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 Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"

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Mini_2010

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BeitragThema: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 04 2012, 10:11

das Eingangsposting lautete :

Anna und Tom, beide in ihrer Vergangenheit gefangen, haben nach vielen Auf's und Ab's in einem eher unberechenbaren Verhältnis zueinander eine leidenschaftliche Nacht im Hotel verbracht. Das Erwachen am Morgen danach verläuft leider alles andere als romantisch. Und sowohl Anna als auch Tom müssen sich nach diesem Erlebnis die Frage stellen, ob sie bereit sind, die schmerzhafte Vergangenheit mit all ihren Dämonen hinter sich zu lassen, und einen Neuanfang zu wagen ... Aber, wie auch immer sie sich entscheiden mögen - Liebe findet ihren Weg ...


Teil 1

Das Türblatt wackelte bedrohlich, noch lange nachdem Tom es hinter sich zugeworfen hatte. Anna fixierte das Holz und versuchte zu begreifen, was soeben passiert war. Als die Erkenntnis, dass er sie soeben abserviert hatte, in ihrem Hirn angekommen war, brach sie unvermittelt in Tränen aus. Was sollte das jetzt? Hatte sie irgendetwas falsch gemacht? Der Stich in ihrem Herzen ließ sie sich zusammenkrümmen. Sie keuchte auf, versuchte, den Schmerz zu verdrängen und kämpfte einen neuen Schwall Tränen beiseite. Doch die Wucht der Emotionen war stärker. Laut schluchzend sank sie auf dem Bett zusammen und wünschte sich einmal mehr, sie wäre damals wirklich vom Dach gesprungen. Ihr Leben war schon kompliziert genug. Warum nur konnte es nicht einfach mal jenen berühmten Lichtstreif am Horizont geben? Warum nur war Tom manchmal der liebste Mensch der Welt, nur um dann zehn Minuten später wieder zu dem unausstehlichen Kotzbrocken zu mutieren? Er wechselte seine Stimmung schneller als ein Victoria Secrets Model die vorzuführende Unterwäsche auf einem Catwalk. Gott, wenn man sich sein Verhalten so verinnerlichte, bekam die Bezeichnung „Multiple Persönlichkeit“ eine ganz neue Bedeutung. Was soll’s, hier liegen zu bleiben und sich selbst zu bedauern, brachte sie auch nicht weiter … und spätestens wenn der Zimmerservice sie in ein paar Stunden fand, würde sie sich der Tatsache stellen müssen, dass hier nicht der geeignetste Ort war, sich vor der Welt zu verstecken. Also warum nicht gleich verschwinden. Und außerdem hatte sie noch etwas mit Tom zu besprechen. Sie verdiente zumindest eine Erklärung.

***************************************

Gedankenverloren starrte Tom durch die Windschutzscheibe seines Wagens und versuchte, der Flut seiner Erinnerungen an die vergangene Nacht Herr zu werden. Verdammt, da hatte er aber wahrlich Mist gebaut. Warum nur hatte er heute Morgen zu ihr gesagt, dass die Nacht zwar schön war, aber keine Bedeutung hatte, wenn er es doch eigentlich gar nicht so gemeint hatte? Warum war er nicht in der Lage, genau das auszusprechen, was in ihm vorging? Gestern in diesem Schwimmbad hatte es doch auch funktioniert. Klar, war es am Anfang unangenehm gewesen. Er hatte selten in seinem Leben geweint … und schon gar nicht vor einer Frau. Diese Art von Schwäche offen zu zeigen, hätte ihn normalerweise zutiefst verwirrt, aber bei Anna hatte er das Gefühl, dass er davor keine Scheu haben musste … dass sie ihn verstand. Sie hatte ihn aufgefangen, ihn festgehalten und dann … Er seufze, während er den Kopf gegen die Nackenstütze lehnte und an die Decke starrte. Er hatte es verbockt … wieder mal. Doch damit hätte er leben können. Womit er nicht leben konnte, war die Tatsache, dass er Anna offensichtlich ziemlich heftig vor den Kopf gestoßen hatte. Das wollte er nicht, aber als er heute Morgen neben ihr aufgewacht war – auch wenn er im Grunde kaum geschlafen hatte, weil ihn die Ereignisse derart aufgewühlt hatten, dass er keine Ruhe fand –, wusste er plötzlich nicht mehr, was richtig war und was nicht. Es hatte sich gut angefühlt, sie im Arm zu halten … irgendwie richtig. Doch dann war ihm Carla durch den Kopf gegeistert und sein Gewissen hatte sich gemeldet. Carla, die Frau, die an seiner Seite stand und das seit fast zwei Jahren. Die immer da war, wenn er jemanden brauchte. Sie ergänzten sich gut, mochten sich auf eine Weise, die weit über eine gewöhnliche Freundschaft hinausging … aber reichte es für … Liebe? Und dann war da Anna, die ihn verstand, wie es noch nie jemand getan hatte. Und sein Herz sehnte sich nach diesem Gefühl, mit diesem Schmerz nicht allein sein zu müssen. Ihre Worte berührten ihn, schenkten ihm Trost, so dass er anfing zu glauben, irgendwann in seinem Leben einen Punkt erreichen zu können, an dem er mit dem Verlust von Fanni abschließen konnte. Anna vermochte es … und sie war die Einzige. Was sie miteinander verband, war zu groß, um es als Freundschaft zu bezeichnen. Liebe? Er wusste es nicht. Sicher, da waren Gefühle … die er kannte, doch sie waren ihm in den Jahren fremd geworden.

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Zuletzt von Mini_2010 am Mi Jul 04 2012, 10:30 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Jul 14 2012, 18:34

Lizzy schrieb:
Toll, toll, einfach toll Smile

Danke dir Very Happy
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Jul 17 2012, 16:21

Anbei eine Fortsetzung für euch. Hoffe, sie gefällt euch Smile


Teil 15

Tom blinzelte verwirrt, noch immer sprachlos von Brunos unerwarteter Offenbarung. „Du redest von Anna?“ Es gelang ihm nicht ganz, die gewohnte Gleichgültigkeit aufrecht zu erhalten, und Tom spürte, wie seine Fassade zu bröckeln begann. „Klar rede ich von Anna, ich rede immer nur von Anna … Sie ist es … Sie ist genau der richtige Impuls, den Lanford braucht … den du brauchst. Sie hat Gefühl, Entschlossenheit, Temperament und die seltene Fähigkeit, ihren Emotionen Gestalt zu verleihen.”, erklärte Bruno mit einem schwärmerischen Lächeln im Gesicht. Nicht zu vergessen ihr einzigartiges Talent, mich regelmäßig zur Weißglut zu bringen …, knurrte Tom innerlich, während Brunos Worte wie aus weiter Ferne zu ihm drangen und mit dem Zugang zu seinem Hirn kämpften. Ein leichtes Nicken signalisierte seine Zustimmung, bevor Bruno noch mit seiner Schwärmerei fortfuhr, während ein unheilvoller Gedanke sich in seinem Kopf zu manifestieren begann. Er soll Carla durch Anna ersetzen? Einfach so? Was dachte sich sein Vater eigentlich? Er war keine zwölf mehr, und erst recht nicht würde er sich vorschreiben lassen, mit wem er sein Leben teilte oder nicht. Bruno lehnte sich zu ihm über den Tisch und legte seine Hand auf seinen Arm. Tom riss sich aus seinen Gedanken und erwiderte Brunos Blick, der ihn an einen Vater erinnerte, dem das Wohl seines Kindes wirklich am Herzen lag. Wie durch Watte vernahm Tom Brunos Worte. „Seit Anna in dein Leben getreten ist, hast du dich verändert.“ Bruno lächelte. Ein echtes Lächeln, ein ehrliches, … keines dieser aufgesetzten Versionen, die für gewöhnlich Presse und Geschäftspartnern vorbehalten waren. „Und ich bin glücklich über diese Veränderung … Es ist eine gute Wendung.“, bekräftigte Bruno. Tom konnte einfach nicht glauben, was er da hörte. Die beiden Teile in ihm stritten miteinander, kämpften jeder um das Recht, im Vordergrund stehen zu dürfen.

