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 Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"

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Mini_2010

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BeitragThema: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 04 2012, 10:11

das Eingangsposting lautete :

Anna und Tom, beide in ihrer Vergangenheit gefangen, haben nach vielen Auf's und Ab's in einem eher unberechenbaren Verhältnis zueinander eine leidenschaftliche Nacht im Hotel verbracht. Das Erwachen am Morgen danach verläuft leider alles andere als romantisch. Und sowohl Anna als auch Tom müssen sich nach diesem Erlebnis die Frage stellen, ob sie bereit sind, die schmerzhafte Vergangenheit mit all ihren Dämonen hinter sich zu lassen, und einen Neuanfang zu wagen ... Aber, wie auch immer sie sich entscheiden mögen - Liebe findet ihren Weg ...


Teil 1

Das Türblatt wackelte bedrohlich, noch lange nachdem Tom es hinter sich zugeworfen hatte. Anna fixierte das Holz und versuchte zu begreifen, was soeben passiert war. Als die Erkenntnis, dass er sie soeben abserviert hatte, in ihrem Hirn angekommen war, brach sie unvermittelt in Tränen aus. Was sollte das jetzt? Hatte sie irgendetwas falsch gemacht? Der Stich in ihrem Herzen ließ sie sich zusammenkrümmen. Sie keuchte auf, versuchte, den Schmerz zu verdrängen und kämpfte einen neuen Schwall Tränen beiseite. Doch die Wucht der Emotionen war stärker. Laut schluchzend sank sie auf dem Bett zusammen und wünschte sich einmal mehr, sie wäre damals wirklich vom Dach gesprungen. Ihr Leben war schon kompliziert genug. Warum nur konnte es nicht einfach mal jenen berühmten Lichtstreif am Horizont geben? Warum nur war Tom manchmal der liebste Mensch der Welt, nur um dann zehn Minuten später wieder zu dem unausstehlichen Kotzbrocken zu mutieren? Er wechselte seine Stimmung schneller als ein Victoria Secrets Model die vorzuführende Unterwäsche auf einem Catwalk. Gott, wenn man sich sein Verhalten so verinnerlichte, bekam die Bezeichnung „Multiple Persönlichkeit“ eine ganz neue Bedeutung. Was soll’s, hier liegen zu bleiben und sich selbst zu bedauern, brachte sie auch nicht weiter … und spätestens wenn der Zimmerservice sie in ein paar Stunden fand, würde sie sich der Tatsache stellen müssen, dass hier nicht der geeignetste Ort war, sich vor der Welt zu verstecken. Also warum nicht gleich verschwinden. Und außerdem hatte sie noch etwas mit Tom zu besprechen. Sie verdiente zumindest eine Erklärung.

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Gedankenverloren starrte Tom durch die Windschutzscheibe seines Wagens und versuchte, der Flut seiner Erinnerungen an die vergangene Nacht Herr zu werden. Verdammt, da hatte er aber wahrlich Mist gebaut. Warum nur hatte er heute Morgen zu ihr gesagt, dass die Nacht zwar schön war, aber keine Bedeutung hatte, wenn er es doch eigentlich gar nicht so gemeint hatte? Warum war er nicht in der Lage, genau das auszusprechen, was in ihm vorging? Gestern in diesem Schwimmbad hatte es doch auch funktioniert. Klar, war es am Anfang unangenehm gewesen. Er hatte selten in seinem Leben geweint … und schon gar nicht vor einer Frau. Diese Art von Schwäche offen zu zeigen, hätte ihn normalerweise zutiefst verwirrt, aber bei Anna hatte er das Gefühl, dass er davor keine Scheu haben musste … dass sie ihn verstand. Sie hatte ihn aufgefangen, ihn festgehalten und dann … Er seufze, während er den Kopf gegen die Nackenstütze lehnte und an die Decke starrte. Er hatte es verbockt … wieder mal. Doch damit hätte er leben können. Womit er nicht leben konnte, war die Tatsache, dass er Anna offensichtlich ziemlich heftig vor den Kopf gestoßen hatte. Das wollte er nicht, aber als er heute Morgen neben ihr aufgewacht war – auch wenn er im Grunde kaum geschlafen hatte, weil ihn die Ereignisse derart aufgewühlt hatten, dass er keine Ruhe fand –, wusste er plötzlich nicht mehr, was richtig war und was nicht. Es hatte sich gut angefühlt, sie im Arm zu halten … irgendwie richtig. Doch dann war ihm Carla durch den Kopf gegeistert und sein Gewissen hatte sich gemeldet. Carla, die Frau, die an seiner Seite stand und das seit fast zwei Jahren. Die immer da war, wenn er jemanden brauchte. Sie ergänzten sich gut, mochten sich auf eine Weise, die weit über eine gewöhnliche Freundschaft hinausging … aber reichte es für … Liebe? Und dann war da Anna, die ihn verstand, wie es noch nie jemand getan hatte. Und sein Herz sehnte sich nach diesem Gefühl, mit diesem Schmerz nicht allein sein zu müssen. Ihre Worte berührten ihn, schenkten ihm Trost, so dass er anfing zu glauben, irgendwann in seinem Leben einen Punkt erreichen zu können, an dem er mit dem Verlust von Fanni abschließen konnte. Anna vermochte es … und sie war die Einzige. Was sie miteinander verband, war zu groß, um es als Freundschaft zu bezeichnen. Liebe? Er wusste es nicht. Sicher, da waren Gefühle … die er kannte, doch sie waren ihm in den Jahren fremd geworden.

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Zuletzt von Mini_2010 am Mi Jul 04 2012, 10:30 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Feb 07 2013, 08:51

Danke ihr beiden ...

@ Butterfly: Du hast nicht mehr im Kopf, wie es weitergeht. Umso besser. Dann lohnt es sich ja tatsächlich für dich, noch weiter zu lesen.

Drück euch beide ...

LG, Mini

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um zu sich selbst zu finden.“
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Feb 15 2013, 15:01

Ich wünsche all meinen Lesern ein wunderschönes Wochenende ... flower

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Teil 83


„Gehen wir heute wieder getrennt ins Büro?“, fragte Tom mit hochgezogenen Brauen, während er etwas Marmelade auf sein Brötchen tat. Anna schluckte und sah ihn einen Moment fragend an. Dann seufzte sie leise. „Wenn man bedenkt, dass die halbe Belegschaft gestern schon eins und eins zusammengezählt hat, wäre es schlichtweg sinnlos, ihnen heute erneut was vorzuspielen.“, bemerkte sie lapidar. Tom grinste breit. „Ja, wir sind schon zwei furchtbar schlechte Schauspieler.“, scherzte er. Anna schüttelte den Kopf, dann fingen beide an zu lachen. „Nichtsdestotrotz sollten wir versuchen, uns professionell zu verhalten.“, mahnte Anna. Tom zog die Brauen hoch und sah die Blondine erwartungsvoll an. „Du meinst, kein öffentliches Knutschen?“ Gespielt beleidigt verzog er das Gesicht. Anna räusperte sich und schüttelte streng den Kopf … etwas, was sie lieber nicht hätte tun sollen, denn augenblicklich zuckte wieder dieser lästige Schmerz durch ihre Schläfen. Sie biss die Zähne zusammen und stieß langsam die Luft aus, während sie mit den Fingern ihre Schläfen massierte. Der Schmerz verzog sich wieder. Anna griff nach ihrer Tasse und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. Das war genau das, was sie jetzt brauchte. Tom grinste. „Okay, dann finden wir eben einen anderen Weg …“ Beiläufig griff er nach einer Weintraube und schob sie sich in den Mund. „Ich hab mir sagen lassen, dass sich das Treppenhaus gut für Knutschereien eignen soll.“, plapperte er munter weiter. Anna verschluckte sich spontan an ihrem Kaffee und hustete. Tom lachte. „Du solltest vorsichtig sein, Kaffeeflecken gehen wirklich beschissen wieder raus. Ich weiß, wovon ich rede.“

Fassungslos starrte Anna Tom an. „War irgendwas in deinem Kaffee? Oder in dem Obst? Oder hast du schon heimlich einen Clown gefrühstückt, während ich noch geschlafen habe?“ Toms Grinsen nahm gefährliche Dimensionen an. Spätestens morgen würde er Muskelkater in seinen Wangen haben, aber das war ihm gerade völlig egal. Er strotzte geradezu vor Energie und guter Laune. Es war als hätte jemand eine unsichtbare Tür zu seinem wahren Kern aufgestoßen, von der er nicht mehr gewusst hatte, dass es sie gab. „Du meinst, so wie du gestern Abend?“, neckte er sie. Seine Augen blitzten amüsiert. Annas Blick fand seinen, bohrte sich tief in seinen, während ihre Brauen langsam ihre Stirn hinaufwanderten. „Was war eigentlich los mit dir?“, wollte Tom wissen. Anna dachte einen Moment über seine Frage nach, dann zucktesie nur die Schultern. „Wie ich schon gesagt habe, Carla war da und wir haben zusammen Wein getrunken.“ Anna hielt einen Moment inne und fixierte nachdenklich einen Punkt über Toms Schulter. „Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass sie … unzufrieden war. Und als sie mich nicht von einem weiteren Glas überzeugen konnte, hat sie einfach den Rest getrunken.“ Sie zuckte gleichgültig die Schultern. „Na ja, und dann hab ich wohl ein paar … Gedanken … laut ausgesprochen und sie ist einfach abgehauen.“ Tom runzelte misstrauisch die Stirn, als ihm schlagartig etwas klar wurde. Nie im Leben war der Wein allein für Annas Zustand verantwortlich. Der Gedanke schickte ein beklemmendes Gefühl in seine Magengegend. Hatte Carla Anna vielleicht doch etwas ins Glas gekippt? Und wenn ja, warum dann so ein Gute-Laune-Zeug? Nicht, dass er ihr eine solche Tat wirklich zutrauen würde, aber Carla schien unter den gegenwärtigen Umständen eher der Heimlich-etwas-Giftiges-ins-Glas-mischen-Typ zu sein. „Wie geht’s dir sonst, Anna?“, fragte er und taxierte sie eingehend, während er sich sämtliche Erste-Hilfe-Maßnahmen in Erinnerung rief … Nur für den Fall. Anna zuckte die Schultern. „Bis auf diese Hammerkopfschmerzen ganz gut.“ Tom nickte langsam, woraufhin Anna misstrauisch das Gesicht verzog. „Warum fragst du?“ Tom lächelte leicht und strich mit dem Handrücken über ihre Wange. „Ich mach mir Sorgen um dich.“ „Nicht nötig.“, meinte sie leichthin und rollte leicht die Augen.

Eine halbe Stunde später verabschiedeten sich Tom und Anna mit einem letzten innigen Kuss im Fahrstuhl, bevor die Türen aufglitten und sie das geschäftige Treiben im Atelier erfasste und augenblicklich mit sich zog. Tom steuerte sein Büro an, während Anna mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ an Steffi vorbeirauschte und zu ihrem Schreibtisch lief. Als ihr Blick auf selbigen fiel, stutzte sie. Die Flasche Wein stand noch immer dort, wo Tom sie gestern Abend abgestellt hatte. Unvermittelt begann ihr Gesicht zu glühen, als sie sich erneut die vergangene Nacht in ihr Bewusstsein schob. Mit einem vernehmlichen Räuspern und einem verstohlenen Blick durch das Büro griff sie schließlich die Flasche und stellte sie unter ihren Schreibtisch. Augenblicklich fühlte sie sich besser, ... bis ihr Blick auf eine langstielige rote Rose fiel, die quer über ihren sorgfältig zusammengelegten Entwürfen lag. Einen Moment lang war sie zu verblüfft, um zu reagieren. Ihr Blick huschte zu Tom, der mit dem Telefon am Ohr durch sein Büro stiefelte. Anna runzelte die Stirn. Wann bitte hatte Tom ihr diese Rose besorgt? Heute Morgen, als er mich allein in seinem Büro zurückgelassen hatte? Quatsch, um diese Zeit hat doch noch kein Blumenladen in Berlin geöffnet. Oder hatte er sie schon gestern Abend dabei gehabt? Anna lächelte verträumt. Dass Tom so aufmerksam war, hätte sie nicht erwartet, wenn auch es ihr durchaus gefiel – solange die Aufmerksamkeiten keinen kitschigen Charakter annahmen und zu einem täglichen Ritual mutierten. Um das arme Geschöpf nicht dem Verdursten auszusetzen, besorgte sie an der Sushibar eine Vase und stellte die Rose hinein. Sie würde sich später bei Tom für die überaus süße Geste bedanken und ihn fragen, wann er das bewerkstelligt hatte. Jetzt wollte sie sich erst einmal mit den Entwürfen der Winterkollektion befassen. Zum Glück hatte sie eine Nachtschicht eingelegt, so hatte sie wenigstens Carlas Anfall von Zerstörungswut beseitigen können. Wenn Carla wüsste, was für eine wunderbare Nacht sie mir damit beschert hatte …, ging es Anna beinahe hämisch durch den Kopf. Oh ja, Carla, du würdest vor Neid erblassen … Ihr Blick fiel auf die fünf Entwürfe, die ihr noch viel besser gefielen als die alten und machte sich an die Arbeit, die Kollektion zu vervollständigen. Bruno wollte die Ergebnisse in ein paar Tagen sehen, und wenn alles glatt lief, konnten die Entwürfe noch vor Mailand in den Schnitt.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Feb 15 2013, 21:36

Oh, ich liebe es von Tom so locker flockig, trocken daher kommt, und seine Umwelt verblüfft. Davon könnte ich mehr, und mehr und mehr lesen. Immer wieder toll. Ilikeit
Und Anna, dafür dass sie wahrscheinlich gerade Höllenqualen erleidet, hält sie sich verdammt wacker. super
Lustig finde ich ja auch, dass Tom von Anna ermahnt werden muss, sich zurückhaltend zu verhalten. Wer ist da Geschäftsführer?

