leicht gefallen, seine Gefühle zu offenbaren, sich ausgerechnet Anna zu öffnen. Aber seit er erkannt hat, dass ihm keine Wahl blieb, als sich seinem Schicksal zu stellen, vor dem er so beharrlich weggelaufen war, drängte es ihn regelrecht zu ihr. Und er fühlte sich seltsam erleichtert nach diesem Gespräch. Gedankenversunken starrte er aus dem Fenster. Er dachte an Fanni, und zum ersten Mal fühlte er keinen Stich im Herzen, als er ihr Gesicht vor sich sah. Sie lächelte und tadelte ihn. Das hatte sie gern getan, und er hatte es geliebt. Er würde sie immer lieben, und er spürte, dass er begann, mit dieser Trauer, die sein Leben beherrschte, langsam abzuschließen. Der Platz in seinem Herzen war ihr sicher. Und er sehnte den Augenblick herbei, an dem er an sie denken konnte, ohne dass es ihn quälte. Seine Gedanken flogen übergangslos zu Anna und der gemeinsamen Nacht, die ihn so sehr aus der Bahn geworfen hatte. Er hatte die Gefühle zugelassen, und die Mauer hatte empfindlich gelitten. Er war geflohen, weil er glaubte, sein Herz schützen zu müssen … Fannis Herz. Und seine Flucht hatte ihn direkt in Carlas Arme geführt. Er hatte einen schützenden Ort gesucht, an dem er in Ruhe den Riss in der Mauer kitten und die Gefühle töten konnte, die die Nacht mit Anna in ihm zum Leben erweckt hatte. Er hatte Carla benutzt, um das zu verbergen, was ihn verletzlich machte. Er hatte sie nicht wirklich geliebt, stattdessen seine Zuneigung mit hübschen dekadenten Geschenken bekundet. Und Carla? Sicher war er sich nicht. Bestimmt hatte sie ihn am Anfang geliebt … und später dann hatte sie das schmückende Beiwerk dankbar angenommen und war aus Gewohnheit bei ihm geblieben. Er konnte es ihr kaum verübeln, schließlich hatte er selbst auf seine Weise an ihr festgehalten. Doch Anna war anders. Sie hatte von Anfang an versucht, hinter die Fassade zu schauen und den anderen Tom herauszulocken, ... und das auf eine ziemlich beharrliche Weise.

Und irgendwann war ihm klargeworden, dass er nach Fanni eine falsche Richtung in seinem Leben eingeschlagen hatte, … eine, die ihn in dieser Einsamkeit festhielt, aus der er eigentlich rauswollte. Dass er sich von Carla getrennt hatte, war eine logische Konsequenz gewesen. Und er hätte es wohl nie begriffen, hätte er Anna nicht getroffen. Seine Begegnung mit ihr hatte ihm die Augen geöffnet. Auf diesem Dach hatte er nicht nur sie vor einem Fehler bewahrt … sondern auch sich selbst. Er war blind gewesen, so wie es sein Vater ihm immer versucht hatte zu erklären. Er hatte es nicht hören wollen, ihm stattdessen vorgeworfen, dass er kein guter Vater wäre. Der Stolz oder auch der krankhafte Wille, immer alles allein schaffen zu wollen, hatte ihn letztlich unheimlich viel Zeit gekostet. Tief in seinem Herzen wusste Tom, dass Bruno Fannis Verlust genauso nahe ging, auch wenn er seine gesteigerte Arbeitswut immer als Gleichgültigkeit gegenüber der Situation selbst angesehen hatte. Heute weiß er, dass das Brunos Art war, mit dem Verlust umzugehen. Er hatte sich in die Arbeit gestürzt, seine Erfüllung darin gefunden und seinen Schmerz auf seine Weise verarbeitet. Und Tom hatte ihn dafür verachtet. Paule hatte versucht, Tom aufzufangen … doch er hatte sie davongejagt, anstatt ihr den Halt zu geben, den sie bei ihm suchte … den sie ihm geben wollte. Er hatte die Familie entzweit und unsäglich viel Kummer gebracht. Das tat ihm leid. Manchmal fragte er sich, was passiert wäre, wenn die an jenem unglückseligen Tag nicht beschlossen hätten, aufs Meer hinauszufahren. Er seufzte leise. Was nutzte es, in der Vergangenheit zu leben und gedanklich mit dem Was wäre wenn zu jonglieren. Das Leben spielte jetzt … das Leben spielte hier. Bei Anna. Und sie schenkte ihm auf eine Weise Sicherheit und Vertrauen in das Leben, die ihr selbst nicht wirklich bewusst zu sein schien. Er wandte sich vom Fenster ab und trat von dem Podest herunter auf das Bett zu. Sein Blick fiel auf die Lampe auf dem Nachttischchen, die sie vorhin angesehen hatte, als er sie nach Jonas gefragt hatte. Mit einem Lächeln schaltete er sie an und verfolgte einen Moment lang das beruhigende Lichtspiel, lauschte der Melodie. Dann streifte er das geliehene Shirt von seinem Körper und schlüpfte aus der Hose, in der er sich seltsam wohlfühlte. Alles hier sorgte dafür, dass er sich wohlfühlte … Wie ein Schiff auf dem Meer … und Anna war Hafen und Anker zugleich. Er ließ sich auf das Bett sinken, ehe er schließlich unter die Decke krabbelte. Mit einem befreiten Seufzen lehnte er sich in die Kissen zurück und starrte an die Decke, während er darauf wartete, dass Anna zurückkam.

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Minutenlang stand Anna vor dem Spiegel und starrte sich selbst an. Mechanisch drehte sie den Wasserhahn auf und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Ihre Hände zitterten und ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Tom hatte ihr sein Herz geöffnet, und sie war schlichtweg überwältigt von der Flut seiner Gefühle. Sie hatte ja keine Ahnung gehabt, und sie war verwirrt und erfreut zugleich. Ein Teil von ihr wollte glauben, dass alles zwischen ihnen gut werden konnte, wünschte sich so sehr, dass das alles echt war. Aber ein kleiner Zweifel blieb. Carla. Ein leises Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken. „Anna?“, vernahm sie die leise Stimme ihrer Mutter. Erleichtert stieß die Blondine die Luft aus. Für einen Moment hatte sie geglaubt, es wäre Tom, der vor der Tür stand. „Ist alles in Ordnung bei euch?“ „Ja, Mama … alles bestens. Es ist nur spät geworden. Ich bin gleich soweit.“ Schnell schlüpfte sie in Shorts und T-Shirt, öffnete die Tür und trat aus dem Bad. Susanne stand im Nachthemd davor und musterte Anna vorsichtig. „Braucht ihr noch etwas?“ Anna schüttelte den Kopf, woraufhin Susanne liebevoll lächelte und ihr eine Gute Nacht wünschte, ehe sie im Bad verschwand. Dann war es still im Flur. Sie griff nach der Türklinke, verharrte einen Moment lang unschlüssig, während sie flüchtig zu Katjas Zimmer schielte. Sei kein Feigling, Anna …, sagte sie zu sich selbst. Schließlich schickte sie ihre Bedenken über Bord und öffnete mit klopfenden Herzen die Tür zu ihrem Zimmer. Sterne aus Licht wanderten über die Wände und die Decke, und Anna wurde traurig, als sie die Melodie der Spieluhr vernahm. Ihr Blick fiel auf Tom, der bereits im Bett lag. Er hatte sich auf die Seite gedreht und die Augen geschlossen. Er schläft schon. Für einen Moment sah sie Jonas an Toms Stelle liegen. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, ehe die Wehmut zurückkehrte. Auf Zehenspitzen ging sie um das Bett herum und schlüpfte – so unbemerkt wie möglich – auf der anderen Seite des Bettes unter die Decke. Sie drehte sich auf die Seite, den Rücken zu Tom gewandt, der bereits schlief und stieß langsam den Atem aus, den sie angehalten hatte, seit sie das Zimmer betreten hatte. Ihre Augen folgten dem Lichtspiel der Lampe und ihr wurde erneut das Herz schwer. Sie dachte an Jonas, rief sich sein Lächeln in Erinnerung und schloss die Augen. Tom regte sich auf der anderen Seite des Bettes. Hastig löschte sie das Licht. Ihr Herz überschlug sich, und sie betete, sie möge einschlafen, ehe Tom aufwachte und feststellte, dass sie nicht schlafen konnte.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Sep 13 2012, 08:08

Teil 48

Sie stand auf dem Dach des Hochhauses und starrte in die Tiefe. Autos fuhren unter ihr die Straße entlang, in stoischer Ruhe und ohne zu bemerken, dass sie hier oben war. Wie gleichgültig die Welt doch war. Würde es überhaupt jemanden kümmern, wenn sie verschwand? Würde jemand um sie trauern? Mama vielleicht und Papa … Paloma und bestimmt auch Enrique und Jojo und Lily. Würde Tom um sie trauern? Warum sollte er? Er war schließlich mit Carla glücklich vereint. Würde sie Jonas wiedersehen, wenn sie sprang? Sie wünschte es sich so sehr. Etwas berührte sie an ihrer Hand. Erschrocken fuhr sie herum und sah ihn … „Tom ….“ Und plötzlich spürte sie, wie der Boden unter ihren Füßen wankte, wie sie das Gleichgewicht verlor. Sie rutschte auf ihren Schuhen aus und fiel … Doch etwas hielt sie abrupt fest. Sie sah nach oben und blickte in Toms entsetztes Gesicht. „Anna…“ „Tom?“, drang eine andere Stimme an Annas Ohren – grausam vertraut. Ein zweites Gesicht schob sich neben Toms. Carla. Sie lächelte hämisch, während sie ihre Hand auf Toms Schulter legte. „Tom … wir gehören zusammen. Und nichts kann uns trennen.“ Tom wandte sich zu ihr, sah sie einen Moment lang an, während er Anna festhielt. „Du hast Recht.“, hörte Anna ihn leise zu Carla sagen. Dann richtete er seinen Blick wieder auf Anna. Seine Augen hatten jeglichen Glanz verloren. Die alte Gleichgültigkeit war zurückgekehrt. „Es tut mir leid.“, flüsterte er, ehe er ihre Hand losließ und Anna fiel …