Tom schloss die Augen und stieß angespannt die Luft aus. „Mal angenommen, ich folge deinem Rat.“ Bruno grinste breit. „Schön, du denkst also darüber nach...“ Tom rollte die Augen und stöhnte genervt. „Ich sagte … mal angenommen …“, widersprach er. „Ja, … also denkst du darüber nach …“, beharrte Bruno mit einem wissenden Augenzwinkern. Tom seufzte. Es war zwecklos, seinem Vater zu widersprechen, das wusste er. Warum nur versuchte er es dann immer wieder? Tom schüttelte leicht den Kopf, während Brunos Worte durch seinen Kopf hallten. „Und wenn ich Anna genauso zerstöre wie ich Carla in deinen Augen zerstört habe?“, gab er zu bedenken. Bruno lehnte sich zurück und sah Tom verständnisvoll an. „Anna ist viel stärker als Carla … ihr Wille und ihr Charakter … Ich habe selten so viel Ehrgeiz und Leidenschaft gesehen, wie bei Anna. Ihre Entschlossenheit und ihr Wille, für das zu kämpfen, woran sie glaubt … das ist grandios.“ Brunos Blick wirkte verklärt, und Toms Finger krampften sich so fest um die Stuhllehnen, dass das Leder knirschte. Entschlossenheit? Wille? Sturheit trifft es wohl eher … „Glaub mir, Tom … Anna wird sich dir nicht einfach unterwerfen und nach deinen Regeln spielen …“, erklärte Bruno. Oh ja, wie gut sie das kann, hat sie mir ja heute schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt … „Sie wird dir die Stirn bieten. Sie wird dich aus deinem Schneckenhaus herauslocken … und das ist genau das, was du brauchst.“ Tom lachte trostlos auf, ehe er starr auf die Wand blickte. Er hasste es, wenn sein Vater die Dinge durchschaute. Und noch mehr hasste er es, wenn er die Dinge ungeniert aussprach. Wer zum Geier hatte ihn um diesen Exkurs in seine Gefühlswelt gebeten? „Und Carla?“, wandte Tom ein, mied jedoch Brunos Blick, um die Frustration zu verbergen, die dieses Thema in ihm heraufbeschworen hatte. Ein trauriges Lächeln zuckte um Brunos Mundwinkel. „Lass sie gehen, Tom.“ Verblüfft schoss dessen Kopf herum, starrte seinen Vater ungläubig an. „Alles was jetzt kommt, hat sie einfach nicht verdient.“ Mit diesen Worten stand Bruno auf und ging zur Tür.

„Moment.“, hielt Tom ihn zurück. „Und was ist, wenn du in drei Wochen wieder einen derartigen Genuss verspürst oder du dich so sehr nach Abwechslung sehnst, … dass du Carla plötzlich wieder zurückwillst?“, fragte Tom, die seichte Ironie, die in seinen Worten mitschwang, kaum verbergend. Er kannte Brunos Hang, seine Meinungen ständig zu ändern, nur zu gut. Was das betraf, war der alte Herr ein wahrer Meister. Aus diesem Grund war es besser, auf Nummer sicher zu gehen. Und wenn das Carla den Hals rettete, umso besser. Bruno wandte sich zu Tom und lächelte. „Ich glaube zwar nicht daran, möglich ist jedoch alles.“ Dann hob er die Schultern. „Und um Carlas Willen … Also, meinetwegen … aber tu etwas dafür, damit sie uns in irgendeiner Weise wieder nützlich wird.“, erklärte er ernst. Tom verzog leicht den Mund. „Und wie soll ich das deiner Meinung nach anstellen? Sie steht unter deiner Führung.“ Bruno kräuselte die Lippen zu einem seichten Lächeln. „Gönn ihr eine Auszeit.“ Tom riss ungläubig die Augen auf. „Ich soll sie in Urlaub schicken?“ „Ja, … Mhmm, ... am besten gleich morgen … und für mindestens drei Wochen, besser vier … eher will ich sie hier nicht wieder sehen. Vielleicht kann sie daraus neue Kraft schöpfen oder Inspiration finden. Wenn nicht …“ Bruno machte eine Handbewegung Richtung Ausgang. Tom verstand, und ihm wurde bewusst, dass sein Vater in diesem Punkt nicht mit sich reden lassen würde. Die drei Wochen waren sein höchstes Angebot. Wenn Carla es nicht nutzte, wäre sie weg vom Fenster, sobald sie das nächste Mal versagte. Ein für alle Mal. Tom seufzte tief. „Ach und …“ Tom sah auf und begegnete Brunos strengem Blick. „Anna wird Chefdesignerin, und sorg dafür, dass sie den Job annimmt …“ Juhu ... ich kanns kaum erwarten, sie davon zu überzeugen ..., knurrte er innerlich. Bruno hielt inne und überlegte kurz. Dann musterte er Tom erneut mit nachdenklichem Blick. „Eines noch, Tom … Was das Schicksal betrifft, und die Begegnungen, die es uns schenkt … du kannst davor weglaufen, aber es wird dich irgendwann einholen ...“ Fünf Sekunden später war Bruno aus Toms Büro gerauscht. Schicksal? Begegnungen … Pah … Tom verdrehte die Augen und rieb sich mit der Hand über das Gesicht, während die Worte seines Vaters, Anna und Carla betreffend, unheilvoll in seinem Kopf hallten. Warum war er eigentlich immer für die Drecksarbeit verantwortlich?

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Jul 17 2012, 20:06

Das ist wieder klasse und sehr gut geschrieben Smile Smile
bitte ganz schnell mehr davon
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Jul 17 2012, 21:21

Lizzy schrieb:
Das ist wieder klasse und sehr gut geschrieben Smile Smile
bitte ganz schnell mehr davon

Danke dir, Lizzy. Wink
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 18 2012, 10:39