Hach, das Leben könnte so schön sein für die beiden, wenn da nicht ... No
Na ja, beschwören wir die dunklen Wolken mal nicht herauf bevor sie da sind.

Ich schick dir leibe Grüße und einen dicken Dankes-Knutscha

Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Feb 21 2013, 02:00

Einfach zu süß die beiden! Very Happy
Zitat :
Tom grinste. „Okay, dann finden wir eben einen anderen Weg …“ Beiläufig griff er nach einer Weintraube und schob sie sich in den Mund. „Ich hab mir sagen lassen, dass sich das Treppenhaus gut für Knutschereien eignen soll.“, plapperte er munter weiter. Anna verschluckte sich spontan an ihrem Kaffee und hustete. Tom lachte. „Du solltest vorsichtig sein, Kaffeeflecken gehen wirklich beschissen wieder raus. Ich weiß, wovon ich rede.“
Ich liebe es wenn die beiden so locker miteinander um gehen und noch mehr, wenn die sich so frech gegenseitig anmachen! Smile Cool

Jaja die Kaffeeflecken ... da werden Erinnerungen wach! Embarassed Razz

Achja ... die Rose ... ich wusste doch dass da noch was war! Suspect

Ich will meeeeeeeeeehr! Wo bleibt die Fortsetzung!? Smile

Grüßeee
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Feb 21 2013, 07:44



Danke euch ihr beiden. Ja, diese Szenen, wenn die beiden so unbeschwert sind, gefallen mir auch immer wieder ganz besonders.

Die Fortsetzung ist in Arbeit. Kommt hoffentlich noch vor dem Wochenende.

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Feb 22 2013, 14:27

Fürs Wochenende noch ein neuer Teil für euch. Viel Spaß beim Lesen ... LG, Mini

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Teil 84


In Gedanken versunken weilte Anna halb bei Tom und halb schon auf dem Weg nach Mailand. Auf der Fahrt zur Arbeit hatte er ihr voller Enthusiasmus von dieser Stadt vorgeschwärmt. Und Anna hatte es genossen, Tom so ausgelassen zu sehen. Sie selbst war noch nie in Mailand gewesen, aber die Neugier darauf, die er mit seiner Begeisterung geschürt hatte, ließ echte Vorfreude in ihr aufkeimen – die im nächsten Moment durch ein unangenehmes Ziehen in ihrem Kopf wieder gedämpft wurde. Himmel, wann hörten endlich diese verfluchten Kopfschmerzen auf? Sie hatte mittlerweile den Monatsvorrat einer Apotheke intus, aber die Schmerzen blieben hartnäckig. Zum Glück waren sie mittlerweile auf ein sehr erträgliches Niveau zurückgegangen, so dass sie zumindest in der Lage war zu arbeiten. Ganz anders so ihr Magen, der sich anfühlte, als wüsste er nicht so recht, was er mit dem aufgezwungenen Frühstück machen sollte. Doch nichts von alldem konnte ihre gute Stimmung trüben. Selig vor sich hinlächelnd stellte Anna sich vor, mit Tom zusammen nach Mailand zu fliegen … traumhaft. Einen Moment noch erlaubte sie sich diesen kleinen Tagtraum, ehe sie energisch wieder in die Realität zwang und ihren Blick auf die Skizzen vor sich richtete. So richtig zufrieden war sie mit den letzten beiden Zeichnungen noch nicht. Krampfhaft überlegte sie, was sie noch verändern könnte, um ihren Entwürfen das gewisse Etwas zu geben, von dem Bruno gesprochen hatte, als ihr Handy plötzlich piepste. Erschrocken zuckte Anna zusammen und kramte hastig den Störenfried unter dem kreativen Wirrwarr auf ihrem Schreibtisch hervor. Mit klopfenden Herzen öffnete sie die Nachricht und las. „Guck nicht so ernst!“ stand in der SMS. Anna runzelte die Stirn und sah verwirrt auf. Tom grinste ihr durch die Glaswand aus seinem Büro breit entgegen. Das spitzbübische Leuchten in seinen Augen erinnerte sie an einen ausgelassenen kleinen Schuljungen. Lächelnd tippte sie eine Antwort. „Ich gucke nicht ernst, ich arbeite konzentriert … Im Gegensatz zu anderen Leuten.“ Sie legte das Handy beiseite, streckte sich kurz – wobei sie es sich entschieden verbot, einen weiteren Blick durch die Glaswand zu riskierten – und fuhr schließlich mit ihrer Arbeit fort. Um die Wirkung der Probestücke zu prüfen und damit hoffentlich herauszufinden, warum sie noch nicht wirklich zufrieden war, wandte sie sich um und drapierte die Teile des Entwurfs an einer Ankleidepuppe. Einige Augenblicke später trat sie einen Schritt zurück und betrachtete kritisch ihr Werk. Nachdenklich wog sie den Kopf und stieß schließlich ein resigniertes Seufzen aus. So richtig zufrieden war sie auch damit nicht.

Zwei Minuten später piepste ihr Handy erneut. Lächelnd griff Anna nach dem Telefon, während sie einen schnellen verstohlenen Blick Richtung Glaswand warf. „Man wird doch noch mal die Aussicht genießen dürfen.“, las Anna und grinste in sich hinein. Sie warf Tom ein verschmitztes Lächeln zu und tippte eilig eine Antwort. „Du schaust in die falsche Richtung!“ Kopfschüttelnd warf sie das Handy zurück in das Chaos auf ihrem Tisch, während sie sich fragte, ob es tatsächlich möglich sein konnte, dass sich zwei erwachsene Menschen wie zwei pubertierende Teenager verhielten. Amüsiert schnaubend wandte sie sich den drei Schneiderpuppen zu, mahnte sich erneut zur Konzentration und befahl sich zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Tag, sich nicht von Tom, dessen Blick in diesem Moment schon wieder in ihrem Rücken brannte, ablenken zu lassen … Und schließlich tat sie es doch. Sie ließ es wie zufällig aussehen, als sie sich umdrehte und flüchtig zu Tom sah. Er hatte sich wieder in seine Unterlagen vertieft, doch das Grinsen in seinem Gesicht verriet ihn mehr als ihm offenbar selbst bewusst war. Sie holte tief Luft und startete einen weiteren Versuch, ihren Entwurf an der Puppe zu visualisieren. Ob sie das irgendwann mal noch fertig bekam? Als das Handy sich ein weiteres Mal zu Wort meldete, seufzte Anna beinahe genervt auf. „Das ganze Büro riecht nach dir. Ich kann mich nicht konzentrieren, weil ich immer wieder an letzte Nacht denken muss. Ich sehne mich nach einem Kuss von dir … Jetzt! … In fünf Minuten im Treppenhaus.“ Annas Kinnlade klappte nach unten. Mit einem Blick völligen Entsetzens starrte sie in Toms Büro, doch der mied es beharrlich, ihren Blick zu erwidern. Verdammt, wie sollte sie so jemals mit dieser Kollektion fertig werden? Doch schließlich siegte die Sehnsucht über die Vernunft. Still grinste sie in sich hinein, während sie den Sekundenzeiger auf ihrer Uhr akribisch dabei beobachtete, wie er fünf Runden drehte. Fünfzehn Sekunden bevor der Zeiger die zwölf erreichte, erhob sie sich, sah kurz auf in Toms Büro und steuerte ohne zu Zögern die Tür zum Treppenhaus an.

Ihre Kopfschmerzen ignorierend, hastete sie die Stufen hinunter, während sie hinter sich eilige Schritte vernahm. Eine Etage tiefer fasste sie eine Hand und zog sie zurück. Anna keuchte überrascht auf, ehe sie sich mit dem Rücken gegen die Wand gepresst wiederfand. Toms Brust hob und senkte sich hektisch, und eine Sekunde später hatte er ihren Mund mit seinem verschlossen. In verzehrender Gier verschlangen ihre Lippen einander, tasteten ihre Zungen, forschten und lockten auf eine sinnlich intensive Weise. Anna wurde schwindelig. Instinktiv krallten sich ihre Finger an seinen Schultern fest, bevor sie einen Weg in seinen Nacken fanden. Zielstrebig glitten Toms Hände ihren Körper hinab und legten sich auf ihren Po. Ohne den Kuss zu lösen, umfasste er ihre Hüften und hob sie mit einer schnellen Bewegung hoch. Wie von selbst schlangen sich Annas Beine um seine Hüften. Geschmeidig presste er sie gegen die Wand und schmiegte sich sehnsüchtig gegen sie. Keuchend unterbrach Anna den Kuss. „Du hast was vom Küssen geschrieben.“, keuchte sie atemlos. Ihr fiebriger Blick bohrte sich tadelnd in Toms. „Ich weiß.“, gab er gleichsam schwer atmend zu verstehen. „Aber das wäre als nächstes gekommen.“, grinste er. „Tom!“, empörte sich Anna. Der Versuch war eher halbherzig. Sein Blick verfing sich in ihrem. Sanft umfasste er ihren Nacken, ohne seine Augen von ihr zu wenden. „Halt die Klappe und küss mich endlich.“, hauchte er gleichsam streng wie verführerisch und erstickte ihren Protest mit einem erneuten Kuss …

Eine halbe Stunde später öffnete Anna die Tür, die zum Treppenhaus führte und schielte vorsichtig ins Atelier. Es war ruhig – soweit man den gewohnten Trubel als ruhig bezeichnen konnte. Zumindest war die Luft soweit rein, dass niemand bemerken würde, dass sie sich für eine halbe Stunde verdrückt hatte. Sie schenkte Tom ein schiefes Grinsen, ehe die beiden unbemerkt zurück ins Büro schlüpften. Nach wenigen Metern trennten sich ihre Wege und jeder kehrte so gelassen wie möglich zu seinem Schreibtisch zurück. Verstohlen sah Anna sich um. Puh …, zum Glück hat uns keiner gesehen …, dachte sie erleichtert und lächelte still vor sich hin, während sie sich gleichzeitig darum bemühte, die Hitze aus ihrem Kopf zu verbannen und sich wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Was reichlich zwecklos war, denn die Szene eben im Treppenhaus vereinnahmte einen beträchtlichen Teil ihrer Aufmerksamkeit. Vielleicht sollte sie für heute einfach Schluss machen und von zu Hause aus weiter arbeiten. Seufzend schüttelte sie den Kopf und betrachtete missmutig ihre Entwürfe. Kurze Zeit später piepste ihr Handy erneut. Ohne nach dem Telefon zu greifen, sah Anna sofort in Toms Büro. Er gab sich wirklich verdammt große Mühe, seine Verlegenheit zu verbergen, während er ihre gleichzeitig maßlos schürte. Sie sollte ihm ordentlich die Leviten lesen, sobald sie ungestört waren. Sie wusste, dass die SMS von ihm war. Das freche Grinsen in seinem Gesicht konnte schlussendlich nicht über die scheinbare Konzentration, mit der er seine Unterlagen studierte, hinwegtäuschen. Mit einem tadelnden Kopfschütteln öffnete sie die Nachricht und las: „Wie wäre es mit einer Wiederholung? Wann hast du Mittagspause?“ Anna lächelte hämisch, während sie eine Antwort tippte. „Sag du’s mir? Schließlich bist du der Chef.“ Sie schnaubte leise, als ihr aufging, dass sie gerade im Begriff waren, sich zu zwei pubertierenden Kindern zurückzuentwickeln. Hach Anna, sein nicht so streng …, Liebe ist so schön … und dafür wird man wohl nie zu alt.

Zehn Minuten später tauchte Tom vor Annas Schreibtisch auf. Anna brachte rasch noch ein paar Nadeln an der Ankleidepuppe an, prüfte den Fall des Stoffes und wandte sich schließlich Tom zu. Irritiert hob sie die Brauen, als sie seinen mürrischen Gesichtsaudruck bemerkte. Fragend folgte sie seinem Blick und fand die rote Rose, die neben ihrer Stiftebox in einem Wasserglas stand. „Von wem ist die?“, verlangte er zu wissen. Seine Stimme, in der ein leichter Vorwurf mitschwang, klang streng. Anna blinzelte verblüfft. „Ich dachte, sie wäre von dir.“, kam es ihr überrascht über die Lippen. Sein Blick fand ihren und bohrte sich tief in ihre Augen. „Warum sollte ich dir auf anonymem Weg eine Rose schenken?“ Mhmm … Gute Frage …, ging es Anna mit einem nachdenklichen Stirnrunzeln durch den Kopf. „Mhmm, stellt sich die Frage … Wenn sie nicht von dir ist, von wem ist sie dann?“, bemerkte sie und biss sich auf die Unterlippe. Tom nickte und schloss angestrengt seufzend die Augen. „Ich hab da so eine Vermutung.“, murmelte er, und sah sie auf eine Weise an, als versuche er, seine Gedanken in ihren Kopf zu teleportieren. „Enrique?“, riet Anna, gleichsam einer inneren Eingebung folgend. Tom zuckte unmerklich die Schultern. Versucht unauffällig scannten ihre Augen das Atelier, ehe sie sich wieder zu ihm wandte und sich leise räusperte. „Fraktion ‚Guck und Horch’ ist wieder unterwegs.“, raunte sie Tom warnend zu und schielte vorsichtig zur Treppe, wo Paloma und Enrique vorgaben, mit Virgin und Maik ein wichtiges Gespräch zu führen. Leider schielten sie dabei ein paar Male zu viel und zu auffällig in Tom und Annas Richtung. Die Augen des Junior-Chefs verengten sich, als sie flüchtig Enriques Blick streiften. Anna, die instinktiv spürte, dass sich Spannung in der Luft aufzubauen begann, griff beruhigend nach seiner Hand und streichelte sie. „Selbst wenn er mir hundert Rosen schenkt, Tom … er bleibt immer noch Enrique.“ Tom lächelte gezwungen, jedoch wenig beruhigt, und beugte sich zu ihr. „Dennoch sehe ich mich geradezu sträflichst veranlasst, ihn in seine Schranken zu weisen.“, betonte er mit gefährlich leiser Stimme, die das argwöhnische Blitzen in seinen Augen nur zu perfekt unterstrich. Anna stöhnte. Immer diese Revierkämpfe … Sie hasste es auf den Tod, wenn sich die beiden wegen ihr in die Wolle bekamen.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Feb 22 2013, 20:59

Ach Tommilein, immer diese Grabenkämpfe scratch und wofür, für nix und wieder nix.
Bei all der Liebe, die die beide gerade umschwebt könnte er doch wahrlich entspannter damit umgehen, aber nein Evil or Very Mad

Dabei war es bis dahin doch soooooo schön.

