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 Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"

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Mini_2010

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BeitragThema: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mi Jul 04 2012, 10:11

das Eingangsposting lautete :

Anna und Tom, beide in ihrer Vergangenheit gefangen, haben nach vielen Auf's und Ab's in einem eher unberechenbaren Verhältnis zueinander eine leidenschaftliche Nacht im Hotel verbracht. Das Erwachen am Morgen danach verläuft leider alles andere als romantisch. Und sowohl Anna als auch Tom müssen sich nach diesem Erlebnis die Frage stellen, ob sie bereit sind, die schmerzhafte Vergangenheit mit all ihren Dämonen hinter sich zu lassen, und einen Neuanfang zu wagen ... Aber, wie auch immer sie sich entscheiden mögen - Liebe findet ihren Weg ...


Teil 1

Das Türblatt wackelte bedrohlich, noch lange nachdem Tom es hinter sich zugeworfen hatte. Anna fixierte das Holz und versuchte zu begreifen, was soeben passiert war. Als die Erkenntnis, dass er sie soeben abserviert hatte, in ihrem Hirn angekommen war, brach sie unvermittelt in Tränen aus. Was sollte das jetzt? Hatte sie irgendetwas falsch gemacht? Der Stich in ihrem Herzen ließ sie sich zusammenkrümmen. Sie keuchte auf, versuchte, den Schmerz zu verdrängen und kämpfte einen neuen Schwall Tränen beiseite. Doch die Wucht der Emotionen war stärker. Laut schluchzend sank sie auf dem Bett zusammen und wünschte sich einmal mehr, sie wäre damals wirklich vom Dach gesprungen. Ihr Leben war schon kompliziert genug. Warum nur konnte es nicht einfach mal jenen berühmten Lichtstreif am Horizont geben? Warum nur war Tom manchmal der liebste Mensch der Welt, nur um dann zehn Minuten später wieder zu dem unausstehlichen Kotzbrocken zu mutieren? Er wechselte seine Stimmung schneller als ein Victoria Secrets Model die vorzuführende Unterwäsche auf einem Catwalk. Gott, wenn man sich sein Verhalten so verinnerlichte, bekam die Bezeichnung „Multiple Persönlichkeit“ eine ganz neue Bedeutung. Was soll’s, hier liegen zu bleiben und sich selbst zu bedauern, brachte sie auch nicht weiter … und spätestens wenn der Zimmerservice sie in ein paar Stunden fand, würde sie sich der Tatsache stellen müssen, dass hier nicht der geeignetste Ort war, sich vor der Welt zu verstecken. Also warum nicht gleich verschwinden. Und außerdem hatte sie noch etwas mit Tom zu besprechen. Sie verdiente zumindest eine Erklärung.

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Gedankenverloren starrte Tom durch die Windschutzscheibe seines Wagens und versuchte, der Flut seiner Erinnerungen an die vergangene Nacht Herr zu werden. Verdammt, da hatte er aber wahrlich Mist gebaut. Warum nur hatte er heute Morgen zu ihr gesagt, dass die Nacht zwar schön war, aber keine Bedeutung hatte, wenn er es doch eigentlich gar nicht so gemeint hatte? Warum war er nicht in der Lage, genau das auszusprechen, was in ihm vorging? Gestern in diesem Schwimmbad hatte es doch auch funktioniert. Klar, war es am Anfang unangenehm gewesen. Er hatte selten in seinem Leben geweint … und schon gar nicht vor einer Frau. Diese Art von Schwäche offen zu zeigen, hätte ihn normalerweise zutiefst verwirrt, aber bei Anna hatte er das Gefühl, dass er davor keine Scheu haben musste … dass sie ihn verstand. Sie hatte ihn aufgefangen, ihn festgehalten und dann … Er seufze, während er den Kopf gegen die Nackenstütze lehnte und an die Decke starrte. Er hatte es verbockt … wieder mal. Doch damit hätte er leben können. Womit er nicht leben konnte, war die Tatsache, dass er Anna offensichtlich ziemlich heftig vor den Kopf gestoßen hatte. Das wollte er nicht, aber als er heute Morgen neben ihr aufgewacht war – auch wenn er im Grunde kaum geschlafen hatte, weil ihn die Ereignisse derart aufgewühlt hatten, dass er keine Ruhe fand –, wusste er plötzlich nicht mehr, was richtig war und was nicht. Es hatte sich gut angefühlt, sie im Arm zu halten … irgendwie richtig. Doch dann war ihm Carla durch den Kopf gegeistert und sein Gewissen hatte sich gemeldet. Carla, die Frau, die an seiner Seite stand und das seit fast zwei Jahren. Die immer da war, wenn er jemanden brauchte. Sie ergänzten sich gut, mochten sich auf eine Weise, die weit über eine gewöhnliche Freundschaft hinausging … aber reichte es für … Liebe? Und dann war da Anna, die ihn verstand, wie es noch nie jemand getan hatte. Und sein Herz sehnte sich nach diesem Gefühl, mit diesem Schmerz nicht allein sein zu müssen. Ihre Worte berührten ihn, schenkten ihm Trost, so dass er anfing zu glauben, irgendwann in seinem Leben einen Punkt erreichen zu können, an dem er mit dem Verlust von Fanni abschließen konnte. Anna vermochte es … und sie war die Einzige. Was sie miteinander verband, war zu groß, um es als Freundschaft zu bezeichnen. Liebe? Er wusste es nicht. Sicher, da waren Gefühle … die er kannte, doch sie waren ihm in den Jahren fremd geworden.

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Zuletzt von Mini_2010 am Mi Jul 04 2012, 10:30 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Mini_2010

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jun 13 2013, 20:26

Neuer Lesestoff für euch. Viel Spaß ... LG, Mini Wink


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Teil 92

Tom hielt inne und schwieg einen Augenblick. Annas Herz schlug ihr bis zum Hals. Sie wandte den Blick ab, streckte die Hand nach der Klinke aus, um die Tür zu öffnen und abzuhauen. Sie wollte weg. Einfach nur weg. „Später waren Fanni und ich mit Caroline und ihrem Mann sehr eng befreundet. Wir haben viel gemeinsam unternommen.“, fuhr er fort. Ein trauriges Seufzen folgte, ehe er weitersprach. „Ich hab sie vor etwa zwei Jahren zum letzten Mal gesehen … Caroline hat Fannis Tod lange nicht akzeptieren können. Daran ist ihre Ehe zerbrochen …“ Bei diesen Worten keuchte Annas leise auf, während sie wie versteinert vor der geschlossenen Tür verharrte – die Hand noch immer an der Klinke – und seinen Worten lauschte. Ein Zittern lief durch ihren Körper als unvermittelt ihre eigenen Dämonen auf sie einzustürmen begannen, sie an ihren eigenen Verlust erinnerten. Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Tom war aufgestanden und hinter sie getreten. Behutsam legte er seine Hände auf ihre Schultern, die sich sichtbar verkrampft hatten. Ohne zu fragen, wusste er, was in ihr vorging. „Woher hast du das Bild, Anna?“, fragte er mit leiser Stimme, behutsam, fast so als befürchte er, er würde sie verschrecken. Einen Moment noch verharrte sie wie gelähmt, dann holte sie tief Luft. Sie wollte etwas sagen, aber ihre Stimme gehorchte ihr nicht. Ihre Gedanken fuhren Achterbahn, sie zitterte am ganzen Körper. Tom, dessen Unbehagen mit jeder Sekunde, die den Raum mit Schweigen erfüllte, weiter anschwoll, verharrte hinter ihr, unsicher, was er tun sollte. Doch dann legte er seine Hände an ihre Taille und schlang schließlich seine Arme um sie. Und als hätte Anna nur darauf gewartet, stieß sie ein leises Seufzen aus und entspannte sich augenblicklich. Tom, der sich daraufhin gleichsam entspannte, zog Anna an seine Brust und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren, sog ihren Geruch ein und schloss die Augen. Sekunden vergingen, in denen sie einfach nur in dieser Umarmung verharrten. „Caroline ist eine gute Freundin, mehr nicht … ganz egal, was früher einmal war.“, sagte er leise. „Aber was ich nicht verstehe, ist, was die Sache zwischen dir und …“ Anna wandte sich hastig zu ihm und sah ihn erschrocken an. Dann senkte sie den Blick und seufzte leise. „Ich hab das Foto vor zwei Tagen geschickt bekommen.“. flüsterte sie. Toms Augen weiteten sich, bevor sie sich genauso schnell wieder verengten. Anna räusperte sich verlegen, vermied es aber weiterhin, ihm in die Augen zu sehen. „Ich hatte Enrique im Verdacht, mir dieses Foto geschickt zu haben, damit … damit, na ja, … damit ich mich von dir fernhalte.“, murmelte sie beschämt. Tom runzelte die Stirn und verzog leicht das Gesicht. „Möglich, aber eher unwahrscheinlich.“, resümierte er knapp. Anna hob den Kopf und musterte ihn mürrisch. „Unwahrscheinlich? …“, brüskierte sie sich. „Meine Güte, Tom, ihr bekommt euch dauernd in die Haare … wegen mir.“, fügte sie säuerlich hinzu. Sein Blick wurde weicher, und Anna biss sich auf die Unterlippe, als sie eine Welle voller Scham überkam. „Ich hab mich mit ihm getroffen, um herauszufinden, ob er dahinter steckt.“, gestand sie schließlich.

Tom sah sie an und schüttelte unverständig den Kopf. „Warum bist du nicht gleich zu mir gekommen, Anna?“ Anna lachte gequält auf und sah ihm fest in die Augen. „Weil ich Angst hatte, dass wirklich mehr dahinter stecken könnte, als ich mir selbst Glauben machen wollte.“, gab sie widerstrebend zu. Tom nickte verstehend und lächelte versöhnlich. „Da brauchst du dir wirklich keine Sorgen machen. Es war einfach Zufall, dass Caroline an diesem Abend in genau demselben Restaurant war.“, versicherte er und musterte sie eindringlich. „Und … und zwischen dir und Enrique?“ Anna schüttelte den Kopf und lächelte schüchtern. „Für mich gibt es doch nur dich.“, flüsterte sie. Mit einem erleichterten Seufzen schloss Tom die Augen und zog Anna fest in seine Arme. „Du glaubst nicht, was mir für ein Stein vom Herzen fällt.“, wisperte er mit stockender Stimme. Eine Weile standen sie einfach nur da, hielten einander fest umschlungen, sagten nichts. Anna genoss seine Nähe und die schmerzlich vermisste Wärme seines Körpers, die den ihren in diesem Moment flutete. Dann hob sie den Kopf, sah in seine wunderschönen graublauen Augen. Ihr Blick war nachdenklich, und Tom wollte schon nachfragen, als sie ihm zuvorkam. „Die Frage ist nur, … wenn Enrique nicht dahinter steckt, wer ist es dann?“ Darüber hatte er sich auch schon Gedanken gemacht, und spätestens seit klar war, dass sein bester Freund ihm nicht in den Rücken gefallen war, hatte er fieberhaft alle Möglichkeiten durchforstet. Ahnungslos zuckte er die Schultern. „Ist dir aufgefallen, dass beide Nachrichten denselben Wortlaut haben? Und beide sind anonym versendet worden.“, sprach Anna genau die Gedanken, die ihm seit ein paar Minuten unaufhörlich im Kopf herumkreisten, laut aus. Tom nickte schweigend. „Offensichtlich kennt derjenige uns beide und scheint auch über unsere Beziehung Bescheid zu wissen.“, sagte Anna mehr zu sich selbst. Tom forschte in ihrem Gesicht und nickte wieder. „Klingt, als hättest du einen Verdacht?“, hakte er mit gerunzelter Stirn nach. Oh ja, den hab ich. Ich hatte schließlich genug Zeit gehabt, mir das Hirn zu zermartern, nachdem ich Enrique von meinem Verdacht freisprechen konnte. Anna holte tief Luft und stieß sie angespannt wieder aus, während sie sich aus Toms Umarmung wand. „Es ist doch ganz klar, dass irgendjemand nicht will, dass wir zwei zusammen sind. Und was das betrifft, gibt es für mich eigentlich nur noch eine Person, die hocherfreut wäre, wenn wir beide uns in die Haare kriegen.“ Ihre Stimme war mit jedem Wort leiser geworden, und Tom spürte ihre Verunsicherung, gleichsam wie die seine. Erwartungsvoll sah er sie an, ehe ihr Gesicht einen ernsten Ausdruck annahm und ein entschlossenes „Carla“ über ihre Lippen wich.

Tom blinzelte verblüfft, und für einen Moment war er versucht, sie für verrückt zu erklären. Doch dann dachte er einen Augenblick über ihre Vermutung nach … und schüttelte schließlich den Kopf, woraufhin sich ihre Stirn in Falten legte. Ihre Antwort erahnend, zog er sie erneut fest in seine Arme, vergrub sein Gesicht in ihrem Haar, während er sanft über ihren Rücken strich, sie besänftigte. „Das kann nicht sein. Carla weiß nicht, dass wir zusammen sind.“, meinte er. Bist du sicher? …, ging es Anna missmutig durch den Kopf. Ihr war durchaus klar, dass Tom das nicht sagte, weil er Carla verteidigen wollte, sondern weil es ihm fern lag, jemanden haltlos zu verdächtigen. Dennoch ärgerte es sie, gab er ihr doch das Gefühl, dass er sie auf irgendeine Weise in Schutz zu nehmen versuchte, und das nach allem was passiert war. „Und außerdem ist sie auf Mauritius. Wie sollte sie da die Fotos gemacht haben können?“, erinnerte er sie, ehe sie etwas erwidern konnte. Okay, das ist ein Argument, … aber Carla ist schließlich nicht blöd. „Vielleicht hat sie einen Komplizen … Oder sie hat einen Detektiv engagiert, der uns ausspionieren soll.“, konterte sie und taxierte ihn ernst. „Klar, vielleicht hat sie auch ihren Urlaub storniert und spioniert uns selbst nach.“, fügte er belustigt hinzu, woraufhin Anna ihn scharf ansah. Tom schluckte und strich ihr versöhnlich über die Wange. „Anna, meinst du nicht, dass du …“ „Nein Tom, ich bin realistisch, und auch wenn du es nicht sehen willst, Carla ist alles, aber nicht blöd, …“, fuhr sie ihn wütend an. „… und glaub mir, ich weiß, wozu sie fähig ist. Ich durfte ihre Bosheiten ja lange genug ertragen.“, schoss sie ihm vorwurfsvoll entgegen, bereute die Schärfe in ihrer Aussage aber gleich wieder, als sie Toms erschrockene Miene sah. Sie schluckte leicht und biss sich auf die Lippe. Trotzdem … „Du magst sie ja für harmlos halten, aber du vergisst, dass sie deine Ex-Freundin ist, … deine eifersüchtige Ex-Freundin, deren Posten ich jetzt habe, … ganz zu schweigen von ihrem … Ex-Freund.“, betonte Anna, schwer bemüht, nicht direkt an die Decke zu schnippen, weil Tom augenscheinlich das Offensichtliche nicht sah … oder nicht sehen wollte. „Aus meiner Sicht, sind das genügend Gründe, um uns ein bisschen zu hassen …“, fügte sie mit leicht spöttischem Unterton hinzu. Sie wusste, dass sie ihm Unrecht tat, aber es wurmte sie gewaltig, dass ihre verhasste Rivalin selbst dann zwischen ihnen zu stehen schien, wenn sie nicht mal auf demselben Kontinent weilte. Tom seufzte tief und sah sie mit jenem mahnenden Blick an, den er immer dann aufsetzte, wenn er ihr auf sanfte Weise klarmachen wollte, dass sie überreagierte. Aber Himmel noch mal, wie sollte man denn da nicht überreagieren? „Das mag ja sein, aber … das ist nicht Carlas Niveau.“, wandte er ein. Anna riss ungläubig die Augen auf und starrte ihn mit offenem Mund völlig perplex an. Nicht ihr Niveau? Du scheinst Null Vorstellungen von ihrem ‚Niveau’ zu haben. Meine Güte, bist du wirklich so blind oder tust du nur so … Mach doch mal die Augen auf … „Und sicherlich hat sie mir an dem Abend nach ihrem Rausschmiss auch nichts ins Glas gekippt.“, warf Anna, die langsam in Fahrt kam, ein und neigte herausfordernd den Kopf. Tom betrachtete sie schweigend … mit ratlosem Blick. „Und wenn es nicht Carla war, wer sollte es dann gewesen sein? Jemand aus der Firma? Und wenn ja, wer von unseren Kollegen sollte denn ein echtes Interesse daran haben, uns auseinanderbringen zu wollen?“, fuhr sie unbeirrt in ihrer Argumentation fort. Tom dachte einen Moment über ihre Worte nach. Dass Carla hartnäckig war, konnte er nicht leugnen, aber er hatte sich von ihr getrennt, ihr klargemacht, dass ihre Beziehung keine Zukunft haben würde. „Das wird dir noch leidtun, Tom.“, schoss ihm Carlas Drohung von vor ein paar Tagen unvermittelt durch den Kopf, als er sich an ihren wütenden Abgang erinnerte. Und wenn Anna doch Recht hat …, meldete sich sein Unterbewusstsein leise zu Wort. Langsam schüttelte er den Kopf und sah Anna niedergeschlagen an. „Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich ab jetzt noch mehr Angst haben werde, dich zu verlieren.“