Eine kleine Fortsetzung für euch Smile


Teil 16

„Das wird nicht leicht werden, Süße. Bis du sicher, dass du das packst? Ich meine, versteh mich nicht falsch … aber du warst heute schon ziemlich fertig. Ich will einfach nicht, dass Tom dich so behandelt.“ Beruhigend strich Paloma ihrer Freundin über den Arm. „Ich pack das schon ... Die Alternative wäre, zu kündigen.“, erwiderte Anna, hob vielsagend die Brauen und lächelte ironisch. „Und du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass ich Carla diesen Gefallen tun werde. Lieber ertrage Mr. Eisklotz, die arktische Kälte, die ihn umgibt …“ Anna hielt kurz inne. „Ah, … und nicht zu vergessen seine permanent schlechte Laune, als dieser überkandidelten Schnepfe das Gefühl zu geben, einen Sieg davon getragen zu haben, indem ich meinen Schreibtisch freiwillig räume.“ Paloma grinste. „Das ist die Anna, die ich kenne.“ Die Blonde schüttelte bedauernd den Kopf. „Nein, die Anna, die du glaubst, in mir zu sehen, gibt es nicht mehr ... Das hier ist nur der traurige Rest, der noch nicht ganz aufgegeben hat.“, erklärte sie niedergeschlagen. Paloma ergriff ihre Hand und lächelte mitfühlend. „Das ist doch gut.“ Anna schüttelte wieder den Kopf. „Nein, … das ist völlig bescheuert, … aber irgendwie kann ich nicht anders.“ Sie seufzte niedergeschlagen. „Es fühlt sich an, als würde ich mich selbst foltern und dabei noch Freude empfinden ... Aber wenn ich jetzt gehe, habe ich gar nichts gewonnen.“ Die Qual im Blick ihrer Freundin versetzte Palomas Herzen einen Stich. Anna holte tief Luft und stieß sie angespannt wieder aus. „Ich will einfach nur die Zeit vernünftig über die Bühne bekommen …“ „Das kriegst du hin … Wirst sehen, ehe du dich versiehst, ist das halbe Jahr rum … und dann lassen wir so richtig die Sau raus.“, schlug Paloma vor. Anna grinste breit. „Das machen wir, versprochen. Und dann werde ich mir „Zauberhaft“ schnappen und dieser selbstgefälligen Kuh noch mal richtig schön in die Parade fahren, bevor ich gehe. Und Mr. Eisklotz kann meinetwegen in die Arktis auswandern.“ Anna seufzte und starrte nachdenklich an die Wand. So schön sich das auch anhörte, zwischen ihr und ihrem Ziel standen unglaubliche kräftezehrende sieben Monate. Sieben Monate, auf die sie sich auf eine groteske Weise freute.

„Der Gedanke, irgendwann zu gehen, fühlt sich seltsam an, richtig?“, fragte Paloma in Annas Gedanken hinein. Die Blondine nickte traurig. „Einerseits freue ich mich auf meine Unabhängigkeit, auf der anderen Seite … macht die Arbeit schon irgendwie Spaß … und die Leute bei Lanford …“ Sie seufzte. „… ich würde sie vermissen.“ Anna grinste „Virgin und seine Schwärmerei für … Brüno …“, imitierte Anna Virgin und untermalte ihre Aussage mit einem preziösen Augenklimpern. „Und Bruno mit seinen metaphorisch dramatischen Ansprachen.“ Sie lachte. „Gott, ich wüsste nicht, ob ich auch nur einen Tag ohne sie überstehen könnte.“ „Frag ihn doch, ob er dir ein paar ausgewählte Beispiele auf CD brennen würde.“, meinte Paloma trocken. Wie auf Kommando prusteten die beiden los. „Und Tom?“, fragte Paloma und hob verhalten neugierig die Brauen. Anna verzog leicht die Lippen. „Tom … ja, der Eisklotz mit dem gut versteckten Herzen … Mhmm, ... keiner mehr, der mich anschreit und dauernd zur Schnecke macht. Keine Willkür mehr ...“ Sie unterbrach sich, neigte leicht den Kopf und lächelte vor sich hin, als sie eine ganz andere Erinnerung an ihn heimsuchte. „Tja, vermutlich werde ich ihn wohl auch vermissen.“ „Oh-oh … den Blick kenne ich.“, spöttelte Paloma mit einem verschmitzten Grinsen. Anna räusperte sich angestrengt. „Ich meine, den netten Tom … den, der nicht mit diesem Dauerknoten im Gesicht herumrennt … und seine Stimmungen so schnell wechselt, wie manch einer die Unterwäsche ...“, wehrte sie halbherzig ab und versank wieder in ihre Gedankenwelt, in die nur Toms netter Bruder Zugang hatte. „ Er geht dir ganz schön unter die Haut.“, mutmaßte Paloma. Anna zuckte die Schultern. Ja, mehr als mir lieb ist … Anna seufzte traurig. „Wenn ich nicht wüsste, dass da noch eine andere Seite in ihm steckt …“ Sie ließ den Satz offen und sah betreten auf ihre Finger. Sie hatte sich schon so oft vorgenommen, sich Tom aus dem Kopf zu schlagen - er war einfach zu unberechenbar -, doch da war irgendetwas an ihm, was sie immer wieder zu ihm hinzog. Ach, das bildest du dir nur ein, Anna …, dachte sie bekümmert. Vermutlich liegt es daran, dass du einfach eine Schwäche für schwierige Fälle hast. „Hey, und was ist mit mir? Wirst du mich auch vermissen?“, fragte Paloma ihre Freundin mit einem gespielten Schmollen.“ Anna grinste und schlang spontan ihre Arme um ihre beste Freundin. „Dich werde ich am allermeisten vermissen … die gute Seele und mein wandelndes Gewissen.“ Erleichtert stieß Paloma die Luft aus und lachte schließlich, ehe sie beiläufig auf ihre Uhr sah. Ihre Augen weiteten sich erschrocken. ”Oh Shit … Ich muss wieder los, Süße, … bevor Tom einen zweiten Tobsuchtsanfall bekommt, weil ich auch noch verschwunden bin.“ Sie grinste schief, und Anna konnte nicht umhin, zurück zu grinsen. „Bis später.“ Flüchtig umarmten sich die beiden Frauen. „Bis später ... Und Danke fürs Aufmuntern … und dafür, dass du da bist.“, flüsterte Anna, ehe Paloma aufstand und mit einem aufmunternden Augenzwinkern aus ihrem Zimmer verschwand.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 18 2012, 11:08

Und noch ein Teil hinterher ... Wink


Teil 17

Tom saß an seinem Schreibtisch und starrte vor sich hin, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Er sollte Carla wegschicken – aus seiner Firma und aus seinem Leben? Bruno machte es sich manchmal wirklich einfach. Warum schmeißt er Carla nicht selbst raus, wenn er es für besser hält? Seit geschlagenen zwanzig Minuten saß er nun schon hier und überlegte, wie er Carla die Neuigkeiten so schonend wie möglich beibringen konnte. Einen Urlaub würde sie bestimmt begrüßen, aber sicher nicht ohne ihn. Doch auf Urlaub hatte Tom nun wirklich keine Lust. Zuviel Zeit zum Nachdenken … zuviel Zeit, um an Anna zu denken. Gar nicht gut. Und das, worauf Tom momentan noch weniger Lust hatte, war, noch mehr Zeit mit Carla zu verbringen. Und je mehr er darüber nachdachte, umso mehr musste er zugeben, dass in dem was Bruno gesagt hatte, ein Stück Wahrheit steckte. Hin und her gerissen, lehnte er sich in seinem Stuhl zurück, während die beiden Hälften in ihm unaufhörlich um die Oberhand stritten. Gehen oder Bleiben. Reden oder Schweigen. Anna oder Carla … Sein innerer Zwist schwoll an. Das Chaos in seinem Kopf begann, ihm Schmerzen zu bereiten. Carla war seine Freundin. Sie passte zu ihm, und er passte zu ihr. Gut, sie hatten kaum etwas, was sie wirklich verband – außer der Arbeit – aber musste man immer was zu reden haben? Sie verbrachten doch viel Zeit miteinander – Oper, Theater, Vernissagen, Wohltätigkeitsveranstaltungen, gelegentlich Essen gehen. Das war doch … genug, oder? Reden in einer Beziehung war ohnehin vollkommen überbewertet. Und er war sowieso nicht derjenige, der für viele Worte zu haben war. Also ist es doch gut, so wie es ist…