Also warten wir mal ab, was Tom da so anstellt, und ob es noch zu der ersehnten Mittagspause kommt. Embarassed

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi März 06 2013, 09:21

Was lange währt, wird gut ... viel Spaß mit dem neuen Teil ... Gruß, Mini

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Teil 85


„Anna?“, riss eine männliche Stimme Anna einige Zeit später erneut aus ihrer Konzentration. Irritiert sah sie auf und blickte in Virgin angespanntes Gesicht. „Was ist los, Virgin?“, lächelte sie, überrascht, dass er auf einmal vor ihr stand und neugierig darüber, was er von ihr wollte. Und seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, lag ihm etwas Gewichtiges auf dem Herzen. Etwas unschlüssig ließ er sich auf der Schreibtischkante nieder und sah sie mit einem Blick an, der sie irgendwie an einen Hund erinnerte, den man am Straßenrand ausgesetzt hatte. Und dem akrobatischen Spiel seiner Finger nach zu urteilen, rang er sichtlich mit sich und einem geeigneten Anfang, um sein Anliegen vorzutragen. Anna schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. „Ich versteh das alles nicht …“, begann er schließlich nach einem herzzerreißenden Seufzen. „Carla ist meine beste Freundin, und dann … dann macht sie so was.“, hauchte er. Seine Stimme hatte einen leicht weinerlichen Ton angenommen. Er wirkte tief erschüttert, was Anna für einen Moment ziemlich verwirrte. Sie hatte Virgin immer für taff gehalten, eine Diva, die nichts aus der Bahn warf. Wie Carla. Und nun? … „Was meinst du?“, fragte Anna sanft, in der Hoffnung, Virgin daran zu hindern, in den nächsten Sekunden vor ihr in Tränen auszubrechen. Bekümmert starrte er auf Annas Skizzen. „Ich hab sie immer für eine fähige Designerin gehalten, aber das gestern …“ Er sah auf, ihr direkt in die Augen. Sein Blick barg tiefe Enttäuschung. Kopfschüttelnd wandte er den Kopf und schickte seinen Blick ins Leere. „Ich bekomme das einfach nicht in meinen Kopf. Warum tut sie so etwas? Bedeutet ihr die Kunst denn gar nichts? Bedeutet ihr Lanford nichts? … Und Brüno?“, flüsterte er mit einer Niedergeschlagenheit in der Stimme, die Anna einen Stich ins Herz versetzte. Sie war perplex und gleichsam fühlte sie Mitleid mit ihm. Carla und er waren beste Freunde. Und offenbar fühlte er sich von ihr verraten. Soweit so gut, aber warum kam Virgin ausgerechnet zu ihr, um sich über Carla auszuheulen? „Vielleicht haben ihr meine Zeichnungen einfach nur nicht gefallen.“, versuchte sie die Situation zu entschärfen. Ehe Anna es verhindern konnte, griff Virgin nach ihrer Hand und tätschelte sie unbeholfen, während er sie mit einem extrem traurigen Hundeblick ansah. „Aber deine Entwürfe sind doch gut.“, widersprach er mit zittriger Stimme und blinzelte hastig eine Träne weg. „Brüno findet sie toll … und … alles was Brüno toll findet, ist doch auch gut, … oder nicht?“, fragte er und bekam wieder diesen seligen Gesichtsausdruck, den er immer dann innehatte, wenn sich das Gespräch um Bruno drehte.

Anna seufzte schwer. Sie hatte keine Ahnung, wie sie mit Virgins emotionaler Verfassung umgehen sollte. Zumal sie bis dato nicht behaupten konnte, dass sie und Virgin jemals irgendetwas so tief verbunden hatte, das Grund genug war, dieses Gespräch zu führen. Auf der anderen Seite fühlte sie wirklich mit ihm. Aber das Leben ging weiter. Und wozu sich darüber einen Kopf machen? Was passiert war, war passiert. Ändern konnte sie es ohnehin nicht mehr. Und jetzt wo Carla weg war, wollte sie die ganze Sache einfach nur auf sich beruhen lassen. „Virgin, es ist wirklich schön, wie du dich um das Kreative sorgst, aber das ist nicht notwendig, … wirklich nicht.“, versuchte sie, ihn zu beschwichtigen. Er nickte, zog ein Tempo aus seiner Tasche und schnäuzte sich dezent. Als hätte diese Geste eine entscheidende Synapse in seinem Hirn aktiviert, strahlte er sie plötzlich mit offenem Blick an. „Anna, ich finde es toll, dass du jetzt die Chefdesignerin bist.“ Ein wenig überrascht von seinem plötzlichen Stimmungswandel sah Anna ihn irritiert an. Verschwörerisch zwinkerte er ihr zu, als er seinen Fächer öffnete und sich eilig Luft zufächerte. „Brüno hat es mir erzählt …“, wisperte er geheimnisvoll. Dann seufzte er befreit auf und schenkte ihr ein seliges Lächeln. „Es macht richtig Spaß, mit dir zusammenzuarbeiten. Und ich freu mich total auf Mailand.“, erklärte er ohne Umschweife. Dann beugte er sich ganz nah zu ihr und warf einen flüchtigen Blick in Toms Büro, ehe er flüsterte: „Und ich finde, ihr zwei seid ein echt süßes Pärchen.“ Wie auf Kommando lief Anna knallrot an. Woher …? „Ihr mögt euch vielleicht alle Mühe geben, es zu verbergen …“, erklärte er mit einem vielsagenden Augenzwinkern und beantwortete damit Annas stumme Frage. „… aber …“ Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem breiten Grinsen, was mehr sagte als tausend Worte … Anna schüttelte seufzend den Kopf. Leugnen wäre wohl zwecklos gewesen. Natürlich war Virgin sensibel genug, um die veränderten Schwingungen zwischen ihr und Tom richtig zu deuten. Genauso wie Bruno. Sie räusperte sich und murmelte ein knappes „Danke“ Er vermied es, tiefer nachzubohren, auch wenn ihm deutlich anzusehen war, dass er am liebsten genau das gemacht hätte. Und dafür dankte sie ihm im Stillen. Stattdessen lächelte er sie an wie ein kleiner Junge, der soeben seine heiß ersehnte Carrera-Rennbahn bekommen hatte und tätschelte beinahe zärtlich ihre Hand. Dann erhob er sich mit einer eleganten Bewegung, beugte sich zu ihr und hauchte ihr links und rechts einen Kuss auf die Wange, als wären sie seit Jahren dicke Busenfreunde. Dann wandte er sich um und schwebte ohne ein weiteres Wort von dannen.

Verdattert sah Anna ihm nach. „Was war das denn jetzt?“, murmelte sie vor sich hin. „Tja, in Virgins Sprache war das wohl so eine Art Liebeserklärung.“, bemerkte Paloma überrascht. Annas Blick flog herum zu ihrer Freundin, die an ihren Schreibtisch herangetreten war, nachdem sie die Szene aus einiger Entfernung beobachtet hatte. Fragend sah Anna sie an. „Meinst du, er sieht in mir jetzt seine neue Carla? Oh Gott, bitte nicht.“, wehrte Anna entschieden ab, ehe sich ihr Augenmerk wieder auf den blonden Paradiesvogel richtete, der elegant durch das Atelier tänzelte. Paloma setzte ein süffisantes Lächeln auf. „Ach, Virgin ist schwer in Ordnung, … wenn man weiß, welche Knöpfe man drücken muss.“ Anna lachte spontan auf. „Klar, sicher … und so wie ich dich kenne, wirst du mir gleich einen ausführlichen Exkurs darüber geben, welche Knöpfe bei Virgin welche Wirkung hervorrufen.“ Die Brünette grinste breit und beobachtete Virgin, der mit seinem Fächer wild durch die Gegend gestikulierte, während eine junge Praktikantin völlig bedröppelt vor ihm stand. „Nein, das ist unnötig. Virgin ist einer von den wenigen Menschen, die ihre Gefühle offen zeigen. Er ist einfach grundehrlich … So was gibt’s selten.“, meinte sie mit einer Stimme, in der unüberhörbare Bewunderung mitschwang. Anna stützte den Kopf auf ihre Hände und folgte Virgin, der gerade Maik und ein paar andere Models durch die Gegend scheuchte, mit den Augen durch das Atelier. Lächelnd schüttelte sie den Kopf. „Und ich glaube, wer Virgins Herz einmal gewonnen hat, der kann sich seiner uneingeschränkten Loyalität sicher sein.“, fügte Paloma anerkennend hinzu. Anna nickte zustimmend. „Das heißt dann wohl, dass Carla mit ihrem Ausraster einen ihrer engen Verbündeten verloren hat.“ Fast tat ihr Carla leid. Anna lächelte hämisch in sich hinein. Aber nur fast … Denn im Grunde hatte die brünette Zicke sich das alles selbst zuzuschreiben.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi März 06 2013, 18:58

Hihi Virgin ist doch immer wieder süß Smile
Kein Wunder, dass Anna ein wenig verwirrt ist, war er doch gerade noch Busenfreund von ihrer Erzfeindin ...
Wunderbar geschrieben, Ilikeit

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo März 11 2013, 14:33

Juhu ... und wieder ein neuer Teil fertig ... Viel Spaß beim Lesen ...

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Teil 86

Anna war gerade dabei, den beiden Entwürfen, die sie heute kreiert hatte, den letzten Schliff zu verpassen, als ihr Handy erneut piepste. Sie lächelte in leiser Vorfreude und öffnete die Nachricht. Irritiert runzelte sie die Stirn. Sie hatte eine SMS von Tom erwartet, stattdessen war eine Bildnachricht von einer anonymen Nummer angekommen. Wer schickt mir denn ein Foto auf anonymem Weg? …, wunderte sie sich. Was sie dann aber auf dem Bild sah, hielt sie zunächst für einen schlechten Witz. Geschlagene fünf Minuten starrte sie auf das Foto, ehe sie den Blick hob und zu Toms Büro sah. Wieder musterte sie das Foto auf ihrem Handy. Es zeigte ganz eindeutig Tom … mit einer ihr unbekannten Frau. Auf dem Bild hielt er die fremde Frau umarmt, während er sie auf die Wange küsste. Dabei wirkte er sichtlich entspannt. Anna runzelte die Stirn. Wer ist diese Frau und was hat Tom mit ihr zu schaffen? Und wer schickt mir so ein Foto? Und warum? Unter dem Foto prangte eine Nachricht, die nicht schmerzhafter hätte sein können. „Bist du sicher, dass es ernst ist?“ Anna schluckte schwer. Sie sah erneut auf und starrte in Toms Büro. Er telefonierte, lächelte und wirkte ziemlich ausgelassen … glücklich. Nach den Verbänden an seinen Händen zu urteilen, musste das Foto von gestern sein. Tom war gestern Abend mit seinem Vater verabredet gewesen …, erinnerte sie sich. Das hatte er zumindest gesagt. Ihr Magen krampfte sich spontan zusammen, während diese eine, ganz bestimmte Frage in ihrem Kopf herumzuspuken begann. Ihr Blick fiel wieder auf das verräterische Handyfoto. War Tom wirklich mit seinem Vater zum Essen verabredet gewesen? Auf dem Foto konnte sie Bruno zumindest nicht entdecken. Vielleicht hat er sich auch heimlich mit dieser fremden Frau getroffen ..., spukte eine zynische Stimme durch ihren Kopf. Augenblicklich flammte Carlas hämisches Grinsen vor ihrem inneren Auge auf, fast so als freue sie dieser Umstand außerordentlich gut. „Glauben Sie nicht, dass Sie einfach so an meine Stelle treten können ...“, hallten Carlas Worte in Annas Ohren. Eilig schüttelte sie sich und blinzelte dieses schreckliche Bild weg, ehe sie ihren Blick erneut starr auf das Handy richtete, das mittlerweile nur noch einen schwarzen Bildschirm zeigte. Oh Gott, und danach war er zu mir ins Atelier gekommen und wir haben … Oh wie widerlich. Erst trifft er sich mit dieser Frau und dann schläft er mit mir? Hat er die Flasche Wein nur mitgebracht, damit es so glaubhafter wirkte? ... Sie schüttelte sich, verbannte den Gedanken. Nein, Anna, das kann nicht sein. Tom meint es ernst mit dir … hat er dir doch erst heute Morgen selbst gesagt ..., wehrte sie entschieden diese Gedanken ab. Ihre Hände begannen zu zittern, während sie das Handy fester umklammert hielten. Sollte sie Tom auf die Frau einfach ansprechen? Gegen ihren Willen durchfuhr sie ein schmerzvoller Stich der Eifersucht „Hey Anna …“, ertönte Enriques Stimme plötzlich neben ihr und riss sie aus ihren quälenden Gedanken.