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Jun 13 2013, 22:03

Hey Mini,
es ist so schön, dass Anna und Tom endlich reden. Seufz
Aber dass Tom Annas Vermutung so einfach vom Tisch wischt, macht mich unglaublich wütend. In dem Fall kann ich Annas Zorn total gut verstehen. Tom muss doch langsam gerafft haben, was Carla für eine Person ist. Twisted Evil
Aber das wichtigste ist, dass Anna und Tom wieder miteinander reden. Smile

LG, Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Jun 25 2013, 15:51

Neuer Lesestoff für euch ... LG, Mini write

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Teil 93


Den ganzen letzten Abend hatte Tom damit zugebracht, über diese seltsamen Nachrichten nachzudenken und über Annas unwiderlegbare Argumente. Aber wie er es auch drehte und wendete, er konnte nicht leugnen, dass an Annas Vermutungen etwas dran war. Und als sein Kopf ihm schließlich die wildesten Szenarien präsentiert hatte und ihn in den sicheren Wahnsinn zu schubsen drohte, hatte er seinen alten Freund bei der Polizei kontaktiert, um mehr über die Umstände dieser ominösen Fotos herauszubekommen. Er hatte versprochen, sich bei ihm zu melden. Eine weniger befriedigende Aussage, die Tom nichts anderes übrig ließ, als geduldig zu warten – was ihm wahrlich schwerfiel –  und zu hoffen, dass sein Freund etwas herausbekommen würde. Und das bevor Anna in einen Verfolgungswahn verfiel, der sie möglicherweise zu unkalkulierbaren Dummheiten verführte. Ganz zu schweigen davon, die eigene Rationalität zu verlieren. Nein, Carla konnte nicht hinter dieser Aktion stecken, sie war doch gar nicht in Berlin. Mach dir nichts vor, Carla war schon immer einfallsreich gewesen, wenn es darum ging, ihre Ziele zu erreichen …, erinnerte eine leise Stimme in ihm. „Ja klar … Aber das ist doch Quatsch, Carla würde sich doch niemals Mauritius entgehen lassen.“, murmelte er leise vor sich hin. Er kannte Carla, wusste um den Luxus, den sie an seiner Seite stets bereitwillig angenommen hatte. Und ein Urlaub auf Mauritius gehörte zweifelsfrei dazu. Warum also soll sie sich so etwas entgehen lassen …, versuchte er, seine innere Aufruhr zu beruhigen. Und wenn Anna Recht hat und Carla einen anderen Weg gefunden hat, eurer Beziehung zu schaden? …, meldete sich erneut die leise Stimme in ihm zu Wort. Seufzend stieß Tom die Luft aus und rieb sich mit der Hand über das Gesicht. Er war müde, hatte er letzte Nacht doch kaum geschlafen, weil ihn diese Geschichte einfach nicht losließ. Himmel, das sind doch alles reine Spekulationen. Sein Blick glitt durch die Glaswand und traf auf Anna, die vollkommen in ihre Arbeit vertieft war. Ein Anblick, der seine aufgewühlten Nerven sogleich ein wenig beruhigte. Er lächelte und seufzte wehmütig, als er an die letzten beiden Nächte zurückdachte, in denen er sich ruhelos in seinem Bett herumgewälzt und sich den Kopf darüber zerbrochen hatte, was er falsch gemacht hatte … Der Gedanke an diese verlorene Zeit schmerzte. Aber noch mehr die Tatsache, dass Anna offensichtlich noch immer nicht genügend Vertrauen zu ihm hatte. Wenn er nur wüsste, wie er sie von seiner Aufrichtigkeit überzeugen könnte. Eine Weile betrachtete er die zierliche Blondine in ihrer Versunkenheit, beobachtete ihr Mienenspiel, als sie ihr Werk kritisch beäugte, den strengen Zug um ihren Mund und wie sie die Brauen zusammenzog, weil sie mit dem Ergebnis mal wieder nicht zufrieden war. Sie ist so ganz anders als Carla …, dachte er bei sich. Ja, Carla hatte jeden Entwurf für eine Perfektion gehalten, anstatt ihre Arbeit selbstkritisch zu betrachten. Das war der Unterschied zwischen den beiden Frauen. Carla war perfekt in ihrer Arbeit, zweifellos, aber ihr fehlte das Herz und der Blick für das, was eine Kreation in ihrem Kern wirklich ausmachte. Ihr das Besondere und Einzigartige verlieh. Ganz im Gegensatz zu Anna, die ihr Herz direkt aufs Papier zauberte, ohne sich an gestalterischen Perfektionismus zu klammern. Aus ihren Entwürfen sprachen ihre Gedanken und Gefühle, sie erzählten eine Geschichte, waren lebendig, … offenbarten ihre Seele. Anna war perfekt, ohne perfekt zu sein. Genau das was Bruno schätzte … Ich liebe dich …, sagte er in Gedanken und schickte seine Worte durch die Glaswand, ehe er seinen Blick zurück auf seinen Schreibtisch zwang. Ein gequältes Stöhnen wich über Toms Lippen als er auf den Berg Arbeit schaute, der noch immer geduldig auf seine geschätzte Aufmerksamkeit wartete. Eigentlich eine perfekte Möglichkeit, das Thema „Carla“ zu verdrängen, genauso wie die weniger ehrenhaften Gedanken an Anna, die nur einen Steinwurf entfernt jenseits der Glaswand saß. Vielleicht solltest er sie heute Abend zum Essen ausführen und ihr anschließend zeigen, dass sich an seinen Gefühlen für sie nichts geändert hatte. Gute Idee …

Tom war gedanklich gerade vollumfänglich mit der Planung des Dates beschäftigt, als ohne Vorankündigung die Tür zu seinem Büro aufgerissen und er reichlich unsanft aus seinen Überlegungen geholt wurde. Erschrocken sah Tom auf. Bruno, wer sonst. Er bedachte seinen Vater mit einem mürrischen Blick, die schroffe Bemerkung über dessen ungebührliches Eindringen schon auf der Zunge, als dieser selbige mit einer lässigen Handbewegung ungerührt abwürgte. „Ich muss dringend mit dir über Mailand sprechen.“, kam er ohne Umschweife auf den Punkt. Aha … jetzt? Tom hob die Brauen und wartete, während Bruno sich ihm gegenüber setzte und ihn einen Moment lang schweigend ansah. Nun spuck’s schon aus … „Ich weiß, du willst mit Anna nach Mailand.“, begann er schließlich. Tom nickte langsam. Dann seufzte Bruno sichtlich niedergeschlagen auf und bedachte seinen Sohn mit einem bekümmerten Blick. „Tut mir leid, Tom … ich fürchte, Anna muss allein fliegen. Ich brauche dich hier.“ Der riss überrascht die Augen auf. „Wieso das denn?“ Bruno räusperte sich vernehmlich. „Du weißt doch, dass VIP-Fashion sich angekündigt hat, oder hat Vegaz dir nichts gesagt?“ Tom nickte. „Doch, doch, natürlich ... Aber du wolltest den Termin übernehmen.“, erinnerte er seinen Vater. „Ja, wollte ich.“, bestätigte der Kreativchef und strich sich zerknirscht über den Kopf. „Aber heute Morgen hat sich dann Haokan überraschend bei uns gemeldet. Sie wollen mit uns über eine weitere Kollektion sprechen … und der Termin ist in drei Tagen …“ Bruno rieb sich über das Gesicht und stieß angespannt die Luft aus. Eine Geste, die so gar nicht zu seinem Vater passte, war dieser doch stets die Gelassenheit in Person, selbst dann wenn das Chaos in Begleitung von Hektik schon energisch an die Tür hämmerte. „Wenn wir den Termin nicht wahrnehmen, suchen sie sich einen anderen Partner.“, fügte er ernst hinzu. Tom, der gedanklich immer noch bei dem Teil festhing, in dem sein Vater ihm sagte, dass Anna ohne ihn nach Mailand fliegen müsse, zog die Brauen hoch und sah seinen Vater an, als würde er gerade chinesisch sprechen. „Hast du mich verstanden?“, fragte Bruno mit einem amüsierten Grinsen nach. „Anna – Mailand … Du – hierbleiben …“, wiederholte er auf eine Weise, als hätte er einen Fünfjährigen vor sich, der ein bisschen weich in der Birne war. Nur langsam kämpfte Tom sich aus dem Dickicht dieser Worte und sah seinen Vater mit einer Mischung aus Unglauben und Verärgerung über dessen kindliche Behandlung an, als er schließlich begriff. „Es geht nicht anders … Du musst für mich den VIP-Fashion Termin übernehmen.“, fügte Bruno hinzu, ehe Tom etwas zu seiner Verteidigung sagen konnte. „Ich hab Haokan den Termin bereits zugesagt ...“ Tom öffnete den Mund, sortierte die Worte, die er hervorzubringen gedachte, als Bruno ihn abermals unterbrach. „Anna hat gute Arbeit geleistet.“, sagte er mit einem anerkennenden Lächeln.

Tom starrte ihn an und schüttelte verwirrt den Kopf. „Moment mal … WAS hast du gerade gesagt?“ Ganz langsam breitete sich über Brunos Gesicht ein schelmisches Grinsen. Toms geistige Abwesendheit war dem sensiblen Gespür des Kreativchefs natürlich nicht entgangen. Und Tom so desorientiert zu sehen, war gleichsam amüsant wie befreiend. „Haokan und VIP-Fashion haben ihre Gespräche zur selben Zeit, wenn wir in Mailand laufen. Beate Kreis, die Vertreterin von Haokan, hat heute Morgen angerufen und sie kann uns – zu ihrem Bedauern – nur diesen Termin anbieten.“, fasste Bruno seine Ausführungen noch einmal für seinen Sohn zusammen. Tom nickte und stöhnte gequält auf. Dieses Mal war die Information bei ihm angekommen. Gott, kann ein Tag noch beschissener beginnen …? Obwohl das eine sehr gute Nachricht war, konnte er sich nicht wirklich darüber freuen. Anna würde ohne ihn nach Mailand fliegen müssen, gerade jetzt, wo sie offensichtlich in einer kleinen Krise steckten. Für zwei Tage wäre sie weg. Doch das war nicht das eigentlich Unerfreuliche. Viel ärgerlicher war, dass Enrique mit ihr fliegen würde … ohne ihn. Und er traute Enrique – was Anna betraf – nicht wirklich über den Weg, trotz ihrer Überzeugung, dass Enrique nur ein guter Freund für sie war. „Du weißt, dass ich anschließend in Paris bei André bin. Ich kann unmöglich beide Termine wahrnehmen.“, erklärte Bruno und wedelte mit der Hand vor Toms Gesicht herum, als er bemerkte, dass dieser sich geistig schon wieder auf Abwegen befand. Erschrocken zuckte der Lanford-Junior zurück und starrte seinen Vater mit weit aufgerissenen Augen an. Nur mit Mühe vermochte Bruno, sich ein Lachen zu verkneifen. „Ist das ein Problem?“, fragte er und legte vielsagend den Kopf schief. Natürlich ist das ein Problem. Der Kerl ist scharf auf meine Anna …, dachte Tom und sah seinen Vater unwillig an. Doch das würde er seinem alten Herrn selbstverständlich nicht auf die Nase binden. Immerhin war er der Geschäftsführer, und seine persönlichen Belange hatten hinten an zu stehen. Leider. Entschlossen, sein Gesicht nicht gänzlich zu verlieren und den letzten Rest seiner sonst fast schon mustergültigen Professionalität aufrecht zu erhalten, räusperte er sich und straffte die Schultern. „Nein, natürlich nicht.“ Wirklich sehr überzeugend, Tom. Sein Blick glitt durch die Glaswand und traf auf Enrique, der schon wieder auf Annas Schreibtisch hockte wie ein beschissener Dekoartikel … Wie eine Plage. Hat er nichts Besseres zu tun, als ständig um Anna herumzustiefeln? Bruno lächelte und folgte seinem Blick. „Du wirst Anna doch wohl für eine Nacht entbehren können.“, meinte er sanft. Das ist nicht das Problem. Tom stieß gequält die Luft aus und schüttelte den Kopf, während sich sein Blick sich nun auf Enrique heftete. Und was dich betrifft, mein Freund, für dich werde ich auch noch eine Lösung finden …

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Jun 25 2013, 22:08

Hallo meine Liebe,
na hoffentlich ereilt  Tom wirklich langsam die Einsicht. Seine Skepsis Annas Einschätzung gegenüber ist ja nach wie vor zum Schreiben. :evil:Na gut, wenn man wirklich nett sein wollte, könnte man das wohl damit entschuldigen, dass er Carla ja jahrelang mehr oder weniger vertraut hat ... aber will man das?schmoll Ne, will man nicht No
Aber süß ist er ja, als er von Bruno erfährt, dass er nicht mit nach Mailand fliegen kann :brav:Armes Hascherl, er könnte mir fast leid tun, wenn ich nicht wüsste ... Na ja, lassen wir das.
Bis bald!
Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Jul 09 2013, 16:32

Neuer Lesestoff im Anflug ... LG, Mini Wink 

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Teil 94

Als David von seiner mehrtätigen Geschäftsreise nach Carlas abendlichen Überraschungsbesuchs in seinem Büro ankam, hatte er das Gefühl, eine Weltreise hinter sich zu haben, anstatt eines Vier-Tage-Trips über den großen Teich. Und nicht nur der Jetlag hing ihm in den Knochen. Auch die penetrante Unfähigkeit des Flughafenpersonals und der desolate Stand der Technik, der sich immer mehr in Richtung Steinzeit zu bewegen schien, hatten in dieser kurzen Zeit seine ganz persönliche Zumutbarkeitsgrenze, von der er immer glaubte, sie sei hoch genug, dass sie niemals erreichbar wäre, überschritten. Es hätte nicht viel gefehlt und er wäre mindestens einem der Bilderbuch-Beamten an den Hals gegangen. Schwerfällig ließ er sich in seinen Stuhl sinken und dekorierte seine Beine so auf dem Tisch, dass das darauf geordnete Chaos davon unberührt blieb. Auf dem Weg in sein Büro hatte er über Steffi einige Personalakten unter einem fadenscheinigen Vorwand anfordern lassen. Eigentlich wollte er nur Carlas Akte haben, aber es sollte schließlich nicht auffallen, dass er es allein auf ihre abgesehen hatte. Normalerweise würde er sich selbst in die Personalabteilung begeben und seinen Wunsch mit einem übertrieben gestelzten Lächeln, was zumindest im Ansatz als freundlich durchgehen konnte, äußern, um zu bekommen, was er wollte. Aber heute war ihm selbst der Blick aus seinem Fenster zuviel. Wirklich deprimierend, wenn man nichts anderes sah als die triste nassgraue Masse, die für einen Apriltag in Berlin Standard war.

Es klopfte. „Herein“, sagte er in geschäftsmäßigem Ton, schwang die Beine vom Tisch und nahm eine anwaltsgerechte Haltung an. Die Tür ging auf und eine junge Frau trat ein. David taxierte sie kurz, … blond, etwa eins siebzig, schlank und höchstens zweiundzwanzig. Neue Praktikantin? Er lächelte und sie lächelte zurück. Dabei nahm ihr Gesicht einen zarten Rosaton an. Hübsch. Davids Lächeln wurde breiter, während sie wie ein scheues Reh, das instinktiv fühlte, eine Gefahrenzone betreten zu haben, die Unterlagen auf seinem Tisch ablegte. Und als repräsentiere er unübersehbar gleichzeitig die rechte und die linke Hand des Teufels, verschwand sie mit einem gemurmelten „Tschüss“, bevor er auch nur seinen Dank aussprechen konnte. Schade. Aber es war besser so. Dass sein Charisma seine Wirkung selten verfehlte, war ein Vorteil, den David sich gern zunutze machte … eines der vielen Geheimnisse seines Erfolges. Ein anderes war konsequente Disziplin … David gab immer hundertzwanzig Prozent … manchmal auch hundertfünfzig … und wenn es nötig war, konnten auch illegale Mittel die Stufe der Legalität erklimmen. Er schüttelte amüsiert den Kopf, ehe seine Gedanken wieder zu Carla drifteten. Sie war nun schon beinahe eine Woche weg, … gut so. Die kleine Diva war manchmal wirklich zu unbeherrscht … Und am Ende durfte er wieder die Kacke von der Wand kratzen, bevor sie sichtbare Spuren hinterließ. Manchmal fragte er sich ernsthaft, ob sie ihren Kopf noch zu etwas anderem gebrauchte, als Frisur und Make-up spazieren zu tragen. Carla glich in ihrem Wesen einem Aktienkurs – man gab sich die beste Mühe, seine Richtung vorherzusehen und erlebte am Ende doch eine böse Überraschung. Insgesamt war es also für alle Seiten derzeit das Beste, wenn Carla ihr hübsches Gesicht für ein paar Wochen im Hause nicht zur Schau trug.