Mit einem lauten Schrei fuhr Anna aus dem Schlaf hoch. Tom, der friedlich neben ihr gelegen hatte, war sofort hellwach, legte geistesgegenwärtig seine Arme um sie und zog sie rücklings an seine Brust. Sie zitterte, und ihr hektisches Keuchen verriet ihm, dass der Traum, den sie soeben hatte, keiner von jenen angenehmen war. Behutsam drückte er seine Lippen in ihre Schulterbeuge. „Alles ist gut. Ich bin da. Du hast geträumt…“, flüsterte er und zog sie fester an sich, in der Angst, sie könnte sonst einfach aus seinen Armen verschwinden. Es dauerte einen Moment, bis sie wieder ruhiger wurde und begriff, dass sie in ihrem Zimmer war. Erschrocken wandte sie sich um, als sie sich Toms Gegenwart gewahr wurde. „Was machst du hier?“ Für einen Sekundenbruchteil schien er überrascht, dann zuckte ein kleines Lächeln über seine Lippen. „Auf dich aufpassen.“ Verwirrt sah sie sich um, dann sah sie wieder ihn an. „Willst du mir davon erzählen?“, fragte er sanft. Anna runzelte die Stirn und ein eiskalter Schauer rann ihr über den Rücken, als ihr der verstörende Traum wieder in den Sinn kam. Vorsichtig berührte ihre Hand seinen Arm. „Du bist wirklich hier?“, flüsterte sie. Er lächelte und nickte. „Du hast geschrien. Was ist passiert, Anna?“, fragte er erneut. Er spürte, wie sie in seinen Armen zusammenzuckte. Ihr Blick war angsterfüllt, flog wirr vor plötzlicher Panik durch die Gegend. Hastig schüttelte sie den Kopf, ehe sie sich ganz umwandte und förmlich in seine Arme floh. Überrascht sah er auf die in sich zusammengesunkene Frau, die sich gleich einem Rettungsring an ihn klammerte. Verdammt, was war das nur für ein Traum …, ging es ihm unruhig durch den Kopf. Gut, es war nicht so, dass er ihre Reaktion nicht genoss – ja sogar förmlich herbeigesehnt hatte –, aber die offensichtliche Angst, die sie dazu trieb, verunsicherte ihn. Mit einem leichten Kopfschütteln legte er seine Arme um sie. Unweigerlich musste er lächeln, als er sich ein paar Stunden zurück entsann, an ihre unübersehbare Scheu … Er hatte sich schlafend gestellt, als sie aus dem Bad zurück ins Zimmer gekommen war. Warum, wusste er nicht so genau. Vermutlich wollte er ihr nur die Panik nehmen, die sie schon die ganze Zeit mit sich herumschleppte. Aber davon mal ganz abgesehen, er hätte die ganze Nacht kein Auge zutun können, bei dem gleichzeitigen Wissen, dass sie nur eine Armeslänge entfernt von ihm lag. Sie jetzt so in den Armen zu halten, davon hatte er seit der Nacht im Hotel geträumt. Beruhigend strich er über ihren Rücken, und er spürte, wie die Anspannung, die der Traum mitgebracht hatte, langsam von ihr fiel, während er mit ihr im Arm zurück in die Kissen sank. Er schloss die Augen und genoss das Gefühl ihrer Nähe. Nie wieder würde er diese Frau gehen lassen … „Danke.“, flüsterte sie und drückte ihm einen scheuen Kuss auf die Wange. Dann wollte sie sich aus seinen Armen winden, doch Tom hielt sie einfach fest. „Nein.“, hauchte er und zog sie wieder an sich. Behutsam griff er ihre Hand, küsste zärtlich ihre Finger, bevor er sie auf seine Brust legte. „Spürst du das?“, flüsterte er kaum hörbar.

Anna hatte für einen Moment aufgehört zu atmen. Sie spürte, wie ihr Herz zu rasen begann, hörte das Blut in ihren Ohren rauschen, während sie das sanfte Pulsieren unter ihrer Handfläche fühlte. Auf seine Frage hin hob sie den Kopf und sah ihn verwundert an. Ein zögerliches Lächeln spielte um seine Lippen. Dann legte sie ihren Kopf zurück auf seine Brust. Augenblicklich legte sein Herz einen Zahn zu. Anna schloss die Augen und lauschte seinem viel zu schnellen Herzschlag, während ihre warmen Finger wie von selbst über seine Schultern streichelten, ehe sie sich langsam einen Weg über seine Brust zu seinem Bauch bahnten. Toms Brustkorb hob und senkte sich hektisch, als sie mit dem Zeigefinger gemächlich um seinen Bauchnabel kreiste und dabei wie zufällig den Bund deiner Shorts streifte. Er seufzte leise. Und als seine Hand, die ihren Rücken streichelte, sich heimlich unter ihr Shirt schob und über ihre nackte Haut strich, stand er kurz davor, keine Luft mehr zu bekommen. Sie wehrte sich nicht, wies ihn nicht zurück, als seine Hand ganz langsam über ihre Taille zu ihrer Hüfte glitt. Er holte leise tief Luft, als er sich der Tatsache gewahr wurde, dass er zu atmen aufgehört hatte. Da sah Anna auf und begegnete seinem fiebrigen Blick, der sehnsüchtig in ihren gerichtet war. Langsam zog er sie auf sich. Sie lächelte, und sein Herz geriet ins Stolpern. Sein Atem kam hektisch, beinahe keuchend, als Anna sich lächelnd über ihn beugte. Er schluckte, seine Kehle fühlte sich viel zu trocken an. Seine Hand hob sich wie von selbst, fasste ihn ihr Haar und zog sie näher zu sich. Nur einen Wimpernschlag später fühlte er ihre Lippen auf seinen. Er küsste sie, erst sanft und zurückhaltend, dann tiefer und leidenschaftlicher. Er riss sie mit, ließ sie fallen und fing sie wieder auf. Nach einer kleinen Ewigkeit, löste sie sich keuchend von seinen Lippen. Sie wollte ein stück zurückweichen, doch Tom hielt sie fest. Tief sah er ihr in die Augen und sie versank in seinem Blick. Wieder küsste er sie, ganz sanft, nur ein Hauch … „Ich will dich, Anna.“, flüsterte er leise, und ihr wurde schwindelig. Sie wollte etwas sagen, doch sie erinnerte sich nicht mehr an die Worte, die sie gebrauchen wollte. Und ehe sie es sich versah, versank sie im Strudel dieser wild wirbelnden Gefühle. Durch den Dunst ihrer Emotionen spürte sie, wie er sie auf den Rücken rollte und ihr schließlich das T-Shirt über den Kopf streifte. Sie spürte seine Erregung, sah das Verlangen in seinen Augen, was sie bannte und jeglichen Versuch, irgendetwas zu tun, was ihn von seinem Vorhaben hätte abhalten können, im Keim erstickte. Sie war gefangen in diesem leidenschaftlichen Moment … und viel zu sehr damit beschäftigt, gleichmäßig zu atmen. Sie schloss die Augen und ließ sich fallen … ließ sich verführen von seinem Körper und von der Begierde, die aus ihm hervorgebrochen war. Sein warmer Atem, der viel zu schnell kam, traf stoßweise auf ihren Hals, seine Hände, die Anna beschwingte Laute entlockten … seine Lippen, die jeden Zentimeter ihres Körpers kosteten … und der wiegende Rhythmus ihrer vereinten Körper, der ihr die Sinne vernebelte und glühende Hitze durch ihre Adern rollen ließ, katapultierte sie aus dem Hier und Jetzt. Schwebend vernahm sie die gehauchten Worte, die in den Tiefen ihres Bewusstseins widerhallten, ihr ein Lächeln auf die Lippen zauberten und ihr das wunderbare Gefühl gaben, in der Welt einen Platz gefunden zu haben, an dem sie für immer bleiben wollte.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Sep 13 2012, 15:18

So Anna, und nun?
Fasst du endlich Vertrauen zu dem Menschen, der sich so nackig vor dir gemacht hat, sich dir offenbart hat und dich ausserdem auch noch schützend in seine Arme nimmt?

Hm Mini, das ist so schön geschrieben. Tom öffnet sich und man bekommt eine Ahnung davon welch toller Mensch hinter seiner kühlen Fassade verborgen war. Ich könnte diese letzten Teile ständig lesen, finde den ABend ab ihrem Treffen in der Else einfach absolute spitze! Smile

Jetzt müssen wir nur abwarten, was der Alltag so bringt, und wie die beiden damit umgehen. Wink

Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Sep 13 2012, 20:53

katha schrieb:
So Anna, und nun?
Fasst du endlich Vertrauen zu dem Menschen, der sich so nackig vor dir gemacht hat, sich dir offenbart hat und dich ausserdem auch noch schützend in seine Arme nimmt?