Erschrocken sah Anna auf und schob hastig das Handy unter ein paar Stoffproben. Dann musterte sie Enrique auf eine Weise, als wäre er plötzlich ein besonders interessantes Forschungsobjekt. Ihr Blick flog zu Toms Büro, dann wieder zu Enrique, der sie lächelnd ansah. Ein Gedanke nahm Gestalt an, Argwohn regte sich tief in ihr. Was, wenn Enrique? … Ach Quatsch, Anna, warum sollte er? Die beiden sind beste Freunde … Anna seufzte tief. … aber auch ziemlich eifersüchtig aufeinander … Tom hatte ihr von einer Auseinandersetzung mit Enrique erzählt, einer ziemlich heftigen. Und wenn Enrique doch …? …, ging es ihr erneut durch den Kopf. Sie sah auf und musterte ihn erneut. Auch wenn dieser Gedanke absurd schien, aber irgendwie kam sie nicht dagegen an. Enrique lächelte sichtlich verunsichert und sah flüchtig an sich herab. „Hab ich einen Kaffeefleck auf dem Jackett oder Zahnpasta am Mund, weil du mich so intensiv musterst?“ Anna, sich ihres intensiven Starrens nicht wirklich bewusst, riss die Augen auf und schüttelte nur hastig den Kopf, während sie den Blick abwandte. „Nein, nein … alles okay … alles bestens. Ich hab nur …“ Sie holte tief Luft und starrte auf ihre unfertigen Skizzen. „ … ist nur wahnsinnig viel zu tun. Die Entwürfe für die Winterkollektion müssen fertig werden, und Carla hat mich schon in ziemliche zeitliche Bedrängnis gebracht.“, gab sie eilig zur Erklärung. Enrique lächelte nachsichtig und Anna atmete innerlich auf. „Ja, … tut mir wirklich leid wegen gestern. Ich hätte gern mehr für dich getan.“ Anna hob den Kopf und sah ihn aus schmalen Augen vorsichtig an. Wie bitte? Er lächelte – es wirkte ein wenig gequält – dann sah er auf und seufzte, während sein Blick zu der Glaswand glitt, hinter der Toms Büro lag. „Aber Tom hat ja zum Glück die Situation für dich gerettet.“ Schwingt da etwa ein missgünstiger Unterton mit? Sofort war Anna alarmiert.

Auch wenn ihr diese Vorstellung nach wie vor widerstrebte, Enrique in den Kreis der Verdächtigen zu ziehen, aber er hätte durchaus ein gutes Motiv, Tom bei ihr schlecht zu machen. Sie zog die Stirn kraus und neigte nachdenklich den Kopf, während sie in Toms Büro sah, als hoffe sie, auf diese Weise die Antwort auf ihre unausgesprochene Frage zu finden. Aber was ist, wenn mehr hinter dem steckt, was das Foto sagt …, gab ihr Unterbewusstsein ihr zu bedenken. Mhmm … schon möglich. Aber wie sollte sie das nur herausfinden? Erst mit deutlicher Verzögerung bemerkte sie, dass Enrique schon wieder gegangen war. Ja, gut, vielleicht war es auch besser so. Wenn sie daran dachte, dass Enrique auf diese perfide Weise versuchte, sie von Tom fernzuhalten, drehte sich ihr beinahe der Magen um. Nichts desto trotz blieb das Foto was es war, ein Foto, dass etwas zeigte, was Anna nicht gefiel. Erneut keimte dieser lästige Zweifel in ihr auf, begleitet von einem Anflug von Eifersucht. Wieder sah sie zu Toms Büro, und sein verschmitztes Grinsen verdrängte für einen Augenblick den Zweifel ... doch genauso schnell war er wieder da, als ihr Blick erneut auf das Handy fiel, welches sie eilig unter den Stoffproben hatte verschwinden lassen. Verdammt, wenn sie nur wüsste, was sie tun sollte. „Hey Süße, Bock auf Mittagspause?“, riss Palomas Stimme sie aus ihren Gedanken. Anna sah auf, musterte die Spanierin unschlüssig. Dann zog ein erleichtertes Lächeln über ihr Gesicht. Paloma, dich schickt der Himmel. Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich freue, dass du da bist ... Sofort ließ Anna ihren Stift fallen und sprang von ihrem Stuhl auf. Paloma zog überrascht die Brauen hoch. „Was ist denn mit dir los?“ Doch ehe Paloma mehr sagen konnte, hatte Anna Jacke und Tasche geschnappt, ihre Freundin am Arm gefasst und strebte mit ihr zum Fahrstuhl. „Anna, was ist denn los?“, fragte sie alarmiert. „Ich muss unbedingt mit dir reden. Und ich brauche deinen Rat.“, sagte Anna und sah Paloma unsicher an. Ein Anflug von Argwohn flammte in den blauen Augen der Spanierin auf, die daraufhin nickte und Anna ohne ein weiteres Wort aus dem Atelier folgte.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo März 11 2013, 16:56

Ach menno, da waren die beiden doch gerade so glücklich .... und jetzt sowas Evil or Very Mad
Ich könnte diese dämliche Tuss von Carla sowas von in den Boden rammen X

Und Anna, das doofe Schaf macht sich die wildesten GEdanken, anstatt einfach mit Tom zu reden. Das mit dem Vertrauen ist ja mal noch nicht so angekommen, dabei sollte das doch Grundlage von allem sein ... Die braucht echt auch mal ein Schlag hinter den Kopf, oder? aufdiemütze:

Ja, ja meine liebe Mini, da stellt sich doch leider Gottes schon wieder ein verdammt schlechtes Gefühl ein (selbst wenn ich ignoriere, was ich schon weiß Surprised )

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa März 16 2013, 00:30

Achja ... siehste mal ... da war doch noch was ... das Foto Suspect ... welches anonym geschickt wurde ... Suspect

Ohhh neee mir schwant übles! Evil or Very Mad
Ich könnte schon wieder jemanden schlagen! kloppe

Bitte schreib schnell weiter liebe Mini, ja!? Ansonsten ... ichdrehgleichdurch

GlG Embarassed
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo März 18 2013, 08:16

Danke ihr zwei für eure lieben Worte. Die Fortsetzung kommt.

Bis dahin, Knutscha ...

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi März 27 2013, 21:06

Nach langer Zeit mal wieder eine Fortsetzung von mir. Wünsche euch schöne Ostern ... LG, Mini

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Teil 87

Zwanzig Minuten später hatten Anna und Paloma sich an einem Tisch in der Goldelse niedergelassen. Susanne hatte ihnen gerade Kaffee, Tee und ein paar Tappas gebracht, als Anna Paloma das Handy mit dem geöffneten Foto wortlos über den Tisch schob. Einen Moment lang blickte ihre Freundin auf das Foto, dann sah sie Anna fragend an. „Das ist Tom …“ „Mit einer anderen Frau.“, gab Anna prompt zurück, den Hauch Verunsicherung in ihrer Stimme kaum verbergend. Paloma legte das Handy beiseite und griff nach Annas Hand. Mit schief gelegtem Kopf lächelte sie ihr zu. „Und jetzt denkst du …“ „Ja, … was soll ich denn sonst denken?“, unterbrach Anna Palomas Aussage, ehe sie diese beenden konnte und fuhr sich mit fahrigen Fingern durch ihre Haare. Ein zittriges Seufzen entfloh ihren Lippen. „Er hat gesagt, dass er es ernst mit mir meint. Und nun?“, flüsterte sie leise. Paloma seufzte und sah ihre Freundin mahnend an. „Schon mal darüber nachgedacht, dass sie eine Bekannte sein könnte … eine alte Freundin von früher.“, entgegnete sie behutsam. Anna stieß bekümmert die Luft aus. „Das Foto kann alles bedeuten …“ „… aber auch genau das, was ich denke.“, unterbrach Anna Paloma erneut und entzog ihr ihre Hand. Natürlich war ihr dieser Gedanke auch schon gekommen, aber die kleine fiese Stimme in ihr versuchte permanent, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Angespannt rang sie die Hände. Ein erneuter tiefer Seufzer, der so gequält klang, dass es Paloma spontan das Herz zusammenzog. Sekundenlang starrte Anna ihre Freundin an. „Mann, Paloma, was soll ich denn machen?“, sagte sie schließlich. Ein leiser Hilferuf. Paloma zuckte die Schultern. Sie konnte Annas Bedenken zwar verstehen, dass sich ihre Freundin allerdings derart auf diese eine Möglichkeit einschoss, verstand sie jedoch nicht. „Rede mit ihm.“, riet sie ihr mit sanfter Stimme und legte behutsam ihre Finger auf Annas. Ja, klar … irgendwie habe ich gewusst, dass du genau das sagen würdest. Anna stöhnte, schloss kurz die Augen und begann schließlich, unschlüssig auf ihrer Unterlippe herumzukauen. Ja, verflucht, du hast ja Recht …, dachte sie bei sich, während ihr Blick ziellos durch die Gegend irrte. Dann schüttelte sie kaum merklich den Kopf. „Ich kann nicht. Was, wenn mehr …“ Sie verstummte und starrte auf ihre Hände, die merklich zitterten.

Paloma sah Anna mitfühlend an. „Wenn du dir darüber den Kopf zerbrichst, was sein könnte, bringt dich das auch nicht weiter, Süße.“, erwiderte sie sanft. „Von wem ist das Foto überhaupt?“, wollte sie wissen. Anna zuckte die Schultern. „Das ist ja das Komische. Der Absender ist unbekannt.“, sagte sie leise und sah sich unsicher um. Alarmiert hob Paloma die Brauen und warf ihrer Freundin einen skeptischen Blick zu. „Klingt, als versuche jemand, dir Tom madig zu machen.“, mutmaßte sie. Irritiert runzelte Anna die Stirn. „Ja, aber wer?“ „Mhmm, jemand, der auf jeden Fall deine Nummer kennt und selbst offensichtlich unerkannt bleiben will …“ Sie hielt inne und sah Anna eindringlich an. „Hast du jemanden im Verdacht?“ Die Blondine räusperte sich und druckste ein wenig herum. Erneut griff Paloma nach Annas Hand, streichelte sanft darüber und lächelte ihrer Freundin aufmunternd zu. Anna seufzte tief und schloss ergeben die Augen. „Ich glaube, dass es von Enrique ist.“, sprach sie ihren Verdacht schließlich laut aus. „Enrique?“, merkte Paloma verblüfft auf. „Ja, Tom und er hatten eine kleine … Auseinandersetzung.“ Sie rollte genervt die Augen. „Und ich weiß, dass Tom eifersüchtig auf Enrique ist …“ Ein leises Räuspern. „genau wie Enrique auf Tom.“ Paloma blinzelte und schüttelte glucksend den Kopf, ehe sie Anna einen Blick schenkte, der nur zu deutlich sagte, was Anna selbst nicht so wirklich zu glauben wagte. „Du glaubst nicht im Ernst, dass Enrique versucht, dich Tom auszuspannen?“ Ja, ich weiß selbst, dass sich das schwachsinnig anhört …, ging es Anna frustriert durch den Kopf. Aber verdammt, was sollte sie denn denken, wenn sich die beiden ständig wegen ihr angifteten? Dazu kam noch diese ominöse Rose, die sie heute Morgen auf ihrem Schreibtisch gefunden hatte. Das passte doch irgendwie. „Hast du mit Enrique darüber gesprochen?“, unterbrach Paloma Annas Gedanken. Die verzog gequält das Gesicht und schüttelte stumm den Kopf.