Es war unbestreitbar, dass die kühle Brünette es ihm angetan hatte, seit er ihr in dieser Firma zum ersten Mal über den Weg gelaufen war. Auch wenn sie manchmal stressiger war als ein Kleinkind, was glaubte, alles zu bekommen, wenn es nur lange und ausdauernd genug brüllte, so verfügte sie doch auch über Vorzüge, die er an einer Frau besonders schätzte. Und dazu gehörte nicht nur die Tatsache, dass sie unbestreitbar ehrgeizig, intelligent und sexy war. Sie war gleichsam erfolgsverwöhnt wie er und verfügte ebenso zweifelsfrei über das richtige Maß an Skrupellosigkeit und Machtgier … zwei Dinge, die er selbst an sich so sehr schätzte. Sie würden perfekt zusammen passen, und dieses hübsche kleine Arrangement, was sie einvernehmlich getroffen hatten, war für David etwas, was man beinahe eine Teilzeitromanze nennen könnte. Und was das anging, hoffte er, dass Carla nicht unter demselben genetischen Defekt litt, der viele Frauen nach einem Tritt in den Allerwertesten dazu veranlasst, zum Stalker zu mutieren. Diese Erfahrung hatte er bereits machen müssen, als er die Frau, die ihm sehr am Herzen lag, verloren hatte, weil sie dem krankhaften Wahn verfallen war, einem Mann gehören zu wollen, der sie nicht verdiente und am Ende auch gar nicht mehr wollte. Wirklich nicht schön. Dass das Schicksal allerdings noch einmal in die Verlegenheit kommen könnte, ihn mit einer Frau zu konfrontieren, für die er echte Gefühle hegen könnte, hätte er nach allem, was er mit Annett erlebt hatte, nicht für möglich gehalten. Doch solange Carla sich Tom nicht aus dem Kopf schlug, würde er nie näher an sie herankommen, als es ihr süßes Arrangement zuließ. Und um die Sache ein wenig zu seinem Vorteil zu beschleunigen, würde er einen Teufel tun, irgendwas gegen das Techtelmechtel zwischen Tom und Anna zu veranlassen. Sollen die beiden doch in die Kiste hüpfen, … je öfter, desto besser … denn das damit einhergehende Hormonchaos würde zu genau der zeitweiligen Nachlässigkeit führen, die David sehr begrüßte. Und für den Fall, dass Carla mit spontan krankhafter Eifersucht seine sauber strukturierten Pläne störte, hätte er auch schon ein probates Mittel parat. Zufrieden lächelnd lehnte David sich in seinem Bürostuhl zurück. Wenn er eines in seinem Leben gelernt hatte, dann, dass Erfolg Geduld brauchte, und dass man manchmal auch Umwege in Kauf nehmen musste.

Sein Blick fiel wieder auf Carlas Akte, die vor ihm auf dem Tisch lag. Mit einem gezielten Griff fischte er ihren Arbeitsvertrag heraus und begann, ihn mit fachkundigem Blick zu prüfen. Es dauerte nicht lange und er hatte eine äußerst interessante Klausel gefunden. Er lachte ein leises boshaftes Lachen und schüttelte amüsiert den Kopf. Was manche Arbeitgeber so alles versprechen, um jemanden in der Firma zu halten … David schnalzte selbstgefällig mit der Zunge. Das wird Tom und Bruno das Genick brechen … zumindest was Carlas Kündigung betrifft. Die Tatsache allein, dass aktuell drei Kollektionen ins Haus standen, und das mit einer ziemlich straffen Deadline – zumindest, wenn man nur eine Designerin hatte, die dazu noch mittelmäßig qualifiziert war – setzte Lanford schon zielsicher die Pistole auf die Brust, ohne dass David mit irgendwelchen dubiosen Mitteln nachhelfen müsste. Wenn Lanford die Aufträge nicht verlieren will, sind sie schon allein deshalb zu einer Rücknahme der Kündigung gezwungen …, dachte er zufrieden. Denn eine Alternative für Carla zu finden, käme der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen gleich … Und unter Zeitdruck wäre das nahezu utopisch. Professionelle Designerinnen schießen ja leider noch nicht wie Schneeglöckchen aus dem Boden. Gut so … Obgleich er leidenschaftlich gern seine Finger im Spiel hatte und die Geschicke aktiv zu seinen Gunsten lenkte, empfand er es als überaus befriedigend, wenn sich zur Abwechslung einmal die Probleme ganz von selbst lösten. Zufrieden legte er die Personalakte wieder zu den anderen, die er überflüssigerweise hatte bringen lassen. Er würde die scheue Praktikantin beauftragen, sie wieder in die Aktenschränke einzusortieren.

Dann öffnete er seinen Laptop und machte sich über den Vertragsentwurf mit VIP-Fashion her, um dessen Aufsetzung Tom ihn vor seiner Abreise gebeten hatte. Ein neuer lukrativer Kunde für Lanford. Ein Geschäft im sechsstelligen Bereich … vielleicht sogar siebenstellig. Ganz zu schweigen von der Imageaufbesserung, die mit diesem Geschäft einhergehen würde. In ein paar Tagen würden sie die Verhandlungen führen. David kannte das Unternehmen gut, insbesondere seine ganz speziellen Prinzipien. Und diese sich geschickt zunutze gemacht … David lächelte diabolisch. Dann wollen wir mal hoffen, dass da nichts schiefgeht, Bruno. Einen Auftrag mitten in der Entwicklung … oder schlimmer noch, kurz vor der Vermarktung einer Kollektion zu verlieren, wäre auch für Lanford ein echtes Desaster. Sein Lächeln wurde breiter. Tja, wenn man die Geschäfte ohne Hürden führen wollte, dann durfte man nicht den Fehler machen und sich einen David Darcy ins Boot holen, der mit der Obrigkeit des Hauses noch eine Rechnung offen hatte. David lachte laut und lehnte sich entspannt in seinem Bürostuhl zurück. Wenn Bruno und Tom glaubten, er würde allein im Interesse von Lanford handeln, dann waren sie entweder zu vertrauensselig oder einfach nur blind. Sein lautes Lachen hallte an den Wänden seines Büros wider. Er versuchte, sich Toms Gesichtsausdruck vorzustellen, wenn er ihn darauf hinwies, dass Carlas Kündigung gewisse … folgenreiche … Konsequenzen nach sich ziehen würde, … und Brunos bühnenreifen Auftritt eines leidenden Ungläubigen, wenn David seine Trumpfkarte zog. Ja, sie würden alle ihr blaues Wunder erleben. Aber das alles hatte noch ein wenig Zeit …

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Jul 09 2013, 19:21

Ach ja, ich erinnere mich. Da gab es ja noch mehr Hauptakteuer in diesem Stück. Ich muss ja gestehen, dass ich auf diese gut und gerne verzichten könnte. Aber gut, ohne sie wäre die Geschichte vermutlich ziemlich schnell erzählt ...
Trotzdem freue ich mich, wenn Anna und Tom wieder auftauchen Smile 
LG,
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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Aug 01 2013, 13:04

Neuer Lesestoff für euch ... Very Happy 

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Teil 95

Anna prüfte gerade kritisch die Entwürfe der neuen Winterkollektion, die sie später Tom und Bruno präsentieren sollte, als plötzlich ein Schatten über ihren Schreibtisch fiel. Erschrocken sah sie auf, dann stieß sie erleichtert die Luft aus. „Du bist es, Paloma.“ Die Brünette lächelte. „Ich hab dich gestern gar nicht mehr gesehen. Was war denn los?“, fragte sie mit sanfter Stimme und ließ sich auf die Schreibtischkante sinken. Anna lächelte matt als sie sich daran erinnerte. „Ich hatte ein längeres Gespräch mit Tom.“ Paloma hob die Brauen. „Aha … Und?“ Der neugierige Unterton in ihrer Stimme verlangte geradezu nach einer ausführlichen Schilderung sämtlicher Einzelheiten. Anna schüttelte seufzend den Kopf. „Ich hätte gleich auf dich hören sollen, Paloma.“, gab sie leicht zerknirscht zu. Die brünette Spanierin sah sie an und bemühte sich sichtlich, das, was unausgesprochen zwischen ihnen schwebte, unausgesprochen zu lassen. „Dann ist jetzt also alles wieder in Ordnung?“ Anna zuckte die Schultern. „Schätze schon …“ „Na ja, dein Kopf sitzt zumindest noch da wo er hingehört ...“, grinste Paloma und schickte einen kurzen Blick durch die Glaswand in das Büro des Junior-Chefs. „Und Tom sieht heute auch schon wesentlich entspannter aus …“ konstatierte sie kurz und treffend und lächelte herausfordernd. Anna schüttelte den Kopf und konnte nicht anders, als zurück zu lächeln, während sie Palomas Blick folgte und ihre Wangen sich prompt röteten. Sie räusperte sich und wandte den Blick ab, vermied es, Paloma in die Augen zu sehen und starrte stattdessen angestrengt auf die Zeichnungen, die vor ihr lagen. „Wir haben uns ausgesprochen ... und …“ „Versöhnt?“, grinste Paloma. Anna sah auf und schenkte Paloma einen mahnenden Blick. „Ich habe bei mir übernachtet und er bei sich … falls du darauf hinauswillst.“, gab sie unmissverständlich zu verstehen. Paloma zucke ungerührt die Schultern. „Für eine Versöhnung gibt es keinen fest definierten Ort.“, bemerkte sie auf eine Weise, als assoziiere sie Annas Aussage mit dem Liebesleben zweier Regenwürmer, die sich nach einer langen Dürreperiode einvernehmlich irgendwo in feuchter Prärie trafen. Anna holte tief Luft und versuchte, nicht zu ertappt zu wirken. Musste ja wirklich keiner wissen, dass Tom und sie gestern nach der Arbeit im Stofflager wie zwei hungrige Raubtiere übereinander hergefallen waren. Es war ja nicht so, als hätten sie sich dazu verabredet. Es war purer Zufall gewesen … eine völlig zufällige Begegnung im Stofflager, als sie Stoffe für die Entwürfe der Winterkollektion ausgesucht hatte. Und dann … dann war es eben einfach … passiert. Er hatte sie ohne große Worte hinter die Regale gezerrt und ihr die Klamotten vom Leib gerissen. Dass dabei ihr Lieblings-T-Shirt erheblichen Schaden genommen hatte, hatte Anna erst zu Hause bemerkt. Himmel, war das heftig gewesen.

Anna verkniff sich angestrengt ein Grinsen, als die Erinnerung an ihr kleines ungeplantes Stelldichein zu intime Bilder in ihre Frontallappen zauberte. „Wie dem auch sei, die Frau auf dem Foto ist eine gemeinsame Freundin von Tom und seiner verstorbenen Frau. Sie kennen sich schon seit Jahren.“, schwenkte sie behutsam zurück auf das eigentliche Thema. Paloma sah Anna an, als wolle sie ihr sagen … hab ich dir doch gleich gesagt, dass das Bild harmlos ist, finde es aber trotzdem blöd, dass du mit diesem Quatsch jetzt vom Thema ablenkst und mir die wichtigen Details vorenthältst. „Und Tom war früher mal mit ihr zusammen.“, fügte Anna eilig hinzu, vorrangig wohl, um von den Details abzulenken, auf die es Paloma offensichtlich abgesehen hatte. Die Brünette zuckte die Schultern. „Und? Kommt in den besten Familien vor … Und wenn es weit vor deiner Zeit war, ist es eh uninteressant.“ Anna sah ihre Freundin sichtlich verblüfft an und nahm sich fest vor, sie bei Gelegenheit zu fragen, wie die Pillen heißen, die sie offenbar nahm, um so gelassen zu wirken. Dann schüttelte sie den Kopf und stieß angespannt die Luft aus, verdrängte entschieden die schamlosen Bilder des Stofflagerabenteuers, die ihre Hirnwindungen erneut einzunehmen versuchten, und lenkte ihre Gedanken zurück auf die beunruhigenden Details dieser Geschichte. „Aber viel kurioser war, dass mich und Enrique irgendjemand fotografiert hat, als wir zusammen in der Else waren … Und dieses Foto hat dieser Jemand dann Tom geschickt.“ Paloma formte ihren Mund zu einem stummen „Autsch“, ehe sie irritiert die Stirn runzelte und Anna nachdenklich ansah. „Noch ein mysteriöses Foto?“, resümierte sie. „Mhmm ... scheint so, als wolle euch jemand gegeneinander ausspielen.“ Anna seufzte leise auf. „Ja, genau das habe ich Tom auch gesagt. Und als ich von meinem Verdacht, dass Carla dahinter stecken könnte, erzählt habe, hat er nur gelacht.“, fuhr sie unbeirrt fort und dankte dem Umstand, dass diese Information ihre Freundin von weiteren Nachfragen ablenkte, die auf das Geheimnis ihrer Versöhnung mit Tom abzielten. „Wie bitte?“ Paloma schien sichtlich verwirrt, fast schon empört über die Verharmlosung dieser Möglichkeit. „Na ja, sie ist auf Mauritius, wie sollte sie da auch die Fotos schießen?“ Anna verdrehte theatralisch die Augen, um ihrer Missbilligung gegenüber Toms Bagatellisierung genügend Ausdruck zu verleihen.

Paloma verzog verständnislos das Gesicht „Wozu gibt es denn Detektive?“, sprudelte es auf eine Weise aus ihr heraus, als läge diese Möglichkeit doch ganz klar auf der Hand. Anna sah Paloma an und lächelte ironisch. „Meine Rede … aber sag das mal Tom. Er hält meine Vermutungen für … Fantasie.“, bemerkte sie mit einem genervten Augenrollen. Mitfühlend strich Paloma über Annas Arm. „Und was wollt ihr jetzt tun?“, fragte sie sanft. Anna zuckte wieder die Schultern. „Tom hat mir gesagt, dass er die Fotos einem Freund bei der Polizei gemailt hat.“ Paloma hob die Brauen und schüttelte ungläubig den Kopf. „Na ja, im Grunde könnte jeder dahinter stecken, der uns beide kennt und weiß, dass wir zusammen sind … oder es zumindest vermutet.“, fügte Anna beunruhigt hinzu und ließ automatisch den Blick durch das Büro schweifen. Paloma folgte ihrem Beispiel und beugte sich näher zu ihr. „Tja, da kommt aber so ziemlich jeder bei Lanford in Frage … Die eigentliche Frage ist doch vielmehr, wer hätte ein Interesse daran, sich zwischen euch zu stellen?“ Anna nickte zustimmend und Paloma seufzte tief. „Wo wir wieder bei Carla wären …“ „… die auf Mauritius ist.“, erinnerte Anna. „Mhmm … also kommt doch nur noch ein Detektiv in Frage.“ „Oder ein Komplize …“ Anna lachte und hob ergeben die Hände. „Okay, vielleicht bekommt Toms Freund ja etwas raus.“, seufzte sie hoffnungsvoll. Paloma nickte, und Anna erhob sich, während sie ihre Entwürfe sorgfältig zusammenlegte und in eine graue Mappe packte. Dann sah sie ihre Freundin entschuldigend an. „Sei mir nicht böse, Paloma … Ich muss zu Bruno und Tom. Drück mir die Daumen, dass die Entwürfe in Ordnung sind. Ich hab echt keinen Bock auf noch eine Nachtschicht.“, stöhnte sie. Obwohl Nachtschichten auch wirklich aufregend sein können ..., dachte sie und grinste verstohlen in sich hinein. Paloma lächelte und hob die Daumen. „Toi, toi, toi ...“, flüsterte sie und zwinkerte ihr aufmunternd zu, ehe Anna mit einem leicht mulmigen Gefühl, was nicht zuletzt dieser verfahrenen Carla-Situation geschuldet war, in Toms Büro stiefelte, wo Bruno und er schon auf sie warteten.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Aug 01 2013, 23:03

Ich sag ja immer miteinander reden hilft.Wieder mal ein toller Teil:super: Alles liebe Carla