Hm Mini, das ist so schön geschrieben. Tom öffnet sich und man bekommt eine Ahnung davon welch toller Mensch hinter seiner kühlen Fassade verborgen war. Ich könnte diese letzten Teile ständig lesen, finde den ABend ab ihrem Treffen in der Else einfach absolute spitze! Smile

Jetzt müssen wir nur abwarten, was der Alltag so bringt, und wie die beiden damit umgehen. Wink

Liebe Grüße
Katha

Ganz genau. Eine Sache, die sicher nicht so ganz einfach wird ... Wink

Danke dir, meine Süße Smile

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Sep 14 2012, 07:55

Teil 49

Nach einer gefühlten Ewigkeit lösten sie sich schließlich voneinander, genossen das sanfte Nachglühen, während sie versuchten, wieder zu Atem zu kommen. Anna wandte sich Tom zu, der sie mit einem seligen Lächeln ansah. Er schloss die Augen und küsste sie liebevoll auf die Stirn. Sie rückte näher zu ihm und kuschelte sich an seine Brust. Sie schwiegen, während jeder für sich seinen Gedanken nachhing. Nach einigen Minuten hörte Anna, wie Toms Atem gleichmäßiger wurde. Er war eingeschlafen. Sie lächelte, während sie mit dem Fuß nach der Decke angelte und sie schließlich über sie beide zog. Anna lag noch lange wach und versuchte, die Situation zu begreifen. Der Traum, der sie aus dem Schlaf gerissen hatte, hatte ihr angst gemacht. Es hatte sich so real angefühlt, als sie gefallen war. Und dann Carlas gehässiges Grinsen … Und Toms gleichgültiger Blick. Sie war erschrocken gewesen, wie schnell er sich wieder in den Schutz seiner undurchdringlichen Fassade zurückgezogen hatte. Und dann hatte er sie losgelassen – einfach so … Aber der echte Tom hatte Anna aufgefangen, hatte sie nicht fallen gelassen. Sie war froh, dass es nur ein Traum war, aber ein fader Beigeschmack blieb trotzdem. Sie fühlte Toms leisen Atem, seinen nunmehr gleichmäßigen Herzschlag und den Arm, der sie schützend umschlungen hielt. Das was jetzt geschah, war wunderschön, aber einfach zu gut, als das es hätte wahr sein können. Und auch wenn sie froh war, dass es Tom war, der sie in seinem Arm hielt, ein unruhiges Gefühl blieb. Sie holte leise Luft, während sie ihren Kopf an seine Schulter schmiegte. Seine Nähe wirkte beruhigend auf sie … irgendwie tröstlich. Also schloss sie die Augen und kuschelte sich enger in seine Umarmung. Die Ereignisse diese Abends hatten sich förmlich überschlagen, und ihr war klar, dass sie mit Tom würde reden müssen … gleich morgen. Sie musste Gewissheit haben, dass dies hier echt war und nicht nur eine makabere Wiederholung. Ihre innere Stimme warnte sie noch immer, dass sie ihn viel zu schnell wieder viel zu nah an sich heranließ. Und sie wusste, dass sie eine weitere Enttäuschung nicht verkraften würde. Unweigerlich schoben sich Palomas Worte in ihr Bewusstsein, die sie dazu drängten, sich Tom zu stellen, ihm eine Chance zu geben, sich zu erklären … Nun ja, das hatte sie getan. Und es war ein gutes Gespräch gewesen, auch wenn sie fühlte, dass noch nicht alles gesagt war … Es war vier Uhr morgens, als Anna die Augen endlich zufielen und sie in eine wunderbare Schwerelosigkeit abtauchte. Angenehmes Licht begrüßte sie, und hier war kein Hochhaus und kein Dach … und keine Carla. Nur Tom, der in der Ferne stand und sie anlächelte ...

************************************

Als Anna wenige Stunden später erwachte, fühlte sie einen warmen Körper an ihrem Rücken. Ein Arm war um sie geschlungen und hielt sie fest. Sie erstarrte, als die Erinnerungen an die letzte Nacht unvermittelt ihr Hirn überfluteten. War das wirklich Tom? Sie kniff in den Arm, der sie umschlungen hielt und vernahm ein leises Knurren in ihrem Nacken. Der Arm schien echt und … es gefiel ihr. Sie kniff erneut hinein, nur um sicherzugehen, dass sie nicht Opfer einer wirren Fantasie geworden war. Das Knurren wurde mürrischer. Okay, sie halluzinierte also nicht. „Hey, ist das deine Vorstellung von liebevollem Wecken?“, murrte eine verschlafene Stimme hinter ihr. Anna grinste, Tom war wirklich hier bei ihr. Kein Traum … keine Einbildung. „Du bist hier.“, flüsterte sie leise. „Wo soll ich denn sonst sein?“, murmelte er und drückte sich näher an sie. „Lass mal überlegen … Das letzte Mal hast du fluchtartig den Raum verlassen, nachdem du was von Fehler gefaselt hast.“ Tom stöhnte gequält. „Wie lange wirst du mir das vorhalten?“ „So lange, bis ich überzeugt bin, dass das nicht wieder nur Einbildung ist.“, gab sie ihm unmissverständlich zu verstehen. Tom zog sie enger an sich und hauchte ihr einen Kuss auf ihre Schulter. „Ich bin hier, und ich hab nicht vor, etwas daran zu ändern. Brauchst du Beweise?“ Anna grinste still in sich hinein „Ich mag Liebesbeweise.“, gluckste sie. Er grinste, während seine Lippen langsam ihren Hals hinauf glitten. Die Hand, die sie soeben noch umschlungen hielt, strich fast beiläufig über ihren Arm. Anna schloss die Augen und genoss seine zarten Küsse, die langsam über ihre Wange wanderten, während seine Hand ganz beiläufig von ihren Brüsten über ihren Bauch glitt und in tiefere Regionen strebte.

Unvermittelt schlug Anna ihm auf die Finger. „Autsch, … Hey …“, protestierte er, und Anna kicherte leise, während Tom ihre Abwehr ignorierte und einen erneuten Versuch startete. Als Anna sich schließlich zu ihm drehte, war sein Gesicht dem ihren so nahe, dass sie das Gefühl hatte, die Schmetterlinge in ihrem Bauch würden alle auf einmal auf Testflug gehen. Sie schloss die Augen und ließ sich von dem Gefühl gefangen nehmen, seine Lippen auf ihren zu spüren … zart und tastend, fast ein bisschen scheu. Tom streichelte sie behutsam und Anna ergab sich ihm. Der Kuss wurde intensiver … drängender und gerade als Tom sich der Flut der in ihm aufwallenden Leidenschaft hingeben wollte, unterbrach Anna jäh ihre Zweisamkeit. „Das ist nicht die Art von Liebesbeweis, die ich meinte.“ Einige Sekunden lang sah er sie völlig verstört an, ehe er ein wenig unwillig die Unterlippe vorschob und einen Versuch startete, das Spiel fortzuführen, in welchem er sich gerade zu verlieren begonnen hatte. „Können wir mit den echten Liebesbeweisen bis nach dem Frühstück warten?“, murmelte er, rollte sich auf den Rücken und zog Anna mit sich ... Doch Anna ließ sich nicht beirren. „Du bist gestern schon einfach über mich hergefallen, obwohl du gesagt hast, dass du es nicht tust, wenn ich nicht selbst will.“ Etwas widerwillig unterbrach Tom seinen erneuten Vorstoß, ehe er eine Augenbraue hob und süßlich lächelte. „Dafür, dass du es nicht wolltest, hast du meine Berührungen aber ziemlich genossen.“ „Und woher willst du das so genau wissen? Schließlich war es dunkel ...“, murrte sie. Toms Mund verzog sich zu einem männlich stolzen Grinsen. „Weil du einfach nicht genug bekommen konntest.“, antwortete er, ehe er langsam ihre Lippen mit seinen zu einem hungrigen Kuss verschloss. Anna grinste leicht, während sie selbstsüchtig ein paar Sekunden seiner Zärtlichkeiten genoss, nur um ihn gleich darauf wieder aufzuhalten und mit einem erwartungsvollen Blick anzusehen.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Sep 14 2012, 08:05

Teil 50

Toms Herz hämmerte, als er sich in diesem Gefühl zu verlieren begann. Dieses Kribbeln in seinem Bauch wühlte ihn auf und verlangte abermals schmerzhaft nach Befriedigung. Doch gerade als er sich diesem Verlangen hingeben wollte, hatte Anna sich von ihm gelöst … wieder mal. „Nein!“, stieß sie entschlossen aus, und ehe er es verhindern konnte, hatte sie sich aus seinen Armen gewunden. Verwirrt sah er sie an. Schneller als er reagieren konnte, war sie aufgesprungen. Und nun stand sie am Fußende des Bettes und starrte ziemlich unschlüssig vor sich hin. Tom atmete langsam aus, während er seine glühende Erregung in den Griff zu bekommen suchte. Sein Blick glitt langsam über sie und blieb irgendwo unterhalb ihres Gesichts hängen. „Ich verstehe das alles nicht.“, stotterte sie und sah ihn erwartungsvoll an. „Du bist wunderschön.“, murmelte er und lächelte. Erst jetzt wurde sich Anna gewahr, dass sie vollkommen nackt vor ihm stand. Ihr Gesicht färbte sich leicht rosa, während sie missbilligend die Arme vor der Brust verschränkte. „Lenk nicht vom Thema ab.“, murrte sie. Tom hob seufzend eine Augenbraue. „Fällt mir schwer, wenn du so vor mir stehst.“, sagte er mit einem entschuldigenden Unterton, streckte einladend die Arme nach ihr aus und schenkte ihr ein verführerisches Lächeln. „Komm wieder ins Bett … Bitte.“ Anna schüttelte den Kopf. Er spürte ihren inneren Kampf und ihre Unsicherheit. Klar, so wie sich die Dinge seit gestern Abend entwickelt hatten, wäre er wahrscheinlich genauso misstrauisch. „Ich hab Angst, Tom.“ Er zog die Brauen hoch. „Vor mir?“ Ein Kaleidoskop verschiedenster Emotionen spiegelte sich auf ihrem Gesicht … Verwirrung, Hoffnung, Sehnsucht und leise Panik. „Ich weiß nicht … Was, wenn du nachher einfach wieder verschwindest … Ich verkrafte das kein zweites Mal.“ Das brennende Verlangen, was Tom noch bis vor wenigen Sekunden erfüllt hatte, war augenblicklich leiser Enttäuschung gewichen. Missmutig sah er sie an, während ihm genau in diesem Augenblick etwas Entscheidendes klar wurde. Sie vertraute ihm nicht. Okay, das war sicherlich kaum verwunderlich, nach allem was zwischen ihnen vorgefallen war. Aber umso wichtiger war doch, dass er ihr Vertrauen gewann. Und dazu gehörte wohl in erster Linie, ihr begreiflich zu machen, dass er es ernst meinte. Die Frage war nur Wie. Angestrengt suchte er nach den richtigen Worten, doch die Erinnerungen an die Szene von eben verhinderten, dass sein Gehirn zu derart tiefgreifenden Überlegungen fähig war. Frustriert zog er sich schließlich die Decke über den Kopf und knurrte ein unwilliges „Ich hab keine Lust, mit dir zu streiten.“