Paloma kniff die Augen zusammen und musterte Anna nachdenklich. Schließlich holte sie tief Luft. „Wie mir scheint, hast du genau zwei Möglichkeiten.“, resümierte sie. Vorsichtig sah Anna auf und schluckte schwer, nicht sicher, ob sie auch nur eine der beiden Möglichkeiten hören wollte. „Entweder sprichst du Enrique auf deinen Verdacht an, oder …“ Annas Augen weiteten sich. „Oder du sprichst mit Tom … Letzteres wäre jedoch besser.“, mahnte die Brünette eindringlich. Anna sank der Mut. Mit Tom konnte sie nicht darüber reden. Was würde er von ihr denken. Davon mal abgesehen, hatte sie einfach zu viel Angst, dass mehr an dem Foto dran sein könnte, als Paloma ihr Glauben machen wollte. Aber ihre Freundin hatte Recht. Wenn sie der Sache nicht auf den Grund ging, würde sie sich noch verrückter machen. Sich schließlich der unausweichlichen Konfrontation bewusst, die unaufhaltsam auf sie zusteuerte, straffte sie sich und sah Paloma entschlossen an. „Okay, ich werde mit Enrique sprechen.“, entschied sie, woraufhin Paloma spontan hustete. Doch die Entschlossenheit, die sie in Annas Blick sah, hinderte sie daran, ihr zu widersprechen. Ein Lächeln, was Paloma nicht wirklich gefiel, erschien auf dem Gesicht ihrer besten Freundin. „Vielleicht sollte ich bei dieser Gelegenheit auch gleich mal testen, wie er wirklich zu mir steht.“, erklärte sie und zwinkerte verschwörerisch. Alarmiert hob Paloma die Brauen, als sie begriff, worauf Anna hinauswollte. „Du weißt aber, dass das auch genauso gut nach hinten losgehen kann?“, warnte sie, was Anna für einen kurzen Moment die Entschlossenheit aus dem Gesicht wischte. Doch dann besann sie sich und schüttelte energisch den Kopf. „Wenn er die Grenze überschreitet, hab ich zumindest Gewissheit, was meinen Verdacht betrifft.“, beharrte sie. Paloma nickte verstehend, dann lächelte sie – ein gequältes Lächeln – während sie Annas Hand drückte. „Süße, wenn ich dir helfen kann … du kannst auf mich zählen.“ Befreit seufzte Anna auf und lächelte Paloma an, dankbar, eine Freundin wie sie zu haben. Sie hatte zwar noch immer keine Ahnung, was es mit dem anonymen Foto auf sich hat und wie sie selbiges interpretieren sollte, aber zumindest hatte sie jetzt eine Idee, wie sie der Antwort auf die Spur kommen könnte.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do März 28 2013, 08:00

Och Anna, eine Frau, die Tom ein Küsschen auf die Wange drückt. Eigentlich sollte dein Glück doch reichen, dich vertrauen zu lassen.
Aber nein Evil or Very Mad , liebe doofe Pläne schmieden, die doch nur für Ärger sorgen können. Mad

Trotdem freu ich mich auf die Fortsetzung!!!! Smile

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Apr 16 2013, 20:13

Oh je, hab ich wirklich schon so lange nichts mehr hier gepostet? Na dann will ich euch doch ganz schnell mal mit einem neuen Teil versorgen. Viel Spaß ... LG, Mini

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Teil 88

„Anna.“ Annas Blick schnellte von ihren Entwürfen hoch und traf auf Tom. Er lächelte, und Anna bemühte sich, sein Lächeln zu erwidern. „Alles in Ordnung?“, fragte er besorgt. Anna nickte, während sie ihr Lächeln angestrengt beibehielt. „Klar, alles super.“, fügte sie eilig hinzu. „Kommst du voran?“ Anna nickte erneut und widmete sich wieder ihren Skizzen. „Ich … ich hab … noch viel zu tun. Bruno will in ein paar Tagen die Entwürfe sehen … und ich bin noch nicht wirklich zufrieden damit.“, erklärte sie hastig. Tom setzte sich zu ihr auf die Schreibtischkante. Sein Instinkt sagte ihm, dass irgendwas nicht stimmte. Mit gerunzelter Stirn musterte sie vorsichtig. „Ist irgendwas passiert? Du bist so anders als heute Morgen.“, fragte er vorsichtig. Anna lächelte gequält und strich sich nervös über das Gesicht. „Tom, sei mir nicht böse … ich muss das hier fertig bekommen. Sonst muss ich wieder die Nacht durcharbeiten.“ Er grinste und beugte sich zu ihr. „Und ich weiß auch schon, wie ich dir die Nacht angenehmer machen könnte.“ Anna lachte leise, ehe sie wieder an dieses ominöse Foto dachte und ihr das Lächeln direkt aus dem Gesicht fiel. „Okay … dann lass ich dich arbeiten. Auch wenn mir das wirklich schwerfällt.“, lenkte Tom schließlich lächelnd ein, erhob sich und machte sich auf den Weg, zurück in sein Büro. Anna seufzte traurig auf, während sie Tom hinterher schaute. Sie wusste überhaupt nicht mehr, was sie denken sollte. Und sie fühlte sich so schäbig, wenn sie an ihr Vorhaben dachte. Aber sie musste Gewissheit haben. Sie hatte Enrique um ein Treffen gebeten, heute Abend in der Goldelse. Und sie hoffte, dass sie die Antworten bekommen würde, nach denen sie suchte. Doch gut fühlte sie sich bei diesem Gedanken nicht. Noch immer haderte sie mit sich, ob sie nicht vielleicht doch besser auf Paloma hören und Tom mit dem Foto direkt konfrontieren sollte. Aber die Angst, dass ihre Befürchtung wahr sein könnte, bereitete ihr eine unangenehme Übelkeit. Ihr Blick fiel durch die Glaswand und traf auf Toms. Er lächelte und zwinkerte ihr zu. Ihre Mundwinkel zuckten und ein bekümmerter Seufzer entwich ihren Lippen. Sie mochte diesen Mann viel zu sehr, als dass sie bereit wäre, ihn schon wieder aufzugeben. Doch meinte er es wirklich ernst mit ihr? Nach allem was passiert war, war dieser Zweifel sicherlich berechtigt, aber er hatte ihr auch glaubhaft versichert, dass er nicht mit ihr spielte. Verdammt, wenn sie nur wüsste, was richtig war und was falsch.

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Mit einem mulmigen Gefühl betrat Anna gegen neunzehn Uhr die Goldelse. Sie hatte Tom unter einem wirklich schlechten Vorwand, alá heute ist Familienabend, von seiner Idee nach einem gemeinsamen Abend abgebracht. Mit einem traurigen Blick hatte er es aufgenommen, und Anna hatte sich noch schlechter gefühlt. Nun stand sie hier, und ihr Blick huschte kurz durch den Raum, als sie Enrique in einer Ecke sitzen sah. Für einen Moment haderte sie mit ihrem Vorhaben. Doch dann straffte sie die Schultern und ging zielstrebig auf ihn zu. Sie musste Gewissheit haben, dass Enrique nicht derjenige war, der sich zwischen sie und Tom stellen wollte. Der Gedanke, ihn als Freund verlieren zu können, tat ihr fast genauso weh, wie der, Tom zu verlieren. Auf dem Weg zu Enriques Tisch kam ihr ein beklemmender Gedanke. Was ist, wenn Enrique nicht hinter dieser anonymen Nachricht steckt? Wer sollte dann versuchen, sich zwischen sie und Tom zu stellen? Mit einem unsicheren „Hi“ blieb sie vor dem Tisch, an dem Enrique saß, stehen. Er sah auf und lächelte auf seine gewohnt offensive Weise. Anna kroch eine Gänsehaut über den Rücken, und ein Anflug von Unbehagen machte sich in ihr breit. Mit einer kurzen Handbewegung deutete er ihr, sich zu setzen, und Anna ließ sich, verunsicherter denn je, auf den Stuhl ihm gegenüber sinken. Warum nur fühlte sich das hier alles so falsch an? „Was ist los, Anna?“, fragte Enrique und runzelte, irritiert von ihrem abwesenden Gesichtsaudruck, die Stirn. Anna sah auf und zwang sich zu einem Lächeln. Mit einem vagen Schulterzucken, gefolgt von einem leicht dahergesagten „Nichts. Lass uns einfach den Abend genießen.“, tat sie seine Frage ab und wich seinem fragenden Blick aus.

Mit wenig belanglosen Worten genossen sie das Abendessen. Die Stimmung blieb angespannt, nicht zuletzt, weil Anna einfach keinen Weg fand, wie sie Enrique auf das ansprechen sollte, was ihr auf der Seele brannte. Und wenn wirklich mehr hinter dieser Geschichte mit dem Foto steckte? Was sollte sie tun? … Einfach weglaufen? … Und wenn nicht? Wäre er dann sauer auf mich, weil ich ihn für etwas verdächtigt habe, was er nicht getan hat? …, grübelte sie angestrengt vor sich hin. Etwas berührte ihre Finger. Anna sah auf und zog erschrocken ihre Hand zurück. „Was ist los, Anna?“ Eindringlich bohrte sich sein Blick in ihre Augen. Sie zwang sich, ihm auszuweichen. „Und erzähl mir nicht, dass alles in Ordnung ist. Du hast den ganzen Abend ganze zehn Worte gesprochen, und ich sehe deinem Gesicht an, dass irgendetwas nicht stimmt.“ Er hielt inne und neigte den Kopf. „Ist irgendwas mit Tom?“, fragte er. Kaum merklich fuhr sie bei diesem Namen zusammen. Ihre Augen verengten sich und musterten ihn prüfend. Enrique runzelte die Stirn, ihm war unschwer anzusehen, dass er gerade so gar keinen Plan davon hatte, was vor sich ging. Und wenn schon, ich verstehe die Welt ja selbst gerade nicht ... „Anna, so langsam machst du mir Angst.“, bemerkte er, ein Anflug von Unbehagen schwang in seiner Stimme. Okay, Augen zu und durch. Was hab ich schon zu verlieren, … außer einer Freundschaft? …, sagte sie zu sich selbst. Ein Stich in ihrem Herzen ließ sie aufkeuchen. Konnte sie das wirklich tun? Reiß dich zusammen! Sie holte tief Luft, und nachdem sie weitere fünf Minuten mit sich gerungen, ihre Finger erneut verknotet und wieder entknotet hatte und Enrique sie noch drei weitere Male gefragt hatte, was los war, straffte sie ihre Schultern und sah ihn ernst an. Doch just in diesem Moment drängte sich ihr plötzlich eine ganz andere Frage auf. „Was sollte eigentlich die Rose auf meinem Schreibtisch?“, fragte sie versucht beiläufig, konnte aber den leisen Hauch von Missbilligung, der in ihrer Stimme schwang, nicht verbergen. Enrique zuckte gelassen die Schultern und lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück. „Eine freundliche Geste.“ Anna zog die Brauen hoch und sah ihn auf eine Weise an, die neben Missbilligung nun auch Ärger zeigte. Eine Geste, die einzig Tom vorbehalten ist …, dachte sie bei sich und verpasste Enrique eine imaginäre Ohrfeige. Das ist ja wohl voll daneben … „Und weil du ein Freund bist und nett sein wolltest …“, betonte sie übermäßig. „… schenkst du mir eine rote Rose?“ Ihr herausfordernder Blick bohrte sich unnachgiebig in seinen. Dann neigte sie den Kopf und sah ihn mit unübersehbarem Tadel im Gesicht an. „Ich nehme an, du kennst du Bedeutung von roten Rosen?“ Sie versuchte gar nicht, den Zynismus zu verbergen, den sie in die Betonung des Objekts des Anstoßes legte, während sie ironisch eine Braue hochzog. Enrique schluckte und lächelte auf jene verwirrte Weise, die nur zu deutlich zeigte, dass Anna voll ins Schwarze getroffen hatte.

Einen schier unendlichen Augenblick lang verharrten sie in Schweigen, bis Anna schließlich die Stille durchbrach. „Was ist das da zwischen euch beiden?“, fragte sie und stieß langsam die Luft aus. Ihr Herz klopfte schmerzhaft und ihr Hals brannte vor Trockenheit. Enrique starrte Anna ungläubig an. „Was meinst du?“ Anna schluckte und begann nervös auf ihrer Unterlippe zu kauen. „Dieser Streit zwischen dir und Tom … Das hat doch mit mir zu tun, hab ich Recht …“ Enrique räusperte sich und senkte beschämt den Blick. „Wusste ich es doch.“, murmelte sie leise vor sich hin, woraufhin Enrique sie vorsichtig ansah. „Na ja, nicht so direkt … oder vielleicht doch …“ Ein bekümmertes Seufzen. „Ach ich weiß nicht. Tom war immer so gemein zu dir und du … du hast das einfach nicht verdient, wie er dich behandelt …“ „Und wenn es nicht so wäre …“, unterbrach ihn Anna. Ihre Augen bohrten sich in seine. „Wenn Tom nicht gemein zu mir wäre?“ Enrique hob die Brauen. „Du meinst, so wie in den letzten beiden Tagen?“ Anna ignorierte den Anflug von Provokation in seinen Worten. Sie war gedanklich viel zu sehr mit dem beschäftigt, was Enrique ihr soeben offenbart hatte. Ohne zu blinzeln starrte sie ihn an, eindringlich … fordernd, so als wolle sie ihn ihrem Blick niederringen, … wartete auf eine Antwort. Enrique wand sich sichtlich in Unbehagen. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Schweigens griff er nach ihrer Hand und sah sie entschuldigend an. „Anna, … es ist so … ich … ich, …“ Er hielt kurz inne und holte tief Luft. „Gut, ich gebe zu, dass ich etwas für dich empfinde … Vermutlich etwas mehr als nur ein bisschen.“, begann er leise. Sein Blick ruhte auf dem kleinen Tischgedeck, es war offensichtlich, dass er mit seinem schlechten Gewissen rang. Anna schnappte leise nach Luft. Seine ehrliche Offenbarung hatte sie … schockiert. Eine lange Pause, in der niemand etwas sagte, folgte, und je weiter die Zeit voranschritt, umso unwohler fühlte Anna sich in ihrer Haut. Sie vermied es, ihm in die Augen zu sehen, registrierte kaum, wie sein Daumen gleichmäßig über ihren Handrücken strich. Oh Gott, Enrique … Nein, das … das kann doch nicht sein …, dachte sie panisch, nahm all ihren Mut zusammen und wagte zögerlich einen Blick in seine Augen. Sein Gesicht wirkte verschlossen, doch die Traurigkeit, die er hinter seiner ausdruckslosen Miene zu verbergen versuchte, war kaum zu übersehen. Und als er leise flüsterte: „Aber ich würde mich niemals zwischen das drängen, was immer auch zwischen Tom und dir ist.“, schien ihr für einen Moment das Herz stehen zu bleiben.