Doch wenn es gut ist, warum fühlte er sich dann nicht besser, wenn er an sich und Carla dachte? Warum gab es da nicht dieses Kribbeln oder das Herzklopfen, das er immer dann spürte, wenn er an Anna dachte? Vermutlich hatte Bruno Recht, und Carla hatte sich ihm mit der Zeit tatsächlich nur angepasst, sich langsam in sein Leben gefügt, wie ein dekoratives Element in einer Wohnung … hübsch anzusehen, gewöhnte man sich an seinen Anblick, erfreute sich gelegentlich daran … aber im Grunde genommen fing es nur Staub. Und Carla hatte sich tatsächlich verändert. Früher hatte sie oft gelacht, heute lächelte sie kaum noch. War das wirklich seine Schuld? Okay, sein Leben hatte nicht mehr denselben Enthusiasmus, seit Fanni von ihm gegangen war, und die trüben Tage überwogen die freundlichen. Wann hatte er das letzte Mal richtig gelacht … oder Freunde empfunden? Er wusste es nicht. Seufzend vergrub er sein Gesicht in seinen Händen. Sein Leben war eine einzige Farce. Nicht, dass er jemals viel Wert darauf gelegt hatte, wie spannend oder abwechslungsreich selbiges verlief. Und eigentlich hatte er sich damit arrangiert, so wie es war. Er kam damit zurecht, weil er sich bewusst für diesen Weg entschieden hatte. Carla hatte das nicht. Sicherlich hatte sie sich vieles anders vorgestellt, als sie zusammenkamen. Ein Gefühl der Scham zuckte durch seine Eingeweide, als ihm aufging, dass er sie nie nach ihren Interessen gefragt hatte, nach ihren Vorstellungen von einer Zukunft, ihren Träumen. Warum? Hatte es ihn nicht interessiert? Sie lebten zusammen. Sie schliefen miteinander, teilten die wenigen Momente außerhalb der Arbeit, aber sie redeten nie über ... Gefühle ... und Sehnsüchte ... über Träume. Sie war die Frau an seiner Seite, aber was fühlte sie? War sie wirklich glücklich mit dem Leben, das sie führten? Das muss sie wohl, Tom …, sagte er zu sich selbst. Wäre sie denn sonst bei dir geblieben … Wäre er bei ihr geblieben, wenn er an ihrer Stelle gestanden hätte? Er hatte keine Ahnung, weil er sich jeglichen Blick in sein Herz verweigert hatte.

Oh, er wusste durchaus, wie andere ihn sahen. Aber wie sah Carla ihn? Liebte sie ihn wirklich? Konnte man so einen emotional verkümmerten Menschen wie ihn überhaupt lieben? Oder gab es am Ende doch andere Gründe, die ihn für sie anziehend machten? „Lass sie gehen! … Lass sie gehen!“…, schossen Brunos Worte durch seinen Kopf. Und was bitteschön hätte er davon, wenn er Carla aus der Firma warf … aus seinem Leben? Er versuchte, sich diese Situation vorzustellen, hinterfragte seine Gefühle. Und es schockierte ihn maßlos, was er dabei empfand, … Nichts … gar nichts. Kein Schmerz im Herzen, kein Bedauern, keine Angst vor Verlust – einfach Nichts! War das die klägliche Bilanz seiner Beziehung? Ein Zusammenleben, was mehr mit einer Wohngemeinschaft gemein hatte, in der man ein unausgesprochenes Abkommen traf, regelmäßig miteinander ins Bett zu steigen, um wenigstens ein bisschen Spaß zu haben? Tom schluckte schwer. Instinktiv forschte er in seiner Vergangenheit und versuchte, herauszufinden, was ihn einst zu Carla geführt hatte, was ihn so lange hatte bei ihr bleiben lassen ... Betrübt schüttelte er den Kopf, als er keine Antwort auf diese Frage finden konnte. Sie war irgendwann einfach da gewesen, und er ist mit ihr gegangen – ohne zu wissen, wohin. Sie hatte ihn von seinen trüben Gedanken an Fannis Verlust abgelenkt, hatte ihn mit der Illusion auf ein normales Leben gelockt, … dafür gesorgt, dass er nicht allein war. Er erinnerte sich, dass sie niemals Bedingungen an ihre Beziehung geknüpft hatte. Alles war so abgelaufen, wie er es wollte. Und ohne es zu bemerkten, hatten sie ihr Miteinander nebeneinander geführt … zwei getrennte Leben unter dem Deckmantel einer scheinbar perfekt funktionierenden Beziehung. Und mit der Zeit hatten sie sich einfach daran gewöhnt. Doch nun hatte Bruno mit seiner seltsamen Aufforderung etwas in Tom in Bewegung gesetzt, was ihn erstmals ernsthaft zum Nachdenken anregte. Er war gerade mal einunddreißig Jahre alt und hatte vier Jahre seines Lebens in der Dunkelheit seines gebrochenen Herzens gelebt. Und allmählich begann Tom sich zu fragen, ob der viel zu frühe Tod seiner einstig großen Liebe, eine halbherzig geführte Partnerschaft mit Carla und das paradoxe Sehnen nach der Welt der Zahlen, die den kümmerlichen Rest seiner gebeutelten Seele ausfüllte, schon alles gewesen war, was das Leben für ihn bereitgehalten hatte.

Der dicke Kloß in seinem Hals raubte ihm die Luft zum Atmen. Angestrengt schluckte er und versuchte an etwas anderes zu denken, als die trostlosen Abgründe seines Selbst. Toms Blick fiel auf Paloma, die an der Glaswand seines Büros vorbeilief. Unweigerlich musste er wieder an Anna denken, und sein Herzschlag beschleunigte sich, als hätte man einen imaginären Knopf gedrückt. Ein kaum merkliches Lächeln zuckte über seine trostlosen Züge. Eine merkwürdige Anspannung, die ihn die ganze Zeit im Griff gehalten hatte, löste sich in ihm. Der Kloß in seinem Hals schwand und er atmete leise auf. Ja, Anna war anders. Ganz anders. Doch war anders gut? Sein Blick heftete sich auf ihren Schreibtisch, der nach wie vor leer war. Was wusste er schon über sie, außer dass sie permanent seine Gefühle durcheinander brachte – sein schönes streng durchorganisiertes, geordnetes, eintöniges Leben. Ja, sie forderte ihn unbewusst heraus … brachte ihn dazu, über Dinge nachzudenken, die ihm sonst gleichgültig waren … über die er bei Carla nie nachgedacht hatte. Fiel es ihm bei ihr deshalb so leicht, genau über die Dinge zu reden, über die er vor Carla schwieg? Carla und Anna … Anna und Carla. Die beiden Frauen waren so unterschiedlich wie zwei Menschen nur sein konnten – wie Feuer und Wasser. Er dachte an Fanni und wie sie ihn damals verzauberte hatte. Sie war unglaublich – ihre Augen, ihr Charme, ihr Humor … sie hatte ihn damals schneller um den Finger gewickelt als ihm lieb gewesen war. Er musste schmunzeln, als er an die Zeit zurückdachte. Und dann war plötzlich alles vorbei gewesen. Die Klammer um sein Herz zog sich erneut zu. Unweigerlich dachte er an den Moment im Schwimmbad zurück … als er Anna seinen Schmerz offenbart und ihr damit einen Blick auf sein zerrissenes Inneres gewährt hatte. Er hatte sich nicht bewusst dazu entschieden, es war einfach aus ihm herausgesprudelt … er hatte es einfach getan. Und es hatte sich so gut angefühlt, so richtig. Wenn nur dieser merkwürdige Beigeschmack nicht wäre, der ihn seitdem nicht mehr losließ … nicht unangenehm, nur fremd.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 18 2012, 11:28