Fünf Sekunden später hatte sie ihm die Decke weggezogen. Tom schnellte hoch und begegnete einer unübersehbar wütenden Anna. Er ließ ihr keine Chance, streckte die Arme aus, packte die Blondine, die überrascht aufkreischte, und zerrte sie wieder zurück ins Bett. Einen Augenblick lang wehrte sie sich, was Tom ein amüsiertes Lachen entlockte. „Wir müssen aufstehen, Tom.“, japste sie hastig. Er warf einen Blick auf seine Uhr und lächelte träge. „Es ist erst kurz nach halb acht. Wir haben noch ein wenig Zeit. Unser Meeting ist erst um elf.“ „Meeting?“, echote sie mit weit aufgerissenen Augen. In seinen Augen schimmerte ein triumphierendes Lächeln, während er sie näher an sich zog. „Das haben wir jetzt jeden Morgen.“ Anna erstarrte. „Warum denn das?“, fragte sie völlig entgeistert. „In dem Termin besprechen wir die aktuellen Ereignisse und was als nächstes ansteht. Und da du die Chefdesignerin bist, ist es deine Pflicht, bei diesem Termin anwesend zu sein.“ Anna schwieg einen Augenblick, ehe sie argwöhnisch die Brauen zusammenzog. „Hatte Carla diesen Termin auch?“, warf sie ein. Eine durchaus berechtigte Frage, wie sie fand. Tom beantwortete ihre Frage mit einem tadelnden Blick, ehe er sie erneut auf den Rücken rollte, sich über sie beugte und sanft küsste. „Hör auf über Carla nachzudenken.“, erklärte er zwischen zwei Küssen. „Und du lenk nicht vom Thema ab, Tom.“, antwortete sie ihm. Sanft aber bestimmt schob sie ihn von sich und sah ihn ernst an. Er ahnte, was sie beschäftigte. Und vermutlich war es an der Zeit, die Karten offen auf den Tisch zu legen. „Ich hab mich von Carla getrennt.“, erklärte er mit ernstem Blick. Anna riss ungläubig die Augen auf, starrte ihn mit ehrlicher Überraschung an. „Warum das denn?“ Tom blinzelte irritiert. Ist die Frage ernst gemeint? Er überlegte einen Moment, dann sah er ihr ernst in die Augen. „Sagen wir mal, ich hatte ein längeres Gespräch mit meinem Vater, dann hab ich intensiv mit mir selbst diskutiert, und als Carla mir vorgestern dann noch einen ziemlich … grotesken Heiratsantrag gemacht hatte … Na ja, irgendwie hab ich dann halt die Handbremse gezogen.“ „Sie hat dir einen Antrag gemacht?“ Anna Stimme schnellte zwei Oktaven nach oben. Tom nickte. „Hast du kalte Füße bekommen?“ Ihre Worte gleichsam wie der Ton, der in ihnen schwang, war provozierend. Für einen Moment war er verunsichert. Ja, natürlich … oder glaubst du allen Ernstes, ich könnte Carla heiraten? „Na ja … nicht so direkt. Mich hat vielmehr der Umstand gestört, dass sie diesen Anlass dafür nutzen wollte, um bei der Presse zu punkten.“ Es war nicht ganz die Wahrheit, das wusste er, aber es kam dem ganzen schon ziemlich nahe. Anna schnappte fassungslos nach Luft. „Und deswegen trennst du dich gleich von ihr? Himmel … dann sollten wir uns das hier aber noch mal ganz genau überlegen.“ „Wieso? Willst du mir etwa auch einen Antrag machen?“ „Nein!“, rief Anna hastig. Ein wenig zu hastig, wie sie Toms unmittelbar erstarrter Haltung entnahm. Warum ihn diese Antwort erschütterte, wusste er selbst nicht so genau. „Na ja, … ähem … äh, ich weiß nicht …“, ruderte Anna eilig zurück. „… ist vielleicht noch ein bisschen früh, darüber nachzudenken.“, fügte sie kleinlaut hinzu.

Herausfordernd wölbte sich seine rechte Augenbraue. „Stimmt … du willst ja erst mal einen Liebesbeweis von mir.“ Anna lachte indigniert. „Wo wir wieder beim Thema wären.“ Tom seufzte schwer. „Ich bin ein wenig aus der Übung, was solche Dinge angeht.“, erwiderte er beschämt. Blödsinn, Tom … Gib doch zu, dass du dafür jetzt überhaupt keinen Kopf hast. „Wieso? Hat Carla nie einen Liebesbeweis von dir verlangt?“ Das provokative Blitzen in ihren blauen Augen, ließ leisen Groll in ihm aufwallen. „Warum tust du das?“, knurrte er. Anna sah ihn ernst an. „Hast du mich gegen sie einfach ausgetauscht?“ Fassungslos starrte er sie an. „Anna, wie kommst du auf diese absurde Idee?“ Allmählich wurde er sauer. Schweigend wandte sie sich von ihm und zog sich die Shorts über. „Das alles kommt einfach zu plötzlich ... Es fühlt sich irgendwie zu gut an, um richtig zu sein.“, argwöhnte sie. „Nicht richtig?“, schnappte Tom entsetzt. Hast du mir gestern nicht zugehört? Ich hab dir mein Herz vor die Füße gelegt und du trampelst darauf rum? Langsam wurde er wütend. „Wenn dir das alles nichts bedeutet, dann gehe ich eben.“, schoss er ihr angesäuert entgegen und wollte aufstehen. „Tom …“ „Was?“, maulte er. Anna seufzte tief. „Ich traue diesem Frieden nicht.“, sagte sie und sah ihn flehend an. „Nein, Anna … du traust mir nicht.“, erklärte er niedergeschlagen und stand auf. Die Enttäuschung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. „Weil ich dich einmal verletzt habe, bekomme ich das jetzt immer wieder vorgehalten. Warum gibst du mir keine Chance …“ „Tom …“, unterbrach sie ihn. „Himmel Herrgott noch mal, Anna, ich meine das verdammt ernst mit dir … ich hab dir meine ganzen verfluchten Gefühle offenbart und was machst du ...“ Mit einer zornigen Bewegung griff er seine Shorts und die Hose, die Annas Mutter zusammen mit seinem Pullover offensichtlich irgendwann heute Morgen ins Zimmer gelegt hatte. Anna warf sich mürrisch in die Kissen. Grollend beobachtete sie, wie Tom sich anzog. Sturheit und Nachsicht kämpften verbissen in ihr um die Oberhand. „Ja, klar … Lauf doch weg … Das kannst du schließlich am besten.“, spie sie ihm mit einer wegwerfenden Handbewegung entgegen, während sie sich angriffslustig auf der Matratze aufsetzte und zornig die Hände in die Hüften stemmte. Tom hielt in seiner Bewegung inne, wandte sich zu ihr und hob die Brauen. „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“, konterte er mit einem selbstgefälligen Lächeln. Das war zuviel für Anna …

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Sep 14 2012, 20:12

Der Morgen der Beiden fängt so schön an, und dann zieht sich Anna wieder verstockt wie ein Fisch zurück. Menno.
Ich kann sie ja verstehen, dass sie skeptisch ist und Tom ist tatsächlich nicht ganz glücklich in seinen Beiträgen zu diesem Gespräch, aber dass sie sich wieder hinter ihre Sturheit zurück zieht...
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Wie immer seeehhhr schön geschrieben. Lieben Dank für deine neuen Teile Smile
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Sep 14 2012, 20:17

katha schrieb:
Der Morgen der Beiden fängt so schön an, und dann zieht sich Anna wieder verstockt wie ein Fisch zurück. Menno.
Ich kann sie ja verstehen, dass sie skeptisch ist und Tom ist tatsächlich nicht ganz glücklich in seinen Beiträgen zu diesem Gespräch, aber dass sie sich wieder hinter ihre Sturheit zurück zieht...
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Wie immer seeehhhr schön geschrieben. Lieben Dank für deine neuen Teile Smile
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Immer wieder gerne, meine Süße. Irgendwie muss ich dich ja noch ein wenig mit Stoff vollpumpen, nicht dass du mir aus den Latschen kippst, wenn du die nächsten zwei Wochen nix von mir zu lesen bekommst. Du siehst, ich beuge vor ... der Läppi bleibt nämlich zu Hause ... silent