Einen Moment lang starrte Anna Enrique vollkommen verdattert an. Ihre Gedanken fuhren Achterbahn. „Nicht?“, entschlüpfte es ihr durch den Nebel der Verwirrung, ehe sie es zurückhalten konnte. Enrique lachte auf, es klang traurig. „Na ja, ich hab mich schon ein bisschen in dich verguckt … seit ich dich zum ersten Mal gesehen hab …“ Er unterbrach sich und stieß gequält die Luft aus. „… aber ich spüre … dass da etwas zwischen euch ist, was weit über das hinaus geht, was ich für dich empfinde.“ Anna öffnete den Mund, um etwas zu sagen, ließ es aber dann doch bleiben. Völlig konsterniert sah sie ihn an, während sie sich gedanklich von ihrem Verdacht zu verabschieden begann. „Anna, ich glaube, … nein, ich weiß, dass Tom es ernst mit dir meint.“, flüsterte er und sah sie eindringlich an. Was sagte er da? …, dachte sie verwirrt. Ein seltsam flaues Gefühl kroch durch ihren Magen. „Warum zofft ihr euch dann ständig, wenn für dich alles so klar ist?“, klagte sie ihn beinahe vorwurfsvoll an. Ihre Stimme zitterte. Er hob unschlüssig die Schultern. „Keine Ahnung … vermutlich so ein dummes männliches Beschützer-Dings.“, gab er beschämt zu. Anna stieß geräuschvoll die Luft aus, dann schüttelte sie unverständig den Kopf. „Dann bist du gar nicht eifersüchtig auf Tom?“ Ein raues, sehr männliches Lachen. „Ich würde wohl lügen, wenn ich Nein sagen würde.“ Anna schluckte schwer, Panik stand in ihren Augen. „Ja, Himmel Herrgott noch mal, nenn es irrational …“, fluchte er leise und strich sich in einer Geste schierer Verzweiflung durch das Haar. „… ich kann meine Gefühle auch nicht einfach abstellen. Und ich dachte nur ...“ „Was dachtest du?“, fuhr Anna scharf dazwischen. Angestrengt stieß er die Luft aus, seine Schultern sackten nach unten. Eine unausgesprochene Entschuldigung stand in seinem Blick. „Ich hab Tom auf dich angesprochen und er meinte, zwischen euch wäre nichts ...“ „Und da dachtest du, versuchst du doch mal dein Glück.“, presste sie zwischen zusammengepressten Lippen hervor. Ihre Augen blitzten, der plötzliche Groll verdrängte die Verwirrung. „Ja“, gab er schließlich zerknirscht zu. Ein doppelter Schlag in die Magengrube. Anna krümmte sich unmerklich. Sie wollte etwas sagen, aber die Worte blieben ihr schmerzhaft im Halse stecken. War das ihre Schuld? Oh Gott, ich bin so eine Idiotin ... Klar, sie wollte schließlich, dass das, was zwischen Tom und ihr war, geheim blieb. Die Erkenntnis ernüchterte sie. Ein tiefes bedrücktes Seufzen folgte, begleitet von einem Blick, der sie um Entschuldigung bat. „Ich kenne Tom, und ich weiß, dass er gelegentlich mal den falschen Ton findet … es aber eigentlich nicht so meint. Und wenn ich dich dann traurig sehe, brennen bei mir einfach die Sicherungen durch.“, erklärte er. „Ich mag dich einfach zu sehr. Und … na ja, ich wollte einfach wissen, wie er wirklich zu dir steht.“ Anna nickte mechanisch. Wie durch Watte nahm sie seine Worte wahr, schob sie in ihrem Gehirn hin und her, versuchte ihre Bedeutung zu erkennen. Dann begriff sie. Egal, wer ihr dieses Foto geschickt hatte, Enrique war es ganz sicher nicht.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Apr 17 2013, 21:13

Hallo meine Liebe,
hier fehlt doch tatsächlich noch mein Kommi Embarassed
Also so ein bisschen daneben ist Enrique ja schon. So richtig logisch ist das nicht, was er vor sich hinstammelt, aber gut, das wäre dann wohl auch langweilig. Wink Aber Enrique ist ja auch gar nicht das eigentliche Thema. Anna ist einfach ein Schaf. aufdiemütze Sorry, aber es wäre so einfach gewesen mit Tom zu sprechen. Diese Ausrede, sie hat Angst dass da was dran sein könnte ... Versteh ich nicht. Rolling Eyes Und jetzt hat sie keine Angst mehr??????
Na ja, gebranntes Kind ... sei´s drum. Wenn jetzt wenigstens der Part mit Enrique geklärt ist, ist Anna ja einen riesigen Schritt weiter (Hm, ich weiß ja nicht scratch )

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Apr 21 2013, 16:54

Euch allen einen wunderschönen Sonntagnachmittag ... LG, Mini

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Teil 89

Als Anna heute Morgen das Büro betrat, fühlte sie sich hundeelend. Sie hatte kaum geschlafen und der Stein, den sie seit zwei Tagen zu verdauen versuchte, lag schwerer denn je in ihrem Magen. Schuld war der Abend, an dem sie sich unter einem Vorwand mit Enrique in der Goldelse getroffen und dieser ihr die Augen geöffnet hatte. Unbewusst. Mit einem Geständnis, das ihr schwer zu schaffen machte. Seitdem nagte ihr schlechtes Gewissen in ihr wie ein gefräßiges Monster. Und das schlimmste, sie wusste, dass sie einen falschen Weg eingeschlagen hatte, dass sie gut daran getan hätte, gegenüber Tom sofort die Karten offen zu legen, denn ihr war nicht entgangen, wie hilflos er ihrer plötzlichen Distanz gegenüberstand. Stattdessen war sie ihm weiterhin feige aus dem Weg gegangen, hatte jegliches Gespräch, das er gesucht hatte, abgeblockt … hatte vorgegeben, Termine zu haben oder dass ihre Mutter sie brauchte oder sie etwas Wichtiges besorgen musste. Und als ihr dann die Ausreden ausgegangen waren, war sie auf die Toilette geflüchtet und hatte so lange gewartet, bis er aufgegeben und seinen Warteposten verlassen hatte. Die Erinnerung versetzte ihr einen unangenehm schmerzhaften Stich, und das Monster lächelte, während es sich tiefer in sie fraß. Doch nicht nur Tom bekam ihre Distanz zu spüren, auch von Enrique wandte sie sich jedes Mal ab, sobald er sich ihr näherte, als hätte er eine ansteckende Krankheit. Selbst vor Paloma war sie geflüchtet. Sie war vollkommen durcheinander. Das Gespräch mit Enrique hatte ihr Dinge offenbart, die sie zwar insgeheim vermutet, jedoch nie ernsthaft für möglich gehalten hätte. Doch nun war die Wahrheit raus und sie wusste nicht, wie sie mit dieser ganzen Misere umgehen sollte. Er ist nur ein guter Freund … ein sehr sehr guter Freund …, versuchte sie die gehässige Stimme in sich, die sie wieder und wieder zu verunsichern versuchte, zum Schweigen zu bringen. Das schlimmste jedoch war, dass sie ihn für etwas verdächtigte, was er nicht getan hatte. Und Tom … Mit einem unangenehmen Brennen im Magen dachte sie an die unzähligen Anrufe, die sie unbeachtet gelassen hatte, und die SMSen, in denen sie seine Verzweiflung gespürt hatte. Sie fühlte sich klein und schäbig … und ausgelaugt von den Stunden, in denen sie ihre innere Unruhe geplagt hatte. Und es gab nur einen Weg, diesem Zustand entgegen zu treten, das war ihr heute Morgen klar geworden, als sie die erschöpfte Frau im Spiegel gesehen hatte. Sie musste das wieder gerade biegen … irgendwie und das so schnell wie möglich.

Kopfschüttelnd starrte sie auf ihren Zeichenblock. Die Linien der Skizzen verschwammen vor ihren Augen, und ihre Finger krampften sich um den Stift, als wollten sie ihn zerbrechen, während ihre Gedanken rotierten wie auf einem Jahrmarktskarussell. Verdammt, wie hatte sie eigentlich dem Wahn verfallen können, dass Enrique der Schuldige war? Dabei lag die Wahrheit doch so offensichtlich auf der Hand. Aber wahrscheinlich war Enrique einfach nur zum falschen Moment aufgetaucht und dann hatte sie – ohne groß darüber nachzudenken – eins und eins zusammengezählt – oder besser: sich in ihrer Fantasie etwas zusammengereimt. Stundenlang hatte sie darüber nachgedacht, wo die Wahrheit doch so klar auf der Hand lag. Zum gefühlt hundertsten Mal schalt sie sich ein dummes Schaf, weil sie das Offensichtliche nicht sofort erkannt hatte. Denn eigentlich hatte eine ganz andere Person doch ein viel größeres Interesse, ihrer Beziehung zu schaden. Ganz genau, du doofe Nuss. Ich hab dir gleich gesagt, dass du nicht überreagieren sollst …, schalt sie ihr Unterbewusstsein. Es gibt keinen Grund, Tom zu misstrauen. Warum sollte er dich belügen? Er hat dir offen seine Liebe gestanden. Sie seufzte tief. Ja, das hatte er. Und allein die Tatsache ließ in ihr die Vermutung aufkommen, dass das Bild tatsächlich harmloser sein könnte, als es zunächst den Anschein hatte. Wie dem auch sei, sie musste diese Situation klären, bevor alles zu spät war. Sie liebte Tom und wollte ihn nicht wegen einem vorschnellen und möglicherweise völlig falschen Urteil verlieren. Ihr Kopf begann zu dröhnen und der Knoten in ihrem Magen mutierte mit jeder Minute mehr zu einem geschwürartigen Etwas. Das Frühstück heute Morgen hatte nach gar nichts geschmeckt, und das bisschen, was sie sich einverleibt hatte, überlegte gerade krampfhaft, auf welchem Weg es ihren Körper wieder verlassen sollte. Sie wartete förmlich darauf, auf die Toilette rennen und sich übergeben zu können.

Zaghaft hob sie den Blick, wie schon gefühlte hundert Mal in den letzten fünf Minuten, und sah in Toms Büro. Er war noch immer nicht aufgetaucht. Und so langsam fragte sie sich, wo er so lange blieb, während sie in Gedanken schon mal eine ganze Auswahl gut einstudierter Wortlaute zurechtlegte, um ihm den Umstand zu erklären, weshalb sie sich nicht gemeldet hatte und ihn seit fast zwei Tagen mied. Wieder schoss ihr das Gespräch, was sie mit Enrique am Abend vor zwei Tagen geführt hatte, durch den Kopf, verinnerlichte wieder und wieder seine Worte. Auf eine Weise beruhigend, aber gleichzeitig auch ein wenig verstörend. Sie dachte an die Rose, die sie auf ihrem Schreibtisch gefunden hatte und schluckte erneut. Zumindest hatte sie jetzt Gewissheit woran sie bei Enrique war. Bullshit …, zischte ihr Unterbewusstsein. Du zweifelst an Toms Liebe, sonst hättest du Enriques Geste einfach abgetan. Und in Gedanken ohrfeigte sie sich erneut heftig dafür, dass sie nicht auf Palomas Rat gehört und gleich mit Tom geredet hatte. Denn dann würde dieses blöde Foto nicht in ihrem Kopf herumgeistern und sie daran hindern, vernünftig und erwachsen zu reagieren. Dann hätte sie nicht versucht, sich vorzustellen, dass Tom sie mit einer anderen Frau betrog. Gott, wie absurd …, dachte sie. Genau, das ist absurd …, mischte sich ihr Unterbewusstsein mit strenger Stimme ein. Was sollte er auch für einen Grund haben?... Was weiß denn ich …, dachte Anna mit einem leisen Seufzen. Das ist alles noch so neu und … Sie rieb sich mit der Hand über ihr müdes Gesicht. Ach Anna, mit diesem Hätte, Könnte, Sollte kommst du doch auch nicht weiter. Gib dir einen Ruck, und rede mit ihm ... Ja, wenn er doch nur mal auftauchen würde …

Wie durch einen Schleier starrte sie auf die sieben Entwürfe. Sie hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war. Und mit jeder Sekunde fühlte sie sich schwächer und hilfloser. Am Rande ihres Bewusstseins flammte der Gedanke auf, dass Bruno morgen die ersten Ergebnisse sehen wollte. Der Knoten in ihrem Magen loderte heiß auf und erfüllte sie mit neuem Unbehagen. Sie hatte gerade mal zwei Drittel fertig. Konzentrier dich! …, mahnte sie sich selbst. Doch so sehr sie es auch versuchte, irgendwie kam nichts aus ihrem Kopf heraus, mal abgesehen von dieser ganzen verquirlten Kacke, die im Augenblick die Logenplätze in ihrem Hirn besetzte. Diese ganze Angelegenheit setzte ihr ziemlich zu. Und abermals schob sich der Zweifel in den Vordergrund, verschoss seine giftigen Pfeile, untergrub ihr Selbstbewusstsein … Sieh dich doch an, Anna … graue unscheinbare Maus … Und dann sieh ihn an … attraktiv, charmant … ihm müssten die Frauen doch reihenweise zu Füßen liegen …, säuselte die hinterhältige Stimme in ihrem Kopf. Ein diabolisches Lachen ertönte, instinktiv presste Anna die Hände auf ihre Ohren. Na ja, tun sie offensichtlich auch … Aber warum dann ich?..., schoss es durch ihren Kopf. STOPP ..., brüllte ihr Unterbewusstsein, dem dieser gedankliche Müll langsam zuviel wurde. Hör auf mit dieser psychischen Selbstverstümmelung … wo ist dein Selbstbewusstsein geblieben? Wenn es Tom nur ums Äußere gehen würde, wäre er sicher bei Carla geblieben … Hältst du ihn wirklich für so oberflächlich? ..., rief es sie erneut zur Vernunft. Nein! Anna spürte, wie Tränen in ihren Augen brannten. Ihr Herz schmerzte und Übelkeit stieg in ihr auf. Rede mit ihm … so wie du es gleich hättest tun sollen …, donnerte die Stimme der Vernunft in ihr. Und was soll ich ihm sagen, verdammt noch mal? Tom, es tut mir leid, dass ich dich seit vorgestern ignoriert habe, aber ich war dem Hirngespinst verfallen, dass du dich neben mir noch mit anderen Frauen vergnügst …, dachte sie grollend. Toll, eine eifersüchtige Ehefrau ist ja nichts gegen dich, Anna … Vermutlich wird Tom mich dafür direkt wieder in den Wind schießen …, verspottete sie sich selbst. Ihr Unterbewusstsein schnaufte angestrengt. Rede. Mit. Ihm! … Und du kannst auch gleich damit anfangen … Instinktiv hob Anna den Kopf und blickte in Toms Büro. Ihre Stimmung hob sich ein wenig, als sie ihn an seinem Schreibtisch entdeckte. Endlich! Doch schon wenige Augenblicke später sank ihre Stimmung erneut, als ihr aufging, wie tief er sich in seine Unterlagen vergraben hatte. Er hatte noch nicht einmal zu ihr herübergesehen, obwohl doch sonst ständig sein Blick auf ihr ruhte. Absicht? Ihr Unterbewusstsein rollte genervt die Augen. Mal ehrlich, Anna, würdest du anders reagieren, wenn er dir zwei Tage aus dem Weg gehen würde? Ohne Grund? Klar, ist er sauer … Und jetzt heb deinen Hintern hoch und entschuldige dich … erkläre es ihm …, befahl es erneut. Er hat mir noch nicht mal Guten Morgen gesagt …, ging es ihr durch den Kopf. Panik schnürte ihr die Kehle zu, ohne dass sie es bemerkte. Hat sich einfach an mir vorbei in sein Büro geschlichen … Das sagt doch alles … Die Erkenntnis bohrte sich wie ein Dolch in ihr Herz. Ihr Mut sank erneut. Warum nur hatte sie ihm nicht einfach vertraut?