Das sie wieder wunderbare Teile Smile , und so traumhaft geschrieben bitte meeeeeeeeeehr davon Very Happy
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 18 2012, 11:35

Lizzy schrieb:
Das sie wieder wunderbare Teile Smile , und so traumhaft geschrieben bitte meeeeeeeeeehr davon Very Happy

Danke. Mehr kommt bald, sobald ich mal ein par Minuten Ruhe habe Very Happy
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 18 2012, 11:49

Mini_2010 schrieb:
Lizzy schrieb:
Das sie wieder wunderbare Teile Smile , und so traumhaft geschrieben bitte meeeeeeeeeehr davon Very Happy

Danke. Mehr kommt bald, sobald ich mal ein par Minuten Ruhe habe Very Happy

Mach dir bloss kein Stress, ich kann warten Wink
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 18 2012, 12:03

Lizzy schrieb:
Mini_2010 schrieb:
Lizzy schrieb:
Das sie wieder wunderbare Teile Smile , und so traumhaft geschrieben bitte meeeeeeeeeehr davon Very Happy

Danke. Mehr kommt bald, sobald ich mal ein par Minuten Ruhe habe Very Happy

Mach dir bloss kein Stress, ich kann warten Wink

Danke, das beruhigt mich ungemein ... Very Happy Very Happy Very Happy
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Jul 21 2012, 17:56

So, nach langer Zeit auch hier mal wieder eine Fortsetzung. Smile


Teil 18

Als sich die Tür zu seinem Büro plötzlich öffnete, zerbrachen Toms Gedanken wie eine Glasscheibe, durch die ein Stein geworfen wurde. Er brauchte drei Sekunden, um wieder in der Realität anzukommen und zu erkennen, dass Carla in seinem Büro stand. Wieder schrien Brunos Worte durch sein Hirn. „Wirf sie raus … Sie hat ihren Esprit verloren … Sie ist für Lanford nicht mehr tragbar …“ Er schluckte schwer, straffte seine Schultern und nahm Haltung an. Das erwartete man schließlich von ihm. Jetzt war er Chef … Gefühle gehörten hier nicht hin. „Du wolltest mich sehen?“, sagte sie. Na dann, Augen zu und durch. Er lächelte gezwungen. „Komm rein.“ Carla gehorchte, schloss die Tür hinter sich, trat zu ihm und drapierte sich lässig vor ihm auf der Schreibtischkante, während sie mit einem verführerischen Lächeln ihr Knie an seinem Oberschenkel rieb. Das tat sie gern, und wäre er in Stimmung gewesen, wäre er vielleicht auch darauf eingestiegen. Doch heute löste das irgendwie gar nichts bei ihm aus. Tom sah sie an, … sah sie wirklich an – zum ersten Mal. Aus der Ferne betrachtet, wirkte sie wie immer … eine glückliche Frau. Aber nun, da er genauer hinsah, sah er es … Ihr Lächeln kam eher aufgesetzt rüber als echt, nicht zuletzt da es ihre Augen nicht erreichte. Ja, ihre Augen … ihre hübschen dunklen Augen … Früher hatten sie geleuchtet, … aber bei genauerem Hinsehen waren sie in ihren Tiefen stumpf … und leer. Die Ausdruckslosigkeit und Abgeklärtheit, der er beim Blick hinter Carlas Fassade begegnete, traf ihn heftiger als erwartet. Und in diesem Moment begriff Tom, was Bruno gemeint hatte, und er erkannte, dass sein Vater Recht hatte – mit allem. Warum nur war ihm das nie aufgefallen? Weil du nie richtig hingesehen hast …, schalt ihn seine innere Stimme. „Wenn du sie gehen lässt, gibst du ihr die Chance, ihr Glück eines Tages zu finden. Wenn nicht, wird sie irgendwann irgendwo landen …, und das wünscht sich keiner von uns für sie. Und du, … du bleibst in diesem Strudel hängen, der dir langsam jeglichen Lebenswillen aussaugt … und dich tiefer hinter die dicke Fassade drängt … bis niemand dich dort mehr hervorzulocken vermag.“ ..., hallten Brunos Worte in seinem Kopf. Tom wusste, dass Carla ihn liebte. Und wie steht’s mit dir? Liebst du sie denn …, höhnte die grausame Stimme in seinem Kopf. Energisch verdrängte er den Gedanken. Darüber konnte er später noch sinnieren. Jetzt musste er Carla erstmal klarmachen, dass ihr Job in Gefahr war ...

Einen Moment lang sah Tom sie an, forschte in ihrem Gesicht. Ihm entging nicht, wie sich ihre Lippen unwillig kräuselten und sie die Stirn runzelte. Er räusperte sich vernehmlich und setzte an, bevor sie etwas sagen konnte. „Ich muss mit dir reden.“, erklärte er, verbannte die streitenden Dämonen in seinem Kopf und schlüpfte in die Rolle des emotionslosen Chefs, um sich diese Aufgabe zu erleichtern. Ihr Blick war neugierig. Ihr Lächeln wirkte selbstbewusst, aber es hatte ein wenig von dem scheinbaren Enthusiasmus von eben verloren. Sie hatte keine Ahnung. Das hier war nicht fair …, doch er musste an die Firma denken. Brunos Worte schrien lauter. Aber wie anfangen? Entschlossen, seiner Position gerecht zu werden, schob er seine persönlichen Belange beiseite und atmete tief durch. „Im Moment ist die Auftragslage ein wenig entspannt, … und so habe ich mir überlegt, dass ich dir ein paar Wochen Urlaub gönne …“, begann er galant und hob erwartungsvoll eine Braue. „…sagen wir vier.“ Carla riss die Augen auf und guckte Tom ungläubig an. „Du schickst mich in Urlaub? Vorhin beim Meeting hast du noch gesagt, kein Mitarbeiter könne sich erlauben, wegen jedem kleinen Wehwehchen zu Hause zu bleiben.“, protestierte sie. Tom zog die Brauen zusammen und runzelte nachdenklich die Stirn. Ja, richtig, das hatte er gesagt … aber nur weil er sauer darüber war, dass Anna einfach gegangen war – ohne ein Wort. Er lächelte, aber es wirkte nur halb – wie immer. „Ich hab überreagiert.“ „Wegen Anna?“ Eifersucht schoss aus ihrem Blick, schwang unterschwellig in ihrer Stimme. „Nein … ich war gestresst und dann hat ein Wort das andere gegeben.“, gab er ihr ruhig zu verstehen. Carla kniff misstrauisch die Augen zusammen. „Ich soll in Urlaub gehen?“, wiederholte sie seine Aussage, als müsse sie sich versichern, dass sie nicht halluzinierte. „Ja.“ „Und die Broda drängt sich derweil schön in meinen Posten … Vergiss es.“ Diese Reaktion hatte er erwartet. „Im Moment ist die Chance am besten, … und wer weiß, wann diese Gelegenheit wiederkommt. Wenn die Winterkollektion erst weit genug vorangeschritten ist, dass wir in die heiße Phase kommen, wird kein Urlaub mehr genehmigt.“ Er strich sanft über ihren Arm, eine Geste, die sie beruhigen sollte. „Und du hattest schon lange keinen Urlaub mehr.“ Sie schnaubte. „Klar, es gibt ja auch nur eine fähige Designerin in diesem Laden, und ohne die geht scheinbar nichts.“ Tom rollte leicht die Augen und verbiss sich nur mit Mühe eine mürrische Bemerkung. Dass Carla unter chronischer Selbstüberschätzung litt, sollte ihr dringend mal gesagt werden. „Anna wird dich solange vertreten. Und Bruno behält sie schon im Auge.“ Tom wusste, dass das überflüssig war, aber er wollte Carla keine Möglichkeiten geben, Anna anzugreifen. Wenn sie aus ihrem Urlaub erst wieder zurück sein würde, wäre der Schock über ihre Degradierung für sie schon groß genug. Jetzt wollte er einfach nur versuchen, ihren Job zu retten, und er hoffte inständig, dass sie klug genug war, mitzuspielen. Die Brünette erhob sich mit jener anmutigen Bewegung, die ihr so sehr zueigen war, straffte die Schultern und warf ihm einen strafenden Blick zu. „Steckt Bruno hinter dieser Idee?“ Tom zuckte versucht gelassen die Schultern. „Er macht sich ebenfalls Sorgen um dich. Du hast in den letzten Monaten viel zu viel gearbeitet … und … deine Leistung hat ein wenig gelitten.“, sagte er sanft. „Du brauchst eine Pause.“