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Sep 15 2012, 13:32

Teil 51


Susanne, Ingo und Katja saßen beim Frühstück und sahen einander schweigend an, während die hitzige Diskussion von Tom und Anna laut durch den Flur dröhnte. Katja räusperte sich leise. „Tja, vielleicht sollten wir ihnen das Frühstück ins Zimmer bringen.“, bemerkte sie vorsichtig. Susanne sah ihre Tochter irritiert an, ehe sie ihrem Mann einen besorgten Blick zuwarf. „Also, ich hätte schwören können, dass zwischen den beiden mehr ist als nur ein Mitarbeiterverhältnis. Und als ich die beiden heute Morgen gesehen hab …“ Susanne lächelte selig. „Du warst in Annas Zimmer?“, stieß Ingo entsetzt hervor.“ Katja kicherte amüsiert, während Susanne die Brauen hob und unwillig das Gesicht verzog. „Na ja, ich hab die Sachen von Tom ins Zimmer gelegt.“, gestand sie schulterzuckend, als wäre das eine ganz normale Geste. Erschüttert starrte Ingo sie an und schüttelte ungläubig den Kopf. „So was nennt man spannen, Susanne.“, brüskierte er sich schließlich. Susanne bedachte ihn mit einem mahnenden Blick. „Spannen? Ach, jetzt übertreib mal nicht … Ich war nur ein ganz klein bisschen neugierig.“, gab sie beschämt zu, ehe ihre Augen vor Aufregung zu strahlen begannen. „Und ich sage dir, unsere Anna verschweigt uns was.“ Seufzend schüttelte er den Kopf, während das Gezeter an Intensität zunahm. Eine Weile lauschten die drei am Frühstückstisch interessiert dem Lärm, bis Ingo die Brauen hob und die Mundwinkel zu einem schiefen Grinsen verzog. „Ich glaube, du interpretierst da zuviel hinein, Schatz.“ Katja sah auf und grinste still vor sich hin. „Na ja, so wie die beiden sich streiten, scheint da wirklich mehr vorgefallen zu sein.“ Susanne und Ingo sahen Katja gleichsam ungläubig an. Die zog unschuldig die Schultern hoch. „Was denn …?“, verteidigte sie sich. „Ihr habt wohl keine Ahnung, wie viele Chefs mit ihren Angestellten ins Bett gehen?“ Susanne schnappte entsetzt nach Luft. „Aber doch nicht Anna …“, widersprach sie sichtlich schockiert. Katja verdrehte genervt die Augen, während Ingo seufzte, als wolle er sagen, das ist doch eine Angelegenheit zwischen den beiden. „Ja, klar … nicht Anna.“, spöttelte Katja. „Mensch Mama … warum denn nicht?“ Susanne sah ihre Tochter verständnislos an. „Also gestern wirkte er noch richtig nett …“ „Das ist er sicherlich auch … ansonsten hätte Anna sich wohl auch nicht auf ihn eingelassen.“, versuchte Katja, ihre Mutter zu beruhigen.

Als der Streit, der aus Annas Zimmer drang, heftiger wurde, stand Katja auf und bemerkte mit einem verkniffenen Lächeln: „Ich bringe ihnen besser das Frühstück, bevor sich die beiden gegenseitig fressen. Vielleicht beruhigen sich nach einem Kaffee alá Polauke die Gemüter wieder.“ Susanne nickte mechanisch, während sie sichtlich verstört vor sich hinstierte. Ingo tat sich noch eine Portion Rührei auf, ignorierte den Streit, der durch die Wohnung dröhnte, und tat so, als wäre es ein Tag wie jeder andere. Katja befüllte sorgfältig das Tablett mit Geschirr und Essen und hielt inne. „Vielleicht sollten wir Pappgeschirr nehmen, nicht dass sie nachher noch mit Tassen und Tellern um sich werfen.“, gab sie besorgt zu bedenken. Ingo grinste schief, während Susanne kurz davor stand, in Tränen auszubrechen. Dann trat Katja in den Flur, in dem der Lärm geradezu ohrenbetäubend wirkte. Tja, die Wände hier waren wirklich ziemlich hellhörig. Katja blieb mit dem Tablett vor Annas Tür stehen und erlaubte sich, dem Streit noch einen Moment zu lauschen „Das war was ganz anderes.“, schrie Anna. „Ach ja, wer hat mich denn die letzten beiden Tag wie Luft behandelt und jeden Versuch unterbunden? Wer ist dauernd abgehauen?“, fauchte Tom zurück. „Du hast mich doch zuerst in diesem verdammten Hotelzimmer sitzengelassen.“, konterte Anna. „Hast du eine Vorstellung, wie weh das getan hat, dich mit dieser blöden Kuh rumknutschen zu sehen, … als wäre nie was gewesen.“, schrie sie ... Annas Stimme überschlug sich beinahe, und Katja musste sich ein Grinsen verkneifen. Dass ihre sonst so sanftmütige Schwester derart ausrasten konnte, hatte sie auch noch nicht erlebt. Als sie genug gehört hatte, hob sie die Hand und klopfte an.

„Das gibt dir noch lange nicht das Recht, derart …“ Augenblicklich verstummten die beiden Streithähne, gleich darauf brach hastiges Treiben in dem Zimmer hinter der Tür aus. Katja grinste verschlagen. Dann setzte sie ein besorgtes Gesicht auf, öffnete die Tür und steckte den Kopf durch den Spalt. Zwei irritierte Augenpaare starrten sie an. Anna saß auf der einen Seite des Bettes – das Shirt auf Links gedreht angezogen, das Haar zerzaust und das Gesicht gerötet – und Tom auf der anderen, die Hose halb angezogen – vielleicht aber auch halb ausgezogen – und das Haar ebenfalls ziemlich zerwühlt. Für einen Sekundenbruchteil musterte Katja Toms nackten Oberkörper und zog in Richtung Anna anerkennend eine Augenbraue hoch, ehe sie ein übertrieben freundliches Lächeln aufsetzte und eintrat. Tom und Anna starrten sie an, als wäre ihr von einer Sekunde zur anderen ein zweiter Kopf gewachsen. „Ich bringe euch nur schnell das Frühstück …“, erklärte sie fürsorglich und lächelte wieder, während sie auf den Tisch zusteuerte. „… dann könnt ihr in Ruhe weiter streiten.“ Sichtlich fassungslos folgten ihr Annas und Toms Blicke. Katja stellte das Tablett mit Kaffee, Brötchen, Croissants, Obst und anderen Leckerein auf Annas Schreibtisch ab, während sie einen flüchtigen Blick auf die beiden Streithähne warf. „Lasst euch nicht stören. Wenn man frisch verliebt ist, hat man sich nun mal viel zu erzählen. Ich verstehe das schon … und Mama und Ingo auch.“, bemerkte sie mit einem süßlichen Lächeln, ehe sie wieder Richtung Tür strebte. Vollkommen verdattert folgten ihr Toms und Annas Blicke. Katja biss sich auf die Zunge. Sie hatte Mühe, sich zu beherrschen. Eilig verließ sie das Zimmer, zog die Tür hinter sich zu und hastete zurück in die Küche, … Ingo und ihre Mutter sahen sie erwartungsvoll an. Dann brach Katja in schallendes Gelächter aus, von dem sie sich nicht so schnell wieder einkriegen wollte. Ingo und Susanne musterten sie besorgt und tauschten den einen oder anderen fragenden Blick. „Die beiden sind einfach zu komisch.“, prustete Katja und lachte erneut. Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Sie atmete ein paar Mal tief durch und bedachte ihre Mutter mit einem vielsagenden Blick, ehe sie breit grinsend den Kopf schüttelte. „Also, wenn zwischen den beiden nichts läuft, dann fress ich nen’ Besen …“

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Sep 16 2012, 18:22

Also, ich bin ja eigentlich kein Fan von Annas Schwester, aber heute finde ich sie mal verdammt witzig. Ich kann sie mir auch lebhaft vorstellen, be ihren Aktivitäten. Und auch Susanne und Ingo sind gut getroffen. Smile
Aber am lustigsten ist die Vorstellung wie die beiden Streithähne halb angekleidet auf dem Bett sitzen und Katja anstarren, als wäre sie ein Mondkalb, das mal kurz den Kopf zur Tür herein steckt, bevor es wieder in seine eigene Fantasiewelt entschwindet. Very Happy

Herrlich, herrlich. Lieben Dank dafür!!!
Ansonsten halte ich mich jetzt einfach zurück, habe bei "Racheengel" schon alles gesagt.
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Sep 16 2012, 19:05

katha schrieb:
Also, ich bin ja eigentlich kein Fan von Annas Schwester, aber heute finde ich sie mal verdammt witzig. Ich kann sie mir auch lebhaft vorstellen, be ihren Aktivitäten. Und auch Susanne und Ingo sind gut getroffen. Smile
Aber am lustigsten ist die Vorstellung wie die beiden Streithähne halb angekleidet auf dem Bett sitzen und Katja anstarren, als wäre sie ein Mondkalb, das mal kurz den Kopf zur Tür herein steckt, bevor es wieder in seine eigene Fantasiewelt entschwindet.

Herrlich, herrlich. Lieben Dank dafür!!!
Ansonsten halte ich mich jetzt einfach zurück, habe bei "Racheengel" schon alles gesagt.
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LG, Katha

Danke für diesen lieben Kommi. Als ich die Szene geschrieben hatte, musste ich auch grinsen. Ich hab mir das einfach nur witzig vorgestellt. Da bekommt Tom eben gleich mal einen Vorgeschmack von Annas Familie.

LG, Mini

P.S. Nicht traurig sein, ich komm ja wieder. Wink

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Okt 03 2012, 11:34

Hallöchen, nach meinem zweiwöchigen Urlaub kommt hier nun wieder was für euch zu lesen. Viel Spaß damit ... LG, Mini Wink