„Hi Anna.“, unterbrach Palomas Stimme Annas inneren Disput. Die Blondine sah auf und Paloma runzelte die Stirn. „Ist alles in Ordnung? Du siehst furchtbar aus.“, bemerkte sie leise und setzte sich zu ihr auf die Schreibtischkante. Anna zuckte kraftlos die Schultern und wich ihrem Blick aus. „Du hast mir Angst gemacht, weil du gestern einfach nicht zu greifen warst.“, fuhr Paloma mit sanfter Stimme fort, in der unüberhörbar Besorgnis mitschwang. Anna biss sich auf die Unterlippe und umklammerte den Stift in ihrer Hand fester. Es tat ihr unglaublich leid, dass sie selbst mit Paloma nicht geredet hatte. Aber noch viel mieser fühlte sie sich, weil sie nicht auf den Rat ihrer Freundin gehört hatte … Was sollte sie jetzt sagen? Mit einem gequälten Seufzen vergrub Anna ihr Gesicht in den Händen. Paloma lächelte und strich ihr sanft über den Arm. „Kann es sein, dass du mit deinem Vorhaben nicht viel weiter gekommen bist?“, fragte sie behutsam. Anna schüttelte traurig den Kopf. Paloma, die ihre Freundin seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr so verloren erlebt hatte, sah diese einfach nur an. Unausgesprochenes schwang zwischen ihnen. Unbewusst kniff Anna die Augen zusammen und zog die Schultern hoch, wappnete sich für den Tadel ihrer Freundin, … der nicht kam. „Süße …“ Vorsichtig hob Anna den Kopf. Paloma schluckte leicht, als sie die Hilflosigkeit in ihren Augen sah. „Rede mit ihm!“ Eine sanfte Bitte, frei von Vorwurf, und doch war die Strenge in den Worten deutlich zu hören. Als Anna nur schweigend vor sich hinsah, seufzte Paloma leise auf. Es quälte sie, ihre Freundin so niedergeschlagen zu sehen. Aber sie würde zu ihr stehen, egal was auch passierte. „Was willst du jetzt tun?“, fragte sie, als sie keine Antwort bekam. Wieder zuckte Anna nur die Schultern, ehe sie sie mit einem niedergeschlagenen Seufzen hängen ließ. Sie hob den Blick und sah Paloma aus traurigen Augen an. „Ich weiß nicht.“, gab sie leise zu. Ihre Hände zitterten. „Aber ich.“, merkte Paloma entschieden auf und deutete mit einem Blick in Richtung der Glaswand, hinter der Tom noch immer angestrengt seine Unterlagen sichtete. „Mach schon!“, drängte sie, schwer bemüht, ihren Worten nicht mehr Nachdruck zu verleihen. Denn instinktiv spürte sie, dass Anna sich nur wieder verschließen würde, wenn sie den falschen Ton anschlug. „Seit zwei Tagen sehe ich dich niedergeschlagen und ich kann das nicht mehr mit ansehen. Und Tom sieht nicht viel besser aus.“ Sie unterbrach sich kurz, wartete, bis Anna erneut aufsah. „Was du machst, ist ihm gegenüber auch nicht fair.“ Tadel in ihren Worten. Anna schluckte und biss sich auf die Unterlippe. Ja, du hast ja Recht … „Ich hab Angst, dass ich’s vermasselt hab“, gestand sie. Ihre Stimme war kaum mehr ein Flüstern. Paloma sagte nichts und doch sprach ihr Blick Bände. Ja ..., dachte Anna. ... und vermutlich hab ich diese Standpauke wohl auch verdient.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Apr 21 2013, 21:01

Oh Mann Anna, jetzt ist aber echt mal gut. Wegen so einem Scheiß musst du ja nicht gleich vom Dach springen. Bist doch sonst so taff. Also mach dich endlich auf den Weg!!!!! Mad

So, mehr gibts jetzt auch nicht zu sagen. Rolling Eyes
Ich will Taten sehen!!!!

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Fr Mai 10 2013, 22:42

Huhu ... da bin ich wieder. Ich hoffe, es besteht noch Interesse an einer Fortsetzung, trotz der langen Wartezeit. Viel Spaß beim Lesen ... LG, Mini


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Teil 90

„Was hast du denn zu verlieren, Anna?“, fragte Paloma leichthin. Annas Blick wurde traurig. „Ich weiß nicht … Alles?“, hauchte sie unsicher. „Wenn ich es nicht eh schon vermasselt habe.“ Wieder flog ihr Blick zu Tom, der noch immer nicht aufsah. Paloma lächelte nachsichtig und schüttelte sanft den Kopf. „Wenn deine Vermutungen haltlos sind, ist doch alles beim Alten. Und wenn sie wahr sind, dann weiß du auch woran du bist.“ Anna senkte traurig den Kopf. „Darum geht’s doch gar nicht … glaub ich zumindest.“ Sie konnte es nicht verhindern, dass Tränen in ihre Augen traten. Paloma, der das nicht entging, erhob sich und nahm Anna spontan in ihre Arme. „Ich will ihm ja vertrauen … und ich weiß auch, dass ich das kann … Und es tut mir leid, dass ich nicht gleich mit ihm geredet habe. Aber, Gott, diese verfluchten Zweifel …“, brach es stockend aus Anna hervor. „Hey Süße, du kannst ihm nicht die ganze Zeit aus dem Weg gehen … ihr geht beide daran kaputt. Himmel, rede mit ihm!“ Anna nickte an ihrer Schulter und schniefte leise. „Du hast ja Recht …“ Paloma löste sich von ihr. „Du hast Angst, das verstehe ich.“ Annas Blick huschte erneut zu Toms Büro. Er saß an seinem Schreibtisch und starrte ausdruckslos vor sich hin. „Ich glaube, ihm geht das wirklich an die Nieren.“, meinte die Brünette leise, als sie Annas Blick folgte. Die Blondine holte angestrengt Luft und versuchte, das Zittern in ihren Händen in den Griff zu bekommen. „Okay…“, flüsterte sie leise. „Ich rede mit ihm … heute … gleich nach der Arbeit.“ Paloma lächelte und wischte Anna die Tränen von der Wange. „Du wirst sehen, es gibt bestimmt eine ganz banale Erklärung.“ Anna nickte ... nicht wirklich überzeugt. Hoffentlich hast du Recht, Paloma.

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Wie hypnotisiert starrte Tom auf sein Handy. Eine Stunde war vergangen, seit er diese Nachricht erhalten hatte. Ein Foto, was unbändige Wut in ihn aufbrodeln ließ, war auf seinem Telefon angekommen. Die Nummer des Absenders … anonym. Aber das war ihm egal, denn das was er auf dem Foto sah, ließ ihn plötzlich an allem zweifeln, was er glaubte, erreicht zu haben. Anna saß mit Enrique an einem Tisch – der Umgebung nach zur urteilen –, vermutlich in der Goldelse. Sie wirkten vertraut … zu vertraut, für seinen Geschmack. Denn sie hielten sich an den Händen und der Blick, den sie tauschten, schien mehr als nur freundschaftlich. War Enrique der Grund, warum Anna ihm seit zwei Tagen aus dem Weg ging? Warum sie nicht an ihr Telefon ging und auf keine seiner SMSen reagiert hatte? Er war beinahe durchgedreht. Die letzten beiden Nächte hatte er kaum geschlafen, und um sich abzulenken, war er joggen gewesen … hatte sich förmlich Seele und Lunge aus dem Leib gerannt. Am Ende war er sogar in sein altes Boxstudio gegangen, um seinen Frust abzureagieren. Toms Hände zitterten, und sein Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen, als er einen verstohlenen Blick durch die Fensterfront warf und Anna und Paloma lächeln sah. Diese unschuldige Geste gab ihm beinahe den Rest. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Er hatte ihr seine Gefühle offenbart, ihr sein Herz zu Füßen gelegt … Und warum? Damit sie dann hinter seinem Rücken mit seinem besten Freund rummachte? Er ballte die Hände zu Fäusten, kämpfte gegen den Drang, auf irgendetwas einzuschlagen. Er hatte ihr vertraut, und was tat sie … Niedergeschlagen stützte er den Kopf in seine Hände und kämpfte mühsam die Tränen zurück, würgte den dicken Kloß hinunter, der ihm die Luft zum Atmen nahm.

Er musste etwas tun. Aber was? Sollte er Anna zur Rede stellen oder doch lieber gleich Enrique den Hals umdrehen? Gott, er wollte diese Frau, er liebte diese Frau, ... so sehr, dass es wehtat. Und er hatte Enrique eindeutig klar gemacht, dass er die Finger von ihr lassen soll. Und dann taten sie das hinter seinem Rücken? Nein! Das würde er sich nicht bieten lassen. Nicht von ihr … und erst recht nicht von seinem besten Freund. Entschlossen, seiner Wut in geeigneter Weise Luft zu machen, bevor sie ihn gänzlich in die Knie zwang, griff Tom zum Telefonhörer und wählte Enriques Nummer. Aber noch bevor der Rufaufbau erfolgt war, legte er wieder auf. Verdammt, … was mach ich hier? Mit fahrigen Fingern strich er durch seine Haare, während sein Blick erneut durch die Glaswand flog und auf die beiden Frauen traf. Sein Magen zog sich zusammen, Übelkeit regte sich in ihm, als er beobachtete, wie Paloma Anna in ihre Arme schloss. Eine Geste, die ihn fast zum Ausrasten brachte. Warum? Warum tust du mir das an? Er musste es wissen, musste mit ihr reden. Jetzt. Sofort. Entschlossen, seinem Vorhaben Taten folgen zu lassen, erhob er sich und verließ sein Büro. Als er neben Annas Schreibtisch zum Stehen kam, überfielen ihn erneut Zweifel. Anna wirkte angespannt – anders als sonst. Und sie sah alles andere als glücklich aus, das erkannte er sofort. „Anna.“ Die beiden sahen gleichzeitig auf. „Kann ich dich kurz sprechen?“, fragte er mit aller Gelassenheit, die er in dieser Situation aufzubieten vermochte, und bedachte Paloma mit einem kurzen Seitenblick. „Allein“, fügte er kühl hinzu. Paloma warf Anna einen aufmunternden Blick zu und nickte leicht, während Anna ihn unsicher musterte. Dann nickte sie Paloma zu, die Tom daraufhin beinahe flehend ansah, fast so als wolle sie sagen … Reiß ihr bloß nicht den Kopf ab. Dann verschwand sie irgendwo in den Weiten des Büros.