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Aug 10 2013, 21:33

Meine Güte, heute flutscht es mal wieder, wie sonst kaum. Auch hier gibts neuen Lesestoff ... Viel Spaß ... LG, Mini write 

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Teil 96

„Super Arbeit, Anna.“, lobte Bruno, als sie nach einer guten Stunde die Entwürfe endlich alle begutachtet hatten. „Ihr kreativer Geist ist eine wahre Wohltat für mein sensibles Gemüt.“, seufzte er und brachte Anna einmal mehr in Verlegenheit. Unsicher schielte sie zu Tom, der wie ein nachlässiger König in seinem Stuhl lehnte und grinste, als hätte er soeben die Welt erobert. „Korrigieren Sie noch die Kleinigkeiten, die wir besprochen haben und zeichnen Sie die Entwürfe dann ins Reine. Anschließend geben Sie sie für die Musterkollektion in den Schnitt.“ Anna nickte, und Bruno erhob sich. Ohne Vorwarnung ergriff er ihre Hand und hauchte ihr einen Handkuss darauf. Dann lächelte er ihr auf seine gewohnt charmante Weise zu und verschwand aus dem Büro. Das war ja mal eine schnelle Entscheidung ..., ging es Anna, die ihm verdutzt nachsah, durch den Kopf und erhob sich ebenfalls, um wieder zu ihrem Schreibtisch zu gehen. Doch noch ehe sie sich umdrehen konnte, fasste Tom ihre Hand und zog sie langsam um den Schreibtisch herum zu sich auf seinen Schoß. Dann schlang er seine Arme um sie und grinste. „Wirklich gute Arbeit, … Schatz.“ Anna sah ihn verblüfft an. „Schatz?“ Ihr fragender Blick ließ Toms Grinsen breiter werden. „Wäre dir Schatzi lieber?“, fragte er amüsiert. Annas Blick wurde skeptisch, ehe sie verkniffen lächelnd erklärte: „Ja klar, Schaf oder Ziege … hab schon kapiert.“ Tom lachte, während Anna den Kopf neigte und so tat als würde sie angestrengt nachdenken. Dann grinste sie gemein. „Soll ich dich im Gegenzug jetzt Bärchen, Tiger oder doch lieber Schnurzelchen nennen?“ Tom hustete überrascht. „Oder, wie wäre es mit Scheißerchen? Tante Hilde hat Kurti immer so genannt.“, erklärte Anna trocken. Toms Blick war mehr als skeptisch. „Kurti?“ Anna lachte. „Ja, ihr Wellensittich.“ Toms Augen wurden größer, dann verzog er angewidert den Mund, ehe er hastig den Kopf schüttelte. Einen langen Moment sahen sie sich tief in die Augen. „Ich finde Engel viel passender.“, meinte er schließlich. Anna lachte auf. „Ja sicher, dafür fehlen dir aber Flügel und …“ Sie tippte ihm spielerisch gegen die Stirn. „… Heiligenschein.“ Tom seufzte theatralisch. „Ich meinte, dass Engel gut zu dir passen würde.“, gab er ihr lächelnd zu verstehen. Anna lachte erneut, diesmal ein wenig verlegen. „Ich hab auch keine Flügel.“ Tom sah ihr tief in die Augen. „… und auch keinen Heiligenschein.“ „Hey …“, empörte sie sich und boxte ihm spielerisch gegen die Schulter.

Toms Hand schob sich in ihren Nacken und zog ihr Gesicht näher zu sich, um sie zwei Sekunden später lange und zärtlich zu küssen. „Aber Engel passt zu dir.“ „Du meinst, weil ich blond bin?“ Tom hob eine Braue und musterte sie vielsagend. „Mhmm … das vielleicht auch, aber es ist vielmehr dein sanftes Wesen … und dein bezauberndes Lächeln … du strahlst regelrecht.“, gestand er und sah ihr fest in die Augen. Anna räusperte sich und senkte äußerst verlegen den Blick, woraufhin Tom verschmitzt lächelte und sie erneut küsste. „Wenn mir jemand mit Engelaccessoires über den Weg laufen sollte, werd ich dran denken, dir Flügel und Heiligenschein zu besorgen.“, flüsterte er an ihren Lippen. Anna schnaubte, rollte theatralisch die Augen und lachte. „Bääähh …, das ist so kitschig.“ Tom betrachtete sie amüsiert und hob gelassen die Schultern. „Sorry, hatte den sentimentalen Kanal auf dem Schirm …“, meinte er trocken, und seine Augen begannen voller Liebe zu strahlen. „Was hältst du davon, wenn wir den erfolgreichen Start in die Winterkollektion gebührend feiern und gemeinsam Essen gehen? … Heute Abend?“, schlug er spontan vor. Anna stieß erleichtert die Luft aus und dankte ihm im Stillen, dass er von diesem dämlichen Spitz- und Kosenamenquatsch ablenkte. Sie fand es ja irgendwie süß, und auch wenn sie sich gerade benahmen wie postpubertierende Kinder, derartig abgedroschene Liebesbekundungen hatten sie nun wirklich nicht nötig. Sie strich ihm liebevoll über die Wange, ehe sie ihm mit einem zufriedenen Lachen durch die Haare wuschelte. „Gute Idee.“

„Das ist das erste Mal, dass wir zusammen ausgehen.“, bemerkte Tom, als sie wenige Stunden später bei seinem Lieblingsitaliener saßen, und lächelte als hätte er sechs Richtige plus Superzahl im Lotto. Anna konnte nicht anders als zurückzugrinsen, so wohl fühlte sie sich. Wie schon lange nicht mehr. „Ja, der Anlass ist ja auch wirklich schön.“ Sie schloss die Augen und atmete zufrieden durch. „Du glaubst gar nicht, wie erleichtert ich bin, dass ich Brunos Geschmack fast auf den Punkt getroffen habe. Versteh mich nicht falsch, dein Vater ist großartig … genial ...“ Sie seufzte und verzog leicht das Gesicht. „… aber überaus exzentrisch.“ Tom stöhnte und nickte zustimmend. „Morgen zeichne ich die Entwürfe noch ins Reine und dann kann ich mich vollkommen auf Mailand konzentrieren.“ Toms Blick nahm schlagartig einen wehmütigen Ausdruck an, als sie plötzlich auf Mailand zu sprechen kamen. Sofort fiel ihm wieder das Gespräch mit seinem Vater ein. Er räusperte sich und griff behutsam nach Annas Hand. „Da fällt mir ein …“ Sein Blick wurde noch trauriger … seine Stimme leise. „… du musst leider allein nach Mailand fliegen.“, gestand er schließlich. Annas Mund klappte auf und starrte ihn an, als hätte er einen völlig deplatzierten Witz gemacht. „Warum das denn?“ Ihre Kehle wurde plötzlich eng und ein Gefühl von ... was? ... Verlust ... Trauer ... überkam sie. Tom seufzte tief. Seine Miene war angespannt, als er Anna wieder in die Augen sah. „Wir haben zwei potenzielle Kunden – VIP-Fashion und Haokan.“ „Haokan?“, stieß Anna überrascht aus. Tom nickte und bedachte sie mit einem anerkennenden Blick. „Du hast überzeugt. Sie denken über eine zweite Kollektion mit Lanford nach.“ Anna nickte verstehend, doch die Frage in ihren Augen war unübersehbar. „Bruno und ich müssen die Gespräche führen, und beide Partner kommen genau dann, wenn wir eigentlich in Mailand laufen.“, erklärte Tom mit einem erschöpften Seufzen. „Und Bruno kann nur einen der beiden Termine wahrnehmen.“ Annas Blick wurde traurig. Sie nickte stumm. Sie verstand die Situation, dennoch konnte sie nicht leugnen, dass ihr die Tatsache, ohne Tom nach Mailand zu fliegen, alles andere als gefiel. „Ich werd’s schon überleben.“, sagte sie sichtlich geknickt und rang sich ein mattes Lächeln ab. Tom streichelte sanft ihre Hand, wohl mehr um sich selbst zu beruhigen als Anna. Der Gedanke, sie allein nach Mailand fliegen zu lassen, gefiel ihm mindestens genauso wenig wie ihm - wenn auch aus einem anderen Grund. Aber in erster Linie musste er an die Firma denken, was hieß, seine persönlichen Belange hintenan zu stellen. Das war die Schattenseite, wenn man Geschäftsführer war … die klassische Arschkarte. In diesem Moment brachte der Kellner das Essen und riss Tom aus seinen trostlosen Gedanken. Sie prosteten sich mit dem Wein zu und genossen ihr Dinner.

Eine Weile herrschte Schweigen, während jeder seinen eigenen Gedanken nachhing. Nach ein paar Minuten sah Tom auf und suchte Annas Blick. „Ich hab mir überlegt, dass ich Paule mit nach Mailand schicke … immerhin brauchen wir vor Ort eine PR-Vertreterin.“ Anna zog die Brauen hoch und musterte Tom streng. Eilig wich er ihrem prüfenden Blick aus und begann, angestrengt die Tagliatelle, die er kaum angerührt hatte, zu begutachten und konzentriert die Meeresfrüchte zu zählen, die darunter gemischt waren. Es dauerte eine Weile, bis Anna begriff und den wahren Grund für seine plötzliche Distanz erkannte ... und die eigentliche Absicht hinter seiner vorgebrachten Idee, Paule mitreisen zu lassen. Sie räusperte sich geräuschvoll und beugte sich dann mit einem ernsten Blick zu ihm. „Bist du sicher, dass Paule nicht doch eher als mein Aufpasser mitfliegen soll?“, sprach sie das Ungesagte frei aus. Tom hustete spontan und sah Anna schließlich mit einem übertrieben unschuldigen Blick an. Doch dann schüttelte er den Kopf und senkte leicht beschämt den Blick. Sie hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Seufzend legte Anna ihr Besteck beiseite und griff nach Toms Hand. „Ich brauche kein Kindermädchen, Tom … oder vertraust du mir nicht?“ Tom schluckte hart bei dieser versteckten Anklage, ehe er sie mit einem schier verzweifelten Ausdruck in den Augen ansah. „Natürlich vertraue ich dir …“, begann er und holte tief Luft, wappnete sich für die Ohrfeige, die sie ihm verpassen würde. Er wusste selbst, dass es idiotisch war, aber er konnte einfach nicht aus seiner Haut. „… aber ich vertraue Enrique nicht.“, gab er schließlich beschämt zu. Anna lächelte in sich hinein, gerührt von seiner - wenn auch übertriebenen - Eifersucht. „Glaubst du, ich bin nicht in der Lage, Enrique auf die Finger zu hauen, wenn er es übertreibt? Unterschätze mich nicht, ich bin nicht die liebe, unschuldige, hilflose Frau, die du glaubst, in mir zu sehen.“, erklärte sie mit einer Entschiedenheit in der Stimme, die Tom entsetzt aufsehen ließ. „Bist du nicht?“

Sein Blick war unbezahlbar und entlockte Anna ein amüsiertes Kichern. „Spinner.“, tadelte sie und griff nach dem Besteck, um sich wieder dem Essen zu widmen. „Außerdem ist Virgin dabei. Er wird schon ein Auge auf mich und Enrique haben.“, bemerkte sie beiläufig, während sie sich etwas von den Tortellini mit Käsefüllung in den Mund schob. Tom sah sie aus zusammengekniffenen Augen an. „Virgin?“ Der Argwohn, der sich beim Namen von Brunos sprichwörtlichem Schatten in sein Gesicht geschlichen hatte, war unübersehbar. Anna nickte und grinste still vor sich hin, während sie betont gelassen die Tortelini auf ihrem Teller herumschob. „Er meinte, wir würden ein hübsches Paar abgeben.“ Toms Kinnlade fiel nach unten, und Anna zuckte unschuldig die Schultern. „Von mir hat er das nicht. Er ist von ganz allein darauf gekommen.“ Tom griff nach seinem Glas und trank von dem Wein, während er irgendetwas vor sich hin murmelte, was sich anhörte, wie … Dem entgeht aber auch gar nichts. Als er das Glas wieder abgestellt hatte, griff er erneut ihre Hand. Zärtlich küsste er ihre Finger, während er ihr tief in die Augen sah. „Ich vertraue dir, Anna.“ Das kurze Leuchten in seinen Augen verlosch genauso schnell wie es gekommen war und ein herzzerreißendes Seufzend glitt über seine Lippen. „Und ich sehne mich jetzt schon nach dir …“ Anna schluckte schwer, gerührt von seiner Hingabe. Sanft strich sie ihm über die Wange. „Ich werde jede Minute in Mailand an dich denken.“, wisperte sie, ein Versprechen, was er gleichsam in ihren Augen lesen konnte. Tom bemühte sich um ein echtes Lächeln, aber es gelang ihm nicht wirklich. Viel zu sehr schmerzte der Gedanke, für ein paar Tage von ihr getrennt zu sein - gerade jetzt, wo sie sich endlich gefunden hatten. Er fing ihre Hand ein, die an seiner Wange ruhte und hielt sie fest. Dann wurde sein Blick eindringlich. „Tu mir den Gefallen und hau Enrique eine runter, wenn er sich daneben benimmt.“ Wie auf Kommando verzog sie das Gesicht zu einer verbissenen Miene und erklärte trocken: „Keine Sorge, … mein rechter Haken ist der gefürchtetste in ganz Berlin.“

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Aug 10 2013, 22:26

Hallo liebe Mini,ich finde Tom soooo süß Razz  wenn er eifersüchtig ist. Ich liebe diese FF.
Ich freue mich schon wenn es auch in deiner anderen FF weiter geht.Ich wünsche dir ein tolles Wochenende.Lg.Carla Embarassed 

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Aug 13 2013, 21:56

Ein bisschen Lesestoff für euch ... LG, Mini

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Teil 97

Als Tom und Anna zwei Stunden später das Restaurant verließen, gingen sie so eng aneinander geschmiegt, dass nicht mal mehr eine Briefmarke zwischen sie gepasst hätte. „Und was machen wir jetzt? Die Nacht ist noch jung.“, lächelte Tom. Der mehr als nur zweideutige Unterton ließ Anna grinsen. Spontan drückte sie sich noch enger an ihn – sofern das überhaupt möglich war. „Was schwebt dir denn vor?“, fragte sie mit einem herausfordernden Funkeln in den Augen. Tom kräuselte die Lippen, als denke er angestrengt über ihre Frage nach. Dann beugte er sich über sie und küsste sie. Ein kurzer intensiver Kuss, der eindeutig nach mehr schmeckte. „Ich hätte da schon so eine Idee.“, wisperte er, als er kurz von ihren Lippen abließ. „Kann ich mir vorstellen.“, lächelte sie. Sein Grinsen nahm einen frivolen Zug an. „Stellt sich die Frage, … zu dir oder zu mir?“, raunte er verführerisch. Anna lachte. „Gott, wie klischeehaft.“, empörte sie sich spielerisch. „Ach übrigens …“, unterbrach Tom sie. „Mein Freund von der Polizei hat sich bei mir wegen der ominösen Fotos gemeldet.“ Unweigerlich spannte Anna sich an und betrachtete Tom mit verhaltener Neugier. Er verzog unwillig das Gesicht und stieß ein gequältes Seufzen aus. „Er hat nicht viel herausbekommen, bis auf, dass das Foto von mir wohl mit einem Handy und das von dir mit einer professionellen Kamera gemacht wurde. Und beide Fotos wurden von einem Internetanschluss hier in Berlin abgeschickt.“ Anna seufzte betrübt. „Das ist wirklich nicht viel.“ „Tut mir leid …“, sagte Tom und zog sie ganz nah an sich. Es machte ihn selbst mürbe, dass sie an dieser Stelle einfach nicht weiterkamen. Und je länger diese Sache ungeklärt blieb, umso mehr Angst hatte er um Anna. „Wir sollten einfach ein bisschen vorsichtiger sein … und vor allem sollten wir uns vertrauen.“, mahnte er sie und schaute ihr ernst in die Augen. Anna nickte. „Dasselbe gilt für dich.“, erinnerte sie ihn streng, und Tom wusste instinktiv, worauf sie anspielte. Leise seufzend zog er sie an sich.