Teil 52


Tom starrte Anna entsetzt an. „Was bitte war das denn?“ Anna zuckte die Schultern und lächelte matt. „Katja, meine Schwester.“ Sie verdrehte theatralisch die Augen. „Willkommen in der Familie Polauke, Tom.“ Anna rang sich ein Lächeln ab und verbarg das Gesicht in ihrer Hand. „Gott, ist das peinlich.“ „Was?“ Anna seufzte tief. „Ich denke mal, dass meine ganze Familie soeben Zeuge unserer …“ Sie hob die Hände und malte Gänsefüßchen in die Luft. „… Unterhaltung geworden ist.“ Tom schüttelte seufzend den Kopf, ehe er in sich hineingrinste. „Tja, stellt sich die Frage, ob wir weiter streiten oder doch lieber friedlich das Frühstück genießen sollen.“ Anna verzog den Mund. „Mit vollem Magen streitet es sich besser.“, bemerkte sie trocken. „Ganz meine Meinung.“, grinste er hämisch. Anna lächelte ungerührt, packte ihr Kopfkissen und schleuderte es Tom mitten ins Gesicht, ehe sie aufsprang und das Tablett holte. Tom starrte sie vollkommen verdattert an. Anna lachte auf, ehe Tom vorsichtshalber schon mal seinerseits nach einem Kissen griff. Anna setzte eine unschuldige Miene auf und stellte das Tablett auf dem Bett ab. Seufzend, aber mit Angriffslust im Blick, legte Tom das Kissen beiseite. Dann grinste er verschmitzt. „Du hast dein Shirt linksrum an.“ Anna betrachtete sich, streifte das Shirt über den Kopf, drehte es auf rechts und zog es wieder an, während Tom wie gebannt jede Bewegung verfolgte. Ohne gefällst du mir eindeutig besser. Dann ließ Anna sich auf dem Bett nieder und starrte erst auf das Frühstück dann auf Tom. „Aber nicht auf die Bettdecke krümeln.“, warnte sie mit ernstem Blick. Tom hielt in seiner Bewegung inne und blinzelte verunsichert. Dann griff er nach einem Croissant und bemerkte trocken: „Piekt sonst so beim … Schlafen?“ Anna hustete auf, weil sie beim Schlucken gleichzeitig zu atmen versucht hatte. Dann sah sie Tom fragend an. Doch der hob nur unschuldig die Schultern. Und während sie in Schweigen versunken ihr Frühstück genossen, drängte sich in Anna eine gewichtige Frage auf. „Wie gehen wir jetzt mit dieser Situation um?“, durchbrach sie schließlich die Stille. Ihr Blick war unsicher, ihre Haltung angespannt. Tom war sich nicht sicher, was Anna für eine Antwort von ihm erwartete, und er wollte vermeiden, dass er sie mit einer unpassenden Reaktion erneut verärgerte. „Was schlägst du vor?“, schickte er auf diplomatische Weise die Frage an sie zurück. Anna überlegte einen Moment und sah ihn vorsichtig an. „Ich finde, wir sollten es vorerst für uns behalten …“

Tom verzog leicht das Gesicht. Es war ihm anzusehen, dass dieser Vorschlag nicht dem entsprach, was ihm vorschwebte. „Wegen Enrique?“, platzte es schließlich aus ihm heraus, schwer bemüht, den seichten Anflug von Eifersucht in seiner Stimme zu unterdrücken, als die Bilder vom vergangenen Abend, als er die drei in der Lounge beobachtet hatte, seinen Kopf fluteten. Anna hob die Brauen und sah ihn mit echter Überraschung im Blick an. „Was hat Enrique damit zu tun?“, wollte sie wissen. Tom kräuselte unwillig die Stirn. „Er mag dich.“ Anna lachte. „Klar, mag er mich … ich mag ihn auch. Er ist ein Freund.“ Toms Gesicht wurde ausdruckslos. „Für meinen Geschmack mag er dich ein bisschen zu sehr.“, meinte er tonlos. Anna schnappte hörbar nach Luft. „Er poussiert um dich herum, wie …“, „Was meinst du mit poussieren?“, unterbrach Anna ihn mit einem provokativen Ton in der Stimme. Tom dachte einen Moment über ihre Frage nach. Schließlich verschränkte er unwillig die Arme vor der Brust und kräuselte missbilligend die Lippen. „Weiß ich nicht ... Aber ich bin trotzdem dagegen.“ Anna sah ihn irritiert an, dann lachte sie laut auf. Eine Reaktion die Toms Missbilligung weiter antrieb. „Es gefällt mir nicht, wenn er dir so nahe ist.“, murmelte er. Die Stirn in Falten gezogen, öffnete Anna den Mund, während sie sich entrüstet aufrichtete. Doch noch ehe ein Wort ihren Mund verlassen konnte, hob Tom beschwichtigend eine Hand und sah sie versöhnlich an. Augenblicklich schloss sie ihren Mund, schluckte die schroffe Bemerkung hinunter, die ihr auf der Zunge lag und seufzte tief. Wieder verfielen sie in betretenes Schweigen. Leiser Groll begann in Anna zu wühlen, als sie ironisch bemerkte: „Schreibst du mir jetzt vor, wer zu meinem Freundeskreis gehören darf und wer nicht?“ Missbilligung schwang in ihrer Stimme, und sie konnte es nicht vermeiden, dass Toms Aussage sie ärgerte. Tom seufzte und schüttelte langsam den Kopf, ehe er sie vorsichtig ansah. „Nein, … aber mir ist nicht entgangen, wie er dich ansieht … Und dass er deine Nähe sucht, ist ziemlich offensichtlich.“ „Bist du eifersüchtig?“, platzte es aus ihr heraus, ehe sie sich zurückhalten konnte. Tom wandte den Blick ab und starrte angestrengt an die Wand. „Natürlich.“, gab er beschämt zu. „Wie sollte man bei einer Frau wie dir auch nicht eifersüchtig sein, wenn ein anderer Kerl ihr schöne Augen macht.“, fügte er leise hinzu, fast so als schäme er sich für diese Gefühle. Vollkommen perplex von seinen Worten, griff sie sanft nach seiner Hand. „Tom, das ist lächerlich …“, meinte sie versöhnlich. „Nein, ist es nicht.“, widersprach er scharf. „Tom, wir haben eine Nacht miteinander verbracht…“ „Zwei!“ „Was?“ Tom seufzte. „Wir haben zwei Nächte miteinander verbracht.“, erklärte er entschieden. Anna räusperte sich und sah ihn mürrisch an. „Die erste zählt nicht!“ Seine Augen weiteten sich vor Verblüffung. „Warum nicht?“ „Weil du abgehauen bist.“, erinnerte sie ihn. Tom knurrte widerwillig. „Dafür habe ich mich entschuldigt.“ Anna schwieg. Sie wusste, dass sie sich albern verhielt, aber irgendwie kam ihr diese ganze Sache merkwürdig vor. Gestern noch waren sie sich aus dem Weg gegangen … besser gesagt, war sie ihm noch aus dem Weg gegangen … und heute? Er konnte doch nicht von heute auf morgen plötzlich seine Meinung geändert haben. Das kann einfach nicht gut gehen. Dann erinnerte sie sich wieder an ihren Traum von letzter Nacht. Tom hatte sie fallen gelassen. Sie schluckte geräuschvoll, als die alte Panik zurückkehrte.

„Alles okay?“, fragte Tom leise, als er ihre plötzliche Anspannung bemerkte. Langsam stieß Anna die Luft aus. „Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll … was ich davon halten soll.“, flüsterte sie verunsichert. Tom lächelte gequält. „Denkst du, mir geht es anders?“ Anna zuckte ahnungslos die Schultern. „Weiß nicht … Ich hab das Gefühl, für dich ist das alles nur ein Spiel.“ Entsetzt schnappte er nach Luft, ehe er nach ihrer Hand griff. „Anna, glaub mir … das hier, … das ist alles, aber weder ein Spiel noch ein Witz, noch ein primitiver Versuch, dich zu verletzen.“ Vorsichtig sah sie auf, forschte in seinen Augen nach einem Anzeichen von Täuschung. Sie wollte ihm glauben, wollte es so sehr, ... aber ihr Vertrauen war erschüttert. „Du meinst das wirklich ernst?“ Er nickte und lächelte entschuldigend. „Hab ja wohl lange genug gebraucht, um das zu begreifen, oder?“ Anna lachte leise. „Allerdings.“ Tom nahm eine Weintraube von dem Obstteller und hielt sie versöhnlich an Annas Lippen. Nach kurzem Zögern öffnete sie den Mund und Tom schob ihr die Weintraube über die Lippen. Seine blaugrauen Augen musterten sie intensiv, hypnotisierten sie auf eine Weise, die Annas Herz erneut zum Rasen brachte. „An den Gedanken, jeden Tag neben dir aufzuwachen, könnte ich mich gewöhnen.“ Anna verschluckte sich an der Weintraube und spuckte sie abrupt wieder aus. Diese prallte auf dem Tablett ab und hüpfte direkt in Annas Kaffeetasse. Kaffee spritzte auf das Tablett. Verdattert sah Anna auf, und Tom biss sich heftig auf die Zunge, um nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Wow Volltreffer. Er schüttelte schmunzelnd den Kopf und griff erneut in den Obstkorb. Breit grinsend sah er sie an. „Ob das mit einer Erdbeere auch funktioniert?“ Anna bedacht ihn mit einem strengen Blick. Dann schaute sie auf ihre Kaffeetasse, in der noch immer die Weintraube badete, anschließend in Toms Gesicht. „Ich könnte es ja mal mit deiner Tasse versuchen.“, bedeutete sie mit einem hinterhältigen Lächeln. Tom hielt in der Bewegung inne, starrte auf die Erdbeere, die sich auf halbem Weg zu Annas Mund befand, dann auf Annas hinterhältiges Lächeln. Schließlich hob er eine Augenbraue, grinste und schob sich die Erdbeere selbst in den Mund. Anna schnaufte, ehe sie nach einem Löffel griff und umständlich die Weintraube aus ihrer Tasse angelte. Seine Lippen kräuselten sich zu einem amüsierten Grinsen. „Ist lange her, nicht wahr?“ „Was?“, fragte Anna mit erstickter Stimme und hustete erneut. „Neben jemanden aufzuwachen.“ Sie seufzte traurig, senkte den Blick und nickte.