Tom sah Anna an, seine Miene so nichts sagend, wie ein leeres Blatt Papier, und deutete mit einer knappen Kopfbewegung zu seinem Büro. Anna schluckte hart und erhob sich. Ein beklemmendes Gefühl grub sich in ihren Magen, während sie Tom hinterher schlich wie ein Verurteilter zur Hinrichtung. Sie schloss die Bürotür, während er um seinen Schreibtisch herumging und sich in seinen Stuhl fallen ließ. Mit vorsichtiger Erwartung sah sie ihn an, tausend Gedanken schossen durch ihren Kopf, allem voran die Frage, was mit ihm los war. Doofe Frage, vielleicht ist er es langsam leid, dir hinterher zu rennen, ohne zu wissen warum …, tönte ihr Unterbewusstsein spöttisch. „Was gibt’s?“, fragte sie leise und räusperte sich leise. Tom sah auf, sein Blick bohrte sich in ihren. Schweigen. Die Spannung, die den Raum erfüllte, seit Anna die Tür geschlossen hatte, erreichte ein neues Level. „Genau dasselbe wollte ich dich fragen.“, erwiderte er schließlich. Die Emotionslosigkeit in seiner Stimme ließ Anna zusammenzucken. Ihre Brauen hoben sich leicht, die Unsicherheit in ihr erklomm eine neue Stufe. Palomas Worte, die sie drängten, mit ihm zu reden, schossen ihr wieder durch den Kopf. Los! Jetzt oder nie … „Setz dich!“, forderte Tom. Sie holte tief Luft, straffte die Schultern und schüttelte entschieden den Kopf. „Danke, ich stehe lieber.“ Sie würde sich dem stellen, was immer jetzt auch kommen mochte. Tom runzelte misstrauisch die Stirn, ehe er sich über den Tisch zu ihr beugte und sie missbilligend ansah. Fünf Sekunden, … zehn … Fast eine halbe Minute verging, ehe er weitersprach. „Willst du mir vielleicht irgendwas sagen?“, bemerkte er. Das unheilvolle Blitzen in seinen Augen, gepaart mit dem ironischen Unterton jagte Anna einen eisigen Schauer über den Rücken. Für einen Moment irritierte sie seine Frage, doch dann kam ihr der Abend mit Enrique wieder in den Sinn und Toms unzählige Kommunikationsversuche, die sie beharrlich ignoriert hatte. Sie biss sich auf die Unterlippe, während sie ihm einen schuldbewussten Blick zuwarf. Bis sich der Grund für diese verfahrene Situation wieder in ihre Erinnerung schob und das quälende Schuldgefühl beiseite drängte. Abwehrend verschränkte sie die Arme vor ihrer Brust. Die Lippen zu einer dünnen Linie zusammengepresst, funkelte sie ihn aus schmalen Augen an. „Willst du mir nicht eher etwas sagen?“, gab sie versucht ernst zurück. Ihre Stimme zitterte leicht, verriet die Anspannung, die sie vehement zu verbergen versuchte. Okay, ihr Verhalten war nicht fair gewesen, aber sie würde sich von ihm nicht auf diese Weise niedermachen lassen. Für einen Moment war Tom versucht, über ihren Starrsinn zu lächeln. Doch dann seufzte er nur niedergeschlagen auf, zog wortlos sein Handy hervor, drückte ein paar Tasten und schob es ihr über den Tisch. „Ich wünschte, ich hätte es von dir selbst erfahren und nicht auf diese Weise.“, sagte er leise und sah sie aus Augen an, in denen pure Enttäuschung lag.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Mai 11 2013, 07:30

Boah, manchmal finde ich Anna ganz schön doof. Jetzt hat sie zwei Tage ein riesen Drama gemacht, anstatt einfach mal ein kleines bisschen Vertrauen zu zeigen, oder wenigstens mal die Zähne auf zu kriegen. Und trotz ihrer Einsicht, dass sie vermutlich aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hat, geht sie sofort auf ihn los, als er sie zu sich holt. Na ja, er ist wohl auch ein bisschen seltsam, aber wäre ja auch ohne dieses Foto nicht verwunderlich.

Immerhin bekommt er die Kurve, und das eigentliche Thema kommt auf den Tisch. Manchmal ist Toms Ungeduld und mangelnde Selbstkontrolle halt doch mal für was gut

Bin sehr gespannt auf den weiteren Verlauf des Gespräches.

Liebe Grüße

Katrin

(Ach Mini, ich hätte da ja auch einen Kommi bei deinem Racheengel hinterlassen . Das war einfach mal wieder grandios cheers)

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Mai 11 2013, 11:28

Jaja, die beiden sind manchmal schon echt schlimm.

Danke für deinen Kommi.

(und auch für den anderen )

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Mai 11 2013, 16:07

Manchmal ist Anna aber auch so ein Sturkopf . Evil or Very Mad Aber wenn es einer schafft, sie wieder auf den Boden zu bringen, dann doch wohl Tom. lg, Carla

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jun 06 2013, 19:47

Mhmm ... hier ist der letzte Teil ja auch schon ein paar Tage her. Ich hoffe, ihr habt noch nicht das Interesse verloren. Um den Einstieg für euch einfacher zu machen, will ich die letzten Teile nochmal kurz zusammenfassen.

Anna hat ein ominöses Foto auf ihrem Handy erhalten, auf dem Tom mit einer anderen - ihr fremden - Frau gezeigt wurde. Verunsichert hat sie sich von ihm zurückgezogen und zunächst Enrique verdächtigt. Nach einem Abend in der Goldelse mit Enrique ist ihr klar geworden, dass er nicht hinter dieser Botschaft steckte. Während Anna nun verzweifelt nach einem Weg suchte, das Dilema aufzuklären, erhält Tom gleichermaßen eine anonyme Nachricht auf seinem Handy, was Anna und seinen besten Freund zeigt. Enttäuscht verlangt er eine Erklärung ...

So, ich hoffe, das erleichtert euren Einstig. Ich bemühe mich, ab sofort wieder in kürzeren Abständen zu posten ... Viel Spaß beim Lesen ... LG, Mini


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Teil 91

Anna starrte ihn fragend an, dann griff sie nach dem Handy. Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, was sie da sah. Vollkommen irritiert huschte ihr Blick zwischen dem Handy und Tom hin und her. „Woher hast du das?“, hauchte sie perlex. „Das tut doch nichts zur Sache. Fakt ist das, was ich darauf sehe.“, fuhr er sie unwirsch an. Ja, das konnte Anna auch sehen. Das Foto zeigte sie zusammen mit Enrique. Verdammt, das war ein Foto von ihrem Treffen vorgestern in der Goldelse. „Bist du mir gefolgt?“, blaffte sie unvermittelt. Tom sah auf und bedachte sie mit einem strafenden Blick. „Nein, das habe ich vor etwa einer Stunde zugeschickt bekommen.“ Verblüfft riss Anna die Augen auf. Geschickt? Sie sah erneut auf das Bild, ihr Blick streifte die kurze Nachricht, die darunter prangte. „Bist du sicher, dass es ernst ist?“ Keuchend holte sie Luft. Verdammt, das waren genau dieselben Worte, die in ihrer Nachricht standen. Was zum Teufel wurde hier gespielt? Anna blickte auf und sah in Toms Augen. Enttäuschung spiegelte sich in ihnen, ein Hauch von Verachtung und leise Wut. Und plötzlich sah sie Tom in Gedanken mit dieser fremden Frau auf dem Foto. Ihre Zähne schlugen aufeinander, als sie mit mürrischer Miene das Handy zuklappte. Brüsk warf sie es zurück auf seinen Tisch, ehe sie die Hände in die Hüften stemmte und ihn gleichsam wütend ansah. Okay, sie hatte sich vorgenommen, heute nach der Arbeit in Ruhe mit ihm darüber zu reden. Aber genauso gut konnte sie das auch jetzt tun. „Du machst mir Vorwürfe, dass ich mich mit Enrique getroffen habe?“, spie sie ihm mit aufgesetztem Lächeln entgegen. Sie holte tief Luft. Ihre Augen funkelten. „Bevor du das tust, solltest du dir erst mal an deine eigene Nase fassen.“, zischte sie. Tränen glitzerten in ihren Augen. Tränen der Wut und der Enttäuschung. Toms Gesichtsausdruck entgleiste. Tiefe Falten gruben sich in seine Stirn. „Wovon redest du?“ Sie lachte hart, neigte den Kopf und durchbohrte ihn mit eisigem Blick. „Tu doch nicht so, als wüsstest du von nichts. Du spielst dich hier auf, als hätte ich dich nach Strich und Faden betrogen, … dabei machst DU doch hinter meinem Rücken mit anderen Frauen rum.“ Ihre Stimme war mit jedem Wort lauter geworden. Wow, Anna ... Das hat gesessen. Tom klappte die Kinnlade nach unten, ehe er sich von seinem Stuhl erhob und nun seinerseits Anna wütend anstarrte. „Bitte was?“ Annas Gesichtszüge entgleisten. Schwankend trat sie einen Schritt zurück und schüttelte entsetzt den Kopf. „Du leugnest es?“, flüsterte sie entsetzt. Das kann doch wohl nicht wahr sein …, zischte ihr Unterbewusstsein und stemmte wütend die Hände in die Hüften. „Was leugnen?“ Die Falten gruben sich noch tiefer in seine Stirn. Völlige Ahnungslosigkeit schimmerte in seinen Augen. Als hätte er sie geschlagen, wich sie einen weiteren Schritt vor ihm zurück. „Du glaubst, ich denke mir das alles aus …“, hauchte sie fassungslos, woraufhin Tom erschrocken zurückzuckte. Die Ernüchterung, die auf den Schock folgte, ließ die Wut in ihr erneut aufbrodeln. Heftig atmend und vollkommen verwirrt starrte sie ihn an, ehe sie zornig fauchte: „Gut … wie du willst …“ Und noch ehe Tom etwas erwidern konnte, hatte sie sich umgedreht und war aus seinem Büro gestürmt.

Wutentbrannt stapfte Anna auf ihren Schreibtisch zu. Ein wüster Fluch nach dem anderen verließ ihre Lippen, während sie – unmittelbar vor der Explosion stehend – in ihrer Tasche das Handy hervorkramte. Ihre Finger zitterten als sie das ominöse Foto aufrief und sich abermals davon überzeugte, dass sie nicht einer spontanen Halluzination erlegen war. So, mein Lieber, jetzt bin ich aber mal gespannt auf deine Erklärung …, dachte sie erbost und ging steifen Schrittes zurück in Toms Büro. Es kümmerte sie nicht, dass eine sichtlich verdutzte Steffi ihr nachsah, genauso wenig wie das laute Knallen der Tür, das einige Mitarbeiter erschreckt aufsehen ließ. Annas gesamte Konzentration war allein auf Tom gerichtet, den sie aus zusammengekniffenen Augen anstarrte, als überlege sie, ihm direkt, und ohne seine Erklärung abzuwarten, seinen hübschen Kopf abzureißen. Wortlos trat sie vor Toms Schreibtisch und hielt ihm mit einem bissigen Funkeln in den Augen das fragwürdige Foto unter die Nase. „DAS meine ich.“, fauchte sie wütend. Tom griff nach dem Handy und warf einen sehr langen Blick darauf. Dann runzelte er die Stirn. Überleg dir gut, was du sagst, sonst bist du deinen Kopf schneller los als dir lieb ist …, resümierte ihr Unterbewusstsein und lächelte boshaft. Angespanntes Schweigen erfüllte den Raum. Ein Umstand, den Annas Wut nur noch weiter pushte. „Woher hast du das?“, fragte er schließlich. Eine durchaus berechtigte Frage, die Anna jedoch entschieden beiseite schob. Abwehrend verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Das tut jetzt nichts zur Sache. Fakt ist das, was ich darauf sehe.“, wiederholte sie äußerst schnippisch seine eigenen Worte. Tom betrachtete sie einen Moment lang mit wachsamem Blick, bevor er sich in seinen Stuhl sinken ließ und sich angespannt über das Gesicht rieb. Ein tiefer Seufzer entwich seinen Lippen, dann schüttelte er langsam den Kopf und hob vorsichtig den Blick. Schlagartig verpuffte die Wut, als sie seinen Gesichtsaudruck sah. Machte einem anderen Gefühl Platz. Annas Herz zog sich schmerzhaft zusammen, ihr Mund wurde trocken, und ihre Hände begannen erneut zu zittern – diesmal aber nicht aus Wut. Instinktiv wich sie einen Schritt zurück. Steckte also doch mehr hinter diesem Foto, als sie insgeheim angenommen hatte? Oh bitte nicht …, flehte sie innerlich und wich einen weiteren Schritt zurück, in der verzweifelten Hoffnung, der so gewonnene Abstand könne sie vor dem Schmerz bewahren, der in dem Moment erbarmungslos auf sie einprasseln würde, sobald er die Worte aussprach, vor denen sie sich gefürchtet hatte, seit dieses ominöse Foto auf ihrem Handy angekommen war. Ein schmerzhafter Stich in ihrem Herzen ließ sie aufkeuchen. Tränen bahnten sich ihren Weg ihre Kehle hinauf, doch sie schluckte sie entschieden hinunter. Nein, sie würde nicht weinen. Lauf weg! …, brüllte ihr Unterbewusstsein. Diese Schmach musst du dir wirklich nicht antun. Abrupt wandte sie sich um und wollte gerade aus dem Büro flüchten, als sie Tom leise sagen hörte: „Dieses Foto muss vor drei Tagen entstanden sein, als ich mit meinem Vater abends verabredet war.“ Anna, die Klinke schon in der Hand, hielt einen Moment inne. Was hatte er da gesagt? Irritiert wandte sie sich um, starrte ihn mit angehaltenem Atem an. „Die Frau auf dem Foto heißt Caroline.“ Annas Herz setzte einen Schlag aus. Scheiße, er kennt sie also. „Sie ist eine alte Freundin von mir.“ „Alte Freundin?“, echote sie, ihre Stimme klang viel zu hoch. Annas Hände ballten sich zu Fäusten, und der Wunsch, auf ihn einzuschlagen, wurde übermächtig. Doch sie blieb wie festgenagelt stehen, wie gelähmt, unfähig sich zu bewegen. „Ja, wir waren vor – ich weiß nicht – acht Jahren oder so mal kurzzeitig ein Paar.“ Der Boden unter ihren Füßen wankte. Seine Worte waren wie ein Schlag ins Gesicht. Eine Ex also … „Dann hab ich Fanni kennengelernt, … sie war im selben Schwimmverein wie Caroline … Und sie war ihre beste Freundin.“

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jun 06 2013, 22:01

Hey meine Liebe,
endlich ist es raus. Diese sich aufbauschende Verzweiflung war ja auch nicht mehr zu ertragen. Ich wundere mich wohl ein bisschen, dass Anna, nachdem sie den Text unter dem Foto gelesen hat, immer noch so auf Abwehr war. Irgendwie hat sie da doch schon geahnt, dass es einen Zusammenhang gibt. Na ja, die Emotionen mussten wahrscheinlich mal raus, nachdem sie sich so lange damit rumgequält hat.
Aber jetzt wird alles gut, bestimmt. Tom erklärt diese dämlich Situation endlich und dann können sie sich endlich wieder versöhnen Smile So hoffe ich zumindest.

Liebe Grüße
Katha

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Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"
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