Das Klingeln eines Handys unterbrach abrupt die friedliche Zweisamkeit. Tom stöhnte genervt auf und kramte nach dem Telefon in seiner Manteltasche. Mit gerunzelter Stirn betrachtete er das Display. Die Nummer kannte er nicht. „Wer ist das denn? Um diese Zeit …“, murmelte er zerknirscht und ging ran. „Lanford.“ „Tom? Natascha hier.“ Seine Augen weiteten sich, woraufhin Anna ihn fragend ansah. „Natascha? Was ist los? Ist was mit Paule oder Bruno?“, fragte er alarmiert. Es war das erste Mal, dass Natascha bei ihm anrief, was ihm einen spontanen Grund zur Sorge gab. Woher hat sie überhaupt meine Nummer? ..., dachte er, als ihre Stimme erneut ertönte. „Nein, nein … mit Paule ist alles in Ordnung.“ Tom schloss die Augen und stieß langsam den Atem aus. Dann räusperte sich Natascha am anderen Ende, was Tom sofort wieder in Alarmbereitschaft versetzte. Wenn Natascha anrief, musste es einen triftigen Grund geben. „Ob mit Bruno alles in Ordnung ist, wage ich zum augenblicklichen Zeitpunkt jedoch zu bezweifeln.“, erklärte sie, ihre Stimme nun die der PR-Chefin, die er kannte. Gerade wollte Tom fragen, was passiert war, als er durch das Telefon eine unflätige Bemerkung aus dem Hintergrund vernahm, die er – hätte er Brunos Stimme nicht zweifelsfrei erkannt – seinem Vater niemals zugetraut hätte. Ein genervtes Stöhnen folgte. „Du hörst es ja selbst, Tom … Hast du kurz Zeit? Ich muss etwas mit dir bereden.“, kam Natascha ohne weitere Umschweife auf den Punkt. Tom warf einen Blick auf Anna, die ihn mit panischem Blick musterte. „Okay … ich höre.“ „Nicht am Telefon. Kannst du herkommen … am besten gleich.“, bat sie, woraufhin Tom direkt die Augen verdrehte, als er den Abend mit Anna, der so wunderschön begonnen hatte, unweigerlich den Bach runtergehen sah. „Kann das nicht bis morgen warten, Natascha?“, murrte er leicht angesäuert. „Nein. Es sei denn, du hast nichts dagegen, dass ich Bruno innerhalb der nächsten Stunde an den Hals springe“, stieß Natascha hörbar angespannt hervor. Tom schnaubte verärgert, verkniff sich jedoch die Antwort, die ihm in diesem Moment auf der Zunge lag. Bruno, du betitelst mein Verhalten als Kindergartenkram? Und was bitte ist das? Ergeben stieß er die Luft aus. „Was ist passiert?“ Natascha stöhnte. „Ich muss mit jemandem sprechen, der mehr Verstand als Borniertheit besitzt … Du kennst deinen Vater, … stur wie ein Esel, besonders wenn andere mit ihrer Meinung Recht haben.“ Tom lächelte verstehend, ehe er erneut tief und äußerst widerwillig aufseufzte. „Okay. Ich bin in einer halben Stunde da.“

Es hätte nicht viel gefehlt und Tom wäre der wüste Fluch über die Lippen gerutscht, der ihm auf der Zunge lag, während er das Gezeter aus dem Telefon vernahm. Doch er riss sich zusammen und stieß langsam die Luft aus. Er kannte seinen Vater gut genug, um zu wissen, dass er offensichtlich auf einem seiner ausschweifenden Egotrips war … ein großes Kind, was unbedingt seinen Willen haben wollte. Und dass Natascha ausgerechnet ihn anrief, zeigte ihm, dass die Kacke mächtig am Dampfen war. Gott, so was hatte ihm heute gerade noch gefehlt. „Hoffentlich ist es überlebenswichtig, Natascha.“, knurrte er leise. „Ansonsten kannst du ihm ausrichten, dass stattdessen ich ihm mit Freuden den Hals umdrehen werde.“ Natascha lachte. „Ich bin dir gern behilflich.“, meinte sie knapp, während sie – an Bruno gewandt – sagte: „Bruno, dein Sohn ist auf dem Weg … wollen doch mal sehen, was er dazu sagt.“ Tom verdrehte die Augen, als er Brunos widerwilliges Knurren mit den Worten „Ja, ja, verschwört euch nur gegen mich … aber das nützt euch rein gar nichts.“ aus dem Hintergrund vernahm. Dann legte Tom auf. Seufzend und mit sichtlichem Unglauben im Blick, starrte er auf sein Telefon. Können die beiden ihre Kleinkriege nicht ohne mich ausführen? Ich hasse es, Schlichter zu spielen. Davon mal abgesehen, geht mir schon wieder eine Nacht mit Anna durch die Lappen. Etwas berührte ihn am Arm und riss ihn aus seinen Gedanken. Er sah auf und schenkte Anna ein entschuldigendes Lächeln. „Schätze, wir müssen das Ende unseres Abends verschieben.“, erklärte er betrübt. Anna sah ihn verständnisvoll an und strich ihm sanft über die Wange. „Schon okay. Ist bestimmt wichtig, was Natascha mit dir zu besprechen hat.“ „Das hoffe ich für sie … und für Bruno.“, murrte er, zog sie an sich und lehnte seufzend seine Stirn gegen ihre. „Komm, ich bring dich noch nach Hause.“, flüsterte er traurig, legte seinen Arm um sie und führte sie zurück zu seinem Auto.

Zehn Minuten später standen sie vor der Goldelse. Im Restaurant brannte noch Licht. Anna langte nach dem Türgriff und wollte aussteigen, als Tom ihre Hand ergriff und sie spontan zurückhielt „Du wolltest doch wohl nicht ohne einen Gute-Nacht-Kuss abhauen?“, tadelte er sanft. Anna grinste und lehnte sich zu ihm. Tom schlang seine Arme um sie und zog sie enger an sich. „Ist ein bisschen eng hier drin.“, meinte Anna ungerührt. Tom verzog mürrisch das Gesicht und bedachte sie mit einem strafenden Blick. „Mein Porsche ist wie geschaffen dafür.“, widersprach er. Anna lachte. „Ganz wie du meinst.“ Tom drückte seine Lippen auf ihre … knabberte sanft an ihrer Unterlippe, ehe seine Zunge in ihren Mund schlüpfte und nach ihrer suchte. Mit einem leisen Seufzen ergaben sich beide diesem tiefen innigen Kuss. Tom schloss die Augen und stöhnte sehnsüchtig auf, als er kurz Luft holen konnte. Das Kribbeln in seinem Bauch war beinahe schmerzhaft und fachte seine Sehnsucht nur noch mehr an. Sich seinen Gefühlen ergebend startete er einen Versuch, Anna auf sich zu ziehen, doch sie wehrte ihn lachend ab. „Dafür ist es dann wohl doch zu eng hier.“, amüsierte sie sich. Tom grinste, ehe er sie erneut stürmisch küsste. „Hast du eine Ahnung. Ob du es glaubst oder nicht, man kann die Sitze verstellen.“, flüsterte er zwischen zwei weiteren Küssen. Anna hielt inne und runzelte die Stirn. „Wow … das so was auch in einem Porsche möglich ist, hätte ich nie gedacht.“, scherzte sie. Tom verzog den Mund zu einem schiefen Grinsen und hob indigniert eine Braue. „Und ob … Man kann sogar das Lenkrad verstellen, damit es nicht so im Rücken drückt.“ Anna kicherte. „Klingt, als wüsstest du, wovon du redest.“

Tom sah ihr tief in die Augen und lächelte geheimnisvoll. „Es gibt nichts, was ich an … und in diesem Auto nicht schon ausprobiert habe.“ Anna verzog den Mund und schüttelte eilig den Kopf. „Oh bitte, … keine Details.“ Sie wollte sich aus seiner Umarmung lösen, doch Tom dachte gar nicht daran, sie loszulassen. „Es zu erklären, wäre auch viel zu langweilig … Aber ich kann es dir ja bei Gelegenheit mal zeigen.“, hauchte er sehnsüchtig. Anna räusperte sich vernehmlich. „Natascha wartet auf dich.“, erinnerte sie ihn, woraufhin Tom verschmitzt die Brauen hochzog und süffisant grinste. „Geschickt vom Thema abgelenkt, … mein Engel.“ Anna verdrehte die Augen. Tom küsste sie ein weiteres Mal und sah sie einen Augenblick lang sehr traurig an. „Übrigens, tut mir leid wegen gestern.“ Anna runzelte fragend die Stirn. „Dein T-Shirt …“, erinnerte er sie grinsend und zupfte beiläufig an dem Pulli, den sie heute trug. Anna lachte leise. „Oh ja, mein Lieber … das war mein Lieblings-Shirt.“, erklärte sie mit gespielter Entrüstung. Tom neigte den Kopf und bedachte sie mit jenem unwiderstehlichen Hundeblick, der Annas Herz direkt zum Schmelzen brachte. „Ich machs wieder gut, … versprochen.“, gelobte er leise. Anna küsste ihn sanft und schweren Herzens ließ Tom sie schließlich aus seinem Wagen steigen. Er wartete noch, bis sie im Restaurant verschwunden war, dann startete er den Motor und machte sich auf den Weg zu Nataschas Wohnung, während der Groll in ihm mit jedem Meter, den er sich von Anna entfernte, wuchs. Wenn nicht mindestens ein Menschenleben davon abhängt, weswegen Bruno und Natascha sich in die Wolle gekriegt haben, dann verlange ich eine Entschädigung für diesen entgangenen Abend.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Aug 15 2013, 22:15

Noch mehr Lesestoff ... Viel Spaß, LG Mini

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Teil 98

Als Tom am nächsten Tag ins Büro kam, war er so schlecht gelaunt, wie schon lange nicht mehr. Es wurmte ihn noch immer tierisch, dass der Abend mit Anna so abrupt geendet hatte, nur weil sein Vater der Meinung war, er sei der Mittelpunkt des Universums und der Rest der Welt unbedeutende Planeten und noch unbedeutender Staub. Wie konnte man nur so stur sein? Ach Tom, pack dich an deine eigene Nase … manchmal bist du nicht viel besser ..., dachte er und erinnerte sich an den Moment, als er bei Natascha angekommen war. Es hatte ihn fast verwundert, dass die Einrichtung noch nicht kurz und klein geschlagen war. Der wahre Grund für ihre Diskussion hatte ihn dann allerdings aber mehr als nur überrascht. Mailand. Die beiden hatten sich über Mailand gestritten. Er konnte es noch immer nicht fassen. Vor allem der Umstand, dass es ausgerechnet Natascha war, die sich hinsichtlich der Mailandfrage gegen Bruno gestellt hatte. Ihre Vehemenz, mit der sie argumentierte und nicht zuletzt auch ihre Sturheit, mit der sie ihren Standpunkt verteidigte, hatte Tom ziemlich beeindruckt. Denn wenn Bruno etwas überhaupt nicht leiden konnte, dann dass man anderer Meinung war und dazu noch seine Autorität torpedierte. Leider hatte er das Ende dieses intensiven Wortgefechts nicht mehr mitbekommen, da er nach gefühlten fünf Stunden regelrecht die Flucht ergriffen hatte. Vermutlich hatten die beiden Streithähne seinen Abgang nicht mal mitbekommen. Die mehr als überflüssige Angelegenheit ignorierend, seufzte er tief auf und widmete sich der Post, die Steffi ihm in diesem Moment entgegenhielt. Während er nach dem Stapel griff, flog sein Blick gewohnheitsgemäß zu Annas Schreibtisch. Er stutzte kurz, blinzelte … und sah dann ein zweites Mal hin. Überrascht zog er die Brauen hoch und taxierte sie eingehender. Sie trug eine blaue Bluse, an der mindestens die obersten drei Knöpfe zu fehlen schienen, und – er neigte sich ein wenig zu Seite, um besser unter den Tisch gucken zu können – einen schwarzen Rock, der zu seiner Erleichterung bis kurz über die Knie reichte. Ihr Haar fiel in leichten Wellen offen über ihren Rücken. Eine wahrlich hinreißende Erscheinung. Hör auf so zu glotzen, als würdest du sie zum ersten Mal sehen ..., mahnte ihn eine innere Stimme. Sich selbst aus seiner Starre reißend, räusperte er sich und ging ein paar Schritte in ihre Richtung, während seine Augen sie erneut scannten. Warum hatte sie sich heute so in Schale geworfen? ..., fragte er sich und seine Augen formten sich zu schmalen Schlitzen. Misstrauen regte sich, verpuffte aber sogleich, als ein anderer Gedanke sich in seine Hirnwindungen grub. Ist das vielleicht die Retourkutsche für das zerrissene Lieblings-Shirt?..., dachte er und seine Lippen verzogen sich zu einem süffisanten Lächeln. Der Gedanke gefiel ihm. Mhmm … wenn das so ist, sollte ich wohl öfter mal ihren Klamottenbestand dezimieren. Er grinste über seine eigenen Gedanken und realisierte zu spät, welches Interesse er damit auf sich zog. „Herr Lanford? Ist alles in Ordnung?“, vernahm er Steffis besorgte Stimme vom Empfang. Mit einiger Verzögerung wurde ihm bewusst, dass er in seiner Haltung offenbar ein ziemlich merkwürdiges Bild abgab. Eilig holte er sich in die Gegenwart zurück und warf der älteren Brünetten einen kurzen Blick zu. „Ähem … ja, danke … Alles bestens.“, stammelte er irritiert, bevor seine Aufmerksamkeit wieder zu Anna wanderte.

Wie von selbst setzten seine Füße sich in Bewegung, während er innerlich seine zweifellos geweckte Neugier damit zu rechtfertigen versuchte, dass er lediglich einen kurzen Blick aus nächster Nähe auf sie werfen wollte. Die Post mit den Armen umklammert bliebt er schweigend vor ihrem Schreibtisch stehen. Er zwang sich, sein Augenmerk, weg von ihrer atemberaubenden Erscheinung, hin auf die Arbeit zu richten, in die sie vertieft war, und erkannte die Entwürfe, die sie auf Brunos Anweisung ins Reine zeichnen sollte. Sie hatte ihn noch nicht bemerkt, und er verkniff es sich, auf sich aufmerksam zu machen und sie aus ihrer Versunkenheit zu reißen. Nutzte stattdessen den stillen Moment und die Gelegenheit, sie einfach nur zu betrachten. Abwechselnd wanderten seine Augen zwischen ihrem Gesicht, was konzentriert auf die Zeichnungen gerichtet war, und ihren Händen hin und her. Und irgendwie blieben sie immer wieder an ihrem Ausschnitt hängen, der dummerweise dazwischen lag. Er bemühte sich verzweifelt, sein Augenmerk auf die Arbeit zu legen, in die sie vertieft war, doch die Anziehungskraft ihrer Bluse wirkte auf seine Augen geradezu übermächtig. Als er schließlich lange genug in ihren Ausschnitt geschaut hatte, um ganz sicher zu sein, dass sie darunter einen weißen Spitzen-BH trug, räusperte er sich. Abrupt sah Anna auf, und ein kurzes wissendes Lächeln glitt über ihr Gesicht, ehe sie sich wieder ihren Zeichnungen widmete. Tom trat näher. „Sehr schön.“, bemerkte er leise. Anna sah erneut auf und folgte seinem Blick. Verunsichert sah sie auf ihre Bluse, dann wieder auf Tom. „Was meinst du?“ Tom hüstelte und deutete auf die Zeichnungen. „Die Zeichnungen, … äh … sehr schön.“ Anna legte den Kopf schief und lächelte auf eine Weise, die Tom sofort sagte, dass sie ihn ertappt hatte. „Wenn du meine Zeichnungen meinst, solltest du auch auf die Zeichnungen schauen.“ Verdammt. Sein Gesicht nahm einen Hauch Rot an. Es war ihm sichtlich peinlich, dass sie ihm beim Gaffen ertappt hatte. Um sich von seiner Verlegenheit abzulenken, trat er an den Tisch heran und ließ sich auf die Kante sinken. Anna wandte sich zu ihm und lächelte, während er seinen Blick auf die Zeichnungen zwang. Mit wenig Erfolg. Er konnte es nicht verhindern, dass seine Augen zu ihrem Rock huschten, unter dem ihre hübschen Beine zum Vorschein kamen. Ohne Vorwarnung schlug Anna ihre Beine übereinander, wobei ihr Rock noch ein kleines Stück höher rutschte. Tom schluckte hart. „Sehen wirklich toll aus … die Zeichnungen.“, murmelte er leise.