Tom lächelte, sagte aber nichts, während er die Hand ausstreckte und seine Finger sanft über ihre Wange gleiten ließ. Anna hob ihre Hand und fing die seine ein. Ihre Finger verschränkten sich ineinander, und Anna sah ihn unschlüssig an. „Das ist einfach zu schön, um wahr zu sein.“, sagte sie leise. Tom lachte traurig. „Ja, wie eine Seifenblase … schillernd und wunderschön … und ehe man es sich versieht, ist sie zerplatzt.“ Anna schwieg. „Aber wir könnten das Schicksal annehmen.“, flüsterte er. Anna sah auf und blinzelte hastig die Tränen weg, die sich unvermittelt in ihre Augen gestohlen hatten. Toms Lächeln wärmte sie, vermittelte ihr ein Gefühl von Sicherheit. Sie schloss die Augen und versuchte, sich eine Beziehung mit ihm vorzustellen … ein ständiges Miteinander … Streiten … Lachen … großes Haus mit weißem Gartenzaun … fünf oder sechs Kinder … Stopp … Stopp … Stopp … das ist zu schnell ..., bremste sie sich gedanklich aus. Sie öffnete die Augen und sah sie ihn einfach nur an. Seine Finger drückten ihre, und sie spürte die gemeinsame Ebene, auf der sie letzte Nacht angekommen waren. Ein guter Anfang. Bei ihm könnte sie sich wohlfühlen. Aber waren seine Worte aufrichtig? Sie drückte seine Hand. „Tom, ich habe Angst, dass das alles nur ein schöner Traum ist … und ich irgendwann aufwache und wieder auf diesem Dach stehe.“, begann sie behutsam. „Lass es uns langsam angehen.“, bat sie. Toms Blick trübte sich, und in seinen Augen glomm ein trauriger Schimmer. „So wie ich mich momentan fühle, fällt mir langsam ziemlich schwer.“, sagte er leise und lächelte verlegen. Anna hüstelte, ehe sie das Tablett beiseite schob, näher zu ihm rückte und ihre Arme um ihn schlang. Sie tauchte in seine Wärme, schloss die Augen und genoss diese Nähe, nach der sie sich so lange gesehnt hatte. Tom zog sie an sich, vergrub sein Gesicht in ihrem Haar und sog ihren Duft ein. „Gib uns Zeit, Tom.“, sagte sie leise. Er nickte in ihrem Haar, während er behutsam über ihren Rücken strich. Anna seufzte bekümmert. Sie spürte, dass Tom sich mehr erhofft hatte, aber wenn es um Liebe ging, war sie die zurückhaltende Frau, die sie insgeheim immer gewesen war.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Okt 03 2012, 11:47

Teil 53

Ein ausgiebiges Frühstück und gefühlte hundert Küsse später hatte Tom es endlich geschafft, sich von Anna zu trennen. Es war ihm schwergefallen zu gehen, aber er wollte noch mal nach Hause, bevor er ins Büro musste. Sie würden getrennt dort auftauchen. Und nun stand er hier unter seiner Dusche, ließ das heiße Wasser über seinen Körper prasseln und hing seinen Gedanken nach. Sie hatten viel geredet letzte Nacht und heute morgen. Und es hatte gut getan, das alles rauszulassen. Er lehnte seine Stirn gegen die Fliesen, schloss die Augen und dachte an Anna. Oh Mann, warum nur kriegen wir uns ständig in die Wolle? Wenn sie nur nicht so stur wäre. Er lächelte. Mit Carla hatte Streiten nicht halb soviel Spaß gemacht. Denn während Anna ihre hitzigen Diskussionen dazu nutzte, um ihren Dickschädel durchzusetzen, hatte Carla immer nur die Größe und den Wert des darauffolgenden Versöhnungsgeschenkes im Sinn gehabt. Er grinste, als er an heute Morgen zurückdachte. Mit ihrem Streit hatte sie gekonnt eine Wiederholung des leidenschaftlichen Miteinanders der letzten Nacht vereitelt. Gott, wie schön sich das angefühlt hat … ihre Haut, ihre Lippen … die Küsse. Sie auf mir … unter mir ... Er seufzte, während er die Gefühle in sich zuließ und sein Körper erneut zu kribbeln begann. Seit gestern Abend war alles anders. Und zum ersten Mal seit Jahren fühlte er wieder diese längst vergessene Leichtigkeit … gute Laune … Lust am Leben. Jedoch fragte er sich ernsthaft, wie er sich heute auf seine Arbeit konzentrieren sollte. Seine Gedanken kreisten unaufhaltsam um die Nacht im Hotel, … die Szene im Badezimmer ihrer Eltern … die leidenschaftliche Zweisamkeit heute Morgen. Tom stöhnte gequält, und als er spürte, dass seine Gedanken zu sehr abdrifteten, drehte er das Wasser kalt. Er keuchte auf, als das kalte Wasser mit seinem erhitzten Körper kollidierte. Himmel, seine Hormone spielten völlig verrückt. Wie zum Geier sollte er den Tag nur überstehen?

Mit einer fremdartigen Vorfreude auf einen anstrengenden Tag im Büro, die ihn ziemlich verwirrte, stellte er schließlich die Dusche ab. Seine Hände waren schrumpelig und seine Haut kalt wie Eis. Angespannt betrachtete er sein Gesicht im Spiegel. Anna und er hatten sich dazu entschlossen, ihre neue Nähe erst einmal für sich zu behalten. Es gefiel ihm zwar nicht, aber er wollte Anna auch nicht drängen. Jedoch hatte er keine Ahnung, wie er die anderen davon überzeugen sollte, dass sich seit gestern nichts verändert hatte. Instinktiv versuchte er, seine alte mürrische Miene aufzusetzen … Es sah geradezu lächerlich aus ... Er grinste und schüttelte seufzend den Kopf. Dann konnte nur noch ausreichend Arbeit helfen … Angefüllt mit guter Laune und einem befreiten Gefühl, zog er sich an und fuhr ins Büro ... Als er aus dem Fahrstuhl trat, überflutete ihn sofort das gewohnte rege Treiben. Automatisch glitt sein Blick zu Annas Schreibtisch. Sie war schon da. Und als hätte sie seine Gegenwart gespürt, hob sich ihr Blick und begegnete dem seinem. Ein zaghaftes Lächeln umspielte ihre Lippen, was er mit einem verstohlenen Augenzwinkern quittierte. Dann trat er an den Empfangstresen. „Guten Morgen, Herr Lanford.“, begrüßte ihn Frau Hauschke. „Guten Morgen, Steffi.“ Die ältere Brünette sah ihn verdattert an. Tom lächelte. „Haben Sie Post für mich?“ Einen Moment lang starrte sie ihn an als käme er aus einer fremden Dimension. Na gut, wenn er ehrlich war, fühlte er sich auch genau so. Als sie ihre Fassung, die ihr kurz entglitten war, wiedererlangt hatte, griff sie mit einem stummen Kopfnicken einen Stapel Briefe und reichte ihm diesen, während sie ihn mit einem undeutbaren Blick ansah. „Danke.“ Er lächelte und steuerte auf sein Büro zu. Mit einem letzten flüchtigen Blick auf Anna öffnete er die Tür und verschwand in seinem Büro. Nachdem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, sank er erschöpft gegen selbige. Als hätte er einen Marathon hinter sich, stieß er die Luft aus, trat um seinen Schreibtisch herum und ließ sich auf seinen Stuhl sinken.

Na, das war doch eigentlich gar nicht so schwer …, ging es ihm mit vager Erleichterung durch den Kopf. Wie ferngesteuert wandte er den Kopf durch die Glaswand und starrte auf Anna, deren Blick auf ihn gerichtet war, und er hatte Mühe, nicht seine ganze auferlegte Zurückhaltung über Bord zu werfen und zu ihr zu laufen. Das Leben ohne Fassade war anstrengender als er angenommen hatte. Und seine Gedanken, als hätte man ihnen plötzlich Auslauf gewährt, kreisten um alles, nur nicht um die Briefe, Listen und Aufträge, die sich auf seinem Schreibtisch stapelten. Sein Telefon klingelte und riss ihn in die Gegenwart zurück. Er nahm ab und atmete einmal tief durch. „Hallo Enrique. Was gibt’s?“ „Morgen, Tom. Ich wollte dir nur mitteilen, dass die Show für Mailand steht. Custodi hat vor einer halben Stunde angerufen.“ „Hört sich gut an.“, bemerkte Tom gelassen. „Hast du schon entschieden, wer nach Mailand fliegt?“, wollte der Marketingchef wissen. Tom musste nicht lange überlegen. Viele Möglichkeiten gab es schließlich nicht. „Anna … und ich.“, erwiderte er, ohne intensiver darüber nachzudenken, während sein Blick erneut jenseits der Glaswand unterwegs war. Enrique räusperte sich. „Bist du sicher?“ Absolut. Tom hielt inne. Kam sein Vorschlag etwa zu schnell? Hatte er sich verraten? Er räusperte sich. „Ich kann aber auch gerne Bruno fragen, vielleicht möchte er fliegen.“, fügte Tom eilig, wenn auch eher widerwillig hinzu. Aber es war wichtig den Schein zu wahren, auch wenn er jetzt schon die Nase voll hatte von diesem Kasperletheater. Schweigen. „Kann ich auch mitkommen?“, platzte es beinahe sarkastisch aus Enrique hervor. Tom erstarrte mitten im Luftholen. Enrique in Mailand, während ich mit Anna dort bin? Um Gottes Willen …, schoss es ihm ablehnend durch den Kopf. Hallo, Erde an Verstand, … der Typ ist dein Marketingchef. …, meldete sich der rationale Teil in ihm zu Wort. Ach ja, richtig, da war ja noch was. „Ja, … ähem klar … Entschuldige!“, ruderte er hastig zurück, ehe Enrique misstrauisch werden konnte. „Gut, sag mir einfach Bescheid, wenn die Delegation feststeht.“ „Geht klar.“ Dann legte er auf, ohne Enrique noch eine Möglichkeit zu geben, seinen Ausführungen etwas hinzuzufügen, was zu sehr ins Private driften könnte. Anna hatte schließlich den Wunsch geäußert, dass ihre Beziehung – konnte man das schon so nennen? – vorerst noch unter ihnen bleiben sollte. Und er würde nichts Gegenteiliges tun … bis sie es selbst wollte. Tom holte tief Luft und stieß sie geräuschvoll wieder aus. Er kam sich vor, als hätte er einen kräftezehrenden Vierzehn-Stunden-Tag hinter sich. Er sah auf die Uhr und stieß ernüchtert die Luft aus. Es war noch nicht mal eine Stunde vergangen, und er hatte ein Telefonat absolviert, während ihm der Auftragsstapel vor seiner Nase hämisch zugrinste. Toms Laune sank in den Frostbereich. Wie sollte er das nur jemals alles schaffen? Wie von selbst flog sein Blick zu Anna, die mit einem seligen Lächeln im Gesicht in ihre Skizzen vertieft war. Seufzend bettete er seinen Kopf auf seine Hände und ließ sich von ihrem Lächeln anstecken, während er sich fragte, was sie wohl gerade dachte?