Carla lachte laut und humorlos auf. „Aha … daher weht der Wind. Meine Leistungen haben gelitten?“, spottete sie. „Das ist nicht dein Ernst, Tom.“, fügte sie unwirsch hinzu und trat von seinem Schreibtisch weg. Seine Augen musterten sie streng. „Wenn du mal eine Sekunde ehrlich zu dir bist, musst du zugeben, dass es so ist …“ „Ja, aber nur, weil mir die Broda mit ihrem durchschnittlichen Gesicht und ihrem durchschnittlichen Auftreten dauernd in die Parade fährt.“, bemerkte sie abfällig. Toms Finger umklammerten den Stift in seiner Hand fester, er hatte Mühe, ihr nicht direkt einen passenden Widerspruch ins Gesicht zu feuern. „Warum musstest du mir die auch vor die Nase setzen? Schick sie doch in Urlaub!“, fauchte Carla wütend. „Carla, du weißt genau, dass ich die Entscheidungen, was den Kreativbereich betrifft, nicht alleine treffe … Und Bruno und ich sind beide der Meinung, dass du eine Pause brauchst.“, mahnte er mit einer Stimme, die einem trügerischer See glich – oberflächlich ruhig, brodelte er in seinen Tiefen gefährlich. Doch Carla schien zu aufgebracht, um die schwelende Wut in Tom zu erkennen. Ihr argwöhnischer Blick musterte ihn eindringlich, ehe es aus ihr herausplatzte. „Bin ich gefeuert?“ Tom sah sie mit stoischer Miene an. Noch nicht, aber wenn du weiter so diskutierst, überlege ich es mir noch mal. „Du hast ab morgen Urlaub, Carla … vier Wochen. Nutze die Zeit …“, sagte er mit einem Ton in der Stimme, der keine Widerrede duldete. Carlas Blick war vollkommen ungläubig. Tom lächelte gezwungen. „Ich nehme mal an, es gibt keinen Verhandlungsspielraum.“, fragte sie mürrisch. Tom schüttelte den Kopf. „Lass uns heute Abend darüber reden.“ Mit diesen Worten wandte Tom sich wieder seinen Unterlagen zu. Als sie sich nicht rührte, sah er auf und erblickte ihr unschlüssiges Gesicht. „Hast du noch etwas?“, wollte er wissen. Carla blieb zögernd vor ihm stehen. „Wir hatten vorhin kurz darüber gesprochen, wie wir das Problem mit der Publicity lösen könnten.“ Toms Miene wurde ausdruckslos. Hatte sie diese zweifelhaften Ideen noch immer nicht abgelegt? „Heute Abend, Carla.“, sagte er knapp, ehe sie frustriert aufschnaufte und mit steifen Schritten, die ihren ganzen Widerwillen zum Ausdruck brachten, aus seinem Büro stiefelte. Tom schloss die Augen und seufzte niedergeschlagen. Das würde ein prima Abend werden. Er konnte es kaum erwarten.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Jul 21 2012, 20:39

Und schon wieder so ein hervorragenden Teil, bitte bald mehr davon Wink
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Steffii

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Jul 21 2012, 21:08

Auch wenn ich deine Story bereits kenne, sie gefällt mir immer besser (:
Ich kann dir nicht oft genug sagen, wie beeindrucken ich deinen Schreibstil finde (:
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katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Jul 21 2012, 21:22

So Mini,
auch wenn ich neulich schon recht weit fortgeschritten war in meinem zweiten Lese-Durchgang, werde ich mich hier einfach nochmal einklinken. Es ist einfach zu schön deine Worte zu lesen.
Also, bitte mehr davon Wink
LG katha
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Jul 21 2012, 21:54

Lizzy schrieb:
Und schon wieder so ein hervorragenden Teil, bitte bald mehr davon Wink

Danke dir, meine Liebe Very Happy
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Jul 21 2012, 21:55

Steffii schrieb:
Auch wenn ich deine Story bereits kenne, sie gefällt mir immer besser (:
Ich kann dir nicht oft genug sagen, wie beeindrucken ich deinen Schreibstil finde (:

Oh ein neues Mitglied im Schreibertreff. Da freu ich mich aber, liebste Steffi ... Danke dir. Ich hoffe, wir können auch von dir bald etwas lesen Very Happy Wink
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Jul 21 2012, 21:56

katha schrieb:
So Mini,
auch wenn ich neulich schon recht weit fortgeschritten war in meinem zweiten Lese-Durchgang, werde ich mich hier einfach nochmal einklinken. Es ist einfach zu schön deine Worte zu lesen.
Also, bitte mehr davon Wink
LG katha

Hach, meine liebe Katha, davon kann ich nie genug lesen. Schön, dass dir die Story immer noch gefällt Very Happy
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Jul 24 2012, 13:24

Wow, ich habe die deine bisherigen Teile gelesen, und ich muss sagen du schreibst echt gigantisch. Smile
freue mich mehr vo dir zulesen. Smile
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Jul 24 2012, 18:16

Zuckerschnute schrieb:
Wow, ich habe die deine bisherigen Teile gelesen, und ich muss sagen du schreibst echt gigantisch. Smile
freue mich mehr vo dir zulesen. Smile

Danke dir für das Kompliment. Freue mich riesig darüber Very Happy
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jul 26 2012, 14:51