Anna nickte verstehend und ihr Grinsen wurde breiter. „Gefällt dir die Aussicht?“, fragte sie provokativ. Toms Blick schoss ohne Umwege zurück zu ihren Augen, ehe sein Mund sich zu einem verkniffenen Lächeln kräuselte. „Ganz schön gemein von dir, mich derart abzulenken.“ Anna lächelte gelassen. „Musst ja nicht hingucken.“ Tom schnaubte verächtlich. „Ich könnte ja auch mal in knallengen Jeans vor dir rumlaufen. Wäre interessant zu wissen, wer sich dann besser im Griff hat.“ Anna sah auf und bedachte ihn mit einem sardonischen Lächeln, während ihre Hand versucht beiläufig seinen Oberschenkel hinaufkroch. „Du und knallenge Jeans … Das möchte ich sehen.“, erwiderte sie frech. Dann beugte sie sich zu ihm, und Tom bemühte sich, seine Augen in ihre gerichtet zu lassen. „Ich freu mich.“, lächelte sie. Tom blinzelte irritiert. „Auf die Jeans?“ Anna lachte auf. „Nein, ich freu mich, dass du mit nach Mailand fliegst.“ Toms Blick fiel in sich zusammen. Ungläubig starrte er sie an. „Wie bitte?“ Anna neigte den Kopf und lächelte. „Natascha hat es mir vorhin erzählt.“ „Davon weiß ich noch gar nichts.“, stotterte er irritiert. Anna schlug sich ertappt die Hand vor den Mund. „Ups … Das war wohl noch geheim …“ Ihre Augen begannen zu strahlen. Tom, noch immer verwirrt von dieser Neuigkeit, sah sich suchend im Atelier um, als ihm die gestrige Aktion in Nataschas Wohnung wieder in den Sinn kam. Deren Ende er nicht miterlebt hatte. Bruno … Ich muss unbedingt mit meinem Vater sprechen. Dann wandte er sich wieder Anna zu, wobei sein Blick unweigerlich wieder an ihrem Ausschnitt hängen blieb. Mit einem frustrierten Seufzen schüttelte er den Kopf. Dass sie derart mit seinen männlichen Schwächen spielte, behagte ihm gar nicht. „In diesem Aufzug bringst du mich glatt dazu, meinem Wunsch nachzukommen, dich in eine dunkle Ecke zu zerren und über dich herzufallen.“, knurrte er leise, ehe sich ein verführerisches Lächeln über seine Lippen breitete. „Das Stofflager neulich war doch richtig heimelig, oder?“ Anna bedachte ihn mit einem strengen Blick und schüttelte gespielt tadelnd den Kopf. „Hast du eigentlich auch noch was anderes im Kopf?“ Ihre Brauen hoben sich herausfordernd. Tom überlegte einen Moment ganz angestrengt, dann warf er einen demonstrativ langen Blick in Annas Ausschnitt, ehe er grinsend den Kopf schüttelte. Die Blondine wirkte ehrlich betroffen. „Ihr Männer seid wirklich alle gleich.“ Tom lachte rau, beugte sich verheißungsvoll lächelnd zu ihr, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern, was ihr direkt die Schamesröte ins Gesicht trieb.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Aug 15 2013, 22:32

GutenAbend Liebe Mini:oops:  Tom ist so süß,der ist ja sowas von verknallt in Anna. Ich kann nur immer wieder sagen(oder schreiben)wie toll diese FF ist super .Danke dafür liebe Grüße Carla

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Aug 20 2013, 03:08

Hallo Minilein,hallo 
ja, ich lebe noch, wenn auch mit etlichen Mückenstichen, die mich gerade verrückt machen, aber gut.

Ich kann Carla nur zustimmen, Anna und Tom sind einfach so schön anzusehen, äh hören, äh lesen ... na ja, du weißt schon was ich meine. Und was Toms Eifersucht anbelangt. Ich glaube, mir würde das auch gehörig auf den Wecker gehen - obwohl Anna ja auch immer schrecklich überreagiert. Tun sich irgendwei beide nichts aufdiemütze 

Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Sep 01 2013, 19:42

Neuer Lesestoff für euch ... Euch allen einen schönen Sonntagabend ... Viel Spaß ... Mini Wink 

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Teil 99

Paloma war neben Virgin getreten, der an der Treppe stand und mit undefinierbarem Blick Anna und Tom beobachtete. „Die beiden hocken ja schon wieder zusammen.“, seufzte Paloma tadelnd und musterte Virgin, der irgendwie frustriert wirkte. „Virgin?“ Brüskiert richtete er sich auf und runzelte ärgerlich die Stirn. „Warum müsst ihr Frauen eigentlich immer eure Möpse zur Schau stellen, um einen Kerl zu bezirzen?“, fragte er missbilligend, wobei sein Blick auf den Kreativchef fiel, der in eben diesem Moment die Treppe zum Atelier hinuntergeschwebt kam, und ein kaum hörbares Seufzen wich über seine Lippen, begleitet von dem nur all zu bekannten sehnsüchtigen Blick, den er eigens für Bruno reserviert hatte. „Bitte was?“, merkte Paloma entrüstet auf und riss den blonden Paradiesvogel aus seinen Träumereien. Ihr vorwurfsvoller Blick streifte seinen verdutzten Gesichtsausdruck nur einen Sekundenbruchteil, ehe sie sich die Szene genauer besah, die Virgin so missbilligte. Ein sanftes Lächeln kräuselte Palomas Lippen als sie verstand. „Ich glaube nicht, dass Anna versucht, Tom zu bezirzen.“, lenkte sie behutsam ein. „Das hat sie auch gar nicht nötig … schließlich sind die Beiden ein Paar.“ Virgin zog nonchalant die Schultern hoch, als täte dieser Umstand rein gar nichts zur Sache. „Sieht aber so aus als hätte sie es … bitternötig.“, argwöhnte er. „Du fantasierst, Virgin.“, erwiderte die Brünette knapp. Ein übertrieben süßliches Lächeln. „Und warum kleben Toms Augen dann in ihrem Ausschnitt als hätten sie ihn gepachtet ..., hm?“ Paloma rollte die Augen. „Und warum tut Anna so als bemerke sie es nicht?“, fügte er, näher zu ihr gebeugt, hinzu. Palomas Mund klappte auf. Fassungslos starrte sie ihn an. „Warum guckt er denn auch hin?“, konterte sie und neigte herausfordernd den Kopf. „Ihr Männer lasst euch einfach viel zu leicht von primitiven Reizen beeinflussen.“, warf sie missbilligend ein. Virgin rollte mit einem theatralischen Seufzen die Augen. „Warum packt Anna dann ihre Möpse nicht gleich auf den Tisch? Dann müsste Tom sich wenigstens nicht die Augen verrenken …“, bemerkte er leichthin und schüttelte besorgt den Kopf. „Auf diese Weise wird er noch gesundheitliche Schäden davontragen.“ Paloma sah ihn vollkommen sprachlos von der Seite an, ehe sie unerwartet loskicherte. Virgin bedachte sie mit einem strafenden Blick, der seine gesamte Missbilligung zum Ausdruck brachte und Paloma augenblicklich verstummen ließ.

Eine Weile folgten sie interessiert dem Geschehen. „Jetzt hat er ihr schon siebeneinhalb mal in den Ausschnitt geschielt …“, entrüstete sich Virgin nur wenige Minuten später. „Siebeneinhalb?“ „Ja, beim letzten Mal hat Anna es bemerkt … das zählt nur halb.“, erklärte er, und Paloma lachte lauthals auf, ehe sie Virgin freundschaftlich in die Seite stieß und vielsagend die Brauen hob. „Du hörst dich an, wie eine eifersüchtige Ehefrau.“ „Pah … das ich nicht lache.“, winkte er mit einer graziösen Handbewegung, die so sehr zu Virgin gehörte wie seine quietschbunten Klamotten, mit denen er regelmäßig für temporäre Erblindung im Atelier sorgte. „Dieses Gehabe ist einfach nur unter meinem Niveau.“, gab er affektiert zu verstehen. Paloma kicherte hinter vorgehaltener Hand, während Virgin sich weiter echauffierte. „Meine Güte, dieses primitive Balzverhalten in der Öffentlichkeit ist ja geradezu … unanständig.“, merkte er entsetzt auf, konnte aber nicht umhin, sich das Geturtel zwischen Tom und Anna weiter mit dieser kindlichen Faszination anzusehen. „Neidisch?“, fragte Paloma trocken. Virgin wandte den Blick ab und sah Paloma mit hochgezogenen Brauen an. „Du meinst, … darauf?“, fragte er skeptisch und deutete mit seinen Händen Brüste vor seinem Oberkörper an. Paloma sagte nicht, lächelte ihn nur süffisant an, woraufhin Virgin sichtlich brüskiert das Kinn vorreckte. „Nie im Leben, meine Liebe.“, winkte er gelassen ab, ehe sie wieder in Schweigen verfielen und neugierig das Treiben an Annas Schreibtisch verfolgten. „Oh Mann, jetzt legt sie noch ihre Hand auf seinen Oberschenkel … “, hauchte Virgin und biss sich nervös auf die Lippe. Paloma hatte den Eindruck, dass er lieber mittendrin im Geschehen wäre, als nur die Rolle des stillen Beobachters am Rande innezuhaben. Er schluckte schwer und leckte sich beiläufig über die Lippen, während er interessierter denn je das Geschehen verfolgte. Paloma maß ihn besorgt von der Seite, ehe sie sich ebenfalls wieder der Szene an Annas Schreibtisch zuwandte. „Und wie er ihr in die Augen sieht.“, stieß Virgin ehrfürchtig aus. „Oh Gott, dass ist wie bei William und Kate“, flüsterte er atemlos. Paloma zog zweifelnd die Brauen hoch und schüttelte seufzend den Kopf. „Virgin, du tust gerade so, als hättest du so etwas noch nie gesehen.“ Er sah sie kurz an und legte theatralisch die Hand auf seine Brust. „Hab ich auch nicht, … außer im Fernsehen. Na ja, zumindest hat Tom Carla so nie angesehen.“, sagte er bestimmt, ehe sein Blick sich wieder fasziniert auf das turtelnde Pärchen heftete.

Eine Weile schwieg er. „Oh Gott, … gleich küssen sie sich.“ Mit weit aufgerissenen Augen und halb geöffnetem Mund starrte Virgin auf die Szene. Leise lachend schlug Paloma ihrem Kollegen spielerisch auf den Arm. „Du hyperventilierst, Virgin.“, erinnerte sie ihn sanft. Er wandte sich zu ihr und lächelte süßlich. „Wer würde bei dem Anblick nicht Atemprobleme bekommen?“ Schwungvoll schlug er seinen Fächer auf und wedelte sich hastig Luft zu. Paloma lachte amüsiert auf. „Oh Gott, jetzt … gleich.“, keuchte Virgin auf und erstarrte mitten im Wedeln, während seine Augen wie gebannt auf Tom und Anna gerichtet waren. „Ich denke, Tom und Anna werden sich gerade noch beherrschen können.“, beruhigte sie ihn. „Wer kann sich gerade noch beherrschen?“, unterbrach eine Stimme das Geschehen. Enrique kam neben Paloma zum Stehen. „Hab ich was verpasst?“ „Noch nicht.“, hauchte Virgin atemlos, ohne seinen Blick von der Szene zu lösen. Gleichzeitig formten sich seine Lippen zu einem imaginären Kuss. Eine Weile sahen die beiden Virgin besorgt an. Dann beugte Enrique sich zu Paloma. „Ich glaube, er hat aufgehört zu atmen.“, flüsterte er. Paloma nickte. „Ich denke, wir sollten ihn aufwecken, bevor er blau anläuft und umfällt.“ Die beiden kicherten belustigt, ehe Virgin seinen Blick sichtlich widerwillig von Tom und Anna losriss und die beiden verärgert ansah. Dann verschränkte er die Arme vor der Brust und hob affektiert das Kinn. „Ihr zwei hab doch keine Ahnung von der wahren Liebe.“ Schnaubend wandte er sich um und stolzierte hoch erhobenen Hauptes davon, während Enrique und Paloma ihm kopfschüttelnd hinterher grinsten.

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Es hatte eine Weile gedauert, bis Tom sich von Anna hatte lösen können und schließlich den Weg in sein Büro gefunden hatte. Doch seitdem war sein Blick beinahe ununterbrochen auf die zierliche Blondine gerichtet. Himmel, sie machte es ihm heute wirklich verdammt schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er schon zwei Stunden hier saß und gerade mal drei Briefe geöffnet und gelesen hatte. Vielleicht sollte er doch besser die Vorhänge zuziehen, damit seine Augen nicht ständig auf ihrem Anblick klebten. Seufzend widmete er sich seiner Post und schaffte es immerhin, für fünf Minuten nicht auf Anna zu sehen. Er war beinahe stolz auf sich. Doch dann entdeckte er Enrique an Annas Schreibtisch, und seine Laune schlug schlagartig um. Mürrisch beobachtete er die Szene. Die beiden amüsierten sich offensichtlich. Nein, … das stimmte nicht. Denn als er Annas Gesichtsausdruck genauer beobachtete, fiel ihm auf, dass sie ein wenig genervt wirkte. Kein Wunder, sie hatte noch eine Menge zu tun, bevor sie nach Mailand fliegen würde, und Enrique fand offensichtlich Gefallen daran, sie von der Arbeit abzuhalten. Und ich muss auch noch hierbleiben, weil Bruno zu stur ist, um einzusehen, dass Natascha Recht hat. Der Gedanke, Anna mit Enrique allein fliegen zu lassen, bereitete ihm erneut spontane Übelkeit. Plötzlich lächelte Anna seinem besten Freund auf eine Weise zu, die ihm überhaupt nicht gefiel, und Tom spürte leisen Ärger in sich aufkeimen. Sichtlich angespannt beobachtete er die beiden und ihm entging nicht, dass Enrique gelegentlich verstohlene Blicke in ihren Ausschnitt warf. Gott, diese Eifersucht macht mich noch wahnsinnig. Warum war das bei Carla nie so? Tom seufzte und schüttelte den Kopf. Weil du Carla nie so geliebt hast wie Anna … und sich auch keiner an sie rangemacht hat, während du mit ihr zusammen warst. Ein leises Knurren wich über Toms Lippen, während er die beiden mit Argusaugen beobachtete. Dann fiel sein Augenmerk zufällig auf die Rose, die Enrique Anna vor ein paar Tagen geschenkt hatte und noch immer auf ihrem Schreibtisch stand wie eine bescheuerte Trophäe. Um jemandem eine Rose zu schenken, musste man schon tiefe Gefühle für denjenigen hegen ..., flüsterte eine leise Stimme in seinem Kopf. Tom ballte die Hände zu Fäusten. Wenn Enriques Gefühle für Anna auch nur ansatzweise so tief waren wie Toms, dann war das schon äußerst bedrohlich. Enrique hatte ihm vorgeworfen, er würde seine Gefühle für Anna verleugnen. Wie blöd er doch gewesen war. Aber er hatte es einfach nicht zugeben wollen. Na und, ich hab ihm ganz klar gesagt, er soll die Finger von Anna lassen. Doch augenscheinlich schienen Toms seichte Drohungen seinen Freund nicht sonderlich zu interessieren.

Gut, dann sollte er wohl langsam mal anfangen, Nägel mit Köpfen zu machen, und seinen Kontrahenten in seine Schranken weisen. Anna gehörte zu ihm, und das würde Tom Enrique unmissverständlich klar machen. Jetzt und hier. Ohne weiter darüber nachzudenken ließ er den Stift fallen, den er in seiner Faust fast zerbrochen hatte, erhob sich und verließ sein Büro. Zielstrebig steuerte er auf die Beiden an Annas Schreibtisch zu. Er maß Enrique mit einem kurzen ausdruckslosen Blick, ehe er mit einer beinahe besitzergreifenden Geste Annas Taille umfasste und sie von ihrem Stuhl hochzog. Enrique hob erstaunt die Brauen und wich einen Schritt zurück. Anna, noch immer sprachlos von Toms unerwarteter Offensive, schaute ihn verwundert an, und ehe sie reagieren konnte, hatte Tom sie sehr eng an sich gezogen. Was folgte war ein intensiver, sehr anschaulicher Kuss, der lange genug dauerte, dass Enrique sich vernehmlich räusperte. Tom ließ von Anna ab und warf seinem Freund einen warnenden Blick zu, der ihm ausdrücklich klar machen sollte, dass er Finger und Augen von Anna zu lassen hat. Die Blondine räusperte sich und senkte verlegen den Blick, woraufhin Tom sanft ihr Kinn anhob und sie liebevoll anlächelte. „Entschuldige, mein Engel, … ich kann eben einfach nicht genug von dir bekommen.“, bemerkte er, und seine Augen streiften flüchtig Enriques mürrisches Gesicht. „Meine Anna macht es mir heute wahrlich schwer, mich auf die Arbeit zu konzentrieren.“, erklärte er mit einem theatralischen Seufzen und legte eine besondere Betonung auf das Wort Meine. Enriques Augen wurden schmal. Einen Moment lang starrten sich die beiden angriffslustig an, ehe Tom sich mit einem triumphierenden Lächeln, in dem eine besondere Warnung an Enriques Adresse aufblitzte, abwandte. Jetzt hast du es hoffentlich kapiert ..., dachte er bei sich, während er zufrieden in sein Büro zurückmarschierte, sich absolut bewusst, dass ihm mindestens ein verwirrter und ein sehr zorniger Blick folgte.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Sep 01 2013, 21:15

Hihihihi, Virgin ist einfach der Knaller. Laughing  Und Tom hat mal wieder den Knall nicht gehört.Evil or Very Mad  Aber warum überlegt er noch, dass er Anna alleine mit Enrique nach Mailand fliegen lassen muss. idontknow  Anna hat ihm doch kurz zuvor gesagt, dass sie zusammen fliegen würden.
Aber egal, diese Demonstration seines "Besitzes" ist einfach völlig albern, genauso, wie seine übertriebene Eifersucht.