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Okt 07 2012, 15:19

Teil 54

Annas Gedanken kreisten um Tom, wie ein Satellit im Orbit. Und wenn sie nicht bald dieses breite Grinsen aus dem Gesicht bekam, würde jeder noch denken, sie hätte angefangen, irgendwas zu nehmen, um nicht mehr wie ein Trauerkloß durch die Gegend zu stiefeln. Wie schnell sich doch das Leben wandeln konnte, wenn man dem Schicksal eine Chance gab. Und dieses Schicksal fühlte sich so verdammt gut an. „Da bist du ja.“, ertönte Palomas Stimme von der Seite und ließ Anna erschrocken zusammenfahren. Hastig sah sie auf und bedachte ihre beste Freundin mit einem Blick, als würde sie sie zum ersten Mal sehen. Nur eine Sekunde später fühlte sie sich wie eine Schauspielerin, die ihren Text vergessen hatte. „Paloma … Ähem, Hi.“ Mehr brachte sie nicht heraus, und ehe ihr Grinsen so breit werden konnte, dass ihre Ohren abfielen, richtete sie ihren Blick wieder stoisch auf ihre Zeichnung … und erstarrte. Sie hatte in ihrer Versunkenheit ein paar Augen gezeichnet, die ihr verdammt bekannt vorkamen. Hastig bedeckte sie die Zeichnung mit ihrer Hand und warf einen schnellen Blick auf Paloma, den sie mit einem gekünstelten Lächeln untermalte. Gott sei Dank, sie hat es nicht gesehen. Dann folgte sie dem Blick ihrer Freundin, die sichtlich irritiert in Toms Büro starrte. „Was ist denn mit Tom heute los? Hat er sich was eingeworfen?“, bemerkte Paloma und blinzelte erstaunt. Jep, er hat wohl dasselbe Zeug genommen wie ich … Anna verkniff sich ein Grinsen und riss heimlich das Blatt Papier mit dem verräterischen Augenpaar aus dem Block. „Anna?“ Oh-oh, diese Klangfarbe in Palomas Stimme war ihr bestens bekannt. Dieses leichte Anheben der zweiten Silbe ihres Namens war ein eindeutiges Indiz dafür, dass das geschulte Näschen ihrer besten Freundin Paloma Witterung aufgenommen hatte. Gar nicht gut. Überhaupt nicht gut. Jetzt hieß es, schauspielern … und zwar auf die überzeugendste Weise. Anna sah auf und versuchte, eine unschuldige Miene aufzusetzen. Paloma runzelte die Stirn und musterte ihre Freundin mit Argusaugen. Verdammt, das war wohl der falsche Ausdruck. „Sollte ich irgendwas wissen?“, fragte sie mit zusammengekniffenen Augen. Mist … „Nöö … warum?“, tat Anna ihre Frage so lässig wie möglich ab.

„Anna?“ Eine sehr vertraute männliche Stimme ließ Annas Kopf nach oben schnellen. Ihr Puls begann in wildem Galopp loszupreschen. Verflucht … beruhige dich, Anna …, suggerierte sie sich selbst und versuchte so gleichgültig wie möglich dreinzuschauen. Verdammt, wenn sie nur wüsste, wie sie das gestern noch gemacht hatte. „Kann ich dich kurz sprechen?“ Anna nickte mit einer wie in Beton zementierten Miene. Bloß nichts anmerken lassen …, bläute sie sich ein. Gott, gestern war das alles noch so einfach. „Würden Sie uns einen Moment allein lassen, Paloma.“ Paloma sah die beiden prüfend an, ehe sie sich mit einem Blick in Richtung Anna entfernte, der eindeutig sagte … wir reden später und ich will die gesamte ungekürzte Fassung hören … mit allen schmutzigen Details. Anna stieß erleichtert die Luft aus, und Tom räusperte sich. Dann setzte er sich zu ihr auf die Schreibtischkante und sah sie einfach nur an. Gott sieht er umwerfend aus. Dieser blaue Pulli passt so gut zu seinen Augen. Und diese dunklen Jeans erst … ich würde zu gerne wissen, ob er wieder diese sexy Unterwäsche anhat … Oh Gott Anna, reiß dich zusammen … „Alles okay?“, fragte Tom und lächelte. Nur langsam kehrte Anna wieder in die irdische Welt zurück. Mit einiger Verzögerung kam Toms Frage in ihrem Hirn an, woraufhin Anna leicht nickte und ihm schließlich ein gequältes Lächeln schenkte. „Ich kann mich nur schwer auf die Arbeit konzentrieren.“, bemerkte sie seufzend, zog beiläufig das Blatt mit Toms Augen hervor und sah ihn geplagt an. Himmel, das ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Ich wünsche mir ein eigenes Büro mit Aussicht auf die Spree, damit ich endlich vernünftig arbeiten kann … Tom lachte. „Da sind wir schon zwei.“ Anna räusperte sich und sah Tom flehend an. „Nichtsdestotrotz sollten wir nicht zu auffällig wirken. Dieses Büro hat unheimlich viele Augen.“, bemerkte sie ironisch und sah provokativ in Palomas Richtung, die gerade ein paar Unterlagen sortierte. Doch Anna wusste es besser. Denn während Tom und sie hier saßen und über kleine Nichtigkeiten plauderten – etwas, was sie gestern noch nicht getan hatten – beobachtete Paloma jede ihrer Bewegungen. Und zweifellos würde sie nachher Rede und Antwort stehen müssen. Tom seufzte. „Deine Entscheidung.“ Anna hob den Blick und verzog mürrisch das Gesicht. „Klar, du hättest die Neuigkeit am liebsten gleich in die Berliner Morgenpost gesetzt.“, bemerkte sie spitz. Tom lachte und zog süffisant eine Braue hoch. „Nie im Leben … Das Frühstücksfernsehen erreicht eindeutig mehr Leute.“, konterte er, woraufhin Anna dramatisch seufzend die Augen verdrehte.

Dann wurde er wieder ernst und stieß angespannt die Luft aus. „Weswegen ich eigentlich mit dir reden wollte. Enrique hat angerufen … die Mailand-Show steht. Er fragt, wer hinfliegt …“ Tom grinste. „… magst du mitkommen?“ Anna riss überrascht die Augen auf, ehe sie sich zu ihm lehnte und leise flüsterte. „Meinst du nicht, das ist ein klein wenig auffällig?“ Tom lächelte verschmitzt und schüttelte den Kopf. „Solange wir hier ein reines Chef-Angestellten-Verhältnis mimen, ist doch alles in bester Ordnung. Wenn du allerdings weiterhin wie ein Honigkuchenpferd grinst und meine Augen zu Papier bringst, anstatt die neue Winterkollektion, dann könnte das schwierig werden.“, konstatierte er ungerührt. Anna warf ihm einen tadelnden Blick zu und kniff ihn gespielt entrüstet in den Arm. „Autsch.“ „Dann hör auf, mich so anzusehen … da werd ich ja ganz wuschig.“ Tom lachte und schenkte Anna einen besonders tiefen Blick. Sie schnappte leise nach Luft. „Siehst du, genau das meine ich. Und dann wunderst du dich, dass ich solchen Blödsinn male?“ „Meine Augen sind kein Blödsinn.“, echauffierte er sich, und Anna hustete vor Schreck auf, ehe sie ihn fassungslos anstarrte. Tom zuckte gelassen die Schultern. „Ich kann natürlich auch Bruno fragen, ob er fliegt.“ „Und du fährst zusammen mit ihm...“, entschied Anna prompt. „Kommt nicht in Frage.“, widersprach er. Anna quittierte Toms unwilligen Blick mit einem affektierten Lächeln. „Und warum nicht?“ Er beugte sich näher zu ihr … viel zu nahe. „Weil dieses Büro nicht nur unheimlich viele Augen hat, sondern auch unheimlich viele Männer, denen ich in meiner Abwesendheit nicht mal meine Oma anvertrauen würde.“, bemerkte er sarkastisch.

Anna verdrehte seufzend die Augen und neigte mit einem hämischen Grinsen den Kopf. „Da mach dir mal keine Sorgen, Virgin ist bestimmt keine Gefahr für dich … Und da Enrique mit Sicherheit mitfährt, kannst du gut auf ihn aufpassen, damit er nicht heimlich mit mir telefoniert oder SMSen schreibt.“, witzelte sie. „Natürlich ...“ Stöhnend verdrehte Tom die Augen, als er erkannte, dass seine Argumentation in sich zusammengefallen war wie ein labiles Kartenhaus. „Aber, um noch mal zum Thema zurückzukommen … Du kannst auch alleine fliegen …“ Anna grinste. „Und Enrique bitten, dass er hier bleibt … toll, vielleicht mag Paloma ja mitkommen.“ Tom stieß angestrengt die Luft aus und bedachte Anna mit einem verärgerten Blick. „Vergiss es … wir beide fahren … und Enrique.“ „Und Bruno?“, erinnerte Anna ihn. Tom lächelte sardonisch. „Ich denke, mein Vater wird dem jungen Glück sicher nicht im Weg stehen wollen.“ Anna beugte sich zu ihm, ergriff ohne nachzudenken seine Hand und lächelt süßlich. „Ich würde gern mit dir und Enrique nach Mailand fliegen.“ Tom schnaubte und würgte eine schroffe Bemerkung hinunter, die sich in ihm unweigerlich nach oben drängte. Anna würde ihn nur immer weiter aufziehen und er am Ende wie ein jämmerlicher Trottel dastehen. „Sehen wir uns zum Mittag?“, lenkte er geschickt auf ein anderes Thema. Anna legte den Kopf schief und sah Tom herausfordernd an. „Wirst du denn bis zum Mittag warten?“

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