Teil 19

Als Tom gegen sieben sein Büro verließ, um Feierabend zu machen, lief ihm Paloma über den Weg, und augenblicklich fiel ihm wieder ein, was er eigentlich tun wollte, bevor Bruno ihn damit beauftragt hatte, Carla aus seinem Leben zu schmeißen. „Paloma …“ Die Brünette hielt inne und wandte sich zu ihm, nachdem sie sich von Frau Hauschke, der Empfangsdame, verabschiedet hatte und zum Fahrstuhl strebte. „Ja.“ „Kann ich Sie kurz sprechen?“ Paloma runzelte die Stirn und warf ihm einen vorsichtigen Blick zu. „Ich habe Anna heute gar nicht mehr gesehen.“, bemerkte er versucht beiläufig, während sie gemeinsam auf den Fahrstuhl warteten. Sie wandte sich zu ihm und sah ihn mit hochgezogenen Brauen an. „Könnte daran liegen, dass Anna den Rest des Tages nicht in der Firma war.“, erwiderte sie mit kühler Ironie. Tom hob indigniert die Brauen. „Hatte ich Ihnen nicht aufgetragen, dafür zu sorgen, dass sie in die Firma zurückkommt?“ „Ja, hatten Sie. Aber ich hielt es schlichtweg für unmenschlich, sie unter Berücksichtigung ihres Zustandes, noch zusätzlich zu quälen, indem man ihr einen Spießrutenlauf zumutet.“, bemerkte sie missbilligend. Tom verzog keine Miene. „Was meinen Sie, Paloma?“, hakte er betont freundlich nach, obwohl er durchaus wusste, was Paloma ihm zu sagen versuchte. Sie wandte ihm den Kopf zu und sah ihn an, als hätte er sie soeben öffentlich beleidigt. „Sie wissen sehr wohl, wovon ich rede.“ Die Fahrstuhltür ging auf. Die beiden traten ein. Schweigen breitete sich in der kleinen Kabine aus, während diese sich in Richtung Erdgeschoss bewegte. „Wie geht es ihr?“, fragte Tom nach einer gefühlten Ewigkeit. Seine Stimme war leise, eine vage Entschuldigung schwang in dem unsicheren Klang mit. Den Blick starr auf den Boden gerichtete, vermied er es, Paloma anzusehen. Die Brünette wandte ihm überrascht den Blick zu, doch dann schüttelte sie nur ablehnend den Kopf. „Wie soll es ihr schon gehen? Wenn man derart verletzt wurde, macht man sicher keine Freudensprünge … und Anna am allerwenigsten.“ Tom sah sie vorsichtig an. Aus Palomas Blick sprach pure Ablehnung und eine leise Warnung. „Ich werde nicht zulassen, dass Sie Anna noch mehr verletzen. Sie wird die nächsten ein, zwei Tage zu Hause bleiben.“

„Das geht nicht!“, widersprach Tom heftiger als beabsichtigt. Paloma kräuselte zynisch die Lippen, und Tom spürte, dass sie am liebsten noch mehr gesagt hätte, aber genügend Anstand besaß, es nicht zu tun. „Dann wird Lanford eben ein paar Tage ohne Anna klarkommen müssen … Jeder ist schließlich ersetzbar.“, erwiderte sie mit einem süßlich-ironisch Unterton und erinnerte ihn einmal mehr daran, dass er sich Anna gegenüber nicht immer ganz fair verhalten hatte. Na gut, um ehrlich zu sein, hatte er sich ihr gegenüber regelmäßig wie ein Arsch aufgeführt. Ein Anflug von Reue mischte sich in die angespannte Stimmung. Tom wollte etwas sagen, doch da öffneten sich bereits die Fahrstuhltüren, und Paloma eilte aus der Kabine, so als könne sie es kaum erwarten, endlich eine angenehme Distanz zu ihm zu gewinnen. Ohne zu zögern folgte Tom ihr, fasste sie am Arm und hielt sie zurück. Der vorwurfsvolle Blick, der ihm daraufhin aus klaren blauen Augen begegnete, ließ ihn kurz frösteln, war aber nicht mal annähernd intensiv genug, um ihn in die Flucht zu schlagen. Hätte Anna an ihrer Stelle gestanden, würde er sicherlich nicht so gelassen sein. Ein kaum merkliches Lächeln huschte über sein Gesicht, als er sich ihre zornigen Blicke in Erinnerung warf, mit denen sie ihn regelmäßig bedachte. Irgendwie imponierte ihm ihre Sturheit. „Was?“, fragte Paloma ein wenig harsch und riss Tom aus seinen abdriftenden Gedanken. Er räusperte sich leise und fand schließlich in jene arrogante Haltung zurück, an die die Leute in seiner Umgebung sich in den letzten vier Jahren gewöhnt hatten – mehr oder weniger. „Sagen Sie Anna, dass ich sie morgen früh pünktlich sehen will.“ Paloma wollte zu einem Widerspruch ansetzen, doch sein strenger Blick erstickte ihren Protest. „Wenn es ihr entsprechend gut geht, wird sie sicher kommen.“, zwang sie sich zur Diplomatie und bedachte ihn mit einem ebenso scharfen Blick. Er ließ sie los. „Ansonsten werden Sie ja auch mal einen Tag länger nur mit Frau Rhonstedt vorlieb nehmen können.“ Toms Blick verdüsterte sich ein wenig. Für einen Moment war er versucht, Paloma über die neusten Umstände aufzuklären, ließ es aber schlussendlich bleiben. Das war seine Sache, und im Grunde ging es auch niemanden was an, welches Chaos sich derzeit zwischen ihm und Carla anbahnte. „Werden Sie heute noch mal zu Anna gehen?“, wollte Tom wissen. Paloma straffte die Schultern und musterte ihn abfällig. „Ich wüsste zwar nicht, was Sie das angeht, aber ja … ich werde nachher noch einmal bei ihr vorbeisehen.“, erwiderte sie leicht angefressen. „Gut … Würden Sie ihr etwas von mir ausrichten?“ „Ich kann es versuchen, aber ich glaube nicht, dass sie das sonderlich interessieren wird.“ Er seufzte leise. „Sagen Sie ihr einfach, dass es mir leidtut.“ Palomas Augen begannen wütend zu funkeln. Ihre Unterlippe zitterte unter dem leisen Zorn, der unvermittelt in ihr aufbrodelte. „Das, Herr Lanford, ...“, zischte sie. „… sollten Sie ihr besser selbst sagen.“ Mit einem wüsten spanischen Fluch auf den Lippen, den Tom nicht mal im Ansatz verstand, wandte sie sich um und stiefelte davon.