Na ja, bleibt abzuwarten, wie Anna darauf reagiert. Wie ich sie kenne, wird sie Tom mal wieder den Marsch blasen und ihn leiden lassen aufdiemütze  ... Was Toms Eifersucht auch keine Abhilfe schafft, weil er es als Inschutznahme von Enrique ansieht und sich somit gleich wieder provoziert fühlt. Blöder Teufelskreis Rolling Eyes 

So, dann warten wir einfach mal ab, was passiert.

LG,
Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Sep 01 2013, 21:29

Hey Kathalein,

ja ja, Anna hat ihm da was geflüstert. Aber offiziell weiß er es ja noch nicht, zumal er ja dabei gewesen, war, als Natascha und Bruno sich deswegen in den Haaren hatten. Wir werden sehen ...

Danke für deinen lieben Kommi. brav 

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Sa Sep 07 2013, 23:18

Juhuu ... die ersten 100 sind geschafft ... Very Happy 

Ich wünsche euch noch ein schönes Restwochenende ... LG, Mini

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Teil 100

Tom bekam nur am Rande mit, dass jemand sein Büro betreten hatte. Denn seine Augen klebten nach wie vor hypnotisch auf Enrique, der trotz seiner Ansage offenbar immer noch nicht verstanden hatte, dass er sich von Anna und ihrem Ausschnitt fernhalten sollte. Himmel, er wurde noch verrückt. Den Blick fest auf das Treiben an Annas Schreibtisch gerichtet, fuhr er hoch und wollte gerade aus seinem Büro stürmen und seinen besten Freund fragen, ob er ihm mit der nächsten Gehaltszahlung ein Hörgerät spendieren sollte, als er um ein Haar mit seinem Vater zusammengestoßen wäre, der urplötzlich vor ihm stand. Erstarrt blieb Tom vor Bruno stehen und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. „Was machst du hier?“, brachte er schließlich stockend hervor. Bruno musterte Tom mit einem nachsichtigen Lächeln. „Ich wollte eigentlich mir dir reden, aber als ich keine Antwort bekommen habe, hab ich angefangen, mich mit mir selbst zu unterhalten.“ Toms Brauen kletterten in einem Affenzahn seine Stirn hinauf und erklommen schließlich seinen Haaransatz. Häääh? ... „Oh … mach dir keine Sorgen, ich werde nicht verrückt.“, wiegelte Bruno hastig ab, als Toms Augen kurz davor standen, aus ihren Höhlen zu fallen, und ließ sich schwungvoll in einen der beiden Stühle vor Toms Schreibtisch fallen. „Diese Selbstgespräche sind äußerst hilfreich, … solltest du auch mal probieren.“, fügte er schließlich mit einem schelmischen Grinsen hinzu, dass nur zu deutlich zeigte, dass er die Situation vollumfänglich verstanden hatte - und offenbar war er äußerst zufrieden damit. Tom, noch immer an Ort und Stelle verharrend, wie eine Statue, die man versehentlich falsch platziert hatte, starrte seinen Vater nach wie vor verdattert an, während sich die Frage in seinen Kopf schob, ob der alte Herr einem bösen Irrtum unterlegen und vielleicht doch verrückt geworden war. Vielleicht bist du es aber auch selbst ..., säuselte eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf. Deinem dämlichen Gesichtsausdruck nach zu urteilen, lässt das zumindest kaum einen Zweifel zu. Sich selbst aus seiner Starre reißend, wandte er sich schließlich wortlos um und ließ sich mit einem leisen Seufzen auf seinen Stuhl zurücksinken. Mit beiden Händen rieb er sich über das Gesicht und fand schließlich in die Haltung des Geschäftsführers zurück. „Okay, … was gibt’s?“, fragte er und fixierte seinen Vater, schwer darum bemüht, nicht durch die Glaswand zu sehen. Bruno lächelte und hob zu sprechen an, doch noch bevor er das erste Wort ausgesprochen hatte, war Toms Blick wieder jenseits der Glaswand unterwegs und auf Enrique geheftet, der noch immer bei Anna saß. Sieht er denn nicht, dass sie zu tun hat? Mann, der Typ ist ja schlimmer wie Fußpilz. „Tom?“ So sehr Tom sich auch bemühte, er konnte seinen Blick von Anna und Enrique einfach nicht lösen. Irgendwie hatte er das untrügliche Gefühl, wenn er auch nur eine Sekunde wegsah, würde der Kerl irgendetwas tun, was ihn übergangslos an die Decke gehen ließ. „Tom? Ich habe beschlossen, Lanford zu verkaufen und nach Sibirien auszuwandern, um eine Schneeglöckchenzucht zu starten.“, vernahm er Bruno Worte, die Stimme vollkommen emotionslos. Tom nickte mechanisch, während er gebannt auf Anna und Enrique starrte. „Gute Idee … Sag mir Bescheid, wenn du meine Hilfe brauchst.“, antwortete Tom abwesend, während er beobachtete, wie Enrique in diesem Moment über Annas Arm strich. Unwillkürlich ballten sich seine Hände zu Fäusten.

„Tom!“ Brunos Stimme ertönte nun lauter, während er amüsiert auflachte. Tom zuckte erschrocken zusammen, ehe sein Blick zurück zu Bruno schnippte und ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Du bist ja immer noch hier. Ganz kurz huschten seine Augen erneut zu Annas Schreibtisch, und Tom betete inständig, dass sie Enrique eine feuern würde, wenn er ihr zu nahe kam. Ansonsten würde er das tun, sobald sein Vater das Büro verlassen hatte. Tom schüttelte sich und versuchte, seine wirren Gedanken zum Schweigen zu bringen. „Ähem ... was hast du gesagt?“ Bruno räusperte sich und unterdrückte ein Grinsen. „Glückwunsch, du hast mir gerade deine Unterstützung zugesagt, mir beim Verkauf von Lanford und meiner Auswanderung nach Sibirien zu helfen, um eine Schneeglöckchenzucht auf die Beine zu stellen … Willst du mit einsteigen?“ Seine Augen blitzten amüsiert. Häh, Sibirien? Schneeglöckchenzucht? Auf welchem Trip bist du denn schon wieder, Bruno? Toms Kinnlade klappte nach unten, während er gleichsam um Fassung rang, wie nach Worten suchte, die nicht völlig hinrissig daherkamen. Verdammt, reiß dich zusammen ... „Wie bitte?“, fragte Tom leise nach, nicht sicher, ob er beim Auftauchen aus seiner Gedankenwelt im richtigen Film angekommen war. Seichtes Unbehagen wallte in ihm auf. Doch zumindest war es ihm - oder besser seinem Vater - gelungen, ihn erfolgreich von Annas Anblick loszureißen. Bruno sah ihn lange an, dann seufzte er angestrengt. „Hörst du mir jetzt zu … oder soll ich Anna besser ins Büro rufen, damit du aufhörst, Vegaz mit Blicken niederzuringen, die einen Rottweiler dazu bringen würden, den Schwanz zwischen die Beine zu klemmen und den Rückzug anzutreten, … und mir deine geschätzte Aufmerksamkeit schenkst.“ Tom räusperte sich vernehmlich und lächelte entschuldigend. „Ich höre, … Papa.“

Sein Vater maß ihn einen Moment lang prüfend, ehe er sagte: „Seit gestern bin ich schwer am Hadern.“ Tom zog die Stirn kraus. Dann kamen ihm Annas Worte von heute Morgen wieder in den Sinn, mit denen sie ihm freudestrahlend verkündet hatte, dass er doch mit nach Mailand fliegen würde. Ein sardonisches Lächeln legte sich auf seine Züge. „Ach was, ... hat Natascha dir etwa noch den Kopf gewaschen, nachdem ich gegangen war?“, bemerkte er mit einem Anflug von Ironie, als er sich an die gestrige Szene in Nataschas Wohnung erinnerte, deren Zeuge er unfreiwillig geworden war. Bruno verzog sichtlich zerknirscht das Gesicht, und Tom wusste, dass er mit seiner Annahme ins Schwarze getroffen hatte. Dann stimmt es also, was Anna gesagt hat. Natascha hat dich tatsächlich rumgekriegt. Respekt! Im Stillen dankte er der Frau für ihren hartnäckigen Einsatz. Aus eigener Erfahrung wusste er, welch außergewöhnlicher Sturkopf sein Vater sein konnte, wenn ihm etwas gehörig gegen den Strich ging. Bruno seufzte übertrieben theatralisch auf. „Ja, Gott, Natascha hat Recht.“, erklärte er schließlich mit einer wegwerfenden Handbewegung. Missmutig sah er Tom an. Der hob die Brauen und grinste scheel, schwer bemüht, seine kindliche Freude über die Wendung der Dinge im Zaum zu halten. „Heißt das, ich darf nun doch mit nach Mailand fliegen, … Papa.“, sagte er auf eine Weise, als würde ein Halbwüchsiger seine Eltern um Erlaubnis fragen, ins Kino gehen zu dürfen. Die Ironie in seiner Stimme war unüberhörbar. Bruno rollte genervt die Augen. Das war für Tom Antwort genug und innerlich machte sich ein seichter Anflug von Triumph breit, der von einem leisen Gefühl von Schadenfreude begleitet wurde. Natascha und Bruno hatten sich gestern in die Wolle bekommen, weil Bruno darauf bestanden hatte, dass Tom die Gespräche mit VIP-Fashion führen sollte, während die Mailand-Show eben ohne einen Vertreter der Führungsebene auskommen musste - ein Umstand, den es bei Lanford noch nie gegeben hatte. Natascha, die diese Tatsache überhaupt nicht guthieß, hatte ihm in einer – wie Tom anerkennend zugeben musste – überzeugenden Argumentation dargelegt, wie man dieses Situation alternativ lösen könnte, um so beides unter einen Hut zu bekommen. Sie hatte sich kurzfristig angeboten, die Gespräche mit VIP-Fashion zu übernehmen, während Tom nach Mailand fliegen sollte. Bruno hatte nur kurz theatralisch nach Luft geschnappt und schließlich auf eine beinahe kinoreife Weise Einspruch erhoben. Besser noch, er hatte gefordert, dass sie anstelle von Tom fliegen sollte. Woraufhin Natascha ihn dann sanft darauf hingewiesen hatte, dass sie nicht nach Mailand fliegen könne, weil sie am selben Tag bereits diverse Pressetermine wahrnehmen müsste.

Bruno, stur wie er nun mal war, hatte sich dennoch geweigert. Wie ein bockiges Kind, was nicht das bekam, was es haben wollte, hatte er sich schließlich mürrisch auf das Sofa in Nataschas Wohnzimmer gepflanzt und unflätig vor sich hin gebrummt. Es hatte nicht viel gefehlt, und er hätte sich vermutlich auf den Boden geschmissen, laut gebrüllt und um sich geschlagen hätte. Allein bei dieser skurrilen Vorstellung musste Tom grinsen. Zu allem Glück verfügte Bruno jedoch über genügend Selbstachtung, die ihn vor derartigen Peinlichkeiten schützte. Nach zwei Stunden ausgiebigen Wortgefechts in den verschiedensten Tonlagen war Tom des Theaters jedoch müde geworden und hatte äußerst verärgert das Schlachtfeld verlassen. Und für diesen Kinderkram habe ich meinen Abend mit Anna geopfert. Dass Bruno am Ende doch noch zur Einsicht gekommen war, überraschte ihn gleichsam wie es ihn erfreute - ihn regelrecht in Hochstimmung versetzte - mehr noch als Annas großzügig ausgeschnittenes Dekolletee. In diesem Moment nahm er sich vor, Natascha bei Gelegenheit für ihren erfolgreichen Einsatz zu danken. „Erde an Tom … Bitte melden!“, vernahm er Brunos ironische Worte von der Seite, woraufhin er aus seiner Gedankenwelt wieder auftauchte und seinen Vater amüsiert ansah. „Deinem Gesicht nach zu urteilen, bist du vom Ausgang der Mailand-Debatte nicht begeistert.“, witzelte er. „Bist du hier, um mich wieder umzustimmen?“ Bruno rollte die Augen und maß seinen Sohn auf eine Weise, die Tom sagte … Das ist doch alles Schnee von gestern. „Das war nicht der eigentliche Grund meines Erscheinens.“, lenkte Bruno mit einer lässigen Handbewegung ab. Toms Augen wurden groß. „Was dann?“

Der alte Lanford seufzte tief. Das tat er immer, wenn er etwas Gewichtiges auf dem Herzen hatte. „Seit gestern bin ich schwer am Hadern.“, flogen Brunos eingangs ausgesprochenen Worte erneut durch Toms Kopf. Es ging also nicht um Mailand. Was den Junior-Chef direkt wieder in Habachtstellung versetzte. Wenn sein Vater offen zugab, dass er mit etwas haderte, stand das Schiff für gewöhnlich kurz vorm Sinken. „Ich überlege gerade, ob meine Entscheidung, Carla gehen zu lassen, nicht doch zu früh kam.“ Es dauerte einen Moment, bis Tom die Worte realisierte, bereitete es ihm doch sichtlich Mühe, eine gedankliche Überleitung von dem positiven Ausgang der Mailand-Debatte hin zum negativen Carla-Konflikt zu finden. Was für ein Themenwechsel. Mit offenen Mund starrte Tom seinen Vater, als er schließlich begriff, was Bruno ihm klarzumachen versuchte. Ein Anflug von Entsetzen durchfuhr ihn, gepaart mit echtem Unverständnis. Warum? „Ich meine, wir haben im besten Fall drei Kollektionen vor uns.“, fuhr Bruno mit ernster Stimme fort. Besorgt schüttelte er den Kopf. „Anna wird das allein nicht schaffen.“, beantwortete er schließlich Toms stumme Frage. Der erstarrte, wollte zu einem Widerspruch ansetzen. Doch so wie sich die Dinge aktuell entwickelten, konnte er Brunos Bedenken nicht gänzlich von der Hand weisen. Aber musste es unbedingt Carla sein? Er hatte sie aus seinem Leben verbannt und nun sollte sie ihm wieder tagtäglich vor seiner Nase herumstiefeln? Niemals ... „Nein!“, entschied Tom mit resoluter Stimme. Bruno kniff die Augen zusammen und musterte seinen Sohn abwartend. „Ich werde vor ihr nicht zu Grabe kriechen.“, presste Tom zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. Bruno hob die Hand und strich sich angespannt über das Gesicht. Ein misstönendes Lachen entwich den Lippen des Älteren „Das Verrückte ist, ich hatte heute Morgen erneut ein Gespräch mit Haokan.“ Bruno räusperte sich leise und bedachte Tom mit einem Blick, der ein seltsam unbehagliches Gefühl in ihm aufkeimen ließ. „Sie wollen eine Auswahl haben.“ Toms Brauen hoben sich überrascht. „Und?“ Ein erschöpftes Seufzen folgte von der anderen Seite des Tisches. „Sie wollen Entwürfe von beiden Lanford-Designerinnen.“, erklärte Bruno und Tom fiel erneut die Kinnlade nach unten. Vehement schüttelte er den Kopf. „Aber Annas Entwürfe hatten sie doch beim letzten Mal schon überzeugt. Warum sollten sie jetzt auf einmal Carla wollen?“ Bruno zuckte die Schultern. „Ich weiß nicht, vielleicht haben sie noch immer Bedenken, weil es beim letzten Mal … Probleme gab.“ „Aber die hatten wir doch aus der Welt geschafft … ohne Schäden für Haokan.“, wandte Tom ein. „Tom …“ Bruno legte den Kopf schief und sah seinen Sohn mit ernstem Blick an. „… ich verstehe dich ja. Aber dieser Auftrag ist wichtig für uns.“, versuchte er, ihn zu beschwichtigen. „Nein!“, wiederholte Tom, die Stimme schneidend vor grollendem Zorn. In diesem Punkt würde er nicht nachgeben.

„Carla kommt ohnehin erst in knapp drei Wochen zurück.“, winkte Tom ab. Bruno schüttelte den Kopf. „Das wissen sie und sie geben uns auch sechs Wochen Zeit für die Entwürfe.“ Wie von der Tarantel gestochen schnippte Tom von seinem Stuhl hoch und funkelte seinen Vater verärgert an. „Nein!“ Nur über meine Leiche ..., fügte er in Gedanken hinzu. Wenn man glaubte, dass Bruno der Inbegriff eines Dickschädels war, dann hatte man Tom noch nicht erlebt. Der Kreativchef schloss die Augen und holte tief Luft, ehe er seinen Sohn erneut beschwörend ansah. „Sie wollen eine Auswahl … Das ist eine Bedingung von Haokan. Wir haben keine Alternative. Andernfalls entziehen sie uns den Auftrag.“ Tom überlegte angestrengt, sein Blick flog zu Anna durch die Glaswand, als erhoffte er, dass sie ihm helfen könne. Dann kam ihm eine Idee. „Diese Praktikantin …“, begann Tom. Bruno zog die Stirn kraus. „Diese Dunkelhaarige? Jasmin Al Sharif … ?“ Tom nickte. „Ich hab gesehen, wie sie Anna ein paar Mal unterstützt hat. Vielleicht stecken in ihr auch ein paar Designerqualitäten. Vielleicht könnte sie ein würdiger Ersatz für Carla werden.“, hoffte Tom und sah seinen Vater flehend an. „Und wenn sie Anna einfach nur zur Hand geht … vielleicht kann sie … etwas von ihr lernen …“ Tom wand sich sichtlich. Er wusste, dass seine Idee halbgar war, aber er würde alles tun, um Carla von Anna fernzuhalten. Diese Kombination, die schon zu oft für Unruhe gesorgt hatte, versprach kein gutes Ende. Bruno runzelte nachdenklich die Stirn. „Mhmm … Virgin hat gesagt, dass er sie schon das eine oder andere Mal dabei beobachtet hat, wie sie etwas kreiert hat. Nichts Weltbewegendes … Aber sie scheint gute Ideen zu haben. Und offenbar hat sie auch gute Kenntnisse im Schneidern ...“, überlegte der Kreative. „Vielleicht kann sie uns in diesem Punkt auch mit anderen Kollektionen unterstützen.“, schlug Tom vor. Schweigend rieb Bruno sich über das Kinn und sah Tom abwägend an. Nach einer gefühlten Ewigkeit lächelte er. „Gut … sprich mit Anna. Ich möchte wissen, was sie darüber denkt.“ Er machte eine bedeutungsvolle Pause. „Und ich werde versuchen, Haokan zu überzeugen, auf Carla zu verzichten.“, erklärte Bruno und erhob sich in einer fließenden Bewegung von seinem Stuhl. Tom entspannte sich sichtlich und stieß erleichtert die Luft aus, während sein Vater eiligen Schrittes sein Büro verließ.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   So Sep 08 2013, 09:50

Oh Mann, Tom geht mir mit seiner Eifersucht ganz schön auf den Keks. Vertrauen wäre wirklich mal eine gute Lösung, Tom ist eben Tom Rolling Eyes 
Na Gott sei Dank fliegt Tom mit nach Mailand, ansonsten hätte Anna ihn wohl nach ihrer Rückkehr in der Klapse besuchen müssen.
Aber Brunos Überlegungen gefallen mir gar nicht. Die blöde Tuss wieder ins zurück ins Boot holen. Das hat sie ja mal wieder geschickt eingefädelt, dass muss man ja sagen.
Und was hat sie für ihre Leistung verdient? Das hier: kloppe 

Freu mich auf mehr!!

LG, Katha


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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Sep 19 2013, 20:54

Eine kleine Fortsetzung für euch, bevor ich mich in den Urlaub aufmache. Viel Spaß und habt eine schöne Zeit. Bis bald, Mini Wink Wink 

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Teil 101

„Gehen wir nachher zum Mittag in die Else?“, fragte Paloma. Anna wandte sich von ihren Modellen ab und lächelte. „Gute Idee. Ich glaube, ich brauche dringend mal ein wenig Abstand von dem ganzen Theater hier.“ Paloma zog die Brauen hoch. „Stress?“ Anna zuckte die Schultern. „Nicht direkt … zumindest nicht mit der Arbeit.“ Paloma lächelte verstehend. „Tom?“ „Und Enrique. Die beiden sind echt schlimm.“ Anna waren Toms zornige Blicke nicht entgangen, die er in Enriques Rücken geschossen hatte, während er bei ihr gesessen hatte. Gut, Enrique konnte schon ein wenig … anstrengend sein, aber einen Grund zur Eifersucht gab es ja nun wirklich nicht. Und dann dieser plötzliche Kuss direkt vor Enriques Augen. Wie ein unreifer Teenager ..., stöhnte sie innerlich. Ihr selbst war das fast schon peinlich gewesen. Na gut, Enrique war auch nicht ganz unschuldig an dieser verfahrenen Situation, schließlich hatte er Tom mit dieser Rosenaktion ziemlich provoziert. Super Tom, du redest von Vertrauen und kriegst es selbst nicht hin. Himmel noch mal, wenn die beiden nicht endlich aufhörten, würde sie noch durchdrehen. „Alles okay, Süße?“, vernahm Anna Palomas Stimme. Ihre Freundin hatte sich auf der Schreibtischkante niedergelassen und lächelte verständnisvoll. „Tja, nicht nur Frauen können sich die Augen auskratzen, wenn sie sich um etwas streiten.“ Anna stöhnte genervt. „Ja, aber so langsam geht mir das extrem auf den Wecker.“ „Dann sag es Tom. Wahrscheinlich ist er so in dich vernarrt, dass er um sich schlägt, wie ein Preisboxer, der unbedingt gewinnen will … und dabei merkt er gar nicht, dass er schon gewonnen hat.“ Anna lachte unweigerlich auf. „Okay, Mittagspause in der Else und da überlegen wir, wie wir diesem Eifersuchtsdrama ein Ende setzen können.“ Paloma grinste. „Gut, ich hol dich gegen halb eins ab.“ Dann war sie verschwunden. Es geht doch nichts über eine beste Freundin ..., dachte Anna zufrieden und war kurze Zeit später wieder in ihre Arbeit vertieft.

Doch die Ruhe sollte nicht ewig währen. „Lust auf Mittagessen?“, fragte Enrique gut gelaunt, als er eine gute Stunde später neben Annas Schreibtisch auftauchte. Anna hob den Kopf und sah ihn kurz an. Als sie jedoch einen Blick über seine Schulter erhaschte und Tom auf sie beide zukommen sah, verdrehte sie genervt die Augen. „Wie sieht’s aus mit Mittagessen?“, fragte Tom, als er neben Enrique zum Stehen kam, und lächelte auf seine gewohnt charmante Weise, wie er es immer tat, wenn er versuchte, sie von etwas zu überzeugen. Gott, habt ihr beide dieselbe Platte gefressen? Anna musterte Tom mit ernstem Blick, doch der hatte sein Augenmerk auf Enrique gerichtet. Ziemlich intensiv und ... finster, wie Anna fand. Warum nur fing er schon wieder an, seinen besten Freund mit Blicken zu erdolchen? Enrique hatte ihr eine vollkommen unverfängliche Frage unter Kollegen gestellt. Die Blondine stöhnte gequält auf, während ihr Blick zwischen den beiden Kontrahenten hin und her huschte und dabei einmal mehr enttäuscht Toms giftigen Blick zur Kenntnis nahm, mit dem er Enrique bedachte. Mit einem genervten Seufzen erhob sie sich und trat zur Seite. Es wurde Zeit für ein paar ernste Worte ...

Wortlos und in beinahe stoischer Ruhe ordnete sie ihren Schreibtisch und schenkte Enrique schließlich ein bedauerndes Lächeln. „Tut mir leid, ich würde wirklich sehr gern mit dir zu Mittag essen …“ Sie warf Tom einen mürrischen Blick zu. „… aber ich bin leider schon verabredet.“ Enrique lächelte schief und maß Tom abschätzig von der Seite. „Kein Problem, dann geh ich eben alleine.“, meinte er knapp. „Ja, …“, erwiderte sie tonlos, während sie ihren Blick auf Tom richtete, der seinen Mund gerade zu einem triumphierenden Lächeln verzog. Anna unterdrückte mühsam ein Augenrollen. „… und nimm bitte dieses enervierende Alphamännchen mit, bevor ich noch Amok laufe.“, erklärte sie sichtlich angesäuert, lächelte Enrique affektiert zu, bevor sie Tom einen strafenden Blick schenkte. Dann wandte sie sich um und schob sich an den beiden vorbei. „Wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet.“ Sie hob vielsagend die Brauen. „Ich bin mit Paloma unterwegs, falls jemand nach mir fragt.“, erklärte sie mit süßlicher Stimme, während sie sich bei ihrer Freundin unterhakte, die just in diesem Moment neben sie trat. „Bis dann, Jungs.“, zwitscherte Paloma den beiden zu und wackelte mit den Brauen. Dann machten sich die Frauen auf den Weg zum Fahrstuhl und ließen die beiden Männer mit sichtlich irritierten Blicken zurück. „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.“, lachte Paloma. Anna stimmte kichernd ein, ehe sie einen Seufzer unendlicher Erleichterung ausstieß. Dieser männliche Besitzkampf begann sie langsam mürbe zu machen. Und es wurde Zeit, dass sie etwas dagegen tat. Beide Männer brauchten dringend eine klare Ansage, ansonsten würde Mailand ein Desaster werden.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Do Sep 19 2013, 21:24

Da stimme ich deinem letzten Satz sowas von zu. aufdiemütze  Ich finde es auch langsam albern. Dass Enrique Tom aus der Reserve locken wollte, konnte ich ja noch verstehen, aber nun kann er es doch echt mal gut sein lassen. Und Tom ... , wie oft soll Anna ihm denn noch sagen, dass er sich abregen soll, weil sie sowieso nur ihn will. Vertrauen ist das Zauberwort. Evil or Very Mad  Hatte er das nicht schon selbst erkannt?

Männer, sag ich da nur. Ich stell mir gerade vor, wie die beiden am Schreibtisch stehen und "meins, meins, meins, meins," rufen, immer mit dem Bild der albernen Möwen bei "Nemo" vor Augen. Sehr amüsant Smile 

Liebe Grüße
Katha

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Okt 01 2013, 17:47

@Katha: ohne Worte, du sprichst mir gerade aus der Seele ... Smile Smile Smile 

LG, Mini

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Mo Okt 14 2013, 22:20

Neuer Lesestoff im Anmarsch ... Wink 

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Teil 102


Als Paloma und Anna von ihrer Mittagspause aus der Goldelse zurückkehrten, hatte Anna eine Entscheidung getroffen. Sie würde dafür sorgen, dass dieses Ringen um sie ein Ende fand. Doch so eine richtige Idee, wie sie das am wirkungsvollsten anstellen sollte, hatte sie nicht. Eigentlich hatte sie sich einen Plan erhofft, als sie mit Paloma in der Goldelse saß, aber am Ende haben sie nur wieder über die Arbeit gesprochen und sind die bevorstehende Mailand-Show noch mal durchgegangen. Anna fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, zusammen mit Tom und Enrique dorthin zu fliegen und hoffte inständig, dass Virgin ihr eine Hilfe sein würde. Angestrengt starrte sie in ihr Teeglas und dachte über die Situation zwischen den beiden Männern nach. Dass Tom ausflippte, weil Enrique ihr immer wieder seichte Avancen machte, konnte sie schon irgendwie nachvollziehen. Dennoch war sein Verhalten nicht normal. Enrique war für sie nur ein guter Freund, und sie wünschte sich sehnlichst, dass Tom das endlich begreifen würde. Paloma räusperte sich und sah ihre Freundin von der anderen Seite der Sushibar mitfühlend an, während sie von ihrem Kaffee nippte. „Worüber denkst du nach, Süße?“ Anna verzog das Gesicht und stieß angestrengt die Luft aus. Dann zuckte sie die Schultern. „Mir gefällt es nicht, dass die beiden sich streiten. Sie sind immerhin beste Freunde. Und ich will nicht der Grund dafür sein, wenn sie sich zerstreiten.“, erklärte sie leise. Paloma nickte stumm. „Wie schon gesagt, dann solltest du das den Beiden klar machen.“ Anna stützte den Kopf auf ihre Hände uns seufzte tief. „Vielleicht ging das mit Tom doch einfach viel zu schnell.“, sagte sie leise, mehr zu sich selbst. Aber nicht leise genug, denn auf ihre Worte hin riss Paloma alarmiert die Augen auf. „Was willst du damit sagen?“ Anna sah gequält auf. „Ich mag sie beide, … aber Tom liebe ich.“ Ein abgrundtiefes Seufzen. „Aber ich hab keine Ahnung, wie ich ihm zeigen soll, dass er mir vertrauen kann … und dass Enrique keine Gefahr für ihn ist.“ Paloma verzog den Mund zu einem leichten Lächeln. „Vielleicht solltest du mit Enrique reden. Wenn er weiß, wie du für Tom empfindest, hört er vielleicht auf, dessen Eifersucht heraufzubeschwören.“ Anna verzog unschlüssig das Gesicht. „Meinst du?“ „Du solltest für klare Verhältnisse sorgen, denn offensichtlich sind die Beiden nicht dazu in der Lage.“ Anna nickte leicht, während Palomas Blick über ihre Schulter wanderte. „Und du kannst auch gleich damit anfangen.“

Abrupt sah Anna auf und folgte Palomas Blick. Enrique steuerte gerade auf die Sushibar zu, an der sie saßen. Sie verdrehte die Augen und seufzte tief. „Hi, ihr zwei …“, begrüßte er sie fröhlich. „Hi.“, antworteten beide lahm. Enrique runzelte die Stirn, während sein Blick fragend zwischen Anna und Paloma hin und her huschte. Anna maß ihn prüfend, während Palomas Worte erneut durch ihr Hirn huschten. Paloma hat Recht. Sie holte tief Luft und setzte zu ihrer Rede an, die in ihrem Kopf noch nicht ganz vollständig war. „Hör zu, Enrique …“, begann sie. „Tut mir leid, Anna …“, unterbrach er sie hastig und brachte sie damit vollends aus dem Konzept. „Das vorhin … das war nicht richtig.“, gab er kleinlaut zu. Anna sah ihn erstaunt an, dann schüttelte sie seufzend den Kopf. Sie griff seine Hand und lächelte ihn an. „Enrique, ich mag dich … du bist ein guter Freund, aber …“ Ihr Blick klebte an seinem Gesicht, während ihr die Worte im Halse stecken blieben. Aber ich liebe Tom. Nun sprich es doch laut aus  … ist doch gar nicht schwer …, flehte ihr Unterbewusstsein. Enrique sah sie erwartungsvoll an, während Anna der Mut verließ. „Äh … was hältst du von einem Kinobesuch? Heute Abend?“, sprudelte es stattdessen aus ihrem Mund hervor. Hilfesuchend husche Annas Blick zu Paloma, während sie sich fragte, welcher Teufel sie verdammt noch mal geritten hatte, dass sie diesen bekloppten Vorschlag machte. Paloma wirkte überrascht, hob unsicher die Schultern. Und nachdem Anna ihre Worte noch einmal hatte Revue passieren lassen, fand sie, dass ihr Vorschlag doch eigentlich gar keine so schlechte Idee war. Auf diese Weise kann ich sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ich beweise Tom, dass er mir vertrauen kann. Und Enrique werde ich ein für alle Mal klar machen, dass er sich keine Hoffnungen machen braucht. Enrique sah sie überrascht an. „Äh … gerne.“ Anna lächelte Paloma zu, doch ihre Augen starrten ausdruckslos über ihre beiden Köpfe hinweg, ehe sie sich vernehmlich räusperte. Anna wandte sich um und erblickte Tom, der sichtlich entsetzt auf sie und Enrique, dessen Hand noch immer von Annas umfasst war, starrte. Scheiße. So war das nicht geplant. Ihre Blicke trafen sich und Anna zog sich das Herz zusammen, als sie die Enttäuschung in seinen Augen erkannte, die seine eiligst aufgesetzte ausdruckslose Fassade nicht ganz hatte verbergen können. Ohne ein weiteres Wort wandte Tom sich um und steuerte sein Büro an. Enrique räusperte sich und entwand Anna seine Hand. „Ich kläre das, okay.“ Anna, die noch immer vollkommen paralysiert wirkte, nickte und blieb auf ihrem Stuhl wie angeleimt sitzen.

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Okt 15 2013, 00:02

Liebe Mini es ist immer wieder schön diese FF zu lesen,du schreibst richtig toll.Ich habe sie schon ein paar mal gelesen.Es ist echt schön das es so tolle Schreiber wie dich und Katha hier gibt.Danke dafür:flowers: Lg. Carla
Ach ja falls ihr doch mal ein Buch rausbringt ich kaufe das erste Wink 

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BeitragThema: Re: Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"   Di Okt 15 2013, 00:05

Schreibt doch eins zusammen Idea  ,mein Gott das wär klasse banana banana 

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Anna und die Liebe - AnTom FF (Part I) "Liebe findet ihren Weg"
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