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Nachdem Carla von Tom über ihren bereits beschlossenen Urlaub in Kenntnis gesetzt worden war, war sie direkt gegangen. Wütend war sie durch den Gegend gezogen und hatte Stunden damit zugebracht, ihrem inneren Groll gegen Anna, die sie noch immer für den Auslöser dieser fragwürdigen Aktion sah, zu frönen. Dass Tom sich so leicht von ihr einschmeicheln lässt, hätte ich nie gedacht. Fast übergangslos hatte sich ihr Groll auf Tom übertragen, von dem sie sich mehr und mehr vor den Kopf gestoßen fühlte. Als sie ihn auf den Kopf zu gefragt hatte, ob sie gefeuert sei, hatte er nicht darauf reagiert. Was sie irgendwie auch nicht verwunderte. Sie kannten sich seit gut zwei Jahren, und immer wenn sie glaubte, ihn zu kennen, wartete er mit einer neuen Facette auf, die sie noch nicht an ihm kannte. Sie gab sich die größte Mühe, ihm gerecht zu werden, ihn zu unterstützen und für die notwendige Ablenkung zu sorgen. Ja, sie liebte ihn, und sie war sich sicher, dass er dasselbe für sie empfand – nur eben auf seine Weise. Tom war ein Buch mit sieben Siegeln. Sein Wesen war so unberechenbar wie das Wetter. Und wenn die Zeichen auf Sturm standen und sie mit ihm darüber reden wollte, wiegelte er ab und verkroch sich in sich selbst. Irgendwann hatte sie gelernt, dieses Wesen zu akzeptieren. Sie redeten nicht viel und wenn, dann drehte sich das Thema um die Arbeit oder um die Frage, welches gehobene Etablissement sie am Wochenende unsicher machen wollten. Und wenn sie sich gestritten hatten, kaufte er ihr ein hübsches Schmuckstück und sie hatten ausgiebigen Sex. Sie liebten sich, also war doch im Grunde alles gut, oder? Aber wenn alles gut war, was sollte dann dieses Gespräch heute in seinem Büro? Er war doch immer zufrieden mit ihrer Arbeit gewesen, und auch Bruno hatte sie immer in den Himmel gelobt. Doch dann war Anna aufgetaucht, und seitdem schien sie abgeschrieben zu sein. Anna …, ging es ihr durch den Kopf. Und wieder richtete sich ihr Groll auf die Blondine. Überall heißt es immer nur Anna … Anna … Anna. Ich habe es satt, diese drittklassige Möchtegern-Künstlerin ständig vor die Nase gesetzt zu bekommen. Carla war keineswegs entgangen, wie Bruno Anna in letzter Zeit förmlich in den Himmel hob. Und dafür hasste sie die Blondine. Dabei war es doch ihr Verdienst gewesen, dass Lanford in den letzten Jahren so erfolgreich war. Und nur weil sie im Moment einen Hänger hatte, schickte man sie gleich in Urlaub? Tse … für vier Wochen? Lächerlich. Sicherlich, der Gedanke an Sonne, Palmen, Strand und Meer war verlockend, konnte aber das ungute Gefühl, was in ihrem Bauch wühlte, nicht im Mindesten besänftigen. Wie stand es um ihre Karriere bei Lanford wirklich? Würde Tom sich vor sie stellen und gegen Bruno verteidigen? Oder würde er es zulassen, dass sie durch Anna eine erneute Demütigung erfuhr. Frustriert schüttelte sie den Kopf, und wünschte sich, alles wäre wieder so wie früher … als Tom nur ihren Namen ausgesprochen hatte und nur Augen für sie hatte … als er ihr noch mit kleinen hochkarätigen Aufmerksamkeiten begegnet war. Doch dann war Anna auf der Bildfläche erschienen. Gott, warum musste Tom damals auch unbedingt auf dieses dämliche Dach steigen?

Den halben Nachmittag hatte Carla sich mit einer ausgiebigen Shoppingtour von den Missständen abzulenken versucht, und gleichzeitig den Kopf darüber zerbrochen, wie sie diesen blödsinnigen Urlaub umgehen und Anna aus Toms Dunstkreis befördern konnte … und das so schnell wie möglich. Und dann war ihr die perfekte Idee gekommen – die richtige Publicity. Ihre Augen leuchteten, als sie ihr Spiegelbild in einem der Schaufenster betrachtete. Die Presse wird sich geradezu darum reißen … und über Anna wird bald kein Mensch mehr reden …, dachte sie triumphierend. Und dann kannst du dieses nervige kleine Blondchen endlich rausschmeißen, Tom. Der Gedanke allein reichte aus, um ihre Stimmung in neue Sphären zu heben. Ihr Blick fiel auf ein paar Reiseangebote, die im Schaufenster eines Reisebüros ausgestellt waren. Vielleicht war ein Urlaub in diesem Zusammenhang doch gar keine so schlechte Idee. Mhmm … allein die Vorstellung, … vier Wochen auf einer lauschigen Südseeinsel … mit Tom am Strand … Carla lächelte selig. Keine Anna … keine Anna und … keine Anna. Und plötzlich war die Aussicht auf Erholung, … weit weg von allem … nur Tom und sie … geradezu überwältigend. Ohne lange darüber nachzudenken, betrat sie das Reisebüro und trat auf die junge Frau zu, die sie mit einem freundlichen Lächeln begrüßte. Ja, das war die perfekte Idee. Und wenn Tom nach Hause kam, würde sie mit einem Angebot aufwarten, dass er unmöglich ausschlagen konnte.

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katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jul 26 2012, 15:08

Hach meine Liebe, auch hier ist ja nicht eitel Sonnenschein, aber im Vergleich zu dem Stand bei deiner FF Nr. III ist hier ja fast Urlaub angesagt. Wink
LG vom Katha-MAusi
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jul 26 2012, 16:03

katha schrieb:
Hach meine Liebe, auch hier ist ja nicht eitel Sonnenschein, aber im Vergleich zu dem Stand bei deiner FF Nr. III ist hier ja fast Urlaub angesagt. Wink
LG vom Katha-MAusi

Danke dir. Ja, aber im Gegensatz zu FF III weißt du ja bei dieser, wie es ausgeht ... Razz
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katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jul 26 2012, 16:28

Mini_2010 schrieb:
katha schrieb:
Hach meine Liebe, auch hier ist ja nicht eitel Sonnenschein, aber im Vergleich zu dem Stand bei deiner FF Nr. III ist hier ja fast Urlaub angesagt. Wink
LG vom Katha-MAusi

Danke dir. Ja, aber im Gegensatz zu FF III weißt du ja bei dieser, wie es ausgeht ... Razz

meinst du, das liegt daran, dass ich es hier so erholsam finde.. crying
Das könnte natürlich sein... Hm, ... tut auf jedenfall gut verschiedenes zu lesen, was die Spannung der "neuen" Geschichte ja nicht schmälert bounce
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jul 26 2012, 17:44

katha schrieb:
Mini_2010 schrieb:
katha schrieb:
Hach meine Liebe, auch hier ist ja nicht eitel Sonnenschein, aber im Vergleich zu dem Stand bei deiner FF Nr. III ist hier ja fast Urlaub angesagt. Wink
LG vom Katha-MAusi

Danke dir. Ja, aber im Gegensatz zu FF III weißt du ja bei dieser, wie es ausgeht ... Razz

meinst du, das liegt daran, dass ich es hier so erholsam finde.. crying
Das könnte natürlich sein... Hm, ... tut auf jedenfall gut verschiedenes zu lesen, was die Spannung der "neuen" Geschichte ja nicht schmälert bounce

Keine Ahnung, aber auf jeden Fall war damals ja alles noch recht entspannt, wie ich selbst feststellen muss, wenn ich sie lese. Very Happy Finde ich auch gut, verschiedenes zu lesen. Gibt ja einige Kreativlinge hier. Wink

Aber alles zu seiner Zeit ... Rom ist schließlich auch nicht an einem Tag erbaut worden ... und ne alte Frau ist auch kein D-Zug Razz

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jul 26 2012, 20:07

Das ist wieder wundervoll geschrieben..einfach toll Smile bitte bald mehr davon Surprised
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Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"
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